Briefe aus Emirdağ-1
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Sich selbst sein Herz ausschütten (hasb-i hâl)

Ich überlasse es euch, dieses innerliche Zwiegespräch (hasb-i hâl) den Behörden in Ankara zu Gehör zu bringen, nachdem ihr es korrigiert habt und wenn es euch gut dünkt.

Wäre der Richter zugleich auch der Kläger, müssten solch hilflose (Menschen) wie ich sagen: "Über wen soll ich bei wem mich beklagen? Denn auch ich bin verwirrt." Meine jetzige Lage ist in der Tat noch weit bedrückender als das Gefängnis. In ihr ist ein Tag ebenso quälend wie ein ganzer Monat in Einzelhaft. Hier in der Einsamkeit, in meinem Alter, bei meiner Krankheit, in meinem Elend, meiner Schwäche und bei aller winterlichen (Kälte) hat man mir auch noch alles verboten. Außer einem Kind und einem kranken Mann darf ich niemanden sehen. Schon seit zwanzig Jahren quält man mich mit dieser Gefangenschaft in vollständiger Isolation. Wollte man mich noch über diesen Zustand hinaus (mit noch mehr) Isolierung und Beobachtung quälen, müsste man befürchten, dass es die Würde Gottes verletzt und somit ein Unglück herbeiführt. Wie ich bereits vor Gericht gesagt habe, gibt es schon sehr viele Vorfälle, wie die vier schrecklichen Erdbeben, die sich in der gleichen Zeit ereigneten, wo wir dermaßen brutal überfallen wurden... Ja, ich nehme sogar an, dass es wahrscheinlich wäre, dass (der Umstand), dass die Justizbehörde in Afyon (während der Verhandlung vor) dem Gerichtshof in Denizli, der ich doch so sehr vertraut hatte, dass sie meine Rechte achten und mich beschützen werde, ganz im Gegenteil meinem Gesuch hinsichtlich der Risale-i Nur keine Beachtung geschenkt hat, was mich ganz verzweifelt gemacht hatte, der Anlass dazu wurde, dass das Gerichtsgebäude in Flammen aufging.

Demgegenüber sage ich: Es ist eine der bedeutendsten Verpflichtungen der Verwaltung dieser Stadt, die sich mir gegenüber doch sonst so gewissenhaft und menschlich verhält, mich durch ihre Polizei und mit ihrer Justiz voll und ganz zu beschützen. Denn nachdem drei Justizbehörden und die Zentralregierung neun Monate lang all meine Werke und Briefe der letzten zwanzig Jahre untersucht hatten, entschieden sie sich, uns freizusprechen und dann zu entlassen. Jedoch versucht ein geheimes Komitee, das im Interesse des Auslands zum sehr großen Schaden an diesem Volk und seinem Land arbeitet, mich bei einem Teil der Beamten verdächtig zu machen, indem sie aus Mücken Elefanten machen, um so unseren Freispruch wieder zunichtezumachen. Eine ihrer Absichten ist es, mich dazu zu bringen, nun zu sagen: "Meine Geduld ist erschöpft. Jetzt reicht es mir endlich!" Ein Grund dafür, dass sie sich jetzt so über mich ärgern, ist mein Schweigen und dass ich mich nicht um weltliche (dunya) Dinge kümmere. Es ist, als wollten sie sagen: "Warum kümmerst du dich nicht (um diese Dinge)? Misch dich doch da einmal ein! Denn dann können wir auch unsere Pläne durchführen!"

So möchte ich denn hier nun ein, zwei der Intrigen darlegen, die sie gebrauchen, um bei einem Teil der Beamten der Regierung einen Argwohn gegen mich zu schüren.

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So sagen sie z.B.: "Said übt einen großen Einfluss aus. Seine Werke sind nicht nur sehr überzeugend, sie sind auch noch sehr zahlreich. Wer immer mit ihm in Kontakt kommt, der wird auch sein Freund. Weil dies aber so ist, sollte man ihn von allen Dingen fernhalten. Man muss ihn geradezu verraten, ihm keine Beachtung mehr schenken, jeden dazu bringen, vor ihm davonzulaufen, seinen Freunden Angst vor ihm einjagen und seinen Einfluss auf sie brechen. So werden wir die Regierung durcheinanderbringen." Mich aber wollen sie so in eine fürchterliche Verlegenheit stürzen. Dementgegen sage ich:

Oh meine Brüder, die ihr dieses Volk und sein Land liebt! Es gibt, wie diese Heuchler behaupten, in der Tat einen solchen Einfluss. Doch der geht nicht von mir, er geht vielmehr von der Risale-i Nur aus. Und den kann man nicht brechen. Versucht man ihn zu zerstören, wird er nur noch stärker. Niemals wurde er gegen dieses Volk und sein Land eingesetzt, darf es nicht und kann es auch gar nicht. Zwei verschiedene Justizbehörden haben, mit einer Unterbrechung von zehn Jahren, meine Papiere der letzten zwanzig Jahre eingehend und verbissen untersucht, mit dem Ergebnis, dass sie keinen wirklichen Grund zu einer Bestrafung entdeckt haben, was in dieser unserer Prozessführung ein unwiderlegbares Zeugnis ist.

Und dieses Werk ist in der Tat überzeugend, dient es doch ganz und gar dem Wohl des Volkes und seines Landes. Hunderttausend Menschen haben diese Unterweisungen (ders) einen wahrhaft starken Glauben (iman) gegeben ohne je irgendeinen Schaden zu verursachen und sind deshalb in ihrem Aufgabenbereich für das Ewige Leben und die Glückseligkeit in ihm vollkommen überzeugend. Im Gefängnis zu Denizli haben hundert Mann, die teilweise als Schwerverbrecher verurteilt worden waren, einzig durch die "Fruchtabhandlung" ("Meyve Risalesi") vollkommen ihre Haltung geändert haben und sind zu hochanständigen und gläubigen (mütedeyyin) Menschen geworden. Selbst Mörder, die zwei oder drei Menschen getötet hatten, zögerten nach solchen Unterweisungen sogar einen Holzwurm zu töten, sodass selbst der Gefängnisdirektor zugeben musste, dass sein Gefängnis sich in eine Erziehungsanstalt, einer Medresse gleich, umgewandelt hatte, was selbst noch für den Staatsanwalt ein Zeugnis, ein Dokument ist, das er nicht zurückweisen kann.

Mich hier von allem und jedem zu isolieren, ist in der Tat eine stets quälende Schikane, eine vielfache Tyrannei und an diesem Volk eine Ungerechtigkeit und ein Verrat. Denn obwohl ich dreißig, vierzig Jahre meines Lebens bei diesem Volk verbracht habe, was beweist, dass in dieser Zeit niemand durch mich irgendeinen Schaden erlitten hat, während doch andererseits dieses tiefreligiöse Volk, das dringend eine innere Kraft braucht, eine Tröstung und Stärke im Glauben (kuvvet-i imaniye), viel zu seinem Vorteil von mir erhalten hat, was ein sicherer Beweis ist. Ungeachtet dessen, dass ständig dermaßen heftig gegen mich propagiert wird, findet die Risale-i Nur dennoch allseits überwältigend viel Anklang und Interesse. Ja, ich muss sogar gestehen, dass man mir über alles Maß hinaus hundertmal mehr Hochachtung entgegenbringt, als ich es überhaupt verdient habe.

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Ich habe gehört, dass die Regierung hier sich um meinen Unterhalt und meine Bequemlichkeit bekümmert und dafür auch die Genehmigung erhalten hat. Ich möchte ihr hier für diesen menschlichen Zug danken und sagen: "Was ich am allernotwendigsten brauche und was das grundlegendste Bedürfnis in meinem Leben ist, das ist meine Freiheit." Aufgrund von haltlosen Verdächtigungen wurde ich in meiner Freiheit in beispielloser Weise in Fesseln geschlagen und Repressalien ausgesetzt. So bin ich denn nun allen Ernstes meines Lebens überdrüssig geworden. Diesem Zustand ziehe ich nicht etwa Kerker und Gefängnis vor, sondern das Grab. Da sich aber nun im Dienst am Glauben die Größe der Schwierigkeiten mit der Größe des Lohnes (sevab) verbinden, ist es mir gegeben, sie zu erdulden und halte ich sie aus. Da aber nun diese menschenfreundlichen Wesen mir gegenüber keine Tyrannei wünschen, sollen sie auch zuallererst meine Freiheit im Rahmen des Erlaubten nicht antasten. Ohne Brot kann ich leben, ohne Freiheit kann ich nicht leben. Ein Mensch, der sich neunzehn Jahre lang in der Fremde mit nur zwei Hundertern in Banknoten, durch äußerste Sparsamkeit und in strengster Askese über Wasser gehalten hat und der, um seine Freiheit und seine Würde als Gelehrter (izzet-i ilmiye) zu wahren, gegenüber niemandem seine Bedürfnisse äußert, der sich keine Dankesschuld aufbürden lässt, der keine Spenden (sadaka), keine Almosen (zekat), keinen Lohn und keine Geschenke annimmt, bedarf seiner rechtmäßigen Freiheit sicherlich mehr als seinen Lebensunterhalt. Ich stehe in der Tat unter einem beispiellosen Druck. Hierzu möchte ich ein, zwei kleine Beispiele anführen:

Erstens: Die Fruchtabhandlung ("Meyve Risalesi"), welche als die wissenschaftlich (fundierte) Verteidigungsschrift der Risale-i Nur gilt und zusammen mit meiner eigenen Verteidigungsschrift zu sieben verschiedenen Ministerien und an den Staatspräsidenten in Ankara geschickt worden war und der Grund dafür wurde, dass die Sachverständigen (Ehl-i Vukuf) in Ankara durch ihre Wertschätzung am Ende unseren Freispruch bewirken konnten, wovon mir meine Gefährten im Gefängnis zum Andenken und zur Erinnerung einige Exemplare in Schönschrift kopiert haben, die sich noch in meiner Hand befinden, was die Polizei zwar gesehen, sich aber weiter nicht darum gekümmert hat, wohingegen sie eine Nacht lang auf der Polizeistation in Afyon und eine weitere Nacht offen bei der hiesigen Polizei gelegen haben. Da ich nun aber jeden Tag in Sorge bin, dass sie mir diese Abhandlung zusammen mit meiner Verteidigungsschrift aus den Händen nehmen und dem Gericht (übergeben) würden, habe ich sie versteckt. Doch nun bin ich sehr beunruhigt, dass sie vielleicht (zu einer erneuten) Durchsuchung wiederkommen werden und es macht mich überaus traurig, dass ich hier in der Fremde keinen Menschen kenne, dem ich sagen könnte, dass er sie (für mich) verstecken solle.

Zweitens: Die Abhandlung für die Alten ("Ihtiyarlar Risalesi"), an der das Gericht in Denizli nichts auszusetzen hatte und an der das Gericht in Eskisehir lediglich ein Wort beanstandet hatte, worauf es dann einen einzigen Buchstaben als Antwort erhielt, hat ein Mann aus Istanbul einem hiesigen Menschen gebracht, der sie mit nach Istanbul nahm. Wie dem auch sei: sie geriet einem der Atheisten, die gegen mich sind, in die Hände. Und der machte aus einem Korn eine Kuppel und führte die Polizeibehörde der Stadt in die Irre, worauf diese mich mit ihren Fragen unter Druck zu setzen begann: "Mit wem treffen Sie sich? Welche Leute kommen zu Ihnen?" Wie dem auch sei, dafür gibt es eine Reihe sehr bitterer Beispiele ... Das sinnloseste (davon) ist jedoch Folgendes: Um zu verhindern, dass irgendjemand noch mit mir spricht, (sorgen sie dafür), dass außer einem Kind, dass für mich einige Besorgungen und Handreichungen übernimmt, und einem kranken Mann, ein jeder vor mir zurückschreckt und davonläuft. Ich möchte jedoch dazu sagen:

Auch wenn zehn Leute vor mir in die Flucht gejagt werden, so gibt es doch zehntausende, ja vielleicht hunderttausende Muslime, die keinem Hindernis irgendwelche Beachtung schenken und dem Unterricht in der Risale-i Nur auch weiterhin folgen wollen. Denn sowohl in diesem Land als auch außerhalb, überall in der islamischen Welt (Âlem-i Islâm), findet jedes einzelne der vielen Tausend Exemplare der Risale-i Nur aufgrund ihrer so machtvollen Wahrheiten (hakikat) und kostbaren Beiträge so viel Anklang und eine solche Verbreitung, dass sie an meiner Stelle und weit vollkommener spricht als ich. In meinem Schweigen schweigen sie nicht und sie lassen sich auch nicht zum Schweigen bringen.

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Des Weiteren ist es gerichtlich erwiesen, dass ich seit zwanzig Jahren mein Interesse an der Politik abgebrochen habe und da nun keine Spur des Gegenteils mehr in Erscheinung tritt, macht irgendeine Verdächtigung derer, die mich jetzt noch besuchen kommen, sicherlich überhaupt gar keinen Sinn mehr.

Ein merkwürdiges und seltsames Ereignis: Diesen Monat bin ich einmal in den Hof gegangen und habe mich dort umgeschaut. Da entdeckte ich auf dem frisch gefallenen Schnee einige Farbtupfer wie von rotgelber Tinte über den Schnee hin verteilt, als wollten sie in ihrer symmetrischen Übereinstimmung (tevafuk) auf einen Teil der Risale-i Nur hinweisen. Ich war darüber sehr erstaunt. Ich habe mich danach auch noch anderswo umgeschaut, doch es gab sie sonst nirgendwo anders als nur in meinem Hof. İch war darüber besorgt und sagte zu mir in meinem Herzen (qalb): Die Risale-i Nur steht mit dem ganzen Land (memleket), ja im Interesse des Qur'an sogar mit dem ganzen Erdenrund so sehr in Verbindung, dass selbst die Wolken Blut (kan) weinen wegen der Plagen und der Unglücke (bela), das sie getroffen hat. Dann habe ich noch ein, zwei Männer herbeigerufen. Auch sie waren erstaunt. Der Neffe des Hauseigentümers, Mehmed Efendi, der meine Besorgnis, ja Aufregung bemerkte, dachte, ich sei nervös geworden, weil eine solche Menge Schnee den Weg bedeckt. Nachdem ich wieder nach oben gegangen war, schaufelte er den Schnee rechts und links zur Seite, um den Weg frei zu machen und so schaufelte er denn diese bedeutsame rotgelbe meteorologische Erscheinung wieder zu. So habe ich denn zu Mehmed Efendi gesagt: Es wäre besser gewesen, du hättest sie nicht wieder zugeschaufelt.

