Ärztliches Rezept
— 73 —

Elemente der Beredsamkeit (Unsur-ul Belâgat)

﴿ بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ﴾

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen"}

اَلطَّيِّبَاتُ لِلّٰهِ وَ الصَّلَوَاتُ عَلَى نَبِيِّهِ

{"Alle guten Worte gebühren einzig und allein Gott und alle Segensgebete seinem Propheten"}

Zweites Kapitel

Es handelt sich hier um die Erklärung einiger Punkte (mes'elenin beyanı), die sich auf das Wesen (ruh) der Beredsamkeit (belâgat) beziehen.

Erster Punkt

Die Geschichte (tarih) belehrt uns (ders) bedauerlicher Weise (lisan-ı teessüf): fasziniert (cazibesi) von dem Sultanat der Araber haben sich die Fremden (a'cam) unter die Araber gemischt (muhtelit) und so schließlich die Quelle (maden) der Beredsamkeit (belâgat) des Qur'ans in Verwirrung (müşevveş) gebracht, welche die Gewandheit (meleke) des Mudarî genannten Dialektes (kelâm) ist. Die Fremden, noch nicht Erfahrenen (acemler ve acemîler), haben sich zudem mit der Kunst (san'at) der arabischen Literatur (belâgat) befasst und das Gespür für die Beredsamkeit (zevk-i belâgat) von der Übereinstimmung der Bedeutung (nazm-ı maânî), welche den naturgemäßen Strom (mecra-yı tabiî) der Gedanken (fikir) ergibt, in den Klang der Worte (nazm-ı lafz) umgewandelt. Es ist dies wie folgt:

Der naturgemäße Strom (mecra-yı tabiî) der Gedanken und der Gefühle (efkâr ve hissiyat) liegt in der Übereinstimmung der Bedeutung (nazm-ı maânî). Was die Übereinstimmung der Bedeutung (nazm-ı maânî) betrifft, so stützt sie sich auf die Logik (mantıkla müşeyyed).

Was die Art und Weise der Logik (mantıßın üslûbu) betrifft, so richtet (müteveccih) sie sich nach den Tatsachen (hakaik), die einander folgen (müteselsil). Die Meinungen (fikir), die sich mit den Wahrheiten (hakaik) vor ihnen beschäftigen (karşısı), beeinflussen (nafizdir) ihre wesentlichen Feinheiten (dekaik-ı mahiyat). Was diese Feinheiten des Wesens betrifft, so erstrecken sie sich bis in die vollkommene Ordnung der Welt (âlemin nizam-ı ekmeli) hinein, wo sie dann wachsen und gedeihen (mümidd ve müstemiddir). In dieser vollkommenen Ordnung (Nizam-ı ekmel) liegt die abstrakte Schönheit (hüsn-ü mücerred), welche die Quelle jeglicher Art (hüsnün menbaı) von Schönheit ist. Was diese abstrakte Schönheit (hüsn-ü mücerred) betrifft, so ist sie der Garten all der Blumen (çiçeklerinin bostanı) der Beredsamkeit (belâgat), welche ihre Besonderheiten und Feinheiten (mezâyâ ve letaif) genannt werden. Dieser Garten der Blumen (çiçeklerinin bostanı) ist der Klang der Nachtigal (bülbüllerin naßamatı), die in den Gärten der Schöpfung (cinan-ı hilkat) erscheint (cilveger), sich an den Blumen erfreut (ezhara perestiş) und als ein Dichter (şâir) bezeichnet wird. Was dem Klang der Nachtigal (bülbüllerin naßamatı) die Harmonie des Geistes (aheng-i ruhanî) verleiht, ist seine Übereinstimmung mit seiner Bedeutung (nazm-ı maânî).

Darüber hinaus (hal böyle) haben sich diejenigen, die nicht zu den Arabern gehören, unter sie gemischt, während sie doch noch auf ihre Hilfe angewiesen und noch unerfahren (tufeylî ve acemîler) sind, darum bemüht (çalıştıklar), sich in der arabischen Literatur (belâgat) auf dem Niveau der Literaten (üdeba sırası) zu etablieren. So lief das Ganze aus dem Ruder (iş çıßırdan çıktı). Denn (zira) Die Wesensart eines Volkes (milletin mizacı) ist der Ursprung (menşe) der Empfindungen dieses Volkes (milletin hissiyatı), so wie ihre gemeinsame Sprache (lisan-ı millî) ebenfalls der Spiegel ihrer Empfindungen (hissiyatının ma'kesi) ist... Die Wesensarten der Völker (milletin emziceler) sind unterschiedlich und so unterscheiden sich die Fähigkeiten in der Literatur (istidad-ı belâgat) ihrer Sprache (lisan) ebenfalls von einander (mütefavit). Besonders (lâsiyyema) wenn es sich dabei um eine Sprache (lisan) handelt, die wie die arabische Sprache auf ihren eigenen Gesetzen aufgebaut (nahvî bir lisan) ist... Aufgrund dieses Geheimnisses (sırra) trat der Klang der Worte (nazm-ı lafz), der viel zu mangelhaft (nâkıs), kurz (kısa), trocken (kuru) und dürre (kır'av) ist, um ein Strom (mecra) für den Fluss der Gedanken (cereyan-ı efkâr) und eine Wiese (çimengâh) für die Blumen der Beredsamkeit (belâgat çiçeklerine) zu sein, der Ordnung der Bedeutung (nazm-ı manaya) entgegen, die für sie ein natürlicher Strom (mecra-yı tabiî) ist, und brachte so die Beredsamkeit in Verwirrung (belâgatı müşevveş).

— 74 —

Da (zira) die Unerfahrenen (acemîler) durch ihre falsche Wahl (sû'-i ihtiyar) oder notgezwungen (sevk-i ihtiyaç) die Anordnung und die Verbesserung ihrer Wortwahl (lafzın tertib ve tahsinine) benötigen (muhtaç) und sich deshalb enstsprechend um das Studium (tahsil) der Bedeutungen in ihrem Wörterbuch (maânî-i lügaviye) entsprechend bemühen, und da die Worte (elfaz) durch den Umgang (mecra) mit ihnen leichter (âsân), verständlicher (zahir) und schon durch ihre oberflächliche Betrachtung (nazar-ı sathîye) vertrauter werden (munis) und so für die Augen der einfachen Menschen (avamın nazarları) noch faszinierender und attraktiver (cazibedar ve avamperestane) sind als die Käfer (hevam) und insoweit sie während einer Kundgebung (nümayiş) an einem geeigneten Ort (müstaid bir zemin) für die einfachen Leute allgemein gebräuchlich sind, haben sie ihren Wert (sarf-ı himmet) weit mehr auf diese Wörter (elfaz) gelegt, d.h. sie haben sich nicht darum gekümmert (tagalgulden zihinleri çevirip), deren Bedeutung in die Reihe (tertib-i maânî) zu bekommen und liefen statt dessen den Wörtern hinterher (elfaz arkasına), als sei dies ein Spaziergang (dolaşıyorlar). Auf dem Weg der eingehenden Beschäftigung könnten vor ihnen um so prunkvollere Felder (müşa'şa' sahralar) auftauchen (göstermek şanında), je größer die Entfernung wird, die sie dabei zurücklegen (mesafe kat'ederse).

Ihre Gedanken (fikirler) haben in der Folge ihrer Worte (elfazın arkasına) entsprechend der Vorstellung von deren Bedeutung (maânînin tasavvurları) an Klarheit eingebüßt (çatallaşmış). Und so wurde denn allmählich (gide gide) die Konzentration auf die Auswahl der Wörter wichtiger (galebe) als die auf deren Bedeutung (elfaz mânaya) und geriet stets mehr in den Vordergrund (istihdam ederek). Der natürliche Ablauf (kaziye-i tabiiye) bei der Wortwahl (lafz), der ihrer Bedeutung dienen sollte (manaya hizmet), wurde in ihr Gegenteil verkehrt (aksine çevrildißinden). Doch von dem Wesen der Beredsamkeit (tabiat-ı belâgat) bis zu der Kunstfertigkeit (san'at) dieser eingebildeten Wortverehrer (lafızperest mutasallıflar)... nein (yok), ja bis hin zu ihren Künsteleien (tasannu) ist es noch ein weiter Weg (uzun bir mesafe).

Wenn du willst, schlage das Buch "Stilistik (Makamat)" von Harîrî auf, der ein genialer Literat (dâhiye-i edeb) ist, und siehe (gir, gör), wie dieser geniale Literat (dâhiye-i edeb) von der Liebe zu seiner Wortwahl (hubb-u lafz) überwältigt wurde (maßlub). Sein Hang (heves) zur Wortverehrung (lafızperestlik) hat seine so wertvolle Literatur (kıymetdar edeb) besudelt, wodurch er bei allen Wortverehrern (lafızperest) zu einem Musterbeispiel (nümune-i imtisal) und zu einem Grund für ihre Entschuldigung (bast-ı özür) geworden ist. Daher füllte Abdülkahir der Große (koca), um diese Krankheit zu behandeln (hastalıßı tedavi), ein Drittel seines Werkes (sülüs) "Hinweise der Wunderhaftigkeit und Geheimnisse der Beredsamkeit (Delail-i İ'caz ve Esrar-ül Belâgat)" mit Medikamenten (ilâçlar) gegen sie. Diese Wortverehrung (lafızperestlik) ist zwar eine Krankheit (hastalık), doch wird sie in der Tat nicht als Krankheit (hastalık) anerkannt...

Anmerkung: Gleich wie die Wortverehrung eine Krankheit (hastalık) ist... so sind auch die Bilderverehrung (suretperestlik), die Verehrung von Ausdrucksarten (üslûbperestlik), von Gleichnissen (teşbihperestlik), Phantasiegebilden (hayalperestlik) und Reimen (kafiyeperestlik) zum Teil schon heute und werden auch noch in Zukunft (ileride) durch die Überbewertung (ifrat) zu einer Plage (maraz), ja zu einer richtigen Krankheit (tam bir hastalık) werden und ihr den Sinn (mana) einer Redewendung opfern (feda edecek). Viele Literaten (çok edib) haben sogar schon heute damit begonnen (şimdiden başlamış), um einer subtilen Anspielung (nükte-i zarafet) oder nur um des Reimes (kafiye) willen in ihrer Literatur (edeb) dergleichen Unartigkeiten (edebsizlik) zu begehen.

Ein Wort sollte zwar verziert werden (lafza zînet verilmeli), soweit dies das Wesen der Bedeutung (tabiat-ı mana) erfordert... und der Natur seiner Bedeutung Pracht (suret-i manaya haşmet) verliehen werden, falls die sinngemäße Übertragung (mealin izni) dies erlaubt... und der Ausdrucksweise Glanz (üslûba parlaklık) verliehen werden, falls die Fähigkeit des Ziels und Zwecks (maksudun istidadı) dazu geeignet ist... das Gleichnis ein wenig aufpoliert (matlubun münasebeti) werden, falls ein Zusammenhang dem Ziel und Zweck zur Zufriedenheit (rızasını tahsil) entspricht... und die Phantasievorstellung in der Tat mit Bewegung und Prunk (hayale cevelan ve şaşaa) ausgestattet werden, falls dies die Wahrheit nicht beeinträchtigt (hakikatı incitmemek) und insoweit nicht mit ihr vereinbar ist, sondern ein Beispiel für die Wahrheit (hakikata misal) ist und von der Wahrheit Unterstützung (hakikattan istimdad) erhält.

— 75 —

Zweiter Punkt

Die Belebung eines Wortes (kelâmın hayatlanması) und dessen Wachsen und Gedeihen (neşv ü neması); heißt, durch die Verkörperung der Bedeutungen (manaların tecessüm) und durch die Einhauchung des Geistes (nefh-i ruh) in allen unbelebten Dingen (cemadat) ein Gespräch (mükâleme) und einen Dialog (mübahase) in ihrem Inneren herbeizurufen (içlerine atmak). Es ist dies wie folgt:

Durch die Verbindung (mukarenet) zweier Dinge, deren Sein und Nichtsein (vücud ve adem) als deren Rotation (deveran) bezeichnet wird, stellt man sich eines als Auslöser (illet), Quelle (me'haz) oder Ursprung (menşe') des anderen vor. Auf dieser herkömmlichen Überzeugung (itikad-ı örfî) ist eine gewisse Sophisterei der Einbildung (maßlata-i vehmiye) aufgebaut, auf die sich die Vorstellungskraft (kuvve-i hayal) stützt. Durch den Zauber der Verkündigung (sihr-i beyan), die aus dieser Vorstellungskraft erwächst, ruft man wie ein Zauberer (sehhar) die leblosen Dinge ins Leben (cemadatı hayatlandı) und bringt sie dazu, mit einander ins Gespräch zu kommen (birbiriyle söyletir). So werfen sie dann mit ihrem Hass oder ihrer Liebe (adavet veya muhabbet) um sich. Zudem lässt man sich die Bedeutungen verkörpern (manaları tecessüm), belebt sie (hayat) und ruft in ihnen die Wärme des Lebens (hararet-i gariziye) hervor.

Wenn du willst, tritt in den folgenden Doppelvers (beyte) ein, der es verdient (şayeste), als eine Wohnstatt voller Lärm (gürültü) bezeichnet zu werden (menzil ıtlakına):

يُنَاجِينِىَ اْلاِخْلاَفُ مِنْ تَحْتِ مَطْلِهِ وَ تَخْتَصِمُ اْلاٰمَالُ وَ الْيَاْسُ فِى صَدْرِى

Das heißt: "Unter dem Deckmantel (perde) der Verschiebung seines Zahlungstermins (Mumatala-i hak) spricht sein Wortbruch (hulf-ül va'd) mit mir. Er sagt: Lass dich nicht täuschen (aldanma)!.. Seinetwegen haben meine Hoffnungen (ümidler) begonnen, in meiner Brust (sine) mit meiner Verzweiflung zu ringen (ye's ile kavga) und ermüden mich so in meiner Brust (sadrımı harab), die ja jene bebende Wohnstatt (mütezelzil hane) ist."

