Harmonie des Lichts
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Der Kern (Habbe),

(der sich in der Frucht der Früchte des qur'anischen Paradieses vorfindet)
حَبَّه مِى كُويَدْ ٭ مَنْ شَاخِ دِرَخْتَمْ بَرَازْ مَيْوَهءِ تَوْحِيدْ يَگْ شَبْنَمَمْ اَزْيَمْ بُرْاَزْ لُؤْلُؤِ تَمْجِيدْ ٭ بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلٰى دِينِ اْلاِسْلاَمِ وَ كَمَالِ اْلاِيمَانِ وَ الصَّلاَةُ وَ السَّلاَمُ عَلٰى مُحَمَّدٍنِالَّذِى هُوَ مَرْكَزُ دَائِرَةِ اْلاِسْلاَمِ وَ مَنْبَعُ اَنْوَارِ اْلاِيمَانِ وَ عَلٰٓى اٰلِهِ وَ صَحْبِهِ اَجْمَعِينَ مَادَامَ الْمَلَوَانِ وَ مَادَامَ الْقَمَرَانِ

{"Der Kern sagt:

'Ich bin der Ast eines Baumes, der mit vielen Früchten der Einheit beladen ist. Ich bin der Tropfen aus einem Meer, das mit den Perlen des Ansehens und der Ehre erfüllt ist.'"

"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Lopreis und Dank sei Gott (Allah) für die Religion (din) des Islam und die Vollendung (kemal) des Glaubens (iman). Und Friede und Segen sei über Mohammed, der das Zentrum des Kreises des Islam und die Quelle der Lichter (envar) des Glaubens ist und über seiner Familie und seinen Gefährten insgesamt, solange Tag und Nacht, Sonne und Mond noch weiter bestehen."}

Wisse, mein lieber Bruder!

Falls man diese große Welt (alem), die du hier siehst, wie ein großes Buch betrachtet, so ist das mohammedanische Licht, die Tinte aus der Feder des Schreibers dieses Buches. Falls man sich diese große Welt (alem) als einen Baum vorstellt, so wird das mohammedanische Licht (Nur) sowohl sein Kern als auch seine Frucht. Falls man annimmt, dass diese Welt (dunya) eine Lebensgemeinschaft wäre (und das nicht nur als ein abstrakter Begriff, sondern eine konkrete) Gestalt angenommen hätte,

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so wäre dieses Licht (Nur) sein Geist (ruh). Denkt man sich (diese Welt in der Gestalt) eines riesengroßen Menschen (tasauvur), so wird dieses Licht (Nur) zu seinem Verstand (aql). Denkt man sie sich (in der Form) eines überaus schönen, prunkvollen paradiesischen Gartens, so wird das mohammedanische Licht (Nur) seine Nachtigall. Denkt man sie sich (in der Form) eines gewaltig großen Schlosses, so wird das mohammedanische Licht (Nur) zu seinem Betrachter, sein (königlicher) Ausrufer und der, welcher dieses erhabene Schloss (erklärt und) beschreibt, das den Sitz des Königreiches des Urewigen Königs (Sultan-i Ezeli), Seiner Majestät (makarr-i saltanat ve hashmeti), Seine in Stein gefasste Schönheit (tedjelliyat-i djemaliye) und all Seine Kunstwerke umfasst. Er läd alle Menschen ein. Und er (erklärt und) beschreibt all die einzigartigen Kunstwerke und schildert all die außerordentlichen und wunderbaren (mu'djize) Ereignisse, die sich in diesem Schloss zugetragen haben.

Wisse, mein lieber Bruder!

Die Frucht am Baume der Schöpfung (khilqat) ist der Mensch. Es ist ja auch bekannt, dass die Frucht, welche das vollendetste aller Produkte ist (die dieser Baum hervorgebracht hat) und am weitesten von seinen Wurzeln liegt, Eigenschaften und Besonderheiten aller Teile in sich trägt. Darüber hinaus ist aber auch der Kern, der (schon vor Anbeginn der Zeit) als Hauptgrund für die Erschaffung der Welt (khilqat-i alemin) gilt, wiederum der Mensch.

Anschließend hat Er einen der Menschen, die Früchte dieses Baumes sind, zu einem Kern für den Baum der Islamiyet gemacht. Also ist dieser Kern sowohl der Erbauer der islamischen Welt (alem-i Islamiyet), als auch ihr Fundament und ihre Sonne. Der Kern dieses Kernes ist jedoch das Herz (qalb). Das Herz ist durch die Bedürfnisse mit den Arten der Welten (alemin) und ihren einzelnen Mitgliedern in vielerlei Hinsichten verbunden. Es braucht alle Lichter (Nur) der schönen Namen Gottes (Esma-i husna). Das Herz hat sowohl ebenso viele Hoffnungen wie auch Feinde, welche die ganze Welt erfüllen könnten. Es kann nur durch

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den Vollkommen Reichen (Ghaniyy-i Mutlaq), den wahren Beschützer (Hafidh-i Haqiqi) zufrieden gestellt werden.

Des Weiteren hat dieses Herz (qalb) derart die Fähigkeit, die ganze Welt (alem) wie eine Landkarte darzustellen oder wie ein Inhaltsverzeichnis aufzulisten. Nichts nimmt im Mittelpunkt (dieses Herzens einen Platz) ein, außer dem einen Allgegenwärtigen (Vahid-i Ehad). Es ist mit nichts anderem zufrieden außer mit einer ewig währenden (ebedi sermedi) Beständigkeit (beqa).

Wenn das Herz (qalb), das der Kern des Menschen ist, im Dienst, in aller Aufrichtigkeit (ikhlas) und unter Gebet (ubudiyet) mit der Islamiyet bewässert wird, so keimt es aus dem Glauben (iman) heraus und erhält aus der bilderreichen Welt der Befehle (misali alem-i emir) den lichtvollen Befehl (emr), sich als ein derart lichtstrahlender (nurani) Baum zu begrünen, sodass es in seiner Sinnenwelt (djismani alem) zu dessen (belebendem) Geist (ruh) wird. Wenn der Kern dieses Herzens keine solche (geistliche) Pflege erfährt (terbiye), bleibt er nur ein dürrer Kern und muss im Feuer brennen, bis er sich in Licht (Nur) verwandelt (inkilab).

Des Weiteren gibt es um diesen Kern des Herzens (habbe-i qalb) sehr viele Diener. Wenn diese Gehilfen durch das Leben des Herzens sich selbst beleben (hayatiyla hayat) und dadurch wachsen und gedeihen, so wird der gewaltige Kosmos für sie zu einem Ausflugsort und zu einem Parkgelände. Und selbst die Phantasie, die auch zu den Dienern des Herzens gehört, lässt ihren Besitzer (sahib), selbst wenn er völlig schwach und wertlos ist, wenn er, zum Beispiel, im Gefängnis, im Kerker gefesselt liegt, in der ganzen Welt umherstreifen und erfreut ihn damit. Sie lässt den, der hier im Osten betet (namaz), sich mit seinem Kopf vor dem schwarzen Stein in der Kaaba zur Erde neigen und das Zeugnis (shehadet in seinem Herzen) dem schwarzen Stein überlassen, um es dort zu bewahren (muhafaza).

Die Söhne Adams sind nun einmal die Frucht der Schöpfung (kainat).

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Und so wie zur Erntezeit das Korn gedroschen, die Spreu vom Weizen getrennt, danach die Ernte eingelagert und gespeichert wird, so gleicht auch der Ort der Wiederauferstehung einer solchen Tenne. Sie wartet auf die Söhne Adams, die den Ähren gleichen und die Ernte der Schöpfung (kainat) sind.

Wisse, mein lieber Bruder!

In dieser sichtbaren, allgemeinen Welt (alem) hat jeder Mensch seine eigene Welt. Seine eigene Welt ist jedoch die gleiche wie die allgemeine Welt. Was das Zentrum der allgemeinen Welt betrifft, so ist es die Sonne, während das Zentrum der privaten Welt die Person selbst ist. Die Schlüssel der privaten Welt liegen bei dem, dem die Welt gehört und ist von seinen Sinneseindrücken (letaif) abhängig. Die Reinerhaltung dieser privaten Welt, ob sie schön und gepflegt ist oder schlecht, lichtvoll gestaltet oder dunkel, hängt von der Person ab, die ihr Zentrum ist (und die Verantwortung für ihre kleine Welt übernimmt). So wie ein Garten, dessen Spiegelbild hinsichtlich der Bewegungen, Veränderungen und sonstigen Umstände von dem Spiegel abhängig ist (in dem das Spiegelbild des Gartens erscheint), so ist in der Tat auch die (innere) Welt jeder Person von dem Zentrum abhängig, das diese Person ist, und dessen Schatten oder Spiegelbild (seine innere Welt) ist.

Denke daher nicht, wenn du deinen Körper betrachtest und siehst, dass er klein ist, dass auch deine Sünden klein wären. Denn ein Fünkchen Kummer in deinem Herzen lässt alle Sterne der Welt in deiner Seele sich verfinstern (kusuf) und untergehen.

Wisse, mein lieber Bruder!

Seit dreißig Jahren führe ich meinen Kampf gegen zwei Rebellen (taghut). Der eine findet sich im inneren des Menschen, der andere in der Welt (alem) um ihn herum. Der eine ist das Ego (ene), der andere die Natur (tabiat). Den ersten Rebellen habe ich als meinen ungebetenen Gast wieder erkannt, wie meinen Schatten oder mein Spiegelbild. Aber diejenigen, die diesen Rebellen unmittelbar und in sich selbst für bedeutend

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erachten, werden auf diese Weise zu einem Nimrod oder zu einem Pharao.

Was aber den zweiten Rebellen betrifft, so erkannte ich ihn als eine göttliche Kunst (Ilahi bir san'at), eine Kennzeichnung durch den Allerbarmer (Rahman bir sibghat), das heißt als eine farbige Markierung, eine bunte Kennzeichnung. Betrachtet man (diesen Rebellen) jedoch in seiner Gottvergessenheit (ghaflah) nur als bloße Natur, so wird er für die Materialisten zu einem Abgott (ilah). Was jedoch für bloße Natur gehalten wird, ist in Wirklichkeit eine göttliche Kunst (Ilahi bir san'at). Lobpreis und Dank (hamd ve shukur) sei Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq) dafür, dass mein oben erwähnter Kampf durch den Segen (feyz) des Qur'an mit dem Tode beider Rebellen, der Zerschlagung der beiden Götzen geendet hat.

So wie in meinen Abhandlungen "Punkt, Tropfen (katre), Stäubchen, Spur, Welle, Korn" bereits bewiesen und erklärt wurde, wurde in der Tat der vorgetäuschte Schleier der Natur zerrissen und darunter kam das Naturgesetz Gottes (sheriat-i fitriye-i Ilahiye) und die ganz bewusst gestaltete Kunst des Allerbarmers (san'at-i shuuriye-i Rahman) sonnenklar zum Vorschein. Genauso trat aus dem Ego (ene), das auf den Pharaonenstolz verweist, das "Er (Huva)" hervor, das auf den majestätischen Meister (Sani'-i Dhu-l'Djelal) zurückzuführen ist.

Wisse, mein lieber Bruder!

In dieser Welt (dunya) gibt es viele Dinge, die dich betreffen. Du hast jedoch keinerlei Vorstellung vom Lauf der Welt, noch von ihrem Wesen. Doch da ist ja dein Körper. Und wenn auch dein Körper in deiner Jugendzeit einer Rose ähnelt, welche anmutig, fein und noch taufrisch ist, ähnelt er in deinem Alter in der Tat einer bereits abgestorbenen und schon verdorrten Blume im Winter und verwandelt sich in sie.

Und dann ist da noch das Leben (hayat). Da hinzu gehört auch alles, was Leben (hayvaniyet) in sich trägt. Auch hier ist das Ende aber Tod und Verfall.

Und dann ist da noch die Menschlichkeit. Was diese betrifft,

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so pendelt sie zwischen dem Verfall (aller Werte einerseits) und ihrer Bewahrung (beqa). Man muss sie im Gedenken (dhikr) des Immerwährenden Beständigen (Daim-i Baqi) aufrecht (muhafaza) erhalten.

Und dann ist da noch die Lebensspanne und die Lebensweise. Ihre Grenzen sind bereits vorher bestimmt. Und man kann keinen Schritt vorwärts oder rückwärts tun, um sein Leben zu verlängern oder zu verkürzen, auch nicht den Ablauf der Zeit vor oder zurück drehen. Darum mach dir keine Sorge und gräme dich nicht darum! Belaste dich nicht mit einer langen Liste von Wünschen, die zu erfüllen deine Fähigkeiten überschreitet und Sorgen, die zu tragen du zu schwach bist.

Und dann ist da noch das Dasein selbst (vudjud). Dieses Dasein ist ja nicht dein Eigentum (mulk). Sein Eigentümer (malik) ist einzig der Herr und Besitzer allen Eigentums (Malik-ul Mulk). Er liebt (shefqat) dich und deine ganze Existenz (vudjud) mehr als du es selbst tun könntest! Daher wirst du deinem Dasein (vudjud) nur Schaden zufügen, wenn du dich in diese Angelegenheiten des Befehlsbereichs (daire-i emr) des wahren Eigentümers (Malik-i Haqiqi) einmischst (wie die Gier dies tut, welche die Verzweiflung in ihrem Gefolge hat).

Und dann sind da noch Übel, Krankheiten und Unglücke. Sie sind zeitlich begrenzt und dauern nicht ewig. Wenn man an ihr Ende denkt, erinnert man sich wieder an alles Positive und die Freude kehrt zurück.

Und dann ist da noch der Umstand, dass du hier nur zugast bist und auf der Wanderschaft zu einer anderen (bleibenden) Stätte. Wer nur auf der Wanderschaft ist, bindet sein Herz jedoch nicht an (weltliche) Dinge, die er ja doch nicht mitnehmen kann. So wie du dich von dieser Wohnstatt lösen musst, so wirst du auch diese Stadt verlassen müssen. Des Weiteren wirst du auch noch diese vergängliche Welt (fani dunya) verlassen. Wenn dies aber so ist, bemühe dich, sie in Würde (aziz) zu verlassen. Gib dein Sein (vudjud) dem,

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der dich erschaffen hat (Mudjid) zurück. Dafür wirst du einen großen Preis empfangen. Denn falls du es Ihm nicht wieder zurück gibst, wird es entweder ohne jede Gegenleistung von dir genommen und dir entschwinden, oder es kehrt als (Gottes) Eigentum wieder zu Ihm zurück.

Solange du nur auf dich selbst (in deinem augenblicklichen) Daseinszustand (vudjud) vertraust, stürzt du ins Nichts (adem). Denn nur durch die Aufgabe deiner Existenz (terkiyle vudjud) kannst du deine Existenz finden. Wenn du des Weiteren dich mit dem Gedanken (fikr) trägst, deinem Dasein (irgendeinen) Wert beizumessen, schrumpft dein Dasein (vudjud) am Ende zu einem winzig kleinen Pünktchen in deiner Hand zusammen. So verbleibt denn deine ganze Existenz (vudjud) mit all ihren vier Seiten nur noch ein Nichts (adem). Sobald du aber diesen Punkt in deiner Hand fort wirfst, verbleibt all dein Dasein (vudjud) voll und ganz im Licht (Nur).

Und dann sind da noch die irdischen Freuden. Was aber diese betrifft, so sind sie uns von Gott zugemessen (kismet). Angesichts des schnellen Untergangs lässt derjenige, der Verstand (aql) im Kopf hat, sie nicht in sein Herz (qalb) vordringen und misst ihnen keinen Wert bei.

Gleich wie nun immer der Lauf (akibet) dieser Welt (dunya) sein mag: Es ist besser, die Freuden aufzugeben. Denn dein Ende (akibet) ist entweder Glückseligkeit; was aber diese Glückseligkeit betrifft, so kommt sie nur durch die Aufgabe (terkiyle) dieser vergänglichen (fani) Freuden zustande. Oder es endet unter Qualen. Ja könnte denn ein Mann, der auf den Tod und seine Hinrichtung wartet, sich über den Schmuck und die Verzierungen seines Galgens freuen und sie genießen? Auch für einen Mann, der sich in seinem Unglauben (kufr) einbildet, das Ende (akibet) seiner Welt sei das absolute Nichts (adem-i mutlaq), ist es besser, die Genüsse aufzugeben. Denn durch das eigene, persönlich bedingte Nichtsein (adem), welches eine Folge des Verfalles dieser Genüsse ist, wird in jeder Minute das schmerzliche Leiden (elim elem) eines absoluten Nichtseins (adem-i mutlaq) verspürt.