Noch am selben Tag ereigneten sich noch drei weitere Vorfälle (hâdithe) gegen die Risale-i Nur:

Erstens: Ein Vertreter der Justizbehörde und ein Feldwebel von der Polizei waren hier. Entgegen meiner Bitte um Rückgabe meiner Bücher haben sie meine Hoffnung dadurch enttäuscht, dass sie sagten: "Da die Bestätigung des Revisionsgerichtshofes noch nicht gekommen ist, brauchen wir uns nicht weiter darum zu kümmern."

Zweitens: Noch am selben Tag haben wir erfahren, dass Afyon einen speziellen Polizisten gesandt hat, mit dem Auftrag, alles über meine Situation (ahvalimi tecessüs) herauszufinden.

Drittens: Gleichfalls am selben Tage hat ein Heuchler (münafik) in Istanbul die "Seelsorge für die Alten (İhtiyar Risalesi)" zu einem Scheingrund (bahane) gemacht, gegen uns zu agitieren, und so wurde die ganze Angelegenheit bei der Justizbehörde eingereicht.

Wegen dergleichen Vorfälle (hâdithe) begannen diejenigen, die bis dahin noch Interesse gezeigt hatten, sich etwas mehr zurückzuhalten. So sagte ich denn:

﴿ لِكُلِّ مُص۪يبَةٍ قَالُوا اِنَّا لِلّٰهِ وَ اِنَّٓا اِلَيْهِ رَاجِعُونَ ﴾

("Wenn sie ein Unglück trifft, sagen sie: Gott gehören wir und zu Ihm kehren wir zurück. (Sure 2,156)",)

zog mich in meinen Unterschlupf zurück und sagte:

﴿ حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ ﴾

("Gott ist mein Genüge. Welch trefflicher Sachwalter!" (Sure 3, 173))

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(Anhang zu dem Artikel unter der obigen Überschrift eines Zwiegesprächs (Hasb-i Hal) mit mir selbst)

Ein Gespräch (Hasb-i Hal) mit dem Justizminister und den Richtern am Gerichtshof anlässlich der Prozessführung, die Risale-i Nur betreffend

Sehr geehrte Herren!

Warum verfolgen Sie uns wegen der Risale-i Nur ständig so völlig grundlos? Ich kann Ihnen mit Bestimmtheit versichern: Für mich und die Risale-i Nur liegt es außerhalb jeglicher Verpflichtung, mich mit Ihnen herumzustreiten, ja überhaupt auch nur an Sie zu denken. Denn die Risale-i Nur und ihre wahrhaftigen Schüler stehen in einem ganz besonders großen Dienst für die Generation, die in fünfzig Jahren kommen wird und sie bemühen sich darum, diese vor einem tiefen Abgrund und das Land und sein Volk vor einer ebenso großen Gefahr zu retten. Diejenigen, welche uns heute verfolgen, werden zu jener Zeit mit Sicherheit in ihren Gräbern liegen und zu Staub zerfallen. Nehmen wir einmal den unmöglichen Fall an, dieser Dienst am Glück und am Frieden (saadet ve selâmet) wäre nun (tatsächlich) ein solcher Kampf, so kann er unmöglich noch für diejenigen interessant sein, die bereits am Rande des Grabes stehen, um zu Staub zu zerfallen. Dabei zeigen sich die Republikaner in der Tat gegenüber der öffentlichen Moral (ahlâk-i içtimaîye), dem Glauben (din) und der charakterlichen (Bildung) des Volkes doch ziemlich gleichgültig. Wenn man (heute, nach nur) zwanzig, dreißig Jahren, die derzeitigen Verhältnisse hinsichtlich der Religion, der Ethik und einem ehrbaren Leben betrachtet, können Sie sich bestimmt vorstellen, welche Verhältnisse in fünfzig Jahren hinsichtlich der Frömmigkeit, der Ehrbarkeit und der Charakterfestigkeit eines tapferen Volkes den religiösen Charakter und die öffentliche Moral einer künftigen Generation bestimmen werden und welche Formen das noch annehmen wird. Obwohl nun dieses heldenmütige Volk seit tausend Jahren mit ganzer Seele (ruh) und mit ganzem Herzen im Dienst am Qur'an eine beispiellose Opferbereitschaft gezeigt hat, wird in fünfzig Jahren ein Teil der kommenden Generation diese glorreiche Vergangenheit in abscheulicher Weise besudeln, ja sogar zunichte machen, weshalb wir es mit Sicherheit als unsere größte Aufgabe (vazifah) gegenüber dem Volk und seinem Land erkennen, ihm eine derartige Wahrheit (hakikat) wie die Risale-i Nur in die Hand zu geben, um es vor diesem schrecklichen Verfall zu retten, wobei wir nicht an die Menschen unserer Zeit, sondern vielmehr an die Menschen jener Zeit denken.

In der Tat, meine Herren! Zwar richtet die Risale-i Nur ihren Blick einzig auf das Jenseits, ihr Ziel ist jedoch das Wohlgefallen Gottes (Riza-yi Ilâhî) und den Glauben (iman) zu wahren. Was dabei die Schüler betrifft, so gilt es, stets danach zu streben, sich selbst und ihre Landsleute vor der ewigen Verdammnis und ewiger Einzelhaft (im Grab) zu retten, doch betrifft dies in zweiter Linie auch diese Welt (dunya) und ist ein sehr wichtiger Dienst an ihr; desgleichen auch, dieses Volk und sein Land vor der Gefahr der Anarchie und einen Teil dieser hilflosen kommenden Generation vor einem grenzenlosen Irrtum zu retten. Denn ein Muslim ist nicht mit den anderen zu vergleichen.

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Ein Muslim, der seinen Glauben aufgibt, dessen Charakter geht seiner Islamiyet verlustig, verfällt diesem grenzenlosen Irrtum, wird ein Anarchist und läuft aus dem Ruder. Fünfzig Prozent derer, die einmal eine islamische Erziehung erhalten haben, sind in der Tat noch stets auf dem Platz, während die anderen fünfzig Prozent ihren nationalen islamischen Traditionen gegenüber gleichgültig geworden sind. Es wäre nun die Möglichkeit denkbar, dass nach fünfzig Jahren neunzig Prozent ihrer eigenwilligen Seele (nefs-i emmare) folgen und Volk und Land in die Anarchie führen werden. Da mir auf der Suche nach einem Ausweg aus dieser Katastrophe vor zwanzig Jahren jede Beschäftigung mit der Politik und jeglicher Umgang mit Menschen unserer Zeit ausdrücklich verboten worden war, als auch um der Risale-i Nur willen für ihre Schüler das Interesse an dieser unserer Zeit abgebrochen wurde, so gibt es auch keinen Streit und keine Beschäftigung mehr mit ihr. Da dies aber nun einmal eine Tatsache (hakikat) ist, ist es nunmehr die allererste Pflicht der Justizbehörden, nicht mich oder sie zu verdächtigen, sondern vielmehr die Risale-i Nur und ihre Schüler zu beschützen. Denn da sie das bedeutendste Recht (hukuk) dieses Volkes und seines Landes bewahren, greifen ihretwegen die wahren Feinde dieses Volkes und ihres Landes die Risale-i Nur an, führen die Justizbehörden in die Irre und verleiten es zu fürchterlicher Gewalt und Ungerechtigkeit. Ich möchte dazu zwei ganz kleine Beispiele anführen.

Zum Beispiel: Weges eines Briefes meiner Gefährten im Gefängnis, der aus einem Gruß und einigen wenigen Worten (selâm kelâm) bestand, um mitzuteilen, dass der Preis von zehn Banknoten für eine arabische Abhandlung an einen Mann hier übersandt worden sind, um dem Eigentümer dieser Exemplare in Isparta dessen Druckkosten zu erstatten, reagierten sowohl die Justizbehörde als auch die Verwaltung mit Schikanen und führten sogar bei dem Boten eine Hausdurchsuchung durch! Bei diesem simplen Brief, der noch nicht einmal die Bedeutung eines Mückenflügels besitzt, wurde sogar solch eine einfache Mitteilung in sechs Monaten zur Form eines derart riesigen Problems hochstilisiert, dass es dieser Justizbehörde ganz gewiss nicht zu ihrer Ehre und Würde gereicht!

Ein zweites Beispiel: Vor einem Gast wie mich, der fremd, alt und schwach ist und auch bereits freigesprochen wurde, einen jeden, ja sogar seine Bediensteten, durch eine derart offene Propaganda zurückschrecken und ihn so in einen Zustand der Verwahrlosung versinken zu lassen, ist der vaterländischen Gesinnung der Verwaltung dieser Provinz (Vilayat) nicht angemessen. Die Weisheit und Souveränität (hikmet ve hâkimiyet) einer Regierung sollte sich nicht so weit auf einen derart merkwürdigen Zustand einlassen, dass sie einem nur eingebildeten Schaden von der Größe eines Mückenflügels die Bedeutung eines ganzen Berges verleiht, gegen (einen solchen Mann) öffentlich Propaganda macht und gegen ihn fragt: "Mit wem verkehrt der denn?" und "Wer kommt zu ihm?", und so jeden in Panik versetzt. Doch wie dem auch sei: so wie diese beiden Beispiele gibt es für den, der die Dinge kennt, noch viele andere Beispiele, die ihn in Erstaunen versetzen!

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Meine Herren! Wenn alle Irrtümer (dalâlet) und alle Schlechtigkeiten aus der Unwissenheit (cehalet) herrührten, wäre es einfacher, sie zu beseitigen. Doch die Aufklärung über eine Irrlehre (dalâlet), die aus der Philosophie (fen) und der Wissenschaft (ilm) erwächst, ist sehr schwierig. Da also die Irrlehre (dalâlet) unserer Zeit aus der Philosophie (fen) und der Wissenschaft (ilm) erwächst, brauchen wir, um darüber aufklären und künftige Generationen, die diesem Übel teilweise schon verfallen sind, noch retten zu können, ein allseitig vollkommenes Werk, wie die Risale-i Nur, die einzig dagegen standhalten kann. Der Beweis, dass die Risale-i Nur (tatsächlich) diesen Wert besitzt, ist folgender: In den letzten zwanzig Jahren ist noch niemals einer meiner vielen Gegner, auch der schärfste nicht, und auch kein einziger der Philosophen, (von denen mancher) heftige Ohrfeigen einstecken musste, gegen die Risale-i Nur aufgestanden, um sie zu widerlegen und kann es auch gar nicht. Und in neun Monaten konnten drei Justizbehörden und die Herren Sachverständigen (ehl-i vukuf) am Sitz der Regierung in dem aus (derzeit) hundert Büchern bestehenden Werk nicht einen einzigen Punkt entdecken, für den sie uns zur Verantwortung hätten ziehen können. Und Tausende von Schülern der Risale-i Nur, die doch aufmerksame Leute (ehl-i dikkat) sind, haben Hinweise (isârat) aus dem Qur'an und Voraussagen (ihbârat-i ghaybiye), die uns Imam Ali und Ghausu-l'Adham aus dem Unsichtbaren (übermittelt haben), zu der absoluten Überzeugung geführt, die sie für die Wichtigkeit und Akzeptanz der Risale-i Nur in diesem unserem Jahrhundert unterschreiben lässt.

In Anbetracht der Tatsache, dass es eine Pflicht der Justizbehörden ist, die Rechte (hukuk) zu schützen und die Ungerechten von irgendwelchen Übergriffen zurückzuhalten und es desgleichen feststeht, dass die hundert Abhandlungen (risalah) der Risale-i Nur seit zwanzig Jahren dem Glück von hunderttausend Menschen gedient haben und hinsichtlich des Umstandes, dass weder zwei Gerichtshöfe, noch die Polizei am Sitz der Regierung und in einigen Provinzen (vilayat), noch der Gerichtshof zu Denizli während zehn Jahren, und das, obwohl sie doch neun Monate lang jedes, sei es für den privaten (mahrem), sei es für den öffentlichen Gebrauch, bestimmte Papier und jede Abhandlung untersucht haben, dennoch keinen Punkt entdeckt haben, der für das Volk und sein Land gefährlich gewesen wäre, oder sonst irgendetwas Unrichtiges, das eine Bestrafung verdient hätte, stehen der Risale-i Nur in diesem Lande sehr große und umfangreiche Rechte (hukuk) zu. Dabei möchten wir Sie noch darauf aufmerksam machen, dass es in gar keiner Weise dem Wesen der Justiz und einer wahrhaftigen Gerechtigkeit (adliyenin mahiyeti ve adaletin hakikati) entspricht, diese umfangreichen und so bedeutsamen Rechte (hukuk) nicht in Betracht zu ziehen und (die Risale-i Nur) stattdessen zu beschlagnahmen, als handle es sich dabei um ganz normale Schriftstücke, und zugleich diese so große Ungerechtigkeit gegenüber dem Volk und den armseligen (Menschen), die doch den Halt des Glaubens (takviye-i iman) brauchen, außer Betracht zu lassen, hingegen das unbedeutende, kleine bisschen Recht eines einfachen Mannes einer ganz besonderen Betrachtung zu unterziehen.

Wir befürchten, dass den Werken eines Dr. Dozi und anderer nicht entgegenzutreten, der Risale-i Nur aber sehr wohl entgegenzutreten, ein Grund sein könnte, sich den Zorn Gottes (ghazab-i Ilâhî) zuzuziehen. Möge Gott der Gerechte (Cenab-i Haqq) in Seiner Güte (ihsan) Ihnen Einsicht und Barmherzigkeit (merhamet), uns aber Geduld und Standhaftigkeit schenken. Amin...

nicht offiziell (verurteilt), aber (dennoch) in völliger Isolationshaft
Said Nursi
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بِاسْمِه۪ سُبْحَانَهُ

{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}

﴿ وَ شَاوِرْهُمْ فِى الْاَمْرِ ﴾

{"Und beratschlage dich mit ihnen über die Angelegenheit." (Sure 3, 159)}

Nach der Anweisung (emr) dieser Ayah ist eine Beratung (mesveret) mit meinen Brüdern notwendig.

Meine lieben getreuen Mitbrüder!

Nun stehe ich vor einer vollendeten Tatsache (emr-i vaki'). Es soll eine Anweisung gekommen sein, mir für meinen Lebensunterhalt jeden Tag zweieinhalb Banknoten zu geben und mir außerdem auch noch ein neues Haus, schlüsselfertig und in der von mir gewünschten Ausführung, zur Verfügung zu stellen. Dagegen erfordert (iktiza) jedoch mein 50-, 60-jähriges Lebensprinzip (düstur-u hayatim), dies nicht anzunehmen (kabul). Ich habe zwar ein, zwei Jahre monatlichen Lohn angenommen, während ich im "Haus der Weisheit (Dâr-ül Hikmet) des Islam" tätig war. Ich habe jedoch dieses Geld für den Druck meiner Bücher (kitab) ausgegeben und die meisten davon kostenlos unter dem Volk (millet) verteilt. So habe ich auch das Gut des Volkes wieder dem Volk zurückgegeben. Wäre ich jetzt in Not und würde dann das Geld annehmen, ohne dabei dem Volk und der Risale-i Nur einen Schaden zuzufügen, würde ich es auch diesmal wieder aufbewahren, um es dann später wieder dem Volk zurückzugeben. Und so würde ich nur im Grade einer anders nicht abwendbaren Not (zaruret-i kat'iyye) ein klein wenig für mich selbst ausgeben.

