Nachdem sie ihre Unterweisung empfangen haben, stehen alle diese Bäume hoch über den Felsen, ihre Wipfel zum Throne (Gottes) erhoben.
Jeder Einzelne erhebt sich wie Shehbaz-i Qalender
und reckt in prachtvoller Haltung seine viel hundert Hände an der Schwelle Gottes anbetend empor.
Sie bewegen ihre kleinen Zweige, die ihre Locken sind, und zeigen damit den Zuschauern ihre große Begeisterung und hohe Freude.
Sie bringen in den Szenen des Schauspiels Klänge der Liebe hervor, die bis zu den feinsten Seiten und Empfindungen reichen.
{(Zitat): Dieses Zitat betrifft die Wacholdersträucher auf dem Friedhof:
}
Aus dieser Situation heraus kommt ein Gedanke mit folgender Bedeutung auf: Das Weinen, das aus dem Schmerz über das Ende aller diesseitigen Liebe her rührt, gemahnt an diese tiefsten Tiefen seines Jammers.
Sie lassen den Klang eines Tones hören, wie dem trauriger Liebhaber über den Häuptern aller Liebenden, der Mahmuds, also derer, die - wie Sultan Mahmud - von ihren Geliebten getrennt leben.
Es scheint, als hätten sie den Auftrag, den Verstorbenen, die abgeschnitten sind vom Hören weltlicher Klänge und Worte, mit ihren Trauer einflößenden Klängen die ewigen Melodien erneut wieder zu Gehör zu bringen.
Was aber (meine) Seele (ruh) betrifft, so hat sie auf Grund dieser Szene folgendes verstanden: Sie vernimmt in den Dingen (: den Wachholdersträuchern), das Gemurmel ihrer Bittgebete, mit denen sie auf die Erscheinungen der Namen des majestätischen Schöpfers mit Lobpreisungen entgegnen.
Was aber (mein) Herz betrifft, so liest es aus dem wunderbaren Anblick erhabener Wohlgestaltung der Bäume,
von denen jeder einzelne einem Vers gleicht, der Gestalt angenommen hat, das Geheimnis der Einheit Gottes heraus. Das heißt: Bei ihrer Erschaffung war eine so wunderbare Wohlordnung, eine solche Kunstfertigkeit und Weisheit am Werk, dass alle Ursachen der Welt, könnten sie nach eigener freier Entscheidung gemeinsam handeln, sie diese nicht nachahmen könnten.
Was aber die Seele (nefs) betrifft, so sucht sie in Anbetracht dieser Szene nach einer ewigbleibenden Freude und es ist ihr, als würde die ganze Erde im Beben der Trennung unter lautem Wehgeschrei hin und her geschleudert. So enthüllt sich ihr der Sinn des Wortes: "Du wirst sie finden, wenn du aufhörst, diese Welt anzubeten."
Was aber den Verstand betrifft, so findet er im Raunen der Tiere und im Rauschen der Bäume, in der Erwiderung durch die Pflanzen und durch die Luft die überaus sinnvolle Wohlgeordnetheit der Schöpfung, den Schmuck der Weisheit und die Schatzkammer feinsinniger Wahrheiten. Er versteht, wie in vielerlei Hinsicht alle Dinge die Majestät des Schöpfers lobpreisen.
Was aber die Seele in all ihrer Sinnenhaftigkeit (heva-yi nefs) betrifft, so wird sie durch das Säuseln des Windes und das Rauschen der Blätter mit einer Freude erfüllt, die sie alle weltlichen Vergnügen vergessen lässt. So gibt sie die irdischen Freuden auf, die das Sinnenleben der Seele darstellen, und möchte vor Freude an der Wahrheit schier vergehen.
Was aber die Phantasie (hayal) betrifft, so erscheint es ihr, als ob in die Bäume deren Engel eingegangen und in ihnen Gestalt angenommen hätten, als wären die Bäume deren Kleider und Flöten die an ihren Ästen befestigten Zweige. Es ist, als habe der immerwährende König sie so bekleidet für eine prächtige Parade, mit dem Klang von tausend Flöten, so dass diese Bäume nicht ein lebloser, bewusstloser Körper sind, vielmehr in sich eine durchaus bewusste und sinnvolle Haltung zum Ausdruck bringen.
Siehe, so ertönen denn diese Flöten so rein und eindringlich, als gehörten sie zu einem erhabenen, himmlischen Orchester. (Meine) innere Wahrnehmung (fikir) vernimmt nicht im Klange der Flöten, gleich all den großen Liebenden, besonders aber Maulana Djelaleddin Rumi die leidvolle Klage der Trennung. Vielmehr vernimmt sie die Danksagungen, die dem Erbarmer gebühren, und die Lobpreisungen, die dem Herrn gehören, die dem Herrn, dem Lebendigen, dem Aus-sich-selbst-heraus-bestehenden dargeboten werden.
Da also nun die Bäume alle jeweils ein Leib und alle ihre Blätter Zungen geworden sind, rezitieren sie wie mit tausend Zungen im Hauch des Windes: «Hu, Hu» (Er, Er), das Gottesgedenken (dhikr). In ihrem Gruß und Segenswünschen, die sie durch ihr Leben darbringen, machen sie bekannt, dass ihr Meister der Lebendige und der Aus-sich-selbst-heraus-bestehende ist.
Denn indem alle Dinge gemeinsam sagen:
{"Es gibt keine Gottheit außer Ihm."}
sind sie in dem gewaltigen Kreis der Dhikrfeier des Kosmos tätig.
Zu allen Zeiten wünschen sie sich der Sprache ihrer Begabungen entsprechend aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit Gottes des Gerechten das Recht zu Leben, indem sie «Ya Haqq!» (Oh Gerechter!) ausrufen. Von oben bis unten von Leben erfüllt zu sein ist ihre Sprache, in der sie den Namen «Ya Hayy!» (Oh Lebendiger!) rezitieren.
{"Oh Lebendiger! Oh Unwandelbarer! Um der Ehre Deiner Namen, Lebendiger, Unwandelbarer willen schenke Leben dem Herzen dessen, der im Elend ist, und Rechtleitung dem Geiste dessen, der den Weg (zu Dir) verloren hat! Amen"}
(Einmal, betrachtete ich das Antlitz des Himmels von einer hohen Stelle auf dem Tannenberg bei Barla aus bei Nacht. Die folgenden Abschnitte sind mir plötzlich eingefallen. Sie sind geschrieben, als hörte ich die Worte der Sterne in der Sprache ihres Zustandes: Da ich für Poesie und Dichtung nicht begabt bin, reimen sie sich nicht. Sie sind so geschrieben, wie sie mir eingefallen sind. Von dem "Vierten Brief" und dem "Ersten Kapitel" des "32. Wortes" sind sie hierher gebracht.)
Entnimm ihrer leuchtenden Schrift die Weisheit, die sie verkündigt! Gekommen sind sie und sagen, alle gemeinsam ein Ausdruck der Wahrheit:
"Wir sind das strahlende Zeugnis des großartigen Königreiches einer allmächtigen Majestät.
Wir sind dafür Zeugen, dass es einen Meister gibt in Seiner Einheit und in Seiner Kraft.
Den Engeln gleich betrachten wir vom Himmel herab die Erde, schauen das Antlitz der Erde,
voll tiefer und feinsinniger Wunder, halten stets das Paradies auch im Blick.
Tausende aufmerksamer Augen sind wir des Himmels.
Für die Bewohner des Himmels sind wir eine wandelnde Moschee,
ein Haus, das seine Kreise zieht und ein erhabenes Nest,
ein strahlender Leuchter, ein gewaltiges Schiff;
Flugzeugen gleich sind wir alle und ein jeder von uns.
Eines Allmächtigen in Seiner Vollkommenheit, eines Allweisen in Seiner Majestät
wunderbare Kraft und staunenserregendes Kunstwerk Seiner Schöpfung,
ein Kleinod Seiner Weisheit und Ingenium Seiner Schöpfung,
eine Welt voller Licht sind wir, jeder von uns aus Licht eine Welt.
So zeigen wir mit hunderttausenden von Zungen hunderttausende Beweise,
lassen sie vernehmlich werden dem Menschen, der ein Mensch ist.
Mit Blindheit geschlagen das Auge der Gottlosen, vermag es nicht mehr zu schauen unser Antlitz
und vernimmt er unsere Stimme nicht. Doch sind wir die Zeichen, die Wahrheit verkünden.
Eines ist unsere Prägung, eines unser Siegel.
Immerwährend wiederholen wir den Lobpreis unseres Herrn, wir seine Diener
gedenken Seines Namens, Ihn verehrend alle Zeit.
In Ihm versunken reihen wir uns ein als die Glieder in der endlosen Milchstraße Band."
So habe ich sie in meiner Vorstellung gehört.
Achtzehntes Wort
Dieses Wort besteht aus zwei Kapiteln. (Das zweite Kapitel wurde noch nicht geschrieben. Das erste Kapitel besteht aus drei Punkten.)
Erster Punkt:
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Denke nicht, dass diejenigen, die sich über das freuen, was sie getan haben und gelobt werden möchten für das, was sie nicht getan haben, denke nicht, dass sie ihrer Strafe entgehen werden; denn ihrer ist eine schmerzhafte Strafe." (Sure 3, 188)}
Oh du meine Seele (nefs), die du dich für den Ruhm begeisterst, in dein Ansehen vernarrt, nach Lob süchtig und von deinem Hochmut so beispiellos betäubt bist! Wenn ein winziges Samenkörnchen, Ursprung eines Feigenbaumes, der Tausende von Früchten hervorbringt, und wenn ein schwarzer, vertrockneter Weinstock, an dem hundert Trauben hängen und der diese Beeren, diese Trauben als sein eigenes Kunstwerk betrachtet, nun berechtigter Weise die Forderung erhöbe, dass diejenigen, die aus ihnen ihren Nutzen ziehen, diesen Weinstock, dieses Samenkörnchen loben und verehren sollten, dann hättest auch du vielleicht das Recht, stolz zu sein auf die Geschenke (ni'met), die du zu tragen erhalten hast, und dich ihrer zu rühmen. Denn eigentlich hast du ja nichts als nur Tadel verdient. Denn du gleichst ja
nicht diesem Samenkörnchen, diesem Weinstock. Da du einen Bruchteil freien Willens hast, verringerst du die Werte dieser Gnadengeschenke durch deinen Stolz.
