Eines Tages kamen einige Jugendliche zu mir. Sie wollten eine wirksame Ermahnung von mir empfangen, um sich vor den Gefahren zu schützen, die ihnen aus ihren jugendlichen Interessen und ihrer Lebensweise erwachsen. So habe auch ich ihnen das gesagt, was ich früher denjenigen gesagt habe, die um Hilfe aus der Risale-i Nur gebeten hatten:
Eure Jugendzeit wird mit Sicherheit vorübergehen. Wenn ihr nicht innerhalb des von Gott erlaubten Rahmens bleibt, wird diese Jugendzeit verloren gehen und euch nicht nur im Jenseits und im Grab, sondern auch schon in dieser Welt Unglück und Schmerzen bereiten, mehr als Genüsse. Wenn ihr aber dieses Geschenk eurer Jugendzeit der islamischen Erziehung entsprechend als eine Danksagung in Ehren, Redlichkeit und Gehorsam verbringt, wird diese Jugend euch innerlich ewig erhalten bleiben und euch dazu verhelfen, eine unsterbliche, ewige Jugend zu gewinnen.
Was das Leben betrifft, so bringt es, gäbe es den Glauben nicht, oder hätte dieser Glaube durch den Ungehorsam keine Wirkung, infolge äußerlicher, sehr kurzer Genüsse und Vergnügungen, tausendfach mehr Leiden, Kummer und Sorgen. Denn da der Mensch Verstand und Denkvermögen hat, ist er von seinem Wesen her, im Gegensatz zum Tier, sowohl mit der gegenwärtigen als auch mit der vergangenen und der zukünftigen Zeit verbunden. Dabei kann er aus diesen Zeiten sowohl Schmerz als auch Freude schöpfen.
Was aber ein Tier betrifft, so werden seine vergangenen Schmerzen und seine Ängste vor der Zukunft seine gegenwärtige Freude nicht zerstören, weil es darüber nicht nachdenken kann.
Was aber den Menschen betrifft, welcher der Gottvergessenheit und dem Irrtum verfallen ist, so verbittern und zerstören die Trauer über das Vergangene und die Sorge vor der Zukunft sein augenblickliches bisschen Freude völlig. Was insbesondere die unerlaubten Freuden betrifft, so gleichen sie ganz und gar dem vergifteten Honig. Das heißt also, dass der Mensch vom Standpunkt des Lebensgenusses aus hundertfach tiefer sinkt als ein Tier. Vielmehr gehört dem, der einem Irrweg folgt und gottvergessen lebt, sein Leben, ja seine ganze Existenz, ja sogar seine ganze Welt nur einen Tag lang. Alle vergangenen Jahreszeiten und Lebensalter und alles, was da war, ist von seinem irrigen Standpunkt aus betrachtet, nicht mehr vorhanden, gestorben. Sein verstandesgemäßes Denken malt ihm alles in Dunkelheit und Finsternis aus. Was aber die Zukunft betrifft, so ist sie für ihn aus seinem Mangel an Überzeugung wiederum nicht existent. Die durch diese Nichtexistenz verursachten beständigen Trennungen verfinstern ihm, infolge seiner Fähigkeit darüber nachzudenken, beständig das Leben.
Wenn aber der Glaube das Leben zum Leben erweckt, dann wird sowohl die vergangene als auch die künftige Zeit im Lichte des Glaubens erleuchtet und erhält ihre Gestalt. Gleich der gegenwärtigen Zeit verleiht dann das Leben dem Herzen und der Seele des Menschen, vom Standpunkt des Glaubens aus betrachtet, erhabene, geistige Genüsse und Lichter, unter denen es sich gestaltet. Diese Wahrheit ist in einer Abhandlung für die Alten, der Siebenten Hoffnung, erklärt worden. Dort kann man darüber nachlesen.
Siehe, so ist also nun das Leben. Verlangt es euch nach den Freuden und Genüssen des Lebens, so macht euer Leben lebendig durch ein Leben aus dem Glauben, schmückt es mit euren Pflichten gegenüber Gott und bewahrt es euch dadurch, dass ihr euch der Sünden enthaltet.
Was aber die ungeheuerliche Wahrheit vom Tode betrifft, die jeden Tag und überall und zu jeder Zeit die Dahinscheidenden beweisen, so möchte ich sie euch anhand eines Beispiels erläutern, wie ich das schon anderen jungen Leuten gegenüber getan habe:
Da ist zum Beispiel hier vor euren Augen ein Galgen aufgerichtet. Gleich daneben steht eine Los-Agentur, aber eine solche für die Vergabe der besonders hohen Gewinne. Nun werden also wir zehn, die wir hier sind, in jedem Fall, ob wir es wollen oder nicht, einen anderen Weg gibt es nicht, dorthin vorgeladen. Wir werden aufgerufen. Und während wir noch darauf warten und weil die Zeit unserer Abberufung unbestimmt ist, vielmehr jeden Augenblick jemand: "Komm, nimm dein Verdammungslos und steige zum Galgen hinauf!" oder: "Komm, nimm dein Los, mit dem du Millionen Goldstücke gewonnen hast!" rufen kann, kommen plötzlich zwei Menschen zur Tür herein. Einer von ihnen ist eine verführerisch schöne, halbnackte Frau, die in ihrer Hand eine Schale mit Helva hält, die äußerlich zwar köstlich erscheint, in Wirklichkeit aber giftig ist und die sie als Speise anbietet. Der andere aber, ein ernster Mann, der nicht betrügt und sich nicht betrügen lässt, tritt hinter der Frau ein und sagt:
"Ich habe euch ein Losungswort, eine Anweisung mitgebracht. Wenn ihr dieses aussprecht und die Helva nicht esst, werdet ihr euch vor dem Galgen retten. Mit diesem Losungswort werdet ihr jenen einzigartigen, hohen Gewinn empfangen. Dort vor dem Galgen seht ihr ja bereits mit eigenen Augen, wie die Honigesser dahingehen und sich noch im Gehen von der vergifteten Helva in fürchterlichen Leibschmerzen krümmen, während ihr zwar nicht seht, wie diejenigen, welche das Große Los gezogen haben und die ihr offensichtlich auch zum Galgen hinaufsteigen seht, gar nicht aufgehängt werden, sondern von dort aus mit Leichtigkeit einen Schritt zur Los-Agentur hinüber tun und dort eintreten. Dafür gibt es Millionen Zeugen, die davon Nachricht geben. So schaut denn zum Fenster hinaus. Die obersten Beamten und die höchsten Persönlichkeiten, die sich damit beschäftigen, verkünden mit lauter Stimme und berichten: Diejenigen, welche zum Galgen hinaufsteigen, sind mit augenscheinlicher Sicherheit genauso, wie ihr sie seht. Diejenigen aber, die das Große Los gezogen haben, das sind die Besitzer des Losungswortes. Das sollt ihr ganz ohne allen Zwiespalt und Zweifel mit der absoluten Sicherheit des Tages wissen."