Ich habe gehört, dass - falls ich ablehnen sollte - sich besonders diejenigen, die sich um mich und meinen Lebensunterhalt (iase) bemühen, gekränkt fühlen würden. Diejenigen, die gegen mich sind, würden dann sagen: "Dieser Mann wird noch aus anderen Quellen versorgt." Diese Unglückseligen kennen den außergewöhnlichen Segen der Sparsamkeit (iktisad) nicht und haben nicht gesehen, dass das Brot, das fünf Kurusch kostet, mir für zwei Tage reicht (kâfi), sodass sie völlig unbegründet Verdacht (auham) schöpfen. Wenn ich es annehme (kabul), so würde ich in meinem siebzigjährigen Leben gekränkt sein und es bestünde die Möglichkeit, dass selbst Imam Ali (möge Gott mit ihm zufrieden sein), der von unserer Zeit berichtet und die Gelehrten (âlim) ohrfeigt, die wegen ihrer Habsucht (tama') und um ihres Lohnes willen in ketzerische Erneuerungen (bid'a) verfallen und von der Wahrhaftigkeit (ihlas) abirren, sich meinetwegen gekränkt fühlen würde. Und auch die wahrhaftige (hakikî) und reine (safi) Aufrichtigkeit (ihlas) der Risale-i Nur wird mich eines Mangels an Wahrhaftigkeit beschuldigen (ittiham). So bin ich denn wahrhaftig (hakikaten) unschlüssig. Denn ich habe gehört, dass sie mich nur noch mehr unter Druck setzen werden, wenn ich ihr Angebot nicht annehme; ja sie könnten sogar die vollständige Freigabe (serbestiyet) der Risale-i Nur verhindern. Und so hat es sich inzwischen herausgestellt, dass sie mich jetzt unter Druck (tazyik) setzen wollen, um mich auf diese Weise dazu zu drängen, diesen Lebensunterhalt (iase) anzunehmen, den sie mir angeboten (teklif) haben. Wenn aber nun der Sachverhalt einmal so ist, möge denn Gott es wollen (insâallah), dass - nach dem Grundsatz (kaide):

اِنَّ الضَّرُورَاتِ تُب۪يحُ الْمَحْظُورَاتِ

{"Die Notlage macht das Nachteilige zulässig",}

insoweit das unbedingt nötig ist - mir daraus kein Schaden entsteht. Ich habe jedoch trotzdem abgelehnt.

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Meine lieben Brüder! Macht euch um mich keine Sorgen! Ich sehe in jeder Anstrengung (zahmet) das Werk der Barmherzigkeit (eser-i rahmet) und einen Funken Seiner Güte (lem'a-i inayet) und beunruhige mich daher nicht. Eure Einsatzbereitschaft (gayret), Ernsthaftigkeit (ciddiyet) und Hilfsbereitschaft (yardim) hebt jede Anstrengung auf und schenkt mir eine beständige Freude.

Mein über die Maßen fleißiger und opferbereiter Mustafa Acet, der mir gleich wie mein Bruder Abdülmecid ist, und dessen Familie (hanedani) mir gleich wie meine eigene Familie ist, außerdem der noch ziemlich kleine Hüsrev und ein wirklich sehr fleißiges Kerlchen Namens Ceylan, das für mich wie der gleichfalls noch ziemlich kleine Abdurrahman ist, dienen hier der Risale-i Nur mit ganzer Kraft.

Meine lieben getreuen Mitbrüder!

Der Frucht-Abhandlung (Meyve-Risalesi) habe ich noch einen Abschnitt über die Engel hinzugefügt und euch zugesandt. Da der Vorsitzende des Gerichtshofs (Mahkeme reisi) geäußert hatte, dass er mir meine Bücher wiedergeben wird, habe ich zwei Vollmachten (vekaletname) nach Denizli gesendet. Macht euch keine Sorgen darüber, dass ich hier so völlig isoliert (tecrid) bin und man auf mich einen solchen Druck (tazyik) ausübt. Die Güte des Herrn (inayet-i Rabbaniye) behütet uns auch weiterhin.

Es ist zwar recht merkwürdig (Medar-i ibret), doch habe ich es von vielen Leuten gehört, dass - während hier die Risale-i Nur frei gelesen und abgeschrieben werden kann - es ganz ungewöhnlich war (hilaf-i âdet), dass ein solcher Winter so warm war, als sei es Sommer gewesen. Wann immer ich oder die Risale-i Nur angegriffen (hücum), ihre Abschrift behindert oder unterbrochen wurde, so begann ein besonders strenger Winter, so als ob die Hinsicht, in der ich die Schrift verfasst und in ihr mein Herz ausgeschüttet (hasbihal) und in Afyon in die Form einer Klage gegossen habe, eine Verbindung mit dem Erdbeben (zelzele) aufzeigen wollte. So habe ich gehört, dass diese Unterbrechungen (ta'til) der Arbeiten für die Risale-i Nur denen, die nicht glauben, diese Verbindung (münasebet) glaubhaft machen und sie ermahnen (ikaz) wollen, indem sie genau zur Zeit des Angriffs (taarruz) beginnen und sich danach leichte Erschütterungen (sarsar) ab und an bis heute fortsetzen.

Außerdem erfahren wir, dass eine Art allgemeine Angst (umumî korku) begann, wann immer die Risale-i Nur angegriffen (ilisilirse) wurde. Das aber heißt, dass die Risale-i Nur ein sicheres Mittel ist, um dieses Land (vatan) vor allen Übeln (bela') zu bewahren (muhafaza). Da dies nun einmal so ist, sollen diejenigen, die das Volk (millet) und das Land (vatan) lieben, die Risale-i Nur frei geben, sie lesen (okusun) und dazu beitragen, dass sie auch gelesen (okutsun) wird.

Um meine Schulden zu begleichen, die durch meine Ausgaben entstanden waren (masraf borçlari), habe ich ein einziges Mal von dem Geld, dass sie mir für meinen Lebensunterhalt (iase) angeboten (tahsisat) hatten, für achttägige Kosten (tayinat) etwas angenommen (kabul). Mehr will ich nicht, habe ich dann gesagt.

Meine lieben getreuen, so ganz unerschütterlichen (metin) Brüder!

Als würden die Abhandlungen der Nur Risalat, mit denen sich der selige Märtyrer (Sehid) im Zwischenreich (berzah) lesenderweise freudig beschäftigt, geschrieben, um seine Arbeit in dieser Welt (dunya) fortzuführen und dabei auch mich in meiner Arbeit zu beflügeln, sind sie uns zu rechter Zeit zu Hilfe gekommen und brachten so drei süße Früchte der Schule Josephs und drei Abschnitte (hizb) des Qur'an, die heilig (kudsî) sind und Tausende paradiesischer (Firdaus) Früchte erbringen, mit.

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Zwei heldenmütige (kahraman) Gesegnete (mubarek) haben zunächst zwei Abhandlungen, sodann in der gleichen Form und Gestalt dieser beiden schönen Abhandlungen in der Frucht-Risalah (Meyveler) auch noch die Elfte Problemstellung (Mes'ele) abgeschrieben. Nun wäre es mir sehr recht (münasib), mir auch noch vier, fünf Kopien der Hizb-i Nuriye (Gebetsbücher der Heiligen), zusammen mit sodann noch fünf, sechs Kopien der Hizb-i Kur'aniye (Texte über den Glauben im Qur'an) zukommen zu lassen. Der Artikel (fikra) von Hüsrev soll als Ergänzung am Schluss der Elften Problemstellung aufgenommen werden. Ich habe euch diesmal einen Artikel über die wunderbaren Anmerkungen von zwei, drei Ayat zugesandt, welche eine Ergänzung (arkadas) des Thronverses (Âyet-ül Kürsî) sind und ihm folgen (tetimme). Ich habe noch keine Eingebung (ihtar) bekommen, ihn zu vollenden. Er blieb unfertig und wurde sehr in Eile geschrieben. Wichtige Geheimnisse (sirlar) zeigten sich mir; es gelang mir jedoch trotzdem nicht, ihn zu vollenden und mich dabei auch noch klar verständlich auszudrücken, damit ich mich nicht weiter in die weltlichen (dunya) Angelegenheiten einmischen solle. Gefällt es euch aber trotzdem, könnt ihr ihn im Anhang (lâhika) zur Elften Problemstellung als Anmerkung (Hasiye) mit aufnehmen. Im Anhang (zeyil) zur Abhandlung über das Wunder des Qur'an (İ'caz-i Kur'an Risalesi) könnt ihr sowohl die Anmerkung (nükte) über die Sure "El-Felaq" als auch diesen Artikel bringen.

Meine Brüder! Macht euch gar keine Sorgen! Ich bin zu der festen Überzeugung gelangt, dass wir dank der Gnade Gottes (inayet) von unsichtbarer Hand (dest-i ghaybî) und unabhängig von unserem Willen (ihtiyar) und Können (iktidar) für einen besonders bedeutungsvollen Dienst (hizmet) mit einer Aufgabe (istihdam) betraut worden sind. Dabei erfahren wir oftmals das Geheimnis (sirr) von

﴿ عَسٰٓى اَنْ تَكْرَهُوا شَيْئًا وَهُوَ خَيْرٌ لَكُمْ ﴾

{"Aber vielleicht ist euch etwas zuwider und es ist gut für euch." (Sure 2, 216)}

Bei dieser Arbeit ist die Anstrengung zwar recht wenig, der Lohn aber recht viel.

Meine lieben getreuen Mitbrüder!

Eure überaus segensreichen (mubarak) Geschenke, die so süß (sirin) wie die Früchte des Paradieses (Cennet meyveleri) sind, und eure frohe Botschaft (besaret), was Denizli betrifft, habe ich erhalten. Gerade in diesem Augenblick erlauben mir jedoch besonders viele Arbeiten nicht, mich lang und breit darüber auszulassen (konusturmayacak). Ich muss mich also kurz fassen. Denn da derjenige, der mir das Geschenk überbracht hat, sich schnell wieder verabschieden will, habe ich also dies hier nur schnell geschrieben.

Erstens: Im letzten Abschnitt ist 1344 von بِالْعُرْوَةِ الْوُثْقٰى {"am unzerreißbaren Seil" (Sure 2,256)} ein Fehler. Wenn die beiden "Hemze" (die ja nicht mitgelesen werden) und die Verdoppelung (medde) nicht mitgerechnet werden, dann ist es kein Fehler. Dennoch ist es von großer Bedeutung. Richtig ist hingegen 1347, welches am Ende des Abschnitts auch wieder richtig geschrieben worden ist. Da der übrige Teil sowohl von Bedeutung ist, als sich auch auf die Welt (dunya) bezieht und dabei von dem Tyrannen (taghut) in dem folgenden Abschnitt der Sure عَلَقْ "Der Embryo" spricht,

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﴿ اِنَّ الْاِنْسَانَ لَيَطْغٰى ﴾

{"Fürwahr, der Mensch ist aufsässig." (Sure 96, 6)}

ließ mich dies jetzt nicht mehr weiterschreiben.

Zweitens: Die Inhaltsangabe (fihrist) des "Vierten Strahls" über die Ayah "Hasbunallahi ve ni'mel wakil (Gott ist unser Genügen und der vortreffliche Anwalt)", soll in der "Abhandlung über die Inhaltsverzeichnisse" nochmal an die Stelle der "Vierzehnten Hoffnung (Rica)" aus dem "Sechsundzwanzigsten Blitz (Lem'a)", genannt die "Abhandlung für die Alten", geschrieben werden. Tatsächlich passt es (munasib) dort auch hin. Es ist wirklich eine "Hoffnung (Rica)".

Drittens: Die "achtundzwanzigste Anmerkung" des "Achtundzwanzigsten Blitzes (Lem'a)" (nicht ihre Inhaltsangabe) soll an den Schluss des "Fünfzehnten Wortes" gesetzt werden. Denn die beiden behandeln dieselbe Wahrheit (hakikat).

Viertens: Ich habe die Blitze (Lem'alar) korrigiert, die Hafiz Ali selig (merhum) damals noch abgeschrieben hatte. Möge Gott es wollen (insâallah), dass sie euch noch in Kürze zugesandt werden können.

Während ich in den letzten Tagen diese sowohl paradiesischen als auch josephinischen Früchte {Hafiz Ali erntete die Früchte seiner Abschriften, die er in der Schule Josephs, also im Gefängnis, angefertigt hatte, nach seinem Tode im Paradies (Firdaus).} der segensreichen Helden (mubarak kahraman) korrigierte, erschien mir diese Abhandlung (risalah) so machtvoll (kuvvet) und bedeutsam, dass ich laut ausrief: Auch wenn die Anstrengungen, die wir hier in diesem Gefängnis erdulden müssen, noch hundertfach größer sein sollten, hätte diese Frucht-Abhandlung (Meyve Risalesi) dennoch allen noch hundertfach mehr Dienst erwiesen. Sie führt selbst die Verbohrtesten zum Glauben (iman) und veranlasst selbst noch die allerletzten Interessenten, {nämlich die Richter und Staatsanwälte. (A.d.Ü.)} sie mit einer gewissen Neugierde zu lesen.

Oh ihr Unglückseligen, die ihr mich hier schikaniert! Ganz gleich, was immer ihr mir hier antut: die Beachtung, die ich all dem schenke, ist noch keine fünf Para wert. Was auch immer uns hier noch treffen sollte, ist mehr als seinen Preis wert. Es ist die reine Güte Gottes (inayet) und Sein lauteres Erbarmen (rahmet). So habe ich denn völlig meinen Trost gefunden.

Allen Schülern der Risale-i Nur wünsche ich Frieden (selâm), bete (dua) für ihre Sicherheit und dass sie ihren Schutz finden mögen.

Said Nursî

(Dieses Gesuch wurde an drei Behörden (makam) geschickt. Auch den Brüdern wurde (eine Kopie) zugeschickt, damit sie sich informieren können.)