{D.h.: wenn du deine Leistung in Dankbarkeit als Gottes Gnade annimmst, behält sie ihren vollen göttlichen Wert. Erklärst du sie stolz als deine eigene Leistung, hat sie keinen Wert. (A.d.Ü.)}
Durch deinen Hochmut zerstörst du sie, durch deine Undankbarkeit machst du sie zunichte. Du raubst sie dadurch, dass du sie in Besitz nimmst. Es ist nicht deine Aufgabe, dich zu rühmen, sondern zu danken. Dir gemäß ist nicht Stolz, sondern Bescheidenheit und Demut. Du verdienst nicht Lob sondern Reue und Vergebung. Deine Vollendung liegt nicht darin, dich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern in Gottes Rechtleitung (huda) zu sehen.
Du, meine Seele, bist in meinem Körper eigentlich das, was die Natur im Kosmos ist (: die Seele des Weltalls). Ihr seid beide (: die eigene Seele und die des Alls) dazu geschaffen, das Gute (als Gnadengeschenk) anzunehmen und das Schlechte euch selbst zuzuschreiben. Das heißt: ihr seid nicht der Handelnde oder der Ursprung des Geschehens, sondern das Subjekt und der Ort an dem es sich vollzieht. Es hat da lediglich eine Einwirkung stattgefunden. Sogar das Gute, das aus dem vollendeten Guten entspringt, wird zur Ursache des Bösen, wenn ihr es nicht auf eine schöne Weise annehmt.
Des Weiteren seid ihr als je ein Schleier (vor dem Antlitz Gottes) erschaffen worden, damit die scheinbaren Unschönheiten, deren (wahre) Schönheit unsichtbar ist, euch zugeschrieben werden und Gott in Seiner Heiligkeit (muqaddes) vor Anklagen bewahrt bleibt. Denn die Form, mit der ihr euch bekleidet habt, befindet sich ganz und gar im Gegensatz zu eurer naturgemäßen Aufgabe. In eurer Unfähigkeit verwandelt ihr nicht nur Gutes in Böses, nein, ihr tut auch noch so, als wolltet ihr euch zum Teilhaber des Schöpfers machen. Das heißt: Wer sich selbst überhebt und wer die Natur anbetet, ist überaus
dumm und grenzenlos ungerecht (gegenüber seinem Schöpfer).
Des Weiteren sage nicht: "Ich bin wie eine Darstellung. Wo Schönheit sich darstellt, dort verschönert sie auch." Denn da du dich nicht verwandeln kannst (z.B. Ton in einen Topf, der seine Gestalt bewahrt), kannst du auch nichts darstellen. Du gleichst einem Kanal (der nur als Mittler dient und nichts behält).
Des Weiteren sage nicht: "Ich bin aus meinem Volk auserwählt. Ich bin es, der diese Früchte den Anderen zeigt. Das heißt: Ich genieße einen Vorzug vor den anderen." Nein, Gott bewahre! Vielmehr sind sie dir zuerst und vor allen Anderen gegeben worden. Da du mehr als alle Anderen arm, elend und bedürftig warst, sind sie dir zuerst in die Hände gegeben worden.
Zweiter Punkt:
{"Er hat alles, was Er geschaffen hat, sehr gut (ahsan) gemacht." (32,7)}
Dieser Punkt dient zur Erklärung eines der Geheimnisse dieser Ayah. Es ist dies wie folgt:
Alle Dinge, sogar diejenigen Dinge, die besonders hässlich aussehen, haben dennoch einen Aspekt wahrer Schönheit. Alle Dinge, alle Ereignisse in der Welt sind in der Tat entweder an und für sich schön, es ist dies die ihnen eigene Schönheit, oder sie sind in Anbetracht ihres Zweckes gut, was man als äußerliche Schönheit bezeichnet. Es gibt einige Ereignisse, die äußerlich hässlich und verworren erscheinen. Hinter diesem äußerlichen Schleier verbirgt sich jedoch strahlende Schönheit und
schönste Ordnung.
Zur Frühlingszeit hält sich das Lächeln unendlich schöner Blumen und all der anderen bestens ausgestatteter Pflanzen unter Sturm und Regen, in Schlamm und Erde verborgen. Und zur Herbstzeit werden die so empfindlichen kleinen Tiere, die Freunde der lieblichen Blumen, um sie vor der Bedrängnis und der Qual durch die Geschehnisse des Winters zu bewahren, welcher ein düsterer Schleier der Trennung ist, hinter dem die Erscheinung der Herrlichkeit des Hochgepriesenen sichtbar wird, von ihrer Lebensaufgabe entbunden, wodurch sich die Strenge der Zerstörung hinter dem Schleier des Winters in die Stätte eines lieblichen und schönen neuen Frühlings umgestaltet. Hinter dem Schleier derartiger Ereignisse wie Sturm, Erdbeben und Seuchen verborgen, öffnen sich sehr viele Blumen eines geistlichen Lebens. Viele Begabungen, die bisher noch nicht zum Durchbruch gelangt waren, die wie Saatkörner noch ohne Wachstum und Gedeihen geblieben waren, setzen nun, angesichts solcher nach außen hin fürchterlich erscheinender Ereignisse, Ähren an und bringen ihre Frucht. Es ist, als wären alle diese Umwälzungen und allgemeinen Veränderungen im geistlichen Leben dem Regen vergleichbar.
Der Mensch jedoch, der in die Äußerlichkeiten (dieser Welt) vernarrt ist und sich selbst (als deren Mittelpunkt) betrachtet, sieht allein das Äußere und beurteilt es als hässlich. In seinem Egoismus beurteilt er ein Ergebnis nur insoweit es ihn selbst betrifft und hält es für schlecht. Bezieht sich aber eine Sache in einem einzigen ihrer Resultate auf den Menschen, so sind es deren tausend, die mit dem Namen des Meisters verbunden sind.
Der Mensch hält Dornsträucher und mit Stacheln bewehrte Bäume, die doch zu den großen Wundern der Allmacht des Schöpfers gehören, für schädlich, ja für sinnlos. Dabei sind sie doch die wohlausgerüsteten Ritter unter den Bäumen und all den anderen Pflanzen. Oder ein anderes Beispiel: Der Sperber, der einen Sperling
angreift, scheint nicht in das Bild der göttlichen Barmherzigkeit hineinzupassen. Er bringt jedoch durch diesen Angriff die natürlichen Fähigkeiten des Sperlings zur Entfaltung. Oder: Ein Mensch hält den Schnee für eiskalt und ohne jeden Geschmack. Hinter dem Schleier einer solchen Kälte verbirgt sich jedoch eine Absicht von solcher Wärme (die Schneedecke ist ein Kälteschutz! - A.d.Ü.) und von solchem Wohlgeschmack, dass sie sich gar nicht beschreiben lässt.
Der Mensch in seinem Egoismus und seiner Verhaftung an das Äußerliche und in seiner Betrachtung aller Dinge als seien sie einzig auf ihn selbst bezogen, hält darüber hinaus auch noch alle die vielen Dinge, die ihm doch durchaus wohl anstehen, für unanständig.
In den Augen der Menschen gilt es als eine Verletzung des Schamgefühls, wenn man über die Zeugungsorgane des Menschen spricht. Solch ein Vorhang der Schamhaftigkeit (ein derartiger Schleier der Beschreibung) besteht jedoch lediglich auf Seiten menschlicher Betrachtungsweise. Von Seiten der Schöpfung, also der Kunst und der Absicht in der Natur betrachtet, sind solche Vorhänge (derartige Beschreibungen) jedoch, betrachtet man sie mit den Augen der Weisheit, durchaus in Einklang mit dem Schamgefühl. Anstand und Würde bleiben davon unberührt.
So sind also manche Darstellungen im Weisen Qur'an, aus deren Boden der wahre Anstand erwächst, hinsichtlich dieser Betrachtungsweise einem Einwegspiegel vergleichbar. Unter der äußerlichen Betrachtungsweise gibt es Aspekte, die uns hässliche Geschöpfe und abscheuliche Ereignisse vor Augen stellen und doch schöne Aspekte der Betrachtung sehr schöner und weisheitsvoller Schöpfungen und Kunstwerke sind, die auf ihren Meister ausgerichtet sind, und es gibt sehr schöne Schleier, unter denen Weisheiten verborgen sind, und es gibt sehr viele Dinge, die ohne jede Ordnung und ein völliger Wirrwarr zu sein scheinen und dennoch eine durchaus wohlgeordnete heilige Schrift sind.
Dritter Punkt:
{"Wenn ihr Gott liebt, so folgt mir, damit Gott euch liebt!" (Sure 3, 31)}
Da es nun einmal im All ganz offensichtlich schöne Kunstwerke gibt und dies auch gewiss ist, so ist es auch erforderlich, dass das Prophetentum Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, mit einer Gewissheit feststeht, als habe man es bezeugt. Denn die Schönheit der Kunst und die schön geschmückten Formen aller Kunstwerke zeigen, dass ihr Meister den energischen Willen hat, den Dingen eine schöne Form zu geben und den nachdrücklichen Wunsch, sie zu verzieren. Und dieser Wunsch und Wille zeigt, dass diesen Meister eine hohe Liebe und eine heilige Begeisterung zur Vollendung Seiner Kunst beseelt, die in Seinen Kunstwerken sichtbar wird. Diese Liebe und Begeisterung verlangt aber danach, sich dem Menschen, welcher in Seiner Schöpfung als einziger die Fülle der Erleuchtung und Vollendung empfangen hat, mehr als allen Anderen zuzuwenden und sich in (seinem Herzen) zu konzentrieren. Jener Mensch aber ist die Frucht des Schöpfungsbaumes, welche mit Bewusstsein begabt ist. Und jene Frucht aber ist als dessen Teil derjenige, in dem sich (als dem Herzen die ganze Schöpfung) konzentriert, der am weitesten (vom Ursprung der Schöpfung) entfernt ist, dessen Blick (die ganze Schöpfung) umfasst und dessen Bewusstsein (mit der ganzen Schöpfung) verbunden ist. Jene Persönlichkeit aber, deren Blick allumfassend und deren Bewusstsein mit allen verbunden ist, kann nur jene eine hohe, erhabene, überaus strahlende, sein, welche von dem Meister jeglicher Kunst und Schönheit angesprochen wurde und mit Ihm geredet hat, die sich im Bewusstsein ihrer Allverbundenheit und mit ihrem Blick für die Gesamtheit in der vollkommenen Anbetung ihres Meisters, in der Begeisterung für Seine Kunstwerke und in der Dankbarkeit für Seine Gnadengaben gewidmet hat.
