Briefe aus Kastamonu
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Es handelt sich hier um zwei Dinge:

Thema eins: Hier die wichtigste Aufgabe derer, die sich mit der Risale-i Nur befassen, sie niederschreiben oder abschreiben lassen und so zu ihrer Verbreitung beitragen: Wer sie schreibt, oder schreiben lässt oder sie liest, der empfängt den Namen eines "Schülers der Risale-i Nur". In diesem Namen nimmt er vierundzwanzig Stunden täglich vielleicht hundert Mal und manchmal noch mehr an den Segnungen meiner Gebete teil, die ich mit meinen eigenen Worten verrichte. Er hat seinen Anteil an den geistigen Schätzen und bekommt wie Tausende meiner kostbaren Brüder, die beten, wie ich bete und alle Risale-i Nur-Schüler seinen Anteil an ihren Gebeten und Verdiensten.

Ich schwöre und versichere: Wer eine kleine Risala niederschreibt und sie dabei selbst versteht, ist mir so wie einer, der mir ein großes Geschenk gemacht hat. Ja, jede einzelne Seite macht mich genauso glücklich wie ein Okka (= 1 kg) Zucker.

Thema zwei: Leider versetzen die Feinde der Risale-i Nur unter Dschinnen und Menschen, die keinen Glauben haben und kein Erbarmen kennen, weil sie nun einmal der Kraft eines solchen Zeugnisses, das fest ist wie Burgen aus Stahl und stark wie ein diamantenes Schwert, nichts entgegenzusetzen haben, ihre Schläge durch besonders geheime Intrigen und mit noch anderen, versteckten Methoden, über die man nichts erfährt. Sie möchten damit den Schreibern ihre Freude an der Arbeit verderben, ihnen den Mut nehmen und sie vom Schreiben abbringen und greifen sie an wie der Teufel. Besonders hier ist die Not sehr groß. Es gibt nur wenige Schreiber. Unsere Feinde sind sehr aufmerksam und manche Schüler vermögen ihnen keinen Widerstand entgegenzusetzen. So berauben sie das Land in gewissem Grade seiner Lichter.

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Wer mich gerne einmal besuchen und mit mir über die Natur der Wahrheit sprechen möchte, der mag irgendeine Risala aufschlagen und er wird nicht mir, sondern seinem Meister begegnen, der ein Diener des Qur'an ist und er wird aus der Wahrheit des Glaubens eine besinnliche Unterrichtsstunde empfangen.

Aufgrund einer geistigen Eingebung (manevî bir ihtar) schreibe ich euch hier ein, zwei feinsinnige Anmerkungen (mes'ele):

Erstens: Es hat heute keineswegs mehr den Anschein, als wären im vergangenen Heiligen Ramadan (Ramazan-i Serif) sehr viele Gebete (dua), die für die Sicherheit und Rettung (selâmet ve necat) der Leute der Tradition (Ehl-i Sünnet) dargebracht wurden, offensichtlich angenommen (asikâre kabul) worden. Mir wurden dafür zwei besondere Gründe eingegeben (ihtar):

Erstens: Es ist eine eigenartige Besonderheit {(Anmerkung): das heißt, man bevorzugt, obwohl man den Diamanten (elmas) als Diamanten erkennt, stattdessen dennoch ein Stück Glas.} unserer Epoche (asr).