Ich wünsche, dass Sie der Klage eines Unterdrückten, der sich seit zwanzig Jahren schweigend in Geduld übt, Ihre Aufmersamkeit schenken. Obwohl mir unter dieser republikanische Regierung (Cumhuriyet), welche Freiheit (Hürriyet) im weitesten Rahmen gewährt, jegliche Freiheit untersagt wird, können meine Feinde alle Freiheiten gegen mich gebrauchen, um mich zu quälen. Die republikanische Regierung, welche die Freiheit des Gewissens und die Freiheit wissenschaftlichen Denkens (hürriyet-i fikr-i ilmiye) gewährleistet, sollte mich entweder voll und ganz beschützen, sodass meine gehässigen und misstrauischen Feinde gezwungen sind, stillzuhalten, oder aber mir ebenso wie meinen Feinden Schreibfreiheit erteilen, anstatt mich bei meiner Verteidigung zu behindern. Denn von oben herab hat man, um jeden (Austausch von) Nachrichten zu verhindern, (gewissermaßen) hinter vorgehaltener Hand, den Postämtern heimlich (entsprechend) Weisung erteilt. Zu einer Zeit, in der Weisung erteilt wurde, dass ich außer einem einzigen Kind, das mir Wasser und Brot brachte, niemanden sehen dürfte, habe ich gehört, dass meine langjährigen Gegner eine Gelegenheit fanden, während das Revisionsgericht fast schon bereit gewesen wäre, meinen Freispruch zu bestätigen, weil die Sachverständigen (ehl-i vukuf) des Gerichtshofs meine Bücher für gut befunden hatten und ich bereits darauf wartete, sie zurückzuerhalten, meine Feinde also zwei Abhandlungen (risalah) aus meinem ehemaligen Privatbesitz (mahrem), die ich inzwischen aus den Augen verloren hatte, wieder entdeckt und herausgebracht haben und sie sodann ein, zwei Sachverständigen (ehl-i vukuf) in die Hände gespielt haben sollen, die nun ihrerseits eine mir entgegengesetzte Einstellung hatten und deshalb auch einen bösen Bericht darüber vorbereitet haben. Nun habe ich keine Geduld mehr, (dies alles noch länger) zu ertragen. Darum gebe ich den tragenden Säulen aller Regierungsbehörden, ja der ganzen Welt bekannt:

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Aufgrund wundersamer (i'cazi) Andeutungen (tilsim) im Weisen Qur'an und nach dem Geheimnis seiner Wahrheiten (sirr-i hakikat) ist es unser Projekt (program), ja geradezu unsere Berufung (meslek), deren Frucht wir wachsen und reifen sehen wollen, für deren praktische Ergebnisse wir arbeiten wollen, ja Ziel und Zweck all unseres Tun und Handelns, alle Hilflosen und Armseligen vor der Verurteilung zum ewigen Tode zu erretten und auch dieses gesegnete Volk vor jeder Art Anarchie zu bewahren.

So hat denn nun die Risale-i Nur eine Untersuchung durch eine Kommission von drei Sachverständigen (ehl-i vukuf) und drei Gerichtshöfen überstanden; jedoch sind zugleich auch mein Leben in den letzten zwanzig Jahren und hundertdreißig allgemein zugängliche Abhandlungen der Risale-i Nur ein unwiderlegbares Zeugnis dafür, dass sie über diese beiden heiligen Aufgaben {vazife-i kudsîye: Die Rettung der Hilflosen vor ihrer Verurteilung und die Bewahrung des Volkes vor der Anarchie (siehe oben!) (A.d.Ü.)} hinaus, die (zu erfüllen wir) ausdrücklich (geplant haben), (keineswegs) den Eindruck (hervorrufen kann, sie würde) die Welt (dunya), ihre Regierung und die öffentliche Sicherheit und Ordnung stören.

Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass dieser armselige, unterdrückte Said, wie ich in der Tat bereits vor Gericht behauptet habe und wie alle meine Freunde, mit denen ich in Beziehung stehe, bestätigt haben, der seit zwanzig Jahren noch nie eine Zeitung gelesen hat, bzw. vorgelesen bekam, auch niemals einen Antrag gestellt hat, obwohl dies dringend notwendig gewesen wäre, der in zehn Jahren noch nie einen dieser Stützen des Regimes, von einigen wenigen einmal abgesehen, (auch nur vom Hörensagen) kennen gelernt hatte, der seit vier Jahren niemals eine Nachricht über diesen Weltkrieg und das Kriegsgeschehen bekommen hat oder sich auch nur dafür interessiert hätte, der sich mit Politikern (ehl-i siyaset) nicht beschäftigte und sich in ihre Geschäfte nicht einmischte, die Neigung gehabt haben sollte, die Sicherheit (des Staates) zu schänden... Wäre davon in ihm auch nur ein Stäubchen zu finden gewesen, er hätte sofort Nachforschungen angestellt: "Wer sind die gegen mich? Was geschieht in der Welt? Wer wird mir helfen?", wäre an solchen Dingen interessiert gewesen, hätte sich eingemischt, hätte ein Hintertürchen gesucht, um sich bei den Großen einschleichen zu können. Eines von diesen zwar recht kleinen und doch recht schmerzhaften Ereignissen war folgendes:

Ich hatte einigen meiner Freunde durch die Hand eines geheimen Boten einen Brief geschickt, um ihnen zu sagen: "Ich lebe hier vollständig isoliert und von jeder Nachricht abgeschnitten. Findet also einen Weg, mich aus meiner Lage zu befreien, damit ich wieder ins Gefängnis gebracht und von dieser Qual errettet werde." Da wollte ich mich dann darum bemühen, meine Bücher, die jetzt in Denizli bei Gericht liegen, wieder zurückzubekommen und sie wieder in meiner Nähe zu haben, (jene Bücher aus dem Gesamtwerk) der Risale-i Nur, die als mein Lebenswerk und das Kapital meines Lebens, (manchmal) sehr schön (von Künstlerhand) geschrieben und verziert worden sind. Doch leider hat man auch den Mann aus der dortigen Kommission der Sachverständigen (ehl-i vukuf), die gegen mich waren, während er mich verteidigte, meinen (obigen) Brief sehen lassen und dadurch dazu gezwungen, gegen mich zu urteilen, damit ich nicht wieder ins Gefängnis kommen solle.

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Ein Vorwand meiner Gegner, die mich stets wieder ins Gefängnis gebracht haben, (ein Punkt der Anklage), bei dem ich vor Gericht einen Freispruch gewonnen habe, ist die Zugehörigkeit zu einem (Sufi) -Orden (Tarikatçilik). Jedoch habe ich in der Risale-i Nur stets darauf bestanden und gesagt: "Diese Zeit ist keine Zeit der Orden (tarikat), sondern vielmehr eine Zeit, den Glauben zu retten. Es gibt viele (çoktur), die ins Paradies kommen, ohne einem Orden anzugehören. Doch ohne Glaube (iman) ins Paradies einzugehen, gibt es keinen (yoktur)." So arbeiten wir denn mit aller Kraft für den Glauben (iman). Ich bin ein Hodscha und kein Scheych. Und ich habe auf Erden (dunya) kein Haus (hanem). Wo also sollte mein Kloster (tekke) sein? In diesen zwanzig Jahren gab es keinen einzigen Mann, der hervorgetreten wäre und gesagt hätte: "Er hat mich (für den Eintritt) in einen Orden (tarikat) unterwiesen (ders)." Dergleichen haben auch die Gerichte und die Polizei nicht finden können. Es gibt nur die "Abhandlung über die neun Andeutungen" (Telvihat Risalesi), die ich früher einmal geschrieben habe, um die Richtlinien (hakikat) der Orden (tarikat) wissenschaftlich (ilm) zu erläutern, eine Unterweisung in der Wahrheit (ders-i hakikat) und eine Hochschule der Wissenschaft (ders-i ilmî), aber keine Unterweisung (ders) in den (Regeln und Aufgaben) eines Ordens (tarikat). Es ist eine wichtige Aufgabe (vazifah) der Regierung dieser Republik, die Freiheit des Gewissens (Hürriyet-i vicdan) als Grundlage zu wahren und ein Werk und seine Diener zu beschützen, worin es um eine Wahrheit (hakikat) geht, mit der sicherlich schon die Seelen (ruh) von Milliarden Vorvätern dieses Volkes verbunden waren, wobei sie auf dem Wege (dieser Wahrheit) die Welt (dunya) herauszufordern vermocht haben und bewiesen, dass ein wahrhaftiger Glaube (iman-i tahkikî) der (westlichen) Philosophie überlegen ist. Einem schwachen Diener die Hände zu binden und Tausende seiner Feinde auf ihn loszulassen, ist demgegenüber mit den Prinzipien dieser Republik in gar keiner Weise zu vereinbaren.

(In der Hoffnung), dass die Republik auf mich hören wird, habe ich diese Klage geschrieben. In der Tat ...

﴿ حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ ﴾

{"Gott ist mein Genügen und Er ist der vortrefflichste Anwalt." (Sure 3, 173)}

Eine zwar persönliche aber dennoch wichtige Eingabe (Maruzat) an den Ministerrat (Heyet-i Vekil) und den Vorsitzenden (Riyaset) der Abgeordnetenkammer (Milletvekili).

Obwohl ich mich seit dreißig Jahren aus dem politischen Leben (hayat-i siyasiye) zurückgezogen habe, möchte ich dennoch ausnahmsweise nur dieses eine Mal zu einer Frage Stellung nehmen, die das Land (vatan), das Volk (millî) und die öffentliche Sicherheit (asayis) betrifft. Es ist dies wie folgt:

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Anhand vieler Anzeichen sind wir zu der festen Überzeugung gelangt, dass im Sinne einer Anarchie eine Verschwörung (su'-i kasd) gegen mich, gegen diese Stadt (kasaba) Emirdag und darüber hinaus gegen das ganze Land (vatan) im Gange ist, die ein Korn zu einer Kuppel aufbauscht und einen Vorfall, der noch nicht einmal so bedeutend wie ein Mückenflügel wäre, groß wie einen Berg darstellt und mich dabei in einem Land, das so sehr der Ruhe bedarf, im Interesse einer Anarchie als Grund vorschiebt und uns, die Schüler der Risale-i Nur, die sich darum bemühen, unsere hilflosen Mitbürger vor einer Hinrichtung auf ewig (i'dam-i ebedî) und ihrem Zweifel am Jenseits (sübehat-i uhreviye) zu bewahren, nach einem ausländischen Plan und ganz und gar außergesetzlich und willkürlich angreift. Mit einem durchaus offensichtlichen Groll und wegen Verdächtigungen wurde, wie durch eine Lunte an einem Pulverfass, die öffentliche Sicherheit dieses Landes (vatan) in Gefahr gebracht, wobei man auch noch mich als den scheinbaren Grund dafür vorschob. Es ist dies wie folgt:

Nachdem drei Gerichtshöfe all meine Briefe, meine Bücher und meine ganze Lebensweise (hal) zwanzig Jahre lang bis in alle Einzelheiten durchforscht hatten, ließen sie uns wieder frei und gaben mir auch meine Bücher wieder zurück. Obwohl ich bereits seit drei Jahren jede schriftliche Arbeit (te'lifat) abgebrochen hatte und in einer Woche nur mehr einen Brief schreiben konnte, auch ohne Not niemanden in Dienst genommen habe, außer drei, vier Schneidergesellen, die jeder jeden Tag abwechselnd die notwendigen Arbeiten verrichten, und obwohl ich bereits entlassen wurde und dennoch nicht in meine Heimat (memleket) zurückgekehrt bin, brachen sie in der Absicht, mich zu beleidigen, mich zu verärgern und mich in ihrer Bosheit gegen Recht und Gesetz zu durchsuchen, das Schloss meiner Tür in einer Weise auf, wie ich sie noch nie zuvor in meinem Leben erfahren hatte, um mich in aller Öffentlichkeit in Wut zu versetzen und auf diese Weise Unruhe zu stiften. Sie haben meinen Qur'an und meine arabischen Plakate (lauha) beschlagnahmt und mitgenommen, als wären es gefährliche Dokumente (evrak-i muzirra). Ein maßgeblicher Justizbeamter soll den hiesigen Beamten ganz offiziell befohlen (âmirane) haben: "Ihr sollt Said durch zwei Gendarmen vor allen Leuten herausbringen, ihm zwangsweise einen Hut auf den Kopf setzen und ihn so zum Verhör führen. Verhaftet auch all diejenigen, die versuchen sollten, sich ihm zu nähern." So habe er es in einer wichtigen Versammlung gesagt, nachdem er meine Aussage gelesen hatte, welche die lautere Wahrheit (hakikat) ist. So blieb denn nicht Zweifel noch Verdacht, dass hier eine böse Absicht im Spiel ist, um mich zu beleidigen, mich zu verärgern, in Wut zu versetzen und dadurch die allgemeine Ordnung und Sicherheit (asayis) zu stören.

Unendlicher Dank sei Gott dem Gerechten (Cenab-i Hakk), dass Er mir die geistige Verfassung (halet-i ruhiye) geschenkt (ihsan) hat, tausendfach Ehre (haysiyet) und Ansehen (seref) für das Wohlergehen der Armen in diesem Land (vatan) zu opfern, um sie vor jeglichem Übel zu bewahren; so habe ich mich entschlossen, all ihre Beleidigungen (tahkirat) und Provokationen (ihanet) zu ertragen, die sie bereits begangen haben oder die Absicht haben, sie noch zu begehen. Für die öffentliche Sicherheit (asayis) dieses Volkes, besonders aber für die Ruhe der unschuldigen Kinder, der ehrenwerten Alten, der hilflosen Kranken und Armen (fakir) in dieser Welt (dunya) und ihre Glückseligkeit im Jenseits (uhrevî saadet) bin ich bereit, tausendmal mein Leben (hayat) und tausendmal meine Ehre (seref) zu opfern.

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Ein Anzeichen dafür, dass sie aus einem Mückenflügel einen Berg machen wollen, ist Folgendes: Wenn wegen eines Mannes wie mir, der in der Fremde (gurbet), krank, alt und schwach für sich allein lebt, innerhalb von zehn Tagen fünf Mal der Gouverneur (Vali) von Afyon mit dem Direktor des Ordnungsamtes (Emniyet Müdürü) und zwei Mal der Staatsanwalt (Müddeiumumîsi) von Afyon meinetwegen hierher kommen, wenn an zwei Tagen jeweils fünf Flugzeuge immer dort, wo ich gerade spazieren ging, mich von dort oben herunter beobachten, wenn fünf Geheimpolizisten (hafiye) denen, die mich hier beobachten, beigesellt und hierher geschickt werden, um meine Verhältnisse (ahval) auszuspionieren, wenn den Postämtern offiziell der Auftrag erteilt wird (resmen emir), meine eigenen Briefe zu beschlagnahmen, so zeigt dies, dass sie sich hier in ihrem Argwohn zehnmal größere Ereignisse ausmalen als die damaligen Ereignisse unter Scheych Said und Menemen. Da wurde sicherlich über ein Korn berichtert, als handle es sich hier um eine Kuppel, weshalb sie solch eine Haltung (vaziyet) annehmen. Dabei erinnern sie sich an mein früheres Leben und stellen sich nun vor, sie könnten mich mit ihren Provokationen zur Weißglut bringen. Sie täuschen sich jedoch; denn ganz das Gegenteil ist der Fall: Wir arbeiten hier mit aller Kraft (kuvvet) an der Errichtung einer qur'anischen Mauer gegen die Anarchie, vergleichbar der Mauer von Dhu'l-Qarnayn (sedd-i Zülkarneyn), während es diejenigen sind, die uns belästigen, welche den Boden für eine Anarchie, ja sogar für den Kommunimus vorbereiten.