Du siehst (göreceksin), wie der bezaubernde Dichter (şâir-i sahir) Hoffnung und Verzweiflung (emel ve ye'si) verkörpern, sie beleben (hayatlandırarak) und vorführen lässt (temsil eyledi), durch die Aufwiegelung des Wortbruchs (ihlafın fitnesi), der ein Zuträger (nemmam) ist, einen Kampf und eine Feindschaft (muharebe ve muhasama) auftauchen lässt, so als ob dieser Doppelvers (beyt) wie eine Kinovorführung (sinematoßraf) vor deinem Verstand als ein Traum (aklına rü'ya) erscheint. In der Tat bringt ihn dieser Zauber des Wortes (sihr-i beyan) auf seine Weise zum Einschlafen (nevi tenvim).

Oder höre (dinle) nun die wechselseitigen Liebesworte und die Klagen (muaşaka ve şekva) der Erde und des Regens (yerin yaßmur)! Folgendermaßen (işte):

تَشَكَّى اْلاَرْضُ غَيْبَتَهُ اِلَيْهِ وَ تَرْشَفُ مَائَهُ رَشْفَ الرُّضَابِ

Das heißt: "Sie beklagt sich (teşekki) bei dem Regen über seine Verspätung (yaßmurun geç gelmesi). Und saugt sodann dieses Wasser (suyunu emer) als das Mundwasser (aßız suyu) ihres Geliebten (Mahbub) in sich hinein." Flößt dir dieses Gedicht (şiir) etwa nicht ein, dir die Erde (yer) als Mecnun und die Wolken (sehab) als Leyla vorzustellen (tahyil etmiyor)?

Anmerkung: Was dieses Gedicht (şiir) so schön klingen lässt (güzel gösteren), ist in gewissem Grade (derece) der Phantasie (hayal) eine Asoziation (müşabehet) mit einer Tatsache (hakikat). Denn wenn sich der Regen verspätet hat (yaßmur gecikse) und dann endlich kommt, gibt die Erde (toprak) einen Laut (savt) so ähnlich wie ein "Wis-Wis" von sich und zieht dabei das Wasser in sich hinein (suyunu çeker). Derjenige, der diesen Vorgang betrachtet (hali gören), bemerkt diese Verspätung (geçlik) des Regens und die dringende Not der Erde (şiddet-i ihtiyac) und gestaltet (ifraß) aufgrund (sırr) der bekannten Abhängigkeit (meşhur deveran) kraft seiner Phantasie (tevehhümün) ein Liebestreffen und eine Unterhaltung (muaşaka ve mükâleme).

Hinweis: Es muss (şart) sich in jeder Phantasie (hayal) auch noch ein Körnchen Wahrheit (dane-i hakikat) gleich einem Samenkörnchen (çiznök) finden lassen...

— 76 —

Dritter Punkt

Das Ehrenkleid (elbise-i fahire) eines Wortes (kelâm) oder seine Schönheit und seine Form (cemali ve suret) gestaltet sich durch seinen Stil (üslûb), nämlich durch eine feste Gestalt des Wortes (kalıb-ı kelâm). Es ist dies wie folgt:

Entweder durch aufmerksame Betrachtung (dikkat-i nazar), durch intensive Beschäftigung (tevaggul), durch Inangriffnahme (mübaşeret) oder durch die Befruchtung der Kunst (san'atın telakkuhu) tritt in der Phantasie (hayal) eine Neigung hervor (tevellüd). Aus den Gestalten (suretler), die sich durch die charakteristischen Merkmale dieser Neigung (temayülatın hususiyat) formen, setzen sich allegorische Darstellungen (istiare-i temsiliye) zusammen (terekküb). Da die Bestandteile (parçalar) solcher allegorischer Darstellungen sich vereinen (telahuk), gewinnt der Stil an Farbe (teşerrüb) und Leuchtkraft (tenevvür) und nimmt Gestalt an (teşekkül). Und so wie der Stil (üslûb) eine feste Gestalt des Wortes (kelâmın kalıbı) ist, so ist er auch die Quelle der Schönheit (cemalin madeni) und der Webstuhl eines Ehrenkleides (hulel-i fahirenin destgâhı).

Es ist, als hätte der Wille (irade), der es verdient (şâyan), eine Trompete des Verstandes (aklın borazanı) genannt zu werden, einen Ton (ses) von sich gegeben und wären die Bedeutungen (mana), die sich in den dunklen Ecken des Herzens (kalbin karanlık köşeler) zur Ruhe begeben (yatan) hatten, jetzt nackt (çıplak), barfuss (yalın ayak) und barhäuptig (baş açık) wieder herausgekommen (çıktık) und treten nun in die Phantasie (hayal), den Ort der Bilder (mahall-i suver), wieder ein.

So ziehen sie dann jeweils ein Bild an (sureti giyer), das sie in dieser Schatzkammer der Phantasie (hazinet-ül hayal) vorfinden. Dabei tragen sie zum mindesten noch ein Kopftuch (yazma) und ein Paar Schlappen (pabuc) und kommen wenigstens mit einem Orden (nişan) wieder heraus. Wenn dies auch nicht der Fall ist (hiç olmazsa), so zeigen sie doch immerhin durch die Knöpfe an ihrer Uniform (düßme) und ihre besondere Ausdrucksweise (kelime), wo sie ihre Erziehung (terbiye) erhalten haben.

Wenn du den Stil eines Wortes (kelâm), so wie dieses Wort nun einmal gewöhnlich (tabiat) gebraucht wird (kelâmın üslûbunda), kritisch betrachtest (im'an-ı nazar), so wirst du den Sprecher (mütekellim), der in seinem Fachgebiet (kendi san'atı) zuhause ist, gleich einem Spiegel (âyine-misal) an seinem Stil (üslûb) erkennen. Falls du ihn selbst sogar aufgrund seines Atems (nefsini nefesinden), seiner Stimme (ses), seinem Wesen, (mahiyetini nefsinden), seinem Hauch (üfürmesi) erraten, seinen Temperament (mizac), seine Geschicklichkeit in seinem Fachgebiet (san'at) aus seinen Worten (kelâmıyla mümtezic) erraten wolltest, würde man dich nicht kritisieren (muateb), als würdest du einer Schule der Phantasten (hayaliyyun mezhebi) angehören.

— 77 —

Wenn deine Phantasie (hayal) infolge eines Zweifels (tereddüd) erkrankt ist (hastalık), gehe dann in die Heilanstalt (bîmarhane) des Gedichts "Mantel (Kaside-i Bürde)" und siehe, es sagt (git, gör):

وَاسْتَفْرِغِ الدَّمْعَ مِنْ عَيْنٍ قَدِ اْمَتَلاَتْ مِنَ الْمَحَارِمِ وَالْزَمْ حِمْيَةَ النَّدَمِ

{"Lass aus deinen Augen, die mit Verbotenem gefüllt sind, Tränen fließen und halte dich an deiner Reue als einer Art deiner Diät fest!"}

Hakîm-i Busayrî verordnet (reçete) dir, zu bereuen und dich sodann zu übergeben (istifraß ve nedamet) als eine Art deiner Diät (perhiz).

Nachdem dein Appetit angeregt wurde (iştihanın açılması), siehe (seyretmek), wie du dir das klare Wasser der Bedeutung (zülal-i mana) in der Flasche der Wahrheit (hakikatın şişesi), die Stil (üslûb) genannt wird, zubereitest (muvafık) und wie du dich daran gewöhnst (imtizac). Hast du Lust (iştiha), von diesem klaren Wasser (zülal) zu trinken, gehe in eine Kneipe (meyhane) und sage: "Oh Wirt (meyhaneci), was ist ein prägnantes Wort (kelâm-ı belig)?" Auf jeden Fall (elbette) wird sein Fachgebiet (san'at) ihn dazu veranlassen, das folgende zu sagen (şöyle söylettir):

Ein prägnantes Wort (kelâm-ı belig) ist das Wort (kelâm), das mit seiner Bedeutung (mana) gleich dem Lebenswasser (âb-ı hayat), das in Töpfen (çömlek) zubereitet wird, die man das Wissen (ilim) nennt, in riesigen Krügen (küpler) lagern, die man die Weisheit (hikmet) nennt, und durch ein Sieb (süzgeç) passiert, welches man das Verständnis (fehm) nennt, Kellner (sâkiler), als die man ganz besondere Menschen (zürefa) bezeichnet, die einschenken (döndürüp) und Meinungen trinken (efkâr içer). Sie gehen in Geheimnissen einher (esrarda temeşşi) und setzen so Gefühle in Bewegung (hissiyatı ihtizaza).

Wenn dir die Worte (sözler) solch Betrunkener (sarhoş) nicht gefallen, höre (dinle) dann die Nachricht und den Bericht (nebe' ve haber), den der Wiedehopf (Hüdhüd) Suleimanns, der ein Ingenieur des Wassers (suyun mühendisi) ist, aus Sebe bringt!... Wie er den Majestätischen Herrn beschreibt (Zülcelal'in tavsifi), der den Qur'an herabgesandt (inzal) und die Himmel und die Erde erschaffen hat (ibda'-ı semavat ve arz). Der Wiedehopf sagt: "Ich habe ein Volk getroffen (kavme rast). Die werfen sich nicht vor Gott nieder (Allah'a secde etmiyorlar), der aus der Erde und dem Himmel das Verborgene (zemin ve âsumandan mahfiyat) hervor bringt..." Siehe (bak), wie der Wiedehopf (Hüdhüd) unter den vollkommenen Eigenschaften (evsaf-ı kemal) nur die oben erwähnte Eigenschaft (vasf-ı mezbur) ausgewählt hat, die seiner Vorstellung entspricht (hendese telvih).

— 78 —

Hinweis: Was ich mit Stil (üslûb) meine, ist die Form und Gestalt (kalıb ve suret) eines Wortes (kelâm). Andere formulieren das unterschiedlich (başka). Zu dieser Beredsamkeit gehört es auch (belâgatça faidesi), die verschiedenen Abschnitte und Teile (perişan olan parça) einer Geschichte (kıssatın tefarıkı) zusammen zu fügen und mit einander zu verbinden (iltiham ve bitiştirmek), damit im Geheimnis (sırr) der Regel (kaide) "Wenn etwas feststeht (sabit olursa), dann steht es mit allem fest, was dazu gehört (levazımıyla sabit)" durch die Erwähnung eines Bruchteils (cüz'ü tahrik) die gesamte Geschichte (kıssatın küllü) lebendig wird. Könnte der Sprecher (mütekellim) den Angesprochenen (muhatab) auch nur ein Teilchen seiner Erzählweise (üslûbun bir köşesi) erkennen lassen, so würde der Angespochene (muhatab) spontan auch das Ganze erfassen können (tamamını görebilir), selbst säße er dabei gewissermaßen im Dunkeln (bir derece karanlık).

Siehe, wo es nur sein mag, führt das Wort "Zweikampf (mübareze)" dir wie durch ein Fenster (pencere) den Kampfplatz (meydan-ı harb) vor, auf dem ein Kampf (harb) stattfindet. Solche Worte gibt es in der Tat sehr viele (çok böyle kelimeler). Man könnte sie sich (caiz) als ein Vorführgerät der Phantasie (hayalin sinematoßrafisi) vorstellen.

Anmerkung: Die Arten der Ausdrucksweise (üslûb meratibi) sind sehr verschieden (mütefavit). Manchmal ist sie so fein und subtil (latif ve rakik), dass der Wind in ihr noch leichter (âheste) weht als der Morgenwind (nesim-i seher). Manchmal sind sie so verborgen (gizli), dass sie noch geheimer (mestur) sind, als die Kriegslisten der Diplomaten (desais-i harbiye), die in unserer Zeit Kriege (zamanın harbi) führen. Da braucht man (lâzım) schon den Geruchssinn eines Diplomaten (kuvve-i şâmme), um sie überhaupt wahrnehmen zu können (istişmam edebilsin).

Ein Beispiel: Von der Ausdrucksweise des Satzes (şive-i ifade) in der Sure "Ya-sin":

﴿ مَنْ يُحْيِى الْعِظَامَ وَ هِىَ رَمِيمٌ ﴾

{"Wer wird die Gebeine wieder lebendig machen, wenn sie bereits morsch geworden sind."}

entnahm (istişmam) Zemahşerî die Frage (üslûb)

مَنْ يَبْرُزُ اِلَى الْمَيْدَانِ

{"Wer soll hier auf dem Platz herausfordern?"}

Der Mensch (insan) verteidigt sich sinngemäß (manen müdafaa) durch seine Auflehnung (isyan) gegen die Anweisungen des Schöpfers (Hâlıkın emri) und fordert Ihn dadurch in der Tat heraus (mübareze)...

— 79 —

Vierter Punkt

Was die Kraft und Macht (kuvvet ve kudret) eines Wortes betrifft, so müssen die Abgrenzungen des Begriffes, den dieses Wort beinhaltet (kelâmın kuyudat), einander Antwort (cevab) geben und seine jeweilige Stellung (keyfiyat) im Satz einander Hilfe (muavenet) leisten. Im Großen und Ganzen (umumen) muss diese so weit wie möglich (karınca kaderince) auf die Satzaussage hinweisen (asıl garaz) und jeweils mit ihrem Finger (herbiri parmak) auf den Zweck (maksad) hindeuten und so dem Leitsatz entsprechen (düsturuna timsal), der da sagt (demek):

عِبَارَاتُنَا شَتَّى وَحُسْنُكَ وَاحِدٌ وَكُلٌّ اِلَى ذَاكَ الْجَمَالِ يُشِيرُ

{"Auch wenn unsere Art sich auszudrücken verschieden ist, ist deine Schönheit doch eine einzige. Alle zusammen weisen auf diese Schönheit hin."}

Das also heißt, dass die Abgrenzungen des Begriffes (kuyudat), das dieses Wort beinhaltet, Rinnsalen (zenav) oder Bächen (dere), die Satzaussage (maksad) zwischen ihnen jedoch einem Teiche (havuz) gleicht, aus dem er Hilfe (istimdad) bekommt.