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Derartige Genüsse können über solche Schmerzen nicht hinweg täuschen.

Wisse, mein lieber Bruder!

Ein Schaf, das von einem Stein getroffen wird, den der Hirte geworfen hat, damit seine Herde umkehrt, welche (die Grenzen) des Weidelandes überschreiten will, sagt in der Sprache seiner inneren Haltung (lisan-i hal): "Wir stehen unter der Führung (emri) unseres Hirten. Er kümmert sich besser um unser Wohlergehen als wir selbst. Da er nun einmal nicht mit uns zufrieden ist, kehren wir besser um." So kehrt es von sich aus um, und die ganze Herde mit ihm.

Oh meine Seele! Du bist nicht bockiger und gehst nicht mehr in die Irre als dieses Schaf. Wenn dich ein Stein des Unglücks trifft, den Gottes Voherbestimmung (qader) nach dir geworfen hat, so sage:

﴿ اِنَّا لِلّٰهِ وَ اِنَّآ اِلَيْهِ رَاجِعُونَ ﴾

{"Gottes sind wir und zu Ihm kehren wir wieder zurück." (Sure 2, 156)}

Wende dich um zu dem wahren Herrn deiner Rückkehr (Merdji-i Haqiqi)! Komm zum Glauben! Sei nicht betrübt! Er kümmert sich (besser) um dich, als du selbst (das jemals könntest).

Wisse, mein lieber Bruder!

Das Herz (qalb) wurde ja nicht erschaffen, um sich vorsätzlich mit den irdischen Angelegenheiten zu beschäftigen; und das kann man folgendermaßen erklären:

Wir sehen, dass das Herz sich mit aller Kraft (quvvet) und Entschlossenheit an einer Sache festklammert, und zwar ganz gleich, worum es sich dabei handelt. Es nimmt sie mit großer Aufmerksamkeit in seine Hand und hält sie fest. Es möchte für immer und ewig mit ihr vereinigt bleiben; und löst sich ganz und gar in ihr auf (fena). Es ist hinter den größten, den beständigsten Dingen her und verlangt nach ihnen. In Wirklichkeit ist, um welches Ding (emir) auch immer es sich unter den irdischen Dingen (umur-u dünyeviye)

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handeln mag, in Anbetracht der (übersteigerten) Wünsche und Erwartungen des Herzens so unbedeutend wie ein Haar. Das aber heißt, dass das Herz ein Fenster ist, das in die Ewigkeit der Ewigkeiten (ebed-ul abad) hin geöffnet ist; denn es ist mit dieser vergänglichen Welt (fani dunya) nicht zufrieden.

Wisse, mein lieber Bruder!

Der Qur'an ist vom Himmel herabgesandt worden. Und zugleich mit dieser Herabsendung wurde auch ein himmlischer Tisch (semavi bir ma'ide), ein göttliches Gastmahl (sofra-i Ilahiye) herabgesandt. Dieses Gastmahl (ma'ide) bezeichnet die einzelnen Gänge, die je nach dem Bedürfnis und dem Geschmack der verschiedenen Schichten der Menschheit (tabakat-i besher) voneinander getrennt sind. Der erste Gang, der bei diesem Gastmahl (ma'ide) aufgetragen wird, ist für das einfache Volk (tabaka-i avama).

Zum Beispiel:
﴿ اَنَّ السَّمَوٰاتِ وَ اْلاَرْضَ كَانَتَا رَتْقًا فَفَتَقْنَاهُمَا ﴾

{"Siehe, Himmel und Erde waren eine zusammenhängende Masse und wir haben sie getrennt." (Sure 21, 30)}

Diese ehrwürdige Ayah lässt die erste Schicht der Menschen die folgende Bedeutung (mana) verstehen und drückt das so aus:

Solange unter wolkenlosen Himmeln eisige Winde wehen und nicht dazu imstande sind, Regen herniederströmen zu lassen, bleibt die Erde vollkommen trocken, sodass in ihr keine Pflanzen wachsen können. Dann haben wir diese zusammengeklebte Masse abgeteilt und voneinander getrennt. Sogleich begann von der einen Seite Wasser herabzuströmen und von der anderen Seite sprossen die Pflanzen empor. Es ist dies die folgende ehrwürdige (mezkur) Ayah, die auf diese Bedeutung (mana) hinweist:

﴿ وَ جَعَلْنَا مِنَ الْمَآءِ كُلَّ شَىْءٍ حَىٍّ ﴾

{"Und wir haben alles, was da lebt, aus dem Wasser geschaffen." (Sure 21, 30)}

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Denn all die Nahrung, die das Leben (hayat) der Tiere und Pflanzen aufrecht erhält, kann nur in der Vermählung von Himmel und Erde hervorgebracht werden.

In der oben erwähnten ehrwürdigen (mezkur) Ayah liegt (nun der zweite) Gang, der auf den (ersten) Gang folgt, der dem einfachen Volk (tabaka-i avam) gehört: Es ist dies ein Hinweis darauf, dass von jener Art Knetmasse (madde-i adjiniye), die aus dem mohammedanischen Licht (Nur) geschaffen wurde, jene andere Art Knetmasse (madjun) und der Teig des Lichtes (Nur) abgetrennt wurden, aus dem dann die Sonne und ihre Planeten gebildet wurden.

Was diesen (zweiten) Gang (des Festmahles) mit einem Hinweis bekräftigt, ist folgende ehrwürdige Hadith (hadisi sherif):

اَوَّلُ مَا خَلَقَ اللّٰهُ نُورِى

{"Was Gott (Allah) als erstes erschaffen hat, war mein Licht (Nur)."}

Zweites Beispiel:
﴿ اَفَعَيِينَا بِالْخَلْقِ اْلاَوَّلِ بَلْ هُمْ فِى لَبْسٍ مِنْ خَلْقٍ جَدِيدٍ ﴾

{"Sind wir etwa nach der ersten Erschaffung erschöpft gewesen? In der Tat sind sie über eine neue Schöpfung im Zweifel." (Sure 50, 15)}

"Obwohl sie ihre erste Erschaffung, die noch erstaunlicher war, durch ihr Zeugnis (shehadet) bestätigen, halten sie die zweite Erschaffung, die doch noch einfacher ist, dennoch für unvorstellbar." Dieser Gang beinhaltet ein großes Zeugnis, das ein Licht (tenvir) auf die Wiederversammlung wirft (und somit klar macht), dass die Auferweckung und Wiederversammlung ganz leicht sein wird.

Oh du Kopfloser, der die Auferweckung und Wiederversammlung bestreitest! Wieviele Male änderst du deinen Körper in deinem Leben! So wie du am Morgen und am Abend deine Kleider wechselst, so änderst du und tauscht du (die Zellen) deines Körpers jedes Jahr ganz und gar um. Hast du davon schon einmal gehört? Ja tatsächlich sterben

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jedes Jahr, an jedem Tag einige Zellen deines Körpers ab und werden durch neue Zellen ersetzt. Aber daran denkst du ja garnicht. Denn dein Kopf ist hohl. Könntest du daran denken, würdest du die Auferweckung und Wiederversammlung, wovon es jederzeit in der Welt Tausende Beispiele gibt, nicht abstreiten. Also geh einmal zum Arzt und lass dir deinen Kopf behandeln!

Wisse, mein lieber Bruder!

Siehe, die Dummheit und Torheit der Seele (nefs), welche, obwohl sie doch weiß, dass sie durch den allweisen Herrn, der frei entscheidet und handelt (Rabb-i Muhtar-i Hakiem), versorgt (terbiye) wird und das Geschöpf und der Diener (memluk) dieses allweisen Herrn (Rabb-i Hakiem) ist, und obwohl sie im Hinblick darauf, dass diese Zugehörigkeit (temelluk) und diese Versorgung (terbiye) für alle einzelnen, Gattungen und Arten gilt und dieser Sachverhalt als ein allgemein gültiges Gesetz Gestalt angenommen hat, und diese Fülle (feyz) in ihrem Umfang (überall) eine Art Übereinstimmung und ihre praktische Bestätigung erfährt, in Anbetracht (all der Dinge), die den Gesetzen und Prinzipien entsprechend geschehen und ihren Regeln folgend Allgemeingütltigkeit erlangt haben, zur Überzeugung und zur Gewissheit gelangen sollte, stellt sie sich die Erscheinungen der Namen Gottes, die über den ganzen Horizont hinweg ausstrahlen, obwohl sie selbst auch (einen Teil) dieser Erscheinungen an sich erfährt, als ein Mittel der Verschleierung und Merkmal der Gleichgültigkeit vor. Es ist, als gäbe es niemanden, der sie und all ihre Handlungen kontrolliert. Sie sieht sich selbst in ihren Taten als ein in den Taten verborgener "Er (Hu) = Gott". Dadurch, dass sie den Umfang der Erscheinung auf eine Unmöglichkeit und ihre Größe auf ein Nichts (adem) zurückführt, bringt sie selbst noch den Teufel wegen seines Trugschlusses in Verlegenheit.

Wisse, mein lieber Bruder!

Die Seele (nefs) kann sich vor ihren ständigen Qualen und Ängsten und ihrer inneren Unruhe nicht retten und zum Vertrauen (tevekkul) gelangen. Sie kann sich dem Ratschluss göttlicher Vorherbestimmung (hukm-u qader) nicht hingeben.

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Sowie der Aufgang und Untergang der Sonne vorherbestimmt (muqadder) ist, so stehen auch des Menschen Aufstieg und Niedergang und all seine Schicksalsschläge (muqadderat) in dieser Welt (dunya) ihm mit der Feder der Vorherbestimmung Gottes (qalem-i qader) gleichsam ins Gesicht geschrieben. Mag er auch mit dem Kopf gegen die Wand rennen, um diese Schrift auszulöschen: sein Kopf wird zwar verletzt, jedoch mit diesen Schriften geschieht tatsächlich nichts.

Mit absoluter Sicherheit (muhaqqaq) sollte sie wissen, dass sich der Mensch, der Himmel und Erde nicht fluchtartig verlassen kann, um sich auf diese Weise zu retten, mit der Herrschaft (Rububiyet) des Schöpfers (Khaliq) aller Dinge in Liebe (muhabbet) zufrieden geben könnte.

Wisse, mein lieber Bruder!

Wenn der Baumeister (sani') eines Dinges in diesem Ding drin stecken sollte, dann müsste zwischen ihnen eine vollständige Beziehung bestehen. Und in der Anzahl der Kunstwerke müssen sich auch die Baumeister vermehren. Das aber ist unmöglich. Wenn dies aber so ist, kann der Baumeister nicht selbst in dem Kunstwerk drin sein.

Zum Beispiel:

Ein Buch, das in einer Druckerei vervielfältigt wird, wird dennoch durch die Feder eines Mannes geschrieben. Aus den Buchstaben und der künstlerischen Gestaltung eines Buches (über den Ackerbau) wächst jedoch noch immer kein Korn heraus. Auch das Schreiben ist eine Kunst. Doch der Schreiber ist nicht in seiner Kunstfertigkeit enthalten. Sonst geriete ja alles aus den Fugen. Und da dies so ist, entstehen auch alle Werke einer Kunstfertigkeit nicht aus sich selbst heraus. Sie werden einzig und allein mit der Feder der Macht (qudret qalemi) nach dem Plan göttlichen Vorherwissens (qader) aufgezeichnet.

Wisse, mein lieber Bruder!

Wenn sich dir dein Eigentum (mulkiyet), die Welt (dunya) und alles Sein (vudjud; in deinen Gedanken, Sorgen und Vorstellungen) wie ein Schatten auf die Seele legt, kannst du bei all deiner Mühsal, infolge deiner Verantwortung, vor lauter Angst und Sorge um

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den Schutz all dieser Gnadengaben (nimet) gar keinen Genuss mehr empfinden und lebst in einer ständigen Unruhe. Denn um all das, was dir gerade fehlt, wieder zu ergänzen und das noch vorhandene (maudjud) vor Verlust zu bewahren (muhafaza), lebst du in ständiger Angst und Sorge und bleibst jeder Art Mühsal ausgesetzt. Dabei hat dir doch der Freigiebige Geber (Mun'im-i Kerim) für all Seine Gnadengaben (nimet) eine Garantie gegeben. Deine Aufgabe ist es dann, dich nur noch an den Tisch Seiner Güte (sofra-i ihsan) zu setzen, zu essen und zu trinken und Ihm dafür zu danken. "Danke!" zu sagen, ist keine Mühsal. Im Gegenteil, es vermehrt nur noch die Freude über die (empfangene) Gnadengabe (nimet). Denn Dankbarkeit heißt: in der Gnadengabe (nimet) das Gegebene (in'am) zu erkennen. Das Gegebene zu erkennen vertreibt das Leid, das aus der Veränglichkeit dieser Gabe erwächst. Denn während die Gnadengabe verbraucht wird, lässt der wahre Geber (Mun'im-i Haqiqi) ihren Platz nicht leer, sondern füllt ihn (noch einmal mit) einer gleichen (Gnadengabe), und du freust dich über (jede) neue (Gnadengabe).

﴿ وَاٰخِرُ دَعْويهُمْ اَنِ الْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ ﴾

{"Und sie schließen mit dem Ausruf: Lobpreis und Dank sei Gott (Allah), dem Herrn der Welten." (Sure 10, 10)}

Diese ehrwürdige (kerim) Ayah weist darauf hin, dass der Dank (hamd) in der Tat selbst eine Freude ist. Denn der Dank zeigt den Baum des Gegebenen (in'am) durch die Frucht Seiner Gnadengabe (nimet). Auf diese Weise verschwindet das Leid, das aus der Vorstellung (tasauvur) von der Vergänglichkeit der Gnadengabe erwächst. Denn an dem Baum wachsen noch viele Früchte, und sobald eine aufgegessen ist, wächst an ihrer Stelle eine neue. Das also heißt, dass der Dank (hamd) in sich selbst schon eine Freude (ayn-i lezzet) ist.

Wisse, mein lieber Bruder!

Die Kenntnisse der weltlichen Angelegenheiten und Ereignisse (afaki malumat), das heißt, die Kenntnisse (malumat), die man von außen, von weit her empfängt, können nicht frei von Ängsten und irrigen

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Vorstellungen (vesvese) sein. Was aber die Kenntnisse der inneren Welten (enfusi ve dahili), welche man unmittelbar gewissenhaft und bewusst (vidjdani bir shuura) wahrnimmt, betrifft, so sind sie rein von Ängsten und Unsicherheiten. Daher ist es nötig vom Zentrum in die Umgebung, vom inneren nach außen zu blicken.

Wisse, mein lieber Bruder!

Durch die Folgen einer längst aus dem Ruder gelaufenen Zivilisation (medeniyet-i sefihe), welche die Erde zu einem Dorf hat werden lassen, sind die Schleier der Gottvergessenheit (ghaflah) heute sehr dick geworden. Das zu ändern erfordert aber ganz besondere Anstrengungen. Des Weiteren hat der Geist (ruh) unserer heutigen Menschheit (besheriyet) in dieser Welt (dunya) sehr viele Löcher aufgerissen. Diese wieder zu stopfen gelingt jedoch nur denen, die Gottes Gnade (Allah'in lutuf) in sich erfahren haben.

Wisse, mein lieber Bruder!

Ein Stäubchen kann die riesige Sonne in ihrer Erscheinung, das heißt, durch ihre Wiederspiegelung in sich aufnehmen. Es kann jedoch zwei winzig kleine Stäubchen wegen ihres Volumens nicht wirklich in sich aufnehmen. Daher können die kleinen Bestandteile unserer Erde (kainat), zu denen ja auch die Regentropfen gehören, die das Spiegelbild der Sonne reflektieren, den Glanz (lem'a) der lichtvollen Macht des Urewigen (qudret-i nuraniye-i ezeliye), der sich auf Wissen (ilim) und Wollen (irade) stützt, hinsichtlich der Erscheinung und Widerspiegelung empfangen. Eine kleine Zelle im Auge kann jedoch der Macht (qudret), dem Bewusstsein (shu'ur) und dem Willen (irade), deren Wirkungen an Nerven, Venen und Arterien zu sehen sind, nicht zur Quelle dienen. Nach dem Erfordernis ihrer einzigartigen künstlerischen Ausstattung, dem wohlabgestimmten Schmuck und der zweckmäßigen Beschaffenheit (hikmet) sollten die kleinen Bestandteile unserer Erde (kainat) den umfassenden und absoluten Eigenschaften, die nur der Gottheit (uluhiyet) gehören, als Quelle und Ursprung dienen, oder ein Spiegel für die Strahlen (lem'a) der Erscheinungen der urewigen Sonne sein, die mit diesen Eigenschaften ausgestattet ist.