Ginge es, wie in meinem früheren Leben, einzig darum, um der Bewahrung (muhafaza) des Ansehens der Wissenschaft (izzet-i ilmiye) willen jede Beleidigung zurückzuweisen, und es wäre nicht seine wahre Aufgabe (vazife-i hakikiye), einzig den Auftrag (vazife) zu erfüllen, die Muslime um des Jenseits (âhiret) willen vor dem Tode als einer Hinrichtung auf ewig (i'dam-i ebedîsi) zu retten und er würde sich einzig um diese Welt (dunya) und ihre verlogene Politik bemühen wie die Leute, die mich hier heute belästigen, so würden in der Tat diejenigen, die im Interesse einer Anarchie arbeiten, dabei eine solche Unruhe stiften, wie es die Unruhe gewesen wäre, die zehn Menemens und zehn Scheych Saids ausgelöst hätten.

Obwohl ferner drei Gerichtshöfe und die Polizisten vieler Provinzen (vilayat) seit zwanzig Jahren nicht von Gesetzes wegen an meiner Bekleidung (kiyafet) Anstoß genommen haben und es hinsichtlich meiner Begründung (mzuriyet) und aufgrund meines Einsiedlerlebens (inzivam) niemals eine Ermahnung (ihtar) bezüglich der Änderung meiner Bekleidung (tebdil-i kiyafeti) gegeben hat, würde der Versuch, mir vor allen Leuten vollkommen willkürlich und gegen jedes Gesetz gewaltsam einen Hut auf den Kopf zu setzen, dazu führen, dass hunderttausende, mit denen ich seit vierzig Jahren in diesem Land (vatan), besonders durch den Unterricht (ders) im wahren Glauben (iman-i tahkikî), brüderlich verbunden bin, in höchste Aufregung geraten, die Erde (zemin) in Wut erbebt und die Menschen bitterlich zu weinen beginnen.

Wir sind bereits anhand vieler Anzeichen zu der sicheren Überzeugung (mezkûr maksad) gelangt, dass mir illegale Handlungen, wie sie mir auf die Nerven gehen, durch den Finger einer ausländischen (ecnebi) Macht und wohl in dem Gedanken und mit der oben erwähnten Absicht zugefügt werden, die Zuwendung des Volkes (teveccüh-ü amme) zu brechen. Doch Gott dem Gerechten (Cenab-i Hakk) sei unendlich Dank dafür, dass so einer wie ich, der an der Schwelle des Grabes, ohne jede familiäre Bindung und der Welt überdrüssig, vor der Zuwendung (teveccüh-ü âmme) und Ehrerbietung (hürmet) aller davonläuft und überhaupt kein Interesse an Ruhm und Ruf (sân ü seref), an Heuchelei und Hochmut mehr hat, in einem Zustand (vaziyet) verharrt, in dem ihre illegalen Provokationen (ihanet) mir gegenüber überhaupt keine Bedeutung mehr haben; ich überlasse diese Leute Gott dem Gerechten. Denke ich daran, wie diejenigen, die mich jetzt noch mit ihrem überflüssigen Argwohn (evham) quälen, gar bald durch den Tod in ihre Hinrichtung auf ewig (i'dam-i ebediye) hinabstürzen werden, so tun sie mir dabei wirklich leid. Oh Herr (Ya Rabbî), rette ihren Glauben (iman) durch die Risale-i Nur! Verwandle im Geheimnis (sirr) des Qur'an ihre Verurteilung zu einer Hinrichtung auf ewig in die Urkunde zu ihrer Entlassung! Und so verzichte (helâl) denn auch ich ihnen gegenüber auf meine Rechte (hakk)!

Said Nursî
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بِاسْمِه۪ سُبْحَانَهُ

{"Im Namen dessen, der gepriesen sei"}

Dies ist eine Antwort auf die Frage eines noch recht jungen Schülers der Risale-i Nur, der mir dient und der sie im Namen vieler anderer gestellt hat.

Frage: Meister (ustadh), das freie (dua) wie auch das rituelle (namaz) Gebet um Regen hat keine Wirkung gezeigt. Es blieb ohne Segen (faide). Zwei, drei Mal ballten sich zwar einige Wolken zusammen, verflüchtigten sich dann aber wieder, ohne Regen zu bringen. Warum?

Antwort: Regenlosigkeit ist die Zeit für diese Art freier wie ritueller Gebete, sie ist nicht deren Grund, Ziel und Zweck (hikmet). So wie während einer Verfinsterung der Sonne oder des Mondes die Gebete (küsuf ve husuf) verrichtet und nach dem Untergang der Sonne das Abendgebet (aksam namazi) verrichtet wird, genauso sind die Regenlosigkeit und die Dürre (kuraklik) die Zeit für die Gebete um den Regen. Grund, Ziel und Zweck unseres Gottesdienstes (ibadet) und all unserer Gebete (dua) ist Gottes Weisung (emir) und Sein Wohlgefallen (riza-i İlahî); ihre Segnungen (faide) sind auf das Jenseits (uhrevî) hin ausgerichtet. Wäre das Ziel (niyet) unserer Gebete (namaz) und unseres Gottesdienstes die Erfüllung unserer irdischen Wünsche (dünyevi maksad) und wir würden sie einzig deretwegen verrichten, so würde unser Gebet (namaz) dadurch verfälscht (battal). So wird z.B. das Abendgebet (Aksam namazi) nicht verrichtet, damit die Sonne nicht untergeht und auch das Gebet während einer Mondfinsternis (Husuf namazi) nicht deswegen verrichtet, damit der Mond dadurch wieder befreit wird. Genauso wäre es falsch, wenn diese Art Gottesdienst (ibadet) verrichtet würde, um den Regen herbeizuzaubern. Regen zu spenden ist die Aufgabe (vazife) Gottes des Gerechten (Cenab-i Hakk). Wir haben unsere Aufgabe (vazife) erfüllt und mischen uns nicht in Seine Aufgabe (vazife) ein. Das offensichtliche Ergebnis eines Gebetes (namaz) um den Regen ist zwar die Herabkunft des Regens; dessen eigentliches, wahrhaftig (hakikî) überaus nutzvolles Ergebnis (menfaatli neticesi) und seine schönste und süßeste (tatli) Frucht ist jedoch das Folgende:

Jeder begreift unter diesen Umständen (vaziyet), dass derjenige, der für seinen Unterhalt (tayin) sorgt, nicht sein Vater, nicht sein Haus, nicht sein Geschäft ist, sondern derjenige, der ihm seinen Unterhalt und seine Nahrung (tasarruf) reicht, der Herr (zât) ist, der über die riesigen Wolken wie über einen Schwamm und über das Antlitz der Erde (zemin) wie über einen Acker verfügt, zugleich auch ihn ernährt und für seinen Unterhalt (rizk) sorgt. Sogar selbst noch ein winzig kleines Kindlein, das es gewohnt ist, immer wenn es hungrig ist, seine Mutter anzurufen (yalvarmaga), begreift bereits in seiner doch noch sehr kleinen Vorstellungswelt (fikr) diesen großen und weiten Sinn (mana) des Gebetes (dua) um Regen: Der Herr (zât), der diese Welt (dunya) wie ein Haus verwaltet (idare), ernährt sowohl mich als auch diese Kinder und auch unsere Mütter und sorgt für ihren Unterhalt (rizik). Täte Er dies nicht, könnte auch kein anderer diesen Segen (faide) spenden. Wenn dies aber so ist, dann müssen wir Ihn deswegen anrufen (yalvarmali). So sagt es und wird zu einem wahrhaft gläubigen (tam imanli) Kind. In diesem Zusammenhang wird in sechs Punkten das folgende nur ganz kurz erklärt.

Erster Punkt: Der Gegenwert für Gottes Gnade (ni'met) und Sein Erbarmen (rahmet-i İlahiye) ist unser Dank. Wir haben unseren Dank nicht in der angemessenen Weise (hakk) verrichtet. Wir haben den Gegenwert Seines Erbarmens (rahmet) nicht in der gebührenden Weise entrichtet und dadurch in der Tat durch unsere Ungerechtigkeit (zulüm) und Aufsässigkeit Seinen Zorn auf uns herabgerufen. So hat denn die Menschheit (nev'-i beser) durch diese Ungerechtigkeit (zulüm), die Missachtung (tahribat), ihren Unglauben (küfür) und ihre Aufsässigkeit (isyan) hier auf Erden (zemin) mit Recht (müstehak) eine Ohrfeige verdient und furchtbare Ohrfeigen dafür empfangen. Und auch wir werden in jedem Fall unseren Anteil (hisse) daran erhalten.

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Zweiter Punkt: Es gibt da folgende Überlieferung (hadîth): "Selbst die Fische in der Tiefe des Meeres beklagen sich über diese sündigen und ungerechten Menschen, sodass ihretwegen der Regen ausfällt und sich sogar unsere Versorgung (nafaka) vermindert." Es gibt in diesen Zeiten derartige Sünden und Ungerechtigkeiten (zulüm), dass wir in der Tat schon gar nicht mehr den Mut aufbringen, Gott noch um Sein Erbarmen (rahmet) anzurufen. Selbst die Tiere in ihrer Unschuld müssen darunter leiden.

Dritter Punkt: In einer Ayah heißt es: "Hütet euch vor einem Unglück, das - wenn es über euch kommt - sich nicht nur auf die Ungerechten (zalim) beschränkt; denn auch die Unschuldigen (masum) und die Verfolgten (mazlum) werden davon erfasst." (Sure 8, 25). Blieben bei einem Unglück, das alle erfasst (musibet-i âmme), die Unschuldigen (masum) auf wunderbare (hârika) Weise inmitten einer Feuersbrunst in Sicherheit (selâmette), so verliert die Weisheit der Religion (hikmet-i diniye) dadurch ihren Wert. Denn der Glaube (din) ist eine Prüfung (imtihan), eine Erfahrung (tecrübe). Dann werden die Bösen (fena) wie Abu Cehil genauso wie Abu Bekir-i Siddik, mit dem Gott zufrieden sein möge, diese Wahrheit bestätigen. Darum müssen in einem Unglück, das alle erfasst (musibet-i âmme), auch die Unschuldigen (masum) das gleiche Übel (bela) erdulden.

Vierter Punkt: Zur Zeit werden Hab und Gut (mal) und die Versorgung (rizik) durch viel Verbotenes (haram), durch Betrug (hile), Missbrauch (sû'-i istimal) oder Bestechung (rüsvet) nicht fair (helal) erworben und gehandelt. Und da viele Bauern ihr Gut nicht zu Recht (hakkiyla) besitzen, sind vielleicht nur zwei, drei von zehn unter ihnen der göttlichen Barmherzigkeit (rahmet) würdig. Von denen, welche die Erzeugnisse der Bauern nutzen, verlieren fünf, sechs entweder durch Ungerechtigkeit (zulüm), also indem sie dabei etwas Verbotenes (haram) tun, die göttliche Barmherzigkeit (rahmet), oder sind durch ihren Mangel an Dankbarkeit dieser Barmherzigkeit nicht mehr würdig (istihkak).

Fünfter Punkt: Die Risale-i Nur ist ein wichtiges Mittel (vesile), dieses Land (memleket) Anatolien vor Unheil (bela) zu bewahren. Gleich wie eine Spende (sadaka) ein Unheil (bela) abwendet, hat sich anhand vieler Anzeichen (emare) und vieler Ereignisse (hâdise) herausgestellt, dass ihre Verbreitung (intisar) und ihre Lektüre nach Art einer umfassenden Spende alles Unheil des Himmels und der Erde abwenden wird. Es hat sich dies sogar durch einen Hinweis (isaret) des Qur'an bewahrheitet (tahakkuk): Der Beginn einer Kette von vier einander folgenden Erdbeben (zelzele) in einer Zeit, da ihre Abschrift und ihre Verbreitung verhindert wurde, und deren Ende durch ihre Weiterverbreitung, wonach sie nun in Anatolien in den meisten Orten gelesen wird, was wiederum dazu führte (vesile), dass der zweite Weltkrieg nicht nach Anatolien kam, worauf ja auch die Sure 103 وَ الْعَصْرِ {"Bei dem Zeitabschnitt"} hinweist. Während wir in dieser letzten zweimonatigen Dürrezeit (kuraklik) darauf warteten, dass das Revisionsgericht das Urteil des Gerichtes bezüglich des Freispruchs (beraet) der Risale-i Nur bestätigt und dass sie dem Land (vatan) von Vorteil (menfaat) ist und deshalb die Risale-i Nur in vollkommener Freiheit verbreitet und gelesen werden darf, wurde sie ganz und gar im Gegensatz dazu verboten, die einzelnen Abhandlungen im Gericht ihren Besitzern nicht zurückgegeben und wir wurden auch daran gehindert in diesem Sinne zu reden. Daher konnte auch diese umfassende geistige Spende (sadaka-i manevi), welche die Abwendung des Unheils bewirken sollte, dem nicht entgegenwirken, und so begann denn infolge unserer Sünden eine Zeit der Dürre.

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Sechster Punkt: Eine Zeit ohne Regen ist ein Unglück und eine Strafe für eine schlechte Tat (ceza-yi amel). Dem muss man mit Weinen, mit Gram und Trauer, mit Bitten (niyaz) und einem betrübt-inständigen Flehen, mit einer aufrichtigen und ernsthaften Reue, mit Bitten um Vergebung (tövbe) und Verzeihung (istigfar) begegnen und im Rahmen der gelobten Sitte (sünnet-i seniye), ohne ketzerische Neuerungen einzuführen, in einer Weise, die dem Gesetz (seriah) entspricht, an der Schwelle Gottes (dergâh-i İlahiye) Zuflucht suchen und mit Gebet (dua) und einem Gottesdienst (ubudiyet) antworten, welcher der jeweiligen Situation (hal) entspricht.