Kurzum: Damit die Formulierung der Satzaussage (suret-i garaz), wie sie in unserer Vorstellung (zihn) entsteht und mit dem Auge des Verstandes (nazar-ı akl) wahrgenommen wird, nicht durcheinander (müşevveş) gerät, ist es notwendig (lâzım), einander zu antworten (tecavüb), zu helfen (teavün) und zu unterstützen (istimdad).

Hinweis: Aus dem obigen Punkt heraus entsteht (neş'et) eine Übereinstimmung (intizam). Es kommt eine Entsprechung zustande (tenasüb tevellüd) und erglänzt in aller Schönheit und Pracht (hüsn ü cemal). Wenn du möchtest, so betrachte nun eingehend (teemmül) als folgendes Wort (kelâm) des Hochehrwürdigen Herrn (Rabb-i İzzet)!...

Hier nun ein Beispiel: Um den Menschen (insan) durch eine Strafe (azab) zu erschrecken, von der auch nur ein Fünkchen (zerresi) viel schwerer wiegt als selbst ein riesieger Stein (taş), und um zu zeigen (göstermek), dass er besorgt (kalâk) ist und etwas nicht ertragen kann (tahammülsüz), betrachte die Ayah, die sagt (sevk):

﴿ وَلَئِنْ مَسَّتْهُمْ نَفْحَةٌ مِنْ عَذَابِ رَبِّكَ ﴾

{"Wenn aber auch nur ein Hauch der Strafe deines Herrn sie berührt, ..." - Sure 21,46-}

Aufgrund einer Regel der Rhetorik (kaide-i beyaniye), die besagt: "etwas von seinem Gegenteil (zıdd) wiederspiegeln (in'ikas) lassen" wird in diesem Satz die heftige Wirkung (derece-i tesir) eines Teils dieser Strafe (azab) angedeutet, um die Furchtbarkeit und Schrecklichkeit (tehvil ve tahvif) zu zeigen. Die Minimierung (kıllet), welche die Satzaussage (esas-ı maksad) ist, streckt überall nach allen Formulierungen in einem Satz (kelâmın her tarafı) die Hand aus (elini oraya uzatıp) und verstärkt sie dadurch noch mehr (kuvvet veriyor). Es ist dies wie folgt:

— 80 —

Das Wort (lafz) اِنْ {"wenn aber"} lässt einen Verdacht (teşkik) schöpfen und dieser Verdacht bezieht sich auch auf eine Verminderung (tahfif). Das Wort مَسَّتْ {"berühren"} heißt dabei: "ein wenig berühren (yalnız temas)" und das Wort نَفْحَةٌ {"Hauch"} drückt zugleich wörtlich (madde), seiner Form (modus) entsprechend (sîga), also nach der Nunation (tenkir) eine Verminderung (taklil), einen Diminutiv (tahkir) aus... Das Wort مِنْ {"von"} bedeutet einen Bruchteil (teb'iz). Im Vergleich zu "nekal" drückt das Wort عَذَابِ {"Strafe"} hier eine - wenn auch - mindere Art Strafe aus (zikrindeki tehvin). Das Wort رَبِّكَ {"dein Herr"} lässt dabei Seine Barmherzigkeit verspüren (îma-i rahmet). Insgesamt (umumen) deuten alle diese Wörter auf eine Minderung (taklil) hin, um die Strafe (azab) in ihrem unendlichen Grade als groß und furchtbar (ta'zim ve tehvil) zu zeigen. Wenn (zira) sich also bereits das Mindere (az) derart zeigt, möge Gott (Allah) uns dann vor dem Gewaltigen beschützen (çoßu esirgesin)...

Anmerkung: Dies hier sollte für dich eine Übung (sermeşk) sein. Wenn du schreiben kannst, dann übe (meşk) also! Denn (zira) alle Ayat des Qur'ans verfügen (mazhar) über diese Wohlordnung (intizam), ihre Entsprechungen (tenasüb) und ihre Schönheit (hüsne). Die einzelnen Satzaussagen (makasıd) sind jedoch manchmal einander untergeordnet (mütedahilen) und dadurch mit einander verbunden (müteselsil). Was der einen untergeordnet (tevabii) ist, ist dadurch mit der anderen verbunden (mukarin), bleibt jedoch unverwechselbar (muhtelit olmaz). Darauf muss man (gerek) stets achten (dikkat). Denn (zira) bei oberflächlicher Betrachtung (nazar-ı sathî) verwechselt man solche Stellen öfter miteinander (çok halt eder).

— 81 —

Fünfter Punkt

Was den Reichtum und den Umfang (servet ve vüs'at) eines Wortes (kelâm) betrifft, - wie die Art des Satzaufbaus (suret-i terkib) auf die Satzaussage unmittelbar (nefs-i maksad) hinweist, so weisen die Anspielungen auf die Bedeutungen eines Wortes (müstetbeatının telmihatı) und die Art des Erzählens (esalîbin işaratı) auf das Notwendige (levazım) hin, und was so zu einer Satzaussage (garaz) dazu gehört (tevabi), und machen diese isomit lebendig (ihtizaz). Denn was die Anspielung und den Hinweis (telmih ve işaret) betrifft, so sind sie eine wichtige Grundlage (büyük bir esas), um die stille Phantasie (sâkin olan hayalât) in Bewegung (ihtizaz), ihre stillschweigenden Aspekte (sâkit olan cevanib) zum Reden und dadurch die Begeisterung und das Jubeln (istihsanı ve alkışlama) in den weitesten Ecken (uzak köşeleri) des Herzens (kalb) in Verzückung zu versetzen (tehyic etmek). Anspielungen und Hinweise (telmih ve işaret) sind dazu da, dass man sich in der Umgebung des Weges (yolun etrafı) umschaut und so in der Tat einen Ausflug (temaşa ile tenezzüh) macht. Sie sind nicht um der Satzaussage (kasd), einer Forderung (taleb) oder einer Verfügung (tasarruf) willen da; d.h. dass der Sprecher (mütekellim) dafür nicht verantwortlich ist (mes'ul olmaz). Wenn du möchtest, betrachte nun die folgenden Strophen (beyitlerin içlerine gir)! Da gibt es Punkte (nokta), die in gewissem Grade einer Betrachtung wert (seyre şâyan) sind:

Betrachte einmal eingehend den Bart eines greisen Vaters (ihtiyar babanın sakalı), der auf seinem Pferd (at) rasch (çal) dahin reitet und dabei versucht, sich einer feinen Dame (nazenin) gegenüber noch als jung zu erweisen (gençlenmek), dann wirst du vielerlei Schlüssel der Rhetorik (belâgatın çok anahtarlar) entdecken. Nimm sie nun und öffne die Tore (kapıları aç)! Hier sind sie:

قَالَتْ كَبِرْتَ وَ شِبْتَ قُلْتُ لَهَا هٰذَا غُبَارُ وَقَايِعِ الدَّهْرِ

Das heißt: Sie sagte: "Du bist schon alt (ihtiyar) geworden." Da sagte ich: "Keineswegs (deßildir)! Es ist vielmehr nur weißer Staub (beyaz gubar), der durch das Getöse all der Plagen dieser Zeit (mesaib-i dehrin gürültüsü) von meinen Füßen nach oben gewirbelt wurde (altında çıkıp) und so auf meinem Bart (sakal) gelandet ist."

Und weiter:

وَلاَ يُرَوِّعْكِ اِيمَاضُ الْقَتِيرِ بِهِ فَاِنَّ ذَاكَ ابْتِسَامُ الرَّاْىِ وَاْلاَدَبِ

Das heißt: "Wenn mein Bart (sakal) bereits ergraut (beyazlan) und erglänzt (parlama), soll dies dich nicht erschrecken (korkutma). Denn (zira) es ist ein Lächeln des Verständnisses (tebessüm) und des Wohlwollens (edeb), das wie taghelles Licht (nur-u mütecessim) vom Verstande (fikir) geschmolzen (dimaßdan erimiş) ist und in meinem Bart einen Kanal (sakaldan mecra) gefunden hat, um so sich zeigen zu können (kendini göstermek)."

Und weiter:

وَعَيْنُكَ قَدْ نَامَتْ بِلَيْلِ شَبِيبَةٍ فَلَمْ تَنْتَبِهْ اِلاَّ بِصُبْحِ مَشِيبٍ

Das heißt: "Deine Augen (göz) waren noch im tiefen Schlaf der Unbedachtsamkeit (nevm-i gaflet) ihrer Jugendzeit (gençlik) gleich wie in einer Nacht (gece) befangen und konnten erst durch das Ergrauen meines Bartes (sakalın beyazı) gleich wie aus einer Morgendämmerung (subh-misal) wieder erwachen."

Und weiter:

وَكَاَنَّمَا لَطَمَ الصَّبَاحُ جَبِينَهُ فَاقْتَصَّ مِنْهُ وَخَاضَ فِى اَحْشَائِهِ

Das heißt: "Die Morgendämmerung (sabah) hat während ich den Speer (cirit) holen wollte, dem Gesicht meines Pferdes (atımın yüzü) mit ihrer weißen Hand (yed-i beyza) einen Schlag versetzt (tokat vurdu). Dagegen hat mein Pferd (atım), um sich zu rächen (kısasını almak), bereits die vorüber fliegende Morgendämmerung erreicht (subha erişti), und sie zu Boden geschlagen (yere vurdu), und ist in ihr mit seinen vier Hufen herum getrampelt (ayaßıyla gezindi). So rasch ist also mein Pferd gewesen (atım çal)!"

— 82 —

Und weiter:

كَاَنَّ قَلْبِى وُشَاحَاهَا اِذَا خَطَرَتْ وَقَلْبَهَا قُلْبُهَا فِى الصَّمْتِ وَالْخَرَسِ

Das heißt: "Mein Herz (kalbim) bewegt sich wie im Rauschen des Gürtels (hareket ve hışhış) meiner Geliebten (maşukumun kemeri); ihr Herz (kalb) ist dagegen ruhig und still (sükûn ve sükût) wie ihr Armband (bileziß). So zart und fein wie ihre Taille (beli ince) und so kraftvoll wie ihre Hände ist mein Herz so voll Sehnsucht (kalbim müştak); und doch ist ihr Herz so zurückhaltend (kalbi müstaßni); d.h. also, dass sie mit ihrer Schönheit (hüsün) trotz all meiner Liebe (aşk) und ihrer Zurückhaltung (istißna) trotz all meiner Sehnsucht (iştiyak) nach ihr genau ins Schwarze getroffen hat (taş ile vurmuş).

Und weiter:

وَاَلْقَى بِصَحْرَاءِ الْغَبِيطِ بَعَاعَهُ نُزُولَ الْيَمَانِىِّ ذِى الْعِيَابِ الْمُحَمَّلِ

Das heißt: "Gleich einem yemenitischen Kaufmann (tacir-i Yemenî) wie ein wildschäumendes Wasser (sel), das nach einem Regen (yaßmur) alle seine Last und Fracht (yükler, eskaller) in der Wüste (sahra) Gabît von sich abgeworfen. Wenn nun ein Kaufmann am Abend (tüccar akşamda) in ein Dorf kommt (köye gelse) und die Dorfbewohner (köylüler) nun in der Nacht (gece) seine farbenfrohen Waren (rengârenk eşya) kaufen, würde einjeder am Morgen (sabah) geschmückt mit einer seiner Farben (renk ile süslenmiş) aus dem Hause kommen (evinden çıkıyor).

Sogar der Hirte des Dorfes (köyün çobanı) trägt ein rotes Tuch (kırmızı bir mendil) um den Hals. Und genau so wie das wild strömende Wasser seine Last (sel sahraya yükünü) in der Wüste abwirft, so werden in etwa auch die farbenfrohen Bekleidungen (rengârenk elbise) mit Hilfe chemischer Bindungen (imtizacat-ı kimyevi) gleich einem verborgenen Handel (ticaret-i hafiye) an die lieblichen Blumen (çiçeklerin nazeninleri) verkauft und für sie geschneidert (alınır, dikilir). Und die Kefne, welche es würdig ist (şâyan), der Hirte aller Blumen (çiçeklerin çobanı) genannt zu werden (ıtlak), rötet ihre Köpfe (başını kırmızılaştırıyor)." (Kefne ist ein Dorngewächs in den Bergen (dikenli bir daß mahsulü), das man als Brennstoff (ihrak) verwendet.)