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Im ersten Fall finden wir entsprechend der Anzahl der kleinen Bestandteile der Erde (kainat) ebenso viele Unmöglichkeiten (muhalat). Daher bekennt jeder Bestandteil, dass er nicht imstande ist, diese große Last zu tragen und macht somit das Zeugnis dafür bekannt, dass nur Gott (Allah) allein derjenige ist, der ins Dasein ruft (Mudjid), erschafft (Khaliq), versorgt (Rabb), besitzt (Malik) und Halt gibt (Qayyum). Des Weiteren verkündet jeder Bestandteil und jedes Sein in unterschiedlichen Sprachen und mit seinem Zeugnis den folgenden Vers:

عِبَارَاتُنَا شَتّٰى وَ حُسْنُكَ وَاحِدٌ وَكُلٌّ اِلٰى ذَاكَ الْجَمَالِ يُشِيرُ

{"Unsere Ausdrucksweise ist zwar verschieden, doch Deine Schönheit ist stets dieselbe (vahid) und wir alle bringen stets diese selbe Schönheit (djemal) zum Ausdruck."}

Jeder Buchstabe weist in der Tat in gewisser Hinsicht nur auf seine eigene Existenz, jedoch in vielerlei Hinsichten auf die Existenz seines Schreibers, des Künstlers hin.

تَأَمَّلْ سُطُورَ الْكَآئِنَاتِ فَإِنَّهَا مِنَ الْمَیَلإِ اْلاَعَلٰٓى اِلَيْكَ رَسَآئِلُ

{"Denke an die Zeilen des Schöpfungsbuches und sinne darüber nach! Denn sie sind Briefe, die vom großen Rat zu dir gesandt wurden."}

Wisse, mein lieber Bruder!

Es gibt viele Dinge, wie Glas, Wasser, Luft, Träume (alem-i misal), Geist (ruh), Verstand (aql), Vorstellungen (hayal), Zeit und dergleichen, die Spiegelbilder reflektieren können. Spiegelbilder kompakter Materie haben nur eine abgeleitete Existenz und gelten zudem als leblos. {Nur das Spiegelbild der Sonne kann Licht und Wärme ausstrahlen.}

Was aber die Spiegelbilder der Licht ausstrahlenden Dinge betrifft, so sind sie mit ihrem Original verbunden, tragen Eigenschaften ihres Originals und sind ihrem Original zwar nicht ganz unähnlich (obschon nicht gleich). Wenn daher Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) die Wärme der

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Sonne zu ihrem Leben (hayat), ihr Licht zu ihrem Bewusstsein (shu'ur) und die Farben ihres Lichtes zu ihren Empfindungen gemacht hätte, so könnte das Spiegelbild der Sonne das in dem Spiegel in deiner Hand erscheint, mit dir sprechen. Denn selbst ihr Spiegelbild trägt ihre Wärme, ihr Licht (ziya) und ihre Farben. Durch ihre Wärme würde es lebendig. Durch ihr Licht würde es bewusst und durch ihre Farbe würde es auch empfindsam. Nachdem (das Spiegelbild der Sonne diese Eigenschaften) angenommen hätte, könnte es auch mit dir sprechen. Aufgrund dieses Geheimnisses erfährt der ehrenwerte Botschafter, {Wir vergleichen hier die Botschaft, die er verkündigt und die sein Leben mit unserem Leben verbindet, mit dem Licht, das die Sonne ausstrahlt.} mit dem Friede und Segen sei, alle ehrenwerten Segensgebete (salavat-i sherife), die für ihn dargebracht werden, zur selben Zeit.

Wisse, mein lieber Bruder!

"Gepriesen sei Gott (Subhanallah)! Dank sei Gott (Elhamdulillah)!" Diese Sätze kennzeichnen Gott den Gerechten (Djenab-i Haqq) indirekt durch Seine Eigenschaften (sifatlar), nämlich Seine Majestät (djelal) und Seine Schönheit (djemal). Hierbei bezeichnet "Gepriesen sei Gott (Subhanallah)!" Seine Majestät (djelal) mit der Eigenschaft, durch die Sein Diener und Geschöpf von Gott weit entfernt ist. "Dank sei Gott (Elhamdulillah)!", das Seine Schönheit (djemal) beinhaltet, ist hingegen eine Eigenschaft, die darauf hinweist, dass Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) in Seiner Barmherzigkeit (rahmet) Seinem Diener und Geschöpf nahe ist. So hat zum Beispiel die Sonne, wenn sie uns bescheint, zwei Aspekte: Der eine ist ihre Nähe, die andere ist ihre Ferne. Hinsichtlich ihrer Nähe spendet sie uns Wärme und Licht (ziya). Hinsichtlich ihrer Entfernung von uns bleibt sie stets sauber und rein und so davor bewahrt, jemals den Menschen zu schaden. Hinsichtlich dessen kann der Mensch der Sonne gegenüber nur Empfänger sein. Er kann nicht aktiv und wirksam sein.

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Genauso danken wir Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq) - und das soll bitte kein Vergleich sein! - in der Hinsicht, dass Er uns in Seiner Barmherzigkeit (rahmet) nahe ist. In der Hinsicht, dass wir Ihm nahe sind, preisen (hamd) wir Ihn. Daher danke Ihm, wenn du in Seiner Barmherzigkeit (rahmet) Seine Nähe betrachtest. Gedenkst du jedoch, dass du von Ihm weit entfernt bist, so preise (tesbih) Ihn! Verwechsle jedoch diese beiden Geisteszustände (maqam) nicht miteinander und vermische diese beiden Betrachtungsweisen (maqam) nicht miteinander, damit Recht (haqq) und Geradlinigkeit (istikamet) nicht miteinander verwechselt werden. Solange du sie nicht miteinander verwechselst und nicht miteinander vermischst, kannst du diese beiden Geisteszustände (maqam) und diese beiden Betrachtungsweisen sowohl abwechselnd gebrauchen, als auch (Lobpreis und Dank) gleichzeitig zum Ausdruck bringen. Gepriesen sei Gott und Dank sei Ihm ("Subhanallahi ve bihamdihi") ist in der Tat nur ein einziger Satz, der die beiden Geisteszustände (maqam) gleichzeitig zum Ausdruck bringt.

Wisse, mein lieber Bruder!

Vier Dinge sind es, deretwegen man die Welt (dunya), wenn auch nicht seine Arbeit für das tägliche Brot (kesben), wohl aber in seinem Herzen (qalb) verlassen sollte.

1. Das Leben der Welt ist nur kurz und führt mit hoher Geschwindigkeit dem Abschied entgegen und in den Untergang. Der Abschiedsschmerz aber löscht die Freude, wenn man sich kennen lernt, wieder aus.

2. Die Freuden der Welt ähneln einem vergifteten Honig. Der Freude entsprechend findet sich in ihr auch das Leid.

3. Das Grab, das auf dich wartet und dem du mit Fallgeschwindigkeit entgegen stürzst, nimmt die verziehrten, geschmackvollen Dinge dieser Welt nicht als Geschenk an. Denn das, was bei den Leuten der Welt für schön angesehen wird, ist dort hässlich.

4. Der Vergleich zwischen einem Aufenthalt von einer Stunde, inmitten seiner Feinde, umgeben von Schädlingen

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und Ungeziefer, mit einem jahrelangen Aufenthalt unter seinen Freunden und den Großen (seines Volkes) entspricht einem Vergleich zwischen einem Grab und dieser Welt. Darüber hinaus fordert uns Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) auf, diesen einstündigen Genuss zu verlassen, damit es dir sodann jahrelang mit deinen Freunden wohl ergehen möge. Wenn dem aber so ist, so folge dieser Einladung Gottes (Allah'in davet), bevor du in Ketten und Handschellen abgeführt wirst.

Gepriesen sei Gott (fesubhanallah)! Wie groß ist der Segen (fadl) und die Freigiebigkeit (kerem) Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq) für die Menschen, wenn Er das Gut (mal), das Er den Menschen als Treuepfand anvertraut hat, den Menschen zu einem hohen Preis (semen) wieder abkauft und es ihnen aufbewahrt, sodass es ihnen erhalten bleibt. Wenn der Mensch einen Besitzanspruch auf dieses Gut erhebt und es Gott (Allah) nicht verkauft, stürzt er in ein großes Unglück (bela). Denn er nimmt damit die Verantwortung für dieses Gut (mal) auf sich. Seine Macht (qudret) genügt aber nicht, eine solche Bürde zu tragen. Denn, wenn er sie sich auf die Schultern lädt, bricht sein Kreuz, und wenn er sie mit seinen Händen festhalten will, entschlüpft sie ihm, sodass er sie nicht halten kann. Schließlich entgleitet sie ihm ohne einen Gewinn und entschwindet. So bleiben ihm nur noch seine Sünden als Erbe.

Wisse, mein lieber Bruder!

In dem folgenden Gedicht, das sinngemäß lautet: "In meiner Jugendzeit, die einer Nacht glich, lagen meine Augen noch im Schlaf. Und erst am Morgen meines Alters erwachte ich.", kann ich mich recht gut wieder finden!

وَ عَيْنِى قَدْ نَامَتْ بِلَيْلِ شَبِيبَتِى وَ لَمْ تَنْتَبِهْ اِلاَّ بِصُبْحِ مَشِيبِ

{"In der Nacht meiner Jugend lagen meine Augen, fürwahr, noch im Schlaf. Und sie erwachten erst mit dem Anbruch des Alters."}

Denn ich dachte in meiner Jugend, dass ich auf den höchsten Gipfel der Wachsamkeit gestiegen wäre.

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Jetzt aber verstehe ich, dass diese Wachsamkeit gar keine Wachsamkeit war. Sie bestand nur darin, dass ich mich im tiefsten Brunnen meines Schlafes befand. Demgemäß soll die Aufklärung und Wachsamkeit, von denen die Neuzivilisierten stolz große Töne reden, von der Sorte der Wachsamkeit meiner Jugend sein.

Ihr Gleichnis ist wie das Gleichnis eines "Schlafenden", der in seinem Traum vom Traum aufgewacht ist und seinen Traum den Leuten erzählt. In Wirklichkeit weist sein Erwachen im Traum darauf hin, dass es von einer dünnen Decke des Schlafes zu einer tiefen und dicken Decke Übergegangen ist. Ein solcher Schlafender ist wie tot. Wie kann so einer die Menschen, die halb im Schlaf sind, aufwecken. Oh ihr, die ihr euch während eures Schlafes für wach haltet! Ihr sollt euch in den Fragen des Glaubens durch Nachsicht oder Anpassung nicht den Neuzivilisierten annähern. Denn der Bach zwischen uns und ihnen ist sehr tief. Ihr könnt ihn nicht füllen, um eine Verbindung herzustellen. Entweder schließt ihr euch ihnen auch an, oder ihr fallt in den Irrtum und ertrinkt.

Wisse, mein lieber Bruder!

Im Wesen (mahiyet) jeglichen, besonders aber eines fortgesetzten Ungehorsams, verbirgt sich die Saat des Unglaubens. Denn demjenigen, der in seinem Ungehorsam verharrt, wird er schließlich zur Gewohnheit. Sodann wird er zu einer lieb gewordenen (Gewohnheit) und verfällt ihm schließlich in einem Grade, dass es ihm am Ende nicht mehr gelingt, von ihm abzulassen. Da beginnt er, sich zu wünschen, dieser Ungehorsam möge keine Konsequenzen nach sich ziehen. Setzt sich aber dieser Zustand in dieser Weise fort, beginnt auch die Saat des Unglaubens (kufr) zu sprießen. Und das führt schließlich dazu, sowohl die Strafe, als auch den Ort der Strafe (dar-ul iqab) abzustreiten (inkar).

Und desgleichen bestreitet er (inkar) aus Scham über seinen Ungehorsam, indem er behauptet, dass dieser Ungehorsam ja gar kein Ungehorsam sei, auch noch die (Existenz) der Engel, die doch von seinem Ungehorsam Kenntnis haben. Ja er wünscht sich aufgrund seiner heftigen Scham, dass der Tag der Abrechnung nicht kommen möge.

Wenn derjenige, der den Tag des Gerichtes (yaum-i hesab) bestreitet, auch nur den geringsten Zweifel findet, so hält er diesen Zweifel gleich für einen gewaltigen Beweis. Am Ende ist es, als käme über das Herz derer, die keine Reue mehr empfinden und sich nicht von ihren Zweifeln befreien können, eine Sonnenfinsternis (kusuf) und es geht zugrunde - Gott bewahre (El'iyadhu billah)!

Wisse, mein lieber Bruder!

Du wirst nun einige Anmerkungen (lem'alar), die in meinem Werk namens "Stichworte (Lemaat)", bezüglich des Wunders und der Rhetorik (i'djaz ve belaghat) des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist (Qur'an-i Mu'djiz-ul Beyan), erläutert wurden, vernehmen:

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1. Bei der Rezitation des Qur'an bemerkt man einen so einzigartigen Strom (selaset), dass die Zunge dabei fließend und mühelos folgen kann.

2. (In seiner Ausdrucksweise bemerkt man) eine solch große Zuverlässigkeit (selamet), dass sie in Sinn und Wort frei (salim) ist von Fehlern.

3. Zwischen den Ayat besteht eine solch starke innere Verbundenheit, gleich einem steinernen Bau, sodass die einzelnen Ayat einander stützen und den Qur'an in seiner gesamten Konstruktion vor Erschütterungen bewahren.

4. Es findet sich hier eine solch mächtige Proportionalität (tenasub), eine solche Kommunikation (tedjavub), eine solche gegenseitige Hilfeleistung (teavun), dass seine Ayat, da sie sich nicht fremd sind, einander in ihren Aussagen beistehen, einander in Frage und Antwort ergänzen.

5. Obwohl sie, eine um die andere, in unterschiedlichen Zeiten und voneinander verschiedenen Umständen herabgesandt worden sind, ist es doch so, als wäre aufgrund ihrer so machtvollen innerlichen Verbundenheit der Grund (ihrer Entstehung) stets ein und derselbe gewesen.

6. Obwohl die einzelnen Gründe für die Herabsendung unterschiedlich und voneinander verschieden sind, (scheint es dennoch) aufgrund ihrer so machtvollen innerlichen Verbundenheit, als wäre dieser Grund ein und derselbe.

7. Obwohl es Antworten auf verschiedene Fragen sind, (scheint es dennoch) als wäre die Frage wegen der kraftvollen Verschmelzung und Vereinigung (ittihad) ein und dieselbe.

8. Obwohl sie Äußerungen aufgrund verschiedener Anlässe waren, (scheint es dennoch) als Folge ihrer vollkommenen Wohlordnung, als wäre ihr Anlass ein und derselbe und die Antwort auf den gleichen Vorfall.

9. Er ist in einem Stil (uslub), wie es dem Verständnis seiner Ansprechpartner gewohnt und angemessen ist, geoffenbart worden, in dem die Herabkunft der Göttlichen Demut (Tenezzülat-i Ilahiye) zum Ausdruck kommt.

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10. Obwohl Er sein Wort an Menschen richtet, wie sie zu allen Zeiten und überall zur Welt kamen und sie wieder verlassen haben, scheint es wegen der Einfachheit seiner Erklärungen dennoch, als wäre sein Ansprechpartner stets ein und derselbe.

11. Um (die Menschen) zu den Zielen Seiner rechten Leitung (irshad) führen zu können, bewirken seine Wiederholungen ein kritisches Nachdenken (tahqiq) und eine Verinnerlichung. Darüber hinaus aber werden (die Menschen) dieser Wiederholungen niemals überdrüssig. Die Rezitationen trüben niemals ihren Gemütszustand. Je öfter sie wiederholt werden, desto mehr duften sie wie Moschus.

12. Der Qur'an ist Kraft und Nahrung für die Herzen. Er ist die Heilung (shifa) der Seelen (ruh). Eine wiederholte Zuführung der Nahrung vermehrt die Stärke. Beständige Wiederholungen steigern die Gewohnheit und Vertrautheit und damit zugleich auch den Genuss.

13. Der Mensch ist in seinem Leben (hayat) an die Materie gebunden. Zugleich aber braucht der Mensch für sein geistliches Leben (hayat-i ruhiye) all das, was im Qur'an beschrieben wird. Manches davon benötigt er in jedem Augenblick, wie z.B. "Er ist Gott (hu Allah)". Denn auf diese Weise atmet (nefs) der Geist (ruh). Einiges braucht er in jedem Augenblick, wie "Er ist Gott (hu Allah)". Denn der Geist (ruh) atmet (nefs) dadurch. Einiges benötigt er regelmäßig, anderes zu jeder Zeit. So finden sich im Qur'an aufgrund all dessen, wonach (der Mensch) in seinem Leben von ganzem Herzen (hayat-i qalbiye) verlangt, diese Wiederholungen. Da das Herz (qalb) und die Seele (ruh) des öfteren das Bedürfnis hat und z.B. nach dem "im Namen Gottes (bismillah)" verlangt wie nach der reinen Luft, wird dies im Quran besonders häufig wiederholt.

