zum Schweigen bringen können. Doch du liebst ihn in Wahrheit so wenig wie ich. Denn unter der Gestalt dieses gewaltigen Leitsterns (qutub), der die Wissenschaften des Weltalls kennt, liebst du einen Siyaeddin, den du dir eingebildet hast; d.h. du bindest dich an einen Namen und liebst ihn. Würde sich der Vorhang des Unsichtbaren öffnen und du könntest die Wahrheit sehen, würde deine Liebe entweder ganz verblassen, oder auf ein Viertel zusammenschrumpfen. Doch liebe auc h ich diese gesegnete Persönlichkeit genau so wie du wirklich sehr und schätze sie hoch. Denn er ist ein lauterer, tatkräftiger und bedeutsamer Führer für alle Leute des Glaubens auf dem Gebiet der erhabenen Sunna und in der Lehre von der Wahrheit. Könntest du erkennen, auf welcher Stufe (maqam) diese Persönlichkeit steht, du würdest dich nicht von ihm zurückziehen, Abstand von ihm nehmen, deine bisherige Liebe als einen Fehler ansehen, sondern im Gegenteil, ihn noch mehr verehren und dich voller Hochachtung mit ihm verbunden fühlen. D.h. ich liebe den wahren Siyaeddin, während du einen eingebildeten Siyaeddin liebst." Weil aber nun dieser mein Bruder ein wahrer Wissenschaftler war, der gerecht dachte und ernsthaft nachprüfte, so wusste er meinen Standpunkt zu würdigen und akzeptierte ihn auch.
Oh ihr, meine kostbaren Schüler der Risale-i Nur, meine Brüder, die ihr mehr als ich mit Freude und Opferbereitschaft gesegnet seid! Eure Wertschätzung und eure außerordentlich hohe Meinung über meine Person schaden euch vielleicht nicht. Doch klar-schauende Menschen wie ihr sollten ihre Aufgabe und ihren Dienst im Auge behalten und die Dinge von diesem Standpunkt aus betrachten. Fiele der Vorhang und ihr könntet meinen wahren Charakter erkennen, befleckt mit Fehlern von Kopf bis Fuß: Ich würde euch leid tun. Doch weil ich eure brüderliche Liebe nicht gerne verlieren möchte, halte ich meine Fehler vor euch lieber verborgen.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei"}
Auf euren Brief von voriger Woche hier nun eine wohlbegründete Antwort, die eure gute Meinung bis zu einem gewissen Grade widerlegt:
In dieser unserer Zeit, wo es derartige, alle anderen beherrschenden Strömungen, die alles und jedes Ding für sich in Beschlag nehmen, gibt, vermute ich, dass jene Persönlichkeit, die wir in Wahrheit erwarten und die im nächsten Jahrhundert kommen soll, einmal angenommen, sie wäre in dieser unserer Zeit schon unter uns, um nicht von diesen Strömungen in ihrer eigenen Bewegungsfreiheit behindert zu werden, sich aus der Welt der Politik zurückziehen und von den politischen Verhältnissen Abstand nehmen wird, um einem neuen Ziel zuzustreben.
Daraus ergeben sich nun drei Fragestellungen: die eine betrifft das Leben, eine andere das islamische Gesetz (Scheriat), eine weitere den Glauben (iman). Vom Standpunkt des Glaubens aus betrachtet, ist der Fragenkomplex, der den Glauben betrifft, der wichtigste und der größte. Heute aber werden nach allgemeiner Ansicht und angesichts der bedrückenden Zustände in der Welt das Leben und das Gesetz (Scheriat) als die wichtigsten Dinge betrachtet. Doch wäre jene Persönlichkeit jetzt unter uns, sie würde sofort auf dem ganzen Erdenrund die Stellenwerte jener drei Fragenkomplexe verändern, er würde das, was in der Menschheit allgemein üblich ist, aber mit den Gesetzen Gottes (adetullah) nicht übereinstimmt, er würde in jedem Fall die schwerwiegendste Frage zum Grundproblem machen und nicht die anderen Fragenkomplexe zum Grundproblem machen, damit nicht der Dienst am Glauben in seiner Reinheit in den Augen der Allgemeinheit verdorben werde und damit auch für das klare Unterscheidungsvermögen einfacher Leute, das ja so leicht zu übertölpeln ist, realisierbar werde, dass dieser Dienst nicht als ein Mittel für
andere Zwecke gebraucht werden kann.
Überdies sind seit zwanzig Jahren unter dem alles zerstörenden Einfluss dieser Diktatur die Sitten dermaßen verdorben worden, Treue und Beständigkeit sind verloren gegangen, sodass man unter zwanzig kaum einem mehr trauen kann. Unter diesen besonderen Umständen sind Beharrlichkeit, Festigkeit, Treue und eine geradezu nationale Begeisterung für das Volk des Islam notwendig, wenn es nicht unfruchtbar bleiben, wenn ihm kein Schaden entstehen soll. D.h. der reinste, sicherste, wichtigste und erfolgreichste Dienst ist der heilige Dienst im Kreise der Schüler der Risale-i Nur.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Der heilige Monat Ramadan ist in diesem Jahr sowohl für die islamische Welt als auch für die Schüler der Risale-i Nur von großer Bedeutung und von hohem Wert. Es entspricht den grundsätzlichen Regeln eines fundamentalen Geheimnisses, dass der Anteil für ein Werk, das von den Schülern der Risale-i Nur, um des Jenseits willen verrichtet wurde, und zwar die Summe dessen, was jeder einzelne eingebracht hat und d.h., für jeden Bruder der selbe Anteil, in dem Buche seiner Taten eingetragen wird. Weil aber nun die Gesetzesregeln Gottes und Seine Barmherzigkeit es so erfordern, ist der Gewinnanteil derer, die mit ehrlicher und aufrichtiger Absicht in den Kreis der Risale-i Nur eingetreten sind, geradezu gewaltig und umfasst alles. Ein jeder von ihnen erhält gewissermaßen tausende von Aktien. Insha-a'llah (wolle es Gott) wird es nicht so sein, wie mit weltlichen Gütern, die einer Zellteilung oder Bodenerosion vergleichbar in Anteile zerstückelt werden. Vielmehr wird in jedes Einzelnen Buch der Taten der selbe Betrag eingetragen und es wird sein, wie mit einer Lampe, die ein
Mann hereingebracht hat und die sich nun in tausenden von Spiegeln widerspiegelt, ohne dass die Lampe dadurch aufgeteilt würde. Wenn also ein echter Schüler der Risale-i Nur die Wahrheit der Leyle-i Qadr (: die Nacht der Bestimmung) in sich erfährt und im Ramadan auf eine hohe Stufe emporgetragen wird, dann haben wir die feste und bestimmte Hoffnung, aus der Weite des göttlichen Erbarmens, dass auch alle anderen ehrlicher und aufrichtigen Schüler darauf ihren Anspruch haben und ihren Anteil daran erhalten.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Erste Fragestellung:
Einer unserer Mitbrüder hat beim Tesbihat (: Rezitationen nach dem rituellen Gebet) nur wenig Sorgfalt an den Tag gelegt. Deshalb sage ich: Die Tesbihat nach dem Gebet (namaz) sind Rezitationen in der Nachfolge (tariqat) des Propheten und von ihm selbst autorisiert. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, haben sie eine große Bedeutung. Später entfaltete sich dann die Wahrheit dieses Wortes in der folgenden Weise:
So wie sich das, was noch der Prophet selbst autorisiert hatte, über alle anderen Velayat erhebt und zu einer Risalet (Botschaft) verwandelte, so erheben sich nun auch die Tesbihat, welche unmittelbar auf das Gebet folgen und besonders autorisierte Rezitationen im Wege des Propheten sind und von ihm her ein hohes Ansehen genießen, in hohem Maße über alle anderen Wege und sonstigen Rezitationen. Auch dieses Geheimnis enthüllte sich mir auf folgende Weise:
Befindet man sich in einer Gemeinschaft, die zur Dhikr-Feier den Kreis geschlossen hat oder sich zum Schlussgebet des Nakshi-Ordens in einer kleinen Moschee vereint, so kann man in einer solchen Gemeinschaft empfinden,
des Frühlings mit jedem Baum, jeder Wurzel, jedem Samenkern und Korn die Ayah
{"Wenn die Seiten offen gelegt werden." (Sure 81, 10)}
rezitieren, dessen Bedeutung jede in ihrer eigenen Art, in jeder einzelnen Facette erklärt, so wie sie in den vorausgegangenen Jahren ihre Aufgaben versehen hatte, und so eine souveräne Logistik bezeugt. Die vier gewaltigen Wahrheiten in der Ayah
{"Er ist der Erste und der Letzte, der Offenbare und der Verborgene." (Sure 57, 3)}
wie alles von Licht erfüllt ist. Ein Mann, der wachen Herzens nach dem Gebet (namaz) seinen Tesbih (Rosenkranz) durch die Finger gleiten lässt und dabei sagt: «Subhana'llah! Subhana'llah!» (Gepriesen sei Gott!), empfindet dabei innerlich, wie hundert Millionen Menschen in Anwesenheit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, der hier den Vorsitz eingenommen hat, ihren Tesbih durch die Finger gleiten lassen. Mit Erhabenheit und Größe sagt er: Subhana'llah! Subhana'llah! Unter der unsichtbaren Leitung des Oberhauptes dieser Dhikir-Gemeinde sagt er: «Elhamduli'llah! Elhamduli'llah!» (Dank sei Gott!), während der Dhikr-Kreis und die ganze große Gemeinde von hundert Millionen Schülern (murid) des Siegelträgers Ahmed, mit dem Friede und Segen sei: «Elhamduli'llah! Elhamduli'llah!» anhebt und sich in dieses " Elhamduli'llah!" hineinversenkt und er sich daran beteiligt. Und ebenso ist es mit dem «Allahu ekber! Allahu ekber!» (Gott ist groß!) Im gleichen Sinne, wie oben beschrieben, und die Ordensbruderschaft im Blick, wiederholt er dreiunddreißig Mal: «La ilahe illa'llah. La ilahe illallah. La ilahe illa'llah.» (Es gibt keine Gottheit außer Gott) im Dhikr-Kreise vom Orden Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, und während der Dhikr-Feier, unter der Anwesenheit der Persönlichkeit Ahmeds, mit dem der Friede und Segen sei, und welcher der Dhikr-Leiter dieses Kreises ist, sagt er: Tausend mal tausend Segen und tausend mal tausend Friedenswünsche mit Dir, oh Prophet Gottes! So habe ich es verstanden und empfunden und so habe ich es mir vorgestellt. Das heißt also, dass die Tesbihat nach dem Gebet von sehr großer Wichtigkeit sind.
Zweite Fragestellung:
In der Erläuterung und Besprechung der Zeichen zur Einunddreißigsten Ayah: يَسْتَحِبُّونَ الْحَيٰوةَ الدُّنْيَا {"Sie lieben das diesseitige Leben."} wurde Folgendes gesagt:
Eine Besonderheit dieses unseres Jahrhunderts liegt darin, dass es das diesseitige Leben vor dem ewig währenden Leben bewusst bevorzugt. D.h. ein Stückchen zerbrechlichen Glases so bewusst vor einem Diamanten von bleibendem Wert zu bevorzugen, ist zu einem Leitgedanken geworden. Da muss ich mich doch sehr darüber wundern.
In diesen Tagen bin ich daran gemahnt worden: wenn ein Glied oder Organ des menschlichen Körpers erkrankt oder verletzt worden ist, geben die übrigen Glieder und Organe ihren Dienst teilweise auf und eilen ihm zu Hilfe. Genau so ist es, wenn ein Organsystem, das entsprechend der menschlichen Natur dazu bestimmt ist, die Sehnsucht nach Leben, die Bewahrung des Lebens und die Freude an ihm, die Begeisterung, die Liebe (ashk) zum Leben in sich zu tragen, aus vielerlei Gründen verletzt worden ist. Es überlässt die anderen, feineren, inneren Sinnesorgane der Beschäftigung mit sich selbst, beginnt damit, den Zusammenbruch des Systems herbeizuführen und sorgt dafür, dass sie ihre eigentlichen Aufgaben vergessen. Ebenso ist es, wenn attraktive, schlüpfrige, trunkene, rauschende Vergnügungen ablaufen, wenn Menschen, die auf einer hohen Stufe (maqam) stehen und auch verschleierte (d.h. wohlanständige) Frauen, verspielten Kindern und Herumtreibern von der Straße gleich, in den Sog der Anzüglichkeiten geraten und zu Teilhabern daran werden, die ihre wahren Aufgaben zeitweilig hinten angestellt haben. Genau so ist es, wenn in unserem Jahrhundert das menschliche Leben, insbesondere das Gemeinschaftsleben so schreckliche und doch so anziehende Formen angenommen hat, so beklagenswert geworden ist und dennoch seine Neugierde weckt, wenn der Mensch seine hohen und erhabenen Aufgaben, sein Herz und seinen Verstand hinter sich zurücklässt, sich selbst (nefs) aufgibt und auf die Stufe des Tieres (nefs-i emmare) zurückfällt, so wie ein Falter sich in das Feuer der Verführung (fitna) stürzt. Doch gibt es zur Erhaltung des irdischen Lebens, dort wo die
Notwendigkeit dazu gegeben ist, in der Tat vorübergehend auch die Erlaubnis nach islamischem Gesetz (ruhsat-i sher'iyye), einigen Dingen vor dem Leben im Jenseits den Vorzug zu geben. Eine bloße Notlage jedoch, die noch nicht Ursache genug ist, daran zugrunde zu gehen, sondern nur einen Schaden verursacht, bewirkt noch keine Sonderregelungen und macht noch keine Ausnahme. Doch in diesem unseren Jahrhundert sind die Nerven der Menschen schon so sehr gereizt worden, dass sie angesichts einer kleinen Notlage oder eines gewöhnlichen weltlichen Schadens die diamantengleichen religiösen Angelegenheiten vernachlässigen. In der Tat sind die Nerven und Organe des Menschen, seine Lebensadern, die Funktionen zur Erhaltung seines Lebens in unserem Jahrhundert durch Verschwendung, Unwirtschaftlichkeit, Unbescheidenheit und Habsucht schwer in Mitleidenschaft gezogen und geschädigt worden, dass kein Segen (bereket) mehr in ihnen liegt. Armut, Not und die Sorge um den Lebensunterhalt sind noch gewachsen. Dabei richten die Leute des Irrweges ihre Aufmerksamkeit auch noch ständig auf dieses vergängliche Leben und lenken dabei ihre Blicke so sehr auf sich selbst, dass sie selbst noch den allergeringsten Lebensbedürfnissen vor den großen religiösen Fragen den Vorzug geben. Dieser sonderbaren Krankheit einer merkwürdigen Zeit, dieser furchtbaren Plage, vermag nur die Risale-i Nur als Verkünderin der Wunderhaftigkeit des Qur'an ein wirksames Heilmittel entgegenzusetzen, nur ihre standhaften, unerschütterlichen, beharrlichen, ehrlichen, aufrichtigen und zu jedem Opfer bereiten Schüler können diesem Übel einen Widerstand entgegensetzen. Wenn dies aber so ist, dann muss man sich vor allen Dingen ihrem Kreis anschließen, dann ist es notwendig, mit Treue und Festigkeit, ehrlich, aufrichtig und voll Vertrauen an ihm festzuhalten, um von den Auswirkungen dieser seltsamen Krankheit befreit zu werden.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Hafidh Ali beschreibt (mich als) seinen Üstad als einen so ganz besonders wertvollen Menschen von so untadeligem Charakter, wie mir das gar nicht zusteht. Wir wollen aber annehmen, dass er in seiner so ganz absichtslosen Sprache nicht eine Laudatio über mich geschrieben hat, sondern eine Art Gebet. Auch ist es ja wahr, und wir nehmen diese Nachricht, die uns Hafidh Ali übermittelt, freudig auf, dass in Orten wie Sav und in Städten wie Isparta eine Medrese-i Nuriye entstanden ist und dass die wahren Schüler der Risale-i Nur wunderbarer Weise von Tag zu Tag in ihrer geistigen Haltung wachsen und ihr innerliches Licht stets heller erstrahlt, worüber vielleicht Anatolien froh ist, ja vielleicht sogar die ganze islamische Welt sich freut. Am Ende dieses Absatzes heißt es dann: "Der, welcher der wahre Überbringer aller Nachrichten (muhbir-i Sadiq) ist, hat uns mitgeteilt, dass die Zeit nahe herbeigekommen, der Boden schon dafür vorbereitet ist, im Reiche des Geistes den Sieg zu erringen und die Finsternis zu zerstreuen. Darum bitten und beten und flehen wir mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele (ruh) und erhoffen dies von der göttlichen Barmherzigkeit." Was aber uns, die Schüler der Risale-i Nur betrifft, so ist unsere Aufgabe unser Dienst und uns nicht einzumischen in die Dinge Gottes und Ihn in gewisser Weise nicht zu prüfen, indem wir Seine Aufgabe als Voraussetzung für unseren Dienst ansehen, wobei wir nicht die Anzahl (der Schüler) sondern die Qualität (des Unterrichts) im Auge behalten. Zudem hat unter all den fürchterlichen Gründen, die dazu geführt haben, dass schon seit langem ein Sittenverfall eingetreten ist und das irdische Leben in jeder Hinsicht dem jenseitigen Leben vorgezogen wird, die Risale-i Nur bis jetzt den Sieg der Gottlosen und die Angriffe der Irrgläubigen zunichte gemacht, den Glauben hunderttausender hilfloser gerettet und hunderte und
tausende wahrhaft gläubiger Schüler heranwachsen lassen, von denen jeder für hundert und manchmal für tausend andere steht. Und der, welcher der wahre Überbringer aller Nachrichten (muhbir-i Sadiq) ist, hat es genau so bestätigt, durch Geschehnisse bewiesen, so wie er es gesagt hat. Und insha-a'llah wird sie keine Macht von der Brust Anatoliens reißen. So werden am Ende der Zeiten die ursprünglichen Gefährten des ganzen weiten Lebenskreises, nämlich der Mehdi und seine Schüler mit Erlaubnis Gottes des Gerechten kommen, diesen Kreis hier erweitern und diesen Samen zur Blüte bringen. Wir aber werden es im Grabe schauen und Gott dafür danken.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben, getreuen Mitbrüder,
Eine Ergänzungsschrift zu den zwei Abschnitten, die schon früher über die Bevorzugung des irdischen Lebens vor dem jenseitigen Leben geschrieben wurden.
Dieses merkwürdige Jahrhundert hat das irdische Leben noch schwerer gemacht, die Ansprüche an das Leben haben sich vervielfältigt und (das Leben) dadurch noch erschwert und unnötige Bedürfnisse zu notwendigen Bedürfnissen gemacht. Sie sind zu Modeerscheinungen, zur Leidenschaft, zur Sucht geworden. So hat man aus dem Leben und seiner Lebensweise für jedermann jederzeit das bedeutendste Ziel und den wichtigsten Zweck gemacht. Das aber bildet nun wiederum eine Sperrmauer gegenüber dem religiösen, dem ewigen, dem jenseitigen Leben oder verweist es auf den zweiten oder dritten Rang. Zur Strafe für diesen Irrtum haben sie eine derartige Ohrfeige erhalten, dass ihnen die Welt zur Hölle geworden ist. Auf diese Weise geraten aber auch religiöse Leute mitten in ein solch furchtbares Unglück hinein, stürzen in einen
Abgrund hinunter und merken es manchmal noch nicht einmal.
Ich habe es kurz gesagt, erlebt, dass einige fromme und rechtschaffene Leute ein wirklich außerordentlich ernsthaftes Interesse an uns gezeigt haben. Ich habe es erlebt, dass ein, zwei Leute gerne fromm sein und ihren Glauben auch praktizieren wollten, um im weltlichen Leben Erfolg zu haben und im beruflichen Leben voranzukommen. Ja, sie wünschten sich sogar, die Gabe der geistigen Schau zu erlangen (keshf) und Wunder (keramet) tun zu können. D.h. sie haben sich ihre Sehnsucht nach dem Jenseits und den jenseitigen Früchten gläubiger Pflichterfüllung zu einem Steigbügel oder zu einer Art von Sprungbrett werden lassen. Sie wissen nicht, dass himmlisches Glück und irdisches Glück nur in dem Grade erworben werden können, als sie dazu dienen, Angelpunkt der bevorzugten Glaubenswahrheiten und Beweggrund zur Erlangung der himmlischen Güter zu sein. Wenn dabei aber herauskommt, dass letztere lediglich zu einem Mittel geworden und die Handlung, welche das Gute zu erlangen als Ziel gehabt hatte, der Nutzen geworden ist, dann ist diese Handlungsweise wertlos geworden, oder wenigstens ist ihre Absicht verdorben (ihlas) und das Verdienst dabei verloren.
Erfahrungsgemäß ist das beste, was uns von dieser Krankheit, von diesem heimtückischen und verhängnisvollen Übel unseres Jahrhunderts, von dieser Seuche, von dieser Gewaltherrschaft und aus der Finsternis befreien kann, das Licht, das von der Risale-i Nur ausstrahlt, von seiner verstehenden und ausgleichenden Gerechtigkeit. Dafür gibt es vierzigtausend Zeugen. Wenn also diejenigen, die dem Kreis der Risale-i Nur nahe stehen, sich ihm nicht anschließen, so droht mit großer Wahrscheinlichkeit Gefahr. Denn es ist in der Tat so, dass die Ayah:
{"Sie lieben das irdische Leben mehr als das jenseitige."}
ein Zeichen dafür setzt, dass in diesem unseren Jahrhundert auch die Leute des Islam das irdische Leben bewusst dem jenseitigen Leben vorziehen. So hat sich seit dem Jahre 1334 n.d.H. (etwa 1917 n.C.) eine derartige Regentschaft auch unter den Gläubigen einzunisten begonnen. عَلَى اْلاٰخِرَةِ {".... mehr als das jenseitige."}
In der Tat ergibt sich nach der Ebdjed-Rechnung durch Umsetzen der Buchstaben in Ziffern die Zahl eintausenddreihundertdreiunddreißig oder vierunddreißig. Zur gleichen Zeit wurde im vergangenen Weltkrieg mit den Feinden der Islamiyet, die den Sieg errungen hatten, ein Vertrag abgeschlossen und es begann die Herrschaft eines Regimes, welches den weltlichen Dingen den Vorzug vor den religiösen gab. Zwei, drei Jahre später konnte man dann tatsächlich dessen Folgen beobachten.
Ein wichtiger Brief von Üstad Bediüzzaman, geschrieben während des Zweiten Weltkriegs
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Mit großer Anteilnahme und lebhaftem Mitgefühl (shefqat) habe ich das Elend und das Unglück und den Hunger wahrgenommen, der diesen Winter zusammen mit der strengen äußerlichen Kälte und dieser schlimmen innerlichen Kälte über diese Armen in ihrem menschlichen Elend kam. Das hat mich in tiefstem Herzen angerührt. Da bekam ich plötzlich den mahnenden Hinweis:
In solchen Zeiten des Leidens liegt auch für die Ungläubigen eine Art von Erbarmung und Belohnung, denn sie kamen bei allem Unglück noch verhältnismäßig billig
davon. Wenn der Himmel ein solches Elend schickt, so macht er dadurch diejenigen, welche daran unschuldig sind, zu einer Art von Märtyrern. Ich hatte vor drei, vier Monaten noch keine Ahnung von den Zuständen und dem Krieg in Europa und in Russland, als ich voll Mitleid an all die Kinder und das ganze einfache Volk dort gemahnt wurde. Die Einteilung, die diese innerliche Ermahnung erklärt, wurde mir zu einer Salbe für das Leid, das mir aus meiner Anteilnahme (shefqat) erwuchs. Es ist dies wie folgt: Wer durch ein unabwendbares Unglück, das infolge der Verbrechen einiger Diktatoren über ihn kam, in Tod und Verderben gestürzt wurde, erlangt, so er noch keine fünfzehn Jahre alt ist, unabhängig von seiner Religionszugehörigkeit, genau so wie die Muslime den Status eines Martyrers. Durch eine große innerliche (manevi) Belohnung würde ein solches Unglück für ihn bedeutungslos werden.
Aber auch diejenigen, welche schon älter als fünfzehn Jahre sind, haben einen großen Lohn, wenn sie in ihrem unverschuldeten Leiden ruhig und bescheiden bleiben, ja werden sogar vor der Hölle errettet. Denn in dieser Endzeit hat sich ja zudem auch noch ein Vorhang der Gleichgültigkeit, eine Art Zwischenzustand (fetret) über die Religion (din) im allgemeinen und die Religion des Propheten (Din-i Mohammedi), über dem der Friede und Gottes Segen sei, herabgesenkt. Doch wird in dieser Endzeit der wahre Glaube Jesu, mit dem der Friede sei, wiederhergestellt werden, so dass sich mit Sicherheit sagen lässt, dass die z.Zt. noch im Dunkel dieses Zwischenzustandes (fetret) verharrenden Christen, welche unschuldig mit ins Unglück hineingezogen worden sind, Schulter an Schulter mit den Muslimen auch eine Art von Märtyrern genannt werden können. Besonders die Alten, vom Unglück geplagten, die Armen und Schwachen litten unter der Macht und Gewalt der großen Diktatoren und ihrer Grausamkeit.
Wenn dabei Menschen vom Unglück getroffen wurden, die ungerecht und grausam waren, welche unschuldige Menschen ins Elend gestürzt hatten, diese egoistischen,
niederträchtigen, teuflischen Menschen, die um ihres eigenen Vorteils willen Feuer unter den Menschen geschürt haben, so ist das für sie die vollkommene und ganz und gar verdiente Gerechtigkeit des Herrn. Wenn nun aber diejenigen, welche unter dieser Katastrophe leiden, den Unterdrückten zu Hilfe eilen und sich für den Frieden der Menschheit, die Erhaltung der Grundlagen des Glaubens und all dessen, was den Menschen hoch und heilig ist, und die Achtung der Menschenrechte einsetzen, dann ist das Ergebnis eines solchen opferbereiten Einsatzes für das innerliche Leben hier und im Jenseits um so größer.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben Brüder!
Obwohl die (Erkenntnis) der Wahrheiten des Glaubens in dieser Zeit vor allen anderen Dingen der allererste Zweck ist und die übrigen Dinge auf dem zweiten, dritten und vierten Platz zurück bleiben und mit der Risale-i Nur (der Wahrheit) zu dienen unsere allererste Aufgabe, Angelpunkt unseres Interesses und oberstes Ziel sein müsste, bestimmt der heutige Zustand der Welt das irdische Leben (hayat-i dünyevi), besonders das gesellschaftliche Leben und ganz besonders das politische Leben, wobei die Stellungnahme für oder gegen die eine oder andere der kriegführenden Parteien auf die Nerven geht und sie reizt bis tief ins innere der Herzen, wobei selbst die diamantengleichen Glaubenswahrheiten in einem Grade durch vergängliche Wünsche ersetzt werden, die nur noch einen Schaden mit sich bringen, der bereits dieses ganze unglückselige Zeitalter bestimmt hat und immer noch weiter bestimmt, (die Menschen) dermaßen indoktriniert hat und immer noch weiter indoktriniert, sodass ein Teil oberflächlicher, ja sogar ein
Teil der Sufis (veli), die sich den Verlockungen der Welt gegenüber als schwach erwiesen haben und die sich außerhalb des Kreises der Risale-i Nur befinden, wegen ihrer Verbindungen (rabita) mit dem politischen wie gesellschaftlichen Leben, den Einfluss der Glaubenswahrheiten auf einem zweiten oder dritten Platz zurückgelassen haben und, indem sie, der Wirkung jener Strömungen folgend, die ihnen gleichgesinnten Heuchler lieben und die Leute der Wahrheit, die ihnen widersprechen, ja selbst die Leute der Heiligkeit (ehl-i velayet) kritisieren und sie hassen, sogar ihre eigenen religiösen Empfindungen von diesen Strömungen abhängig machen.
So ist denn wegen der besonderen Gefahren dieses Jahrhunderts durch den Dienst an der Risale-i Nur und die Beschäftigung mit ihr die heutige Politik mit ihren verschiedenen Strömungen dermaßen aus meinem Blickfeld entschwunden, dass ich mich darüber vier Monate lang nicht mehr für den Weltkrieg interessiert und auch nicht mehr danach gefragt habe.
Außerdem sollte es nicht so sein, dass die wahren Schüler der Risale-i Nur bei ihrer Aufgabe an den Glaubenswahrheiten, welche doch in ihrer Unwandelbarkeit den Edelsteinen gleichen, sich um das Schachspiel der Diktatoren kümmern, ihre geheiligten Aufgaben aber vernachlässigen und sich dabei in ihrer geistigen Haltung selbst besudeln. Gott der Gerechte hat uns das Licht und eine leuchtende Aufgabe, ihnen aber das Dunkel und ihre dunklen Spiele gegeben. Da sie uns dabei die kalte Schulter zeigen, uns nicht helfen wollen, auch die heiligen Lichter aus unseren Händen nicht annehmen wollen, ist es ein Fehler, uns herabzuwürdigen, ihnen bei ihren dunklen Spielen zum Schaden unserer Pflichterfüllung auch noch zuzuschauen. Für uns und unsere Belange sind die geistigen Genüsse und die Lichter (envar) des Glaubens in unserem Kreis Genüge und Erfüllung.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
In diesen Tagen versuchte ich diejenigen, welche die Risale-i Nur angreifen und euch in Unruhe versetzen, mit dem Ergebnis, dass ich darüber wütend wurde, zu verfluchen. Doch dann wollte ich es plötzlich nicht mehr dulden, dass Isparta etwas zustößt und betete stattdessen: "Oh Herr! Isparta ist eine Medresetüs-sehra der Risale-i Nur. Bringe die schlechten Beamten, die sich dort befinden zur Vernunft und führe alles zu einem guten Ende", und bete so auch noch heute.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben, treuen, opferbereiten Brüder!
Während es in Isparta mit den "Lichtern" zu einer Stockung gekommen ist, beobachten wir dem entgegen hier geradezu ein Aufblühen,
{"Dank sei Gott. Dies kommt von der Gnade meines Herrn."}
Ja, mehr noch als das: zu unserer Überwachung ist eine bedeutende Persönlichkeit gekommen, die an uns und an der Politik interessiert ist. Ich habe zu ihm gesagt: "Es sind nun achtzehn Jahre her, dass ich nicht mehr bei ihnen vorstellig geworden bin und auch keine Zeitung mehr gelesen habe. In den letzten acht Monaten habe ich nicht einmal danach gefragt, was in der Welt (djihan) vor sich geht. Seit drei Jahren höre ich auch die Radio-Sendungen nicht mehr, die man hier empfangen kann, um nicht innerlich an meinem heiligen Dienste Schaden zu nehmen. Der Grund
dafür ist der folgende: Der Dienst am Glauben (iman) und die Glaubenswahrheiten (iman haqaiqi) stehen über allen Dingen dieser Welt. Sie dürfen von nichts abhängig sein und für nichts instrumentalisiert werden! Damit aber in unserer Zeit der Dienst am Glauben nicht in den Augen der Gottvergessenen (ehl-i ghaflet), der Irrgläubigen, derer, die ihren Glauben (din) für ihre weltlichen Belange instrumentalisieren und der Leute die achtlos Juwelen von unvergänglichem Wert für Glasscherben eintauschen, von starken äußeren Strömungen abhängig und deren Werkzeug wird und so für die Allgemeinheit seinen hohen Wert verliert, verbietet uns der Dienst am Weisen Qur'an mit absoluter Strenge jede Beschäftigung mit der Politik. Oh ihr Anhänger der Politik und Mitglieder der Regierung! Verdächtigt uns nicht und belästigt uns nicht! Vielmehr wäre es im Gegenteil nötig, dass ihr uns Hilfe leistet. Denn mit unserem Dienst, der sich auf Sicherheit, Respekt und Barmherzigkeit stützt, bemühen wir uns sowohl um Ruhe und Ordnung, als auch darum, das Leben der Gemeinschaft von der Gesetzlosigkeit zu retten, wodurch wir für eure wahren Aufgaben den Grundstein legen, euch dabei unterstützen und bestärken."
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Vor zehn Minuten waren hier zwei mutige, aber völlig ungebildete Männer, von denen der eine den anderen in den Kreis der Risale-i Nur mitgebracht hatte. Ich habe zu ihnen gesagt: "Angesichts der großen Wirkung, welche diesem Kreise gegeben ist, brauchen wir hier Männer von einer unerschütterlichen Treue und einer Standhaftigkeit, die sich nicht biegen noch brechen lässt."
Hier in Isparta haben die Brüder eine Opferbereitschaft
gezeigt, die ans wunderbare grenzt. Doch die Grundlage ihres Dienstes an der Nurdjuluk-Bewegung, wie sie von der Welt so sehr bewundert wird, ist vielmehr ihre ans wunderbare grenzende Treue und ihre außergewöhnliche Standhaftigkeit. Der Grund für diese Standhaftigkeit ist erstens ihre Glaubensstärke und ihr aufrechter Charakter. Der zweite Grund dafür liegt in ihrem angeborenen Mut. Darum sagte ich auch zu ihnen: "Ihr seid für euren Mut und für eure Entschlossenheit berühmt... Wenn ihr aber euren Mut dort zeigt, wo es um die unbedeutenden Dinge dieser Welt geht, so solltet ihr, die ihr mannhaft und tapfer euren Mut bewiesen habt, eure Treue bestimmt auch dort zeigen, wo es im heiligen Dienst an der Risale-i Nur, um die jenseitigen Ziele geht, wie sie die Welt verdient hat. Und da stimmten sie mir auch vollkommen zu.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
In der Welt der Islamiyet und überhaupt in der Welt der Menschen (insaniyet) heißen die drei grundlegenden Fragenkomplexe: Glaube (iman), Gesetz (sheriat) und Leben (hayat). Da aber der bedeutendste unter ihnen die Glaubenswahrheiten umfasst, vermeiden die wahren und treuen Schüler der Risale-i Nur entschlossen die Politik, ja wenden sich mit Widerwillen von ihr ab, damit diese Qur'anischen Glaubenswahrheiten nicht von anderen Strömungen und von anderen Mächten und von denen, die den Glauben (din) für ihre eigenen Ziele instrumentalisieren, wodurch diese juwelengleichen qur'aniscnen Wahrheiten wie Glassplitter missachtet werden, abhängig gemacht werden, sodass der Dienst der Rettung des Glaubens, der unsere heiligste und größte Aufgabe ist, voll und ganz erfüllt werden kann. Auch ihr wisst ja, dass dieser euer Bruder in diesen achtzehn Jahren, um auch nicht ein einziges Mal bei
dieser Regierung vorstellig werden zu müssen, nicht mehr am politischen oder sozialen Leben teilgenommen hat, wie sehr dies vielleicht sonst notwendig gewesen wäre. Ich habe mich auch in den letzten acht, neun Monaten nicht ein einziges Mal nach dem Tohuwabohu dieses Weltkrieges erkundigt oder auch nur dafür interessiert.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine Brüder!
Leute wie ihr wissen, dass wir in unserer Berufung die Selbstsucht, den Egoismus, der sich hinter dem Schleier von Ruhm und Ehre als Herr aufspielt, fliehen wie vor einem todbringenden Gift. Ja, wir hüten uns sogar streng vor einer Haltung, die auch nur einen solchen Eindruck aufkommen ließe. Sicherlich habt ihr hier in sechs, sieben Jahren mit eigenen Augen gesehen und schon zuvor in zwanzig Jahren durch eure Nachforschungen in Erfahrung gebracht, dass ich für meine Person Hochachtung und Ansehen nicht wünsche. Eine solche Sache habe ich euch streng verwiesen. Ich bin sehr darüber verärgert, wenn ihr meiner Wenigkeit unnötig Beachtung schenkt. Nur mit Rücksicht auf die Risale-i Nur, die in unserer Zeit ein Wunder im Geiste des Weisen Qur'an ist und in Anbetracht dessen, dass ich selbst ihr Schüler bin, nehme ich diese Äußerungen der Hingabe und der Bestätigung und den Ausdruck eurer Verbundenheit dankend an. So können selbst noch die Toren begreifen, wie sinn- und zwecklos es ist, wenn die Leute der Regierung, vom Ordnungsamt und der Verwaltung Menschen verdächtigen, die es sich zur Richtlinie ihres Handelns gemacht haben, Egoismus, Selbstsucht und Scheinheiligkeit in der Gestalt von Ruhm und Ruf in einem solchen Maße zu fliehen.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Ich habe in diesen Tagen über die Prinzipien der Rechtschaffenheit (taqva) und der Guten Werke (amel-i salih) nachgedacht, welche unter dem Blickwinkel des Weisen Qur'an betrachtet, nach dem Glauben (iman) die wichtigsten Grundsätze sind. Taqva ist die Enthaltung vom Verbotenen und der Sünde und gute Werke tun, heißt sich im Rahmen des Gebotenen bewegen und Verdienste zu erwerben. Jeder Zeit das Böse zurückzuweisen und dabei dem Gewinn des Guten den Vorzug geben in dieser Zeit der Verheerungen, der Zügellosigkeit und attraktiver Lustbarkeiten, heißt dieser Taqva der Zurückweisung jeglicher Verderbnis und der Unterlassung aller schweren Sünden die grundlegende Basis einer ersten Priorität einzuräumen. Taqva ist in dieser Zeit der Verheerungen und des Schreckens negativer Strömungen geradezu ein Grundprinzip gegen diese Verheerungen. Wer seine Pflicht (fardh) tut und die schweren Sünden lässt, wird gerettet werden. Inmitten einer sündigen Welt mit aufrichtigem Herzen (ihlas) gute Werke zu tun und sie mit reiner Absicht zu Ende zu führen, gelingt nur höchst selten. Doch werden diese wenigen guten Werke unter derart schwierigen Umständen für viele gezählt. Dabei ist Taqva (als positive Grundhaltung bereits die Voraussetzung) für ein gutes Werk (amel-i salih). Denn etwas Verbotenes zu unterlassen ist eine Pflicht (vadjib); seine Pflicht zu erfüllen aber ist eine verdienstvolle Handlung (sevab), die einer Vielzahl von nur gewohnheitsmäßigen (sunnah) gleich kommt. In unserer Zeit gleicht eine einzige Unterlassung, bei einem Angriff eines nach tausenden zählenden Geschwaders von Sünden, der Aufgabe von hundert Sünden und entsprechen nur wenige Taten der Erfüllung von hundert Pflichten (vadjib). In diesem wichtigen Punkt bewirkt die gute Absicht (niyet), der im Namen
der Taqva gefasste Vorsatz, eine Sünde zu meiden, dass aus einem Gebet (ibadet) um Bewahrung vor der Sünde (menfi) eine wirklich bedeutende gute Tat (a'mal-i saliha) erwächst. Für die Schüler der Risale-i Nur besteht die bedeutendste Aufgabe in unserer Zeit darin, inmitten aller Sünde und Verkommenheit (tahribat) dennoch weiterhin die Taqva als Grundsatz aufrechtzuerhalten. Denn wenn einem Menschen bei der jetzigen Art des gesellschaftlichen Lebens in jeder Minute hunderte von Sünden entgegen kommen, ist die Taqva, verbunden mit dem Vorsatz, sich von ihr abzuwenden (niyet-i idjtinab) sicherlich (der Verrichtung) hunderter guter Werke gleich zu setzen. Bekanntlich kann ein Schloss, das von einem einzigen Mann an einem einzigen Tage zerstört wurde, auch von zwanzig Männern nicht in zwanzig Tagen wieder aufgebaut werden. Wenn aber nach dem Zerstörungswerk eines einzigen Mannes zwanzig Mann notwendig sind, um nun wieder aufzubauen, dann ist es ganz besonders wunderbar, wenn sich heute die Risale-i Nur tausenden von Zerstörern standhaft und effektiv entgegenstellt. Wären nun aber diese beiden einander entgegengesetzten Kräfte etwa gleich stark, so wäre die Wiederherstellung als ein wunderbarer Erfolg und eine besondere Leistung zu betrachten.
Kurz gesagt ist das Gemeinschaftsleben bis in seine Grundfesten, den Respekt und die Empathie (merhamet), auf denen es sich gestaltet, schwer erschüttert worden. In manchen Bereichen ist das besonders schmerzlich und bringt für die armen alten Väter und Mütter entsetzliche Folgen mit sich. Gott dem Gerechten sei Dank dafür, dass die Risale-i Nur überall dort, wohin sie gelangt, dieser fürchterlichen Zerstörung Widerstand entgegensetzt und die Dinge wieder in Ordnung bringt. So wie Gog und Magog nach der Zerstörung der Mauer von Dhulqarneyn auch noch die ganze Welt in Verwirrung bringen wollten, beginnt nun heute mit der Erschütterung der qur'anischen Mauer, die das mohammedanische Gesetz ist, eine Anarchie, in der das Leben und seine Ethik (ahlaq) finster sind, und eine
tyrannische Glaubenslosigkeit, welche noch schrecklicher als (in der Zeit) von Gog und Magog ist, (die Menschen) zu verwirren und zu verderben. Möge Gott es wollen (inshaa'llah), dass dieser geistige Kampf, den die Schüler der Risale-i Nur unter diesen Umständen führen, wie zu Zeiten der Sahabis (: der Schüler des Propheten) als ein nur geringes Werk zur Quelle sehr großen Lohnes (sevab) und (der Beginn) eines guten Werkes (a'mal-i saliha) wird.
Meine lieben Brüder!
So ist uns denn in einer solchen Zeit, gegen diese furchtbaren Geschehnisse, neben der Kraft unserer Aufrichtigkeit (ihlas) als unsere stärkste Kraft die Teilnahme an den himmlischen Werken (ishtirak-i 'amal-i uhreviye) zum Leitmotiv gegeben. Denn so wie die Feder das Gute (a'mal-i saliha) jedes Einzelnen auch in das Buch der guten Taten jedes anderen mit einträgt, so erhält auch die Rede jedes Einzelnen durch den Schutz und Schirm der Taqva noch Kraft und Hilfe. Und besonders für unsere armen Brüder, welche die Zielscheibe solch heftiger Angriffe sind, sind in diesen drei gesegneten Monaten und an den geheiligten Tagen solch treue und tapfere Mitbrüder zur Stelle, die ihnen mit liebevoller Sorge (shefqat) zu Hilfe eilen. Und auch ich bitte euch mit ganzer Seele (ruh) um diesen geistigen Beistand. Auch mache ich die Schüler der Risale-i Nur, ihren Glauben und ihre Treue vorausgesetzt, zu Teilhabern an all meinen Gebeten (dua) und geistigen Verdiensten. Unter dem Leitmotiv ihrer Teilnahme an allen himmlischen Werken und dem Schild ihrer Schülerschaft an der Risale-i Nur entsprechend, mache ich sie vierundzwanzig Stunden täglich (zu Teilhabern) und manchmal noch hundert Mal mehr.
Die Gemeinschaften «Gül (Rosen)», «Nur (Licht)», «Mübarekler (die Gesegneten)» und «Medrese-i Nuriye», sowie alle die einfachen und alten Leute, die in deren Vorstand sind, senden all unseren Brüdern und Landsleuten
Grüße des Friedens und der Wohlfahrt (selam ve selamet) und beten für eure Glückseligkeit.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Gott dem Gerechten sei hunderttausend Mal Dank dafür, dass sich die Risale-i Nur ganz von selbst verbreitet und alle Lande erobert. Die Intrigen der Anhänger des Irrweges können sie nicht aufhalten, im Gegenteil: viele Glaubenslose strecken die Waffen. Wie schon Hafidh Ali sagte, ist ihre Furcht davor ganz besonders groß. Sie behindern und belästigen uns nicht mehr aus ihrem gottlosen Fanatismus heraus, sondern aufgrund Ihrer Furcht. Möge Gott (insha-a'llah) sie in dieser Furcht zur Risale-i Nur zurückführen.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
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Zudem möchte ich noch meinem verehrten alten Freunde erklären, Leuten von Aufmerksamkeit und auch euch, dass der Neue Said unter dem Segen des Qur'an, dessen Wort ein Wunder ist, das, was die Glaubenswahrheiten betrifft, dermaßen mit logischen und wirklichkeitsgerechten Beweisen behandelt, dass nicht nur die islamischen Gelehrten (ulema), sondern selbst die verbohrtesten Wissenschaftler Europas sich das eingestehen müssen und es zugeben werden. Und so wie Hazret Ali und Ghaus-i Adham, mit denen Gott zufrieden sein möge, in der für sie typischen Ausdrucksweise auf den Wert und die Bedeutung der Risale-i Nur hingewiesen und symbolisch angedeutet haben,
so lenkt auch der Qur'an mit seinem Wort des Wunders die aufmerksamen Blicke auf die Risale-i Nur, welche ein Wunder des Geistes in unserer Zeit ist, weist mit Hinweisen, Zeichen, Andeutungen und Symbolen auf die Tatsache dieses Wunders hin, welches ein Erfordernis der wunderbaren Beredsamkeit dieser verborgenen Sprache ist. In der Tat wurde mir im Gefängnis in Eskishehir, zu jener furchtbaren Zeit und in einem Augenblick, da ich heiliger Tröstung ganz besonders bedurfte, der innere Anruf zu teil: "Du wirst die Heiligen der alten Zeit als Zeugen dafür anführen! Denn entsprechend dem Geheimnis des Wortes:
{"Es gibt nichts, was frisch oder trocken wäre, außer in dieser klar-verständlichen Schrift."}
nimmt in diesem Beispiel der Qu'ran als Herr des Wortes den höchsten Platz ein. Würde wohl der Qur'an die Risale-i Nur akzeptieren? Mit welchen Erwägungen betrachtet er sie wohl?" Ich fand mich dieser seltsamen Frage gegenübergestellt. So ersuchte ich denn den Qur'an um Hilfe. Plötzlich spürte ich, dass in ihm dreiunddreißig Ayat enthalten sind, von denen ein Teil solche sind, deren Bedeutung persönlich eindeutiger Art (mana-yi sarihi) ist, während ein anderer Teil mehr zeichenhafte Bedeutung hat. Und innerhalb der Gesamtheit solcher symbolischer Zeichen ist die Risale-i Nur lediglich eine der möglichen Ausdeutungen. Doch gibt ihr In-Erscheinung-treten einen besonderen Hinweis und ist zugleich Grund für einen gewissen Vorzug. Dies alles spürte ich innerhalb einer Stunde ganz klar und deutlich und bemerkte auch, dass ein Teil bis zu einem gewissen Grade Erläuterung, ein anderer Teil aber Zusammenfassung ist. Für mich selbst bleibt danach auch nicht der geringste Zweifel, kein Argwohn oder die Möglichkeit einer Täuschung mehr übrig.
Auch ich habe dies, in der Absicht, den Glauben der Leute des Glaubens durch die Risale-i Nur zu bewahren, mit
einer so absoluten Überzeugung geschrieben und es an meine wahrhaftigen Brüder weitergegeben, unter der Bedingung, dass sie es vertraulich (mahrem) behandeln. Und wir sagen in dieser Risala auch nicht, das sei der eindeutige Sinn dieser Ayah, sodass die Hodjas sagen könnten: فِيهِ نَظَرُ {"auch dies ist eine mögliche Betrachtungsweise"}
Auch wollen wir nicht sagen, wir hätten nun die symbolischen Zeichen erschöpfend ausgelegt. Wir wollen vielmehr sagen, dass sich unter einer eindeutigen Aussage verschiedene Ebenen subsummieren lassen. Eine Ebene ist die der zeichenhaften, der symbolischen Bedeutung; und diese zeichenhafte Bedeutung ist wieder ein ganzer Komplex. Davon hat jede Generation einen winzigen Bruchteil. Auch die Risale-i Nur ist in diesem Jahrhundert auf der Ebene der symbolischen Zeichen ein einzelnes Exemplar innerhalb dieser Gesamtheit. Doch dieses Exemplar lässt eine Absicht erkennen, lenkt die Blicke auf sich, macht die große Bedeutung einer Aufgabe sichtbar. Durch die schon in alten Zeiten unter den Gelehrten (ulema) gebräuchlichen Methoden der Chiffrendeutung und anderer mathematischer Berechnungen nimmt sie die Gestalt eines Fingerzeiges, ja sogar eines Beweises an. Damit soll keine Ayah des Qur'an und nichts, was daran unbestreitbar ist, geschmälert werden, vielmehr soll damit seiner Wunderhaftigkeit und der Treffsicherheit seines Ausdrucks ein Dienst erwiesen werden. Derartige Zeichen aus dem Verborgenen sind unbestreitbar. Vertreter der Wahrheit, welche diese unendlich vielen Hinweise, die sich im Qur'an finden und sich ohne alle Entsprechung und Kalkulation ergeben, nicht in Abrede stellen, werden auch dies nicht leugnen und können es auch gar nicht bestreiten. Möchte aber nun jemand hier einwenden, er halte es für sonderbar, ja unwahrscheinlich, dass in der Hand eines so unbedeutenden Mannes, wie ich es bin, ein derart bedeutendes Werk entsteht, so möge er einmal darüber nachdenken, dass es doch ein
Beweis für die gewaltige Macht und Größe Gottes ist, wenn aus einem Tannensamen von der Größe eines Weizenkorns ein Baum so hoch wie ein Berg emporwächst, und er wird gewiss sagen müssen, dass es ein Beweis für das allumspannende Erbarmen Gottes ist, wenn in einer Zeit der bittersten Armut, der tiefsten Not und des äußersten Mangels, wie sie die unsere ist, ein solches Werk in Erscheinung tritt. Ich versichere euch und meinen Gegnern bei der Ehre und Würde der Risale-i Nur, dass diese Zeichen, die vorausschauenden Ankündigungen der Heiligen (auliya) und ihre Symbole mich stets zu Lobpreis und Danksagung bewegt haben und dazu, um die Vergebung meiner Verfehlungen zu bitten. Ich habe meiner Seele, welche gebieterisch (nefs-i emmare) nach Ruhm und Ehre verlangt, nie auch nur eine Minute ihre Ichsucht und ihren Egoismus vergönnt, welcher die Quelle des Stolzes ist und der Sucht nach Ruhm. Beweis dafür ist das Ergebnis der letzten zwanzig Jahre meines Lebens, welches vor euren Augen ausgebreitet liegt.
In der Tat kann ein Mensch bei aller Wahrhaftigkeit nicht frei bleiben von der Befleckung durch Fehler, Vergesslichkeiten und Irrtümer. Ich habe, unbewusst, viele Fehler. Vielleicht habe ich meine Vorstellungen mit der Risala vermischt, wodurch dann Fehler entstanden sind. In dieser Zeit, wo Millionen mächtiger, aufrichtiger, opferbereiter Menschen, Männer von Charakter im Kampf gegen diese furchtbaren Verirrungen offenkundig mit ihren Theorien gescheitert und untergegangen sind, kann ein so unwissender und kaum gebildeter Mensch wie ich, ein Mann, der in seiner Armseligkeit einsam und allein, unter andauernder Überwachung durch die gegenüberliegende Polizeistation steht und sich in einer Lage befindet, wo ständig von allen Seiten gegen ihn die übelste Propaganda angezettelt und er von jedermann verabscheut wird, nicht der Autor einer Risale-i Nur sein, welche diesen Theorien weit voraus ist und ihnen weit besser Widerstand zu leisten vermag. Sie kann unmöglich das Produkt seines besonderen
Talentes sein, auf das er auch noch (berechtigter Weise) stolz sein könnte. Sie ist vielmehr ein Wunder, das in heutiger Zeit ganz unmittelbar dem Geiste des Weisen Qur'an entspringt, ein Gnadengeschenk der Göttlichen Barmherzigkeit. Dieser Mensch hat mit tausenden seiner Mitmenschen nach jenem Geschenk des Qur'an seine Hände ausgestreckt. Wie dem auch immer sein mag, ist ihm als erstem die Aufgabe ihrer Übertragung zugefallen. Es gibt in der Risale-i Nur Teile, welche zu dem Schluss führen, dass sie nicht auf der Arbeit seiner Gedanken beruhen, nicht ein Werk seiner Intelligenz und Gelehrsamkeit sein können. Es gibt einige Abhandlungen, welche in sechs Stunden, andere, die in zwei Stunden, wieder andere, die in einer Stunde und einige, die in zehn Minuten niedergeschrieben worden sind. Ich schwöre und versichere: Selbst die Gedächtnisleistungen des Alten Said einmal vorausgesetzt, könnte ich doch eine solche Arbeit von zehn Minuten aus meinen eigenen Ideen heraus auch in zehn Stunden nicht bewerkstelligen. Jene Zwei-Stunden-Risala kann ich bei all meiner Begabung und guten Auffassungsgabe auch in zwei Tagen nicht zustande bringen. Das Dreißigste Wort, eine Risala, die in sechs Stunden erwuchs, kann auch der gewissenhafteste, gläubige Philosophen in sechs Tagen sorgfältigen Schaffens nicht verwirklichen. Usw... Das heißt, dass wir, obwohl doch völlig mittellos, Makler eines reichen Perlenkaufmanns und sein Handelsgehilfe geworden sind.
Meine lieben, getreuen Brüder,
Dieser Tage versetzte während der Rezitationen nach dem Morgengebet das Tier in mir (nefs-i emmare), erbost über das gemeine Gerede, das der gehässige Alte in Istanbul über mich in Umlauf gesetzt hatte, das Blut in den Adern des Alten Said wieder in Wallung. "Das ist schreiendes Unrecht und ich kann diese Art von Unterdrückung nicht
ertragen!" sagte ich. Rache wollte ich nehmen. Da stieg plötzlich in meinem Herzen der folgende Gedanke auf: "Vielleicht ist dies sogar ein Schlitten, welcher dazu dient, die Risale-i Nur in Istanbul zu verbreiten. Du hast ja nun schon einmal das Leben im Diesseits wie das Leben im Jenseits für die Risale-i Nur zum Opfer gebracht. Bringe nun auch deine Ehre zum Opfer, die dir mit deinem Blut (nefs) in den Adern kreist. Hat es doch schon Menschen gegeben, welche um der Schöpfung willen den Stolz des Universums, mit dem Gottes Segen und sein Friede sei, mit dem Etikett eines Verrückten belegt haben. Lass dir wegen dieses Fünkleins Ehre im Vergleich zu jener Sonne nicht das Herz brechen (nefs) und nimm die Sache nicht so wichtig!" So gemahnt, gelangte mein Herz wieder zur Ruhe.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Der berühmte Ali Riza Efendi, der größte unter den Istanbuler Forschern und Gelehrten (ulema), ehemals Fetva Emin (: vereidigter Rechtsanwalt) und lange Zeit Muftiul'enam (Rechtsgelehrter), sagte einmal nach der Lektüre solcher Abhandlungen wie "Hinweise im Qur'an" oder "Das Große Zeichen" aus dem Buch "Der Erste Strahl", zu Hafidh Emin, welcher ein bedeutender Schüler der Risale-i Nur war: "Ich bestätige, dass Bediüzzaman in dieser unserer Zeit der Religion des Islam ganz gewiss den größten Dienst erweist. Seine Arbeiten sind völlig korrekt. In einer solchen Zeit wie der unseren führt er ein Leben der Entsagung und gänzlicher Selbstentäußerung (nefs). Seine Risale-i Nur wird den Glauben (din) erneuern. Möge Gott der Gerechte ihm Erfolg verleihen. Amen"
Was nun aber die Kritik betrifft, welche manche heute gegen ihn vorgebracht haben, er lasse sich keinen Bart wachsen, so verteidigte er ihn mit einer kleinen Erzählung über
Sultanu-l'Ulema, Mevlana Djelaleddin Rumis Vater, indem er sagte: "Das ist von Bediüzzaman gewiss ein Ausdruck seiner persönlichen Freiheit. Ihn zu kritisieren gibt es da kein Recht." Und der verstorbene Hodja Mustafa befahl: "Schreibe nieder, was ich gesagt habe!"
Ich entbiete Bediüzzaman in vollkommener Hochachtung meinen Gruß. Um die Vollendung seines Werkes bete ich stets wie um die Vollendung meiner eigenen Seele. Möge er nicht bekümmert sein, wenn er sich durch vereinzelte Gelehrte (ulema) einer abfälligen Kritik ausgesetzt sieht. Denn es ist ein bekanntes Sprichwort, dass man nur nach "denjenigen Bäumen mit Steinen wirft, welche Früchte tragen." Setzen Sie Ihren Kampf, Ihre Bemühungen um die gute Sache fort! Gott der Freigiebige und Gerechte in Seiner Vollkommenheit gewähre Ihnen in Ihren Zielen und Wünschen recht bald den Erfolg zum Guten! Amen. Seien Sie Gott dem Ewigen (Baqi) und Gerechten (Haqq) anvertraut.
In dieser Weise hat ein gewiss kritisch Denkender, wortgewandt in den bekannten Geisteswissenschaften und einer der größten Gelehrten unserer Zeit, kompetent in Scheriah und Qur'an, die Risale-i Nur und deren Verfasser beurteilt.
Meine lieben, getreuen, scharfsinnigen (mudakkik) und rechtschaffenen (mustaqim) Brüder
Es gibt da eine Wahrheit, die ich auch mit einer sehr ernsthaften Ermahnung klar machen muss. Entsprechend dem Geheimnis: لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es kennt niemand das Verborgene außer Gott."}
können selbst Leute, die im Rufe der Heiligkeit stehen, die verborgenen Dinge nicht wissen, wenn sie ihnen nicht zu wissen gegeben wurden. Auch die größten Heiligen (veli) können den Zustand ihres Gegners nicht kennen und ihn deswegen zu Unrecht bekämpfen. Die unseligen Auseinandersetzungen zwischen den zehn, denen (das Paradies) vorausverkündet worden war, bezeigen dies. Das heißt also, dass zwei Heilige, Leute von Wahrheit, die einander nicht anerkennen wollen, nicht deswegen ihren geistlichen Stand (maqam) verlieren. Nur darf man dabei nicht offensichtlich den Gesetzen (Scheriat) ganz und gar entgegen handeln und sich nicht einer offensichtlich falsch verstandenen persönlichen Freiheit entsprechend verhalten.
Wenn man aus diesem Grunde im Geheimnis (sirr) der Ayah
{"Sie bezwingen ihren Groll und vergeben den Menschen." (Sure 3,134)}
diesem erhabenen, edelmütigen Grundsatz folgt, die gute Meinung der einfachen Gläubigen über ihren Scheych nicht zu verletzen, um so ihren Glauben vor einer derartigen Erschütterung zu bewahren und weil es notwendig ist, die Säulen (: Schüler) der Risale-i Nur vor ihrem zwar berechtigten, jedoch schädlichen Zorn über diese ungerechten Einwände zu schützen und so den Atheisten keine Gelegenheit zu bieten, die Gegnerschaft zwischen den beiden Gruppen der Leute des Rechten Weges (ehl-i haqq) auszunutzen, die einen mit den Waffen der anderen und deren Argumenten zu schlagen, eine Seite mit den Beweisen der anderen zu widerlegen und so beide (Kämpfer) zugleich zu Boden zu werfen und außer Gefecht zu setzen, sollten die Schüler der Risale-i Nur aufgrund der oben erwähnten vier Punkte ihren Gegnern nicht mit (Gefühlen) von Zorn und Wut und (Gedanken) der Wiedervergeltung entgegen treten. Statt dessen sollten sie nur die strittigen Punkte friedlich beilegen, um sich zu verteidigen und noch
offene Fragen zu beantworten. Denn in unserer Zeit ist der Egoismus bereits weit fortgeschritten. Ein jeder Mensch bemüht sich darum, dass jenes Stückchen Eis, dem sein Ego gleicht und das seiner Statur entspricht, nicht schmilzt, sich nicht verformt. Er glaubt sich dafür entschuldigt und daraus entstehen (alle) Konflikte. Das schadet den Kennern der Wahrheit (ehl-i haqq), nutzt jedoch den Leuten des Irrwegs (ehl-i dalalet).
Der bekannte Fall von Kritik (in Istanbul) weist darauf hin, dass zukünftig einige Personen, die sich für gebildet (meshreb) halten und darauf besonders stolz sind, einige egoistische Leute, die von der islamischen Mystik angehaucht (sofi-meshreb) sind, einige Leute der Rechtleitung, sowie einige Kenner der Wahrheit (ehl-i irshad ve ehl-i haqq), die ihre eigenwillige Seele (nefs-i emmare) noch nicht völlig abgetötet hatten und sich vor dem Abgrund ihrer Ruhmsucht noch nicht retten konnten, im Interesse ihrer Bildung (meshreb), die sie sich bereits erworben hatten und (aufgrund einer Art von) Berufung (mةek), die sie doch so populär gemacht hat, gegen die Risale-i Nur und deren Schüler opponieren werden, um sich so die Sympathie ihrer Gefolgschaft zu erhalten. Sie werden sich ihr im Gegenteil möglicherweise hartnäckig widersetzen. Angesichts solcher Vorkommnisse ist es jedoch notwendig, ruhig Blut zu bewahren, uns nicht erschüttern zu lassen, auch nicht mit Feindseligkeit zu reagieren und die Anführer unserer Gegner nicht in Verruf zu bringen.
Deshalb muss ich hier ein Geheimnis (sirr), das zu enthüllen mir bislang noch nicht in den Sinn gekommen war, nun doch noch enthüllen. Es handelt sich um Folgendes:
Die geistliche Körperschaft der Risale-i Nur und die geistliche Körperschaft einiger erlesener Schüler, welche diese geistliche Körperschaft vertreten, weil sie den Status (maqam) eines «Ferid (d.h. eines unmittelbaren Schülers des Qur'an)» an sich erfahren haben, unterstehen nicht dem geistlichen Pol (qutub) eines bestimmten Landes, ja noch nicht einmal der Jurisdiktion des Groß-Pols (qutb-u adham),
der von einigen, äußerst seltenen Ausnahmen einmal abgesehen, normalerweise im Hidjas (d.h. entweder in Mekka oder in Medina) residiert, und brauchen sich auch nicht seiner Jurisdiktion zu unterstellen. Der gleichzeitigen Existenz zweier Imame vergleichbar, ist es dabei nicht erforderlich, ihn zu kennen. So glaubte ich früher, dass die geistliche Körperschaft der Risale-i Nur einer dieser beiden Imame sei. Inzwischen wurde mir klar, dass der "Große Helfer (Ghaus-i Adham)" zur gleichen Zeit den Status eines Poles (qutbiyet), eines Helfers (ghausiyet) und auch die "Schülerschaft des Qur'an (ferdiyet)" besaß. Auch in der Endzeit (akhir zaman) erfahren die Risale-i Nur und die mit (Scheich Geylani) verbundenen Schüler den Status dieser Schülerschaft (ferdiyet maqam).
Aufgrund dieses großen Geheimnisses (sirr-i azim), das ich eigentlich als rein vertraulich hätte behandeln wollen, sollten sich die Schüler der Risale-i Nur sogar durch einen Einwand gegen die Risale-i Nur, und käme er - den unmöglichen Fall einmal angenommen - aus dem ehrwürdigen Mekka und vom Groß-Pol (qutb-u adham) persönlich, nicht erschüttern lassen, vielmehr diesen Einwand des ehrenwerten Groß-Pols (mubarek qutb-u adham) als ein Kompliment auffassen und ihn als einen Gruß (selam) von ihm annehmen und, um seine Gunst erwerben zu können, die Punkte, die Anlass zu seiner Kritik gegeben haben, solch großen Meistern (Ustadh) gegenüber erläutern und ihnen die Hand küssen.
Oh meine Brüder! Angesichts solcher entsetzlicher Strömungen und welterschütternder Ereignisse (hadith), die ein ganzes Leben (hayat) aus dem Ruder werfen können, sind eine unumstößliche innere Sicherheit (metanet) und stets ruhig Blut (itidal-i dem) erforderlich und eine grenzenlose Opferbereitschaft in sich zu tragen, vonnöten.
{"Sie ziehen das Leben in dieser Welt dem jenseitigen vor." (Sure 14, 3)}.
Der tiefere Sinn (sirr) dieser Ayah weist in der Tat auf folgende Bedeutung (manah) hin: (Wenn Menschen) in unserer Zeit, obwohl sie doch vom Jenseits (akhiret) Kenntnis besitzen und daran glauben, dennoch dieses irdische Leben (dunya) lieben und es dem jenseitigen (akhiret) vorziehen, zerbrechliches Glas einem unzerstörbaren (baqi) Diamanten wissentlich, froh und zufrieden vorziehen, ohne die Folgen zu sehen, blind ihren Gefühlen folgend, ein Dirhem (3 g) von einem Genuss-Gift, das sie gerade zur Hand haben, einem Batman (8 kg) unverfälschten Genusses in einer zukünftigen (Welt) vorziehen, so ist dies eine fürchterliche Krankheit, geradezu eine Plage. Und dem Geheimnis (sirr) dieser Plage entsprechend finden sich sogar einige echte Gläubige (haqiq-i mu'min), die sich manchmal auf die Seite der Leute des Irrwegs (ehl-i dalalet) stellen und so einen fürchterlichen Fehler begehen. Möge Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) die Leute des Glaubens (ehl-i iman) und die Schüler der Risale-i Nur vor dem Übel (sherr) dieser Plagen beschützen! Amen.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Oh meine Brüder!
In heutiger Zeit, besonders aber in diesen letzten Tagen, ist für die Schüler der Risale-i Nur eine unerschütterliche Sicherheit (metanet), Gemeinschaftssinn und Vorsicht nötig. Dank sei Gott (Lillahilhamd) erwiesen sich (die Bauern) aus der Umgebung von Isparta als besonders heldenhaft, stahlhart und standhaft und gaben so den (Bewohnern) anderer Ortschaften ein gutes Beispiel.
Oh Hüsrev! Deinen (so sehr) erfreulichen Brief habe ich empfangen und bin (tief) beeindruckt. Dass du nun mit deiner Aufgabe wieder beginnst, hat uns (alle) überaus froh
gestimmt. Sei uns tausendmal willkommen! Mach dir keine Sorge, weil deine (real existierende) Schreibfeder anderthalb Jahre nicht tätig werden konnte. An deiner Stelle und in Erinnerung an deine Wunder (keramet) wirkende Schreibfeder ist nun ein Exemplar der "Wunder Mohammeds (Mu'djizat-i Ahmediye)" in allen östlichen Provinzen wirkungsvoll unterwegs. Auch ein anderes, letzthin erstelltes Exemplar ist an deiner statt in Istanbul an der Arbeit und Gott möge wollen (insha-a'llah), dass es neue Horizonte (futuhat) eröffnen wird. Denke daran, dass für die beiden wunderbaren Exemplare des hochangesehenen (Adhimush'shan) Qur'an, die du geschrieben hast im ehrwürdigen (sherif) Monat Ramadan, alle Verdienste (sevab), die du dir damit erworben hast, alles Gute und Schöne (tahsin) und aller Segen (tebrik), sowohl hier in unserer Gegend, als auch, insbesondere nachdem sie, wolle es Gott (insha-a'llah) recht bald, gedruckt worden sind, aus der ganzen islamischen Welt (alem) mit unseren Gebeten (dua) um das Erbarmen Gottes (rahmet) über deiner Seele (ruh) herab regnen werden und danke dafür Gott!
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Ich bin auf eine absolut zuverlässige Weise und anhand tausendfältiger Erfahrungen zu der sicheren Überzeugung gelangt und spüre an den meisten Tagen: an einem Tag, an dem ich im Dienst an der Risale-i Nur stehe, empfinde ich, dem Grade meines Dienstes entsprechend, sowohl in meinem Herzen (qalb), in meinem Leibe und in meinem Kopf, aber auch, was meine Versorgung betrifft, wie sich die Dinge zum Besseren entwickeln und entfalten, (fühle) die Erleichterung und Gottes Segen (bereket). Auch habe
ich den Eindruck, dass viele der Brüder, bei denen ich dort gewesen bin, als auch diejenigen hier sich in der gleichen Lage befunden haben und noch befinden. Und viele von ihnen bestätigen mir: "Auch wir empfinden das gleiche." Wie ich euch bereits im vergangenen Jahr geschrieben hatte, liegt das Geheimnis (sirr) dessen, dass ich mit so wenig Nahrung auskommen kann, darin, dass dies ein Segen Gottes (bereket) ist. Zudem gibt es da eine Überlieferung, dass Imam Schafi, mit dem Gott zufrieden sein möge, gesagt haben soll: "Ich verbürge mich für den Unterhalt (rizq) eines aufrichtigen Schülers der Wissenschaft (talebe-i ulum)." Daher finden sie überall ihren Unterhalt (rizq) in Fülle (bereket). Da dies aber nun einmal eine Tatsache ist und da nun einmal die Schüler der Risale-i Nur heute mit Recht den Titel eines aufrichtigen Schülers der Wissenschaft (talebe-i ulum) verdienen, ist es doch sicher die beste Lösung, statt wegen des derzeitigen Hungers, in Not und Elend den Dienst an der Risale-i Nur aufzugeben, dabei die Sorge um das tägliche Brot als Entschuldigung anzuführen und dem täglichen Lebensunterhalt hinterherzulaufen, weiterhin dankbar und zufrieden an der Schülerschaft der Risale-i Nur entschlossen festzuhalten.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
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Wir Schüler, die wir aus der Risale-i Nur unseren ganzen Unterricht (ders) beziehen, dürfen die Risale-i Nur nicht (für die Zwecke) der irdischen (dunya) Politik und noch weit weniger als Mittel einsetzen, die Welt (zu beherrschen) und haben das auch bis heute nicht getan. Wir mischen uns in die Welt der Weltleute (ehl-i dunya) nicht ein. Uns (in dieser Hinsicht) irgendeiner Bosheit zu verdächtigen, ist
ganz einfach irrsinnig.
Erstens:
Der Qur'an hat uns (Nurdjus) jede Beschäftigung mit der Politik verboten, damit die diamantengleichen Wahrheiten (haqiqat) nicht in den Augen der Weltleute (ehl-i dünya) auf die Stufe von Glasstückchen herabsinken.
Zweitens:
Die Liebe (shefqat), unser Gewissen und die Wahrheit (haqiqat) verbieten uns (Nurdjus) eine Beschäftigung mit der Politik. Denn wenn es unter den glaubenslosen Heuchlern zwei gibt, die eine Ohrfeige verdient hätten und es außer ihnen noch sieben, acht unschuldige, armselige Angehörige: Schwache, Kranke und Greise gibt, und wenn nun irgendein Unheil oder eine Plage über sie kommt, wird dieses Unheil auch über die acht Unschuldigen mit Kind und Kegel hereinbrechen. Ja, die beiden gottlosen Heuchler werden dabei sogar noch weniger Schaden erleiden (und sich zu retten wissen). Aus diesem Grund verbieten die Liebe (shefqat), die Barmherzigkeit (merhamet), Wahrheit und Gerechtigkeit (haqq ve haqiqat) dem Wesen der Risale-i Nur entsprechend unseren Schülern mit politischen Mitteln ursächlich an einer Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung mitzuwirken, wobei auch noch das dabei beabsichtigte Ergebnis zweifelhaft ist.
Drittens:
Unser Land, unser Volk und die Leute an der Regierung (ehl-i hukumet) dieses Landes brauchen die Risale-i Nur ganz besonders dringend und in welcher Form auch immer. Man darf sich dabei nicht (vor der Risale-i Nur) fürchten oder ihr feindselig gegenübertreten. Ja, selbst noch der Gottloseste muss noch im Glauben (din) an Recht und Gerechtigkeit (haqq) die Seite der Prinzipien (der Risale-i Nur) vertreten, es sei denn, er wolle an seinem ganzen Volk und Vaterland und seiner islamischen Regierung (hakimiyet-i islamiye) einen Verrat begehen. Denn um das öffentliche Leben wie auch die Politik für dieses Volk und sein Land vor einer Anarchie zu bewahren und es vor den großen Gefahren in Sicherheit bringen zu können, sind die folgenden fünf Prinzipien unbedingt notwendig und erforderlich:
Erstens die Barmherzigkeit (merhamet), zweitens: der Respekt (hürmet),\drittens: die Sicherheit (emniyet),\viertens: wissen, was verboten (haram) und was erlaubt (helal) ist und sich des Verbotenen (haram) zu enthalten; fünftens: eine ungezügelte Lebensweise aufgeben und sich (statt dessen) im Gehorsam (unterwerfen).
Wenn also nun (die Risale-i Nur) das öffentliche Leben in Betracht zieht, und (für die Beachtung) dieser fünf Prinzipien Sorge trägt, legt sie somit den Grundstein für die öffentliche Sicherheit und Ordnung und stellt sie zugleich sicher. Wer sich also gegen die Risale-i Nur wendet, möge mit absoluter Sicherheit wissen, dass er sich im Namen seiner Anarchie gegen sie wendet und ein Feind des Volkes, sein Recht und seine Ordnung ist. Dies alles kurz zusammengefasst habe ich diesem Spitzel mitgeteilt und zu ihm gesagt: "Geh, und sage dies alles denen, die dich hierher geschickt haben, und dazu noch das Folgende: "Wenn nun hier ein Mann, der sich während achtzehn Jahren (polizeilicher Überwachung) um seines inneren Friedens (istirahat) willen kein einziges Mal deswegen an die Regierung gewandt hat, der schon seit einundzwanzig Monaten von all den Kriegen (und Kämpfen), die die Welt in ein Tohu va Bohu verwandeln, keine Notiz nimmt und es gar nicht nötig hat, mit besonders wichtigen Persönlichkeiten, die besonders wichtige Posten bekleiden, freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten, welchen Sinn sollte es dann haben, einen solchen Mann zu fürchten, zu verdächtigen, in der Vorstellung, er könnte sich in eure weltlichen Angelegenheiten einmischen und ihn durch eine derartige (ständige) Überwachung in Bedrängnis zu bringen? Wozu sollte so etwas gut sein? Oder gibt es irgendein Gesetz dafür? Selbst die Irren wissen, dass ihn zu belästigen Irrsinn wäre." Das habe ich ihm gesagt. Und dieser Spitzel stand auf und ging.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben Brüder! Da ich unter den Abschriften (die ihr mir zur Korrektur übersandt habt) die beiden Abhandlungen über die Wahrhaftigkeit (Ihlas Risale) gefunden habe, überlasse ich euch dem Unterricht dieser (und anderen) Abhandlungen (mit verwandten Themen) und sehe keine Notwendigkeit zu noch weiteren Abhandlungen (ders). Ich möchte euch nur noch auf Folgendes aufmerksam machen: Da sich unsere Berufung (meslek) auf das Geheimnis der Aufrichtigkeit (sirr-i ihlas) stützt und es sich hier um die Wahrheiten des Glaubens (haqaiq-i imaniye) handelt, ist es notwendig, dass wir uns nicht ohne Not in weltliche Angelegenheiten und das öffentliche Leben einmischen, uns von jeder Art Rivalität und Parteilichkeit zurückhalten und um unserer Berufung willen alles vermeiden, was einen Zwiespalt herbeiführen könnte. Es ist tausendmal bedauerlich, dass nun diese armseligen Gelehrten (ehl-i ilim) und die Geistlichkeit (ehl-i diyanet), die den Angriffen heutiger schrecklicher Schlangen ausgesetzt sind, kleine Fehler, Mückenstichen vergleichbar, als Ausrede benutzen, um so einander zu kritisieren. So helfen sie den Schlangen und böswilligen Heuchlern bei deren Zerstörungswerk und tragen selbst zu ihrer eigenen Vernichtung bei. Unser durchaus ehrlicher und aufrichtiger Bruder Hasan Atif bringt in einem Brief zum Ausdruck, dass ein alter Gelehrter und Prediger eine Haltung zeige, die der Risale-i Nur allein noch zum Schaden sein könne. Damit wollte er, unter dem Vorwand, einen armseligen (Menschen) wie mich, behaftet mit Tausenden Fehlern, der ich wegen zweier bedeutender Beweggründe eine Tradition (sunnah) vernachlässige, deswegen in Verruf bringen, wodurch dann (indirekt) die Risale-i Nur belastet würde.
Erstens:
Diese Person und auch ihr sollt wissen: Ich bin ein Diener der Risale-i Nur und der Ausrufer in diesem
Laden. Doch was diese (Risale-i Nur) betrifft, so ist sie als ein wahrhaftiger Kommentar an den ruhmreichen (Adhimush'shan) Qur'an gebunden, (der seinerseits wiederum) mit dem Gewaltigen Thron (Arsh-i Adham) verbunden ist. Alle Fehler meiner Person sind deshalb nicht (wie eine ansteckende Krankheit auf die Risale-i Nur) übertragbar. Das zerrissene Gewand, das ich als Ausrufer (trage), setzt keinesfalls den bleibenden (baqi) Wert ihrer Diamanten herab.
Zweitens:
Richtet diesem Prediger, dieser gelehrten Persönlichkeit meine Grüße (selam) aus. Seine Kritik und was er an meiner Person auszusetzen hat, nehme ich hiermit gehorsamst entgegen. Und auch ihr solltet nicht mit diesen und ähnlichen Personen streiten und sie auch nicht zu (irgendwelchen) Disputationen herausfordern. Ja selbst wenn wir angegriffen werden, solltet ihr dem nicht mit einem Fluch entgegnen. Wer immer es auch sein mag: da er nun einmal einen Glauben (iman) hat, ist er (wenigstens) in diesem Punkt unser Bruder. Auch wenn er uns Feindschaft entgegen bringt, dürfen wir ihn das unseren Grundsätzen (meslek) entsprechend nicht entgelten lassen. Denn es gibt noch ärgere Feinde und (bösartige) Schlangen. Zudem halten wir in unseren Händen nur das Licht (Nur), nicht aber eine Keule. Ein Licht verletzt uns nicht, sondern liebkost uns mit seinen Strahlen. Besonders, wenn es sich dabei um einen Wissenschaftler (ehl-i ilim) handelt, der eine Selbstgefälligkeit (enaniyet) zur Schau trägt, die sich auf sein Wissen (ilim) stützt, sollt ihr seinen Dünkel (enaniyet) nicht auch noch herausfordern. So weit wie möglich solltet ihr dem Grundsatz folgen:
{"Wenn sie unterwegs einem leeren Geschwätz begegnen, ziehen sie ruhig weiter, ohne es zu beachten." (Sure 25, 72)}
Da diese Person sich darüber hinaus früher auch noch mit der Risale-i Nur befasst und bei den Abschriften beteiligt
hatte, gehört auch er mit zu diesem Kreis. Auch wenn er dabei einen Gedankenfehler begangen hat, solltet ihr trotzdem nachsichtig sein. Wir sollten uns in so merkwürdigen Zeitläufen wie der unsrigen nicht über dergleichen Muslimen erregen, wo sie doch zum Glauben (iman) gefunden haben, wie mit solchen, die der Geistlichkeit oder den Sufis (ehl-i diyanet ve tarikat) oder selbst irgendeiner irregeleiteten Splittergruppe angehören. Insoweit sie auch nur anerkennen und bestätigen, dass es einen Gott und ein Jenseits (akhiret) gibt, selbst wenn sie Christen sein sollten, darf man strittige Punkte nicht zu einer Quelle von Auseinandersetzungen machen. Denn sowohl eine so merkwürdige Zeit (wie die unsrige), als auch unsere (eigene innere) Berufung (meslek) und unser heiliger (qudsi) Dienst erfordern dies.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Was nun die Grundsätze (meslek) der Risale-i Nur betrifft, (so gehört es sich), dass wir unsere Aufgaben (vazifah) wahrnehmen und uns nicht in die Obliegenheiten (vazifah) Gottes, des Gerechten (Djenab-i Haqq) einmischen. Unsere Aufgabe (vazifah) ist die Verkündigung (tebligh). Ob sie aber (von den Menschen) angenommen wird, (das gehört allein) zu den Obliegenheiten (vazifah) Gottes, des Gerechten (Djenab-i Haqq). Daher sollte man auch die Anzahl (der Menschen) gar nicht so wichtig nehmen. Hast du also auch nur einen einzigen "Atif" gefunden, so ist es doch so als hättest du hundert gefunden. Mach dir deshalb darum keine Sorgen! Soweit es also nun möglich ist, nimm diese kleinen, von außerhalb kommenden Störungen, nicht so wichtig! Sei dabei aber vorsichtig! Denn in dieser Jahreszeit (mausim), einer Zeit (zaman), in der (ein jeder mit seinen eigenen) Sorgen um den täglichen Lebensunterhalt
beschäftigt ist, in einer Zeit (gaflet zamani), in der (jede Beschäftigung mit der Risale-i Nur weitgehend) ruht und (die Menschen) der Gottvergessenheit (anheimzufallen drohen), ist trotzdem auch ein ganz klein wenig Beschäftigung (mit der Risale-i Nur besonders) wichtig. (Das heißt also nicht), dass wir (damit) aufhören sollten. Es gibt auch hier keine Misserfolge und keine Niederlagen. Denn die Risale-i Nur findet in jeder Situation souverän ihren Weg!
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Man darf die Risale-i Nur nicht zu einem Werkzeug für weltliche Dinge machen. Man darf sich nicht für weltliche Zwecke hinter ihr verschanzen. Denn weil sie eine bedeutende (Form) der Kontemplation ist, darf man sie nicht vorsätzlich für weltliche Angelegenheiten einsetzen. Wer sie aber dafür einsetzt, dessen Aufrichtigkeit (ist bereits) verdorben. Dadurch wird diese so bedeutende Form des Gottesdienstes (ibadet) umgebogen. Es ist, als hielten prügelnde Kinder sich ihren Qur'an schützend vors Gesicht. (Da also in unserem Beispiel ein Schlag), der den Kopf verletzen würde, (statt dessen) den Qur'an treffen könnte, darf man auch die Risale-i Nur derart halsstarrigen Gegnern gegenüber nicht wie einen Schutzschild verwenden. Wer die Risale-i Nur angreift, bekommt in der Tat einen solchen Schlag, was anhand hunderter Ereignisse bezeugt wird. Doch sollte man die Risale-i Nur nicht dazu verwenden, um (mit ihrer Hilfe) Schläge auszuteilen und (seine Gegner nicht noch absichtlich herausfordern), damit sie ein solcher Schicksalsschlag ereilt. Denn das würde dem Geist der Wahrhaftigkeit (sirr-i ihlas) und dem Geist unserer Frömmigkeit (sirr-i ubudiyet) wiedersprechen. Wir überlassen
daher solche, die uns ein Unrecht zufügen, unserem Herrn (Rabb), der uns unter Seinen Schutz stellt und uns in Seinen Dienst an der Risale-i Nur nimmt. So wie sich in dieser Welt (dunya) einige wunderbare Geschehnisse auf bestimmte Fürbittgebete (aurad) hin ereignen, geschieht dies in der Tat sehr häufig auch in Bezug auf die Risale-i Nur. Man darf sie aber nicht fordern, sie werden vielmehr geschenkt, dürfen also nicht der Grund (unserer Gebete) sein, können jedoch deren Frucht sein. Werden (unsere Gebete) in der Absicht verrichtet (ihre Erfüllung herbeizubeten), so wäre (die Erfüllung) der Grund (unserer Gebete) und dadurch würde unsere Aufrichtigkeit verdorben und unser Gebet (ibadet) teilweise entwertet. Siehe also zu, dass sich diese ganze Angelegenheit so schnell wie möglich wieder beruhigt (hadiseyi teskin), sonst werden die Heuchler (munafik) noch ihren Nutzen daraus ziehen oder vielleicht sogar selbst ihre Hand mit im Spiel haben.
Diese durch nichts zu erschütternde Überlegenheit der Risale-i Nur über derart fürchterlich halsstarrige (Leute) erwächst in der Tat aus dem Geheimnis der Aufrichtigkeit (sirri ihlas), die es nicht (erlaubt, sie für was auch immer) als Wekzeug zu missbrauchen, da sie ausschließlich auf die Ewige Glückseligkeit (saadet-i ebedi) ausgerichtet ist, außer dem Dienst am Glauben (iman) kein anderes Ziel im Auge hält, keinen Wert darauf legt, ganz persönlich Wunder (keshf-u keramat) zu verrichten, worauf doch einige Sufis (ehl-i tarikat) so großen Wert legen, sondern, wie die Sahabis, die (damals doch) im Stande einer großen Heiligkeit (velayet-i kübra) lebten, im Geheimnis (sirr) ihres Erbes des Prophetentums (veraset-i nubuvvet) allein das Licht (Nur) des Glaubens (Nur) zu verbreiten und den Glauben der Gläubigen (ehl-i imanin imanlarini) zu retten. So sind denn in der Tat in dieser schrecklichen Zeit die beiden gesicherten (muhaqqak) Ergebnisse, welche die Risale-i Nur hervorbringt, allen anderen Dingen überlegen und es bleibt daneben kein Bedürfnis nach anderen Dingen und Rangstufen (maqam) mehr übrig.
Erstes Ergebnis:
Es gibt besonders machvolle Zeugnisse dafür, dass (Menschen), die in Treue und Zufriedenheit in den Kreis der Risale-i Nur eintreten, auch im Glauben (iman) ins Grab steigen werden.
Zweites Ergebnis:
Im Kreis der Risale-i Nur betet (dua) jeder wahrhaft treue (hakiki sadik) Schüler aufgrund unserer auf das Jenseits ausgerichteten geistigen Gemeinschaft (shirket-i maneviye-i ukhrevi), wie sie ganz ohne unserer Wissen und Wollen entstanden und nun eine Tatsache (tahakkuk) geworden ist, wie mit Tausenden Zungen und Herzen (qalb), fleht um die Vergebung (istighfar) seiner Sünden, dient (ibadet) seinem Herrn und stimmt wie manche Engel mit vierzig Tausend Zungen seinen Lobgesang (tesbih) an. Und im ehrwürdigen (sherif) Monat Ramadan strebt er nach den heiligen (qudsi) und erhabenen Wahrheiten (haqiqat) mit hundert Tausend Händen, gleich wie die Wahrheit (haqiqat) in der Nacht der Bestimmung (Leyle-i Qadir) herabsteigt. So geschieht es denn auch in der gleichen Absicht, dass die Schüler ihren lichtvollen Dienst (hizmet-i nuriye) an der Risale-i Nur dem Stand der Heiligkeit (velayet makami) vorziehen. Sie versuchen nicht, Wunder (keshf-u keramat) zu vollbringen. Sie bemühen sich auch nicht darum, schon hier in dieser Welt (dunya) die Früchte einer jenseitigen Welt (akhiret) zu pflücken. Dabei kümmern sie sich nicht um die Dinge, die außerhalb ihres Aufgabenbereichs (vazifah) liegen und allein Gottes Obliegenheiten (vazife-i ilahiye) sind, wie ihren Erfolg (muvaffakiyet) und ihre Akzeptanz im Volk, ihre eigene Überlegenheit, auch nicht, wie man Ruhm und Ehre, Frohsinn und alle die Geistesgaben (inayet), erlangen kann, die ihnen ohnehin zustehen und sie dürfen auch nicht in ihrer Handlungsweise danach ausrichten. Sie arbeiten mit reinem, aufrichtigen (Herzen) und sagen dabei: "Unsere Aufgabe (vazifah) ist unser Dienst und das genügt uns."
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Um (den Segen) der Nacht der Bestimmung zu gewinnen, die doch mehr als achtzig Jahre wert ist, und sich in jeder Nacht des ehrwürdigen (sherif) Monats Ramadan verborgen hält, soll ein jeder, den Grundsätzen unserer, auf das Jenseits orientierten, geistigen Gemeinschaft (shirket-i maneviye-i ukhreviye) der Schüler der Risale-i Nur, wenn er Anrufungen wie
{"halte uns fern (von dem Feuer), erbarme dich unser und vergib uns unsere Sünden!"}
ausspricht, stets die erste Person Plural verwenden, also "wir" sagen und dabei im Sinne (niyet) der treuen Schüler der Risale-i Nur (beten) und jeder Schüler sollte sich dabei darum bemühen im Namen und für alle zu beten (munadjat). Auch bitte ich, wie übrigens auch im letzten Ramadan, um eure Hilfe für diesen euren Bruder, der so hilflos ist und so wenig arbeiten kann und von dem ein Dienst erwartet wird, der weit über seine Grenzen (und Möglichkeiten) hinaus geht, damit sich die gute Meinung, die (seine Brüder) von ihm haben, nicht als falsch erweist.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Vor zwei, drei Tagen habe ich bei der Korrekturlesung zum Zweiundzwanzigste Wort mitgehört. Ich habe bemerkt, dass sich (in der Risalah) neben sehr viel Licht (Nur), auch ein umfassendes Gedenken (dhikr), ein weit umspannendes Nachsinnen (fikr), eine nachhaltige Anrufung der Bekenntnisformel (La ilaha illallah), ein machtvoller Unterricht,
ein machtvoller Unterricht im Glauben, eine allheilige Gegenwart Gottes (hudhur) ohne jede Ablenkung (ghaflah), eine heilige Weisheit (qudsi hikmet) und ein erhabener kontenplativer Gottesdienst (ibadet-i tefekkuriye) finden lässt. So erkannte ich jene Weisheit, die darin liegt, dass manche Schüler in der Absicht (niyah), Gott damit einen Dienst (ibadet) zu erweisen, diese Abhandlungen entweder abschreiben, oder aber lesen, oder einfach zuhören. "Möge Gott (sie alle insgesamt) segnen (Barekallah)!" habe ich da gesagt und (ihnen allen) Recht gegeben, (wenn jeder auf die ihm gemäße Art seinen Dienst verrichtet).
Eine Frucht des Schwarzen Berges
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Diesmal schicken wir euch als eine Frucht (unseres Dienstes) diesen Brief. Eine einzige Bedeutung (mana) dieser Ayah aus dem Gesamten ihrer Hinweise bezieht sich (auf die Zeit) von der Gründung unserer Republik (Hürriyet) bis zu diesem Zeitpunkt. Am dreißigsten Tag im zweiten Monat Teshrin (1358) stieg ich auf den Schwarzen Berg (Karadagh). Da kam in meiner Erinnerung (die Frage) auf: "Wann sind eigentlich diese Katastrophen und die Zerstörungen über die Menschheit und insbesondere über die Muslime hereingebrochen, die sich noch heute fortsetzen, und wie lange werden sie noch andauern?" Da rückte mir plötzlich der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder (mu'djiz-ul beyan) ist und alle meine Probleme lösen kann, die Sure
وَالْعَصْرِ {"Die Epoche" (Sure 103)} vor Augen und sagte: "Schau her!" Da sah ich hin: So wie (diese Sure) in jeder Zeitepoche (asr) zu uns spricht (hitab), so bezieht sie sich besonders auch auf unser Jahrhundert (asr).
Dabei ergibt sich in der Sure
{"Bei dieser Epoche! Der Mensch ist in der Tat verloren."},
nach der Abdjed-Rechnung (maqam-i djifr) aus der Ayah
{"Der Mensch ist in der Tat verloren."},
die Jahreszahl 1324, die den Beginn der Parlamentarischen Monarchie (hürriyet inkilabi) und damit die Umgestaltung des bisherigen Sultanats bezeichnet. (Es folgten) der Balkankrieg, die Kriege Italiens (in Afrika) und die Niederlage im Ersten Weltkrieg mit ihren abscheulichen Staatsverträgen, die Erschütterung (: Verbot) der Kennzeichen des Islam, die Erdbeben in unserem Land, die Feuersbrünste, die Stürme und die Katastrophen, die im Zweiten Weltkrieg droben und drunten, landauf und landab über diese Erde hinwegbrausten. Sie machen im Zusammenhang mit den Verlusten an Menschenwürde und Menschenleben (hasaret-i insaniye) die Wirklichkeit der Ayah in dieser Zeitepoche: اِنَّ اْلاِنْسَانَ لَفِى خُسْرٍ {"Denn der Mensch ist verloren."}, im Zusammenhang mit dieser Zeitangabe ganz klar sichtbar, zeigen und beleuchten blitzartig dieses Wunder.
Zählt man am Ende der Ayah
#432s
{"Außer denen die Glauben und gute Werke tun..."},
am Ende des Wortes «salihat» ein h - ح für ein t - ة (: t-marbuta) und zusätzlich auch noch die drei Verdopplungszeichen (Shedde) mit, so erhalten wir nach der Abdjed-Rechnung (maqam-i djifr) die Jahreszahlen 1358-1359, welche Zeitangabe genau dieses Jahr und das folgende Jahr betrifft. Als den einzigen Ausweg, sich aus all diesen Katastrophen und ganz besonders den geistigen Katastrophen zu retten, zeigen sich Glaube (iman) und gute Werke, sowie im Umkehrschluss der einzige Grund für all diese Katastrophen: der Unglaube und die Undankbarkeit (kufr-u kufran), Sünde und Ausschweifung. So erkennen wir denn diese gewaltige Größe und Heiligkeit (adhamet ve qudsiyet), welche in der Sure وَالْعَصْرِ {"Die Epoche"} liegt, bestätigen, was für ein weitreichender und umfassender Schatz trotz ihrer Kürze in ihr liegt und danken Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq) dafür.
Der Grund für die Errettung der islamischen Welt (alem) in dieser Zeitepoche (asr) aus der großen Katastrophe dieses fürchterlichen Zweiten Weltkrieges sind der Glaube (iman) und die guten Werke, (deren Nährboden) der Qur'an ist. Dementsprechend liegt der Grund für die Dürrekatastrophen und den bitteren Hunger, der die Armen getroffen hat, darin, dass sie die (geschmacksverstärkende) Süßigkeit des Hungers während der Fastenzeit nicht auf sich nehmen wollten, sowie der Grund für die Verluste und Katastrophen, welche die Reichen (im Lande) getroffen hat, darin, dass sie die Armensteuer (zekat) nicht bezahlt haben, vielmehr statt dessen, geizig gewesen sind. Auch der Grund dafür, dass Anatolien nicht zum Kriegsschauplatz geworden ist, liegt darin, dass die Risale-i Nur in ihrer
überzeugenden (tahqiq) Art und auf überragende Weise die Herzen (qalb) von hunderttausend Menschen die Wahrheit des Heiligen Wortes (kelime-i qudsiyesinin haqiqatini) اِلاَّ الَّذِينَ اٰمَنُوا {"...außer denen, die glauben."}, lehrt. Dies wird durch sehr viele Zeichen und durch die Überzeugung und aufmerksame Betrachtung tausender Leute der Wahrheit unter ihren Schülern bestätigt.
Die kleinen, unschuldigen Schüler der Risale-i Nur
Meine lieben getreuen Brüder!
Man hat uns die Abschriften von fünfzig, sechzig Schülern unter den kleinen, unschuldigen Studenten der Risale-i Nur zugeschickt. Wir haben diese Blätter in drei Bänden zusammengefasst und gebündelt. Auch wollen wir hier die Namen einiger dieser unschuldigen Schüler aufzählen, z.B.: Ömer, fünfzehn Jahre, Bekir, neun Jahre; Hüseyin, elf Jahre; Hafidh Nebi, vierzehn Jahre; Mustafa, vierzehn Jahre; Mustafa, dreizehn Jahre; Ahmed Zeki, dreizehn Jahre; Ali, elf Jahre; Hafidh Ahmed, elf Jahre... Es gibt in diesem Alter noch viele andere Kinder, zu viele, um (hier all ihre Namen) aufzuschreiben. Einen Teil dieser unschuldigen Kinder, die Unterricht in der Risale-i Nur erhalten und sie kopiert hatten, wurde uns also inzwischen zugesandt und wir haben daraufhin eine Liste mit einigen ihrer Namen zusammengestellt. Ihre ernsthaften Arbeiten in dieser Zeit zeigen uns, dass für sie die Risale-i Nur ein (wahres) Licht (Nur) ist. Für sie besitzt die Risale-i Nur so viel innerliche Freude und so viel Anziehungskraft, dass sie jeder Art von Ansporn und Belustigung, die erfunden wurde, um die Kinder in ihren Schulen zu einer Begeisterung für das Lesen hinzuführen, überlegen ist. Also erweckt die Risale-i Nur in ihnen soviel Begeisterung, (in ihren Herzen)
so viel Frohsinn und einen (derart tief innerlich empfundenen) Genuss, dass sich die Kinder in dieser Art verhalten. Diese Situation zeigt uns nun, dass die Risale-i Nur Wurzeln zu schlagen beginnt. Möge Gott es wollen (inshaallah), dass nichts und niemand je imstande sein wird, sie wieder herauszureißen! So wird sie auch in künftigen Generationen fortbestehen. Ebenso gibt es den unschuldigen kleinen Schülern entsprechend ansonsten ungebildete alte Leute, die nach vierzig, fünfzig Jahren von der Risale-i Nur angezogen worden, in ihren Kreis eingetreten sind und voller Hochachtung (hatir) begonnen haben, die Risale-i Nur abzuschreiben. Wir haben diese vierzig, fünfzig Teile in zwei, drei Bänden zusammengefasst. Und wenn nun in heutiger Zeit, unter diesen besonderen Umständen nahezu ungebildete alte Leute, Hirten und Nomaden sich in dieser Weise einsetzen und die Risale-i Nur allen anderen Dingen vorziehen, so zeigt dies, dass in heutiger Zeit die Risale-i Nur notwendiger ist als Brot. Das aber zeigt, dass für diese (einfachen) Bauern, Hirten und Nomaden, (Knechte, Mägde und wandernde) Erntehelfer die Arbeit an der Risale-i Nur noch über ihre sonstigen elementaren Lebensbedürfnisse hinaus geht, dass die Risale-i Nur somit für sie zu einer Realität (haqqaniyet) geworden ist. Ich habe mit diesem Band wenig, mit den anderen sechs Bänden der unschuldigen wie der kaum gebildeten alten Schreiber jedoch große Mühe gehabt. Dabei war meine Zeit knapp. Der Gedanke stieg in mir auf und (eine Stimme) in meinem Inneren sagte zu mir: Sei nicht ungeduldig, weil du diese Schriften nicht so schnell lesen kannst! Da die es eilig haben, ganz langsam lesen müssen, können ihre Seele (nefs) und die Gefühle ihres Gemütslebens nur so ihre Versorgung, ihre Speise mit ihrem Verstand (aql), ihrem Herzen (qalb), ihrem Geist (ruh) aus der Wahrheit (haqiqat) der Risale-i Nur schöpfen. Andernfalls bekäme nur der Verstand seinen eigenen kleinen Anteil und alle übrigen (Organe) blieben ohne Nahrung. Es sollte aber die Risale-i Nur nicht so wie andere wissenschaftliche oder schöngeistige
Bücher gelesen werden. Denn die in ihr enthaltene Wissenschaft vom wahrhaftigen Gauben (iman-i tahqiq) ist nicht mit den übrigen Zweigen der Wissenschaft und anderen Erkenntnistheorien vergleichbar. Sie ist Kraft und Licht (Nur) für viele subtile Organe (letaif) des Menschen neben dem Verstand. Kurz gesagt: In diesen unvollkommenen Handschriften der Unschuldigen, der Ungebildeten und der Alten liegt ein zweifacher Nutzen:
Erstens:
Man liest notwendiger Weise sorgfältig und aufmerksam.