So fällt denn der Mensch, äußerlich betrachtet, in das Unglück des Todes, der einer Hinrichtung am Galgen, und in das des Grabes, welches einem Tor in die ewige Finsternis gleicht, weil er durch die Ausschweifungen und die unerlaubten Vergnügungen in seiner Jugend, die dem vergifteten Honig in unserem Beispiel gleichen, den Glauben verloren hat, der die Eintrittskarte und der Ausweis für die Schatzkammer der Ewigkeit und eine endlose Glückseligkeit ist, und so kann denn der Henker-Tod, vor dem Jung und Alt gleich sind, weil die Todesstunde unbekannt ist, jederzeit kommen, um seinen Kopf abzuschlagen. Wenn der Mensch diese von Gott verbotenen Leidenschaften, die dem vergifteten Honig gleichen, aufgibt, zu seinem Glauben steht und seine Pflichten gegenüber Gott, die das Losungswort des Qur'ans sind, auf sich nimmt, wird er das Los für die Schatzkammer zur ewigen Glückseligkeit aus der wunderbaren Lotterie der Zukunft, die dem Menschen bestimmt ist, gewinnen. Darüber berichten die hundertvierzwanzigtausend Gesandten Gottes, mit denen der Friede sei, und so viele Heilige und Kenner der Wahrheit, dass man sie gar nicht mehr zählen kann, übereinstimmend... und sie zeigen die Anzeichen dafür auf.
Kurzum: Die Jugendzeit wird vergehen. Wenn sie in Ausschweifung vergangen ist, wird sie sowohl in dieser Welt, als auch im Jenseits, Tausende von Übeln und Schmerzen zur Folge haben. Wollt ihr begreifen, wie solche jungen Leute meistens durch Krankheiten, die aus Missbrauch und Kraftvergeudung entstanden sind, die Krankenhäuser, durch Maßlosigkeit und Übergriffe, die Gefängnisse und Armenhäuser, durch Depressionen und seelischen Kummer die Kneipen überschwemmen, so fragt in den Krankenhäusern und in den Gefängnissen und auf den Friedhöfen nach.
Sicherlich werden die meisten Krankenhäuser euch in ihrer eigenen Sprache, in ihrem Seufzen und Wehklagen von den Krankheiten berichten, die in der Verführung der Jugend durch Verschwendung und Missbrauch entstanden sind.
Auch aus den Gefängnissen werdet ihr von der Trauer so vieler unglücklicher junger Leute hören, welche in ihrem jugendlichen Überschwang für ihr ungesetzliches Verhalten Schläge bekommen haben.
Zudem werdet ihr wissen, dass in jenem Zwischenreich, in der Welt des Grabes, dessen Tore ständig vor den Eintretenden geöffnet und hinter ihnen wieder geschlossen werden, die meisten Qualen eine Folge des Missbrauchs in der Jugendzeit sind, wofür auch alle die Kenner der Grabeswelt Zeugnis ablegen und was auch alle Kenner der Wahrheit bestätigen und bezeugen.
Außerdem sollt ihr die Alten und Kranken fragen, die den größten Teil der Menschheit bilden. Weitaus die meisten von ihnen werden sicherlich in Trauer und Sehnsucht sagen: "Weh uns, wir haben unsere Jugendzeit umsonst verlebt, verloren und dafür bezahlen müssen. Hütet euch davor, dass ihr es nicht auch so macht, wie wir." Denn wer in seiner Jugendzeit fünf oder zehn Jahre mit unerlaubten Vergnügungen verbracht hat und deswegen in dieser Welt viele Jahre in Kummer und Sorge leben muss, im Zwischenreich Strafe und Schaden erleidet und im Jenseits die Qualen der Hölle und des Feuers zu verkosten bekommt, der verdient, trotzdem (obwohl) er sich in einem bedauernswerten Zustande befindet, nach dem Geheimnis:
{"Wer mit dem Schaden einverstanden ist, den soll man nicht bedauern."}
gar kein Mitleid. Denn wer seinen Schaden absichtlich herbeiführt, dessen braucht man sich nicht zu erbarmen und er verdient es auch gar nicht. Gott, der Gerechte, möge uns und euch vor den Verführungen und Verlockungen dieser Zeit retten und bewahren. Ämîn.
Meine lieben getreuen Brüder und Schüler der Risale-i Nur!