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14. Die Geschichte Mosis und andere weisen mit einigen individuellen Ereignissen (hadisat) {hier steht Moses im Mittelpunkt.} durch deren Wiederholung darauf hin, dass dieses Ereignis (hadise) ein umfassendes Prinzip beinhaltet.

Zusammenfassung:

Der Quran ist sowohl Gottes Gedenken (dhikr), als auch ein Nachsinnen (fikr), als auch Weisheit (hikmet), als auch Kenntnis (ilim), als auch Wahrheit (haqiqat), als auch Gesetz (sheriat), als auch Heilung (shifa) für die Brust (sadir), Rechtleitung (huda) und eine Barmherzigkeit (rahmet) für die Gläubigen (mu'min).

Wisse, mein lieber Bruder!

(Da ist ein Mensch), der verwechselt aufgrund dieser merkwürdigen Beschaffenheit seiner Natur (fitrat-i insaniye), in der er sich gerade in seinem Zustand geistiger Verwirrung (ghaflah) befindet, die Funktionen seines Körpers, seiner Körperteile und seiner Sinnesorgane miteinander, hält sie für gleich und kann sie nicht voneinander unterscheiden. Dieser Geistesgestörte streckt z.B., da er Hand und Auge für gleich hält und ihre Funktionen und Aufgaben nicht voneinander unterscheiden kann, seine Hand nach etwas aus, das er gerne bekommen möchte und das seine Augen irgendwo über sich sehen. Dabei stellt er sich vor, dass Hand und Auge Nachbarn seien und seine Hand daher auch die gleiche Arbeit tun könne.

Ebenso streckt der Mensch in seiner Verwirrtheit (insan-i ghafil), obwohl er doch selbst für eine ganz einfache, unbedeutende Anordnung in seiner Person viel zu schwach (adjz) ist, so stolz (gurur) und eingebildet (hayaliyle) wie er ist, anmaßend seine Hand nach den Taten (ef'al) Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq) aus.

Und hier noch solch eine merkwürdige Eigenschaft (hal) menschlicher Natur (insanin fitrat): Auch wenn es unter den Menschen zwischen den einzelnen Personen in ihrem Körperbau und in ihrer ganzen äußerlichen Erscheinungsform einige Unterschiede gibt, so sind diese doch nur sehr gering. Ihrer Auffassung und ihrer geistigen Haltung nach gibt es jedoch einen Unterschied zwischen ihnen gleich dem Unterschied

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zwischen einem Stäubchen und der Sonne. Dies gilt jedoch nicht für die übrigen Lebewesen. So sind sich z.B. Fische und Vögel von ihrer Bewusstseinsstufe (kiymet-i ruhiye) her betrachtet, sehr ähnlich. Der kleinste gleicht dem größten. Der Mensch ist hingegen in der Kraft seines Geistes (quvve-i ruhiye) nicht begrenzt. In seiner Egozentrik (enaniyet) sinkt er so tief hinunter, dass er nur noch einem Stäubchen gleich kommt. Durch seinen Dienst und in seiner Anbetung (ubudiyet) steigt er jedoch so hoch empor, dass er zur Sonne beider Welten wird, so wie dies Hazret Mohammed ist, mit dem Friede und Segen sei.

Wisse, mein lieber Bruder!

Das Wesen (esas) der Dinge ist ihre Beständigkeit (beqa), nicht ihre Vergänglichkeit. Selbst Worte, Aussagen und Vorstellungen, von denen wir annehmen, dass sie in das Nichts hinüber gegangen wären, gehen gar nicht (wirklich) in das Nichts hinüber. Sie ändern zwar Form und Gestalt, bleiben jedoch vor dem Vergehen geschützt, bleiben an etlichen Orten bewahrt und gehen nicht in ein absolutes Nichts hinüber. Obwohl auch diese neue Weisheit (hikmet), die man Naturwissenschaft und Technik nennt, von diesem Geheimnis (sirr) Kenntnis hat, konnte sie es dennoch nicht mit aller Klarheit und Deutlichkeit erkennen. Stattdessen beurteilen sie (die Dinge) so völlig falsch (ifrat ve hata), wenn sie sagen: "In der Welt gibt es kein absolutes Nichts. Es gibt lediglich ein ewiges Werden und Vergehen." Denn in der Welt (alem) vollzieht sich im Walten Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq) eine Neu-Erschaffung (tahlil) und mit der Erlaubnis Gottes (Allah'in izniyle) ihr Zerfall. Durch den Befehl Gottes (emr) wird sie ins Dasein gerufen (idjad) und erfährt sie ihre Vergänglichkeit (i'dam).

﴿ يَفْعَلُ اللّٰهُ مَايَشَآءُ ٭ وَ يَحْكُمُ مَا يُرِيدُ ﴾

{"Gott handelt entsprechend Seinem Beschluss." (Sure 14, 27)"...und entscheidet entsprechend Seinem Willen." (Sure 5, 1)

(*) Schlusssatz der ersten Ayah. (A.d.Ü.)}

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Wisse, mein lieber Bruder!

Das Grab ist ein Tor, das sich zur Welt des Jenseits (alem-i akhiret) öffnet. Seine Rückseite ist Seine Barmherzigkeit (rahmet) und seine Vorderseite eine Qual (adhab). Alle Freunde und alle deine Lieben erwarten dich an der Rückseite dieses Tores. Ist etwa auch deine Zeit, dich ihnen anzuschließen, noch nicht gekommen? Hast du denn nicht den Wunsch, zu ihnen zu gehen, damit sie dich willkommen heißen? In der Tat rückt auch deine Zeit immer näher. Um sich von dem Schmutz der Welt zu reinigen, musst du dann ein Bad (ghusl) nehmen. Denn sonst werden sie vor dir Ekel und Abscheu empfinden.

Dabei ist es notwendig, die folgenden Punkte zu beachten:

1. Demjenigen, der Gott ein Diener (Allah'a abd) ist, steht alles zu Diensten. Wer aber es nicht ist, der hat alles und jeden zum Feind.

2. Alles ist im Vorherwissen Gottes (qader) bereits bestimmt (taqdir). Gib dich also mit deinem Schicksal (kismet) zufrieden, um (innerlich) zur Ruhe zu kommen.

3. Alles ist Gottes Eigentum. Es ist dir nur (auf Zeit) anvertraut (emanet). Er macht dieses Unterpfand (emanet) (für die Ewigkeit) beständig und so wird es für dich aufbewahrt. Alles, was bei dir bleibt, ist vergeblich und ist vergänglich.

{Das Ego (nefs) erwirbt sich alle Dinge in der Zeit und lässt sie im Tode wieder hinter sich zurück. Die Seele (ruh) empfängt Gottes gute Gaben zum Segen für alle und bewahrt sie im Herzen zu ewigem Gedenken in Dankbarkeit. Nur das Korn, das in der Erde vergeht, bringt seine Frucht. (A.d.Ü.)}

4. Ein Ding, das sich nicht fortbesteht, bringt keine Freude. Du bist vergänglich. Die Welt (dunya) ist auch vergänglich.

{Eine Puppe bringt einem Mädchen Freude. Die Puppe hat eines Tages ausgedient. Die Freude aber, die sie gemacht hat, bleibt. Eine Raupe verpuppt sich und wird ein Schmetterling. Die Welt, in der er lebt, sind die Blumen. Aber auch die Blumen verwelken. Und nur die Freude bleibt, die sie gebracht haben, wenn man sie verschenkt. (A.d.Ü.)}

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Auch die Welt der Menschen ist vergänglich. Auch diese gegenwärtige Form des Universums ist vergänglich. So folgen einander die Sekunden wie die Minuten, Stunden und Tage und gehen ihrem Untergang entgegen.

5. Wenn du kein Werk (akhiret) hast, das dich im Jenseits (vor der Hölle) retten kann, so lege auf die Werke, die du in dieser vergänglichen Welt (fani dunya) hinter dich gelassen hast, keinen Wert!

Wisse, mein lieber Bruder!

Achte einmal darauf, unter welchen Umständen die folgenden drei heiligen (muqaddes) Sätze: «Subhanallah (Gott sei gepriesen)», «Elhamdulillah (Dank sei Gott)» und «Allahu Ekber (Gott ist groß)» nützlich sind und zur Anwendung kommen sollten:

1. Ein Mensch, der noch in seinem Herzen (qalb) lebendig (hayat) geblieben ist, bleibt angesichts des Kosmos und der Welt (alem), wenn er die göttlichen Manöver beobachtet, und zwar besonders die, welche sich in den unendlichen Räumen des Weltalls ereignen, die zu verstehen (idrak) er zu schwach (adjiz) ist, in ehrfürchtiger Bewunderung davor stehen. In dergleichen Zuständen, die in ihm Bewunderung oder auch Staunen wecken, erwächst aus dieser Bewunderung der Ausruf «Subhanallah (Gott sei gepriesen)».

2. Genau derselbe Mensch atmet wie der Mann, der die Freude über die wohlschmeckenden Gnadengaben (nimet), zeigt, die er verzehrt, und unter der Bezeichnung des Dankes ("hamd") das Geben in der Gnadengabe (in'ami nimet) und den Geber in dem Geben (mün'imi in'am) erkennt und so nach der Fortsetzung der Gnadengabe (nimet) und der Vermehrung des Genusses verlangt und mit dem Satz "Dank sei Gott (Elhamdulillah)" die Schatzgrube aller Gnadengaben (nimet) entdeckt.

3. Genau derselbe Mensch, wenn er bei den einzigartigen Geschöpfen (makhluqat) und ihren seltsamen Handlungen Dinge sieht, die er mit seinem Verstand (aql) nicht erwägen und in seiner Vorstellungswelt nicht begreifen kann,

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beruhigt sich wieder, indem er "Gott ist groß (Allahu ekber)!" ruft. D.h. deren Schöpfer (Khaliq) ist noch größer und gewaltiger. Ihre Erschaffung (khalq) und ihre Versorgung (tedbir) fällt Ihm nicht schwer.

Wisse, mein lieber Bruder!

Man kann nicht sagen, der Mensch schade Gott durch seine Bosheit. Er schadet allein sich selbst (nefs). In seiner Umwelt gibt es z.B. in der Tat und in Wirklichkeit keinen Teilhaber (sherik) Gottes, sodass er sich der Schar (der Mitarbeiter Gottes) anschließen und sich dabei in die Angelegenheiten des Reiches Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq'in mulku) einmischen könnte. Er denkt sich einen solchen Teilhaber (sherik) lediglich in seiner eigenen inneren Welt und weist ihm in seinem hohlen Kopf seinen Platz zu. Denn in der äußeren Welt gibt es keinen Platz für einen Teilhaber (sherik). Doch in einem solchen Zustand zerstört dieser Kopflose sein eigenes Haus mit seinen eigenen Händen.

Wisse, mein lieber Bruder!

Dem, der auf Gott vertraut (tevekkul), genügt Gott (Allah kafi). Da Gott absolut und vollkommen ist (kamil-i mutlaq), ist Er der um Seiner Selbst willen Geliebte (li dhatihi mahbub). Da Gott der Schöpfer (Mudjid) ist, dessen Existenz Seinsnotwendig ist (vadjib-ul vudjud), finden sich auch in Seiner Nähe die Lichter der Erleuchtung (Nur) des Seins (vudjud), entfernt von Ihm die Finsternis des Nicht-Seins (adem). Gott ist es, bei dem man Zuflucht sucht und Rettung findet. Für die Seelen, die sich vom Kosmos abgewandt haben, vor den Freuden dieser Welt (dunya zinetinden) einen Abscheu empfinden und ihres Daseins überdrüssig geworden sind, ist Gott es, bei dem sie Zuflucht suchen und Rettung gefunden haben. Gott allein ist der Beständige (Allah baqi). Alle Beständigkeit in dieser Welt (alem) kann nur (bestehen) in Seiner Beständigkeit (beqa). Gott ist der Eigentümer (Allah malik). Er kauft dir Sein Gut (um des Paradieses willen) ab, um es für dich aufzubewahren. Gott ist der Reiche, der bereichert (Allah ghaniyy-i mughni). Er hält die Schlüssel aller Dinge (in Seiner Hand). Wenn ein Mensch vor Gott zu einem aufrechten

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Diener (khalis bir abd) wird, wird zugleich auch der Kosmos, der doch Gottes Eigentum (Allah'in mulku) ist, dem Eigentum (des Menschen) gleich.

Wisse, mein lieber Bruder!

Ein Mensch, der seine fünf Sinne beisammen hat, freut sich weder über das, was er an weltlichen (dunya) Dingen erworben hat, noch wird er traurig über das, was er verloren hat. Denn die Welt (dunya) kennt kein Verweilen. Alles vergeht. Und mit ihr zieht auch der Mensch dahin. Und auch du bist ein Reisender. Siehe, die Morgendämmerung des Alters über deinen Ohren (= die weißen Haare) ist schon angebrochen! Mehr als die Hälfte deines Hauptes ist mit einem weißen Leichentuch umwickelt. Die Krankheiten, die sich bereits anschicken, in deinen Körper einzuziehen, sind schon die Vorhut deines Todes. So steht denn nun dein ewiges Leben vor dir. Die Ruhe und Freude, die du in diesem ewigen (baqi) Leben erfahren wirst, ist nur von deinen Mühen und Arbeiten in diesem vergänglichen (fani) Leben abhängig. Doch du hast von diesem ewigen Leben keine Ahnung. {und kümmerst dich noch gar nicht um das, was da auf dich zukommt.} Wach nun auf, bevor der Tod (kommt, dich überrascht und) wach rüttelt!

Wisse, mein lieber Bruder!

Falls du Gott den Gerechten (Djenab-i Haqq) mit all Seinen Namen als bereits bekannt und erkannt (malum ve maruf) betrachtest, so wird er unbekannt und unerkannt. Denn diese Kenntnis (malumiyet) ist ein nur gewohnheitsmäßiges, rein traditionelles (taqlid), allgemein übliches Geklingel (in deinen Ohren). Es ist auch kein Ausdruck der dir die Wahrheit (Haqiqati) mitteilt. Daher kann sich dir die Bedeutung (mana) die dir durch diese Bezeichnung in den Sinn kommt, nicht (Gottes) Eigenschaft (sifat-i mutlaq), absolut (genommen), offenbaren und in deinen Gedanken Wurzeln schlagen. Es ist nur eine Art von Bezeichnung, (die dazu dient) über den Allheiligen (Dhat-i Aqdes) nachzudenken. Wenn man aber Gott den Gerechten (Djenab-i Haqq) mit

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einer Bezeichnung für einen Unbekannten Anwesenden (maudjud-u metjhul) betrachtet, offenbaren sich in gewissem Grade die Strahlen der Erkenntnis (marufiyet). Dann wird es auch nicht mehr schwer, den Träger dieser Eigenschaft in seiner allumfassenden Eigenschaft, absolut gesehen (sifat-i mutlaqa-i muhita), sowie sie im Kosmos in Erscheinung tritt, wahrzunehmen.

Wisse, mein lieber Bruder!

In jedem der Schönen Namen Gottes (Esma-i husna) schwingen auch alle übrigen leise mit. (So wie das Licht (ziya) alle sieben Farben des Regenbogens in sich enthält) Und so wie ein jeder ein Beweis für alle anderen ist, so ist er auch ein Erfordernis aller anderen, d.h. dass sich die Schönen Namen einander wie in einem Spiegel zeigen. So wie also in gleicher Weise ein Prosyllogismus (qiyas) eine Kette logischer Schlussfolgerungen in einem Ergebnis zusammenfasst oder ein Ergebnis mit Hilfe einer Kette von Beweisen erzielt werden kann, so ist es auch möglich (diese Namen jeweils als ein Ergebnis zusammenzufassen) und vorzulesen.