Da nun des Weiteren ein solch allgemein verbreitetes Unglück durch ein Fehlverhalten der meisten Menschen verursacht wird, kann es auch nur dadurch überwunden werden, dass wiederum die meisten Menschen - also der größte Teil von ihnen - um Entschuldigung, Verzeihung und Vergebung bitten.

Da wir, die Schüler der Risale-i Nur, der Welt nicht viel Bedeutung beimessen und die Welt (dunya) nur im Zusammenhang mit der Risale-i Nur sehen, betrachten wir auch eine Zeit ohne Regen von diesem Standpunkt aus. So regnete (rahmet) es in derselben Zeit, in der ein kleiner Teil der Risale-i Nur, der dem Gericht in Denizli überbracht worden war, inzwischen aber ihren Besitzern wieder zurückgegeben wurde, auch hier zur selben Zeit, in der ein Teil der Leute wieder mit der Abschrift begonnen hatte, in dieser Zeit der Regenlosigkeit auch wieder ein bisschen. Da diese Rückgabe der Risale-i Nur jedoch nur eine teilweise war, blieb auch der Segen (rahmet) diesmal nur gering. Möge Gott es wollen (insâallah), dass auch mir meine Abhandlungen (risalah) bald wieder vollständig zurückgegeben werden, ihre Verbreitung (intisari) im ganzen Land erfolgen kann und so auch ihr Segen (rahmet) vollkommen sein möge.

Meine lieben getreuen Mitbrüder!

Der "Auszug aus dem Großartigen Qur'an (Hizb-ül Kur'an-ül Muazzam)" ist nicht nur von außerordentlicher Bedeutung, sondern hat auch seine Nutzanwendungen (faide). So wurde seine Rezitation durch keinerlei Einflüsterungen (vesvese) gestört. So enthält (ihtiva) er die segensreichsten Ayat (sevab) aus dem ganzen Qur'an. So umfasst er alle Grundlagen (esas) und Wahrheiten (hakikat) der Risale-i Nuriye. So ist er ein geheiligtes Beispiel (nümune-i kudsî) für den ganzen Qur'an, besonders für all diejenigen, die den Qur'an nicht auswendig (hâfiz) können und nicht die Gelegenheit finden, jederzeit den ganzen Qur'an durchzulesen. So ist er die verkürzte Ausgabe (misal-i musaggar) und der Verkünder (müjdeci) der Gesamtausgabe des in symmetrischer Übereinstimmung (tevafuk) gedruckten Qur'an. Und so ist er letzten Endes auch ein sichtbares Wunder (i'caz), was sowohl den Wortlaut (lâfzî) als auch den Sinn (mânevî) betrifft. So hat er dergleichen sehr viele Vorzüge (hâsiyet) und ist besonders in diesen heiligen Monaten (suhur-u mübarek) eine Quelle (medar) sehr vieler Segnungen (bereket), des Lichtes (Nur) und zahlreicher Verdienste (sevab). Und diejenigen, die für seinen Druck (tab'ina) und seine Veröffentlichung (nesrine) arbeiten, erlangen dadurch sehr viel Gutes (hayir).

﴿ شَهِدَ اللّٰهُ اَنَّهُ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُوَ وَالْمَلٰئِكَةُ ﴾

{"Gott bezeugt, dass es keine Gottheit gibt außer Ihm. Desgleichen die Engel..." (Sure 3, 18)}

﴿ قُلِ اللّٰهُمَّ مَالِكَ الْمُلْكِ ﴾

{"Sprich: Oh Gott, der Du über die Herrschaft verfügst..." (Sure 3,26),}

welche die beiden strahlenden, heiligen (kudsî) Stützpfeiler (istinad) der Risale-i Nur und die Quelle (çesme) ihres Lebenswassers (âb-i hayat) sind, sind wie dem auch sei, versehentlich nicht zusammen mit den Ayat aus der Sure "Al-i Imran" abgeschrieben worden. Ihr sollt auch diese beiden Ayat dazuschreiben. Während ich in den letzten Tagen die zwölfte Seite las, sprang mir plötzlich folgende Ayah ins Auge:

﴿ اِنَّ الْمُنَافِق۪ينَ فِى الدَّرْكِ الْاَسْفَلِ مِنَ النَّارِ ﴾

{"Die Heuchler befinden sich auf dem tiefsten Grund des Höllenfeuers." (Sure 4, 145)}

Ich habe die Ayat davor betrachtet und sah:

﴿ وَمَنْ اَحْسَنُ د۪ينًا مِمَّنْ اَسْلَمَ وَجْهَهُ لِلّٰهِ ﴾

{"Wer hätte eine bessere Religion als der, welcher sich Gott zuwendet..." (Sure 4, 125)}

Ich habe auf der folgenden Seite nachgesehen und fand dort vier Ayat, die auf die Risale-i Nur hinweisen. Sie wurden bereits im "Ersten Strahl" (Birinci Sua) erläutert. Da kam mir folgendes in den Sinn (qalb): In jedem Fall bezieht sich diese schreckliche Ayah besonders auf dieses schreckliche, finstere Zeitalter, dessen Wirrwarr überwältigend (kuvvet) ist. Nachdem ich diese Ayah aufmerksam betrachtet hatte, bin zu dieser Überzeugung gelangt. Ein Beleg (emare) dafür ist Folgendes:

﴿ اِنَّ الْمُنَافِق۪ينَ فِى الدَّرْكِ الْاَسْفَلِ مِنَ النَّارِ ﴾

{"Die Heuchler befinden sich auf dem untersten Grund des Höllenfeuers." (Sure 4, 145)}

Nach numerischer Berechnung (cifir ve ebced) weist der Finger mit einer ganz genauen Übereinstimmung (tevafuk) auf die Daten der vier Stufen des Wirrwarrs hin. Es ist dies wie folgt:

Zählt man die Verdopplungzeichen (sedde) mit und zählt dabei die "Hemze", die nicht gelesen werden und das ى in der Präposition فى "in", das auch nicht gelesen wird, nicht mit, so ergibt sich genau das Jahr 1362 (1943), auf das hier der Finger hinweist.

Wenn man bei dem Verdopplungszeichen (sedde) in dem Ausdruck مِنَ النَّارِ "aus dem Feuer" ein ن "nun" und das ل " lâm-i aslî" berechnet, so ergibt sich mit exakt genauer Übereinstimmung das Jahr 1342 (1924), aus dem uns über die entsetzlichen Wirren als Folge des Ersten Weltkrieges berichtet wird.

Zählt man bei dem "sedde" die beiden ن "nun" mit und bezieht auch das nicht gelesene "hemze" und das ى "je" mit ein, dann ergibt sich das Jahr 1376 (1957), welches mit der Stufe des Tiefpunktes dieses finsteren Wirrwarrs übereinstimmt. Auch das Wort الظُّلُمَاتِ "Finsternisse", das in vielen Ayat mit dem "Licht (Nur)" korrespondiert, ergibt nach numerischer Berechnung das Jahr 1372, welches mit nur vier Jahren Differenz übereinstimmend (tevafuk) ebenfalls auf das Jahr 1376 (1957) verweist.

Werden die nicht mitgelesenen Buchstaben mitberechnet und bei dem "sedde" in dem Wort النَّارِ "Feuer" nur das "lâm-i aslî" berechnet, so ergibt sich ganz genau 1356 (1937). So habe ich gesehen, wie der Finger übereinstimmend (tevafuk) auf das Jahr der entsetzlichen Stürme des Unglaubens (küfür) und des Wirrwarrs (nifak) hinweist.

— 36 —

In der Tat macht

Zwei ر "ra" 400

Drei ف "fa" und zwei ل "lâm" 300

Ein ق "qaf" und zwei ن "nun" mit einem sedde 300

Ein م "mim" und ein سْ "sin" 100

Ein weiteres م "mim", ein ى "ye" und ein ن "nun" ebenfalls 100

Zwei ن "nun" ebenfalls 100

Macht insgesamt 1300

Ein ل "lam" und ein ك "kef" 50

Ein د "dal" mit sedde" 8

Zwei "medde" und zwei "hemze" 4

Macht insgesamt 1362.

Die übrigen drei Arten der Berechnung möge man damit vergleichen.

Außerdem betrachtete ich die zwölfte und die dreizehnte Seite aufmerksam und sah: Es entspricht der Risale-i Nur und ihren Schülern und ihren Gegnern so sehr, dass es nicht nur mit einem einzigen Hinweis (mana-yi isarî) auf sie hindeutet, vielmehr sie in der Offensichtlichkeit (mana-yi sarihi) dieses Jahrhunderts betrifft, sie ganz besonders betrifft und als eine besondere Person in ihrer umfassenden Bedeutung miteinschließt. So habe ich es zweifelsohne verstanden und unendlich dafür gedankt. Die Übel (bela), die in diesem Dienst an der Risale-i Nur (hizmet-i nuriye) bis jetzt über uns gekommen sind, auch wenn sie hundertfach mehr wären, sind wiederum dennoch nur von geringem Wert; denn wir werden gewinnen. Diese Übel (bela), welche unsere vergänglichen unbedeutenden Glasstückchen vernichten, lassen uns jenseitige Diamanten gewinnen, die ihren Wert ewig (bâki ve uhrevî) behalten werden. Darum müssen wir in Geduld (sabir) ausharren, danken und uns darüber freuen. So habe ich das erkannt.

Des Weiteren möchte ich euch die frohe Botschaft (besaret) verkünden, dass ihr achter Versuch, mich zu vergiften, erfolglos geblieben ist. Die Sicherheit von Ghaus-i A'zam mit den Worten

فَاِنَّكَ مَحْرُوسٌ بِعَيْنِ الْعِنَايَةِ

{"Wahrlich, du stehst unter dem Schutz der lauteren Gnade."}

hat sich wieder einmal bewahrheitet (tahakkuk).

Mit allen unseren Brüdern, jedem Einzelnen von ihnen, möge der Friede (selâm) sein. Ich bete (dua) für sie und bitte auch sie um ihre Gebete in diesen segensreichen (mübarek) drei Monaten (suhur-u selâse).

Euer Bruder, der mit ganzer Seele (ruh) um die Gebete der Kinder (masum), von denen es im Kreis der Risalah (daire-i nuriye) ja so viele gibt, und die der gesegneten aufrichtigen (masum) Alten, deren Hände ja (von der Barmherzigkeit Gottes) nicht leer zurückkommen, bittet

Said Nursî
— 37 —

Meine lieben Brüder!

Ich habe sechs Stunden vor der Heiligen Nacht (Leyle-i Regaib) zwei kurze Nachrichten an euch geschrieben. Nachdem wir die Sammlung der Gebete ("Hizb-ün Nuriye") auf Matritzen geschrieben und zur Vervielfältigung abgegeben hatten, hat nach meiner Überzeugung (teslim) ohne Zweifel wie eine Art Wunder (mu'cize) Ahmeds, nach einer zwei Monate ununterbrochen andauernden Trockenzeit (kuraklik) und Regenlosigkeit und nachdem sehr viele freie Gebete (dua) nach den Pflichtgebeten (namaz) immer und überall erfolglos geblieben waren und jeder in Sorge um seinen Lebensunterhalt (derd-i maiset) verzweifelt (kalben) weinte, auf einmal in der Heiligen Nacht (Leyle-i Regaib) - wie weder ich noch irgendjemand anders jemals in meinem ganzen Leben dergleichen gehört hat - in drei Stunden hundertmal und vielleicht noch öfter hintereinander mit der hohen und heftigen Rezitation (tebihat) des Engels des Donners (melek-i ra'd) ein solcher Segen (rahmet) herabgeregnet, dass selbst noch für den Verbohrtesten die Heiligkeit (kudsiyet) dieser Nacht (Leyle-i Regaib) bewiesen wurde und dass die Verehrung (tesrif) des Herrn des Prophetentums (Hazret-i Risalet) in der Welt der Zeugnisse (âlem-i sehadet) in gewissem Grade und in gewisser Hinsicht in der ganzen Welt (umum kâinat) und in allen Jahrhunderten als von Bedeutung (nazar-i ehemmiyet) erachtet wird und er die Barmherzigkeit der Welten (Rahmeten lil'âlemîn) ist und es hat sich auch gezeigt, dass die Schöpfung (kâinat) in dieser Nacht aufjauchzt und jubelt. In unseren Gebeten (dua) war Isparta stets mit dieser Stadt (memleket) verbunden. Nun möchte ich noch gerne wissen, ob sie auch von diesem Regen ihren Anteil erhalten hat. Anhand vieler Anzeichen ist die Risale-i Nur bis jetzt ein Mittel des Segens (vesile-i rahmet). Dieser Segen weist darauf hin, dass sie vielleicht insgeheim einen bedeutenden Erfolg hat; und vielleicht ist es auch ein Hinweis auf ihre Freigabe. Außerdem vermehrten sich die Abschreiber hier durch die Begeisterung, die sie aus den Blitzen ("Lem'alar") bekamen. So Gott will (insâallah) galt dies als eine Art angenommenes Gebet (makbul dua).

Meine lieben getreuen, unerschütterlichen Mitbrüder und meine künftigen Erben!

Für den Druck (tazyikat), unter den man mich jetzt gesetzt hat, gibt es drei Gründe:

Erstens: Auf Beschluss des Ministerrates (Heyet-i Vekile) erreichte mich hier der Befehl (emir), mir für meinen Lebensunterhalt täglich zweieinhalb Lira (Banknoten) und für sonstige Ausgaben noch einen bestimmten Betrag (tahsisat) auszuzahlen sowie mir ein Haus (hane) nach meinen Wünschen zu bauen und zu übereignen. Ich habe das aber nicht akzeptiert. Nur den Anteil, der für die Deckung der Fahrtkosten zu meiner Überstellung nach Denizli erforderlich war, habe ich akzeptiert. Darüber haben sie sich geärgert und sodann begonnen, mich unter Beobachtung zu stellen.

Zweiter Grund: Die Bevölkerung in der Umgebung von Denizli erweist mir um der Risale-i Nur willen über alle Maßen viel Hochachtung und Respekt (hüsn-ü teveccüh). So haben sich denn auch hier in dieser Umgebung wieder die gleichen Verhältnisse eingespielt, was nun den Bösgesinnten erneut Angst einjagt.

Drittens: Es sind dies die vorgeschobenen Gründe des rachsüchtigen (garaz) Gouverneurs (Vali) von Afyon, der wegen des allbekannten verstorbenen Mannes an mir seine Rache (intikam) ausüben will.