Nun sehen wir zwei Tafeln, zwei Bereiche. Die eine ist der überaus prächtige, wohlgeordnete Bereich der Herrschaft und die überaus kunstvoll gestaltete und ausgeschmückte Tafel der Kunst. Die andere ist der überaus glänzende, blumengeschmückte Bereich des Dienstes und der Anbetung und die so weit ausgedehnte, umfassende Tafel des Nachdenkens, der Begeisterung, der Dankbarkeit und des Glaubens. Der zweite Bereich bewegt sich mit ganzer Kraft im Namen des ersten Bereiches.
So wird es denn ganz offensichtlich klar, in welchem Grade der Fürst dieses Bereiches, der bei allen künstlerischen Absichten seinem Meister dient, mit diesem Meister verbunden ist und wie sehr er in dessen Augen geliebt und geschätzt ist.
Ja, wäre es denn etwa in irgend einer Weise zu verstehen, dass der Künstler dieser schönen Schöpfungen, der in einem solchen Grade ein Kunstliebhaber ist und der es liebt, zu schenken, ja der sogar auf all die verschiedenen Geschmacksempfindungen des Gaumens achtet, gegenüber Seinem schönsten Werk, dessen Rufe der Begeisterung und Bewunderung, von denen Himmel und Erde widerhallen, dessen Bekundungen der Dankbarkeit und des Lobpreises (tekbir) Land und Meer in einen Taumel der Begeisterung versetzen, und das Ihm sein Antlitz verehrend zuwendet, gleichgültig bleiben sollte, sich etwa nicht mit ihm unterreden wollte, ihn nicht voll Interesse zu Seinem Botschafter machen wollte und nicht wollte, dass dessen schöne Haltung auch von allen Anderen reflektiert werde? Nein! Das wäre es in gar keiner Weise! Es wäre unmöglich, dass Er sich etwa nicht mit ihm unterreden und ihn etwa nicht zu Seinem Gesandten machen sollte...
{"Denn Glaube (din) ist bei Gott (Allah) die Ergebung (islam)." (Sure 3, 19) "Mohammed ist der Gesandte Gottes (rasulullah). Diejenigen aber, die mit ihm sind..." (Sure 48, 29)}
Es sind die Tränen eines Herzens, das in der Gefangenschaft voll von Heimweh während der Morgendämmerung über die Trennung weint.
Wacht auf meine Augen in dieser Zeit der Morgenfrühe!
Bitte an der Schwelle Gottes um Seine Gnade.
Die Morgenfrühe ist die Zeit, die den Leuten der Sünde bestimmt ist, um Vergebung zu bitten.
Wach auf, mein Herz, zur Zeit der Morgendämmerung.
Flehe um Vergebung, bitte an der Schwelle Gottes um Seine Verzeihung!
{"Die Morgenfrühe ist der Auferstehung, (wenn) alle Dinge erwachen und ihren Lobpreis rezitieren. Wie lange willst du noch in diesem Schlaf der Gottvergessenheit verweilen, oh du meine umherschweifende Seele? Der Nachmittag (deines Lebens) ist gekommen und die Reise zu deinem Grab beginnt, wo du dich von allem trennen musst, was lebt. Strenge dich an in Flehen und Gebet, dem Ruf der Ney gleich. Sage nun: 'Oh Herr, ich bereue, fühle mich schuldig, schäme mich. Meine zahllosen Sünden haben mich in Verwirrung gebracht. Ich lebe in Chaos und im Elend. Meine Augen füllen sich mit Tränen. Mein Leben verläuft ohne einen festen Halt in der Fremde. Ich habe niemanden. Schwach bin ich, ohnmächtig, krank, hilflos, alt und schon nicht mehr frei in meinen Entscheidungen. Oh hilf mir doch, sage ich. Ich suche Vergebung, Ich flehe um Hilfe an deiner Schwelle, oh Gott!'"}
Neunzehntes Wort
{Abk. von Alaihis-Salatu Ves-Selam: Friede und Segen sei mit ihm. (A.d.Ü.)}
{"Ich konnte mit meinen Worten Mohammed nicht preisen, doch wurden meine Worte durch Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, gewürdigt, ihn zu preisen."}
Dieser Ausspruch ist in der Tat wunderbar. Doch das, was seine Schönheit bewirkt, ist die Schönheit dessen, dem die Schönheit mohammedanischer Eigenschaften gebührt.
Dies ist der Vierzehnte Blitz, eine Abhandlung aus vierzehn Teilen, Tropfen gleich.
Erster Tropfen:
Es gibt drei große universale Quellen, die uns Kunde geben von unserem Herrn:
Eine ist das Buch des Universums, über dessen Zeugnis wir in der dreizehnten Lektion des arabischen Gesamtwerkes (Nur Risalesi) zum Teil gehört haben, welches aus dreizehn "Blitzstrahlen" (Abschnitten) besteht.
Eine weitere ist der, mit dem der Friede und Segen sei, das Siegel der Propheten, das größte Zeichen in diesem Großen Buch, eine weitere, der hochehrwürdige Qur'an.
Zuerst müssen wir den kennenlernen und vernehmen, welchen wir hier an zweiter Stelle als beredtes Zeugnis aufgeführt haben, ihn, mit dem der Friede und Segen sei, das Siegel der Propheten.
Betrachten wir zuerst seine geistige Erscheinung. Mit der Erde als seiner Moschee, Mekka als seinem Mihrab (Gebetsnische) und Medina als seinem Minber (Kanzel) ist unser Prophet, mit dem der Friede und Segen sei - wie ein strahlendes Zeugnis - der Imam aller Gläubigen,
der Prediger vor allen Menschen, der Vorsteher aller Propheten, der Herr aller Heiligen, der Dhikr-Leiter im Kreise der Propheten und Heiligen, ein lichtvoller Baum, dessen lebensspendende Wurzeln die Propheten und dessen Früchte die Heiligen sind. Alle Propheten mit ihren Wundern, alle Heiligen mit ihren Gnadengaben bestätigen und unterstreichen seine Botschaft. Denn er verkündet:
{"Es gibt keinen Gott außer Allah!"}
und daran hält er fest. Das gleiche Wort wiederholen alle die erleuchteten Teilnehmer der Dhikr-Feier zur Rechten und zur Linken, nämlich die auf Seiten der Vergangenheit und der Zukunft in der Reihe stehend, vereinigen sich, sagen im Geiste: Du hast Wahrheit und Recht gesprochen. Was für eine hohle Behauptung ist es doch, ein solches Argument zu bestreiten, das durch solche zahllosen Zeugen bestätigt ist!...
Zweiter Tropfen:
Und gerade so wie dieses leuchtende Zeugnis der Einheit Gottes (Tauhid) durch die Übereinstimmung der beiden Flügel (der vergangenen und der künftigen Zeit) und ihre gemeinsame Kunde bestätigt ist, so bestätigen und versichern dies auch die hunderte von Zeichen in den von Gott offenbarten Büchern wie Torah und Evangelium, die tausenden von Hinweisen der Irhasat, Hinweise auf sein Prophetentum vor seiner Berufung, die berühmten Hatife, Dschinnen, die zu den Menschen reden, die übereinstimmende Kunde der Wahrsager, die Hinweise seiner tausenden von Wundern - wie die Spaltung des Mondes - die Gerechtigkeit der Scharia (das isl. Gesetz). Auf gleiche Weise wird die Wahrhaftigkeit seines Anspruches mit sonnenklarer Deutlichkeit bezeugt durch seine Persönlichkeit, seine hohe Vollendung, seinen allseits gepriesenen Charakter, die außergewöhnliche Schönheit seiner reichen Gesinnung in der Erfüllung seiner Aufgabe, seine absolute Zuverlässigkeit, die Stärke seines Glaubens, die große Zuversicht, die hohe Festigkeit, die sich in seiner außergewöhnlichen Gottesfurcht,
seiner außerordentlichen Ergebenheit, seinem besonderen Ernst und seiner großen Standhaftigkeit zeigen.
Dritter Tropfen:
Wenn du willst, dann komm: Wir gehen auf die arabische Halbinsel in die "Glückliche Zeit" (des Propheten)! Besuchen wir ihn in unserer Phantasie und beobachten wir ihn bei seiner Aufgabe! Siehe, da ist ein Mann, herausragend durch seine edle Gesinnung und seine vollkommene Gestalt, ein wunderweisendes Buch in seiner Hand, das Wissen um die Wahrheit auf seiner Zunge und in seiner Rede, wie er eine Hutbe (Predigt) von Ewigkeit her an alle Adamssöhne, ja Dschinnen, Menschen und Engel, ja sogar an alles Sein gerichtet hält. Er beschreibt das wundersame Rätsel um die Erschaffung der Welt und löst es. Er entdeckt den undurchdringlichen Zauber des kosmischen Geheimnisses und lichtet ihn. Auf die drei großen, schwierigen und beunruhigenden Fragen, die - von allem Sein gestellt - alle Vernunftbegabten mit Staunen beschäftigt haben: "Was bist du? Woher kommst du? Wohin gehst du?", auf diese Fragen gibt er einsichtige und zufriedenstellende Antworten.