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تَضَرُّعْ وَنِيَازْ
Ein flehentliches Bittgebet
اِلٰهِى لاَزِمٌ عَلَىَّ اَنْ لآٰ اُبَالِىَ وَ لَوْ فَاتَ مِنِّى حَيَاةُ الدَّارَيْنِ وَ عَادَتْنِى الْكَائِنَاتُ بِتَمَامِهَا اِذْ اَنْتَ رَبِّى وَ خَالِقِى وَاِلٰهِى اِذْ اَنَا مَخْلُوقُكَ وَ مَصْنُوعُكَ لِى جِهَةُ تَعَلُّقٍ وَ انْتِسَابٍ مَعَ قَطْعِ نِهَايَةِ عِصْيَانِى وَ غَايَةِ بُعْدِى لِسَآئِرِ رَوَابِطِ الْكَرَامَةِ فَاَتَضَرَّعُ بِلِسَانِ مَخْلُوقِكَ يَا خَالِقِى ٭ يَارَبِّى يَارَازِقِى يَامَالِكِى يَامُصَوِّرِى ٭ يَآ اِلٰهِى اَسْأَلُكَ بِاَسْمَآئِكَ الْحُسْنىٰ وَ بِاِسْمِكَ اْلاَعْظَمِ وَ بِفُرْقَانِكَ اْلحَكِيمِ وَ بِحَبِيبِكَ اْلاَكْرَمِ وَ بِكَلاَمِكَ الْقَدِيمِ وَ بِعَرْشِكَ اْلاَعْظَمِ وَ بِاَلْفِ اَلْفِ قُلْ هُوَ اللّٰهُ اَحَدٌ اِرْحَمْنِى يَآ اَللّٰهُ يَا رَحْمٰنُ يَا حَنَّانُ يَامَنَّانُ يَادَيَّانُ اِغْفِرْلِى يَا غَفَّارُ يَا سَتَّارُ يَا تَوَّابُ يَا وَهَّابُ اُعْفُ عَنِّى يَا وَدُودُ يَا رَؤُوفُ يَا عَفُوُّ يَا غَفُورُ ٭ اُلْطُفْ بِى يَا لَطِيفُ يَا خَبِيرُ يَا سَمِيعُ يَا بَصِيرُ ٭ وَ تَجَاوَزْ عَنِّى يَا حَلِيمُ يَا عَلِيمُ يَا كَرِيمُ يَا رَحِيمُ ٭ اِهْدِنَا الصِّرَاطَ الْمُسْتَقِيمَ يَا رَبِّ يَا صَمَدُ يَا هَادِى ٭ جُدْ عَلَىَّ بِفَضْلِكَ يَابَدِيعُ يَا بَاقِى يَا عَدْلُ يَا هُوَ ٭ اَحْىِ قَلْبِى وَقَبْرِى بِنُورِ اْلاِيمَانِ وَالْقُرْاٰنِ يَا نُورُ يَا حَقُّ يَا حَىُّ يَا قَيُّومُ يَا مَالِكَ الْمُلْكِ يَا ذَا الْجَلاَلِ وَ الْاِكْرَامِ يَآ اَوَّلُ يَآ اٰخِرُ يَا ظَاهِرُ يَا بَاطِنُ يَا قَوِىُّ يَا قَادِرُ يَا مَوْلاَىَ يَا غَافِرُ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ ٭ اَسْئَلُكَ بِاِسْمِكَ اْلاَعْظَمِ
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فِى الْقُرْاٰنِ وَ بِمُحَمَّدٍ عَلَيْهِ الصَّلاَةُ وَ السَّلاَمُ الَّذِى هُوَ سِرُّكَ الْاَعْظَمُ فِى كِتَابِ الْعَالَمِ اَنْ تَفْتَحَ مِنْ هٰذِهِ الْاَسْمَآءِ الْحُسْنٰى كُوَاةً مُفِيضَةً اَنْوَارَ الْاِسْمِ الْاَعْظَمِ اِلٰى قَلْبِى وَ اِلٰى قَالِبِى وَ اِلٰى رُوحِى فِى قَبْرِى فَتَصِيرَ هٰذِهِ الصَّحِيفَةُ كَسَقْفِ قَبْرِى وَ هٰذِهِ الْاَسْمَآءُ كَكُوَاتٍ تُفِيضُ اَشِعَّةَ شَمْسِ الْحَقِيقَةِ اِلٰى رُوحِى اِلٰهِى اَتَمَنّٰى اَنْ يَكُونَ لِى لِسَانٌ اَبَدِىٌّ يُنَادِى بِهٰذِهِ الْاَسْمَآءِ اِلٰى قِيَامِ السَّاعَةِ فَاقْبَلْ هٰذِهِ النُّقُوشَ الْبَاقِيَةَ بَعْدِى نَائِبًا عَنْ لِسَانِىَ الذَّائِلِ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَ سَلِّمْ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ صَلاَةً تُنْجِينَا بِهَا مِنْ جَمِيعِ الْاَهْوَالِ وَ الْاَفَاتِ وَ تَقْضِى لَنَا بِهَا جَمِيعَ الْحَاجَاتِ وَتُطَهِّرُنَا بِهَا مِنْ جَمِيعِ السَّيِّئَاتِ وَ تَغْفِرَ لَنَا بِهَا جَمِيعَ الذُّنُوبِ وَ الْخَطِيئَاتِ يَآ اَللّٰهُ يَا مُجِيبَ الدَّعَوَاتِ اِجْعَلْ لِى فِى مُدَّةِ حَيَاتِى وَ بَعْدَ مَمَاتِى فِى كُلِّ اٰنٍ اَضْعَافَ اَضْعَافِ ذٰلِكَ اَلْفُ اَلْفِ صَلاَةٍ وَ سَلاَمٍ مَضْرُوبِينَ فِى مِثْلِ ذٰلِكَ وَ اَمْثَالِ اَمْثَالِ ذٰلِكَ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَ عَلٰٓى اٰلِهِ وَ اَصْحَابِهِ وَ اَنْصَارِهِ وَ اَتْبَاعِهِ وَ اجْعَلْ كُلَّ صَلاَةٍ مِنْ كُلِّ ذٰلِكَ تَزِيدُ عَلٰٓى اَنْفَاسِىَ الْعَاصِيَةِ فِى مُدَّةِ عُمْرِى وَ اغْفِرْلِى وَ ارْحَمْنِى بِكُلِّ صَلاَةٍ مِنْهَا بِرَحْمَتِكَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ اٰمِينَ

{("Oh mein Gott (Ilahi)! Es ist ganz sicher besser für mich, wenn es mich unberührt lässt, selbst wenn von mir das Leben (hayat) in beiden Welten entflieht und wenn auch der ganze Kosmos mir feindlich gesinnt wäre. Denn Du bist mein Herr (Rabbi) und mein Schöpfer (Khaliq) und mein Gott (Ilahi). Ich aber bin Dein Geschöpf (makhluq) und Dein Kunstwerk. Um dieser Verbundenheit willen und meiner Zugehörigkeit zu Dir,

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trotz meines grenzenlos unendlichen Ungehorsams und trotz meiner überaus großen Entfremdung von Dir und den Banden Deiner Güte (keramet) bitte ich Dich in der Sprache meiner Geschöpflichkeit: Oh mein Schöpfer (khaliq)! Oh mein Herr (Rabbi)! Oh mein Versorger (Rezzaq)! Oh mein Besitzer (Malik)! Oh mein Gestalter (Musauvir)! Oh mein Gott (Ilahi)! Ich bitte Dich um Deiner Schönen Namen, Deines gewaltigen Namens, Deiner weisen Unterscheidung (Furqan), Deines weisen Geliebten, Deines urewigen Wortes und um Deines gewaltigen Thrones willen Tausend und aberausend mal: "Sprich! Er ist Gott, der Einzige (Qul! Huva'llahu ahad)." Erbarme Dich meiner, oh Gott (Allah), oh mein Erbarmer (Rahman), oh Allbarmherziger (Hannan), Allgütiger (Mennan), Entlohner (Deyyan). Verzeih mir, oh Du alles Verzeihender (Ghaffar), Oh Bedecker (Settar)! Oh Du, der Du unsere Reue (Tauvab) entgegen nimmst! Oh Du, unser Wohltäter (vahhab)! Vergib mir! Oh Du, mein Freund (Vedud)! Oh Gnädiger Gott (Ra'uf)! Oh Du nachsichtiger Gott (ghafur)! Sei mir gnädig! Oh Mildtätiger (latif)! Oh Kundiger (Habir)! Oh Allhörender (Semi'), Allsehender (Basir)! Sprich mich los! Oh Du Nachsichtiger (Halim)! Oh Allwissender (alim)! Oh Freigiebiger (Kerim)! Oh Barmherziger (Rahim)! Führe uns den geraden Weg! Oh Du, unser Herr (Rabb) in Deiner Unabhängigkeit (Samad)! Leite (Hadi) uns auf rechter Bahn! Schenke uns nach Deinem Wohlgefallen! Oh Unvergleichlicher (Bedi'), ewig Beständiger (Baqi), Allgerechter (Adl)! Oh Er (ya Hu)! Belebe mein Herz (qalb) und erfülle mein Grab mit dem Lichte (Nur) des Glaubens (iman) und des Qur'an! Oh Du, unser Licht (Nur)! Oh Wahrhaftiger (Haqq)! Oh Lebendiger (Hayy)! Oh unser Halt (Qayyum) und unser Erhalter (Malik)! Oh König des Königreichs (Maliku-l'mulk)! Oh Majestätischer und Freigiebiger (ya dhu-l'djelali ve-l'ikram)! Oh Du, der Erste (Auwal) und der Letzte (Ahir)! Oh Du, der Offenbare (Dhahir) und der Verborgene (Batin)! Oh Allmächtiger (Qavi)! Oh Allvermögender (Qadir)! Oh unser Helfer (Maula)! Oh Allvergebender (Ghafir)! Allerbarmer aller Barmherzigen (erhame-r'Rahimin)! Ich bitte Dich um Deines gewaltigen Namens im Qur'an willen und (im Namen) Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, der Dein gewaltiges Geheimnis (sirr) im Buche der Welt (kitabu-l'alem) ist, dass du durch diese schönen Namen ein Fenster öffnest, durch das die Lichter des mächtigen Namens (envaru-l'ismi-l'adham) zu meinem Herzen (qalb) in meinem Leib und zu meinem Geist (ruh) in meinem Grab fließen. Und so werde denn diese Seite gleich einer Kuppel über meinem Grabe und diese Namen zu einem Fenster, durch das die Strahlen der Sonne der Wahrheit (haqiqah) zu meinem Geist (ruh) strömen. Mein Gott (Ilahi)! Ich wünsche mir, dass meine Zunge, die diese Namen immerwährend bis zum Tage der Auferstehung rezitiert. Und nimm sie nach mir anstelle von meiner ja nur vergänglichen Zunge an, als einen für ewig bleibenden Schmuck! Oh Gott, gewähre Friede und Segen unserem Herrn (Seyyidina) Muhammed so, dass du uns um dieses Segensgebets willen von allen Katastrophen und allen anderen fürchterlichen Zuständen verschonen mögest,

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uns mit allem versorgen mögest, dessen wir bedürfen, uns dadurch von all unseren Bosheiten reinigen und all unsere Sünden und Fehler verzeihen mögest! Oh Gott (Allah), der Du alle unsere Gebete entgegen nimmst! Schenke tausend und abertausend Mal Segen und Frieden unserem Herrn (seyyidina) Muhammed und seiner Familie, seinen Gefährten, seinen Helfern und Gefolgsleuten, die zu meiner Lebzeit (hayat) wie auch nach meinem Tode in jedem Augenblick dargebracht werden. Und schenke uns allen Segen dieser Gebete wie dieses so viele Male wie Augenblicke in meinem Leben, in denen ich ungehorsam (gegen Dich) gewesen bin! Verzeih mir, erbarme Dich meiner um all dieser Segensgebete willen in Deiner Barmherzigkeit, oh Barmherziger aller Barmhezigen. Amin.)}

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Anhang zu der Abhandlung "Der Kern"

Gefährten! Mit diesen, meinen schwerverständlichen Abhandlungen grabe ich nach einer ziemlich großen Sache. Aber weiß ich denn, ob ich sie überhaupt entdecken (keshfe) kann? Oder sie wird sich demnächst entdecken (inkishaf) lassen. Oder sie wird vielleicht erst später in Erscheinung treten. Ich versuche ihr einen Weg zu ihrer Entdeckung (keshfine) zu öffnen und ihr zu zeigen.

﴿ لاَ حَوْلَ وَ لاَ قُوَّةَ اِلاَّ بِاللّٰهِ ٭ حَسْبُنَا اللّٰهُ وَ نِعْمَ الْوَك۪يلُ ٭ نِعْمَ الْمَوْلٰى وَ نِعْمَ النَّص۪يرُ ﴾

{"Es gibt keine Macht noch Kraft außer bei Gott." "Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachwalter!" (Sure 3, 173) "Welch vorzüglicher Schutzherr und welch ein vorzüglicher Helfer!" (Sure 8, 40)}

بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلٰى نِعْمَةِ اْلاِيمَانِ وَ الْاِسْلاَمِ بِعَدَدِ قَطَرَاتِ اْلاَمْطَارِ وَ اَمْوَاجِ الْبِحَارِ وَ ثَمَرَاتِ اْلاَشْجَارِ وَنُقُوشِ اْلاَزْهَارِ وَ نَغَمَاتِ الْاَطْيَارِ وَ لَمَعَاتِ اْلاَنْوَارِ وَالشُّكْرُ لَهُ عَلٰى كُلٍّ مِنْ نِعَمِهِ فِى الْاَطْوَارِ بِعَدَدِ كُلِّ نِعَمِهِ فِى الْاَدْوَارِ وَ الصَّلاَةُ وَ السَّلاَمُ عَلٰى سَيِّدِ الْاَبْرَارِ وَالْاَخْيَارِ مُحَمَّدٍنِالْمُخْتَارِ وَ عَلٰٓى اٰلِهِ الْاَطْهَارِ وَ اَصْحَابِهِ نُجُومِ الْهِدَايَةِ ذَوِى الْاَنْوَارِ مَادَامَ الَّيْلُ وَ النَّهَارُ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen." "Dank sei Gott für die Gnadengabe des Glaubens und des Islam nach der Zahl der Regentropfen, der Wellen der Meere, der Früchte der Bäume und des Schmuckes der Blüten, der Gesänge der Vögel und der Strahlen der Lichter. Und Dank sei Ihm für alle Gaben in allen Umständen nach der Anzahl aller Gaben zu allen Zeiten. Segen und Frieden sei über dem Haupt aller Reinen und Guten, Mohammed, dem Auserwählten, seiner unbefleckten Familie und seinen Gefährten, den Sternen der Rechtleitung die das Licht der Erleuchtung tragen solange Tag und Nacht einander folgen."}

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Wisse, mein lieber Bruder!

Ein Gast kommt auf seiner Reise an vielen Plätzen und Wohnstätten vorbei. Doch die Sitten und die Verhältnisse, die er an jedem Ort seiner Wanderung antrifft, sind unterschiedlich.

Genauso kommt derjenige, der auf den Wegen Gottes wandelt, an verschiedenen Rängen, Stufen, Zuständen und Schleiern vorbei, welche jeder für sich mit seinen eigenen Umständen und Situationen verbunden ist. Wenn man diese Umstände und Vorhänge miteinander verwechselt und vermischt, verhält man sich falsch und macht einen Fehler. Hört z.B. ein Mann, der das Wiehern eines Pferdes in einem Stall und hört auch in einem hohen Schloss eine Nachtigall schlagen mit ihrem schönen Klang. Wenn er diesen Klang nicht von dem Wiehern eines Pferdes unterscheiden kann und dann erwartet, dass die Nachtigall wiehern soll, so täuscht er dabei sich selbst.

Wisse, mein lieber Bruder!

Einer der Gründe dafür, dass Menschen ihr irdisches Leben für schön erachten, findet sich in den Lichtern der Rechtleitung (hidayet nurlari), die sich in bedeutenden Menschen hier auf Erden (dunya) widerspiegeln und sich durch die Beispiele dieser liebenswürdigen und freundlichen (Menschen) in ihnen formen und durch sie erglänzen. Und so ist denn die Zukunft in der Tat ein Spiegel der Vergangenheit. Während aber die Vergangenheit (mit diesen Menschen) in ein Zwischenreich (berzah), d.h. in eine andere Welt hinüber geht und sich (auf diese Weise mit ihnen) verwandelt, vertraut sie ihre Form und Gestalt und ihre Welt dem Spiegel der Zukunft, {Die Zukunft der Menschen wird durch ihre Vergangenheit gefärbt.} der Geschichte und dem Gedächtnis der Menschheit an. Durch das innerliche (manevi), liebevolle (muhabbet) Andenken (an diese großen Menschen) erhält die

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Liebe zu dieser Welt (dunya muhabbeti) ihren Wohlgeschmack. Wenn z.B. ein Mann, der sich auf seinem Lebensweg wie in einem Spiegel, der die Bilder und Gestalten seiner Freunde und Verwandten in sich umfasst und an sie erinnert, nun nicht darum bemüht, in die Länder dieser Männer zu reisen, die in eine längst vergangene Zeit entschwunden sind, um sich ihnen dort anzuschließen, sich statt dessen mit den Gestalten in diesem Spiegel beschäftigt und sie liebt (muhabbet), so sagt dieser Mann, wenn er aus seinen Träumereien (ghaflet) erwacht: "Oh weh! Was mache ich da nur? Dies hier ist kein Trank (شَرَابْ - sharab), sondern ein Trugbild ( سَرَابْ - serab). Die Beschäftigung mit ihnen ist kein Festmahl ( عَذْبْ - adhb), sondern eine Qual ( عَذَابْ - adhab)." So beginnt er seine Vorbereitungen für eine Reise in jenes Land zu treffen (das einmal der Vergangenheit angehören wird, jenes Land eines abgelebten Lebens), um dort seine Freunde zu besuchen.