Wegen des Einwandes (itiraz) seitens eines alten Mannes (ihtiyar bir zât), den man nicht von ihm erwartet (hatira) hatte, der aber den nur schwach (zaîf) Gestellten unter den Schülern (sakird) der Risale-i Nur geschadet (zarar) hat, muss ich nun doch noch (mecbur) - um dergleichen Einwänden (itirazlar) von Grund auf (esas) den Boden zu entziehen - eine Tatsache (hakikat) erklären. Und so wie ich es bereits jemandem erklärt habe, wiederhole (tekrar) ich es hier nochmals:
Es ist leider verwunderlich als auch bedauerlich (mûcib-i taaccüb) und eine Quelle des Kummers (medar-i teessüf), dass die Leute der Wahrheit (ehl-i hakikat), während sie die außerordentliche Kraft (kuvvet) in ihrer Eintracht (ittifak) verloren haben und nun durch diesen Verlust (ziya') eine Niederlage (zayi') erleiden, während sich Heuchler (ehl-i nifak) und Irrlehrer (dalalet) zugleich - obwohl dies eigentlich ihrer Lehrmeinung (mesreb) nach ein Widerspruch (zid) ist - vereinigen (ittifak), um so eine beachtliche Kraft (kuvvet) aus ihrer Eintracht (ittifak) heraus zu gewinnen. Während sie doch nur zehn unter hundert sind, versetzen sie neunzig Leuten der Wahrheit (ehl-i hakikati) eine Niederlage (maglub). Die eigentliche Quelle (medar) allen Staunens und Verwunderns (taaccüb ve hayret) ist jedoch Folgendes: Obwohl wir doch von ihnen vor allen anderen Unterstützung und Ermutigung (muavenet ve tesvik) erwarten sollten und sie eigentlich auch zu dieser Hilfeleistung (yardim) hinsichtlich der Islâmiyet und ihres Weges (meslek) und ihres religiösen Dienstes (vazife-i diniye) verpflichtet wären, helfen (yardim) sie uns nicht, im Gegenteil (bilakis): sie erheben aufgrund eines Missverständnisses, das den Dienst (hizmet) der Risale-i Nur zum Stillstand hätte bringen können, mit Hilfe ihres Ansehens (ehemmiye) und ihrer gesellschaftlichen Stellung (mevki-i içtimaiye) auch noch ihre Einwände (itiraz). So haben sie denn der Ausdeutung (beyanat) einer Tatsache (hakikat) widersprochen (itiraz).
Ich weiß leider nicht, worum es sich dabei handelt (mes'ele), bzw. konkret um welche Ayah. Es müsste hier jedoch um ein Thema (mes'ele) aus den Hinweisen (isarat) des Qur'ans im "Ersten Strahl" (Birinci Sua) gehen, das wir rein persönlich (mahrem) behandelt hatten.
Zudem möchte ich noch meinem verehrten alten Freunde erklären, Leuten von Aufmerksamkeit und auch euch, dass der Neue Said unter dem Segen des Qur'ans, dessen Wort ein Wunder ist, das, was die Glaubenswahrheiten betrifft, dermaßen mit logischen und wirklichkeitsgerechten Beweisen behandelt, dass nicht nur die islamischen Gelehrten (ulema), sondern selbst die verbohrtesten Wissenschaftler Europas sich das eingestehen müssen und es zugeben werden. Und so wie Hazret Ali und Ghaus-i Azam, mit denen Gott zufrieden sein möge, in der für sie typischen Ausdrucksweise auf den Wert und die Bedeutung der Risale-i Nur hingewiesen und symbolisch angedeutet haben, so lenkt auch der Qur'an mit seinem Wort des Wunders die aufmerksamen Blicke auf die Risale-i Nur, welche ein Wunder des Geistes in unserer Zeit ist, weist mit Hinweisen, Zeichen, Andeutungen und Symbolen auf die Tatsache dieses Wunders hin, welches ein Erfordernis der wunderbaren Beredsamkeit dieser verborgenen Sprache ist.
In der Tat wurde mir im Gefängnis in Eskischehir, zu jener furchtbaren Zeit und in einem Augenblick, da ich heiliger Tröstung ganz besonders bedurfte, der innere Anruf zuteil: "Du wirst die Heiligen der alten Zeit als Zeugen dafür anführen! Denn entsprechend dem Geheimnis des Wortes:
{"Es gibt nichts, was frisch oder trocken wäre, außer in dieser klar verständlichen Schrift."}
nimmt in diesem Beispiel der Qu'ran als Herr des Wortes den höchsten Platz ein. Würde wohl der Qur'an die Risale-i Nur akzeptieren? Mit welchen Erwägungen betrachtet er sie wohl?" Ich fand mich dieser seltsamen Frage gegenübergestellt. So ersuchte ich denn den Qur'an um Hilfe. Plötzlich spürte ich, dass in ihm dreiunddreißig Ayat enthalten sind, von denen ein Teil solche sind, deren Bedeutung persönlich eindeutiger Art (mana-yi sarihi) ist, während ein anderer Teil mehr zeichenhafte Bedeutung hat. Und innerhalb der Gesamtheit solcher symbolischer Zeichen ist die Risale-i Nur lediglich eine der möglichen Ausdeutungen. Doch gibt ihr In-Erscheinung-treten einen besonderen Hinweis und ist zugleich Grund für einen gewissen Vorzug. Dies alles spürte ich innerhalb einer Stunde ganz klar und deutlich und bemerkte auch, dass ein Teil bis zu einem gewissen Grade Erläuterung, ein anderer Teil aber Zusammenfassung ist. Für mich selbst bleibt danach auch nicht der geringste Zweifel, kein Argwohn oder die Möglichkeit einer Täuschung mehr übrig.
Auch ich habe dies, in der Absicht, den Glauben der Leute des Glaubens durch die Risale-i Nur zu bewahren, mit einer so absoluten Überzeugung geschrieben und es an meine wahrhaftigen Brüder weitergegeben, unter der Bedingung, dass sie es vertraulich (mahrem) behandeln. Und wir sagen in dieser Risala auch nicht, das sei der eindeutige Sinn dieser Ayah, sodass die Hocas sagen könnten:
{"auch dies ist eine mögliche Betrachtungsweise".}
Auch wollen wir nicht sagen, wir hätten nun die symbolischen Zeichen erschöpfend ausgelegt.
