Briefe aus Emirdağ-1
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An den Herrn Direktor für die Öffentliche Sicherheit in Ankara!

Wenn Sie mit einem Hilflosen, der sich seit zwanzig Jahren inoffiziell sowohl in Einzelhaft (münferid) als auch in Isolations-Haft (tecrid-i mutlak) befindet und der, obwohl er auf einen bloßen Verdacht hin - völlig grundlos - beispiellos unter Druck gesetzt wird, dennoch schweigt, zwar nicht formell aber dennoch wahrhaftig (hakikî) und ernsthaft sprechen wollen, möchte ich gerne einmal mit Ihnen - und wenn auch nur in aller Kürze - korrespondieren.

Erstens: Zwei Jahre lang haben zwei Gerichte alle Werke und Briefe der letzten zwanzig Jahre meines Lebens untersucht und keinen einzigen staatsfeindlichen Absatz oder irgendetwas gegen die Regierung oder die öffentliche Sicherheit gefunden oder finden können. {weil es ihn gar nicht gab!} Beweis dafür ist, dass sie mir alle meine Bücher, die privaten wie auch die zur Veröffentlichung geeigneten, zugleich mit meinem Freispruch wieder zurückgegeben haben, was ein unwiderlegbares Zeugnis und ein Beleg dafür ist.

Was mein Leben noch vor diesen letzten oben erwähnten zwanzig Jahren betrifft, so ist es ein Beweis dafür, dass es für dieses Land und sein Volk opferwillig verbracht wurde. Das Gleiche gilt auch für meine Dienste im Ersten Weltkrieg als Kommandant eines Freiwilligen-Bataillons unter der Anerkennung des Oberkommandierenden und mein außerordentlicher Dienst, den die führenden Persönlichkeiten der Regierung in Ankara so hochgeschätzt haben, und der Jubel mit dem sie mich bei meinem Auftritt vor der Abgeordnetenversammlung (Meclis-i Meb'usan) empfangen haben. Also ist die Schikane (azab), die mir in den letzten zwanzig Jahren angetan wurde, ganz und gar illegal und ein völlig willkürliches Vorgehen. In diesen zwanzig Jahren habe ich vierzig Festtage einsam und allein verbracht. Nun aber reicht es mir! Ich stehe am Tore meines Grabes (kabir). Also zwingt mich nicht dazu, mich noch weiter um die weltlichen Angelegenheiten zu kümmern!

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Da Sie außerdem auch noch der Direktor für die Öffentliche Sicherheit sind, müssen Sie auch für meinen Dienst sein. Denn wie bereits in den Gerichtsverhandlungen festgestellt wurde, trägt die Unterrichtung (ders) in der Risale-i Nur dazu bei, wenn sie sich auch um die weltlichen (dunya) Angelegenheiten kümmert, mit aller Macht (kuvvet) die Grundlagen der öffentlichen Sicherheit aufrechtzuerhalten (muhafaza), sie zu schützen und dem Verderbnis und den Aufständischen den Weg abzuschneiden. Der Beweis dafür, dass sie als heilige (kudsî), geistige Ordnungskommissare (manevî inzibat) wirken, ist, dass die Polizei von drei Städten (vilayat) das bereits verstanden hat.

In den letzten Tagen habe ich daraus, dass sich die Beamten sehr häufig bemühten, das Volk (ahali) einzuschüchtern, damit sie nicht mit mir reden, entnommen, dass das Ganze dazu diente, diese allgemeine Zuwendung (teveccüh-ü amme) zu mir, wenn sie auch weit über das hinausgeht, was mir zusteht und ich sie eigentlich gar nicht verdiene, abzubrechen. Ich erkläre Ihnen aber, dass ich - wie in den Briefen, die ich privat an meine nächsten Brüder geschrieben habe - ausdrücklich zu lesen steht, diese allgemeine Zuwendung überhaupt nicht akzeptiere (kabul), dass ich sie ablehne, weil sie unserer Berufung (meslek) und unserer Wahrhaftigkeit (ihlas) widerspricht. In diesem Punkt habe ich die Bitte aller meiner vielen Brüder zurückgewiesen. Ich habe lediglich die Verheißungen (haber) der früheren Persönlichkeiten aus dem Verborgenen (gaybî) akzeptiert und aufgeschrieben, die den Wert der Risale-i Nur aufzeigen, welche die Wahrheit (hakikat) des weisen Qur'an auf eine beispiellose Weise kommentiert (tefsir). Ich habe bewiesen (isbat), dass ich selbst nur ein gewöhnlicher Diener bin. Den unmöglichen Fall (farz-i muhal) einmal angenommen, ich würde in diese öffentliche Zuwendung (teveccüh-ü amme) einwilligen, so würde das der öffentlichen Sicherheit dienlich sein und für Ordnungsbeamte gleich Ihnen nützlich sein.

Da nun einmal der Tod nicht getötet werden kann, bleibt er ein Problem, das manche weit mehr beschäftigt als das Leben selbst. Neunzig von hundert Menschen arbeiten für die Sicherung (selâmet) ihres eigenen Lebens. Wir, die Schüler (sakird) der Risale-i Nur, kämpfen jedoch gegen diesen furchtbaren Angriff des Todes, dem mit Sicherheit (muhakkak) jeder von uns einmal begegnen wird. Unendlicher Dank sei dafür, dass wir hunderttausende Zeugen (sahid) dafür anführen können, dass bis heute dieser Tod für hunderttausende Männer statt einer Hinrichtung auf ewig (i'dam-i ebedî) durch die Risale-i Nur in einen Entlassungsschein (terhis tezkeresi) umgewandelt werden konnte. Während wir aber nun erwarteten, dass diejenigen, die so wie Sie ihr Land (vatanperver) und ihr Volk (milliyetperver) lieben, uns aufgrund dieser Tatsache (hakikat) eigentlich unterstützen und uns zujubeln müssten, überlasse ich es Ihrer Einsicht (insaf), inwieweit es von Ihrer Einsicht (insaf) und Ihrem Patriotismus (hamiyet) entfernt ist, uns aufgrund irriger Verdächtigungen zu beschuldigen und mit einer polizeilichen Aufsicht zu schikanieren.

Ihr illegal isoliert in Einzelhaft lebender
Said Nursî