Zweitens:
Man folgt staunend und mit Genuss dem Unterricht (ders) durch diese unschuldigen, reinen, aufrichtigen, wohltuenden Worte, den schönen, tiefsinnigen Beispielen, mit denen die Risale-i Nur uns unterweist (ders).
Ein Brief, der nach Isparta geschickt wurde
Meine lieben, getreuen Brüder!
Gleich wie wir, dem tiefen Sinn (sirr) des Lobpreises (tesbihat) nach dem Gebet (namaz) entsprechend, durch unseren Lobpreis (tesbih), das Gedenken Gottes (dhikr) und das Bekenntnis unseres Glaubens (tehlil) nach dem Gebet (namaz) selbst in den gewaltigen mohammedanischen Kreis (hatme-i muazzama-i Muhammediyye) eintreten und in dieser Absicht (niyet) selbst in unserem Geiste (tasauvvur) im Kreise dieser großen und weiten, weltumspannenden, lobpreisenden mohammedanischen Gemeinde Gottes gedenken (dhikr) und Ihn lobpreisen (tesbih), was eine Quelle aller Segnungen (füyuzat) ist, dürfen wir uns auch, wenn wir am Unterricht (ders) in diesem weiten Kreis der Gemeinde der Risale-i Nur an den Tausenden Worten der Gebete (dua) und guten Werke der Unschuldigen (Kinder) und der gesegneten Alten teilhaben, die in der Kette der Lichter (envar) ihren Unterricht (ders)
erhalten, in ihr arbeiten und dazu "Amen" sagen, wenn mit ihnen zusammen und obgleich in ihrer Abwesenheit, dennoch nicht von ihnen getrennt in Raum und Zeit, in unseren Träumen, entsprechend unserer Absicht (niyet) und in unserer meditativen Schau (tassauvur) Schulter an Schulter und Knie neben Knie beieinandersitzen, uns über alle Maßen für glücklich erachten. Besonders nun am Ende meines Lebens solch kostbare geistige Kinder und Hunderte Abdurrahman zu finden, ist für mich schon in dieser Welt (dunya) wie ein Leben im Paradies (djennet). Da ich im vergangenen ehrwürdigen (sherif) Monat Ramadan krank gewesen bin und ich so mit augenscheinlicher und wahrhaftiger Gewissheit ('ayne-l'yaqin ve haqqa-l'yaqin) erleben durfte, was für eine großartige Erfahrung es für mich war, wie ein jeder meiner Brüder eine Stunde für mich gearbeitet hat, wurde mir durch ihre Gebete (dua) und die Arbeiten, welche diese unschuldigen (Kinder) und gesegneten Alten (für mich verrichtet haben), Gebete (dua), welche niemals zurückgewiesen werden, auch die Gebete (dua), die sie in meinem Namen für ihre Lehrer (Ustadh) verrichtet haben (die sie das Schreiben gelehrt haben), bereits in dieser Welt (dunya) mein Dienst an der Risale-i Nur als ein bleibendes (baqi) jenseitiges (uhrevi) Ergebnis gezeigt.
{"Der Beständige ist der, der ewig bleibt und besteht."}
Ein Artikel, der nach Isparta gesandt wurde
Die Risale-i Nur verlangt von ihren treuen und standhaften Schülern als Preis für die so großen Verdienste und Erfolge und alle ihre so wertvollen Ergebnisse, zu welchen ihre Schüler gelangt sind, eine unverfälschte Treue (sadaqat) und ausdauernde, unerschütterliche Beharrlichkeit.
Zwanzig Tausend erfahrene Menschen bezeugen (shehadet), dass sie sich mit Hilfe der Risale-i Nur einen kraftvollen und wahrhaftigen Glauben (iman-i tahqiqi) den man sich (normaler Weise) in einer Medresse in fünfzehn Jahren erwirbt, in der Tat in bereits fünfzehn Wochen, ja manche in nur fünfzehn Tagen erworben haben. Auch die gemeinsam im Sinne eines jenseitigen Lebens verrichteten Tätigkeiten (ishtirak-i a'mal-i uhreviyye) veranlassen jeden Schüler durch all die vielen (bei Gott) angenommenen Gebete (dua), die sie jeden Tag (alle gemeinsam) mit Tausenden aufrichtiger Zungen verrichten und durch all die guten Werke (a'mal-i saliha) Tausender rechtschaffener Leute (ehl-i salahat) ebenso viel (tausende) Verdienste (für sich) zu erwerben, wodurch es sich also zeigt, dass jeder wahrhaft getreue (haqiqi sadik) und standhafte Schüler mit seinen Werken (von einem) zu Tausenden Männern wird, was ein überaus sicherer Beweis dafür ist, dass diese aufrichtigen Schüler als ein Wunder aus dem Verborgenen (keramet-i ghaybiye), aufgrund dreier wunderbarer (keramet), hochgeschätzter Voraussagen von Imam Ali, sowie die frohen Botschaften von Ghaus-i Adham, durch welche (diese Schüler für ihren Dienst) gelobt und (dazu weiter) angespornt werden, sowie aufgrund von Hinweisen von besonderer Überzeugungskraft, (die wir) im Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist (Qur'an-i Mu'djizu-l'Beyan), finden, zu den Leuten der Glückseligkeit und des Paradieses gehören werden.
Sicher verlangt ein solcher Gewinn (des Paradieses) einen entsprechenden Preis. Da dies aber nun einmal die Wahrheit ist, sollten alle Wissenschaftler (ehl-i ilim), die Mystiker (ehl-i tariqat) und die Sufis (sofi meshreb), die dem Kreis um die Risale-i Nur nahe stehen, sich dieser Strömung anschließen, sie mit dem Kapital, das sie aus ihrem Wissen (ilim) und ihrer mystischen Erfahrung (tariqat) schöpfen, stärken und stützen, sich auch darum bemühen, diesen Kreis noch zu erweitern und ihre Schüler dazu anspornen, ihr Ego (enaniyet), einem Eisstückchen vergleichbar, in diesen Kreis wie in
einen See, gefüllt mit dem Wasser des Lebens (ab-i hayat), hineinzuwerfen, damit es in ihm und mit ihm verschmelze, um so selbst einen ganzen See für sich zu gewinnen. Wer hingegen einen anderen Weg einschlägt, schädigt dadurch nicht nur sich selbst, sondern beschädigt zugleich auch, ohne es zu wissen, die gerade (mustaqim), solide gebaute (metin) qur'anische Straße, ja, er unterstützt damit sogar noch den Unglauben, wenn auch indirekt und wiederum ohne es zu wissen.
Ein Brief unseres Lehrers (Ustadh) aus Kastamonu, den er seinen Schülern geschickt und mit eigener Hand geschrieben hat.
Meine lieben getreuen Brüder!
Aus dieser Anklageschrift wird klar, dass die Intrigen dieser heimlichen Ungläubigen, die einige leitende Beamte in die Irre führen und so gegen uns aufhetzen, erfolglos geblieben sind und sich als Lügen herausgestellt haben. Nun versuchen sie unter dem Vorwand, wir seien ein Komitee
oder wollten einen Verein gründen, ihre verlogenen Anschuldigungen zu verschleiern. Infolgedessen lassen sie niemanden in meine Nähe kommen. Als ob jemand, der auch nur in unsere Nähe käme, ganz plötzlich einer von uns würde! Sogar höhere Beamte scheuen deshalb davor zurück. Und durch dergleichen Schikanen glauben sie, sich bei ihren Vorgesetzten (amir) Liebkind machen zu können. Insbesondere حا ص م دبص . Den nun folgenden Absatz (fikra) hatte ich eigentlich dem Widerspruch (den ich eingelegt habe) anfügen wollen. Doch eine andere Überlegung (fikir) hat mich davon abgehalten. Dieser Absatz lautet folgendermaßen:
Wir sind in der Tat eine Vereinigung. Doch wir sind eine Vereinigung, die in jedem Jahrhundert ihre dreihundertundfünfzig Millionen Mitglieder hat. Jeden Tag verkündigen sie durch ihr fünfmaliges Gebet (namaz) in vollkommener Hingabe und Verehrung, ihre Verbundenheit und Dienstbereitschaft.
{"In der Tat sind alle Gläubigen Brüder." (Sure 49, 10)}
Mit diesem heiligen Programm beeilen sie sich mit ihren Gebeten (dua) und mit ihren spirituellen Verdiensten einander zu Hilfe zu eilen. So sind wir denn Mitglieder dieser heiligen, gewaltigen Vereinigung. Und es ist unsere ganz besondere Aufgabe, in kritisch betrachtender Form und auf eine untersuchende Weise den Leuten des Glaubens die Glaubenswahrheiten des Qur'an zu erklären und so zugleich uns und sie vor der ewigen Verdammnis und der immerwährenden Einzelhaft im Zwischenreich (berzah) zu erretten. Wir haben absolut keine Verbindung mit irgendeiner weltlichen oder politischen Verschwörung oder revolutionären Vereinigung, wie man es uns zu unterstellen versucht. Wir begeben uns nicht auf die Stufe irgendeiner solchen sinn- und bedeutungslosen geheimen Verbindung hinunter.
{"Friede sei mit euch, Gottes Erbarmen und Sein Segen für immer und ewig!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Seht euch vor, ja, hütet euch vor den weltlichen (dunya) Strömungen, besonders aber vor den politischen Strömungen und ganz besonders vor den auf das Ausland gerichteten Strömungen, damit sie euch nicht in eine Spaltung hinein reißen! Diese irregeleiteten Gruppen, die sich gegen euch vereinigt haben, dürfen (keine Gelegenheit dazu bekommen), euch ins Verderben zu stürzen.
{"Liebe um Gottes willen, Zorn um Gottes willen!"}
Anstelle dieser edlen (rahman) Prinzipien dürfen nicht die teuflischen Grundsätze
{"Liebe um der Politik (Staatsräson) willen, Zorn um der Politik willen!"}
dominieren.
Einem engelgleichen Bruder in der Wahrheit (haqiqat) gegenüber darf man keine Feindschaft und einem Parteigenossen gegenüber, der doch nur ein finsterer Geselle (hannas, Sure 114) ist, keine Liebe (muhabbet) und aufgrund seiner politischen Zugehörigkeit kein Einverständnis mit seinem Despotismus zeigen und sich nicht innerlich an seinen Verbrechen mitschuldig machen. Die heutige Politik verdirbt in der Tat die Herzen (qalb) und überlässt die so verstörten Seelen (ruh) ihrer Qual. Ein Mensch, der den Frieden seines Herzens (selamet-i qalb) und die Ruhe seines Geistes (istirahat-i ruh) sucht, sollte die Politik meiden. Es hat heute auf dieser Erde in der Tat ein jeder seinen Anteil am (allgemeinen Unglück), das ihn in
seinem Herzen (qalb), seiner Seele (ruh), seinem Geist (aql) oder seinen Körper ergreift, zieht sich so seine Strafe zu und stürzt ins Elend. Da nun insbesondere die Leute des Irrtums und der Gottvergessenheit (ehl-i dalalet ve ehl-i ghaflet) von Gottes umfassendem Erbarmen (merhamet-i umumiye-i Ilahiyye) und der vollkommenen Weisheit des Hochgelobten (hikmet-i tamme-i Subhaniye) nichts erfahren haben, jedoch aufgrund eines allgemein-humanitären Mitempfindens mit dem ganzen Menschengeschlecht verbunden sind, ziehen sie sich zusätzlich zu ihren eigenen Schmerzen auch noch das augenblickliche Elend der ganzen Menschheit und all ihre entsetzlichen Leiden zu, empfinden selbst all ihren Jammer und ihre Qual. Denn da sie auf eine völlig unnötige und nutzlose Weise ihre tatsächlichen Pflichten (vazife-i haqiqiye) und absolut (elzem) notwendigen Aufgaben vernachlässigt haben, lauschen sie nun auf die Bedrohungen aus dem Ausland, die politischen Unruhen, die weltweiten Ereignisse und kümmern sich darum und berauschen sich daran. So werden sie in ihrem Geiste (ruh) zu Wirrköpfen und in ihrem Verstande (aql) zu Schwätzern.
{"Wer mit dem Schaden zufrieden ist, empfängt kein Erbarmen (merhamet)."}
Diesem Grundsatz entsprechend haben sie selbst ihr Recht auf Mitleid (shefqat) und die Würde derer, über die man sich erbarmt (merhamet liyakati) verwirkt. Man braucht sie also nicht zu bedauern und zu bemitleiden (shefqat). Und sie rufen völlig unnützer Weise das Unglück (bela') auf sich herab. Ich schätze, dass diejenigen, die auf dem ganzen Erdenrund in allem Sturm und Brand noch den Frieden des Herzens (selmet-i kalb) bewahren und die Ruhe des Geistes (istirahat-i ruh) retten können, einzig diejenigen sind, die den wahren Glauben (haqiqi ehl-i iman) und Vertrauen in Gott (ehl-i tevekkul) besitzen und darum zufrieden
sind. Darum werden auch die meisten unter denen, die sich (jetzt noch) retten können, diejenigen sein, die nun wahrhaft aufrichtig (sadaqat) in den Kreis der Risale-i Nur eintreten. Denn da sie im Lichte (Nur) und in der Sichtweise des Unterrichts (ders) im wahren Glauben (iman-i tahqiqi), den sie aus der Risale-i Nur empfangen haben, in allen Dingen stets die Spur und das Antlitz der göttlichen Barmherzigkeit (rahmet-i Ilahiyye) erblicken, in allen Dingen Seine vollkommene Weisheit (kemal-i hikmet) und die vollkommene Ausgewogenheit Seiner Gerechtigkeit (djemal-i adalet) bezeugen, in vollkommener Hingabe (kemal-i teslimiyet) und Zufriedenheit auch mit allem Unglück, das zum Handeln der Herrschaft Gottes (Rububiyet-i Ilahiyye) hinzu gehört und das sie in Ergebenheit (teslimiyet) und Gelassenheit, zufrieden auf sich nehmen, keineswegs versuchen, in ihrem Mitgefühl (shefqat) selbst noch über die göttliche Barmherzigkeit (merhamet-i Ilahiyye) hinauszugehen, erleiden sie auch niemals Pein und Qual. Wer also nun aufgrund dieser Tatsache (haqiqat) Glück und Wohlergehen nicht nur im jenseitigen Leben (hayat-i uhreviye), sondern auch schon im diesseitigen Leben (dünyadaki hayat) ersehnt, kann und wird all dies - bestätigt durch unendlich viele Erfahrungen - in der Risale-i Nur durch den Glauben (iman) und den Unterricht (ders) aus dem Qur'an erfahren.
Ein Brief von Emin, der zusammen mit Mehmed Feyzi einer der kostbaren Nur-Schüler war und in Kastamonu acht Jahre lang Bediüzzaman gedient hat.
{"Friede sei mit euch, Gottes Erbarmen und sein Segen, nach der Anzahl aller lichtvollen Abhandlungen, seien sie nun erst gelesen oder bereits geschrieben."}
Euer Exzellenz, unser so sehr geliebter, verehrenswerter, überaus geliebter Lehrer und Herr (Üstadimiz Efendimiz Hazretleri)!
Zur Nacht der Himmelfahrt unseres Propheten (Leyle-i Mi'radj) wünschen wir Euch Gottes Segen (tebrik)! Wir küssen Eure Hände und bitten Euch, über unser unzureichendes Benehmen hinwegsehen zu wollen.
Denen, die sich für die Lebensgeschichte unseres Meisters (Ustadh) interessieren, möchten wir Folgendes mitteilen: Der weise Qur'an weist in wunderbarer Weise (i'djas) mit dreiunddreißig Ayat darauf hin, wie auch Imam-i Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, in seinen Kassiden (Djeldjelutiye ve Erdjuze) {Poetische Kunstwerke, die in einem ganz bestimmten Versmaß abgefasst wurden.} in wunderbarer Weise (keramet) andeutet, desgleichen auch Ghavs-i Adham, möge sein Geheimnis geheiligt sein, in froher Botschaft verkündigt, welchen Verlauf das Leben unseres Meisters (Ustadh) in Wahrheit (haqiqi) nehmen wird und erklärt dabei zugleich auch, welches das wahre (haqiqi) Wesen der Risale-i Nur ist.
Wer die geistliche Persönlichkeit unseres Meisters (Üstadimizin Shahs-i manevi) kennen lernen möchte,
muss einmal in der Risale-i Nur die Hinweise (isharat) aus dem Qur'an, die wunderbaren (keramat) Kassiden von Imam Ali und die wunderbaren (keramat) Voraussagen von Ghausi Adham und all die übrigen Abhandlungen in der Risale-i Nur sorgfältig und aufmerksam nachlesen. Unsere eigene absolute Überzeugung, was unseren Lehrer (Ustadh) betrifft, ist jedoch folgende: Unter dem Schatten (der Göttlichen Namen) Licht (Nur) und Weisheit (Hakim) gelangte er zu Wahrheit (haqaiq) und Erkenntnis (maarif) aus der Schatzkiste des Weisen Qur'an und verkündigte sie den Menschen, in der Absicht, damit seinen Dank für diese Gottesgaben (tahdis-i nimet) zum Ausdruck zu bringen. Auf diese Weise wurde Bediüzzaman Hazretleri zu einer Koryphäe der Wissenschaft und dank sei dem Charakter und der Persönlichkeit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, geradezu zu einer Verkörperung islamischer Ethik. Nachdem er seinen Egoismus (nefs) und einen Abgrund (berzah) verkehrter Neigungen überwunden hatte, fand man in ihm ein Vorbild von edlem Charakter (mekarim-i ahlaq) und ein ganz besonders herausragendes Beispiel für unsere Zeit. Bis heute hat er sein ganzes Leben lang einen staunenswerten, hohen und großen Eifer und eine erhabene Ruhe (sekinet) an den Tag gelegt und dabei stets tugendhaft und in Bescheidenheit gelebt. Reichtum des Herzens (qalb), Vertrauen in Gott (tevekkul) und Genügsamkeit sind bei ihm in bewunderungswürdigen Maße vorhanden. Sein Unterhalt und auch seine Bekleidung sind sehr einfach und sein Beispiel edler Gesittung (mekarim-i ahlaq) ist überragend. Für weltliche (dunya) Dinge hat er auch nicht ein Stäubchen Interesse und liebt (muhabbet) sie auch nicht im geringsten.
Darüber hinaus aber hat er sich in seinem Leben eine solche Hochachtung vor der Wissenschaft (ilm) bewahrt, dass er niemals irgendwem gegenüber seine tatsächliche Armut durchblicken ließ, was er sich übrigens selbst zum obersten Prinzip in seinem Leben (hayat) gemacht hat. Unser Lehrer (Ustadh), auch wenn das Leben und das Glück (dunya)
ihm zulächelten, wandte sich von ihm ab. Allzeit achtete er darauf, sich Ehre und Anstand zu bewahren und seinen Lebensunterhalt stets nur von der Gnade Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq'in inayeti) entgegen zu nehmen. Spenden (sadaqa), Almosen (zekat) oder irgendwelche Geschenke nahm er nicht an. Mit Sicherheit wissen wir, dass er in der Zeit, die er in Kastamonu verbracht hat, einmal sogar seine Decke verkauft hat, um so seine Wohnungsmiete bezahlen zu können. Auch hier nahm er auf gar keinen Fall irgendwelche Geschenke an.
Auch liebt unser Lehrer (Ustadh) irgendwelches gekünsteltes oder anmaßendes Benehmen ganz und gar nicht und hat sogar seinen Schülern gegenüber angeordnet, sich von derartigen Fesseln eines gekünstelten (Benehmens) frei zu machen. So geruhte er zu sagen: "Solch ein gekünsteltes (Benehmen) ist nach (allen Regeln) der Weisheit und des islamischen Rechts vom Bösen. Denn jegliche Neigung zu solch einem gekünstelten Benehmen (tekellüf sevdasi) verleitet dazu, die jedem Menschen geläufigen Grenzen des Erlaubten zu überschreiten. Solche Gekünsteler können sich nicht davor retten, manchmal in einer selbstgefälligen Haltung zu erscheinen, stolz aufzutreten und zeitweilig eine, wenn auch nur vorgetäuschte Kälte zur Schau zu tragen. Doch beide Verhaltensweisen {Sowohl ein gekünsteltes wie auch ein selbstgefälliges Verhalten sind unecht.} verletzen nur die Aufrichtigkeit (ikhlas)."
Auch ist unser Lehrer (Ustadh) sehr bescheiden. Er hält sich von allen Wünschen anderen überlegen und etwas besonderes zu sein und jeglicher Sucht nach Ruhm weitestgehend zurück. Da er selbst über einen reinen Charakter verfügt, ist er erhaben über dergleichen Dinge, die ihn sonst vielleicht innerlich aufwühlen könnten. Jedem, besonders aber den Alten, den Kindern und den Armen begegnet er mit Güte und Mitgefühl und einer inneren Haltung wahrer Brüderlichkeit. In seinem gesegneten Antlitz
funkelt ein Vertrauen erweckendes Licht, das Würde ausstrahlt und Sympathie einflößt. Es erweckt einerseits Ehrfurcht und ist doch zugleich verbunden mit einem Gefühl von Liebenswürdigkeit und Vertrauen. Und stets findet man darin auch ein Lächeln. Doch manchmal erfordert es auch die Erscheinung (der Heiligen Namen Gottes), dass in seinem Blick eine solche Ehrfurcht und Majestät (Djelal) zum Ausdruck kommt, dass ein Mann, der sich in diesem Augenblick gerade in seiner Nähe befindet und gerade etwas sagen möchte, plötzlich zu stammeln beginnt und man kaum noch verstehen kann, was er eigentlich sagen möchte. Auch wir in unserer Armseligkeit, sind oft Zeugen (einer solchen Wandlung) in seiner Erscheinung (hal) geworden. Unser Lehrer (Ustadh) hat die Gewohnheit, nur wenig zu sagen. Was er dann aber sagt, das sagt er kurz und prägnant. Dann ist ein jedes seiner Worte überaus sinnvoll, zuhöchst konzentriert und dabei dennoch in jedem Fall einem Grundsatz der Weisheit (hikmet) entsprechend allumfassend (djami'-ul kelim). Unser Lehrer (Ustadh) redet nie über andere Leute und duldet auch nicht, dass in seiner Gegenwart über andere Leute gesprochen (ghiybet) wird. So etwas gefällt ihm ganz und gar nicht. Fehler und Mängel übersieht er einfach. Auch ist ihm stets eine derart gute Meinung zu eigen, dass er, sobald ihm jemand eine unschöne Verlautbarung überbringt, zu sagen geruht: "Gott bewahre! Das ist eine Lüge! Eine solche Persönlichkeit, von der man sagt, dass sie ein derartiges Wort gesagt haben solle, kann so etwas gar nicht gesagt haben."
Unserem Lehrer (Ustadh) ist der Kampf mit seiner eigenwilligen Seele (nefs) bereits zur Gewohnheit geworden und er beherrscht ihn mit aller Kompetenz, sodass er niemals den Lüsten seiner Begierde (nefsaniye) dienstbar wurde. Dabei isst er so wenig und schläft auch so wenig, wie es für einen gewöhnlichen Sterblichen niemals genug gewesen wäre. In den Nächten findet er sich bis zum Morgen mit einer solchen Andacht ins Gebet (ubudiyet) vertieft, dass es zuweilen geradezu auffällt. Weder im Sommer
noch im Winter ändert er etwas an seinen Gewohnheiten. Auch vernachlässigt er nie das nächtliche Gebet (teheddjud), die Bittgebete (munadjat) und andere Rezitationen (evrad). Sogar im ehrwürdigen Monat Ramadan, da er bereits sechs Tage lang das Fasten nicht mehr gebrochen und aufgrund einer sehr schweren Krankheit nichts mehr gegessen hatte, wurde er niemals nachlässig und blieb standhaft im Gebet (ubudiyet). Seine Nachbarn sagten jedes Mal (zu uns): "Wir haben acht Jahre lang, Sommer wie Winter, in den Nächten, stets zur gleichen Zeit (beginnend) bis zum Morgengrauen der Stimme eures Lehrers (Ustadh) gelauscht, wenn er in traurigem und anrührendem Ton seine Bitten und Gebete (munadjat) murmelte und uns stets mit seinem ununterbrochen fortgesetzten Eifer in Staunen versetzte."
Auch achtet unser Lehrer (Ustadh) stets mit äußerster Sorgfalt auf Sauberkeit und die rituelle Reinheit (taharet ve nezafet-i sher'iye). Deshalb befindet er sich auch jederzeit in diesem Zustand (abdest). Niemals vertut er unnütz seine gesegnete Zeit. Stets beschäftigt er sich mit der Abfassung oder der Korrektur der Risale-i Nur, oder er liest den Djauschan (: ein Gebetbuch), stets darauf vorbereitet, das Gebet (ubudiyet) zu verrichten. Auch findet man ihn häufig tief ins Meer höchsten Nachsinnens über Gott versunken. Da sich weit draußen vor der Stadt ein bewaldeter Hügel befand, gingen wir meistens im Sommer mit unserem Lehrer (Ustadh) dorthin. Unterwegs korrigierte er dann die Risale-i Nur. Dabei achtete er auch darauf, wie seine armen Schüler diese Kapitel (risalah) lasen, bezeichnete dabei ihre Fehler und korrigierte sie, oder erteilte uns aus einer alten, bereits korrigierten (Abhandlung) seinen Unterricht. So verbrachte er selbst noch auf dem Weg seine gesegnete Zeit mit seiner Aufgabe (vazife). So können wir denn in der Tat bestätigen, dass die Anmut und Freundlichkeit, die wir in der Ansprache unseres Lehrers (Ustadh) empfunden haben, uns eine solche Süßigkeit seines Segens spendete, dass der Unterricht, den wir von morgens
bis abends auf diese Weise von ihm empfingen, auch wenn wir dafür zu Fuß gehen mussten, uns niemals Anlass zur Langeweile wurde.
Auch zog unser Lehrer (Ustadh) den Dienst an der Risale-i Nur allen anderen Dingen vor und geruhte dabei zu sagen: "Seit zwanzig Jahren habe ich außer dem Weisen Qur'an und der Risale-i Nur kein anderes Buch mehr studiert und kann man auch kein anderes mehr bei mir finden. Die Risale-i Nur genügt mir." Wessen bedurfte es denn in der Tat außer dem Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder (Mu'djiz-ul Beyan) ist, auch noch, nachdem ihm doch bereits aus der Hand dessen, der allein einen vollkommenen Segen (Feyyaz-i Mutlaq) zu spenden vermag, in seinem erleuchteten Herzen (kalb-i munevveri) alle Wahrheiten (haqaiq) des Qur'an geoffenbart (ilham) worden und er mit einem vollständigen Überblick (über dessen Wahrheiten) gesegnet worden war? Wer daran zweifelt, braucht nur einmal die Risale-i Nur genau anzusehen. Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) hat unserem Lehrer (Ustadh) zur Abfassung der Risale-i Nur eine Eigenschaft als eine so einzigartige Fähigkeit zum Geschenk (ihsan) gemacht, wie sie kaum ein anderer zu erlangen vermag.
Diese wunderbaren Abhandlungen (Nur Risalah) sind in der Verbannung, während (Perioden) der Krankheit, auf Bergen und Hügeln, ohne einen kundigen Schreiber, unter äußerst schwierigen, kaum zu ertragenden Umständen, trotz zahlloser offensichtlicher Schwierigkeiten zustande gekommen und den Gläubigen zu Hilfe geeilt. Doch sei Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq) Dank dafür, dass Er unserem Lehrer (Ustadh) in Seiner göttlichen Gnade (inayet-i Ilahiye) auf wunderbare Weise einen solch überragenden Erfolg zum Geschenk (ihsan) gemacht hat. So geschah es denn aufgrund dieses Geheimnisses (sirr), dass Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) ihm die Fähigkeit verliehen hat, den gesamten Kosmos gleich einem himmlischen Buch und die Erde wie eine Seite darin, einem Entdecker und Augenzeugen gleich, mit wahrheitsgemäßer
Sicherheit (bihaqqa-l'yaqin) zu lesen. So machte Er ihn, rein aus Seiner Gnade (inayet) zum Besitzer (sahib) eines solchen heiligen (qudsi) Werkes. Während aber nun die Risale-i Nur in der Tat alle Wahrheiten und Erkenntnisse des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder (Mu'djizul Beyan) ist, in den Ayat, welche das Gesetz betreffen, und in den Ayat, welche das Sein in dem großen Buch des Kosmos umfassen, dessen Sinn und Aufgabe erklärt und dabei das Menschengeschlecht dazu anspornt, bis zur höchsten Stufe der Erkenntnis Gottes (marifetullah) emporzusteigen und dabei ein so wunderbares und einzigartiges Werk ist, das sich noch dazu rasch verbreitet, sodass die Herzen (qalb), die heute (bereits das göttliche Leben in sich verloren hatten) und zu sterben begannen, nun mit Gottes Erlaubnis wieder neu zu schlagen beginnen und (Ustadh einzig darum bemüht ist), auf diese Weise die Wahrheit zu verbreiten, weshalb doch die Menschheit eigentlich auf ein so glückseliges Wesen (vudjud-u mes'ud: Sa'id) stolz sein sollte, es nun jedoch recht merkwürdig ist, dass die Leute der Qual (ehl-i shekavet: die Verdammten) es wagen, ihn vergiften zu wollen und auch noch mit Steinen nach ihm zu werfen.
{"Das schlimmste Übel trifft zunächst die Propheten und danach die Freunde Gottes."}
Diesem Geheimnis entsprechend werden die Erben der Propheten (enbiya) in der Tat von verschiedensten Übeln aller Art betroffen. Da dies aber ein Erfordernis der Göttlichen Weisheit (hikmet-i ilahiye) ist, wurde auch unser Lehrer (Ustadh), dieser gesegneten (mubarek) Gruppe entsprechend, das Ziel zahlloser Plagen (bela'). Ja sogar, als er zum ersten Mal Kastamonu (mit seiner Anwesenheit) beehrte, warfen, als er gerade zum Brunnen gehen wollte, um dort die rituellen Waschungen (abdest) zu vollziehen, die Kinder dort, angestachelt von einem unglückseligen
Strolch, Steine nach ihm. Doch unser Lehrer (Ustadh), der ständig derartige Schikanen und Misshandlungen zu gewärtigen hatte, trat ihnen mit erhabener Entschlossenheit entgegen und ertrug sie mit Geduld. Und da er zudem ein großes, weites und friedvolles Herz (selamet-i qalb) besaß, wurde er über diese Kinder keineswegs wütend, sondern geruhte vielmehr zu sagen: "Dies hat mich dazu veranlasst, eine Feinheit in einer Ayah der Sure Ya-Sin zu entdecken." Und deshalb betete er stets für sie. Später entwickelten eben diese Kinder durch die Gebete (dua) und unter dem Segen unseres Lehrers (Ustadh) eine geradezu staunenswerte Haltung: Wann immer sie unseren Lehrer (Ustadh) erblickten, kamen sie von nah und fern herbeigerannt, um seine gesegneten Hände zu küssen und seine Gebete (dua) entgegenzunehmen.
Auch gibt es sehr viele (Beispiele) für die wunderbare Haltung unseres Lehrers (Ustadh) und sein Staunen erregendes, zuweilen unerklärliches Verhalten, besonders, wenn es dabei um die Risale-i Nur ging. Dabei können wir in der Tat bezeugen: Unser Lehrer (Ustadh) vermochte besser als wir selbst zu erkennen, was in unseren Herzen vor sich ging. Oftmals, noch bevor wir selbst darüber Bescheid wussten, ermahnte er uns sehr erregt, bezüglich einer Sache und versetzte uns dadurch in Erstaunen. Doch einige Tage später passierte ganau das, weswegen uns unser Lehrer (Ustadh) ermahnt hatte und brachte uns wieder zur Besinnung. So waren wir einmal mit unserem Lehrer (Ustadh) auf einen Berg gestiegen und die Zeit, zur Stadt zurückzukehren war noch gar nicht gekommen, da erhob unser Lehrer (Ustadh) sich plötzlich und befahl auch uns dasgleiche. Als wir nach dem Grund (hikmet) dafür fragen wollten (sagte er): "Gehen wir schnell! Man erwartet uns zu einem Dienst an der Risale-i Nur." In der Tat fanden wir, zur Stadt zurückgekehrt, einen absolut wichtigen Schüler der Risale-i Nur, der bereits auf uns wartete. Oder die Nachbarn berichteten uns, dass jemand bereits mehrmals da gewesen und wieder weg gegangen war. Ein andermal
übergab eine gesegnete Frau aus der ferneren Verwandschaft eines Schülers des Ehrenwerten Mevlana Khalid, dessen Geheimnis Gott heiligen möge, Kütjük Ashik mit Namen, im Ehrwürdigen Ramadan Feyzi als gutes Vorzeichen eine Djelebe (langes Obergewand) von Mevlana Hazretleri, welche sie schon seit vielen Jahren aufbewahrt hatte, damit sie nun unser Lehrer (Ustadh) bei sich behalten solle.
Unser Lehrer (Ustadh) erteilte auch sofort unserem Bruder Emin den Auftrag, sie zu waschen und hob an, Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq) zu danken. Feyzi erinnert sich: "Diese Frau hatte sie mir nur für zwanzig Tage mitgegeben. Warum aber dann behandelte sie mein Lehrer (Ustadh) wie sein Eigentum (sahib)?", und er wunderte sich darüber. Als er dann später diese Frau wiedersah, sagte diese Frau zu Feyzi: "Weil der Meister (Ustadh) keine Geschenke annimmt, hatte ich mich so ausgedrückt, damit er es auf diese Weise vielleicht doch annehmen werde. Doch ist es ein Unterpfand für ihn. Djanimiz dahi feda olsun!" {Sinngemäß: Wir werden weder Mühe noch Kosten scheuen und kein Opfer (feda) wird uns im Leben (djan) zu groß sein.} Und so befreite sie also unseren Bruder von seinem Erstaunen. {Sinngemäß: Das also war nun des Rätsels Lösung!} Deswegen sagt man: Unser gesegneter Lehrer (Ustadh) akzeptierte in der Tat diese Djelebe als ein Zeichen, dass die Aufgabe der Erneuerung des Glaubens (vazife-i tedjeddud-u dini) ihm in der Nachfolge von Mevlana Halid (nun viele Jahre nach dessen Tode) übertragen worden war. Und das sollte auch so sein. Denn in einer zuverlässigen (sahih) Hadith heißt es:
{"Fürwahr, Gott sendet dieser Gemeinschaft (ummah) zu Beginn eines jeden Jahrhunderts einen, der ihren Glauben (din) erneuern wird."}
Mevlana Hazretleri wurde 1193 n.H. (1777 n.Ch.), Üstadh Hazretleri 1293 n.H. (1877 n.Ch.) geboren. Diese Hadith wird in der Risale-i Ghausiye (: ein Kapitel aus der Risale-i Nur) ausführlich erklärt.
Unser Lehrer (Ustadh) geruhte gelegentlich zu uns und insbesondere zu Feyzi zu sagen: "Euch wird noch eure Strafe ereilen. Eine Ohrfeige werdet Ihr bekommen. Ins Gefängnis werdet ihr gehen." Er hat uns damit vorausgesagt, dass man uns einmal in Denizli ins Gefängnis einliefern werde. Wir haben das damals stets für einen Scherz gehalten. Doch es war eine Ermahnung und zugleich die Erklärung der Vorausverkündigung eines bedeutenden Ereignisses. In Wirklichkeit hat es gar nicht so lange gedauert, bis es geschah, so wie unser Lehrer (Ustadh) es uns vorausgesagt hatte.
Und wiederum geruhte er, bevor dies geschah und wir in Denizli ins Gefängnis (eingeliefert wurden), zu sagen: "Meine Brüder, es ist mir schon seit langem (aufgefallen), dass ich noch nie länger als acht Jahre an einem Ort geblieben bin. Nur wird es bald neun Jahre, seit ich hierher gekommen bin. Dieses Jahr werde ich jedenfalls entweder sterben oder an einen anderen Ort überführt werden." So sagte er und kündigte uns damit an, dass er Kastamonu wieder verlassen werde.
Auch geruhte unser Lehrer (Ustadh), noch bevor das Unheil über uns herein brach und wir in das Gefängnis in Denizli verbracht wurden, zu sagen: "Meine Brüder, ich spüre, dass die Risale-i Nur von verschiedener Seite angegriffen wird. Seit also ganz besonders vorsichtig!" In der Tat dauerte es auch gar nicht lange, bis ein alter Hodja in Istanbul, ohne sich so recht darüber im klaren zu sein, einen bestimmten Punkt in irgendeinem Kapitel kritisierte. Daraufhin wies jedoch der inzwischen verstorbene (merhum) frühere Oberste Rechtsgelehrte (fetva emini), Ali Riza Efendi Hazretler, diese Kritik des Hodjas zurück und bestätigte voll und ganz die Richtigkeit (haqqaniyet) der Risale-i Nur.
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Eines Tages scheute einmal eines der Tiere und unser Lehrer (Ustadh) verstauchte sich den Fuß. Monatelang konnte er seine religiösen Pflichten (vazife-i ubudiyeti) nur noch unter Schmerzen und auch seinen geheiligten Dienst an der Risale-i Nur allein unter großen Schwierigkeiten verrichten. Später, als er aufgrund einer fürchterlichen Vergiftung (während eines Ausflugs) auf einem Berg in sehr ernster Weise krank wurde, geschah es, dass er verhaftet und nach Denizli ins Gefängnis gebracht wurde. Er jedoch in seiner einzigartigen Individualität (ferd-i ferid) ertrug diesen so schwierigen und abscheulichen Zustand mit Festigkeit (metin) und Eifer im Dienst am Glauben (iman) und am Qur'an, stets im äußersten Grade darum bemüht, seine religiösen Pflichten (ubudiyetteki vezaif) zu erfüllen, ohne ihrer jemals überdrüssig zu werden, edelmütig, standhaft und mit einer großen Geduld. Desweiteren geruhte unser Lehrer (Ustadh) vor unserer Verhaftung mehrere Male zu sagen: "Die Weltleute (ehl-i dunya) sollen (unseren Dienst) an der Risale-i Nur nicht stören. Stören sie ihn, ist darin der Grund (dafür zu suchen, wenn sich die Natur in gewaltigen) Katastrophen (gegen die Missachtung universell gültiger Gesetze) auflehnt." In der Tat ist es allgemein bekannt, dass mit der Verhaftung der Schüler der Risale-i Nur überall Katastrophen, Erdbeben und Seuchen auszubrechen begannen, bis die Wahrhaftigkeit (haqqaniyet) der Risale-i Nur bestätigt wurde und bis bezeugt wurde, dass sie für das Land zum Segen (faidah) ist, setzten sich diese Beben an vielen Orten, z.B. auch in Kastamonu fort. Ja selbst die hoch über Kastamonu aufragende historische Festung, die für einige Abhandlungen (risalah) zur Schule (medrese) geworden war, warf in sehnsüchtigem Verlangen nach deren Verfasser, unserem Meister (Ustadh) die doch sonst so fest verankerten Steine in tiefer Trauer herab, womit sie ganz offensichtlich bestätigte, was dieser aus der unsichtbaren Welt (ihbar-i ghaybi) bereits voraus verkündet hatte.
Unser Lehrer (Ustadh) geruhte vor unserer Verhaftung
zu sagen: "Es gibt einen fürchterlichen Plan, die Risale-i Nur anzugreifen. Doch macht euch deswegen keine Sorgen! Und hier die gute Nachricht (mujde): die Gnade Gottes (inayet-i ilahiye) wird uns zu Hilfe kommen.
Es ist dies wie folgt: Heute hatte ich den Mächtigen Konvolut über das Licht (Hizb-i Adham-i Nuri) {ein Gebetbuch} aufgeschlagen, um darin zu lesen, als mir plötzlich die Ayah
{"So erwarte denn geduldig den Rechtsspruch deines Herrn. Denn unter unseren Augen stehst du ja. Drum lobpreise deinen Herrn in Dankbarkeit." (Sure 52, 48) (*)
(*) Sinngemäß: Warte geduldig ab! Der Herr wird dir zu deinem Recht verhelfen. Er hat dich nicht vergessen. Er sieht dich stets und steht dir bei.}
ins Auge fiel."
Da geruhte er zu sagen: "das heißt: (diese Ayah) sagte zu mir: "Sieh her!" Da schaute ich hin und siehe: Unter den vielen Schichten mit (unterschiedlichsten) Bedeutungen (mana) geben uns insbesondere verschlüsselte Hinweise (mana-yi ishari) und Abdjed-Rechnungen (djifr) sowohl einen Hinweis (isharet) auf die Katastrophe einer (künftigen) Gefangenschaft als auch auf unsere Befreiung und (auf diese Weise doch noch) eine frohe Nachricht (besharet)."
So zeigte er uns denn vor dem Gerichtshof in Denizli, noch neun Monate bevor wir freigesprochen wurden, zweifelsfrei, welch kostbaren Juwel von einem Schatz er in dieser Ayah entdeckt hatte und schenkte uns sowohl durch die Mitteilung seiner Entdeckung dieses Wunders, das der bedeutsame Hinweis in dieser ehrwürdigen Ayah ist, als auch durch die innere Stärke, die er uns, seinen geschwächten Schülern mit dieser Mitteilung schenkte, eine große Freude. Die genaue Erklärung dieser Ayah findet sich
in der Verteidigungsschrift von Denizli und in der Sammlung seiner Briefe.
Unser Lehrer (Ustadh), der in unserer Zeit ein edles und einzigartiges Vorbild ist, ist zudem auch außerordentlich beherzt und durch nichts zu erschüttern (metin). Auch verfügt er über einen ganz ungewöhnlichen Mut, sich mit Eifer für eine edle Sache (einzusetzen) und ist zugleich auch ein Sprachrohr der Wahrheit (haqq), der auf dem Wege der Wahrheit (haqq) niemals zögert, das Wort zu ergreifen und sich vor dem Tadel seiner Kritiker nicht fürchtet. So sah er eines Tages, das Grabsteine, auf denen "Im Namen Gottes (Bismillah)" eingraviert stand, zur Abdeckung der Kanalisation verwendet wurden.
Obwohl hier nun bedeutende Autoritäten (dunya) anwesend waren, sagte er mit Worten, die kein anderer zu sagen gewagt hätte, dass dies ein Unrecht sei und wurde so gegen weitere derart rechtswidrige Tätigkeiten gleichsam zu einer unüberwindlichen Mauer.
Wer nun auch immer darüber hinaus in unserem Land soviel Frechheit besäße, unseren Lehrer (Ustadh) zu beleidigen und der Risale-i Nur einen Schaden zuzufügen, sollte mit Sicherheit ein böses Ende erleben. Manche sind inzwischen zur Vernunft gekommen und haben sich bereits entschuldigt, während andere hingegen ihre Strafe erhalten haben. Einige dieser Vorfälle wurden in der Sammlung seiner Briefe (näher) beschrieben.
Abschließend (sei hier angemerkt), dass es für unsereins in unserer Armseligkeit nicht möglich ist, die Vollkommenheit aller Eigenschaften (evsaf-i kemali) und die ganze Schönheit der Erscheinung (mehasin-i ahvali) unseres Lehrers (Ustadh) wahrheitsgemäß (haqq) zu beschreiben und darzustellen. (Gott) der Schöpfer in Seiner Majestät und Güte (Khalik-i Dhu-l'Djelal ve-l'Djemal) hat unseren verehrten Meister (Hazret Üstadh) als eine ganz außergewöhnliche Erscheinung erschaffen und ihn gewürdigt, Seine göttliche Führung (taufiq-i ilahiye) erfahren zu dürfen. Wie glückselig
ist doch er, der durch die Risale-i Nur im Dienst am Qur'an wie auch am Glauben steht, sie selbst studiert und andere dazu ermuntert und nachdrücklich empfiehlt und der von der Risale-i Nur seinen Unterricht erhalten durfte!
Solange sich unser Lehrer (Ustadh) noch in unserer Gegend aufhielt, geruhte er, sich unablässig Segen (feyz) spendend um die Verbreitung der Wahrheit (haqaiq) zu bemühen, wobei er sich für seine gesegneten (mubarek) Vorträge völlig verausgabte. So flehen wir zu Gott dem Allbarmherzigen Allerbarmer (Djenab-i Erhamurrahimin) mit ganzem Herzen und ganzer Seele (ruh), Er möge uns am Tage der Wiederversammlung (mahsher) mit unserem Lehrmeister (Ustadh), der eine Schatzkammer der Gelehrsamkeit und eine Koryphäe der Wissenschaft (ulum ve funun) ist, diesem einzigartigen Prediger (bedi-ul beyan) Bediüzzaman Said Nursi Hazretleri zusammenführen, durch den sich die ehrenwerte Hadith اَلسَّعِيدُ سَعِيدٌ فِى بَطْنِ اُمِّهِ {"Der Glückliche, der bereits im Schoße seiner Mutter glücklich war."} bestätigte, damit er an diesem furchterregenden Tag unsere Hände mit seiner lichtvollen, liebenden und segnenden (nurlu, mushfik, mubarek) Hand halten und uns in die Gegenwart (hudhur) des Ehrenwerten Gesandten führen, mit dem Friede und Segen sei. Dies möge Gott so wollen (insha-a'llah)!..."
Einige Worte über das Große Zeichen (Ayet-ul Kubra)
Als Bediüzzaman Hazretleri noch in Kastamonu war, hat er eine großartige Abhandlung (risalah) mit dem Titel "Das Große Zeichen (Ayet-ul Kubra) geschrieben, worin er die Existenz Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq) und Seine Einheit in der Sprache allen Seins (mevdjudat) beweist.
Über diese risalah sagt unser Lehrer (Ustadh): "Sie ist eine qur'anische Wahrheit (haqiqat) um der derzeitigen furchtbaren Zerstörung willen und zugleich eine solide Mauer gegen sie."
So wie sie ihm ins Herz kam, hat er sie schnell niederschreiben lassen und sich dann mit der ersten Abschrift begnügt. Unser Lehrer (Ustadh) geruhte zu sagen: "Da ich bei der Niederschrift das Gefühl hatte, das hier etwas ohne mein Wissen und Wollen (irade ve ihtiyar) geschah, habe ich es nicht für angemessen gehalten, ordnend einzugreifen oder etwas daran zu verbessern."
Diese risalah hatte zunächst einmal zur Folge, dass unser Lehrer (Ustadh) und seine Schüler ins Gefängnis eingeliefert wurden, weil (diese Abhandlung) ja heimlich gedruckt worden war, später jedoch wurden sie nach einer zweijährigen Untersuchungshaft erst in Denizli, dann als Schwerverbrecher im Zuchthaus zu Ankara einstimmig freigesprochen und die Risalah ihnen zurückgegeben.
Imam-i Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, hatte diese Risalah mit seinem alles Verborgene erkennenden Blick bereits erschaut und weist in seiner «Kaside-i Djeldjelutiye» darauf hin, welche Bedeutung diese Risalah haben und welche Hochschätzung sie erfahren werde und sie mit der Anrufung وَبِاْلاٰيَةِ الْكُبْرٰى اَمِنِّى مِنَ الْفَجَتْ {"und durch das Große Zeichen (Ayatu-l'Kubra) rette mich"} gebetet und sie so zu seinem Führsprecher gemacht.
Nach einer (langen und ausführlichen und kritischen) Untersuchung (tedkik) dieser ayet-ül Kübra wurden unser Lehrer (Ustadh) und seine Schüler aus dem Gefängnis errettet, was beweist, dass das Gebet (dua), das Imam-i Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, gesprochen hatte, angenommen worden war.
Da aber nun in unserem Jahrhundert ganze Strömungen von Irrlehren (dalalet) versuchen, im Glauben (iman) der Muslime eine fürchterliche Zerstörung anzurichten, wird die qur'anische Wahrheit (die in dieser Ayah dargestellt wird) als dafür geeignet angesehen, aufgrund ihres Zusammenhangs an dieser Stelle als ein mächtiges Bollwerk (gegen den Unglauben) eingefügt zu werden.
Das große Zeichen
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Es lobpreisen Ihn die sieben Himmel und die Erde und was darinnen ist und es gibt kein Ding, das nicht Seinen Lobpreis besingt. Doch ihr versteht ihren Lobpreis nicht. Siehe, Er ist milde (Halim) und Er vergibt (Ghafur)!" (Sure 17, 44)}
(Diese zweite Abhandlung (makam) ist eine Auslegung (teffhir) dieser gewaltigen Ayah und ist zugleich eine Erläuterung der Beweise und Zeugnisse aus der arabisch verfassten ersten Abhandlung, deren Übersetzung und kurze Erklärung.)
Das schöne Antlitz des Himmels
In dieser gewaltigen Ayah werden, wie in vielen Ayat (Qur'anversen), zuerst die Himmel erwähnt, jene glänzendste Seite der Einheit (Tauhid), die jederzeit und von jedermann mit großer Bewunderung betrachtet und mit viel Freude studiert wird. Dementsprechend wollen auch wir gleich zu Anfang mit ihnen beginnen.
Tatsächlich sieht jeder Gast, der in das Königreich, das Gasthaus kommt, das diese Welt ist, wenn er seine Augen öffnet, dass sich ihm als erstes das schöne Antlitz des Himmels zeigt, wie es mit goldener Leuchtschrift gezeichnet ist und er wird überaus neugierig, den Herrn dieses schönen Gasthauses, den Verfasser dieses großen Buches, den König dieses großartigen Reiches kennen zu lernen, jener Herberge, in der man so ganz besonders freigiebig ist, dieser Ausstellung, in der man so ungewöhnliche Kunstwerke zeigt, jenes Heerlager, wo man solche Pracht entfaltet, dieses Ausflugsortes und Freilichttheaters, das ein solches Erstaunen erregt und eine solche Begeisterung hervorruft und jener bedeutungsvollen Bibliothek, die so viel Weisheit in sich gesammelt hat. (Dieser Himmel sagt zu ihm:) "Schau mich an! Ich werde dir den weisen, den du suchst." So blickt er ihn an und sieht:
Da sind Hunderttausende von Himmelskörpern, einige tausendmal größer als die Erde, einige siebzigmal schneller als eine Kanonenkugel. Sie sind nicht an Masten befestigt und fallen dennoch nicht herunter. Sie durcheilen miteinander den Himmelsraum, über alle Maßen schnell, doch ohne aneinander zu stoßen. Zahllose Lampen brennen beständig, ohne Öl, und erlöschen dennoch nicht. Ihre riesigen Massen werden verwaltet, ohne irgendwelche Unruhe zu verbreiten oder einen Aufstand zu verursachen. Gleich wie die Sonne und der Mond ihre Aufgaben erfüllen, arbeiten diese so großen Gestirne (makhluqat) und erfüllen ihre Aufgaben. Gottes Herrschaft lenkt alle diese Milliarden von Lichtjahren voneinander entfernten Gestirne zu gleicher Zeit, mit der gleichen Kraftanstrengung, in der gleichen Art und Weise. Seine Leitung trägt überall den gleichen Stempel, wirkt überall fehlerfrei und in der gleichen Form. Diese so großen und gefährlichen Kräfte der Natur und im All werden Gesetzen unterworfen, die sie nicht zu überschreiten vermögen. Gleich wie die Trümmer in diesem grenzenlosen
Gedränge keine Möglichkeit erhalten, das Angesicht des Himmels zu verunreinigen, so wird es auch von jeglichem Unrat auf das Schönste gesäubert. Alle Gestirne müssen ihre Bewegungen wie ein diszipliniertes Heer im Manöver durchführen. Während die Erde kreist und sich dreht, wird allen Geschöpfen, gleich wie einem Publikum vor einer Kinoleinwand, dieses majestätische Manöver ihrer tatsächlichen und ihrer scheinbaren Bewegungen im Wechsel der Nächte und im Verlaufe der Jahre in immer neuen Formen dargeboten. In den Taten dieser göttlichen Herrschaft können wir eine Wahrheit erblicken, die in Unterordnung, Verwaltung, einem beständigen Kreislauf, Disziplin, Reinerhaltung und der Erfüllung von Aufgaben zum Ausdruck kommt. Diese Tatsache in ihrer allumfassenden gewaltigen Majestät und Größe ist ein offensichtliches Zeugnis dafür, dass es notwendigerweise einen Schöpfer der Himmel geben muss, ein Zeugnis für Seine Einheit und auch dafür, dass Sein Dasein noch offensichtlicher ist, als das Dasein des Himmels. In diesem Sinne wurde auf der Ersten Stufe der Ersten Abhandlung (makam) Folgendes gesagt:
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen die Himmel mit allem, was darinnen ist, durch das gewaltige und alles umfassende, wahre Zeugnis der umfassenden und vollkommenen Unterordnung, der Verwaltung, des beständigen Kreislaufs, der Disziplin, der Reinerhaltung und der Erfüllung seiner Aufträge, so wie wir es bezeugen."}
Die Sphäre des Himmels
Nach all dem ruft der Weltraum, den man die Sphäre des Himmels nennt und welcher dieser einzigartige Ort der Wiederversammlung ist, dem Reisenden und Gast, der in diese Welt gekommen ist, mit Donnerstimme zu: "Schau mich an! Du kannst durch mich den erkennen und finden, nach dem du so eifrig suchst und der dich hierher gesandt hat." Der Gast betrachtet sein trübes, wolkenverhangenes, doch barmherziges Gesicht und lauscht seiner Furcht erregenden, doch eine gute Botschaft verkündenden Donnerstimme, und er sieht:
Die Wolken, die zwischen Himmel und Erde schweben, bewässern den Garten der Erde mit großer Weisheit und Barmherzigkeit, bringen den Bewohnern der Erde das Leben spendende Wasser, mildern die Hitze (d.h. die Heftigkeit des lebensspendenden Feuers), und eilen, überall dort Hilfe zu bringen, wo Not ist. Und nachdem sie noch viele andere ähnliche Aufgaben gleich diesen Aufgaben erfüllt haben, versteckt sich plötzlich dieses ganze riesige Gewölk, das den Himmel bedeckt hatte, so wie sich ein wohlgeordnetes Heer den raschen Befehlen folgend bald zeigt und bald wieder verbirgt, zieht alle seine Teile zu einer Ruhepause zurück, und es ist keine Spur mehr von ihm zu sehen. Dann aber versammeln sie sich, sobald sie den Befehl: "Zum Regen auf die Plätze!" erhalten haben, innerhalb einer Stunde, ja, sogar einigen Minuten, bedecken den Himmel und gehen in Bereitschaft, so als ob sie den Befehl eines Kommandanten erwarteten.
Nun betrachtet der Reisende die Winde unter dem Himmel und sieht: Die Luft ist aus der großen Weisheit und Freigiebigkeit ihres Herrn mit so vielen Aufgaben betraut, dass es ist, als ob jedes einzelne unter diesen Atomen der unbelebten Luft, die doch kein Bewusstsein hat, die Befehle des Königs der Welten hört und versteht und keinen von ihnen vernachlässigt, sie in der Macht dieses
Kommandanten erfüllt und in bester Ordnung durchführt. Zu ihren Aufgaben gehört es, allen Seelen der Erde die Atemluft zu spenden, so lebensnotwendige Dinge wie Wärme und Energie zu übertragen, die Sonnenstrahlung zu filtern, bei der Bestäubung der Pflanzen mitzuhelfen. Diese und noch viele andere Aufgaben erfüllt die Luft im Dienste der Allgemeinheit, beauftragt aus dem Bewusstsein und dem Wissen ihres Herrn und Lebensspenders wie von unsichtbarer Hand geleitet.
Danach betrachtet er den Regen und sieht: Er besteht aus Tropfen süßen, klaren, weichen Wassers, das aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit wie aus dem Nichts und aus dem Verborgenen herabgesandt wurde, so viele Geschenke der Erbarmung in sich enthält und so viele Aufgaben hat, als habe die Erbarmung in diesen Tropfen Gestalt angenommen und ströme aus der Schatzkammer des Herrn. In diesem Sinne bezeichnet man den Regen als Barmherzigkeit.
Danach betrachtet er den Blitz, lauscht dem Donner und erkennt, dass auch diese beiden mit einzigartigen und staunenswerten Diensten beauftragt sind.
Danach kehrt er seinen Blick nach innen, wendet sich an seinen Verstand und sagt zu sich selbst: "Diese Wolken, die aussehen wie Baumwollhaufen, ohne Leben und ohne Bewusstsein, wissen sicherlich nichts von uns. Sie können nicht Mitleid mit uns empfinden, und uns von sich aus zu Hilfe eilen, nicht ohne einen Befehl auf dem Platz erscheinen oder wieder verschwinden. Vielmehr bewegen sie sich dem Befehl eines großmächtigen und allbarmherzigen Kommandanten entsprechend, ziehen sich zurück ohne eine Spur zu hinterlassen und erscheinen plötzlich wieder an ihrem Platz, nehmen ihre Arbeit auf. Auf den Befehl (Ferman) und in der Kraft eines besonders rührigen und hocherhabenen, majestätischen Sultans, dessen Wirken überall sichtbar wird, erfüllt und entleert Er von Zeit zu Zeit die Atmosphäre, beschreibt in Weisheit unablässig Seine Tafel, lässt sie zur nächsten Pause wieder
auslöschen; und so wie Er an Seinem schwarzen Brett alle Dinge entfernt und sie zum Beweis wieder anbringt, so gestaltet Er in ihnen das Bild des Weltendes und der Wiederauferstehung. Ein besonders gütiger König, der es liebt, Geschenke auszuteilen und sehr freigiebig ist, ein Herrscher, der Sein Amt versteht, ein Regent lässt auf Seinen Befehl hin die Wolken die Winde besteigen, schickt in ihnen die Schatzkammern Seines Regens gleich Bergen auf die Reise und sendet sie, wohin immer sie gebraucht werden. Es ist, als hätten sie Mitleid (mit der ausgetrockneten Erde) und weinten über sie, dass sie über diese Tränen in Blumen lächle. Sie mildern die sengende Hitze der Sonne, sprengen wie mit einem Schwamm die Gärten, waschen und reinigen das Antlitz der Erde."
Da wendet sich dieser Reisende verwundert an seinen eigenen Verstand und sagt: "Hunderttausende in Weisheit und Erbarmung kunstvoll durchgeführter Arbeiten, die auf der Leinwand dieses toten, unbelebten, unbeständigen, stürmischen, unruhevollen Himmels, der kein eigenes Bewusstsein hat, dessen Anblick sich ständig verändert, der kein Ziel kennt und keine Absicht verfolgt, Hunderttausende von Geschenken, die in äußerlich sichtbarer Gestalt zu uns kommen, Hunderttausende von Hilfeleistungen beweisen, dass dieser fleißige Wind, dieser unermüdliche Diener, nichts aus sich selbst heraus tut, vielmehr auf Befehl eines allmächtigen, allwissenden und allweisen, freigiebigen Herrn handelt. Es ist, als verstünde jedes einzelne Atom jede beliebige Arbeit, hörte wie ein Soldat jeden Befehl seines Herrn, als bewegte sich der Befehl seines Herrn durch die Luft fort und befolgte ihn. Sie bringen Luft und Leben für Mensch und Tier. Sie befruchten die Pflanzen und versorgen sie mit allem, was sie zum Leben und Gedeihen benötigen. Sie lenken und leiten die Wolken, lassen Schiffe und Flugzeuge auf ihren Reisen segeln, hin und her durch Luft und Meer. Sie ermöglichen das Hören von Geräuschen und Stimmen.
Elektromagnetische Wellen durcheilen den Raum, verbinden die Menschen mit drahtlosen Telefonen und Telegrafen über den Rundfunk miteinander. Ich habe gesehen, dass die Luft, die aus zwei einfachen Bestandteilen wie Stickstoff und Sauerstoff zusammengesetzt ist, diese Atome, die einander zu gleichen scheinen, außer zu diesen und anderen allgemeinen Aufgaben, von der Hand der Weisheit in vollkommener Ordnung in den Kunstwerken des Herrn, die auf der Erde in Hunderttausenden von Arten sich finden, beschäftigt werden.
Mit anderen Worten:
{"Im Wechsel der Winde und Wolken, die Ihm zwischen Himmel und Erde dienen müssen." (Sure 2, 159)}
Aus dieser Ayah wird unserem Reisenden klar, und er zieht daraus die Schlussfolgerung, dass der, welcher über die Winde verfügt und sie ohne Ende zu Seinen königlichen Diensten einsetzt, sich die Wolken unterwirft und ihnen zahllose Arbeiten Seiner Erbarmung gebietet, der die Luft solcher Art ins Dasein gerufen hat, derjenige sein muss, dessen Dasein sich mit Notwendigkeit ergibt (Vadjibu-I'Vudjud), der Macht hat über alle Dinge und um alle Dinge weiß, der Herr in Seiner Majestät und in Seiner Freigiebigkeit.
Danach betrachtet er den Regen und sieht: Die Menge seiner Wohltaten entspricht der Zahl seiner Tropfen, die Manifestationen der Erbarmungen (Gottes) ihrer Menge, und die Weisheit, die in ihnen zum Ausdruck kommt, ihrer Unendlichkeit. Auch werden diese schönen, feinen, gesegneten Regentröpfchen in einer so wundervollen Ordnung erschaffen. Selbst der Hagel, der im Sommer vom Himmel fällt, zeigt noch Ausgewogenheit und Ordnung. Wenn heftige Stürme im Brausen ihrer Winde alle Dinge umherwirbeln und gegeneinander stoßen, so stören sie
doch die Ausgewogenheit und Ordnung der Dinge nicht; Regentropfen treffen aufeinander, vereinigen sich und bilden doch nicht eine schädliche Masse miteinander. In ähnlicher Weise wird das Wasser, das aus zwei so einfachen Bestandteilen wie Sauerstoff und Wasserstoff zusammengesetzt ist, die ohne Leben noch Bewusstsein sind, für höchst weisheitsvolle Tätigkeiten, ja, sogar in den Lebewesen eingesetzt, zu Hunderttausenden voneinander verschiedenen Dienstleistungen und künstlerischen Tätigkeiten, die Weisheit und Bewusstsein erfordern, angestellt. Das heißt, der Regen, der selbst eine Verkörperung der Barmherzigkeit ist, kann nur in der verborgenen Schatzkammer des Erbarmers gemacht werden, der ihn in der Überfülle Seiner Erbarmungen herabsendet als einen substanziellen Kommentar zu der Ayah:
{"Er ist es, der Hilfe (: Regen) herabsendet, nachdem sie schon verzweifelt hatten, und Sein Erbarmen ausbreitet." (Sure 42, 27).}
Danach lauscht er dem Donner, betrachtet den Blitz und sieht: Diese beiden bemerkenswerten Ereignisse in der Atmosphäre kommentieren in ganz und gar substanzieller Weise die Ayah:
{"Und es lobpreist Ihn der Donner in Dankbarkeit (hamd)" (Sure 13, 14)}
und
{"Der Glanz Seines Blitzes blendet die Augen" (Sure 24, 43)}.
Sie künden das Kommen des Regens und bringen frohe Kunde den Bedürftigen.
In der Tat treffen Ereignisse voll Weisheit und Einzigartigkeit gleich dem wundersamen Donnerschlag, der plötzlich aus dem Nichts kommt, den Himmel zum Sprechen bringt und dem außergewöhnlichen Licht und Feuer, das den dunklen Himmel erfüllt, erleuchtet und den Wolken, die gleich Bergen von Watte und Schläuchen gefüllt mit Hagel, Schnee oder Wasser ähnlich sind, den Kopf des sorglosen Menschen von oben herab wie mit einem Holzhammer.
"Hebe dein Haupt und betrachte die wunderbaren Taten einer mächtigen Persönlichkeit, die allzeit wirkt und erkannt werden will. So wie du nicht Herr deiner eigenen Entscheidungen bist, so zeigen sich auch diese Ereignisse nicht ohne den Willen ihres Herrn. Jedes von ihnen ist gehalten, seine Aufgabe in großer Weisheit zu verfolgen. So stehen sie im Dienste ihres weisen Herrn, der sie lenkt und leitet." So ermahnen sie die Menschen.
So hört also dieser Reisende erstaunt das hohe und klare Zeugnis einer Wahrheit, die sich aus der Herrschaft über die Wolken und dem Wechsel der Winde, dem Herabströmen des Regens und der Lenkung der Ereignisse im Himmelsraum ergibt und sagt: «Amentu bi'llah (ich glaube an Gott)». Auf der Zweiten Stufe der Ersten Abhandlung (makam) bringt der folgende Abschnitt die erwähnte Beobachtung dieses Reisenden über den Himmelsraum mit folgenden Worten zum Ausdruck:
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweist die Atmosphäre mit allem, was in ihr enthalten ist, durch das gewaltige und alles umfassende wahre Zeugnis der umfassenden und vollkommenen Unterordnung, des Wechsels der Winde, der Herabkunft des Regens und dem, der sie lenkt und leitet, so wie wir es bezeugen."}
{Hinweis: Ich möchte die vorliegende, dreiunddreißig Stufen umfassende Abhandlung über die Einheit noch ein wenig erläutern. Doch in meiner jetzigen Lage und in meinem augenblicklichen Zustand bin ich leider dazu gezwungen, mich mit einigen ganz kurzen Beweisen und einer nur knappen Auslegung zu begnügen. Da aber in den dreißig, ja vielleicht sogar hundert Abhandlungen der Risale-i Nur diese dreiunddreißig Stufen auf verschiedene Arten bewiesen, ja, in jeder Risala die eine oder andere Stufe dargelegt wurde, können wir die Erklärung insgesamt diesen Risalat überlassen.}
Die Erde wie ein Buch
Nun wendet sich die Erdkugel dem in seine Gedanken versunkenen Gast, der sich nun schon an seine Gedankenreise gewöhnt hat, zu und sagt ihm in ihrer Art: "Was wanderst du zwischen den Himmeln und den Wolken und im Weltraum umher? Ich werde dich zu dem weisen, den du suchst. Wenn du mich bei meinen Aufgaben betrachtest, kannst du in mir lesen wie in einem Buch."
Er betrachtet sie und sieht: Die Erde beschreibt in ihrer zweifachen Bewegung, die der Ursprung der Tage, Jahre und Jahreszeiten ist, einem Mevlevi-Derwisch gleich einen Kreis um den Platz der gewaltigen Wiederversammlung. Sie ist ein majestätisches Schiff im Dienste ihres Herrn, das Hunderttausende Arten all dessen, was da lebt, samt ihrer Nahrung und allem, dessen sie bedürfen, in sich trägt, das Weltenmeer in vollkommener Ausgewogenheit und Ordnung durchfährt und die Sonne auf ihrer Reise umkreist.
Danach beginnt er in diesem Buche zu lesen und jedes Tor (Kapitel) darin öffnet ihm die Seiten zu Tausenden von Ayat, die ihm den Herrn der Erde weisen. Er hat keine Zeit, sie alle zu lesen. So betrachtet er nur diese eine Seite, die davon handelt, wie alles, was da lebt, im Frühling ins Dasein gerufen wird und seine Aufgabe erhält. So wird er folgender Dinge Zeuge:
Hunderttausend verschiedene Arten und einzelne Formen entfalten sich in schönster Ordnung aus einem ganz unscheinbaren Gebilde und werden in so barmherziger Weise genährt. Einigen von ihren Samen werden auf ganz wundersame Weise kleine Flügel gegeben. So können sie sich im Fluge verbreiten. Sie werden mit großer Umsicht angeleitet, mit viel Liebe gepflegt und genährt. Der Allernährer und Allerbarmer versorgt sie aus dem Nichts, aus dürrer Erde oder Wurzeln, die einander gleichen, sich kaum voneinander unterscheiden und knochentrocken
zu sein scheinen, mit dem Saft, der sie auf vielfältige Weise mit vielen verschiedenen, reichhaltigen und zuträglichen Nährstoffen speist, zieht sie aus Samenkörnern und Wassertropfen auf. In jedem Frühling werden hunderttausend Dinge zur Ernährung und Versorgung alles Lebendigen aus der verborgenen Schatzkammer in vollkommener Ordnung wie in einen Wagon geladen und zu allem Lebendigen gesandt. Besonders aber die Milchkonserven in den Nahrungsmittelpaketen, die den Jungtieren gesandt werden und die Säcke voll süßer Milch, die so liebevoll an den Eutern der Muttertiere herabhängen, machen sichtbar, wie viel Liebe, Barmherzigkeit und Weisheit darinnen liegt und beweisen, dass dies offensichtlich eine Manifestation der Barmherzigkeit und Güte (ihsan) dessen ist, der nach der Überfülle Seiner Erbarmungen alles, was da lebt, mit so viel Liebe pflegt und nährt.
Diese Seite frühlingshaften Lebens zeigt in hunderttausend verschiedenen Arten und Beispielen substanziell in besonders glänzender Weise die Auslegung der Ayah:
{"Siehe die Male der Barmherzigkeit Allahs: Wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wieder belebt und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 50)}
In dieser Ayah kommt auch die Bedeutung dieser Seite wundervoll zum Ausdruck. Da verstand er, dass die Erde auf allen ihren Seiten und mit all ihrer Macht und Größe لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm (Allah)!"} sagt.
Nun ist also die Erde ein Buch mit mehr als zwanzig großen Seiten. Auf einer einzigen Seite finden sich zwanzig Aspekte. Als ein kurzes Zeugnis, einem einzigen Aspekt entnommen, und als eine Erklärung der Beobachtungen und Entdeckungen, die der Reisende mit den übrigen Aspekten auf den anderen Seiten gemacht hat und als ein Ausdruck dessen, was er bezeugt hat, wird auf der Dritten Stufe der Ersten Abhandlung (makam) Folgendes gesagt:
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweist die Erde mit allem, was darauf und darinnen ist, durch das gewaltige und alles umfassende, wahre Zeugnis der Unterordnung, der Verwaltung und Pflege, der Erschließung, der Verteilung der Samen, der Erhaltung, Versorgung und Ernährung aller Lebewesen durch Seine alles umfassende, vollkommene Gnade und Barmherzigkeit, so wie wir sie bezeugen."}
Das Zeugnis der Meere und Ströme
Nun verstärkt sich mit jeder Seite, die er liest, sein Glaube, welcher der Schlüssel zur Glückseligkeit ist. Es wächst seine Erkenntnis, die der Schlüssel geistiger Entwicklung ist. Bis zu einem gewissen Grade liegt ihm nun die Wahrhaftigkeit des Glaubens an Allah klarer vor Augen, die der Grundsatz und die Quelle jeglicher Vollkommenheit ist. Der innere Genuss und der Geschmack (den er am Reisen gewonnen hat), spornt seinen Eifer mächtig an. Obwohl er die so völlig sicheren Lektionen des Weltraumes von Himmel und Erde empfangen hat, fragt er dennoch beharrlich: "Gibt es da nicht noch mehr?" Da hört er die elegische Stimme der Meere, die berauschende Stimme der großen Ströme in ihrer ekstatischen, von Begeisterung erfüllten Dhikr-Feier. In ihrem Tun und Rauschen rufen sie ihm zu: "Sieh auch uns an! Lies auch in uns!" Da betrachtet er sie und erkennt:
Die Meere, in deren Natur es liegt, ein lebendiger, ständig bewegter Organismus zu sein, sich auszubreiten, alles zu überfluten und zu überschwemmen, umspannen die Erde, durchlaufen mit der Erde den Jahreskreis mit einer solchen Geschwindigkeit, dass sie fünfundzwanzigtausendmal schneller sind als der Mensch. Trotzdem verbreiten sie sich nicht weiter, überfluten nicht die Erde und überschwemmen nicht das Land ihrer Nachbarn. Das heißt also, dass ein überaus starker und gewaltiger Herr sie durch Seinen Befehl und in Seiner Macht still stehen lässt oder in Bewegung versetzt, sie bewacht und bewahrt.
Danach schaut er in das Innere des Meeres und sieht: Es gibt darinnen nicht nur die schönsten und kunstvollsten, wohlgestalteten Schätze, nein, Tausende von Lebewesen werden in ihm genährt und geführt, werden in ihm geboren und finden darin ihren Tod. All dies geschieht in schönster Ordnung. Die Nahrung und Versorgung, die in
so vollkommener Weise aus einfachem Sand und salzigem Wasser erwächst, ist ganz offensichtlich ein Beweis für die Lenkung und Leitung und für die Versorgung durch den Allmächtigen in Seiner Majestät, den Allbarmherzigen in Seiner Vollkommenheit (Djemal: Schönheit).
Danach betrachtet dieser Gast die Flüsse und sieht: Ihre Wohltaten, die sie spenden, ihre Aufgaben, die sie verrichten, ihr Einzugsgebiet und ihre Kapazität sind so voll Weisheit und Erbarmen. Sie beweisen ganz offensichtlich, dass alle Ströme, Flüsse, Bäche, Quellen alle die großen Wasserstraßen aus der Schatzkammer der Erbarmungen des Barmherzigen in Seiner Majestät und Freigiebigkeit hervorkommen und ihr entströmen. Ja, das Bewässerungssystem mit seinen Schleusen und Speichern funktioniert in so vorzüglicher Weise, dass die Überlieferung sagt: "Vier Flüsse entströmen dem Paradies." Das heißt also, dass ihre Ursprünge weit jenseits der äußerlichen Welt liegen, dass sie aus dem Geist und aus der Schatzkammer eines Paradieses und nur aus dem Segen einer unsichtbaren und unerschöpflichen Quelle fließen.
Der heilige Nilstrom, der das Sandland Ägypten in ein Paradies verwandelt, fließt, als wäre er ein kleines Meer, aus einem Felsen, der Mondberg genannt wird, unaufhörlich heraus, ohne sich jemals zu erschöpfen. Könnte man seine Wassermassen sechs Monate lang sammeln und einfrieren, es entstünde daraus ein noch weit größerer Berg. Doch der für die Einlagerung eines solchen Eisberges zur Verfügung stehende Platz genügt noch nicht einmal seinem sechsten Teil. Was aber die Erneuerung des Wasservorrates betrifft, so genügt der Regen, der in dieser heißen Gegend nur sehr spärlich fällt und von der durstigen Erde schnell wieder aufgesaugt wird, kaum, ihn stets wieder aufzufüllen. Er ist sicherlich nicht im Stande, das Gleichgewicht im Wasserhaushalt aufrecht zu erhalten. So findet hier die Überlieferung, die besagt, dass der heilige Nil aus einem unsichtbaren
Paradies entströmt, entgegen dem, was sonst auf Erden üblich ist, in einer sehr tiefen und schönen Wahrheit ihren Ausdruck.
So hat er denn nun den tausendsten Teil der ozeangleichen Wahrheit und der Zeugnisse gesehen, die Meere und Ströme in sich enthalten. Und er hat verstanden, dass sie alle zusammen mit einer Kraft, die der Größe der Meere entspricht لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."} und zur Bestätigung dieses Bekenntnisses so viele Zeugnisse anführen, wie es Bewohner (Makhluqat) in ihnen gibt. In der Absicht, das ganze Zeugnis der Meere und Ströme zum Ausdruck zu bringen, haben wir in der Vierten Stufe des Ersten Kapitels (makam) sinngemäß gesagt:
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen die Ströme und Meere mit allem, was darinnen ist, durch das gewaltige und alles umfassende, wahre Zeugnis der Unterordnung, der Erhaltung, der Speicherung, der umfassenden und wohlgeordneten Bewirtschaftung, so wie wir sie bezeugen."}
Die Berge als Masten
Dann rufen die Berge und Wüsten jenem Wanderer, der sich auf seiner Gedankenreise befindet, zu: "Auch wir sind ein Buch. Komm nun und lies in uns!" Da blickt er sie an und sieht:
Alle die Dienste und die vielen Aufgaben der Berge sind so gewaltig und so voller Weisheit, dass es den Verstand in Erstaunen versetzt. Zum Beispiel: Auf Befehl des Herrn traten die Berge aus der Erde hervor, und so aus der Erde hervortretend, beruhigten sie die Aufregungen, den Zorn und die Wut, welche die Umwälzungen im Inneren (der Erde) hervorruft. Im Hervorquellen der Berge und in ihren Kratern atmet die Erde, befreit sich so von gefährlichen Erschütterungen und Beben und stört nicht die Ruhe ihrer Bewohner, während sie ihre Bewegungsaufgabe erfüllt. Das heißt, so wie man Masten auf Schiffen errichtet, um sie vor Erschütterung zu bewahren und das Gleichgewicht aufrecht zu erhalten, so sind auch die Berge auf dem Schiff unserer Erde gleichsam als von Schätzen erfüllte Masten aufgerichtet, so wie viele Ayat des Qur'an, der ein Wunder der Verkündigung ist, es zum Ausdruck (Ferman) bringen, mit den Worten:
{"Er hat die Berge zu Pflöcken gemacht" (Sure 78, 7) "Wir haben auf der Erde Berge errichtet" (Sure 50, 7) "Er hat die Berge fest begründet." (Sure 79, 32)}
Und noch ein Beispiel: Im Inneren der Berge finden sich lebensnotwendige Quellen jeder Art, Gewässer, Bodenschätze, Mineralien und Heilmittel eingelagert, aufgespeichert und bereitgestellt mit so viel Weisheit und Umsicht, mit solcher Freigiebigkeit und Voraussicht, dass er sich sagt, dies beweise ganz offensichtlich die grenzenlose Macht des Allmächtigen und die grenzenlose Weisheit
des Allweisen und die Existenz Seiner Schatzkammern, Vorratshäuser und Seiner Dienerschaft. Und so verstand er es. Dann vergleicht er die Aufgaben der Berge und Wüsten, ihre Weisheiten, die so groß wie Berge sind. Mit diesen beiden Juwelen (Beispielen) gelangt er zu einer Erkenntnis, die so mächtig und so unerschütterlich ist wie die Berge, so groß und so weit wie die Wüsten, wenn sie in ihrer Vorratshaltung das Zeugnis von der Einheit Gottes (Tauhid) ablegen und sprechen: لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."}
Und er sagt: "Ich glaube an Allah."
So ist bereits auf der Fünften Stufe der Ersten Abhandlung, um den Sinn all dessen zum Ausdruck zu bringen, gesagt worden:
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen alle die Berge und Wüsten mit allem, was auf ihnen und in ihnen ist, durch das gewaltige und alles umfassende, wahre Zeugnis der Speicherung, der Bewirtschaftung, der Verbreitung der Samen, der Erhaltung und Verwaltung, der wohlgeordneten, vollkommenen, alles umfassenden Vorsorge des Herrn, so wie wir sie bezeugen."}
Die Welt der Bäume und Pflanzen
So durchfliegt nun der Reisende in seinen Gedanken die Berge und Wüsten und dabei öffnet sich seinen Gedanken das Tor zu den Welten der Bäume und aller übrigen Pflanzen. Sie fordern ihn zum Eintritt auf und rufen ihm zu: "Komm! Sieh Dich auch in unseren Gebieten um! Lies, was auch in uns geschrieben steht!" Da trat er ein und sah, dass sich eine hochherrschaftlich bekleidete Gesellschaft in geradezu königlichem Schmuck gebildet hat, welche die Schehada rezitiert, der Einheit und der Namen Allahs gedenkt und Dank sagt. Da verstand er, dass alle Arten von Bäumen und sonstigen Pflanzen auf ihre Weise gemeinsam لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."} sagen. Denn durch alle die Bäume und die übrigen Pflanzen, die Früchte hervorbringen, bezeigen und bezeugen sie in einem immerwährenden Lobpreis und in der wohlgeformten und klaren Ausdrucksweise ihrer Blätter, in der kunstvollen eleganten Sprache ihrer Blüten, mit Früchten, die wohlgesetzten und treffenden Worten gleichen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm. Und so erkannte er die folgenden drei umfassenden Wahrheiten.
Erstens:
So wie sich in ganz offensichtlicher Weise eine wohldurchdachte Zuwendung (in'am) und Freigiebigkeit, eine klare und freie Güte und Wohlgesonnenheit in ihrer wahren und wirklichen Bedeutung bei jeder einzelnen Pflanze erkennen lässt, so wird sie auch in deren Gesamtheit mit sonnenlichtklarer Deutlichkeit sichtbar.
Zweitens:
Es lässt sich eine wohldurchdachte, von so viel Weisheit erfüllte Trennung und Differenzierung, die in jeder Weise die Möglichkeit irgendeines Zufalls zunichte macht und eine so klare und freie Ausschmückung und
Ausgestaltung von solcher Barmherzigkeit bei so unendlich vielen Arten und Einzelexemplaren so klar und offensichtlich erkennen wie der lichte Tag. Und das zeigt, dass dies die Werke und Spuren eines allweisen Meisters sind.
Drittens:
Diese Formen, die auf zahllose Weisen in hunderttausend überaus verschiedenen Arten und Gestalten hervortreten, entfalten sich und erblühen in schönster Ordnung, in Schönheit und Ausgewogenheit aus einigen wenigen, untereinander austauschbaren, einfachen und leblos erscheinenden, einander zum Verwechseln ähnlich aussehenden oder kaum voneinander unterschiedenen Samenkernen und Körnchen zu zweihunderttausend untereinander verschiedenen, wohlgeordneten, völlig unterschiedlichen, ausgewogenen, lebendigen, weisheitsvollen, fehlerfreien, makellosen, auf ihre Art einmaligen Gestalten. Dies ist eine Tatsache, die noch klarer ist als Sonnenlicht. Da erkannte er, dass es entsprechend der Zahl der Blumen im Frühling, und der Früchte und Blätter, die er hervorbringt, ebenso viele Zeugen für diese Wahrheit gibt, und sagte:
{"Lobpreis und Dank sei Allah für die Gnade des Glaubens."}
Entsprechend wurde auf der Sechsten Stufe der Ersten Abhandlung (makam), um dieser Wahrheit Ausdruck zu verleihen, Folgendes ausgeführt:
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen alle Arten von Bäumen und sonstigen Pflanzen in ihrer Einheit, die Ihn in der Sprache ihrer wohlproportionierten und ihnen eindeutig zugeordneten Blätter, im Schmuck ihrer harmonisch gestalteten Blüten, ihrer wohlgestalteten, prägnanten Früchte lobpreisen, durch das gewaltige und alles umfassende, wahre Zeugnis der Geschenke, der Freigiebigkeit und Güte, mit dem Erbarmen und durch die Wahrheit der Unterscheidung, der bewussten Ausschmückung, mit dem Willen zur Gestaltung in Weisheit mit dem zuverlässigen Beweis der Wahrheit der Entfaltung aller ihrer wohlgestalteten, verzierten, voneinander unterschiedenen, zahllosen Formen von begrenzten, abgezählten Samenkernen und Körnern, die einander ähneln und entsprechen."}
Rezitation der Tiere
Nun holt sich unser Weltreisender aus dem Garten des Frühlings einen Rosenstrauß voll Erkenntnis und Glauben, so groß wie der Frühling selbst. Auf seiner Gedankenwanderung öffnet sich seinem Denken, während mit seinem Interesse und mit seinen Fortschritten auch Lust und Neigung wachsen, in dem Wissen um die Wahrheit und seinem Verständnis in der bereitwilligen Annahme des einmal als richtig Erkannten, das Tor zur Welt der Tiere des Himmels und der Erde. Mit Hunderttausenden unterschiedlichster Stimmen und in den verschiedensten Zungen wird er nun hereingerufen. "Tritt ein!", rufen sie ihm zu. Und er tritt ein und sieht:
Alle Tiere des Himmels und der Erde in allen ihren Klassen, Gruppen und Familien sprechen gemeinsam je nach ihrer Art und Ausdrucksweise: لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."} und verwandeln so das Antlitz der Erde in ein Haus des Gottesgedenkens (dhikr) und eine Gesellschaft, welche die Schehada (tehlil) rezitiert. Und so erkennt er, dass jedes einzelne von ihnen in seiner Eigenschaft eine Kasside des Herrn, ein Wort der Lobpreisung, einen bedeutungsträchtigen Buchstaben des Allbarmherzigen, des Meisters verkörpert, Ihm in dieser Art Lob sagend und Ihm dankend. Es ist, als seien alle diese Empfindungen, Fähigkeiten, Instrumente, Werkzeuge und Geräte all der Tiere des Himmels und der Erde gleich wohlgesetzten Versen nach Reim und Metrik, gleich wohlgeordneten und vollendeten Worten. So ihrem Schöpfer und Ernährer dankend und Seine Gegenwart (Vahdaniyet) bezeugend, sind sie ein absolut sicherer Beweis der nachstehenden drei gewaltigen und allumfassenden Wahrheiten, von denen unser Reisender Zeugnis gibt:
Erstens:
Die Weisheit, die sich bei ihrer Schöpfung aus dem Nichts offenbart, die Kenntnis und der Sachverstand, der sich bei ihrer Erschaffung und Gestaltung zeigt, die Kunstfertigkeit, die darin deutlich wird, wie sie ins Dasein treten, können unmöglich einem planlosen Zufall, einer blinden Macht und den unbewussten Kräften der Natur zugeschrieben werden. Die Tatsache, dass ihnen die Seele (ruh) eingehaucht und das Leben gegeben wurde, und dass sich in ihnen zwanzigfach Wollen, Wissen und Weisheit manifestiert, ist ein ozeangleiches Zeugnis, dass in so vielfacher Weise bestätigt wird, wie es beseelte Wesen gibt. Sie bezeugt den Herrn des Lebens, der Unwandelbarkeit, die unbedingte Notwendigkeit Seiner Existenz, Seine sieben Eigenschaften (sifat: Leben, Wissen, Hören, Sehen, Wollen, die Macht und das Wort) und die Einheit (Vahdet).
Zweitens:
In zahllosen Kunstwerken, die sich in ihrem Aussehen voneinander unterscheiden, sowie entsprechend ihrer künstlerischen Gestaltung, entsprechend dem ökologischen Gleichgewicht ihrer Population und entsprechend der Stimmigkeit in ihrer Erscheinung, die nun voneinander getrennt und kunstvoll verziert werden, denen nun eine Form gegeben, wird diese so gewaltige Wahrheit sichtbar, dass alle diese umfassenden Vorgänge, die in jeder Hinsicht Tausende von Wundern und Weisheiten sichtbar machen, keinen anderen zum Herrn haben können, als den, der aller Dinge mächtig ist, und der um alle Dinge weiß. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht und ist auch gar nicht vorstellbar.
Drittens:
Aus lauter kleinen und großen Eiern, die alle dieselbe Form haben, die alle gleich oder ähnlich aussehen, bzw. sich nur wenig voneinander unterscheiden, begrenzt und beschränkt in ihrer Zahl, sowie aus Wassertropfen, die man Spermien nennt, entstehen diese Hunderttausende unterschiedlichster Arten verschiedenster Tiere, und jedes einzelne seinem Wesen nach ein Wunder der Weisheit, überaus wohlgeformt und gestaltet in
makelloser Ausgewogenheit, entfalten sich und sind so - jedes einzelne von ihnen - als eine glänzende Tatsache Zeugnis und Urkunde entsprechend der Anzahl der Tiere und beleuchten dergestalt diese Wahrheit.
Also sprechen diese Arten von Tieren in Übereinstimmung mit den drei Wahrheiten: لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."}
Dafür legen sie Zeugnis ab. Und es ist, als ob die Erde wie ein einziger großer Mensch ihrer Größe entsprechend لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."} sagte, sodass es die Bewohner des Himmels hören. Dies hat unser Reisender erkannt und alle Lehren daraus gezogen.
Auf der Siebenten Stufe der Ersten Abhandlung (makam) haben wir Folgendes gesagt, um dieser Tatsache Ausdruck zu verleihen:
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen alle Arten von Vögeln und sonstigen Tieren in ihrer Einheit, die Ihn lobpreisend bezeugen in der Sprache ihrer wohlausgewogenen, wohlgeordneten, eindeutigen Anlagen und Fähigkeiten, ihres inneren und äußeren Wahrnehmungsvermögens, in der beredsamen Sprache ihrer Körper mit ihren Organsystemen und sonstigen Kostbarkeiten, ihren Besonderheiten und vollkommenen Werkzeugen, durch das gewaltige und alles umfassende, wahre Zeugnis der Schöpfung, Formung und Gestaltung, durch Seinen Willen und durch die Wahrheit der Unterscheidung, der bewussten Ausschmückung, durch die Wahrheit der Vorausplanung, der Gestaltung in Weisheit mit dem zuverlässigen Beweis der Wahrheit der Entfaltung aller ihrer wohlgestalteten, voneinander unterschiedenen, zahllosen Formen von begrenzten und verschlossenen Eiern und Spermien, die einander ähneln und entsprechen."}
Die aufrechten Botschafter
Nun wollte unser Gedankenreisender auf der endlosen Sprossenleiter der Gotteserkenntnis, der zahllosen Freuden und der Lichter weiter voranschreiten, in den Kosmos der Menschen und die Welt des Menschlichen eintreten. Da luden ihn zuerst diejenigen ein, welche Propheten genannt werden. Er trat ein, betrachtete zuerst die Wohnstätten vergangener Zeiten und erkannte:
Alle Propheten, welche unter den Menschen höchste Erleuchtung und größte Vollkommenheit erlangt haben, sprechen gemeinsam: لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."}
Sie wiederholen unablässig Seinen Namen (dhikr). Sie rufen in der Kraft zahlloser, glänzend bestätigter Wunder zur Einheit Gottes (Tauhid) und geben den Menschen, die sie zum Glauben an Gott eingeladen haben, Unterricht, um sie von der Stufe der Tiere zum Rang der Engel empor zu führen. Dies sehend, kniet auch er in dieser lichtvollen Medresse nieder, um am Unterricht teilzunehmen. Und er erkannte:
Da der Schöpfer des Alls durch die Hand jedes Einzelnen von den großen unter den berühmtesten Lehrern der Menschheit Wunder wirkte, um ihre Auserwählung zu bestätigen, fanden sie auch durch die Botschaft jedes einzelnen unter ihnen Bestätigung bei einer gewaltig großen Menschenmenge, die ihre Gemeinde bildete und zum Glauben gelangte. So konnte er nun rückschließend feststellen, was für eine mächtige und absolut sichere Wahrheit dieser Tatsache zu Grunde liegt, die von Hunderttausenden ernsthafter und geradliniger Persönlichkeiten gemeinsam und übereinstimmend beurteilt und bestätigt wird. Zudem verstand er nun, was für einen Fehler, welch
ein Verbrechen die Leute des Irrwegs begehen und welch grenzenlose Strafe sie verdienen, wenn sie diese mächtige Wahrheit leugnen, die doch durch zahllose Wunder von so vielen aufrechten Botschaftern ratifiziert und bewiesen wurde. Und andererseits erkannte er nun, welche Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit auf Seiten derer ist, welche die Propheten bestätigen und den Glauben angenommen haben. So wurde ihm eine noch höhere Stufe eines heiligen und makellosen Glaubens offenbar.
Es sind in der Tat nicht nur die zahllosen Wunder, welche eine aktive Bestätigung von Gott dem Gerechten für Seine Propheten sind, die so sehr vielen himmlischen Schläge, welche die Gegner treffen und die Wahrhaftigkeit aufzeigen, die Vollendung ihrer Persönlichkeit, die beweist, dass sie gerecht sind, die Wahrhaftigkeit ihrer Lehren, die Stärke ihres Glaubens, die bezeugt, dass sie geradlinig sind, indem sie ihrem Wege folgten, was ein Zeugnis ist dafür, dass ihre Wege geradlinig sind und wahr. Es ist zudem auch der Konsens dieser durchaus ernstzunehmenden Botschafter, ihre Übereinstimmung in allen konkreten Fragen, in ihren Aussagen, in ihrer Beweisführung, ihre wechselseitige Unterstützung und gegenseitige Bestätigung. Dies alles ist gleich einer Urkunde und eine solche Kraft liegt darin, dass keine Macht der Welt dem zu widerstehen vermag und keine Zweifel und keine Unentschlossenheit danach mehr zurückbleibt.
Er verstand nun auch, dass der Glaube an alle Propheten, inbegriffen in den Glaubensgrundsätzen, eine weitere Bestätigung, und diese Bestätigung eine große Quelle der Kraft ist. Aus ihrem Unterricht empfing er viel Segen für seinen Glauben. Den oben erwähnten Lektionen des Reisenden entsprechend wurde auf der Achten Stufe der Ersten Abhandlung (makam) Folgendes zum Ausdruck gebracht:
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen alle Propheten in ihrer Gemeinsamkeit durch die Kraft ihrer offensichtlichen Wunder, die sowohl bestätigen, als auch bestätigt sind."}
488
Die Schule der Nachfolger der Propheten
Nun wurde unser reisender Schüler, nachdem er aus der Kraft des Glaubens eine hohe Begeisterung gewonnen hatte, auf dem Wege von der Versammlung der Propheten von den Kennern der Wahrheit (muhaqqiqin), die durch sichere und starke Zeugnisse der Gelehrten ('ulema) mit wissenschaftlicher Genauigkeit ('ilme-l'yaqin) die Lehre (dava) bewiesen, der Geläuterten (Asfiya) und der Getreuen (Siddiqin), die den Ozean der Lehre in sich enthalten und die Exegeten des Qur'an (mudjtehid) sind, in ihre Schule eingeladen. Dorthin ging er nun und sah:
Tausende überragender Geister und Hunderttausende von Forschern und Exegeten mit ihren eingehenden Untersuchungen, die keine Haaresbreite für einen Zweifel offen lassen, beweisen die Notwendigkeit der Existenz Gottes und Seiner Einheit, und befassen sich zugleich mit der Lösung aller konkreten Angelegenheiten des Glaubens. Es ist in der Tat bei aller Unterschiedlichkeit in ihrer Begabung und Berufung gerade die ihnen allen gemeinsame Übereinstimmung in den Grundsätzen und in der Ausübung des Glaubens, es sind die starken und zuverlässigen Zeugnisse, auf die sie sich stützen, welche in ihrer Beweiskraft so stark sind, dass man sich ihnen nur dann entgegenstellen könnte, wenn es möglich wäre, ihrer Gesamtheit eine geistige Kapazität und Intelligenz entgegenzusetzen und entgegen der Gesamtheit ihrer Beweisführung einen Gegenbeweis zu erbringen. Weil dies aber so ist, können die Gegner des Glaubens nur in ihrer Unbelehrbarkeit und Torheit und in ihrer Widersetzlichkeit, in ihrer Hartnäckigkeit bei nicht zu beweisenden abstrakten Fragen dadurch noch das Gegenteil erreichen, dass sie ihre Augen vor (solchen Beweisen) verschließen. Doch wer seine Augen verschließt, verwandelt den Tag dadurch nur für sich selbst in Nacht.