Wir wollen vielmehr sagen, dass sich unter einer eindeutigen Aussage verschiedene Ebenen subsummieren lassen. Eine Ebene ist die der zeichenhaften, der symbolischen Bedeutung; und diese zeichenhafte Bedeutung ist wieder ein ganzer Komplex. Davon hat jede Generation einen winzigen Bruchteil. Auch die Risale-i Nur ist in diesem Jahrhundert auf der Ebene der symbolischen Zeichen ein einzelnes Exemplar innerhalb dieser Gesamtheit. Doch dieses Exemplar lässt eine Absicht erkennen, lenkt die Blicke auf sich, macht die große Bedeutung einer Aufgabe sichtbar. Durch die schon in alten Zeiten unter den Gelehrten (ulema) gebräuchlichen Methoden der Chiffrendeutung und anderer mathematischer Berechnungen nimmt sie die Gestalt eines Fingerzeiges, ja sogar eines Beweises an. Damit soll keine Ayah des Qur'ans und nichts, was daran unbestreitbar ist, geschmälert werden, vielmehr soll damit seiner Wunderhaftigkeit und der Treffsicherheit seines Ausdrucks ein Dienst erwiesen werden. Derartige Zeichen aus dem Verborgenen sind unbestreitbar. Vertreter der Wahrheit, welche diese unendlich vielen Hinweise, die sich im Qur'an finden und sich ohne alle Entsprechung und Kalkulation ergeben, nicht in Abrede stellen, werden auch dies nicht leugnen und können es auch gar nicht bestreiten.
Möchte aber nun jemand hier einwenden, er halte es für sonderbar, ja unwahrscheinlich, dass in der Hand eines so unbedeutenden Mannes, wie ich es bin, ein derart bedeutendes Werk entsteht, so möge er einmal darüber nachdenken, dass es doch ein Beweis für die gewaltige Macht und Größe Gottes ist, wenn aus einem Tannensamen von der Größe eines Weizenkorns ein Baum so hoch wie ein Berg emporwächst, und er wird gewiss sagen müssen, dass es ein Beweis für das allumspannende Erbarmen Gottes ist, wenn in einer Zeit der bittersten Armut, der tiefsten Not und des äußersten Mangels, wie sie die unsere ist, ein solches Werk in Erscheinung tritt.
Ich versichere euch und meinen Gegnern bei der Ehre und Würde der Risale-i Nur, dass diese Zeichen, die vorausschauenden Ankündigungen der Heiligen (auliya) und ihre Symbole mich stets zu Lobpreis und Danksagung bewegt haben und dazu, um die Vergebung meiner Verfehlungen zu bitten. Ich habe meiner Seele, welche gebieterisch (nefs-i emmare) nach Ruhm und Ehre verlangt, nie auch nur eine Minute ihre Ichsucht und ihren Egoismus vergönnt, welcher die Quelle des Stolzes ist und der Sucht nach Ruhm. Beweis dafür ist das Ergebnis der letzten zwanzig Jahre meines Lebens, welches vor euren Augen ausgebreitet liegt.
In der Tat kann ein Mensch bei aller Wahrhaftigkeit nicht frei bleiben von der Befleckung durch Fehler, Vergesslichkeiten und Irrtümer. Ich habe, unbewusst, viele Fehler. Vielleicht habe ich meine Vorstellungen mit der Risala vermischt, wodurch dann Fehler entstanden sind.
In dieser Zeit, wo Millionen mächtiger, aufrichtiger, opferbereiter Menschen, Männer von Charakter, im Kampf gegen diese furchtbaren Verirrungen offenkundig mit ihren Theorien gescheitert und untergegangen sind, kann ein so unwissender und kaum gebildeter Mensch wie ich, ein Mann, der in seiner Armseligkeit einsam und allein, unter andauernder Überwachung durch die gegenüberliegende Polizeistation steht und sich in einer Lage befindet, wo ständig von allen Seiten gegen ihn die übelste Propaganda angezettelt und er von jedermann verabscheut wird, nicht der Autor einer Risale-i Nur sein, welche diesen Theorien weit voraus ist und ihnen weit besser Widerstand zu leisten vermag. Sie kann unmöglich das Produkt seines besonderen Talentes sein, auf das er auch noch (berechtigterweise) stolz sein könnte. Sie ist vielmehr ein Wunder, das in heutiger Zeit ganz unmittelbar dem Geiste des Weisen Qur'ans entspringt, ein Gnadengeschenk der Göttlichen Barmherzigkeit. Dieser Mensch hat mit tausenden seiner Mitmenschen nach jenem Geschenk des Qur'ans seine Hände ausgestreckt. Wie dem auch immer sein mag, ist ihm als Erstem die Aufgabe ihrer Übertragung zugefallen. Es gibt in der Risale-i Nur Teile, welche zu dem Schluss führen, dass sie nicht auf der Arbeit seiner Gedanken beruhen, nicht ein Werk seiner Intelligenz und Gelehrsamkeit sein können. Es gibt einige Abhandlungen, welche in sechs Stunden, andere, die in zwei Stunden, wieder andere, die in einer Stunde und einige, die in zehn Minuten niedergeschrieben worden sind. Ich schwöre und versichere: Selbst die Gedächtnisleistungen des Alten Said einmal vorausgesetzt, könnte ich doch eine solche Arbeit von zehn Minuten aus meinen eigenen Ideen heraus auch in zehn Stunden nicht bewerkstelligen. Jene Zwei-Stunden-Risala kann ich bei all meiner Begabung und guten Auffassungsgabe auch in zwei Tagen nicht zustandebringen. Das Dreißigste Wort, eine Risala, die in sechs Stunden erwuchs, kann auch der gewissenhafteste, gläubige Philosoph in sechs Tagen sorgfältigen Schaffens nicht verwirklichen. Usw...