Vierter Tropfen:
Siehe, er strahlt ein solches Licht der Wahrheit aus, dass du in Betrachtung des Weltalls außerhalb seines lichten Führungskreises der Wahrheit, das Weltall als ein allgemeines Trauerhaus ansehen wirst, in dem sich die einzelnen Wesen und Dinge einander fremd, ja sogar feindlich sind; die toten Dinge sind furchterregende Leichnahme; alles Lebendige weint als Waisen unter den Schlägen des Verfalls und der Trennung. Nun aber siehe: Durch das Licht, das von ihm ausstrahlt, wurde dieses allgemeine Haus der Trauer in ein Haus verwandelt, wo im Feuer der Begeisterung Dhikr gefeiert wird. Diese fremdartigen, einander feindlichen Wesen und Dinge haben die Gestalt von Freunden und Brüdern angenommen. Diese stummen und toten Objekte haben jede die Haltung von freundlichen Dienern und gefügigen Gehilfen angenommen. Und diese weinenden und klagenden, verlassenen Waisenkinder bekamen jedes den Ausdruck von Teilnehmern an einer Dhikr-Feier
in ihrem Lobpreis oder von Danksagenden am Feierabend nach der Arbeit.
Fünfter Tropfen:
So also wurden die Bewegungen, Variationen, Veränderungen, Umwandlungen im Weltall durch dieses Licht aus ihrer Inhaltslosigkeit, Fruchtlosigkeit und ihrem Zustand als Spielball des Zufalls herausgeführt und jede von ihnen auf die Stufe eines Briefes des Herrn, einer Seite voll Wunderzeichen des Seins, eines Spiegels der Gottesnamen heraufgeführt und mit ihnen die Welt in den Rang eines Buches einzigartiger Weisheit erhoben. Und so wie der Mensch durch seine grenzenlose Schwäche und Hilflosigkeit, Armseligkeit und Bedürftigkeit unter alle Tiere erniedrigt wurde und noch unglücklicher wurde als alle Tiere durch seinen Verstand, der ihm wie ein Übertragungsgerät zu Kummer, Sorge und Schmerz wurde, so wurde der Mensch - erleuchtet mit diesem Licht - über alle Tiere, ja über die gesamte Schöpfung emporgehoben. Erleuchtet in seiner Hilflosigkeit und Armut und auch in seinem Verstand, wird er zu einem hochempfindlichen Sultan, in seinem Flehen, zu einem Kalifen über die Erde, der in seinem Aufschrei alles erhellt, das heißt, gäbe es nicht dieses Licht, stiege auch das Weltall, auch der Mensch, ja alles, was ist, hinab in das Nichts. Ja, sicherlich ist in einem so einzigartigen Kosmos auch eine solche Persönlichkeit notwendig. Anderenfalls gäbe es den Kosmos mit all seinen Welten nicht.
Sechster Tropfen:
Dies also ist der Mann, welcher der Herold und Verkünder der Ewigen Seligkeit ist, der die unendliche Barmherzigkeit (Gottes) aufdeckt und bekannt macht, der Ausrufer der Schönheiten des Reiches Gottes und ihr Betrachter, der die Schätze der Gottesnamen offen legt und sie zeigt. Wenn du deine Aufmerksamkeit ihm zuwendest, seinem Dienst, seiner Anbetung, wirst du ihn als ein Beispiel der Liebe, eine Verkörperung der Barmherzigkeit sehen. In ihm siehst du die Ehre der Menschheit, eine leuchtende Frucht am Baume der Schöpfung. Wendest du deine Aufmerksamkeit abermals ihm zu, seinem Prophetentum, kannst du ihn als ein
Zeugnis für das Recht, eine Lampe für die Wahrheit, eine Sonne für die Rechtleitung, ein Fahrzeug zur Glückseligkeit sehen. Dies also ist er, dessen Ruf sich aus dem Unsichtbaren blitzschnell verbreitete und dessen Licht vom Osten nach Westen alles überstrahlte. Die halbe Welt - ein Fünftel der Menschheit - hat das Geschenk seiner Rechtleitung angenommen und wie ihren Augapfel gehütet. Was ist das nur mit unserer Seele und unserem Dämon, dass sie لآ اِلَهَ اِلاَّ اللّهُ {"Es gibt keinen Gott außer Allah!"} in all seinen Abstufungen nicht annehmen wollen, was doch der Wesenskern aller Lehre einer solchen Persönlichkeit ist.
Siebenter Tropfen:
Wie schnell hat er doch den verschiedenen Stämmen dieser weiten Halbinsel - so wild, starrköpfig und ihren Sitten verhaftet wie sie waren! - ihre rohen und grausamen Sitten und Gebräuche ohne alle Umschweife genommen und sie mit der Wurzel ausgerottet. Stattdessen hat er sie mit allen guten Sitten ausgestattet und sie in aller Welt zu Lehrern und zu Meistern über zivilisierte Nationen gemacht. Und siehe! Es war dies keine bloße Unterwerfung nach außen hin, er hat sich vielmehr Verstand, Geist, Herz und Gemüt erobert und erschlossen. So wurde er Geliebter der Herzen, Lehrer der Intelligenzen, Erzieher der Gemüter, Souverän der Geister.
Achter Tropfen:
Wenn man aber weiß, wie ein großer Herrscher mit großer Anstrengung kaum eine unbedeutende Gewohnheit - wie das Rauchen - selbst in einem kleinen Stamm für die Dauer aufzuheben vermag, dann betrachte man, wie diese Persönlichkeit viele und starke Gewohnheiten selbst bei diesen starrköpfigen, ihren Sitten verhafteten großen Stämmen, mit äußerlich nur geringer Macht, mit nur geringer Anstrengung in kurzer Zeit überwandt. An ihre Stelle pflanzte und befestigte er in ihnen höchste moralische Werte, welche ihnen bei weitem
in Fleisch und Blut übergegangen und verwachsen sind. Und noch sehr viel dergleichen Wunderbares bringt er zur Durchführung. Wer aber nun diese "Glückliche Zeit" (des Propheten) nicht sehen will, dem sei die Halbinsel Arabien vor Augen geführt! Möge er hunderte von Philosophen mit sich nehmen, dorthin gehen, hundert Jahre arbeiten. Könnte er auch nur ein Hundertstel dessen vollbringen, was diese Persönlichkeit unter den Umständen seiner Zeit in einem einzigen Jahr geschaffen hat?
Neunter Tropfen:
Wenn man zudem weiß, dass selbst ein kleiner Mann von wenig Ehrgefühl nicht während eines Streitgesprächs inmitten einer kleinen Gemeinschaft und auch nicht in einer unbedeutenden Angelegenheit eine Behauptung aufstellen und unverhüllt-unbekümmert eine kleine Lüge aussprechen kann, deren man sich schämen muss, ohne seinen Feinden neben sich seine Sorge und Beunruhigung zu zeigen und sie so die Täuschung verspüren zu lassen, dann betrachte man diese Persönlichkeit, betraut mit einer großen Aufgabe, ein großer Beauftragter mit einem großen Ehrgefühl, in einer Lage, wo er der Sicherheit so notwendig bedarf, inmitten einer sehr großen Gemeinschaft, angesichts einer sehr großen Feindschaft vor sehr bedeutenden Aufgaben, einer großen Mission spricht er mit sehr großem Freimut, ohne Angst, ohne Zweifel, Verlegenheit oder Unruhe zu zeigen, mit aufrichtiger Lauterkeit, mit einem großen Ernst, mit majestätischer Strenge, mit Worten, die seine Feinde in Wut versetzen. Vermag man darin wohl einen Widerspruch zu entdecken? Kann mit ihnen wohl eine Lüge vermengt sein? Keineswegs!
{"Es ist dies nichts Anderes als das, was als Offenbarung eingegeben wurde." (Sure 53, 4)}
Ja, die Wahrheit betrügt nicht und der die Wahrheit schaut, wird nicht betrogen. Und Wahrheit als Berufung ist frei von Betrug. Wie könnte vor seinen die Wahrheit
schauenden Augen eine Illusion als Realität (: Wahrheit) erschienen sein, ihn betrogen haben...
Zehnter Tropfen:
Wie spannend und mitreißend ist es doch, wenn er die Realitäten schildert; welch dringendem Bedürfnis entspricht doch die Wahrheit, die er bringt und welch großartige Dinge sind es, die er aufzeigt und für die er den Beweis erbringt. Man weiß ja, dass das stärkste Antriebsmotiv des Menschen die Neugierde ist. Sagte ihm jemand, er solle sein halbes Leben, sein halbes Vermögen hingeben; es werde jemand vom Mond oder vom Jupiter kommen; er werde berichten, wie es auf dem Mond oder auf dem Jupiter aussieht und was dort geschieht; er werde dir ganz genaue Kenntnisse darüber vermitteln, wie deine Zukunft aussehen wird und dir vollkommen richtig darüber Mitteilung machen, was mit dir geschehen wird: Wenn er neugierig ist, wird er es ihm geben.
In der Tat, dieser Mann bringt uns Kunde von einem König, in dessen Reich der Mond einer Fliege gleich um einen Falter kreist. Dieser Falter, der unsere Erde ist, umrundet eine Lampe und diese Lampe, die unsere Sonne darstellt, ist eine Lampe unter tausenden von Leuchtern in einer Herberge unter tausenden von Häusern dieses Königs. Und es ist dies eine so wundervolle Welt, von der er uns wahrheitsgetreu berichtet und eine solche Revolution, von der er berichtet, dass - wären auch tausende Erdbälle explodierende Bomben - dies nicht bewundernswert wäre. Und nun merke auf die Suren in seinem Munde wie:
{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird..." (Sure 81, 1) "Wenn sich der Himmel spaltet..." (Sure 82, 2) "Das Poltern..." (Sure 101, 1 : eine Sure von Weltuntergang und -gericht.)}
Und er berichtet wahrheitsgemäß von einer derartigen Zukunft, dass unsere eigene Zukunft hier auf Erden daneben nur wie eine schwache Luftspieglung erscheint. Er berichtet in völligem Ernst von einer solchen Glückseligkeit,
dass daneben alles Glück der Welt einem flüchtigen Aufblitzen neben der Urewigkeit der Sonne gleicht.