Wisse, mein lieber Bruder!

Dafür, dass der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, Recht (haqq) und Wahrheit (haqiqat) ist, gibt es folgende vollkommen sichere Beweise:

1. (Der Qur'an) fasst alle Erfordernisse und Voraussetzungen für die Einheit Gottes (tauhid) mit all ihren einzelnen Stufen zusammen und bewahrt sie (muhafaza).

2. Er hält die erhabenen Wahrheiten Gottes (haqaiq-i aliye-i Ilahiye) im Gleichgewicht, so wie die schönen Namen einander entsprechen und einander folgen (ohne zu übertreiben).

3. Er umfasst die Angelegenheiten, die Gottes Göttlichkeit (uluhiyet) und Herrschaft (Rububiyet) zu eigen sind, in vollkommener Ausgewogenheit.

So wie diese Besonderheiten des Qur'an in den Werken der Menschen nicht zu finden sind, so sind sie in den Ergebnissen der Gedanken (fikr) der Heiligen (auliya) und anderer bedeutender (Menschen), die in das Reich der Engel (melekut) hinüber gegangen sind, ebenso wenig zu finden.

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Selbst die Ishrakiyyun, die in das Innere der Dinge hinabgetaucht sind und die Geistlichen (Ruhaniyyun), die in die verborgene Welt (alem-i ghayb) eindringen, konnten diese Besonderheit (hasiyet) des Qur'an nicht erreichen. Da ihre Blicke (nazar) begrenzt waren, konnten sie die ganze Wahrheit (haqiqat-i mutlaq) nicht erfassen. Sie entdecken lediglich die eine Seite der Wahrheit und beginnen nun, sie bei weitem überzubewerten (ifrat) oder sie eben so sehr unterzubewerten (tefrit) und dementsprechend über sie zu verfügen. Daher stören sie auf diese Weise das Gleichmaß und beeinträchtigen so die Ausgewogenheit.

Ein Beispiel: Um einen kostbaren und besonders wertvollen Schatz zu entdecken, der aus verschiedenen Arten von Juwelen besteht, tauchen einige Männer auf den Boden des Meeres hinunter. Wärend sie auf dem Grunde des Meeres umher suchten, kommt einem von ihnen ein längliches Stück Diamant in die Hände. So gelangt er denn zu dem Urteil, dass der ganze Schatz ausschließlich aus solchen Diamanten bestehen müsse. Wenn er also nun von seinen Kameraden hört, dass sie über ganz verschiedene Arten von Juwelen sprechen, so stellt er sich vor, dass es sich bei den Juwelen, die sie entdeckt haben, um Verzierungen des Diamanten handeln müsse, den er gefunden hat. Ein anderer findet einen kugelförmigen Rubin. Wieder ein anderer Kollege findet wieder eine andere Art von Juwel und so glaubt ein jeder, dass der Schatz hauptsächlich aus der Art besteht, die er selbst entdeckt hat und dass es sich bei all den anderen Arten, die seine Kollegen gefunden haben, um irgendwelche Besonderheiten oder einzelne Teile des Schatzes handeln müsse. Da der Sachverhalt sich in dieser Art entwickelt hat, geht das Gleichgewicht verloren und wird das Ebenmaß gestört. Dann beginnen sie, um die Wahrheit (haqiqat) in dieser Angelegenheit zu entdecken und zu erläutern, mit eigenen Erklärungen und Auslegungen. Ja, es gab sogar solche, die soweit gingen, selbst die Existenz des Schatzes zu bestreiten.

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Wenn die Herren, die die Werke der Ishraqiyyun und der Mystiker studieren, die nur allzu schnell auf ihre eigenen Visionen vertrauen, ohne sie zuvor erst mit dem Maßstab der gelobten Sitte des Propheten zu messen, geben mir in der Tat recht (haqq) in bezug auf das, was ich oben gesagt habe und werden es ohne allen Zweifel bestätigen.

Mein lieber Gefährte! Auch der Qur'an taucht in dieses Meer, um diesen Schatz zu entdecken. Da aber das Auge des Qur'an dabei zugleich geöffnet bleibt, vermag er auch den ganzen Schatz umfassend zu erblicken. Dieser Tatsache (haqiqat) entsprechend folgt er dem Ebenmaß und der Ausgewogenheit und zeigt die Wahrheit (haqiqat) in volkommener Wohlordnung und Harmonie.

Mein lieber Gefährte! Der Grund für den Irrtum in den (verschiedenen) Gruppen der Menschheit, so sie in die unterschiedlichsten Irrtümer gestürzt sind, liegt in dem Fehler ihrer Vorbeter (imam). Denn wenn auch ihre Vorbeter von der inneren Welt gesprochen haben, so sind sie doch in der Tat vom rechten Wege (tariq) abgewichen, indem sie sich auf ihre Visionen verlassen und sich damit begnügt haben. So haben sie das Sprichwort bestätigt, das da lautet:

حَفَظْتَ شَيْئًا وَ غَابَتْ عَنْكَ اَشْيَآءُ

{"Du hast etwas behalten, doch vieles hast du wieder verloren."}

Wisse, mein lieber Bruder!

Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) hat dich aus dem Nicht-Sein (adem) ins Da-Sein (vudjud) gerufen und aus vielen verschiedenen Formen und Umständen heraus zur Gestalt eines Menschen mit seiner höchsten Eigenschaft, der Gottergebenheit (muslim) geführt. Jede einzelne der dir erwiesenen Wohltaten, all die verschiedenen Umstände, deine Wohnstätten, aber auch deine Gestalt und deine Haltung vom Beginn deiner ersten Regungen (= der Geburt) bis hin zu der letzten Form, die du heute angenommen hast, sind bereits in das Buch der Gnadengaben (nimetler defter) eingetragen. Aus diesem Grunde sind in der Zeit,

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die du bereits verbracht hast, die bereits abgespult ist, alle diese kostbaren Gnadengaben (nimet) gleich Diamanten an einander aufgereiht und bilden so die Form etwa einer Halskette, dem Inhaltsverzeichnis für alle Arten guter Gaben vergleichbar.

Daher wirst du bei jeder Wohnung, die du bekommen hast und auch nach allen Umständen, deiner Gestalt und Haltung gefragt werden: "Wie hast du diese Gnadengaben (nimet) erlangt? Womit hast du sie verdient? Hast du dich für sie dankbar (shukr) erwiesen?" Denn alle Dinge, die sich bereits ereignet haben, werden einer solchen Befragung unterzogen. Aber die Dinge, die noch im Bereich der Möglichkeiten verblieben sind (also Ereignisse, die sich noch gar nicht ereignet haben), werden auch nicht hinterfragt. Ereignisse, die bereits eingetreten sind, sind bereits eine Tatsache. Dahingegen verbleiben Umstände, die später erst eintreten werden, noch im Nicht-Sein (adem). Was bereits geschehen ist, muss auch verantwortet werden. Nach dem, was noch im Nicht-Sein verbleibt, kann auch nicht gefragt werden. Wenn das aber so ist, muss man seine Dankesschuld (shukr) für die Gnadengaben (nimet), für die zu danken (shukr) man in der Vergangenheit unterlassen hat, auch noch später abtragen (qadha).

Wisse, mein lieber Bruder!

Es gibt unter den Menschen folgende Umstände, die sie dazu treiben, sich kopfüber in ihr Unglück zu stürzen:

Ohne ihr tatsächliches Verdienst in Betracht zu ziehen, können sie das Recht, das ihnen zusteht, entweder über (ifrat) oder unter (tefrit) bewerten. Achtet man nicht auf die Kräfte (quvvet), die ihnen zur Verfügung stehen, oder lässt ihren Wert außer Acht und erteilt ihnen dabei eine ungleich kleine oder zu große Aufgabe, dann können sie dies als Menschen unwürdig empfinden. So verlieren diese Menschen ihre Menschlichkeit und gleiten ab in Ungerechtigkeit oder Lüge.

So wäre es z.B. ein gröblicher Mangel an Verständnis (insaf), wollte man von einem Soldaten, der gerade einmal

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tropfen wie in einem Spiegelbild bestimmte Eigenschaften (ausaf) der Sonne. Er kann selbst aber nicht mit diesen Eigenschaften (ausaf) ausgestattet (muttasif) sein.

Wisse, mein lieber Bruder!

Zwischen den verschiedenen Arten des Seins gibt es keine Probleme. Das heißt, sehr viele verschiedene Welten (alem) und unterschiedliche Verhältnisse können sich auf der Bühne des Seins zusammen finden und einander begegnen. Wenn du z.B. in ein Zimmer eintrittst, dessen Wände aus Glas sind und in dem eine Lampe brennt, wirst du in den Scheiben, die wie ein Fenster zur Welt der Beispiele (alem-i misal) sind, sehr viele Kammern und Zimmer sehen.

Zweitens:

Während du noch in dem Zimmer sitzt, kannst du in vollkommener Leichtigkeit in diesen spiegelgleichen Zimmern jede Art Veränderungen, Verwandlungen und Verfügungen vornehmen.

Drittens:

Die Lampe in deinem Zimmer steht der am weitesten entfernten Lampe im Spiegel am Nächsten. Denn sie ist die Quelle (qayyum) all dieser Spiegelbilder.

Viertens:

Ein Korn, ein Stückchen von diesem materiellen Sein, kann eine Welt von dieses spiegelhaften Seins in sich enthalten

Diese vier Feststellungen gelten auch zwischen dem Notwendigen (Vadjib) und der Welt der Möglichkeiten (alemi mümkinat). Denn das Sein der Möglichkeiten ist nur ein Schatten vom Lichte des Notwendigen hinsichtlich einer nur vorgestellten Stufe. Es tritt durch den Befehl (emr) des Notwendigen (Vadjib) in das äußerliche Sein (vudjud). Es bleibt fest und wird beständig. Das heißt, so wie das Sein

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der Möglichkeiten an und für sich kein wahres äußerlich sichtbares Sein ist, so ist es auch kein nur vorgestellter oder vergänglicher Schatten. Es ist einzig und allein ein Sein, das durch den, der da notwendiger Weise sein muss, erschaffen wurde (Vadjib-ul Vudjud'un idjadiyla bir vudjud).

Wisse, mein lieber Bruder!

So wie es unvorstellbar ist, dass diese schöne Welt keinen Besitzer (malik) hätte, so ist es auch unvorstellbar, dass Er sich den Menschen nicht mitteilen und bekannt machen könnte. Denn der Mensch sieht die Schönheit dieser Welt (alem), welche die Vollendung ihres Besitzers (malikin kemalati) offenbart. Er ist ein Kalif, der über den Globus, der für ihn als seine Wiege erschaffen wurde, so verfügt wie er will. Ja er arbeitet sogar, was den Himmel über unserer Erde (dunya) betrifft, mit seinem Verstand und bekam trotz seiner Kleinheit und Schwäche wegen seiner außergewöhnlichen, Staunen erregenden Taten den Titel eines Ehrenbürgers der Schöpfung (eshref-i makhluqat). Da er jedoch nur den Bruchteil einer Entscheidungsfreiheit (djuz-u ihtiyar) in seinen Händen hält, steht er mit seiner Verfügungsgewalt wie ein Herr (sahib) weitestgehend über allen bloßen Ursachen.

Daher ist es unbedingt notwendig, dass der wahre Eigentümer (Malik-i Haqiqi) sich durch seine Gesandten bei seinen durchaus bedeutenden, jedoch gottvergessenen (ghafil) Dienern vorstellt und ihnen zu erkennen gibt, damit sie über die Befehle (evamir) ihres Herrschers (Malik) und seinem Willen zu Seiner Zufriedenheit (mardiyet) in Kenntnis gesetzt werden.

Wisse, mein lieber Bruder!

Zwischen den verschiedenen Welten (alem), wie der Welt des Lichtes (ziya), der Welt der Wärme, der Welt der Luft, die Welt der Elektrizität und des Magnetismus, der Welt der Anziehungskräfte, der Welt des Äthers, der Welt der Bilder und Gleichnisse und der Welt des Zwischenreiches (berzah) gibt es keine Grenzen und keine drangvolle Enge. Diese Welten versammeln sich alle miteinander ohne alle Komplikationen und ohne sich aneinander zu reiben oder zu stoßen auf engstem Raum.

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Genauso ist auch das Zusammentreffen dieser so weitläufigen, verborgenen Welten (alem) auf dieser kleinen Erde möglich. Luft und Wasser sind in der Tat für die Bewegung des Menschen, Glas dem Durchscheinen des Lichtes (ziya), ja selbst die kompakte Materie für das Durchdringen der Röntgenstrahlen kein Hindernis. Auch für das Licht (Nur) des Verstandes, für den Geist (ruh) eines Engels, für den Einfluss der Hitze auf das Eisen und für den Fluss des elektrischen Stroms gibt es kein Hindernis.

Genauso gibt es in dieser kompakten Welt (alem) kein Hindernis, das die Geister (ruhani) in ihrem Umherschweifen, die Dschinnen in ihrem Umherwandern, die Teufel (sheytan) bei dem Einfluss, den sie zu nehmen versuchen und die Engel (melek), die uns im Leben begleiten, nicht überwinden könnten.

Wisse, mein lieber Bruder!

Für das Licht und alle lichtvollen Dinge (nurani sheyler), wie das Auge, die Lampe und die Sonne ist wenig oder viel, ein Bruchteil oder das Ganze, eins oder Tausend gleich. In der Tat! Betrachte die Sonne in allen glänzenden Dingen, wie die Planeten, die Meere und Teiche und die Wassertropfen zeigen sich ihre Spiegelbilder mit vollkommener Leichtigkeit. Genauso schreibt die urewige Sonne in diesem kosmischen Buch alle Kapitel, Abschnitte, Zeilen, Sätze und Buchstaben gleichzeitig und ohne Anstrengung. Bei der Wiederauferstehung nach dem Tode (ba'thu ba'de-l maut) handelt es sich um dieselbe Leichtigkeit. Der Ehrwürdige Qur'an sagt: "Eure Erschaffung und Wiederauferstehung ist genauso wie die Erschaffung und Wiederauferstehung einer einzigen Seele (nefs)."

Wisse, mein lieber Bruder!

Der Mann, der die Zellen des menschlichen Körpers studiert und beobachtet, wie sie sich teilen, vermehren und dabei andere veranlassen, sich ebenfalls zu vermehren, {Sobald ein Kind in der Gebärmutter heranwächst, muss auch die Gebärmutter zwangsläufig mit wachsen.} in Harmonie mit allen anderen und

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innerhalb ihrer (gottgegebenen) Grenzen, bis ihr Wachstum eines Tages zum Stillstand kommt, versteht, dass es einen Grenzwächter gibt, der an den Grenzen aller Dinge ständig in Bewegung ist und diese Zellen aufhält und in ihre Schranken weist. Er hindert diese Zellen daran, auszuwuchern. Was aber den Wächter betrifft, so ist er die Verkörperung eines allumfassenden Wissens (ilm), das diese Erscheinung (tedjelli) in eine Bestimmung (qader), die Bestimmung in ein Maß (miqdar), das Maß aber in eine Gussform umwandelt. Das aber heißt, dass für alle Dinge eine Gussform vorgegeben ist, die bestimmend ist für alle Zellen, die in ihr heranwachsen.

Wisse, mein lieber Bruder!