Unser Reisender erkannte, dass die Lichter über dieser großartigen und weiten Schule, welche von diesen ehrenwerten
und ozeangleichen Lehrern (Ustadh) ausstrahlen, schon seit mehr als tausend Jahren den halben Erdkreis erleuchten. Und er traf dort eine so starke geistige Kraft an, dass alle Bestreiter der Wahrheit, hätten sie sich dort versammelt, keinen unter ihnen hätten beirren oder erschüttern können. So wurde auf der Neunten Stufe der Ersten Abhandlung (makam) zu der Lektion, die der Reisende in dieser Schule erhalten hatte, folgender kurzer Hinweis gegeben:
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen alle Geläuterten (Asfiya) in ihrer Einheit und Übereinstimmung durch die Kraft ihrer offensichtlichen, wahren, miteinander übereinstimmenden Zeugnisse."}
Im Hause des Gottesgedenkens
Nun wird unser Gedankenreisender, nachdem sich sein Glaube noch mehr gestärkt und entfaltet hat, vom Grade wissenschaftlicher Überzeugung zur Stufe augenscheinlicher Sicherheit fortgeschritten ist und er sich sehr danach sehnt, die Lichter und die Freuden zu schauen, auf dem Wege aus der Medresse von Hunderttausenden, ja Millionen heiligmäßiger Lehrer (Murshid), die in dem einen so überaus segensreichen und erleuchteten großen Derwischkloster, das so weit ist wie die Wüste, hervorgegangen aus der Vereinigung zahlloser Konvente großer und kleiner Derwischklöster, die sich in der Herberge, in dem Hause des Gottesgedenkens (dhikr) und der Rechtleitung, in dem großen Garten Mohammeds (Friede und Segen sei mit ihm) und unter dem Schatten der Himmelfahrt Ahmeds (Friede und Segen sei mit ihm) um die Wahrheit bemühen, zur Wahrheit gelangt sind, ja, sie mit augenscheinlicher Sicherheit erkannt haben, ins Kloster (dergah) eingeladen. Dort tritt er nun ein und sieht:
Diese Lehrer machen als Entdecker (ehl-i keshf) und Wundertäter, gestützt auf das, was sie erkannt und bezeugt haben, und auf ihre Wunder, vor aller Welt die notwendige Existenz und Einheit des Herrn bekannt und sprechen alle miteinander gemeinsam: لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."}
So wie man die Sonne durch das Licht ihrer sieben Farben erkennt, so erkannte auch unser Reisender durch die siebzig Farben, ja sogar durch so viele Farben, wie es Namen Gottes gibt, mit augenscheinlicher Sicherheit, wie offensichtlich und klar die urewige Sonne der göttlichen Wahrheit ist, deren verschiedenste lichtvolle Farben, Orden von Rechtgläubigen unterschiedlichster Couleur, differenzierte
echte Berufungen, voneinander abgegrenzte Schulen der Wahrheit durch überragende Geistesgrößen von heiligmäßigem Ruf, durch erleuchtete Kenner der Wahrheit in allgemeiner Übereinstimmung unterstrichen werden. So wurde ihm die Übereinstimmung der Propheten untereinander, der Gelehrten und der Heiligen mit ihnen und die gemeinsame Übereinstimmung all dieser drei mit weit größerer Schärfe klar, als das Licht des Tages auf das Vorhandensein der Sonne hinzuweisen vermag.
Als ein kurzer Hinweis auf den Segen, den dieser Gast in dem Kloster (tekke) empfing, wurde in der Zehnten Stufe der Ersten Abhandlung (makam) wie folgt gesagt:
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der daدّءtwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen alle Gottesfreunde (auliya) in ihrer Einheit und Übereinstimmung durch ihre offensichtlichen, wahrhaftigen und bestätigten Entdeckungen und Wunder (keramat)."}
Die Begegnung mit Engeln
Jetzt erhob unser Weltreisender, in dem Wissen, dass die höchste, bedeutendste Stufe menschlicher Vollendung, ja vielleicht Ursprung und Quelle aller menschlichen Vollkommenheit die Gottesliebe ist, die aus dem Glauben an Allah und der Gotteserkenntnis erwächst, sein Haupt zum Himmel und wünschte sich mit aller Macht und Fähigkeit, dass sich die Kraft seines Glaubens und die Entfaltung seiner Erkenntnis noch stärker entwickeln möge, und sagte zu seinem Verstand:
"Es ist nun einmal das Leben das Kostbarste, was es in der Welt gibt. Alles, was da ist im All, ist in den Dienst des Lebens gestellt. Unter allem, was da lebt aber hat der Geist den höchsten Wert. Unter allen beseelten Wesen aber sind am kostbarsten die mit Bewusstsein begabten. Um dieses ihres Wertes willen und um alles Lebendige unablässig zu mehren, füllt sich und leert sich das Erdenrund von Generation zu Generation und von Jahr zu Jahr. Es ist ohne allen Zweifel sicher, dass der Himmel ein Aufenthaltsort ist für Bewohner, die Leben, Geist und Bewusstsein besitzen, wie denn auch von alters her übereinstimmende Ereignisse tradiert und überliefert werden, dass sich in Gegenwart Mohammeds (Friede und Segen sei mit ihm) Engel gleich dem Erzengel Gabriel (Friede sei mit ihm) verkörperten, auch seinen Gefährten sichtbar wurden und mit ihnen redeten. Würde dies geschehen, könnte auch ich mit den Bewohnern des Himmels plaudern und wüsste um ihre Gedanken. Denn ihnen kommt die bedeutendste Aussage über den Schöpfer des Alls zu." Während er noch darüber nachdachte, hörte er plötzlich eine Stimme vom Himmel, die zu ihm sprach:
"Du hast also nun den Wunsch geäußert, uns zu begegnen und dich an unserem Unterricht zu beteiligen. So wisse denn, dass wir die Dinge des Glaubens als erste angenommen haben, welche durch unsere Vermittlung
zu allen Propheten gelangt sind, vor allem aber der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, und vor allem zu Hasret-i Mohammed (Friede und Segen sei mit ihm).
So haben denn alle guten Geister, welche Gestalt angenommen, sich den Menschen gezeigt haben und zu den unsrigen gehörten, einstimmig und ohne jede Ausnahme Zeugnis abgelegt, dass es mit Notwendigkeit einen Schöpfer des Alls geben muss, Seine Einheit (Vahdet) und Seine heiligen Attribute bekannt, einander in Übereinstimmung und gegenseitiger Entsprechung davon Kunde gebracht. Diese unbegrenzte Entsprechung und Übereinstimmung sei dir ein sonnengleicher Führer." Da erglänzte das Licht seines Glaubens und er stieg von der Erde zum Himmel auf.
So wurde auf der Elften Stufe der Ersten Abhandlung als ein kurzer Hinweis auf die Lektion, die unser Reisender von den Engeln empfangen hatte, Folgendes gesagt:
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen die Engel in ihrer Einheit und Übereinstimmung, die sich vor den Augen der Menschen manifestiert und mit auserwählten Menschen gesprochen und ihnen übereinstimmende, einander entsprechende Botschaften gebracht haben."}
Die Denker und die Leute des Herzens
Nun hatte unser Gast, brennend vor Sehnsucht und Begeisterung, nachdem er in der Welt des Zeugnisses, der Verkörperung und der Materie, von verschiedenen Gruppen ausgesprochen wie unausgesprochen Unterricht erhalten hatte, noch den Wunsch, durch die Welt des Verborgenen und die Zwischenwelt (berzah) zu reisen, sie zu studieren und die Wahrheit eingehend zu untersuchen. Da öffnete sich ihm das Tor eines friedfertigen und lichtvollen Herzens und eines geradlinigen und erleuchteten Geistes, der Kern menschlichen Wesens, wie er sich unter jeder Gruppe Menschen findet, und die Frucht des Alls ist, sodass der Mensch trotz seiner Kleinheit innerlich die ganze Welt umfasst. Er sah:
Sie bilden die Zwischenwelt (berzah) des Menschen in der Mitte zwischen der unsichtbaren und der bezeugten Welt. Er sah die Stelle, wo diese beiden Welten einander berühren und sich miteinander austauschen, wie es dem Menschen entspricht, und sprach zu seinem Herzen und zu seinem Verstand:
"Kommt, der Weg zur Wahrheit durch das Tor, das ihr seid, ist noch kürzer. Wir sollten nicht wie auf den bisherigen Wegen über das Medium der Sprache unseren Unterricht erhalten, vielmehr im Glauben ihre besonderen Eigenschaften und Farben studieren und daraus unseren Nutzen ziehen." So begann er mit dem Studium...
Und er erkannte:
Mögen sie auch in ihren Charakteren sehr voneinander abweichen und ihre Wege weit voneinander entfernt, ja einander entgegengesetzt sein, so stimmen sie dennoch in der Geradlinigkeit und leuchtenden Klarheit ihres Denkens, in der Standfestigkeit und ruhigen Zuversicht ihrer Überzeugung und Gewissheit im Glauben und in der Lehre von der Einheit (Tauhid) miteinander überein. Das heißt also, dass sie sich auf eine Wahrheit stützten und
sich ihr verbunden wussten, dass ihre Wurzeln tief in die Wahrheit eingedrungen waren und nicht wieder ausgerissen werden können. So bildet denn ihre Einheit in den Grundsätzen des Glaubens in dem, der Da-Sein muss und in Seiner Einheit eine leuchtende Kette, die nie zerbrochen werden kann, und ist zugleich ein erleuchtetes Fenster, das sich auf die Wahrheit hin öffnet.
Nun also sah er: Mochten auch die Wege, die sie eingeschlagen hatten, noch so weit voneinander entfernt und voneinander verschieden sein, so sind doch ihrer aller Herzen gefestigt und erleuchtet in der Übereinstimmung in den Glaubensgrundsätzen, in der ruhigen Zuversicht, in den Entdeckungen, die ihre Begeisterung erwecken, in den Beobachtungen und den Entsprechungen, die sie bezeugen und in der Lehre von der Einheit, die sie alle miteinander vereint. Das heißt also, dass diese leuchtenden Herzen, die auf die Wahrheit ausgerichtet sind, zur Wahrheit gelangt sind, und sie verkörpern und von denen jedes einzelne einem winzigen Thron der Erkenntnis des Herrn, jedes einzelne einem Brennspiegel göttlicher Einzigartigkeit (Samad) gleich, diese Fenster, die sich auf die Wahrheit hin öffnen, alle zusammen einen gewaltigen Spiegel bilden, der dem Meeresspiegel gleich das Licht der Sonne empfängt. Ihre Gemeinsamkeit und Übereinstimmung in der Lehre von der Existenz und Einheit (Vahdet) des Notwendig-Seienden ist ein vollkommener Wegweiser und ein überragender Lehrer (Murshid), der niemals irrt und niemals in die Irre führt. Denn es ist unter gar keinen Umständen möglich oder auch nur wahrscheinlich, dass eine Vorstellung, abweichend von der Wahrheit, ein unwahrer Gedanke, eine irreale Fähigkeit so dauerhaft und beständig die scharf und weitsichtigen Augen aller, gleichzeitig und insgesamt betrügen oder ihnen etwas vorgaukeln sollte. Da verstand er, dass nur ein krankhafter und verdorbener Intellekt so etwas für möglich halten könnte. Denn selbst diese törichten Philosophen, die das Weltall verleugnen, wären nicht damit zufrieden,
würden so etwas zurückweisen. Nun sagten Herz und Verstand gemeinsam: اَمَنْتُ بِاللَّهِ {"Wir glauben an Allah."}
So wurde auf der Dreizehnten Stufe der Ersten Abhandlung (makam) über die Erkenntnis aus dem Glauben in einem kurzen Hinweis auf den Nutzen, den unser Reisender von den geradlinig denkenden Intelligenzen und den erleuchteten Herzen empfangen hatte, Folgendes gesagt:
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen alle aufrechten Intelligenzen in ihrer Gemeinsamkeit, erleuchtet von ihrem übereinstimmenden Glauben und der einander entsprechenden Gewissheit, trotz aller Verschiedenheit in ihren Begabungen und aller Unterschiedlichkeit ihrer Wege. Genau so beweist auch die Einheit und Übereinstimmung der rechtgeleiteten Herzen, erleuchtet von ihren übereinstimmenden geistigen Entdeckungen und einander entsprechenden Visionen, trotz aller Verschiedenheit in ihren Wegen und ihrer Temperamente die Notwendigkeit Seiner Existenz."}
Offenbarung und Inspiration
Nun fragte unser Reisender auf seiner Fahrt durch Herz und Verstand: "Was wird wohl die Welt des Verborgenen sagen?", und klopfte in diesem Gedanken voll Ungeduld an die Pforte zur verborgenen Welt. Denn es gibt nun einmal in dieser Welt der Verkörperung und der Materie ein Wesen, eine Persönlichkeit, die offensichtlich klarer als durch Worte und Reden sich in Taten gleich unendlich vielen überaus schönen, kunstvoll gestalteten Arbeiten zu erkennen gibt, ob unendlich vieler wohltuender, schön gestalteter Gnadenerweise geliebt zu werden wünscht, und Seine verborgene Vollkommenheit in unendlich vielen wunderbaren und geistvollen Werken verständlich machen möchte. Er drückt sich bestimmt in jedem Fall, wie Er das durch Seine Taten und in Seinem So-Sein tut, auch in Wort und Rede aus, gibt sich darin zu erkennen und bewirkt, dass Er durch sie geliebt wird. Deshalb sagt er nun in Anbetracht der verborgenen Welt: "Wir müssen Ihn auf Grund Seiner Manifestationen erkennen." So trat er denn mit seinem Herzen in sie ein, schaute sie mit den Augen seines Verstandes und erkannte:
Die Tatsache der Offenbarung herrscht in der unsichtbaren Welt, und manifestiert sich in ihr mit großer Macht. Weit mehr als das Zeugnis des Alls und der Geschöpfe erwächst aus der Welt des Unsichtbaren durch die Wahrheit der Offenbarung und der Inspiration das Zeugnis der Existenz und Einheit (Tauhid) Gottes. Das Zeugnis für sich, Seine Existenz und Seine Einheit (Vahdet) bleibt nicht allein abhängig vom Zeugnis Seiner Werke. Er macht sich verständlich durch das urewige Wort, das Seiner würdig ist. Und das Wort, das von Ihm ausgeht, ist gleichfalls grenzenlos, ist allgegenwärtig und allschauend in Seinem Wissen und in Seiner Macht. Wie der Geist (mana) Seiner Worte uns Ihn erkennen lässt, so lässt uns Seine Mitteilungsfähigkeit (sifat-i kelam) auch Seine Attribute erkennen.
In der Tat ist es nach der Überlieferung von hunderttausend Propheten und in der Übereinstimmung ihrer Berichte, was ihre Erwählung zu Empfängern und Verkündern der göttlichen Botschaft betrifft, durch die Beweise und Wunder der heiligen Bücher und himmlischen Schriften, welche die überwältigende Mehrheit des Menschengeschlechtes bestätigt und als Richtschnur angenommen hat, ihnen folgt und welche die Früchte der Offenbarung und selbst bezeugte Offenbarung sind, ganz klar und offensichtlich geworden, dass die Offenbarung (Gottes) wahrhaftig eine feststehende Tatsache ist. Dies erkannte er und verstand, dass die Tatsache der Offenbarung in fünf heiligen Wahrheiten zum Ausdruck kommt und in ihnen ihr Gutes findet.
Erstens:
{"Die göttliche Herabkunft (entspricht) dem menschlichen Intellekt."}
So zu sprechen, wie der menschliche Intellekt es zu verstehen mag, ist Herabkunft göttlicher Demut. Er hat in der Tat allen Seinen beseelten Geschöpfen die Fähigkeit zu sprechen verliehen und versteht ihre Sprache. Sich selbst an ihren Konferenzen mit einer eigenen Rede zu beteiligen, ist gewiss ein Erfordernis Seiner göttlichen Herrschaft.
Zweitens:
Derjenige, welcher um Seiner Selbstoffenbarung willen das All mit einem grenzenlos hohen Aufwand von Grund auf wunderbar erschaffen hat, dass es Seine Vollkommenheit mit Tausenden von Zungen verkünde, wird sich selbst gewiss auch mit eigenen Worten zum Ausdruck bringen.
Drittens:
So wie Er die Bittgebete und die Dankgebete derjenigen unter Seinen Geschöpfen, die Er als erste erwählt hat, welche Seiner am meisten bedürfen, welche so hoch empfindlich sind und mit solcher Sehnsucht nach
Ihm verlangen, nämlich der wahren Menschen, mit tatkräftiger Hilfe beantwortet, so ist es auch Kennzeichen Seiner Schöpfermacht, ihnen auch mit Worten Sein Entgegenkommen zu erweisen.
Viertens:
Die Gabe des Wortes ist eine Erscheinung von leuchtender Klarheit, absolut notwendig zur Erkenntnis und für das Leben. In einer Persönlichkeit, die umfassendes Wissen besitzt und ewiges Leben in sich trägt, wird sie sich bestimmt auch in einer umfassenden und ewigen Form vorfinden.
Fünftens:
Eine Persönlichkeit, die Seinen Geschöpfen in ihrem Bedürfnis zu lieben und geliebt zu werden, in ihrer Angst und Sorge, in ihrem Suchen nach Halt und Stütze, in ihrem Verlangen, ihren Herrn und König zu finden, den Hunger und die Sehnsucht, die Armut und die Bedürftigkeit, die Sorge um die Zukunft, die Liebe und Verehrung eingegeben hat, muss ihnen sicherlich auch als ein Erfordernis Seiner Göttlichkeit, von Seiner Existenz dadurch Mitteilung machen, dass Er sie anspricht.
Also verstand er denn, dass die Herabkunft göttlicher Demut, die Selbstoffenbarung Gottes, das Entgegenkommen des Allbarmherzigen, das Wort des Hochgelobten und die Mitteilung des Einzigartigen (Samad), Wahrheiten, die alle zusammen in den himmlischen Offenbarungen enthalten sind, in ihrer Gesamtheit einen Beweis für die Existenz dessen, der Da-Sein muss und Seine Einheit darstellen, wie dieser Beweis gleichsam als eine Urkunde noch stärker ist als am Tage die Sonnenstrahlen ein Zeugnis für die Sonne.
Nun lässt er seine Blicke unter den Eingebungen umherschweifen und erkennt: Echte Eingebungen gleichen im Grunde einer Art von Offenbarung (vahiy), doch gibt es immerhin zwei Unterschiede zwischen ihnen:
Erster Unterschied:
Eine Offenbarung ist eine erhabene Eingebung, meistens durch die Vermittlung eines Engels, während die meisten Eingebungen ohne einen Mittler geschehen.
So hat z.B. ein König bekanntlich zwei Möglichkeiten zu reden und Befehle zu erteilen:
Erstens:
Wenn es ihm ganz allgemein um die Majestät seines Königreichs geht und um seine Souveränität, so schickt er einen Botschafter zu einem Gouverneur. Um den Glanz seiner Herrschaft und die Bedeutung seines Auftrags zu betonen, bespricht er sich zunächst mit seinem Gesandten, bevor er seinen Erlass (ferman) veröffentlicht.
Zweitens:
Geschieht aber etwas nicht unter dem Zeichen des Sultans, nicht öffentlich im Namen des Königs, vielmehr in seinem eigenen Namen, in einer privaten Angelegenheit oder unbedeutenden Sache, dann äußert er sich privat durch einen persönlichen Boten, durch einen untergeordneten Diener oder über sein Privattelefon.
In ähnlicher Weise mag auch der urewige König unter Seinem Namen als dem Herrn aller Welten und mit dem Titel des Schöpfers des Alls Sein Wort in Form einer Offenbarung oder in Form einer an alle gerichteten Eingebung, die den Dienst einer Offenbarung versieht, oder in persönlicher Form an jeden einzelnen richten, weil Er der Herr und Schöpfer jedes einzelnen Lebewesens ist, doch hinter einem Schleier verborgen und dessen Auffassungsgabe entsprechend.
Zweiter Unterschied:
Eine Offenbarung ist schattenlos und rein, bestimmt für die Auserwählten. Eine Eingebung aber ist überschattet, unklar in ihren Farben und richtet sich an jedermann. Es gibt Eingebungen, die den Engeln zuteil werden, Eingebungen an Menschen, Eingebungen für Tiere (Instinkte!). So gibt es die allerverschiedensten und höchst unterschiedlichen Arten von Eingebungen, zahlreich wie die Tropfen des Meeres. Sie sind Quelle und Grund der Verbreitung der Worte des Herrn.
{"Wäre das Meer Tinte, um die Worte meines Herrn zu schreiben, das Meer wäre ausgeschöpft, noch bevor sich die Worte meines Herrn erschöpften." (Sure 18, 109)}
Da verstand er, dass dies einen Aspekt der Ausdeutung (tefthir) dieser Ayah darstellt.
Nun sah er sich unter Wesen, Weisheit und Zeugnis für die Offenbarung um und erkannte: Wesen, Weisheit und Frucht (der Offenbarung) besteht aus vier Lichtern.
Erstens:
So wie die Gottesliebe (Teveddud-u Ilahi) bedeutet, dass Er in Seinen Taten Seine Geschöpfe dazu veranlasst, Ihn zu lieben, desgleichen ist es auch ein Erfordernis der göttlichen Freundschaft (Vedudiyet) und Seiner Barmherzigkeit, sie auch durch Sein Wort, Seine Gegenwart und das vertraute Gespräch mit Ihm (sohbet) zu Seiner Liebe zu bewegen.
Zweitens:
So wie Er die Gebete Seiner Diener und Anbeter mit Seinen Taten beantwortet, so ist es auch ein Kennzeichen Seiner Barmherzigkeit, ihnen auch mit Worten hinter einem Schleier zu entgegnen.
Drittens:
Den Geschöpfen, die von schwerem Unglück betroffen, in bedrückende Umstände geraten, um Hilfe rufen, schreien, flehen, nicht nur tatkräftig zu helfen, sondern ihnen auch mit inspirierenden Worten, wie in einer Art von Gespräch, Stütze zu geben, ist ein Erfordernis Seiner Göttlichen Herrschaft.
Viertens:
Nun verstand er: So wie Er Seinen mit Bewusstsein begabten Geschöpfen in all ihrer Unfähigkeit, in all ihrer Schwäche, in all ihrer Armut, in all ihrer Bedürftigkeit, die doch ihres Königs, ihres Hirten, ihres Führers, ihres Beschützers so sehr bedürfen und sich so sehr nach Ihm sehnen, in der Tat Sein Dasein, Seine Gegenwart, Seinen Schutz verspüren lässt, so projiziert Er auch einige Seiner echten Eingebungen, die als eine Art Spruch des Herrn gezählt werden, gleichsam wie auf eine Leinwand, um ihnen entsprechend ihrer Fähigkeit über das Telefon ihres Herzens auch durch Sein Wort Sein persönliches Dasein und Seine Gegenwart verspüren zu lassen. Dies ist ein zwangsläufiges und notwendiges Erfordernis göttlicher Liebe (shefqat-i Uluhiyet) und der
Barmherzigkeit des Herrn.
Danach schaute er das an, wofür die göttlichen Eingebungen Zeugnis sind und erkannte: Setzen wir einmal den unmöglichen Fall voraus, die Sonne besäße Leben und Bewusstsein und die sieben Farben ihres Lichtes wären ihre sieben Fähigkeiten. Unter diesem Gesichtspunkt wären die Strahlungen und Wirkungen ihres Lichtes eine Art ihrer Kommunikation. In diesem Fall fände sich ihr Bild und Reflex in allen glänzenden Gegenständen. Sie könnte mit jedem Spiegel, mit jedem reflektierenden Gegenstand, mit jedem Glassplitter, mit jedem Bläschen und Tröpfchen, ja, mit jedem einzelnen glänzenden Stäubchen seiner Fähigkeit entsprechend kommunizieren und seinem Bedürfnis entsprechend entgegnen. Keine ihrer Handlungen stört eine andere ihrer Handlungen. Keines ihrer Gespräche würde ein anderes ihrer Gespräche behindern. So wie man dies alles mit bloßem Auge wahrnehmen könnte, so wäre offensichtlich in gleicher Weise auch zu verstehen, dass der König in Seiner Majestät von Ewigkeit zu Ewigkeit, der glorreiche Schöpfer allen Seins in Seiner Vollkommenheit (Djemal), die immerwährende Sonne, wie mit Seinem Wort, so auch in gleicher Weise mit Seinem Wissen und Seiner Macht, über allen Dingen steht, sie alle umfasst und sich entsprechend der Fähigkeit jeden Dinges manifestiert. Keine Bitte tritt einer anderen Bitte, keine Angelegenheit einer anderen Sache, keine Anrede einer anderen Ansprache in den Weg und stört sie nicht. Nun verstand er mit einer an augenscheinliche Sicherheit grenzenden wissenschaftlichen Genauigkeit, dass alle diese Auswirkungen, alle diese Arten der Kommunikation und der Eingebung, einzeln für sich betrachtet wie insgesamt und im Einklang miteinander, ein Beweis und ein Zeugnis für die Gegenwart, die notwendige Existenz, Einheit und Allgegenwart (Vahdet ve Ahadiyet) dieser urewigen Sonne sind.
Als einen kurzen Hinweis auf die Lektion in Erkenntnis, die dieser interessierte Gast aus der verborgenen Welt
empfangen hatte, wurde auf der Vierzehnten und Fünfzehnten Stufe der Ersten Abhandlung (makam) Folgendes gesagt:
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss, der Einzige (Ahad) und Allgegenwärtige (Vahid). Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen alle echten Offenbarungen in ihrer Übereinstimmung, welche die göttliche Herabkunft, die Ansprache des Gepriesenen, die Verlautbarungen des Herrn, die Entgegnung des Erbarmers im Bittgebet Seines Dieners, die einzigartigen Kennzeichen Seiner Existenz für Seine Geschöpfe darstellt und so beweisen auch die echten Eingebungen in ihrer Gemeinsamkeit und Übereinstimmung die Notwendigkeit Seiner Existenz, welche die göttliche Freundschaft (Vedud) beinhaltet, sowie die Erfordernisse Seiner Barmherzigkeit gegenüber den Gebeten Seiner Diener, welche die Hilfe durch Seine Herrschaft auf die Hilferufe Seiner Diener und all Seiner Geschöpfe ist, und die ruhmreiche Vermittlung Seiner Existenz gegenüber Seinen Geschöpfen."}
Eine Reise in die "Glückliche Zeit"
Dann sagte der Reisende zu seinem Verstand: "Da suche ich also hinter allem Sein in diesem Kosmos meinen Herrn, Dem ich angehöre und Der mein Schöpfer ist. Sicherlich muss ich zuerst, um Mohammed (mit dem Friede und Segen sei) zu besuchen und ihn nach Dem zu fragen, Den ich suche, in die 'Glückliche Zeit' (asr-i sa'adet) eingehen." So nahm er seinen Verstand und ging dahin. Mohammed-i Arabi (mit dem Friede und Segen sei), der der berühmteste unter allem Sein und - wie auch seine Feinde es bestätigen - der vollkommenste, der größte Befehlshaber und der bekannteste Herrscher, der mächtigste in der Rede, der brillanteste von Verstand, erleuchtete vierzehn Jahrhunderte durch sein Leben, durch seine Lehre und durch sein(es Herrn) Buch (Qur'an). Und er sah, dass diese Zeit durch diese Persönlichkeit tatsächlich eine "Glückliche Zeit" für die Menschheit war, denn durch das Licht, das er brachte, machte er in kurzer Zeit aus einem Volk von primitiven Wilden eine Nation von Gelehrten, die die Welt beherrschte.
Dann sagte er weiter zu seinem Verstand: "Zuerst müssen wir in gewissem Grade den Wert dieser außerordentlichen Persönlichkeit, den Wahrheitsgehalt seiner Worte und die Zuverlässigkeit seiner Aussagen kennen lernen. Dann müssen wir ihn nach unserem Schöpfer fragen", und begann mit seiner Untersuchung. Von den zahllosen schlüssigen Beweisen, die er fand, wollen wir hier nur neun von den allgemein gültigen einzeln kurz aufzeigen.
Erstens:
In dieser Persönlichkeit finden sich - wie selbst seine Feinde bestätigen - alle schönen und guten Charakterzüge und Eigenschaften. Entsprechend der eindeutigen Aussage der Ayat وَنْشَقَّ الْقَمَرُ {"Der Mond hat sich gespalten." (Sure 54, 1)}
und
{"Nicht du warst es, der geworfen hat, als du geworfen hast, sondern Allah hat geworfen" (Sure 8, 17)}
wurde der Mond mit einem Fingerzeig gespalten und mit ein wenig Staub in seiner Hand, das er dem Heer seiner Feinde, dem der Staub in die Augen drang, entgegenwarf, jagte er das ganze Heer in die Flucht. Als sein eigenes Heer ohne Wasser war, tränkte er es ausreichend mit dem Wasser, das wie Kauthar (der Strom des Paradieses) seinen fünf Fingern entströmte. Durch seine Hand geschahen Hunderte dergleichen von Wundern, die zum Teil im Qur'an erwähnt werden (nass-i kat'i), zum Teil dennoch unbestreitbar sind (tevatur). Da ein Teil von ihnen - und zwar mehr als dreihundert - dies in einer außerordentlichen, die Wunder (des Qur'an) aufzeigenden Risala, die "Neunzehnter Brief über die Wunder Ahmeds (mit dem Friede und Segen sei)" genannt wird, mit zuverlässigen Quellenhinweisen belegt, lässt unser Reisender es damit bewenden und sagt: "Eine Persönlichkeit, die so viele gute und vollkommene Charakterzüge, und so viele offensichtliche Wunder gewirkt hat, spricht sicherlich nichts als die reine Wahrheit. Es ist unmöglich, dass er sich auf die Ebene der Charakterlosen herabbegeben und lügen, täuschen, fälschen könnte."
Zweitens:
In seiner Hand befindet sich ein Erlass des Besitzers des Universums. Diesen Erlass erkennen in jedem Jahrhundert dreihundert Millionen Menschen an. Dieser Erlass ist der hocherhabene Qur'an, welcher in siebenfacher Hinsicht ein Wunder (hariqa) ist. In einer berühmte Risala, in der im "Fünfundzwanzigsten Wort" der Qur'an als ein Wunder bezeichnet wird, und in der Risale-i Nur wie die Sonne ist, wurde ausführlich und mit nicht zu widerlegenden Beweisen dargelegt, dass dieser Qur'an in vierzigfacher Hinsicht ein Wunder (mudjise) ist und als das Wort des Schöpfers des Universums gilt. So lässt
es denn unser Reisender damit bewenden und sagt: "Eine Persönlichkeit, die der lautere Überbringer und Ausrufer eines solchen wahren und wahrhaftigen Erlasses ist, kann nicht lügen, und keine Lüge kann an ihm gefunden werden, die ein Verstoß gegen den Erlass und ein Verrat an dem Erlassgeber wäre."
Drittens:
Diese Persönlichkeit (mit dem Friede und Segen sei) brachte das islamische Gesetz (Sharia), den Islam, den anbetenden Dienst, die Fürbitte, den Ruf (zum Glauben) und den Glauben (Iman) in einer solchen Weise, wie es bis dahin noch nie da gewesen, noch jemals wieder sein wird. Niemals wurde je etwas vollkommeneres gefunden, noch könnte es je gefunden werden. Denn diese Scheriah, die, von einer Persönlichkeit erlassen, welche selbst des Lesens und Schreibens unkundig war, seit vierzehn Jahrhunderten ihre Menschen und heute ein Fünftel der Menschheit mit zahllosen Gesetzen in Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Genauigkeit leitet, lässt keinen Vergleich zu. Überdies ist der Islam, der durch Worte, Taten und die Wesensart eines Analphabeten geprägt und in jedem Jahrhundert Zuflucht und Leitung für dreihundert Millionen Menschen wurde, Weisung und Leitung in ihrem Denken, Reinigung und Erleuchtung für ihre Herzen, Erziehung und Läuterung für ihre Seelen, der Angelpunkt für die Entfaltung und der Grundstoff für die Entwicklung ihrer Seelen, auch in dieser Hinsicht ohne Beispiel und wird es bleiben...
Zudem findet er sich in seinem Glauben bei allen Arten jeglicher Anbetung in vorderster Reihe... und er findet sich in seiner frommen Zurückhaltung über allen anderen... und in seiner Gottesfurcht... und obwohl immer und überall in Kampf und Streit verwickelt, war er dennoch in seinem Dienst und in seiner Anbetung bis ins innerste Geheimnis hinein sorgfältig und genau... wie er niemanden nachahmte, so begann er in gleicher Vollkommenheit und verknüpfte in gleicher Vollkommenheit den Anfang und das Ende... sicherlich wird gleich ihm einer nicht geschaut und kann nicht geschaut werden.
Des Weiteren zeigt er in seinem Djauschanu-l'Kebir, welcher nur eines ist unter Tausenden von seinen Gebeten und Fürbitten, dass er seinen Herrn in einem solchen Grade mit einer derartigen Erkenntnis seines Herrn zu beschreiben vermag, dass seit jener Zeit alle Männer von Gotteserkenntnis und Heiligkeit zusammengenommen ihn nicht auf der Stufenleiter der Erkenntnis noch in dem hohen Grade seiner Darstellungskunst (taussif) zu erreichen vermochten; also hat er auch im Gebet nicht seinesgleichen. Ein Mensch, der auch nur einen Abschnitt betrachtet aus dem Anfang der Risale-i Munadjat (: Abhandlung in Form einer Fürbitte), in dem ein Abschnitt von neunundneunzig Abschnitten des Djauschanu-l'Kebir kurz in seiner Bedeutung erklärt wird, wird sagen: Auch der Djauschan ist ohne Beispiel.
Des Weiteren zeigte er in seiner prophetischen Verkündung und in seiner Art, wie er den Menschen zur Wahrheit rief, einen solchen Grad von Unerschütterlichkeit, Ausdauer und Tapferkeit, dass er, trotzdem die großen Staaten, die großen Religionen, ja, sogar sein Volk, Stamm, Onkel ihm furchtbar feindselig gesinnt waren, nicht im mindesten eine Spur von Unschlüssigkeit, Unruhe oder Furcht. Er trat allein gegen die ganze Welt auf den Plan, trotzte ihr, bot ihr die Stirn... machte den Islam zur Krone der Welt. Das alles beweist, dass er auch mit seiner Verkündigung und seinem Aufruf ohne Beispiel ist und bleibt. In seinem Glauben war eine so außerordentliche Kraft, eine so ungewöhnliche Gewissheit, eine so wunderbare Weite und eine so erhabene, die Welt erleuchtende Überzeugung, dass keine der Ansichten und Bekenntnisse, die damals die Welt beherrschten, keine Weisheit der Philosophen und keine Lehre der geistigen Führer, trotz Feindschaften, Widerständen und Ablehnungen ihn in seiner Gewissheit, seiner Überzeugung, seinem Vertrauen, seiner Ruhe erschüttern und zu einem Zweifel, einer Unschlüssigkeit, einer Schwäche, einer Unruhe veranlassen konnten...
Ja, mehr noch: Seine Sahabis (Bundesgenossen), alle Heiligen, die in den Geisteswissenschaften und auf der Stufenleiter des Glaubens vorangeschritten sind, haben alle Zeit von seiner Stufe des Glaubens herab ihren Segen empfangen, ihn stets im höchsten Range gefunden. All dies zeigt klar, dass auch sein Glaube ohne Beispiel ist. Und so verstand unser Reisender also, dass ein Mann, der solch eine beispiellose Shariah (islamisches Gesetz), einen so unvergleichlichen Islam, einen so außergewöhnlichen anbetenden Dienst, ein so überragendes Gebet, einen solchen Ruf an alle Welt zu richten, einen so wunderbaren Glauben vorzuweisen vermag, sicherlich keineswegs eine Lüge aussprechen oder einen Betrug begehen kann. Auch sein Verstand bestätigte dies.
Viertens:
So wie die Übereinstimmung der Propheten als ein voll überzeugender Beweis für die Existenz und die Einheit Gottes gilt, so auch als ein besonders sicheres Zeugnis für die Aufrichtigkeit und das Prophetentum dieser Persönlichkeit. Denn die Geschichte bestätigt, dass all das, was an heiligen Eigenschaften, Wundern, Heilstaten und an Aufrichtigkeit der Gesandten den Eckstein der Propheten bildet, mit denen der Friede sei, bei dieser Persönlichkeit unübertroffen waren. Das heißt, so wie die Thora, die Evangelien, der Psalter und die Schriften der übrigen Propheten mit ihrem Wort das Kommen dieser Persönlichkeit vorhergesagt und den Menschen hierüber eine frohe Botschaft gebracht haben, was wir im "Neunzehnten Brief" in mehr als zwanzig recht offensichtlichen Ausschnitten dieser frohe Botschaft verkündenden Zeichen aus den Heiligen Schriften recht schön dargelegt und bewiesen haben, so bestätigen sie (die Propheten) auch in ihren Heilstaten, nämlich mit ihrem Prophetentum und durch ihre Wunder, dass diese Persönlichkeit in ihrer Berufung und ihren Heilstaten den ersten Platz einnimmt und höchst vollkommen ist; und sie unterstreichen seinen Ruf. So verstand denn unser Reisender,
dass sie (die Propheten), so wie sie in der Übereinstimmung ihrer Aussagen einen Beweis liefern für die Einheit (Gottes; Vahdaniyet), so auch mit ihrer Übereinstimmung in ihren Heilstaten die Aufrichtigkeit dieser Persönlichkeit bezeugen.
Fünftens:
Und so wie Tausende von Heiligen durch die Grundsätze, die Lehren und die Nachfolge dieser Persönlichkeit zur Wahrheit, Wirklichkeit und Vollkommenheit gelangten, Gnadengaben, geistige Klarsicht und innere Schau erlangten und gleich einem Beweis der Einheit (Gottes; Vahdaniyet) wurden, so bezeugen sie auch alle durch ihre Übereinstimmung die Aufrichtigkeit und das Prophetentum dieser Persönlichkeit, die ihr Lehrer ist. Ihr Zeugnis, das sie im Lichte der Heiligkeit (nur-u velayet) über einen Teil der Berichte geben, welche ihnen (der Prophet) aus der Welt des Unsichtbaren überbracht hatte, ihre Überzeugung und Bestätigung alles dessen im Lichte des Glaubens, und zwar in der Form tatsächlichen Wissens, tatsächlicher Wahrnehmung und tatsächlicher Wahrheit, legt sonnenklar den Grad der Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit dieser Persönlichkeit offen, die ihr Lehrer ist.
Sechstens:
Und so wie Millionen von Forschern (Asfiya-i mudaqqikin), Gelehrten (Siddiqin-i muhaqqiqin) und Philosophen (Dahi-i hukema-i mu'minin) durch die Heilige Wahrheit (haqaiq-i qudsiye), die er - obwohl selbst Analphabet - brachte, durch die Hohe Wissenschaft (ulum-u a'Iiye), die er begründete, durch seine Unterweisungen und Belehrungen in der Erkenntnis Gottes, die ihm in seiner geistigen Schau zuteil wurde, auf der Leiter der Wissenschaft zur höchsten Stufe emporstiegen, die Einheit (Gottes; Vahdaniyet), welche das Fundament seiner Sendung darstellt, mit einstimmig unumstößlichen Beweisen belegen und bestätigen, so ist auch ihr übereinstimmendes Zeugnis für die Wahrhaftigkeit dieses gewaltigen Lehrers und großen Meisters, für die Wahrhaftigkeit seiner Worte ein Beweis seines Prophetentums und seiner
Aufrichtigkeit, klar wie der lichte Tag. So ist auch die Risale-i Nur mit all ihren 130 Teilen ein einziges Zeugnis seiner Aufrichtigkeit.
Siebentens:
Die gewaltig große Gruppe jener, welche man die Familienangehörigen und die Bundesgenossen (des Propheten, mit dem Friede und Segen sei,) nennt und die nach den Propheten alle Menschheit dank ihrer Einsicht, ihres Verständnisses und ihrer Vollkommenheit überragt an Ruhm, Ruf, Ehre, Frömmigkeit und wacher Aufmerksamkeit, beobachtete, prüfte und untersuchte sein gesamtes Verhalten - privat und in der Öffentlichkeit - seine Haltung und seine Denkweise mit höchstem Interesse, mit großer Aufmerksamkeit und tiefem Ernst, mit dem Ergebnis, dass sie übereinstimmend zu der festen Überzeugung gelangten und bestätigten, dass er die aufrichtigste, erhabenste, rechtschaffenste und wahrhaftigste Persönlichkeit in dieser Welt ist. So verstand denn unser Reisender, dass ihre Bestätigung und ihr unerschütterlicher und fester Glaube auf Grund ihrer allen gemeinsamen Übereinstimmung ein Beweis ist, gleich wie der Tag ein Beweis ist für das Sonnenlicht.
Achtens:
Wie dieser Kosmos ein Beweis ist für den Baumeister, Schreiber und Dekorateur, der ihn schuf, lenkt und leitet und über ihn verfügt wie über ein Schloss, das Er geplant, oder ein Buch, das Er verfasst, oder ein Museum, das Er entworfen hat, oder über ein Theater, über das Er Regie führt, so ist er zugleich auch ein Beweis für das Bedürfnis, ja für die Notwendigkeit eines Schlossverwalters, eines Buchverlegers, eines Museumsleiters, eines Forschers, eines Gelehrten, eines zuverlässigen Lehrers, der das Wissen über die Absichten Gottes bei der Erschaffung der Welt hat und es vermitteln soll, der die Weisheit des Herrn über allem Wechsel lehren soll, der darüber belehren soll, welchem Zweck alle diese weisungsgemäßen Bewegungen dienen, der Wesen und Bedeutung allen Seins und die in ihnen verborgene Vollkommenheit aufzeigen soll, der den Sinn des
großen Buches erklären soll. So verstand denn unser Reisender, dass (der Kosmos) in Anbetracht all dessen die Wahrhaftigkeit dieser Persönlichkeit bezeugt, und auch, dass er der höchste und aufrichtigste Beamte des Schöpfers dieses Kosmos ist, der seine Aufgaben in höherem Maße als alle anderen erfüllt.
Neuntens:
Es ist da hinter dem Vorhang Einer, der Seine eigene Geschicklichkeit und Kunstfertigkeit in ihrer Vollkommenheit darstellen will durch Seine Werke voll Schönheit und Weisheit, um sich selbst mit ihnen bekannt zu machen. In all dem, was Er geschaffen, mit Schmuck und Ornamenten verziert hat, möchte Er sich vorstellen und geliebt werden. Für alle Seine zahllosen, kostbaren, wohlschmeckenden Gottesgaben erwartet Er von uns Lobpreis und Dank. Er schützt, versorgt und ernährt alle Seine Geschöpfe mit Zärtlichkeit (shefqat), deckt ihnen den Tisch, bereitet ihnen ein Festmahl, welches jede Art von Geschmack - selbst den feinsten und auch die verwöhnteste Nase zu befriedigen vermag, damit sie Ihm mit Lob und Preis und Dank ihre Anbetung darbringen sollen. Er zeigt Seine Göttlichkeit, wenn Er in majestätischer Pracht schaltet und waltet, lenkt und leitet, schafft und verändert, z.B. den Wandel der Zeiten und den Wechsel von Tag und Nacht hervorbringt. Ob Seiner Hoheit sollen wir Ihm Glaube, Hingabe, Demut und Gehorsam entgegenbringen. Er möchte alle Zeit das Gute und die Guten beschützen, das Böse und die Bösen vernichten und mit Schlägen von oben die Tyrannen und die Lügner zu Grunde richten und so Seine Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit erweisen. An der Seite dessen, der da verborgen ist, steht sicher und gewiss das Geschöpf Seines höchsten Wohlgefallens, Sein über alles rechtschaffener Diener und Verehrer, der den oben erwähnten Zielen vollauf gerecht wird, der den verborgenen Sinn und die verschlossene Wahrheit hinter der Erschaffung des Alls zu enträtseln und zu enthüllen vermag... der immer im Namen seines Schöpfers handelt... von Ihm Hilfe erbittet... und Erfolg erwartet...
von Ihm Hilfe empfängt und dem von Ihm der Erfolg gegeben wird. Das ist jene Persönlichkeit, die Mohammed-i Qureyshi, mit dem Friede und Segen sei, genannt wird.
Da sagte (unser Reisender) zu seinem Verstand: "Da also nun diese oben erwähnten neun Tatsachen die Aufrichtigkeit dieser Persönlichkeit bestätigen, gereicht dieser Mann den Söhnen Adams zum Ruhm und aller Welt zur Ehre. Er verdient völlig zu Recht, der Würdenträger der Welt und der Stolz der Söhne Adams genannt zu werden. Die Ausdehnung des königlichen Einflussbereiches des Geistes der Verkündigung des Wunders, das der Qur'an ist, über die halbe Erde, ein Erlass des Allbarmherzigen, den er in der Hand hält, seine eigene Vollkommenheit und seine ihm angeborenen überragenden Eigenschaften bezeigen, dass er in dieser Welt die bedeutendste Persönlichkeit ist. Das bedeutendste Wort über unseren Schöpfer ist sein."
Nun also komm und sieh: Das, was allen seinen Absichten zu Grunde liegt und Ziel seines ganzen Lebens war, beruht auf der Kraft von Hunderten allgemein bekannter, unleugbarer Wunder dieser außerordentlichen Persönlichkeit sowie tausender Tatsachen von fundamentaler Bedeutung in seinem Glauben, nämlich: Ein Zeuge zu sein und das lebendige Beweisstück für jenes Sein, welches zwangsläufig allem Sein zu Grunde liegt, die Einheit, Attribute und Namen Gottes, und dieses Sein hinter allem Sein zu beweisen, zu erklären und zu verkündigen. Das heißt also, dass diese Persönlichkeit, welche Habibu'llah (der Geliebte Gottes) genannt wird, die geistige Sonne des Alls und das strahlendste Zeugnis für unseren Schöpfer ist.
Es gibt drei bedeutende Personengruppen, deren Consensus nicht irrt und die nicht getäuscht werden können. Seine Zeugenschaft bestärken, bestätigen und unterstreichen sie.
Erstens:
"Würde der Schleier des Verborgenen hinweggezogen, meine Sicherheit würde sich nicht erhöhen",
sagte Imam Ali (möge er Allahs Wohlgefallen finden). Ghauthu-l'A'dham (Abdul Qadir Geylani, Allah heilige sein Geheimnis!), sah von der Erde aus den Höchsten Thron und die überragende Gestalt des Erzengels Israfil. {Erzengel, der am Jüngsten Tag die Posaune blasen wird.} Ihr Zeugnis und das Zeugnis Tausender Aqtab (Personen, die den Mittelpunkt eines geistigen Zentrums bilden) und gewaltiger Heiliger, begabt mit Scharfsicht und einem Blick, der in das Unsichtbare dringt, im Kreise jener erleuchtenden Gemeinschaft, die als Familie Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, berühmt geworden ist, bilden den ersten Konsens.
Zweitens:
Der Konsens einer weltberühmten Gemeinschaft mit einem festen Glauben, der es ihr ermöglichte, ihr Leben, ihren Besitz, ihre Väter und ihre Stammesgemeinschaft aufzugeben, die Bundesgenossen des Propheten (ashab) genannt, welche sich inmitten eines nicht zivilisierten Volkes ohne sozialen Zusammenhalt, ohne höhere kulturelle oder politische Bildung, ohne jedes Schrifttum in einem dunklen Zeitalter zwischen den Propheten (fetret) befanden und in ganz kurzer Zeit Lehrer, Führer, Diplomaten und gerechte Richter über Völker und Staaten wurden, die in ihrem sozialen und politischen Leben bereits weit vorangeschritten waren, sodass sie von Ost bis West die Bewunderung der ganzen Welt erlangten.
Drittens:
Der Consensus tatsächlichen Wissens ('ilmel'yaqin) der gewaltigen Gemeinschaft (Djema'at) zahlloser Forscher und Gelehrter mit profundem Wissen, die in ihrer Gemeinschaft (in der Umma des Propheten, mit dem Friede und Segen sei,) herangebildet wurden. In jedem Jahrhundert fanden sich Tausende von ihnen, waren in jeder Wissenschaft außerordentlich fortgeschritten und arbeiteten auf verschiedenen Gebieten. Das heißt also, dass das Zeugnis, welches diese Persönlichkeit von der Einheit (Gottes; Vahdaniyet) bringt,
nicht sein eigenes persönliches ist, sondern ein allgemeines, umfassendes und nicht zu erschütterndes. Sollten sich auch alle Teufel dagegen versammeln, sie könnten es nicht im geringsten von der Stelle rücken. So urteilte unser Reisender. Als eine kurze Anmerkung zu der Lektion, die der Gast in dieser Welt und Reisende durch das Leben auf seiner Reise, die er zusammen mit seinem Verstand in die "Glückliche Zeit" unternommen hatte, in der Schule der Erleuchtung empfing, wurde nun auf der Sechzehnten Stufe des Ersten Kapitels Folgendes gesagt:
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss, der Einzige (Ahad) und Allgegenwärtige (Vahid). Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweist der Stolz der Welt und die Ehre der Söhne Adams durch die Größe des Herrschaftsbereichs (Sultanat) Seines Qur'an, die Majestät der Ausdehnung seiner Religion, durch die Vielzahl seiner vollkommenen Eigenschaften, die Erhabenheit seiner Gesittung, selbst noch in der Bestätigung seiner Feinde, und genauso bezeugt und beweist (der Prophet) durch die Kraft hunderter offensichtlicher, eindeutiger, bestätigter und bestätigender Wunder und in der Kraft Tausender glänzender, zuverlässiger Wahrheiten seines Glaubens, entsprechend dem Konsens aller Erleuchteten seiner Familie, im Einklang mit den kritisch betrachtenden Ssahabis, entsprechend den Forschern (muhaqqiq) seiner Gemeinde (umma) und den scharfsichtigen, erleuchteten Beweisträgern."}
Die Herausforderung des Qur'an
Nun wandte sich unser nimmermüder Reisender, der sich noch nie satt zu sehen vermochte, wohl wissend, dass das Ziel des Lebens in dieser Welt und das Leben des Lebens selbst der Glaube ist, an das eigene Herz und sagte zu ihm:
"Lasst uns das Buch jener Persönlichkeit befragen, die wir suchen und deren Wort und Spruch es genannt wird, das in dieser Welt das berühmteste, hervorragendste und weiseste ist und das in jeder Generation wieder jeden, der sich ihm nicht fügen will, erneut herausfordert, nämlich den Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist. Lasst uns fragen, was es uns sagt! Vor allem aber ist es erst einmal notwendig, zu beweisen, dass es das Buch unseres Schöpfers ist." Und so begann er mit seinem Studium.
Da unser Reisender aber in gegenwärtiger Zeit lebt, betrachtete er zunächst die Risale-i Nur und erkannte, dass ihre hundertdreißig Bände, Wunder und Funke aus dem Geiste des Qur'an, Anmerkungen und Lichter zu den Wunderzeichen der Unterscheidung (Qur'an) und deren grundlegende Auslegung sind. Wenn die Risale-i Nur in einer Zeit wie der heutigen, wo die Menschen so verbohrt sind und so wenig Einsicht (vidjdan) haben, die Wahrheit des Qur'an mit einem derartigen Idealismus verbreiten kann, ohne dass jemand dagegen aufzustehen vermag, so beweist dies, dass der Qur'an ihr Lehrmeister (Ustadh), von dem sie ihre Autorität bezieht, ihre Sonne im Himmel ist und nicht Menschenwort. Ja, in der Risale-i Nur wird unter Hunderten von Zeugnissen schon allein im Fünfundzwanzigsten Wort und am Ende des Neunzehnten Briefes als ein einziges Zeugnis für den Qur'an dergestalt der Beweis erbracht, dass der Qur'an in vierzigfacher Hinsicht ein Wunder ist, dass der, welcher ihn liest, ihn nicht kritisieren noch etwas dagegen einwenden kann, sondern angesichts dieser Beweisführung von Bewunderung
und Hochachtung erfüllt wird und höchstes Lob spendet. So überließ er es der Risale-i Nur, den Qur'an als ein Wunder darzustellen und zu beweisen, dass er das wahre Wort Allahs ist, und achtete nur darauf, in wenigen Stichpunkten kurz auf dessen Größe hinzuweisen.
Erster Punkt:
So wie der Qur'an mit allen Wundern und allen Tatsachen, die ein Beweis seines Wahrheitsgehaltes sind, ein Wunder Mohammeds (mit dem Friede und Segen sei) ist, so ist auch Mohammed (mit dem Friede und Segen sei) mit all seinen Wundern, Beweisen für sein Prophetentum und seiner Vollendung in der Wissenschaft ein unumstößliches Zeugnis dafür, dass der Qur'an ein Wunder ist und dass der Qur'an Allahs Wort ist.
Zweiter Punkt:
Der Qur'an, welcher in so lichtvoller beseligender und wahrheitsgemäßer Weise das gesellschaftliche Leben veredelt und sowohl den Seelen als auch den Herzen, dem Geist, als auch dem Intellekt, im persönlichen Leben, wie auch im gesellschaftlichen Leben, wie auch im politischen Leben eine solche Umwälzung zu Stande gebracht hat und noch immer zu Stande bringt und als eine Richtschnur dient, dessen 6666 Ayat im Verlaufe von vierzehn Jahrhunderten von mehr als hundert Millionen Menschen mit völliger Ehrerbietung rezitiert werden, ihre Seelen (nefs) wäscht und ihre Herzen reinigt, ihrem Geiste Wachstum und Gedeihen schenkt, dem Intellekt Ausrichtung und Licht, dem Leben (ewiges) Leben und Glück, dieser Qur'an ist sicherlich ein Buch ohne seinesgleichen, einzigartig, außerordentlich und wunderbar.
Dritter Punkt:
Der Qur'an hat seit der Epoche seiner Entstehung bis in unsere Zeit eine so überwältigende Schönheit gezeigt, dass die unter der Bezeichnung «mu-'allaqat-i seb'a» (wörtlich; die sieben Hängenden) an den Wänden der Kaaba mit goldenen Lettern geschriebenen berühmten Kassiden der bekanntesten Dichter von ihm so sehr in den Schatten gestellt wurden, dass die Tochter des Dichters Lebid, als sie die Kasside ihres Vaters in der
Kaaba abnahm, sagte: "Sie haben im Vergleich mit diesen Ayat ihren Wert verloren."
So warf sich ein beduinischer Dichter, nachdem er die Ayah: فَاصْدَعْ بِمَا تُؤْمَرُ {"Verkündige, was dir befohlen wurde!" (Sure 15, 94)} gelesen hatte, zur Erde nieder und antwortete denen, die ihn fragten: "Bist du nun ein Muslim geworden?"
"Nein! Nur vor der unvergleichlichen Schönheit dieser Ayah habe ich mich zu Boden geworfen."
Gleich ihm haben Tausende von Imamen und Sprachforschern wie Abdulqadir-i Djurdjani, Sekkaki und Zemahsheri, Rhetorik-Wissenschaftler von überragendem Geist, insgesamt übereinstimmend das Urteil abgegeben: "Die überwältigende sprachliche Schönheit des Qur'an übersteigt alles menschliche Fassungsvermögen und bleibt unerreichbar."
Seit dieser Zeit reizt der Qur'an ständig stolze und selbstgefälligen Dichter und Schriftsteller zum Widerstand auf und indem er die Stolzen zerbricht, sagt er zu ihnen: "Bringt doch nur eine einzige, ähnliche Sure herbei oder nehmt in dieser und in jener Welt euren Untergang und eure Schande hin!" Obwohl aber doch der Qur'an sie dazu eingeladen hatte, gaben die halsstarrigen Dichter jener Zeit ihre Bemühungen auf, den kürzeren Weg einzuschlagen und auch nur eine einzige ähnliche Sure hervorzubringen und wählten statt dessen den langwierigen Kampf, in dem sie Gut und Leben aufs Spiel setzten, was beweist, dass es unmöglich ist, den kurzen Weg zu beschreiten.
So haben Freunde des Qur'an in ihrer Begeisterung versucht, den Qur'an nachzuahmen, und auch seine Feinde kamen dazu, etwas zu schaffen, was dem Qur'an vergleichbar gewesen wäre, und ihn zu kritisieren. Millionen arabischer Bücher sind mit dem Fortschritt des Gedankenaustausches
auf den Markt gelangt. Keines davon konnte dem Qur'an gleichen. Ja, würde selbst ein ungebildeter Mensch sie hören, sagte er gewiss: "Dieser Qur'an ist ihnen nicht gleich. Ja, er steht noch nicht einmal auf gleicher Stufe mit ihnen. Er muss entweder unter ihnen oder aber über ihnen allen stehen". Dass er unter ihnen stünde, kann in dieser Welt niemand, kein Ungläubiger, ja noch nicht einmal ein dummer Mensch behaupten. Das heißt also, das die Stufe seiner sprachlichen Schönheit weit über ihnen allen liegt. Einmal hatte jemand die Ayah
{"Es preist Allah, was in den Himmeln und auf Erden ist." (Sure 57, 1)}
gelesen und gesagt: "Ich kann an dieser Ayah nichts von der sprachlichen Schönheit finden, die als so bewundernswert in ihr gesehen wird." Da sagte man ihm:
"Geh doch auch du wie jener Reisende hinab in die damalige Zeit und lausche!" Da stellte er sich selbst vor, in der Zeit vor dem Qur'an dort zu sein und sah:
Alle Wesen der damaligen Welt befanden sich in einem heillosen, dunklen, erstarrten, kaum noch bewussten Zustand, ziellos in einem grenzenlos leeren, unendlich öden Raum, in einer unbeständigen, vergänglichen Welt. Plötzlich hörte er die Stimme des Qur'an diese Ayah verkünden, und erkannte, dass diese Ayah über der Welt und dem Antlitz der Erde einen Schleier hob, sie erleuchtend, allen mit Bewusstsein begabten Seelen in den Bankreihen der Jahrhunderte mit dieser urewigen Ansprache, diesem zeitlosen Erlass (ferman), Unterricht erteilend, und so verstand er, dass das All einer großen Moschee gleich, von Himmel und Erde angeführt mit all seinen Geschöpfen in ein lebendiges Gedenken Gottes (dhikr) und in Seinen Lobpreis versunken, seine Pflicht glücklich, begeistert und zufrieden erfüllt. Dies bezeugte er. Da genoss er die vollendete Schönheit dieser Ayah, verglich sie
mit noch anderen Ayat und verstand, dass die Hälfte der Erde und ein Fünftel der Menschheit vom Raunen der Suren angerührt, von ihrer vollendeten Schönheit erfüllt wurde. Hierin liegt eine Weisheit unter Tausenden von Weisheiten, grundlegend für den Fortbestand des Königreiches in all Seiner Majestät und vollkommenen Würde, ununterbrochen seit vierzehn Jahrhunderten.
Vierter Punkt:
Der Qur'an weist eine solche wahrhaftige Süßigkeit auf, dass die Rezitation des Qur'an niemals Überdruss hervorruft, obwohl doch häufige Wiederholungen auch der süßesten Dinge überdrüssig werden lassen, sodass sich seine Süßigkeit bei der Wiederholung nur noch vermehrt, soweit das Herz des Menschen noch unverdorben und sein Geschmack noch unverfälscht geblieben sind. Dies ist schon seit langem so gewiss für jedermann, dass es bereits zum Sprichwort geworden ist.
Dabei erweist sich noch immer seine ursprüngliche Jugendlichkeit und Frische, sodass er trotz seines Alters von vierzehn Jahrhunderten und obwohl er doch jedermann leicht zugänglich ist, seine Frische so bewahrt hat, als wäre er gerade erst offenbart worden. Jedes Jahrhundert hat in ihm eine solche Jugendlichkeit erblickt, als habe er es unmittelbar angesprochen. Und obwohl jeder Zweig der Wissenschaft sich stets an ihm orientierte, ihnen stets eine Vielzahl von Exemplaren zur Verfügung stand und alle ihm in ihrer Ausdrucksweise nacheiferten, vermochte er dennoch seinen ursprünglichen, unverfälschten Stil und seine originäre Ausdrucksweise bis in unsere Tage zu bewahren.
Fünfter Punkt:
So wie der Qur'an mit dem einen Flügel in der Vergangenheit, mit dem anderen in der Zukunft, den die alten Propheten auf Grund der Tatsache ihrer Übereinstimmung, die seine Wurzel und der eine seiner Flügel ist, bestätigen und bestärken, sie gleichfalls in dieser Übereinstimmung bestätigt, so beweisen auch Männer wie die Freunde (auliya) und Gelehrten (asfiya) Gottes, dass sie die Frucht des Lebens an dem vollkommenen,
segensreichen und segenspendenden Baum sind, der die Quelle der Wahrheit ist; und auch alle echten Orden der Freundschaft (mit Gott), alle wahrhaftigen Wissenschaften des Islam, die sich unter dem Schutz des zweiten Flügels gesammelt haben und leben, legen Zeugnis dafür ab, dass der Qur'an als die Wahrheit selbst, als ein Kompendium der Wahrheit, und als ein Gesamtwerk ein Wunder ohnegleichen ist.
Sechster Punkt:
Der Qur'an spendet Erleuchtung nach sechs Seiten; sie alle bezeigen seine Richtigkeit und Wahrhaftigkeit. So, wie an seiner Unterseite die Pfeiler von Zeugnis und Beweis, an seiner Oberfläche das funkensprühende Siegel seiner Wunderhaftigkeit, an seiner nach vorne zielenden Seite die Geschenke der Glückseligkeit in beiden Welten, an seiner Rückseite der Stützpunkt der Offenbarung der himmlischen Wahrheiten, an seiner Rechten die Bestätigung durch die Beweise unendlich vieler geradliniger Intelligenzen, an seiner Linken die ernsthaften, vertrauensvollen, innerlich hingezogenen und ergebungsvoll hingegebenen Herzen und reinen Gewissen beweisen, dass der Qur'an eine über alle Maßen wunderbare, feste, unangreifbare Burg des Himmels auf Erden ist, und so, wie auch der Lenker der Welt auf sechs verschiedenen Ebenen dafür unterschrieben hat, dass er (der Qur'an) die Wahrheit und Aufrichtigkeit selbst ist und nicht Menschenwort, noch ein Irrtum, und sich den Grundsatz Seines Handelns zur Gewohnheit gemacht hat, dafür Sorge zu tragen, dass in der Welt jederzeit zunächst die Schönheit sichtbar wird und das, was gut und richtig ist, Betrug und Verleumdung aber auszurotten, und dem Qur'an die höchstgeschätzte und erhabene Ehrenstellung in der Regierung der Welt und einen Grad des Erfolges gegeben, ihn bestätigt und für ihn unterschrieben hat, so vermochte man auch bei ihm, der die Quelle des Islam ist und der Dolmetscher des Qur'an, der, welcher sich stärker als jeder andere auf ihn stützte, ihn verehrte, der, welcher sich zur Zeit seiner Herabkunft in einer
Art Schlafzustand befand, sodass andere Worte (des Propheten den Qur'an) nicht erreichen und ihm keineswegs gleich sein konnten, der obwohl selbst des Lesens und Schreibens unkundig, aus dem Qur'an die vergangenen und die künftigen Ereignisse in der Welt in Wahrheit aus dem Verborgenen mit unbeirrter innerer Sicherheit verkündete, selbst unter den Blicken höchst aufmerksamer Augen, keine Spur von Betrug oder Falschheit zu entdecken. Er, der als sein Dolmetscher mit ganzer Kraft an alle Bestimmungen des Qur'an glaubte, sie bestätigte und sich durch nichts darin erschüttern ließ, unterschrieb auch dafür, dass der Qur'an vom Himmel herabgekommen und wahrhaftig das gesegnete Wort seines eigenen allbarmherzigen Schöpfers ist.
Zudem gilt die gläubig hingerissene Verbundenheit eines Fünftels, ja, sogar eines Großteils der Menschheit, mit diesem offen vor unseren Augen liegenden Qur'an, die Sehnsucht und Begeisterung, mit der sie ihm ihr Ohr leihen, das Zeugnis der vielen Hinweise, Ereignisse und Entdeckungen, dass sich auch Dschinnen, Engel und Geister zur Zeit der Lesung voll Verehrung für die Wahrheit, den Faltern gleich, um ihn versammeln, als eine Urkunde dafür, dass der Qur'an weltweit angenommen wurde und eine hohe Stufe einnimmt.
Zudem ist die Tatsache, dass in allen Schichten des Menschengeschlechtes, von dem primitivsten und ungebildetsten angefangen bis zu den klügsten und intelligentesten, jeder einzelne zur Gänze seinen Nutzen aus den Lektionen des Qur'an gezogen hat, selbst noch seine tiefsten Geheimnisse verstehen kann und jede Art von Erforschern der Wahrheit, gleich Hunderten von Wissenschaftlern und islamischen Gelehrten, Religionswissenschaftler und Theologen, aus dem Qur'an die Antwort auf alle ihre Fragen entsprechend ihrem Wissensgebiet gefunden haben, gleicht einer Urkunde dafür, dass der Qur'an die Quelle der Gerechtigkeit und eine Fundgrube der Wahrheit ist.
Außerdem haben selbst unter den fortgeschrittensten Sprachwissenschaftlern diejenigen arabischen Dichter, die den Islam nicht angenommen haben, mochten sie nun noch so sehr das Bedürfnis haben, Widerstand zu leisten, bis heute nicht einmal die unvergleichliche sprachliche Schönheit des Qur'an, die doch nur ein einziges Wunder unter den sieben Aspekten seiner Wunderhaftigkeit ist, nicht eine einzige Sure, nachzuahmen vermocht. Auch heute noch versuchen sie mit ihrem Widerstand an Ansehen zu gewinnen, doch konnte von allen berühmten Dichtern und überragenden Wissenschaftlern keiner auch nur einen einzigen Aspekt seiner Wunderhaftigkeit widerlegen. Alle wurden sie schwach und verstummten. Auch dies gleicht einer Urkunde dafür, dass der Qur'an über alle Menschenkraft hinaus ein Wunder ist.
In der Tat, bei einem Wort zu fragen: "Von wem stammt es, und an wen richtet es sich und in welchem Zusammenhang wurde es ausgesprochen?", bestimmt seinen allgemeinen Wert, die individuelle Hochschätzung und den sprachlichen Rang. Auch von diesem Standpunkt betrachtet gibt es nichts, was man mit dem Qur'an vergleichen oder was ihn erreichen könnte. Denn der Qur'an ist die Anrede und Ansprache des Herrn und Schöpfers aller Welten, ein Wort, in dem sich nicht das geringste Zeichen entdecken ließe, das auf eine Nachahmung oder Vortäuschung schließen lässt. Aus ihm erwuchs durch den starken universalen Glauben seines Sprechers, welcher zugleich auch der Sprecher für die ganze Menschheit, ja, sogar der Abgeordnete der gesamten Schöpfung, unter allen Menschen der gerühmteste und mit den höchsten Ehren ausgezeichnete ist, der riesige Baum des Islam. In seiner Herabkunft erhob er seinen Besitzer bis zur Stufe (makam) von Kab-i Kauseyn und ließ ihn zum Gesprächspartner des Einzigartigen (Samad) werden. Er erklärt und erläutert alle Fragen, die sich auf das Glück in beiden Welten, die Auswirkungen der Erschaffung des Alls, die in ihnen (verborgene) Absicht des Herrn beziehen,
den hohen und weiten Glauben seines Sprechers, der alle Wahrheiten des Islam in sich enthält. Er zeigt alle Seiten des gewaltigen Kosmos, einer Landkarte, einer Uhr oder einem Haus gleich, belehrt über den Meister, der ihn gemacht hat, ihn lenkt und leitet, stellt Ihn anhand Seiner Taten vor. So ist es ohne allen Zweifel unmöglich, dem Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, ein Gleiches an die Seite zu stellen und den Grad seiner Wunderhaftigkeit zu erreichen.
Zudem zeigen und beweisen all die Forscher von hohem Geist, Tausende von Wissenschaftlern und Gelehrten, die den Qur'an kommentiert haben - manche von ihnen haben dreißig, vierzig, ja sogar siebzig Bände geschrieben und jeder seinen eigenen Kommentar! - durch die Veröffentlichung ihrer Urkunden und Zeugnisse die grenzenlosen Vorzüge und Besonderheiten und die außergewöhnlichen Werte des Qur'an, seine Geheimnisse, seinen erhabenen Sinn und die vielen Beispiele jeder Art verborgener Dinge. Insbesondere beweist jede einzelne der hundertdreißig Abhandlungen der Risale-i Nur mit absolut sicheren Zeugnissen die Vorzüge und Besonderheiten des Qur'an. Desgleichen wird auch in der Abhandlung über die Wunderhaftigkeit des Qur'an, im Zweiten Kapitel (makam) des Zwanzigsten Wortes, wo von Eisenbahnen und Flugzeugen und vielen anderen "Wundern" (hariqa) der modernen Zivilisation und Technik, auf die sich Hinweise im Qur'an finden, die Rede ist, und in den "Erster Strahl" genannten Hinweisen des Qur'an, wo auf die Ayat verwiesen wird, die sowohl auf die Risale-i Nur einerseits als auch auf die Elektrizität andererseits hingewiesen wird, also in den "Acht Hinweise" genannten kleinen Abhandlungen, die zeigen, wie wohlgeordnet, geheimnis- und bedeutungsvoll die "Buchstaben" (harf) des Qur'an sind, in einer kleinen Abhandlung, die anhand der letzten Ayah der Sure "Feth" in fünffacher Hinsicht den auf die unsichtbare Welt bezogenen Aspekt der Wunderhaftigkeit beweist, in jedem kleinsten Teil der
Risale-i Nur eine Ansicht der Wahrheit und des Lichtes klargelegt. Das alles ist wie eine Urkunde für die Unvergleichlichkeit, Wunderhaftigkeit (mudjise) und Außerordentlichkeit (hariqa) des Qur'an. In dieser bezeugten Welt ist er die Sprache der unsichtbaren Welt und das Wort dessen, der um alles Verborgene weiß.
Auf Grund dieser oben erwähnten, in sechs Punkten, sechs Aspekten und sechs Stufen aufgezeigten Vorzüge und Besonderheiten, hat der Qur'an in seinem lichtvollen Königreich, in seinem gewaltigen, Heiligen Sultanat das Antlitz der Jahrhunderte erleuchtet und erhellt auch das Antlitz der Erde schon seit tausenddreihundert Jahren. Es besteht weiter in vollkommener Würde fort. Ja, in diesem Königreich ist jeder Buchstabe des Qur'an hundert verdienstvollen guten Werken gleich, bringt zehnfache, beständige Frucht. Auch in manchen Ayat und Suren bringt jeder Buchstabe hundert oder tausend oder noch mehr Früchte hervor und in Heiligen Zeiten vervielfältigen sich das Licht, die Verdienste und die Werte um das Zehnfache. Da erkannte unser Reisender, welche geheiligten Privilegien man erwerben kann, und sprach zu seinem Herzen:
"Nun also legt der Qur'an, der in jeder Hinsicht ein Wunder ist, durch die Gemeinsamkeit seiner Suren und den Einklang seiner Ayat, durch die Entsprechungen seiner Geheimnisse und Lichter, durch die Übereinstimmung seiner Früchte und Werke und mit Zeugnissen, die einen sicheren Beweis liefern, ein solches Zeugnis dafür ab, dass notwendigerweise ein absolutes Sein da sein muss, (ein Zeugnis) für Seine Einheit, Seine Attribute und Namen (Charaktereigenschaften), dass die unendliche Zahl der Zeugnisse aller Männer des Glaubens als ein Zeugnis angesehen werden kann, das aus dem Zeugnis des Qur'an herausgewachsen ist."
So wurde denn auf der Siebzehnten Stufe der Ersten Abhandlung als ein kurzer Hinweis auf die Lektion über die Einheit und den Glauben, die unser Reisender erhalten
hatte, das Folgende gesagt:
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss, der Einzige (Ahad) und Allgegenwärtige (Vahid). Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweist der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, der allgemein anerkannt und hochgeschätzt ist bei den verschiedensten Engeln, Menschen und Dschinnen, dessen Verse in jeder Minute in vollkommener Ehrfurcht von Hunderten Millionen von Zungen des Menschengeschlechts gelesen werden, dessen geheiligter Herrschaftsbereich sich bis an die Enden der Welt, ja des Kosmos und in alle Aspekte der Zeiten und der Äonen erstreckt, dessen lichtvolle, geistige Herrschaft seit vierzehn Jahrhunderten in vollkommenem Glanz über der halben Erde und für ein Fünftel der Menschheit seine Gültigkeit besitzt. Genauso bezeugt und beweist (der Qur'an die Existenz Gottes) in der Gemeinsamkeit seiner himmlischen, heiligen Suren, in der Übereinstimmung seiner göttlichen, erleuchteten Verse, im Einklang mit seinen tiefen Erkenntnissen (esrar) und seinem Licht, in der Entsprechung seiner Wahrheiten, Wirkungen und Werke, so wie wir es bezeugen und erkennen."}
Das große Zeugnis des Kosmos
Da sagte nun unser Reisender und Wanderer durch das Leben, der wusste, dass der Glaube, als das wertvollste Startkapital des Menschen, einen armen Menschen ein Feld, ein Haus nicht nur zeitweilig und vorübergehend, sondern auf Dauer einen ganzen, gewaltigen Kosmos gewinnen lässt, ein immerwährendes Reich, groß wie die Welt, und einen vergänglichen Menschen mit allem versorgt, was er an Gütern für ein ewiges Leben benötigt, den Ärmsten, der auf den Galgen wartet, vor der ewigen Verdammnis rettet und ihm für ewig die Schatzkammer der Glückseligkeit öffnet, zu seiner Seele:
"Auf nun! Wollen wir noch zu einer weiteren Stufe der zahllosen Stufen des Glaubens gelangen, uns beim Weltall als Ganzes erkundigen und hören, was es sagt! Wir wollen uns die Lektionen, die wir von untergeordneten und übergeordneten Beamten erhalten haben, ergänzen und klar machen." Er nahm das Fernrohr, das er aus dem Qur'an erhalten hatte, mit seiner weiten und breiten Optik, sah hindurch und erkannte:
"Dieser Kosmos ist so sinnvoll und wohlgeordnet, dass es scheint, als hätte das Buch des Hochgelobten Gestalt angenommen, redete zu uns und des Herrn Qur'an wäre leibhaftig unter uns erschienen. Ja, einem kunstvoll gestalteten Schloss des Einzigartigen (Samad) und einer wohlgeordneten Stadt des Allbarmherzigen gleicht das All. So wie all die Suren und Ayat, die Worte und Buchstaben, die Kapitel, Abschnitte, Seiten und Zeilen, die alle insgesamt so sinnvoll getilgt und wieder bestätigt, mit so viel Weisheit umgewandelt und verändert werden, auch offensichtlich alle insgesamt ein Ausdruck dessen sind, der um alle Dinge weiß und aller Dinge mächtig ist, eines göttlichen Grafikers und eines Dekorateurs, der in Seiner Majestät alles und jedes kennt und durchschaut, der alle Zusammenhänge kennt und beachtet, ein Abbild der Existenz und des Daseins eines göttlichen Schreibers
in Seiner Vollkommenheit, so machen auch alle Arten und Bestandteile, alle die Teilchen und Bruchstücke, das gesamte lebende und tote Inventar der Welt, was sie hervorbringt und was sie zurücklässt, all die zweckmäßigen Veränderungen und sinnvollen Erneuerungen, die Existenz und die Einheit eines erhabenen Meisters und Künstlers ohne Beispiel sichtbar, der sich mit unendlicher Macht und grenzenloser Weisheit um alle Dinge kümmert. Zwei umfassende große Wahrheiten, so gewaltig wie das All, bestätigen dieses große Zeugnis des Kosmos.
Erste Wahrheit:
Die Weisen des Islam und die Wissenschaftler der Grundlagen des Glaubens und des Wortes (Theologie), Gelehrte von überragendem Geist, haben erkannt und auf Grund zahlloser Zeugnisse bewiesen, dass es eine Wahrheit vom Sein gibt, das uns als ein abgeleitetes (huduth) oder als ein veränderliches (imkan) Sein entgegentreten kann, (also der Erschaffung und Gestaltung bedarf). Sie sagten darüber:
"Aufgrund der Veränderung und des Wandels, dem nun einmal die Welt und alles in ihr unterworfen, ist sie mit Sicherheit vergänglich. Ihr Dasein ist abgeleitet und nicht ewig. Weil aber ihr Dasein ein abgeleitetes ist, muss es mit Sicherheit einen Meister geben, der sie ins Dasein gerufen hat. Weil man aber in keinem Ding eine essenzielle Ursache finden kann, die es ins Dasein ruft oder es vernichtet, befinden sich alle Dinge in einem Gleichgewicht. Sie sind mit Sicherheit weder notwendig (vadjib) noch ewig (edheli)..."
Und da es außerdem unmöglich und unvorstellbar ist, dass sie einander wie aus einer Zentrifuge oder durch eine Kettenreaktion hervorgebracht hätten, was durch eine unumstößliche Beweisführung belegt wurde, ist mit Sicherheit die Existenz eines Notwendig-Seienden (Vadjibu-I'Vudjud) erforderlich, der nicht Seinesgleichen kennt und dem ähnlich zu sein unmöglich ist, während alle anderen Dinge möglich und jegliches Dasein geschaffen ist.
Tatsächlich durchdringt die Tatsache von der Abhängigkeit allen Seins (huduth) das All. Man kann das größtenteils mit Augen erkennen; alles übrige erkennt der Verstand. Denn vor unseren Augen stirbt im Herbst jeden Jahres eine solche Welt. Und mit dieser Welt gehen Hunderttausende Arten von Pflanzen und winzig kleinen Tieren - und jede Art besteht aus unendlich vielen Einzelwesen - deren jedes einzelne wieder eine Welt für sich ist, zu Grunde. Aber dieser Abschied vollzieht sich so wohlgeordnet, dass sie im Herbst erst die Samenkerne und Körner und die Eier, in denen der Grund zu ihrer Wiederentstehung und Verbreitung gelegt ist - ein Wunder des Allmächtigen und Allwissenden - an ihrer Stelle zurücklassen, ihr Arbeitsheft und die Programme der Arbeiten, die sie durchgeführt haben, aushändigen und alles unter den Schutz und der Weisheit des göttlichen (Djelal) Behüters und Bewahrers anvertrauen, bevor sie dahinscheiden.
Im Frühling dann erwachen diese kahlen Bäume, diese saft- und kraftlosen Wurzeln, und auch manche Tiere kehren ins Leben wieder zurück und stellen so Hunderttausende von Beispielen und Mustern, ja, Beweisen der Wiederversammlung dar. Und an die Stelle von einigen (unter ihnen) werden andere nach ihrem Muster gesetzt, gleichartige, die ihnen ähnlich sehen, ins Leben gerufen. So veröffentlichen sie die Blätter der Lebewesen des vergangenen Frühlings gleich einer Anzeige, zusammen mit deren Werken und Aufgaben und geben ein Beispiel für die Ayah:
{"Wenn die Blätter ausgebreitet werden..." (Sure 81, 10)}
So stirbt denn eine ganze große Welt, wenn man sie insgesamt betrachtet, in jedem Herbst, und eine neue Welt tritt jeden Frühling ins Dasein. Und dieses Aus-dem-Dasein- Scheiden und Wieder-darin-Eintreten verläuft in einer solchen Ordnung, und innerhalb dieses Scheidens und Wieder-Eintretens ereignet sich das Scheiden und
Wieder-Eintreten so vieler Arten mit einer solchen Ordnung und Ausgewogenheit, dass die Welt einer Herberge gleicht, in der die Welt des Lebendigen als Gast erscheint. Eine wandernde Schöpfung, reisende Welten treten in sie ein, verrichten darin ihre Aufgabe und gehen wieder.
So gibt es denn in dieser Welt einen Herrn, welcher Welten des Lebens, dienstbereite Universen in vollendetem Wissen und vollkommener Weisheit, ausgeglichen und ausgewogen, geordnet und geregelt ins Dasein gerufen und aufgebaut, ihnen ein Ziel gesetzt und einen göttlichen Zweck verliehen, ihnen in Seinem Erbarmen einen Auftrag erteilt, sie in Seiner Allmacht und Barmherzigkeit zu Nutz und Frommen in Dienst genommen hat. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in all Ihrer Majestät, Seine unendliche Allmacht und grenzenlose Weisheit sind dem Verstand ganz offensichtlich sonnenklar erkennbar. Damit wollen wir dieses Kapitel abschließen und überlassen der Risale-i Nur und den Büchern der Erforscher der Wahrheit (muhaqqiq) vom Wort (Theologen) die Frage um das erschaffene Sein (huduth)...
Was nun aber den Aspekt der Veränderlichkeit allen Seins betrifft, {imkan: Möglichkeit, d.h. der Stoff aus dem die Welt besteht, gleicht einer amorphen Matrix, die der Gestaltung durch ihren Schöpfer bedarf. (A.d.Ü.)} so beherrscht und erfüllt sie das All. Denn wir sehen, dass alle Dinge in ihrer Universalität oder Individualität, seien sie klein oder groß, vom Thron (Gottes) bis hinunter zur Erde, von den Atomen angefangen bis zu den Planeten mit einer besonderen Eigenart, einer bestimmten Gestalt, einer vorzüglichen Ausstattung, mit spezifischen Eigenschaften, mit zweckdienlichen Attributen und nutzbringenden Werkzeugen in die Welt gesandt werden. Um aber dieser spezifischen Matrix, {mahsus dhat: alles Geschaffene ist privat, d.h. trägt das charakteristische Merkmal, den besonderen Stempel seines Schöpfers. (A.d.Ü.)} dieser Materia prima
innerhalb ihrer unendlich vielen Möglichkeiten (imkan) den charakteristischen Stempel zu geben und weiter, ihr entsprechend der möglichen (imkan) und wahrscheinlichen Formen eine kunstvolle, spezifische, passende, festgesetzte Form anzuziehen, und weiter, einem Individuum entsprechend der Menge der Artgenossen, die innerhalb so vieler Möglichkeiten (imkan) hin- und hergeworfen sind, einem solchen Subjekt die nur ihm gebührende besondere Eigenart zuzuerkennen, und weiter, für ein Kunstwerk, das unbestimmt und formlos ist, entsprechend der möglichen (imkan) und wahrscheinlichen Arten und Stufen seiner Eigenschaften seine eigenen, passenden und nützlichen Eigenschaften anzufertigen, und weiter, ein Geschöpf, das ratlos, verwirrt und ziellos ist inmitten so vieler möglicher und wahrscheinlicher Arten und Wege mit so weisheitsvollen Eigenschaften und segensreichen Anlagen auszustatten und auszurüsten, bilden mit Sicherheit entsprechend ihren universellen oder individuellen Möglichkeiten und entsprechend den oben erwähnten unterschiedlichen Wesensmerkmalen, Charakteren, Formen und Gestalten, Eigenschaften und Verhältnissen der Materie (imkan), Hinweise, Zeichen und Zeugnisse für die Seins-Notwendigkeit des notwendig Seienden (Vadjibu-I'Vudjudun vudjub-u vudjudu), der alle Dinge ins Dasein ruft, sie auserwählt, über sie bestimmt und verfügt, dessen Macht grenzenlos und dessen Weisheit unendlich ist, vor dem kein Ding sich verbergen und nichts sich verstecken kann, für den auch die größte Aufgabe, so leicht wie die kleinste ist und für den es ebenso einfach ist, einen Frühling zu gestalten wie einen Baum und einen Baum gleich wie ein Samenkorn - diese Zeugnisse, die aus der Veränderlichkeit allen Seins (imkan) erwachsen, bilden den einen Flügel dieses großen Zeugnisses des Alls.
Das Zeugnis des Alls mit seinen zwei Flügeln oder den beiden Tatsachen ("imkan" und «huduth» als einem und «teavun» als anderem Flügel) wurde in den einzelnen Abhandlungen
der Risale-i Nur und besonders im Zweiundzwanzigsten und Zweiunddreißigsten Wort (Sözler), sowie im Zwanzigsten und Dreiunddreißigsten Brief (Mektubat) vollkommen klargestellt und bewiesen. Wir begnügen uns deshalb damit, hier kurz darauf hinzuweisen, und können deshalb dieses so lange Lehrstück kurz fassen.
Den zweiten Flügel des großen und allumfassenden Zeugnisses, welchen das All in seiner Gesamtheit erbringt, beweist die folgende zweite Wahrheit:
Alles Erschaffene arbeitet trotz aller Veränderungen und Umwandlungsprozesse ständig daran, seine Stabilität nach innen und seine Wirkung nach außen aufrecht zu erhalten und - insoweit es sich dabei um Lebewesen handelt - sein Leben fortzusetzen und seine Aufgaben zu erfüllen, was die Tatsache einer gegenseitigen Hilfeleistung aufzeigt, wie sie ganz und gar außerhalb der eigenen Kraft liegt.
Zum Beispiel: Die Elemente der Natur eilen, um den Lebewesen zu helfen, besonders aber die Wolken, um den Pflanzen beizustehen. Die Pflanzen sind eine Hilfe für die Tiere, und die Tiere für die Menschen. Die Jungtiere werden mit Milch ernährt, die ihnen wie Kauthar aus den Eutern (der Muttertiere) entgegenströmt. Allem Leben wird seine Versorgung seinen zahlreichen Notwendigkeiten, deren Befriedigung ganz außerhalb seiner Möglichkeiten liegt, entsprechend gegeben. Ja, sogar die kleinsten Bestandteile der Nahrung eilen, um den Zellen des Körpers Entsatz zu bieten. In dieser Weise zeigen noch sehr viele andere Beispiele für die Tatsache gegenseitiger Hilfeleistung in der Unterwerfung unter den Herrn und im Dienste des Allbarmherzigen die allumfassende und erbarmende Königsherrschaft des Herrn der Welten, der das gesamte All wie ein Schloss verwaltet.
In der Tat bezeigen diese toten Hilfstruppen, ohne Liebe und ohne Bewusstsein, einander eine so liebevolle und klarbewusste Haltung, dass sie ganz bestimmt in der Kraft, durch die Barmherzigkeit und auf den Befehl eines
überaus barmherzigen und weisen Herrn und Königs (Djelal) in Bewegung versetzt worden sind.
Dieser Grundsatz von einer allgemeinen und gegenseitigen Hilfeleistung, wie er im gesamten Kosmos, von den Sternen angefangen bis hin zu den Zellen, Organen und Organsystemen des Körpers gilt, und in Vollkommenheit und Ordnung in ihm zum Ausdruck kommt, dieses allgemeine Gleichgewicht und die umfassende Sicherheit, jene Schönheit, welche der Pinsel malt, angefangen bei dem goldenen Antlitz des Himmels, dem Antlitz der Erde in ihrem schönsten Kleid bis hin zu den künstlerisch gestalteten Gesichtern der Blumen, diese Ordnung, die überall herrscht, von der Milchstraße angefangen über das Sonnensystem bis zu Obst und Gemüse, Mais und Granatapfel, dieser Auftrag, mit dem alle Dinge in Dienst gestellt sind, von der Sonne und dem Mond angefangen über die Kräfte und Elemente der Natur, über die Wolken bis hin zu der Biene, zeigt: Die Zeugnisse all dieser bedeutenden Tatsachen bilden den zweiten Flügel des Zeugnisses des Alls und stellen ihrer Bedeutung entsprechend den Beweis dafür dar.
Nun haben wir aber in der Risale-i Nur dieses bedeutende Zeugnis schon bewiesen und erläutert. Wir können uns deshalb hier mit einem kurzen Hinweis begnügen.
Als einen kurzen Hinweis auf den Unterricht im Glauben, den unser Reisender vom Universum empfangen hatte, wurde auf der Achtzehnten Stufe der Ersten Abhandlung (makam) als kurzer Hinweis Folgendes ausgeführt:
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Unmöglich kann (neben Ihm) noch ein Gleiches sein, wo doch (neben anderen) alles möglich sein kann, und nur Er allein nicht (neben anderen) sein kann, dem Einzigen (Ahad) und Allgegenwärtigen (Vahid). Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweist dieses Weltall, das große, Gestalt gewordene Buch, die gewaltige Verkörperung des Qur'an, in der Gemeinsamkeit seiner Suren, seiner Verse, seiner Wörter, seiner Buchstaben, seiner Abschnitte, seiner Kapitel, seiner Seiten, seiner Zeilen, das harmonisch verzierte Schloss, in der Übereinstimmung seiner Grundpfeiler, das wohlgeordnet großartige Land, in der Übereinstimmung seiner Arten und Bestandteile, Teilchen und Bruchstücke, seinem gesamten lebenden und toten Inventar und allem, was es hervorbringt und was es zurücklässt, durch das gewaltige und alles umfassende, wahre Zeugnis des Daseins (huduth), seiner Umwandlungen, seiner in ihm enthaltenen Möglichkeiten, in Übereinstimmung aller gelehrten Theologen (ulema-i ilm-i kelam), durch das Zeugnis der Wahrheit vom Wechsel von Form und Inhalt, in aller Weisheit und Wohlordnung, durch die Erneuerung ihrer Buchstaben und Worte, durch die Ordnung und Ausgewogenheit, durch das gewaltige und alles umfassende, wahre Zeugnis hilfreicher Aktionen, Reaktionen, Unterstützungen, Interferenzen, des Ausgleichs und der Instandhaltung in allem Sein, wie wir bezeugen und erkennen."}
In der Gegenwart Gottes
Nun wandte sich unser Reisender, der voll Wissensdurst und Sehnsucht in die Welt gekommen ist, um den Schöpfer der Welt zu suchen, nachdem er achtzehn Stufen emporgestiegen und auf der Himmelsleiter des Glaubens (mi'radj-i imani), die bis zum Thron der Wahrheit hinaufreicht, in dem Wissen um das Göttliche Er (ghaib) die Stufe (makam) der Gegenwart des Göttlichen Du (muhatab) {El-Muhatab: das Du, der Gesprächspartner, die zweite Person (A.d.Ü.)} erlangt hatte, an seine eigene Seele (ruh) und sprach zu ihr:
Wenn man zu Beginn der Ehrwürdigen Suratu-l'Fatiha (der Sure der Eröffnung) bei dem Worte اِيَّاكَ {"iyyaka: Dich allein!"} angekommen, lobend und preisend in die Gegenwart dessen gelangt ist, von dem hier die Rede ist, {El-Ghaib: Er, der Unsichtbare, der Abwesende, die dritte Person (A.d.Ü.)} und Er in diesem (iyyaka) nun gegenwärtig geworden ist, dann muss man auch, die gesuchte dritte Person (ghaib) aufgebend, unmittelbar den Gesuchten selbst nach dem Gesuchten fragen, so wie man auch die Sonne, die alle Dinge zeigt, nach der Sonne fragen muss. In der Tat zeigt sie, die alle Dinge zeigt, sich selbst klarer als alle Dinge. So wie wir die Sonne in ihren Strahlen sehen und erkennen können, so müssen wir auch danach streben, unseren Schöpfer in Seinen Schönen Namen und Heiligen Attributen zu erkennen, so weit wir es vermögen.
Von den unendlich vielen Wegen, welche zu diesem Ziel führen, wollen wir hier nur zwei Wege, von den unendlich vielen Stufen nur zwei Stufen, aus einer Fülle von
Tatsachen und an Stelle vieler langer Ausführungen in dieser Risala nur zwei Tatsachen kurz und bündig erklären:
Erste Wahrheit:
Wie wir ganz offensichtlich mit eigenen Augen sehen können, wird in allem, was da geschaffen wurde im Himmel und auf Erden, überall und jeder Zeit, wohlgeordnet und Furcht einflößend das Tun einer Wahrheit sichtbar, die das All durchdringt und erfüllt, die alles lenkt und leitet, verändert und erneuert. Innerhalb dieser Tatsache, einer Tätigkeit, die in jeder Hinsicht von Weisheit erfüllt, ist die Tatsache der Erscheinung der Herrschaft (Gottes) sichtbar zu verspüren. Und innerhalb dieser Tatsache der Erscheinung der Herrschaft (Gottes), die in jeder Hinsicht Ihr Erbarmen ausbreitet, ist die Tatsache der Offenbarung Gottes unabdingbar zu erkennen.
So kann man denn ständig die Auswirkungen der Tätigkeit des Allmächtigen und Allwissenden hinter Seinem weisheitsvollen und hoheitsvollen Tun gleichsam wie hinter einem Vorhang erahnen, so als beobachtete man Ihn direkt bei Seiner Arbeit. Und hinter diesem hochherrschaftlichen Tun und Walten des Herrn, hinter diesem Vorhang, erfährt man ganz offensichtlich die Namen Gottes, wie sie sich in allen Dingen offenbaren, als könne man sie direkt wahrnehmen. Und hinter der Erscheinung der Schönen Namen (Esma-i Husna) in Hoheit (Djelal) und Schönheit (Djemal), hinter diesem Vorhang vermag man die Existenz und Gegebenheit der sieben heiligen Attribute (Gottes) mit wissenschaftlicher, ja, augenscheinlicher Klarheit, ja bis zum Grade einer wahrhaftigen Gewissheit zu begreifen. Und in diesen Seinen sieben Heiligen Attributen, in Übereinstimmung mit dem Zeugnis der ganzen Schöpfung gibt sich Er, der in der Gestalt eines unendlich Lebendigen, eines Allmächtigen, eines Allwissenden, eines Allhörenden und Allsehenden, eines, der mit freier Rede und Entscheidung (Murid) begabt ist, offensichtlich und mit Notwendigkeit und mit wissenschaftlicher Sicherheit als der, welcher notwendigerweise da
sein muss (Vadjibu-I'Vudjud) und Träger der obengenannten Eigenschaften ist, welcher Ein-Einziger (Vahid-i Ahad) ist, welcher als der völlig unabhängige Einzelvollbringer (Ferd-i Samad) bezeichnet wird, dem Auge des Glaubens im Herzen mit Sicherheit und gleichsam sichtbar zu erkennen, und zwar in einer Weise, die noch glänzender ist als es ganz offensichtlich die Existenz der Sonne ist. Denn zu einem schönem und inhaltsreichem Buch, einem gutgebautem Haus, bedarf es offensichtlich der Tätigkeit des Schreibens und Erbauens. Schön zu schreiben und gut zu bauen aber ist eine Tätigkeit, die offensichtlich nach einer Person verlangt, die man als Schreiber oder Baumeister bezeichnet. Der Titel "Schreiber" oder "Baumeister" verlangt aber offensichtlich nach einer Schreibkunst oder Baukunst. Diese Kunst oder Eigenschaft aber verlangt offensichtlich und in jedem Fall nach einer Person, welche diese Kunst ausübt, nach ihr benannt wird und Träger der genannten Eigenschaften sein muss. Denn so wie es keine Tätigkeit geben kann ohne einen, der sie verrichtet und keinen Namen ohne den, der ihn trägt, so kann es auch keine Eigenschaft geben ohne den, der sie besitzt und keine Kunst ohne einen Künstler.
Gleich wie nun dieser Kosmos mit allen seinen Geschöpfen auf diesen Tatsachen und Grundsätzen errichtet wurde, vergleichbar einer unendlichen Zahl inhaltsreicher Bücher und Briefe, geschrieben mit dem Stift (göttlicher) Bestimmung, unendlich vielen Gebäuden und Schlössern, mit der (göttlichen) Maurerkelle erbaut, deren jedes einzelne aus tausend Aspekten und sie alle zusammen in unendlich vielen Aspekten durch die grenzenlosen Taten des Herrn und Erbarmers, in dem unendlichen Aufleuchten von Tausend und einem Namen Gottes, der der Keim Seines Wirkens ist und in der grenzenlosen Offenbarung der sieben Eigenschaften des Hochgelobten, welche die Quelle dieser Schönen Namen sind, unendlich viele Hinweise und grenzenlos viele Zeugnisse für die Notwendigkeit von Sein und Einheit (Vahdet) des Herrn
der Herrlichkeit von Ewigkeit (edhel) zu Ewigkeit (ebed) ablegen, welcher Ursprung und Träger dieser allumfassenden, heiligen Eigenschaften ist, so legen auch alle diese inneren und äußeren Schönheiten, Werte und Vollkommenheiten, jede für sich und alle gemeinsam Zeugnis ab für die heilige Schönheit (Djemal) und Vollkommenheit (Kemal) der Taten des Herrn, der Namen Gottes, der Attribute des Einzigartigen und des Wirkens des Hochgelobten so wie es ihrer würdig ist und ihnen entspricht, und bezeugen so offensichtlich die Schönheit und Vollkommenheit einer Hochheiligen Persönlichkeit.
So zeigt sich denn die Wahrheit von der Herrschaft (Gottes) in der Tatsache Seines Wirkens und gibt sich selbst durch das Wissen und die Weisheit, mit der Er erschafft und hervorbringt, formt und wieder neu gestaltet, durch das Gleichmaß und die Ausgewogenheit, mit der Er plant und schafft, anordnet und kalkuliert, mit der Absicht und Entschiedenheit, in der Er verändert und verwandelt, vernichtet und vervollkommnet, durch die Liebe und das Erbarmen, mit der Er ernährt und beschenkt, Freigiebigkeit und Güte erweist, in all Seinem Schalten und Walten zu erkennen.
Die Tatsache der Offenbarung Gottes, die in der Tatsache der Erscheinung der Herrschaft (Gottes) ganz offensichtlich zu spüren und zu finden ist, gibt sich selbst voll Huld und Erbarmen in den Manifestationen Seiner Schönen Namen und in dem Aufleuchten Seiner sieben inhärenten Eigenschaften - "Leben, Wissen, Wollen, Entscheiden, Sehen, Hören, Reden" (Gottes wesensgemäße Eigenschaften, deren Quelle und Träger Er ist) zu erkennen und zu verstehen.
So wie sich in dem Attribut (Gottes) als "Das Wort" durch Offenbarungen und Inspirationen der Herr der Heiligkeit zu erkennen gibt, ebenso wird in der Tat auch, wie ein Wort, das Gestalt angenommen hat, in dem Attribut (Gottes) als "Macht" durch Seine kunstvollen Werke dieser Herr der Heiligkeit bekannt, zeigt (Seine Macht) sich
gleich dem leibhaftigen Wesen (des Buches) der Unterscheidung (Furqan) von einem Weltenende zum anderen, kennzeichnet den Allmächtigen in Seiner Majestät, und lässt uns von Ihm wissen.