Elfter Tropfen:
Unter dem äußeren Schleier dieses Kosmos voller Wunder und Rätsel erwarten uns ohne Zweifel mit Sicherheit ebensolche Wunder. Um uns von solchen Wundern Kunde zu bringen, ist auch eine solche geniale, außergewöhnliche, wunderwirkende Persönlichkeit notwendig. Aus dem Verhalten dieses Mannes erschauen wir, was er geschaut hat und noch schaut und über das Geschaute aussagt. Was der Herr dieser Himmel und der Erde, der uns mit Seinen Gnadengaben nährt, von uns verlangt und was Ihm wohlgefällig ist, darüber unterrichtet er uns äußerst zuverlässig. Was aber ist mit den meisten Menschen geschehen, dass sie statt um dieser Persönlichkeit willen, welche über dergleichen äußerst interessante und notwendige Wahrheiten unterrichtet, alles verlassen, zu ihm hinlaufen, ihm lauschen sollten, nun taub und blind, oder gar wahnsinnig geworden sind, sodass sie von dieser Wahrheit nichts sehen, über diese Tatsache nichts hören und nicht davon verstehen!...
Zwölfter Tropfen:
Siehe da ist eine Persönlichkeit, ein beredtes Zeugnis für die Einheit des Schöpfers allen Seins, nach dem Grade seiner eigenen Wahrhaftigkeit ein zuverlässiges Zeugnis und ein sicherer Beweis für die Auferstehung und die Ewige Seligkeit. Zudem ist diese Persönlichkeit - so wie sie selbst rechtgeleitet war - Grund zur Stiftung Ewiger Seligkeit und ihr Fahrzeug dorthin. In gleicher Weise ist er durch sein Gebet und seine Fürbitte die Verkörperung der Ursache der Glückseligkeit und die Veranlassung zu ihrer Schaffung. Wir wiederholen in diesem Zusammenhang das folgende Geheimnis, das wir schon im Zusammenhang mit der Auferstehung behandelt hatten.
Siehe: Er betet in einer so gewaltigen Gemeinschaft, dass es so aussieht, als ob alle erleuchteten vollkommenen Menschen unter den Söhnen Adams von Adams Zeiten bis in unsere Zeit und weiter bis zum Jüngsten Tag
mit ihm verbunden seien und ihm im Gebete folgend "Amen" sagten.
Und siehe weiter: Er betet so um das Wohl der Allgemeinheit, dass nicht nur die Bewohner der Erde, sondern auch die Bewohner des Himmels, ja sogar alles Sein sich seinem Gebet anschließt und spricht: "Ja, oh Herr! Verleihe es ihm, so wie auch wir es wünschen!" In seinem Gebet findet eine solche Anmut, eine solche Trauer, eine solche Liebe, eine solche Sehnsucht, ein solches Verlangen ihren Ausdruck, dass er die ganze Welt dazu bringt, mit ihm zu weinen und zu beten.
Siehe, er betet für ein solches Ziel, ein solches Ideal, dass er den Menschen und die Welt, ja sogar alles Geschaffene, aus niedrigsten Niederungen, der Gefallenheit, Wertlosigkeit, Nutzlosigkeit zu höchsten Höhen, d.h. zu Wert, Beständigkeit und erhabenem Dienst emporführt.
Siehe, er trägt seine Bitte mit solcher Inbrunst vor, fleht, stellt seine Hilfsbedürftigkeit dar, bringt seine Fürbitte so wohlgefällig und mit so viel Ehrerbietung dar, dass er alles Geschaffene, die Himmel und den Thron (Gottes) dazu bewegt, ihn anzuhören, erschüttert zu werden, «Amin, Allahumma, amin» zu beten.
Siehe, er betet zu dem Allhörenden, Freigiebigen, Allmächtigen, Allsehenden, Barmherzigen, Allwissenden (Semi', Kerim, Qadir, Basir, Rahim, Alim) in seiner Bedürftigkeit, dass Er - wie wir selbst sehen können - auch das verborgenste Lebewesen in seinem Bittgebet hört, sieht, es annimmt, sich seiner erbarmt. Er gibt ihm, worum er bittet, und sei es auch unausgesprochen. Er gibt ihm in der Weise, dass kein Zweifel an Seiner weisen, allsehenden und barmherzigen Art bleibt. Diese Umsicht und Fürsorge ist einzig dem Allhörenden und Allsehenden in Seiner Freigiebigkeit und Barmherzigkeit zu Eigen.
Dreizehnter Tropfen:
Worum aber betet nun der, der auf der Erde steht, die Hände im Gebet zum Throne des Gewaltigen (Gottes) erhoben, alle auserwählten Söhne Adams hinter sich, er, die Ehre des Menschengeschlechtes
und der beispiellos Einzige in Welt und Zeit und in Wahrheit der Stolz des Universums (Fahr-i Kainat)?...
Merke auf und höre: Er betet um die Ewige Glückseligkeit, er betet um Beständigkeit, er betet um da Paradies, er verlangt, das Antlitz seines Herrn zu sehen. Gleichzeitig bittet er um alle die Heiligen Gottesnamen, deren Widerpart und Schönheit im Spiegel alles Geschaffenen erscheint. Gäbe es nicht diese Barmherzigkeit, Gnadenhilfe, Weisheit, Gerechtigkeit und dergleichen zahllose Berechtigungen das Erwünschte zu erhalten, alleine das Gebet dieser Persönlichkeit hätte die Berechtigung, das Paradies zu erbauen, geschaffen, was mit gleicher Leichtigkeit in Seiner Macht steht, wie den Frühling hervorzubringen. Ja, so wie sein Prophetentum die Berechtigung dazu gab, dieses Haus der Prüfung zu eröffnen, so gibt auch sein anbetender Dienst die Berechtigung dazu, das andere Haus zu eröffnen.
Ja, wäre es denn überhaupt denkbar, dass diese unübertroffene Ordnung, welche man beobachten kann, und die Männer von Geist und Wissenschaft sagen lässt:
{"Es ist nicht im Bereich des Möglichen, dass es etwas Besseres gäbe, als das, was ist."}
ja wäre es möglich, dass diese segensreich, fehlerlos schöne Kunst und die beispiellos vollkommene Herrschaft (Gottes) irgendeine Hässlichkeit, irgendeine Erbarmungslosigkeit, irgendeine Ordnungslosigkeit, dulden könnte. Es heißt dies, dem kleinsten, unbedeutendsten Wunsch und Geräusch Bedeutung, Gehör und Erfüllung zu schenken. Es hieße dies, der größten, schreienden Not keine Bedeutung beizumessen, sie nicht zu hören, nicht zu verstehen, nichts zu unternehmen. Um Gottes willen nein! Gott verhüte es hunderttausend Mal! Eine solche Vollkommenheit duldet keine solche Hässlichkeit, und kann nicht selbst hässlich werden.
Bei Ihm! Du mein imaginärer Freund! Es ist jetzt genug. Wir müssen zurückkehren, denn verweilten wir in dieser Zeit auch hundert Jahre auf dieser Halbinsel, wir könnten von den wunderbaren Taten und bemerkenswerten Diensten dieses Mannes auch nicht ein Hundertstel völlig begreifen, uns nicht daran satt sehen.
Komm jetzt! Wir wollen auf unserer Rückreise von oben jedes Jahrhundert einzeln betrachten. Siehe, wie sich in jedem Jahrhundert die Blumen unter dem Gnadensegen der Sonne und der Rechtleitung geöffnet haben. Sie haben Millionen von Früchten wie Abu Hanifa, Shafi'i, Bayezid-i Bistami, Scheich Geylani, Scheich Naqshibandi, Imam Ghazzali, Imam Rabbani usw. hervorgebracht. Wir müssen die Betrachtung der Einzelheiten auf ein andermal verschieben. Jetzt wollen wir ein Gebet darbringen für den, der Wunder wirkt und rechtleitet, und dabei einen Teil seiner absolut sicheren Wunder erwähnen.
{"Dem, (*) welchem herabgesandt wurde die Weise Unterscheidung (der Qur'an) von dem Barmherzigen, dem Erbarmer, von dem Throne des Allgewaltigen: Unserem Herrn Mohammed tausend mal tausend Segen und tausend mal tausend Frieden so viel wie die schönen Taten seiner Gemeinschaft für ihn, dessen (prophetische) Botschaft vorherverkündigt wurde in der Torah, den Psalmen und den Evangelien und dessen Prophetentum vorherverkündigt wurde durch Irhasat (Hinweise vor seiner Berufung) und die Hatife (Stimmen) der Dschinnen und den Gottesfreunden (den Heiligen) und den Wahrsagern der Menschen, dem, auf dessen Wink der Mond gespalten wurde. Unserem Herrn Mohammed tausend mal tausend Frieden und Segen so viel wie Odem in seiner Gemeinschaft, dem, dessen Ruf die Bäume folgten, auf dessen Gebet plötzlich der Regen einsetzte, dem die Wolken vor der Hitze Schatten spendeten, dem, der mit einer Handvoll Speise tausend Mann sättigte, aus dessen Fingern drei Mal Wasser sprudelte wie der Strom von Kauthar (die Quelle des Überflusses im Paradies), dem, um dessentwillen Allah sprechen ließ die Eidechse, die Gazelle, den Baumstumpf, den Wasserschlauch, das Kamel, den Berg, den Stein, den Mist, ihm der mit der Himmelfahrt begnadet wurde (es war die Reise eines Augenblicks!), unserem Herrn und Fürsprecher Mohammed tausend Mal tausend Frieden und Segen so viel wie Buchstaben, die Worte bilden, die sich mit Erlaubnis des Barmherzigen (Gottes) in der Luft spiegeln, jedes Mal wenn jemand ein Wort aus dem Qur'an rezitiert, von Anbeginn der Offenbarung bis zum Ende der Zeit. Verzeihe uns und erbarme Dich unser - Oh Gott - in all unseren Gebeten. Amen."}
[In einer türkischen Abhandlung mit dem Titel: "Strahlen des Wissens über den Propheten" - kurz zusammengefasst im "Neunzehnten Brief" und in diesem "Neunzehnten Wort" - habe ich die Beweise für das Prophetentum Mohammeds, mit dem der Friede und Segen sei, erklärt. Darin wurden auch die Aspekte des Wunders, das der Weise Qur'an ist, kurz erwähnt. In einer anderen türkischen Abhandlung "Blitzstrahlen" (Lemaat) genannt und im "Fünfundzwanzigsten Wort" habe ich in vierzig Aspekten kurz erklärt, dass der Qur'an ein Wunder ist, und dieses Wunder, das der Qur'an ist, in vierzig Aspekten erläutert. Eines dieser vierzig Aspekte liegt schon alleine in seiner Prägnanz und dichterischen Schönheit, worüber ich einen vierzig Seiten langen arabischen Kommentar mit dem Titel "Kennzeichen des Wunders" (Isharatu l-i'djaz) verfasst habe. Wer ein Interesse daran hat, kann in diesen drei Büchern nachschlagen.]