Sowie die Ayat des Qur'an einander kommentieren (tefthir), so erläutert auch ein Teil des Buches dieser Welt (alem) den anderen Teil. So wie z.B. die materielle Welt (maddiyat alem) mit einem wahrhaftigen Bedürfnis die Sonne braucht, um die Lichter der Gnadengaben Gottes (envari nimeti) des Gerechten (Djenab-i Haqq) zu sich heranzuziehen, braucht auch die Welt des Geistes (alem-i maneviyat) die Sonne des Prophetentums (shems-i nubuvvet), um die Lichter der Barmherzigkeit Gottes (rahmet-i Ilahiyenin ziyalari) zu empfangen. Daher ist das Prophetentum des ehrwürdigen Gesandten sicher (vazih) und ganz offensichtlich im Grade der Sicherheit und Offensichtlichkeit der Sonne (shemsin vuzuhu).

Wisse, mein lieber Bruder!

Die Früchte, die sich auf die eigene Existenz eines Lebewesens (dhihayatin vudjudu) beziehen, sind nicht nur für dieses selbst von Nutzen und nicht darauf beschränkt, sich selbst in ihnen zu vollenden (kemal) und den eigenen Fortbestand zu sichern. Nur ein Teil der Früchte (seines Lebens) ist dem Lebewesen selbst zu eigen. Der übrige, größte Teil, kehrt zu seinem Schöpfer (Khaliq) zurück. Der Anteil, der den Lebewesen (als sein Lebenswerk) zugehört, kommt erst nach einer langen Zeit zustande. Was aber den Anteil des Schöpfers betrifft, so kommt er unmittelbar zustande. So verweist ein Lebewesen z.B. dadurch auf seinen Schöpfer, dass in ihm (Gottes)

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Schöne Namen (esma-i husna) als Seine vollkommenen Eigenschaften (ausaf-i kemaliye) sichtbar (tausif) werden. Und so lobt (hamd) es Ihn denn in der Sprache seines Zustandes (lisan-i hal).

Wisse, mein lieber Bruder!

Ein einzelner Mensch gewinnt eine Art Ganzheit durch seine alles umfassende Vorstellungskraft (fikr), seinen Verstand (aql) und die Weite seines Herzens (qalb). Da ein einzelner Mensch zudem als Treuhänder der Schöpfung (Kalif) durch sein Bewusstsein (shuur) mit allen einzelnen Bestandteilen der Welt (alem) verbunden ist und über sehr viele Arten, seien es Pflanzen oder Tiere, wie ein Herr (sahib) verfügt, ist er einer Tierart gleich und gilt in Anbetracht dessen als einzelner Mensch soviel wie eine ganze Tierart. Daher gelten die Wiederversammlungen, wie sie bei manchen Tieren oder verschiedenen Arten von Früchten immer wieder zustande kommen, gleich der alljährlichen Auferstehungen und Wiederverbreitung der Insekten, wie des Ungezifers alljährlich geschehen, auch für jeden einzelnen Menschen.

Zusammenfassung:

So wie es anhand der Ayat des Qur'an sichere Beweise dafür gibt, dass für die Söhne des Menschen eine große Auferstehung kommen wird, so gibt es auch durch die Seinszeichen (ayat) im Buche der Welt (alem) wiederum ganz sichere Beweise und Hinweise für eine große Auferstehung.

Wisse, mein lieber Bruder!

Wenn du der Rezitation des ehrwürdigen Qu'ran lauschst, kannst du dabei auf verschiedene Weisen zuhören:

1. Während der ehrwürdige Gesandte (rasul), mit dem Friede und Segen sei, von der Kanzel des Prophetentums (nubuvvet) herab die Menschheit anspricht und die Ayat des Qu'ran verkündet, richte dein Ohr, um seinen Vortrag mit ganzem Herzen (qalb) hören zu können, in deiner Vorstellung auf ihn und vergegenwärtige ihn so in deiner Vorstellung, dass du (seine Worte) hören kannst, als würden sie gerade eben seinen segensreichen Mund verlassen.

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2. Oder versetze dich in die Situation, in der die beiden Exzellenzen (Hazret) lernend und lehrend (einander begegnen) und du könntest hören, wie der Erzengel Gabriel (Djibril, mit dem der Friede sei) Hazret Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, unterweist.

3. Oder versetze dich in deiner Vorstellung in die Situation, wo du hören könntest, wie der urewige Sprecher (Mütekellim-i Ezeli) sich auf der Stufe der Zwei Bogenlängen (Kab-i Kauseyn maqami) hinter siebzigtausend Schleiern dem ehrwürdigen Gesandten zuwendet (tekellümü), mit dem Friede und Segen sei.

Wisse, mein lieber Bruder!

Das Verhältnis zwischen dir, deinem Bewusstsein (shuur) und deinem Wissen (ilm) entspricht dem zwischen deinen Umständen und deinen Bedürfnissen. Denn zwischen der Ursache (sebeb) und seiner Wirkung (müsebbeb), zwischen der Kraft (quvvet) und der Arbeit (amel) muss es eine Beziehung (münasebet) geben. Es kann nicht mehr und nicht weniger sein. Im Vergleich mit (der ganzen Breite) der Sichtweise (nazar) und dem Wissen (ilm), mit dem dein Schöpfer (Khaliq) über dich (verfügt), ist dein eigenes Bewusstsein (shuur) und dein eigenes Wissen (ilm) über dich selbst nur so dünn wie ein Haar. Sei daher nicht wie ein Glühwürmchen, das im Sonnenschein eines helllichten Tages gegen das Licht der Sonne anzukämpfen versucht, indem du mit deinem winzig kleinen Wissen (ilim) und Bewusstsein (shuur) gegen das Wissen (ilim) und die Leuchtkraft (ziya) der urewigen Sonne (Shems-i Ezeli') anzutreten versuchst!

Wisse, mein lieber Bruder!

Die Taten (ef'al) Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq) entsprechen einander. Seine Werke ähneln einander. Seine Namen ergänzen einander und weisen auf einander hin, Seine Eigenschaften (sifat) sind miteinander verschlungen, die Wirkung (shuunat) (Seiner Namen) ist vielseitig; und dennoch hat jeder (Name) seine charakteristischen Merkmale, deren unmittelbare Absicht jeweils ein besonderes Merkmal ist. Was dann die übrigen Merkmale betrifft, so sind diese zweitrangig. Wenn du daher, die Werke

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des Schöpfers (Khaliq), z.B. die unbelebte Natur betrachtest, stelle dir die Größe (azamet) und Allmacht (qudret) Gottes in den Mittelpunkt deiner Betrachtungen und denke dabei daran, dass alle übrigen Namen daneben zweitrangig sind. Betrachtest du hingegen die Tiere, so betrachte sie mit den Augen der göttlichen Barmherzigkeit (merhamet). Die übrigen Erscheinungsformen (der Namen Gottes) betrachte dann der Reihe nach.

Wisse, mein lieber Bruder!

Der ehrwürdige Qur'an ist Gottes Barmherzigkeit (rahmet) für alle Menschen. Denn von dieser tatsächlichen Welt (haqiqi alem) macht sich ein jeder Mensch seine ihm eigene Welt, so wie er sie sich vorstellt (hayali bir alem). Und so hat jeder auch seinen eigenen, ganz speziellen Qu'ran, so wie er den Qur'an, seinem eigenen Temperament (meshreb) entsprechend versteht und aus seinem Gedächtnis (hafidh) entnimmt, seinen Geist (ruh) damit heranbildet und sein Herz (qalb) in ihm heilt.

Des Weiteren ist eine Besonderheit des ehrwürdigen Qur'an die folgende: Alle Gelehrten (ulema) und jeder andere kann entsprechend seiner eigenen Schule (ehl-i meshreb) um seiner rechten Leitung (hidayet) und Heilung (shifa) willen verschiedene Ayat aus verschiedenen Suren entnehmen. Denn zwischen jeder Ayah und den anderen Ayat im Qur'an gibt es eigene, sehr feinsinnige Zusammenhänge und verbindende Aspekte. Zwischen ihnen gibt es keine Fremdheit. Aus diesem Grund gleichen die Ayat, die aus verschiedenen Suren zusammengestellt wiederum einem kleinen Qur'an.

Wisse, mein lieber Bruder!

لاَ حَوْلَ وَ لاَ قُوَّةَ اِلاَّ بِاللّٰهِ

{"Es gibt keine Macht noch Kraft außer bei Gott."}

Dieser heilige (muqaddes) Satz bezieht sich auf die Entwicklungsformen und Lebensumstände des Menschen, angefangen bei der Entstehung einer Zelle, die heranwächst,

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bis sie schließlich die Gestalt eines gläubigen Menschen annimmt, beginnend bei der unbelebten Natur, über pflanzliche und tierische bis hin zu den Formen menschlicher Gestaltung. Während dieser verschiedenen Phasen ist der Mensch in all seinen Empfindungen (letaif) sehr vielen Leiden und Hoffnungen ausgesetzt. Darüber hinaus wird in dem obigen Satz nicht erwähnt (dhikr), auf welche Zusammenhänge sich Macht (haula) und Kraft (quvvah) beziehen und bleiben daher für sich allein. Deshalb spendet dieser Satz Trost und wird, den Zusammenhängen (maqam) entsprechend, im Rahmen ihres Sinngehaltes ausgelegt (tefthir), z.B.

1.

لاَ حَوْلَ عَنِ الْعَدَمِ وَ لاَ قُوَّةَ عَلَى الْوُجُودِ

Es gibt weder eine Macht, um aus dem Nicht-Sein (adem) heraus zu treten, noch eine Kraft ins Dasein (vudjud) zu gelangen, außer bei Gott.

2.

لاَ حَوْلَ عَنِ الزَّوَالِ وَ لاَ قُوَّةَ عَلَى الْبَقَآءِ

Es gibt weder eine Macht, um vor dem Ende verschont zu bleiben, noch eine Kraft zur Beständigkeit, außer bei Gott.

3.

لاَ حَوْلَ عَنِ الْمَضَرَّةِ وَ لاَ قُوَّةَ عَلَى النَّفْعِ

Es gibt weder eine Macht, um vor Schaden bewahrt zu bleiben, noch eine Kraft, um einen Nutzen zu erlangen, außer bei Gott.

4.

لاَ حَوْلَ عَنِ الْمَصَآئِبِ وَ لاَ قُوَّةَ عَلَى الْمَطَالِبِ

Es gibt weder eine Macht, um sich vor Unglücksfällen zu schützen, noch eine Kraft, um sein Verlangen zu stillen, außer bei Gott.

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5.

لاَ حَوْلَ عَنِ الْمَعَاصِى وَ لاَ قُوَّةَ عَلَى الْعِبَادَةِ

Es gibt weder eine Macht, um sich vor dem Ungehorsam zu retten, noch eine Kraft, um den Dienst und die Anbetung Gottes zu verrichten, außer bei Gott.

6.

لاَ حَوْلَ عَنِ النِّقَمِ وَ لاَ قُوَّةَ عَلَى النِّعْمَةِ

Es gibt weder eine Macht, um sich vor dem Bösen zu retten, noch eine Kraft, um Wohltaten (nimet) zu erlangen, außer bei Gott.

7.

لاَ حَوْلَ عَنِ الظُّلْمَةِ وَ لاَ قُوَّةَ عَلَى النُّورِ

Es gibt weder eine Macht, um sich vor der Finsternis zu schützen, noch eine Kraft zum Licht (Nur), außer bei Gott.

Und dergleichen kann man (in den obigen Satz) je nach dem Zusammenhang den Empfindungen des Menschen entsprechend alle Übel der Welt einfügen und positiv ergänzen (tefthir).

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Ergänzung zum Anhang

﴿ بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ﴾

{"Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen."}

Wisse, mein lieber Bruder!

Aus dem Munde einiger Menschen kommen drei Behauptungen in Umlauf, die von ihrer Anzahl her nur wenig, von ihrem Wert her dagegen sehr bedeutend sind.

Erstens:

Alles hat sich aus sich selbst heraus entwickelt.

Zweitens:

Der Erschaffer und der Bewirker sind dafür die Ursachen.

Drittens:

Dies erfordert die Natur.

Höre nun die Erklärung dazu, dass diese drei Worte sehr viele Unmöglichkeiten in sich enthalten.

Das Dasein (maudjud) des Menschen ist eine Tatsache. Der ersten Behauptung zufolge ist der Mensch zugleich der Künstler als auch sein Kunstwerk.

Die zweite Behauptung besagt, dass der Mensch ins Dasein (vudjud) gelangte, weil die Ursachen dies bewirkten.

Der dritten Behauptung entsprechend stellt sich der Mensch als ein Werk vor, dass die Natur erschaffen hat.

Was den vierten Aspekt betrifft, so ist er der Mensch ein Geschöpf Gottes wie Recht (haqq) und Wahrheit (haqiqa) es erfordern.

Die erste Behauptung enthält unzählbar viele Unmöglichkeiten:

1. Der ersten Behauptung zufolge ist es notwendig, dass eine jede Zelle, aus der einmal ein Mensch werden soll, über ein Auge, ein Wissen (ilim) und andere notwendige Dinge verfügen können muss, um sowohl das Innere des Menschen als auch die Natur (kainat), von der er lebt, sehen und erkennen zu können.

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2. Es sind so viele Gussformen notwendig, wie Zellen gebildet werden sollen, entsprechend der Zusammensetzung der verschiedenen Organsysteme des menschlichen Körpers, genauso, wie viele Gussformen notwendig sind, um in einer Druckerei die verschiedenen Buchstaben setzen zu können.

3. Gleich den Steinen einer Arkade, die von allen anderen gehalten werden, als auch allen anderen Halt geben, muss auch jede einzelne Zelle im menschlichen Körper alle anderen stützen (hakim), als auch von ihnen unterstützt (mahkum) werden. Ebenso sind alle Zellen zwar voneinander verschieden, jedoch auf einander abgestimmt, zwar in sich vollkommen, jedoch untereinander voneinander abhängig.

Die Unmöglichkeiten der zweiten Behauptung:

1. Die Basisstoffe des Menschen, d.h. die Stoffe, aus denen ein Mensch zusammengesetzt ist, sind Stoffe, gleich unterschiedlichen, ganz verschiedenen, voneinander getrennten, abgesonderten Heilmittel, die verschlossen und versiegelt sind wie in einer Apotheke. Wäre es möglich, dass diese Heilmittel, ohne von jemandes Hand berührt zu werden, nach Maß und Notwendigkeit, in vollkommener Wohlordnung und Ausgewogenheit selber aus ihren Gläsern hervortreten und sich zu einer lebensfähigen Gestalt zusammen fügen, so könnte man sagen: es ist möglich, dass auch der Mensch ohne seinen Schöpfer und allein aufgrund irgendeiner Ursache aus einer unbelebten Materie hervorgetreten wäre.

2. In dem gleichen Grade der Unmöglichkeit, dass etwas in vollkommener Wohlordnung, durch unzählbar viele blinde, taube Ursachen ohne Leben und Bewusstsein entstanden sein könnte, ist es auch unmöglich, dass ein Mensch ohne einen Schöpfer aus diesen Substanzen hervorgegangen sein könnte. Darüber hinaus haben es materielle

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Ursachen nur mit Dingen zu tun, die sie von außen berühren können. Sie haben keinen Einfluss auf die anmutigen, feinsinnigen und einzigartigen Ornamente und Kunstwerke (die Organe) im Innern eines Menschen.

3. Dem Erfordernis einer solchen Behauptung entsprechend würde die Versammlung dieser unzählbar vielen Ursachen in vollkommenem Einklang und in Ausgewogenheit, der Notwendigkeit angemessen, in jedem Atom und in jeder Zelle notwendig. Eine solche Versammlung aber würde heißen, dass die Welt (alem) mit all ihren Bestandteilen und Grundsätzen samt ihrer Größe in deine Hand kommen und sich dort versammeln müsste.

Denn falls die Ursachen des Menschen Meister (ustadh) wären, müssten sie, in Anbetracht dessen, dass alle Bestandteile und Grundsätze der Welt (alem) mit dem Menschen verbunden sind, auch bei der Konstruktion eines Menschen tätig und sein Meister (= seine Ursache) sein. Ein Meister aber arbeitet an einer Sache, nachdem er sich in sie vertieft hat. In diesem Falle also müssten sich alle Bestandteile der Welt in einer einzigen Zelle des Menschen versammeln können. Das aber ist eine solche Unmöglichkeit, dass sie sogar die unmöglichste aller Unmöglichkeiten ist.