Es ist der außerordentliche Leichtsinn (safderunluk) einiger Muslime (ehl-i islâm) in dieser Epoche (asir), dass sie selbst noch entsetzlichen Mördern (câni) großzügig verzeihen. Wenn sie eine einzige gute Tat (hasene) von jemandem sehen, der neben einer einzigen guten Tat Tausende Bosheiten begangen und Tausende geistige und materielle Rechte der Diener Gottes (hukuk-u ibadi) verletzt hat, ergreifen sie für ihn in gewisser Weise Partei. Auf diese Weise bilden die Irrgläubigen (ehl-i dalalet ve tugyan) und Rebellen gegen Gott, deren nur absolut wenige (ekall-i kalil) sind, durch solche leichtgläubigen Parteigänger eine Mehrheit und tun so, als erlaube (fetva) die Bestimmung Gottes (kader-i ilahiye) die konstante Fortdauer (idame), ja schlimmer noch (tesdid), jene Unglücke, welche die Allgemeinheit betreffen (musibet-i âmme) und aus den Fehlern der Mehrheit entstehen. Dann sagen sie, wir hätten dies so verdient (müstehak). Und obwohl man den Diamanten kennt (wie das Jenseits und den Glauben) ist es in der Tat in absoluten Notfällen (zaruret-i kat'iyye) gesetzlich erlaubt (ruhsat-i ser'iye), ihm ein Stückchen Glas (wie die Welt und irdische Güter) vorzuziehen. Es vorzuziehen, wenn das Übel (ihtiyaç) nur gering ist, aus reiner Lust und Laune (heves), oder Habgier (tama'), oder aus bloßer Angst (korku), ist eine törichte Unwissenheit (eblehane bir cehalet) und ein reines Verlustgeschäft (hasaret), für das man nur noch eine Ohrfeige verdient (müstehak). Geht es darum, einmal großzügig zu sein (âlîcenabane) und zu verzeihen (afvetmek), so darf dies nur der, der von dem Verbrechen (cinayet) selbst betroffen ist. Ihm allein steht es zu, auf seinen Rechtsanspruch (hakk) zu verzichten. Wer jedoch kein Recht (hukuk) hat, die Verbrecher (câni), die das Recht anderer missachtet haben, mit Nachsicht (afuvkârane) zu betrachten, macht sich ansonsten zum Teilhaber (serik) dieser Ungerechtigkeit.

Zweiter Grund: Da es mir nicht erlaubt (izin) ist, darüber zu schreiben, ist über diesen nichts geschrieben worden.

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Zweite Anmerkung:

Meine lieben Mitbrüder! Da die Ausdeutungen der Überlieferungen (rivayetlerin tevilleri), die über die Ereignisse der Endzeit (âhirzamanin hâdisati) auf uns gekommen sind, sich als wahr und richtig (mutabik) herausgestellt haben, habe ich im Gefängnis (Eskisehir hapishane) begonnen, darüber zu schreiben,in der Absicht, das Geheimnis und die Weisheit (sirr ve hikmet) zu erklären, die sich dahinter verbirgt, dass die Gelehrten (ehl-i ilim) und die Gläubigen (ehl-i iman) sie nicht sehen und erkennen können. Ich habe ein, zwei Seiten darüber geschrieben, dann fiel der Vorhang und (die Arbeit) wurde abgebrochen.

In diesen letzten fünf Jahren versuchte ich (müteveccih) fünf, sechs Mal, diese Anmerkung (mes'ele) zu schreiben. Es wollte mir jedoch nicht gelingen (muvaffak). Mir wurde lediglich eingegeben, dass ich einen Vorfall (hâdise) erklären soll, bei dem die Einzelheiten dieser Anmerkung (mes'elenin teferruati) mich persönlich betreffen. Es ist dies wie folgt:

Zu Beginn der Deklaration der Konstitutionellen Monarchie (23.7.1908) und noch lange vor dem Erscheinen der Risale-i Nur verkündigte ich immer, um die Verzweiflung (me'yusiyet) der Gläubigen (ehl-i iman) zu überwinden (izale), mit einer großen (kuvvet) Hoffnung und Überzeugung (ümid ve itikad) die gute Nachricht (müjde), indem ich sagte: "Es gibt da in der Zukunft (istikbal) Licht (isik). Ich sehe schon einen hellen Streifen (Nur)." Ja sogar schon vor der Deklaration der Konstitutionellen Monarchie (Hürriyet) pflegte ich meinen Schülern (talebe) solche guten Nachrichten (besaret) zu überbringen. Wie der verstorbene (merhum) Abdurrahman in meiner Biographie (Tarihçe-i Hayat) geschrieben hatte, habe ich auch in meinen Eingebungen (Sünuhat) und anderen Abhandlungen (risale) bereits gesagt: "Ich sehe ein Licht" (isik) und bin so all diesen furchtbaren Ereignissen (hâdisat) in dieser Hoffnung (ümid) entgegengetreten (mukabele) und habe ihnen Widerstand geleistet. Damals dachte auch ich wie jeder andere, dass dieses Licht (isik) in der Welt der Politik (siyaset âlemi) und im sozialen Leben (hayat-i içtimaiye) der Muslime und in einem sehr umfangreichen Kreis (tasavvur) zu finden sei. Im Gegensatz dazu verleugneten (tekzib) mich die Weltereignisse (hâdisat-i âlem) mit dieser Nachricht (ihbar) und meiner Kunde (besaret) aus dem Verborgenen (gayb) und zerbrachen so meine Hoffnungen (ümid).