— 38 —

Nach göttlichem Vorherwissen (kader-i İlahî) wandeln sich jedoch ihre Ungerechtigkeiten (zulüm) uns gegenüber in Barmherzigkeit (merhamet) und zu unserem Vorteil (maslahat) um. Macht euch also keine Sorgen! Einer der Vorteile ist z.B. folgender: Sie wollen an Stelle der Risale-i Nur einzig und allein mich zum Schweigen bringen. Darum redet nun an meiner Stelle die Risale-i Nur mit hunderten Zungen und äußern sich nun ihre Schüler auf vollkommene Weise und mit Tausenden Zungen; so erteilen denn diese Lichter (Nurlar) den finsteren Köpfen eine Lektion (ders). Infolge der Wirkung der Frucht-Abhandlung ("Meyve"), welche das Plädoyer der Risale-i Nur ist und das ihnen bereits zugesandt wurde, sowie auch durch alle weiteren Abhandlungen (risalat), besonders aber das Buch der "wohldurchdachten Gottesbeweise" (Hüccetüllah-il Baliga Mecmuasi) haben selbst die höchsten Beamten nun mit ganzem Interesse kritisch zu lesen begonnen. Und es gibt schon viele Hinweise, dass ihre Hartnäckigkeit (inad) auf diese Weise bereits gebrochen wurde.

So wie ihre Beschäftigung mit meiner Person (sahsim) in gewissem Grade ein Beitrag (faide) zur Freigabe und Verbreitung der Risale-i Nur ist, so ist es in der Tat für uns auch von beachtlichem Vorteil, wenn sie mir nicht erlauben, mich mit meinen Mitbrüdern zu treffen. Es hat sich sogar ergeben, dass es insbesondere zu unserem Vorteil war, dass ein Bruder, der bereits hundert Lira ausgegeben hatte und hierher gekommen war, um sich auch nur ein einziges Mal mit mir zu treffen, wieder umkehren musste ohne mich zu treffen. Hätte sich hier ein Türchen geöffnet, so hätte ein Ansturm von Gästen von überall her möglicherweise sowohl die Ängste und den Argwohn böswilliger Leute wachgerufen, als auch dem Geheimnis der Wahrhaftigkeit (sirr-i ihlas) und den Prinzipien unserer Berufung (meslek) geschadet; daher ist meine Isolationshaft (tecrid) für uns sogar eine Gnade (inayat).

In diesen heiligen drei Monaten (suhur-u mübareke) ist das Verdienst hundertfach. Wir brauchen überaus dringend die Hilfe der Gebete (dua) unserer gesegneten Geschwister mit Männern, Frauen, Kindern (masum) und den verehrten Alten. Möge Gott es wollen (insâallah), dass nie wieder ein Sturm euch erschüttern und eure eiserne Standhaftigkeit (metanet) niemals mehr gebrochen wird.

بِاسْمِه۪ سُبْحَانَهُ
اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَ رَحْمَةُ اللّٰهِ وَ بَرَكَاتُهُ

{"Im Namen dessen der gepriesen sei!" "Friede sei mit euch, Gottes Erbarmen und sein Segen!"}

Meine lieben getreuen Brüder!

(Eine Frage, die sich sowohl vom geistlichen als auch vom materiellen Standpunkt aus stellt und hier nun aufgrund ihrer Zwangsläufigkeit beantwortet werden soll.)

Frage: Warum schenkst du weder den Strömungen im Inland, noch denen im Ausland und besonders den politischen Gemeinschaften irgendwelche Aufmerksamkeit?

Und warum verbietest du, so weit wie möglich, deinen Schülern im Dienste der Risale-i Nur mit derartigen Strömungen in Kontakt zu treten?

Denn wenn du dich dafür interessiertest, würden auf einmal Tausende Menschen in den Kreis der Risale-i Nur eintreten und könnten dann diese glänzenden Wahrheiten (hakikat) veröffentlichen; und du bräuchtest nicht derart sinnlos unter solchen Schikanen zu leiden.

— 39 —

Antwort: Der wichtigste Grund für diese Zurückhaltung, ja geradezu Interesselosigkeit (ist darin zu suchen), dass unsere Aufrichtigkeit (ihlâs) als Grundlage unserer Berufung (meslek) uns das verbietet. Denn in dieser unserer Zeit der Gottvergessenheit (ghaflet) machen besonders einseitig denkende (mefkûr) Leute (sahib) jedes Ding zu einem Werkzeug für ihre Überzeugung (meslek). Ja sie machen sogar ihren Glauben (din) und alles, was sie für das Jenseits (uhrevî) tun, zu einer Art Mittel für ihre weltliche (dünyevî) Überzeugung. Doch die Glaubenswahrheiten (hakaik-i îmaniye) und der heilige Dienst an der Risale-i Nur (hizmet-i nuriye-i kudsiye) dürfen für nichts in der Welt (kainat) als Mittel verwendet werden. Außer dem Wohlgefallen Gottes (Riza-yi Ilâhi) darf nichts ihr Ziel sein. Jedoch ist es in einer Zeit wie der unsrigen unter den derzeitigen Kämpfen der verschiedenen Strömungen untereinander schwierig geworden, noch dieses Geheimnis der Aufrichtigkeit (sirr-i ihlâs) zu bewahren und nicht die Religion (din) zum Werkzeug für unsere weltlichen (Interessen) zu machen. Dabei ist der beste Ausweg der, sich nicht auf die Kraft (kuvvet) der (jeweiligen) Strömungen (zu verlassen), sondern (stattdessen) der Gnade (inayet) und der Führung Gottes (taufiq-i Ilâhiyye) zu vertrauen.

Ein Grund unter vielen Gründen für unsere Enthaltung ist unser Mitempfinden (Sefkat), uns an Gewalttaten (nicht zu beteiligen) und keinen Schaden zu stiften, was eine der vier Grundprinzipien der Risale-i Nur ist.

﴿ وَ لاَ تَزِرُ وَازِرَةٌ وِزْرَ اُخْرٰى ﴾

{"Denn es wird keinem die Last eines anderen aufgebürdet."}

Das heißt: "Hat einer einen Fehler begangen, so wird dadurch kein anderer, auch kein Verwandter, fehlerhaft und verdient auch keine Strafe." Auf dieses Grundprinzip göttlichen Willens (düstur-u irade-i Ilâhiyye) antwortet (der Mensch) in unserer Zeit entsprechend dem Geheimnis (sirr):

﴿ اِنَّ الْاِنْسَانَ لَظَلُومٌ كَفَّارٌ ﴾

{"Denn der Mensch ist unwissend und grausam." (Sure 33, 72)}

mit (aller Schärfe), Härte und Grausamkeit. Sobald er in seinen Gefühlen Partei ergreift, hasst er einen Verbrecher nicht nur wegen seiner Vergehen, sondern auch dessen Verwandten und sogar noch dessen Parteigenossen. Gerät er ihm in die Hände, unterdrückt er ihn. Wenn er das Recht (hüküm) in Händen hat, wirft er wegen des Verbrechens eines (einzelnen) Menschen eine Bombe auf ein (ganzes) Dorf. Jedoch darf man das Recht eines Einzelnen, der unschuldig ist, auch um hundert Verbrecher willen nicht opfern. Man darf ihn auch nicht um ihretwillen terrorisieren. Unsere heutige Lage aber ist die, dass man wegen einiger Verbrecher hundert Unschuldige ins Unglück stürzt. Zum Beispiel: Die Angehörigen eines verbrecherischen Menschen: seine arme alte Mutter, seinen Vater, seine Frau und die unschuldigen Kinder niederzuknüppeln, ins Elend zu stürzen und kollektiv zu hassen, ist den Grundsätzen jeglichen Mitgefühls diametral entgegengesetzt. Aufgrund solcher Strömungen, wo immer die Muslime Partei ergreifen, können sich die Unschuldigen nicht aus ihrer Unterdrückung befreien. Besonders die Umstände, die Grund sind, einen Aufstand anzuzetteln, (sorgen dafür, dass auch) die Unterdrückung überall um sich greift und sich ausbreitet. Ein Kampf (Dschihad), auch wenn er um der Religion (din) willen geführt wird, versetzt auch die Familien (çoluk çocuk) der Ungläubigen (kafir) in dieselbe Lage. Sie können eine Beute werden. Die Muslime können sie in ihren Besitz nehmen. Doch auch wenn jemand im Umkreis der Muslime ohne eine Religion (din) wäre, dürfte man trotzdem seine Familie (çoluk çocuk) in gar keiner Weise in Besitz nehmen, darf man ihre Rechte nicht verletzen. Denn diese unschuldigen (Menschen) sind durch ihre Verbundenheit (rabita) mit der Islamiyet nicht an ihren religionslosen Vater, sondern vielmehr mit der Islamiyet und der islamischen Gemeinschaft verbunden.

— 40 —

Ich grüße (selam) alle meine Brüder, jeden Einzeln, und wünsche ihnen Gottes Segen (tebrik) in der Nacht der Himmelfahrt (Leyle-i Mi'rac), deren Verdienst tausendfach ist. Re'fet Bey und allen Verwandten des verstorbenen Hadschi Ibrahim spreche ich meinerseits (ein herzliches) Beileid aus und wir sagen: "Der Verstorbene (merhum) gehört zum Kreis der Schüler der Risale-i Nur und wird allzeit ihrer Gebete (dua) teilhaftig sein. Auch wir werden ihn mit Namen in unseren Gebeten (dua) erwähnen."

Said Nursi

Meine lieben getreuen Mitbrüder!

Frage: Eine kurze Antwort auf die Frage eines unserer Brüder, der sagte: "Wie kann man von einer symmetrischen Übereinstimmung (tevafuk) mit zweifelsfreier Sicherheit auf ein Wunder (keramet) schließen?"

Antwort: Wenn sich irgendwo eine Übereinstimmung (tevafuk) ergibt, so wird dies zu einem kleinen Hinweis dafür, dass dahinter eine Absicht (kasd) verborgen ist, ein Wille (irade) erkennbar wird und es sich nicht etwa um einen Zufall (tesadüf) handelt. Wenn sich diese Übereinstimmung (tevafuk) noch dazu in einer gewissen Hinsicht zeigt, verstärkt (kuvvet) sich dieser Hinweis (emare) zur Genauigkeit. Wenn sich aber unter hundert Möglichkeiten zwischen zwei Dingen ein Zusammenhang (mahsus) ergibt und diese beiden Dinge vollkommen miteinander harmonieren (münasebet), so wird das Anzeichen (isaret), das von dieser Übereinstimmung (tevafuk) herrührt, zu einem offensichtlichen Beweis (delalet) dafür, dass diese Übereinstimmung durch eine Absicht, einen Willen und mit einem bestimmten Zweck (maksad) hervorgerufen wurde und daher keine Möglichkeit besteht, dass es sich hier um einen Zufall (tesadüf) handeln könnte.

Genau dies passierte auch in der Nacht von Leyle-i Mi'rac. In den letzten neunundneunzig Tagen stimmte nur in der Nacht von Leyle-i Regayb und Leyle-i Mi'rac dieser Segen des Regens (rahmetinin tevafuku) überein und war nur auf diese zwei Tage und Nächte beschränkt, während es davor oder danach nicht weiter geregnet hat, und entsprach auch der größten Not genau zur rechten Zeit, und stimmte hier auch mit der Zeit der Lesung, dem Schreiben und der Verbreitung der Abhandlung (Mi'raciye Risalesi) durch viele begeisterte Menschen überein. So stimmten denn diese beiden segensreichen Nächte miteinander in gewisser Hinsicht überein. Und da es nicht gerade Regenzeit war, stimmte der erstaunliche Lärm im Himmel, die Menschen in ihrem hör- und fühlbaren (maddî manevî) Tumult bedrohend, den sie doch gar nicht machen durften, zu gleicher Zeit mit dem Wehgeschrei der Erde überein, stimmte mit der Suche der Leute des Glaubens (ehl-i iman) überein, die in ihrer Verzweiflung nach einem Trost suchten und tröstete sie, stimmte mit ihrer Bitte um Stärkung in ihrer geistigen Verfassung (kuvve-i maneviye) in ihrer Ohnmacht bei allen Verdächtigungen (vesvese) überein, welche sie immer dann überfällt, wenn der Irrtum sie zu überwältigen droht, als ein Tadel (tekdir) für die Fehler (hata) derjenigen, die sich den islamischen Kennzeichen (seair-i İslâmiye) gegenüber - wie diesen Nächten - respektlos verhalten. Denn die Schöpfung (kâinat) ehrt (hürmet) diese Nächte. Warum also ehrt nicht auch ihr sie? Das aber besagt sinngemäß (mana), dass sogar diese Demonstration der Achtung der Himmel und der Atmosphäre (feza-yi âlem) gegenüber den islamischen Kennzeichen (seair-i İslâmiye) durch reichlich Regen (rahmet) mit übereinstimmt. So erkennt denn ein jeder, der noch ein Fünkchen Einsicht (zerre mikdar) hat, dass in dieser Sache eine besondere Absicht (kasd), ein Wille (irade), und für die Leute des Glaubens (ehl-i iman) eine spezielle Gnade (inayat) und Barmherzigkeit (merhamet) liegt, innerhalb derer sich keineswegs eine Möglichkeit für einen Zufall (tesadüf) finden ließe, d.h. also, die Wahrheit (hakikat) von Mi'rac ein Wunder (mu'cize) Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, und zugleich auch sein größtes Wunder (keramet-i kübra) ist. Sein Aufstieg mit der Leiter in die Himmel (Mi'rac merdiveni) demonstrierte die Bedeutung und den Wert des Herrn Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, bei den Leuten der Himmel (semavat ehli). Und auch in diesem Jahr zeigte die Mi'rac dem Erdboden (zemin) und den Leuten dieses Landes (memleket ahalisi), dass er in der Schöpfung (kâinat) geachtet (hürmet) und geehrt wird und erwies ihnen so seine Ehrerbietung (Keramet).

— 41 —

Meine lieben getreuen Brüder!

Anhand der Hinweise aus dem Verborgenen (İsarat-i Gaybiye) durch Ghausu-l'adham und Imam Ali wird die Abfassung der Risale-i Nur im Jahre 1364 (1944) beendet sein. Danach werden also nur noch Erläuterungen, Anmerkungen und Ergänzungen geschrieben werden. In diesem Zusammenhang kam es mir in den Sinn (qalb), an zwei Dinge zu erinnern:

Erstens: Diejenigen, die von Natur (fitrat) aus und den Umständen ihrer Zeit entsprechend Schüler (talebe) der Risale-i Nur werden sollten, sind vor allem die unschuldigen (masum) Kinder. Denn wenn ein Kind (çocuk) in seiner Kindheit (küçüklük) keinen intensiven (kuvvet) Unterricht im Glauben (ders-i imanî) erhalten hat, kann es später nur auf eine sehr schwere und mühsame Weise die Grundpfeiler (erkân) der Islâmiyet und des Glaubens in seine Seele (ruh) aufnehmen. Es wird für den heranwachsenden Menschen sehr schwer werden, wenn er als ein Nicht-Muslim die İslâmiyet annehmen (kabul) möchte, weil sie ihm fremdartig (yabani) erscheint. Besonders wenn das Kind seine Eltern nicht für religiös hält und nur in der Gedankenwelt (zihni) westlicher Wissenschaften erzogen wurde, flößt ihm das umso mehr ein Gefühl des Fremdseins ein. In diesem Fall wird dieses Kind in dieser Welt statt Respekt (hürmet) vor seinen Eltern nur Verachtung (istiskal) für sie empfinden und für sie zu einer Art Übel (bela) werden, indem es wünscht, dass sie bald sterben mögen. Im Jenseits (âhiret) wird es für sie nicht zu ihrem Fürsprecher (sefaatçi), sondern zu ihrem Ankläger (davaci). Warum habt ihr meinen Glauben (iman) nicht durch eine islamische Erziehung (terbiye-i İslâmiye) gerettet?