Das heißt, dass wir, obwohl doch völlig mittellos, Makler eines reichen Perlenkaufmanns und sein Handelsgehilfe geworden sind. Möge Gott, der Gerechte (Cenab-i Hakk), durch Seinen Segen und Seine Freigiebigkeit (fazl u kerem) uns und alle Schüler (sakird) der Risale-i Nur in diesem Heiligen Dienst (hizmet-i kudsiye) stets aufrichtig und wahrhaftig (hâlisane, muhlisane) zum Erfolg (muvaffak) führen. Âmîn.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei! Friede sei mit euch, Gottes Erbarmen und Sein Segen."}
Meine lieben getreuen Mitbrüder!
Dieser Abschnitt soll sowohl in die Briefsammlung (Lâhika) als auch am Schluss der Abhandlung über die Wunderhaftigkeit (i'caz) des Qur'ans aufgenommen werden. In ein paar Tagen werden wir noch einen weiteren wichtigen Abschnitt schicken.
Ein besonders starker Beweis (kuvvetli bir delil) dafür, dass jeder treue Schüler (sadik sakird) nach dem Geheimnis (sirr) der Nacht der Bestimmung im segensreichen (mübarek) Monat Ramadan, nach dem Geheimnis der Weisheit (sirr-i hikmet) dessen, dass er ein dreiundachtzigjähriges geistiges Leben (ömr-ü manevî) {Ein Monat der Anbetung im Ramadan entspricht Tausend ganz gewöhnlichen Monaten = dreiundachtzig Jahre.} erwerben lässt, und dem Geheimnis der Wahrhaftigkeit (sirr-i ihlas) zufolge nach dem Grundsatz (düstur) des Gemeinschaftssinns (tesanüd) unter den Schülern (sakird) der Risale-i Nur und ihr gemeinsames Handeln (istirak-i a'mal) für das Jenseits (uhrevî), diesen außerordentlichen geistigen Verdienst (manevî kazanc) erwerben wird, ist der, dass die Wahrscheinlichkeit groß (ihtimali kavî) ist, dass unter den vierzigtausend, ja sogar hunderttausend aufrichtigen und wahrhaftigen Gläubigen (hakikî mü'min) innerhalb dieses Kreises (daire) ein, zwei, ja sogar nicht nur zehn, zwanzig, sondern vielmehr Hunderte der Wahrheit der Nacht der Bestimmung (hakikat-i Leyle-i Kadr) entsprechen werden.
Nach dem Geheimnis der Wahrhaftigkeit (sirr-i ihlas) und nach dem Geheimnis (sirr) des Grundsatzes (düstur) vom gemeinsamen Handeln für das Jenseits (istirak-i a'mal-i uhrevî) müssen wir und müsst auch ihr, dieser Wahrheit (hakikat) {wie im obigen Abschnitt dargestellt (A.d.Ü.)} entsprechend, in diesem heiligen (serif) Monat Ramadan, jeder von uns und für uns alle (umum) mit allen Kameraden gemeinsam vor Augen führen und immer mit dem Personalpronomen der ersten Person Plural (nun-u mütekellim-i maalgayr) **, d.h. immer
{"Bewahre uns, erbarme Dich unser, vergib uns, führe uns {in unseren Dienst an der Risale-i Nur (A.d.Ü.)} zum Erfolg, führe uns auf dem rechten Weg!"}
{"Lass diese Nacht der Bestimmung in diesem Monat Ramadan für uns so segensreich wie Tausend Monate werden!"}
und dergleichen Worten beabsichtigen (niyet), mit dem Pronomen نَا {"wir" (dieses Personalpronomen heißt "wir" (A.d.Ü.))} alle Brüder gemeinsam anzusprechen (farzedip) und dabei sicherlich auch euren - diesem so völlig schwachen - Bruder bei seiner schweren Aufgabe (agir vazife) mit einer persönlichen {Üstad bittet hier darum, ihn persönlich zu unterstützen}Absicht (hususî niyet) zu unterstützen (yardim).
Meine lieben getreuen Mitbrüder!
Sowohl euch als auch uns selbst und den Kreis der Risale-i Nur, besonders aber den tapferen (kahraman) Tahir, beglückwünschen (tebrik) wir dazu, dass diese "Gewaltige Rezitation" (Vird-ül A'zam) aus dem Qur'an nun in dieser Form erschienen (zuhur) ist. Zugleich mit der Herausgabe dieses Buches ereigneten sich in der Tat zwei phantastische Dinge (emr-i azîm):
Erstens: Für den Druck (tab) des Weisen (Hakîm) Qur'ans, so wie durch diese wunderbare (mu'cizeli) symmetrische Übereinstimmung, die den Augen als ein Wunder (mu'cizat) sichtbar wird, und den Druck der Exemplare der Risale-i Nur, in denen die Übereinstimmung als ein Wunder (kerametli) erkennbar ist, öffnete sich erstaunlicherweise eine neue Möglichkeit (çigir) im Bereich der Drucktechnik (matbaa).
Zweitens: Es handelt sich hier um den außerordentlichen Segen (sevab), den Tahir und Hâfiz Ali und ihre Mitarbeiter empfangen haben und der ein offensichtlicher Beweis für das Geheimnis (sirra delil-i zahir) ist, das in seiner Form, deren Vergleichbares (emsal) in der Druckerei (matbaa) und in der Drucktechnik (tab) noch nie zuvor gesehen wurde, so als ob die Abschriften von Tahir einer fotographischen Aufnahme entsprechend identisch gedruckt worden wären. Wer immer sie sieht, sagt sogleich: "Dies ist die Abschrift von Tahir und kein Druck (matbu')."