Die Unmöglichkeit und Unhaltbarkeit der dritten Behauptung:

Die Natur hat in der Tat zwei Aspekte. Der eine ist die rein äußerliche (dhahiri), was aber von den Leuten der Gottvergessenheit (ghaflet) und des Irrtums (dalalet) für die Wahrheit angesehen wird. Der andere aber ist die innere (batini), die ein Kunstwerk Gottes und die Farbe des Erbarmers (Rahman) ist. Was aber die Kraft (quvvet) betrifft, die der Natur hinzu behauptet wird, so ist sie eine Erscheinung der Macht des allweisen und allwissenden Schöpfers (Khaliq-i Hakim-i Alim djilve-i qudret). Der blinde Zufall und die Ursachen in ihrer Übereinstimmung, welche die Leute der Gottvergessenheit (ghaflet) für ihren Schöpfer (sani') halten und

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der Natur anhängen, sind eine Illusion, die aus ihrem Irrglauben entsteht und eine Erfindung des Teufels ist. Denn wenn diese so außergewöhnlich wundervollen Kunstwerke nicht einzig und allein durch die Hand der Macht des Allwissenden und Allsehenden (Khabir-i Basir'in yed-i qudret), der mit allen vollkommenen Eigenschaften (ausaf-i kemaliye) ausgestattet ist, entstanden sein sollten, wie in meinen verschiedenen Werken bereits auf eine zuverlässige Weise bewiesen wurde, wurde dann etwa dieses Hemd, das der Schöpfung übergezogen wird, durch die kompakte, leblose, begrenzte, armselige (miskin) Hand der Möglichkeiten angefertigt? Oder haben etwa Mücken oder Schildkröten diese schönen Konstruktionen und Ornamente, die den Welten (alem) übergezogen werden, gemacht? Nein und abermals nein!...

Unter allen Menschen und Dingen gibt es in der Tat so viele Zeugnisse (shahid) wie es (in dieser und in jener Welt) Vorhandenes (maudjudat) gibt, dass es ein Kunstwerk des urewigen Schöpfers (Sani'-i Ezeli') ist. Zum Beispiel:

1. Die Schöpfung (kainat). Die Schöpfung bezeugt (shehadet) in der Tat (ihren Schöpfer) mit 55 Zungen, {eine Erklärung findet sich in der Abhandlung "Tropfen (Katre)"} mit allen Atomen und allem, was sich aus ihnen herangebildet hat (mürekkebat).

2. Der Qur'an. In der Tat sind der Qur'an, alle Propheten (enbiya), alle Heiligen (auliya), die Bücher der Monotheisten (muvahhidin) und die Ayat aus der Erschaffungsakte und des Seins auf der Seite (sahife-i kaun) von der Erschaffung und dem Daseins (tekvin) berechtigte Zeugnisse (adil shahid) dafür, dass sie der Schöpfer (Khaliq) erschaffen hat.

3. Der Führer aller Geschöpfe, der Gesandte Gottes und alle Propheten, Heiligen und Engel, sie alle machen gemeinsam ihr Zeugnis (ilan-i shehadet) bekannt, dass Gott (Allah) der Schöpfer aller Dinge ist.

4. Menschen und Dschinnen sind mit ihren angeborenen Bedürfnissen (ihtiyacat-i fitriye) {Gott als der Herr der Welt schenkt uns alles, was wir an Nahrung und Kleidung benötigen.} auf ihre Art dafür Zeugen (shahid).

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5. Gott (Allah) selbst bezeugt (shehadet), dass Gott Seine Gottheit (uluhiyet) und Sein Schöpfertum (Khallakiyet) zu eigen ist und Ihm einzig und allein gehört.

Gefährte! Die Frage der Zuschreibung eines Kunstwerkes entweder auf (verschiedene) mögliche (Ursachen), um noch einmal auf die oben erwähnten drei Aspekte zurück zu kommen, oder aber auf den Notwendigen (Vadjib), so wie Recht und Wahrheit (haqq) es erfordern, gleicht der Frage nach den Früchten eines Baumes. Es ist dies wie folgt: Werden die Früchte dieses Baumes der Einheit (vahdet) zugeschrieben, dann heißt das: Nach dem Gesetz des Wachsens und Gedeihens entsteht dieser Baum aus einem Samenkorn, aus dem der Stamm nach oben und die Wurzeln nach unten wachsen. Das Samenkorn tritt auf den Befehl zu sein (evamir-i tekviniye) in Erscheinung. Dieser Seinsbefehl wird durch den Befehl (emr): "Sei كُنْ (kun)!" erteilt. Der Befehl: "Sei!كُنْ " wiederum geht von dem Einen, notwendiger Weise Seienden (Vahid-i Vadjib) aus.

Hier ist die Erschaffung dieses Baumes mit all seinen Bestandteilen, Blättern, Ästen, Zweigen und Früchten ebenso leicht und einfach wie die einer einzigen Frucht. Denn nach dem Prinzip der Einheit (vahdet) gibt es keinen Unterschied zwischen einem Baum mit einer winzig kleinen Frucht und einem sehr großen Baum mit vielen Früchten. Diese Unterschiedslosigkeit erwächst aus der Leichtigkeit in der Einheit (vahdet) einerseits und aus der Schwierigkeit in der Vielheit (kethret) andererseits.

Wenn man (den Baum) aber einer Vielheit zuschreibt (kethrete isnad), dann müssen für (das Wachstum) jeder Frucht, jeder Blüte, jeden Blattes, jeden Astes und Zweiges alle (dazu notwendigen)

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Ursachen gegeben und die (erforderlichen) Werkzeuge und Geräte usw. vorhanden sein, wie sie für die Entstehung eines (ganzen) Baumes notwendig sind. Denn (der Baum) als Ganzes ist auch in jedem seiner Teile enthalten. Was für ihn notwendig ist, ist auch für sie alle notwendig. Bei diesem Sachverhalt gibt es keine andere Möglichkeit außer diesen beiden. Die eine ist notwendig (vadjib), die andere aber ist unmöglich.

Zusammenfassung:

Führt man die Entstehungsursache einer Zelle auf (diese Zelle) selbst zurück, dann wäre es notwendig, die Eigenschafen, welche überall auf der ganzen Welt (kainat) anzutreffen sind, auf sich selbst zu konzentrieren. Sollten irgendwelche Ursachen die Entstehung einer Zelle bewirken, müssten sich alle Ursachen der Welt (alem) in dieser Zelle versammeln. Könnte aber in einer Zelle, in der noch nicht einmal Platz für die beiden Fühler einer Mücke zu finden wäre, genügend Raum für die Kommandozentrale zweier Götter (iki ilahin tasarrufu) sein? Keineswegs!

Darüber hinaus findet sich in allen Dingen, angefangen von einer Zelle bis hin zur ganzen Welt (alem) eine gewisse Art von Einheit (vahdet). Wenn aber das so ist, kann auch der Schöpfer (Sani') nur ein einziger (vahid) sein. Denn Einheit (vahid) entsteht nur aus einer Einheit. Des Weiteren kann etwas, so groß wie ein Korn, die Sonne mit all ihrem Licht (ziya) und ihren Farben als Spiegelbild in sich zeigen. Aber als Ursprung kann ein Korn nicht einmal zwei Körner in sich tragen und ihnen als Ursprung dienen. Des Weiteren ist ein äußerliches Sein noch stabiler und noch fester als das Sein eines Spiegelbildes. Ein Punkt eines äußerlichen Seins kann einen Berg aus dem Sein eines Spiegelbildes beinhalten. Genauso ist das Dasein des notwendig Seienden (vudjud-u vudjubi) noch stärker, noch dauerhafter und noch fester. Ja vielmehr geht das äußere Sein (vudjud-u haridji) aus dem wahren Sein (vudjud-u haqiqi) hervor.

Darüber hinaus sind die Formen des möglichen Seins (imkani vudjud),

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die im allumfassenden Wissen des Urewigen (ilm-i muhit-i ezeli) in Erscheinung treten, Spiegelungen und Reflexionen der lichtvollen Erscheinungen (tedjelliyat-i nuriye) des notwendigen Seins (vudjud-u vudjubi). Wenn das aber so ist und das Wissen des Urewigen (ilm-i ezeli) ein Spiegelbild des möglichen Seins (imkani vudjud) ist, so ist das mögliche Sein auch ein Spiegelbild des notwendige Seins. Doch selbst dann, wenn alle möglichen Seinsformen bereits aus dem Wissen des Urewigen in das äußere Sein (vudjud-u haridji) übergegangen sind, können sie selbst dann noch nicht die Stufe des wahren Seins (vudjud-u haqiqi) erlangen.

Wisse, mein lieber Bruder!

Ein Mann, der auf dem Platz des Seins (kaun) und des Daseins (vudjud) steht, und von dort den Ablauf der Ereignisse in der Welt (ahval-i alem) betrachtet, begreift sofort intuitiv, dass, sowie Aktion und Handlung, die Eigenschaft der feinen (latif), lichtvollen (nurani), abstrakten Dinge ist, so auch Reaktion und die Fähigkeit, sich bewegen zu lassen, eine Eigenart materieller, kompakter Körper ist. Als Beispiel betrachte in der Tat das Licht (Nur) am Himmel und diesen riesigen Berg hier auf der Erde! Das Licht (Nur) dort droben am Himmel ist zugleich auch auf der Erde mit seinen Strahlen (ziya) tätig und aktiv. Der Berg hier unten aber sitzt trotz seiner Größe passiv an seinem Platz. Er hat weder eine Wirkung noch verrichtet er eine Handlung.

Des Weiteren wird aus den Handlungen, welche die einzelnen Dinge bewegen, verständlich, dass das, was fein und lichtvoll ist, mit Recht verdient, die Ursache der Bewegung und damit aktiv genannt zu werden. Mit dem Grade ihrer Kompaktheit aber nähern sich (die Dinge) einer Stufe der Passivität und sind aus diesem Grunde verursacht. Daraus wird ersichtlich, dass der Schöpfer (Khaliq), der die äußerlichen Ursachen (esbab-i dhahiriye) und alles, was verursacht wurde, erschaffen hat (müsebbebatin mudjidi), allein das Licht aller Lichter (Nur-ul Envar) und der urewige Meister (Sani'-i Ezeli) ist.

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Wisse, mein lieber Bruder!

Nachdenken (tefekkur) beseitigt die Gleichgütigkeit (ghaflet). Aufmerksamkeit und Besinnlichkeit vertreibt die Finsternis irriger Vorstellung. Wenn du aber über dich selbst, über deine innere Welt (batin) und über deine persönliche Situation nachdenkst, so durchforsche dich (nefs) gründlich und bis in deine tiefsten Tiefen! Wenn du aber über die Ereignisse und die Angelegenheiten dieser Welt, die äußeren (afaki) Zustände und ganz allgemein die Situation in ihr nachdenkst, verschaffe dir nur einen kurzen Überblick und verliere dich nicht in Einzelheiten! Denn der Wert und die Schönheit, die in der Kürze einer Zusammenfassung liegt, finden sich nicht in den Einzelheiten. Außerdem gleicht das Nachdenken über die Ereignisse dieser Welt einem Fass ohne Boden und einem uferlosen See. Tauche nicht in ihm, sonst wirst du dich in ihm verlieren und ertrinken.

Gefährte! Wenn du über dich selbst (nefs) lange und gründlich nachdenkst (tefekkur), über die Ereignisse in der Welt (afaki) jedoch nur in aller Kürze, näherst du dich der Einheit (vahdet). Tust du aber das Gegenteil, verlierst du über der Vielzahl leicht den Überblick. Und über deinen Illusionen verlierst du den Boden unter den Füßen. Dein Ego (enaniyet) bläht sich auf. Deine Gottvergessenheit (ghaflet) gewinnt an Kraft (quvvet) und verwandelt sich in deine zweite Natur. Das also ist der Weg der Vielheit, der dich in den Irrtum (dalalet) führt.

Wisse, mein lieber Bruder!

Wie unwissend (djahil) und gottvergessen (ghafil) ist doch der Mensch! Wie weit verirrt er sich doch auf seinem Wege, sodass er sich am Ende selbst (nefs) schadet. Er missachtet eine große bedeutende Wohltat (menfaat), die ihm in neunfacher Hinsicht einen sicheren Gewinn brächte, wenn er fälschlicher Weise auch nur in einer einzigen Hinsicht einen Verlust befürchtet und verfällt auf diese Weise einem Irrtum. So verlässt er in der Tat um dieses einen einzigen Zweifels eines Sophisten willen den Weg der Rechtleitung (hidayet), obwohl es doch Tausende Beweise für (den Vorteil gibt, die dieser hat).

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Dagegen ist der Mensch sehr argwöhnisch und besonders umsichtig und zögert in einer geschäftlichen Angelegenheit, selbst wenn es sich dabei auch nur um ein Risiko von zehn Prozent ginge. Handelt es sich hingegen um jenseitige Güter, so zögert er nicht, einen Verlust von neunzig Prozent hinzunehmen (nur um sein weltliches Leben in dieser Weise fortsetzen zu können). So weit kann ihn also seine Unbesonnenheit (djehalet) noch führen!

Wisse, mein lieber Bruder!

Der Geist (ruh) des Menschen ist von unzählbar vielen Bedürfnissen geplagt und unzählbar vielen Leiden ausgesetzt. Er verlangt nach grenzenlos vielen Genüssen. Er nährt unbeschränkt viele Hoffnungen. Sogar die Liebe (shefqat), die sich allen Irrtümern des Herzens (qalb) zum Trotz aus ganzer Seele (ruh) speist, wird weiterhin von unendlich viele Leiden heimgesucht. Aus diesem Grunde hast du kein Recht, zu fragen: "Was bin ich? Welchen Wert habe ich, sodass meinetwegen die Welt untergehen, die Waage aufgestellt und die Abrechnung statt finden sollte?"

Oh du, der du voller Stolz (kemal-i gurur) auf dem Stuhl deines Irrtums (dalalet) sitzt! Sei nicht so stolz auf dein Leben (hayat)! Denn dieses Leben beruht auf einem Trugschluss. Es ist dies folgendermaßen: Wenn sich der Irre(geleitete) (dall), der auf diesem Stuhl sitzt, an all die Entsetzlichkeiten seines Untergangs und Vergehens erinnert und sich davor fürchtet, so flieht er in die Möglichkeit einer ewigen Glückseligkeit (saadet-i ebedi), kommt den Verpflichtungen seines Glaubens (tekalif-i diniye) nicht weiter nach und flieht dabei zu der Möglichkeit, dass es gar kein Jenseits (akhiret) gibt. Durch diesen Trugschluss verschont er sich vor beiden Leiden. Jedoch in kurzer Zeit löst sich der Knoten und kommt die Wahrheit (haqiqat) zutage. Weder die erste Möglichkeit beseitigt sein Leid, noch erleichtert ihm die zweite Möglichkeit seine Last.

Des Weiteren entflieht er wiederum seiner Last, indem er sagt: "Wenn ein Unglück allgemein verbreitet ist, wird der Schmerz leichter. Ich bin wie Meinesgleichen." Wenn jedoch ein Unglück allgemein verbreitet ist, vervielfacht sich

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der Schmerz noch um ein Mehrfaches. Denn genauso wie er selbst, sind auch seine Verwandten und seine Freunde von diesem Unglück betroffen. Denn der Geist (ruh) des Menschen ist mit den Söhnen seiner Art verbunden. Je mehr ein Unglück sich allgemein verbreitet, umso stärker wächst auch das Leid.

Oh du Armseliger, der du dich im Anblick des Zweifels, im Schatten deiner Gottvergessenheit (ghaflet) zur Ruhe gesetzt hast! Betrachte die Freude, die du in der Kühle deiner Gottvergessenheit und deines Zweifels genießt, nicht als eine Freude! Sie ist vergifteter Honig. In kurzer Zeit wird sie sich in höllische Qual verwandeln. Wenn du dir wünschst, dass dein Leid in Freude, das Feuer (deiner Qual) in Licht verwandelt wird, beuge deinen Haupt zu denden fünf Gebetszeiten in der Verneigung (ruku) und Niederwerfung (sudjud), entleere deinen Kopf und fülle ihn neu mit dem Glauben (iman)! Dann befolge (itaat) die Ayat und sinne über sie nach (tefekkur), sodass die Schleier des Zweifels und der Gottvergessenheit zerrissen werden, aus der Bitternis deines Irrtums (dalalat) die Süßigkeit der Errettung (nedjat) offenbar wird und sich dir die Freude des Bittgebetes (munadjat) zeigt.

Wisse, mein lieber Bruder!

Unserem Dienst und der Anbetung Gottes (ubudiyet) liegt einzig und allein die Hingabe (teslimiyet) an Gott zugrunde. Nicht seine Probe oder Prüfung. Denn unser Herr (Seyyid) und Meister (Efendi) kann seinen Diener (abd) auf die Probe stellen und ihn prüfen, der Diener jedoch hat nicht das Recht, seinen Herrn (Seyyidina) zu prüfen. Genauso kann der Mensch seinen Herrn (Rabb) und Schöpfer (Khaliq) nicht auf die Probe stellen.