So lässt auch das Attribut (Gottes) als "der Allwissende" durch eine Vielzahl weisheitsvoller, wohlgestalteter und ausgewogener Kunstwerke und eine große Anzahl Geschöpfe, die durch eine (göttliche) Wissenschaft gelenkt, geleitet, kunstvoll gestaltet und voneinander unterschieden werden, diesen einzigartigen Herrn der Heiligkeit als ihren Ursprung und Träger (mausuf) erkennen.
Was "Leben (Hayat)" als Wesensmerkmal (Gottes) betrifft, so weist es, wie alle Werke die Macht (Gottes) erkennen lassen, all die Formen und Gestalten in ihrer Ordnung und Weisheit, in ihrer Ausgewogenheit und ihrem Schmuck die Existenz (göttlicher) Allwissenheit sichtbar werden lassen, wie alle Beweise auch die übrigen Eigenschaften (Gottes) erkennen lassen und den Beweisen für "das Leben" (als Wesensmerkmal Gottes), auf "das Leben" als Wirklichkeit (tahaqquq) hin, so auch das Leben selbst, wenn es alles, was da lebt und Spiegelbild (göttlichen Lebens) ist, zum Beweis als Zeugen vorführt, um den Herrn des Lebens (Hayy) und der Beständigkeit (Qayyum) zu erkennen.
Es verwandelt das All, um dieses jederzeit immer wieder neu und immer wieder anders hervorzubringen und auszuschmücken, in einen riesigen Spiegel, der sich ständig verändert, erneuert und selbst wieder aus unzähligen Spiegeln zusammengesetzt ist. Entsprechend den oben angeführten Beispielen lassen auch die Attribute "Sehen und Hören, Wollen und Reden", jedes einzelne für sich, dem Kosmos gleich, den Herrn der Heiligkeit erkennen und verstehen.
Und so wie diese Eigenschaften die Existenz des Herrn in Seiner Majestät beweisen, so beweisen sie auch die Existenz und die Wahrheit des Lebens (als Attribut Gottes)
und auch, dass dieser Herr frisch und lebendig ist. Denn Kenntnis ist ein Zeichen des Lebens. Hören ist eine biologische Funktion. Sehen ist eine Eigenschaft von Lebewesen. Wollen ist ein Ausdruck des Lebens. Willenskraft findet sich nur bei Lebewesen. Sprache ist ein Kennzeichen vernunftbegabter Wesen.
So geht denn aus dem obengesagten hervor, dass es für das Attribut "Leben" sieben Beweise gibt, jeder einzelne Beweis, bewiesen durch den ganzen Kosmos, Zeugnisse, die seine eigene Existenz erkennen lassen und auch die Existenz seines Trägers (maussuf), sodass es zum Ursprung und Grund aller Attribute, zur Quelle und zum Angelpunkt des Großen Namens wird. Doch da die Risale-i Nur diese erste Wahrheit bereits mit starken Zeugnissen bewiesen und in gewissem Grade erläutert hat, können wir uns hier mit dem schon erwähnten Tropfen aus diesem Meere begnügen.
Zweite Wahrheit:
Die göttliche Ansprache, die aus Seinem Attribut "Das Wort" hervorgeht:
{"Würde das Meer zur Tinte werden für die Worte meines Herrn." (Sure 18, 109)}
Dem Geheimnis dieser Ayah entsprechend kennt das göttliche Wort keine Grenzen. Der Hinweis, welcher am klarsten das Dasein einer Person erkennen lässt, ist sein Sprechen.
{konushma: Die Fähigkeit, Kontakt aufzunehmen, sich auszudrücken und mitzuteilen. (A.d.Ü.)}
Das heißt also, dass diese Tatsache unbegrenztermaßen Zeugnis für die Existenz und Einheit des urewigen Wortes ist. Nun wurde aber mit zwei starken Zeugnissen für diese Tatsache bereits auf der Vierzehnten und Fünfzehnten Stufe der Risala über Eingebungen und Offenbarungen und weiter ein ausführliches Zeugnis,
auf das auf der Zehnten Stufe hingewiesen wird und die Heiligen Bücher und offenbarten Schriften betrifft und in noch vielen anderen umfangreichen und glänzenden Zeugnissen auf der Siebzehnten Stufe über den Qur'an als ein Wunder in seiner Aussage diese Tatsache bereits erklärt. Das Zeugnis diesen Stufen überlassend erschien unserem Reisenden Licht und Geheimnis der gewaltigen Ayah
{"Allah bezeugt, dass es keinen Gott gibt außer Ihm; ebenso Seine Engel, die Gelehrten, die in der Gerechtigkeit fest stehen. Es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Allmächtigen, dem Allweisen." (Sure 3, 18)}
als ausreichend und genügend, und so vermochte er nicht weiter vorzudringen. Dementsprechend wurde auf der Neunzehnten Stufe der Ersten Abhandlung (makam) als ein Hinweis auf die kurz zusammengefasste Bedeutung dessen, was unser Reisender auf dieser Heiligen Stufe (makam) als Lektion gelernt hatte, Folgendes gesagt:
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss, dem Einzigen (Ahad) und Allgegenwärtigen (Vahid). Ihm gehören alle schönen Namen, alle hohen Eigenschaften und Ihn umschreiben wir mit den erhabensten Vergleichen. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweist die Persönlichkeit (dhat: Wesen) dessen, der da notwendigerweise sein muss, in der Übereinstimmung mit allen Seinen umfassenden heiligen Eigenschaften, mit der Manifestation aller Seiner schönen Namen und im Einklang aller Seiner Werke und Taten, die Er vollbracht hat, durch das gewaltige, wahrhaftige Zeugnis, in dem sich Seine Göttlichkeit offenbart, in der Erscheinung Seiner Herrschaft, in der Fortdauer Seiner Aktivitäten, die alles beherrschen, im Akt der Hervorbringung, Erschaffung, Formung und Gestaltung durch Seine Führung, Seinen Willen, Seine Macht, zu lenken, zu bestimmen und zu gestalten, in der Freiheit Seiner Entscheidung, Seiner Weisheit, im Akt Seiner Entfaltung und Bewahrung, Ordnung, Erhaltung und Gestaltung, der Versorgung, zielgerichtet und voll Erbarmen, in vollkommener Ordnung und Ausgewogenheit, mit dem großartigen, alles umfassenden, wahrhaftigen Zeugnis Seines innersten Geheimnisses (esrar) - Gott bezeugt, dass es keine Gottheit (ilah) gibt außer Ihm, und so auch Seine Engel, die Leute des Wissens. Er hält die Gerechtigkeit aufrecht. Es gibt keine Gottheit (ilah) außer Ihm, dem Allmächtigen, dem Allweisen."}
Dritter Strahl
Die folgende Munadjat Risalesi (Trakat über das insbrünstige Gebet) ist zusammen mit der Ayet-ul Kubra und fünf, sechs weiteren Abhandlungen als «Ütjündjü Shu'a» (Dritter Strahl) in Kastamonu abgefasst worden. Sie ist zugleich eine prachtvolle Darstellung des Lebens (hayat), das unser Lehrer (Ustadh) in Kastamonu geführt, womit er sich (in dieser Zeit) beschäftigt und welche Dinge er sich damals zur Aufgabe gestellt hatte. Said Nursi bemühte sich, wie die Wahrheiten beweisen (die er) in diesen Abhandlungen (darlegt) darum, den Glauben (iman) zu stärken, was in der Tat jetzt für das Volk und die Islamiyet der notwendigste (elzem) Dienst ist.
Vorwort
So wie dieses Achte "Zeugnis für den Glauben" die Notwendigkeit der Existenz Gottes und Seine allgegenwärtige Einheit beweist, so beweist es auch unwiderlegbar, dass Seine Herrschaft alles umfasst und Seine Macht gewaltig groß ist. Des Weiteren beweist es, dass Seine Souveränität und Seine Barmherzigkeit alles erfasst und dass Seine Weisheit und Sein Wissen den Kosmos mit all seinen Bestandteilen umfasst.
Kurzum: Dieses Achte "Zeugnis für den Glauben" enthält in jedem Abschnitt acht Hauptanliegen. In jedem der acht Abschnitte werden diese acht Hauptanliegen mit den entsprechenden Zeugnissen bewiesen. Daher ist dieses Achte "Zeugnis für den Glauben" von besonderer Bedeutung.
Bittgebet
Diese Abhandlung beweist mit Nachdruck, mit Autorität und mit Sicherheit, zugleich aber auch mit einer bewunderungswürdigen Bestimmtheit die bedeutendsten Fundamente des Glaubens, wie die Notwendigkeit des Seins (vudjubu vudjud), die Einheit (ahadiyyet) und Allgegenwart (vahdet) Gottes, den Glanz Seines Reiches (Rubibiyyet), Seine gewaltige Macht (adhamet-i qudret), die Länge und Breite Seines Erbarmens (rahmet), Seine allumfassende Herrschaft (hakimiyet), Sein profundes Wissen (ilm) und Seine universelle Weisheit (hikmet). Die Hinweise auf die Auferstehung und besonders die starken Hinweise am Ende (dieser Abhandlung) sind besonders machtvoll.
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Fürwahr, in der Erschaffung der Himmel und der Erde, in der Aufeinanderfolge von Tag und Nacht, in den Schiffen, die zum Nutzen der Menschen auf dem Meer fahren, darin, dass Gott Wasser vom Himmel sandte und mit ihm die Erde wieder belebte, nachdem sie gestorben war, dass Er sich alle die Tiere auf ihr ausbreiten ließ, im Wechsel der Winde, im Dienste der Wolken zwischen Himmel und Erde sind Zeichen für ein nachdenkendes Volk." (Sure 2, 164)}
Oh Gott, oh mein Herr! Mit dem Auge des Glaubens, belehrt durch den Qur'an und in seinem Lichte unterrichtet
durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und durch die Manifestation Deines Namens "der Allweise" sehe ich: Es gibt im Himmel überhaupt keinen Umlauf und keine Bewegung, die durch ihre Wohlordnung Deine Existenz nicht aufzeigt und beweist. Und es gibt überhaupt keine Himmelskörper, die nicht für Deine Herrschaft und Deine Allgegenwart Zeugnis ablegen und auf sie hinweisen, indem sie lautlos und ohne Lärm ihren Dienst versehen und sich frei ohne Stützpfeiler halten. Und es gibt auch keinen Stern, der durch seine wohlausgewogene Erschaffung, seine wohlgeordneten Verhältnisse, sein funkelndes Lächeln und durch das Siegel seiner Ähnlichkeit mit allen anderen Sternen nicht auf die Majestät Deiner Gottheit und Deine Allgegenwart hinweist und sie bezeugt. Und unter den zwölf Planeten gibt es keinen, der durch seine weisheitsvolle Bewegung, seine gehorsame Unterwerfung, seinen wohlgeordneten Dienst und seine zugehörigen Monde nicht für die Notwendigkeit Deiner Existenz Zeugnis ablegt und nicht auf das Königreich Deiner Gottheit hindeutet.
So wie alles, was in den Himmeln wohnt, Zeugnis ablegt, genauso legen alle gemeinsam in ihrer Gesamtheit - Oh Schöpfer, der Du die Erde und die Himmel erschaffst! - ein dermaßen klares Zeugnis für die Notwendigkeit Deiner Existenz und - Oh, der Du die Atome in ihrem wohlgeordneten Gefüge lenkst und leitest und diese Planeten mit ihren wohlausgewogenen Monden kreisen lässt und Deinen Befehlen unterwirfst! - ein dermaßen starkes Zeugnis für Deine Allgegenwart und Deine Einheit im Grade der Offensichtlichkeit ab, dass so viele leuchtende Zeugnisse und funkelnde Beweise, wie es Sterne am Himmel gibt, dieses Zeugnis bestätigen. Diese klaren, sauberen und schönen Himmel, die mit ihren überaus großen und überaus schnellbeweglichen Himmelskörpern die Form und Gestalt eines Heeres und einer königlichen Flotte, geschmückt mit elektrischen Lampen annehmen,
zeigen ganz offensichtlich die Majestät Deiner Herrschaft und die gewaltige Größe Deiner alles erschaffenden Macht, weisen auf Deine Autorität, die den grenzenlosen Kosmos unterwirft, und auf Deine unendliche Barmherzigkeit, die alle Lebewesen in ihren Schoß aufnimmt, hin und bezeugt, dass Dein Wissen, das alle Angelegenheiten der Geschöpfe im Himmel erfasst, im Griff hält und ordnet, alles umspannt, und dass Deine Weisheit alles umschließt. Dieses Zeugnis und dieser Hinweis ist dermaßen sichtbar, als wären die Sterne Bekenntnisworte der Himmel und ihre lichtvollen Beweise, die einen Körper angenommen haben. Was die Sterne in der Arena, im Meer und im All des Himmels betrifft, so sind sie wie dienstbereite Soldaten, wohlgeordnete Schiffe, wunderbare Flugzeuge und einzigartige Lampen, die die Pracht Deiner göttlichen Königsherrschaft demonstrieren. Die Auswirkungen der Sonne, die ein Stern ist und diesem Heer einem Soldaten gleich angehört, auf die Planeten und auf unsere Erde machen uns deutlich und lassen uns ahnen, dass die Sterne, die die Gefährten der Sonne sind, nicht ohne Aufgaben sind und ein Teil von ihnen mit jenseitigen Welten in Beziehung steht, ja sie vielmehr Sonnen der beständigen Welten sind.
Oh der Du notwendigerweise da sein musst! Oh der Du der Eine, der Allgegenwärtige bist! Diese wunderbaren Sterne, diese einzigartigen Sonnen und Monde werden in Deinem Reich, in Deinen Himmeln, mit Deinem Befehl, mit Deiner Macht und Deiner Kraft, mit Deiner Lenkung und Leitung in Dienst gestellt, wohlgeordnet und beauftragt. Alle diese Himmelskörper preisen den einen und einzigen Schöpfer, der sie erschaffen hat, kreisen lässt und lenkt, machen Seine Größe bekannt und rufen in der ihr eigenen Weise: "Gepriesen sei Allah, Allah ist groß!" All ihre Lobpreisungen biete auch ich Dir dar und nenne Dich hochheilig.
Oh majestätischer Allmächtiger, der Du im Glanz Deiner gewaltigen Ausstrahlung verborgen bist! Oh Du absolut
Mächtiger, der Du auf Grund Deiner gewaltigen Größe unsichtbar bist! Belehrt durch Deinen Weisen Qur'an und unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, habe ich erkannt: Wie Himmel und Sterne Deine Existenz und Allgegenwart bezeugen, so bezeugt auch die Atmosphäre mit ihren Wolken, Blitzen, Donnern, Winden und Regen die Notwendigkeit Deiner Existenz und Deine Allgegenwart.
In der Tat ist es Deine Barmherzigkeit und Deine Weisheit, die eine Wolke ohne Leben und Bewusstsein mit dem Regen, der das Wasser des Lebens ist, den notleidenden Lebewesen zu Hilfe schickt. Der Zufall, der selbst nur ein Ausdruck des Chaos ist, kann hier nicht seine Hand im Spiel haben. Der Blitz, der die stärkste Form der elektrischen Energie darstellt, und durch den Hinweis seiner Leuchtkraft die Menschen dazu anspornt, sie in ihrem praktischen Leben anzuwenden, präsentiert Deine Macht in der Atmosphäre aufs Schönste. Der Donner, der die Ankunft des Regens ankündigt, die weite Atmosphäre zum Sprechen bringt und mit dem Hall seiner Rezitation den ganzen Himmel erfüllt, lobpreist Dich mit lauter Stimme und bezeugt Deine Herrschaft. Die Winde, die die lebenswichtigsten Mittel für die Versorgung der Lebewesen bringen, am einfachsten zu Nutzen sind, die Atemluft spenden, die Seelen erquicken und mit noch anderen ähnlichen Aufgaben betraut sind, weisen auf die Tätigkeiten hin, denen Deine Macht zu Grunde liegt, und bezeugen Deine Existenz, indem sie die Atmosphäre einer Weisheit zufolge in eine "Tafel der Manifestation von Zerstörung und Aufbau" verwandeln, das heißt, in eine Art "Schiefertafel", auf der die Winde mit Deiner Macht zeichnen, etwas zum Ausdruck bringen und wieder abwischen. Der Regen, der mit Deinem Segen von den Wolken gemolken zu den Lebewesen herab gesandt wird, legt mit den Worten seiner wohlausgewogenen und wohlgeordneten Tropfen Zeugnis für Deine grenzenlose Barmherzigkeit und für Deine unendliche Liebe ab.
Oh der Du die Verfügungsgewalt über alles besitzt und ununterbrochen erschaffst! Oh der Du der Erhabene bist in Deiner Fülle! So wie die Wolke, der Blitz, Donner, Wind und Regen, ein jeder die Notwendigkeit Deiner Existenz bezeugen, so weisen sie in ihrer Gesamtheit, in der sie eine Einheit bilden, zusammen sind, harmonisch ineinander laufen und sich gegenseitig in der Diensterfüllung beistehen, obwohl sie von ihrer Art und Weise her voneinander weit entfernt und von ihrem Wesen her einander entgegengesetzt sind, auf Deine Allgegenwart und Deine Einheit mit Nachdruck hin. Des Weiteren bezeugen sie, dass Deine Herrschaft in ihrer Größe den riesigen Himmel in einen einzigartigen Versammlungsort verwandelt und an manchen Tagen mehrmals füllt und leert, und dass Deine gewaltige Macht über diese weite Atmosphäre gleich einer Schiefertafel, auf der geschrieben und korrigiert wird, und gleich einem Schwamm, der ausgedrückt wird und dadurch den Erdengarten bewässert, verfügt und alles umfasst. Genauso zeigen sie, dass Deine Barmherzigkeit (rahmet) und Deine Souveränität (hakimiyet) in ihrer unendlichen Weite die ganze Erde, alles Geschaffene unter dem Himmelszelt versorgt, sie lenkt und leitet und allen Dingen zu Hilfe eilt. Die Luft in der Atmosphäre wird für so zweckmäßige Aufgaben gebraucht, und Wolke und Regen werden mit so großem Nutzen eingesetzt, dass dieser Gebrauch, dieser Einsatz ohne ein alles umfassendes Wissen (ilim) und ohne eine alles erfassende Weisheit (hikmet) nicht möglich ist.
Oh der Du mit Deinem freien Willen handelst! Deine Macht, die durch die Ereignisse in der Atmosphäre jederzeit eine Nachbildung der Wiederversammlung und der Wiederauferstehung vorführt, in einer Stunde den Sommer in den Winter und den Winter in den Sommer verwandelt, eine Welt hervorbringt und eine Welt in das Verborgene schickt und noch andere vergleichbare Tätigkeiten vollbringt, weist darauf hin, dass sie diese Welt in das Jenseits verwandeln und im Jenseits ewig bleibende Tätigkeiten darbieten wird.
Oh Majestätischer Allmächtiger! Die Luft, die Wolke und der Regen, der Blitz und der Donner, sie alle und die ganze Atmosphäre stehen in Deinem Reich, unter Deinem Kommando und Deiner Führung, versehen ihren Dienst in Deiner Kraft und Macht und sind mit verschiedenen Aufgaben betraut. Diese Geschöpfe des Himmels, die in ihrem Wesen voneinander weit entfernt sind, loben ihren Kommandeur und Herrscher und preisen Deine Barmherzigkeit, indem sie Deinen Befehlen und Kommandos rasch und ohne Säumen nachkommen.
Oh Du majestätischer Schöpfer der Erde und der Himmel! Belehrt durch Deinen Weisen Qur'an und unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten bekenne und erkenne ich: So wie die Himmel mit ihren Sternen und die Atmosphäre mit allem, was ihr zugehört, die Notwendigkeit Deiner Existenz, Deine Einheit und Deine Allgegenwart bezeugen, genauso legt die Erde mit all ihren Geschöpfen und zyklischen Veränderungen für Deine Existenz und für Deine Allgegenwart so viele Zeugnisse ab, wie viele verschiedene Formen des Seins es auf ihr gibt. In der Tat gibt es auf der Erde keine einzige Veränderung und keinen Wechsel wie das jährliche Wachstum der Baumrinde und die Häutung der Tiere - sei es nun im Kleinen oder Großen - die mit ihrer Wohlordnung nicht auf Deine Existenz und Deine Allgegenwart hinweisen sollte.
Zudem gibt es auch kein Tier, das nicht seiner Schwäche und Bedürftigkeit entsprechend barmherzig versorgt und mit lebenswichtigen Organen in Weisheit ausgestattet wird und Deine Existenz und Einheit nicht bezeugt.
Zudem gibt es überhaupt keine Pflanze und kein Tier, die nicht in jedem Frühling vor unseren Augen erschaffen werden und Dich nicht durch die einzigartige Kunst in ihnen, durch die feinsinnige Verzierung auf ihnen, durch ihre Hervorhebung mit ihren eigentümlichen Merkmalen und durch ihr Wohlgeordnetsein und Wohlausgewogensein bekannt geben.
Die fehlerlos, perfekt, verziert und mit Unterscheidungsmerkmalen erschaffenen und die Erdoberfläche füllenden, Tiere und Pflanzen genannten, Wunder Deiner Macht sind ein solches Zeugnis für die Existenz und die allgegenwärtige Einheit und Weisheit und unendliche Macht ihres weisen Schöpfers, dass es glänzender und stärker ist als das Zeugnis des Lichts für die Sonne. Die Pflanzen und Tiere, die die Erdoberfläche füllen und einzigartige und wunderbare Kunstwerke Deiner Macht sind, aus einer begrenzten Anzahl von großen und winzig kleinen Eiern, Spermien, Samenkörnern und Kernen, die aus denselben Bestandteilen bestehen und einander ähnlich aussehen, mit Unterscheidungsmerkmalen perfekt, geschmückt und fehlerlos erschaffen werden, legen ein dermaßen starkes und glänzendes Zeugnis für die Existenz, die allgegenwärtige Einheit, Weisheit und unendliche Macht ihres Schöpfers ab, das noch glänzender und stärker ist als das Zeugnis des Lichts für die Sonne.
Zudem gibt es überhaupt kein Element wie Licht, Luft, Feuer, Wasser und Erde, das nicht Deine Existenz und Einheit bezeugen sollte, indem es, wie mit Bewusstsein begabt, perfekten Aufgaben nachgeht, obwohl es über kein Bewusstsein verfügt; überaus wohlgeordnete und verschiedene Früchte und Ernten aus der unsichtbaren Schatzkammer herbeiholt, obwohl es gleichförmig ist, alles um sich herum einnimmt und sich überall bis in den letzten Winkel hinein ausbreitet.
Oh Du Schöpfer, der Du allmächtig bist! Oh Du Eröffner, der Du alles weißt! Oh Du Lenker und Leiter, der Du erschaffst! Wie die Erde mit all ihren Bewohnern bezeugt, dass ihr Schöpfer der Notwendig-Seiende ist, so bezeugt sie Deine Allgegenwart und Deine Einheit - oh Du allgegenwärtiger Einer! Oh Du Barmherziger und Erbarmer! Oh Du Spender und Versorger! - ganz offensichtlich durch die Einheit und Gemeinsamkeit der Gesichter ihrer Bewohner, dadurch, dass sie bunt gemischt einander Hilfe leisten und dass die Namen und Tätigkeiten, die ihre
Versorgung betreffen, ein und dieselben sind, so viele Male, wie es Formen des Daseins gibt.
Und so, wie die Erde, die einem Heerlager, einem Ausstellungsort, einem Ausbildungsplatz gleicht, und auf der vierhunderttausend verschiedene Völker von Pflanzen und Tieren ihre voneinander unterschiedlichen Ausrüstungen wohlgeordnet erhalten, die Majestät Deiner Herrschaft und Deine Macht, die alles erfasst, zeigt, genauso zeigt auch die gütige und freigiebige, unterschiedliche Versorgung all der zahllosen Lebewesen zur rechten Zeit am richtigen Ort, aus einfacher, trockener Erde und der Gehorsam all dieser zahllosen Lebewesen in vollkommener Bereitschaft gegenüber den Befehlen des Herrn, dass Deine Barmherzigkeit alles umfasst und Deine Herrschaft über allem steht.
Des Weiteren bezeugen die Lenkung und Leitung der Scharen der Geschöpfe, die sich auf der Erde ständig erneuern und in Tod und Leben der Reihe nach ablösen, und die Versorgung und die Verwaltung der Tiere und der Pflanzen, dass sie nur mit Deinem Wissen, das alles umfasst, und mit Deiner unbegrenzten Weisheit, die in allen Dingen herrscht, möglich sind. Eine dermaßen große Bedeutung, die dem Menschen, der für eine kurze Zeit auf der Erde zahllose Aufgaben versieht, und der über alles Dasein auf Erden verfügt, und der mit Begabungen und geistigen Fähigkeiten ausgestattet ist, als würde er eine endlose Zeit leben, (eine solche Bedeutung, die dem Menschen) auf dem Übungsgelände dieser Welt, diesem zeitweiligen Heerlager der Erde, diesem vorübergehenden Ausstellungsort beigemessen wird, (eine solche Bedeutung und) dermaßen große Ausgaben, dermaßen unendliche Erscheinungen der Herrschaft, dermaßen grenzenlos viele Ansprachen Gottes des Gepriesenen (an den Menschen durch die Natur) und so viele Gaben Gottes ohne Ende, passen mit Sicherheit keinesfalls in diese so kurze Spanne voll Leid, ein Leben voller Sorgen und voller Veränderungen und diese Welt voller Katastrophen
und voller Vergänglichkeit. Vielmehr können sie nur für ein anderes und unendliches Leben und für einen ewig bestehenden Ort der Glückseligkeit sein. Daher weisen sie auf die Gottesgaben hin, die wir im Jenseits, in der ewig bestehenden Welt vorfinden werden, ja bezeugen dies.
Oh Du Schöpfer aller Dinge! Alle Geschöpfe dieser Erde werden in Deinem Reich, in Deiner Welt, durch Deine Macht und Kraft, durch Dein Vermögen und Deinen Willen, durch Dein Wissen und Deine Weisheit gelenkt und geleitet und sind Dir gehorsam.
Die Herrschaft, deren Aktivitäten auf dem Antlitz der Erde beobachtet werden, präsentiert einen dermaßen großen Umfang und Machtbereich, deren Verwaltung, Maßnahmen und Versorgung dermaßen vollkommen und dennoch dermaßen sensibel ist, deren Durchführungen überall in einer vollkommenen Einheit, Zusammenhalt und Gemeinsamkeit erscheint, was uns mitteilt, dass sie eine Verfügungsgewalt, eine Herrschaft ist, die eine Ganzheit bildet und überhaupt keine Unterteilung duldet. Des Weiteren heiligt die Erde mit all ihren Bewohnern den Schöpfer und gedenkt Seiner mit zahllosen Zungen noch klarer als sich mit Worten sagen lässt. Unausgesprochen durch ihre unendlich vielen Geschenke dankt sie dem majestätischen Versorger, lobt und preist Ihn.
Oh Du, der Du hinter der gewaltigen Macht Deiner Erscheinung verborgen bleibst! Oh Du, der Du Dich mit Deiner gewaltigen Größe verhüllst! Oh Du allheiliger Herr! Mit allem Gedenken und allen Lobpreisungen der Erde heilige ich Dich über allen Fehlern und Schwächen und allem, was sie Dir Beigesellen, und lobpreise Dich und danke Dir mit all ihren Lobpreisungen und Danksagungen.
Oh Du Herr über Land und Meere! Belehrt durch den Qur'an und unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, habe ich erkannt:
So wie die Himmel, das Weltall und die Erde für Deine Existenz und Deine Einheit Zeugnis ablegen, genauso legen Meere, Ströme, Quellen und Flüsse für die Notwendigkeit Deiner Existenz und für Deine Einheit und Deine Allgegenwart im Grade der Offensichtlichkeit Zeugnis ab.
In den Meeren, welche die Staunen erregenden Verdunstungsbecken unserer Erde sind, gibt es in der Tat überhaupt kein Wesen, noch nicht einmal einen Tropfen Wasser, der nicht durch seine Existenz, seine Wohlordnung, durch seine Nützlichkeit und durch seine Beschaffenheit Seinen Schöpfer bekannt machen sollte. Unter den einzigartigen Geschöpfen, die in gewöhnlichem Sand und in gewöhnlichem Wasser bestens versorgt werden und unter den Meerestieren, die überaus wohlgeordnet erschaffen sind, besonders unter den Fischen, von denen einer mit einer Million Eiern die Meere belebt, gibt es kein einziges, das nicht durch seine Erschaffung, seine Aufgabe, seine Führung, seine Verwaltung und seine Versorgung ein Zeichen für seinen Schöpfer setzt und nicht Zeugnis für seinen Versorger ablegt.
Des Weiteren gibt es unter den wertvollen, besonderen, schön verzierten Schätzen im Meer keinen einzigen, der Dich nicht durch seine Erschaffung, den Zauber seiner Natur und seine nützlichen Eigenschaften erkennt und zu erkennen gibt. So, wie jedes Einzelne Dich bezeugt, so bezeugen sie auch in ihrer Gesamtheit Deine Einheit und Allgegenwart, in ihrer Gemeinsamkeit bei aller Vermischung, durch das einheitliche Siegel ihrer Erschaffung, in der Leichtigkeit ihrer Erschaffung und der Vielheit ihrer Anzahl. Genauso weisen diese Meere, die die Erdoberfläche mit ihren Kontinenten umspannen, frei schwebend und um die Sonne kreisend, ohne (ihr Wasser) zu vergießen oder zu verschleudern, ohne das Land zu überschwemmen, (die Meere) in denen aus gewöhnlichem Sand und Wasser verschiedene Lebewesen und Bodenschätze in schönster Ordnung erschaffen werden, ihre
Versorgung und ihre sonstigen Bedürfnisse umfassend und reibungslos gesteuert und befriedigt werden, und auf denen keine der sonst zahllosen Kadaver zu sehen sind, auf Deine Existenz und die Notwendigkeit Deiner Gegenwart entsprechend der Vielzahl alles dessen, was in ihnen ist, hin und bezeugen es. So, wie sie Deine majestätischen Herrschaft (saltanat-i rububiyetinin hashmet) und majestätische Größe Deiner Macht (qudretinin azamet), die alles umfasst, in aller Deutlichkeit zeigen, genauso zeigen sie die grenzenlose Weite Deiner Barmherzigkeit (rahmet) und Deiner Souveränität (hakimiyet), die alles - angefangen von den riesengroßen Sternen, die über den (Weiten und Höhen) der Himmel ihre Bahnen ziehen, bis hin zu den winzig kleinen Fischen, die in den (Weiten und) Tiefen der Meere ihre Nahrung finden - erreicht und umfasst, und weisen durch ihre Wohlordnung, ihren vielfachen Nutzen, ihr Gleichgewicht, ihre Weisheit und ihre Ausgewogenheit auf Dein alles umspannendes Wissen (ilm) und Deine alles umfassende Weisheit (hikmet) hin. Seine Barmherzigkeit, die in diesem Gasthaus der Erde für die Reisenden derartige Wasserbecken bereit stellt, und die diese den Menschen für ihre Reisen und Fahrten, für ihre Schiffe, ihren Gewinn zur Verfügung stellt, zeigt, dass derjenige, der seinen Gästen, die auf ihrem Weg in dieser Herberge eine Nacht rasten, so viele Gastgeschenke aus dem Meer bietet, mit Sicherheit am ewig bestehenden Sitz Seines Königreiches (saltanat-i ebediye) ewige Meere Seiner Barmherzigkeit (rahmet) besitzt, sodass eine solche (Herberge) nur eine kleine, vergängliche Nachbildung davon ist. So zeigen die Meere, welche samt ihren Staunen erregenden Bewohnern die Kontinente in solch wunderbarer Weise umspannen und die Geschöpfe in den Meeren, die so wohl verwaltet und versorgt werden, ganz offensichtlich, dass sie nur durch Deine Macht (quvvet), Deine Stärke (qudret), Deinen Willen (irade) und Deine Weisungen (tedbir), in Deinem Reich (mulk) Deinen Befehlen (emr) folgen. Sie bringen auf ihre eigene Weise (lisan-i hal) den Lobpreis (taqdis) ihres Schöpfers zum Ausdruck und rufen: "Allahu Ekber, Gott ist groß!"
Oh majestätischer Allmächtiger, der Du die Berge für
das Schiff der Erde als Masten voller Schätze {Schätze der Berge: Sind hier im weitesten nur möglichen Sinne zu verstehen, also nicht nur als Bodenschätze. Die Schätze der Berge sind auch alles, was auf den Bergen wächst und lebt: die Wälder und Felder, die Kräuter und Heilpflanzen, das Vieh und überhaupt alle Tiere. Ja, sogar die reine Luft ist ein Schatz der Berge. (A.d.Ü.)} errichtet hast! Unterrichtet durch den höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und belehrt durch den Weisen Qur'an verstand ich: So, wie die Meere Dich erkennen und zu erkennen geben, genauso erkennen und verkünden Dich auch die Berge, die dazu dienen, das Land vor der Überflutung der Meere zu schützen, die Luft von den giftigen Gasen zu reinigen und das Wasser zu halten und zu speichern, und die den Lebewesen als Schatzmeister der notwendigen Mineralien dienen.
Es gibt keine von den Arten der Steine auf den Bergen, von den Sorten der Stoffe, die für verschiedene Krankheiten als Heilmittel gebraucht werden, von all den verschiedenen Mineralien, die für die Lebewesen, besonders für die Menschen so notwendig sind, von den Pflanzenarten, die die Berge und die Wüsten mit ihren Blumen und Blüten verzieren und mit ihren Früchten beleben - die durch ihre Zweckmäßigkeit und ihre Wohlgeordnetheit, die keineswegs einem Zufall zugeschrieben werden kann, durch ihre schöne Beschaffenheit, durch ihre Nützlichkeit, besonders der Mineralien wie Salz, und Alaun und Kristallen wie Zitronensäure und Chininsulfat, die zwar ähnlich aussehen, deren Geschmack sich aber stark voneinander unterscheiden, und besonders durch die Pflanzen, die aus gewöhnlicher Erde die verschiedensten Arten von Blüten und Früchten hervorbringen - nicht den Absolut-Allmächtigen, Allweisen, Allbarmherzigen und freigiebigen Meister und die Notwendigkeit Seiner Existenz offensichtlich bezeugen. Mit ihrer Gemeinsamkeit, durch ihre gleiche Verwaltung, gleiche Regeln
und durch die Gemeinsamkeit ihrer Quelle, ihrer Wohnstatt, ihrer Erschaffung und ihrer Gestaltung, durch ihre Einheit, ihre Preiswürdigkeit, ihre einfache Art, ihre Vielzahl und durch ihr schnelles Entstehen bezeugen sie die Einheit und Allgegenwart ihres Meisters.
So, wie die Geschöpfe, die auf der Oberfläche und im Innern der Berge - überall auf der Erde - zu finden sind, und jede Spezies von ihnen in gleicher Zeit, auf gleiche Art und Weise, ohne Fehler, überaus perfekt und schnell, ohne irgendwelche Verwechslung - obwohl sie mit verschiedenen anderen Arten vermischt waren - hervorgebracht werden, wobei eine Arbeit die andere nicht behindert, die Majestät Deiner Herrschaft und die gewaltige Größe Deiner Macht, der nichts zu schwer fällt, zeigen, so zeigen auch die Berge, deren Oberfläche mit wohlgeordneten Bäumen und Pflanzen, und deren Inneres mit Mineralien gefüllt ist, wie sie auf der ganzen Erde die zahllosen Bedürfnisse alles Lebendigen befriedigen, deren verschiedensten Krankheiten, ja sogar ihren unterschiedlichen Sinnen und Empfindungen dienlich sind, und den Bedürftigen zur Verfügung stehen, die unendliche Weite Deiner Barmherzigkeit und den grenzenlosen Umfang Deiner Herrschaft. Die Mineralien, die im Dunkel der Erde verborgen und vermischt waren, wurden durch den Allwissenden und Allsehenden, ohne Verwechslung, wohlgeordnet, den Bedürfnissen entsprechend bereit gestellt, wodurch man den Umfang Seines auf alles bezogenen Wissens, und Seine alles umfassende und jedes Ding ordnende Weisheit - durch die Anfertigung der Heilmittel und durch die Speicherung der Bodenschätze - die Schönheit der barmherzigen und freigiebigen Verwaltung Seiner Herrschaft und die vorsorgliche Feinheit Seiner Güte in aller Klarheit erkennt.
Diese riesigen Berge, die für die durchreisenden Gäste in dieser Herberge "Erde" als wohlgeordnete Versorgungslager für ihre Bedürfnisse in der Gegenwart und in der Zukunft, als Gerätelager und perfekte Magazine vieler
Bodenschätze, die für das Leben notwendig sind, dienen, sind Hinweise, vielmehr Beweise, sogar Zeugnisse dafür, dass der Meister, der so freigiebig, gastfreundlich und so weise und zärtlich, so mächtig ist und Seine Herrschaft mit so viel liebender Sorgfalt ausübt, mit Sicherheit über ewige Schatzkammern mit ewigen Geschenken in einer ewigen Welt für die Gäste verfügt, die Er liebt. Anstelle der Berge hier (auf Erden) versehen dort (im Jenseits) die Sterne dieselbe Aufgabe.
Oh Du, der Du über alles mächtig bist! Die Berge sind Speicher in Deinem Reich, und was in ihnen ist, steht durch Deine Macht und Stärke, durch Dein Wissen und Deine Weisheit zur Verfügung. Sie loben und preisen den Schöpfer, der sie in dieser Weise beauftragt hat und zur Verfügung hält.
Oh barmherziger Schöpfer! Oh gütiger Herr! Unterrichtet durch den höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und belehrt durch den Qur'an habe ich verstanden: So, wie das All und die Himmel, Erde, Meere und Berge mit dem, woraus sie bestehen und mit ihren Geschöpfen Dich erkennen und zu erkennen geben, so geben alle Bäume und Pflanzen, mit ihren Blättern, Blüten und Früchten Dich im Grade der Offensichtlichkeit zu erkennen und erkennen Dich. So, wie alle Bäume und Pflanzen mit allen ihren Blättern, die sich im Gottesgedenken ekstatisch bewegen, mit allen ihren Blüten, die durch ihre Ausschmückung die Namen ihres Meisters beschreiben und bekannt geben, mit allen ihren schönen und guten Früchten, die in Seiner barmherzigen Erscheinung lächeln, und deren Wohlordnung wunderbaren künstlerischen Aufbaus, die keineswegs dem Zufall zuzuschreiben ist, deren wohlgeordnete Ausgewogenheit, ihre wohlausgewogene Ausstattung, deren verzierte Ornamente, deren verschiedene, schöne Düfte und deren verschiedene Geschmacksarten für die Notwendigkeit der Existenz des unendlich barmherzigen und freigiebigen Meisters im Grade der Offensichtlichkeit Zeugnis ablegen,
so legen sie alle gemeinsam durch ihre Einheit und Zusammengehörigkeit auf der ganzen Erde, durch die Ähnlichkeit des Siegels ihrer Erschaffung, durch die Verbundenheit in ihrer Lenkung und Leitung, durch die Entsprechung der Umstände und des Ablaufs ihres Wachstums und durch die Entsprechung der auf sie bezogenen Namen des Herrn und durch die Verwaltung der zahllosen Einzelnen dieser hunderttausend Arten gleichzeitig ohne Verwechslung, obwohl sie miteinander vermischt sind, für die Einheit und Allgegenwart des Meisters, der notwendigerweise da sein muss, ein klares Zeugnis ab.
Wie sie für die Notwendigkeit Deiner Existenz und für Deine Allgegenwart Zeugnis ablegen, so zeigen zahllose Einzelne in dem Heer der Lebewesen auf der Erde, das aus vierhunderttausend Völkern besteht, welche auf Hunderttausende Arten und Weisen ohne Verwechslung und ohne Fehler ernährt und versorgt werden, die majestätische Größe Deiner allgegenwärtigen Herrschaft und die gewaltige Größe Deiner Macht, die einen Frühling in der Leichtigkeit einer Blume erschafft, und ihre Verbundenheit mit allem Sein. Des Weiteren zeigen sie die grenzenlose Weite Deiner Barmherzigkeit, die den zahllosen Tieren und Menschen überall auf der riesigen Erde verschiedenste Sorten zahllos vieler Speisen zur Verfügung stellt, und den grenzenlosen Umfang Deiner Herrschaft, die diese zahllos vielen Arbeiten vollbringt, Gaben verteilt, alle versorgt und alle ernährt, die Ihre Vorhaben bestens durchführt und deren Plänen und Ausführungen alles, sogar die Atome Gehorsam leisten und sich unterwerfen. Diese Bäume und Pflanzen, deren jedes Blatt, jede Blüte, jede Frucht, jede Wurzel, jeder Ast und jeder Zweig mit allem, was sie betrifft und wessen sie bedürfen, zeigen ganz offensichtlich, dass Dein Wissen alles umfasst und Deine Weisheit alles umschließt, und weisen mit zahllos vielen Fingern darauf hin - sie loben und preisen die Schönheit Deiner überaus vollkommenen Kunstfertigkeit und die Vollkommenheit Deiner überaus schönen Gaben
mit zahllosen Zungen. Diese so wertvollen Gaben und Geschenke, der außerordentlich hohe Wert der gemachten Aufwendungen und der erwiesenen Gastfreundschaft, durch die Hände der Bäume un نهflanzen in dieser vorübergehenden Herberge, in diesem vergänglichen Gasthaus in wenig Zeit, einer nur kurzen Spanne, weisen darauf hin, ja legen vielmehr Zeugnis dafür ab, dass der barmherzige Herr, der Seinen Gästen hier so sehr Seine Güte erweist, sich nach all Seinen umfangreichen Ausgaben und zahlreichen Geschenken, durch die Er Seine Liebe zeigen und unter Beweis stellen möchte, nicht entgegengesetzt verhalten wird. Das heißt: damit die Geschöpfe nicht sagen könnten: "Er ließ es uns schmecken und machte dann mit uns ein Ende, bevor wir noch zu Ende gegessen hatten." und damit das Königreich Seiner Gottheit für sie nicht zusammenbricht, Er Seine grenzenlose Barmherzigkeit nicht verleugnet und nicht verleugnen lässt und damit alle Seine Freunde, die nach Ihm sehnsüchtig verlangen, durch Entsagung nicht zu Feinden werden, denen Er in einem ewigen Land, in einer ewigen Welt einen ewigen Aufenthalt gewährt, weshalb Er aus den ewig bestehenden Schatzkammern Seiner Barmherzigkeit in Seinen ewigen Paradiesen Frucht tragende Bäume und Blüten tragende Pflanzen, wie sie der Ewigkeit und dem Paradies würdig sind, bereit hält. Die aber, die hier zu sehen sind, sind nur Musterbeispiele, die den Kunden vorgeführt werden.
So, wie die Bäume und andere Pflanzen Dich mit all ihren Blättern, Blüten und Früchten - als ihren Worten - loben, preisen und Dir danken, so lobt dich auch ein jedes (von diesen Worten) besonders. Die unausgesprochenen Lobpreisungen, die durch ihre Taten, besonders durch ihre Früchte, die in einzigartigen Formen, mit sehr unterschiedlichem Fruchtfleisch, mit überaus bewunderungswürdiger Kunstfertigkeit, mit außergewöhnlich wunderbaren Kernen gemacht, und als Speisetafeln in die Hände der Bäume und auf die Häupter der Pflanzen gelegt und
zu Seinen lebendigen Gästen gesandt werden, steigern sich zur Deutlichkeit eines gesprochenen Wortes. Sie alle stehen in Deinem Reich, durch Deine Kraft und Macht, mit Deinem Willen und Deinen Gaben, durch Deine Barmherzigkeit und Weisheit im Dienst und sind jedem Deiner Befehle gehorsam.
Oh allweiser Meister, der Du im Glanz Deiner gewaltigen Ausstrahlung verborgen bist! Oh Du allbarmherziger Schöpfer, der Du auf Grund Deiner gewaltigen Größe unsichtbar bist! Mit den Sprachen und der Anzahl aller Bäume und aller Pflanzen, aller Blätter, Blüten und Früchte heilige ich Dich über jeglichen Fehlern und Schwächen und allem, was sie Dir beigesellen, lobe und preise Dich.
Oh allmächtiger Schöpfer! Oh allweiser Lenker und Leiter! Oh allbarmherziger Erzieher! Unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und belehrt durch den Weisen Qur'an verstand und bekenne ich: So, wie die Pflanzen und Bäume Dich kennen und Deine heiligen Eigenschaften und Deine schönen Namen bekannt geben, so gibt es keinen unter den Menschen und den Tieren, die zu den beseelten, (fühlenden) Lebewesen gehören, der nicht durch innere und äußere Organe, die überaus wohlgeordnet in seinem Körper wie ein Uhrwerk gehen und angetrieben werden, durch Sinnesorgane und Empfindungen, die in seinem Leib mit einer überaus feinen Ordnung, mit einer hochempfindlichen Ausgewogenheit angelegt sind, und der nicht auf Grund seiner weisheitsgemäßen Ausstattung und der überaus feinen Ausgewogenheit seiner Glieder für die Notwendigkeit Deiner Existenz und für die Wahrheit Deiner Eigenschaften Zeugnis ablegt. Denn: bei einem so hochempfindlichen Kunstwerk, das nur das Werk eines Sehenden sein kann, einer so klarsichtigen Weisheit, die ein Bewusstsein voraussetzt, und einer so vollkommenen Ausgewogenheit, die gründliche Planung voraussetzt, können sicherlich blinde Kräfte, die unbewusste Natur und ein planloser Zufall nicht ihre Hände im Spiel
gehabt haben. Es kann nicht ihr Werk sein und ist nicht möglich. Und aus sich selbst heraus zu entstehen und diese Formen anzunehmen, ist auch eine hundertfache Unmöglichkeit in einer Unmöglichkeit. Denn, in diesem Fall müsste jedes Atom ein so umfassendes Wissen und eine so umfangreiche Macht wie Gott besitzen, um alles, ja sogar die Entstehung unseres Körpers, selbst alles in der Welt, mit dem es in Kontakt kommt, kennen, erkennen und zu Stande bringen können. Dann könnte man die Entstehung des Körpers auf es zurückführen und sagen, dass er aus sich selbst entstanden sei. Unter den Sachverhalten, wie dem einer einheitlichen Planung in ihrer Gesamtheit, einer einheitlichen Lenkung und Leitung, der Einheit ihrer Arten und Gattungen und der einheitlichen Prägung bei ihrer Erschaffung, die aus der Übereinstimmung der Sinnesorgane in den Gesichtern aller, wie Auge, Ohr und Mund ersichtlich ist, die ein einheitliches Siegel der Weisheit, das sich in jedem einzelnen Gesicht jeder einzelnen Art erkennen lässt, und dem der Gleichheit bei der Versorgung und der Erschaffung und eines gemeinsamen Miteinanderlebens, gibt es keinen, der nicht für Deine Einheit und Allgegenwart ein sicheres Zeugnis ablegt. Es gibt kein einziges (Zeugnis) von ihnen, in dem sich die Erscheinungen aller Namen, die sich auf den ganzen Kosmos beziehen, finden, das für sich allein kein Zeichen für die Einheit Deiner Allgegenwart setzen könnte.
So, wie die Menschen mit den Tieren, die auf der ganzen Erdoberfläche in hunderttausend Arten verbreitet, wie ein wohlgeordnetes Heer ausgerüstet und Anordnungen unterstellt sind, Gehorsam leisten und in Dienst stehen, vom Kleinsten bis zum Größten von ihnen, unter denen die Befehle der Herrschaft wohlgeordnet fließen, die majestätische Größe Deiner Herrschaft zeigen, und ihre Erschaffung - die trotz ihrer großen Vielzahl sehr wertvoll, trotz ihres überaus schnellen Zustandekommens vollkommen einwandfrei und trotz ihrer kunstvollen Ausstattung dennoch sehr leicht verläuft - die gewaltige Größe
Deiner Macht beweisen, so beweisen sie ganz deutlich auch den grenzenlosen Umfang Deiner Barmherzigkeit, die zu allen, von einer Mikrobe bis zum Nashorn, von der kleinsten Fliege bis zum größten Vogel überall, vom Osten bis zum Westen, vom Norden bis zum Süden, alle ihre Nahrung erreichen lässt, und die unendliche Weite Deiner Herrschaft, die jeden wie einen dienstbereiten Soldaten seinen natürlichen Aufgaben nachgehen lässt und die Erdoberfläche für das Heer der Neurekrutierten, anstelle der im Herbst Entlassenen, in jedem Frühling zu einem Heerlager macht.
So, wie jedes der Tiere, die als kleine Muster und verkleinerte Beispiele dieses Kosmos mit einem überaus tiefen Wissen und mit einer überaus feinsinnigen Weisheit, ohne ihre Organe miteinander zu vermischen oder zu verwechseln, in voneinander verschiedenen Formen, ohne eine Verwechslung, ohne einen Mangel, ohne einen Makel gebildet werden, dafür so viele Zeichen wie ihre Zahl setzen, dass Dein Wissen alles umfasst und Deine Weisheit über allem steht, so verweisen sie, indem jedes von ihnen als ein wunderbares Kunststück und als das Werk einer wunderbaren Weisheit kunstvoll und schön gemacht wird, auch auf die überaus vollkommene Schönheit der Kunstfertigkeit Deiner Herrschaft hin, die Du liebst und ausstellen möchtest. Alle, besonders die Jungtiere, die überaus zärtlich und fürsorglich ernährt und deren Launen und Wünsche befriedigt werden, erbringen grenzenlos viele Hinweise für die überaus anmutige Schönheit Deiner Güte.
Oh barmherziger Erbarmer! Oh Du Vertrauter, der Sein Versprechen hält! Oh Herr des Gerichtstages! Unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und gelehrt durch Deinen Weisen Qur'an verstand ich: Das erlesenste Ergebnis des Kosmos ist das Leben. Der erlesenste Extrakt des Lebens ist der Geist. Die erlesensten unter den Geisttragenden, sind diejenigen, die Bewusstsein haben. Der
Vielseitigste unter den Bewusstseintragenden ist der Mensch. Der ganze Kosmos steht aber im Dienst des Lebens und arbeitet dafür. Die Lebewesen stehen denjenigen, die Geist besitzen, zu Diensten und helfen ihnen. Die Menschen lieben von ihrem Wesen her den Schöpfer innig und aufrichtig. Auch der Schöpfer liebt sie und versucht ihnen bei jeder Gelegenheit Seine Liebe zu erweisen. Die Begabungen des Menschen und seine geistigen Anlagen beziehen sich auf eine andere, ewig bestehende Welt und auf ein ewig dauerndes Leben. Das Herz des Menschen und sein Bewusstsein verlangt mit aller Kraft nach ewigem Bestehen. Seine Zunge bittet den Schöpfer mit zahllosen Gebeten um ewiges Bleiben. Mit Sicherheit und auf gar keinen Fall kann wahr sein und wäre es möglich, diese Menschen, die Ihn sehr lieben und von Ihm geliebt werden, die Liebende und Geliebte sind, dem Tod auszuliefern, ohne sie wiederzubeleben, und sie dadurch zu kränken und zu einer ewigen Feindschaft zu veranlassen, wo sie doch für eine ewige Liebe geschaffen sind. Vielmehr ist er zu dieser Welt gesandt worden, sich hier anzustrengen für ein glückliches Leben in einer anderen ewigen Welt und es zu gewinnen. Die Namen Gottes, die in dem Menschen erscheinen, weisen durch ihre Ausstrahlung in diesem vergänglichen und kurzen Leben darauf hin, dass die Menschen, die ihnen als Spiegel dienen, in der ewig bestehenden Welt deren bleibende Manifestationen erleben werden.
In der Tat wird der treue Freund des Ewigbestehenden für ewig bestehen und der bewusstseinstragende Spiegel des Beständigen muss beständig bleiben.
Dass die Seelen der Tiere für ewig bestehen werden, und dass einige bestimmte Tiere wie der Wiedehopf des Propheten Salomo, mit dem Friede sei, und seine Ameise, die Kamelstute des Propheten Salih, mit dem Friede sei, sowohl mit ihrer Seele als auch mit ihrem Leib in die ewige Welt gehen, und dass jede Tiergattung einen einzigen Leib besitzen wird, den sie ab und zu gebrauchen,
geht aus einer zuverlässigen Überlieferung von dem Propheten hervor, was auch die Weisheit (Gottes), Seine Wahrheit, Seine Barmherzigkeit und Seine Herrschaft erfordern.
Oh Du Allmächtiger, unser unwandelbarer Halt! Alle, die da lebendig sind, eine Seele haben und über Bewusstsein verfügen, sind in Deinem Reich, nur durch Deine Kraft und Deine Macht und allein durch Deinen Willen und Deine Maßnahmen und durch Deine Barmherzigkeit und Deine Weisheit den Befehlen Deiner Herrschaft unterworfen und durch naturgegebene Dienste verpflichtet. Ein Teil von ihnen steht im Dienst des Menschen, nur durch Deine Barmherzigkeit, nicht wegen seiner Kraft und seiner Überlegenheit, sondern wegen seiner angeborenen Schwäche und Ohnmacht. Jede Gattung verrichtet ihr spezielles Gebet, indem sie auf ihre eigene Art und mit ihren eigenen Worten den Schöpfer und Angebeteten preist, Ihn über allen Fehlern und über allem, was sie Ihm beigesellen heiligt, Ihm für Seine Gaben dankt und Ihn lobt.
Oh, allheiliger Herr, der Du im Glanz Deiner gewaltigen Ausstrahlung verborgen und auf Grund Deiner Größe unsichtbar bist! Mit der Absicht, Dich mit der Lobpreisung aller Beseelten zu heiligen, rufe ich:
{"Gepriesen seist Du, Oh Du, der Du jedes Ding durch das Wasser lebendig gemacht hast!"}
Oh Du Herr der Welten! Oh Du Gott der Ersten und der Letzten! Oh Du Herr der Himmel und der Erde! Unterrichtet durch den höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und belehrt durch den Weisen Qur'an habe ich verstanden und bin zur Überzeugung gelangt: So, wie der Himmel, das Weltall, die Erde, Land und Meer, Bäume, Pflanzen und Tiere mit ihrer Gesamtheit, mit ihren Gliedern und mit ihren Zellen Dich kennen, bekannt geben und Deine Existenz und Deine Einheit bezeugen,
beweisen und darauf hinweisen, genauso bezeugen die Lebewesen die ein Auszug des Kosmos sind, die Propheten, die Heiligen und die Theologen, welche die Erwählten unter den Menschen sind, und ihr Herz und ihr Verstand, die aus ihnen geläutert sind, anhand ihrer Beobachtungen, ihrer geistigen Entdeckungen, ihrer Inspirationen und ihrer Erkenntnisse mit einer Sicherheit in der Kraft von Hunderten Folgerungen und Hunderten Übereinstimmungen der konkreten Kenntnisse die Notwendigkeit Deiner Existenz, Deine Einheit und Deine Allgegenwart und geben uns Kunde davon. Die Propheten und die Gottesfreunde beweisen diese Kunde durch ihre Wunder, die Theologen durch ihre Gewissheit.
In der Tat gibt es in den Herzen überhaupt keine Erinnerung aus dem Verborgenen, die auf einen Herrn hinter dem unsichtbaren Schleier hinweist, keine echte Inspiration, die uns auf einen, der sie eingibt, lenkt, keine Gewissheit, die in Form einer wahrhaftigen Gewissheit Deine heiligen Eigenschaften und Deine Schönen Namen enthüllt, keinen Propheten und keinen Gottesfreund, der mit seinem lichtvollen Herzen die Lichter dessen, der notwendigerweise da sein muss, mit augenscheinlicher Gewissheit betrachtet, keinen Reinen und keinen Getreuen, der mit seinem erleuchteten Verstand die Zeichen der Notwendigkeit dessen, der alle Dinge erschafft, und die Zeugnisse Seiner allgegenwärtigen Einheit mit einer wissenschaftlichen Gewissheit bestätigt und beweist, welche die Notwendigkeit Deiner Existenz, Deine heiligen Eigenschaften, Deine Allgegenwart, Deine Einheit und Deine Schönen Namen nicht bezeugen, sie uns nicht zeigen und nicht auf sie hinweisen. Besonders unter den eindeutigen Wundern des höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, dem Vorbeter, Führer und Erwählten unter allen Propheten, Heiligen, Theologen und Getreuen, und von den Versen über die Einheit Gottes und von den heiligen Fragestellungen über die Glaubensfragen im Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder
ist, der die konzentrierte Zusammenfassung all der heiligen Bücher ist, welche die Wahrheit lehren, gibt es keine, die die Notwendigkeit Deiner Existenz, Deine heiligen Eigenschaften, Deine Allgegenwart, Deine Einheit und Deine Namen nicht bezeugen, nicht zeigen und auf sie nicht hinweisen.
So, wie alle diese Hunderttausenden zuverlässigen Berichterstatter auf Grund ihrer Wunder und Zeugnisse Deine Existenz und Deine Einheit bezeugen, genauso machen sie die Größe Deiner Herrschaft, die die allumfassenden Angelegenheiten Deines gewaltigen Thrones verwaltet, alle Erinnerungen, Wünsche und Gebete des Herzens, bis zu den Verborgensten und Einfachsten kennt, sie hört und ihnen nachgeht, und die gewaltige Größe Deiner Macht, die zahllos verschiedene Dinge vor unseren Augen gleichzeitig erschafft, und auch das größte Ding genauso leicht wie eine Mücke zu Stande bringt, ohne dass eine Tat eine andere Tat, eine Arbeit eine andere Arbeit behindert, übereinstimmend und gemeinsam bekannt, verkünden und beweisen sie.
So, wie sie außerdem den grenzenlosen Umfang Deiner Barmherzigkeit, die diesen Kosmos für die beseelten Wesen, besonders für die Menschen zu einem vollkommenen Schloss macht, das Paradies und die ewige Glückseligkeit für Menschen und Dschinnen vorbereitet, selbst das kleinste Lebewesen nicht vergisst und sich bemüht, selbst noch das schwächste Herz zu befriedigen und zu erfreuen, und die unendliche Weite Deiner Herrschaft, der alle Arten von Schöpfungen, angefangen von einem Atom bis zu den Planeten, ihren Befehlen Gehorsam leisten, die sie unterwirft und in den Dienst stellt, verkünden und anhand ihrer Wunder und Zeugnisse beweisen, genauso bezeugen sie übereinstimmend und gemeinsam, dass Dein Wissen, das den Kosmos zu einem großen Buch gemacht hat, dessen Abhandlungen ebenso zahlreich sind wie seine Teile, das den Lebenslauf alles dessen, was da ist, in dem "deutlichen Vorbild" (das
Buch der Planungen) und in dem "deutlichen Buch" (das Buch der Ergebnisse) von den Büchern der "wohlverwahrten Tafel" überträgt, und das Inhaltsverzeichnis aller Bäume und ihre Programme in den Kernen und in den Lebenslauf jedes einzelnen Bewusstseintragenden in seinem Gedächtnis ohne Fehler geordnet einträgt, alles umfasst, und dass Deine Heilige Weisheit, die mit allem, was da ist, so viele nutzbringende Funktionen verbindet, sogar einen Baum entsprechend der Zahl seiner Früchte ebenso viele Ergebnisse hervorbringen lässt; die in jedem Lebewesen so viele Ziele verfolgt, wie es Glieder, Organe und Zellen hat, sogar der Zunge des Menschen so viele Aufgaben gegeben und sie mit ebenso vielen Geschmacksempfindungen, gleich kleinen Messinstrumenten, ausgestattet hat wie die Speisen Geschmacksnuancen haben, alles mit einschließt; dass sich die Erscheinungen Deiner majestätischen und anmutigen Namen, deren Beispiele wir in dieser Welt sehen, in der Ewigkeit in einer noch glänzenderen Form fortsetzen, dass Deine Gaben, deren Beispiele wir in dieser vergänglichen Welt betrachten, an dem Ort der Glückseligkeit in einer noch prunkvolleren Form ewig bestehen und weiter existieren; und dass diejenigen, welche sie in dieser Welt gesehen und so sehnsüchtig nach ihnen verlangt hatten, ihnen auch in der Ewigkeit wieder begegnen und sich mit ihnen zusammenfinden werden, dies alles zeigen uns die Propheten und verweisen darauf.
Vor allem verkündet Dein höchst ehrenwerter Gesandter, mit dem Friede und Segen sei, auf Grund hunderter seiner eindeutigen Wunder, mit Deinem Weisen Qur'an, gestützt auf hunderte seiner zuverlässigen Ayat, verkündigen alle Propheten durch ihren lichtsprühenden Geist, alle Gottesfreunde (Heiligen) aus ihrem erleuchteten Herzen und alle Theologen mit ihrem erleuchteten Verstand verkünden auf Grund Deiner in den heiligen Blättern und Büchern so oft wiederholten Versprechungen und Drohungen, vertrauend auf Deine heiligen Namen und Eigenschaften
wie auf Deine Macht, Barmherzigkeit, Güte, Weisheit, Majestät und Schönheit, auf Deine majestätische Würde und auf das Königreich Deiner Herrschaft, anhand ihrer geistigen Entdeckungen, ihrer Visionen und ihrer wissenschaftlich fundierten Sicherheit, die ewige Glückseligkeit den Menschen und den Dschinnen. Sie tun kund, dass es für die Leute des Irrweges eine Hölle gibt, machen es öffentlich bekannt, bekennen und bezeugen es.
Oh Allweiser, Allmächtiger! Oh Erbarmer und Barmherziger! Oh Freigiebiger, der Sein Versprechen hält! Oh zorniger Herr voll Würde, Größe und Majestät! Du bist hunderttausendfach heilig über jedweder Bestätigung der Leute des Irrweges und des Unglaubens, die so viele Deiner Namen und Eigenschaften, so viele Deiner treuen Freunde der Lüge bezichtigen, so viele Deiner Versprechungen bestreiten, die Herrschaft Deines Königreiches als nicht erforderlich kategorisch ablehnen, die zahllosen Gebete und Anrufungen Deiner zahllosen geschätzten Diener, die Du liebst und die sich dadurch, dass sie Dich anerkennen und Dir ihren Gehorsam leisten, darum bemühen, von Dir geliebt zu werden, zurückweisen, die durch ihren Unglauben, ihre Empörung und indem sie Dein Versprechen für eine Lüge halten, Deine majestätische Größe und Würde und die Ehre Deiner Gottheit angreifen und die Liebe Deiner Herrschaft herabwürdigen, und ihrer Verleugnung der Auferstehung am Jüngsten Tag! Du bist grenzenlos hoch und erhaben! Ich bekenne, dass Deine grenzenlose Gerechtigkeit, Deine Schönheit und Deine Barmherzigkeit heilig ist und frei von einer solch unendlichen Ungerechtigkeit und Hässlichkeit! Die Ayah
{"Gelobt sei Er und erhaben über das, was sie sagen, gepriesen ist Er, hocherhaben und groß!" (Sure 17, 43)}
möchte ich nach der Anzahl der Zellen meines Körpers sagen! Alle diese Deine treuen Botschafter und aufrichtigen öffentlichen Ausrufer Deines Königreiches bezeugen mit wahrhaftiger Gewissheit, mit augenscheinlicher Gewissheit und mit wissenschaftlich fundierter Gewissheit die Schätze Deiner Barmherzigkeit im Jenseits, die Fundgruben Deiner Gaben in der ewigen Welt und die wunderschönen Erscheinungen Deiner Schönen Namen, die in der ewigen Glückseligkeit vollständig hervortreten, weisen auf sie hin und geben von ihnen frohe Kunde. Sie bekennen, dass der große Strahl Deines Namens "Al-Haqq, der Wahre", der die Quelle, die Sonne und der Hort aller Wahrheiten ist, die Wahrheit der größten Wiederversammlung am Jüngsten Tag ist, und lehren es Deinen Dienern.
Oh Herr der Propheten und der Getreuen! Alle diese (Propheten...) stehen in Deinem Reich, unter Deinem Befehl, in Deiner Macht, durch Deinen Willen und entsprechend Deiner Führung, durch Dein Wissen und Deine Weisheit im Dienst und versehen ihre Aufgaben. Sie machen die Erdkugel durch ihre Anrufungen Deiner Heiligkeit und Deiner Größe, durch ihren Lobpreis und ihr Zeugnis (La ilaha illa'llah) zu einem gewaltig großen Gedenkhaus (dhikr) und die Schöpfung zur großen Moschee.
Oh Herr, der Du über mich und über die Himmel und die Erde verfügst! Oh Schöpfer, der Du mich und alle Dinge geschaffen hast! Um Deiner Macht, die die Himmel mit ihren Sternen, die Erde mit allem, was zu ihr gehört, und alle Geschöpfe mit all ihren Eigenschaften unterwirft, um Deines Willens, Deiner Weisheit, Deiner Herrschaft und Deiner Barmherzigkeit willen, lass mich meine Begierde (nefs) beherrschen! Und lass mich meine Wünsche beherrschen! Für den Dienst an Qur'an und Glaube lass die Risale-i Nur die Herzen der Menschen beherrschen! Gib mir und meinen Mitbrüdern einen vollkommenen Glauben und ein gutes Ende. So, wie Du den Propheten Moses,
mit dem Friede sei, das Meer, den Propheten Abraham, mit dem Friede sei, das Feuer, den Propheten David, mit dem Friede sei, den Berg und das Eisen, den Propheten Salomo, mit dem Friede sei, die Menschen und Dschinnen, und den Propheten Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, die Sonne und den Mond hast beherrschen lassen, so lass nun auch die Risale-i Nur unsere Herzen und unseren Verstand beherrschen! Bewahre mich und die Schüler der Risale-i Nur vor dem Übel der Begierde und des Teufels, vor der Qual im Grab und vor dem Höllenfeuer und gib uns die ewige Glückseligkeit in den Gärten des Paradieses! Amin, amin, amin.
{"Gepriesen seist Du! Kein Wissen haben wir, außer dem, was du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Und der Schluss unseres Gebetes sei: 'Aller Lobpreis und Dank gebührt Allah, dem Herrn der Welten!'" (Sure 10, 10)}
Wenn ich mit diesem Unterricht, den ich den Bittgebeten des Propheten aus dem Qur'an und aus dem Djaushanul'Kebir (Anrufung der Namen Gottes) entnommen habe und als ein Gebet durch Nachdenken vor der Schwelle des barmherzigen Herrn darbringe, Fehler begangen habe, so bitte ich Seine Barmherzigkeit um Verzeihung, indem ich den Qur'an und das Djaushanu-l'Kebir mir zum Fürsprecher anbiete.
Fünfter Abschnitt
Der Kreis, in dem sich die Risale-i Nur (in Abschriften) ausbreitet (und die Herzen ihrer Leser) erobert, wächst langsam... und (die Zahl derer) die sie mit Begeisterung lesen wird von Tag zu Tag größer. Die heimlichen Feinde des Islam, welche die außergewöhnliche Kraft (quvvet) der Risale-i Nur und deren Früchte beobachten können, schmieden wieder ihre bösartigen Intrigen gegen die Risale-i Nur und ihre Verfasser und behaupten, Bediüzzaman wolle eine Geheimorganisation begründen, das Volk gegen die Regierung aufhetzen, die Reformen (die Kemal Mustafa Pasha eingeführt hatte) mit der Wurzel wieder ausreißen und nenne Mustafa Kemal einen Deddjal, einen Sufyan, {ein falscher, islamischer Messias} der die Religion (din) abschaffen will. Und das alles wolle er mit entsprechenden Hadithen belegen. So sammelten sie eine große Anzahl von Verdächtigungen und Beschuldigungen gegen ihn, schmiedeten ihre Ränke und brachten (Ustadh) vom Gefängnis in Kastamonu ins Zuchthaus zu Denizli, wohin im Jahre 1943 auch hundertsechsundzwanzig seiner Schüler wie Schwerverbrecher eingeliefert wurden.
Danach sollten einige Beamte zusammen kommen,
um ein Komitee von Sachverständigen (ehl-i vukuf) zu bilden, das untersuchen sollte, ob sich in dem Gesamtwerk der Risale-i Nur etwa Themen fänden, die sich mit Politik beschäftigen. Als sie aber nun begannen die Abhandlungen (Nur Risale) und die Briefe zu untersuchen, die sie beschlagnahmt hatten, sagte Bediüzzaman: "Diese verständnislosen Sachverständigen (ehl-i vukuf) können die Risale-i Nur gar nicht untersuchen. Es sollte also besser in Ankara eine hohe Kommission von Sachverständigen (ehl-i vukuf) gebildet und es sollten dazu auch Philosophen aus Europa herbeigerufen werden. Sollten auch sie irgendeine Schuld entdecken, bin auch ich dazu bereit die schwerste Strafe (: die Todesstrafe) dafür auf mich zu nehmen." Daraufhin wurden das Risale-i Nur Gesamtwerk und alle Briefe in Ankara von einem Komitee von Sachverständigen (ehl-i vukuf), gebildet aus Professoren und hochangesehenen Gelehrten Zeile für Zeile ganz genau untersucht. Danach entschied das Komitee von Sachverständigen (ehl-i vukuf): "Bediüzzaman übt keinerlei politische Tätigkeit aus. Zu den von ihm verfolgten Zielen (meslek) gehört nicht die Organisation irgendwelcher Orden (tariqat) oder anderer Vereinigungen."
Seine Werke beschäftigen sich mit Wissenschaft und Glaube (ilm ve iman) und sind ein Kommentar (tefthir) zum Qur'an." Soweit also der diesbezügliche Bericht. Da alle diese Anschuldigungen, die dem Gericht vorgelegt worden waren, also ohne Zeugen aussagen und Beweise blieben, wird verständlich, dass sie nur aus einigen zusammengewürfelten Lügen, Ausreden und anderen dergleichen Machenschaften bestanden. Schließlich erfolgte am 16.6.1944 im Gerichtshof unter der Akten-Nr. 199/136 einstimmig der Freispruch. Die einhundertunddreißig Teile des Risale-i Nur Gesamtwerkes wurden frei und ihren Eigentümern vollständig zurück gegeben. Der Freispruch in dieser religiösen Angelegenheit wurde am 30.12.1944 vom Ersten Strafgerichtshofs einstimmig bestätigt. Damit wurde die Richtigkeit (haqqaniyet) der Botschaft (dava) der Risale-i Nur
zu einem unwiderruflichen Bestandteil dieses Gerichtsurteils.
So wurden denn Bediüzzaman Said Nursi und ein Teil seiner Schüler, nachdem sie neun Monate im Gefängnis verbracht hatten und danach frei gesprochen worden waren, wieder entlassen. Man hatte jedoch versucht, Said Nursi Hazretleri im Gefängnis zu vergiften, weshalb er (eine Zeitlang) in Lebensgefahr geschwebt hatte. Und wenn auch Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) in Seiner Gnade ihn daraus errettet hatte, so blieb er doch allen Schikanen, Ungerechtigkeiten und dem Verrat ausgesetzt. Gleich wie in allen vorausgegangenen Gerichtsverfahren, in welche die heimlichen gottlosen Heuchler ihn mit ihren Provokationen hineingezogen hatten, so zögerte Bediüzzaman (auch dieses Mal) nicht, bei diesem hochnotpeinlichen Gerichtsvefahren, das sie ihm durch ihre Ränkeschmiede aufgezwungen hatten, Recht und Gerechtigkeit (haqq ve haqiqat) laut und deutlich zu verkünden und dabei selbst den Tod für nichts zu erachten.
Im Gefängnis zu Denizli verfasste Ustadh Bediüzzaman die "Frucht-Abhandlung (Meyve Risalesi)". Diese Abhandlung wurde dann später bei der Herausgabe des "Stab Mosis (Asa-yi Musa) an den Anfang der Sammlung gestellt. Diese "Frucht-Abhandlung (Meyve Risalesi)" wurde an zwei Freitagen abgefasst. Alle Schüler der Risale-i Nur, die sich damals im Gefängnis befanden, und auch die übrigen Gefangenen schrieben die "Frucht-Abhandlung (Meyve Risalesi)" ab und beschäftigten sich dabei mit (dem Thema) der Wahrheit (haqiqat) in dieser Abhandlung (risalah). Man konnte jedoch kein Papier ins Gefängnis hineinbringen. So wurde denn dieses Werk im Geheimen geschrieben. Ja, man schrieb sogar auf Streichholzschachteln. So mussten wir denn unter dergleichen Umständen arbeiten.
Einige Abschnitte aus der Verteidigungsrede, die Bediüzzaman Said Nursi vor dem Gerichtshof in Denizli gehalten hat.
Wir sind in der Tat eine Vereinigung. Doch wir sind eine Vereinigung, die in jedem Jahrhundert ihre dreihundertundfünfzig Millionen Mitglieder hat. Jeden Tag verkündigen sie durch ihr fünfmaliges Gebet (namaz) in vollkommener Hingabe und Verehrung, ihre Verbundenheit und Dienstbereitschaft.
{"In der Tat sind alle Gläubigen Brüder." (Sure 49, 10)}
Mit diesem heiligen Programm beeilen sie sich mit ihren Gebeten (dua) und mit ihren spirituellen Verdiensten einander zu Hilfe zu eilen. So sind wir denn Mitglieder dieser heiligen, gewaltigen Vereinigung. Und es ist unsere ganz besondere Aufgabe, in kritisch betrachtender Form und auf eine untersuchende Weise den Leuten des Glaubens die Glaubenswahrheiten des Qur'an zu erklären und so zugleich uns und sie vor der ewigen Verdammnis und der immerwährenden Einzelhaft im Zwischenreich (berzah) zu erretten. Wir haben absolut keine Verbindung mit irgendeiner weltlichen oder politischen Verschwörung oder revolutionären Vereinigung, wie man es uns zu unterstellen versucht. Wir begeben uns nicht auf die Stufe irgendeiner solchen sinn- und bedeutungslosen geheimen Verbindung hinunter.
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Falls wir die Neigung hätten, uns in weltliche Dinge einzumischen, käme dies nicht dem Summen einer Fliege, sondern dem Donnerschlag einer Kanonenkugel gleich. Wenn ein Mann sich (also schon einmal) vor einem öffentlichen Kriegsgericht und später wegen des Zornes von Mustafa Kemal öffentlich vor dem Präsidiumsrat mit scharfen, ja geradezu aggressieven Worten verteidigt hat
und nun über ihn gesagt wird, er schmiede in dieser Welt (dunya) seit achtzehn Jahren Intrigen, ohne das jemals einen Menschen merken zu lassen, so darf man vermuten, dass der ihn solcher Art beschuldigt, mit Sicherheit in böser Absicht handelt. Doch sollte man in dieser Frage die Risale-i Nur weder wegen der Fehler meiner eigenen Person, noch der meiner Brüder angreifen! Denn sie ist unmittelbar mit dem Qur'an verbunden! Und der Qur'an ist wiederum mit dem Höchsten Thron (Arsh-i Adham) verbunden. Wer also dazu imstande ist, seine Hand bis dahin auszustrecken, möge diese machtvollen Bande lösen. Zudem ist die Risale-i Nur, auf deren Segen (bereket) und außergewöhnliche Dienste für das materielle wie geistige Wohl unseres Landes dreiunddreißig Ayat im Qur'an hinweisen, was auch Imam-i Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, durch drei wunderbare Voraussagen (keramat-i ghaybiye) und Ghaus-i Adham durch seine absolut zuverlässige Botschaft bestätigt hat, für unsere alltäglichen, persönlichen Fehler nicht verantwortlich, kann es nicht sein und darf nicht (für sie verantwortlich) gemacht werden! Andernfalls würde diesem Lande ein materieller wie auch geistiger Schaden entstehen, wie er nicht mehr wieder gut gemacht werden könnte.
Und möge Gott es wollen, dass die von einigen Gottlosen in Teufels Namen geschmiedeten Pläne und Angriffe gegen die Risale-i Nur unwirksam werden (insha-a'llah). Man kann die Schüler (der Risale-i Nur) nicht mit anderen vergleichen, man kann sie nicht spalten. Sie werden sich nicht von der Risale-i Nur trennen und mit der Gnade (inayet) Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq) nicht geschlagen werden. Hätte uns der Qur'an nicht verboten, uns mit materiellen Mitteln zu verteidigen, würden sich bei den Schülern (der Risale-i Nur), die doch
Fleisch und Blut dieses Volkes sind, sich überall dessen Beliebtheit erfreuen und auch überall anzutreffen sind, nicht solche kleinschaligen und ergebnislosen Zwischenfälle ereignen wie jene Ereignisse rund um Scheich Said oder in Menemen! Gott bewahre, wenn sie durch mancherlei Unrecht gequält unter Druck gerieten und die Risale-i Nur angegriffen wird! Mit Sicherheit würden die Gottlosen und die Heuchler, die die Regierung zu verführen suchen, es zu bereuen haben!
Kurzum: da wir nun einmal die Weltleute (ehl-i dunya) in ihren weltlichen Angelegenheit nicht stören, sollen sie auch uns nicht in den jenseitigen (akhiret) und in unserem Dienst am Glauben stören.
{"Im Namen dessen, der Gepriesen sei."}
Hohes Gericht, meine Herren!
Lassen Sie mich Ihnen mitteilen und ich will ihnen versichern: Außer den Herrschaften hier, die überhaupt keine oder kaum eine Beziehung zur Risale-i Nur haben, gibt es so viele aufrechte Brüder und sind so viele wahrhaftige Freunde mit uns auf dem Wege der Wahrheit (haqiqat), wie Sie sich nur vorstellen können. (Durch das Studium) der Risale-i Nur sind wir mit der Sicherheit, dass zwei mal zwei vier ist, zu der unerschütterlichen Gewissheit gelangt, dass der Tod nach dem Geheimnis des Qur'an die Umwandlung einer Verurteilung zum ewigen Tode in eine Entlassung ist, während für diejenigen, welche unsere Gegner sind und in die Irre gehen, der sichere Tod entweder eine Verurteilung zum ewigen Tode ist (wenn sie keinen festen Glauben an das Jenseits haben), oder eine ewige
Dunkelhaft für jeden Einzelnen (wenn er zwar an das Jenseits geglaubt, aber dennoch ein Leben in Ausschweifung und Irreleitung geführt hat). Ja könnte es denn für die Menschen in dieser Welt (dunya) eine größere und bedeutendere Sorge geben, als diese, sodass sie diese als einen Vorwand benutzen könnten? Das frage ich Sie! Da es eine solche nicht gibt und nicht geben kann, (frage ich Sie:) warum belästigen Sie uns dann eigentlich? Im Angesichte einer hochnotpeinlichen Bestrafung erwarten wir in vollkommener innerer Festigkeit, unsere Entlassungspapiere in Empfang zu nehmen, um in eine Welt des Lichtes hinüber zu gehen. Doch wissen wir mit der Sicherheit eines Augenzeugen, dass diejenigen, die uns bezichtigen und uns aufgrund ihrer irrigen Ansichten verurteilt sehen möchten, so sicher wie wir Sie hier vor uns versammelt sehen in ganz kurzer Zeit zum ewigen Tode und zu Einzelhaft verurteilt werden und diese fürchterliche Strafe erleiden werden; und wir bemitleiden sie im Gefühl unserer Mitmenschlichkeit sehr. Ich bin dazu bereit, diese absolut sichere und sehr bedeutende Tatsache zu beweisen und so auch noch den verbohrtesten zum schweigen zu bringen. Sollte es mir nicht gelingen, dies diesem ungeschulten, von Vorurteilen belasteten Komitee von Schülern, die keine Ahnung von spirituellen und moralischen Dingen haben, so klar wie das Licht des Tages zu beweisen, sondern nur den größten Gelehrten und Philosophen, müsste ich mit jeder beliebigen Art der Bestrafung zufrieden sein!
Nur um ein Beispiel zu bringen biete ich hier die Abhandlung über die Früchte des Glaubens an, die an zwei Freitagen für die Gefangenen geschrieben worden ist, die Grundlagen und Prinzipien der Risale-i Nur erläutert und zu ihrer Verteidigung dienen kann. Wir arbeiten hier im Geheimen und unter sehr großen Schwierigkeiten, um (diese Abhandlung hier) mit den neuen (lateinischen) Buchstaben zur Niederschrift zu bringen, damit wir sie danach den Abteilungen der Regierung in Ankara vorlegen können. Lesen Sie diese und studieren Sie sie sorgfältig. Sollte Ihr
Herz (an Ihr Ego will ich mich nicht wenden) mir nicht recht geben, will ich vor jeder Ihrer Beschuldigungen und gegenüber all Ihren Machenschaften, die Sie mir hier in der Einzelhaft, in der Sie mich jetzt halten, noch zufügen mögen, stumm bleiben.
Lassen Sie, bitte, die Risale-i Nur entweder ganz und gar zufrieden oder zerbrechen Sie diese mächtige und unzerstörbare Wahrheit (haqiqat), falls Sie dazu imstande sein sollten! Bis jetzt habe ich nicht an Sie und die Welt (dunya), in der Sie leben, gedacht und werde auch nicht an sie denken. Dennoch haben Sie mich dazu gezwungen. Doch vielleicht hat göttliches Vorherwissen uns auf diesen Weg geführt, damit wir Sie auf ihm ermahnen sollten. Was uns dabei betrifft, so haben wir uns den heiligen Grundsatz مَنْ اٰمَنَ بِالْقَدَرِ أَمِنَ مِنَ الْكَدَرِ {"Wer immer an das Göttliche Vorherwissen glaubt, rettet sich aus aller Qual."} zu unserem Leitsatz genommen und uns dazu entschlossen, alle unsere Anstrengungen mit Geduld auf uns zu nehmen.
Said Nursi
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei"}
Es ist eine seit der "Glücklichen Zeit (des Propheten)" bis heute gültige islamische Tradition, derzufolge wir die hundert berühmtesten Ayat, welche uns als Quelle der Risale-i Nur gedient haben, gleich wie einen großen Blumenstrauß zu einem Auszug aus dem Qur'an zusammengefügt haben, worauf man uns vorwarf, diesen verfälscht ("dinde tahrifat") zu haben.
Außerdem versucht man uns auch noch zu beschuldigen, die Abhandlung über die Verhüllung der Frauen (tesettur risalah), für die ich schon einmal ein Jahr Gefängnis erhalten hatte und die man, wie im Protokoll nachzulesen steht, unter einem Stapel Brennholz hervorgezogen hatte, erst in diesem Jahr geschrieben zu haben.
Zudem hatte ich einmal jemandem vom Präsidialamt in Ankarada (Mustafa Kemal) widersprochen. Er wusste jedoch meinen scharfen Worten nichts zu entgegnen und schwieg also. Nachdem er dann gestorben und die Wahrheit einer Hadith (haqiqat-i hadithiye), die seine Fehler aufzeigte, ans Licht gekommen war, hat man meine spontane, wenn auch notwendige aber rein private Kritik zum Anlass genommen, mich dafür zur Rechenschaft zu ziehen. Wenn aber nun jemand bereits verstorben ist, und wenn nun aber sein Sitz in der Regierung bereits verwaist ist, wo ist dann die Ehre geblieben, die man ihm einmal geschuldet hatte? Und wo bleiben nun die Ehre eines Volkes und seiner Regierung, wo die Gerechtigkeit (adalet) und das Gesetz (kanun), die doch eine Erscheinungsweise der Herrschaft (hakimiyet) Gottes des Gerechten (Djenabi Haqq) sind?
Und weiter versucht man nun auch noch für das, was doch eigentlich Grundlage dieser Republikanischen Verfassung (hükümet-i djumhuriye) und ihr wesentlichster Stützpfeiler ist, nämlich die Gewissensfreiheit ("hürriyet-i vidjdan"), auf die auch wir uns bei unserer eigenen Verteidigung berufen, zur Rechenschaft zu ziehen, so als ob wir selbst gegen diesen Grundsatz der Gewissensfreiheit ("hürriyet-i vidjdan") wären!
Und weiter schreibt mir die Anklageschrift die Schuld dafür zu, dass ich alles Übel der Zivilisation und all ihre Fehler kritisierte, obwohl mir diese Idee niemals in den Sinn käme. Es ist so, als wäre ich (grundsätzlich) dagegen, wenn jemand Radio hört, mit einem Flugzeug fliegt oder in
einer Eisenbahn fährt, (weshalb man mir nun vorwirft), fortschrittsfeindlich zu sein und mich dafür zur Verantwortung ziehen will.
So möge es denn Gott wollen (insha-a'llah), dass das recht und billig denkende Gericht und sein Staatsanwalt in Denizli angesichts dieser und anderer obiger Beispiele aufzeigen wird, in welchem Grade eine solche Behandlung gegen jedes Recht und Gesetz (adalet) ist und derartigen Anschuldigungen und Verdächtigungen keine Beachtung schenken.
Ferner ist es doch äußerst merkwürdig, dass mich der Staatsanwalt eines anderen Gerichtshofes einmal gefragt hat: "In deinem 'Fünften Strahl' sagst du einmal vertraulich (mahrem): "Das Heer wird dieser abscheulichen Person die Zügel aus der Hand nehmen und sich von ihr befreien." Ist es also deine Absicht, das Heer zum Ungehorsam gegenüber der Regierung zu verführen?" Ich habe ihm daraufhin gesagt: "Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass dieser Kommandant entweder sterben wird, oder aber, es wird ein anderer an seine Stelle treten und so wird das Heer sich von seiner Diktatur befreien. Doch wie könnte denn eine solche, ganz und gar privat gehaltene Abhandlung, die ich selbst in acht Jahren nur zwei Mal in die Hand bekommen habe und die gleich danach auch wieder verschwunden war und die nur in einer ganz allgemein gehaltenen Art die Bedeutung einer Hadith für die Endzeit behandelt und in ihrer ursprünglichen Fassung auf eine schon sehr lange zurück liegende Zeit zurück geht, der Grund zu einer Anklage werden, wo sie doch (bisher) noch nicht einmal ein einfacher Soldat zu Gesicht bekommen hat?" Doch leider wurde diese sonderbare
Anklage von einigen einsichtslosen Leuten trotzdem mit in die Anklageschrift aufgenommen.
Das allermerkwürdigste dabei ist jedoch, dass ich einmal gesagt haben soll: Zwar müsse man Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq) für jene große Gnade, die Flugzeug, Eisenbahn und Rundfunk sind, mit ebenso großem Dank entgegen kommen; der Mensch habe Ihm aber nicht dafür gedankt, sondern mit diesen Flugzeugen anderen Bomben auf die Köpfe geworfen. Auch der Rundfunk sei eine ähnlich große göttliche Gnade (ni'met-i ilahiye), für die man (Gott) danken müsse, weil er ja (aus Millionen Lautsprechern) wie mit Millionen Zungen den gesamten Qur'an rezitiert (hafidh), sodass die Menschen auf dem ganzen Erdenrund dieser Qur'an-Rezitation lauschen können. Und während ich im Zwanzigsten Wort erklärt habe, dass der Qur'an aus der Welt des Unsichtbaren die Wunder (harika) der Zivilisation im voraus verkündet habe, soll ich zugleich gesagt haben, dass in einer Ayah ein Zeichen verborgen sein solle: "die Ungläubigen werden mit Hilfe der Eisenbahn die islamische Welt besiegen". Obwohl ich also alle Muslime zu Zeugen (teshvik) solcher Wunder (harika) aufgerufen hatte, verdächtigt man mich nun, "mich gegen die Zeichen des heutigen Fortschritts, wie Eisenbahn, Flugzeug oder Rundfunk" ausgesprochen zu haben ich werde nun am Ende der Anklageschrift beschuldigt, weil der ehemalige Staatsanwalt seinen Zorn über mich ausgegossen hat.
Zudem hat ein Mann, obwohl er doch von den Dingen
überhaupt gar keine Ahnung hat, behauptet, dass es sich bei dem Begriff: "Risalet-ün-Nur" {Ein arabischer Ausdruck, der an "Rasul: Prophet" denken lässt.} was lediglich ein anderer Name für Risale-i Nur ist, {Der gleiche Ausdruck auf persisch, was aber nur den Gelehrten verständlich ist.} um eine Abhandlung (risalet), eine (prophetische) Eingebung, also eine (göttliche) Offenbarung handele, die (unmittelbar) aus dem Licht (Nur) des Qur'an entspringt.
In der Anklageschrift heißt es dann, versehen mit einer irrtümlichen Auslegung, die man ihm von anderer Seite gesteckt hatte: "Die Risale-i Nur ist ein Prophet ("Risale-i Nur bir Rasûldür."), was man dann als einen weiteren Grund zu einer Verdächtigung gegen mich aufgenommen hat. Des weiteren haben wir dann in unserer Verteidigungsschrift an zwanzig Stellen mit absolut sicheren Beweisen nachgewiesen: Auch wäre es um der ganzen Welt (herrschaft) willen, würden wir doch den Glauben (din), den Qur'an und die Risale-i Nur nicht als Werkzeug dazu missbrauchen und könnten es auch gar nicht! Und wir würden auch nicht für die Herrschaft über die ganze Welt auch nur eine einzige Wahrheit (haqiqat) eintauschen; und so ist es in der Tat unsere Art! Hinweise auf eine solche Behauptung gibt es seit zwanzig Jahren Tausende. Weil dies aber so ist, sage ich und sagen wir alle aus ganzer Kraft (quvvet):
{"Gott ist unser befriedigender Anteil und unser vorzüglicher Sachwalter." (Sure 3, 173)}
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
In dieser meiner Verteidigungsschrift richte ich mich nicht an den Gerichtshof in Denizli und den Staatsanwalt dort, sondern vielmehr an die Staatsanwälte in Isparta und Inebolu, die als die dortigen Beamten ihren Zorn und ihre Verdächtigungen gegen uns gerichtet haben, indem sie dort aus ihren verfälschten wie unvollständigen Protokollen eine höchst merkwürdige Anklageschrift gegen uns zusammengeschneidert haben.
Zunächst einmal ist es völlig aus der Luft gegriffen und würde mir auch niemals in den Sinn kommen, diesen armseligen und an Politik vollkommen desinteressierten Schülern der Risale-i Nur den Titel einer "politischen Vereinigung" anhängen zu wollen und es all diesen armseligen, welche in diesen Kreis eintreten und deren Absicht auf nichts anderes ausgerichtet ist als den Glauben (iman) und das Jenseits (akhiret) als Schuld anrechnen zu wollen, wenn sie den Wunsch haben, dass unser Kreis wächst, wenn sie sich aktiv in ihm betätigen, deren Säule oder auch nur bloße Angehörige sind, wenn sie die Risale-i Nur lesen oder auch vorlesen lassen oder abschreiben und sie deswegen dem Gericht zu übergeben. Ein absolut sicheres Zeugnis dafür, inwieweit dies vom Wesen der Gerechtigkeit (adalet) entfernt ist, ist folgendes: Was ein Dr. Duzi gegen den Qur'an schreibt und wenn noch andere Atheisten solch schädliche Werke lesen, so wird dies nach dem Grundsatz der "Freiheit des Denkens und der Wissenschaft" nicht als Schuld angesehen, während hingegen diejenigen, welche die qur'anischen Wahrheiten (haqiqat) und den Glauben (iman) lehren und die Risale-i Nur lesen, welche sie denen, die doch so sehr ihrer bedürfen
und so sehnsüchtig nach ihr verlangen, sonnenklar darlegt, für schuldig erklärt werden. Zudem habe ich auch hunderte von Abhandlungen (risalah), damit sie nicht falsch verstanden werden sollten, für mich privat behalten und es nicht erlaubt, sie zu veröffentlichen. Dennoch hat man aus zwei, drei dieser Abhandlungen einige Sätze dazu verwendet, sie zum Schein vorweisen und mich deswegen anschuldigen zu können. Doch wurden diese Abhandlungen (mit einer Ausnahme) bereits von dem Gerichtshof in Eskishehir untersucht und dabei alles Erforderliche geregelt. Was aber diese Ausnahme betrifft, so wurde bereits während der Anklage und bei der Verteidigung eine ganz klare und deutliche Antwort erteilt: "In unserer Hand halten wir das Licht und keine Waffen (eine Keule) gegen die Politik!" Das wurde vor dem Gerichtshof in Eskishehir unter zwanzig verschiedenen Aspekten mit Sicherheit nachgewiesen. Dennoch haben diese unmenschlichen Staatsanwälte aus drei privat gehaltenen und nicht veröffentlichten Abhandlungen (risalah) drei, vier Sätze (entnommen) und daraufhin alle die, die die Risale-i Nur lesen und sie abschreiben, für schuldig erklärt, so als würden (diese drei Sätze) die ganze Risale-i Nur umfassen. Zugleich haben sie behauptet, ich würde gegen die Regierung kämpfen und mich deswegen unter Anklage gestellt.
Ich und alle, die mir nahe stehen und alle meine Freunde, die zu mir Kontakte unterhalten, werden (vor Gericht) unter Eid beschwören, dass ich seit mehr als zehn Jahren außer zwei Präsidenten, einem Abgeordneten und dem Gouverneur von Kastamonu absolut keine weiteren Säulen der Regierung oder irgendwelche Minister, Kommandanten, Beamte oder Abgeordnete mehr gekannt habe oder irgendein Interesse daran gehabt hätte, sie kennen zu lernen. Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass ein Mann mit Männern einen Streit anfängt, die er überhaupt nicht kennt und für die er sich auch gar nicht interessiert? Ihr Freund wäre? Oder ihr Feind wäre? Und keinen Wert darauf legte, dass sie einander kennen lernen?!
Aufgrund dieser Umstände wird es verständlich, dass sie sich absichtlich irgendwelche völlig unhaltbare Begründungen ausdenken, um mich unter allen Umständen und wenn auch völlig unbegründet verurteilen zu können. Weil aber nun die Verhältnisse einmal so sind, wende ich mich hiermit nicht an den hiesigen Gerichtshof, sondern an jene gewissenlosen Menschen, wenn ich ihnen sage: Auch für die schwerste Strafe, die ihr mir geben könntet, gebe ich keine fünf Para! Ich messe ihr nicht die geringste Bedeutung bei! Denn ich stehe mit meinen siebzig Lebensjahren bereits an der Schwelle des Grabes. Ein derartiges Leben von ein, zwei Jahren, zwar unschuldig aber geknebelt, gegen meine Erhebung in den Stand eines Märtyrers (shehadet), wäre für mich ein großes Glück. Durch tausenderlei Beweise in der Risale-i Nur habe ich den unumstößlichen Glauben (iman) gewonnen, dass für uns der Tod eine Entlassungsurkunde ist. Sollte man mich zum Tode verurteilen, wird diese eine Stunde der Mühsal für uns der Schlüssel zur Ewigen Glückseligkeit und (Erlangung der Göttlichen) Barmherzigkeit (rahmet). Ihr gottlosen Menschen aber, die ihr um eures Unglaubens willen die Gerechtigkeit (adl) in die Irre geführt und die Regierung grundlos mit uns beschäftigt habt!
Wisset mit absoluter Sicherheit und zittert: ihr werdet entweder für die Ewigkeit zum Tode verurteilt werden, oder eine Ewigkeit in der Einzelhaft verbringen. Ihr werdet sehen, wie unsere Rache in aller Schärfe und Strenge und Bitternis und in vielfältigster Weise über euch kommen wird; und wir bedauern euch deswegen. Die Wahrheit (haqiqat) des Todes, der diese Stadt hundertmal in ihren Friedhof entleert, fordert in der Tat mehr als nur das Leben. Und der Weg, sich von dieser Verurteilung zum Tode zu befreien ist für die Menschheit über allen anderen Fragen das größte, wichtigste und bedeutendste Bedürfnis in all seiner Notwendigkeit, ja Absolutheit. In wieweit doch diejenigen, welche die Schüler der Risale-i Nur, welche den Weg für sich selbst (gefunden haben) und denen die Risale-i Nur
diesen Weg mit Tausenden von Beweisen hat finden lassen, mit ihrem einfältigen Gerede verdächtigen, nun selbst im Angesicht der Wahrheit und Gerechtigkeit (haqiqat ve adalet) schuldig geworden sind, vermögen selbst Engstirnige noch zu begreifen.
Was diese gottlosen Menschen verführt hat und sie zu der völlig zusammenhangslosen Vorstellung von einer politischen Vereinigung gebracht hat, hat dreierlei Gründe:
Erstens:
Meine Schüler hatten von allem Anfang an eine so innige Beziehung wie unter Brüdern. Das hat den Eindruck entstehen lassen, es handle sich hier um eine Bruderschaft.
Zweitens:
Einige Schüler der Risale-i Nur, wie man sie überall findet, weil das Gesetz der Republik solche Gruppen ja erlaubt und sie auch nicht behindert, werden als eine Organisation angesehen, weil sie sich ja so wie auch andere islamische Gemeinschaften verhalten. Doch diese begrenzte Anzahl von drei, vier Schülern hat keineswegs die Absicht eine solche Gemeinschaft, eine Seilschaft zu bilden, sondern ist nur eine reine Bruderschaft im Dienste des Glaubens (iman), unter einander solidarisch (in ihrem Streben) für das Jenseits.