Vierzehnter Tropfen:
Der Weise Qur'an, ein Schatzhaus an Wundern und selber das große Wunder, beweist in einem solchen Grade der Sicherheit das Prophetentum Ahmeds {Einer von den allgemein bekannten vier Namen des Propheten, nämlich: Ahmed, Mahmud, Mohammed, Mustafa, mit dem Friede und Segen sei. (A.d.Ü.)} und die Einheit Gottes, dass er die Notwendigkeit eines anderen Beweises nicht offen lässt. Auch wir wollen seine Lehrmethode und aus ein, zwei Funken dieses Wunders, das er ist, die Ansatzpunkte einer Kritik aufzeigen.
Das also ist nun der Weise Qur'an, der uns Kunde gibt von unserem Herrn, "eine urewige Übersetzung aus dem großen Buch des Kosmos... Er enthüllt uns die Schätze der Gottesnamen, verborgen in den Seiten des Himmels und der Erde... ein Schlüssel zur Wahrheit, versteckt zwischen den Zeilen der Ereignisse... in ihm spricht der Barmherzige von jener unsichtbaren Seite der Welt aus, die hinter dem Schleier der bezeugten (d.h. sichtbaren) Welt liegt - aufgespeichert in ihm eine urewige Predigt - Sonne, Fundament, und Bauplan der geistigen Welt des Islam und Landkarte der jenseitigen Welten... ein klärendes Wort und ein eindeutiger Kommentar zum Wesen Gottes, Seinen Eigenschaften und Taten, Sein beredtes Zeugnis und Sein einfühlsamer Übersetzer... in dieser Welt der Menschen der Herr und Lehrer, die Weisheit in der Wahrheit, ein geistiger Lehrer und Seelenführer... sowohl ein Buch der Weisheit und des Gesetzes, als
auch ein Buch für Gebet und Gottesdienst, ein Buch der Gebote und Ermahnungen, ein Buch Heiligen Gedenkens, der Erkenntnis, eine heilige Bibliothek, die für jede einzelne Geistesart einen geeigneten Titel bereit hält, für die Heiligen und Gerechten, für die Sucher, Bekenner und Lehrer der Wahrheit, kurzum für Menschen jeglicher Berufung und Geistesart."
Betrachten wir einen Funken jenes Wunders, das der Qur'an ist, und das sich in eben den Wiederholungen zeigt, welche man als eine Fehlerquelle entdeckt zu haben glaubt: Weil der Qur'an sowohl ein Buch Heiligen Gedenkens ist, als auch ein Gebetbuch und ein Buch zur Ermahnung, sind Wiederholungen geradezu schön, ja in höchstem Grade notwendig und einprägsam, im Gegensatz zu dem, was "die mit den Fehlern" annehmen... denn in der Tat führt Dhikr durch Wiederholung zur Erleuchtung, das Gebet wird in der Tat durch Wiederholung intensiviert, Gebote und Ermahnungen werden in der Tat durch Wiederholung bekräftigt... Es ist auch nicht jedermann jederzeit möglich, den ganzen Qur'an zu lesen, doch kann er meistens eine Sure lesen. Deswegen sind die wichtigsten Aussagen des Qur'an in den meisten langen Suren enthalten. Jede einzelne Sure gleicht einem kleinen Qur'an. Das heißt, manche Aussagen wie Einheit, Auferstehung oder die Geschichte Mosis, werden wiederholt, damit niemand ein "Außenstehender" werde.
Zudem sind die seelischen Nöte, genauso auch die leiblichen Bedürfnisse verschieden. Manches braucht der Mensch mit jedem Atemzug, wie der Körper die Luft, so braucht der Geist «Hu» (Er), manches jede Stunde, wie «Bismillah» (Im Namen Gottes) u. dgl.... Das heißt also: Die Wiederholung der Ayat entstand aus der Wiederholung des Bedürfnisses. Wenn der Qur'an auf ein solches Bedürfnis hinweisen will, erweckt und erregt er es, und wiederholt dies darüber hinaus, um die Sehnsucht und den Hunger danach hervorzurufen. Desgleichen legt der Qur'an die Elemente einer klar verständlichen Religion fest und begründet die Fundamente der Welt des Islam.
Er verändert das menschliche Gemeinschaftsleben und gibt so die Antwort auf die wiederholten Fragen aus ihren verschiedenen Schichten. Ein Fundament zu festigen, tut Wiederholung Not. Zur Befestigung ist Repetition notwendig. Zur Verankerung ist Rekapitulation notwendig. Zum Studium tut Wiederholung Not. Der Qur'an behandelt die großen Fragen einerseits, andererseits subtile Wahrheiten, sodass es notwendig ist, viel und oft in verschiedener Form zu wiederholen, um sie in die Herzen der Gemeinde einzusenken. Dies erscheint oberflächlich betrachtet als Wiederholung, doch dem Sinne nach hat jede Ayah viele Bedeutungen, viele Nutzanwendungen, viele Aspekte und Ebenen. Sie wird in jeder Textstelle mit einer anderen Bedeutung, Nutzanwendung oder Aussage erwähnt. Was aber die kurze Zusammenfassung mancher, weniger bedeutender Gegenstände des Seins betrifft, so ist sie ein Funke aus dem Wunder des Qur'an in der Rechtleitung. Das aber ist kein Ansatzpunkt für eine Kritik, wie die Ketzer meinen, und auch kein Grund, darin einen Fehler zu erblicken.
Wenn du fragst:
"Warum denn nur spricht der Weise Qur'an nicht über das Sein, so wie die Philosophie das tut? Er behandelt manche Gegenstände nur kurz. Andere behandelt er, wie um der allgemeinen Anschauung entgegenzukommen, die Gefühle der Öffentlichkeit nicht zu verletzen und die Gedanken des einfachen Mannes nicht länger zu belasten und zu beschweren?"
Die Philosophie hat sich auf dem Pfade der Wahrheit verirrt, darum... Sicherlich hast du durch die vorigen Lektion und "Worte" verstanden, dass der Weise Qur'an über den Kosmos spricht, damit du Wesen, Eigenschaften und Namen Gottes kennenlernst. Das will sagen: Er betrachtet das Sein nicht um des Seins willen, sondern seines Meisters wegen... in diesem Sinne spricht er zur Allgemeinheit. Was aber das Wissen über die Weisheit (: die Philosophie) betrifft, betrachtet sie das Sein um des Seins willen... in diesem Sinne spricht sie insbesondere zu den Philosophen. Weil
aber nun der Weise Qur'an das Sein als einen Beweis gebraucht, als ein Zeugnis gebraucht, ist es notwendig, dass der Beweis einsichtig ist, damit er in den Augen der Allgemeinheit rasch verstanden werden kann. Da der Qur'an zudem auch ein Lehrer ist, der sich an alle Schichten der Bevölkerung wendet, unter denen die zahlenmäßig größte Schicht aber die Schicht der einfachen Leute ist, erfordert seine Führung sicherlich, weniger bedeutende Dinge kurz zusammenzufassen und die schwerer verständlichen Dinge mit Gleichnissen näher zu bringen. Um aber nicht in Spiegelfechterei zu verfallen, sollte man Dinge, die offensichtlich klar vor Augen stehen, nicht in einer unnötigen, ja vielleicht sogar schädlichen Weise uminterpretieren. Er sagt z.B. über die Sonne: "Sie ist eine kreisende Leuchte, eine Lampe." Denn er spricht von der Sonne nicht um der Sonne willen, ihrer Gegenständlichkeit willen, sondern er spricht von ihr, weil sie eine Art von Zahnrad in einem Regulator und der Mittelpunkt eines Systems ist, weil System und Regelmaß ein Spiegel zur Erkenntnis des Meisters sind. Ja er sagt:
{"Die Sonne läuft..." (Sure 36, 38)}
das heißt, die Sonne dreht sich. Mit diesem Ausdruck "dreht sich" macht er die Größe des Meisters verständlich, der in dem Wechsel von Sommer und Winter, Tag und Nacht an Seine ordnungsgemäße Verfügungsgewalt gemahnt.
Was nun auch immer die Wahrheit dieser Bewegung sein mag, es ändert dies nichts an der Ordnung, von der hier die Rede ist und deren verknüpftes Muster man beobachten kann.
Weiter sagt er:
{"Und Wir haben die Sonne zu einer Lampe gemacht." (Sure 71, 16)}
Mit dem Ausdruck «Siradj» (Lampe) erinnert er daran, dass die Welt wie ein Schloss ist, in dem aller Schmuck, die Nahrung und alle Dinge des täglichen Bedarfs für die Menschen und alles Leben bereitgestellt ist; dazu dient die Sonne als eine Leuchte. So macht er die Barmherzigkeit und Gnadengabe des Schöpfers verständlich.
Und nun sieh einmal: Was sagt diese benebelte und geschwätzige Philosophie? Schau, sie sagt: "Die Sonne ist eine gewaltige Masse aus flüssigem Feuer. Sie bewirkt, dass die Planeten, die aus ihr herausgeschleudert wurden, um sie kreisen. Ihre Größe ist so und so und ihre Eigenschaften sind diese und jene..." Außer entsetzlichem Schrecken und fürchterlicher Verwunderung, gibt dies dem Geiste nichts. Dieses Wissen dient nicht zur Vollkommenheit, es behandelt das Thema nicht, wie der Qur'an dies tut. Wenn du einen Vergleich ziehst, wirst du begreifen, welchen Wert die wissenschaftliche Fragestellung hat. Sie ist nach innen hohl und taub, nach außen großartig. Lass dich von diesem äußerlichen Glanz nicht verwirren und werde nicht respektlos gegenüber der wundergleichen Darlegung des Qur'an.