Und weiter:

غَارَ الْوَفَاءُ وَفَاضَ الْغَدْرُ وَانْفَرَجَتْ مَسَافَةُ الْخُلْفِ بَيْنَ الْقَوْلِ وَالْعَمَلِ
— 83 —

Das heißt: "Die Beständigkeit in der Liebe (vefa) versinkt im Boden des Nichtseins (gavr-ı in'idam). Eine Sintflut roher Gefühle (tufan-ı gadr) begann sich breit zu machen (feverana başladı). Doch zwischen dem Wort und der Tat (kavl ve amel) bildete sich nun eine breite Kluft (uzun bir mesafe)..." Wenn du aber nicht so weit weg gehen möchtest (uzaßa gitmek), so betrachte ein wenig die Vorgeschichte zu diesem Artikel (makalenin bir parça mâkabline). Als ein Beispiel zu diesem unseren Punkt (mes'eleye nümune) wirst du darin viele Abschnitte (çok parça) finden. Unter anderem (ezcümle): "Der Schlüssel (miftah) {Eine Anspielung über die Beredsamkeit in dem Werk von Sekkaki. (A.d.Ü.)} zu den Beweisen für die Wunderhaftigkeit (delail-i i'cazı) der Ayat und der Entdecker der Geheimnisse ihrer Beredsamkeit (esrar-ı belâgatın keşşafı) ist einzig und allein die Beredsamkeit (belâgat) der arabischen Sprache und nicht die griechische Philosophie (Felsefe-i Yunaniye)." Oder betrachte einmal den Hinweis am Schlusse (hâtimesine işaret) des ersten Punktes (mes'ele-i ûlâ) des ersten Kapitels (makale-i ûlâ). Siehe (bak): "Das Naturgesetz (şeriat-ı fıtriye) das man die Schöpfung (hilkat) nennt, hat der Erde (küre-i arz) in ihrer Ekstase und als einer Reisenden (meczub ve misafir) einen Auftrag (farz) erteilt, der besagt, dass sie mit den Planeten, welche die Sonne umkreisen (Şemse iktida eden yıldızlar), jeweils auf ihren eigenen Bahnen beharren (safında durmak) und nicht von ihnen abweichen sollen (şüzuz etmemek)... Denn (zira) die Erde hat mit ihrem Gatten (zemin zevciyle) {In der Sure 41 ist hier von "Himmel und Erde" die Rede. (A.d.Ü.)} zusammen bereits اَتَيْنَا طَائِعِينَ {"wir kommen freiwillig" - Sure 41,11-} gesagt. Was nun ihren Gehorsam (taat) betrifft, so kann man ihn weit besser (ahsen) in einer Gemeinschaft (cemaat) leisten."

Berücksichtige hier (teemmül) nun folgendes: In diesem Zusammenhang (arkalarından) kann man hier noch weitere Bedeutungen (makamat) als Beispiele (misaller) wahrnehmen. So beginnen denn hier einander folgend (arkalarından) noch weitere Bedeutungen (başka makamat) wenn auch nur verschwommen aufzudämmern (hayal-meyal başını çıkarıyor).

— 84 —

Sechster Punkt

Was die Früchte eines Wortes (kelâmın semeratı) betrifft, so sind sie gleich den Bedeutungen (maânî), die sich auf verschiedenen Ebenen (tabakat-ı muhtelif) und in verschiedenen Formen (suver-i müteaddid) bilden. So ist bei denen, die mit der Chemie vertraut (aşina) sind, bereits folgendes bekannt (malûm):

Wenn man ein Produkt (madde), wie z.B. das Element "Gold" (altun gibi bir unsur) gewinnen will (istihsal), muss dieses in einer Fabrik eine Maschine mit verschiedenen Röhren (müteaddid borular) und verschiedenen Filteranlagen (teressübat) mit verschiedenen Verbindungen (mütenevvi' teşekkülat) verschiedene Vorgänge (tabakat-ı mütefavit) durchlaufen. Am Ende (nihayet) wird ein Teil (kısım) des Ausgangsproduktes als Gewinn erzeugt (tahassül). Es sind dies - einer Landkarte (harita) vergleichbar - Worte (kelâm), die - wie mit einem Fotoapparat aufgenommen (muhtasar) - verschiedene Bedeutungen (maani-i mütefavit) in sich enthalten (istiab), wodurch je nach Art und Weise ihrer Entstehung (suret-i teşekkül) unterschiedliche Auffassungen (mefahim-i mütefavit) zustande kommen. Es ist dies folgendermaßen:

Durch Bewegungen (ihtizaza gelmek) im tiefsten Herzen (kalbin ihtisasatı) entstehen Neigungen (müyulat tevellüd) unter bestimmten äußerlichen Einflüssen (tesirat-ı hariciye). Dadurch fallen (ilişmek) hinwiederum einige unwillkürliche Bedeutungen (hevaî manalar) in gewissem Grade dem Verstande ins Auge (aklın nazarı) und lenken die Aufmerksamkeit des Verstandes auf sich (aklı kendine müteveccih). Sodann kondensiert sich (tekasüf) ein Teil der Bedeutungen (mana), die sich im Zustande des Dampfes (buhar halinde) befinden. Ein Teil der Neigungen und Vorstellungen (temayülat ve tasavvurat) bleibt dabei frei hängend (muallak kalıp), während ein anderer Teil destiliert (takattur) wird, dem dann der Verstand sein Interesse (akıl ona raßbet) erweist. Nun wird ein Teil, der sich noch in flüssigem Zustand (mayi halinde) befindet, hart (tasallüb) und wird somit sichtbar (tahassül). Daher nimmt ihn denn der Verstand wahr und bekleidet ihn mit einem Wort (akıl onu kelâm). So entsteht und erscheint (temessül ve tecelli) aus diesem harten Gebilde (mütesallib) ein bestimmtes Bild (resm-i mahsus). Der Verstand (akıl) zeigt es nun diesem entsprechend (kametine göre) und stellt es in Gestalt eines bestimmten Wortes (kelâm-ı mahsus) vor.

So ist es denn eine Person (müteşahhıs) geworden, die er in die bestimmte Gestalt eines Wortes (kelâmın suret-i mahsusası) mit hinein nimmt. Was noch nicht fest (tasallüb) geworden ist, gibt er in die Hand eines Begriffes (fehvanın eline). Was noch nicht sichtbar (tahassül) geworden ist, lädt er auf den Hinweis (işaret) und die Eigenart des Wortes (keyfiyet-i kelâm) auf. Was noch nicht destiliert (takattur) wurde, verweist er (havale) an die Anspielungen des Wortes (kelâmın müstetbeatı). Was noch nicht verdampft (tebahhur) wurde, verbindet er (rabteder) mit den Bewegungen der Ausdrucksweise (üslûbun ihtizazatı) und der Verhaltensweise des Sprechers (mütekellimin etvarı), die sein Wort begleitet (kelâm ile refakat).

— 85 —

Aus den Röhren dieser Reihenfolge (silsilenin boruları) wird der Träger eines Namens (ismin müsemma), die Bedeutung eines Verbums (fiilin manası), der Sinn einer Präposition (harfin medlûlü), der Inhalt einer Anordnung (nazmın mazrufu), die Absicht eines Satzbaues (heyetin mefhumu), der Hinweis der Eigenarten (keyfiyatın mermuzu), die Anspielungen und ihre Bedeutungen (müstetbeatın müşarünileyh), die Beweggründe des Verhaltens (etvarın muharrikleri), welche die Anrede trägt (hitabı teşyi'), zudem das Ziel und der Zweck (maksud), auf die in einem Text mit einem Wort oder mit einem Zeichen hingewiesen wird ("Dâllün bil-ibare"), die Andeutung (medlûl), auf die mit einem Wink hingewiesen wird ("Dâllün bil-işaret"), der Analogieschluss (mefhum-u kıyasî), auf den durch den Begriff eines Wortes oder einer Aussage hingewiesen wird ("Dâllün bil-fehva"), die kategorische Folge (mana-yı zarurî), die aus der Voraussetzung und Konsequenz herrührt ("Dâllün bil-iktiza"), und noch andere weitere Bedeutungen (mefahim) im Großen und Ganzen (umumen) jeweils auf einer Ebene (tabaka) dieser Reihenfolge (silsile) sichtbar (in'ikad) und erwächst (çıkar) aus dieser Quelle (maden).

Wenn du zuschauen möchtest, betrachte dich selbst in deinem Herzen (vicdan). Du wirst folgende Stufen (meratib) erkennen. Es sind dies wie folgt:

Wenn deine Geliebte (mahbub) einmal ihr Licht (şua) durch das Fenster deiner Augen (gözünüzün penceresi) und die Funken ihrer Schönheit (berk-i hüsnü) in dein Herz sendet (vicdanınıza ilka ederse), dann beginnt das nun entfachte Feuer (nâr-ı mukade), das Liebe (aşk) genannt wird, auf einmal zu verbrennen (yandırma). Auch die Gefühle (hissiyat) beginnen ebenfalls zu entbrennen (iltihab). Und auch die Hoffnungen und Neigungen (âmâl ve müyulat) geraten in Erregung (heyecan). Auf einmal durchbohren diese Hoffnungen (âmâl) den Boden (taban) der Phantasie im oberen Geschoss (üst kattaki hayal). Da sie nun um Hilfe rufen (imdad istedikler), beeilen sich die Phantasien (hayalât), die in dieser Kammer der Phantasie (hazinet-ül hayal) in Bereitschaftsstellung (safbeste-i hareket) und in der Hand die Schönheiten des Geliebten (mahbubun mehasinini ellerinde) haltend oder ihre Schönheit in Erinnerung (mehasinini hatıra) rufend beschreiben (tasvir eden) und mit den Schönheiten eines anderen (başkasının mehasini) gesättigt wurden (işba' olunmuş), diesen Hoffnungen zu Hilfe (o âmâlin imdadına).

Sie stürmen gemeinsam (hücum edip) und steigen von der Phantasie bis zur Sprache hinunter (hayalden lisana kadar), nehmen dabei ihren Wunsch (meyl) nach einer Zusammenkunft (zülâl-i visale) hinter sich mit, das Leid über die Trennung (firaktan olan teellüm) auf der rechten Seite; die Ehrfurcht (ta'zim), den Anstand (te'dib) und die Begeisterung (iştiyak) auf der linken Seite; die Schönheit des Geliebten (mahbubun mehasini), die Barmherzigkeit und Güte (terahhum ve lütfu) erfordern, vor sich, die Halskette des Lobes (medihanın gerdanı) und die Perlen des Preises (senanın dürrleri) als Geschenk (hediye) in der Hand haltend (ellerine almakla) und - um das Feuer zu löschen (ateşi söndürmek), das würdig (şâyan) ist, in der weitesten Bedeutung (ıtlak) von

﴿ اَلنَّارُ الْمُوقَدَةُ عَلَى الْاَفْئِدَةِ ﴾

{"Es ist das Feuer Gottes, das angefacht ist und bis ins Herz dringt." - Sure 104, 6, 7-}

aufgefasst zu werden - teilen sie durch die Beschreibung ihrer edlen Charakterzüge (tavsif-i bil-fezail), die zur Zusammenkunft (zülâl-i visal) führt, ihre Bedürfnisse mit (arz-ı hacet).

Siehe (bak), wie viele Bedeutungen (kaç tabakat) außer den dir bereits bekannten Bedeutungen (bildißin mana) auf wievielen Ebenen (maânî) ihre Häupter zeigen (başlarını çıkarıp) und erkannt werden. Wenn du nicht davor zurückschreckst (korkmuyorsan), so betrachte nun İbn-i Farıd oder Ebu Tayyib, deren Herzen (vicdan) durch ihre Blicke (göz) in Aufregung (müdhiş) geraten sind! Und es sind die folgenden Verse, welche hier ihren Herzen Ausdruck (vicdanın tercümanı) verleihen:

غَرَسْتُ بِاللَّحْظِ وَرْدًا فَوْقَ وَجْنَتِهَا حَقٌّ لِطَرْفِى اَنْ يَجْنِىَ الَّذِى غَرَسَا

{"Mit einem Augenzwinkern ließ ich Rosen auf ihren Wangen erblühen. Diese Rosen, die es erblühen ließ, zu pflücken, steht meinen Augen gut."}

— 86 —

Und weiter:

فَلِلْعَيْنِ وَاْلاَحْشَاءِ اَوَّلَ هَلْ اَتَى تَلاَعَائِدِىَ اْلاٰسِى وَ ثَالِثَ تَبَّتِ

{"Der Arzt, der mich besucht hatte, hat um der Heilung meiner Augen und meiner inneren Organe willen, die erste Ayah der Sure "hel Ata" und die dritte Ayah der Sure "tebbet" vorgetragen."}

Und weiter:

صَدٌّ حَمَا ظَمَائِى لُمَاكَ لِمَاذَا وَ هَوَاكَ قَلْبِى صَارَ مِنْهُ جُذَاذًا

{"Weshalb hat die dunkle Farbe auf deinen Lipppen verhindert, so sehr in dich verliebt zu sein? Denn wegen meiner Liebe zu dir wurde mir in der Tat das Herz gebrochen."}

Und weiter:

حُشَاىَ عَلَى جَمْرٍ ذَكِىٍّ مِنَ الْغَضَا وَ عَيْنَاىَ فِى رَوْضٍ مِنَ الْحُسْنِ تَرْتَعُ

{"Mein Inneres brennt mir in einem Feuer, das von einem dornigen Baum entzündet wurde. Doch meine Augen ergehen sich in jenem Garten, der die lautere Schönheit ist."}

Siehe und höre (gör ve dinle) nun, wie seine Augen (gözler) sich zwar im Paradiese ergehen (Cennet'te tenezzüh), während jedoch die Hölle ihn in seinem Herzen (vicdanlar Cehennem) quält. So verweist (işaret) er denn auf ihre Schönheit (mehasin), gibt ein Zeichen auf ihre Zurückhaltung (istißnasına remz) und zugleich einen Wink auf den Schmerz der Trennung (teellüm-ü firaka îma), legt seine Sehnsucht offen (şevke tasrih), spielt auf den Wunsch nach einer Zusammenkunft an (taleb-i visale telvih) und erforscht zugleich eingehend ihre Schönheit (hüsnüne tansis), welche die Barmherzigkeit auf sich zieht (terahhumunu celbeden), während die Gesamtheit seiner Haltung (heyet-i etvar), die seine Empfindungen anregt (hissiyatını tahrik eden), vielfältige feinsinnige Phantasien vorweist (hayalât-ı rakikayı göstermiş).