Drittens:
Diese gottlosen Menschen kennen sich in ihrer Irrlehre und in ihrer Liebe zur Welt (dunya) bestens aus und finden, dass einige Gesetze ihrer Regierung für sie bestens geeignet sind. Also denken und sagen sie sich: "Dieser Said und seine Kameraden sind ganz bestimmt gegen uns und gegen die Gesetze (kanun) der Regierung, die für unsere modernen sündhaften Gelüste (nameshru hevesat) bestens geeignet sind. So sind sie also doch eine oppositionelle politische Organisation."
Ich aber sage:
Oh ihr unglückseligen! Würde die Welt (dunya) ewig bestehen und könnten die Menschen für immer in ihr bleiben und fänden sich die Aufgaben der Menschen lediglich in der Politik, dann könnte man hinter euren Verleumdungen vielleicht noch einen Sinn entdecken.
Wäre ich selbst aber in die Politik gegangen, so hättet ihr in hundert Abhandlungen (risalah) nicht nur zehn, sondern vielleicht Tausend Sätze politischen wie auch regierungsfeindlichen (Inhalts) gefunden. Doch nehmen wir einmal den unmöglichen Fall an, wir hätten uns genau so wie ihr auch mit aller Kraft für weltliche (dunya) Ziele, Lustbarkeiten und für die Politik eingesetzt - und noch nicht einmal der Teufel könnte sich dafür einsetzen, so etwas zu glauben oder irgendwen dazu veranlassen, so etwas anzunehmen - doch auf nun! auch wenn dem so wäre! - da wir nun einmal in den letzten zwanzig Jahren auch nicht ein einziges Ereignis haben sehen lassen, und dabei betrachtet die Regierung unsere Handlungen, da sie uns ja nicht ins Herz schauen kann, wobei sich ja doch in jeder Regierung einige ganz entschiedene Gegner befinden, könnt ihr uns dennoch mit Sicherheit nicht nach geltendem Gesetz (adliye kanun) dafür zur Verantwortung ziehen! Mein letztes Wort ist daher:
{"Gott ist mein Genügen. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Auf Ihn vertraue ich und Er ist der Herr des gewaltigen Thrones." (Sure 9, 129)}
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Ich möchte hier im Zusammenhang mit meiner Verteidigung von einer Erinnerung, einer amüsanten Anekdote berichten, die schon etwas länger zurück liegt und am Gerichtshof in Eskishehir nicht weiter erwähnt wurde und auch im offiziellen Prozessbericht oder in meiner Verteidigungsschrift nicht erscheint.
Sie fragten mich nämlich damals: "Wie denkst du über die Republik?" Ich antwortete ihnen: "Wie meine Biographie, die sie in ihren Händen halten, beweist, war ich schon
ein frommer und gläubiger Republikaner, ehe bevor einer von ihnen, der Präsident des Gerichtshofes ausgenommen, noch zur Welt gekommen war. Es war dies kurz gesagt Folgendes: Ich lebte damals wie heute zurückgezogen in einer leerstehenden Türbe. Man brachte mir gewöhnlich Suppe und ich fütterte gewöhnlich die Ameisen mit Brotkrumen. Ich tauchte mein Brot in meine Suppe. Sie fragten mich danach und ich sagte ihnen: "Das Volk der Ameisen und das Volk der Bienen sind Republikaner. Ich gebe die Brotkrumen den Ameisen aus Respekt vor ihrer republikanischen Gesinnung."
Dann sagten sie: "Deine Haltung widerspricht den rechtgesinnten Nachfolgern der Sahabis (selef-i salihin)." Daraufhin entgegnete ich ihnen: "Die vier rechtgeleiteten Kalifen waren nicht nur die Kalifen, sondern zugleich auch die Präsidenten ihres Volkes. Abu Bakr der Getreue, mit dem Gott zufrieden sein möge, war gewissermaßen der Präsident eines Volkes von Sahabis und der Zehn Glücklichen (denen das Paradies versprochen wurde). Sie waren keine bloßen Namen und Gestalten ohne Inhalt, sondern gleich Präsidenten, welche die Gerechtigkeit in Wahrhaftigkeit (haqiqat-i adalet) und die Freiheit in Gesetzlichkeit (hurriyet-i sher'iyeyi) repräsentierten."
Wohlan denn, Herr Staatsanwalt und Sie, meine Herren Vorsitzenden!
Sie beschuldigen mich einer Idee, die dem, was ich seit fünfzig Jahren vertrete, entgegengesetzt ist. Wenn Sie mich über eine laizistische Regierung befragen, so verstehe ich darunter, dass man mit laizistisch unparteilich meint, also eine Regierung, die in Übereinstimmung mit dem Grundsatz der Gewissensfreiheit die religiös gesinnten und frommen (Menschen) nicht belästigt, so wenig wie sie auch die areligiösen und freizügigen (Menschen) nicht stört. Ich habe mich aus dem politischen wie aus dem öffentlichen Leben vor fünfundzwanzig Jahren (1923) zurückgezogen. Was in der Zwischenzeit aus der Regierung dieser Republik geworden ist, weiß ich nicht. Doch wenn sie nun, was
Gott verhüten möge, in die fürchterliche Lage geraten ist, aufgrund ihrer Gottlosigkeit Gesetze anzunehmen und zu erlassen, um diejenigen, welche sich um ihren Glauben (din) und das Leben in der zukünftigen Welt (akhira) bemühen, zur Verantwortung zu ziehen, so gemahne ich Sie ohne Furcht und Säumen: Hätte ich selbst Tausend Leben, so wäre ich dennoch bereit, sie für meinen Glauben und das jenseitige Leben zu opfern. Tut also nun, was Ihr tun wollt! Doch mein letztes Wort ist: حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ {"Gott ist unser genügender Anteil und Er ist unser bester Anwalt." (Sure 3, 173)} Wenn Sie mich ungerechter Weise zu Tod oder Zuchthaus verurteilen, so erwidere ich Ihnen: Die Risale-i Nur hat mir mit absoluter Sicherheit enthüllt, dass ich nicht hingerichtet sondern entlassen werde. Ich werde in die Welt des Lichtes und der Ewigen Glückseligkeit hinüber gehen. Ihr aber, unsere heimlichen Feinde und uns Bösgesinnten, die Ihr uns aufgrund Eurer Irreleitung unterdrückt! Da ich sehe und weiß, dass Ihr zu einer Hinrichtung auf ewig und einsamer Kerkerhaft verurteilt seid, nehme ich so meine vollkommene Rache an euch und bin dazu bereit, meinen Geist (ruh) in vollkommener Ruhe meines Herzens aufzugeben."
Said Nursi
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Hohes Gericht, meine Herren! Aufgrund zahlreicher Hinweise bin ich zu der absoluten Überzeugung gelangt, dass wir nicht etwa im Interesse der Regierung angegriffen werden, weil wir die innere Sicherheit
dadurch gefährden, dass wir das religiöse Empfinden der Leute missbrauchen, sondern im Interesse des Atheismus, (der diesen Vorwurf) sowohl aufgrund unseres Glaubens, als auch aufgrund unseres Dienstes im Glauben und für die Sicherheit zum Vorwand nimmt. Ein Beweis dafür ist unter vielen anderen der, dass trotzdem zwanzig Tausend Leute zwanzig Tausend Abschriften verschiedener Teile der Risale-i Nur über zwanzig Jahre lang gesammelt, gelesen und (in ihrem Herzen) angenommen haben, die öffentliche Ordnung dennoch nicht von den Schülern der Risale-i Nur gestört worden, kein einziger Zwischenfall dieser Art von der Regierung registriert worden und weder vom vorigen noch vom gegenwärtigen Gerichtshof jemals aufgedeckt worden ist. Hätte es dem entgegen eine solche weitverbreitete mächtige Propaganda gegeben, sie hätte sich innerhalb von zwanzig Tagen durch entsprechende Ereignisse selbst bemerkbar gemacht. Das aber widerspricht dem Grundsatz über die Gewissensfreiheit, dem Art. Nr. 163 eines Gummigesetzes, das alle mit einschließt, die religiöse Ratschläge erteilen. Es ist eine Lügenmaske, hinter der die Atheisten gewisse Mitglieder der Regierung täuschen, ihre Justitiare in die Irre führen und uns so in jedem Fall zertreten wollen.
Da aber nun einmal die Tatsachen (haqiqat) so liegen, können wir mit voller Überzeugung sagen: Oh Ihr Unglückseligen, die Ihr den Glauben um irdischer Güter (dunya) willen verkauft und so dem absoluten Unglauben verfallen seid! Was immer euch zwischen die Finger gerät und was auch immer ihr damit tut: es sind eure eigenen weltlichen Angelegenheiten. Sie sollen und sie werden euch noch zum Halse heraushängen! Mögen unsere Köpfe einer heiligen Wahrheit zum Opfer gebracht werden, für die bereits Hunderte von Millionen tapferer Häupter geopfert und gefallen sind! Wir erwarten jede Art von Strafe und sind zu unserer Hinrichtung bereit! In unserer Lage (vaziyet) ist es außerhalb unseres Kerkers noch hundertmal schlimmer als in ihm zu sein. Da es nun einmal unter einem
absoluten Despotismus, der uns beständig unterdrückt, gar keine Freiheit geben kann - weder eine Freiheit der Wissenschaft (ilm), noch Gewissensfreiheit, noch Glaubensfreiheit - gibt es für alle anständigen und ehrenwerten Gläubigen und Anhänger der Freiheit keine Lösung, es sei denn zu sterben oder ins Gefängnis zu gehen. So sagen denn auch wir إِنَّا لِلَّهِ وَإِنَّا إِلَيْهِ رَاجِعُونَ {"Fürwahr Gottes sind wir und wahrlich zu Ihm ist unsere Rückkehr." (Sure 2, 156)} und halten uns fest an unserem Herrn (Rabb).
Said Nursi
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
An den ehrenwerten Präsidenten des Gerichts
Herrn Ali Risa Beyefendi
Euer Ehren!
Um meine Rechte verteidigen zu können, habe ich einen Wunsch, eine wichtige Bitte: Ich kenne die neuen (lateinischen) Buchstaben nicht und auch die alte (arabische) Schreibweise kann ich nur recht mangelhaft. Zudem erlaubt man mir nicht, mit anderen (Menschen) zu verkehren, sodass ich jetzt de facto völlig isoliert bin. Selbst die Anklageschrift wurde mir schon nach fünfzehn Minuten wieder aus der Hand genommen. Ferner verfüge ich nicht über die notwendigen Mittel, mir einen Rechtsanwalt nehmen zu können. Selbst eines Teils der Verteidigungsschrift, die ich Ihnen bereits vorgelegt habe, konnte ich nur heimlich und mit großer Mühe dank eines in neuen Buchstaben abgefassten Exemplars habhaft werden. Ich hatte ferner auch
ein oder zwei Kopien der "Früchte des Glaubens" abschreiben lassen, eine Art Verteidigungsschrift der Risale-i Nur und eine Zusammenfassung ihres Weges, um sie dem öffentlichen Ankläger überreichen und an die entsprechende Abteilung der Regierung in Ankara senden zu können. Man hat sie mir plötzlich weggenommen und nicht wieder zurückgegeben. Die Justizbeamten in Eskishehir hatten uns (früher einmal schon) eine Schreibmaschine in unserem Gefängnis (leihweise) zur Verfügung gestellt. Damit hatten wir (damals) schon mit den neuen Buchstaben ein oder zwei Exemplare unserer Verteidigungsschrift getippt und auch das Gericht hatte sich (damals ein Exemplar) abgeschrieben. Meine dringende Bitte ist daher die, uns entweder (wieder) eine solche Schreibmaschine zur Verfügung zu stellen, oder aber uns wenigstens zu erlauben, uns selbst eine draußen zu besorgen, damit wir mit diesen neuen Buchstaben zwei oder drei Exemplare sowohl unserer Verteidigungsschrift als auch eine Abhandlung tippen können, welche ihrerseits wiederum eine Verteidigungsschrift der Risale-i Nur sein wird. Wir werden sie dann sowohl an das Justizministerium senden, als auch an das Kabinett, die Nationalversammlung und den Rat des Staates. Denn es ist ja die Risale-i Nur, welche der eigentliche Grund dafür ist, dass man uns angezeigt hat, und was man uns gegen die Risale-i Nur zur Last gelegt hat, und die Beschwerden die gegen sie eingegangen sind, sind keine armselige, rein persönliche Angelegenheit mehr, sodass man ihr keine weitere Bedeutung beimessen könnte. Im Gegenteil: es ist eine Angelegenheit von allgemeinem Belang, einer ernsten Bedeutung für die Nation, das Land und die Regierung, und wird deshalb in ernsthafter und bedeutender Weise die Aufmerksamkeit der Islamischen Welt auf sich lenken.
Diejenigen, welche die Risale-i Nur aus ihrem Versteck heraus angreifen, sind in der Tat die gleichen, die, um die Zuwendung der Islamischen Welt, die Liebe (muhabbet) und die Brüderlichkeit in ihr, die doch die stärkste Kraft der
Leute dieses Landes ist, zu untergraben und einen Widerwillen gegen sie zu erwecken, eine fremdländische (Nation), die heimlich aus ihrem Versteck heraus ihre Hände mit im Spiel hat, um einen absoluten Unglauben heraufzubeschwören und so die Politik als Werkzeug ihres Unglaubens gebraucht. Sie hintergehen die Regierung und verwirren die legalen Gerichte in zweifacher Weise, indem sie sagen: "Die Risale-i Nur und ihre Schüler missbrauchen den Glauben zu politischen Zwecken, und es besteht die Möglichkeit, dass sie die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Gefahr bringen."
Oh ihr Unglückseligen! Die Risale-i Nur steht in gar keiner Verbindung mit der Politik. Aber seitdem sie den absoluten Unglauben zerstört hat, vernichtet sie auch jede Form von Anarchie (d.h. den Aufstand der Massen), der diesem absoluten Unglauben den Nährboden gibt, ebenso wie jede Form von Despotie, die ihn von oben beschirmt und weist sie zurück. Einer unter Hunderten von Beweisen dafür, dass sie ein Garant der öffentlichen Ordnung und Sicherheit ist, für Freiheit und Gerechtigkeit, ist "Die Frucht-Abhandlung", (eine Abhandlung über die Frucht des Glaubens) die zugleich auch ihre Verteidigungsschrift ist. Sie sollte von einem Komitee hervorragender Gelehrter unter allen Theologen und Soziologen sorgfältig untersucht werden. Wenn diese nicht bestätigen, was ich gesagt habe, will ich mit jeglicher Art, ja selbst noch einer hochnotpeinlichen Bestrafung zufrieden sein!
Said Nursi
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Ehrenwerter Herr Vorsitzender (Reis Beyefendi)!
Es wurden drei Punkte der Anklage zugrunde gelegt:
Erstens:
Die Vereinigung. Ich rufe alle Schüler der Risale-i Nur und all die übrigen, die mir bisher begegnet sind, und all diejenigen, welche die Risale-i Nur bisher gelesen oder auch abgeschrieben haben, zu Zeugen auf: Sie mögen sie befragen. Ich habe niemals zu irgendwem gesagt: "Wir werden eine Organisation im politischen Sinne oder eine Organisation im Sinne der Naqshis aufrichten." Was ich hingegen immer gesagt habe, ist Folgendes: "Wir werden uns immer darum bemühen, unseren Glauben zu retten."
Da neben dieser heiligen Gemeinschaft des Islam, die alle Gläubigen mit einschließt und mehr als dreihundert Millionen Mitglieder zählt, unter uns niemals irgendetwas anderes ein Gesprächsthema war, und da sie im Qur'an als Gefolgschaft Gottes (hisbu'llah) bezeichnet wird und da alle Gläubigen selbst bereits eine Bruderschaft sind, finden wir uns um unseres Dienstes am Qur'an willen in unserem Kreis als die Gefolgschaft des Qur'an, die Gefolgschaft Gottes (hisbu'llah) wieder. Wenn es dies sein sollte, weswegen wir angeklagt worden sind, so gestehen wir dies von ganzem Herzen! Und wir sind stolz darauf! Sollte irgendetwas anderes damit gemeint sein, so haben wir nichts damit zu tun!
Zweitens:
Wie bereits im (ersten) Gerichtsurteil festgestellt und in dem Bericht der Polizei von Kastamonu bestätigt worden war, hatte man einige Bücher, wie die Abhandlung über die islamische Kleidung (Tesettür Risalesi) und die Sechs Listen des Teufels (Hüdjumat-i Sitte) mit einem Anhang dazu und ähnliche Schriften zu einem Teil in zugenagelten Kisten gefunden, zu einem anderen Teil unter Brennholz und Kohle, in einem Zustand, der es in gar
keiner Weise gestatten würde, veröffentlicht zu werden. Der Gerichtshof in Eskishehir hatte sie kritisch behandelt und genau untersucht und danach auf eine nur leichte Bestrafung erkannt. So haben wir (die ganze Sache) als eine ausschließlich private Angelegenheit betrachtet. Nun will (das Gericht in Denizli) in einige Sätze eine verkehrte Auslegung hinein lesen, uns wiederum neun Jahre zurückführen und uns abermals die Verantwortung für ein Verbrechen aufhalsen, für das wir aber die Strafe bereits verbüßt hatten.
Drittens:
An einigen Stellen in dem (jetzigen) Gerichtsbeschluss wurden an Stelle realer Vorkommnisse bloße Wahrscheinlichkeiten, wie: "Er könnte die Sicherheit des Staates gefährden, oder wäre möglicher Weise dazu imstande." angeführt. Nun könnte da aber jeder irgendeinen Mord begehen. Doch könnte man ihn denn lediglich auf eine bloße Wahrscheinlichkeit hin schon zur Rechenschaft ziehen?
Said Nursi
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Ehrenwerter Herr Vorsitzender (Reis Beyefendi)!
Hiermit überreiche ich Ihnen meine Verteidigungsschrift. Ich habe sie in Form einer Petition abgefasst und schicke sie an die Regierungsabteilung in Ankara und ihren Präsidenten, zusammen mit dem Bescheid aus dem Büro des Premierministers, welcher zeigt, dass ihre Bedeutsamkeit anerkannt worden ist. In dieser Verteidigungsschrift mit enthalten sind die bestimmenden Antworten auf die unbegründeten, aggressiven Beschuldigungen, die der Öffentliche Ankläger gegen uns erhoben hat. Es gibt da einige unwahre und unlogische Dinge in dem Bericht des Komitees hiesiger Sachverständiger, welche auf oberflächlichen
und bösartigen Berichten von anderswoher basieren. Mein Einspruch dagegen wurde gleichfalls vorgelegt.
Zusammenfassung:
Wie ich Ihnen bereits zuvor dargelegt hatte, habe ich dem Gerichtshof in Eskishehir, als sie mich damals nach Artikel 163 verurteilen wollten, mitgeteilt: von zweihundert Abgeordneten der Regierung der Republik stimmte die gleiche Anzahl, nämlich 163 Abgeordnete damit überein, einhundertundfünfzig Tausend Lira an meine Medresse in Van zu überweisen. Aufgrund dessen hat die Regierung der Republik, die mich damals in Gewahrsam hielt, erklärt, dass dieser Artikel 163, insoweit er meine Person betrifft, nicht anzuwenden sei. Obwohl ich dies dem Gerichtshof bereits mitgeteilt habe, hat das Komitee der Sachverständigen entstellt, was ich gesagt hatte, und schrieb statt dessen: "163 der Abgeordneten haben ein Verfahren gegen Said eröffnet." Es ist aufgrund dieser völlig haltlosen Anschuldigungen dieses ersten Komitees von Sachverständigen, dass der Öffentliche Ankläger uns nun zur Rechenschaft ziehen will. Und dies geschieht im Gegensatz zu der Tatsache, dass die Risale-i Nur bereits auf Ihre Entscheidung hin den höchsten Gelehrten eines Komitees von Wissenschaftlern vorgelegt worden ist. Nach einer gründlichen Behandlung und eingehenden Untersuchung ihrer Teile hat dieses Komitee die folgende Erklärung über uns abgegeben: "In den Schriften von Said und den Schülern der Risale-i Nur findet sich nichts, was ausdrücklich oder auch nur andeutungsweise darauf schließen ließe, dass sie irgendeine Absicht hätten, den Glauben oder irgendeine religiöse Angelegenheit für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen, die Staatssicherheit zu gefährden, eine politische Partei zu gründen, oder in irgendeiner Weise gegen die Regierung zu konspirieren. Daraus wird verständlich, dass Saids Schüler in ihrem Briefwechsel keineswegs irgendwelche üblen Absichten gegen die Regierung nähren, die Absicht hätten, eine politische Partei zu gründen oder irgendeinen Sufi-Orden aufzurichten."
Ferner hat auch (ein weiteres) Komitee von Sachverständigen einstimmig erklärt, dass neunzig Prozent von Saids Abhandlungen sowohl aufrichtig als auch uneigennützig sind und in keiner Weise von den Grundsätzen der Wissenschaft, der Kenntnis der Wahrheit und des Glaubens abweichen. Es gibt da deutlich nichts in ihnen, was auf einen Missbrauch der Religion hindeuten, die Gründung einer politischen Partei betreffen würde oder die öffentliche Sicherheit gefährden könnte. Die (vorgefundenen) Briefe, also die Korrespondenz der Schüler untereinander, sowie auch die mit Said Nursi sind von der (oben dargestellten) Art. Mit Ausnahme von fünf oder zehn vertraulich gehaltenen Abhandlungen (risalah), Beschwerdebriefen oder Abhandlungen außerhalb des wissenschaftlichen Rahmens befassen sich alle Abhandlungen mit Versen aus dem Qur'an oder den Wahrheiten der ehrwürdigen Hadithe. Neunzig Prozent der aufgefundenen Abhandlungen bestehen aus Vergleichen, welche ganz klar die Grundsätze des Glaubens an Gott und Seine Propheten darstellen, ferner das Jenseits, aber auch die Terminologie, Lehrmeinungen, Ethik und Moral, sowie Ermahnungen für Ältere und Jüngere, für die Jugend und zudem einige Ereignisse ausgewählt aus seinen Lebenserfahrungen. Das alles aber enthält nichts, was dem Staat schaden könnte, seiner Regierung, seiner Verwaltung oder gar der öffentlichen Sicherheit.
So hat denn der Öffentliche Ankläger den Bericht dieses hohen Komitees ignoriert und statt dessen außerordentliche Anklagen gegen uns erhoben, die auf dem verworrenen, fehlerhaften ersten Bericht fußen, worüber wir denn nun wirklich sehr betroffen sind. Wir glauben, dass dies in keiner Weise passend ist für einen Gerichtshof, der dafür bekannt ist, recht und billig zu verfahren. Es erinnert dies, insoweit dieser Vergleich nicht unpassend erscheint, an den folgenden Vorfall:
Ein Bektashi- (Derwisch) wurde einmal gefragt: "Warum betest du nicht?" Der aber antwortete: "Es steht im Qur'an:
{"Nähert euch nicht dem Gebet!"(Sure 4, 43)}
Als man ihm aber entgegnete, er solle auch den Schluss der Ayah وَاَنْتُمْ سُكَارٰى {"... wenn ihr trunken seid."} lesen, wandte er dagegen ein: "Ja, ich bin doch kein Hafidh!" {Das heißt: "Ich kann doch nicht den ganzen Qur'an auswendig!" (A.d.Ü.)}
Sie nehmen also einen einzelnen Satz aus der Risale-i Nur heraus, achten nicht weiter darauf, was ihm folgt, ihn in den rechten Zusammenhang stellt und ihn erklärt, sondern verwenden ihn dann in dieser Form gegen uns. Dreißig, vierzig Beispiele dafür lassen sich, vergleicht man sie mit der Anklageschrift, in der Verteidigungsschrift finden, die ich vorlegen werde. Ich will hier nur einen subtilen Vorfall darlegen, der eines dieser Beispiele beleuchtet:
Der Öffentliche Ankläger des Gerichtshofes in Eskishehir gebraucht fälschlicherweise einen Ausdruck aus der Risale-i Nur, über die Unterweisung (ders) im Glauben, der gleichsam besagt: "Sie verdirbt das Volk." Und wenn er auch diesen Ausdruck später nicht mehr verwendet, so sagte doch einer der Schüler der Risale-i Nur mit Namen Abdurresak ein Jahr nach diesem Urteilsspruch:
"Du Unglückseliger! Die Risale-i Nur hat indirekt die Lobpreisungen von dreiunddreißig Ayat empfangen und ihr Wert für den Glauben wurde danach durch drei wunderbare Voraussagen von Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, und die machtvollen Verkündigungen aus dem Unsichtbaren von Scheich Geylani (möge Gott seine Geheimnisse heiligen) bestätigt. In den letzten zwanzig Jahren hat sie der Regierung auch nicht den geringsten
Schaden zugefügt, und, außer dass sie dabei noch nie jemanden verletzt hat, hat sie doch Tausende Söhne dieses Landes erleuchtet und recht geleitet. Dennoch nennst du diese Rechtleitung ein Verderben und noe Irreleitung. Ja, fürchtest du dich denn überhaupt nicht mehr vor Gott!? Möge dir deine Zunge verdorren!"
Obwohl nun der öffentliche Ankläger diese durchaus berechtigten Worte des Schülers gelesen hat, möchte ich doch die von ihm gemachte Aussage: "Said hat in seiner Umgebung großes Unheil angerichtet." der Rechtmäßigkeit und Billigkeit Ihres Urteilsvermögens empfehlen.
In dem Gedanken, in die sozialen Lehren (ders) der Risale-i Nur eingreifen zu können, sagte der Öffentliche Ankläger: "Der Platz für den Glauben ist das Gewissen. Es kann nicht an Gesetze und Vorschriften gebunden werden. Es gab da früher einmal Unruhen, weil er an Gesetze gebunden war." Deswegen sage ich: "Religion besteht nicht nur aus dem Glauben allein. Seine zweite Hälfte ist das rechtmäßige Handeln. Genügt es etwa schon, wenn die Furcht, eingesperrt oder von einem Geheimagenten beobachtet zu werden, die Menschen daran zu hindern, eine ganze Reihe schwerer Sünden zu begehen, welche die Gesellschaft vergiften, wie Mord, alle Arten außerehelicher Beziehungen, Diebstahl, Spiel und Trunk? Wenn das so wäre, müsste ständig ein Polizist oder Geheimagent in jedem Haus oder sogar neben jedem einzelnen stehen, damit eine jede Seele in ihrer Begehrlichkeit sich vor derartigem Unrat zurückhielte. Währenddessen die Risale-i Nur einem jeden auf die Dauer aus dem Glauben heraus eine Art geistigen Wächter hinsichtlich seiner guten Werke gleichsam in den Kopf setzt. Der bewahrt ihn dadurch, dass er ihm (beständig) den höllischen Kerker und den Zorn Gottes in Erinnerung ruft, und bewahrt ihn mit Leichtigkeit vor allem Bösen."
Des weiteren gab der Öffentliche Ankläger infolge der Unterschrift unter einer der Abhandlungen (risalah), die eine schöne und ganz besonders wunderbare Übereinstimmung
aufweisen, einen sinnlosen Hinweis, indem er sagte, es sei hier von einem "Mitglied einer Organisation" die Rede. Ja, nennt man denn aufgrund solcher Unterschriften von Kaufleuten und Gastwirten in deren Geschäftsbüchern (solche Leute) etwa Mitglieder einer Organisation?! Es ist aber in Eskishehir schon ein Mal ein derartiger Verdacht aufgetaucht. Als ich dem entgegnete und dabei auf die "Abhandlung über die Wunder Mohammeds" hinwies, waren sie sehr erstaunt. Wären wir eine weltliche Organisation, wären diejenigen, die meinetwegen so viel Leid erfahren hatten, sich in völligem Abscheu vor mir davon gelaufen. Das aber heißt, dass genau so wie ich und wir alle in der Weise mit Imam Ghasali verbunden sind, dass (unser Bund) nicht gebrochen werden kann, weil er um des Jenseits (akhira) willen geschlossen wurde und nicht in Hinsicht auf das Diesseits (dunya). Deshalb auch haben diese frommen, reinen und unschuldigen, religiös gesinnten Leute einem so armseligen Menschen wie mir um seiner Unterweisung im Glauben willen eine so machtvolle Anhänglichkeit bezeigt. Das aber hat den Anlass zu derartig hohlen und absurden Verdächtigungen gegeben, eine politische Organisation zu sein. Mein letztes Wort:
{"Gott ist unser befriedigender Anteil und unser bester Anwalt."}
Said Nursi
Der folgende Abschnitt ist von besonderer Bedeutung
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Ein bedeutungsvoller Absatz im letzten Wort
Meine Herren! Herr Präsident! Geben Sie einmal Acht!
Da eine Verurteilung der Risale-i Nur und ihrer Schüler darauf hinaus laufen würde, die Wahrheit des Qur'an und den Glauben (iman) selbst zu verurteilen, käme dies dem Versuch gleich - in unmittelbarer Folge eines völligen Unglaubens - jene Hochstraße zu sperren, auf der seit eintausend dreihundert Jahren dreihundert Millionen Moslems fahren und die zur Wahrheit und Glückseligkeit beider Welten führt. Damit aber werden Sie sich deren Abscheu und Protest zuziehen. Denn diejenigen, welche (heute) auf dieser Hochstraße kommen und gehen, unterstützen durch ihre Gebete (dua) und guten Werke (hasanat) diejenigen, die (vor ihnen hier vorüber) gekommen und gegangen sind. (Diese Verurteilung) würde zugleich auch wie eine Art Weltuntergang auf das Haupt dieses gesegneten Landes herabkommen. Was für eine Antwort wollen Sie denn am Tage des Jüngsten Gerichtes geben, wenn Sie im Angesicht von dreihundert Millionen (Menschen, die Sie) anklagen, gefragt werden: "Sie haben sich nicht um das französische Werk eines Dr. Dozy, mit dem Titel: "Die Geschichte des Islam" gekümmert, das vom Anfang bis zum Ende den Islam angreift, Ihr Land und seinen Glauben, noch um die Arbeit der Atheisten in Ihren Bibliotheken, auch nicht, dass sie dort frei zugänglich sind, noch um die Schüler derartiger Bücher, die sich zu illegalen Vereinigungen zusammengeschlossen haben, noch um die Vereinigungen, die sich Ihrer Politik entgegengestellt haben, die Kommunisten,
die Anarchisten und all die anderen revolutionären Vereinigungen, noch um die nationaltürkische Bewegung (Turandji) im negativen Sinne. Warum also sind Sie dann den Lesern eines Werkes der Wahrheit und Gerechtigkeit, wie der Risale-i Nur, einem wahrhaften Kommentar des Qur'an und seinen Schülern lästig gefallen, die doch gar keine Verbindung zur Politik, welcher Art auch immer, haben und die Hohe Straße des Qur'an und des Glaubens wandeln, einzig und allein um sich und ihre Mitbürger vor einer Hinrichtung für ewig und ihrer Isolationshaft (im Grabe) zu retten? Und warum haben Sie dann die Freundschaft und Bruderschaft dieser aufrichtigen, religiösen Menschen, die sich nur um das Jenseits bekümmern, eine politische Vereinigung genannt? Sie haben sie nun unter einem bizarren Gesetz angeklagt. Und genau das war es, was Sie gewollt haben." Auch wir wollen Sie hier genau das gleiche fragen. Unsere Gegner, die Atheisten und alle Heuchler betrügen Sie, führen das Gericht in die Irre und veranlassen die Regierung dazu, sich in einer Weise mit uns zu beschäftigen, die dem Volk schadet, indem sie einer völligen Unterdrückung das Etikett einer "Republik" aufkleben, eine alles umfassende Apostasie zur Staatsform erheben, eine schrankenlose Freizügigkeit als "Zivilisation" deklarieren, die Unterdrückung atheistischer Willkür als "Gesetz" bezeichnen. So werden Sie von ihnen in die Irre geführt. Auf diese Weise beschäftigen sie die Regierung, führen uns ins Elend und teilen so zugunsten fremdländischer Mächte Schläge aus gegen die islamische Herrschaft, gegen das Volk und sein Land.
Meine Herren! So wie dies bereits durch die vier schweren Erdbeben in vier aufeinander folgenden Jahren angezeigt worden ist, und zwar ganz genau im Zusammenhang mit vier schweren Verfolgungen von Schülern der Risale-i Nur und ihrer brutalen Behandlung, und die genau zu der Zeit einsetzten, als sich Ihre Angriffe (wieder einmal gegen) diese Schüler richteten und wieder aufhörten, wenn auch die Verfolgungen aufhörten, so sind Sie auch für diese
himmlischen wie irdischen Katastrophen verantwortlich, die sich ereignet haben, während wir eingekerkert waren!...
Said Nursi
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine Herren!
Obwohl ich das öffentliche Leben von heute nicht kenne, hatte doch das Komitee der Sachverständigen in Ankara unsere so sicheren und dermaßen bestimmten Antworten auf die Anklageerhebung wegen der Bildung einer politischen Vereinigung, bestätigt, die Sie als einen Vorwand zu unserer Verurteilung so nachdrücklich nach vorne geschoben und über die Sie entschieden haben, als könne man sie von dem Weg ableiten, den der Öffentliche Ankläger eingeschlagen hatte. Während ich also noch überrascht und erstaunt darüber bin, dass Sie dermaßen auf diesem Punkt bestehen, entsteht nun in meinem Herzen die folgende Vorstellung: da nun einmal Freundschaft, brüderliche Vereinigungen und Versammlungen und aufrechte Verbindungen, soweit sie das Jenseits und die Brüderlichkeit betreffen, jede für sich sowohl der Grundstein sozialen Lebens und ein essentielles Bedürfnis der menschlichen Natur sind und ein Band (rabita) von großer Kraft, das bedeutendste unter den Menschen, angefangen vom Leben in der Familie, unter den Völkerstämmen, den Nationen, im Islam und in der ganzen Menschheit, ein Stützpunkt
und ein Trost angesichts aller Mühsal, die das spirituelle wie das materielle Leben verursacht und die Wurzel allen Schmerzes und aller Betroffenheit ist, die einem jeden einzelnen Menschen in der Welt begegnet und mit der er allein nicht fertig werden kann und die ihn daran hindert, seine Pflichten als Mensch und als Moslem zu erfüllen. Und da es nun einmal Leute gibt, die eine Zusammenkunft von Schülern der Risale-i Nur um der Lehren des Glaubens willen, was an und für sich höchst lobenswert und (ein Akt) der reinen Freundschaft rund um diese Lehren des Glaubens und des Qur'an ist und zur Glückseligkeit in dieser Welt, im Glaubensleben und im jenseitigen Leben führt und (nichts als) Kameradschaft auf dem Weg zur Wahrheit ist und eine (bloße) Zusammenarbeit, eine "politische Vereinigung" nennen, obwohl dies mit "Politik" gar nichts zu tun hat, so sind sie sicherlich und ohne allen Zweifel entweder auf eine ganz schlimme Weise betrogen worden, oder aber sie sind äußerst bösartige Anarchisten, die sowohl barbarische Feinde der Menschheit sind und nach der Art eines Nimrod Feinde des Islam und hegen Feindschaft gegenüber der Gemeinschaft in einer äußerst korrupten und entarteten Form von Anarchie und arbeiten als engstirnige und verbohrte Renegaten gegen dieses Land und sein Volk, die Souveränität des Islam und alle seine geheiligten Kennzeichen und Merkmale, oder sie sind wahre Teufel von Atheisten, die im Sinne fremdländischer Mächte daran arbeiten, die Lebensader dieser Nation zu zerstören. Sie betrügen die Regierung und bringen zugleich das gesamte Justizwesen in Verwirrung, indem sie unsere geistigen Waffen, die wir bis jetzt gegen den Teufel (in Menschengestalt, seine) Pharaonen und Anarchisten gerichtet haben, nun gegen uns verwenden, um unsere Brüder zugrunde zu richten und unser Land zu zerstören.
Said Nursi
Meine Herren!
Mit Ihrem Einverständnis möchte ich an Sie, und zwar offensichtlich in Ihrer Gegenwart, einige Worte richten, doch in Wirklichkeit an das geheime Komitee des Verderbens, welches im Gedanken an den Untergang viele Formen annimmt und in der Absicht, das Volk im Namen des Unglaubens und des Atheismus und im Interesse fremdländischer Mächte zugrunde zu richten seit dreißig, vierzig Jahren jede Gelegenheit ergriffen hat, den Qur'an und die Glaubenswahrheiten anzugreifen, aber auch an diese entmenschten, hirnlosen Beamten, hinter denen sie sich in dieser Angelegenheit wie hinter einem Vorhang verstecken, und auch an die Propagandisten (ihrer Interessen), die als Muslime verkleidet, diesen Gerichtshof in Verwirrung gebracht haben.
(Der Beschluss, uns bereits am folgenden Tag wieder zu entlassen, bewirkte, dass diese flammende Zusprache zurückgestellt wurde.)
Said Nursi
Eine wahrheitsgetreue Antwort auf eine wichtige Frage:
Einige hochrangige Beamte haben mich gefragt: "Warum hast du nicht das Angebot von Mustafa Kemal angenommen, für ein Gehalt von dreihundert Lira anstelle von Scheich Sinusi das oberste Amt eines Predigers in Kurdistan und den östlichen Provinzen anzunehmen? Hättest du es angenommen, so hättest du auch veranlassen können, dass das Leben von hunderttausend Menschen gespart geblieben wäre, die dann während der Revolution ums Leben gekommen sind."
Ich gab ihnen zur Antwort: "Die Risale-i Nur, die für Hunderttausende unserer Landsleute der Weg war, auf dem sie für Millionen Jahre ein Leben im Jenseits gewinnen konnten, hat diese Aufgabe mehr als tausendmal erfüllt, und das anstelle eines weltlichen Lebens von zwanzig, dreißig Jahren, das ich nicht für diese Leute gewinnen konnte. Hätte ich dieses Angebot angenommen, wäre die Risale-i, die für nichts ein Werkzeug ist und niemandem unterstellt ist und das Geheimnis der Aufrichtigkeit umfasst, nicht zustande gekommen. Ich habe sogar meinen ehrenwerten Brüdern im Gefängnis gesagt: wenn diejenigen, die mich, nachdem sie eine schallende Ohrfeige durch die Risale-i Nur, die nach Ankara geschickt worden war, bekommen hatten, dazu verurteilt haben, hingerichtet zu werden, ihren Glauben mit Hilfe der Risale-i Nur retten werden und davor bewahrt werden, auf ewig hingerichtet zu werden, so sollt ihr meine Zeugen sein, dass ich ihnen von ganzem Herzen und ganzer Seele (ruh) vergeben (helal) werde!
Ich habe denjenigen, die mich nach unserem Freispruch in Denizli weiterhin verfolgt, belästigt und überwacht haben, den hochrangigen Beamten, dem Chef und den Inspektoren der Polizei gesagt: Es ist ein nicht zu leugnendes Wunder der Risale-i Nur, dass während einer neun Monate langen Untersuchungshaft bei Tausenden ihrer Schüler, in Hunderten von Abhandlungen und Briefen, während zwanzig Jahren meines Lebens in der Verfolgung keine Dokumente über irgendwelche Verbindungen mit irgendwelchen Organisationen oder sonstigen Vereinigungen irgendwelcher Art im Inland oder im Ausland gefunden werden konnten. Ja konnte denn eine derartige Situation durch irgendwelche Überlegungen oder das Ergreifen irgendwelcher Maßnahmen zustande gebracht werden? Wenn die privaten Belange eines Menschen über eine Anzahl von Jahren ans Licht gebracht werden, so finden sich darunter sicherlich zwanzig verschiedene Vorkommnisse, mit denen man ihn hätte in Verlegenheit bringen oder für die man
ihn hätte zur Verantwortung ziehen können. Da dies aber nun einmal so ist, werdet ihr entweder sagen: "Irgendein besonders brillanter, geradezu unbesiegbarer Genius schmiedet hier seine Pläne." Oder aber ihr müsst zugeben: "Dies ist ein ganz besonders gnadenreicher Schutz Gottes (hifdh-i Ilahi)." Und es wäre sicherlich ein Fehler, einen derartigen Genius bekämpfen zu wollen, und auch ein großer Schaden für Volk und Land. Sich aber einem derartigen Schutz Gottes und der Gnade des Herrn widersetzen zu wollen, käme der Verstocktheit eines Pharao gleich.
Wollten sie aber sagen:
"Wenn wir dich jetzt frei ließen und dich nicht weiter überwachen und unter Kuratel stellen würden, würdest du mit deinen Lehren und mit deinen geheimsinnigen (Machenschaften) im Verborgenen noch die ganze Gesellschaft anstecken."
So antworte ich ihnen:
Alle meine Lehren sind ohne Ausnahme auch durch die Hände der Regierung und des Justizwesens gegangen und man hat nicht ein einziges Vorkommnis entdecken können, für das man auch nur einen Tag Strafe hätte fordern können. Vierzig, fünfzig Tausend Kopien dieser Lehren sind von Hand zu Hand gegangen. Doch obwohl sie aufmerksam und mit großem Interesse untersucht wurden, haben ihre Leser nur davon profitiert und keinem von ihnen wurde dadurch irgendein Schaden zugefügt. Da aber nun weder der vorige noch der jetzige Gerichtshof irgendwelche indizierbare Verstöße registrieren konnte, ist es nun eine abscheuliche, sinn- und grundlose Ungerechtigkeit von Ihnen, gegen unseren Freispruch in Berufung zu gehen, der doch von dem neuen Gerichtshof einstimmig garantiert worden ist, mir gegenüber und gegen die Risale-i Nur, wie dies ja auch schon von dem früheren Gerichtshof mit Bestimmtheit bewiesen worden ist, der nur Urteile von sechs Monaten für fünfzehn unter hundertundzwanzig meiner Brüder fällen konnte, die damals eingekerkert waren, und das rein willkürlich, aufgrund von fünf oder zehn indizierten Worten in einhundertunddreißig
Abhandlungen und zugunsten einer Persönlichkeit, die in den Augen der Welt von besonderer Bedeutung ist. Des Weiteren habe ich keine neuen Lehren und keines meiner Geheimnisse ist verborgen geblieben, sodass sie es mir durch eine Überwachung entlocken könnten.
Nun aber brauche ich sehr meine Freiheit. Nachdem man mich zwanzig Jahre lang einer völlig unnötigen, ungerechten und sinnlosen Überwachung unterworfen hat, ist es nun endlich genug! Meine Geduld ist erschöpft. Es wäre möglich, dass ich jetzt in der Schwäche meines Alters alle die Flüche äußern könnte, vor denen ich mich bis jetzt zurückgehalten habe. "Die Seufzer der Unterdrückten steigen auf zu Gottes Thron." ist eine machtvolle Wahrheit.
Später dann sagten diese Despoten, welche in den Augen der Welt so hohe Plätze einnehmen: "Nicht ein Mal in zwanzig Jahren hast du eine unserer Kopfbedeckungen getragen. Nie hast du entblößten Hauptes vor einem der früheren Gerichtshöfe noch vor dem jetzigen Gerichtshof gestanden. Du hast dich uns stets in deiner alten Kostümierung präsentiert. Stattdessen haben siebzehn Millionen moderne Kleidung angelegt."
Ich aber antwortete ihnen: "Statt mich von der Schariah zu dispensieren und nun unter dem Zwang der Gesetze die Kleidung von nicht siebzehn Millionen, oder auch nur sieben Millionen Menschen zu tragen, sondern die von nur sieben Tausend in die Europäer vernarrter Trunkenbolde, ziehe ich es vor, in Übereinstimmung mit der Schariah und aus Furcht vor Gott die Kleidung von siebenhundert Millionen (Muslimen) zu tragen. Man sollte nicht von einem Mann wie mir, der sich seit fünfundzwanzig Jahren vom öffentlichen Leben zurückgezogen hat, sagen: "Er ist verstockt und widersetzt sich uns." Und selbst wenn es meine Verbohrtheit wäre, und selbst Mustafa Kemal konnte (den Alten Said in seiner Verbohrtheit) nicht brechen, und zwei Gerichtshöfe konnten sie nicht brechen, und die Verwaltungshöfe dreier Provinzen konnten ihn darin nicht zerstören: wer bist dann du, dass du dich darum bemühst, mir diese Verstocktheit zum Schaden der ganzen Nation und ihrer
Regierung auszutreiben?! Selbst sollte er ein politischer Gegner gewesen sein, so hat er doch, wie du es selbst bestätigt hast, in diesen letzten zwanzig Jahren alle Verbindungen zur Welt abgebrochen; und du wirst ihn nicht wieder zum Leben erwecken, nachdem er nun gleichsam seit zwanzig Jahren (für die Welt) gestorben ist, und sich selbst einen solchen Tort antun, sich wiederum nutzlos ins politische Leben zu verwickeln und weiter gegen euch anzukämpfen. Es gleicht daher eher einer Geisteskrankheit, ihn eines politischen Widerstandes verdächtigen zu wollen. Da es aber einer Geisteskrankheit gleich kommt, mit geistig gestörten ernsthaft reden zu wollen, gebe ich es auf, mit Ihresgleichen noch weiter zu verhandeln. "Was immer Ihr unternehmen wollt," so habe ich gesagt, "ich fühle mich Ihnen gegenüber zu nichts verpflichtet.", was sie sowohl verärgert, als auch letztendlich zum Schweigen gebracht hat. Mein letztes Wort ist:
{"Gott ist unser befriedigender Anteil und der beste Anwalt." (Sure 3, 173) "Gott ist mein befriedigender Anteil. Es gibt keine Gottheit außer Ihm. Auf Ihn vertraue ich und Er ist der Herr des gewaltigen Thrones." (9, 129)}
Während Bediüzzaman Said Nursi und die Nur-Schüler vor Gericht geführt werden, versuchen die Feinde des Islam die Leute einzuschüchtern und sie zu bedrohen, (weshalb sie nun) bei den öffentlichen Dienststellen völlig frei erfundene Mitteilungen zu Protokoll geben. Dabei bemühen sie sich, jedermann von Bediüzzaman fern zu halten. Sie alle sollen von der Risale-i Nur Abstand nehmen. Auch schmieden sie ihre Intrigen, um die Nur-Schüler untereinander zu spalten und ihre Solidarität zu brechen.
Wir wollen hier auch noch einen Teil der Briefe mit aufführen, die Bediüzzaman Said Nursi bereits im Gefängnis zu Denizli geschrieben hatte, damit sich die Nur-Schüler nicht von einer verlogenen Propaganda täuschen lassen und zugleich auch diesen Nur-Schülern, die sich zutiefst danach sehnten, ihrem geliebten Lehrer (Ustadh) zu begegnen, einen gewissen geistigen Trost zukommen zu lassen, wie er das ja auch schon früher getan hatte. Die Nur-Schüler besorgten sich insgeheim diese im Gefängnis geschriebenen Briefe und alle Werke ihres Lehrers (Ustadh) und brachten sie in Sicherheit. Denn Hazret-i Üstadh wurde in jedem Gefängnis in völliger Isolationshaft gehalten, weshalb ihm jede Begegnung mit anderen verboten war.
Da die nachstehende Schrift von einem Spion in die Hände der Behörden überliefert worden ist, wurde sie in die Sammlung "Lahiqa" aufgenommen.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei! Denn es gibt keines unter den Dingen, das nicht dankend Ihn lobpreist."}
Einen Tag vor dem Ehrwürdigen Ramadan, als das Fieber infolge einer Vergiftung, welche mir höchstwahrscheinlich meine gottlosen Feinde heimlich zugefügt hatten, was selbst der Arzt bestätigte, bereits die Vierzig-Grad-Grenze zu überschreiten begann, kamen die Staatsanwälte von Kastamonu mit einer Untersuchungskommission, um meine Unterkunft zu durchsuchen. Von diesem Augenblick an, nachdem dieser abscheuliche Anschlag über mich gekommen war, stieg in mir jenes Vorgefühl auf und ich sagte mir: "Diese Vergiftung hat mich schwer krank werden lassen und wird mir noch den Tod bringen. Da flehte ich in meinem Herzen, ich möge im Lande (vilayat) Isparta in
den Armen meiner kostbaren Brüder meinen Geist (ruh) aushauchen und dort in dieser gesegneten Erde begraben werden." Dann schlug ich meine Blütenlese (Hizb-ul Ekber) aus dem Qur'an auf und plötzlich fiel mein Blick auf die folgende Ehrwürdige Ayah:
{"So erwarte denn geduldig den Richtspruch deines Herrn. Denn du stehst vor unseren Augen. So preise nun deinen Herrn in Dankbarkeit!" (Sure 52, 48)}
Sie sagte zu mir: "Schau mich an!" Da blickte ich sie an (und siehe): Drei mächtige Hinweise (verwiesen mich) auf die Zeichen ihrer Bedeutung und spendeten uns ihren Trost. Da kam mir in den Sinn, dass diese Plage in gewisser Weise Null und nichtig geworden war. So verlegte man meine Haft nach Isparta, welches der fünfte Ort (meiner Verbannung) wurde und zugleich auch der Beweis dafür war, dass das Gebet meines Herzens (qalbi dua) erhört wurde.
Der erste Hinweis: Zählt man die Verdopplungszeichen (shedde) mit, so ergibt sich nach der Abdjed-Rechnung die Jahreszahl 1362, was nach arabischer Zählung zeitlich genau (mit dem Jahr) übereinstimmt (in dem wir uns jetzt befinden: 1942 n.C.). Sinngemäß heißt das: "Sei geduldig! Bezeuge, was dein Herr über dich bestimmt (kadha) hatte! Du stehst unter dem Auge Seiner Gnade (inayet). Sorge dich nicht! Setze in den Nächten auch weiterhin deine Lobpreisungen (tesbihat ve tahmidat) fort!"
3 ra-ر sechshundert; 4 nun-ن zweihundert; 1 sin-س eins mim-م einhundert; 1 sad-ص eins, 1 fe-ف , eins mim-م zweihundertundzehn; 4 kef-ك , ein 'ayn-ع einhundertfünfzig; 1 ha-ح , ein vav-و , ein ye-ى vierzig; 1 lam-ل , neun be-ب , ein dal-د , ein vav-و , vier elif-ا zweiundsechszig;
Alles zusammengerechnet ergibt 1362.
Es ist exakt dieselbe Zeit, in der dieses Unheil über uns gekommen ist, jetzt in diesem Augenblick, mit einer absolut genauen Übereinstimmung! Fürwahr ein mächtiges Zeichen!
..........
Da die Erklärung des dritten Hinweises z.Zt. nicht notwendig ist, kann ich sie hier jetzt nicht niederschreiben.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Zu einer Zeit, als ich infolge der Auswirkungen dieses Ereignisses mich mit großem Ernst und in aller Bestimmtheit dazu entschloß, mich von ganzem Herzen für meine unschuldigen Brüder einzusetzen und nun nach einer Lösung (für dieses Problem) suchte, las ich die «Djeldjelutiye». Da kam mir plötzlich der Gedanke, dass ja dort Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, betet: "Oh Herr, habe Mitleid (aman) mit uns!" Möge Gott es so wollen (insha-a'llah), dass auch ihr im Geheimnis dieser Anrufung (dua) in Frieden entlassen werdet.
In seinen «Qasidat-ul'Djeldjelutiye» berichtet uns Hazret Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, in der Tat auf zwei verschiedene Arten über die Risale-i Nur und weist auf "Das Große Zeichen" hin, indem er sagt:
{"Und durch "Das Große Zeichen" errette mich vor Unheil und Trübsaal!"}
Mit dieser Andeutung weist er darauf hin, dass ein großes Unheil die Schüler der Risale-i Nur aufgrund des "Großen Zeichens" überkommen werde und fleht, dass doch seine Schüler um des "Großen Zeichens" willen aus Unheil
und «fedjet» (Trübsaal) gerettet (aman) werden mögen. So macht er diese Abhandlung (Risalah) und die ihr zugrunde liegende Quelle (: Ayah 17,44) zu ihrem Fürsprecher. So war denn die Drucklegung des "Großen Zeichens" der Vorwand für das Unheil, das daraus folgte und bestätigte in der Tat genau diesen Hinweis aus dem Verborgenen.
Ferner heißt es dort in dieser Kasside auf der gegenüberliegenden Seite, am Ende des Hinweises auf die bedeutendsten Abschnitte der Risale-i Nur und ihrer Anordnung sinngemäß:
{"Von den Worten des Lichtes sammle die besonderen und erforsche ihre Bedeutungen. Denn durch sie wird das Gute erfüllt."}
Das heißt also: "Dieses sind die Worte und Buchstaben (huruf) der Risale-i Nur, auf die wir verschiedene Hinweise gegeben haben. Lies die besonderen unter ihnen heraus und erforsche ihre Bedeutungen. Denn alles Glück und alles Gute wird durch sie vervollkommnet." Die Aufforderung: "Erforsche die Bedeutung der Buchstaben (huruf)!" bezieht sich nicht auf die alphabetische Reihenfolge der Buchstaben, die keinen Sinn ergibt, sondern auf die Abhandlungen (risalah), die auf Türkisch "Sözler", d.h. arabisch «kelimat» (: Worte) oder auch «bi-l'huruf» (: buchstäblich, wörtlich) genannt werden.
{"Niemand kennt das Verborgene außer Gott."}
{"Unser Herr! Ziehe uns nicht zur Rechenschaft, wenn wir vergesslich waren oder uns versehen haben!" (Sure 2, 286)}
Diverse Briefe an seine Schüler
{"Im Namen dessen, der Gepriesen sei."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Zur vergangenen Nacht der Bestimmung (leylatu-l'-qadr) und den kommenden Festtagen (Bayram Ramadhan) gratuliere ich euch aus meinem ganzen Sein (maudjudiyet) heraus und vertraue euch der Einheit und dem Erbarmen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen an. In Übereinstimmung mit dem Geheimnis (der Hadith) مَنْ اٰمَنَ بِالْقَدَرِ أَمِنَ مِنَ الكَدَرِ {"Wer dem göttlichen Vorherwissen vertraut, bleibt von Sorgen verschont."} sehe ich zwar nicht, dass ihr eines Trostes bedürftet, möchte euch aber dennoch sagen:
{"Erwarte nun in Geduld die Befehle deines Herrn! Denn fürwahr: wir haben dich stets vor unseren Augen! So lobe und preise nun deinen Herrn!" (Sure 52, 48)}
In der Bedeutung, auf die diese Ayah hinweist, habe ich gesehen, dass mir in ihr jegliche Tröstung gegeben wurde. Es ist dies wie folgt:
Während ich noch darüber nachdachte, die Welt zu vergessen und den Ramadan in aller Stille zu verbringen, ereignete sich plötzlich dieser unvorhergesehene und ganz und gar über alles Erträgliche hinaus schreckliche Zwischenfall. Dennoch bezeuge ich, dass er sowohl für mich, als auch für die Risale-i Nur, als auch für euch und für unseren Ramadan, als auch für unsere Bruderschaft die reine Gnade ist. Ich will hier nun nur zwei oder drei der großen Vorteile schildern, die er für mich selbst hat.
Eine geradezu ekstatische Ernsthaftigkeit und Einsatzbereitschaft, meine Zufluchtnahme und mein Flehen zu Gott ließen mich meine schwere Krankheit überwinden und (machten es mir möglich, mich auch) im Ramadan einzusetzen.
Mein Wunsch, euch alle in diesem Jahr einmal wiederzusehen und mit euch beisammen zu sein, war besonders heftig. Auch nur einen von euch wiederzusehen und wieder einmal nach Isparta zu gehen, hätte ich jegliche Mühsal auf mich genommen.
Zudem änderten sich plötzlich auf eine ganz außerordentliche Weise alle diese schmerzlichen Zustände sowohl noch in Kastamonu, als auch schon auf dem Wege hierher, als jetzt auch hier (in Denizli). Im Gegensatz zu dem, was ich eigentlich erwartet und befürchtet hatte, wurde eine gnädige Hand sichtbar, was mich ausrufen lässt:
{"Das Gute liegt in dem, was Gott beschlossen hat."}
Was mich am meisten dazu brachte, mir dessen bewusst zu werden, war, dass Er selbst noch die gottvergessensten und sogar diejenigen, die in dieser Welt auf den höchsten Rängen sitzen, dazu bringt, die Risale-i Nur mit größter Aufmerksamkeit zu lesen und so noch weitere Bereiche für die Eroberung (der Herzen) öffnet. Ich habe jedermanns Schmerzen und allen Kummer wie mein eigenes Leiden erlitten. Doch seitdem eine jede Plage hundert Verdienste (sevab) einer Stunde Dienst und Anbetung auf Tausend erhöht, da ja im gesegneten Monat Ramadan eine jede Stunde so viel wie hundert Stunden entspricht, wurden mein Kummer und meine Sorge für Menschen, die so aufrichtig (ikhlas) sind wie ihr und die Lektionen der Risale-i Nur sorgfältig gelernt haben und nun wissen, dass die Welt flüchtig und vergänglich wie ein Marktplatz ist,
und die alles um ihres Glaubens willen und für das Jenseits zum Opfer bringen, und die glauben, dass alle diese vorübergehenden Plagen in der Schule Josefs ewige Freude und Gewinn erbringen werden, seitdem wurden sie in Glückwünsche, in Lob und Anerkennung eurer Standhaftigkeit umgewandelt. So erklärte ich denn
{"Lobpreis und Dank sei Gott für eine jegliche Gegebenheit, es sei denn (für den Zustand) des Unglaubens und des Irrtums."}
Ich bin nun der Meinung, dass es in dieser Hinsicht sowohl für mich selbst als auch für unsere Bruderschaft als auch für uns alle jetzt im Ramadan, wie auch für die Risale-i Nur so viele Vorzüge gibt, dass wir, würde nun der Schleier hinweggezogen, ausrufen würden: "Oh Herr! Dank sei Dir! Dieses göttliche Vorauswissen (qadr) und seine Bewahrheitung (qadha) sind für uns ein Geschenk Deiner Güte (inayet)!"
So tadelt denn nicht diejenigen, die all die Umstände zuwege gebracht haben. Diese so weitreichenden und so furchterregenden Pläne zu diesen unheilvollen Geschehnissen waren schon seit langem (für euch) vorbereitet. Doch innerlich sind wir ganz leicht darüber hinweg gekommen. Möge Gott es wollen, dass dies alles schnell vorüber geht. Nach dem Geheimnis der Ayah
{"Vielleicht ist euch etwas zuwider, und es ist doch gut für euch!" (2, 216)}
So seid also nicht betrübt!
Meine lieben Brüder!
Ich bin sehr froh, wieder in eurer Nähe zu sein. In meiner Vorstellung unterhalte ich mich zuweilen mit euch und dann fühle ich mich dabei auch getröstet. Wisset, dass wenn es möglich wäre, ich es mir zur Ehre gereichen lassen, all eure Leiden mit Freuden auf mich zu nehmen. Euretwegen liebe ich Isparta und seine Umgebung bis hin zu seiner Erde und seinen Steinen. Ja ich sage sogar und werde das auch öffentlich erklären: sollte die Justizbehörde in Isparta mir irgendeine Strafe auferlegen, während irgendein anderer Bezirk mich freispräche, würde ich dennoch diese (Gegend) hier vorziehen.
Ich bin Isparta in der Tat in dreierlei Hinsicht verbunden. Ich kann es zwar geschichtlich nicht nachweisen, bin aber dennoch davon überzeugt, dass Saids in der Umgebung von Isparit (bei Bitlis) zur Welt gekommene Vorfahren von da hierher gekommen sind. Und die Stadt Isparta hat mir so treue Brüder geschenkt, dass ich glücklich wäre, für jeden von ihnen nicht nur Abdulmedjid und Abdurrahman, sondern auch Said zum Opfer zu bringen.
Ich vermute, dass es z.Zt. auf dem ganzen Erdenrund niemanden gibt, der sich in seinem Herzen, in seinem Geist, seinem Verstand weniger Leid zuzieht als die Schüler der Risale-i Nur. Denn Herz, Geist und Verstand ziehen sich im Lichte eines aufrechten Glaubens kein Leid zu. Was körperliche Leiden betrifft, so wissen sie aus den Lehren der Risale-i Nur, dass sie sowohl vergänglich als auch ohne jede Bedeutung, zugleich aber verdienstvoll sind und ein Mittel, durch das sich der Dienst am Glauben in anderen Kanälen weiter fortentwickelt, weshalb sie ihnen mit Dankbarkeit
und in Geduld begegnen. Sie beweisen durch ihren Gemütszustand, dass ein aufrechter Glaube (iman) noch in dieser Welt eine Quelle der Glückseligkeit ist. So sagen sie in der Tat: "Lasst uns sehen, was unser Herr (Maula) tut. Was immer Er tut, ist wohlgetan." Deshalb bemühen sie sich standhaft, diese vergängliche Mühsal in bleibende Labsal umzuwandeln.
Möge Gott der Erbarmer aller Barmherzigen die Zahl derer, die ihnen gleichen vermehren und sie zu einer Quelle des Glückes und des Stolzes für dieses Land machen und ihnen die ewige Glückseligkeit in den Gärten des Paradieses schenken! Amen
{"Im Namen dessen, der Gepriesen sei."}
Nochmals gratuliere ich euch zu den Festtagen. Seid nicht traurig, dass wir uns nicht persönlich begegnen können. In Wahrheit sind wir ja allezeit beieinander. Möge Gott es wollen (insha-a'llah), dass dieses Zusammensein auf dem gemeinsamen Weg sich in Ewigkeit fortsetzen wird. Ich bin davon überzeugt, dass die ewigen Verdienste, die Tugenden und Freuden des Geistes und des Herzens, die dir im Dienst am Glauben zuteil werden die gegenwärtigen, zeitlichen, rein vorübergehenden Sorgen in nichts zusammenschmelzen lassen. Es hat bis jetzt noch nie jemanden gegeben, der so wenig unter den Schwierigkeiten gelitten hätte wie die Schüler der Risale-i Nur in ihrem heiligen Dienst. Das Paradies ist in der Tat nicht billig zu haben. Andere vom absoluten Unglauben zu erretten, der das Leben in beiden Welten zerstört, ist in unserer Zeit von allergrößter Wichtigkeit. Wenn auch ein klein wenig Mühe damit verbunden ist, sollte man dem doch mit Begeisterung, Dankbarkeit und Geduld begegnen. Da unser
Schöpfer, der uns in Dienst nimmt, allbarmherzig und weise ist, sollten wir auf Sein Erbarmen und Seine Weisheit vertrauen und allem mit Freude und Zufriedenheit begegnen.
Was ich in meiner letzten kurzen Verteidigungsrede gesagt habe:
Was uns die Risale-i Nur über die Liebe (shefqat), das Gewissen, Wahrhaftigkeit (haqq) und Wirklichkeit (haqiqat) lehrt, hält uns von der Politik ab. Denn Unschuldige stürzen ins Unglück (bela). Wir aber würden ihnen gegenüber ungerecht sein. Einige Leute wollten dafür eine Erklärung hören. Ich sagte ihnen:
In unserem stürmischen Jahrhundert haben Rassismus und Egoismus, wie er aus der Grausamkeit der Kolonialmächte erwuchs, und die Militärdiktaturen, die aus dem letzten Weltkrieg hervorgegangen sind, und eine Gnadenlosigkeit als Folge der Irrleitung zu einer so außergewöhnlichen Ungerechtigkeit und zu einer so außergewöhnlichen Tyrannei geführt, dass, wollten die Leute der Wahrheit ihre Rechte mit physischer Gewalt verteidigen, oder mit einer außergewöhnlichen Ungerechtigkeit, würden viele Unglückliche unter dem Vorwand, Partisanen zu sein, verbrannt werden; und in dieser Lage werden auch sie höchst ungerecht sein und besiegt werden. Denn diejenigen, welche aus den obigen Gefühlen heraus reagieren, werden unter irgendeinem primitiven Vorwand für die Fehler von ein, zwei Leuten zwanzig, dreißig schlagen und sie vernichten. Wenn aber die Leute der Wahrheit auf dem Wege von Recht und Gerechtigkeit nur den schlagen, der schlug, so besiegen sie nur den einen angesichts des Verlustes von dreißig und befinden sich so in der Position des Unterlegenen. Wollten aber die Leute der Wahrheit in Übereinstimmung
mit dem ungerechten Gesetz der Vergeltung mit Gleichem gleichfalls zwanzig, dreißig Leute an die Wand stellen für ein oder zwei, die verkehrt gehandelt haben, so begingen sie im Namen der Gerechtigkeit eine fürchterliche Ungerechtigkeit.
So ist denn dies nun die Wahrheit und Weisheit und der Grund dafür, dass wir es auf Weisung des Qur'an stets mit solchem Nachdruck, ja Abscheu vermieden haben, uns um die Politik zu kümmern und in die Regierungsgeschäfte einzumischen. Denn die Macht der Wahrheit (haqq), über die wir verfügen, ist von der Art, dass wir unser Recht (haqq) ohne jede Einschränkung hätten verteidigen können. Da aber ein jedes Ding unbeständig und vergänglich ist und der Tod nicht stirbt und das Tor des Grabes sich nicht schließt, doch Leid sich in Barmherzigkeit umwandelt, werden wir sicherlich mit Geduld und in Dankbarkeit auf Gott vertrauen und schweigen. Dieses Schweigen aber unter Zwang und Druck zu brechen wäre der Einsicht in die Gerechtigkeit, dem Eifer für das Land und der Hingabe für das Volk ganz und gar konträr und entgegengesetzt.
Die Mitglieder der Regierung, die Politiker, die Verwaltungsbeamten, die Aufsichtsbeamten, die Polizei und die Organe der Justiz haben nichts, weswegen sie mit uns in Streit geraten sollten. Es könnte höchstens so sein, dass einige versteckte Atheisten in ihrem völligen Unglauben, den keine Regierung der Welt verteidigen könnte und der keinem verständigen Kopf irgendeines Menschen willkommen sein dürfte, und in ihrer fanatischen Glaubenslosigkeit, der aus ihrem Materialismus erwächst und eine fürchterliche Seuche für die Menschheit ist, und in ihrer Bosheit eine gewisse Anzahl von Regierungsbeamten betrügen, sie zu Verdächtigungen aufstacheln und sie gegen uns aufhetzen. Wir aber sagen dagegen: selbst wenn sie nicht nur ein paar argwöhnische Leute sondern selbst die ganze Welt in dieser Weise gegen uns aufhetzten, würden wir in der Kraft des Qur'an und mit der Gnade Gottes nicht fliehen; wir würden unsere Waffen nicht vor
dem völligen Unglauben dieser Renegaten und Agnostiker niederlegen!...
{"Im Namen dessen, der Gepriesen sei."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Eure Standhaftigkeit und Unerschütterlichkeit lässt alle Pläne der Atheisten und Heuchler scheitern.
Meine Brüder, es gibt hier in der Tat nichts zu verbergen. Diese Atheisten vergleichen die Risale-i Nur und ihre Schüler mit den Sufi-Orden und besonders mit dem Naqshibandi-Orden. So schmiedeten sie ihre Pläne, uns zu verderben und zu vernichten, uns in einen Hinterhalt zu locken und letztendlich klein zu kriegen, so wie sie zuvor bereits die Sufis besiegt hatten.
Durch uns in Angst und Schrecken zu versetzen und einzuschüchtern und dabei aufzuzeigen, mit welch schlimmen Dingen der Sufi-Orden seine Zeit verschwendet.
Um die Fehler ihrer Anführer und ihrer Angehörigen bekannt zu machen.
Indem sie sie durch ein zwar ausschweifendes, aber dennoch recht verlockendes (Leben) und das berauschende, aber durchaus wohlschmeckende Gift ihrer materialistischen Philosophie und Zivilisation verderben, ihre Bereitschaft, sich füreinander einzusetzen, untergraben, sie durch Lüge und Verrat gegen ihre Lehrmeister aufbringen und ihre Berufung (meslek) durch die Grundsätze ihrer Wissenschaft und Philosophie in deren Augen herabzuwürdigen. Sie haben uns mit den gleichen Waffen angegriffen, die sie auch gegen die Naqshibandis und andere Sufis verwendet hatten, haben sich aber dabei getäuscht. Denn da die Risale-i Nur von ihrer Basis her eine Berufung (meslek)
zu völliger Wahrhaftigkeit ist, Entsagung und ein selbstloses (Leben verlangt und dazu aufruft), Gottes Barmherzigkeit (rahmet) auch noch unter Schwierigkeiten zu entdecken, auch im Leid eine beständige Freude zu empfinden, auf den Schmerz und die Pein hinzuweisen, welche alle vergänglichen Vergnügungen eines ausschweifenden (Lebens) mit sich bringen, wobei der Glaube zugleich auch der Quellgrund zahlloser Freuden ist, und dabei alle die Punkte und Wahrheiten zu lehren, nach der alle westlichen Philosophien vergeblich ihre Hände ausstrecken, so möge Gott es auch wollen (insha-a'llah), dass alle ihre Pläne in Nichts zerrinnen werden. Was aber die Risale-i Nur betrifft, so braucht sie einen Vergleich mit den Sufi-Orden (tariqat) nicht zu scheuen und wird sie alle noch zum Schweigen bringen.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Ich bin davon überzeugt, dass diejenigen, die nicht durch die schwere Prüfung in den beiden "Schulen Josefs", die frühere und die jetzige, erschüttert worden sind, ihre Lektionen nicht versäumt haben und es doch nicht aufgegeben haben, weiter ihre Schüler zu sein, obwohl sie sich schon an der heißen Suppe ihren Mund verbrannt haben, und deren moralische Kraft trotz aller Widerstände noch ungebrochen geblieben ist, ihren Beifall sowohl bei allen Leuten der Wahrheit (haqiqat) dieser und künftiger Generationen finden, wie ihnen sicherlich auch alle Engel und guten Geister zujubeln werden. Weil aber einige unter euch krank, von empfindsamer Natur oder arm sind, ist die körperliche Anstrengung für sie beträchtlich. Wenn ich jedoch dabei an all die anderen denke, die ihnen Trost spenden,
die ihnen in gutem Benehmen (ahlak) und in der Geduld ein hervorragendes Beispiel geben, an die liebenswerten (shefqat) Brüder, die ihnen eine Stütze sind und ihnen voll Güte ihre Aufmerksamkeit schenken, die ihnen bei der Besprechung der einzelnen Lektionen geistreiche Partner (muhatab) sind, die ihnen in allen guten Sitten als ein Spiegel dienen und so alle körperliche Mühsal zu einer Nichtigkeit werden lassen, so fühle ich mich (in all meiner Sorge) um euch, die ich mehr liebe als mein Leben (ruh), wahrhaftig (haqq) getröstet.
Eines Tages werde ich euch Maulana Khalids (1779 - 1827) Gewand übersenden, das hundertundzwanzig Jahre alt ist. Ich werde jeden einzelnen von euch in seinem Namen damit einweihen, segnen und beschenken, so wie er auch mich einst eingeweiht hat. Ich werde es euch übersenden, wann immer ihr dies wünscht.
Meine lieben, getreuen Brüder!
Die Weisheit (hikmet) hinter der Gerechtigkeit (adalet), mit der uns Göttliches Vorherwissen (Qader-i Ilahi) hierher in diese Schule Josefs in Denizli geführt hat, liegt darin, dass sowohl ihre Gefangenen, als auch ihre Leute, ja vielleicht sogar ihre Vollzugs- und Justizbeamten die Risale-i Nur und ihre Schüler nötiger haben als die Leute irgendwo anders. Aus diesem Grund werden wir hier dieser schweren Prüfung unterzogen als einer Aufgabe im Glauben und für das Jenseits. Nur ein oder zwei Gefangene unter zwanzig oder dreißig hatten vorher die Gebete (namaz) so verrichtet, wie es sich gehört (tadil-i erkan). Jetzt haben alle vierzig bis fünfzig ohne Ausnahme damit begonnen, den Nur-Schülern zu folgen und die Gebete (namaz) in aller Vollkommenheit zu verrichten. Dies ist eine solche Schulung (ders) und Führung (irshad) im Ausdruck ihrer Haltung und ihrer Tat (lisan-i hal ve fiil), dass sie alle Mühsal und alle Anstrengungen daneben in Nichts zerrinnen,
ja sie geradezu lieben lässt. Wir erhoffen von der Barmherzigkeit (rahmet) und Güte Gottes (inayet), dass, so wie die Schüler diese Lektion durch ihr Beispiel (ef'al) erteilt haben, sie auch durch den starken und wahrhaftigen Glauben (tahqiq-i iman) in ihren Herzen zu einer stählernen Festung werden, welche die hier anwesenden Leute des Glaubens von allen Zweifeln und Verdächtigungen durch die Leute des Irrweges befreit.
Die Weltleute, die uns hier davon abhalten wollen, miteinander zu reden und Kontakt miteinander zu halten, können uns nicht schaden. Der beredte Ausdruck unserer Haltung ist weitaus stärker als unser mündlicher Ausdruck und spricht mit einer größeren Wirkung. Da man nun einmal ins Gefängnis geht, um erzogen zu werden, sollten die Wärter, wenn sie das Volk lieben, doch den Gefangenen erlauben, sich mit den Schülern der Risale-i Nur zu treffen, sodass sie in einem Monat, ja vielleicht sogar schon an einem Tag mehr an Erziehung erhalten könnten, als sonst in einem ganzen Jahr und so zu Menschen werden könnten, zu Nutz und Frommen für sich selbst in ihrer eigenen Zukunft und im Jenseits, für ihr Land und sein Volk. Es wäre auch von großem Vorteil, wenn wir hier einen "Wegweiser für die Jugend (Gentjlik rehberi)" hätten. Möge Gott es so wollen (insha-a'llah), dass wir ihn eines Tages bekommen werden.
Meine lieben, getreuen Brüder!
Heute erinnerte ich mich wieder an das euch ja bereits bekannte Gespräch zwischen meinem seligen älteren Bruder Molla Abdullah und Hasret-i Ziyaeddin. Danach aber dachte ich an euch und sagte in meinem Herzen zu mir selbst: "Sollte sich der Vorhang zur unsichtbaren Welt heben und ein jeder dieser wahrhaft gläubigen und wirklich ernst zu nehmenden Muslime, die in diesen unruhigen Zeiten eine solche Standhaftigkeit bewiesen haben und inmitten
dieser tosenden, flammenden Zustände unerschütterlich geblieben sind, würde sich als ein Freund Gottes (veli) oder gar als ein Pol im geistlichen Leben (qutub) herausstellen, so würde doch ihre Bedeutung und mein Interesse an ihnen in meinen Augen kaum etwas gesteigert werden. Auch sollte es sich herausstellen, dass sie ganz einfache, gewöhnliche Leute gewesen sind, so bliebe ich doch entschlossen, meine Wertschätzung ihnen gegenüber in keiner Weise zu verringern. Denn die Aufgabe, seinen Glauben unter derart extremen Bedingungen zu bewahren, ist größer als was sonst auch immer. In derartigen, von schweren Unruhen und Erschütterungen heimgesuchten Umständen verflüchtigen sich die Tugenden, die man Leuten in gehobener Stellung (maqam) zugeschrieben hatte und die gute Meinung anderer über sie, sobald ihr guter Ruf zerstört wurde und (ihre Schüler) in ihrer Liebe (muhabbet) nachlässig werden. Sodann fühlt sich derjenige, der diese Tugenden besitzt, dazu gezwungen, in seinem Auftreten zu Kunstgriffen und leeren Phrasen seine Zuflucht zu nehmen und ein besonders würdevolles Benehmen an den Tag zu legen, um seine Stellung in den Augen (seiner Schüler) zu retten. So sei denn ein unendlicher Dank (dem, der) uns nicht einem derartigen Bedürfnis nach solch kalten Kunstgriffen (überlassen hat)!
Meine lieben Brüder!
Sicherlich hat die allgemeine Lage auf die Leute der Regierungspartei und einen Teil der Beamten abschreckend gewirkt und sie dazu bewegt, sich von der Risale-i Nur zurückzuziehen, doch zugleich auch die Aufmerksamkeit aller Anhänger der Oppositionspartei, sowie bei allen religiösen Leuten eine Sehnsucht und ein Interesse bei den zuständigen Beamten geweckt. Macht euch also keine Sorgen: diese Lichter werden noch aufgehen!
Meine lieben Brüder!
Ich möchte doch einmal annehmen, dass unsere letzte, aufrichtige Verteidigungsschrift die kurze Abhandlung sein wird, welche eine Frucht unseres Gefängnisaufenthaltes in Denizli ist. Denn mit den Plänen, die in den letzten Jahren, die zunächst aufgrund einiger bloßer Verdächtigungen, dann aber in großem Umfang gegen uns geschmiedet wurden, verhält es sich folgendermaßen: "Man hat uns aufgrund einiger völlig haltloser Vorwürfe, wie der Gründung eines Sufi-Ordens oder der Aufrichtung eines Geheimbundes, oder aber ein Werkzeug in den Händen fremdländischer Mächte zu sein, der Ausnutzung religiöser Gefühle zu politischen Zwecken, einer Wühltätigkeit gegen die Republik oder einer Einmischung in die Angelegenheiten der Regierung und eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, angegriffen. Gott dem Gerechten sei endlos Dank, dass ihre Pläne im Sand verlaufen sind. In einem derart weitläufigen Gebiet mit Hunderten von Schülern und Hunderten von Abhandlungen hatte man im Verlaufe von achtzehn Jahren außer den Wahrheiten (haqiqat) des Glaubens, dem Qur'an und einem steten Streben nach einem wahren (tahqiq) Jenseits und der Ewigen Glückseligkeit weiter nichts finden können. Um ihre wahren Absichten besser verheimlichen zu können, begannen sie, nach jedem nur möglichen Vorwand zu suchen. Doch denke ich einmal, dass angesichts dieser furchtsamen und feigen Atheisten und einer Organisation, die selbst schon einige leitende Persönlichkeiten unter der Regierung betrogen hat, um sie gegen uns aufzubringen, (einer Organisation) die sich gegen uns gewandt hat, möglicherweise, um uns anzugreifen, wir genötigt waren, eine Abhandlung über die Frucht des Glaubens (Meyve Risalesi: Fruchtabhandlung) als eine machtvolle Verteidigung gegen sie zu schreiben, die so klar wie die Sonne ist, alle Zweifel zerstreut und so fest und unerschütterlich ist wie ein Berg, um sie wieder zum Schweigen zu bringen.
Meine lieben Mitbrüder!
Als ich am heutigen Freitag mit besonderer Aufmerksamkeit einen Abschnitt (hizb) aus dem Qur'an las, seid ihr mir wieder in Erinnerung gekommen. "Was sollen wir nur tun, um uns vor diesem Unheil retten zu können?", habt ihr mich mit eurer Haltung gefragt. Und in meinem Herzen entstand (die Vorstellung): In fester Verbundenheit sollt ihr Hand in Hand und Schulter an Schulter stehen. Denn diejenigen, welche sich voneinander, von der Risale-i Nur und von mir zurückziehen und mich verleugnen und statt dessen der versteckten Macht, die uns erdrücken will, heucheln und schmeicheln und dergleichen Dinge tun, haben nur ihren Schaden davon, aber keinen Vorteil. Doch ich versichere euch: wüsste ich, dass ihr euch von mir zurückziehen wollt, um euch zu retten, mich verachtet und verratet und schlecht über micht redet: ich gebe euch meine Erlaubnis dazu und spreche euch frei (helal). Doch diese versteckte Macht, die uns erdrücken will, kennt euch und täuscht sich nicht. Eure Schwäche, in der ihr euch (vor ihnen) zurückzieht, gibt ihnen Mut und so verstärken sie nur noch ihren Druck. Da nun aber Freundschaft und Bruderschaft unser Weg (meslek) ist, gibt es in Hinsicht auf Selbstsucht und persönliche Vorteile keine Rivalitäten. Dabei sollte man nicht die vielen Fehler, Schwächen und Mängel einer solch hilflosen (Person) wie mich betrachten, sondern stets die Vollkommenheit (kemalat) der Risale-i Nur im Auge behalten!
Meine lieben getreuen Brüder!
Ein recht bedeutender Quell des Trostes angesichts dieser raschen Wechselfälle in diesem irdischen Leben, seinem Verfall und seinen flüchtigen, fruchtlosen Vergnügungen, mit seinen Ohrfeigen von Abschied und Trennung ist die Begegnung mit treuen Freunden. Manchmal reist in der Tat jemand zwanzig Tage weit und gibt unterwegs hundert
Lira aus, um einen einzigen Freund auch nur für ein oder zwei Stunden zu sehen. So macht denn heute, in diesen merkwürdigen, freundlosen Zeiten diese unverhoffte Möglichkeit, vierzig, fünfzig wahren Freunden zu begegnen und ein, zwei Monate mit ihnen beisammen sein und mit ihnen in Gott Gemeinschaft (sohbet) pflegen und einen echten Trost von ihnen empfangen und ihnen auch geben zu dürfen, die damit verbundenen Schwierigkeiten und den finanziellen Verlust geradezu billig und ohne jede weitere Bedeutung... Ich selbst würde alle diese Mühen bereits auf mich genommen haben, um auch nur einen einzigen meiner Freunde wiedersehen zu können, von dem ich doch nun schon seit zehn Jahren getrennt bin. Sich darüber beklagen zu wollen hieße, was Gott bestimmt hat, kritisieren zu wollen, während doch Dankbarkeit, sich ihm (qadr) anzuvertrauen (teslim) bedeutet.
Meine lieben getreuen Brüder!
Die ihr euch nun einmal für das Jenseits, für das Gute, für die Anbetung (ibadet) und um der Verdienste (sevab) willen, für den Glauben und das Jenseits an die Risale-i Nur gebunden habt, ist es sicherlich auch notwendig, dafür zu danken, dass ihr hierher gekommen seid, um in Empfang zu nehmen, was Gott für euch vorbereitet hat (qismet) und die Speise (rizq) eurer Versorgung (muqadder) zu essen u٧ۨۙdie Verdienste (sevab) der genossenen Speisen zu ernten. Dies wurde von Gott für die Schule Josefs vorher bestimmt, einen Ort der Prüfung, an dem eine jede Stunde unter erschwerten Bedingungen zwanzig Stunden der Anbetung gleich gezählt wird. Da diese zwanzig Stunden aber gleich einem Streben am Dienst im Qur'an und im Glauben sind, so haben sie zugleich auch den Wert von hundert Stunden. Und diese hundert Stunden bestehen in einer Begegnung mit den Brüdern, die sich auf Gottes Wegen einsetzen, von denen ein jeder die Bedeutung
von hundert Leuten hat, die untereinander einen Bund als Brüder geschlossen haben, die einander stärken und voneinander Stärke empfangen, die einander trösten und voneinander Tröstung empfangen, die sich in diesem heiligen Dienst als standhaft erweisen durch eine wahre gegenseitige Hilfeleistung, die aus ihren besonderen Vorzügen ihren Nutzen ziehen und sich auf diese Weise als würdig erweisen Schüler der Medresetu-z'Zehra zu sein. Es ist durchaus notwendig, angesichts all dieser Mühsal auch an den oben erwähnten Nutzen zu denken und ihnen in Ausdauer und Geduld zu begegnen.
Meine lieben, getreuen, standhaften und glaubensstarken Brüder!
Ich möchte euch etwas über die hiesigen Verhältnisse (hal) bekannt geben, nicht, damit ihr euch deswegen betrüben oder Gegenmaßnahmen ergreifen solltet, sondern um noch mehr von euren gemeinsamen Gebeten Nutzen zu haben und damit ihr ein wenig mehr Selbstdisziplin üben möget, Vorsicht, Ausdauer und Geduld, und damit eure gegenseitige Hilfeleistung euch bewahrt bleibe. All die Leiden und Qualen, die ich hier an einem Tag erdulden muss sind mehr als das, was ich im Gefängnis in Eskishehir in einem Monat zu erdulden hatte. Diese abscheulichen Atheisten haben einen von diesen unerbittlichen Atheisten auf mich angesetzt, damit ich in meiner Wut und wegen dieser ständigen Belästigungen "Jetzt reicht's aber!" ausrufen sollte, was sie dann wiederum zum Vorwand nehmen könnten, als Grund für ihre grausamen Angriffe benutzen, um dahinter ihre Lügen verstecken zu können. Als wunderbares Zeichen der Güte (ihsan) Gottes bringe ich in Geduld meine Dankbarkeit dar und habe mich entschlossen, auch weiterhin so fortzufahren.
Da wir uns aber nun einmal dem Göttlichen Ratschluss ergeben (qadere teslim) haben, nehmen wir all diese
Leiden in Übereinstimmung mit dem Geheimnis (der Hadith) خَيْرُ اْلاُمُورِ اَحْمَزُهَا {"Die besten Dinge sind die, welche unter ihnen die schwierigsten sind."} auf uns und wissen doch zugleich, dass sie ein geistiges Geschenk (ni'met) sind, um durch sie noch mehr Verdienste erwerben zu können. Und da uns nun einmal am Ende allen vergänglichen, stets nur irdischen Unglücks gewöhnlich die Heiterkeit (der Seele) und die Güte (Gottes) erwarten, und da wir die an eine wahrhaftige Gewissheit grenzende sichere Überzeugung haben, dass wir unser Leben einer Wahrheit geweiht haben, noch glänzender als die Sonne, so schön wie das Paradies und lieblich wie die Ewige Glückseligkeit, wissend, dass wir diesen Streit (mudjahede) im Geiste mit Sicherheit um Gottes willen führen, stolz und in Dankbarkeit trotz der unglückseligen Umstände, sollten wir uns wirklich nicht beklagen.
Meine lieben Brüder!
Meine erste und letzte Empfehlung ist die, einander in der gegenseitigen Hilfeleistung zu bewahren, sich vor Selbstsucht (enaniyet), Überheblichkeit (benlik) und Konkurrenzneid (rekabet) zu schützen und sich in Behutsamkeit und Selbstbeherrschung zu üben.
Meine lieben getreuen Brüder!
Aus der Anklageschrift des Staatsanwalts wird ersichtlich, dass die Pläne der heimlichen Atheisten, die einige führende Persönlichkeiten in der Regierung hintergangen und sie dazu aufgehetzt haben, gegen uns vorzugehen, im Sande verlaufen sind und sich als erlogen herausgestellt haben. Sie versuchen jetzt ihre Lügen zu verschleiern, indem sie uns beschuldigen, eine politische Partei gründen und ein Revolutionskomitee aufrichten zu wollen. Das
Ergebnis davon ist nun, dass man mir nicht mehr erlaubt, noch mit irgendwem Kontakt zu haben, so als ob jeder, der mit uns Kontakt hat, allein deswegen schon zu uns gehörte. Selbst die hohen Beamten sind äußerst zurückhaltend geworden und versuchen, sich dadurch bei ihren Vorgesetzten beliebt zu machen, dass sie mir Steine in den Weg legen.
Meine lieben getreuen Brüder!
Zwar kann ich mich nicht persönlich mit euch treffen, doch bin ich sehr glücklich und dankbar, dass ich ganz in eurer Nähe mit euch im selben Gebäude bin. Und so wurden denn auch ohne mein Zutun bereits einige notwendige Vorkehrungen getroffen. So haben z.B. die Atheisten in meine Nachbarzelle einen Gefangenen gesteckt, der ein Lügner ist und zugleich auch ein Spion. Und da es sehr leicht ist, etwas zu verderben, wurde mir durch die viele Unruhe, die mir dieser Kerl bereitete und das Verderben, das er unter diesen jungen abenteuerlustigen Leuten säte, klar, dass der Atheismus, entgegen eurer Rechtleitung und (euren Bemühungen), sie zu bessern, dennoch versucht, ihre Moral zu untergraben. Es ist also in dieser (besonderen) Lage auch eine besondere Vorsicht notwendig und soweit wie möglich erforderlich, die alten Gefangenen nicht zu beleidigen und sich selbst auch nicht durch sie beleidigt zu fühlen, jeden Anlass zu Zwietracht zu vermeiden, stets ruhig zu bleiben und sich nicht aus der Fassung bringen zu lassen, die Brüder so weit wie möglich durch Brüderlichkeit und gegenseitige Hilfsbereitschaft und Bescheidenheit zu stärken und seine eigene egoistische Haltung aufzugeben. Es ist mir sehr zuwider, mich mit weltlichen Angelegenheiten beschäftigen zu müssen. Doch verlasse ich mich in dieser Hinsicht auf eure Fähigkeiten, sodass ich mich nicht um diese Dinge kümmern muss, soweit dies nicht unbedingt erforderlich ist.
Meine Brüder!
Entgegen aller Wahrscheinlichkeit fühle ich mich doch dazu gedrängt, euch etwas zu einer Angelegenheit zu erklären, die mir heute morgen eingegeben worden ist. Ich habe mich da gefragt: "Ich möchte doch gerne wissen, was die atheistischen Philosophen dazu sagen können und wie sie sich selbst verteidigen wollen." Zwanzig Jahre lang haben meine Seele (nefs) und mein Teufel (sheytan) Untersuchungen darüber angestellt, ob die Wahrheiten, die wir dem Qur'an entnommen haben, irgendeinen Raum für irgendeinen Zweifel oder eine Unsicherheit lassen, oder vielmehr doch klar und deutlich sind wie der Tag und das Sonnenlicht. Sie konnten nirgendwo irgendeinen Fehler entdecken und schwiegen still. Ich denke doch, dass eine Wahrheit, die meine Seele und den Teufel zum Schweigen bringen kann, die doch so verletzlich und in die ganze Angelegenheit mit hinein verwickelt sind, selbst noch die verbohrtesten unter ihnen zum Schweigen bringen wird. Da wir nun einmal auf dem Weg der Wahrheit arbeiten und uns für sie einsetzen, die so unverrückbar, erhaben und weit, so wichtig und von so unschätzbarem Wert ist, so käme uns doch der Preis (der Wahrheit) noch als gering vor, selbst müssten wir die ganze Welt, uns selbst und das Leben eines geliebten Menschen als Preis für sie zahlen. Wir sollten dennoch mit ganzer Standhaftigkeit auf alle Trübsal und Unbill und all unsere Feinde reagieren. Sie haben uns auch einer ganzen Reihe betrogener wie betrügerischer Scheichs und Hodjas und offensichtlicher Gläubiger konfrontiert. Wir müssen ihnen gegenüber unsere Einheit und unsere gegenseitige Hilfsbereitschaft wahren. Wir dürfen uns nicht mit ihnen herumstreiten und brauchen nicht mit ihnen zu argumentieren.
Meine lieben getreuen Brüder!
Eine fromme Person in Kastamonu sagte, indem sie sich darüber beklagte: "Ich bin gestürzt. Ich habe meinen früheren spirituellen Status (hal) verloren, die Freude und das Licht, das mich einmal erfüllt hatte." Ich sagte zu ihm: "Im Gegenteil: du bist schon so weit fortgeschritten, dass du deine (äußerlichen) Freuden und (inneren) Wahrnehmungen, die der Seele (nefs) schmeicheln und dich den Geschmack jenseitiger Früchte schon in dieser Welt (dunya) verkosten ließen, und in dir ein Gefühl der Selbstsucht geweckt hatten, bereits hinter dir gelassen hast und nun in deiner grenzenlosen Bescheidenheit, zugleich mit der Aufgabe deiner Ichverhaftung nicht mehr nach flüchtigen (fani) Vergnügungen suchst, wodurch du dich nun vielleicht bereits auf eine höhere Stufe (maqam) erhoben hast." Es ist in der Tat ein wichtiges Gnadengeschenk Gottes (ihsani Ilahi), wenn Er dem Menschen, der seine Ichverhaftung noch nicht aufgegeben hat, das Geschenk Seiner Gnade (ihsan) nicht wahrnehmen lässt, damit er nicht stolz und überheblich werde.
Meine Brüder!
Aufgrund dieser Wahrheit schauen solche, die so ähnlich denken wie dieser Mensch, oder aber das Ansehen, das der Rang (maqam) in der guten Meinung anderer ihnen gibt, in Betracht ziehen, auf euch. Wenn sie aber die Schüler unter euch im Gewand der Bescheidenheit, der Selbstbeschränkung und Dienstbereitschaft erblicken und sehen, dass sie ganz gewöhnliche, einfache Leute sind, so sagen sie: "Sind dies etwa die Helden der Wahrheit (haqiqat)? Oho! Wer sind denn diese da? Wo sind denn diese Leute, die sich darum bemühen, diesen heiligen Dienst zu verrichten, zu dem selbst die Heiligen in dieser Zeit nicht imstande sind?" Wenn sie Freunde sind, so fühlen sie sich enttäuscht. Sind sie aber Gegner, so finden sie, dass ihr Widerstand berechtigt ist.
Während Bediüzzaman Hazretleri sich in Denizli im Gefängnis befand, verfasste er zwischen zwei Freitagen die "Fruchtabhandlung (Meyve Risalesi)", ein sehr bedeutendes (Werk), welches neun Problemstellungen umfasst. Es ist ein Werk, das die Wahrheiten (haqiqat) der Risale-i Nur in sich umfasst und deshalb eine wertvolle Abhandlung (risalah). Die Nur-Schüler verbrachten ihre Zeit im Gefängnis, indem sie sich damit beschäftigten, diese Meyve Risalesi mehrmals abzuschreiben und miteinander zu lesen. Und zunächst einmal schrieb man heimlich auf das Innere von Streichholzschachteln und verteilte sie dann in den Zellen. Später verstand man dann, dass die "Meyve Risalesi" ganz besonders wertvoll und nützlich war und in den Gefängnissen gleichsam wie ein Gegengift wirkte, woraufhin diese Schreibtätigkeiten freigegeben wurden. So wurde sie auch an das Gericht in Denizli, an den Appellationsgerichtshof und an die Regierungsbehörde in Ankara gesandt, um dort als Verteidigungsschrift zu dienen.
Da sie im Gefängnis in Denizli eine besonders nachhaltige Wirkung ausübte und in Denizli in gewisser Weise zum Werkzeug ihres Freispruchs wurde, weil sie die heiligen Wahrheiten (haqaiq) des Glaubens (qudsi haqaiq-i imaniye) beinhaltet, halten wir es für angemessen, die sechste und siebente Fragestellung der Fruchtabhandlung (Meyve Risalesi) wegen ihrer Bedeutung an dieser Stelle einzufügen.
Aus der Fruchtabhandlung - Sechste Problemstellung
Den Erklärungen in den meisten Abschnitten der Risale-i Nur und dem Beweis durch zahllose unwiderlegbare Zeugnisse entsprechend wird hier nur ein Hinweis auf ein einziges Zeugnis unter tausend allgemeingültigen für den Glauben an Allah angeführt.
Ein Teil der Schüler des Gymnasiums in Kastamonu besuchte mich. Sie sagten: "Unterrichte uns bitte über unseren Schöpfer. Unsere Lehrer in der Schule sprechen von Allah überhaupt nicht."
Ich sagte ihnen: Jede Wissenschaft, die euch in der Schule gelehrt wird, spricht ständig auf ihre eigene Art von Allah und unterrichtet über den Schöpfer. Wendet also dieser eure Aufmerksamkeit zu und nicht Lehrern (die nicht von Allah sprechen).
Zum Beispiel: Eine vollkommen eingerichtete Apotheke, ausgestattet mit zahllosen Tuben und Gläsern, in denen sich lebensspendende Seren und Arzneimittel - zusammengestellt mit Hilfe einer hochempfindlichen Waage - befinden, weist ohne Zweifel auf einen hochgelehrten Chemiker, Arzt und Apotheker hin. Ebenso weisen auch die Seren und Arzneimittel in den Tuben und Gläsern, mit denen wir die vierhunderttausend verschiedenen Pflanzen- und Tierarten vergleichen können, die sich in der Apotheke unserer Erde finden, selbst noch blinde Augen darauf hin, in welchem Maße vollkommener und größer als diese Apotheke in unserer Straße die große Apotheke der Welt sein muss, und der Apotheker und Arzt in all Seiner Majestät in ihr, wenn ihr sie mit den Maßstäben der medizinischen Wissenschaft betrachtet, die ihr studiert.
Ein weiteres Beispiel: Eine wundervolle Fabrik, die tausender verschiedener Stoffe aus einfachem Material webt, unterrichtet uns zweifelsfrei über ihren Fabrikanten und hochgelehrten Maschinenbauer. Ebenso teilt uns auch diese
rollende Produktionsanlage des Herrn, die wir unsere Erde nennen, mit ihren hunderttausenden von Lieferungsausgängen und hunderttausenden vollständiger Fabriken an jedem einzelnen von ihnen, mit und unterrichtet uns darüber, in welchem Grade der Erbauer und Besitzer dieser Erdkugel, mit den Maßstäben der Maschinenbaukunde, die ihr studiert, größer und vollkommener ist, als diese Fabrik von Menschenhand.