{"Oh Gott, manche den Qur'an ein Heilmittel für uns gegen alle Krankheiten, einen Vertrauten in unserem Leben und nach unserem Tode, einen Freund in dieser Welt und einen Vertrauten im Grabe, einen Fürsprecher am Tage der Auferstehung und ein Licht auf der Brücke von Sirat, einen Schutz und Schirm gegen das Feuer, einen Begleiter im Paradiese, einen Zeugen für alle guten Werke und einen Imam durch Deine Gnadenfülle, Deine Großmut, Deine Freigiebigkeit, Dein Erbarmen, oh Freigiebigster aller Freigiebigen, oh Barmherzigster aller Barmherzigen, Amen! Oh Gott, gib Frieden und Segen ihm, dem Du die Weise Unterscheidung (den Qur'an) herabgesandt hast; ihm und seiner Familie und seinen Gefolgsleuten insgesamt! Amen!"}
In der arabischen Ausgabe von Risale-i Nur gliedert sich der vierzehnte Tropfen in sechs Punkte. Der vierte Punkt gliedert sich in sechs Anmerkungen. Er erklärt fünfzehn von insgesamt vierzig verschiedenen Beweisen dafür, dass der Qur'an ein Wunder ist. Wir begnügen uns hier mit einer kurzen Fassung. Wer es wünscht, kann dort nachschlagen: er wird einen Schatz an Wundern finden...
Zwanzigstes Wort
Erstes Kapitel
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Und als Wir zu den Engeln sagten: 'Werft euch vor Adam nieder!' Da warfen sie sich (alle) nieder, außer Iblis." (Sure 2, 34) "Gott befiehlt euch, eine Kuh zu schlachten!" (Sure 2, 67) "Sodann verhärteten sich danach eure Herzen, so dass sie (schließlich) wie Steine wurden, oder noch härter." (Sure 2, 74)}
Als ich eines Tages diese Verse las, wurden mir gegen die Hetzreden des Iblis mit dem Segen des Weisen Qur'an folgende drei Anmerkungen eingegeben. Die Form seiner Einflüsterung war folgende:
Er sagte: "Ihr sagt: Der Qur'an ist ein Wunder. Auch seine Ausdrucksweise ist von unendlicher Prägnanz. Auch ist er für alle zu jeder Zeit eine Richtschnur. Doch was für einen Sinn sollte es haben, einige unbedeutende Ereignisse als geradezu historisch zu betonen und zu wiederholen? Eine Kuh zu schlachten, ist doch nur ein kleines Ereignis, wird aber als derart wichtig beschrieben, dass diese große Sure sogar als «Al-Baqara (die Kuh)» bezeichnet wird. Ist das denn überhaupt noch verhältnismäßig? Und weiter ist der Zwischenfall mit dem "Kotau vor Adam" doch nur ein Hinweis aus dem Unsichtbaren. Der Verstand findet dazu doch gar keinen Zugang. In einem starken Glauben sind Ergebung und Bestätigung möglich.
Doch der Qur'an unterrichtet alle, die Verstand haben. An vielen Stellen sagt er: اَفَلاَ يَعْقِلُونَ {"Haben sie denn keinen Verstand?" (Sure 36, 68)} und verweist so auf den Verstand. Welch eine Rechtleitung steckt dahinter, wenn der Erwähnung des natürlichen, rein zufälligen Aussehens von Steinen eine solche Wichtigkeit beigemessen wird?"
Die Anmerkungen, die ich empfangen habe, lauten folgendermaßen:
Erste Anmerkung:
Im Weisen Qur'an gibt es viele kleine Geschehnisse. Hinter jedem versteckt sich ein allgemein gültiges Prinzip und wird als Faden für ein allumfassendes Gesetz dargestellt.
{"Und Er lehrte Adam alle Namen." (Sure 2, 31)}
Das Wunder Adams, dass ihn alle Namen gelehrt wurden, wodurch sich seine Eignung für das Kalifat gegenüber den Engeln herausstellte, ist ein kleines Ereignis, das auf ein allumfassendes Gesetz hinweist. Es ist der Faden eines solchen allgemeingültigen Gesetzes:
Es beruht auf einem Bildungsstand, der zahllose Kenntnisse umfasst, die der Menschheit wegen ihrer vielseitigen Begabungen gelehrt wurden, der sich auf sehr viele Wissenschaften, die alle Arten der Schöpfung betreffen, bezieht und eine Vielzahl von Erfahrungen, die sich auf Taten und Eigenschaften des Schöpfers beziehen, beinhaltet. Diese Bildung hat der Menschheit eine Überlegenheit gegeben, die den Anspruch rechtfertigt, das Große Pfand auf sich zu nehmen, nicht nur Engeln gegenüber, sogar auch Himmel und Erde und den Bergen gegenüber. So wie der Qur'an verständlich macht, dass die
Menschheit in ihrer Gesamtheit ein geistiger Kalif auf Erden ist, bildet das kleine Geschehnis aus dem Unsichtbaren, das "als die Engel sich vor Adam niederwarfen, der Teufel sich aber nicht niederwarf", den Faden eines allumfassenden, allgemeingültigen, von uns bezeugten Gesetzes. So lässt der Qur'an eine sehr große Wahrheit erahnen. Es ist dies wie folgt:
Wenn der Qur'an erwähnt, dass die Engel Adam in seiner Person gehorsam leisteten und sich ihm unterwarfen, der Teufel aber dabei hochmütig wurde und sich weigerte, macht er damit verständlich, dass die meisten materiellen Arten, die geistigen Vertreter und die Zuständigen dieser Arten, der Menschheit gehorchen und sich für allerlei Arten Nutzen ihrer Fähigkeiten bereitstellen und unterwerfen.
Er gemahnt die Menschen daran, was für ein großes Hindernis die bösen Dinge, welche die Begabungen der Menschengattung verderben und auf falsche Wege führen, auf dem Weg zur Vollkommenheit sind. Und was für ein fürchterlicher Feind die Vertreter und bösartigen Bewohner böser Dinge, für die Menschheit sind. Und der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, führt mit dem ganzen Kosmos und mit der ganzen Menschheit ein erhabenes Gespräch, wobei er von Adam, mit dem Friede und Segen sei, einem einzigen (Menschen) berichtet und einer kleinen Begebenheit mit ihm.
Zweite Anmerkung:
Ägypten ist ein Teil der Großen Sahara, welche ein Sandland ist. Durch den Ertrag des segensreichen Nils ist dieses Land zu einem fruchtbaren Acker geworden. Da sich in der Nachbarschaft dieser höllenähnlichen Sahara ein solches paradiesähnliches segensreiches Gebiet findet, hatte dies zur Folge, dass bei seiner Bevölkerung Ackerbau und Viehzucht in hohem Ansehen standen. Sie waren im Wesen seiner Bewohner so tief verwurzelt, dass sie die Landwirtschaft für heilig erklärten und Stier und Rind, als deren Voraussetzung, verehrten, ja sie sogar in den kultischen Rang ihrer Anbetung erhoben. Die damalige Bevölkerung Ägyptens
hatte Stier und Rind für so heilig erklärt, dass sie sie anbeteten. Damals lebten auch die Söhne Israels in diesem Gebiet und wir erfahren aus dem Vorfall mit dem "(goldenen) Kalb", dass auch sie an diesen Sitten beteiligt waren.
Wenn der Weise Qur'an mitteilt, dass Mosis, mit dem Friede sei, eine Kuh schlachtete, so will er damit verständlich machen, dass er durch seine Sendung diese Sitte der Anbetung der Kühe, welche in die Gebräuche dieses Volkes eingegangen war und in seiner Kultur zum Ausdruck kam, vollständig ausrottete. Er erklärt also mit diesem kleinen Ereignis wie in einem erhabenen Wunder ein allgemein gültiges Prinzip und dies ist zugleich ein weiser Unterricht, den jeder in jeder Zeit braucht.
Dementsprechend erkenne, dass manch kleine Ereignisse, die im Weisen Qur'an in Form von Geschichtserzählungen erwähnt werden, Faden allgemeingültiger Gesetze sind. Ich hatte sogar als Beispiel für die Geschichte Mosis, welche in vielen Suren mit sieben bestimmten Sätzen wiederholt zitiert werden, in der Abhandlung «Lemeat (Funken)», wo der Qur'an als Wunder behandelt wird, erklärt, was für ein bedeutendes, allgemeingültiges Gesetz jeder Abschnitt dieser kleinen Sätze innehat. Dort kannst du diese Abhandlung nachschlagen, wenn du willst.
Dritte Anmerkung:
{"Sodann aber verhärteten sich danach eure Herzen und wurden zu Stein oder noch härter; und siehe, es gibt Steine, aus denen Flüsse entströmen; andere spalten sich und es trat Wasser (: Quellen) aus ihnen hervor; andere wiederum fürwahr, welche aus Furcht vor Allah niederstürzten; und Allah ist nicht achtlos eures Tuns." (Sure 2, 74)}
Beim Lesen dieser Ayah sagte der Einflüsterer: "Welcher
Sinn liegt darin, gewöhnliche Steine, wie sie jedem bekannt sind, mit ihren natürlichen, selbstverständlichen Formen zur allerwichtigsten und größten Sache zu erklären und so zu behandeln? Ist das denn überhaupt noch verhältnismäßig? Und wozu sollte es denn dienen?"