Hinweis: Nach den Anordnungen einer Regierung (hükûmetin intizamı) muss man (lâzımdır) für jeden Angestellten (memur) einen Lohn entsprechend seiner Fähigkeit (istidad), nach der Bedeutung (vazifa) seines Amtes und der Anzahl seiner Dienstleistungen (hizmet miktarınca) bezahlen. Genau so muss man auch die Bedeutungen (mana), die sich von verschiedenen Ebenen (meratib-i mütefavite) zusammenfinden, der Nähe zum Kern (merkez) von Sinn und Zweck einer Aussage (mesûk-u lehül-kelâm) entsprechend, welche die umfassende Absicht (garaz-ı küllî) ist, und im Grade des Beitrags zum Hauptzweck (maksuda hizmet) hinsichtlich der Güte und Sorgfalt (inayet ve ihtimam) einen Anteil und einen Wert (hisse ve nasib) mit einer gerechten Teilung (taksim-i âdil) von einander unterscheiden (tefrik etmek), damit durch diese Gleichberechtigung (muadelet) die Wohlordnung und aus dieser Wohlordnung die Entsprechung (intizamdan tenasüb) und aus dieser Entprechung ein schöner Einklang (hüsn-ü vifak) und aus diesem Einklang ein schöner Umgang (hüsn-ü muaşeret) und aus diesem schönen Umgang eine gerechte Waage (mizan-üt ta'dil) für die Vollkommenheit des Wortes (kelâmın kemaline) entstehen kann (çıkabilsin). Anderenfalls werden diejenigen hochmütig (tekebbür), deren Aufgabe als Diener (vazifesi hizmetkârlık) zu arbeiten, während ihr Temperament zugleich kindisch ist (tabiatı çocukluk), sobald sie einen höheren Rang erlangen (büyük rütbeye girmek). Denn durch ihren Hochmut erweisen sie ihren Mangel an Eignung (tenasübünü bozup) und gutem Benehmen (muaşereti teşviş), was zugleich heißt (demek), dass man im Gebrauch eines Wortes stets auch die dazu gehörige Grammatik (kuyudat-ı kelâmın istidadları) in Betracht ziehen muss. Vielmehr darf man (lâzım) alle Dinge im Gebrauch der dazu gehörigen Grammatik (istidadı nisbetinde) in der Tat niemals überbewerten (terfi' etmek). Denn es ist klar zu erkennen (zira görünüyor), dass Teile des Gesichts (a'za) wie Auge oder Nase (göz, burun), so schön sie auch immer aussehen mögen (ne kadar güzel), und bestünden sie selbst aus Gold (altun), sobals man sie überbewertet (haddinden büyük), bewirken, dass das Gesicht schließlich häßlich aussieht (sureti çirkin).

— 87 —

Anmerkung: Manchmal (bazan) kommt es vor, dass einer der einfachsten Soldaten (küçük bir nefer) zu einem Dienst (hizmet), z.B. zur Erkundung (keşf-i râz) des feindlichen Heeres (düşman ordusu) geht, wohin jedoch ein Marschal nicht gehen kann (müşir gidemez); oder dass, was ein ganz gewöhnlicher Schüler (bir küçük talebe) bewerkstelligen könnte, ein bedeutender Gelehrter nicht vollbringen kann (bir âlim yapamaz). Denn ein großer Mann (büyük adam) muss nicht in jeder Hinsicht groß sein (büyük olmak lâzım gelmez). Denn jeder ist groß in seinem Bereich (kendi san'atında büyük). Genauso (kezalik) kann auch ein Mann von nur geringer Bedeutung (küçük mana) gelegentlich unter miteinander wetteifernden Personen (maânî-i mütezahime) die Führung haben (küçük mana riyaset eder) und dadurch von Wichtigkeit sein (kıymettar oluyor). Denn (zira) ihre Funktion (vazife) ist durch eine von den folgenden Gründen (gelecek bir esbab) von Wichtigkeit (ehemmiyetlidir):

Was auf diese hinweist (işaret eden) und ein Licht auf deren Wert wirft (kıymetine menar), ist ein klares Urteil (sarih hüküm) und das, was untrennbar damit verbunden ist (lâzım-ı karib). Es ist das Fehlen einer Vollmacht (adem-i salahiyeti), sodass um deretwillen (onun hatırası için) ein Wort ausgesprochen (irsal-i lafz) oder eine Ansprache gehalten wird (sevk-i hitab), wobei das Wort (kelâm) als ein Briefbote dient (postacılık etsin). Denn (zira) es ist entweder offensichtlich bekannt und leicht verständlich (bedihî ve malûm)... oder aber unzutreffend und nicht prägnant (hafif ve zayıf), und daher für den eigentlichen Zweck (asıl garaz) nicht von Bedeutung (ehemmiyeti yok). Oder aber es fehlt ein Ansprechpartner (muhatab yoktur), der Verständnis zeigt (hüsn-ü telakki), es annimmt (kabul edecek) und ihm sein Ohr leiht (kulak verecek). Oder aber es entspricht (muvafakat) nicht der Haltung des Sprechers (mütekellimin haline) und kann einem Wunsch (arzu), der das Sprechen fördert (tekellüme dâî), nicht dienlich sein (hizmet edemez). Oder es steht nicht mit dem Temperament und den Charakterzügen (şe'n ve haysiyet) des Ansprechpartners (muhatab) in Einklang und kann daher nicht mit ihm abgestimmt (istimzaç) werden. Oder das Wort erscheint im Zusammenhang des Textes (kelâmın makamı) und hinsichtlich der Anspielung, die zu diesem Thema gebracht wird, (müstetbeatın tevabi), nur als unangebracht (ecnebi görünüyor). Oder das Wort ist nicht geeignet (müstaid deßildir), den eigentlichen Zweck mit dem Text zu unterstützen (garazın muhafazası) und alles Notwendige dazu herbei zu schaffen (levazımın tedariki). Also wird das Wort des nur einen unter diesen Gründen (esbab yalnız birinin sözü) in jedem einzelnen Zusammenhang (her bir makam) angehört. Wenn sie sich aber insgesamt vereinigen (ittihad etseler), so machen sie die Aussage (kelâm) höchst prägnant (en yüksek tabaka).

Schlusswort

Es gibt Buchstaben, die freischwebend sind (maânî-i muallaka). Es sind dies keine bestimmten Wörter (şekl-i muayyene) und sie sind auch nirgendwo beheimatet (vatan-ı hususiye). Sie gleichen den Inspektoren (müfettiş), die überall ein Amt (herbir daireye) einnehmen können. Manchmal bekleiden sie sich auch mit einem besonderen Ausdruck (hususî bir lafız). Ein Teil dieser angehängten Ausdrücke (muallakat) ist auch nur eine Präposition (harf) und so leicht wie die Luft (hevaiye gibi), sodass ein anderes Wort (kelime) sie in sich aufnehmen kann (derununa çeker). Manchmal dringen sie auch in einen Satz (cümle) ein und beeinflussen so ein ganzes Thema (kıssate nüfuz eder). Wann immer du dann diesen Satz auspresst (cümleyi ezdirirsen), tropft seine Bedetung (mana takattur) aus ihm heraus gleich einer Essenz (ruh); Bedeutungen (mana) wie z.B. Sehnsucht (hasret), Begeisterung (iştiyak), Lob (temeddüh), Bedauern (teessüf) usw...

— 88 —

Siebenter Punkt:

Was den lebendigen Kern der Beredsamkeit (belâgatın ukde-i hayatiye), mit anderen Worten (tabir-i dißer), die Philosophie der Rhetorik (beyanın felsefesi) oder die Weisheit der Dichtkunst (şiirin hikmeti) betrifft, so bringen sie die Gesetze und Maßstäbe (nevamisi ve mekayisi) der sichtbaren Welt (hariciyat) zum Ausdruck. Es ist dies wie folgt:

Sie ordnet die Gesetze der Wahrheiten der sichtbaren Welt (hakaik-i hariciyedeki kanunları) durch ein Gleichnis (kıyas-ı temsilî) im Zusammenhang von Ursache und Wirkung (deveran tarîki) und unter Anleitung der Einbildung (vehmin tasarrufu) dichterisch im Geist und in der geistigen Haltung (maneviyat ve ahval) ein. Was also heißt (demek), dass sie wie ein Spiegel (âyine) die Lichter der Wahrheit (hakikatın şuaları) der sichtbaren Welt reflektieren (hariçten in'ikas eden), als ob (güya) ein Dichter durch die Kunst seiner eigenen Phantasie (san'at-ı hayaliye) und die Gestaltung seiner Ausdrucksfähigkeit (nakş-ı kelâmîsi) die Schöpfung und die Natur (hilkat ve tabiat) imitiert und versucht etwas ähnliches zustande zu bringen (taklid ve muhakât).

Wenn in einem Wort (kelâm) die Wahrheit nicht zu erkennen ist (hakikat olmaz), so muss es (gerektir) wenigstens mit Hilfe (istimdad) seiner Anspielung und seiner Anordnung (şebih ve nizam) in der Tat Ähren (sünbüllenmek) auf dessen Korn (danesi üzerinde) tragen. Doch hat jedes Korn seine eigene Ähre (mahsus bir sünbülü). Und dabei kann ein Weizenkorn (bußday) nicht so viele Früchte tragen wie ein Baum (aßaç kadar sünbüllenmez). Wenn die Denkweise bei einer Aussage (felsefe-i beyan) nicht mit in Betracht gezogen wird (nazara alınmaz), so wird die Rhetorik zu einem Aberglauben (belâgat hurafat) und bringt die Vorstellung (hayal) dem Zuhörer nur zu einem Staunen (sâmi'e hayret) über einen Dämon (gul) aber keinen Nutzen (faide vermez).

Hinweis: Vergleichbar mit der Denkweise, die einer Aussage zugrunde liegt (felsefe-i beyaniye), liegt auch der Grammatik (Nahv) eine eigene Denkweise (felsefe) zugrunde. Was diese Denkweise (felsefe) betrifft, so bringt sie die Weisheit einer Regel (vâzıın hikmeti) zum Ausdruck. Was in den Büchern der arabischen Grammatik erwähnt wird (Kütüb-ü Nahiv'de mezkûr), ist auf den allgemein bekannten Regeln (münasebat-ı meşhur) aufgebaut. So dürfen z.B. zwei Präpositionen (iki âmil) nicht mit dem selben Ojekt (mamul) verbunden sein. Denn wenn das Fragewort (lafzı) "hel" das Verbum (fiili gördüßü) sieht, wird es ungeduldig (sabretmez) und möchte mit ihm zusammen kommen (visal ister). Zudem ist das Substantiv stark (fâil kuvvetli) und reißt das mächtige (kavî) Vokalzeichen "u" (zamme) mit sich (gasbeder) mit. {Arabische Substantive enden grundsätzlich auf "u". (AdÜ)} Hier geht es nun darum (mes'ele), dass auch die in der Schöpfung (kâinat) geltenden Gesetze (kanunlar) der sichtbaren Welt (hariç) jeweils reflektiert werden (aks-i misalî).

Anmerkung: Auch wenn die Weisheit der Regeln (hikmet-i vâzı') in der Grammatik der Satzbildung (münasebat-ı Nahviye) und der Wortbildung (Sarfiye) nicht dem Grade der Denkweise, die einer Aussage zugrunde liegt (felsefe-i beyan) entsprechen sollte, ist sie dennoch von sehr großer Bedeutung (büyük bir kıymeti). So verwandelt sie (çeviriyor) z.B. die angewandten Wissenschaften und Künste (ulûm-u nakliye), die durch einen induktiven Schluss feststehen (istikra ile sabit), in die Form der verstandesgemäßen Wissenschaften (ulûm-u akliye).

— 89 —

Achter Punkt

Durch die Pfropfung und Bestäubung (aşılaması ve telkîhi) der Rhetorik (maânî-i beyaniye) und den Stellentausch (manaların becayiş) und die Umwandlung (inkılab) der Bedeutungen trinkt (teşerrüb) die zutreffende Bedeutung des Wortes (kelimenin mana-yı hakikîsi) entweder den Hauptzweck (garaz) oder eine von den frei hängenden Bedeutungen (mana-yı muallakadan) und zieht sie in sich hinein (içine cezb etmek).

Denn wenn sie in sie hinein geht (zira içine girdißi), so verwandelt sie sich in die Wahrheit und in die Grundlage (hakikat ve esas), welche die Besitzerin des Hauses (sahib-ül beyt) ist. Was die Bedeutung (mana) betrifft, welche die eigentliche Besitzerin des Wortes (asıl lafzın sahibi) ist, so nimmt es nun eine lebendige Form an (suret-i hayatiyeye dönüyor). Es bekommt seine Unterstützung (meded) und bittet ein Beispiel um Hilfe (müstetbeattan istimdad eder). Aus diesem Grund (bu sırdan) kann ein einziges Wort (kelime-i vâhid) verschiedene Bedeutungen (maânî-i müteaddidesi) haben. Der Stellenaustausch und die Bestäubung (becayiş ve telkîhat) entstehen daraus. Wer diesen Punkt außeracht lässt (noktadan gaflet), verliert dadurch wesentlich an Prägnanz (büyük bir belâgatı kaybeder)...

Hinweis: Wenn etwas ein Fahrzeug (merkeb) ist, in das man einsteigt (binilmiş), erfordert es die Präposition عَلَى {"in"} und verlangt nach der Präposition فِى {"in"} , da es wie eine Hülle in sich aufnimmt (zarf gibi içine aldıßından), entsprechend der Ayah: تَجْرِى فِى الْبَحْرِ {"über das Meer fahren" - Sure 2,164-}

Wenn etwas ferner ein Hilfsmittel (âlet) ist, erfordert es die Präposition بَاء {"mit"} , wie سَعَدْتُ السَّطْحَ بِالسُّلَّمِ {"ich bin mit der Leiter auf das Dach gestiegen."} Wenn es sich jedoch um eine Unterkunft (mekân) und ein Transportmittel (merkeb) handelt, erfordert es (ister) sowohl die Präpositionen فِى {"in"} als auch عَلَى {"auf"} .