Da sowohl Papier als auch die Zeit knapp (dar) sind, bleibt hier nur noch übrig (bâki), alle zu grüßen (umuma selâm).
Meine lieben getreuen Mitbrüder!
Obwohl ich in diesem heiligen (serif'te) Monat Ramadan sehr das Bedürfnis (muhtaç) habe, nicht über meinen Tellerrand (âfâka) zu schauen, sondern lieber die Welt (dünya) zu vergessen, zwingen sie uns (mecbur) leider dennoch ab und zu einmal wieder in die Welt zu schauen. Da jedoch diese Art der Betrachtung unserer Absicht (niyet) entsprechend, mit Gottes Hilfe (insâallah) auch ein Dienst am Glauben (hizmet-i imaniye) ist, möge dies auch als eine Art Gottesdienst (ibadet) gelten.
So wie sie euch belästigen (ilistik), lassen sie in der Tat auch uns auf eine stets wieder andere Art und Weise ihre Lust, uns anzugreifen (tecavüz), verspüren. Dank (sükür) sei Gott, dem Gerechten (Cenab-i Hakk), dass ihre Angriffe (tecavüz) nach Art einer Provokation (aks-ül amel) den Erfolg (fütuhat) der Risale-i Nur nur noch fördern (yardim). Was den Einwand (itiraz) des alten Mannes in Istanbul {Jener Hodscha, der Üstad einmal kritisiert hat. (A.d.Ü.)} betrifft, so schreibt der tapfere (kahraman) Nazif, dass dieser Einwand (itiraz) bewirkt hat, dass die Risale-i Nur in Istanbul in neuem Erfolg (fütuhat) erstrahlt (parlamaga). Auch ganz kleine Angriffsversuche (tecavüz) aus anderen Kreisen (cihet) {von unseren Gegnern (A.d.Ü.)} führen so zum Erfolg (netice). Seit kurzem haben sie sich jedoch eine für uns bisher unvorstellbare Ausrede (hatira) ausgedacht, wodurch sie einige arme Hodschas und Sufis dazu bringen, sich von der Risale-i Nur zurückzuziehen und ihr gegenüber kühl und gleichgültig zu werden. Es ist dies wie folgt:
Sie sagen: "Said duldet bei sich keine anderen Bücher, d.h. dass sie ihm nicht gefallen (begenmemek). So muss ihm auch Imam Gazalî, mit dem Gott zufrieden sein möge, ganz und gar nicht gefallen (begenmemek) haben, weshalb dessen Werke (eser) bei ihm auch nicht zu finden sind." So erregen sie denn mit diesen eigenartigen, ja geradezu unsinnigen (acib manasiz) Worten nur noch Übelkeit. Diejenigen, die diese Art Ränke (hile) schmieden, sind Ungläubige (ehl-i zindika), die sich unter einem Deckmantel verstecken und leichtgläubige (safdil) Hodschas und auch einige Sufis zu ihren eigenen Zwecken (vasita) missbrauchen.
Dagegen sagen wir: "Gott bewahre uns (hâsâ) davor hundert Mal!... Die Risale-i Nur und ihre Schüler (sakird) dienen dazu - und keineswegs etwa mit dem Zweck, imam-i Gazalî, diesem Zeugnis (Hüccet) des Islams, meinem einzigen Meister (üstad), also dem, der mich mit Hazret-i Ali verbindet, mit dem Gott zufrieden sein möge, nicht zu gefallen (begenmemek) - nein - im Gegensatz dazu - mit allen Kräften (kuvvetler) den Weg (meslek), dem er folgte (takib), vor dem Angriff (hücum) der Irrgläubigen (ehl-i dalalet) zu beschützen (kurtarmak) und zu bewahren (muhafaza).
Aber dieser entsetzliche Angriff des Unglaubens (zindika hücum) erschütterte zu seiner Zeit (asir) nicht die Grundpfeiler des Glaubens (erkân-i imaniye). Da die Waffen (silâh), die diese Forscher (muhakkik), Gelehrten (allâme) und Exegeten (müçtehid) entsprechend den wissenschaftlichen (münazara-i ilmiye) und religiösen (diniye) Disputationen ihres Zeitalters gebraucht haben, nur schwer zu erhalten sind und man mit ihnen die Feinde (düsman) in heutiger Zeit nicht leicht besiegen könnte, und da die Risale-i Nur im Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder (Mu'ciz-ül Beyan) ist, Waffen (silâhlari) entdeckt hat, die sowohl schnell zu erhalten als auch zielgerichtet sind und exakt das Haupt der Feinde zu zerschmettern vermögen, wendet sie sich nicht (müracaat) zu den Werkbänken (tezgâh) dieser segensreichen, heiligen Personen (mübarek ve kudsî zâtlar). Denn der Qur'an, der die Meldestelle (merci) und die Quelle (menba) und der Meister (üstad) von ihnen allen ist, ist der richtige und vollkommene Meister (tam mükemmel bir üstad) der Risale-i Nur. Da sowohl die Zeit knapp als auch wir nur wenige sind, finden wir nun keine Zeit mehr, sodass wir auch von diesen lichtvollen Werken (nuranî eserler) Nutzen (istifade) ziehen könnten.
Außerdem beschäftigen (mesgul) sich hundertfach mehr Menschen (zâtlar) als die Schüler (sakirdler) der Risale-i Nur mit diesen Büchern und erfüllen so diese Aufgabe (vazife). Und wir überlassen ihnen diese Aufgabe (vazife) auch. Ansonsten möge Gott uns behüten und bewahren (hâsâ ve kellâ)! Wir wissen die segensreichen Werke (mübarek eserlerini) dieser unserer heiligen Meister (kudsî üstadlar) mit Geist und Seele (ruh u canimiz) zu schätzen (severiz). Jedoch hat jeder von uns einen Kopf (kafa), zwei Hände (el) und einen Mund (dil); demgegenüber haben wir jedoch Tausende Angreifer (binler mütecaviz). Und die Zeit drängt. Da wir die Zeugnisse (bürhan) der Risale-i Nur als ebenso wirksam wie die neueste Waffe (silâh) betrachten, halten wir uns dementsprechend an ihr fest und begnügen uns (iktifa) damit.