Ein weiteres Beispiel: Ein vollständig eingerichtetes Depot, ein Lebensmittellager, ein Ladd P in dem tausend und noch eine verschiedener Güter von allen Seiten herangeholt geordnet und bereitgestellt liegen, lässt uns zweifelsfrei erkennen, wer es verwaltet und sein Herr und Besitzer ist. Ebenso lässt uns dieses Depot, dieser Laden des Herrn mit seinen tausend und noch einem verschiedenen Geräten, Gütern und Konservenpaketen, erkennen, in welchem Maße dieses Raumschiff des Hochgelobten, das ein Lebensmittellager des Allerbarmers ist und das wir unsere Erde nennen, die in einem Jahr ihre regelmäßige Reise in einem Kreis von vierundzwanzigtausend Jahren Fußweg beschreibt, dabei noch hunderttausend Arten trägt, die der verschiedensten Speisen bedürfen, und das auf seiner Fahrt durch die Jahreszeiten reist, wobei der Frühling einem großen Waggon - gefüllt mit Tausenden verschiedenster Speisen für die notleidenden Lebewesen - gleicht, die ihre Nahrung im Winter aufgezehrt haben, verglichen mit den Maßstäben der Wirtschaftswissenschaften, die ihr studiert habt und noch studieren werdet, größer und vollkommener ist als diese Anlagen und unterrichtet uns dementsprechend mit vollkommener Sicherheit über den Herrn, der dieses Depot lenkt, leitet und verwaltet, das unsere Erdkugel ist, und weckt unsere Begeisterung für Ihn.
Ein Heer, in dem sich vierhunderttausend Völker zusammenfinden, deren jedes nach seiner eigenen Verpflegung verlangt, seine eigenen Waffen benötigt, seine eigene Kleidung trägt, deren jedes nach eigener Anordnung übt und nach einem anderen Zeitraum entlassen wird, dieses
Heer und sein Lager mit seinem Kommandanten, der einzig und allein allen diesen verschiedenen Völkern ihre ganz unterschiedliche Verpflegung und völlig verschiedenen Waffen, ihre Kleidung und Ausrüstung gibt, ohne dabei etwas zu vergessen oder zu verwechseln, weist offensichtlich und ohne allen Zweifel auf eben diesen wunderbaren Kommandanten hin und weckt unsere Begeisterung für ihn. Ebenso lässt auch das Heerlager, das sich in jedem Frühling über das Antlitz der Erde erhebt und aufs Neue seine Waffen aufnimmt, ein neues Heer des Hochgelobten aus vierhunderttausend Tier- und Pflanzenvölkern, die ganz verschiedene Bekleidung, Verpflegung und Ausrüstung erhalten und denen ein einziger allmächtiger Oberbefehlshaber in vollendeter Ordnung ihre Stellungs- und Entlassungsbefehle erteilt, ohne irgendetwas zu vergessen oder zu verwechseln, für jeden, der seinen Verstand beisammen hat, erkennen, in welchem Maße dieses Heerlager der Erde im Frühling, verglichen mit den Maßstäben der Militärwissenschaft, die ihr studieren wollt, größer und vollkommener ist als das obenerwähnte menschliche Heer und Heerlager, und unterrichtet uns dementsprechend, Ihn mit Lobpreis und Bewunderung als unseren Herrn und Herrscher, der die Welt lenkt und befehligt in Heiligkeit anzunehmen, erweckt in uns Dank und Verehrung und ruft unsere Begeisterung für Ihn wach.
In einer wunderbaren Stadt mit Millionen von kreisenden elektrischen Lampen, die überall hin gelangen, lassen diese Lampen, die immer mit Brennstoff versorgt sind, und ihre Fabrikation offensichtlich und ganz ohne Zweifel ihren wunderwirkenden Meister und über alles fähigen Elektriker, der die Fabrik erbaut und die kreisenden Lampen erschaffen hat und sie mit Brennstoff versorgt, der auch die elektrischen Anlagen überwacht, voll Bewunderung erkennen, segnen und sich für ihn begeistern.
Ebenso stoßen auch die Sternenlampen an der Schlossdecke der Welt in dieser kosmischen Stadt, obwohl doch einige von ihnen - nach Aussage der Astronomen -
tausendmal größer sind als unsere Erdkugel und sich siebzigmal schneller bewegen als eine Kanonenkugel, nicht miteinander zusammen, erlöschen nicht und sind stets mit Brennstoff versorgt. Auch unsere Sonne, die, wie ihr gehört habt, nach Aussage der Astronomen millionenmal größer als unsere Erde ist und viele Millionen Jahre alt und eine Lampe und ein Ofen in diesem Gasthaus des Allbarmherzigen und für die täglich so viele Meere an Heizöl notwendig wären, wie die Erde Ozeane enthält, oder ganze Gebirge von Kohle oder Holzstöße, so groß wie tausend Erden, um sie nicht ausgehen zu lassen, und die erhabenen Sterne, die wie sie ohne Öl, ohne Holz und ohne Kohle brennen und nicht auslöschen und rasch miteinander dahineilen, ohne aneinander zu stoßen, weisen mit ihren Lichtfingern auf die allumfassende Gewalt und Herrschaft Gottes hin und zeigen uns, um wie vieles größer und in welchem Maße vollkommener als in diesem unserem Beispiel, die Lampen und Leuchten dieses Weltenschlosses in unserer wundersamen kosmischen Stadt sind. Wenn ihr die Elektrotechnik dementsprechend studiert oder noch studieren werdet, wird sie uns in gleichem Maße über den König unterrichten, der dieses gewaltige Ausstellungsgelände des Kosmos eingerichtet hat und es verwaltet und dessen die leuchtenden Sterne Zeugen sind und deren Beleuchtungsmeister Er ist, und in Lobpreis und Verherrlichung unsere Begeisterung und Verehrung für Ihn wecken.
Gäbe es, um ein weiteres Beispiel anzuführen, ein Buch, in dessen einzelne Zeilen sehr klein ein ganzes Buch hineingeschrieben sei und in dessen einzelne Worte mit feinem Stift eine Sure des Qur'an hineingeschrieben sei, ein sehr bedeutungsvolles Buch, in dem sich alle Themen gegenseitig stützen und ergänzen, so zeigte dieser wunderbare Band die außerordentlichen Fähigkeiten und Begabungen seines Schreibers und Verfassers und ließe uns ohne Zweifel, klar wie der Tag, die Vollkommenheit seines Schreibers, seines Autors, erfahren und seine Kunstfertigkeit erkennen. Es würde uns dazu veranlassen, «Masha-a'llah, Barek-a'llah!» {Masha-a'llah: Wie wunderbar ist es doch das, was mit Gottes Willen geschehen ist! Barek-a'llah: Segne es Gott!}
zu sagen und unsere Verehrung zum Ausdruck zu bringen.
Ebenso lässt auch dieses große Buch der Schöpfung, in dem eine einzige Seite die Oberfläche unserer Erde ist und auf ihr ein einzelner Bogen der Frühling mit seinen vierhunderttausend Tier- und Pflanzenarten, die vierhunderttausend Büchern gleichen, und in dem, wie wir mit eigenen Augen sehen, ein Wort gleich einem Baum wie eine Kasside oder ein Kern gleich einem Punkt fehlerlos, makellos, ohne sich zu irren oder etwas zu verwechseln, vollkommen und wohlgeordnet eines im anderen das vollständige Verzeichnis eines Buches niedergeschrieben wurde, von einer Feder bewerkstelligt, dieser Sammelband des Alls erkennen, dass diese Verkörperung des Großen Qur'an der Welt, in dem sich so unendlich viele Bedeutungen und mit jedem Wort so viele Weisheiten finden, so viel größer, vollkommener und bedeutender ist, als unser Buch in dem obenerwähnten Beispiel und wie im gleichen Grade, betrachtet mit dem großen Maßstab und dem scharfen Blick der Physik, die ihr lernt, und durch die Lese- und Rechtschreibkunde, die ihr in der Schule praktisch übt, der Designer dieses kosmischen Buches und sein Schreiber so grenzenlos vollkommen ist. Es macht Ihn durch das Wort «Allah-u Ekber» {Allah-u Ekber: Gott ist groß!} bekannt, heiligt und erhebt Ihn mit «Subhan-a'llah», {Subhan-a'llah: Gepriesen sei Gott!} lobpreist Ihn mit «Elhamdu-li'llah» {Elhamdu-li'llah: Lobpreis und Dank sei Gott!} und weckt unsere Begeisterung für Ihn.
So ermöglicht also einem Menschen jede von Hunderten von Wissenschaften sowie die obenerwähnten Wissensbereiche mit ihren geeichten Maßstäben, ihrem eigenen Spiegel und mit ihrer weitsichtigen Optik eine Betrachtungsweise, durch die er den glorreichen Schöpfer
dieses Kosmos in Seinen Namen erkennen, Ihn durch Seine Attribute und in Seiner Vollkommenheit schauen kann.
So ist es denn, um diesen obenerwähnten Beweis zu führen, der ein wunderbares und glänzendes Zeugnis der Einheit ist, dass der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, so häufig die folgenden Verse wiederholt:
{"Herr der Himmel und der Erde."}
{"Er schuf die Himmel und die Erde."}
Mit solchen Versen unterrichtet uns der Qur'an über unseren Schöpfer, habe ich den jungen Schülern gesagt. Sie haben auch alles so angenommen und zur Bestätigung gesagt: "Unendlicher Dank sei unserem Herrn dafür, dass wir eine so reine und wahrheitsgetreue Lektion erhalten haben. Möge Allah mit dir zufrieden sein!"
Da habe auch ich zu ihnen gesagt: "Der Mensch, der unter tausend verschiedenen Schmerzen leiden und tausend unterschiedliche Arten von Freuden genießen kann, ist als ein lebendiger Organismus, der über seine große Schwäche hinaus auch noch zahllose innere und äußere Feinde und über seine grenzenlose Armseligkeit hinaus auch noch von unendlich vielen äußeren und inneren Faktoren abhängig ist, ein armseliges Geschöpf, auf das unablässig die Schläge des Untergangs und der Trennung herabprasseln.
Wenn er sich aber nun plötzlich dem König in Seiner Majestät voll Glaube und Anbetung verbindet und nun gegen alle seine Feinde einen Stützpunkt und in all seinen Bedürfnissen einen Quellgrund der Hilfe findet, so könnt ihr euch vorstellen, wie er, gleich jedem, der sich durch die Zugehörigkeit zu seinem Herrn geehrt fühlt und auf seinen Stand stolz ist, wenn er sich nur einem solchen allmächtigen
und allbarmherzigen König gläubig verbindet, anbetend in Seinen Dienst tritt und sein ewiges Verbannungsurteil in eine Entlassungsurkunde umwandelt, in einer großen Zufriedenheit und Dankbarkeit und mit einer tiefen Ehrerbietung stolz sein kann."
Was ich damals den jungen Schülern gesagt habe, das sage ich noch einmal genauso meinen vom Unglück betroffenen Mitgefangenen: Wer Ihn kennt und Ihm gehorcht, der ist ein Glückseliger, säße er auch in einem Gefängnis. Wer Ihn vergisst, und säße er auch in einem Schloss, der ist ein Unglückseliger. Ja, es sagte einmal ein solcher Glückseliger, der zu Unrecht verurteilt worden war, bei seiner Hinrichtung zu den unglückseligen Gewaltmenschen:
"Ich werde nicht hingerichtet, vielmehr gehe ich mit einer Entlassungsurkunde in die ewige Seligkeit ein. Ich sehe euch aber zu ewiger Verbannung verurteilt und das ist für mich eine vollständige Genugtuung." لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keinen Gott außer Allah!"} sagte er und gab freudig seine Seele hin.
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
Aus der Fruchtabhandlung - Siebente Problemstellung
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen" "Es ist aber die Angelegenheit der 'Stunde' nur ein Augenblick oder noch weniger." (Sure 16, 77) "Euer aller Erschaffung und Wiederversammlung ist nur wie die einer einzelnen Seele" (Sure 31, 28) "Siehe die Male der Barmherzigkeit Allahs: wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wieder belebt und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 49)}
Einmal hatten mich die Schüler des Gymnasiums in Kastamonu gebeten: "Lehre uns, unseren Schöpfer zu erkennen!". Ich hatte ihnen daraufhin nach Art der Schulwissenschaften eine Unterweisung erteilt und diese in Form der vorangegangenen Sechsten Problemstellung den Gefangenen, die im Gefängnis von Denizli mit mir Verbindung halten konnten, vorgelesen. Nachdem sie so eine völlige Gewissheit im Glauben gewonnen hatten, verspürten sie eine brennende Sehnsucht nach dem Jenseits und sagten: "Lehre auch uns all das, was uns im Jenseits erwartet, sodass uns die Begierde (nefs) und die Teufel dieser Zeit nicht mehr vom Wege abbringen und so wieder ins Gefängnis bringen können."
Auf den Wunsch der Risale-i Nur Schüler und derer, die im Gefängnis die vorangegangene Sechste Problemstellung gelesen hatten, war es notwendig geworden, einen weiteren Pfeiler, nämlich den des Glaubens an das Jenseits
kurz zu erklären. So habe ich denn kurz und bündig aus der Risale-i Nur heraus gesagt:
In der Sechsten Problemstellung hatten wir bereits die Erde und die Himmel nach dem Schöpfer gefragt. Sie hatten uns ja den Schöpfer durch die Sprache der Wissenschaften sonnenklar zu erkennen gegeben. Ebenso wollen wir erst unseren Herrn, den wir bereits kennen gelernt haben, dann unseren Propheten, dann den Qur'an, und dann andere Propheten und heilige Bücher und dann die Engel und dann den ganzen Kosmos nach dem Jenseits befragen:
Also richten wir an erster Stelle die Frage nach dem Jenseits direkt an Allah. Er geruht durch alle gesandten Propheten und geoffenbarten Erlasse und durch alle Seine Namen und Seine Eigenschaften zu sagen: "Jawohl, es gibt das Jenseits und ich führe euch dorthin." Das "Zehnte Wort" hat bereits anhand von "Zwölf Wahrheiten" glänzend und sicher erklärt und bewiesen, wie ein Teil der Namen Gottes Antwort (auf die Frage) nach dem Jenseits gibt. Wir wollen uns hier mit dieser Erklärung begnügen und nur noch folgenden sehr kurzen Hinweis geben:
Da es nun einmal kein Königreich gibt, in dem diejenigen, die diesem Königreich gehorchen, keinen Lohn und die Aufständischen keine Strafe empfangen, werden auf jeden Fall in einem immerwährenden Königreich auf der Stufe der absoluten Herrschaft diejenigen, die sich mit diesem Königreich durch den Glauben verbinden und durch die Befolgung seiner Erlasse unterwerfen, einen Lohn und diejenigen, welche die Würde dieses Königreichs mit ihrem Unglauben und mit ihrer Aufsässigkeit in Abrede bringen, eine Strafe erhalten, wie es dieser Barmherzigkeit und dieser Schönheit und wie es dieser Würde und Majestät gebührt, welche Antwort uns Gott ja mit Seinen Namen "Herr aller Welten" und "Gerecht handelnder König" gibt.
Wir können nun einmal taghell und sonnenklar überall auf Erden eine alles umfassende Barmherzigkeit und eine
alles mit einschließende Liebe und Freigebigkeit mit Augen erblicken. Es ist diese Barmherzigkeit, die zum Beispiel alle Frucht tragenden Pflanzen, besonders die Bäume in jedem Frühling schön wie die paradiesischen Jungfrauen bekleidet, sie schmückt, in ihre Hände jede Art von Früchten gibt, sie anbietet und sagt: "Auf, nehmt und esst!" Zudem gibt sie uns aus der Hand der Biene, mit ihrem giftigen Stachel, einen gesunden und wohlschmeckenden Honig zu essen und die feinste Seide zu unserer Bekleidung aus der Hand eines Insektes, das keine Hände hat. Eine Barmherzigkeit und eine Liebe, die tausend Zentner Speisen in einer Handvoll winzig kleiner Kerne und Körner für uns aufbewahrt und wie eine Vorratskammer in diesen winzig kleinen Depots speichert, verurteilt auf keinen Fall - und daran kann es keinen Zweifel geben - diese liebenswürdigen gläubigen Menschen, die von ihr aufmerksam versorgt werden und die ihr gegenüber dankbar sind und sie verehren, zu (Tod und) Vernichtung. Vielmehr entlässt sie sie von ihrem Dienst im irdischen Leben, um sie zu einer noch glänzenderen (Erscheinung Seiner) Barmherzigkeit zu führen, wie Gott mit Seinen Namen "Der Barmherzige" und "der Freigiebige" auf unsere Frage Antwort gibt und sagt: "(Der Glaube) an das Paradies entspricht der Wahrheit."
Des Weiteren können wir mit eigenen Augen erkennen: Wir sehen, dass die Hand der Weisheit über der ganzen Schöpfung und dem Antlitz der Erde wirksam ist und alle Wirksamkeiten im Maßstab einer Gerechtigkeit zustande kommen, dass der menschliche Verstand nicht darüber hinaus denken kann.
Zum Beispiel: Betrachten wir einmal unter den vielen Weisheiten, die mit tausenderlei verschiedenen Bestandteilen des menschlichen Körpers verbunden sind, nur das Erinnerungszentrum, das vielleicht so groß sein mag wie eine Nussschale. In diesem winzig kleinen Raum stehen sein ganzer Lebenslauf und unendlich viele Ereignisse, die in seinem Leben stattgefunden haben, verzeichnet, und dieses
Zentrum wurde durch die Weisheit des Urewigen gleich einer Bibliothek gestaltet und im Gehirn des Menschen gleichsam wie in eine Tasche gesteckt, damit (diese Bibliothek) ihm am Tage der Wiederversammlung als ein Zeugnis für das Buch seiner Taten bei seinem Prozess vor dem großen Gericht in die Hand gelegt werden kann.
Und es ist die Gerechtigkeit des Immerwährenden, die allen Geschöpfen ihre Organe mit einem überaus empfindlichen Maß einsetzt, alles Geschaffene, angefangen von einer Mikrobe bis zu einem Nashorn, von einer Mücke bis zu einem Kondor, von einer Pflanze mit einer Blüte bis zu einem Milliarden, Trilliarden Heer von geöffneten Frühlingsblumen im richtigen Verhältnis, in großer Vielzahl und doch ohne Verschwendung, wohlausgewogen, wohlgeordnet und vollkommen zu einem Kunstwerk macht, jedem Lebewesen ein Lebensrecht mit gerechten Bedingungen gibt, die guten Taten mit guten Ergebnissen und die schlechten Taten mit schlechten Ergebnissen verbindet und mit den Schlägen, die sie seit den Zeiten Adams, mit dem Friede sei, gegen Gott rebellierenden, tyrannischen Völkern versetzt hat, sich Selbst mit großer Macht wieder in Erinnerung ruft. Auf jeden Fall und ohne allen Zweifel können diese Weisheit des Urewigen und diese Gerechtigkeit des Immerwährenden, wie Sonne und Tag nicht ohne einander sein können, ohne Jenseits nicht sein und die entsetzliche Ungerechtigkeit und Sinnlosigkeit keineswegs zulassen, sodass die extrem Ungerechten und die extrem Entrechteten durch den Tod gleichermaßen hinscheiden, wodurch Gott mit Seinen Namen "der Allweise, der Gerechte, der Richter und der Errichter der Gerechtigkeit" auf unsere Fragen eine sichere Antwort gibt.
Des Weiteren werden allen lebendigen Geschöpfen all ihre Bedürfnisse, und all ihre natürlichen Wünsche, alles was ihre Hände nicht erreichen können und was nicht im Rahmen ihrer Fähigkeiten liegt, in der gleichen Zeit, in der sie sich etwas in der Sprache ihrer natürlichen Anlagen und ausgedrückt durch ihre Bedürfnisse gleichsam wie in einem
Gebet wünschen, von einer überaus barmherzigen, hörenden, liebenden unsichtbaren Hand gegeben und erfüllt. Von den Bittgebeten der Menschen, besonders aber den Gebeten der Heiligen und Propheten werden sechs, sieben von zehn Gebeten wunderbar erhört. Daraus wird ganz klar verständlich: Es muss hinter dem Schleier (der Schöpfung verborgen) einen geben, der hört (Semi') und antwortet (Mudjib), der das Seufzen jedes Leidenden und das Gebet jedes Bedürftigen hört und beachtet, weil Er ja (ganz offensichtlich) das kleinste Bedürfnis des kleinsten Lebewesens sieht und dessen verborgenstes Seufzen hört, ihm liebevoll entgegentritt, mit der Tat antwortet und es zufrieden stellt.
Es bleibt mit Sicherheit und in gar keinem Fall irgendeine Möglichkeit zu einem Zweifel daran, dass Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, der den Menschen, der unter allem Geschaffenen der bedeutendste ist, mit seinen wichtigsten und alles umfassenden Gebeten, wie sie sich auf den ganzen Kosmos, alle Namen und Eigenschaften Gottes beziehen und sich auf den ewigen Aufenthalt im Jenseits hin ausrichten, hinter dem alle Propheten, welche die Sonnen und Sterne, die Anführer des Menschengeschlechtes sind, stehen und zu seinen Gebeten "Amen, Amen" sagen und für den jeder einzelne Gläubige seiner Gemeinde täglich Segenswünsche ausspricht und so an dessen Gebet mit seinem "Amen, Amen" teil hat, ja vielmehr die ganze Schöpfung an seinem Gebet teil nimmt und sagt: "Ja, unser Herr! Gewähre ihm, worum er Dich bittet! Auch wir bitten Dich um das, wofür er zu Dir betet!" allein schon mit diesen seinen Gebeten um das ewige Sein im Jenseits und die ewige Glückseligkeit, unter allen diesen unwiderlegbaren Tatsachen ein ausreichender Grund ist, unter zahllosen Gründen, das Paradies ins Dasein und das Jenseits in seine Existenz zu berufen, was für die Macht Gottes so leicht ist, wie die Erschaffung eines Frühlings, wodurch Gott mit Seinen Namen "der Erschaffende, der Hörende und der Barmherzige" Antwort gibt auf unsere Fragen.
Des Weiteren ist so offensichtlich wie der Tag uns die Sonne zeigt, hinter dem Schleier dieses allgemeinen Werdens und Vergehens auf dem Antlitz der Erde und im Wechsel der Jahreszeiten, ein verborgener Lenker und Leiter erkennbar. Die riesige Erde verwaltet Er vollkommen wohlgeordnet und so leicht wie einen Garten, ja sogar wie einen Baum. Den großartigen Frühling bringt Er so leicht und so harmonisch verziert zustande wie eine Blume. Auf der Erde schreibt Er mit der Feder Seiner Macht wie auf einer Seite alle Pflanzen- und Tierarten, dreihunderttausend Büchern gleich, und zeigt dreihunderttausend Beispiele und Nachbildungen für die Auferstehung und Wiederversammlung am jüngsten Tag. Alle werden ohne jede Verwechslung gleichzeitig geschrieben, sind untereinander ohne ein Durcheinander bunt gemischt, gleichen einander ohne Fehler und werden vollkommen wohlgeordnet und sinnvoll aufgezeichnet. In diesem gewaltigen Ausmaß ist eine unbegrenzte Barmherzigkeit und eine grenzenlose Weisheit am Werk. Der riesige Kosmos steht dem Menschen wie eine Wohnung zur Verfügung, aufs Schönste verziert und ausgestattet. Diesem Menschen als Treuhänder über die Erde wurde das größte Pfand anvertraut, vor dem Berge, Himmel und Erde zurückschreckten, es zu tragen. Er bekam über die anderen Lebewesen eine Stellung, gleich der eines Aufsichtsbeamten, denn Gott, der Gepriesene richtete sich an ihn durch Seine Weisung (hitabat), Sein Wort (sohbet) und verlieh ihm so einen hohen Rang (maqam). In allen vom Himmel geoffenbarten Erlassen wurde ihm die ewige Glückseligkeit und der ewige Verbleib im Jenseits versprochen und zugesichert. Auf jeden Fall und ohne allen Zweifel wird Er das Haus der ewigen Glückseligkeit, das nd Seine Macht so leicht wie die Errichtung eines Frühlings ist, für diesen geehrten und gewürdigten Menschen errichten, es eröffnen und den Tag der Wiederversammlung und Wiederauferstehung anbrechen lassen, wodurch unser Schöpfer mit Seinen Namen "der Spender des Lebens und Schenker des Todes, der Lebendige, der Unwandelbare,
der Allmächtige und der Allwissende" auf unsere Fragen antwortet.
In der Tat belebt die Macht Gottes in jedem Frühling wieder alle Bäume und die Wurzeln der Gräser und erschafft Musterbeispiele für die Wiederversammlung und Wiederauferstehung von dreihunderttausend Arten Pflanzen und Tieren. Würde man die jeweils tausendjährige Ära der Gemeinden von Mohammed und Moses, mit denen Friede sei, einander gegenüberstellen, so könnte man beobachten, wie Er die tausend Beispiele für die Wiederversammlung und tausend Zeugnisse für den Weltuntergang und die Wiederauferstehung in zweitausend jahreszeitlichen Perioden (bahar) vorführt. Die leibliche Wiederauferstehung für eine solche Macht als unmöglich anzusehen, ist eine tausendfache Blindheit und Torheit.
Des Weiteren verkündigten die einhundertvierundzwanzigtausend Propheten, die die berühmtesten der Menschheit sind, übereinstimmend auf Grund von tausend Zusagen und Versprechen Gottes des Gerechten die ewige Glückseligkeit und den immerwährenden Aufenthalt im Jenseits und bewiesen die Wahrheit dessen durch die Wunder, die sie gewirkt haben. Ebenso setzt die unendlich große Anzahl der Heiligen durch ihre innere Wahrnehmung und geistige Schau ihre Unterschrift unter dieselbe Wahrheit. Mit Sicherheit wird diese Wahrheit klar erkennbar wie die Sonne. Wer dennoch zweifelt, ist ein Tor.
In der Tat bringt ein Gutachten oder die Ansicht über Kunst oder Wissenschaft, abgegeben von ein oder zwei Männern, die in der Kunst oder Wissenschaft Experten sind, die widersprechenden Ansichten von tausend Leuten, die nicht zu diesem Fachbereich gehören, - auch wenn sie in einer anderen Fakultät Gelehrte oder Experten sind - zu Fall. Wenn es sich zum Beispiel darum handelt, am Anfang des Fastenmonats
Ramadan das Erscheinen des neuen Mondes zu bestätigen, oder wenn es sich um die Behauptung handelt, dass es auf dieser Welt einen Kokosgarten gibt, in dem etwas heranwächst, was Milch in Dosen gleicht, überwiegen die Aussagen von zwei Leuten, die Beweise erbringen, die Aussagen von Tausenden, die das in Frage oder in Abrede stellen wollen. Denn derjenige, dem die Beweislast obliegt, kann eine Behauptung ganz leicht dadurch beweisen, dass er eine Kokosnuss vorweist, bzw. diesen Garten zeigt.
Derjenige aber, der das bestreitet und diese Behauptung widerlegen wollte, müsste zum Beweis dafür die ganze Erde durchforschen und durchkämmen und zeigen, das dergleichen nirgendwo zu finden ist. Derjenige, der uns über das Paradies und über den Ort der ewigen Glückseligkeit Nachricht bringt, braucht, um das zu beweisen, nur eine Spur, einen Tropfen, den Schattenriss einer Vision dessen, einer Projektion auf der Leinwand vergleichbar, vorzuzeigen. Wer dies aber bestreiten will, muss den ganzen Kosmos und von Urewigkeit an alle Zeiten bis in alle Ewigkeiten durchstreifen und vorweisen, um den Gegenbeweis antreten und die Nicht-Existenz beweisen zu können.
Auf diesem prinzipiellen Grundsatz fußend sind die Erforscher der Wahrheit in dem Theorem übereingekommen, dass eine Gegenbehauptung, bzw. die Behauptung einer Nicht-Existenz, insofern sie sich nicht auf einen bestimmten Ort bezieht, sondern, wie dies bei den Glaubenswahrheiten der Fall ist, den ganzen Kosmos umfasst, nicht bewiesen werden kann, bzw. insofern etwas als unmöglich oder unlogisch erscheint, nicht bewiesen zu werden braucht.
Also kannst du auf Grund dieser Tatsache verstehen, wie töricht und irrsinnig es ist, wenn ein paar Philosophen, deren Verstand ihnen in die Augen gerutscht ist, die ohne Herz, von den geistigen Dingen abständig und verblendet geworden sind, die Glaubensgrundsätze bestreiten, über die sich einhundertvierundzwanzigtausend Fachleute und
zuverlässige Berichterstatter, die dafür Beweise erbringen, unendlich viele kompetente Kenner und Erforscher der Wahrheit, die sie bestätigen, einig geworden sind. Verneinende Aussagen tausender Philosophen über solche Glaubensfragen sollten gegen die Aussagen eines einzigen zuverlässigen Berichterstatters überhaupt keinen Zweifel, ja nicht einmal eine Unsicherheit aufkommen lassen.
Des Weiteren nehmen wir sowohl bei uns selbst, als auch in unserer Umgebung mit Augen hell wie der Tag eine weltweite Barmherzigkeit und alles umfassende Weisheit und eine immerwährende Gnade wahr. Wir sehen die Spuren und Offenbarungen einer furchterregenden königlichen Herrschaft, einer aufmerksamen Hohen Gerichtsbarkeit und einer hoheitsvollen, majestätischen Vollzugsgewalt.
Ja es ist diese Weisheit, die einen Baum nach der Anzahl seiner Blüten und Früchte, welche die Krone dieses Baumes hervorbringt, mit Weisheit schmückt, diese Barmherzigkeit, die den Menschen nach der Anzahl seiner Organe, seiner Empfindungen und Kräfte mit so viel Güte und so vielen Gnadengaben ausstattet, und eine zwar hoheitsvolle, doch auch gnädige Gerechtigkeit, welche den aufständischen Völkern der Propheten Noah, Hud, und Ssalih, mit denen Friede sei, und dem Volk des Ad, des Thamud und des Pharao Schläge versetzt hat und das Recht auch noch des kleinsten Lebewesens schützt, wovon die folgende Ayah in machtvoller Bestimmtheit spricht:
{"Und zu Seinen Zeichen gehört es, dass Himmel und Erde fest stehen auf Sein Geheiß. Wenn Er Euch dann wieder aus der Erde hervorruft, so ersteht Ihr neu." (Sure 30, 25)}
Wie gehorsame Soldaten, die in zwei Kasernen liegen und sich darin aufhalten, beim Stoss der Posaune auf den Befehl ihres Kommandeurs zum Dienst und zu den Waffen
eilen, so sind auch die unendlich weiten Himmel und die Erde gleich diesen beiden Kasernen für die gehorsamen Soldaten des urewigen Sultans zwei Kasernen, gehorsam seinem Befehl. Wenn aber der Erzengel Israfil, mit dem Friede sei, durch einen Posaunenstoß die Toten ruft, die in diesen Kasernen (gleich schlafenden Soldaten) liegen, bekleiden sie sich sofort wieder mit ihren Leibern und eilen hervor.
Ein vergleichbares Verhalten zeigt in jedem Frühling mit dem Posaunenstoß des Donner-Engels (das ganze Königreich der Pflanzen) alles, was in der Erde gleich wie in einer Kaserne ruht.
Wenn aber das Königreich Seiner Herrschaft, dessen unendliche Größe in dieser Weise verstanden wurde, wenn das Jenseits und die Auferstehung, die jene Barmherzigkeit, Weisheit, Güte, Gerechtigkeit und das immerwährende Königreich absolut erfordern, wie bereits im Zehnten Wort bewiesen wurde, niemals anbrechen wird, verwandelt sich mit Sicherheit, in jedem Fall und ohne jeden Zweifel diese Barmherzigkeit von unendlicher Schönheit in eine unendlich hässliche Unbarmherzigkeit; diese Weisheit in grenzenloser Vollkommenheit in eine grenzenlos unvollkommene Sinnlosigkeit und nutzlose Verschwendung; diese überaus anmutige Güte in eine überaus bittere Bosheit; diese überaus wohl ausgewogene und wahre Gerechtigkeit in überaus grausame Ungerechtigkeit; und bricht dieses überaus majestätische und mächtige immerwährende Königreich in sich zusammen und wenn der Tag der Wiederauferstehung nicht anbricht, so verschwindet seine majestätische Größe und wird seine vollkommene Herrschaft mit Ohnmacht und Fehlern befleckt, was aber keineswegs möglich ist, keine Vernunft für möglich halten könnte und worin sich gleichzeitig alle hundert Unmöglichkeiten befinden. Dies wäre ein unsinniger Glaube, außerhalb des Bereiches aller Möglichkeiten.
Denn: Was für eine ungerechte Behandlung und Unbarmherzigkeit wäre es, die Menschen, die Er mit so viel
Aufmerksamkeit und Feingefühl versorgt und die mit Herz und Verstand so sehnsüchtig nach der ewigen Glückseligkeit und dem immerwährenden Aufenthalt im Jenseits verlangen, für ewige Zeiten hinzurichten, sie mit all ihren Organen, unter denen allein ihr Gehirn sie zu hunderterlei Weisheit und Nutzanwendungen befähigt und mit all den Fähigkeiten, die sie tausendfach zu nutzen wissen, ohne wieder aufzuerstehen, in einem Tod ohne Sinn, Zweck und Nutzen, ja ohne Weisheit, so völlig zu verschwenden, welch ein Widerspruch zu Seiner Weisheit wäre das doch und welch ein Gegensatz zu der Majestät Seines Königreiches und der Vollkommenheit Seiner Herrschaft, Seine tausend Drohungen und Versprechungen nicht einzuhalten, was - Gott behüte! - nur Seine Schwäche und Seine Unwissenheit zeigen würde, was ja jeder verstehen kann, der einen Funken Bewusstsein in sich trägt. Denke einmal über Seine Gnade und Gerechtigkeit in diesem Zusammenhang nach...
So beantwortet unser Schöpfer die Frage, die wir Ihm gestellt hatten, im Gedächtnis Seiner Namen "der Allbarmherzige, der Allweise, der Gerechte, der Freigiebige und der Herrscher", die ohne Verdacht noch Zweifel und in Wahrheit das Jenseits sonnenklar beweisen.
Des Weiteren sehen wir mit unseren eigenen Augen: Da ist eine alles umfassende, souveräne Logistik am Werk, sodass die Bilder von den Lebewesen und deren Lebenslauf, das Heft, in dem ihre naturgemäßen Aufgaben eingetragen werden und ihre Taten, durch die sie wortlos die Namen Gottes rezitieren, auf Tafeln für die Beispiele, in den Kernen und Körnern, in dem Erinnerungsvermögen des Menschen, das ein kleines Beispiel für die Wohlverwahrte Tafel ist, besonders in dem Gedächtnisvermögen im Gehirn des Menschen, welches eine überaus umfangreiche Bibliothek auf kleinstem Raum ist, und noch in verschiedenen anderen sichtbaren und unsichtbaren Spiegeln aufgenommen, bewahrt und gespeichert werden. Wenn dann ihre Jahreszeiten der Reihe nach kommen, zeigen
sich diese unsichtbaren Schriften in einer materiellen Form unseren Augen, und so kommt die überaus erstaunliche Wahrheit der Wiederauferstehung, die in der Ayah
{"Wenn die Seiten offen gelegt werden." (Sure 81, 10)}
bekannt gegeben wird, anhand von Millionen von Nachbildungen, Beweisen und Musterbeispielen in jedem Frühling zum Ausdruck, der eine Blüte der Macht Gottes ist, und der sie in dieser großen Blüte mit ihren Milliarden Zungen dem ganzen Kosmos bekannt macht. Das beweist, was vor allem das Menschengeschlecht betrifft und alle Lebewesen, und alles, was da ist, nicht um in das Vergehen zu fallen, in das Nichts zu stürzen, in der Nichtigkeit verloren zugehen, und dass vor allem das Menschengeschlecht wie alle Lebewesen nicht geschaffen wurde, um hingerichtet zu werden, vielmehr dass sie erschaffen wurden, um fortzuschreiten in ein ewiges Bestehen, sich zur Beständigkeit hin zu läutern und mit ihren Fähigkeiten in einen immerwährenden Dienst zu treten.
In der Tat beobachten wir in jedem Frühling, dass unendlich viele Pflanzen, die im Herbst gleich wie in einem Weltuntergang gestorben sind, am Wiederauferstehungstag
zeigen sich in allen Dingen und unterrichten uns über die Tatsache dieser Speicherung in gewaltigem Umfang und die Wiederauferstehung in der Leichtigkeit und Sicherheit der Erschaffung eines Frühlings. In der Tat umfassen die Erscheinungen dieser vier Namen Gottes alles vom Kleinsten bis zum Größten.
Zum Beispiel: Ein Samenkern, der der Ursprung eines Baumes ist, offenbart den Namen Gottes اَلْأَوَّلُ {"der Erste"}, indem er ein kleines Kästchen darstellt, das das absolut vollkommene Programm dieses Baumes, die Anlagen für seine einwandfreie Erschaffung und alle Bedingungen für seine Entfaltung enthält, beweist so Seine souveräne Logistik. Was seine Frucht betrifft, in der sich der Name Gottes وَاْلاٰخِرُ {"der Letzte"} offenbart, so ist sie ein kleines Kästchen, das in seinem Samenkern das Inhaltsverzeichnis aller natürlichen Aufgaben dieses Baumes, eine Liste seiner Funktionen und die Prinzipien seines zweiten Lebens (im Keim) enthält, und bezeugt so den Grad Seiner souveränen Logistik.
Was das Äußere dieses Baumes betrifft, in dem sich der Name Gottes وَالظَّاهِرُ {"der Äußere"} offenbart, so ist es ein dermaßen vortrefflich passendes, kunstvoll ausgestattetes und geschmücktes Hemd, ein Anzug ausgestattet mit den verschiedensten Ornamenten und Schmuckstücken, mit vergoldeten Orden, als wäre es das Kleid einer Paradiesesjungfrau mit siebzig verschiedenen
Farben, und zeigt so den Augen mit Seiner Logistik die souveräne Macht Gottes, Seine vollkommene Weisheit und Seine makellose Barmherzigkeit.
Was das Kraftwerk in diesem Baum betrifft, in dem sich der Name Gottes وَالْبَاطِنُ {"der Innere"} offenbart, so ist es eine einwandfreie, aufs beste geordnete, wunderbare Fabrik, eine Werkbank, ein Chemielabor und ein Speisekessel, der wohlausgewogen keinen Ast, keine Frucht und kein Blatt unversorgt lässt, und beweist mit Seiner Logistik sonnenklar die vollkommene Macht und Gerechtigkeit Gottes und Seine makellose Barmherzigkeit und Weisheit.
Genauso ist auch die Erde hinsichtlich ihrer Jahreszeiten gleich einem Baum. Im Herbst, in dem der Name اَلْأَوَّلُ {"der Erste"} in Erscheinung tritt, werden Samenkerne und Körner Seiner Logistik anvertraut. Sie sind kleine Sammelhefte der Befehle Gottes, für die Gestaltung der Erde, die das Kleid des Frühlings anzieht und einem Baum gleicht, der Milliarden Äste und Zweige ansetzt, Früchte trägt und blüht. Sie sind Inhaltsverzeichnisse der Prinzipien, die von der Vorherbestimmung Gottes aufgestellt wurden, und winzig kleine Dienstbücher und Berichtshefte der Arbeiten des vergangenen Sommers, welche offensichtlich zeigen, dass ein majestätischer, freigiebiger Bewahrer (und Herr aller Logistik) mit Macht, Gerechtigkeit, Weisheit und Barmherzigkeit am Werk ist.
Was das jährliche Ende dieses Baumes, der die Erde ist, im darauffolgenden Herbst betrifft, so werden alle Aufgaben, die dieser Baum versehen hat, alle natürlichen Lobpreisungen, in (der Offenbare) denen er die Namen Gottes
rezitiert hat, und alle Dienstbücher, die an seinem Auferstehungstag im kommenden Frühling geöffnet werden, in winzig kleinen Kästchen gespeichert und der weisen Hand des majestätischen Bewahrers anvertraut. Auf diese Weise trägt er mit unendlich vielen Zungen den Namen Gottes وَاْلاٰخِرُ {"Er ist der Letzte"} im Antlitz des Alls vor.
Was das Äußere dieses Baumes betrifft, so blüht er mit dreihunderttausend verschiedenen Arten von Blüten, die dreihunderttausend Beispiele und Zeichen der Wiederauferstehung setzen, bereitet (wenn die Seiten offen gelegt werden) zahllose Tische des Erbarmers, des Versorgers, des Barmherzigen und Freigiebigen und gibt den Lebewesen Gastmähler. So rezitiert er mit den vielen Zungen seiner Früchte und Blüten, mit seinen Speisen (z.B. Blätter) den Namen Gottes: وَالظَّاهِرُ {"Er ist der Offenbare"} gedenkt Seiner und zeigt so klar wie der Tag die Wahrheit von:
{"Wenn die Seiten offen gelegt werden." (Sure 81, 10)}
Was das Innere dieses großartigen Baumes betrifft, so ist es ein Kessel und eine Werkbank, die grenzenlos und unzählbar viele wohlgeordnete Maschinen und bestens organisierte Fabriken in vollkommener Aufmerksamkeit und Ordnung betreibt, sodass er aus einem Dirhem (etwa drei Gramm) tausend Batman (Zentner) Speisen bereitet und den Hungrigen überreicht. Seine Arbeit ist mit so viel Aufmerksamkeit und Organisation verbunden, dass auch nicht
für ein Stäubchen Zufall Platz bleibt. Wie manche Engel, die Gott mit hunderttausend Zungen preisen, macht die Erde durch ihr Inneres den Namen Gottes وَالْبَاطِنُ {"Er ist der Verborgene."} in hunderttausend verschiedenen Formen bekannt und beweist Ihn.
Sowie die Erde im Jahreslauf als ein Baum erscheint, der innerhalb dieser vier Namen eine Logistik offenbart, die als Schlüssel zur Wiederauferstehung im Jenseits gilt, so erscheint sie im Ablauf der Jahrhunderte und des irdischen Lebens wiederum als ein wohlgeordneter Baum, dessen Früchte auf den Markt des Jenseits exportiert werden. An ihm offenbaren sich diese vier Namen in der Weise, dass sie zu einem Spiegel werden und einen Weg ins Jenseits öffnen, den in seiner Breite zu überblicken und zu beschreiben, unser Verstand nicht ausreicht. Nur soviel können wir sagen:
Es sind ja die Zeiger einer Uhr, welche die Sekunden, Minuten, Stunden, Tage und Wochen anzeigen, voneinander abhängig und verweisen aufeinander. Wer die Bewegung des Sekundenzeigers sieht, kann die Bewegung der Spindel (auf der er sitzt) nicht abstreiten. Genauso gleicht diese Erde der Großen Uhr des majestätischen Schöpfers der Himmel und der Erde. Doch hier zählt der Sekundenzeiger die Tage, der Minutenzeiger zählt die Jahre, der Stundenzeiger die Jahrhunderte und der Tageszeiger die Epochen, (und die einzelnen Zeiger) sind voneinander abhängig und verweisen aufeinander. Wie aber nach dieser Nacht der Morgen anbricht und nach diesem Winter der Frühling beginnt, so wird mit der selben Sicherheit nach dieser vergänglichen Welt finsterem Winter der für ewig fortbestehende Frühling und ein immerwährender Morgen anbrechen, so wie uns der Schöpfer auf unsere Fragen nach der Wiederauferstehung im Jenseits mit der oben erwähnten
Wahrheit mit seinen Namen "der Bewahrer" (Al-Hafidh) und هُوَ اْلأَوَّلُ وَاْلاٰخِرُ وَالظَّاهِرُ وَالْبَاطِنُ {"Er ist der Erste und der Letzte der Offenbare und der Verborgene."} Antwort gibt.
Des Weiteren erkennen wir mit unseren Augen und begreifen mit unserem Verstand, dass der Mensch die höchste und vielseitigste Frucht dieses kosmischen Baumes ist. In mohammedanischer Wahrheit ist er der Same an seinem Ursprung, das Große Zeichen aus dem kosmischen Qur'an und der Thronvers, der den Namen der Göttlichen Souveränität enthüllt. Er ist der ehrenvoll empfangene Gast in diesem kosmischen Schloss und der tüchtigste Beamte, dem ein Handlungsspielraum über allen anderen Bewohnern dieses Schlosses gestattet worden ist. Er ist ein Minister in der kosmischen Stadt des Bezirks Erde, beauftragt mit der Aufsicht über Ertrag, Ausgaben und Bestellung der Samen in Acker und Garten, ausgestattet mit hunderterlei Wissen und tausenderlei Handwerk, und der Beobachter, der nicht nur den meisten Lärm macht, sondern auch die größte Verantwortung trägt. Er ist ein Inspektor des kosmischen Landes in der Provinz Erde, der unter aufmerksamer Aufsicht des Ewigen Königs der Ewigkeiten (Padishah-i Edhel ve Ebed) dient, und Sein Statthalter, dessen Bewegungen, alle, ob klein oder groß, aufgenommen werden. Er ist derjenige, der das große ihm anvertraute Gut, das auf sich zu nehmen, Himmel, Erde und Berge sich scheuten, auf die Schulter nahm, und vor dem sich zwei eigenartige Wege öffnen, auf derem einen er das glücklichste, auf dem anderen aber das unglücklichste aller Geschöpfe ist. Er trägt als der Diener aller, die Verantwortung für einen alles umfassenden Gottesdienst, durch den sich der gewaltige Name des Königs des Kosmos offenbart, der eine Spiegelung all Seiner Namen ist, und er ist ein direkter Ansprechpartner, der die Ansprache des Gepriesenen und
Seine Worte am besten versteht. Er ist der Bedürftigste unter allen Lebewesen im Kosmos und ein bedauernswertes Lebewesen, das trotz seiner grenzenlosen Armseligkeit und Ohnmacht grenzenlos viele Ziele und Wünsche und grenzenlos viele Feinde hat. Und es gibt viele Dinge, die ihn beeinträchtigen, ja ihm schaden können. Er ist überaus reich, was seine Fähigkeiten betrifft, nicht so jedoch hinsichtlich seiner Freude am Leben, das ihm den tiefsten Schmerz bereitet, denn seine Freude ist mit schrecklichen Schmerzen vermischt. Er verlangt mit größter Sehnsucht nach einer ewigen Bleibe, die er am meisten verdient, ihrer am meisten bedarf und ihrer auch am würdigsten ist. Er erbittet und erfleht die ewige Glückseligkeit mit zahllosen Gebeten. Würden alle Freuden der Welt ihm gegeben, so könnten sie dennoch seinen Wunsch nach einer ewigen Bleibe nicht befriedigen. Seinem Herrn und Gastgeber gegenüber steigert sich seine Liebe, macht Ihn zu seinem Geliebten und in seiner Anbetung wird er selbst zu Seinem Geliebten. Er ist ein einzigartiges Wunderwerk der Macht Gottes des Einzigartigen. Er ist eine außerordentliche Schöpfung, die den ganzen Kosmos in sich trägt. Alle seine menschlichen Anlagen bezeugen, dass er für die Ewigkeit erschaffen wurde.
Für diese Menschen, die sich mit den oben erwähnten zwanzig umfassenden Wahrheiten dem Namen Gottes "der Gerechte" verbinden und deren Taten von dem majestätischen Bewahrer, der selbst das kleinste Bedürfnis auch noch des winzigsten Lebewesens kennt, sein Flehen hört, und mit Seinem Eingreifen beantwortet, wahrgenommen werden, deren Handlungen, die sich auf den ganzen Kosmos auswirken, durch die Engel, von dem ehrenwerten Sekretär des Bewahrers, aufgeschrieben werden, und die vor allen anderen Dingen die Aufmerksamkeit des Herrn gefunden haben, für diese Menschen wird ohne Zweifel und in jedem Fall nach der Schlussfolgerung aus den obigen zwanzig Wahrheiten der Tag der Wiederauferstehung und der Wiederversammlung im Jenseits anbrechen.
Unter dem Namen "der Gerechte" wird der Mensch seine Belohnung für die von ihm verrichteten Dienste und die Strafe für seine Fehler erhalten. Er wird für all seine Taten, ob groß, ob klein, die unter dem Namen "der Bewahrer" aufgenommen worden sind, verhört und zu Rechenschaft gezogen werden. Am Ort des ewigen Bleibens werden sich ihm die Tore zum Gastmahl der ewigen Glückseligkeit und zum Gefängnis der ewigen Verdammnis öffnen. Ein Offizier, der in dieser Welt über viele Völker das Kommando hat, sich in ihre (inneren) Angelegenheiten mischt und sie von Zeit zu Zeit in Unruhe versetzt, wird nicht zu Grabe gehen, sich (so einfach) hinlegen und verstecken können, ohne (wieder) auferweckt und nach all seinen Taten befragt zu werden.
Sollte Er, der selbst das Sirren einer Mücke hört, ihr das Lebensrecht gibt und ihr mit Seinem Eingreifen antwortet, das unbeschränkte Recht des Menschen auf eine Ewige Bleibe nicht achten, seine Gebete, die von den Zungen der obenerwähnten zwanzig Wahrheiten kraftvoll wie der Donner gesprochen werden und von der Erde herauf bis zum Thron Gottes schallen, nicht hören und dieses unbeschränkte Recht verletzen? Sollte die Weisheit, die - wie die Ausgewogenheit eines Mückenflügels bezeugt - noch nicht einmal etwas so groß wie ein Mückenflügel verschwendet, alle menschlichen Begabungen, mit denen alle diese Wahrheiten verbunden sind, und alle menschlichen Hoffnungen und Wünsche, die sich in die Ewigkeit hin erstrecken, und all die vielen Verbindungen und Gegebenheiten im Kosmos, die diese Begabungen und Wünsche nähren, ganz und gar unbeachtet lassen? Das aber wäre eine solche Ungerechtigkeit und eine so grausame Abscheulichkeit, dass sie als außerhalb jeglicher Möglichkeit von allen Existenzen zurückgewiesen werden müsste, die für die Namen Gottes "der Gerechte, der Bewahrer, der Weise, der Schöne und der Barmherzige" Zeugnis ablegen und sagen: "es ist hundertfach unvorstellbar und in tausenderlei Hinsicht unmöglich."
So gibt denn der Schöpfer auf unsere Frage nach dem Jenseits mit Seinen Namen "der Gerechte, der Bewahrer, der Allweise, der Schöne und der Barmherzige" Antwort, indem uns diese Namen sagen: "So wie wir wahr und wirklich sind und gleich der Wirklichkeit der Existenzen, die uns bezeugen, ist die Wiederauferstehung wahr und wirklich."
Des Weiteren... ich wollte noch mehr schreiben, weil aber alles schon sonnenklar erklärt worden ist, will ich hier jetzt abbrechen.
Wie jeder von den hundert, ja sogar tausend Namen Gottes des Gerechten, die die Welt betrachten, anhand ihrer Erscheinungen in allem, was da ist, - im Vergleich mit den obenerwähnten Beispielen und Abschnitten - eindeutig ihren Träger zeigen, genauso zeigen und beweisen sie auch die Wiederauferstehung und das Haus des Jenseits mit Gewissheit.
So wie unser Herr, der Schöpfer auf unsere Fragen mit all Seinen Erlassen, all den Büchern, die Er herab gesandt hat, mit den meisten Namen, die Er trägt, uns heilige und sichere Antwort gibt, genauso lässt Er uns, wenn auch auf andere Art und Weise, durch Seine Engel und ihre Zungen Antwort bringen. Sie sagen:
"Seit der Zeit Adams gibt es Hunderte von einstimmigen Überlieferungen (ahadith) dafür, dass es Begegnungen sowohl mit den Geistwesen, als auch mit uns gibt. Es gibt zahllos viele Zeichen und Beweise für unser eigenes als auch der Geistwesen Dasein und Gottesdienst. Während unserer Begegnungen mit euren Anführern (Propheten), sagten wir ihnen übereinstimmend und sagen immer noch, dass wir in den Sälen des Jenseits und noch manch anderen Bereichen umher wandeln. Wir haben keinen Zweifel daran, dass diese ewig bleibenden und vollkommenen Säle, in denen wir uns hier bewegen, und die Schlösser und Wohnstätten, die hinter diesen Sälen eingerichtet und vorbereitet sind, auf sehr bedeutende Gäste warten, die sich an diesen Orten ansiedeln werden. Dies ist die
Gewissheit, die wir euch mitteilen."
Und dies ist ihre Antwort, die sie uns bringen.
Des Weiteren müssen wir dieselben Fragen, die wir dem Schöpfer gestellt haben, vor allem an Mohammed, den Araber, mit dem Friede und Segen sei, den der Schöpfer für uns als größten Lehrer, als vollkommensten Lehrmeister und richtigen Wegweiser, der nicht irrt und nicht in die Irre führt, ernannte, und den Er zu uns als letzten Propheten sandte, richten, um von der Stufe einer Gewissheit, begründet durch wissenschaftliche Kenntnisse, auf die Stufe der augenscheinlich bezeugten und selbst erfahrenen, wahrhaftigen Gewissheit zu gelangen.
Denn: Wie diese Persönlichkeit mit ihren tausend Wundern, dessen jedes ein bestätigendes Zeichen durch den Schöpfer ist, als ein Wunder des Qur'an gilt und beweist, dass der Qur'an wahr und Gottes Wort ist, so ist auch der Qur'an mit seinen vierzig Arten Wundern ein Wunder dieser Persönlichkeit, und beweist, dass sie wahrhaftig und Gesandter Gottes ist. Die Wahrheit der Wiederauferstehung am Jüngsten Tag, die diese beiden, der eine als Sprecher der bezeugten Welt mit seinem ganzen Leben, bestätigt durch alle Propheten und Heiligen, der andere als Sprecher der unsichtbaren Welt, mit seinen tausend Versen, bestätigt durch alle vom Himmel geoffenbarten Erlasse und durch die Tatsache der Schöpfung, behaupten und beweisen, strahlt so sonnenhell und ist in jedem Fall so sicher wie der helle Tag.
In der Tat kann eine Frage wie die der Wiederauferstehung, welche so eigenartig und überwältigend ist und über jeden Verstand hinausgeht, allein und einzig durch die Unterweisungen dieser beiden wunderbaren Lehrmeister bewältigt und verstanden werden.
Der Grund dafür, dass die Propheten der früheren Zeiten ihren Gemeinden darüber keine ausführlichen Erklärungen wie die des Qur'an gegeben hatten, liegt darin, dass sich die Menschheit in damaliger Zeit noch im Kindheitsstadium
befand und auf der Stufe der Nomaden lebte. Und im Unterricht für Anfänger wird noch kaum etwas ausführlich erklärt.
Zusammenfassung:
Da die meisten Namen Gottes des Gerechten nun einmal das Jenseits (und damit die Ewigkeit) voraussetzen und erfordern, so verweisen mit Sicherheit auch alle Zeugnisse, wie sie einerseits diese Namen zu erkennen geben, andererseits auch auf die Bewahrheitung des Jenseits.
Da die Engel nun einmal berichten, dass sie die Bereiche des Jenseits und der ewig bestehenden Welt gesehen haben, gelten mit Sicherheit auch die Beweise, die für die Existenz der Engel, Geister und Geistwesen und für ihren Gottesdienst angeführt werden, für die Existenz des Jenseits.
Da sich Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, nun einmal in seinem ganzen Leben, im Ansatz und den Fundamenten seiner Lehre immer erst auf die Einheit Gottes und dann auf das Jenseits bezogen hat, bezeugen alle Wunder und alle Beweise, die einerseits das Prophetentum und die Wahrhaftigkeit dieser Persönlichkeit aufzeigen, den Anbruch des Jüngsten Tages und die Bewahrheitung des Jenseits.
Da ein Viertel des Qur'an nun einmal von der Wiederauferstehung am Jüngsten Tag und dem Jenseits handelt und, es mit tausend Versen beweisen, und von ihm berichten, bezeugen und zeigen mit Sicherheit alle Zeugnisse und alle Beweise, die die Wahrheit des Qur'an bezeugen und aufzeigen, dabei auch die Existenz des Jenseits, seine Wahrheit und seinen Anbeginn.
Nun betrachte und sieh, wie stark und sicher dieser Glaubenspfeiler ist!
Sechster Abschnitt
Einleitung
Nach dem Freispruch des Strafgerichtshofs in Denizli verbreitete sich die Risale-i Nur in den meisten Bezirken, Städten und Dörfern und die Zahl der Nur-Schüler stieg in kurzer Zeit auf mehr als hunderttausend. Man begann nun, alle Abhandlungen (risalah) maschinell zu kopieren.
Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis kam Said Nursi zunächst für drei weitere Jahre in Emirdagh ins Exil. Gegen Ende des Jahres 1947 wurden unser Meister (Ustadh) und seine Schüler dann zum dritten Mal ins Gefängnis (nach Afyon) gebracht. Von dort 1949 wieder aus dem Gefängnis entlassen, kehrte er für weitere drei, vier Jahre nach Emirdagh ins Exil zurück und wurde sodann (als ein weiteres Exil) nach Isparta verlegt. Er war jetzt schon über achtzig Jahre alt und brauchte dringend einen Luftwechsel. Darum ging Ustadh nun gelegentlich (wieder nach) Emirdagh zurück und verblieb (dort für einige Zeit) in der Medresse (dershane-i Nuriye), die seine Wohnstatt wurde.
Wir erwähnen hier (zunächst einmal) den Teil seines Lebens, den er während seines ersten Exils in Emirdagh bis zu seiner Einlieferung ins Gefängnis zu Afyon verbrachte. Sein Leben im Gefängnis zu Afyon bis zu seiner Rückkehr (ins Exil) in Emirdagh und sein Leben (während seines zweiten Exils) dort in seinem Dienst (hizmet-i nuriye) soll (dann im folgenden Kapitel) behandelt werden. Sein Leben (dort im Exil) in Emirdagh stand im Vergleich mit seinem bisherigen Leben noch weit mehr im Lichte der Öffentlichkeit. Auch häuften sich nun noch die Unglücksfälle und falschen Verdächtigungen. Er wurde ständig beobachtet und man versuchte sogar, ihn (heimlich) aus dem
Wege zu räumen. Zugleich verbreitete sich die Risale-i Nur im weiten Umkreis. Selbst an den Hochschulen, unter Beamten und Politikern begann man sie zu lesen.
Nach seiner Entlassung aus dem Exil in Emirdagh hat man Üstadh auch weiterhin sehr ungerecht behandelt und verleumdet. Da man nun im weiten Kreise Lügen, Beschuldigungen und Verdächtigungen verbreitete während sich zu gleicher Zeit auch die Risale-i Nur auf wunderbare Weise ausbreitete, ist es hier nun notwendig geworden, in der Einleitung die Tatsachen klarzustellen. Und das war so:
Wenn wir hier nun das besondere, das Said Nursi in seiner ganzen Haltung, in all seinen Handlungen und durch seinen (geistlichen) Dienst zum Ausdruck bringt, darstellen wollen, so ist unsere Absicht dabei (folgende):
Wenn wir hier versuchen, die Blicke des bewundernden Lesers auf sich zu ziehen, so tun wir dies - Gott bewahre! - nicht, damit die Menschheit Bediüzzamans vergängliche Person bejubeln und beklatschen solle, sondern um gegenüber denjenigen, die seine Persönlichkeit schmähen und verleumden und seinen (geistlichen) Dienst besudeln wollen und sich auch darum bemühen, den Dienst am Glauben (din) und der Risale-i Nur zu verhindern, das Licht (Nur), die Wirkungsmächtigkeit und jenen Dienst an der Risale-i Nur ganz klar darzustellen, der von Glückseligkeit übersprüht und ihn dabei als einen Schüler des Qur'an in der Gemeinde unseres Ehrenwerten Propheten und als einen Diener Gottes zu erwähnen, der Seine Gunst (ikram) erfahren hat. Wir werden die vorgetäuschten Gründe der Feinde des Glaubens (din) und ihre rechtswidrigen Angriffe zurückweisen und die Unschuld eines Unschuldigen erklären. Ja wir können sogar sagen: Es hat bis heute seinesgleichen niemanden gegeben, der solchen, seiner Denkweise, seinen Idealen, seinem Dienst (am Glauben) und seinen Zielen vollkommen entgegengesetzten, der Wahrheit zuwiderlaufenden, fürchterlichen Verdächtigungen und Anschuldigungen ausgesetzt gewesen wäre. Es
ist, als wolle man ein Gegengift als Gift darstellen, (wenn man einen Menschen), der doch die Absicht hat, dieses Volk und die kommenden Generationen vor der Anarchie, der Glaubenslosigkeit und der Sittenlosigkeit zu bewahren und sich auch dementsprechend betätigt, aus dem Irssinn eines Irrglaubens heraus, wie er nur aus einer völligen Glaubenslosigkeit entstehen kann, des Landesverrates bezichtigt und (behauptet), er vergifte die Jugend und verführe sie zur Rückständigkeit, wobei es dann offensichtlich ist, wie bitter ein solcher Zustand ist, sodass er einsichtige Menschen vor Schmerz zum Weinen bringt. So ist Bediüzzaman denn ein solch Unschuldiger, der nicht einmal, nicht hundertmal, nein tausendmal derartige unwahre Anschuldigen erdulden musste. In seinem Dienst (am Glauben) war er von solcher Art, dass er in seiner Haltung und in seinem Charakter die außergewöhnlichsten Beispiele der hochgelobten Sitten vorgelebt hat, in seiner Seele (nefs) ein geradezu meisterliches Beispiel von Anstand und Tugenhaftigkeit zur Darstellung brachte und so ein Markstein der Moral und des guten Benehmens war. Wir, die wir seine Schüler sind und die für ihn notwendigen Dienste versehen und daher sein ganzes Leben und Wirken von innen und außen kennen geben hiermit allen laut, klar und deutlich zu verstehen:
Unser Meister (Ustadh) hat den Gläubigen (ehl-i iman) und der ganzen Menschheit zu ihrem Nutzen ein Wissen, das in einem Glauben (ulum-u imaniye) gründet, den er aus dem Qur'an schöpft, meisterhaft (ustadh) dargeboten und genau so wird auch durch seine edlen Umgangsformen, seine ganze Haltung und in seinem Privatleben sein guter Charakter (deutlich), so wie ihn der Weise Qur'an beschreibt und werden auch jene Spuren und die beständige erhabene Gegenwart (huzur) sichtbar, welche die Tropfsteine {Sie sind über Jahrtausende der sichtbare und fassbare Ausdruck einer Tätigkeit des Wassers, welche das Symbol allen Lebens ist. (A.d.Ü.)} einer erhabenen Gottesfreundschaft (vilayat) sind.
Menschen des Herzens (ehl-i qalb) und der Tugendhaftigkeit (erbab-i fadhilet), die sein Verhalten bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufmerksam und verständnisvoll beobachteten, sahen mit völligem Erstaunen, dass sein erleuchtetes Herz (qalb-i munevver) wie eine Sonne der Wahrheit und Erkenntnis (shems-i haqiqat ve marifet) strahlte und wie die Wellen des Ozeans in ständiger Bewegung war, gaben daher allgmein bekannt, dass unsere Erde und unsere Zeit (zemin ve zaman) stolz sein dürfen auf diese letzte, vollendete (kamil), lichtstrahlende Frucht (meyve-i munevver) am Baume der Islamiyet.
Oh ihr Unglückseligen, die ihr versucht, in böser Absicht und entsprechend der Schlechtigkeit eures Geistes einen solchen Markstein des Anstandes, der Moral, des Glaubens (iman), der Wahrheit (haqiqat) und der Erkenntnis schlecht zu reden und ein solches Vorbild an Tugend zunichte zu machen und in einer Weise zu verleumden, deretwegen sich selbst noch der Teufel schämen müsste! All diese Verleumdungen, die ihr gegen diese Persönlichkeit verbreiten wolltet und all das Gift, das ihr überall ausgelegt habt, hat euch nichts eingebracht. Denn die Wahrheit (haqq) verbreitet ihr Licht (Nur) und strahlt es aus. Mit diesem Licht (Nur) hat sie nun ihren Glanz (ziya) über alle Welt (alem) ausgebreitet. Was aber euch betrifft, so seid ihr niedrig und gemein und die ganze Menschheit verabscheut eure innere Haltung (mana, nicht euere äußerliche Erscheinung!). Ihr solltet euch etwas schämen! Noch immer eines Menschen Kleid (auch Maske oder Antlitz) tragen zu müssen, sollte eigentlich für euch ein Schmerz und eine Schmach sein! Dennoch steht für euch noch ein Tor zur Befreiung offen. Wenn ihr an dieses Tor klopft, könnt ihr vielleicht noch gerettet werden. Denn Said Nursi hat einmal gelobt und verkündet: "Selbst diejenigen, die für meine Hinrichtung arbeiten, danach jedoch ihren Glauben durch die Risale-i Nur retten und weiterhin an der Risale-i Nur festhalten, mögen meine Brüder dessen die Zeugen sein, dass ich ihnen gegenüber auf meine Rechte (haqq) verzichten (helal)
werde." Es gibt in der Tat viele, die ihn erst hinrichten wollten. Die meisten von denen, die früher einmal gegen ihn waren, sind heute seine Freunde geworden, weshalb auch für euch, die ihr heute gegen ihn intrigiert und ihn verleumdet, wenn ihr bereut, den Lektionen (ders) aus der Risale-i Nur euer Ohr leiht, die Hoffnung besteht, dass dieser selbstlose (shefqat) Held für euch und für eure Vergebung bitten und beten (dua) wird. So kommt denn nun und seht, dass Said Nursi in der Tat ein solcher Held ohne Beispiel ist, der, so wie er als ein Held auf dem Schlachtfeld oder auch auf der Anklagebank gegen die Tyrannen aufgetreten ist, auch für die Feinde unter euch und diejenigen, die sich dafür angestrengt haben, ihn zu vernichten, wenn sie sich danach aber der Risale-i Nur zuwenden, seine Hände zu ihrem Heil (selamet) und zu ihrer Rettung erheben und mit Tränen in den Augen für sie beten wird. Und so versteht denn nun, wie er in seiner großen Bescheidenheit alle Schichten des Volkes mit vollkommener Liebe (kemal-i shefqat) behandelt hat. Und seht nun, auf welch erhabener Stufe der Menschlichkeit diese Person stand! Ihm gegenüber sind alle Loblieder und Preisreden nicht von der gleichen Art wie die Akklamationen der Weltleute (ehl-i dunya). Für seine geistige Persönlichkeit, die ein Abbild der Wirklichkeit des Kosmos (haqiqat-i kainat) ist, ein Beispiel für die Vollkommenheit des Menschen (ekmel insana), den hohen Wert des Menschen und die wahrhaftige Erscheinung eines Muslim, sind alles Lob und aller Applaus nur noch ein Zeichen der Anteilnahme. Said Nursi, der in der Tat ein Beispiel für die Lichter der Wahrheit (envar-i haqiqat) ist und für sie spricht, applaudiert nicht nur die ganze Menschheit, sondern vielmehr alle Arten und Gattungen dieser Welt (alem) und wünschen ihm Heil und Segen (tebrik). Seinen Dienst am Glauben (iman) wissen in der Tat Vergangenheit und Zukunft zu schätzen...
Said Nursi war in der Tat, soweit wie Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) es in die Natur des Menschen (mahiyeti insaniye) hineingelegt hatte, bei allen Arten und
Möglichkeiten, etwas Vollkommenes (zu erschaffen), stets an erster Stelle und handelte stets auf die bestmögliche Weise. Manchmal wandelte er über Bergeshöhen oder zwischen riesigen Felswänden dahin, schritt still und einsam für sich dahin, betrachtete dabei die Weinberge, die Gärten, die Pflanzen und Tiere und dachte über sie nach, kehrte sodann zurück, ging in die Stadt, wo er dann in den großen politischen Versammlungen mit erlesener Beredsamkeit und Gewandheit eine Rede vortrug, oder einen Vortrag über Moral und Anstand hielt und dabei stets seinen lebhaften Geist (ruh) sprühen ließ. Sein Leben im Osten vor und nach der Deklaration der Konstitutionellen Monarchie (Hürriyet 1908) wie auch all seine Aktivitäten in Istanbul sind dafür ein Zeugnis. So bereiste er einerseits Ost-Anatolien und unterrichtete dort die verschiedenen Volksstämme, hielt Unterricht (ders) über Glaube (iman) und Moral (ahlak) und beriet sie (in allen Fragen). Andererseits bestimmte er in Damaskus (im Jahre 1911) für alle Welt, vom Standpunkt islamischer Politik aus betrachtet, die Grundsätze der Entwicklung und Vervollkommnung für alle Muslime mit größtmöglicher Schärfe und Bestimmtheit und legte sie entsprechend fest und verkündigte 350 Millionen Muslimen den Sonnenaufgang (fedjr-i sadiq) der Glückseligkeit (saadet). Auch hielt er in der Zeit der Konstitutionellen Monarchie (meshrutiyet) eine Rede vor den Abgeordneten und verfasste zugleich Abhandlungen in den Zeitungen, in welchen er argumentierte, dass die heiligen (qudsi) Grundsätze des Qur'an für das Islamische Volk festgelegt und durchgeführt werden müssen, um die Glückseligkeit beider Welten (djihan) zu gewinnen, rief mit lauter Stimme hinaus, wo die Quelle des Fortschritts (zu finden) ist und wahre Vollkommenheit (haqiqi kemalat) und verteidigte seinen Standpunkt mit Heldenmut selbst noch vor dem Kriegsgericht (Divani Harb).
So erklärt sich denn hier ein klein wenig, wie diese wunderbare Persönlichkeit gelebt und gewirkt hat, so als habe sie den Geist einer Gemeinschaft inne, die aus
Menschen mit verschiedenen Begabungen, sowie ganz unterschiedlichen Denkweisen und Fähigkeiten besteht. Es ist, als besäße diese Persönlichkeit all das an Schönheit und Vollkommenheit (kemalat), womit alle Leute von Wahrheit (ehl-i haqq) und Verstand, die in den 1300 Jahren seit dem Entstehen des Islam gekommen und wieder gegangen sind, den strahlenden Baum der Islamiyet über die Jahrhunderte hinweg wie mit verschiedensten Blumen und Früchten geschmückt haben, trüge (dies alles) gleichsam wie Orden und Ehrenzeichen mit sich. Es ist, als würden islamische Wissenschaft und Bildung durch diese Person erneut wieder ins Leben gerufen.
Es ist, als ob die heiligen Meister (qudsi ustadh), Gelehrten und Exegeten, die durch den Unterricht (ders) und in der Führung des Großen Propheten zur Wahrheit (haqiqat) gelangt und bis zur Vollkommenheit (kemalat) fortgeschritten waren und nun jede Gruppe jeder einzelnen islamischen Gemeinschaft in den Kreis der Erleuchteten führen und leiten und als wäre nun diese Persönlichkeit zum Erben (varith) all dieser verschiedenen Wege (meslek) und Wissenschaften (ilim) ernannt worden. Mit allen Schönheiten und Vorzügen vergangener Zeiten bekleidet entstand nun in unserem Jahrhundert dieses Wunder unserer Zeit, Said Nursi Hazretleri, der auf diese Weise im Namen des Qur'an und mit Hilfe der Risale-i Nur begann, jenen Dienst am Glauben zu versehen und jenen inneren Kampf (djihad-i manevi) zu führen, dessen Aufgaben ansonsten nur eine Gemeinschaft, ein hohes Gremium, ja vielleicht ein gewaltiges Heer ausführen könnte, mit Gottes Hilfe (izn-i Ilahi) zu erfüllen und alle seine Pflichten zu übernehmen. Die geistige Körperschaft der Nur-Schüler, welche aus jener Kraft und Verbundenheit entstanden war, welche aus dem Licht der Islamiyet und der Bruderschaft des Glaubens (iman) erwächst, war angetreten, um den Leuten des Irrtums (ehl-i dalalet) gemeinsam Widerstand zu bieten, errichtete auf diese Weise als Stützpunkt aller Gläubigen die Mauer des Qur'an gegen die rote Gefahr
einer Besetzung des Vaterlandes und wurde nun der Schoß aller Liebe (muhabbet), Brüderlichkeit und Einheit (ittifaq) wie einst in der islamischen Welt (alem) eines tapferen türkischen Volkes.
Said Nursi ist eine Persönlichkeit, die über ganz besonders umfangreiche Begabungen verfügt. In all diesen Begabungen ist er allen weit voraus. Er erforscht mit großer Aufmerksamkeit jedes Einzelne und das Ganze, die äußere Welt in ihrem kleinsten Kreis und den inneren Kreis, z.B. die Atome und zugleich auch die Milchstraße, betrachtet sie und zeigt so in ihnen das Licht der Einheit (envar-i Tauhid) und beweist es zugleich. Dabei ist er einerseits mit der elementare Versorgung durch den Glauben (iman) beschäftigt, der die gesamte Islamische Welt (alem) und die ganze Menschheit umfasst.
{Der Glaube ist ein Grundelement im menschlichen Zusammenleben. (A.d.Ü.)}
Andererseits aber führt er ein Einsiedlerleben und betrachtet dabei die einzigartigen Werke der Natur (fitrat), welche Briefe sind, geschrieben mit der Feder des Allmächtigen (qudret) und Wunderwerke göttlicher Kunstfertigkeit, versenkt sich dabei in das Buch der Schöpfung, erfüllt so täglich dergleichen verschiedene erhabene Aufgaben und schreitet auf diese Weise in unendlicher Freude zur Erkenntnis Gottes und Seiner Gegenwart (marifet-i Ilahiye ve hudhur) in Seinem Lichte (envar) fort.
So sind denn diese Geisteshaltung (halet-i ruhiye) und die heiligmäßige Verfassung im Leben (hayat) unseres Meisters (Ustadh), wie wir sie in jedem seiner Abschnitte bezeugen können, so auch das Leben, das er in Emirdagh verbracht hat, stets von diesem oben dargestellten Sinn erfüllt. Und das, auch wenn es in seinen gesammelten Briefen, worin dies bis zu einem gewissen Grade bereits dargestellt worden ist, noch etwas zu kurz kommt. Man hat sich in dieser Biographie mit nur einem Tropfen aus diesem Ozean zufrieden gegeben.
Said Nursis Entlassung aus dem Gefängnis in Denizli und seine Verbannnung nach Emirdagh
Im Juni 1944 erfolgte der Freispruch durch den Hohen Strafgerichtshof in Denizli, danach die Entlassung aus dem Gefängnis, und so kehrten die Nur-Schüler wieder in ihre heimatlichen Provinzen zurück. Was jedoch unseren Meister (Ustadh) betrifft, so verblieb er im städtischen Hotel in Denizli bis ein neuer Befehl aus Ankara ergangen war. Doch wegen der Verhaftung der Schüler der Risale-i Nur und der Verhandlungen gegen sie, fühlte sich das Volk von Denizli mit der Risale-i Nur eng verbunden. So gab es selbst in der Justizbehörde zwei oder drei Beamte, die während der Verhandlungen am Gerichtshof ihre Verbundenheit mit der Risale-i Nur zum Ausdruck brachten und sich für deren Verbreitung in Denizli einsetzten. Später haben dann aus dem Kreise der Risale-i Nur jener als "gerecht" bezeichnete Richter ("hakim-i adil") als Vorsitzender des Gerichts und seine Beisitzer und alle Patrioten, die sich in dieser Angelegenheit eingesetzt hatten, mit ihrem gerechten Urteil und durch ihren Einsatz allen Leuten des Glaubens (ehl-i iman) nicht nur eine große Freude bereitet, sondern sich auch einen inneren, für ewig strahlenden Stand (maqam) erworben.
Nachdem Said Nursi noch zwei Monate in Denizli geblieben war, erhielt er den Auftrag (memur), seinen Wohnsitz (ikamet) in der Stadt Emirdagh in der Provinz (vilayat) Afyon zu nehmen. Und dort in Emirdagh musste er vom August 1944 an in der Verbannung leben. Dort blieb er also zunächst einmal vierzehn Tage lang in einem Hotel, danach mietete er sich ein Haus und bezahlte auch selbst die Miete für dieses Haus.
Sein Leben (hayat) dort in Emirdagh kann man auf folgende Weise zusammenfassen:
Er stand ständig unter polizeilicher Beobachtung. Und obwohl er doch vom Gericht freigesprochen worden war und man ihm auch seine Bücher wieder zurückgegeben hatte, ließ man ihn dennoch nicht frei. So stand er mehr als je zuvor unter Kontrolle und war sowohl durch sein Fenster als auch durch seine Türe einer ständigen Beobachtung ausgesetzt. So wie er bereits in seinen Briefen berichtet hatte, musste er in Emirdagh manchmal an einem Tag mehr Schikanen über sich ergehen lassen als in Denizli während eines ganzen Monats. Wie schlecht unser Meister (Ustadh) dort behandelt wurde und in welcher Weise man dort ständig mit ihm umging, konnten wir von der Bevölkerung dort in Emirdagh aus nächster Nähe erfahren. Da nun aber den heimlichen Komiteen der Gottlosen auf seinen Freispruch durch den Gerichtshof in Denizli hin und durch dessen Hände in der Verbreitung der Risale-i Nur und Said Nursis Dienst am Glauben (iman) eine Mauer entstanden war, versuchten sie nun ihn auf anderen Wegen bei den Ämtern der Regierung zu verdächtigen und dort gegen ihn zu hetzen, um ihn am Ende auf diese Weise gänzlich zu eliminieren. Und dieser Plan stand für sie fest.
Ein Wächter verließ nie den Platz vor seiner Tür. Daher war es immer schwer, sich mit unserem Lehrer (Ustadh) zu treffen. Die Familie Tjalishkan, welche in Emirdagh ein Haus besaß (Hanedan), nahm als erste näheren Kontakt mit unserem Meister (Ustadh) auf, erwies dieser alten und nicht nur gelehrten, sondern auch hochanständigen (fadl) Persönlichkeit, die in ihre Stadt verbannt worden war, ihre enge Freundschaft, eilte rein um Gottes willen (lillah) zu seinen Diensten und ließ niemals darin nach, ohne jemals darauf zu achten, dass diese Verbundenheit vielleicht missdeutet werden könnte und man vielleicht auch noch Lügen und Gerüchte über sie verbreiten könnte. Zugleich mit der Familie Tjalishkan wurden auch viele andere treue
Gläubige (sadiq mu'min) in Emirdagh zu Nur-Schülern, die sich am Nur-Dienst unseres Lehrers (Ustadh) beteiligen.
Sie begannen also nun, die Risale-i Nur zu lesen, zu schreiben und in ihrer Umgebung zu verbreiten. Es ist ja allgemein bekannt, dass ein bedeutender Teil des Volkes, nachdem unser Lehrer (Ustadh) seinen Aufenthalt (ikamet) in Emirdagh genommen hatte, durch seinen Unterricht in der Risale-i Nur hinsichtlich Wissenschaft (ilm), Glaube (iman), Ethik (ahlaq) und Moral (fadilet) Fortschritte gemacht hatte, was sogar die Leute von der Regierung ausdrücklich bestätigt haben.
Die Schüler in Emirdagh berichten über das Leben (hayat) ihres Lehrers (Ustadh) in Emirdagh folgendes: Unser Lehrer (Ustadh) stand in Emirdagh ständig unter polizeilicher Überwachung. An sonnigen Tagen pflegte er spazieren zu gehen. Im Frühling und zur Sommerszeit war es die Gewohnheit unseres Meisters (Ustadh) auf jeden Fall ins offene Land hinaus zu gehen. Er ging stets allein, blieb für einige Stunden und kehrte danach wieder in sein Haus zurück. Häufig, sobald er ins offene Land hinaus trat, ließ man jemandem ihm nachgehen. Manchmal verfolgte ihn ein Wachmann, ein andermal ein Polizist. Ein Mal wurde sogar nach ihm geschossen; doch wurde er nicht getroffen. Eines Tages kam einmal ein Regierungsbeamter
hinter ihm her gelaufen: "Es ist verboten, hinaus zu gehen! Du darfst diese Mütze nicht aufsetzen! Du darfst keinen Turban tragen!" In dieser Art Befehlston pflegte er mit ihm umzugehen und sich aggressiv ihm gegenüber zu betragen. So kehrte denn Ustadh wieder nach Hause zurück. Dergleichen Arten ihn zu behandeln gab es viele.
Die Aufgaben und Arten der Beschäftigung, denen unser Meister (Ustadh) in Emirdagh nachging, waren so wie auch an anderen Orten nicht auf eine einzige Aufgabe (vazifah) beschränkt. Aus der Sammlung seiner Briefe, von seinen Freunden, die gelegentlich kamen, um ihn zu besuchen, von seinen alten Studienkollegen und Schülern, gelegentlich auch von einigen ihm besonders nahe stehenden Schülern, Nachbarn und anderen Mitbewohnern (seiner Stadt) haben uns viele berichtet und bezeugt: Es gab da die verschiedensten Dienste und Aufgaben (vazifah), die nach der Wahrheit hin ausgerichtet waren oder aus ihr hervorgingen und jeden Tag bemühte er sich darum, sie zu erfüllen. Und während er sich stets wieder damit beschäftigte, Werke wie die "Worte (Sözler)" oder die "Blitze (Lem'alar)", welche das Licht (Nur) der qur'anischen Wahrheit (haqaiq) sind, abzufassen, zu korrigieren und zu verbreiten. Dabei hatte er das sehnsüchtige Verlangen, alles Sein (maudjudat) zu betrachten, das ja ein Kunstwerk ist, entstanden aus einem Wort der Göttlichen Allmacht (kelimat-i qudret) und so das Buch der Schöpfung (kitab-i kainat) zu studieren. Die auf dem Antlitz der Erde geschriebenen, auf den Seiten des Frühlings dargestellten wunderbaren Werke der göttlichen Weisheit (hikmet) und Barmherzigkeit (rahmet), alle die staunenswerten Kunstwerke Gottes, die Bäume und die übrigen Pflanzen und alle Tiere wie Siegel der Göttlichen Einheit (Tauhid) zu lesen, die auf ihren Gesichtern erstrahlen, war er stets besonders hingerissen. So breitete er denn seine Schwingen, um auf den Stufen der Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye) den grenzenlosen Horizonten der Gotterkenntnis mit wahrhaftiger Gewissheit (haqqa-l'yaqin) entgegen zu schweben.
Überhaupt war das Nachsinnen (tefekkur) die Grundlage seiner Berufung (meslek), so wie er sie dem Qur'an entnommen hatte. In all seinen Werken weist er stets den Menschen an, nachzusinnen (tefekkur) und unterrichtet (ders) sie in der Besinnlichkeit (tefekkur). Die Erkenntnis Gottes (marifet-i Ilahiye), die man durch Wissenschaft (ilm) und Kontemplation (tefekkur) gewinnt, verleiht der Seele (ruh) eine Weite so ausgedehnt wie das Universum.
{Jahr der Anbetung."und in jedem Ding findet sich für ihn ein Zeichen, das beweist, das Er ein Einziger ist."}
Und in jedem Ding finden sich Hinweise auf jenen einen und einzigartigen Künstler (Sani'-i Vahid), die ausdrücken dass es solche Beweise und deutliche Zeichen (ayat) gibt.
{"Eine Stunde Nachdenkens ist besser als ein Jahr der Anbetung."}
So handelte er stets diesem tief, inneren Sinn (sirr) entsprechend.
Über den Versuch, unseren Meister (Ustadh) in Emirdagh zu vergiften
Ein Polit-Beamter sagte einmal zu dem Hauptwachman, um ihn zu täuschen: "Wir haben von oben Befehl erhalten, ihn zu erledigen.", woraufhin der so hintergangene sich eine Leiter nahm, des Nachts zum Fenster unseres Meisters (Ustadh) hinauf stieg und Gift in sein Essen streute. Anderen Tages begann unser Meister (Ustadh) sich infolge dieser Vergiftung in Krämpfen zu winden. Doch obwohl die Wirkung des Giftes gewaltig war, sagte er dennoch selbst:
"Durch den Segen (feyz) der geheiligten Rezitationen (evrad-i qudsiye), wie der Gebete unseres Propheten (Djevshenu-l'Kebir) werde ich vom Tode errettet werden. Doch die Qualen dieser Krankheit sind ganz entsetzlich." Obwohl er nun eine Woche lang kaum Nahrung oder etwas zu trinken zu sich nahm, sondern nur noch in seinem elendiglichen Zustand wimmernd und stöhnend liegen blieb, genaß er danach mit Gottes Erlaubnis (biiznillah) wieder, nahm seine Arbeit wieder auf und begann wieder mit seinen Aufgaben (vazifah), wie z.B. den Korrekturarbeiten an der Risale-i Nur. Doch auch z.Zt. seiner schweren Krankheit versäumte er niemals seine Gebete (namaz). Erst als man bereits zum zweiten und dritten Mal versuchte, ihn zu vergiften und er seine Krankheit kaum noch zu ertragen vermochte, konnte er seine Gebete (fardh) für zwei, drei Tage nur mehr liegend verrichten. Zwei Schüler, die in den Tagen, da er noch in Lebensgefahr schwebte, mit Tränen in den Augen bis zum Morgengrauen am Lager ihres Meisters (Ustadh) aufmerksam Wache hielten, sagten einmal: "Gegen Tagesanbruch richtete er sich auf, erhob, obwohl er seine Augen noch geschlossen hielt, seine Hände zu Gott (dergah-i Ilahiye) und sprach mit leiser Stimme zum Wohl des Dienstes an der (Risale-i Nur) und zum Segen (selamet) ihrer Schüler einige Worte im Gebet (dua). Danach versank er in einen Zustand der Bewusstlosigkeit und fiel auf sein Lager zurück."
Bei dem Dienst, den sie (an seinem Lager) versahen, wechselten sich stets zwei drei Schüler gegenseitig ab. Eine Zeitlang versuchte man, selbst das noch zu verbieten, doch seine Schüler ließen niemals in ihrem Eifer nach und zeigten stets eine hohe Opferbereitschaft.
Ein hoher Regierungsbeamter in Emirdagh sagte später einmal zu einem seiner Kollegen, der einer der tapferen Nur-Schüler war: "Es gibt da einen geheimen Plan und Befehl, Said Nursi insgeheim aus dem Wege zu räumen!" So liefen denn alle (Arten), wie man mit unserem Meister (Ustadh) umging, im Sinne genau dieses Planes ab. So
geschah es denn nicht ein, zwei Mal ausnahmsweise, sondern lange Jahre in folge immer wieder, dass man ihn körperlich quälte und unterdrückte, ihn auch seelisch schikanierte und dabei ständig beobachtete, was (für alle) stets sehr schmerzlich und bitter war.
Während der ersten beiden Jahre ging unser Meister (Ustadh) zur Moschee auf dem Marktplatz und nahm dort am gemeinsamen Gebet teil. An den meisten Tagen verrichtete er das Nachmittagsgebet (ikindi) in der Moschee und blieb dort bis zum Nachtgebet (yatsi). Danach kehrte er wieder nach Hause zurück. So gingen zwei Jahre dahin. Danach sagte der Landrat, dass er sich dort mit Leuten treffe und verbot ihm also den Besuch in der Moschee. Während seines Aufenthaltes in Emirdagh wurde die Risale-i Nur an vielen Orten, besonders aber in Isparta per Hand vervielfältigt. Es waren sehr viele, welche diese Abhandlungen (risalah) lasen, ihren Nutzen daraus zogen und nun kamen, um den Meister (Ustadh) zu besuchen. Doch von denen, die gekommen waren, um ihn zu besuchen, gelang es nur einem kleinen Teil, ihn zu sehen. Allein diejenigen, welche mit noch größerem (Eifer) der Risale-i Nur in vollkommener Treue und Aufrichtigkeit zu dienen vermochten und (diesen Dienst) rein um Gottes willen (lillah) in Liebe (muhabbet) und Brüderlichkeit (uhuvvet) auf sich nahmen, konnten ihn auch besuchen und an den Lektionen (ders) und an den Gesprächen (sohbet) unseres Lehrers (Ustadh) teilnehmen. Unser Lehrer (Ustadh) sprach mit den einzelnen Besuchern je nach deren unterschiedlichem Verständnis und dem Grad ihres Auffassungsvermögens (fehim), lenkte ihre Aufmerksamkeit auf die Risale-i Nur und ihren Dienst am Glauben (iman) und versicherte sich dabei betont und vollkommen überzeugt, dass das Volk aus den Wahrheiten der Risale-i Nur und dem Dienst am Glauben (iman) in ihrer äußerlichen und innerlichen (Lebensgestaltung) den größtmöglichen Nutzen erfahren konnte. Und dabei kamen die Besucher aus den verschiedensten Volksschichten, waren zum Teil Wissenschaftler (ehli ilim)
und zum Teil noch ganz junge Leute. Nach ihrem Freispruch in Denizli steigerte sich das Interesse (intibah) sogar unter den Beamten und auch die Zahl der Nur-Schüler wuchs.
Worüber unser Meister (Ustadh) mit seinen Besuchern sprach
Vor allem anderen und in großen Zusammenhängen erklärte er ihnen, dass das einzige Ziel des Dienstes an der Risale-i Nur darin besteht, den Glauben (iman) zu stärken (quvvet), um so von Volk und Vaterland die Gefahr abzuwenden, die ihm durch den Atheismus und Kommunismus droht; dass die Aufagabe (vazifah), die jetzt und vor allem jedem Einzelnen und der Gemeinschaft zukommt, die Pflicht ist, den Glauben (iman) zu stärken und zu retten; dass die größte Herausforderung in unserer Zeit darin besteht, am Qur'an festzuhalten; dass die Risale-i Nur sich mit aller Macht (quvvet) auf dieses Thema konzentriere, worin hinwiederum die Feinde von Volk und Vaterland, diese heimlichen Gottlosen einen Vorwand gefunden haben, zum Angriff überzugehen und andere zu provozieren; "denn schließlich müssen wir uns stets positiv verhalten. In unseren Händen halten wir das Licht, nicht die politische Keule. Und hätten wir auch hundert Hände, so sind sie doch allein für das Licht schon genug." Da ja die Feinde des Glaubens durch das Licht (Nur) besiegt werden können und zudem unser positives Verhalten, der Wirkung einer Atombombe vergleichbar ist, während gleichzeitig die Risale-i Nur sich nicht mit Politik beschäftigt, da ja die wichtigste Grundlage unserer Berufung (meslek) die Aufrichtigkeit (ikhlas) ist, dürfen wir uns unmöglich etwas anderes zum Ziel setzen, als das Wohlgefallen Gottes (riza-i Ilahi) zu erlangen. Allein darin liegt also die Kraft (quvvet) des Lichtes (Nur). Unsere Aufrichtigkeit (ikhlas), verbunden mit einem positiven Verhalten wird dabei zugleich mit der Gnade und
Barmherzigkeit Gottes (inayet ve rahmet-i Ilahiye) die Risale-i Nur beschützen! Usw...
Nach dem Zeugnis derer, welche am Unterricht (ders) und den Gesprächen (sohbet) mit unserem Lehrer (Ustadh) teilgenommen haben, können wir sagen:
So wie der Unterricht (ders) und das Gespräch mit ihrem Lehrer (Ustadh) für viele junge Leute zum Rettungsanker wurden, so wurde er zugleich auch eine Quelle immerwährender Hilfe im opferbereiten Dienst an der Risale-i Nur. Die Mehrheit opferbereiter Nur-Schüler fand sich vielleicht ein Mal oder höchstens ein paar Mal zu derartigen Unterweisungen (ders) und Ermahnungen ein. Während er sich noch in Emirdagh aufhielt, entsandte er einmal wegen des Dienstes an der Risale-i Nur einen Schüler nach Ankara, der dort die Weltlage (hal-i aleme) betrachtete und sich fragte: "Wann werden doch die Menschen auf die Wahrheiten der Risale-i Nur hören, wie die schweren Vorhänge der Finsternis zerreißen, wie ihre innerliche Dunkelheit überwinden?" und darüber in Hoffnungslosigkeit verfiel. Als er dann einige Zeit später wieder zu unserem Meister (Ustadh) nach Emirdagh zurückkehrte, sagte dieser große Lehrer (Ustadh) zu ihm: "Unsere Aufgabe (vazifah) ist der Dienst. In ihr erfolgreich zu sein und sie für die Menschen annehmbar zu machen, ist die Aufgabe (vazifah) Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq). Wir sind nur dazu verpflichtet, unsere Aufgabe (vazifah) zu erfüllen. Du verzweifle nicht dort, wann diese Menschen auf die Risale-i Nur hören werden und mach dir deswegen keine Sorgen! Aber wisse genau: Die unzähligen Einwohner der englischen Welten (Mele-i A'lanin) jubeln heute der Risale-i Nur zu. Darum hat (auch dies alles hier unten überhaupt) keine Bedeutung. Der wahre Wert zeigt sich nicht in der Masse sondern in der Qualität! Manchmal ist ein einziger, opferwilliger Schüler tausenden anderer gleich." So nahm er ihm seine Hoffnungslosigkeit weg.
Unser Meister (Ustadh) ging zunächst allein und zu Fuß ins Land hinein. Später begann er für seine Ausflüge eine
Pferdedroschke (fayton) zu benutzen. Doch hat man nie gesehen, dass er einmal den Wagen kostenlos gebrauchte. Dabei nannten wir ihm jedes Mal nur den Gegenwert in Höhe der tatsächlichen Unkosten und sagten ihm dabei: "Hier ist dies der ortsübliche Preis dafür." (Der Droschker erzählte uns dann später): "Er hat uns in jedem Fall mehr gegeben, als nur das, was wir mit einander abgesprochen hatten." Dabei sagte er dann: "Es geht unmöglich, dass ich den Preis nicht bezahle. So wie mich ein Bissen, den ich umsonst bekommen und nicht bezahlt habe, geradezu krank macht. Also muss ich den Gegenwert dafür geben und bin verpflichtet ihn zu bezahlen."
Er ging recht häufig im Frühling, im Sommer und im Herbst spazieren und nur im Winter ging er lediglich ab und zu einmal ins Land hinaus. Emirdagh ist nach vier Seiten hin offen. Es gibt dort verschiedene Lehrhäuser (dershane), wo man damit beschäftigt ist, (die Abschriften) der Risale-i Nur zu korrigieren. Seit er sich in Emirdag niedergelassen hatte, lebte er ständig unter polizeilicher Überwachung und da er immer dann, wenn er in das Land hinaus ging, häufig von Polizisten oder Wachleuten verfolgt wurde, ging er stets allein, saß für sich allein, arbeitete für sich allein. So ging es bis zum Jahre 1947 weiter. Nur einer seiner Schüler fuhr ihn mit der Droschke (fayton) hinaus. Doch wenn er sich dann setzte, blieb er wieder für sich allein. Draußen im Lande beschäftigte er sich meistens mit Korrekturarbeiten. So beschäftigte er sich eine Zeitlang damit, diese Korrekturen handschriftlich anzufertigen. Später schafften sich einige opferfreudige Schüler in Isparta und Inebolu eine Kopiermaschine an und begannen das Gesamtwerk der Risale-i Nur damit zu vervielfältigen. Und so begann denn nun auch unser Lehrer (Ustadh), einzelne Bände, die man ihm zur Korrektur gebracht hatte, zu verbessern. Unser Lehrer (Ustadh) legte (im Dienste der Risale)-i Nur auf die Schreib- und Korrekturarbeiten großen Wert. "Die Risale-i Nur ist ein Wunder des Qur'an, das dieses und die kommenden Jahrhunderte erleuchten wird.",
sagte er dabei. Diesen Dienst an der Risale-i Nur akzeptierte er als die größte Aufgabe (mes'ele) unserer Zeit und versah ihn denn auch dieser Bedeutung entsprechend.
Wenngleich auch unser Lehrer (Ustadh) für flüssiges Schreiben und kaligraphische Schriftzüge nicht begabt war, so war er doch bereit, sich an den alltäglichen Aufgaben jener segensreichen (bereket) und erleuchtenden (Nur) Korrekturarbeiten zu beteiligen. Wenn er auch oft stundenlang arbeitete, so wusste er doch nicht wozu er denn eigentlich ausruhen sollte. Für unseren Meister (Ustadh) war die Erfüllung (seines Dienstes an der Risale)-i Nur die reinste Seelennahrung. Selbst noch während seiner schweren Krankheit sah man ihn auch trotzdem weiter arbeiten. Doch zog er sich nun vom gesellschaftlichen Leben völlig zurück und empfing niemanden mehr. Auch der Briefverkehr wurde ihm verboten; so blieb er denn von allem Trost und vertrauten Umgang in einer menschlichen Gemeinschaft ausgeschlossen. Doch selbst noch in diesem absoluten Nichts an Etwas gelang es ihm, einen unerschöpflichen Reichtum zu erwerben: Göttliches Erbarmen (Rahmet-i Ilahiye) schenkte ihm in Seiner Güte (ihsan) die Lichter (Risale-i Nur). Er hatte nicht Weib noch Kind, nichts und niemanden, besaß weder Haus noch Hof auf dem ganzen Erdenrund und keine einzige Elle an eigenem Grund und Boden. Er hatte einzig und allein seine Risale-i Nur. Sie aber war sein ein und alles. Seine Freude und die Quelle seines Trostes war sie. Und alle seine Begabungen richteten sich nach diesen Lichtern (Risale-i Nur) aus. So sah er es auch als seine natürliche Aufgabe (fitri vazifah) an, über diese Lichter (Risale-i Nur) zu unterrichten (ders) und zu unterweisen und sie unter den Menschen zu verbreiten.