Wenn es sich aber um ein Ziel (gaye) handelt, dann verlangt es nach den Präpositionen اِلَى {"nach"} und حَتَّى {"bis"} . Wenn es sich statt dessen um einen Grund und ein Ziel (illet ve zarf) handelt, so verlangt es nach nach den Präpositionen لاَمْ {"zu"} und فِى {"in"} . Wie in dem Satz

﴿ وَ الشَّمْسُتَجْرِى لِمُسْتَقَرٍّ ﴾

{"und die Sonne läuft zu ihrem Aufenthaltsort." - Sure 36,38-}

Hier sind einige Beispiele (sermeşk) dazu. Vergleiche sie (kıyas) nun mit einander, wenn du magst (edebilirsen)!...

Anmerkung: Welche von diesen Bedeutungen sich durch die verschiedenen Präpositionen von einander unterscheiden (mütedâhil manalar), sich dadurch am besten (daha ziyade) für deinen Zweck eignen (garazına temas eder) und mit deinem Thema (maksad) zusammenhängen (sıla-i rahm), finde nun heraus (ileriye sür) und zeige es (izhar et) mir. Den Rest (bâkiler) kannst du für sie zu Begleitern machen (teşyi' edici yap). Andernfalls würde deine Ausdrucksweise (senin tarz-ı ifaden) von der Pracht (haşmet) und dem Schmuck der Prägnanz entblösst sein (zînet-i beyaniyeden çıplak).

— 90 —

Neunter Punkt

Es ist die hohe Stufe eines Wortes (kelâmın yüksek tabakası), vor welcher der persönliche Wille (irade-i cüz'iye) und die einfache Vorstellung (tasavvur-u basit) unzulänglich bleiben (âciz bırakan) und die durch die Vielzahl der Absichten (makasıdın taaddüdü), die sich - in einander verschachtelt - folgendermaßen fortsetzen (mütedâhilen müteselsil), oder durch die ununterbrochene Folge der Wünsche (metalibin teselsülü), aus denen stets wieder neue, stets mit einander verbundene (murtabıt) Wünsche erwachsen (mütenasilen) oder durch eine Ansammlung von Grundsätzen (asılların içtimaı), die ein einziges Ergebnis hervorbringen (netice-i vâhideyi tevlid), oder durch die Fähigkeit (istidad), vielerlei Verästelungen (füru'-u kesîrenin istinbatı) hervorzubringen, deren jede einzelne ihre besondere Frucht (ayrı semere) hervorbringt, oder aber in sich enthält (tazammunu iledir). Es ist dies wie folgt:

Die Ziele, welche von dem letzten und höchsten (en uzak ve yüksek), dem eigentlichen Ziel (hedef-i garaz), welcher das Ziel aller Ziele (maksad-ül makasıd) ist, ausgehen und das sie sich gesetzt haben (ayrılıp gelmek), sind unter einander verbunden (maksad), ergänzen (murtabıt) und vervollständigen einander indem, was ihnen noch mangelt (noksaniyetini tekmil) und erfüllen so ihre gegenseitigen Verpflichtungen als Nachbarn (komşuluk hakkını). So wird das Wort umfangreich und prachtvoll (kelâma vüs'at ve azamet). Indem das eine gesetzt (vaz'etmek) wird, wird bereits ein anderes (öteki) und noch ein weiteres (dißeri) und wiederum ein davon verschiedenes (başkası) und ein abermals unterschiedliches (başkası) Ziel gesteckt (vaz'eder). Zieht man also in rechter und in linker (saß ve solda) und überhaupt in jeder Hinsicht (her cihet) den Zusammenhang (nisbet) in Betracht, so steckt man denn am Ende (birden) alle diese Ziele (makasıd) auf einmal in den umfassenden Palast (kasr-ı müşeyyede) des Wortes (kelâm).

Es ist als hätte man sich viele verschiedene Arten von Verständnis (çok akıllar) entliehen, damit sie seinem eigenen Verstand (kendi akl) helfen sollten, und stellt sie nun in die eigenen Dienste (istihdam). Denn jedes einzelne Ziel ist in der Gesamtheit aller Ziele (mecmu-u makasıd) nur ein Partikel (cüz), über den sich die in einander verschachtelten Schilderungen (tesavir-i mütedâhile) einig sind (müşterek-ün fîh). So ist denn der schwarze Punkt (siyah bir nokta), den ein Maler auf eines der unter einander verschachtelten Bilder (mütedâhil tasvirler) gesetzt hat (ressam koysa), dieser Punkt ist für den einen ein Auge (o nokta birinin gözü), für einen anderen ein Gesicht (yüzünün hali), für wieder einen anderen eine Nase (burnu), oder abermals einen anderen ein Mund (başkasının aßzı). Genau so finden sich solche Punkte (noktalar) auch in der Betrachtung eines erhabenen Wortes (kelâm-ı âlî).

Zweiter Punkt: Hier geht es nach einer Voraussetzung, die eine Kette von Schlussfolgerungen zur Folge hat (kıyas-ı mürekkeb ve müteşaab), um das Geheimnis (sırr) dessen, dass es eine Kette von Schlussfolgerungen (metalib tenasül) gibt, die einander folgen (teselsül etmek), so als hätte der Sprecher (mütekellim) bereits auf diese Kette ihrer Schlussfolgerungen (metalib beka ve tenasül) und auf den Tag ihrer Entstehung (tarih-i tabiîsi) hingewiesen. Hier also unser Beispiel: Die Welt ist schön (âlem güzeldir). Daraus folgt, dass ihr Schöpfer allweise ist (sânii hakîm). Denn Er erschafft nichts Sinnloses (abes yaratmaz), er verschwendet nichts (israf etmez) und lässt vorhandene Fähigkeiten nicht brach liegen (istidadatı mühmel). Das also heißt, dass ihre Wohlordnung sich ständig vervollkommnet (intizamı daima tekmil). Darum lässt Er es nicht zu, dass ein Nichts (adem), welches das Herz zerreisst (cißerşikâf), jegliche Geduld verbrennt (tahammülsûz), die Hoffnungen tötet (emel öldürücü), eine jegliche Vollkommenheit zerstört und somit ein ewiger Trennungsschmerz (hicran-ı ebedî) ist, der den Menschen heimsucht (insana musallat); woraus folgt, dass einmal eine ewige Glückseligkeit kommen wird (saadet-i ebedi).

In der Einführung (mukaddeme) zum zweiten Zeugnis (ikinci şehadet) des dritten Abschnitts (Üçüncü Makale), in der das absolute Prophetentum (nübüvvet-i mutlak) das Thema (mebhas) ist, wird der dritte Aspekt (üçüncü cihet-i fark) erklärt, der den Menschen vom Tier (insanın hayvandan) unterscheidet. Er ist dafür ein gutes Beispiel (iyi bir misal).

— 91 —

Dritter Punkt: Hier werden verschiedene Methoden (usûl-ü müteaddide), die ein einziges Ergebnis (Netice-i vâhide) zur Folge haben, zusammen gebracht und dementsprechend erwähnt (cem' ve zikretmek). Auch wenn jede einzelne Methode (herbir asl) nicht mit einem großartigen Ergebnis (yüksek netice) sicher und absolut (kasden ve bizzât) in Verbindung stehen sollte, so versetzt sie es doch wenigstens in gewissem Grade (lâakal bir derece) in Schwingung, damit es sich entwickelt (ihtizaza ve inkişafa). Mit der Verschiedenheit (ihtilaf) der Techniken und der dabei verwendeten Spiegel (mezahir ve âyineler), was man in etwa als eine Methode bezeichnen könnte (usûl denilen), und durch die Einheit (vahdet) des Ergebnisses und ihrer Widerspiegelung (netice ve mütecelli) wird ein Hinweis (işaret) auf die Hervorhebung, die Hoheit (tecerrüdüne ve ulviyetine) des Zwecks und die Verbundenheit (ittisal) der Lebenskraft des Wortes (kelâmın kuvve-i hayatiye) mit der Wahrheit (hakikat), die das Leben der Welt (hayat-ı âlem) genannt, als ein ständiger Kreislauf (deveran-ı umumî) bezeichnet und als das Leben als Ganzes (hayat-ı külliye) erwähnt wird.

Der erste Zweck des dritten Zwecks am Ende (âhirindeki üçüncü maksad) des dritten Kapitels (Üçüncü Makale) ist dafür gewissermaßen ein Beispiel (bir derece misal). Außerdem sind auch der Hinweis (işaret), die Unterweisung (irşad), die Anmerkung (tenbih) und die Erwägung (muhakeme) des Vierten Punktes (Dördüncü Mes'ele) und des Vierten Weges (meslek) im dritten Kapitel (Üçüncü Makale) ein Beispiel (misal) dafür.

فَانْظُرْ اِلَى كَلاَمِ الرَّحْمٰنِ الَّذِى عَلَّمَ الْقُرْاٰنَ فَبِاَىِّ اٰيَاتِ رَبِّكَ لاَ تَتَجَلَّى هٰذِهِ الْحَقِيقَةُ فَوَيْلٌ حِينَئِذٍ لِلظَّاهِرِيِّينَ الَّذِينَ يَحْمِلُونَ مَا لاَ يَفْهَمُونَ عَلَى التَّكْرَارِ

{Betrachte einmal das Wort des Allerbarmers, der den Qur'an unterweist. Welche Ayat könnte auch immer von deinem Herrn sein, in der diese Wahrheit nicht in Erscheinung treten sollte? Welch ein Jammer für diejenigen, die sich von rein äußerlichen Eindrücken bestechen lassen! Sie verweisen auf die Wiederholung dessen, was sie nicht verstehen können.}

Achtet man (dikkat) auf das Wort (kelâm) des Hochehrwürdigen Herrn (Rabb-i İzzet), so leuchtet diese Wahrheit (hakikat) überall in der Tat wie das Licht (nur gibi parlar). Sie sammelt (içtima) sich wie Licht (nur) in den Ecken und Enden (köşelerinde ve mekatı'larında) des Wortes und sprudelt dort in der Tat als das frische Wasser der Beredsamkeit (zülâl-i belâgat). Welch ein Jammer (nefrin) für diejenigen, die sich von rein äußerlichen Eindrücken (zahirperest) bestechen lassen, dass sie nicht auf diese Wahrheit achten (hakikat gaflet) und nur auf die Wiederholung verweisen (tekrara hamlediyor).

— 92 —

Vierter Punkt: Es handelt sich darum, das Wort (kelâm) so zu formen (ifraß) und anzuwenden (istidad), dass es die Früchte (tohum) überaus vieler Äste (füru mutazammın) hervorbringt, sehr vielen Schlussfolgerungen als Quelle (ahkâm me'haz) dient und auf sehr viele Bedeutungen (maânîye) und verschiedene Aspekte (vücuh-u muhtelife) hinweist. Dadurch dass ein Wort (kelâm) diese Fähigkeit besitzt (istidadı tazammun), weist es sowohl auf die Kraft der Gabe seines Wachsens und Gedeihens (kuvve-i nâmiyesi) hin und zeigt zugleich die Fülle seines Ertrages (hasılatının kesreti). Es vereinigt (cem) sie zu einem Thema (mes'ele), in dem alle Verästelungen und Aspekte (füru' ve vücuh) insgesamt (mahşer) angesprochen werden, damit ihre Besonderheiten und ihre Qualitäten (mezaya ve mehasini) mit einander abgestimmt (müvazenet), eine jede ihrer Verästelungen (fer) einem bestimmten Zweck (garaza sevk) zugeführt werden, und jeder Aspekt (vech) einer bestimmten Funktion entsprechend angewand werden kann (vazifeye tayin eder).

فَانْظُرْ اِلَى قِصَّةِ مُوسَى فَاِنَّهَا اَجْدَى مِنْ تَفَارِيقِ الْعَصَا اَخَذَهَا الْقُرْاٰنُ بِيَدِهَا الْبَيْضَاءِ فَخَرَّتْ سَحَرَةُ الْبَيَانِ سَاجِدِينَ لِبَلاَغَتِهِ

{Betrachte einmal die Geschichte Mosis! Diese Geschichte beinhaltet insgesamt eine viel größere Macht als die, die sich in ihren einzelnen Abschnitten ausdrückt. Nachdem der Qur'an sie in seine weiße Hand genommen hatte, haben sich die Zauberer der Beredsamkeit vor deren Beredsamkeit niedergeworfen.}

Die Geschichte (kıssa) Mosis ist weit prägnanter (nâfi) als alle Erzählungen, die seinen Stab (tefarik-ul asâ) betreffen und sprichwörtlich (meşhur darb-ı mesel) gebraucht werden. Ganz gleich wieviele dieser Erzählungen (asâ) hier erwähnt werden (parçalansa), ihr Sinn ist stets der gleiche (bir işe yarar). So hat auch die Geschichte (kıssa) Mosis in der Tat stets den gleichen Sinn (dahi öyle). Aufgrund dieser Besonderheit (hâsiyet) hat der Qur'an die wunderhaften Kunde (mu'ciz-ül beyan) von der weißen Hand (yed-i beyza) {Als Moses seine Hand aus seinem Umhang heraus zog, war sie plötzlich ganz weiß. (AdÜ)} in seiner Geschichte (kıssa) übernommen, stellt sie in verschiedenen Suren (suver-i müteaddid) dar und verwendet jede ihrer Aspekte auf die schönste Weise (hüsn-ü istimal). Die Zauberer der Beredsamkeit (fenn-i beyanın seharesi) haben sich vor ihrer Beredsamkeit (belâgat) voll Begeisterung (ber zemin-i hayret) und Hingabe (muhabbet) zu Boden geworfen (secde).