So sind aufgrund dieser Tatsache (hakikat) die glücklichsten (bahtiyar) Kinder diejenigen, die dadurch zu glücklichen Kindern werden, dass sie in den Kreis der Risale-i Nur eintreten, in dieser Welt (dunya) mit ihren Eltern respektvoll (hürmet) umgehen, ihnen helfen und ihre guten Werke (hasanat) in deren Buch der guten Werke (defter-i a'mali) auch noch nach deren Abschied von dieser Welt (vefat) gutschreiben lassen und so im Jenseits (âhiret) ihrer Stellung gemäß für sie Fürsprache (sefaat) halten.

Der zweite Teil der Schüler der Risale-i Nur sind besonders diejenigen Frauen, welche die Risale-i Nur von Natur (fitrat) aus brauchen und vor der Welt (dunya) in gewissem Grade zurückschrecken oder enttäuscht sind. Sind sie einmal in gewissem Grade alt geworden, ist die Risale-i Nur für sie eine wahrhaftige (hakikî) geistige (manevî) Nahrung. Denn eine der vier Grundlagen der Risale-i Nur ist die Liebe (sefkat), die aus der Erfahrung des Namens "der Allbarmherzige (Rahîm)" erwächst. Die grundlegendste (esas) Besonderheit (hassa) der Frauen und die Hefe ihrer natürlichen Aufgaben (fitrî vazife) ist die selbstlose Liebe (sefkat).

— 42 —

Dritter Teil: Es sind die Kranken (hasta) und Alten (ihtiyar), die - wenn auch nicht von Natur (fitrî) aus, jedoch von ihrer Lage (vaziyet) her - die Risale-i Nur ebenso notwendig wie Brot und Arzneimittel brauchen. Denn da die Risale-i Nur das Ewige Leben (hayat-i bâkiye) sonnenklar zeigt und in Hinsicht auf die Vergänglichkeit (fânilik) auch das Wesen (mahiyet) des irdischen Lebens (dünyevî hayat) ganz klar zeigt, brauchen die Kranken und Alten, die in ihrem irdischen Leben entweder durch eine Krankheit oder durch ihr Alter Schläge bekommen haben und sich in ihrer Gottvergessenheit (ghaflah) oder einfach irrtümlich (dalalet) den Tod als eine Hinrichtung (i'dam) vorstellen, die Risale-i Nur so sehr und bekommen durch sie eine solche Tröstung (teselli) und ein Licht (Nur), dass sie dadurch ihre Krankheit und ihr Alter sogar der Gesundheit und der Jugend vorziehen.

Der mir eingegebene zweite Punkt: Da nun einmal nach dem arabischen Kalender das Jahr 1364 (1944) begonnen hat, ist nun der Hinweis aus dem Verborgenen (isaret-i gaybiye) gekommen und die Risale-i Nur wird jetzt vollendet. Gehen wir jedoch vom Julianischen Kalender aus, bleiben uns noch zwei weitere Jahre. Tatsächlich gibt es noch Abhandlungen (risalat), die an besonders bedeutenden Stellen bisher nicht geschrieben wurden, sondern vorerst verschoben wurden. So sind z.B. der "Dreißigste Brief", der "Zweiunddreißigste Brief", der "Zweiunddreißigste Blitz" und dergleichen wichtige Stellen noch offengeblieben. So wurde ich denn in meinem Herzen (qalb) dazu aufgerufen, dass dieser arabisch geschriebene und gedruckte Kommentar (Tefsir) "Zeichen des Wunders" (İsarat-ül İ'caz), der das wichtigste Werk des Alten Said und die Eröffnung (Fatiha) zur Risale-i Nur ist, zum "Dreißigsten Brief" werden soll und auch geworden ist. Die Abhandlung "Lemaat", welche die letzte Abfassung des Alten Said ist und innerhalb von zwanzig Tagen im Ramadan verfasst wurde und spontan in Gedichtform (manzum) kam, wird zum "Zweiunddreißigsten Blitz" und der ziemlich große Band, der dem Neuen Said als Erstes von der Wahrheit (hakikat) im Grade einer inneren Schau (suhud) in seinem Herzen (qalb) offenbart (suhud) wurde und unter ihrem jeweiligen arabischen Titel als "Tropfen (katre)", "Korn (habbe)", "Spur (Semme)", "Stäubchen (zerre)", "Wellen (hubab)", "Morgenstern" (zühre), "Flamme" (Su'le) und einem dazugehörigen Anhang vorhanden ist, wird zum "Dreiunddreißigsten Blitz"; so sollte es sein. Und sowie die "Frucht-Abhandlung" (Meyve) der "Elfte Strahl" ist, wurde mir auch eingegeben, dass die "Verteidigungsschrift (Müdafaaname) in Denizli" zum "Zwölften Strahl" und der Band der "Kurzen Briefe", die im Gefängnis geschrieben wurden, zum "Dreizehnten Strahl" wird. Ich überlasse das jedoch den Überlegungen (tensib) meiner Mitbrüder. So bleibt denn noch an einigen Stellen das Tor offen und damit auch die Möglichkeit, vielleicht noch einige bessere Ergänzungen zu finden.

Einem jeden Einzelnen meiner lieben Mitbrüder entbiete ich den Friedensgruß (selâm). Ich sehe auch die Brüder in Kastamonu und Umgebung wie in alten Zeiten immer noch bei mir. Sie sollen sich keine Sorgen machen: die Risale-i Nur lässt sich nicht mehr aufhalten; sie breitet sich auch im Geheimen (perde) noch weithin (fütuhat) aus. Die Ergebnisse unserer Anstrengungen ziehen die Aufmerksamkeit stets mehr auf die Lektionen (ders) der Risale-i Nur und sorgen dafür, dass sie in stets weiteren Kreisen gelesen wird. Darum sollen diese zwei überaus fleißigen Brüder, der Vater und der Sohn, stolz sein. Wenn er mit seinem Vater größere Unannehmlichkeiten erdulden muss, sollen sie sich keine Sorgen machen, wenn es gelegentlich einmal Behinderungen gibt. In meinen Augen und nach unserer aller Ansicht bewahren sie ihre alte Stellung auch weiterhin unverzagt.

— 43 —

Zu Anfang hatten wir von den unschuldigen (masum) Kindern als den natürlichen (fitrî) Schülern (talebe) der Risale-i Nur gesprochen. Hierfür ist Ceylan ein Beispiel, dem ich diesen Brief diktiert habe, da ich ja wegen meiner Unpässlichkeit nicht selbst schreiben kann, und den er dann mit den neuen Buchstaben geschrieben hat. Ein anderer dieser Briefschreiber ist der unschuldige kleine Ali, ein weiterer ist der kleine Schüler (sakird) der Medrese-i Nuriye, der mir diesmal einen weisen und kritisch betrachtenden Brief geschrieben hat, nämlich der kleine Mehmet. Ich sage über sie auch: "Gott möge diese glücklichen Kinder segnen (Bârakâllah)." Und ich beglückwünsche (tebrik) auch ihre Eltern.

بِاسْمِه۪ سُبْحَانَهُ
اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَ رَحْمَةُ اللّٰهِ وَ بَرَكَاتُهُ

{"Im Namen dessen der gepriesen sei!" "Friede sei mit euch, Gottes Erbarmen und sein Segen!"}

Meine lieben getreuen Brüder!

(Ergänzung zu der notwendigen Antwort auf eine Frage)

Diese Sommerzeit (mausim) ist eine Zeit (zaman) der Nachlässigkeit (ghaflet) und zugleich eine Zeit (hengam) der Arbeit (mesghal) in der Sorge um den täglichen Lebensunterhalt. Auch sind diese drei Monate (Suhur-u Selâse) eine sehr fruchtbare Zeit des Dienstes und der Anbetung (sevabli ibadet). Wo es in einer Zeit, in der die Stürme über diese Erde hinwegfegen und die keine Zeit der Waffen, sondern eine Zeit diplomatischer Anstrengungen ist, an Kraft, Stärke (kuvvet), Beständigkeit (metanet) und jener Festigkeit fehlt, welche diese heilige Aufgabe der Risale-i Nur (vazife-i nuriye-i kudsiyye) erfordert, wird der Dienst an der Risale-i Nur Schaden nehmen, (eine Zeit) der Trägheit und des Überdrusses beginnen und es wird zum Stillstand kommen.

Meine lieben Brüder!

Ihr sollt wissen, dass die Aufgabe (um die es in der Risale-i Nur) geht und womit sich ihre Schüler beschäftigen, größer ist, als alle gewaltigen Themen auf dem ganzen Erdenrund. Wenn ihr also alle diese Dinge betrachtet, die in dieser Welt (dunya) eure Neugier erregen, so lasst nicht nach in eurem Eifer für die Aufgaben im Ewigen Leben (vazife-i bakiye)! Lest immer wieder das vierte Kapitel aus der Fruchtabhandlung (Meyve Risalah), damit eure innere Kraft (kuvve-i mânevi) nicht gebrochen wird!

Alle diese riesengroßen Fragen der Weltleute (ehl-i dünya) bewegen sich im Kreis ihrer Regeln für den Kampf, die grausam in diesem vergänglichen Leben (fâni hayat) sind. Da sie gnadenlos und unbarmherzig die heiligen (Werte) des Glaubens (mukaddesat-i dinîye) für ihre weltlichen Interessen opfern, versetzt sie die göttliche Fügung (kader-i Ilâhî) mitten hinein in die innere Hölle (mânevî cehennem) ihrer eigenen Verbrechen. Worum es aber in der Risale-i Nur geht und woran ihre Schüler arbeiten müssen und wozu sie beauftragt (vazifedar) sind, ist, mit der Sicherheit, mit der zwei Mal zwei vier ist, zu beweisen, dass der Tod, welcher der Preis für dieses vergängliche Leben (fâni hayat) ist und ein Schleier über dem Ewigen Leben (bâki hayat), für die Verehrer dieses weltlichen Lebens (hayat-i dünyeviye) dagegen der Henker eines überaus schrecklichen Todes, der doch der Schleier über dem Ewigen Leben (hayat-i ebediye) und für die Leute des Glaubens (ehl-i iman) das Fahrzeug zur Ewigen Glückseligkeit ist. Diese Wahrheit (hakikat) haben wir bis heute stets aufgezeigt.

— 44 —

Zusammenfassung: Die Leute des Irrweges (Ehl-i dalâlet) setzen sich für dieses vergängliche Leben ein. Wir dagegen kämpfen mit dem Licht des Qur'an gegen den Tod. Ihr größtes Problem ist, weil es dabei nur um vergängliche Dinge geht, unser kleinstes Problem und vom Standpunkt der Ewigkeit (beka) betrachtet, gar nicht zu vergleichen. Wenn sie aber nun sich in ihrer Torheit nicht auf unsere gewaltigen Probleme einlassen und ihnen keine Beachtung schenken, warum dann sollen wir zum Nachteil unserer heiligen Aufgabe (kudsi vazife) ihren unbedeutenden Angelegenheiten mit Interesse folgen?

Denn die Ayah:

﴿ لاَ يَضُرُّكُمْ مَنْ ضَلَّ اِذَا اهْتَدَيْتُمْ ﴾

{"Nicht schaden kann euch wer irrt, solange ihr rechtgeleitet seid." (Sure 5, 105),}

was ein bedeutendes Prinzip in der islamischen Grundlagenlehre ist. Denn

اَلرَّاض۪ى بِالضَّرَرِ لاَ يُنْظَرُ لَهُ

{"wer zufrieden ist mit seinem Schaden, der ist nicht zu verteidigen."}

Das heißt: "Der Irrtum eines anderen beeinträchtigt eure eigene Rechtleitung nicht, solange ihr euch nicht unsinnigerweise mit ihrem Irrtum beschäftigt." Der Sinn dieses Grundsatzes ist folgender:

"Wer mit seinem Schaden einverstanden ist, den braucht man nicht zu verteidigen, noch zu bemitleiden oder zu bedauern."

Da nun einmal diese Ayah und dieser Grundsatz uns untersagt, denjenigen zu bemitleiden, der mit seinem Schaden einverstanden ist, müssen wir stattdessen all unsere Kraft, unsere Aufmersamkeit und unsere Zeit dieser heiligen Aufgabe (kudsî vazife) widmen. Alles, was außerhalb dessen liegt, müssen wir als sinnlos erkennen und dürfen unsere Zeit nicht damit vergeuden. Denn in unseren Händen halten wir das Licht und keine Keule. Wir dürfen nicht angreifen. Wer uns angreift, dem zeigen wir unser Licht (Nur). Unsere Haltung ist die einer Verteidigung mit Licht.

Einer der Gründe, wozu diese Ergänzung geschrieben wurde, ist folgender:

Ich habe einen Schüler der Risale-i Nur geprüft. Um herauszufinden, welche Ideen über die heutige Politik (die Ursache) seiner Aufregung sind, fragte ich ihn wegen seiner Schwatzhaftigkeit ein, zwei Dinge über (die Meerenge) am Bosporus und sah, dass er sachkundig und interessiert zu antworten wusste. In meinem Herzen sagte ich mir "Schade! Das wird unserem Dienst (vazifah) an der Risale-i Nur schaden." Ich habe ihn nachdrücklich ermahnt:

«Eûzü billahi minesseytani vessiyase»

{"Ich nehme meine Zuflucht zu Gott vor dem Teufel und seiner Politik."}

Das ist unser Grundsatz. Wenn du Mitleid mit (solchen politischen) Menschen hast, so hebt obiger Grundsatz ihr verdientes Mitgefühl wieder auf. So wie das Paradies (Cennet) nach Menschen verlangt, so verlangt auch die Hölle (Cehennem) nach Menschen.

(In den Kommentaren (zu einigen Hadithen), die teilweise bereits im Fünften Strahl (1908!) niedergeschrieben wurden (wird bereits vorausschauend über das) berichtet, was heute geschieht.)

Said Nursi