Briefe aus Emirdağ-2
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An den Rat der Minister (Heyet-i Vekile) und an Herrn Tevfik İleri

Wir teilen Ihnen mit, dass wir von Ihrem sehr wertvollen Dienst (hizmet) bezüglich der Orient-Universität (Şark Üniversitesi) unserem Meister (Üstad) berichtet haben. Er sagte: Wenn ich nicht krank (hasta) wäre, wollte auch ich in dieser Angelegenheit (mes'ele) in die Ostprovinzen (vilayat-ı şarkıye) reisen. Ich wünsche dem Herrn Erziehungsminister (Maarif Vekil) Gottes Segen (tebrik) aus vollem Herzen und ganzer Seele (bütün ruh-u canım). Bereits fünfundfünfzig Jahre vor der Deklaration der konstitutionellen Monarchie (Hürriyet) war ich nach Istanbul gekommen, um unter dem Namen Medreset-üz Zehra an der Gründung (tesis) einer Universität im Osten zu arbeiten und eine Universität in der Provinz Van, eine andere in Diyarbekir und eine weitere in Bitlis, also insgesamt drei oder doch wenigstens eine in Van zu errichten (tesis). Damals kam jedoch die obige Deklaration (Hürriyet) zustande; und so gilt denn dieser Plan heute als gescheitert (geri kaldı).

Später - als ich während der Regierungszeit der Einheitspartei (İttihadçılar zamanında) Sultan Reşad auf seiner Reise in den Balkan (Rumeli) begleitete - kam ich auch nach Kosovo. Damals wurde im Kosovo der Bau (tesis) eines großen Hauses der islamischen Wissenschaften (Daru'l-funun) geplant. Ich sagte also zu den Vertretern der Einheitspartei (İttihadçılar) und besonders zu Sultan Reşad:

"Der Osten, der auch das Zentrum der islamischen Welt (âlem) ist, benötigt noch dringender (muhtaç) ein solches Haus der Wissenschaften (dârülfünun). " Daraufhin versprachen (va'd) sie mir, auch im Osten ein solches Haus der Wissenschaften zu gründen. Da aber brach der Balkankrieg aus und die Stadt, in der die Medresse gebaut werden sollte, wurde besetzt (istila). Daraufhin sagte ich: Wenn dem so ist, dann sollen Sie diese zwanzigtausend Goldlira, die für das "Daru'l-funun" bereitgestellt worden waren, für ein "Daru'l-funun" im Osten bewilligen. Diesem Antrag wurde dann stattgegeben (kabul).

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Daraufhin begab ich mich also wieder nach Van. Am Ufer (kenar) des Van-Sees in Artemit legte ich für Tausend Lira den Grundstein (temel) zum "Daru'l-funun". Doch leider konnte auch dieser Plan infolge des Weltkrieges nicht mehr durchgeführt werden (geri kaldı).

Nach der Flucht aus der Gefangenschaft (esaretten) bin ich wieder nach Istanbul gekommen. Aufgrund meines Beitrags für die Nationale Bewegung (Hareket-i Milliyeye) haben sie mich dann nach Ankara eingeladen. Und auch ich bin dahin gegangen. Danach habe ich gesagt: "Mein ganzes Leben (hayat) lang folge ich der Idee dieses Darü l-Fünun. Sultan Reşad und die Mitglieder der Ittihad haben mir Zwanzigtausend Goldlira dafür gegeben. Fügen Sie noch einmal so viel hinzu (ilâve)... " Daraufhin entschlossen sie sich, ihm noch weitere Hundertfünfzigtausend Lira in Banknoten zu bewilligen. Danach sagte er dann: "Dies müssen die Abgeordneten noch unterzeichnen (meb'uslar imza etmelidirler). "

Manche Abgeordneten sagten aber nun: "Du verfolgst die Linie (usûl) der Medresse, der reinen Schule der Islâmiyet. Heute jedoch muss man sich nach dem Westen (garblılar) richten."

Ich entgegnete: Unsere östlichen Provinzen (vilayat-ı şarkıye) sind in gewisser Weise der Mittelpunkt der islamischen Welt (Âlem). Deshalb ist an der Seite der neuen Wissenschaften (fünun-u cedid) auch die Religionswissenschaft (ulûm-u diniye) notwendig, ja unerlässlich (lâzım ve elzem). Denn die Tatsache, dass die meisten Propheten (enbiya) im Osten und die meisten Philosophen (hükema) im Westen Anklang gefunden haben, zeigt uns, dass der Aufstieg (terakkiyat) des Ostens an die Religion (din) gebunden ist.

{(Anmerkung): Ich hatte da sogar einmal einen Schüler (talebe), der kein Türke war. Dieser tüchtige (hamiyet) und hochintelligente Schüler (zeki) sagte in seiner Begeisterung (hamiyet), die er mit dem Unterricht in den religiösen Wissenschaften (ulûm-u diniye) an meiner alten Schule (medrese) vermittelt bekam, immer: "Ein aufrechter (sâlih) Türke (Ein Mann, der sich an die Vorschriften des Islam hält. - A.d.Ü.)) ist mir mehr ein Bruder und Verwandter (akraba) als mein sündiger (fâsık) (Ein Vater, der zwischen helal und haram nicht unterscheidet. A.d.Ü.)) Bruder oder Vater."