Oh mein Bruder (birader)! Die so undeutliche Beredsamkeit (hayal-meyal belâgat) in diesem Kapitel (mes'ele) zeichnet durch diese Ausdrucksweise (esalîb) vor dir einen solchen Baum (öyle bir şecer), dessen riesige Wurzeln (cesîm urûk) in einander verflochten sind (müteşâbik), dessen lange Adern (uzun boßumlar) einander entsprechen, dessen diverse, unterschiedliche (mütenasika ve müteşaib) Verästelungen einander umarmen (müteanik), und deren Früchte und Erträge (meyve ve semerat) dennoch von einander verschieden (mütenevvia) sind. Sie schildert (tasvir) dir einen solchen Baum der Wahrheit (şecere-i hakikat). Wenn du möchtest (istersen), betrachte hier (temaşa) den Sechsten Punkt (Altıncı Mes'ele) eingehend. Auch wenn er dir als verworren erscheint (çendan müşevveş), kann er dir dennoch für einen Teil dieses Kapitels (bu mes'elenin bir parçası) in gewissem Grade (bir derece) als Beispiel dienen (misal olabilir).

Anmerkung und Entschuldigung: Oh mein Bruder! Ich weiß, dass dieser Artikel (makale) dir als nur schwer verständlich (gayet mußlak) erscheint. Aber was lässt sich schon dagegen machen? Die Besonderheit dieser Einführung (mukaddemenin şe'ni) besteht in der Kürze ihrer Zusammenfassung (icmal ve îcaz). Doch ihr Sinn wird sich dir im Dritten Kapitel (Kütüb-ü Sâlise) enthüllen.

— 93 —

Zehnter Punkt

Was den Fluss des Wortes (kelâmın selaseti) betrifft, so darf es emotional (hissiyat) ein wenig großspurig (tafralık) sein, jedoch keine Verwirrung (iştibak) stiften, nicht die Natur nachahmen (tabiatı taklid), sich nach außen hin zeigen (harice temessül), und sich auf der Spur der eigentlichen Absicht (mesîl-i garaz) fortsetzen, ohne von ihr abzuweichen (sedad). Ziel (maksad) und Absicht (müstekar) sollten dabei hervorgehoben (temeyyüz) werden. Es ist dies wie folgt:

Bei einem Wort (kelâm) vom Thema abzuweichen (çifte atmak), noch bevor es ganz ausgereift ist (hissiyata tamam olmadan) und es statt dessen mit einem anderen zu verbinden (başkasıyla mezcetmek), wird seine Geläufigkeit verändern (selasetini taßyir). Man soll sich vor einer ungeordneten Verflechtung (nizamsız iştibak) zurückhalten und bei einem Thema, in dem der Inhalt wechselt (maânî-i müteselsil), nur schrittweise vorgehen (tederrüc lâzım).

Zudem sollte man mit der Kunstfertigkeit seiner Phantasie (san'at-ı hayaliyesi) der Natur wie ein Schüler (tabiata şakirdlik) dienen, bis die Grundlagen der Natur (tabiatın kavani) sich in seiner Kunstfertigkeit widerspiegeln können (san'atında in'ikas edebilsin).

Zudem sollten (lâzım) seine Vorstellungen (tasavvurat) der äußeren Welt ähnlich sein (hariciyata muhâkî) und man sie dementsprechend gestalten (müşakil etmek). Einmal angenommen, seine Vorstellungen (tasavvurat) könnten seinem Kopf entfliehen (dimaßdan kaçıp) und hätten sich nun in der Außenwelt wieder verkörpert (hariçte tecessüm). Dann sollte die äußere Welt (hariç) sie sich aneignen (istilhak) und ihre Herkunft nicht verleugnen (neseblerini inkâr etmesin). Dann sollte sie sagen: "sie gehören mir (onlar benim)" oder "sie sind mir ähnlich (keennehu)" oder "sie sind meine Kinder (veledim)"...

Zudem sollte man die Spur der eigentlichen Absicht und die Bahn zu seinem Ziel (kasdın mecrasında) nicht verlassen, sondern darauf bestehen und nicht von ihr abweichen, (sedad) ohne jede Schwankung nach links oder rechts (çeleçepe), sodass die Aspekte (canib) nicht die Prägnanz der Absicht (garazın kuvvetini) absorbieren und sie dadurch bedeutungslos machen könnten (ehemmiyetsiz). Vielmehr sollte jeder Winkel in seiner Frische und Anmut (taravet ve letafet) jeder Absicht gleich einem Sammelbecken (zenav) helfen (garaza imdad) und ihr Kraft verleihen (kuvvet vermek gerektir).

Zudem ist es für die Sicherheit des flüssigen Ablaufs (selasetin selâmeti) eines Textes notwendig, dass Ziel (maksad) und Absicht (müstekar) hervorgehoben (temeyyüz) und der Zweck am Ende (aßrazın mültekası) deutlich wird.

— 94 —

Elfter Punkt

Was die Sicherheit und die Korrektheit (selâmet ve sıhhat) einer Aussage betrifft, so muss sie die Schlussfolgerung (hükm) mit allen dazu gehörigen Voraussetzungen und Konsequenzen (levazım ve mebadisiyle) und mit allen Mitteln zu ihrer Verteidigung (âlât-ı müdafaası) beweisen können (isbat etmek). Es ist dies wie folgt:

Um die Konsequenzen einer Schlussfolgerung (hükmün levazımı) nicht zu beeinträchtigen, sie in aller Ruhe (rahatlık) nicht zu beeinträchtigen und sie in Betracht (nazar) zu ziehen und unter ihren Voraussetzungen (mebadi) um Lebenshilfe (istimdad-ı hayat) zu bitten, muss man sie im Voraus erkennen (müracaat). Man muss (gerek) sich mit allen Teilen eines Satzes ausrüsten (kuyudatıyla tekallüd), die sich als Vorwegnahme einer gegnerischen Frage (sual-i mukaddere) wegen der Einwände (itirazata mukabele) der angreifenden Ängste (hücum evham) und deren Beantwortung (cevab) bilden.

Also ist das Wort (kelâm) gleich einem fruchttragenden Baum (meyvedar bir aßaç). Um sich davor zu bewahren, gefällt zu werden (cinayet), oder dass ihm seine Früchte gepflückt (ictinadan himayet) werden, stehen seine Dornen den Bajonetten gleich (dikenleri ve süngüleri) in einer Reihe. Da dieses Wort (kelâm) etwa das Ergebnis vielerlei Disputationen (münazaratın neticesi) und das ResumÇ sehr vieler Überlegungen (muhakematın zübdesi) ist, ist es nun besonders erhaben (gayet ulvî). Die Teufel aller irrigen Vorstellungen (evhamın şeyatîni) können es nicht unbemerkt mit anhören (istirak-ı sem' edemezler). Sie können es nicht mit schelen Blicken (eßri nazar) betrachten. Der Sprecher (mütekellim) hat dies in so ungefähr sechserlei Hinsichten (altı cihet) in Betracht gezogen (nazara alıp) und schließlich um das Ganze herum eine Mauer errichtet (bir sur çekmiştir). So wird denn das Subjekt oder das Objekt (mevzu veyahut mahmul) begrenzt oder gekennzeichnet (tavsif). In einer anderen Hinsicht (başka cihetle) von Punkten (nokta), wo es um kritische Fragen geht (vehmin hücumuna müsaid) muss der Text jeweils auf eine Verteidigung vorbereitet (birer müdafi müheyya) sein und so alle Teile eines Satzes (kuyudat) vom Anfang bis zum Ende (baştan aşaßıya) als Antwort auf die nicht ausdrücklich gestellten Fragen (mukadder suallere) ausgestattet sein. Wenn du ein Beispiel dafür möchtest (misal istersen), ist dieses Buch bereits vollständig (kitab bitamamihi) und ein ziemlich umfangreiches Beispiel dafür (uzunca bir misal). Und besonders das Dritte Kapitel (Lâsiyyema Makale-i Sâlise) ist dafür ein überaus prächtiges Beispiel (parlak bir misal).

— 95 —

Zwölfter Punkt

Was die Sicherheit (selâmet), den reibungslosen Gebrauch (rendeçlenme) eines Wortes (kelâm) betrifft, um etwas auszusdrücken, ohne dabei zu übertreiben (itidal-i mizac), so muss man entsprechend dem Wert (istihkak) eines jeden Satzteils (kayd) und seiner Fähigkeit (istidad), die Botschaft zu verbreiten (inayeti taksim), die Verkleidung seiner Ausdrucksweise (hil'at-ı üslûb) unter ihren Besitzern austeilen (tevzi') und sie ihnen überzuziehen (giydirmek). Wenn es sich dabei zudem um eine Erzählung (hikâyet) handelt, muss der Sprecher (mütekellim) sich in die Lage dessen hineinversetzen (yerinde farz) können, von dem hier die Rede ist (mahkiyyun anh). Es ist dies wie folgt:

Wenn es sich um die Beschreibung (tasvir) der Gefühle oder der Meinungen eines anderen (başkasının hissiyat) handelt, muss man in den hineinschlüpfen (hulûl), von dem hier die Rede ist (mahkiyyun anh), in seinem Herzen zu Gast (kalbinde misafir) sein und mit seinem Munde reden (lisanıyla tekellüm). Wenn er über seinen eigenen Besitz (kendi malında) verfügt, so muss er bei der Verbreitung (taksim) des Ansehens und der Sorgfalt (itibar ve ihtimam), welche das Merkmal der Bedeutsamkeit (alâmet-i kıymet) ist, den Wert (istihkak), die Fähigkeit (istidad) und den Rang (rütbe) eines jeden Satzteils (kayd) in Betracht (nazara) ziehen und bei der Verbreitung gerecht (taksiminde adalet) und bei der Ausdrucksweise (üslûblar) nach Größe der Fähigkeit (istidadın kametine) schneidern, sodass eine jede Absicht (herbir maksad) aus der Ausdrucksweise, die ihr angemessen (münasib) ist, zutage treten kann (üslûbdan cilveger olabilsin). Denn die Grundlage einer Ausdrucksweise (üslûbun esasları) ist dreierlei:

Erstens: Die einfache Form der Ausdrucksweise (üslûb-u mücerred). Einfach geschriebene Bücher (sade olan ma'rez-i kelâmları) von Seyyid Şerif und Nasıruddin-i Tûsî sind Beispiele dafür.

Zweitens: Die schmuckvolle Art der Ausdrucksweise (üslûb-u müzeyyen). Prunk- und prachtvolle Worte (müşa'şa' ve parlak kelâm) von Abdülkahir in seinen Büchern "Beweise des Wunders (Delail-ül İ'caz)" und "Geheimnisse der Beredsamkeit (Esrar-ül Belâga)" sind Beispiele dafür...

Drittens: Die erhabene Form der Ausdrucksweise (üslûb-u âlî). Beispiele dafür sind manche der prachtvollen Worte (muhteşem kelâm) von Sekkakî und Zemahşerî und İbn-i Sina... oder die arabischen Zitate (ibare) in diesem Buch (şu kitabın meali), besonders (lasiyyema) aber die Abschnitte (parça) im Dritten Kapitel (Makale-i Sâlise), die etwas verwirrt erscheinen und doch prägnant (müşevveş fakat muhkem) sind. Denn die Erhabenheit des Themas (mevzuun ulviyeti) brachte die Ausdrucksweise dieses Buches in eine gehobene Form (kitabı üslûb-u âlîye). Ansonsten wäre die Wirkung meiner Geschicklichkeit (san'atımın tesiri) nur gering.

— 96 —

Kurzum: Wenn du mit der Besprechung (bahis ve tasvir) und Beschreibung der Theologie (İlahiyat) und den Grundlagen der Religion (usûlün) beschäftigt bist, sollst du (gerek) nicht von der erhabenen Form deiner Ausdrucksweise abweichen (üslûb-u âlî ayrılmamak), die alle Klarheit (şiddet), Macht und Pracht in sich enthält (kuvvet ve heybet tazammun eden).

Oder wenn du dich damit beschäftigst, eine Ansprache (hitabiyat) zu halten oder jemanden zu überzeugen (iknaiyat), lasse dann die blumige Art der Ausdrucksweise (üslûb-u müzeyyen) so weit du kannst nicht aus der Hand (elinden gelirse elden bırakma), welche Zier (zînet), Glanz (parlaklık), Ermunterung und Abschreckung (tergib ve terhib) in sich enthält (tazammun), ohne dich dabei nach außen hin (gösteriş) gekünstelt (tasannu) darzustellen (nümayiş) oder zu versuchen, dich beliebt zu machen (avamperestane).

Oder wenn du dich mit den Wissenschaften (ilimler) von den Handlungsweisen (muamelat), von der Gesprächsführung (muhaverat) oder den Kenntnissen der alltäglichen Praxis (âlet) beschäftigst, fasse dich dann kurz (iktisar) mit einer einfachen Form der Ausdrucksweise (üslûb-u mücerrede), welche Treue (vefa), Kürze (ihtisar), Korrektheit (selâmet), Beredsamkeit (selaset) und Natürlichkeit (tabiîlik) befürwortet und durch ihre Schlichtheit (sadelik) auf die wesentliche Schönheit hinweist (cemal-i zâtiyeyi gösteren).

Schlusswort zu diesem Thema (mes'elenin hâtimesi): Die Zufriedenheit (kanaat) mit einem Wort (kelâm), seiner Prägnanz (istißna) und seinem edlen Charakter (asabiyet) liegt darin, dass man seine Formulierung (üslûb) nicht außerhalb des Zusammenhanges (makamın haricinde) sucht. Es ist dies wie folgt:

Wenn man der Größe der Bedeutung (mananın kametine) entsprechend eine Formulierung wählen will (üslûbu kestirmek istedi), muss man aus dem Zusammenhang (dâhil-i makam) heraus eine Quelle (menba) und aus der Fabrikation des behandelten Themas (mevzuun fabrikası) oder doch wenigstens (lâakal) aus den Bruchstücken (parça parçası) der Bestandteile (levazım) des Themas (mevzu) oder der Geschichte (kıssat) oder der Kunstfertigkeit (san'at), die das Wort umfasst (kelâmın tazammun), und aus den Bruchstücken (kıt'a kıt'ası), die noch seinen Anhang bilden (tevabi) eine Formulierung zurecht schneidern (üslûbu dikmek). Man sollte dabei ohne Not (zaruret olmadan) keinen Blick nach draußen (harice medd-i nazar) werfen; mit anderen Worten (tabir hata olmasa), alles boykottieren, was nur rein äußerlich (harice) ist; wodurch sich die Kraft des Wortes (kelâmın kuvveti) auf jeden Fall erhöht (elbette tezayüd). Zudem ist dies die wichtigste Grundlage (en büyük esas) dafür, dass sich das Vermögen nicht zerteilt (servetin daßılmaması).