Überraschend kam auf eine Weise, die mir eine sichere Überzeugung (kat'î kanaat) verlieh, eine Inspiration aus dem Verborgenen (ihtar-i gaybî) in mein Herz (kalb). Da wurde mir gesagt: "Hattest du früher immer wieder mit ernsthaftem Interesse (alâka) wiederholt und gesagt: "Es gibt da ein Licht (isik). Wir werden die Erleuchtung (Nur) schauen.", so steht hinter diesem Ausdruck (tevil), dem Kommentar (tefsir) und der Deutung (tabir) deiner frohen Botschaft (müjde), was euch betriftt, ja sogar hinsichtlich des Glaubens (iman) und der islamischen Welt als das Wichtigste die Risale-i Nur. Dieses Licht (Nur) ist es, das dich stets so intensiv beschäftigt (alâkadar) hat und es ist dieses Licht (isik), das der Anfang und der Botschafter (mukaddeme ve müjdeci) glückseliger (mes'udane), religiöser (dindarane) Verhältnisse (halet) und Situationen (vaziyet) war, die auch von früher her nach deiner Vorstellung (tahayyül) und deiner Schätzung (tahmin) im großen Kreis, ja vielmehr in der Welt der Politik (siyaset âlemi), gesehen wurde. Damals versuchtest du, dir dieses heraufdämmernde Licht (muaccel isik) und jenes zukünftige Glück (müeccel saadet) vorzustellen (tasavvur) und suchtest es durch das Tor der Politik (siyaset kapisi).

Vor dreißig Jahren hattest du bereits dieses Gefühl der Vorsehung (hiss-i kabl-el vuku) verspürt. Wenn man jedoch einen schwarzen Ort durch einen roten Schleier betrachtet, erscheint einem das Schwarze in der Tat als rot. Das hast du ganz richtig gesehen, jedoch falsch ausgedeutet. Da hat dich die Faszination der Politik (siyaset cazibesi) getäuscht."

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بِاسْمِهِ وَاِنْ مِنْ شَيْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
﴿ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَ رَحْمَةُ اللّٰهِ وَ بَرَكَاتُهُ بِعَدَدِ عَاشِرَاتِ دَقَائِقِ عُمْرِكُمْ فِى الدُّنْيَا وَاْلآخِرَةِ آمِينَ ﴾

{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Und es gibt kein Ding, das Ihn nicht lobt und preist." (Sure 17, 44). "Der Friede sei mit euch, Sein Erbarmen und Sein Segen nach der Anzahl der Minuten und Sekunden in eurem Leben im Diesseits und im Jenseits."}

Meine lieben getreuen Brüder und meine zum Dienst am Qur'an befähigten und begeisterten Gefährten!

Diesmal hat das geistige Geschenk (manevî hediye) eurer Stifte (kalem) über meine Erwartungen (me'mul) hinaus bewiesen (isbat), dass es unter euch anstelle eines alten, schwachen und hilflosen Said viele junge (genç), standhafte (kavî) und fähige (iktidarli) Saids gibt. Es wohnt in ihnen der gleiche Geist (ruh), die gleiche Sprache (ifade), der gleiche Glaube (iman)... Gott sei unendlicher Lobpreis und Dank (sükür ve sena), dass der barmherzige Herr (Rabb-i Rahîm) euch für die Risale-i Nur zu Beschützern (hâmi) und Verbreitern (nasir), zu Herren (sahib) und Schülern (sakird) gemacht (ihsan) hat. Trotz aller für uns so äußerst schwierigen Umstände (müskilât) verlieh Er euch dennoch Erfolg in Seinem heiligen Dienst (kudsî hizmet).

Da Zeit und Ort (zaman ve zemin) mir ein längeres Gespräch, das ich so gern (müstak) mit euch führen möchte, nicht erlauben, muss ich mich hier nun kurz fassen und grüße jeden Einzelnen von euch Tausend Mal aus tiefstem Herzen und ganzer Seele (ruh u canim) und wünsche euch Frieden (selâm). Wie wunderbar hat Gott doch alles gefügt (mâsâallah)! Möge Er euch segnen (bârekâllah)!

Euer Bruder, der in diesen segensreichen heiligen drei Monaten (suhur-u selâse) eurer Gebete (dua) dringend bedarf

Said Nursî