Später studierte der gleiche Schüler unglücklicherweise nur noch die neuen materialistischen Wissenschaften (maddî fünun-u cedide). Als ich ihm vier Jahre danach - bei meiner Rückkehr aus der Gefangenschaft - wieder begegnete, kam unser Gespräch (bahs) auch auf die nationale Begeisterung (Hamiyet-i milliye). Er sagte mir: "Ich bevorzuge (tercih) heute einen Kurden, der ein Ketzer (râfızî) ist, vor einem türkischen Hoca, der ein wahrer (sâlih) Muslim ist." Ich entgegnete ihm: "Oh weh! Ist es mit dir schon so weit gekommen!?" Eine Woche lang habe ich mir mit ihm Mühe gegeben und ihn auch schließlich von seiner falschen Einstellung überzeugt (kurtardım). Er kehrte zu einer alten, echten Begeisterung (hakikatlı hamiyet) zurück.

Dann habe ich den Abgeordneten (Meb'us), die mir im Parlament (Meclis) widersprochen hatten, gesagt: "Wie wichtig ist doch der erste Zustand dieses Schülers (talebe) für das türkische Volk (millet)! Ich überlasse es Ihren Überlegungen (fikr), wie wenig passend der zweite Zustand für das Wohl (menfaat) des Vaterlandes ist. Das heißt also - einmal angenommen den unmöglichen Fall - Ihr könntet an irgendeinem anderen Ort die weltlichen Dinge den religiösen vorziehen und der Politik (siyaset) einen größeren Wert beimessen als dem Glauben. Ihr müsstet (lâzım) dennoch in den Ostprovinzen (şark vilayet) der religiösen Bildung (din tedrisat) einen gewaltigen Wert beimessen." Daraufhin setzten 163 Abgeordnete ihre Unterschrift (imza) unter diesen Beschluss (lâyiha), nachdem die Abgeordneten, die gegen mich waren, den Saal verlassen hatten. Diesen Beschluss (istida), unter dem so viele Unterschriften stehen, konnte auf jeden Fall die absolute Despotie (istibdad-ı mutlak) seit siebenundzwanzig Jahren nicht außer Kraft setzen.}

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Ihr mögt in anderen Provinzen (vilayet) nur die neuen Wissenschaften (fünun-u cedid) lehren; in den östlichen muss auf jeden Fall im Interesse (maslahat) des Volkes und des Landes (millet, vatan) die Religionswissenschaft die Grundlage (ulûm-u diniye esas) sein. Anderenfalls können sich die Muslime, die keine Türken sind, nicht mehr in Wahrheit als Brüder (hakikî kardeşlik) der Türken empfinden. Wir brauchen heute gegenüber so vielen Feinden die gegenseitige Hilfe und ihre Solidarität (teavün ve tesanü mecburuz).

Heute bin ich denn infolge meiner Vergiftung (zehir hastalık) sehr krank (rahatsız) und bleibt es mir in meinem hohen Alter (ihtiyarlık) verwehrt, nach fünfundfünzig Jahren das Ziel meines bisherigen Lebens (gaye-i hayat) noch weiterzuverfolgen (takib). So bleibt es mir denn des Weiteren auch verwehrt (mahrum), deswegen nach Ankara zu fahren und denjenigen, die an dieser Einrichtung (müessese) arbeiten, die der Schlüssel des Aufstiegs im Osten (şark terakkiyat) ist, mit Herz und Seele (ruh-u canım) meinen Segen (tebrik) auszusprechen.

Bestimmt hat der Bildungsminister (Maarif Vekili) meine Bücher (eser) "Dialoge (Münazarat)" und "Der Glanz des Islam (Saykal-ül İslâmiye)", welche vor 35 Jahren in der Druckerei Ebuzziya gedruckt worden sind, noch nicht aus den Augen verloren. Nun sollen diese Bücher an meiner Stelle reden. Mir ist, als hätte ich in diesem Leben (hayat) meine Hoffnung (ümid) bereits aufgegeben. So ernenne ich denn die hunderfünfzig Abhandlungen der Risale-i Nur, die als Grundlagen (temeller), Richtlinien (esasat), das geistige Manifest (manevî program) und die umfangreichen Vorlesungen (muazzam bir tedrisat) dieser gewaltig großen Universität gelten, zu meinen Stellvertretern (tevkil). Und so erbitte (niyaz) ich denn von der Barmherzigkeit Gottes (rahmet-i İlahî), dass Tevfik İleri, der diesen Sachverhalt den zukünftigen (istikbal), opferbereiten (fedakâr) jungen Universitätsstudenten (talebeler) dieses Landes und Volkes (vatan ve millet) und seinem Bildungsministerium (maarif dairesi) darbietet und darin auch erfolgreich (muvaffakıyet) ist, sich anstelle dieses armen (bîçare) Saids für die Risale-i Nur einsetzen (himayetkârane) und sie befürworten (sahib çıkması) möge.

اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى

{"Der Beständige ist der, der ewig bleibt und besteht."}

Der sehr kranke, schon sehr alte, in der Fremde (garib) ganz einsam lebende

Said Nursî