Das also heißt (demek), dass die Bedeutung, der Zusammenhang (mana ve makam) und die Kunstfertigkeit (san'at), zu dem Hinweis beitragen (yardım edebilir), für den hier das Wort steht. Wie das Wort (kelâm) durch den Hinweis, für den es gesetzt (delalet-i vaz'iye) wird, seine Bedeutung kund tut (manayı gösterir), so weist auch eine solche Formulierung (öyle de böyle üslûb) durch ihren Charakter (tabiatı) auf diese Bedeutung hin (manaya işaret eder). Wenn du ein Beispiel dafür möchtest (nümune istersen), dann solltest du dafür die arabischen Zitate (parçalar) im Neunten Punkt betrachten (Dokuzuncu Mes'elede bak). Es ist dies folgendermaßen:

فَانْظُرْ اِلَى كَلاَمِ الرَّحْمٰنِ الَّذِى عَلَّمَ الْقُرْاٰنَ فَبِاَىِّ اٰيَاترَبِّكَ لاَ تَتَجَلَّى هٰذِهِ الْحَقِيقَةُ فَوَيْلٌ حِينَئِذٍ لِلظَّاهِرِيِّينَ الَّذِينَ يَحْمِلُونَ مَا لاَ يَفْهَمُونَ عَلَى التَّكْرَار

{Betrachte einmal das Wort des Allerbarmers, der den Qur'an unterweist. Welche Ayat könnte auch immer von deinem Herrn sein, in der diese Wahrheit nicht in Erscheinung treten sollte? Welch ein Jammer für diejenigen, die sich von rein äußerlichen Eindrücken bestechen lassen! Sie verweisen auf die Wiederholung dessen, was sie nicht verstehen können.}

فَاِنْ شِئْتَ فَانْظُرْ اِلَى قِصَّةِ مُوسَى فَاِنَّهَا اَجْدَى مِنْ تَفَارِيقِ الْعَصَا اَخَذَهَا الْقُرْاٰنُ بِالْيَدِ الْبَيْضَاءِ فَخَرَّتْ سَحَرَةُ الْبَيَانِ مَحَبَّةً وَحَيْرَةً سَاجِدِينَ لِبَلاَغَتِهِ

{Wenn du diese Wahrheit erkennen möchtest, betrachte einmal die Geschichte Mosis! Diese Geschichte beinhaltet insgesamt eine viel größere Macht als die, die sich in ihren einzelnen Abschnitten ausdrückt. Nachdem der Qur'an sie in seine weiße Hand genommen hatte, haben sich die Zauberer der Beredsamkeit vor deren Beredsamkeit niedergeworfen.}

— 97 —

Wenn du möchtest (istersen), betrachte einmal (bak) die Vorworte in den Büchern (kitablarının dibaceler) der erhabenen Wissenschaften (ulûm-u âliye). Auch wenn (çendan) in diesen Vorworten (dibace) die rhetorische Kunstfertigkeit (san'at-ı belâgat) nicht so feinsinnig und anmutig (dakik ve latif) sein sollte, so ist sie in ihrer prägnanten, kurzen Fassung (beraat-ül istihlal) dennoch ein prägnantes und kurzgefasstes Beispiel (beraat-ül istihlal) für diesen Sachverhalt (hakikat).

Zudem wird (hem de) in dem Vorwort dieses Buches (kitabın dibacesi) auf dem Weg einen Hinweis auf die Wunderhaftikgeit (mu'cizata işaret) zu setzten, die Persönlichkeit (zât) unseres Propheten (Peygamber) für sein Prophetentum (nübüvvet) als ein Wunder (mu'cize) angeführt. Außerdem werden in der Einführung (dibace) des Dritten Kapitels (Üçüncü Makale) die beiden Sätze (iki cümle) der Bekenntnisformel (kelime-i şehadet) für einander als Zeugnis dargestellt (birbirine şahid gösterilmiştir).

Außerdem wird (hem de) in der Siebten Einführung (Yedinci Mukaddeme) zu denjenigen, die dem Bericht über das Wunder der Spaltung des Mondes (inşikak-ı Kamer) hinzugefügt haben (ilâve eden), dass die Teile des Mondes wohl auf die Erde gekommen (yere inmeyi) wären, gesagt: ihr verursacht dadurch (sebeb oldunuz) den Mond dieses Wunders zu verfinstern (mu'cizenin kamerini münhasif) und ein Zeugnis für das Prophetentum, das so klar wie die Sonne (Şems) ist, so schwach (mahfî olmasına) wie den Stern (bürhan-ı nübüvveti) Süha {Mizar, Alkor und andere winzig kleine Sternchen, z.B. im Großen Wagen, an denen man die außergwöhnliche Scharfsichtigkeit ihrer Betrachter testen kann. (AdÜ)} erscheinen zu lassen.

Dementsprechend (buna kıyasen) kannst du auch in diesem Buch (kitab) hier viele Beispiele (nümune) für den obigen Sachverhalt (hakikat) finden. Denn ich möchte in diesem Buch hauptsächlich (zira bu kitabın mesleßi) all das, was von außen herein kommt (harice), boykottieren, so wie ich es stets tue (benim gibi). Denn sollte ich nicht gerade in Not sein (zaruret olmazsa), boykottiere ich hinsichtlich der Meinungen (efkâr), der Themen (mesail), der Beispiele und der Ausdrucksweise (misaller ve esalîb) all das, was von außen herein kommt (harice). Eine Übereinstimmung mit einer Meinung (tevafuk-u hâtır) könnte jedoch vorkommen. Denn dann wäre die Wahrheit ein und dieselbe (Zira hakikat birdir). Durch welche Tür auch immer du eintreten mögest (hangi kapıyla girsen): du wirst stets nur dasselbe sehen (aynını göreceksin).

Schlusswort

Es wird immer gesagt (söylenilmiştir): Achte nur auf das Gesagte (söylenene bak) und nicht auf den, der es sagt (söyleyene bakma). Ich dagegen sage: Wer hat es gesagt? Wem hat er es gesagt? Unter welchen Umständen hat er es gesagt? Zu welchem Zweck hat er es gesagt? Auf all das muss man genau so achten, wie auf das Wort, das zu sagen (söyledißi sözü), vom Standpunkt der Beredsamkeit (nokta-i nazar) notwendig, ja sogar unentbehrlich (elzem) ist.

Hinweis: Es ist ja bekannt (malûm), dass einer der wichtigsten Grundsätze (mühim bir şartı) der Vorzüge (mezaya) der Rhetorik und Beredsamkeit (fenn-i maânî ve beyan) hinsichtlich der Prägnanz (belâgat) der ist, durch absichtliche und gezielte (kasden ve amden) Anzeichen auf das Thema (garaz) aufmerksam und durch die Festsetzung (nasb) der Hinweise und Merkmale (işaret ve alâmat) Ziel und Zweck (kasd ve amd) bekannt zu machen. Denn dabei ist allein der Zufall keinen Heller (tesadüf bir para) wert.

— 98 —

Ein Grundsatz (şart) der Rhetorik (fenn-i bedi) und der dichterischen Gestaltung (tezyinat-ı lafzıye) ist Spontanität und Improvisation (tesadüf ve adem-i kasd), oder doch gleichsam spontan (tesadüf) einer natürlichen Bedeutung (tabiat-ı mana) näher zu sein (yakın olmak).

Anmerkung: Es soll hierbei nicht verborgen bleiben (pûşide olmasın): das was auf die Natürlichkeit (tabiat) und die äußerlichen Tatsachen (hakikat-ı hariciye) hinweist und dem Beschluss seiner Vorstellung (hükm-ü zihnî) entsprechend mit den äußerlichen Regeln (kanun-u haricî) verbindet, ist - mit Verlaub zu sagen (tabir caiz ise) - das schärfste aller Werkzeuge (âletlerin en sekkab), nämlich der erforschende (tahkikiye) Satzpartikel اِنَّ {"fürwahr"} , um den Schleier durchbohren (perdeyi delerek) zu können und dahinter die Wahrheit aufzuzeigen (altındaki hakkı gösteren). Der Satzpartikel اِنَّ {"fürwahr"} wird aufgrund dieser Besonderheit (hâsiyet) in der Tat öfter im Qur'an gebraucht (kesretle istimal olunmuştur).

Ermahnung: Oh mein Bruder (Ey birader)! Die subtilen Prinzipien (kavanin-i latife) in dieser Abhandlung (makale) stimmen mit dieser ungereimten, unpassenden Ausdrucksweise nicht überein (teberri ve nefret). Doch soll dich das nicht in die Irre führen (taßlit etmesin). Denn wenn z.B. diese Prinzipien (kanunlar) gut wären, so würden sie demjenigen, der sich nach ihnen richtet (vaz' eden), einen guten Unterricht in der Beredsamkeit (ders-i belâgat) erteilen. Zudem würden sie dazu einen guten Stil (güzel bir üslûb) verwenden. Im Gegensatz dazu ist derjenige, der sich nach ihnen richtet, ein Analphabet (vaz' eden ise ümmi). {1928 wurde in der Türkei die Schreibweise von den arabischen Buchstaben auf lateinische Buchstaben umgestellt. (AdÜ)} Seine Ausdrucksweise (üslûb) ist daher noch ungereimt (perişan). Du aber solltest nicht in eine solchen obigen, weil irrige Vorstellung verfallen (bir vehme zâhib olma!). Oh mein Gott (Yahu)! Miss also dieser irrigen Vorstellung keine weitere Bedeutung bei (vehme ehemmiyet verme)! Denn in den Bereichen der Wissenschaft (fen) müssen nicht (lâzım gelmez) alle Wissenschaftler (ilim sahibi) sprachgewand (san'atkâr) sein.

Zudem ist die Anziehungskraft (kuvve-i dafia), die auf den Mittelpunkt (ile'l-merkez) hin ausgerichtet ist, der Zentrifugalkraft (kuvve-i cazib) überlegen, die aus dem Mittelpunkt (an-il merkez) heraus gerichtet ist. Denn das Ohr (kulak) hat eine Verwandschaft mit dem Gehirn (dimaßa karabeti) und eine familiäre Bindung (sıla-i rahmi) mit dem Verstand (akıl). Was hingegen das Herz (kalb) betrifft, das die Quelle des Wortes (maden-i kelâm) ist, so ist es von der Zunge entfernt (lisandan uzak) und daher fremd (ecnebi). Zudem kann die Zunge (lisan) meistens die Sprache des Herzens (kalbin dilini) nicht so ganz verstehen (tamamen anlamıyor). Besonders gibt das Herz (lasiyyema kalb) manchmal aus den feinsinnigsten Themen (mes'elenin derin yerlerinden) heraus - als befände es sich auf dem Grunde einer Zisterne (kuyu dibinde) - eine Art Klopfen (bir tıntın) von sich, was die Zunge ja nicht hören kann (lisan işitemez). Und wie sollte sie ihm dann als Sprachrohr (tercümanlık) dienen können?

Kurzum: Verstehen ist viel leichter (daha eshel) als sich verständlich zu machen (fehim ifhamdan). Und damit Schluss (vesselâm)!...

Eine Bitte um Verständnis (itizar): Oh Herr (zât), der du auf diesem schmalen, langen und dunklen (dar ve ince ve karanlık) Weg in Geduld und Ausdauer (sabırlı ve metanetli) mein Gefährte (arkadaşlık) warst!

Ich denke, du warst in diesem zweiten Kapitel (İkinci Makale) nur ein erstaunter Zuschauer (hayretle seyirci) und kein Zuhörer (müstemi'). Denn du hast nichts davon verstanden (anlamadın). Doch du hast recht (hakkınız var). Denn die Themen (mesail) waren überaus feinsinnig, ihre Wurzeln (ırklar) tiefschürfend, die Ausdrücke kurz und bündig (muhtasar ve mußlak). Ausserdem ist mein Türkisch recht mangelhaft und ungereimt (noksan ve müşevveş). Auch meine Zeit war ziemlich knapp (vaktim dahi dar). Ich war zudem noch in Eile (acele). Und auch meine Gesundheit ist schwer gestört (sıhhatım muhtel). Ausserdem habe ich mich auch noch erkälttet (başım nezleli). Unter all diesen chaotischen Zuständen (karışık zemin) konnte nur noch ein solch derartiges Skritptum (varakpare) zustande kommen.

وَالْعُذْرُ عِنْدَ كِرَامِ النَّاسِ مَقْبُولٌ

{"Eine Bitte um Verständnis kommt bei edlen Menschen gut an."}

— 99 —

Oh mein Bruder (Ey birader)! Betrachte das Erste Kapitel als "Element der Wahrheit (Unsur-u Hakikat)" im Großen (kübra) und das Zweite Kapitel als "Element der Beredsamkeit (Unsur-u Belâgat)" im Kleinen (sußra) und mische sie mit einander (mezcet). Wie ein elektrischer Strahl (şuaı) lass die wahre Intuition (hads-i sadık) sie überströmen, damit als Ergebnis (netice) dein Verständnis (zihin) dazu imstande sein wird (istidadat), das Dritte Kapitel "Das Element der Überzeugung (Unsur-u Akide)" zu begreifen, das überaus heiß (hararetli) ist und in seinem Glanze erstrahlt (parlak ziyalı).

Nun wollen wir im Dritten Kapitel (Üçüncü Makale) "das Element der Überzeugung (Unsur-u Akide)" aufsuchen.

Ich fange نَخُو {"also nun"} an.