Eine subtile Übereinstimmung (Lâtif bir tevafuk)
Nachdem wir am Anfang dieses Briefes den Satz:
{"Nach der Anzahl der Minuten und der Sekunden des Monats Ramadan"}
geschrieben hatten, konnten wir ihn doch nicht mehr beenden, weil dazwischen verschiedene andere Arbeiten zu erledigen waren, bis dann der gesegnete (mübarek) Brief des gesegneten (mübarek) Âtif angekommen war. Am Anfang seines Briefes standen dann die Worte:
{"Nach der Anzahl der Minuten und der Sekunden des Monats Ramadan",}
die mit dem Satz am Anfang unseres eigenen Briefes in Übereinstimmung (tevafuk) waren, weswegen wir also hatten warten müssen. Die glanzvollen (parlak) Abschriften mit seinem begnadeten (kerametkâr) Stift, die er zuvor in diese Provinz (memleket) gesandt hatte, und seine Absicht, uns die Risale-i Nur in eben diese Umgebung (havali) zu Hilfe (imdad) zu senden, ist als ein sehr großer Dienst für das Licht (hizmet-i nuriye) zugleich auch eine Opferbereitschaft (fedakârlik) seinerseits; aber sie ist auch für ihn selbst dringend notwendig (lâzim).
Im Voraus danken wir ihm im Namen der hiesigen Schüler (sakird) der Risale-i Nur Tausende Male (binler tesekkür) und beglückwünschen (tebrik) ihn zu diesem seinem neuen Dienst (hizmet). Wegen seines gesegneten (kerametli) Stiftes, der sein Gesicht von den so anziehenden (cazibedar) Geheimnissen der Übereinstimmung (esrar-i tevafuk) abgewandt und unmittelbar der Veröffentlichung (nesri) der Risale-i Nur gewidmet hat, sind wir ihm nun sehr dankbar (minnetdar) und zugleich glücklich (mesrur). Möge Gott, der Gerechte (Cenab-i Hakk), die Anzahl solcher, ihm gleichender, aufrichtiger (hâlis) und wahrhaftiger Schüler (muhlis talebeler) noch vermehren. Âmîn.
In euren Briefen wird gelegentlich über Siddik Süleyman, seine Treue und Zuverlässigkeit (hararetli sadakat), seine Verbundenheit (alâkadarlik) und seine so machtvolle Schülerschaft (kuvvetli sakirdlik) in alten Zeiten gesprochen. Ich kann seine Treue (sadakat), die Unbeirrbarkeit seines Herzens (selâmet-i kalb) und seinen aufrichtigen Dienst (hâlisane hizmet) an der Risale-i Nur und mir selbst gegenüber bis zum Ende meines Lebens nicht vergessen.
Meine lieben, getreuen, aufrichtigen und wahrhaftigen Brüder und meine zuverlässigen und opferbereiten Gefährten!
In Bezug darauf, dass sich seit neuestem sowohl in Isparta als auch in dieser Provinz (havali) hier die Abhandlungen über die Wahrhaftigkeit (ihlas Lem'alari) aus der Risale-i Nur zu verbreiten (intisar) beginnen, wurde mir aufgrund von ein, zwei kleinen Ereignissen (hâdise) eine nachdrückliche Ermahnung (siddetli bir ihtar) ins Herz eingegeben. So sollen also nun über die Scheinheiligkeit (riyaya) drei Punkte beschrieben werden:
Erstens: Bei den Pflichten (farz), den notwendigen Vorschriften (vâcib), den Kennzeichen des Islam (seair-i islâmiye), der Befolgung (ittiba) der gelobten Sitte des Propheten (Sünnet-i Seniye) und der Unterlassung (terk) des Verbotenen (haram), kann keine Heuchelei (riya) in Frage kommen, wohingegen sie in der Öffentlichkeit auszuüben (izhar) keineswegs eine Heuchelei ist. Es sei denn, dass jemand wegen seines überaus schwachen Glaubens (za'f-i iman) schon von Hause aus (fitraten) ein Heuchler wäre. Vielmehr verkünden Persönlichkeiten (zâtlar beyan) wie Imam Gazzali, das "Zeugnis des Islams" (Hüccet-ül islâm), mit dem Gott zufrieden sein möge, dass Dienst und Anbetung (ibadet), was zu den Kennzeichen des Islams gehört (seair-i islâmiye temas eden), offen zu verrichten (izhar), weitaus segensvoller (sevab) ist, als es zu verbergen (ihfa). Wobei sonstige freiwillige Anbetungen (nevafil) in ihrer Verborgenheit (ihfa) viel Segen (sevab) bringen, ist die Gottesfurcht (takva), die zu den Kennzeichen des Islams (seair) gehört und besonders in solchen Zeiten der ketzerischen Erneuerungen (bid'a) die Ehrenhaftigkeit (serafet) in der Befolgung der Sitte des Propheten (ittiba-i Sünnet) darstellt, zu demonstrieren (izhar), und inmitten einer Begehung selbst großer Sünden (kebair) in diesem Ausmaß bedeutet, etwas Verbotenes (haram) zu unterlassen (terk), nicht einmal eine Heuchelei (riya), sondern im Gegenteil vielfach segensreicher (sevabli) und wahrhaftiger (hâlis) ist, als sie zu verbergen (ihfa).