Die Worte unseres Lehrers (Ustadh) flossen von Milde (halavet) über und seine Ansprachen waren weit über jeder Redegewandtheit (beleghat). Während seiner Wanderungen traf er mit Menschen aus allen Volksschichten zusammen, von denen sehr viele aus den Bergen, den Steppen und Wäldern kamen, Landwirte oder Kaufleute
waren, und unterhielt sich (sohbet) mit ihnen. Trotzdem der Dienst unseres Lehrers (Ustadh) am Qur'an bereits sehr groß und umfangreich war, waren allein schon seine Unterweisung (ders) und seine Rechtleitung (irshad), einmal angenommen, all sein Dienst und seine ganze Beschäftigung mit den Leuten würden sich auf Besuche und Gespräche (sohbet) beschränken, bereits so bedeutsam und umfangreich, dass man allein deswegen schon von einem beispiellosen Dienst sprechen könnte. Sein Dienst in diesem Bereich war geradezu großartig. Solange er noch in Barla war, Männer und Frauen, die er als Brüder, Kollegen und Gefährten im gemeinsamen Glauben angenommen hatte, wie er später auch in Emirdagh und den umliegenden Dörfern wieder sehr viele Gefährten im gemeinsamen Glauben, Schüler und Mitbrüder hatte. Sein ganz besonderes Interesse galt auch den unschuldigen Kindern.
Die unbegrenzte Ehrenhaftigkeit und Rechtschaffenheit unseres Meisters (Ustadh) stand ohne allen Zweifel fest und sie zu leugnen wäre außerhalb der Möglichkeit. Sein Leben lang vermied er es, Kontakte mit Frauen zu unterhalten und vermied es auch allzeit streng, seine Blicke umherschweifen zu lassen. Aus einem seiner Briefe wird ersichtlich, dass er sich bereits in seiner Jugendzeit auf dem höchsten Gipfel seiner Ehrenhaftigkeit und Rechtschaffenheit befand. Darüber steht das Zeugnis derer, die ihn aus der Nähe kannten und mit seinem Leben (hayat) vertraut waren, fest.
Alle Leute nahmen sich diese Ehrenhaftigkeit und Rechtschaffenheit unseres Meisters (Ustadh) zum Vorbild und sie legten ihm gegenüber auch ein Interesse an jenseitigen und geistlichen Dingen an den Tag. Unser Lehrer (Ustadh) betete (dua) viel für die Frauen, die er als seine Gefährtinnen im gemeinsamen Glauben angenommen hatte, und auch für die unschuldigen Kinder, die er zu seinen geistigen Söhnen und Schülern zählte. Und er sagte zu ihnen ohne Umschweife, dass die Frauen Heldinnen der Liebe (shefqat) seien; dass es in unserer Zeit überaus
notwendig sei, sich der islamischen Sitte gemäß zu verhalten; sie sind für das jenseitige Leben ihrer heranwachsenden unschuldigen Kinder verantwortlich; wenn sie sie im Glauben (dindar) erziehen können, erhalten sie auch selbst ihren Anteil daran; auch bittet er sie um ihr Gebet (dua), da er jetzt sehr krank und hinfällig geworden ist, so wie er auch selbst für die alten Frauen betet (dua); auch betet (dua) er für all die jungen Frauen, die selbst ihre Gebete (namaz) verrichten und wird sie dereinst im Jenseits (akhira) als seine Schwestern begrüßen. Doch sprach er selbst nicht viel. Die gesegnete Gemeinschaft der Frauen empfand in der Reinheit ihrer Herzen (qalb), dass Said Nursi ein hochachtbarer Mann von Wahrheit und Gerechtigkeit (ehl-i haqq ve haqiqat) ist.
Was die Gespräche und den Umgang (sohbet) unseres Lehrers (Ustadh) mit den unschuldigen Kindern betrifft, so waren sie stets lehrreich und (die Kinder) immer fröhlich. Wenn diese unschuldigen (Kinder) in Emirdagh und aus den umliegenden Dörfern zu ihm kamen, nahm er sie ganau so wichtig wie die großen (Leute) und wandte sich ihnen von ganzem Herzen zu und sagte zu ihnen: "Meine Kinder! Ihr seid noch unschuldig. Ihr kennt noch keine Sünde. Ich bin sehr krank. Betet (dua) für mich, denn eure Gebete (dua) werden noch angenommen. Auch ich habe euch als meine geistigen Kinder und meine Schüler mit in mein Gebet (dua) aufgenommen." Diese Kinder grüßten ihren Meister (Ustadh) mit Augen, die in Liebe (muhabbet) überströmten und leuchteten (Nur). Unser Meister (Ustadh) grüßte (selam) sie mehr noch als die Erwachsenen in ihrer Gottvergessenheit (ghafil) mit Innigkeit und großem Ernst. Und er sagte: "Dies sind die zukünftigen Nur-Schüler. Der Grund dafür, warum sie sich für mich interessieren und sich mir zuwenden, ist folgender: Diese unschuldigen Seelen (ruh) spüren, dass die Risale-i Nur zu ihrer Hilfe gekommen ist. Weil aber nun ich der Interpret der Risale-i Nur bin, zeigen sie unbewusst diese opferfreudige Liebe und ein solches Interesse."
Auch empfahl unser Lehrer (Ustadh) die jungen Leute, die zu ihm kamen, immer wieder ihre Lektionen (Nur dersleri) zu lesen, um so die Gefahren der Sittenlosigkeit vermeiden zu können, woraus sie einen großen Nutzen ziehen und wodurch sie glücklich werden könnten und gemahnte sie zudem daran, dass es notwendig ist, das Gebet (namaz) zu verrichten. Durch dergleichen Unterweisungen sind vielleicht schon Tausende junger Leute zu Besinnung gekommen.
Wiederum erteilte er seinen Unterricht (ders) im Lande draußen und auf der Straße den Beamten und den Arbeitern, einem jeden im Vergleich mit seiner jeweiligen Tätigkeit entsprechend (munasib), sagte ihnen, wie wichtig es ist, das Gebet (namaz) zu verrichten und betonte dabei, dass ihre derzeitigen weltlichen Beschäftigungen einmal bei der Abrechnung im Jenseits (akhiret) mit einbezogen werden. Diese Art Unterricht zeigt ganz besonders, dass die Vorstellung derer, die behaupten, "der Glaube (din) verhindert den Fortschritt", nichts als Wahnvorstellungen sind. Denn zum Licht des Glaubens (iman nuruna) zu gelangen sichert im Gegenteil für den Menschen, sein Land und sein Volk das Glück nach innen und außen und zugleich auch den Fortschritt. Es ist doch ganz klar, wie sehr die Vorstellung, dass am Ende die Glückseligkeit und das ewige Licht (Nur) erhalten wird, wer das Gebet (namaz) verrichtet und dabei in seinem Betragen geradlinig (istikamet) ist, während ihm seine Arbeit in dieser Welt (dunya) und all seine Mühe für das Jenseits (akhiret) gut geschrieben wird, ihn sicherlich dazu motivieren wird, seine Aufgabe (vazifah) mit Liebe und Freude zu erfüllen. So müssen denn alle Beamten, Handwerker und Kaufleute diese Wahrheit als ihr Leitprinzip akzeptieren und diese Unterweisung muss der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Dieses weiter oben dargelegte Thema ist wie ein Tropfen aus dem Meer und von all den nützlichen Diensten unseres Meisters (Ustadh) für das Volk, wie sie sich gar nicht alle aufzählen lassen nur ein Bruchteil. Wer die Islamiyet für
fortschrittsfeindlich und die Gläubigen für Feinde des Fortschritts hält, möge sich schämen!
Hier nun einige Beispiele für die Unterweisungen, die unser Lehrer (Ustadh) denen erteilte, die zu ihm kamen, (wobei er sie darin unterrichtete), dass auch weltliche Tätigkeiten, wenn sie nach Art religiöser Pflichten (fardh) verrichtet werden, die Form eines Gebetes (ibadet) annehmen.
1 - Einmal waren wir mit unserem Meister (Ustadh) Bediüzzaman Hazretleri im Hotel "Yildiz" in Eskishehir. Da sagte er ohne Umschweife zu einigen Arbeitern und Meistern, die aus einer Zuckerfabrik zu ihm kamen: Wenn ihr eure Gebete (fardh namazlar) verrichtet, werden zu gleicher Zeit auch alle eure Arbeiten, die ihr in dieser Fabrik verrichtet, zu einem Gebet (ibadet). Denn ihr verrichtet hier eine gesegnete (mubarek) Aufgabe, wodurch ihr eines der notwendigen Bedürfnisse des Volkes sicher stellt.
2 - Ein andermal saßen wir am Rande der Straße nach Eghirdir und lasen aus dem "Wegweiser für die Jugend". Da kam einer der dortigen Gleisarbeiter vorbei. Und wieder brachte unser Lehrer (Ustadh) in gleicher Weise ihm gegenüber zum Ausdruck: Wenn er die vorgeschriebenen Gebete (feraidh) verrichte, würden auch alle die Arbeiten, die er hier verrichte, zum Gebet (ibadet) werden, vorausgesetzt, dass er sich von den schweren Sünden enthalte. Denn diese Arbeit an einer Bahnstrecke, die einen Weg von zehn Stunden auf eine Stunde verkürzt, ist ein Dienst für alle Gläubigen, ein Dienst für alle Menschen, der nicht unbezahlt bleiben wird, ihm vielmehr im ewigen Leben Freude und Glück bringen wird.
3 - Und wieder ein anderes Mal erteilte er den Offizieren und den einfachen Soldaten der Luft- und Landstreitkräfte in Eskishehir in gleicher Weise die folgende Lektion: "Diese Flugzeuge werden eines Tages der Islamiyet einen großen Dienst erweisen. Wenn ihr eure Gebete verrichtet (fardh namazlar) oder sie wenigstens nachholt (qadha), falls ihr sie nicht rechtzeitig (zaman) verrichten konntet, so werdet ihr, die ihr ja Soldaten seid, mit einer Stunde (Dienst) den Lohn (sevab) von zehn Stunden, ja als Soldaten im fliegenden Dienst mit jeder Stunde sogar den Lohn (sevab) von dreißig Stunden der Anbetung (ibadet) gewinnen. Es genügt, wenn ihr in euren Herzen (qalb) das Licht des Glaubens (iman nuru) tragt und das Gebet (namaz) verrichtet, das ja ein Erfordernis des Glaubens (iman) ist.
4 - Auch in Barla, in Isparta und in Emirdagh sagte er zu den Hirten dort: "Diese Tiere zu hüten und zu versorgen ist ein erhabener Gottesdienst (ibadet). Es sind ja sogar einige Propheten Hirten gewesen. Wichtig ist nur, dass ihr dabei eure Gebete (fardh namazi) verrichtet, sodass ihr euren Dienst für Gott erfüllt."
5 - Wiederum sagte er eines Tages zu den Arbeitern und ihrem Polier, die am Bau eines Kraftwerkes in Eghridir arbeiteten: "Dieses Kraftwerk ist für das ganze Volk von großem Nutzen. Damit auch ihr von diesem Nutzen für die Allgemeinheit euren Anteil bekommen könnt, müsst ihr auch das Gebet (fardh) verrichten. Dann gilt all eure Mühe auch (vor Gott) als ein Handel und ein Dienst (ibadet).
Von dieser Art gibt es noch zehntausende Beispiele.
Seine Schüler, die ständig in seinem Dienst stehen (für ihn sorgen und sich um ihn kümmern)
Ein Teil der Briefe, die unser Meister (Ustadh) während seines Aufenthalts in Emirdagh geschrieben hat, (sowie einige Briefe) seiner Schüler
An meine Brüder in Emirdagh
Sagt denen, die ihre Verdächtigungen gegen mich erheben: (Wir kennen) aufgrund unseres Dienstes alle Briefe und Bücher, mögen sie nun aus seinem Privatleben (mahrem) stammen oder für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen sein und alle persönlichen Gegenstände (esrar) aus den letzten zwanzig Lebensjahren dieses Mannes, die der Regierung während einer gründlichen Hausdurchsuchung in die Hände gefallen sind. Während neun Monaten einer Untersuchung durch die Justizbehörden sowohl in Isparta, in Denizli als auch in Ankara konnte in fünf Kisten mit Büchern oder (verschiedenen anderen) Papieren kein einziger Gegenstand (der Anklage) gefunden werden,
dessentwegen man auch nur einem einzigen Schüler eine Strafe von auch nur einem einzigen Tag hätte erteilen müssen, sodass die Gutachter (ehl-i vukufu) des Gerichtes sowohl in Ankara als auch in Denizli einstimmig beschlossen, ihn freizusprechen.
Ferner erklärte dieser Mann, um dessen notwendige Angelegenheiten wir uns mit Rücksicht (hürmet) auf sein Alter kümmern, vor Gericht, und rief dabei alle anwesenden Brüder zu Zeugen auf und diese bestätigten ihm, dass er schon seit zwanzig Jahren Zeitungen oder politische Bücher weder gelesen, danach gefragt, oder sie auch nur erwähnt habe. Schon seit zehn Jahren kenne er außer (den Namen von) zwei Ministerpräsidenten, einem Gouverneur (vali) und einem Abgeordneten, keinen einzigen der Ministerialdirektoren oder anderer hoher Beamter, habe niemals einen von ihnen persönlich kennen gelernt und lege auch gar keinen Wert darauf. Und seit drei Jahren habe er sich nach diesem Weltkrieg weder erkundigt, noch wisse er sonst noch etwas darüber, interessiere sich auch nicht dafür und höre auch kein Radio. Unter dieser Regierung hat weder die Verwaltung, noch die öffentliche Sicherheit, auch nicht das Vaterland oder das Volk durch die einhundertdreißig bisher veröffentlichten Schriften, obwohl sie doch in den letzten zwanzig Jahren von hundert Tausend Menschen aufmerksam gelesen worden sind, auch nur den geringsten Schaden erlitten. Da in allen fünf Provinzen (vilayet) aufmerksame Polizisten, Untersuchungsbeamte, die Gerichtshöfe für Schwerverbrechen bei den vier Justizbehörden, drei davon in den Provinzen (vilayet) und einer am Sitz der Regierung, auch nicht die geringste Schuld finden konnten, mussten sie ihn (und seine Schüler) wieder entlassen. Wäre dieser Mann wirklich so gierig nach weltlichen (dunya) Dingen und so sehr an der Politik interessiert, wie kommt es dann, dass man davon keinen Niederschlag oder (sonst irgendwelche) Anzeichen findet?! Da man aber nun während der ganzen Gerichtsverhandlung überhaupt keine Anzeichen finden konnte, sah sich der Staatsanwalt in
seiner Verbohrtheit dazu gezwungen anstelle von Fakten zu Möglichkeiten zu greifen und sprach nun in seinem Plädoyer wiederholt davon, dass er "es" tun könnte, sagte aber nicht, dass er "es" getan hat. Was heißt hier: "Er hätte es vielleicht tun können?" Und wer sagt denn, dass er es wirklich getan hat? (Das ist doch ein himmelweiter Unterschied!) Deshalb sagte ihm Said vor Gericht: "Es kann jeder einen Mord begehen. Unter einer solchen Anklage muss man Sie und jeden anderen vor Gericht stellen..."
Dieser Mann (Ustadh) ist entweder so völlig geistesgestört, dass er für solch abscheuliche weltliche Dinge dermaßen gar kein Interesse zeigt, oder aber er will sich aufrichtig für das einzusetzen, was das größte Glück des Landes und seines Volkes ist, weshalb er sich auf nichts anderes mehr einlassen will und darauf auch gar keinen Wert legt. Dann aber ist, ihn dabei zu behindern und derart unter Druck zu setzen, eine Art von Verrat an Volk und Vaterland und seiner Sicherheit. Und gegen ihn auch nur irgendeinen Argwohn zu hegen, der reine Wahnsinn.
Sich selbst sein Herz ausschütten (hasb-i hal)
Ich überlasse es euch, dieses innerliche Zwiegespräch (hasb-i hal) den Behörden in Ankara zu Gehör zu bringen, nachdem ihr es korrigiert habt und wenn es euch gut dünkt.
Wäre der Richter zugleich auch der Kläger, müssten solch hilflose (Menschen) wie ich, sagen: "Über wen soll ich bei wem mich beklagen? Denn auch ich bin verwirrt." Meine jetzige Lage ist in der Tat noch weit bedrückender als das Gefängnis. In ihr ist ein Tag ebenso quälend wie ein ganzer Monat in Einzelhaft. Hier in der Einsamkeit, in meinem Alter, bei meiner Krankheit, in meinem Elend, meiner Schwäche und bei aller winterlichen (Kälte) hat man mir
auch noch alles verboten. Außer einem Kind und einem kranken Mann darf ich niemanden sehen. Schon seit zwanzig Jahren quält man mich mit dieser Gefangenschaft in vollständiger Isolation. Wollte man mich noch über diesen Zustand hinaus (mit noch mehr) Isolierung und Beobachtung quälen, müsste man befürchten, dass es die Würde Gottes verletzt und somit ein Unglück herbeiführt. Wie ich bereits vor Gericht gesagt habe, gibt es schon sehr viele Vorfälle, wie die vier schrecklichen Erdbeben, die sich in der gleichen Zeit ereigneten, wo wir dermaßen brutal überfallen wurden... Ja, ich nehme sogar an, dass es wahrscheinlich wäre, dass (der Umstand), dass die Justizbehörde in Afyon (während der Verhandlung vor) dem Gerichtshof in Denizli, der ich doch so sehr vertraut hatte, dass sie meine Rechte achten und mich beschützen werde, ganz im Gegenteil meinem Gesuch hinsichtlich der Risale-i Nur keine Beachtung geschenkt hat, was mich ganz verzweifelt gemacht hatte, der Anlass dazu wurde, dass das Gerichtsgebäude in Flammen aufging.
Dem gegenüber sage ich: Es ist eine der bedeutendsten Verpflichtungen der Verwaltung dieser Stadt, die sich mir gegenüber doch sonst so gewissenhaft und menschlich verhält, mich durch ihre Polizei und mit ihrer Justiz voll und ganz zu beschützen. Denn nachdem drei Justizbehörden und die Zentralregierung neun Monate lang all meine Werke und Briefe der letzten zwanzig Jahre untersucht hatten, entschieden sie sich, uns freizusprechen und dannesl entlassen. Jedoch versucht ein geheimes Komitee, das im Interesse des Auslands zum sehr großen Schaden an diesem Volk und seinem Land arbeitet, mich bei einem Teil der Beamten verdächtig zu machen, indem sie aus Mücken Elefanten machen, um so unseren Freispruch wieder zunichte zu machen. Eine ihrer Absichten ist es, mich dazu zu bringen, nun zu sagen: "Meine Geduld ist erschöpft. Jetzt reicht es mir endlich!" Ein Grund dafür, dass sie sich jetzt so über mich ärgern, ist mein Schweigen und dass ich mich nicht um weltliche (dunya) Dinge
kümmere. Es ist, als wollten sie sagen: "Warum kümmerst du dich nicht (um diese Dinge)? Misch dich doch da einmal ein! Und dann können wir auch unsere Pläne durchführen!" So möchte ich denn hier nun ein, zwei der Intrigen darlegen, die sie gebrauchen, um bei einem Teil der Beamten der Regierung einen Argwohn gegen mich zu schüren.
So sagen sie z.B.: "Said übt einen großen Einfluss aus. Seine Werke sind nicht nur sehr überzeugend, sie sind auch noch sehr zahlreich. Wer immer mit ihm in kontakt kommt, der wird auch sein Freund. Weil dies aber so ist, sollte man ihn von allen Dingen fern halten. Man muss ihn geradezu verraten, ihm keine Beachtung mehr schenken, jeden dazu bringen, vor ihm davonzulaufen, seinen Freunden Angst vor ihm einjagen und seinen Einfluss auf sie brechen. So werden wir die Regierung durcheinanderbringen." Mich aber wollen sie so in eine fürchterliche Verlegenheit stürzen. Dem entgegen sage ich:
Oh meine Brüder, die ihr dieses Volk und sein Land liebt! Es gibt, wie diese Heuchler behaupten, in der Tat einen solchen Einfluss. Doch der geht nicht von mir, er geht vielmehr von der Risale-i Nur aus. Und den kann man nicht brechen. Versucht man ihn zu zerstören, wird sie nur noch stärker. Niemals wurde er gegen dieses Volk und sein Land eingesetzt, darf es nicht und kann es auch gar nicht. Zwei verschiedene Justizbehörden haben, mit einer Unterbrechung von zehn Jahren, meine Papiere der letzten zwanzig Jahre eingehend und verbissen untersucht, mit dem Ergebnis, dass sie keinen wirklichen Grund zu einer Bestrafung entdeckt haben, was in dieser unserer Prozessführung ein unwiderlegbares Zeugnis ist.
Und dieses Werk ist in der Tat überzeugend. Doch dienen sie ganz und gar dem Wohl des Volkes und seines Landes. Hunderttausend Menschen haben diese Unterweisungen (ders) einen wahrhaft starken Glauben (iman) gegeben ohne je irgendeinen Schaden zu verursachen und sind deshalb in ihrem Aufgabenbereich für das Ewige
Leben und die Glückseligkeit in ihm volkommen überzeugend. Im Gefängnis zu Denizli sind hundert Mann, die teilweise als Schwerverbrecher verurteilt worden waren, einzig durch die "Fruchtabhandlung ("Meyve Risalesi") vollkommen ihre Haltung geändert haben und zu hochanständigen und gläubigen (mutedeyyin) Menschen geworden sind. Selbst Mörder, die zwei oder drei Menschen getötet hatten, zögerten nach solchen Unterweisungen sogar einen Holzwurm zu töten, sodass selbst der Gefängnisdirektor zugeben musste, dass sein Gefängnis sich in eine Erziehungsanstalt, einer Medresse gleich, umgewandelt hatte, was selbst noch für den Staatsanwalt ein Zeugnis, ein Dokument ist, das er nicht zurückweisen kann.
Mich hier von allem und jedem zu isolieren ist in der Tat eine stets quälende Schikane, eine vielfache Tyranei und an diesem Volk eine Ungerechtigkeit und ein Verrat. Denn obwohl ich dreißig, vierzig Jahre meines Lebens bei diesem Volk verbracht habe, was beweist, dass in dieser Zeit niemand durch mich irgendeinen Schaden erlitten hat, während doch andererseits dieses tiefreligiöse Volk, das dringend eine innere Kraft braucht, eine Tröstung und Stärke im Glauben (quvvet-i imaniye), viel zu seinem Vorteil von mir erhalten hat, was ein sicherer Beweis ist. Ungeachtet dessen, dass ständig dermaßen heftig gegen mich propagiert wird, findet die Risale-i Nur dennoch allseits überwältigend viel Anklang und Interesse. Ja, ich muss sogar gestehen, dass man mir über alles Maß hinaus hundert Mal mehr Hochachtung entgegen bringt, als ich es überhaupt verdient habe.
Ich habe gehört, dass die Regierung hier sich um meinen Unterhalt und meine Bequemlichkeit bekümmert und dafür auch die Genehmigung erhalten hat. Ich möchte ihr hier für diesen menschlichen Zug danken und sagen: "Was ich am allernotwendigsten brauche und was das grundlegendste Bedürfnis in meinem Leben ist, das ist meine Freiheit." Aufgrund von haltlosen Verdächtigungen wurde ich in meiner Freiheit in beispielloser Weise in Fesseln
geschlagen und Repressalien ausgesetzt. So bin ich denn nun allen Ernstes meines Lebens überdrüssig geworden. Diesem Zustand ziehe ich nicht etwa Kerker und Gefängnis vor, sondern das Grab. Da sich aber nun im Dienst am Glauben die Größe der Schwierigkeiten mit der Größe des Lohnes (sevab) verbinden, ist es mir gegeben, sie zu erdulden und halte ich sie aus. Da aber nun diese menschenfreundlichen Wesen mir gegenüber keine Tyranei wünschen, sollen sie auch zu allererst meine Freiheit im Rahmen des Erlaubten nicht antasten. Ohne Brot kann ich leben, ohne Freiheit kann ich nicht leben. Ein Mensch, der sich neunzehn Jahre lang in der Fremde mit nur zwei Hundertern in Banknoten, durch äußerste Sparsamkeit und in strengster Askese über Wasser gehalten hat und der, um seine Freiheit und seine Würde als Gelehrter (izzet-i ilmiye) zu wahren, gegenüber niemandem seine Bedürfnisse äußert, der sich keine Dankesschuld aufbürden lässt, der keine Spenden (sadaqa), keine Almosen (zekat), keinen Lohn und keine Geschenke annimmt, bedarf seiner rechtmäßigen Freiheit sicherlich mehr als seinen Lebensunterhalt. Ich stehe in der Tat unter einem beispiellosen Druck. Hierzu möchte ich ein, zwei kleine Beispiele anführen:
Erstens:
Die Fruchtabhandlung ("Meyve Risalesi"), welche als die wissenschaftlich (fundierte) Verteidigungsschrift der Risale-i Nur gilt und zusammen mit meiner eigenen Verteidigungsschrift zu sieben verschiedenen Ministerien und an den Staatspräsidenten in Ankara geschickt worden war und der Grund dafür wurde, dass die Sachverständigen (ehl-i vukuf) in Ankara durch ihre Wertschätzung am Ende unseren Freispruch bewirken konnten, wovon mir meine Gefährten im Gefängnis zum Andenken und zur Erinnerung einige Exemplare in Schönschrift kopiert haben, die sich noch in meiner Hand befinden, was die Polizei zwar gesehen, sich aber weiter nicht darum gekümmert hat, wohingegen sie eine Nacht lang auf der Polizeistation in Afyon und eine weitere Nacht offen bei der hiesigen Polizei gelegen haben. Da ich nun aber jeden Tag in Sorge bin,
dass sie mir diese Abhandlung zusammen mit meiner Verteidigungsschrift aus den Händen nehmen und dem Gericht (übergeben) würden, habe ich sie versteckt. Doch nun bin ich sehr beunruhigt, dass sie vielleicht (zu einer erneuten) Durchsuchung wiederkommen werden und es macht mich überaus traurig, dass ich hier in der Fremde keinen Menschen kenne, dem ich sagen könnte, dass er sie (für mich) verstecken solle.
Zweitens:
Die Abhandlung für die Alten ("Ihtiyarlar Risalesi"), an der das Gericht in Denizli nichts auszusetzen hatte und an der das Gericht in Eskishehir lediglich ein Wort beanstandet hatte, worauf es dann einen einzigen Buchstaben als Antwort erhielt, hat ein Mann aus Istanbul einem hiesigen Menschen gebracht, der sie mit nach Istanbul nahm. Wie dem auch sei: sie geriet einem der Atheisten, die gegen mich sind, in die Hände. Und der machte aus einem Korn eine Kuppel und führte die Polizeibehörde der Stadt in die Irre, worauf diese mich mit ihren Fragen unter Druck zu setzen begannen: "Mit wem treffen sie sich? Welche Leute kommen zu ihm?" Wie dem auch sei, dafür gibt es eine Reihe sehr bitterer Beispiele... Das sinnloseste (davon) ist jedoch folgendes: Um zu verhindern, dass irgendjemand noch mit mir spricht, (sorgen sie dafür), dass außer einem Kind, dass für mich einige Besorgungen und Handreichungen übernimmt, und einem kranken Mann, ein jeder vor mir zurückschreckt und davon läuft. Ich möchte jedoch dazu sagen:
Auch wenn zehn Leute vor mir in die Flucht gejagt werden, so gibt es doch zehn Tausende, ja vielleicht hunder Tausende Muslime, die keinem Hindernis irgendwelche Beachtung schenken und dem Unterricht in der Risale-i Nur auch weiterhin folgen wollen. Denn sowohl in diesem Land als auch außerhalb überall in der islamischen Welt (alemi islam) findet jedes einzelne der vielen Tausend Exemplare der Risale-i Nur aufgrund ihrer so machtvollen Wahrheiten (haqiqat) und kostbaren Beiträge so viel Anklang und eine solche Verbreitung, dass sie an meiner Stelle und weit
vollkommener spricht als ich. In meinem Schweigen schweigen sie nicht und sie lassen sich auch nicht zum Schweigen bringen.
Des Weiteren ist es gerichtlich erwiesen, dass ich seit zwanzig Jahren mein Interesse an der Politik abgebrochen habe und da nun keine Spur des Gegenteils mehr in Erscheinung tritt, macht irgendeine Verdächtigung derer, die mich jetzt noch besuchen kommen, sicherlich überhaupt gar keinen Sinn mehr.
uns wegen der Risale-i Nur ständig so völlig grundlos? Ich kann Ihnen mit Bestimmtheit versichern: Für mich und die Risale-i Nur liegt es außerhalb jeglicher Verpflichtung, mich mit Ihnen herumzustreiten, ja überhaupt auch nur an Sie zu denken. Denn die Risale-i Nur und ihre wahrhaftigen Schüler stehen in einem ganz besonders großen Dienst für die Generation, die in fünfzig Jahren kommen wird und sie bemühen sich darum, diese vor einem tiefen Abgrund und das Land und sein Volk vor einer ebenso großen Gefahr zu retten. Diejenigen, welche uns heute verfolgen, werden zu jener Zeit mit Sicherheit in ihren Gräbern liegen und zu Staub zerfallen. Nehmen wir einmal den unmöglichen Fall an, dieser Dienst am Glück und am Frieden (saadet ve selamet) wäre nun
(tatsächlich) ein solcher Kampf, so kann er unmöglich noch für diejenigen interessant sein, die bereits am Rande des Grabes stehen, um zu Staub zu zerfallen. Dabei zeigen sich die Republikaner in der Tat gegenüber der öffentlichen Moral (ahlaq-i itjtimaiye), dem Glauben (din) und der charakterlichen (Bildung) des Volkes doch ziemlich gleichgültig. Wenn man (heute, nach nur) zwanzig, dreißig Jahren die derzeitigen Verhältnisse hinsichtlich der Religion, der Ethik und einem ehrbaren Leben betrachtet, können sie sich bestimmt vorstellen, welche Verhältnsse in fünfzig Jahren hinsichtlich der Frömmigkeit, der Ehrbarkeit und der Charakterfestigkeit eines tapferen Volkes den religiösen Charakter und die öffentliche Moral einer künftigen Generation bestimmen werden und welche Formen das noch annehmen wird. Obwohl nun dieses heldenmütige Volk seit Tausend Jahren mit ganzer Seele (ruh) und mit ganzem Herzen im Dienst am Qur'an eine beispiellose Opferbereitschaft gezeigt hat, wird in fünfzig Jahren ein Teil der kommenden Generation diese glorreiche Vergangenheit in abscheulicher Weise besudeln, ja sogar zunichte machen, weshalb wir es mit Sicherheit als unsere größte Aufgabe (vazifah) gegenüber dem Volk und seinem Land erkennen, ihm eine derartige Wahrheit (haqiqat) wie die Risale-i Nur in die Hand zu geben, um es vor diesem schrecklichen Verfall zu retten, wobei wir nicht an die Menschen unserer Zeit, sondern vielmehr an die Menschen jener Zeit denken.
In der Tat, meine Herren! Zwar richtet die Risale-i Nur ihren Blick einzig auf das Jenseits, ihr Ziel ist jedoch das Wohlgefallen Gottes (riza-yi ilahi) und den Glauben (iman) zu wahren. Was dabei die Schüler betrifft, so gilt es, stets danach zu streben, sich selbst und ihre Landsleute vor der ewigen Verdammnis und ewiger Einzelhaft (im Grab) zu retten, doch betrifft dies in zweiter Linie auch diese Welt (dunya) und ist ein sehr wichtiger Dienst an ihr; desgleichen auch, dieses Volk und sein Land vor der Gefahr der Anarchie und einen Teil dieser hilflosen kommenden Generation vor einem grenzenlosen Irrtum zu retten. Denn ein
Muslim ist nicht mit den anderen zu vergleichen. Ein Muslim, der seinen Glauben aufgibt, dessen Charakter geht seiner Islamiyet verlustig, verfällt diesem grenzenlosen Irrtum, wird ein Anarchist und läuft aus dem Ruder. Fünfzig Prozent derer, die einmal eine islamische Erziehung erhalten haben, ist in der Tat noch stets auf dem Platz, während die anderen fünfzig Prozent ihren nationalen islamischen Traditionen gegenüber gleichgültig geworden sind. Es wäre nun die Möglichkeit denkbar, dass nach fünfzig Jahren neunzig Prozent ihrer eigenwilligen Seele (nefs-i emmare) folgen und Volk und Land in die Anarchie führen werden. Da mir auf der Suche nach einem Ausweg aus dieser Katastrophe vor zwanzig Jahren jede Beschäftigung mit der Politik und jeglicher Umgang mit Menschen unserer Zeit ausdrücklich verboten worden war, als auch um der Risale-i Nur willen für ihre Schüler das Interesse an dieser unserer Zeit abgebrochen wurde, so gibt es auch keinen Streit und keine Beschäftigung mit ihr mehr. Da dies aber nun einmal eine Tatsache (haqiqat) ist, ist es nunmehr die allererste Pflicht der Justizbehörden, nicht mich oder sie zu verdächtigen, sondern vielmehr die Risale-i Nur und ihre Schüler zu beschützen. Denn da sie das bedeutendste Recht (huquq) dieses Volkes und seines Landes bewahren, greifen ihretwegen die wahren Feinde dieses Volkes und ihres Landes die Risale-i Nur an, führen sie die Justizbehörden in die Irre und verleiten es zu fürchterlicher Gewalt und Ungerechtigkeit. Ich möchte dazu zwei ganz kleine Beispiele anführen.
Zum Beispiel:
Weges eines Briefes meiner Gefährten im Gefängnis, der aus einem Gruß und einigen wenigen Worten (selam kelam) bestand, um mitzuteilen, dass der Preis von zehn Banknoten für eine arabische Abhandlung an einen Mann hier übersandt worden sind, um dem Eigentümer dieser Exemplare in Isparta dessen Druckkosten zu erstatten, reagierten sowohl die Justizbehörde als auch die Verwaltung mit Schikanen und führten sogar bei dem Boten eine Hausdurchsuchung durch! Bei diesem simplen
Brief, der noch nicht einmal die Bedeutung eines Mückenflügels besitzt, wurde sogar solch eine einfache Mitteilung in sechs Monaten zur Form eines derart riesigen Problems hochstilisiert, dass es dieser Justizbehörde ganz gewiss nicht zu ihrer Ehre und Würde gereicht!
Ein zweites Beispiel:
Vor einem Gast wie mich, der fremd, alt und schwach ist und auch bereits freigesprochen wurde, einen jeden, ja sogar seine Bediensteten durch eine derart offene Propaganda zurückzuschrecken und ihn so in einen Zustand der Verwahrlosung versinken zu lassen, ist der vaterländischen Gesinnung der Verwaltung dieser Provinz (vilayat) nicht angemessen. Die Weisheit und Souveränität (hikmet ve hakimiyet) einer Regierung sollte sich nicht so weit auf einen derart merkwürdigen Zustand einlassen, dass sie einem nur eingebildeten Schaden von der Größe eines Mückenflügels die Bedeutung eines ganzen Berges verleiht, gegen (einen solchen Mann) öffentlich Propaganda macht und gegen ihn fragt: "Mit wem verkehrt der denn?" und "Wer kommt zu ihm?", und so jeden in Panik versetzt. Doch wie dem auch sei: so wie diese beiden Beispiele gibt es für den, der die Dinge kennt, noch viele andere Beispiele, die ihn in Erstaunen versetzen!
Meine Herren! Wenn alle Irrtümer (dalalet) und alle Schlechtigkeiten aus der Unwissenheit (djehalet) herrührten, wäre es einfacher, sie zu beseitigen. Doch die Aufklärung über eine Irrlehre (dalalet), die aus der Philosophie (fen) und der Wissenschaft (ilm) erwächst, ist sehr schwierig. Da also die Irrlehre (dalalet) unserer Zeit aus der Philosophie (fen) und der Wissenschaft (ilm) erwächst, brauchen wir, um darüber aufklären und künftige Generationen, die diesem Übel teilweise schon verfallen sind, noch retten zu können, ein allseitig vollkommenes Werk, wie die Risale-i Nur, die einzig dagegen standhalten kann. Der Beweis, dass die Risale-i Nur (tatsächlich) diesen Wert besitzt, ist folgender: In den letzten zwanzig Jahren ist noch niemals einer meiner vielen Gegner, auch der schärfste nicht, und auch kein einziger der Philosophen, (von denen
mancher) heftige Ohrfeigen einstecken musste, gegen die Risale-i Nur aufgestanden, um sie zu widerlegen und kann es auch gar nicht. Und in neun Monaten konnten drei Justizbehörden und die Herren Sachverständigen (ehl-i vukuf) am Sitz der Regierung in dem aus (derzeit) hundert Büchern bestehenden Werk nicht einen einzigen Punkt entdecken, für den sie uns zur Verantwortung hätten ziehen können. Und Tausenden von Schülern der Risale-i Nur, die doch aufmerksame Leute (ehl-i dikkat) sind, haben Hinweise (isharat) aus dem Qur'an und Voraussagen (ihbarat-i ghaybiye), die uns Imam Ali und Ghaus-i Adham aus dem Unsichtbaren (übermittelt haben), zu der absoluten Überzeugung geführt, die sie für die Wichtigkeit und Akzeptanz der Risale-i Nur in diesem unseren Jahrhundert unterschreiben lässt.
In Anbetracht der Tatsache, dass es eine Pflicht der Justizbehörden ist, die Rechte (huquq) zu schützen und die Ungerechten von irgendwelchen Übergriffen zurückzuhalten und es desgleichen fest steht, dass die hundert Abhandlungen (risalah) der Risale-i Nur seit zwanzig Jahren dem Glück von hundert Tausend Menschen gedient haben und hinsichtlich des Umstandes, dass weder zwei Gerichtshöfe, noch die Polizei am Sitz der Regierung und in einigen Provinzen (vilayat), noch der Gerichtshof zu Denizli während zehn Jahren, und das, obwohl sie doch neun Monate lang jedes, sei es für den privaten (mahrem) sei es für den öffentlichen Gebrauch, bestimmte Papier und jede Abhandlung untersucht haben, dennoch keinen Punkt entdeckt haben, der für das Volk und sein Land gefährlich gewesen wäre, oder sonst irgendetwas Unrichtiges, das eine Bestrafung verdient hätte, stehen der Risale-i Nur in diesem Lande sehr große und umfangreiche Rechte (huquq) zu. Dabei möchten wir Sie noch darauf aufmerksam machen, dass es in gar keiner Weise dem Wesen der Justiz und einer wahrhaftigen Gerechtigkeit (adliyenin mahiyeti ve adaletin haqiqati) entspricht, diese umfangreichen und so bedeutsamen Rechte (huquq) nicht in
Betracht zu ziehen und (die Risale-i Nur) statt dessen zu beschlagnahmen, als handle es sich dabei um ganz normale Schriftstücke, und zugleich diese so große Ungerechtigkeit gegenüber dem Volk und den armseligen (Menschen), die doch den Halt des Glaubens (taqviye-i iman) brauchen, außer Betracht zu lassen, hingegen das unbedeutende kleine bisschen Recht eines einfachen Mannes einer ganz besonderen Betrachtung zu unterziehen.
Wir befürchten, dass den Werken eines Dr. Dozi und anderer nicht entgegenzutreten, der Risale-i Nur aber sehr wohl entgegenzutreten, ein Grund sein könnte, sich den Zorn Gottes (ghazab-i Ilahi) zuzuziehen. Möge Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) in Seiner Güte (ihsan) Ihnen Einsicht und Barmherzigkeit (merhamet), uns aber Geduld und Standhaftigkeit schenken. Amin...
Said Nursi
(Dieses Gesuch wurde an drei Behörden (maqam) geschickt. Auch den Brüdern wurde (eine Kopie) zugeschickt, damit sie sich informieren können.)
Ich wünsche, dass Sie der Klage eines Unterdrückten, der sich seit zwanzig Jahren schweigend in Geduld übt, Ihre Aufmersamkeit schenken. Obwohl mir unter dieser demokratischen Regierung (Djumhuriyet), welche Freiheit (Hürriyet) im weitesten Rahmen gewährt, jegliche Freiheit untersagt wird, können meine Feinde alle Freiheiten gegen mich gebrauchen, um mich zu quälen. Die republikanische Regierung, welche die Freiheit des Gewissens und die Freiheit wissenschaftlichen Denkens (hürriyet-i fikr-i ilmiye) gewährleistet, sollte mich entweder voll und ganz beschützen, sodass meine gehässigen und misstrauischen
Feinde, gezwungen sind, stillzuhalten, oder aber mir ebenso wie meinen Feinden Schreibfreiheit erteilen, anstatt mich bei meiner Verteidigung zu behindern. Denn von oben herab hat man, um jeden (Austausch von) Nachrichten zu verhindern, (gewissermaßen) hinter vorgehaltener Hand, den Postämtern heimlich (entsprechend) Weisung erteilt. Zu einer Zeit, in der Weisung erteilt wurde, dass ich außer einem einzigen Kind, das mir Wasser und Brot brachte, niemanden sehen dürfte, habe ich gehört, dass meine langjährigen Gegner eine Gelegenheit fanden, während das Revisionsgericht fast schon bereit gewesen wäre, meinen Freispruch zu bestätigen, weil die Sachverständigen (ehl-i vukuf) des Gerichtshofs meine Bücher für gut befunden hatten und ich bereits darauf wartete, sie zurückzuerhalten, meine Feinde also zwei Abhandlungen (risalah) aus meinem ehemaligen Privatbesitz (mahrem), die ich inzwischen aus den Augen verloren hatte, wieder entdeckt und herausgebracht haben und sie sodann ein, zwei Sachverständigen (ehl-i vukuf) in die Hände gespielt haben sollen, die nun ihrerseits eine mir entgegengesetzte Einstellung hatten und deshalb auch einen bösen Bericht darüber vorbereitet haben. Nun habe ich keine Geduld mehr, (dies alles noch länger) zu ertragen. Darum gebe ich den tragenden Säulen aller Regierungsbehörden, ja der ganzen Welt bekannt:
Aufgrund wundersamer (i'djazi) Andeutungen (tilsim) im Weisen Qur'an und nach dem Geheimnis seiner Wahrheiten (sirr-i haqiqat) ist es unser Projekt (program), ja geradezu unsere Berufung (meslek), deren Frucht wir wachsen und reifen sehen wollen, für deren praktische Ergebnisse wir arbeiten wollen, ja Ziel und Zweck all unseres Tun und Handelns, alle Hilflosen und Armseligen vor der Verurteilung zum ewigen Tode zu erretten und auch dieses gesegnete Volk vor jeder Art Anarchie zu bewahren.
So hat denn nun die Risale-i Nur eine Untersuchung durch eine Kommission von drei Sachverständigen (ehl-i vukuf) und drei Gerichtshöfen überstanden; jedoch sind
zugleich auch mein Leben in den letzten zwanzig Jahren und hundertdreißig allgemein zugängliche Abhandlungen der Risale-i Nur ein unwiderlegbares Zeugnis dafür, dass sie über diese beiden heiligen Aufgaben {vazife-i qudsiye: Die Rettung der Hilflosen vor ihrer Verurteilung und die Bewahrung des Volkes vor der Anarchie (siehe oben!) (A.d.Ü.)} hinaus, die (zu erfüllen wir) ausdrücklich (geplant haben), (keineswegs) den Eindruck (hervorrufen kann, sie würde) die Welt, ihre Regierung und die öffentliche Sicherheit und Ordnung stören.
Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass dieser armselige, unterdrückte Said, wie ich in der Tat bereits vor Gericht behauptet habe und wie alle meine Freunde, mit denen ich in Beziehung stehe, bestätigt haben, der seit zwanzig Jahren noch niemals einen Antrag gestellt hatte, der in zehn Jahren noch nie einen dieser Stützen des Regimes, von einen wenigen einmal abgesehen, (auch nur vom Hören-Sagen) kennen gelernt hatte, der seit vier Jahren niemals eine Nachricht über diesen Weltkrieg und das Kriegsgeschehen bekommen hat oder sich auch nur dafür interessiert hätte, der sich mit Politikern (ehl-i siyaset) nicht beschäftigte und sich in ihre Geschäfte nicht einmischte, die Neigung gehabt haben sollte, die Sicherheit (des Staates) zu schänden... Wäre davon in ihm auch nur ein Stäubchen zu finden gewesen, er hätte sofort Nachforschungen angestellt: "Wer sind die gegen mich? Was geschieht in der Welt? Wer wird mir helfen?", wäre an solchen Dingen interessiert gewesen, hätte sich eingemischt, hätte ein Hintertürchen gesucht, um sich bei den Großen einschleichen zu können. Eines von diesen zwar recht kleinen und doch recht schmerzhaften Ereignissen war folgendes:
Ich hatte einigen meiner Freunde durch die Hand eines geheimen Boten einen Brief geschickt, um ihnen zu sagen: "Ich lebe hier vollständig isoliert und von jeder Nachricht abgeschnitten. Findet also einen Weg, mich aus meiner
Lage zu befreien, damit ich wieder ins Gefängnis gebracht und von dieser Qual errettet werde." Da wollte ich mich dann darum bemühen, meine Bücher, die jetzt in Denizli auf dem Gericht liegen, wieder zurückzubekommen und sie wieder in meiner Nähe zu haben, (jene Bücher aus dem Gesamtwerk) der Risale-i Nur, die als mein Lebenswerk und das Kapital meines Lebens, (manchmal) sehr schön (von Künstlerhand) geschrieben und verziert worden sind. Doch leider hat man auch den Mann aus der dortigen Kommission der Sachverständigen (ehl-i vukuf), die gegen mich waren, während er mich verteidigte, meinen (obigen) Brief sehen lassen und dadurch dazu gezwungen, gegen mich zu urteilen, damit ich nicht wieder ins Gefängnis kommen solle.
Ein Vorwand meiner Gegner, die mich stets wieder ins Gefängnis gebracht haben, (ein Punkt der Anklage), bei dem ich vor Gericht einen Freispruch gewonnen habe, ist die Zugehörigkeit zu einem (Sufi)-Orden (tariqattjilik). Jedoch habe ich in der Risale-i Nur stets darauf bestanden und gesagt: "Diese Zeit ist keine Zeit der Orden (tariqat), sondern vielmehr eine Zeit, den Glauben zu retten. Es gibt viele (yoktur), die ins Paradies kommen, ohne einem Orden anzugehören. Ohne Glauben (iman) ins Paradies einzugehen, gibt es keinen (yoktur)." So arbeiten wir denn mit aller Kraft für den Glauben (iman). Ich bin ein Hodscha und kein Scheich. Und ich habe auf Erden (dunya) kein Haus (hanem). Wo also sollte mein Kloster (tekke) sein? In diesen Zwanzig Jahren, gab es keinen einzigen Mann, der hervorgetreten wäre und gesagt hätte: "Er hat mich (für den Eintritt) in einen Orden (tariqat) unterwiesen (ders)." Dergleichen haben auch die Gerichte und die Polizei nicht finden können. Es gibt nur die Abhandlung über die neun Andeutungen (Telvihat Risalesi), die ich früher einmal geschrieben habe, um die Richtlinien (haqiqat) der Orden (tariqat) wissenschaftlich (ilm) zu erläutern, eine Unterweisung in der Wahrheit (ders-i haqiqat) und eine Hochschule der Wissenschaft (ders-i ilmi), aber keine Unterweisung (ders)
in den (Regeln und Aufgaben) eines Ordens (tariqat). Es ist eine wichtige Aufgabe (vazifah) der Regierung dieser Republik die Freiheit des Gewissens (Hürriyet-i vidjdan) als Grundlage zu wahren und ein Werk und seine Diener zu beschützen, worin es um eine Wahrheit (haqiqat) geht, mit der sicherlich schon die Seelen (ruh) von Milliarden Vorvätern dieses Volkes verbunden waren. Auf dem Wege (dieser Wahrheit) haben sie die Welt (dunya) herauszufordern vermocht und bewiesen, dass ein wahrhaftiger Glaube (iman-i tahqiqi) der (westlichen) Philosophie überlegen ist. Einem schwachen Diener die Hände zu binden und Tausende seiner Feinde auf ihn loszulassen ist demgegenüber mit den Prinzipien dieser Republik in gar keiner Weise zu vereinbaren.
(In der Hoffnung), dass die Republik auf mich hören wird, habe ich diese Klage geschrieben. In der Tat ...
{"Allah ist unser Genügen und der vortrefflichste Anwalt." (Sure 3, 173)}
Diverse Briefe an seine Schüler
{"Im Namen dessen der gepriesen sei. Friede sei mit euch, Gottes Erbarmen und sein Segen."}
Meine lieben getreuen Brüder!
(Eine Frage, die sich sowohl vom geistlichen als auch vom materiellen Standpunkt aus stellt und hier nun aufgrund ihrer Zwangsläufigkeit beantwortet werden soll.)
Frage:
Warum schenkst du weder den Strömungen im Inland, noch denen im Ausland und besonders den politischen Gemeinschaften irgendwelche Aufmersamkeit?
Und warum verbietest du, so weit wie möglich, deinen Schülern im Dienste der Risale-i Nur mit derartigen Strömungen in Kontakt zu treten?
Denn wenn du dich dafür interessiertest, würden auf einmal Tausende Menschen in den Kreis der Risale-i Nur eintreten und könnten dann diese glänzenden Wahrheiten (haqiqat) veröffentlichen; und du bräuchtest nicht derart sinnlos unter solchen Schikanen zu leiden.
Der wichtigste Grund für diese Zurückhaltung, ja geradezu Interesselosigkeit (ist darin zu suchen), dass unsere Aufrichtigkeit (ikhlas) als Grundlage unserer Berufung (meslek) uns das verbietet. Denn in dieser unserer Zeit der Gottvergessenheit (ghaflet), machen besonders einseitig denkende (mefkur) Leute (sahib) jedes Ding zu einem Werkzeug für ihre Überzeugung (meslek). Ja sie machen sogar ihren Glauben (din) und alles, was sie für das Jenseits (ukhrevi) tun, zu einer Art Mittel für ihre weltliche (dunyevi) Überzeugung. Doch die Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye) und der heilige Dienst an der Risale-i Nur (hizmet-i nuriye-i qudsiye) dürfen für nichts in der Welt (kainat) als Mittel verwendet werden. Außer dem Wohlgefallen Gottes (riza-yi Ilahi) darf nichts ihr Ziel sein. Jedoch ist es in einer Zeit wie der unsrigen unter den derzeitigen Kämpfen der verschiedenen Strömungen untereinander schwierig geworden, noch dieses Geheimnis der Aufrichtigkeit (sirr-i ikhlas) zu bewahren und nicht die Religion (din) zum Werkzeug für unsere weltlichen (Interessen) zu machen. Dabei ist der beste Ausweg der, sich nicht auf die Kraft (quvvet) der (jeweiligen) Strömungen (zu verlassen), sondern (stattdessen) der Gnade (inayet) und der Führung Gottes (taufiq-i Ilahiyye) zu vertrauen.
Ein Grund unter vielen Gründen für unsere Enthaltung ist unser Mitempfinden (shefqat), uns an Gewalttaten (nicht zu beteiligen) und keinen Schaden zu stiften, was eine der vier Grundprinzipien der Risale-i Nur ist.
{"Denn es wird keinem die Last eines anderen aufgebürdet."}
Das heißt: "Hat einer einen Fehler begangen, so wird dadurch kein anderer, auch kein Verwandter fehlerhaft und
verdient auch keine Strafe." Auf dieses Grundprinzip göttlichen Willens (düstur-u irade-i Ilahiyye) antwortet (der Mensch) in unserer Zeit entsprechend dem Geheimnis (sirr):
{"Denn der Mensch ist unwissend und grausam." (Sure 33, 72)}
mit (aller Schärfe), Härte und Grausamkeit. Sobald er in seinen Gefühlen Partei ergreift, hasst er einen Verbrecher nicht nur wegen seiner Vergehen, sondern auch dessen Verwandten und sogar noch dessen Parteigenossen. Gerät er ihm in die Hände, unterdrückt er ihn. Wenn er das Recht (hüküm) in Händen hat, wirft er wegen des Verbrechens eines (einzelnen) Menschen eine Bombe auf ein (ganzes) Dorf. Jedoch darf man das Recht eines Einzelnen, der unschuldig ist, auch um hundert Verbrecher willen nicht opfern. Man darf ihn auch nicht um ihretwillen terrorisieren. Unsere heutige Lage aber ist die, dass man wegen einiger Verbrecher hundert Unschuldige ins Unglück stürzt. Zum Beispiel: die Angehörigen eines verbrecherischen Menschen: seine arme alte Mutter, seinen Vater, seine Frau und die unschuldigen Kinder (tjoluk tjodjuk) {tjoluk tjocuk: Kind und Kegel, oder Kreti und Pleti} niederzuknüppeln, ins Elend zu stürzen und kollektiv zu hassen ist den Grundsätzen jeglichen Mitgefühls diametral entgegen gesetzt. Aufgrund solcher Strömungen, wo immer die Muslime Partei ergreifen, können sich die Unschuldigen nicht aus ihrer Unterdrückung befreien. Besonders die Umstände, die Grund sind, einen Aufstand anzuzetteln, (sorgen dafür, dass auch) die Unterdrückung überall um sich greift und sich ausbreitet. Ein Kampf (djihad), auch wenn er um der Religion (din) willen geführt wird, versetzt auch die Familien (tjoluk tjodjuk) der Ungläubigen (kafir) in die selbe Lage. Sie können eine Beute werden. Die Muslime können sie in ihren Besitz nehmen. Doch auch wenn jemand im Umkreis der Muslime ohne eine Religion (din) wäre, dürfte man trotzdem seine Familie (tjoluk tjodjuk) in gar keiner Weise in Besitz nehmen,
darf man ihre Rechte nicht verletzen. Denn diese unschuldigen (Menschen) sind durch ihre Verbundenheit (rabita) mit der Islamiyet nicht an ihren religionslosen Vater, sondern vielmehr mit der Islamiyet und der islamischen Gemeinschaft verbunden.
Ich grüße (selam) alle meine Brüder, jeden einzeln, und wünsche ihnen Gottes Segen (tebrik) in der Nacht der Himmelfahrt (leyle-i mi'radj), deren Verdienst tausendfach ist. Re'fet Bey und allen Verwandten des verstorbenen Haddji Ibrahim spreche ich meinerseits (ein herzliches) Beileid aus und wir sagen: "Der Verstorbene (merhum) gehört zum Kreis der Schüler der Risale-i Nur und wird allzeit ihrer Gebete (dua) teilhaftig sein. Auch wir werden ihn mit Namen in unseren Gebeten (dua) erwähnen."
{"Im Namen dessen der gepriesen sei. Friede sei mit euch, Gottes Erbarmen und sein Segen."}
Meine lieben getreuen Brüder!
(Ergänzung zu der notwendigen Antwort auf eine Frage)
Diese Sommerzeit (mausim) ist eine Zeit (zaman) der Nachlässigkeit (ghaflet) und zugleich eine Zeit (hengam) der Arbeit (meshghal) in der Sorge um den täglichen Lebensunterhalt. Auch sind diese drei Monate (shuhur-u selase) eine sehr fruchtbare Zeit des Dienstes und der Anbetung (sevabli ibadet). Wo es in einer Zeit, in der die Stürme über diese Erde hinwegfegen und die keine Zeit der Waffen, sondern eine Zeit diplomatischer Anstrengungen ist, an Kraft, Stärke (quvvet), Beständigkeit (metanet) und jener Festigkeit fehlt, welche diese heilige Aufgabe der Risale-i Nur (vazife-i nuriye-i qudsiyye) erfordert, wird der Dienst an der Risale-i Nur Schaden nehmen, (eine Zeit) der Trägheit und
des Überdrusses beginnen und es wird zum Stillstand kommen.
Meine lieben Brüder! Ihr sollt wissen, dass die Aufgabe (um die es in der Risale-i Nur) geht und womit sich ihre Schüler beschäftigen, größer ist, als alle gewaltigen Themen auf dem ganzen Erdenrund. Wenn ihr also alle diese Dinge betrachtet, die in dieser Welt (dunya) eure Neugier erregen, so lasst nicht nach in eurem Eifer für die Aufgaben im Ewigen Leben (vazife-i baqiye)! Lest immer wieder das Vierte Kapitel aus der Fruchtabhandlung (Meyve Risalesi), damit eure innere Kraft (quvve-i manevi) nicht gebrochen wird!
Alle diese riesengroßen Fragen der Weltleute (ehl-i dunya) bewegen sich im Kreis ihrer Regeln für den Kampf, die grausam in diesem vergänglichen Leben (fani hayat) sind. Da sie gnadenlos und unbarmherzig die heiligen (Werte) des Glaubens (muqaddesat-i diniye) für ihre weltlichen Interessen opfern, versetzt sie die göttliche Fügung (qader-i Ilahi) mitten hinein in die innere Hölle (manevi djehennem) ihrer eigenen Verbrechen. (Worum es aber in) der Risale-i Nur geht und woran ihre Schüler arbeiten müssen und wozu sie beauftragt (vazifedar) sind, ist, mit der Sicherheit, mit der zwei Mal zwei vier ist, zu beweisen, dass der Tod, der der Preis für dieses vergängliche Leben (fani hayat) ist und ein Schleier über dem Ewigen Leben (baqi hayat), für die Verehrer dieses weltlichen Lebens (hayat-i dunyeviye) dagegen der Henker eines überaus schecklichen Todes, der doch der Schleier über dem Ewigen Leben (hayat-i ebediye) und für die Leute des Glaubens (ehl-i iman) das Fahrzeug zur Ewigen Glückseligkeit ist. Diese Wahrheit (haqiqat) haben wir bis heute stets aufgezeigt.
Die Leute des Irrweges (ehl-i dalalet) setzen sich für dieses vergängliche Leben ein. Wir dagegen kämpfen mit dem Licht des Qur'an gegen den Tod. Ihr größtes Problem ist, weil es dabei nur um vergängliche Dinge geht, unser kleinstes Problem und vom Standpunkt der Ewigkeit (beqa) betrachtet, gar nicht zu
vergleichen. Wenn sie aber nun sich in ihrer Torheit nicht auf unsere gewaltigen Probleme einlassen und ihnen keine Beachtung schenken, warum dann sollen wir zum Nachteil unserer heiligen Aufgabe (qudsi vazife) ihren unbedeutenden Angelegenheiten mit Interesse folgen?
Denn die Ayah:
{"Nicht schaden kann euch wer irrt, solange ihr rechtgeleitet seid." (Sure 5, 105)}
Was ein bedeutendes Prinzip in der islamischen Grundlagenlehre ist.
Denn
{"Wer zufrieden ist mit seinem Schaden, der ist nicht zu verteidigen."}
Das heißt: "Der Irrtum eines anderen beeinträchtigt eure eigene Rechtleitung nicht, solange ihr euch nicht unsinniger Weise mit ihrem Irrtum beschäftigt."
"Wer mit seinem Schaden einverstanden ist, den braucht man nicht zu verteidigen, noch zu bemitleiden oder zu bedauern."
Da nun einmal diese Ayah und dieser Grundsatz uns untersagt, denjenigen zu bemitleiden, der mit seinem Schaden einverstanden ist, müssen wir statt dessen all unsere Kraft, unsere Aufmersamkeit und unsere Zeit dieser heiligen Aufgabe (qudsi vazife) widmen. Alles, was außerhalb dessen liegt, müssen wir als sinnlos erkennen und dürfen unsere Zeit nicht damit vergeuden. Denn in unseren Händen halten wir das Licht und keine Keule. Wir dürfen nicht angreifen. Wer uns angreift, dem zeigen wir unser Licht (Nur). Unsere Haltung ist die einer Verteidigung mit Licht.
Einer der Gründe, wozu diese Ergänzung geschrieben wurde, ist folgender:
Ich habe einen Schüler der Risale-i Nur geprüft. Um herauszufinden, welche Ideen über die heutige Politik (die Ursache) seiner Aufregung sind, fragte ich ihn wegen seiner Schwatzhaftigkeit ein, zwei Dinge über (die Meerenge) am Bosporus und sah, dass er sachkundig und interessiert zu antworten wusste. In meinem Herzen sagte ich mir "Schade! Das wird unserem Dienst (vazifah) an der Risale-i Nur schaden." Ich habe ihn nachdrücklich ermahnt:
{"Ich nehme meine Zuflucht zu Gott vor dem Teufel und seiner Politik."}
Das ist unser Grundsatz. Wenn du Mitleid mit (solchen politischen) Menschen hast, so hebt obiger Grundsatz ihr verdientes Mitgefühl wieder auf. So wie das Paradies (djennet) nach Menschen verlangt, so verlangt auch die Hölle (djehennem) nach Menschen.
(In den Kommentaren (zu einigen Hadithen), die teilweise bereits im Fünften Strahl (1908!) niedergeschrieben wurden (wird bereits vorausschauend über das) berichtet, was heute geschieht.)
Meine lieben getreuen Brüder!
Eines möchte ich hiermit noch absolut klarstellen: die Risale-i Nur ist Eigentum (mal) des Qur'an. Es steht mir nicht zu, sie zu besitzen (sahib), sodass ich sie mit meinen Fehlern infizieren könnte. Ich bin nur ein unvollkommener Diener der Risale-i Nur und Makler der Diamanten eines Juwelierladens. Auch mein Zustand einer totalen Verwirrung kann sie nicht infizieren oder sie sonst irgendwie beeinträchtigen. Erteilt uns doch die Risale-i Nur ihren Unterricht (ders), wie wir wahrhaft aufrichtig (haqiqat-i ikhlas) sein, von unserer Selbstgefälligkeit lassen (terk-i enaniyet), uns stets unserer Fehlerhaftigkeit bewusst sein und unseren
Hochmut (hodfurushluk) überwinden können. Nicht uns selbst stellen wir also den Gläubigen (ehl-i iman) vor, sondern die geistige Körperschaft der Risale-i Nur. Wir sind denen, die unsere Fehler erkennen und uns mitteilen, wenn es ihnen denn dabei um die Wahrheit (haqiqat) geht, sehr dankbar. Und: möge es Gott wohlgefällig sein (Allah razi olsun!) werden wir dabei sagen! Wenn ein Skorpion auf unserer Schulter sitzt und man kann ihn von da herunterschleudern, wie sehr werden wir doch dann erleichtert sein! Wenn jemand an unseren Fehlern Kritik übt und wenn er denn dabei nicht wütend wird oder sich als halsstarrig erweist, sich auch nicht dabei für ketzerische Neuerungen (bid'a) oder Irrtümer (dalalet) einsetzt, so können wir das annehmen und sind auch dankbar dafür.
Meine lieben Brüder! In meiner Verteidigungsrede habe ich ihnen folgende Antwort erteilt: "(Diese Übereinstimmungen in Text und Inhalt der Risale-i Nur) sind nicht mir (als mein Werk) zugehörig. Und einen Anspruch (sahib) auf derartige Wunder (keramet) zu erheben, liegt nicht in meinem Bereich. Sie haben sich vielmehr (in der Art) von Tropfsteinen als ein spirituelles Wunder (mu'djize) verkörpert und sich als Blitzstrahlen aus dem Qur'an gezeigt. In der Risale-i Nur, die dessen wahrhaftige Auslegung (haqiqi tefthir) ist, nehmen sie die Form solcher Wunder (keramet) an, um die Schüler in ihrer innerlichen Kraft (quvve-i maneviye) zu stärken (taqva) und kommen deshalb einer Gnadengabe Gottes (ikramat-i Ilahiyye) gleich. Dafür, dass wir ein solches Geschenk (ikram) zeigen können, sind wir dankbar; das ist auch erlaubt und (vor Gott) wohlgefällig (maqbul)."
Nun will ich aber aus einem wichtigen Grunde diese Antwort teilweise noch weiter erläutern. Man hat mich nämlich gefragt, warum ich diese Dinge aufgezeigt habe und warum ich diesen Punkt mit solchem Nachdruck ins Rampenlicht gerückt habe.
Um in heutiger Zeit den vielen Tausenden, die (unser Werk) des Dienstes am Glauben (hizmet-i imaniye),
den die Risale-i Nur (leistet), wieder zerstören wollen, etwas entgegenzusetzen, bedarf es Hunderttausender, die (das, was bereits zerstört wurde), wieder instandsetzen wollen. Zudem brauche auch ich mindestens Hunderte von Schreibern und Helfern, die ich noch finden muss. Anstatt sich (vor dieser Arbeit) zurückzuziehen und sie zu vermeiden suchen, ist es vielmehr notwendig, dass das Volk und die Leute von der Regierung sie schätzen lernen und dazu ermuntert werden, Kontakte aufzunehmen und Hilfe zu leisten. Da es ja für alle Gläubigen (ehl-i iman) verpflichtend ist diesen Dienst am Glauben (hizmet-i imaniye), der sich doch auf ein Ewiges Leben (hayat-i baqiye) bezieht, der Beschäftigung (meshghal) und den Annehmlichkeiten eines vergänglichen Lebens (hayat-i faniye) vorzuziehen, möchte ich, indem ich mich selbst als Beispiel nehme, sagen:
Mir wurde alles, die Besprechungen und die Hilfeleistungen untersagt, während gleichzeitig meine Gegner mit aller Kraft daran arbeiten, die innerlichen Kräfte (quvve-i maneviye) meiner Gefährten zu zerbrechen, um sie von mir und der Risale-i Nur zu entfremden, sodass jemand wie ich, der alt, krank, schwach, im Exil, armselig, allein und verlassen ist, eine Aufgabe (vazifah), um die sich Tausende Menschen kümmern sollten, nun alleine schultern muss. Durch diese Isolation und den Druck (unter dem ich stehe) sehe ich mich nun selbst aufgrund meiner materiellen (Umstände) und meiner Krankheit dazu gezwungen, mich von allen Konferenzen und Korrespondenzen mit den Menschen zurückzuziehen, was nun schon so weit geht, dass Leute dermaßen nachdrücklich abgeschreckt worden sind, dass sogar einige Freunde, mit denen ich mich bisher ganz besonders eng verbunden gefühlt hatte, mich nun nicht mehr grüßen (selam), ja einige von ihnen schon so weit verschreckt sind, dass sie sogar das (gemeinsame) Gebet vernachlässigen. (Doch bei allen Versuchen) ihre geistige Kraft (quvve-i maneviye) zu brechen und aus den (oben erwähnten) Gründen habe ich (eigentlich) gegen
meinen Willen, jedoch gerade wegen all dieser Hindernisse, nämlich um die inneren Kräfte (quvve-i maneviye) der Schüler der Risale-i Nur zu stärken, mich dazu veranlasst gesehen, mit Hilfe der Verkündigung der göttlichen Gnade (ikramat-i Ilahiyye) ihre innere (manevi) Aufmerksamkeit darauf zu lenken und ihnen zu zeigen, dass die Risale-i Nur ganz allein und ganz aus sich selbst heraus, wie ein Heer, das keine Hilfe von außen braucht, stark genug ist. Doch musste ich jetzt all diese verschiedenen Dinge einmal aufschreiben! Andernfalls - Gott bewahre! - wollten wir also uns selbst verkaufen, uns nur beliebt machen wollen (die Risale-i Nur schreiben und verbreiten, nur weil wir) dafür gelobt werden wollen und weil wir ja so stolz (auf unsere eigene Leistung) sind, so würde dadurch die tiefe innere Weisheit (sirr) der Aurichtigkeit (ikhlas), welche ein bedeutender Grundsatz der Risale-i Nur ist, zerstört werden. Möge nun Gott es wollen (insha-a'llah), dass die Risale-i Nur so wie sie sich sowohl selbst verteidigen, als auch ihren umfassenden Wert aufzeigen wird, als auch uns selbst indirekt verteidigen und uns dazu verhelfen, dass uns unsere Fehler vergeben werden.
Meine lieben Brüder! Vierzig Jahre vor Offenbarung der Risale-i Nur hatte ich auf eine merkwürdige Art ein allumfassendes Vorgefühl (von künftigen großen Ereignissen und Taten), das sich sowohl bei mir, als auch in unserem Dorf, als auch in unserer kleinen Stadt zeigte und heute ist mir durch eine innere Eingebung (der Grund dafür) zu einer festen Überzeugung geworden. Ich hätte ja gerne meinen älteren Schülern, wie Shefik und meinem Bruder Abdulmedjid dieses Geheimnis (sirr) mitgeteilt. Da euch aber nun Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) viele Abdulmedjid und viele Abdurrahman geschenkt hat, möchte ich es euch nun doch erklären.
Ich war damals zehn Jahre alt und meine Haltung (hal) war von einem großen Stolz, ja manchmal sogar durch eine Art von Selbstlob gekennzeichnet. Obwohl ich das eigentlich gar nicht wollte, verhielt ich mich so, als ob ich
eine große Tat, oder sogar eine große Heldentat geleistet hätte. So sagte ich denn zu mir selbst: "Du bist noch nicht einmal fünf Para wert. Was soll dann also dein Eigenlob und insbesondere dein Stolz, den du da allzu sehr zur Schau trägst?" Ich wusste es selbst nicht und war erstaunt darüber. Nun ist es ein, zwei Monate her, dass mir die Antwort (auf diese Frage) nach meinem Erstaunen gegeben wurde. Es war die Risale-i Nur, die selbst dieses Vorgefühl ausgelöst hatte (und nun zu mir sagte): "Obwohl du doch nur wie ein (Dattel)-Kern einem gewöhnlichen Holzspahn ähnelst, kommst du dir mit deinem Gefühl kommender (Ereignisse) in der Tat so vor, als könntest du selbst die Trauben des Paradieses (firdaus) erfinden (mal) und bist auch noch stolz (hodfurushluk) darauf." Was aber unser Dorf (Nurs Köyümüz) betrifft, so wissen doch sowohl meine alten Schüler, als auch meine Landsleute, dass man sich in unserem Dorf sehr gerne selber lobt, um so in seinem Heldenmut ganz vorne an zu sein und sich ganz oben zur Schau zu stellen. Es ist, als wollten sie ein großes Reich erobern, sodass sie sich nun wie tapfere Helden aufführen wollen. Da habe ich mich sehr sowohl über mich selbst als auch über sie gewundert. Nun wurde mir in einer wahrhaftigen inneren Wahrnehmung klar: diese einfachen (Bauern aus dem Dörfchen) Nurs werden noch einmal durch das Licht der Risale-i Nur zu großem Ruhm gelangen. (Zu einer Zeit, da die Menschen) noch nicht einmal den Namen dieser Provinz (vilayat), dieses Städtchens kannten, zeigten (seine Bewohner) bereits im Vorgefühl, dass (die Menschen) dereinst die Bedeutung dieses Dorfes (Nurs köyünü) erkennen würden, durch die göttliche Gnade (nimet-i Ilahiyye) ihre Dankbarkeit in der Form ihrer Selbstgefälligkeit.
............
Da ich euch, als meine ehemaligen Schüler und meine alten Gefährten und meine Brüder gekannt und Abdülmecid und Abdurrahman gleichgestellt hatte, habe ich euch auch mein privates Geheimnis (mahrem sirri) offenbart. Und
so möchte ich euch noch sagen: "So wie ich vor vierundzwanzig Stunden in meiner starken Empfindsamkeit und durch die (Reaktion) meiner Nerven auf die Feuchtigkeit das Nahen des göttlichen Erbarmens (rahmet) und das Kommen des Regens gespürt habe, so habe ich auch schon vor vierzig Jahren in meinem Dorf und in meiner kleinen Stadt den barmherzigen Regen der Risale-i Nur wie ein künftiges Ereignis im voraus gespürt."
Wir senden allen unseren Brüdern und Gefährten unsere Segenswünsche (selam) und unser Gebet (dua) und bitten gleichfalls auch um euer Gebet (dua).
Ein wichtiger Brief, zudem ich mich als Antwort auf den Brief eines hochrangigen (maqam) Kommandanten gezwungen sah, der eine bedeutende Persönlichkeit ist
{"Im Namen dessen der gepriesen sei. Friede sei mit euch, Gottes Erbarmen und sein Segen."}
Mein lieber getreuer Bruder!
Auch wir wünschen Ihnen gleichfalls im Ramadan Gottes Segen (tebrik). Ihre Träume sind von sehr viel Segen (mubarek) erfüllt. Möge er ein Zeichen dafür sein, dass Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) Sie Seine große Güte (ihsan) erfahren lassen will (insha-a'llah). Für mich ist es in heutiger Zeit (Gottes) größtes Geschenk (ihsan), wenn man sich in der Weise bemüht, dass man den Glauben (iman) rettet und den Glauben der anderen dabei stärkt. Geben Sie acht, dass Sie dabei alles vermeiden, was Sie dazu veranlassen könnte, selbstsüchtig und stolz zu werden! Demut, Bescheidenheit und die Aufgabe seiner Selbstsucht (terk-i enaniyet)
sind in dieser Zeit für die Kenner der Wahrheit (ehl-i haqiqat) notwendig, ja geradezu zwangsläufig (lazim ve elzem). Denn die größte Gefahr in diesem Jahrhundert erwächst aus Ichsucht und Eigenlob. Die Leute der Wahrheit und Gerechtigkeit (ehl-i haqq ve haqiqat) müssen stets bescheiden ihre eigene Unzulänglichkeit im Auge behalten und die Schuld ihrer eigenen Seele (nefs) geben. So wie Sie unter solch erschwerenden Umständen weiter heldenmütig seinen Glauben (iman) zu bewahren und dabei seinen Dienst und seine Anbetung (ubudiyet) zu versehen, entspricht einem hohen Rang (maqam). Auch die Deutung ihrer Träume enthält, von diesem Standpunkt aus betrachtet, eine gute Nachricht. Besorgen Sie sich also einmal jene Abhandlung unter den Bänden der Risale-i Nur den 29. Brief, der sich mit der Mystik der Sufi-Orden (tariqat haqiqati) beschäftigt und die "Neun Andeutungen" ("Telvihat-i Tis'a") genannt wird und lesen Sie ihn! Des weiteren sollte auch Ihre Person, gleich den standhaften (metin), gläubigen (iman) und aufrechten (haqiqat) Persönlichkeiten in den Kreis der Risale-i Nur eintreten. Denn in diesem Jahrhundert konnte die Risale-i Nur trotz aller Angriffe nicht besiegt werden. Selbst noch die hartnäckigsten Gegner mussten ihre Freiheit offiziell bestätigen lassen. Ja schon seit zwei Jahren haben hochrangige (Persönlichkeiten) und Juristen aufgrund eingehender Untersuchungen beschlossen, dass sämtliche Teile der Risale-i Nur, und zwar sowohl die für den privaten (mahrem) als auch die für den öffentlichen Gebrauch ihren Besitzern zurückgegeben werden sollten. Denn die Gemeinschaft (meslek) der Schüler der Risale-i Nur konnte nicht wie die Sufi-Orden (tariqat) und andere Gemeinschaften (meslek) jemals besiegt werden, während auch noch ganz besonders hartnäckige Gegner von ihr besiegt wurden und zum Glauben (iman) gelangt sind, wobei zudem besonders viele Ereignisse bezeugen (shehadet), dass sie in unserem Jahrhundert ein spirituelles Wunder ist, das aus dem Qur'an (mu'djize-i ma'neviye-i Qur'aniye) hervorgegangen ist.
Dabei haben uns die Ereignisse zu der festen Überzeugung gebracht, dass außerhalb dieses Kreises in diesem Lande ein individueller Dienst, den jemand im kleinen, privaten (Rahmen leistet), verfolgt (und versteckt) hinter einem Vorhang, teilweise dazu gezwungen, ketzerische Neuerungen (bid'a) zu tolerieren oder (die Lehre) mit seinen Auslegungen in gewisser Weise zu verfälschen, dem Glauben (din) nicht mehr voll und ganz dienen kann.
Da aber Sie nun einmal einen großen Eifer und einen starken Glauben haben, sollten Sie nun auch ein ganz aufrichtiger (ikhlas) und ganz und gar demütiger und dennoch standhafter Schüler der Risale-i Nur sein, sodass Sie an der geistigen Gemeinschaft (shirket-i maneviye-i uhreviye) von Tausenden, ja sogar hundert Tausenden von Schülern (im Dienst) für das Jenseits teilhaben können, sodass alles, was Sie an Gutem und Schönen tun, aus Ihrem kleinen (privaten Rahmen) heraus ein Teil des Großen und Ganzen (der Nur-Schülerschaft) werden und im Jenseits ein ganz und gar verdienstvoller Handel sein möge.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Es gibt kein Ding, das Ihn nicht lobt und preist. Friede sei mit euch, Gottes Erbarmen und sein Segen."}
Hochehrwürdiger, wertester und vielgeliebter Lehrer und Meister! Gott sei Lobpreis und Dank (elhamdulillah), dass in diesem Jahr Eure Schüler in Isparta durch ihre weltlichen Tätigkeiten (dunyevi meshaghil) nicht (wieder) so sehr in Gottvergessenheit (ghaflah) versunken sind.
Unser Einsatz für den Dienst am "Licht" setzt sich ernsthaft fort. Welche Anziehungskraft dieses "Licht (Nur)" auf die Herzen eines jeden Einzelnen von uns ausübt, lässt sich an unseren Gesichtern ablesen. Denn die Herzen Eurer Schüler sind von Freude erfüllt. In der Tat sagen alle Eure Schüler, unser geliebter Meister, einstimmig: Obwohl wir es ja eigentlich gar nicht verdient hätten und trotz unserer Nichtigkeit wurden wir in aller Aufrichtigkeit in Dienst gestellt. In diesem lichtvollen Dienst haben wir sowohl als Schüler, als auch Schreiber, Gesprächspartner, Verteiler und Verbreiter, Kämpfer, Ratgeber für das Volk, Anbeter des Gerechten (Haqq) und dergleichen mehr, alle Schönheiten und Kostbarkeiten der Welt auf einmal erhalten und nur wenig ist es, wie sehr wir auch unserem Herrn und Gott (Hazret-i Allah) dafür danken mögen. Dieser Dank, den wir abstatten möchten, erfüllt die Herzen von uns, Euren Schülern, mit Freude und Glück und erinnert uns dabei daran, dass auch er noch eine Güte (ihsan) unseres Schöpfers (Khaliq) ist, die im Überfluss in unsere Herzen (qalb) strömt. Und die gleiche Art von Dankbarkeit während des Lebens, das diese armseligen Bewohner und unser Meister (Ustadh), als er noch klein war (noch unbewusst in sich erfahren hatten), lässt (sich auch heute noch) aus unserer Haltung und aus unserem Verhalten ablesen. Unendliches Lob und grenzenloser Dank sei Gott dem Herrn in Seiner Majestät (Dhat-i Dhu-l'Djelal), der uns in Seiner Gnade und Freigiebigkeit (lutuf ve kerem) von jenem Rinnsal völliger Unwissenheit (djehl-i mutlaq) erlöst und aus dem Sumpf des Aufstandes und des Unglaubens (kufr) herausgezogen und zu Schülern jenes glänzendsten aller Lichter (Nur) gemacht hat, das die Augen blendet.
Wenn unser Meister (Ustadh) uns den Sinn der Duplizität (iktiran) zweier Gnadengaben (ni'met), die gleichzeitig miteinander in Erscheinung treten, nicht schon vorher einmal erklärt hätte, er hätte sie aus unseren Schreibfedern, welche die vielfache Dankbarkeit unserer Herzen zum Ausdruck bringen, herauslesen können.
Wir erkennen, unser geliebter Meister (Ustadh), unsere eigene Verfassung: wir können der Ansprechspartner der Risale-i Nur nicht sein. Trotzdem bezeugen wir (mushahede) mit wachsendem Bedürfnis das Erscheinen des Erbarmens des Allbarmherzigen Schöpfers (Khalik-i Rahimin merhametli tedjellileri). Das Herz unseres Meisters (qalbi Ustadh) ist ein glänzender Spiegel, ein Empfänger und ein Reflektor. Die Zunge des Meisters (Ustadh) ist ein hoher Botschafter, ein Lehrer und ein Wegweiser (murshid). Die Haltung des Meisters (hal-i Ustadh) ist das schönste, leibhaftig gewordene Beispiel, ein Muster und ein Vorbild. Die Bedürfnisse aller Schichten der menschlichen Gesellschaft werden von ihm aufgezeigt und beschrieben. So findet es sich denn, dass der Zustand (hal) der seit sieben Jahren Feuer speienden Gewaltmenschen heute eine noch schmerzlichere Form (hal) angenommen hat. Wer auch immer Verstand besitzt, hält sein Ohr an den Mund seines Rundfunkgerätes und denkt voll Sorge darüber nach, was der morgige Tag wohl bringen wird. Nachdem nun im Osten die Japaner besiegt worden waren, wartet man nun darauf, dass die Welt (dunya) einen dauerhaften Frieden (salah-i selamet) in Sicherheit und Geborgenheit (Emn-u eman) zustandebringen werde. Doch nun wurde sichtbar, dass sich im Norden eine teuflische (deddjal) Bewegung {der Warschauer Pakt?} zeigte. Dieser Sachverhalt hat jeden in Unruhe und Aufregung versetzt. In dem Gedanken, dass wir einer düsteren Zukunft entgegengehen werden, wurden (alle Menschen) dazu getrieben, voll Sorge (den Nachrichten) im Rundfunk zu folgen. Gott sei Lob und Dank (lillahi-l'hamd), dass die Risale-i Nur unsere Seelen (ruh) durch ihre Erhabene Verkündigung wieder beruhigt. Durch ihre wahrhaftige Unterweisung (haqiqi ders) stellt sie unser Herz (qalb) zufrieden. So werden wir denn dieser Tage durch eine spirituelle Anspielung (mana-yi ishari) ermahnt, dass nun solch eine entsetzliche Strömung entstanden ist, dass einzig und allein
dann, wenn die Welt (alem) der Christenheit in der Einheit mit den Muslimen, nämlich dadurch, dass sich die Evangelien mit dem Qur'an vereinigen und infolge dessen sich dem Qur'an unterordnen, die so entstandene himmlische Macht den Sieg erhalten wird, (welch obiger Sachverhalt) darauf hinzuweisen geruht, dass nun die Zeit gekommen ist, die Ankunft des hochehrwürdigen Jesus, mit dem der Friede sei (Hazret-i Isa Aleyhisselam), zu erwarten. Wie ich gehört habe, hat das heutige Amerika eine seiner vier Kommissionen in alle Ecken der Welt ausgesandt, mit dem Auftrag, zu erforschen, welches die wahre Religion (salim bir din) ist, die das Heil der heutigen Menschheit sicherstellen werde. Weil dem so ist, wird die Risale-i Nur eine zeitgemäße Auslegung (mudjeddid) des Qur'an mit den Worten des Gerichts überall bekannt machen und so für eine elende, leidende Menschheit jenes allumfassende Heil bringen, an das wir mit aller Macht glauben.
Solange noch unser geliebter Meister (Ustadh) über uns (wacht) und wir die Risale-i Nur, welche die erhabensten Wahrheiten (haqiqat) in sich enthält und worin sich die gesegnete Auslegung (mubarek tefthir) des Qur'an in ihrer höchsten (Form) vorfindet, kennt unsere Freude weder Schranken noch Grenzen.
Wenn also nun diese Wahrheiten (haqiqat) Abhandlung (djüz'ü) um Abhandlung an die Öffentlichkeit gelangen, werden sie auch (dafür Sorge tragen), dass sie überall mit Interesse, ja mit Freude gelesen werden. Dafür gibt es sehr viele ganz offensichtliche Beweise. Möge nun Gott es wollen (insha-a'llah), dass insbesondere die bereits im Druck (erschienenen) Exemplare des Zehnten Wortes (Onuncu Söz), das diese Idee (mefkure) von einer Leugnung der Auferstehung (inkar-i hashr) besiegt und besonders auch die Abhandlungen (risalah) über das Große Zeichen (Ayetu-l'-Kubra), das, obwohl einmal heimlich gedruckt, nun aber frei und offen von jedermann gelesen werden kann und sehr große, wunderbare Wirkungen zeigt, wodurch der Glaube (taqviye-i iman) gestärkt wird, sowie die Wohldurchdachten
Gottesbeweise (Huddjetul-Baligha) und die Fruchtabhandlung (Meyve Risalesi) und dergleichen Abhandlungen aus dem Gesamtwerk (Kulliyat-i Nur), die alle Ideen (mefkure) über die Leugnung Gottes (inkar-i uluhiyyet) ganz und gar zunichte machen, die gnadenlosen (emansiz) Mauern der Gottlosigkeit, die nun um den Qur'an herum aufgerichtet werden sollen, (durch die Hilfe) der Risale-i Nur mit der Wurzel ausgerissen werden, das gnadenlose (emansiz) Feuer der Gottlosigkeit gelöscht wird und der ganzen Welt (dunya) der überschäumende Trunk (sharab-i kauthar) von dem Leben schenkenden Elixier (ab-i hayat) eines gnadenreichen Glaubens (emanli iman) zu trinken gegeben werden kann!
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Hüsrev
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Friede sei mit euch, Gottes Erbarmen und Sein Segen immer und ewig."}
Meine lieben getreuen Brüder!
Wir beglückwünschen euch wieder und immer wieder zu euren Festtagen (bayram) und wünschen euch Gottes Segen (tebrik). Weil nun diese beiden sehr wichtigen Fragestellungen bereits an verschiedenen Stellen der Risale-i Nur vorzufinden sind, möchte ich sie doch noch einmal ganz kurz mit euch besprechen und vertraue dabei auf eure rasche Auffassungsgabe.
Erstens:
Ein Schüler der Risale-i Nur, der ehrlich und aufrichtig ist und auch den Qur'an kopiert, der in seiner Verkündigung ein Wunder (Qur'an-i Mudjizul-Beyan) ist, hat mich diesmal aufgrund seiner guten Meinung, die er von mir hat, obwohl das doch tausendmal über meine Grenzen
hinaus geht, in dem Brief, den er uns geschrieben hat, (in einer bestimmten Angelegenheit) nach der Wahrheit (haqiqat) gefragt. Da er den so wichtigen und heiligen Dienst (qudsi vazifah) an der geistigen Körperschaft der Risale-i Nur für einen Dienst (vazifah) an meiner eigenen, doch so gewöhnlichen Person hält, den er als einen ganz besonders erhabenen Dienst (ulvi vazifah) in der Nachfolgeschaft des Propheten (hilafet-i nubuvvet) ansieht und von seinem Standpunkt aus in seinem Meister (Ustadh) jenen Funken zu erkennen glaubt, möchte er in mir nun auch die (sichtbar gewordene) Erscheinung jenes geistigen Kalifats (hilafet-i maneviye) erblicken.
Erstens:
Man baut über einer Ewigen Wahrheit (baqi bir haqiqat) keine vergänglichen Repräsentanten (shahsiyet). Täte man dies, würde man der Wahrheit (haqiqat) damit Gewalt antun. Eine Aufgabe (vazifah), die in jeder Hinsicht vollkommen (kemal) und ewig ist, kann nicht an Repräsentanten (shahsiyet) gebunden sein, die dem Zerfall und der Kritik (tjürümeye ve tjürütülmeye) ausgesetzt sind. Denn eine solche Bindung schadet dem Wert einer solche Aufgabe (vazifah).
Zweitens:
Das Aufscheinen der Risale-i Nur bringt nicht nur ein innerliches Erfülltsein (feyz) mit sich, das einzig durch das Verständnis (fikr) ihres Interpreten oder als ein Ausdruck eines innerlichen Bedürfnisses (ihtiyadj-i manevi) aus dem Qur'an erwächst und sich allein nach der Begabung dieses Interpreten richtet, sondern entspricht vielmehr dem Wunsch nach Erfüllung (feyz) in den Herzen (ruh) aller reinen, standhaften und getreuen Personen, welche die Gesprächspartner dieses Interpreten und seine Gefährten im Unterricht (ders) des Qur'an sind. So wie sie weit mehr als die Begabung ihres Interpreten auf vielfache Weise zu dem Aufscheinen dieser Lichter (Nur) beitragen, indem sie diese annehmen, bestätigen und in die Praxis umsetzen, formen sie auch Wesen und Wirklichkeit der geistigen Manifestation (shahs-i manevisinin haqiqati) der Risale-i Nur und ihrer Schüler. Doch auch ein Interpret
leistet dazu seinen Beitrag. Insoweit er diesen nicht durch seine Unaufrichtigkeit schmälert oder wertlos macht, kann er sich mit ihm zuvortun und durch ihn zu Ehre und Ansehen gelangen.
Drittens:
Diese Zeit ist eine Zeit der Gemeinschaft (djemaat). Die Genialität einer einzelnen Persönlichkeit, wie wundervoll auch immer sie sein mag, kann doch durch die Genialität der geistigen Körperschaft (shahs-i manevi), die aus einer Gemeinschaft entsteht, überwunden werden. Wie dieser gesegnete Bruder geschrieben hat, darf man deshalb einen Dienst am Glauben (vazife-i imani), der in gewisser Hinsicht die ganze islamische Welt (alem) zu erleuchten vermag und ein Licht heiliger (qudsi) Genialität ist, nicht einer hilflosen, schwachen, unterdrückten Person aufbürden, die noch dazu zahllose Feinde und hartnäckige Gegener hat, die ihn durch Verrat und durch Beleidigungen in Misskredit zu bringen versuchen. Wollte man ihn ihr aber dennoch aufbürden und geriete diese (ohnehin schon) mit Fehlern behaftete Person nun durch den Verrat und unter den Schlägen ihrer Feinde ins Wanken, so würde sie unter dieser Bürde zusammenbrechen und ihre Last unter ihr auseinander fallen.
Viertens:
Schon von Alters her hatten viele Menschen eine besonders gute Meinung von ihren Lehrern und Meistern, von allen, die sie ausbildeten, schulten, unterwiesen, lehrten und unterrichteten und auch von ihren Fürsten (ustadh veya murshid veya muallim veya reis) und sie schätzten sie weit über den Wert ihrer eigenen Persönlichkeit. Da sie mit Hilfe ihres Unterrichts und durch deren geistliche und weltliche Führung einen Nutzen zu finden hofften, wurde ihre oft bei weitem übertriebene gute Meinung auch bis zu einem gewissen Grade entgegengenommen. Obwohl sie der Wahrheit (vakia) manchmal zuwiderlief, wurden sie dennoch nicht kritisiert. Wenn also nun die Nur-Schüler jene erhabene (ulvi) Stufe und alle Vorzüge, die einem Meister (ustadh) angemessen sind, der seiner Nur Schüler würdig ist, meiner armseligen, mit Fehlern und
Mängeln behafteten Persönlichkeit zuerkennen und so mit Eifer und Begeisterung ihre Arbeit tun, so kann man eine solch gute Meinung in dieser Hinsicht, auch wenn sie alle Grenzen bei weitem überschreitet, durchaus noch akzeptieren. Man sollte das jedoch so verstehen, dass sie gleichsam im Besitz der geistigen Körperschaft der Risale-i Nur ist und (nur auf diese Weise) in meinen Händen ruht. Wenn nun aber vor allem die Gottlosen, die irre Geleiteten (ehl-i dalalet), die Politiker (ehl-i siyaset) und die Gottvergessenen (ehl-i ghaflet), ja sogar etwas naive religiöse Leute (safi qalb ehl-i diyanet) einer Persönlichkeit zu viel Bedeutung beimessen, kurzum alle Ungerechten eine solche Persönlichkeit verderben und damit der Wahrheit und Gerechtigkeit (haqiqat) einen Schlag versetzen wollen, weil sie denken, dass ein armseliger (Mensch) wie ich die Quelle aller Lichter (Nur) sei und nun mit ganzer Kraft, danach streben, mich zu verderben, diese Lichter auszulöschen und selbst noch diejenigen, welche reinen Herzens (qalb) sind, davon zu überzeugen. Kurzum, ein Ereignis im Zusammenhang mit der nachstehenden Zweiten Fragestellung beleuchtet diese Wahrheit (haqiqat).
Zweite Fragestellung:
Während ich am zweiten Festtag (bayram) einen kleinen Ausflug in die Umgebung machte, um Luft zu schöpfen, wurde ich durch einen bedeutenden Beamten auf fünffache Art ungerechter Weise mit Angriffen verfolgt. Doch Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) in Seiner Barmherzigkeit (rahmet) und Freigiebigkeit (kerem) machte mir, um trotz all der Bände der Risale-i Nur, die auf meinem Rücken und meinen Schultern lastet und bei der Ehre und Würde, die Herz (qalb) und Seele (ruh) meiner Schüler belasten, dennoch die Ruhe zu bewahren, eine ganz außerordentliche Ausdauer und Geduld zum Geschenk (ihsan). Andernfalls hätten sie ihre Intrigen, verbunden mit der Absicht, mich in Wut zu versetzen, verwirklichen können und (aufgrund dessen) den Erfolg der Risale-i Nur und besonders auch des Großen Zeichens (Ayetu-l'Kubra) verhindert. Gebt nun Acht und hütet euch,
dass ihr euch keine Sorgen macht! Seid auch nicht ängstlich und nicht aufgeregt. Auch braucht ihr euch meinetwegen nicht zu beklagen und mich nicht zu bemitleiden. Möge die Gnade Gottes (inayet-i Ilahiyye) uns über allem Zweifeln und Schwanken, wenn auch im Verborgenen behüten und möge dadurch die Ayah
{"Aber vielleicht verabscheut ihr etwas, das gut für euch ist!" (Sure 2, 216)}
sich an uns offenbaren und durch uns bestätigt werden.
Aber auch diesmal sind ihre Pläne wieder ohne Ergebnis geblieben. Doch gibt es auch in dieser Provinz (vilayet) Menschen, die ganz unmittelbar von einer hohen Behörde (maqam) die Macht (quvvet) erhalten haben, mich zu belästigen. Wäre es möglich, sollte man daher darauf hin wirken, dass der Gerichtshof in Denizli und das Revisionsgericht in Ankara meine Überstellung an einen anderen, für mich besser geeigneten Ort veranlassen, und zwar unter dem Aspekt als Begründung, dass ich das Klima hier leider nicht vertragen kann. Da ich selbst nichts dazu tun kann, wäre es gut, wenn Freunde in Denizli, die sich mir ganz besonders verbunden fühlen, (in dieser Richtung) etwas unternehmen würden. Wenigstens sollten sie (dafür Sorge tragen), dass ich unter irgendeinem Vorwand in das dortige Gefängnis seingeliefert werde.
{"Im Namen dessen der gepriesen sei."}
Meine getreuen, standhaften und aufrichtigen Brüder!
Eine sehr wichtige Frage, die sowohl die materiellen als auch die geistigen Dinge betrifft und die ich mir sowohl
selber stelle, als sie mir auch von denen gestellt wird, mit denen ich in Verbindung stehe, ist folgende:
"Warum interessierst du dich, im Gegensatz zu allen anderen, nicht für all die vielen mächtigen (quvvet) und bedeutungsvollen (Kräfte), die dir helfen wollen? Was doch kein anderer täte? Willst du etwa damit zeigen, dass du sie gar nicht nötig hast? Und warum nimmst du die hohen Ränge (maqam) nicht an, von denen die Elite der Schüler der Risale-i Nur sich einstimmig wünscht, dass du sie doch annehmen mögest, was doch ein jeder verlangt, ja geradezu fordert und es doch auch der Verbreitung, ja dem Sieg (futuhat) der Risale-i Nur durchaus dienlich sein würde? Warum weist du das denn so heftig zurück?"
In dieser Zeit brauchen die Gläubigen (ehl-i iman) eine Wahrheit (haqiqat), die so beschaffen sein muss, dass sie für nichts in der Welt (kainat) als ein Mittel (zum Zweck) oder als Sprungbrett verwendet werden kann, dass sie durch Groll oder irgendeine böse Absicht nicht beschmutzt werden kann, dass sie sich von keinem Zweifel und von keiner Philosophie unterwerfen lässt, eine Glaubenswahrheit (iman haqiqat), die nur auf diese Art unterrichtet werden soll, damit der Glaube (iman) gegen den Angriff der Irrtümer (dalalet), die sich seit Tausend Jahren angehäuft haben, von allen Gläubigen (ehl-i iman) bewahrt werden kann.
So misst denn, von diesem Punkt aus betrachtet, die Risale-i Nur allen inn- und ausländischen Helfern und ihrer an und für sich bedeutenden Macht (quvvet) keine weitere Bedeutung bei, sucht sie nicht auf und schließt sich ihnen nicht an, sodass sie in den Augen der einfachen Gläubigen (ehl-i iman) nicht als Sprungbrett für einige Ziele des irdischen Lebens (hayat-i dunyeviye) verstanden werden kann und - da sie außer unmittelbar für das ewige Leben (hayat-i baqiye) für nichts anderes als Fahrzeug dient - ihre außerordentliche Kraft und Wahrheit (haqiqat) die angreifenden Zweifel und Unsicherheiten beseitigen möge.
Obwohl aber diese geistlichen, hochgeschätzten, von allen
Kennern der Wahrheit (ehl-i haqiqat) ersehnten leuchtenden Ränge (maqam) und Sprossen (auf der Stufenleiter) zum Ewigen (ukhrevi) Leben doch nun keinem (Menschen) schaden und dir von unseren aufrichtigen Brüdern nur in guter Absicht zugeschrieben werden, dir in deiner Aufrichtigkeit auch gar keinen Schaden zufügen, falls du sie denn annehmen möchtest, obwohl es doch dafür unwiderlegliche Beweise und Zeugnisse gibt, weichst du nicht schlicht und bescheiden vor diesen Stufen und Rängen (maqam) zurück, sondern fliehst sie heftig, ja geradezu wütend und brichst dabei deinen Brüdern, die dir diesen Rang (maqam) andienen möchten, das Herz.