Zweiter Punkt: die Gründe, welche die Menschen zur Heuchelei verführen:
Erstens: Die Glaubensschwäche (za'f-i iman). Wer nicht an Gott (Allah) denkt, der betet die Ursachen an (esbaba perestis) und verhält (vaziyet) sich dabei heuchlerisch und selbstgefällig (hodfüruslukla riyakârane) gegenüber den Menschen (halk). Die Schüler (sakird) der Risale-i Nur messen hingegen durch den nachdrücklichen Unterricht im wahrhaftigen Glauben (kuvvetli iman-i tahkikî dersiyle), den sie aus der Risale-i Nur erhalten, hinsichtlich ihres Dienstes und ihrer Anbetung (ubudiyet) den Ursachen und den Menschen (esbab ve nâs) keinen Wert (kiymet) und keine Bedeutung (ehemmiyet) mehr bei, als dass sie in Dienst und Anbetung (ubudiyetl) noch etwas darstellen (gösteris) und sich also heuchlerisch (riya) verhalten müssten.
Der zweite Grund: Gier und Habsucht (hirs u tama') verführt im Hinblick auf alle Schwäche und Armseligkeit (za'f u fakr) dazu, sich heuchlerisch zu verhalten (riyakârane vaziyet), was wiederum dazu veranlasst, die Sympathie der Menschen (teveccüh-ü nâs) auf sich zu ziehen. Wolle es Gott (insâallah), dass die Würde (izzet), welche die Schüler (sakird) mit dem Glauben (iman) im Unterricht (ders) der Risale-i Nur empfangen haben, zugleich mit der Sparsamkeit (iktisad), der Genügsamkeit (kanaat), dem Gottvertrauen (tevekkül) und der Zufriedenheit mit ihrem Schicksal (kismetine riza), sie vor Heuchelei (riya) und Selbstgefälligkeit (hodfürusluk) um irdischer Vorteile willen (dünya menfaatleri) beschützen wird.
Der dritte Grund: Die Sucht nach Ruhm (hirs-i söhret) und Ehre (hubb-u câh), der Wunsch, einen Rang innezuhaben (makam sahibi), seinesgleichen überlegen (tefevvuk) zu sein u.dgl. Gefühle (his), um bei anderen Menschen sympathisch zu erscheinen, wichtig zu tun (tasannu'kârane), um eine größere Bedeutung (ehemmiyet) zu erhalten, als einem zusteht (hadd) und sich mit viel Förmlichkeit (tekellüfkârane) auf einer höheren Stufe der Sprossenleiter (makamlar) zu repräsentieren, als ihm zukommt (lâyik olmadigi), verführen zur Heuchelei (riya). Da die Schüler (sakird) der Risale-i Nur ihr "Ich" (ene) in ein "Wir" (nahnu) umwandeln, d.h. ihr Ego (enaniyet) verlassen und so im Auftrag (hesab) der Geistigen Körperschaft (sahs-i manevî) im Kreise (daire) der Risale-i Nur arbeiten und nun statt "Ich" (ben) "Wir" (biz) sagen und unter anderem nach dem Leitsatz "Verschmelzen mit seinem Bruder" (fena fi-l ihvan) d.h. ihre Identität (sahsiyet) innerhalb der Geistigen Körperschaft (sahs-i manevî) der Mitbrüder verschmilzt und sich - um sich von der Heuchelei zu befreien - so verhält, wie die Ordensleute (ehl-i tarîkat) anhand ihrer Leitsätze "Verschmelzen (fena) mit seinem Scheych" und "Verschmelzen mit dem Propheten" (fena fi-r resul) die eigenwillige Seele (nefs-i emmare) abtöten, können sie sich - und so wolle es Gott (insâallah) - wie die Kenner der Wahrheit (ehl-i hakikat), die sich von der Heuchelei befreit (riyadan kurtaran) haben, auch in dieser Zeit durch dieses Geheimnis (sir) befreien.
Dritter Punkt: Ein edles Verhalten (tavir), das dazu dient, das Interesse der Menschen (nâs) für die Religion (vazife-i diniye) zu wecken (hüsn-ü kabul) und Handlungen (vaziyet), die ein Amt (makam) erfordern, können nicht als Selbstgefälligkeit (hodfürusluk) oder Heuchelei (riya) betrachtet werden und dürfen auch nicht als solche gesehen werden, es sei denn, dass ein Mann seinen Dienst (vazife) im Interesse (tâbi') seines eigenen Egos (enaniyet) betreibt und in dieser Art missbraucht (istimal).
Rezitert ein Imam während seines Dienstes als Imam (imamet vazifesi) seine Gebete (tesbihat) laut (izhar) und klar und zu aller Ohren (isma'), so kann das in der Tat in keiner Weise (cihet) eine Heuchelei (riya) sein. Da aber außerhalb seines Dienstes (vazife), wenn er dieselben Gebete (tesbihat) laut rezitiert (asikâre), damit alle Menschen sie hören sollen, sich eine Heuchelei (riya) darin untermischen könnte, ist der Segen (sevab), den sie ihm bringen noch höher, wenn sie leise (gizlisi) rezitiert werden.
Die wahrhaftigen Schüler (hakikî sakirdler) der Risale-i Nur können sich bei ihren Veröffentlichungen religiöser Texte (nesriyat-i diniye), bei ihrem Dienst und ihrer Anbetung (ibadet) in der Befolgung des Vorbildes des Propheten (ittiba-i sünnet) und bei ihrer Gottesfurcht (takva) durch die Zurückhaltung von den großen Sünden (içtinab-i kebair) durchaus im Sinne (hesab) des Qur'ans für verpflichtet (vazifedar) halten. Wolle es jedoch Gott (insâallah), dass dies keineswegs als Heuchelei (riya) gelten könne, es sei denn, dass man in den Kreis der Risale-i Nur um einer weltlichen Absicht (maksad-i dünyevi) willen eingetreten sein sollte.
Ich wollte noch weiterschreiben, durch einen geistigen Engpass (tevakkuf hali) musste ich jedoch leider hier abbrechen.