So wie ein opferbereiter Mensch (ehl-i hamiyet) sein eigenes Leben (hayat) für das seiner Freunde hingibt, so muss auch ich, um das Ewige Leben der Gläubigen (ehl-i imanin hayat-i ebediye) vor gefährlichen Feinden zu schützen, falls es notwendig werden sollte (und es ist in der Tat notwendig) nicht nur diese eigenen Ränge, derer ich auch gar nicht würdig bin, nein, vielmehr auch die wirklichen Stufen eines ewigen Lebens (haqiqi hayati ebediyenin maqamlari) zum Opfer darbringen, schon um der Unterweisungen in der Liebe (ders-i shefqat) willen, die ich von der Risale-i Nur empfangen habe, aufgeben. Zu allen Zeiten und besonders in dieser unserer Zeit, vor allem aber in einem vom Egoismus (enaniyet) und einer allgemeinen Gottvergessenheit (ghaflah), wie sie an allen Irrwegen (dalalet) wächst, aufgewühlten Jahrhundert, in dem (die Menschen) sich zur Schau stellen (hodfu-rushluk) und in dem Politik und (westliche) Philosophie obsiegen, machen die hohen Ränge (maqam) in der Tat alle anderen Dinge von sich abhängig und gebrauchen sie als Sprungbrett. Ja, für die Ränge im weltlichen Leben (dunyevi maqam) werden auch noch für heilig erachtete Werte (muqaddesat) als Werkzeug gebraucht. Was aber die geistlichen Ränge (maqam) betrifft, so werden sie sogar noch mehr als Werkzeug gebraucht. So bleibt denn eine Beschuldigung (im Raum) stehen, man wolle, um sich im
Rampenlicht der Öffentlichkeit halten zu können oder aber sich für einen derartigen Rang (maqam) als geeignet zu erweisen, einige heilige (qudsi) Dienste und sogar Wahrheiten (haqiqat) als Sprungbrett und Mittel (zum Zweck) gebrauchen, wodurch auch die dabei verbreiteten Wahrheiten (haqiqat) in Zweifel gezogen und nicht mehr Ernst genommen werden. Ist dabei der Nutzen eines derartigen Ranges (maqam) für eine solche Person nur ein einfacher, so ist doch der Verlust an Ansehen in der Öffentlichkeit ein Tausendfacher.
Zusammenfassung:
Es ist aufrichtige Wahrhaftigkeit (haqiqat-i ikhlas), die mir die Dinge verbietet, die mir als ein Mittel zu Ruhm und Ehre, zu weltlichem und geistlichem Rang dienen könnten. Zwar erleidet der Dienst an der Risale-i Nur dadurch einen großen Schaden, aber, da die Quantität im Vergleich zur Qualität keine Bedeutung hat, halte ich es doch als ein aufrichtiger Diener für viel wichtiger, zehn Männer in aufrichtiger Wahrhaftigkeit (haqiqat-i ikhlas) über die Wahrheit des Glaubens (haqaiq-i imaniye) zu unterweisen, die über allem steht, als Tausende Männer in der Kraft (der Geistlichkeit) eines großen Pols (qutbiyet) rechtzuleiten (irshad).
Denn diese zehn Männer, können, wenn sie genau diese Wahrheit (haqiqat) als über allen anderen Dingen stehend erkennen und darin standhaft sind, in ihren Herzen (qalb), die den Samenkernen gleichen, zu einem einzigen Baum werden. Doch diesen tausend Mann gegenüber, wenn sie denn infolge all der Zweifel und der Einflüsterungen dieser Welt (dunya) den Unterricht durch einen Pol (qutub) als etwas betrachten, das aus "dem eigenen Rang (maqam) und den eigenen, persönlichen Eindrücken erwachsen ist" und so besiegt und wieder zerstreut werden, ziehe ich es doch vor, ein Diener zu sein, statt einen besonderen Rang (maqam) einzunehmen. Ich habe mir sogar darüber Sorgen gemacht, dass jenem gewissen Mann, der mich fünf Mal wider Recht und Gesetz an einem Feiertag gemäß dem Plan meiner Feinde belästigt hatte, nun
ein Unglück zustoßen könnte. Denn da dieser Vorfall bereits publik geworden ist, sagte ich, weil mir die einfachen Leute unmittelbar danach wunderbare Fähigkeiten (keramet) zuschreiben und einen entsprechenden Rang (maqam) verleihen könnten: "Oh Herr (Ya Rabbi), führe ihn auf den rechten (islah) Weg und gib ihm seinen gerechten Lohn! Aber lass das bitte nicht auf wunderbare (keramet) Weise geschehen!" in diesem Zusammenhang möchte ich noch Folgendes erklären:
Ich entdeckte dieses Mal in den Briefen der Schüler, die uns vom Gericht wieder zurückgegeben worden waren, noch einen Brief mit vielen Unterschriften. Vielleicht findet er sich unter den gesammelten Briefen (lahiqa) wieder. Er handelte vom Segen, den die Schüler der Risale-i Nur bei ihrem Lebensunterhalt (erfahren haben), während andere eine Ohrfeige (zu ihrer Ermahnung) empfingen. Es besteht hier kein Zweifel daran, dass auch in Kastamonu einige solche Ohrfeigen bekommen haben. Und auch hier haben fünf Leute solche Ohrfeigen empfangen.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Meine lieben getreuen Brüder! Seit ein paar Monaten sind einige der Ränke, die man gegen mich geschmiedet hatte, sichtbar geworden. Unter Gottes Schutz (hifdh-i ilahi) hat sich dieses Unheil auf ein Zwanzigstel verringert. Ich pflegte nämlich in der freien Zeit (zwischen den Gebeten) in die Moschee zu gehen. Ohne mich zu fragen haben die Schüler im inneren Gang (mahfel) dieser Moschee einen Unterschlupf eingerichtet, damit ich nicht frieren solle. Doch nach vier, fünf Tagen habe ich mich schließlich selbst dazu entschlossen, nicht mehr
dorthin zu gehen. Jener gewisse Offizier veranlasste aber nun, dass mein Unterschlupf (in dieser Moschee) wieder abgerissen wurde, worauf mir offiziell mitgeteilt wurde, dass ich nicht mehr in diese Moschee zu gehen habe! So bliesen sie ein Korn zu einer Kuppel auf und lösten dadurch eine Panik aus. Doch war (diese ganze Angelegenheit völlig) ohne jede Bedeutung. Macht euch also deshalb keine Sorgen. Nach meiner Meinung wollen sie mich mit irgendwelchen vorgeschobenen Gründen provozieren, damit dann in der Folge die Begeisterung der Leute, die ohnehin weit über das hinaus geht, was mir zusteht, umschlagen zu lassen. Sie denken dabei an die Zeit des alten (Said), als ob ich (ihre Schikanen) nicht (länger mehr) ertragen könnte. Ich würde jedoch, vorausgesetzt, dass dadurch die Sicherheit (selamet) und (die weitere) Verbreitung der Risale-i Nur nicht gestört wird, müsste ich auch jeden Tag selbst Tausende Provokationen und Schikanen über mich ergehen lassen, Gott dennoch Dank sagen. Und so wie ich selbst (diesen Dingen) keine Bedeutung beimesse, lassen sich auch meine Schüler hier durch nichts erschüttern. Denn die Dinge, die wir schon seit langem erwartet hatten, sind durch Gottes Gnade (inayet-i Ilahiyye) noch recht glimpflich abgelaufen.
Wir grüßen (selam) alle Brüder, jeden einzelnen von ihnen und beten (dua) für sie.
Ein Brief des Meisters (Ustadh), in dem zusammengefasst die Intrigen derer erklärt werden, durch welche die Schüler von der Risale-i Nur abspenstig gemacht werden sollen, und behandelt, wie man diese beantworten sollte.
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Meine lieben getreuen Brüder!
Ich habe eine machtvolle (quvvet) innere Ermahnung erhalten, euch nochmals eine ganz besonders wichtige Angelegenheit darzulegen (ich habe euch diese Angelegenheit schon früher einmal kurz zusammengefasst erklärt). Es ist dies wie folgt:
Heuchler, die uns feindselig gesinnt sind, haben es bisher immer hinter einem Deckmantel so gemacht, dass sie das Recht, die Politik und die Regierung als Mittel für ihre ganz offensichtliche Gottlosigkeit missbraucht haben. Doch sind sie mit ihren Angriffen gegen uns gescheitert. So haben sie denn von ihren früheren Plänen abgelassen, was denn zu einem Sieg (futuhat) der Risale-i Nur beigetragen hat. Doch schmieden sie nun schon wieder neue, noch verlogenere (munafik) Pläne, die selbst noch den Teufel in Erstaunen versetzen, deren Spuren bereits hier bei uns zu erkennen sind. Der wichtigste Grundsatz dieser Pläne besteht darin, unsere aufrichtigen und standhaften Brüder dazu zu bringen, in ihrem Eifer für die Risale-i Nur lau und (abständig) zu werden, und (ihren Dienst an ihr) so weit wie möglich aufzugeben. In dieser Hinsicht gebrauchen sie derart merkwürdige Lügen und Intrigen, dass unsere tapferen Schüler wie die in Isparta und Umgebung in ihrer Fabrik für Licht (Nur) und Rosen eine eiserne, ja eine stahlharte Ausdauer, Treue und Festigkeit (metanet) benötigen, um noch dagegen standhalten zu können.
Manche schleichen sich auch in der Gestalt von "Freunden" ein und versuchen dann, ein Korn zu einer Kuppel aufzublähen, um Verdacht zu erregen und sie so weit wie möglich einzuschüchtern. "Gebt acht und hütet euch wohl! Kommt diesem Said nicht zu nahe! Die Regierungsbehörden beobachten ihn bereits!" (Auf diese Weise) versuchen sie die Schwächeren (unter uns) abspenstig zu machen. Ja, einige jüngere Schüler hat man sogar durch ein paar junge Mädchen belästigt, die sie mit ihren Reizen ködern sollten. Selbst den Stützen der Risale-i Nur führt man alle meine Fehler und Schwächen vor Augen, führt ihnen dabei zugleich einige bedeutende Persönlichkeiten unter den nach außen hin frommen Ketzern (ehli-l bid'a) vor Augen, die von sich aus sagen: "Auch wir sind Muslime. Der Glaube (din) beschränkt sich nicht allein auf diesen Said und seine (angebliche) Berufung." Sie machen unter einem Deckmantel Front gegen uns und gebrauchen diese gutgläubigen Religionsdiener (ehl-i diyanet) und Hodjas als Werkzeug für ihre gottlosen und anarchistischen Interessen. Möge Gott es wollen (insha-a'llah), dass auch diese Pläne zum Scheitern verurteilt bleiben! Dabei sagen diese Schufte auch noch:
"Auch wir sind Schüler der Risale-i Nur. Auch Said ist ein Schüler wie wir. Quelle, Ursprung und Grundlage der Risale-i Nur ist der Qur'an. Zwanzig Jahre Forschung und (kritische) Beobachtung haben selbst noch dem hartnäckigsten Gegner ihren Wert und ihre Überlegenheit bewiesen. Dieser Said, was immer er auch sein (hal) mag, ist nichts anderes als ihr Interpret und ihr Diener. Und sollte auch dieser Said - ich nehme meine Zuflucht zu Gott (El'iyazubillah)! - sich selbst gegen die Risale-i Nur wenden, so möge doch Gott es wollen (insha-a'llah), dass unsere Treue und unsere Verbundenheit dadurch nie erschüttert wird." So sagen sie und damit könnt ihr nun die Türe schließen! Doch (bleibt es weiterhin) notwendig, so weit möglich, sich mit der Risale-i Nur zu beschäftigen; wer kann, möge sie abschreiben; dieser übertriebenen
Propaganda sollt ihr gar keine Beachtung schenken; doch stets wie auch früher schon dabei stets umsichtig bleiben!
Alle unsere Brüder grüßen (selam) wir, jeden einzelnen von ihnen, und beten (dua) für sie.
Diejenigen, welche die Politik als ein Mittel für ihre Glaubenslosigkeit gebrauchen, um so jegliche Zuwendung, allen Eifer und auch die Brüderlichkeit (uhuvvet) seitens der Islamischen Welt (Alem-i Islam) zu brechen und stattdessen deren Abscheu zu erregen, obwohl sie doch in unserem Lande die stärkste Kraft (quvvet) unseres Volkes ist, möchten unter einem Deckmantel einen absoluten Unglauben (kufr-u mutlaq) in ihm einpflanzen, dabei auch noch die Regierung täuschen. Bereits zwei Mal haben sie die Justiz in die Irre geführt und dabei gesagt: "Die Schüler der Risale-i Nur machen aus ihrer Religion (din) ein Werkzeug für ihre Politik und es besteht die Möglichkeit, dass sie so die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden." Denn dreiunddreißig Ayat im Qur'an weisen darauf hin, Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, bestätigt (tahaqquq) mit drei wunderbaren (Hinweisen) aus dem Verborgenen (keramet-i ghaybiye) und Ghaus-i Adham gibt uns definitiv Bericht, dass die Risale-i Nur für dieses Land (memleket) im materiellen wie im geistlichen (Sinn) ein Segen (bereket) ist, ihm in ganz außerordentlicher Weise von Nutzen ist und für die gesamte Islamische Welt (Alem-i Islam) alle Wahrheiten (haqaiq), die sie betreffen, in sich enthält. Mit der Politik hat sie jedoch nichts zu tun. Da sie jedoch den totalen Unglauben (kufr-u mutlaq) zerbricht, vernichtet sie zugleich auch jene Anarchie, die sich unter diesem totalen Unglauben (kufr-u mutlaq) und die ebenso totale Despotie, die sich über ihm befindet und widerlegt ihn von Grund auf. Das garantiert für Frieden, Freiheit,
Sicherheit und Gerechtigkeit. Deshalb auch sollte man die Risale-i Nur nicht angreifen, unter dem Vorwand, sie könne eine Gefahr für Staat und Regierung bilden. Nun kann niemand mehr unter diesem Vorwand einen anderen dazu bewegen, so etwas zu glauben. Aber vielleicht werden ja nun die Heuchler (munafiq), nachdem sie erst einmal den Standort gewechselt haben, versuchen, unter dem Deckmantel ihres Glaubens (din) ein paar einfältige Hodjas, Anhänger irgendeiner Ketzerei (bid'a) oder irgendwelche engstirnige Verfechter eines Sufi-Gedankens (meshreb) mit der ihnen eigenen Schlauheit, wie vor zwei Jahren in Istanbul und in der Umgebung von Denizli gegen die Risale-i Nur einzusetzen. Möge Gott es wollen (insha-a'llah), dass sie damit keinen Erfolg haben!
Ich denke, dass jetzt die Zeit gekommen ist, oder aber es jetzt Zeit wird, dass die Risale-i Nur, hinsichtlich ihrer Aufgabe als geistliche (manevi) Retterin dieses gesegneten Landes im Druck zu erscheinen beginnt, sodass man nun unterrichten (ders) kann, um so das Übel dieser beiden fürchterlichen inneren (manevi) Haltungen abzuwehren.
Bei diesen fürchterlichen Übeln geht es zum Ersten darum, dass man in der Risale-i Nur eine Art Wall sieht, vom Qur'an gebildet, in etwa Dhu-l'Karneyns Wall vergleichbar, der die Aufgabe (vazifah) hat, die aus dem Norden aufsteigende abscheuliche Flut einer Glaubenslosigkeit (aufzuhalten), welche das Land (vatan) innerlich (manevi) überschwemmt und jene Anarchie hervorruft, die den christlichen Glauben (din) besiegt.
Zum Zweiten stieg in meinem Herzen (qalb) der Gedanke auf, dass es jetzt notwendig geworden ist, in gedruckter Sprache zu reden, um alle diese so schwerwiegenden Kritiken und Anschuldigungen der Islamischen Welt (Alem-i Islam)
gegen die Bewohner dieses gesegneten (mubarek) Landes (vatan) ausräumen zu können.
Ich kenne zwar nicht die Lage (hal) in dieser Welt (dunya), doch so wie die Wahrheiten (haqiqat) der Risale-i Nur gleich einer Burg sind, die sich dem Einbruch dieser fürchterlichen Strömung (entgegen stellt), die bereits ganz Europa überschwemmt hat und dort herrscht und sich keineswegs auf eine der vom Himmel geoffenbarten Heiligen Schriften (Edyan-i Semaviye) stützt, ist (die Risale-i Nur) zugleich auch ein Wunder des Qur'an, der in dieser gegenwärtigen Lage (hal) das Fahrzeug ist, um die Einwände und Anschuldigungen aus der Islamischen Welt (Alem-i Islam) und dem ganzen asiatischen Kontinent zu entkräften und ihre Freundschaft (muhabbet) und Brüderlichkeit (uhuvvet) von Altersher nun wiederherzustellen. Jetzt müssten aber noch alle vaterlandsliebenden Politiker in diesem Land (vatan) und dieses Volkes ganz schnell die Risale-i Nur offiziell drucken lassen, um sich so vor diesen beiden Übeln {Der Kommunismus (als Idee, Partei oder Staatsform) und die Kritik aus der Islamischen Welt am türkischen Volk. (A.d.Ü.)} schützen zu können.
Meiner inneren Eingebung folgend fühlte ich mich plötzlich gezwungen zur Feder zu greifen
{"Im Namen dessen der gepriesen sei."}
Meine lieben Mitbrüder!
Nun hat es sich also doch noch bestätigt (tahaqquq): man hatte heimlich Pläne geschmiedet, mich ganz offiziell zu provozieren und zu beleidigen, um (letztendlich) das allgemeine Interesse und Wohlwollen der Leute mir gegenüber zunichte zu machen. Sie haben sich - unter einem Deckmantel - darum bemüht, jedwede Freundschaft zu unterkühlen und in Abneigung (zu verwandeln). Dem entgegen hat aber das "Siegel der Bestätigungen aus dem Verborgenen (Sikke-i Tasdik-i Ghaybi)" all ihre Propaganda vollständig über den Haufen geworfen. Derartige Beleidigungen im Interesse der Glaubenslosigkeit beunruhigen mich zwar in gewissem Grade und gehen mir auf einige Nerven, die noch von dem Alten Said übrig geblieben sind. Die wunderbaren Siege (futuhat) der Risale-i Nur und ihre Schüler werden jedoch in den Augen der Kenner der Wahrheit (ehl-i haqiqat) und von Seiten der Engel und der Geister (ruhani) mit Ehrerbietung und in aller Güte (merhamet) entgegen genommen, wo hingegen für alle Schikanen und Beleidigungen, die man meiner Person entgegen bringt, noch nicht einmal die Bedeutung eines Fliegenflügels übrig bleibt. Da aber nun eine Verletzung der Ehre der Gläubigen (ehl-i din) und der Theologen (ehl-i ulum-u diniye) durch diese unglückseligen Provokatöre (ehl-i ihanet) vom religiösen (din) Standpunkt aus ein Verrat (ihanet) am Glauben (din) ist, sind sie in den Augen der Engel und Geister (ruhani), aller Leute des Glaubens und Kenner der Wahrheit (ehl-i iman ve ehl-i haqiqat) verflucht
und können sich dafür nur noch von einem unter Tausend ehrlosen Schuften und Gottlosen ein Lob verdienen. Diese Unglückseligen denken, sie könnten das Ansehen der Risale-i Nur dadurch schmälern, dass sie mich beleidigen, weil sie meine Person für deren Quelle halten und greifen daher meine Person an, weil sie törichter Weise denken, sie könnten das Ansehen der Risale-i Nur zu Fall bringen, indem sie mich zu verderben (trachten).
Dem entgegen sage ich: Oh ihr Unglückseligen, die ihr mich um eurer Glaubenslosigkeit willen quält und beleidigt! Ich kann euch mit absoluter Gewissheit versichern: wenn ihr nicht bald bereut, wird es für euch keinen Ausweg mehr geben, der zu eurer Errettung führt. Dich wird der Henker des Todes an den Galgen bringen und dein Todesurteil wird für die Ewigkeit sein. Danach wird deine böswillige Seele zu einer ewigen Einzelhaft verurteilt bleiben und du wirst nur noch den Abscheu der Gläubigen (ehl-i iman) und der Geister (ruhani) und ihren Fluch gewinnen können! Solltest du aber nicht bereuen, so weiß ich doch, dass dich meine Rache in vielfältiger Form ereilen wird; nicht etwa, weil ich wütend bin, ich habe vielmehr Mitleid mit dir.
Es können jedoch solche wie du, die noch nicht einmal die Bedeutung einer Fliege haben, aber die Risale-i Nur (am liebsten) verstecken möchten, deren Einfluss auch nicht um ein Stäubchen vermindern. Da bereits hundert Tausende durch sie ihren Glauben (iman) gerettet haben, erweisen sie ihr mit Herz und Verstand (ruh-u djanla) jegliche Achtung und alle Verehrung. Was jedoch das Leiden meiner eignen Person betrifft, so kann ich euch mit absoluter Gewissheit versichern: sollte ich auch in meinem Leiden für ein, zwei Minuten in Wut geraten, so finde ich doch sehr schnell wieder etwas, das mich tröstet. Und sollten sich auch eure Schikanen und eure Beleidigungen noch um das Tausendfache steigern, so können sie mir dennoch diesen Trost nicht rauben. Denn die Risale-i Nur hat uns mit absoluter Sicherheit zu der Entdeckung (keshf-i kat'i) geführt, dass diejenigen die uns aufgrund ihrer Glaubenslosigkeit
angreifen, als eine immerwährende Strafe in Einzelhaft (im Grabe) und ihre Hinrichtung für ewig, die (gleichen) Schikanen (an sich) erfahren werden. Die Schüler aber, die durch die Risale-i Nur ihren Glauben (iman) gerettet haben, werden im Tode ihren Entlassungsschein und ihren Eintrittsschein zur Ewigen Seligkeit in Empfang nehmen und für ewig Ehren, Gottes Barmherzigkeit (merhamet) und Seine (unendliche) Freigiebigkeit (ikram) erfahren. Das haben wir den (westlichen) Philosophen mit Tausenden von Beweisen klar gemacht und sie so zum Verstummen gebracht.
Desgleichen ist auch der Neue Sa'id gleich wie der Alte Sa'id mit Bestimmtheit gegen alle Auszeichnungen und Bekundungen von Zuneigung, die er erlangen könnte, den Ruhm und die Ehre, die er für sich gewinnen könnte und er nimmt (dergleichen) auch nicht an. Zwanzig Jahre lang hat er deswegen ein Einsiedlerleben vorgezogen.
Wollt ihr nun im Namen von Sicherheit und Ordnung einen derartigen Einfluss hintertreiben und euch darum bemühen, ihn in den Augen der Allgemeinheit zu verderben, so begeht ihr einen sehr großen Fehler... Denn in zwei Jahren haben drei Gerichte in den einhundertundzwanzig Werken eines zwanzigjährigen Lebens und bei hundertundzwanzig Tausend Schülern der Risale-i Nur nichts finden können, was Anlass zu einem Aufstand hätte geben können und Grund genug gewesen wäre, sie dafür zur Verantwortung zu ziehen und was gegen Volk und Land (hätte verwendet werden können). Darauf weisen unser Freispruch und die Rückgabe sämtlicher Bände der Risale-i Nur hin. Darum kann ich euch hier mit absoluter Sicherheit erklären: Ihr, die ihr uns aufgrund eurer Glaubenslosigkeit unter Druck setzen wollt, die ihr gegen alle Sicherheit und Ordnung des Volkes und im Lande (vatan) und für die Anarchie seid und mich wegen dieses fürchterlichen Fremden in die Enge treiben, Unruhe verbreiten wollt und eine Überflutung (mit seinen gottlosen Ideen) wünscht... Darum auch sind mir alle diese Schikanen und Beleidigungen keine fünf Para wert. Ich habe mich nun einmal dazu
entschlossen, zum Zweck der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung auch weiterhin ruhig und geduldig zu bleiben. So wie die Welt (dunya) mit Sicherheit nicht ewig besteht, so ist auch das, was sich in ihr ereignet von Stürmen und einem ewigen Wechsel bestimmt. Einige Verbrechen, die nur wenige Stunden in Anspruch nehmen, ziehen Tausende Zaqqum (: Höllenbäume) nach sich, die voll hängen mit Strafen in dieser und in jener Welt (dunyevi ve uhrevi). Dann werdet ihr hundert Tausend Mal vergeblich darüber seufzen und wehklagen. Wie ich bereits den staatlichen Behörden und den Staatsanwälten, die sich (mit unserem Fall) beschäftigen, geschrieben habe, so sage ich auch euch, oh ihr Unglückseligen:
Wir bemühen uns darum, durch die Risale-i Nur die beiden größten Gefahren für dieses Land (memleket) und seine Zukunft (istiqbal) zu beseitigen... Und tatsächlich beweisen wir dies mit vielen Beispielen und teilweise sogar noch vor Gericht.
Denn als Erstes müssen wir in diesem Lande (memleket) gegen die Gefahr einer Anarchie, die mit aller Macht von außen in es einzudringen versucht, einen Wall errichten.
Als Zweites muss man den größten Stützpfeiler dieses Landes (memleket) absichern (temin), indem man den Abscheu von dreihundertundfünfzig Millionen Muslime (gegenüber den Türken) in Brüderlichkeit umwandelt.
Dem Polizeipräsidenten in Afyon sage ich: Herr Präsident! Warum bleiben Sie dermaßen gleichgültig, obwohl sich doch in dieser Welt (dunya) so viele ungesetzliche, noch dazu völlig sinn- und zwecklose Angriffe wie nie zuvor gegen mich richten? Dafür ein Beispiel: Obwohl ich doch, nur um am Gemeinschaftsgebet teilnehmen zu können, in eine ansonsten leer stehende Moschee gegangen bin, in der ich dann außer ein, zwei Männern niemandem erlaubt habe, zu mir zu kommen, hat man mir ganz offiziell gesagt: "Sie dürfen diese Moschee unter gar keinen Umständen betreten!" Auf welches Gesetz (kanun) stützt sich in meiner Einsamkeit, meiner Krankheit, in meinem
Alter und in all meinem Kummer eine derartige Schikane? Und zu welchem Zweck sollte das dienen? Irgendjemand hatte, ohne dass ich etwas davon wusste, irgendwo in diesem Moschee-Gebäude mit ein paar Brettern und einer Matte einen Unterschlupf für zwei Leute gebastelt, damit ich nicht frieren solle. Doch nach welchem Gesetz hat man denn nun für mich selbst daraus eine derart bedeutende Angelegenheit gemacht und alle Leute deswegen dermaßen in Panik versetzt? Und wozu sollte das gut sein, das frage ich mich.
Ich habe denen, die mich auf diese Weise schikanieren, gar keinen Vorwand dafür geliefert. Nur die allgemeine Zuneigung, die mir die Leute entgegenbringen, benutzen sie als solch einen Vorwand und fragen sie: "Warum erweist ihr diesem Verbannten eine solche Ehre?" Ich aber sage ihnen:
Alle meine Freunde wissen, dass ich für meine Person keine Verehrung und keine öffentliche Zuwendung wünsche, sie vielmehr zurückweise. Doch obwohl ich alle noch so freundlichen Gedanken nicht akzeptiere, mit denen mich andere bedenken (frage ich mich dennoch): welches Gesetz macht mich dafür verantwortlich? Wenn andere mir entgegen meinem Wissen und Wollen all ihre guten Gedanken entgegenbringen, warum schikaniert man mich dann? Einmal den unmöglichen Fall angenommen, dass diese allgemeine Zuwendung eine öffentlich anerkannte Tatsache wäre, so wäre dies trotzdem allein zum Wohle des Landes (vatan) und nicht etwa zu seinem Nachteil. Und würde auch ich ein Stückchen davon annehmen, worin läge denn dann das Übel, wenn ich in meinem Alter, meiner Krankheit, hier in der Verlassenheit und Kälte meiner Kammer, in dieser schrecklichen Einsamkeit meiner Zelle, um nun die doch einmal notwendige Hilfe zu erhalten, die Freundschaft von ein, zwei Menschen akzeptieren würde? Was für ein Gesetz sollte das verbieten. Was für ein Gesetz gibt es denn, das es nicht erlaubte, dass außer einigen Kindern irgendjemand Verbindung mit mir aufnimmt?
Da aber diese kindlichen Arbeiter mir nicht zu jeder Zeit zur Verfügung stehen, kann ich selbst mich nicht um meine Angelegenheiten kümmern. Es wäre demnach auch die Pflicht der Polizei, der Regierung und aller staatlichen Organe, in dieser abscheulichen Lage derart notwendige Dinge im Auge zu behalten. Ich teile Ihnen dies mit, um Sie darauf aufmerksam zu machen, dass (diese Angelegenheit) ein ernsthaftes Interesse (verdient)!
Said Nursi
{"Im Namen dessen der gepriesen sei."}
Meine lieben getreuen, glücklichen Brüder! Entstanden im roten Russland speit ein rotes Feuer rote Funken, das nun in dieser Stadt, die unsere Welt (dunya) ist, einen Bezirk nach dem anderen umfängt, ihn ganz und gar verbrennt, dabei an einigen Orten Feuer der Unruhe und der Spaltung (in der Bevölkerung) verbreitet und zugleich dem Bruder zuruft: "Töte deinen Bruder!" und am Ende die christliche Welt (Alem-i Hiristiyaniye) völlig verbrennt und danach seine Ernte worfelt (und so die Spreu vom Weizen trennt), sodann nun auch jenen Bezirk umgibt, der die islamische Welt (alem) ist, sodass nun sein Funkenregen bis zu den Dachrinnen unserer Häuser empor stiebt, was ein großes und überaus fürchterliches Übel ist, gegen welche gewaltige Feuersbrunst, diesen Komunismus aber, die Risale-i Nur die Aufgabe (vazifah) einer Feuerwehr übernommen hat, welche für alle Muslime und die ganze Menschheit die größte, ja die einzige Burg und ihr größter Zufluchtsort ist.
Oh ihr, die ihr vom rechten Weg, den euch der "Stolz der Welt (Fahr-i Alemin)" gezeigt hat, abgeirrt seid! Die ihr euch in eurem Stolz auf die vergänglichen Güter dieser Welt (dunya) verliert! Oh ihr, die ihr vor dem Licht des Qur'an flieht, aus Furcht, es könne "unserer Welt (dunya) einen Schaden zufügen"! In einer Zeit, in der das Feuer des absoluten Unglaubens (kufr-u mutlaq) uns umfängt, könnt ihr euch einzig und allein noch retten, indem ihr unter den lichtvollen Schutzdächern der Risale-i Nur, welche die festeste und stärkste Burg ist, unzerstörbar und unerschütterlich, eure Zuflucht sucht und in ihren heiligen (qudsiye) Kreis eintretet... Dann werdet ihr den Tod, von dem ihr glaubt, er sei eine Hinrichtung für ewig, in ein bleibendes Leben (hayat-i baqiye) umwandeln. So werdet denn auch ihr, indem ihr die gesegnete Interpretation des Lichtes (Nur), seine gesegnete geistige Körperschaft (mubarek shahs-i manevi) und die Beispiele für seine Gebete (dua)
{"Bewahre uns und bewahre unsere Eltern und bewahre auch die Schüler der Risale-i Nur und deren Eltern vor dem Feuer!"}
annehmt und durch sie geheilt werdet und stets die Risale-i Nur weiter lest, gleich mir, der ich mich vor diesen fürchterlichen geistigen Krankheiten gerettet habe, in diesen gesegneten heiligen (qudsiye) Kreis eintreten, euch vor jeglichem Kummer in dieser und dem Feuer in jener (dunyevi ve ukhrevi) Welt retten und ihr werdet auch eure Kinder und eure ganze Familie, für die ihr ja eine Art Hirten seid, und ihr werdet so auch all eure Lieben retten können. Und indem ihr an dem "Licht (Nur)" mitarbeitet, werdet ihr alle, jeder einzelne von euch, an Leib, Leben und Seele Heil (felah), Segen und Glückseligkeit erfahren! Für diese Wahrheit sind Millionen von Nur-Schülern, die (dieses Glück an sich erfahren haben), zu Zeugen (shahit) geworden.
Oh ihr Schüler des Lichtes (Nurdjular)! Für diese ewige Huld, die Gott euch geschenkt (ihsan) hat, sollt ihr euer
Haupt in (der knieenden Haltung eurer stets) dankbaren Verbeugung vor Gott (sedjde-i shukran) nicht mehr erheben! Lasst euch auch durch die nächtliche Kälte (nicht von eurer Arbeit) abhalten! Erhebt euch auch in den gesegneten Stunden der Nacht und erweist unserem allbarmherzigen Herrn (Rabb-i Rahim), von dessen Huld und Beistand ihr niemals und nirgends ausgeschlossen seid, eure Dankespflicht (vazife-i shukr). Und zittert auch nicht und fürchtet euch nicht vor erschütternden Ereignissen, wie sie vor Sorge um die Zukunft vor den Geist treten und worauf schon so manche hereingefallen sind. Seid Zeugen (mushahede) der Wunder dieses heiligen Lichtes (qudsi keramat) und seiner Hilfe! Die Welt (dunya) ist vergänglich. Und könnte man auch Tausend Jahre leben, so ist das doch im Vergleich zu einem ewigen (baqi) Leben im Jenseits (hayat-i ukhreviye) nur ein Nichts-über-Nichts. Doch obwohl sie nur vergänglich (fani) ist, so ist sie doch auch ein Acker, der ewig bleibende (baqi) Früchte eines ewigen Lebens (baqi hayat) hervorbringt. Lasst euch durch heftige Stürme und stürmisches Wetter nicht erschüttern und in Angst versetzen! Bestellt also diesen Acker mit einer Fülle segenreicher, lichtvoller und errtragreicher Lichtsamen! Denn: "wer bestellt, der erntet" heißt eines unsrer bedenkenswerten Sprichwörter.
Oh ihr Schüler des Lichts (Nurdjular)! Lasst euch durch die Angriffe der Feinde des Glaubens in gar keiner Weise erschüttern! Verliert niemals euren Mut, sondern arbeitet, arbeitet, arbeitet! Seid völlig davon überzeugt, dass die Fürsprache des Lichtes (Nur), das Gebet des Lichtes (nurun duasi) und der Segen des Lichtes (nurun himmeti) euch retten wird!
Mustafa Osman
{"Im Namen dessen der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Die Aussage: "Wir hatten doch immer gedacht, dass es in dieser Provinz (vilayet) hinsichtlich des Glaubens (din) zu Unruhen (unter der Bevölkerung) kommen würde.", die der Herr Staatspräsident neulich in Afyon gemacht haben soll, ist ein Beweis dafür, welch weiten Umfang der Plan gehabt hat, den man im vergangenen Winter gegen mich in böser Absicht geschmiedet hatte und der dann durch Gottes Güte (inayet-i Ilahiyye) und mit Hilfe eurer Gebete (dua) und meine eigene Geduld und Ausdauer schließlich doch noch gescheitert ist.
Das aber heißt (nichts anderes), als dass ein Geheimkomitee mich in die Enge treiben wollte, um (auf diese Weise durch mich irgendeinen) Vorfall (hadithe) provozieren zu können. Doch alle Qual dieser Provokationen und einer Unterdrückung, die mir in ihrer ganz und gar ungesetzlichen und willkürlichen Art heftig auf die Nerven gehen und sich im Sinne der Einmischung eines gewissen Ausländers (Stalin?) mitten unter den Muslimen und (allen meinen) Landsleuten (ereignen, ist in Wirklichkeit doch nur für sie selbst und zwar noch) in dieser Welt (dunya) ein vollständiger Verlust, in jener Welt (akhirah) aber ein Höllenpfuhl (djehennem) und ein Land für die Verlierer (sakar). Wir aber werden noch in dieser Welt (dunya) den Sieg erhalten, einen vollkommenen Lohn erwerben und - möge Gott es wollen (insha-a'llah), dass wir auch in jener Welt (akhirah) das Paradies (djennet) und das Wasser aus dem Kauthar-Strom verdienen werden. Das aber heißt, dass der Präsident und der Ministerrat diesen geheimen Plan wohl geahnt haben müssen, sodass nun hier alle Beamten, ja sogar der Gouverneur (vali), der Landrat (kaymaqam) und die Polizei jede Begenung mit mir vermeiden und einem Gespräch mit mir aus dem Wege gehen. Das hat mich doch
sehr erstaunt! Dass wir jedoch in unseren Händen nur ein Licht (Nur) halten und sich da keine Keule findet, das haben sogar diejenigen verstanden, die auch nur ein Fünkchen Verstand besitzen. Merkwürdig ist nur, dass diejenigen Beamten, die sich doch eigentlich am meisten um mich kümmern sollten, gegen mich gebraucht und eingesetzt werden.
Ihr Nur-Schüler, ihr müsst sehr umsichtig, aufmerksam und besonnen sein! Denn es gibt geistige Unwetter und einige hinterlistige Heuchler können sich überall einschleichen. Und obwohl sie sich in ihrer Glaubenslosigkeit für die absolute Despotie einsetzen, treten sie in die demokratische Partei ein, um sie zu verderben, ihre Geheimnisse zu erfahren und zu vernichten.
Übringens möchten wir zu der Absicht von Salahaddin, den "Stab Mosis (Asa-yi Musa)" einem Amerikaner zu geben, sagen: "Alle Missionare, die Priester der Christen und die Nurdjus müssen äußerst vorsichtig sein. Denn in jedem Fall wird sich die nördliche Strömung (die Bolschewisten?) darum bemühen, jeden Einigungsversuch zwischen den Missionaren und dem Islam zu unterbinden, in dem Gedanken, sich vor einem Angriff der islamischen und der christlichen Religion (din) schützen zu müssen. Sie wird sich gegenüber den einfachen Volksschichten tolerant verhalten und die Muslime dadurch hinters Licht führen, dass sie die Bourgeoisie von ihrer Willkürherrschaft zurückhält und sie dazu auffordert, den einfachen Leuten dadurch zu helfen, dass sie ihrer Pflicht (nachkommen), die Armensteuer (vudjub-u zekat) entrichten und sich an das Verbot (halten), Zinsen (hurmet-i riba) zu nehmen. (Auf diese Weise erhalten die Bolschewisten von den Muslimen ihre) Privilegien und wissen (sodann selbst, die Muslime) auf ihre Seite zu ziehen." Doch wie dem auch sei: da habe ich doch nun um euretwillen meine Grundsätze gebrochen und einmal einen Blick auf diese Welt (dunya) geworfen.
Während in diesen drangvollen Zeiten meine Seele (nefs) mich quälte, haben die folgenden Gedanken sie in Dankbarkeit verstummen lassen. Diesen Text, den ich hiermit für euch beifüge, damit er auch euch von Nutzen sein möge, habe ich über meinem Kopfende aufgehängt.
1 - Oh meine Seele (nefs)! Bereits dreiundsiebzig Jahre lang hast du mehr als neunzig Anteile der Genüsse von hundert Menschen bereits bekommen. Einen Anspruch auf mehr hast du nicht.
2 - Du suchst in den augenblicklichen, vergänglichen (ani ve fani) Genüssen nach Beständigkeit (beqa). Darum fängst du nun über ihrem Vergehen an zu weinen. Zu deinen blinden Gefühlen hinzu bekommst du nun noch eine Ohrfeige für deine Verfehlungen. Für eine Minute des Lächelns weinst du jetzt zehn Stunden lang.
3 - Auf dem Grunde all der Ungerechtigkeiten und Unglücksfälle, die über dich gekommen sind, liegt die Gerechtigkeit göttlicher Vorausschau (qaderin adaleti). Menschen behandeln dich ungerecht für Dinge, die du nie getan hast. Doch Gottes Vorausschau (qader) erzieht dich aufgrund deiner verborgenen Fehler durch die Hand dieser Unglücksfälle und macht zugleich aus ihnen auch eine Buße für deine Fehler.
4 - Zudem bist du, meine ungeduldige Seele (nefs), nun zu der festen Überzeugung gelangt, dass hinter allen augenscheinlichen Unglücksfällen letztendlich viele süße Früchte der göttlichen Gnade (inayet-i Ilahiyye) verborgen lagen.
{"Es könnte doch sein, dass du ein Ding verabscheust und es ist dennoch gut für dich!" unterrichtet in einer absolut sicheren Wahrheit (haqiqat)}.
Erinnere dich stets an diese Lektion! Zudem kann das Gesetz Gottes (kanun-u Ilahi), um welches das Universum kreist, - dieses so weitläufige Gesetz göttlicher Vorausschau (kanun-u qaderi) - nicht auf deinen Wunsch hin geändert werden!
5 - Mache dir diesen heiligen (qudsi) Grundsatz: مَنْ اٰمَنَ بِالْقَدَرِ اَمِنَ مِنَ الْكَدَرِ {"Wer von Gottes Vorausschau überzeugt ist, fühlt sich sicher von allen Sorgen."} zu deinem Wegweiser! Lauf nicht wie unverständige, spielende Kinder hinter vorübergehenden, bedeutungslosen Lustbarkeiten her! Denke immer, dass dir von diesen vergänglichen (fani) Genüssen nur innerliche (manevi) Qualen und ein Bedauern zurückbleiben! Was aber all die Qualen und Schmerzen betrifft, so schenken sie dir im Gegenteil innerliche (manevi) Freuden und einen Lohn im Jenseits (ukhrevi sevab). Wenn du nicht töricht sein willst, so solltest du nach allen vorübergehenden Freuden nur streben um deiner Dankbarkeit willen. Denn diese Freuden werden dir nur um deiner Dankbarkeit willen gegeben.
{"Im Namen dessen der gepriesen sei!"}
Mein lieber, sehr geehrter Bruder!
Ihr hochgeschätzter Brief war so lang, umfangreich und ausführlich wie eine ganze Abhandlung. Ich fand ihn überaus fesselnd und habe ihn mit großem Interesse gelesen! Um sogleich damit zu beginnen, möchte ich Ihnen folgendes erklären:
Der Meister, der in seiner Kasside "Djeldjelutiye" mit verschlüsselten Hinweisen der Risale-i Nur eine sehr große
Aufmerksamkeit zuwendet, und der zugleich mein eigener Lehrer in Glaubenswahrheiten ist, ist Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge.
{"Sag: Ich verlange von euch keinen Lohn außer eurer Freundschaft zu meinen Verwandten." (Sure 42, 23)}
Der Aussage dieser Ayah entsprechend ist die Liebe (muhabbet) zur Familie des Propheten (Al-i Beyt) ein Grundsatz der Risale-i Nur und für den Weg, dem wir folgen (meslek). Und der Leitgedanke (damar) der Wahhabiten darf unter den wahrhaftigen Schülern der Risale-i Nur unter gar keinen Umständen Anklang finden.
Da aber die Leute des Irrwegs (ehl-i dalalet) in dieser Zeit der Glaubenslosigkeit aus jedem Streit nur noch ihren Nutzen ziehen und dabei die Gläubigen (ehl-i iman) in Verwirrung bringen, auch alles abschaffen wollen, was für einen islamischen Gläubigen kennzeichnend ist (sheairi), es zudem auch noch derart starke Srömungen gegen den Qur'an und den Glauben (iman) gibt, ist es mit Sicherheit notwendig, diesen fürchterlichen Feinden nicht wegen einiger winziger Kleinigkeiten, die ein Anlass zu irgendwelchen Auseinandersetzungen sein könnten, das Tor des Streites zu öffnen.
Auch ist es vollkommen nutzlos, Menschen zu tadeln, die bereits gestorben sind. Sie sind im Jenseits (dar-i akhiret) bereits an den Ort ihrer Strafe (mahall-i djezaya) gegangen. Es ist sinnlos, ja sogar nachteilig, ihre Fehler bekannt zu machen. Es entspricht weder der empfohlenen Liebe zum Haus des Propheten (muhabbet-i Al-i Beyt), noch ist es überhaupt nötig, weshalb auch die Leute der islamischen Tradition und Gemeinschaft (Ehl-i Sunnet ve-l'Djemaat) es verboten haben, jenen Streit in der Zeit der Sahabis zum Thema zu machen. Denn während der Kamelschlacht (vak'a-i djemel), an der auch Zubeyr, Talha und die Getreue Aischa (Aishe-i Siddiqa), mit denen Gott zufrieden sein
möge, teilgenommen hatten, war es aufgrund einer Meinungsverschiedenheit (Itjtihad netidjesi) zum Kampf gekommen, wobei dann die Leute der islamischen Tradition und Gemeinschaft (Ehl-i Sunnet ve-l'Djemaat) gesagt hatten: "Hazret Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, hat recht und die andere Seite hat unrecht. Das ist jedoch verzeihlich, weil es sich hier ja nur um eine Meinungsverschiedenheit (Itjtihad netidjesi) gehandelt hat.
Außerdem glauben sie, dass es von Nachteil ist, auch nur das Kapitel von den Aufständischen in der Schlacht von Siffin anzuschneiden, sodass der islamischen Gemeinschaft (islamiyet) kein Schaden daraus entsteht, dass jemand den Nerv der extremistischen Sunniten (Vahhabis) oder die Lehre (mes'heb) der extremistischen Schiiten (mufrit Rafisi) anrührt. Über derartige Schurken, wie Haddjadj-i Zalim, Yezid ve Velid hat Sa'deddin-i Teftazani, der der größte Gelehrte unter den Theologen gesagt: "Es ist erlaubt, Yezid {Gilt als der Verantwortliche für die Ermordung Husseins, Enkel des Propheten. (A.d.Ü.)} zu verfluchen", er hat aber nicht gesagt, es sei eine Pflicht (vadjib), ihn zu verfluchen, auch nicht, dass dies gut sei, oder es dafür eine Belohnung (sevab) gäbe.
Denn es gibt ja solche, die in ihrer Ablehnung (inkar) des Qur'an, der Propheten, der Sahabis und ihres heiligmäßigen Umgangs mit einander (qudsi sohbet) jedes Maß überschreiten. Und es gibt von ihnen viele, die sich (sogar mit diesen Ideen in aller) Öffentlichkeit zeigen. Wenn jemand diejenigen Leute, die man doch eigentlich wirklich verfluchen sollte, nicht verflucht, ja noch nicht einmal erwähnt, so schadet dies keineswegs. Denn Tadel und Fluch kann man nicht mit Lob und Liebe (muhabbet) vergleichen. Mit ihnen kann man keine "guten Werke (amel-i salih)" verrichten. Richten sie aber Schaden an, so ist das umso schlimmer.
So zeigen sich denn nun diese versteckten Heuchler, die sich darum bemühen, einen Teil der Hodjas, die doch vor
allem dazu beauftragt und dazu verpflichtet sind, den Islam und die qur'anischen Wahrheiten (Haqiqat-i Qur'aniye) zu bewahren, mit Hilfe von Lehre und Leben der Vahhabis auf ihre Seite zu ziehen und so der islamischen Gemeinschaft (Islamiyet) einen gewaltigen Schlag zu versetzen, wobei sie auch noch die Leute der Wahrheit (ehl-i haqiqat) verdächtigen, Aleviten zu sein, und sie so alle gegen einander aufbringen, in aller Öffentlichkeit. Du hast ja selbst in deinem Brief bereits zum Teil darüber berichtet. Aber du weißt auch selbst, dass die wirksamsten Mittel, die sie gegen mich und die Risale-i Nur einsetzen lassen, bei den Hodjas zu finden sind. So sind schon seit langem (die Schriften) der Vahhabis, die in Mekka und Medina (Haremeyn-i sherif) herrschen, und diese so staunenswerten und recht attraktiven Werke von Ibn-i Teymiye und Ibn-ul Qayyim-il Djevzi, jener berühmten und wortgewaltigen Genies, in die Hände einiger Hodjas gelangt und in Istanbul im Umlauf, wobei besonders jener Teil von ihnen, der (die Verehrung) der Gottesfreunde (auliya) ablehnt und in gewissem Grade der Ketzerei (bid'a) nahe steht und sich dabei hinter seinen eigenen (Ansichten) zu verstecken sucht und so bereits mit seiner Ketzerei besudelt ist, deine Meinung (itjtihad), die zwar aus der Liebe zur Familie des Propheten (muhabbet-i Al-i Beyt) erwächst, jedoch jetzt besser nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollte, als Mittel gebrauchen könnte, um sowohl dir als auch den Nur-Schülern einen Schlag zu versetzen. Zwar gibt es, was einen Tadel betrifft, den man doch besser unterlässt, oder die Behauptung, jemand sei ein Ungläubiger (tekfir), die man besser für sich behält, keinen dementsprechenden Artikel im Gesetz (emr-i sher'i), doch darüber, wie man einen Tadel aussprechen oder jemanden als einen Ungläubigen erklären (tekfir) sollte, gibt es sehr wohl ein Gerichtsurteil (hukm-u sher'i). Über jemanden zu Unrecht einen Tadel aussprechen oder ihn als einen Ungläubigen erklären (tekfir) ist eine große Sünde (zarar). Doch auch wenn es zurecht geschieht, ist dies kein "gutes Werk" und gibt es
dafür keine Belohnung (sevab). Denn es gibt zahllos viele, die man mit vollem Recht als Ungläubige bezeichnen (tekfir) und deswegen tadeln könnte. Spricht man jedoch keinen Tadel aus und erklärt (tekfir) man sie nicht für ungläubig, so gibt es darüber kein Gerichtsurteil (hukm-u sher'i) und ist das auch keine Sünde (zarar).
So haben denn die Leute der Wahrheit (ehl-i haqiqat) aufgrund eben dieser Wahrheit (haqiqat), und zwar sowohl die Eimme-i Erbaa (die vier Imame der vier Rechtsschulen) als auch besonders die zwölf (schiitischen) Imame der Schule des Hauses (Ehl-i Beytin Eimme-i Isna-Asher), indem sie das Heilige Gesetz (kanun-u qudsiye), das sich auf die oben erwähnte Wahrheit (haqiqat) der Leute der Tradition (Ehl-i Sunnet) stützt, zu ihrem Wegweiser (rehber) gemacht haben, es für nicht erlaubt (dja'iz) angesehen, unter Muslimen über die damaligen Spaltungen (fitna) zu sprechen und darüber zu streiten und gesagt, dass es nutzlos sei und nur schaden (zarar) könne.
Darüber hinaus fanden sich bei diesen Auseinandersetzungen, wie auch immer, besonders bedeutende Sahabis auf beiden Seiten. {d.h. sowohl unter den Anhängern Alis, des Kalifen, als auch unter seinen Gegnern. (A.d.Ü.)} Wenn man über diese Spaltungen (fitna) redet, ergreift das Herz spontan (Partei für die einen, während es zu gleicher Zeit die anderen) ablehnt und dabei noch solch wahrhaft aufrechte (haqiqi) Sahabis, wie Talha und Subeyr, kritisiert, mit denen Gott zufrieden sein möge und die zu jenen zehn gehören, denen das Paradies versprochen wurde (Ashere-i Mubeshshere). Und selbst, wenn sie einen Fehler gemacht haben sollten, ist doch die Wahrscheinlichkeit groß, dass ihnen bereits vergeben (taubah) wurde. In jene alte Zeit zurückzugehen ist nur unnötig und nachteilig (zarar) und das Gesetz (Schariah) empfielt uns auch nicht, diese Ereignisse zu erforschen. Heute und in
unserer Zeit denen keine Beachtung zu schenken, die der islamischen Gemeinschaft (Islamiyet) tatsächlich furchtbare Schläge versetzen und Tausende Flüche und unseren ganzen Abscheu verdienen, ist eine Haltung, die mit der heiligen Aufgabe (vazife-i qudsiye) einer gläubigen (mu'min) und großherzigen Persönlichkeit unvereinbar ist. Ich will dir auch keineswegs verheimlichen, dass selbst euer, wenn auch nur ganz kleiner, Streit mit Sabri sowohl der Risale-i Nur als auch der Verbreitung der Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye) einen ganz erheblichen Schaden zugefügt hat. Ich habe das hier zur gleichen Zeit leidvoll wahrgenommen und es hat mich sehr traurig gemacht.
Als dann später ein gelehrter Theologe (ehl-i tahqiq bir alim) wie du und Sabri dort zusammen kamen, um der Risale-i Nur einen bedeutenden Dienst zu erweisen, erwartete ich auch von euch beiden einen solch großen Dienst an der Risale-i Nur, ahnte aber bereits, dass im Gegenteil auf die Risale-i Nur in dreifacher Hinsicht Schaden (zarar) zukommen würde und habe das (dann auch tatsächlich so) erfahren. Während ich noch darüber nachdachte, weshalb ein solcher Schaden (zarar) entstanden sein könnte, erhielt ich zwei, drei Tage später die Nachricht, dass Sabri sich sinnloser und völlig unnötiger Weise mit dir zerstritten hatte, weshalb du dann in Wut geraten warst. "Oh weh!", sagte ich da, "Oh Herr!", betete (dua) ich dann, "Wandle doch den Streit dieser beiden Menschen, die mir aus Ersurum zu Hilfe gekommen sind, in Versöhnung!" Wie bereits in der Abhandlung der Risale-i Nur über die Wahrhaftigkeit (Ikhlas Lem'alar) erwähnt, müssen die Leute des Glaubens (ehl-i iman) heute nicht nur mit ihren muslimischen Brüdern sondern auch mit den frommen Geistlichen der Christen übereinkommen, Fragen, die nur Konflikte heraufbeschwören könnten, außer Betracht lassen und sollten also nicht mit ihnen streiten. Denn dieser völlige Unglaube gebärdet sich auch noch kämpferisch. Bei deinem Eifer für den Glauben (hamiyet-i diniye), aufgrund deiner Erfahrung als Wissenschaftler (tedjrube-i ilmiye) und um
deiner Verbundenheit mit der Risale-i Nur willen bitte ich dich: bemühe dich darum, diese ganze Angelegenheit mit Sabri zu vergessen, zu bereinigen (helal) und ihm zu verzeihen! Denn all diese Dinge hat er nicht aus eigener Erkenntnis heraus so gesagt, sondern lediglich aufgrund dessen, was er aus alten Zeiten von den Hodjas vernommen hatte, diesen Streit mit dir völlig unnötiger Weise vom Zaun gebrochen.
Du weißt ja, dass großzügig Wohltaten zu spenden und Gutes zu tun, die Verzeihung vieler Sünden erwirken kann. Es hat in der Tat dieser Sabri, unser Landsmann mit Hilfe der Risale-i Nur und der Nurdjus dem Glauben (iman) wahrhaftig einen solchen Dienst erwiesen, dass ihm dafür Tausend Fehler verziehen werden. In deiner Großmut und um des Dienstes willen, den er für die Risale-i Nur geleistet hat, solltest du ihn wie einen Freund, Landsmann und Kollegen im Dienste der Risale-i Nur betrachten. Als ein Teil der Sahabis auch noch während der damaligen Kämpfe (harb) an eine Gerechtigkeit dachte, die maßvoll und angemessen (adalet-i izafiye ve nisbiye) ist, und so die wahrhaftige Gerechtigkeit und Strenge des Gesetzes (adalet-i haqiqiye ve azimet-i sher'iyye) {vgl. den Abschnitt über absolute und relative Gerechtigkeit im 15. Brief! (A.d.Ü.)} (notgezwungen) aufgab, welcher Hasret Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, auf dem Wege (meslek) seiner Frömmigkeit, seiner persönlichen Unabhängigkeit und ihm eigenen Sparsamkeit folgte, sich schließlich eine eigene Meinung (itjtihad) bildete und auf die Seite des Gegners über trat, unter ihnen sogar auch Okeyl, der Bruder von Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, und Abdullah Ibn-i Abbas, genannt "der geisliche Führer der Gemeinde (Hibr-ul-umme)", welche sich vorübergehend auf der gegnerischen Seite wiederfanden, sagten die aufrichtigen Leute der Tradition und Gemeinschaft (ehl-i Sunnet ve-l'Djemaat) aufgrund eines Grundprinzips des Gesetzes:
{"Die Schönheiten des Gesetzes sind wie eine Mauer vor den Toren zu jeglichen Spaltungen."}
Und weiter: طَهَّرَ اللّٰهُ اَيْدِيَنَا فَنُطَهِّرُ اَلْسِنَتَنَا {"Gott möge unsere Hände reinigen, nachdem wir unsere Zungen gereinigt haben."}, und halten es dementsprechend nicht für legitim, die Tore zu solchen Spaltungen zu öffnen und über sie zu reden. Denn, wenn es einige gab, die eine Kritik verdienten, so sind es diejenigen, (die dadurch, dass sie für die eine Seite) Partei (taraf) ergriffen, den Nerv jener großen Sahabis, ja sogar eines Teiles der Angehörigen des Hauses (Al-i Beyt) trafen, die auf der gegnerischen Seite (taraf) waren, wie übrigens auch Talha und Subeyr, mit denen Gott zufrieden sein möge, die zu jenen zehn gehören, denen das Paradies versprochen worden war (Ashere-i Mubeshshere). Indem sie diese großen Persönlichkeiten kritisierten, wurde nun eine Neigung zu Tadel und Feindschaft geweckt, weshalb denn auch die Leute der Tradition (Ehl-i Sunnet) dafür (taraf) sind, diese Türe zuzuschließen.
Obwohl der berühmte Sa'deddin-i Teftazani, einer der großen Imame unter den Leuten der Tradition (Ehl-i Sunnet), wie auch unter den Theologen es erlaubt hatte, Yezid ve Velid als Irrgläubige zu verfluchen (tel'in-u tadlil), haben große Gelehrte (allam) unter den Leuten der Tradition und der Gemeinschaft (Ehl-i Sunnet ve-l'Djemaat) wie Seyyid-i sherif-i Djurdjani gesagt: "Zwar waren Yezid ve Velid gewalttätig, grausam und frevelhaft, doch ist es nicht bekannt, ob sie letztendlich auch ohne jeden Glauben (iman) dahingeschieden sind. Da dies aber nicht mit absoluter Sicherheit bekannt ist, also über diese Personen jede klare Aussage und ein sicherer Beweis fehlen, also die Möglichkeit
besteht, dass sie doch noch im Glauben (iman) verschieden sind und bereut (taubah) haben, darf man solche namentlich genannten Personen nicht verfluchen, vielmehr könnte es nur unter der ganz allgemeinen Formel:
{"Der Fluch Gottes sei über den Tyrannen und den Heuchlern!"}
einmal erlaubt sein, einen Fluch auszusprechen. Andernfalls ist es vom Übel (zarar) und nicht vonnöten. Das haben sie Sa'deddin-i Teftazani entgegen gehalten.
Grund dafür, dass ich auf deinen kritischen und gelehrten Brief nicht mit einer ausführlichen Antwort entgegnet habe, ist sowohl in meiner ernsthaften Krankheit als auch in dringenden Arbeiten zu finden, weshalb ich in der Eile nur so viel schreiben konnte.
Said Nursi
Teil eines Gesprächs mit dem Innenminister
Einer Ungerechtigkeit, dergleichen in der Geschichte und auf Erden überhaupt noch nicht vorgekommen ist, für eine Unterdrückung und Greueltaten, wie sie in zehnfacher Hinsicht gesetzlos sind, bin ich zur Zielscheibe geworden. Es ist dies wie folgt:
Was für einen Sinn hat es eigentlich für Sie, dass Sie es für erforderlich halten, diesem hilflosen Said, der sowohl zufolge eines Giftmord-Anschlages nun in seinem einundsiebzigsten Lebensjahr bereits sehr alt, krank und schwach ist, ein Namenloser und beklagenswerter Heimatloser, der sich nun, nachdem er Mantel, Hemd und Pantoffel verkaufen musste, um so für seinen Lebensunterhalt
sorgen zu können, in einem armseligen Zustand befindet, der, da er seit fünfundzwanzig Jahren ein Einsiedlerleben führt, nur mit einem unter Tausend Männern, der noch dazu vollständig loyal sein muss, sprechen kann, der auf diese Weise menschenscheu geworden ist und vor allen Menschen zurück schreckt, einer dessen Leben, obwohl unschuldig, zwanzig Jahre lang überwacht wurde, dessen Werke von drei Provinzrichtern durch Sachverständige aus Ankara von vorn bis hinten durchforscht wurden, der dann übereinstimmend freigesprochen wurde und dessen Werke, die dem Land und Volk niemals geschadet haben, sondern ihm nur von Nutzen gewesen sind und nun (auf Gerichtsbeschluss) wieder frei gegeben wurden, der sowohl im Ersten Weltkrieg als Sohn seines Landes wichtige Dienste erwiesen hat und nun, der nun als wahrer Patriot mit all seiner Kraft daran arbeitet, dieses Volk, dieses Land vor der Anarchie und der Demoralisierung durch die Fremden zu bewahren, während (gleichzeitig) seine Werke im Umlauf sind, von dem vor Gericht siebzig Zeugen bewiesen haben, dass er in fünfundzwanzig Jahren nicht einmal eine Zeitung gelesen hat, ja nicht einmal daran interessiert war, der sich seit sieben Jahren nicht für den zweiten Weltkrieg interessierte, nicht danach fragte und nichts darüber wusste, von dem mit machtvollen Zeugnissen bewiesen wurde, dass er in all seinen Werken seine Beziehungen zur Politik ganz und gar gebrochen hat, ein völlig harmloser Mann, über den Eure Justizämter offiziell ausgesagt haben, dass er sich nicht in eure weltlichen Angelegenheiten einmischt, der, damit das Jenseits (akhira) und die Reinheit seiner Absicht (ikhlas) keinen Schaden (zarar) nehmen, der entschlossen vor den Huldigungen des Volkes (teveddjuh-u amme) flüchtet, der alle Bezeigungen der Hochachtung (husn-u zan) und Wertschätzung (medih) von Seiten seiner Mitbrüder meidet und sie gar nicht mag: welchen Sinn macht es denn vor allem für Sie, der Sie doch der Innenminister (vakil) sind, dass Sie es für erforderlich halten, den Gouverneur (vali) von Afyon (mit seiner
Überwachung zu beauftragen, die Polizei von Emirdagh gegen ihn aufzuhetzen, ihn Tag um Tag die Qual gleich einem Monat Einzelhaft erleiden zu lassen, ihn dazu zu zwingen, in vollkommener Isolation, ganz für sich allein in Einzelhaft zuzubringen? "Welches Gesetz erlaubt eine solche entsetzliche Greueltat?", das frage ich den Herrn Innenminister vor dem höchsten Amt der Justiz, der doch das öffentliche Recht (huquq-u umumiye) zu bewahren hat.
Said Nursi
An Hilmi Bey, ehemaliger Innenminister und jetziger Generalsekretär der Partei
Erstens:
In den letzten zwanzig Jahren habe ich nur ein einziges Mal ein Gesuch eingereicht. Und das war damals, als Sie noch der Herr Innenminister waren. Doch in diesen zwanzig Jahren bin ich meinen Grundsätzen niemals untreu geworden. Nun aber würde ich gerne einmal mit dem ehemaligen Innenminister und jetztigen Generalsekretär der Partei reden. Wenn nun ein Mann, der schon seit zwanzig Jahren nicht mehr mit der Regierung gesprochen hat, einmal (die Gelegenheit erhielte), mit einer der tragenden Säulen der Regierung zu reden, so wären selbst zehn Stunden nur wenig. Gestatten Sie mir daher, bitte, einmal zwei Stunden mit Ihnen zu reden!
Zweitens:
Da Sie jetzt Genralsekretär der Partei sind, fühle ich mich dazu genötigt, Ihnen einen Sachverhalt (haqiqat) zu erklären. Und dieser Sachverhalt (haqiqat) ist folgender:
Die Volkspartei, deren Generalsekretär Sie sind, hat gegenüber dem Volk eine sehr wichtige Aufgabe. Und auch diese ist folgende:
Das türkische Volk (millet) und seine Brüder im Glauben (din), die nun der türkischen Nation beigezählt werden, das seit Tausend Jahren durch seinen Heldenmut in der Islamischen Welt (Alem-i Islam) alle Sympathien gewann und die Einheit {Diese Einheit wurde durch den Kalifen repräsentiert. (A.d.Ü.)} der islamischen Gemeinschaft (vahdet-i Islamiye) bewahrte, hat (schließlich) auch bedeutendes geleistet, um die Menschenwelt (alem-i besheriye) vor dem absoluten Unglauben und Irrglauben (kufr-u mutlaq ve dalalet) in bewundernswerter Weise zu bewahren.
Wenn es jedoch heute nicht mehr wie in alten Zeiten heldenhaft den Qur'an und die Wahrheiten des Glaubens (haqaiq-i imana) bewahren wollte und nicht unmittelbar einsetzte, die Wahrheiten des Qur'an und des Glaubens (haqaiq-i Qur'aniye ve Imaniye) im Volke lebendig zu erhalten, so kann ich euch mit absoluter Sicherheit voraussagen und mit unwiderleglichen Zeugnissen beweisen, dass Ihr (auf diese Weise) bewirken werdet, dass euch die ganze Islamische Welt (Alem-i Islam) anstelle ihrer bisherigen Liebe und Brüderlichkeit (muhabbet ve uhuvvet) nur noch einen fürchterlichen Abscheu und dem türkischen Volk, das für sie bisher ein heldenmütiges Brudervolk und ihr Anführer gewesen ist, nur noch Feindseligkeit zeigen wird, während der Anarchismus, dem der absolute Unglaube als Nährboden dient und der heute die Islamische Welt (Alem-i Islam) zugrunde zu richten droht, euch überwältigen wird, das türkische Volk aber, das für die Islamische Welt (Alem-i Islam) eine Burg und ein ruhmreiches Heer ist, in sich zerfällt und dieser entsetzliche Drache, der aus dem Nordosten hervorkommt, (über das Land) herfällt.
In der Tat kann dieses heldenmütige Volk gegen die beiden entsetzlichen Strömungen aus dem Ausland {Gemeint sind der Atheismus und die Verwestlichung der islamischen Sitten. (A.d.Ü.)} nur in der Kraft (quvvet) des Qur'an stand halten.
Jedenfalls ist das, was eine solche Strömung aufzuhalten vermag, die diesen absoluten Unglauben, diese grenzenlose Gewaltherrschaft, diese maßlose Ausschweifung (kufr-u mutlaq, istibdad-i mutlaq, sefahet-i mutlaq) und die Überlassung des Vermögens ehrenwerter Leute an ehrlose Kerle mit sich bringt und daher mit einer fürchterlichen Kraft einherkommt, einzig die Kraft der Religiosität und Gemeinsamkeit im Glauben (din quvveti ve iman bütünlüghü) in diesem Volk, das mit der Wahrheit des Islam (Islamiyet haqiqati) verschmolzen, vereinigt ist und all dessen Ehre in der Geschichte in Seiner Gemeinschaft (Islamiyet) gefunden hat.
In der Tat können die einsatzfreudigen Patrioten in diesem Volk, insha-a'llah, diese Strömung noch aufhalten, indem sie vor allem die Wahrheiten des Qur'an (haqaiq-i Qur'aniyye), anstelle der Erziehung zur (westlichen) Zivilisation zum Grundprinzip der lebenspendenden Ader dieses mit ihnen verschmolzenen, vereinigten Volkes machen und in ihm verankern.
Zweite Strömung: Wenn hingegen solche einsatzfreudigen, patriotisch gesinnten Männer (von der Regierung), wie ihr (es seid), sich darum bemühen, eine Strömung, die durch die Art und Weise, in der drei, vier Personen mit all dem, was sie im Namen der Reformen (inkilab) bewirkt haben und im Interesse der Zivilisation (medeniyet) für wesentlich (esas) halten, womit sie aber alles, was heilig (muqaddesat) ist, mit Füßen treten, auch weiterhin aufrecht zu erhalten und dabei auch noch all das, was diese Reformen an guten Seiten (hasanah) und guten Ergebnissen hervorgebracht haben sollen (diesen drei Männern) zuschreiben, während alle Schlechtigkeiten dieser drei, vier Männer und ihre tatsächlichen, wirklich erschreckenden Fehler, wollte man sie dem Volke zuschreiben, zu drei, vier Millionen Schlechtigkeiten anwachsen müssten. Das aber wäre ganz und gar gegen das türkische Volk, dieses heldenhafte, aufrichtig gläubige Volk, welches das Heer des Islam ist, die Milliarden ehrenwerter, in vergangenen
hunderten selig verstorbener dieses Heeres und seine Millionen Märtyrer (shehid) gerichtet, für ihre Seelen (ervah) aber eine innere Qual und eine Entwürdigung, während zugleich drei, vier Millionen gute Werke (hasanah) und positive Ergebnisse, die doch nur in der Kraft und durch die Einsatzfreudigkeit des Volkes und seines Heeres zustande gekommen sind und an denen diese drei, vier reformatorisch gesinnten Männer nur sehr wenig Anteil gehabt haben, würden sie nur diesen drei, vier Männern zugeschrieben, auf drei, vier gute Taten zusammenschrumpfen, zunichte werden und nicht einmal mehr als Buße für (alle bis dahin begangenen) entsetzlichen Fehler gelten könnten.
Drittens:
Sie werden sicherlich in vielerlei Hinsicht Ihre Gegner im In- und Ausland haben. Wenn diese ihre Gegner im Interesse der Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye) auftreten würden, könnten Sie sie mit einem Schlag niederwerfen. Denn neunzig Prozent dieses Volkes ist den islamischen Traditionen seit Tausend Jahren mit Herz und Verstand (ruh ve qalb) verbunden. Wenn es sich auch einem Befehl, der seinem Wesen zuwider läuft, nach außen hin beugen und unterwerfen müsste, wird es sich ihm doch nicht in seinem Herzen binden.
Des Weiteren ist ein Muslim nicht gleich wie andere Menschen. Wenn er seinen Glauben (din) aufgibt, wird er Anarchist. Man kann ihn an kein Gesetz mehr binden. Außer in einer absoluten Despotie (istibdad-i mutlaq) oder durch eine alles umfassende Bestechung (rushvet-i mutlaq) kann er in keinerlei Weise erzogen oder mit irgendwelchen anderen Maßnahmen regiert werden. Für diese Tatsache (haqiqat) gibt es viele Zeugnisse und vielerlei Beispiele. Ich fasse hier nur kurz zusammen und appelliere im Übrigen an Ihren Scharfsinn:
In unserer Zeit (asr) ist es für euch dringend notwendig, nicht hinter dem starken Verlangen zurückzubleiben, das man in Schweden, Norwegen und Finnland nach dem Qur'an verspürt. Es ist vielmehr eure Pflicht, ihnen und
(Leuten) wie sie es sind, Wegweiser (rehber) zu sein. Wenn Sie die Fehler, welche die Reformen bis heute mit sich gebracht haben, diesen drei, vier Männern zuschreiben und die Zerstörungen (inkilab), welche dieser Weltkrieg und die nachfolgenden Ereignisse bis heute angerichtet haben, und zwar besonders hinsichtlich der religiösen Überlieferung (an'ane-i diniye), zu korrigieren versuchen, so wird es für euch in Zukunft eine sehr große Ehre und im Jenseits (akhira) sowohl eine Buße (kefaret) für Ihre großen Fehler sein, als auch ein anerkennenswerter Beitrag (zum Wohle für) Land und Volk und Sie würden wahrhaft (mustahak) den Titel "Patriot" verdienen, als einer, der sein Vaterland liebt.
Viertens:
Da nun einmal der Tod nicht stirbt und sich die Pforten des Grabes nicht schließen, und da nun einmal auch Sie, wie jeder andere dem Grabe zueilt, und da nun einmal der Tod, der für die Irrgläubigen (ehl-i dalalet) einer Hinrichtung für ewige Zeiten (idam-i ebedi) gleicht, mit Sicherheit (kommen wird), kann auch eine hunderttausendfache Organisation, die Anbetung der Welt (dunya) und alle politische Betriebsamkeit nichts daran ändern. Und da nun einmal der Qur'an sonnenklar beweist, dass diese Hinrichtung für ewige Zeiten (idam-i ebedi) für die Gläubigen (ehl-i iman) in eine Entlassungsurkunde umgewandelt wird, was sie ja auch durch die Risale-i Nur bereits in die Hand bekommen haben, konnte nun schon seit zwanzig Jahren kein einziger Philosoph und niemand unter den Gottlosen dagegen auftreten; im Gegenteil: Philosophen, welche (die Risale-i Nur) aufmerksam studiert haben, sind (durch sie) zum Glauben gelangt. Und in den letzten zwölf Jahren haben vier Ihrer großen Gerichtshöfe mit all ihren Sachverständigen, bestehend aus Philosophen und Rechtsgelehrten (ulema), die Risale-i Nur gewürdigt und bestätigt. Und sie konnten (die darin enthaltenen) Beweise für den Glauben (iman) nicht widerlegen. Zugleich kann ich auch dafür, dass sie dem Volk und dem Land nie einen Schaden zugefügt hat, im Gegenteil, stets den Angriffen all dieser fürchterlichen Strömungen den Qur'an als Schutzwall
gleich dem Schutzwall des Dhu-l'Karneyn entgegen gesetzt hat, Hunderttausend Zeugen aus dem türkischen Volk anführen, besonders von den jungen Leuten, die eine Schule besucht haben. Es ist selbstverständlich eure vordringliche Pflicht, diese meine Überlegungen (fikr), insoweit sie euch betreffen, sorgfältig in Betracht zu ziehen. Sie hören doch auch sonst in weltlichen Angelegenheiten jederzeit auf so viele Diplomaten. Es ist jedoch durchaus auch notwendig, ein wenig auf einen Armen zu hören, der gleich mir vor dem Tore des Grabes, über die Lage seiner Landsleute weinend, über die jenseitigen Dinge spricht.
Dieses Gesuch wurde von mir verfasst und in einem Augenblick der Wut an den Herrn Innenminister Hilmi adressiert, obwohl ich mich doch seit zwanzig Jahren nicht mehr an ihn gewandt habe, nachdem er mich einmal unterdrückt (und gedemütigt) hatte. (Auch wurde dieses Gesuch) zum Zwecke der Information an den Polizeipräsidenten in Afyon gesandt. Ohne jeden Sinn und Zweck haben Sie mich vier, fünf Mal gequält. Man zitierte mich zur Polizeidienststelle un ن٢agte zu mir: "Dies ist nicht deine Handschrift. Wer hat dies für dich geschrieben?" Deswegen habe ich gesagt: "Bei solchen Leuten kann man (kein Gesuch) einreichen... Mein zwanzigjähriges Schweigen war also berechtigt."
Sehr geehrter Herr Bürgermeister und sehr geehrter Herr Polizeipräsident! Ich wollte ihnen ja eigentlich schon vor einem Jahr mein Herz ausschütten (und habe Ihnen daher diesen Brief) geschrieben, jedoch nicht (an Sie) abgeschickt, sondern versteckt. Jetzt aber ist man in meine eigene Wohnung (ikamet) eingedrungen, hat mir verboten einen Bediensteten zu beschäftigen und dergleichen mehr. Ich werde hier völlig unterdrückt (istibdad-i mutlaq) und in einer Weise behandelt, wie sie auf fünffache Weise ungesetzlich und in dieser Welt (dunya) ohne Beispiel ist. Ich möchte dies bekannt geben, in der Absicht (fikr), dadurch diejenigen, die im Namen des Gesetzes gesetzlos handeln, zur Einsicht zu bringen.
Diverse Briefe an seine Schüler
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Mein lieber getreuer Mitbruder, der mir in dieser vergänglichen Welt (fani dunya) ein hingebungsvoller und aufrechter Kamerad ist!
Ich bin dir wirklich sehr dafür dankbar, dass du dich unter all meinen Freunden und Landsleuten und einigen Leuten aus Ersurum in dieser meiner rechtlosen Lage mit all ihren Schikanen, mit deiner ganzen Persönlichkeit innig (shefqat) und aufrichtig mit mir verbunden fühlst und in deinen Gedanken (fikr) mir zu Hilfe eilen möchtest. Das werde ich dir bis zum Ende meines Lebens nicht vergessen und so sage ich tausend Mal: "Wie wunderbar hat Gott doch dies so eingerichtet (masha-a'llah) und möge Er dich dafür segnen (barekallah)!"
Ganz und gar im Gegensatz zu meiner Berufung (meslek) und dem Unterricht, den ich von der Risale-i Nur bekomme, und im Gegensatz zu meinem Lebensprinzip, dem ich seit zehn Jahren folge, nämlich den vergänglichen und bedeutungslosen Ereignissen der vergänglichen Welt (fani dunya) keine Beachtung zu schenken, will ich dir hier, und zwar nur um deinetwillen, wegen deines Interesses und deines letzten, so langen Briefes, einige Punkte hinsichtlich der Schikanen dieser Gewaltmenschen erklären.
Als ich vor dreißig Jahren selbst noch Professor am "Haus der Weisheit (Daru-l'Hikmet)" war, sagte mein Kollege, Professor Seyyid Sadeddin Pasha, eines Tages zu mir: "Mir ist aus sicherer Quelle die Nachricht zugekommen, dass ein atheistisches Untergrundkommitee, das sich hier (im Lande) gefestigt, seine Wurzeln aber im Ausland hat, ein Werk von dir gelesen und dann gesagt hat: "Solange der Verfasser dieses Werkes noch auf Erden (dunya) existiert, können wir diesem Volk unseren Weg (meslek), nämlich den Atheismus, nicht annehmbar
machen. Er darf in diesem Dasein (vudjud) nicht länger existieren!" So haben sie denn dich verurteilt und deine Hinrichtung beschlossen. Gib also gut auf dich acht!" Ich habe ihm darauf entgegnet: "Ich vertraue auf Gott (Tevekkeltu Ala'llah)! Die Todesstunde (edjel) ist eins (und eindeutig bestimmt). Daran wird sich auch nichts ändern."
So hat denn dieses Komitee in den letzten dreißig, ja vielleicht vierzig Jahren nicht nur (seine Einflusssphäre) ausgedehnt, sondern nutzt in ihrem Kampf gegen mich auch jede nur mögliche Intrige. Zwei mal haben sie dafür gesorgt, dass ich ins Gefängnis gekommen bin, um mich zu vernichten, und elfmal haben sie versucht, mich zu vergiften. (Zur Durchführung) ihres letzten abscheulichen Planes haben sie den früheren Innenminister (vekil), den früheren Gouverneur (vali) von Afyon und den früheren Bürgermeister (kaymaqam) von Emirdagh gegen mich aufgehetzt und ihren Einfluss auf die ganz offiziellen (Ämter) der Regierung mit aller Macht gegen mich geltend gemacht. Gegen einen mittellosen (Menschen) wie mich, der schwach, alt, arm und menschenscheu in der Fremde auf den Dienst anderer dringend angewiesen ist, haben diese drei Regierungsbeamten eine derartige Propaganda in Szene gesetzt, dass sich unter allen (Menschen) eine solche Angst ausgebreitet hat, dass es kein Beamter mehr wagt, noch einmal bei mir hereinzuschauen, es sei denn, um mich auszuspionieren; denn falls ein Beamter mich noch begrüßt und jemand davon erfährt, wird er sogleich strafversetzt. Auch einige meiner Nachbarn wagen es vor Angst kaum noch, mich auch nur zu grüßen. Das alles habe ich erfahren müssen; und dennoch hat Gottes Gnade und Sein Schutz (inayet ve hifdh-i Ilahi) mir die Geduld verliehen, mich standhaft gemacht und mich nicht in die Zwangslage kommen lassen, sie aufgrund ihrer beispiellosen Schikanen (auch noch um Gnade) zu bitten.
Nachdem zwei Gerichte zwei Jahr lang sämtliche Teile der Risale-i Nur in ihren Händen gehabt und gründlich durchforscht hatten, ohne darin eine gesetzliche
Handhabe gegen sie zu finden, haben sie uns die Risale-i Nur zurückgegeben und uns freigesprochen. Es gelang aber dem atheistischen Untergrundkommitee dennoch, mit Hilfe einiger hinterhältiger Beamter am Sitz der Regierung, ganz offiziell Pläne zu schmieden, mich vollkommen entgegen allem Recht und Gesetz (hilaf-i kanun) unter dem Titel einer Isolierung von allen meinen Freunden an einem Ort, der, was meine Gesundheit betrifft, am ungünstigsten für mein Leben ist, unter dem Deckmantel einer "Verbannung", jedoch im Sinne einer Einzelhaft und völliger Isolation, nach Emirdagh zu schicken. Es hat sich jetzt aber herausgestellt, dass sie diese Maßnahmen in zweierlei Absicht durchgeführt haben.
Da ich aber von Alters her keine Beleidigung vertragen konnte, wollten sie, um mich auf diese Weise in Wut versetzen zu können, einen Streit (mesele) vom Zaun brechen, um mich auf diese Weise aus dem Wege räumen zu können. Als ihnen dies aber nicht gelang, versuchten sie, mich durch einen Giftmord zu beseitigen. Doch Gottes Gnade (inayet-i Ilahiyye), verbunden mit den Gebeten (dua)
der Schüler der Risale-i Nur ließen, wie ein Lebenselixier, wie ein Gegengift, und meine Geduld und meine Standhaftigkeit diesen Plan wie durch eine Medizin erfolglos werden. So wurde die Gefahr einer äußerlichen Vergiftung (durch meine Gegner) wie auch einer innerlichen Vergiftung (durch meine eigene Wut) gebannt. Noch niemals in der Geschichte durfte jemals eine Regierung im Namen des Gesetzes, im Namen der Regierung (einen Menschen dermaßen) schikanieren und unterdrücken. Diese permanente Beobachtung ging mir auf die Nerven und es brachte mich in Wut, wenn man (die Leute dazu brachte, vor mir) zurückzuschrecken. Da erhielt ich plötzlich in meinem Herzen die Ermahnung: du solltest denen, die dich tyrannisieren, nicht auch noch zürnen, sondern vielmehr Mitleid mit ihnen haben! Denn ein jeder von ihnen wird nach einer sehr kurzen Zeit (zur Strafe für) die Qualen, die er dir zugefügt hat, Tausend mal mehr ständigen Qualen und Höllenpeinen für Leib und Seele ausgesetzt sein und bleiben. Noch tausendfach mehr wird deinetwegen an ihnen Rache genommen werden. Einige von ihnen werden, insoweit sie einsichtig sind, solange sie noch auf dieser Welt (dunya) sind und bis ans Ende ihres Lebens von Gewissensqualen geplagt und von der Furcht vor einer Hinrichtung auf ewige Zeit gequält werden. Da habe ich aufgehört, wütend auf sie zu sein und hatte nur noch Mitleid mit ihnen und habe gesagt: "Möge Gott sie zur Bekehrung führen."
Des Weiteren lassen diese Qualen und Schikanen mich sehr viel Segen (sevab) gewinnen, wobei sich dann (die Regierung), anstatt sich mit den Schülern der Risale-i Nur zu beschäftigen, sich an deren Stelle (nur noch um mich kümmern und mich) allein quälen, was für die Nurschüler ein großer Vorteil (faide) ist und ihnen zum inneren Frieden (selamet) dient, wofür ich Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq) dankbar bin. Und deswegen verspüre ich inmitten all meiner fürchterlichen Plagen und Anstrengungen sicherlich noch eine gewisse Freude.
Was nun deinen Brief betrifft (worin du schreibst), dass du dich meinetwegen mit einem Gesuch an die derzeitige Regierung wenden willst, in der Absicht (madde), mich, soweit ich körperlich dazu in der Lage bin (istirahat) und meine Gesundheit (iktidar) es mir erlaubt, nach Syrien oder ein anderes arabisches Land (sham ve hidjaz) auswandern zu lassen, so...
Ich müsste, um den Glauben (in den Herzen) zu bewahren und dem Qur'an zu dienen, selbst würde ich in Mekka (leben), dennoch hierher kommen. Denn hier besteht dafür das stärkste Bedürfnis. Hätte ich auch Tausende Leben (ruh), wäre ich von Tausenden Krankheiten geplagt und müsste ich ebenso viele Plagen und Anstrengungen auf mich nehmen, so bin ich dennoch entschlossen, auch weiterhin dem Glauben (iman) dieses Vokes zu dienen und haben wir alle uns dazu entschieden, in den Lehren (ders), die der Qur'an uns erteilt hat, für seine (Ewige) Glückseligkeit (saadet) zu wirken.
Was jenen Punkt betrifft, worin Sie mir in Ihrem Brief schreiben, man bringe mir nur Verachtung anstelle des (mir geschuldeten) Respekts entgegen und (weiter): "wenn Sie in Ägypten oder in Amerika leben würden, so würde die Geschichte ihrer (sehr wohl mit dem ihnen geschuldeten) Respekt gedenken".
Mein lieber, einfühlsamer Bruder! Vor dem Respekt und der Hochachtung der Menschen, der guten Meinung, der Ehrerbietung und ihren Sympathiekundgebungen unserer Person gegenüber fliehen wir aufgrund unserer Berufung mit allem Nachdruck. Was dabei insbesondere die Ruhmsucht betrifft, die eine seltsame (Blüte) der Scheinheiligkeit ist, (die Sucht) mit Prunk und Pracht in die Geschichte eingehen und bei den Menschen einen guten Eindruck hinterlassen zu wollen, was eine Form der Selbstgefälligkeit ist, widerspricht der Wahrhaftigkeit (ikhlas), welche Ruf (meslek) und Basis der Risale-i Nur ist, und ist ihr diametral entgegengesetzt. Nein, wir hegen noch nicht einmal den Wunsch danach! Im Gegenteil: wir schrecken in unserem
eigenen Interesse davor zurück. Wir wollen nur, dass die Risale-i Nur, die aus der Fülle des Qur'an entsteht, die ein Funke ist, der aus dem Wunder entspringt, das er seiner Bedeutung (i'djaz-i manevi) nach ist und die die eine Auslegung (tefthir) seiner Wahrheiten (haqiqat) ist, deren Hermeneutik (tilsim) sie uns erschließt, in allen (Menschen) ihren Widerhall findet, dass sie ein Bedürfnis nach ihr verspüren, dass ein jeder ihren so hohen Wert zu schätzen weiß und dass ihre durchaus offensichtlichen geistigen Wunder (manevi keramat), was den Glauben (iman) betrifft jegliche Glaubenslosigkeit (dinsizlik) besiegen wird. Das alles wollen wir aufzeigen und erwarten es von der Barmherzigkeit Gottes (rahmet-i Ilahiyye).
Einen unbedeutenden, kleinen Punkt, der mich persönlich betrifft, möchte ich hier als (eine Art) Fußnote (hinzufügen) und erläutern.
Da Redjeb Bey und Kara Kazim nun einmal mit dir befreundet sind und nach meiner Vermutung auch mit dem "Alten Said" eine gewisse Beziehung hatten, möchte ich sie um keine Gefälligkeit bitten, vielmehr sollten sie (damit aufhören, für Gelegenheiten zu sorgen), mich sinn- und nutzlos unter Druck zu setzen und mich (weiterhin) ungerecht zu behandeln, wie das ihre Vorgänger (bisher immer) getan haben. In der Tat kann ich mit der materiellen und geistigen Luft dieses Ortes nicht leben. Meine Belastung hier wird mir einfach zu viel. Von meiner Wohnung schließe ich stets sowohl die Innen- als auch die Außentür. So bin ich in jeder Hinsicht allein. Und in jeder Hinsicht verbringe ich auch mein Leben ohne alle Nachbarn, in der bedrückenden (Atmosphäre) meines Zimmers und im Zustande meiner Krankheit. Manchmal quält mich ein (einziger) Tag hier mehr als ein (ganzer) Monat im Gefängnis zu Denizli. Es ist wahrlich schon genug, mir diese zwanzig Jahre lang durch solch eine entsetzliche Ungerechtigkeit meine Freiheit (hürriyet) und meine Ruhe (serbestiyet) zu nehmen. Nach einer zwei Jahre währenden Untersuchung durch die Gerichte und dem Scheitern aller
Pläne, die hinterhältige Leute (munafiq) gegen mich geschmiedet hatten, hat sich nun in aller Klarheit herausgestellt, dass sie mit der Annahme, ich würde mit der Risale-i Nur dem Volk und dem Land irgendeinen Schaden zufügen, niemanden mehr überzeugen können. Könnte auch ich, wie jeder andere, über meine Freiheit verfügen, wäre es in jedem Fall angebracht, gäbe es da irgendeinen Hinweis, der es mir erlaubte, vielleicht wegen einer Luftveränderung einige Dörfer in diesem Bezirk besuchen zu dürfen, wo die Luft doch recht angenehm ist!
Ich sende Ihnen und allen Freunden der Risale-i Nur, die sich bei Ihnen befinden, viele Grüße (selam) und meine Gebete (dua).
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Eine Frage,
die sowohl die den Umständen entsprechend (gewissermaßen unausgesprochen) in der Luft (maddi ve manevi) liegt und deren Antwort mir in den Sinn gekommen ist.
Warum akzeptierst du denn nicht diese unumstößliche gute Meinung der Nurschüler und ihre feste Überzeugung, was deine Person betrifft und ihre Begeisterung nur noch steigern könnte, wo es um deinen Rang und die Stufe deiner Vollkommenheit (maqam ve kemalat) geht? Schreibst du all dies nur der Risale-i Nur zu und siehst dich selbst nur als deren unvollkommenen Diener?
Unendliches Lob und Dank sei dafür, dass die Risale-i Nur über solche starken und unverrückbaren Stützpfeiler und über solch glänzende und scharfsinnige Beweise verfügt, dass es keiner weiteren Vorzüge und Fähigkeiten bedarf, die man sich als meiner Person zu eigen vorstellt. Sie sind im Gegensatz zu allen anderen Werken sonstiger Verfasser nicht von dessen Fähigkeit abhängig und entlehnen deren Akzeptanz und Stärke nicht von ihm. So stützt sich denn (die Risale-i Nur) schon seit zwanzig Jahren in aller Öffentlichkeit auf unwiderlegbare Zeugnisse und zwingt so meine äußeren (die gottlosen Lehren westlicher Philosophie) wie inneren (nefs) Feinde, sich zu ergeben. Wäre meine Person ein bedeutender Stützpfeiler für sie, würden meine Feinde, die Atheisten, gnadenlose Gegner, sich niemals geschlagen geben. Doch obwohl meine Feinde in ihrem Wahnsinn mit Lug und Trug auf jede Weise immer wieder versuchen, mich in Misskredit zu bringen und das allgemeine Wohlwollen der Leute mir gegenüber zu zerstören, können sie dennoch der allgemeinen Verbreitung der Risale-i Nur und dem Wert (den sie in den Augen der Leute hat) keinen Schaden zufügen. Selbst wenn es ihnen gelingt, einigen schwachen, erst noch anfänglich begeisterten den Kopf zu verdrehen, wird es ihnen dennoch nicht gelingen, sie dazu zu bringen, sich (von der Risale-i Nur) abzuwenden.
Aufgrund dieser Tatsache (haqiqat) kann ich die gute Meinung, die mir (diese Leute) entgegenbringen und die weit über das hinaus geht, was mir zusteht, nicht akzeptieren, weil ja in dieser Zeit der Egoismus (enaniyet) vorherrschend ist (und diese Leute daher eine Gegenleistung von mir erwarten). Ich selbst hege nicht so wie es meine Brüder tun eine solch "Gute Meinung" über mich. Und wäre denn die religiöse Stufe (maqam-i ukhrevi), die meine Brüder ihrem armseligen Mitbruder zuschreiben, wahrhaftig meine Stufe im Glaubensleben (haqiqi dini maqam), so gilt entsprechend (dem Satz) am Ende des Zweiten Briefes der gesammelten Briefe (mektubat): "Sollte ich - was Gott
verhüten möge! - in dieser Vollkommenheit (kemalat), die man meiner Person als geistliches (manevi) Geschenk zuerkennt, mich selbst wiedererkennen, so wäre dies ein Beweis dafür, dass ich dies nicht bin. Wüsste ich selbst aber nichts davon, so ist es notwendig, ein derartiges Geschenk nicht anzunehmen." Sollte ich aber selbst auf einen derartigen Rang (maqam) Anspruch erheben, so könnte hier der Egoismus (enaniyet) platzgreifen...
Bleibt noch als ein weiterer Punkt, dass man ja sagen könnte, dass jemand, der damit beauftragt (vazifedar) ist, die Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye) für diese Welt (dunya) zu verbreiten, einen entsprechenden Rang (maqam) innehaben sollte, um desto effektiver wirken zu können. Dem widersprechen jedoch zwei Dinge.
Erstens:
Angenommen, es handle sich dabei um (den Rang) der Heiligkeit (velayet) und jemand strebe danach wissend und wollend, so widerspräche dies dem Wesen der Heiligkeit (velayet) und der Bescheidenheit. Niemand kann sich, wie die Sahabis, zu den Erben des Propheten (sahabis) rechnen oder dergleichen behaupten. Mit ihnen kann man sich nicht vergleichen.
Zweites Hindernis:
Wenn ein Mensch in vielerlei Hinsicht angreifbar ist, wenn er sterblich (fani) ist, wenn er nur für sich selbst reden kann, wenn er (an die Begrenzungen von Zeit und Raum) gebunden ist, (wenn er weiß, dass auch er) Fehler hat, so ist dies für (die Botschaft) der Risale-i Nur und die Verbreitung der Glaubenswahrheiten (haqaiqi imaniye) nur von Nachteil. Es gibt jedoch (in dieser Sache) dankenswerter Weise einen Punkt: weil meine politischen Gegner über diese oben erwähnten Tatsachen (haqiqat) kein Wissen haben, denken sie stets nur an den alten ehrwürdigen, hochachtbaren Said und beschäftigen sich ständig damit, anstelle der Risale-i Nur meine Person verächtlich zu machen und deren Fehler aufzuzeigen. Manche fanatische, selbstbezogene Lehrer (enaniyetli hodjalar) hetzten (die Leute) gegen mich auf, als wollten sie die Lichter (Nur) auslöschen. Stattdessen tragen sie dazu
bei, den Glanz der Lichter (Nur) nur noch zu erhöhen. Denn diese Lichter entströmen nicht meiner Wenigkeit, sondern aus der Quelle der qur'anischen Sonne.
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{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Um die Blütenpracht dieses Frühlings schauen zu können, fuhr ich ein, zwei Stunden im Wagen spazieren. Auf eine noch nie zuvor im Leben geschaute Weise wuchsen alle Blumen, Gräser und Kräuter mehr als je zuvor. Sie öffneten ihre Blüten, sangen ihren Lobpreis (tesbihat) und priesen (taqdir) ohne Worte (lisan-i hal) das Kunstwerk ihres Meisters in Seiner Majestät (Sani-i Dhu-l'Djelal) und jubelten Ihm im Empfinden einer wahrhaften Gewissheit (haqqa-l'yakin) zu. So stieg denn in meiner gottvergessenen (ghafil), ungeduldigen Seele (nefs) jenes Gefühl auf, das nach einem Leben in dieser Welt (hayat-i dunyeviye) verlangt. Doch in meinem Herzen (qalb), das in aller Vergänglichkeit (fani) nach der Ewigen (baqi) Seligkeit strebte und dabei die gegebene Gelegenheit ergriff, wuchs im Ekel vor dieser Welt (dunya), überdrüssig aller Krankheit und der Bedrängnis dieses Lebens (hayat) ein brennendes Verlangen, in jene Zwischenwelt (berzah) hinüberzugehen und dort 90/100 meiner Freunde wiederzusehen. Doch da erhob sich in meinem Inneren (nefs) ein Einwand. Wegen dieses Einwandes aber zeigte sich mir plötzlich das Licht des Glaubens (iman nuru) und breitete sich in all meinem Empfinden und Gespür aus. Da sich unseren fünf Sinnen (maddi djihetinde) in so vielen Kunstwerken
Schönheit (djemal), Barmherzigkeit (rahmet) und das Leben (hayat) offenbart, ist der Erdboden gleichsam ein Schleier vor Gottes grenzenloser Barmherzigkeit (rahmet)... und nichts, was sich uns durch ihn zeigt, bleibt dem Zufall (bashibosh) überlassen. Dabei hat der Erdboden sicherlich seinen Anteil an jener Art Werkbänken, aus deren geistige Zentren (manevi) all jene äußerlichen, materiellen Kunstwerke (hervorgehen), die ein Schleier über all der Pracht und Schönheit, der Vollkommenheit (djemal), der Barmherzigkeit (rahmet) und dem Leben (hayat) sind und auf sie zurückgeführt werden können. Sicherlich sollten wir deswegen mit Ehrfurcht über diesen Erdboden schreiten, der unsere (stets alles geduldig) ertragende Mutter ist, an deren Brust wir unsere Zuflucht suchen und uns dabei ihre wahren (haqq), unvergänglichen, himmlischen (manevi) Blumen vor Augen halten, die noch weit liebenswerter sind und nach denen wir sehnsüchtig zu verlangen. Auf diese Weise wurden denn diese blinden Gefühle und alle Einwände meiner in diese Welt vernarrten Seele ganz und gar beseitigt und überwunden.
{"Dank sei Gott für das Licht des Glaubens in all seinen Aspekten!"}
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Mitbrüder!
Möge Gott es wollen (insha-a'llah), dass die geistige Körperschaft der Nurdjus zu jenen Glücklichen gehören wird, die im gesegneten Monat Ramadan das an Lohn gewinnen wird, was eine, von achtzig Jahren im