Auf diese Einflüsterung wurde mir aus der Fülle des Qur'an die folgende Anmerkung eingegeben:
Es ist dies in der Tat verhältnisgemäß und die Erklärungen sind auch notwendig. Es gibt sogar eine so bedeutende Beziehung, einen so nachhaltigen Sinn und eine so mächtige und notwendige Einsicht, die nur die wunderbare Prägnanz des Qur'an und die Gnade seiner Rechtleitung in gewissem Grade vereinfachen und zusammenfassen konnte. Die Prägnanz, ein Kennzeichen der Wunderhaftigkeit des Qur'an, die Rechtleitung und die Schönheit der Erklärungen in seinen Unterweisungen erfordern, dass die allumfassenden Wahrheiten und profunden, allgemein gültigen Gesetze einfachen Leuten, die unter den Ansprechpartnern des Qur'an die Mehrheit bilden, in der ihnen vertrauten, einfachen Form gezeigt werden und dass die mächtigen Wahrheiten einfachen Leuten gerade über diese Schiene und in einfacher Darstellung nahegebracht werden. Darüber hinaus sollte auch auf Gottes wunderbares Walten, welches uns hinter dem Schleier des Alltäglichen und auch unter der Erde verborgen bleibt, deutlich hingewiesen werden. So ist es gerade dieses Geheimnis, worüber der Weise Qur'an in dieser Ayah folgendes sagt:
Oh ihr Söhne Israels und oh ihr Söhne Adams! Was ist mit euch geschehen, dass eure Herzen noch starrer und härter als diese Steine wurden. Seht ihr denn nicht, wie diese riesigen Steine (auch unter der Erde) Gottes Befehlen so gehorsam unterworfen und dem Walten ihres Herrn gegenüber so milde und in gleicher Weise dienstbereit sind, mit welch gleicher Leichtigkeit sich Gottes Walten bei der Gestaltung der Bäume im Luftraum (auch über der Erde) vollzieht. Genauso fließt auch das Wasser ungehindert durch Adern und Kanäle in diesen unterirdischen,
harten und tauben Gesteinen
Die drei wichtigsten Aufgaben zu erklären, die der majestätische Schöpfer den Gesteinsschichten zugeordnet hat, welche der Grundstein dieses unsere Erde genannten prächtigen, wandelnden Schlosses sind, gebührt in der Tat allein dem Qur'an.
Ihre erste Aufgabe: So wie die Erde durch die Macht des Herrn die Mutterschaft für die Pflanzen übernimmt und sie versorgt, genauso übernimmt der Stein durch die Macht Gottes seine Mutterschaft über die Erde und hält sie fest.
Ihre zweite Aufgabe: Sie dienen dazu, das Wasser wohlgeordnet fließen zu lassen, was im Körper der Erde dem Blutkreislauf gleicht.
Ihre dritte Aufgabe entspricht ihrer naturgemäßen Beschaffenheit: Sie sorgen als Schatzmeister und Verwalter dafür, dass Quellen und Bäche, Flüsse und Ströme in Ordnung und Ausgewogenheit heraustreten und fortbestehen. Die Steine prägen in der Tat die Beweise der Allgegenwart (des Einen Gottes) unter der Gestalt des lebendigen Wassers in das Gesicht der Erde ein, wenn sie es mit ihrer ganzen Kraft und vollem Munde ausspeien.
mit der gleichen Leichtigkeit, der Ordnung und in vollkommener Weisheit so wie auch das Blut in seinen Adern.
Des Weiteren weist der Qur'an darauf hin, mit welcher Leichtigkeit sich die empfindlichen Wurzelhärchen auf Gottes Geheiß mühelos und planmäßig in den Steinen unter der Erde ausbreiten, genauso leicht wie sich auch die Äste der Bäume und anderer Pflanzen im Luftraum (über der Erde) ausdehnen. So unterrichtet er mit dieser Ayah eine umfassende Wahrheit, macht sie diesen harten Herzen verständlich und deutet damit auf das Folgende hin:
Oh ihr Söhne Israels und Söhne Adams! Was tragt ihr denn für ein Herz in euch, dass sich dieses Herz trotz eurer Schwäche und Ohnmacht gegen die Befehle eines solchen Herrn krampfhaft widersetzt. Demgegenüber erfüllen die gewaltigen Schichten dieser riesigen, harten Steine, den Befehlen dieses Herrn vollkommen unterworfen, im Dunkel ihre so sensiblen Aufgaben. Sie zeigen
keinerlei Ungehorsam. Vielmehr dienen diese Steine allen Lebewesen über der Erde derart als Schatzmeister, welcher ihnen das Wasser für ihr Leben und den übrigen Lebensunterhalt vermittelt, und in einer solchen Gerechtigkeit, in einer solchen Weisheit Verteilung gewährleistet, dass sie in der Hand der Macht des majestätischen Herrschers (Hakim-i Dhu l-Djelal) so weich sind wie Wachs, ja sogar wie die Luft, die keinen Widerstand bietet und sich niederwerfen vor der Größe Seiner Macht. Denn gleich diesen wohlgeordneten Kunstwerken, die wir auf der Erde bezeugen, entstehen dergleichen weise und gnadenvolle Werke Gottes auch unter der Erde. Ja vielmehr tritt dort die Weisheit und Gnade Gottes in einer noch einzigartigeren Weise in Erscheinung, betrachtet man, wie wunderbar doch ihre Weisheit und wie erstaunlich doch ihre Ordnung ist. Seht doch, wie diese riesigen Steine, so hart und gefühllos sie sind, sich doch entsprechend dem Gang der Dinge weich wie Wachs erweisen und den anmutigen Wassern und seidenweichen Wurzelhärchen, welche Beamte Gottes sind, ohne jeglichen Widerstand und Härte entgegentreten. Einem Liebenden vergleichbar, zerreißt sogar der Stein sich das Herz vor der Berührung dieser Anmutigen und Schönen und wird vor ihnen zu Staub.
Des Weiteren zeigt die Aussage
{"Und fürwahr gibt es unter ihnen solche, welche aus Furcht vor Allah niederstürzen;" (Sure 2, 74)}
als einen Leitfaden für eine solch mächtige Wahrheit: Im Geschehnis von "Taleb-i Ru'yet (Wunsch Mosis Gott zu schauen)" wurde der berühmte Berg (Sinai) durch die Erscheinung (Gottes) zerspalten und die Felsen zerfielen. Desgleichen zerbrechen überall auf der Erde die Felsengipfel manch hoher Berge, die aussehen, als bestünden sie aus einem einzigen gewaltigen Block, der einmal Meeresschlamm oder glutflüssige Lava gewesen war und nun
erkaltet ist, bei einem Erdbeben und anderen Erdverwerfungen, majestätischen Erscheinungen, die Furcht einflößen; ein Teil von ihnen verwittert, zerfällt zu Staub und wird zu Erde für die Pflanzen.
Ein anderer Teil von ihnen bleibt Stein, rollt (die Berge) hinab, verteilt sich in den Bächen und über die Ebenen. Sie dienen den Erdenbewohnern zu vielerlei Zwecken, wie z.B. dem Bau ihrer Häuser. Sie werfen sich mit ihren in ihnen verborgenen praktischen Nutzanwendungsmöglichkeiten im Gehorsam vor der Macht und Weisheit Gottes nieder. So nehmen sie gegenüber den Grundsätzen der Weisheit des Hochgelobten eine dienstbereite Haltung ein. Mit Sicherheit verlassen sie ihre hohen Gipfel in Ehrfurcht und wählen bescheiden die niederen Plätze und werden so zu einer Quelle vieler wichtiger und nützlicher Dinge. Ein Beweis dafür, dass dies weder absurd, unbeabsichtigt, planlos oder zufällig ist, vielmehr sich dahinter in dem weisen Walten eines mächtigen Weisen (Hakiem-i Qadir) eine vollkommene Ordnung verbirgt, die äußerlich betrachtet als Unordnung erscheint, sind diese zahllosen Nutzanwendungsmöglichkeiten, die auf diesen Steinen beruhen. Die vollkommene Ordnung und wunderbare Kunstfertigkeit dieses Kleides, das mit Blumen und Früchten dekoriert und geschmückt ist und die Berge, von denen diese Steine rollen, gleich einem Leib bekleidet, legt sicher und zweifelsfrei ein zuverlässiges Zeugnis dafür ab.
Somit kann man sehen, wie bedeutend - aus dem Blickpunkt der Weisheit heraus betrachtet - diese drei Ayat sind. Nun seht einmal die Feinsinnigkeit des Qur'an in seiner Verkündung und das Wunder in seiner Wortkunst; wie er die Leitfäden dieser obenerwähnten großen, umfassenden und wichtigen Wahrheiten in drei Abschnitten und an Hand von drei bekannten und bezeugten Ereignissen aufzeigt und wie er seine Lehren auf eine feine Art übermittelt, während er an drei weitere Ereignisse als Lehrbeispiele erinnert; zugleich verbrennt und überwindet er alle Widerstände.
Er sagt im zweiten Abschnitt:
{"Und siehe, unter ihnen sind solche, die sich spalten und es entströmt ihnen Wasser (: Quellen);" (Sure 2, 74)}
Da der Qur'an mit diesem Abschnitt auf den Stein hinweist, der sich vor dem Stab Mosis, mit dem Friede und Segen sei, in vollkommener Begeisterung gespalten hatte und aus dessen zwölf Öffnungen zwölf Quellen entströmten, lässt er einen solchen Sinn verstehen und sagt mit diesem Hinweis: "Oh ihr Söhne Israels! Vor einem einzigen Wunder Mosis, mit dem Friede und Segen sei, werden riesige Steine weich und spalten sich. Sie weinen, entweder aus Furcht oder vor Freude und vergießen eine Flut von Tränen. In was für einer Einstellung seid ihr vor allen Wundern Mosis, mit dem Friede und Segen sei, so verbohrt, dass ihr nicht weint; eure Augen sind tot und eure Herzen erstarrt."
Des Weiteren sagt er im dritten Abschnitt:
{"Fürwahr unter ihnen sind solche, die aus Furcht vor Allah niederstürzen;" (Sure 2, 74)}
Mit diesem Abschnitt erinnert er uns an das Bittgebet Mosis, mit dem Friede und Segen sei, auf dem Berge Tur im Sinai, infolge dessen sich die majestätische Erscheinung (Gottes) zeigte. Aus der Furcht (vor dieser Erscheinung) brach der riesige Berg in Stücke und zerfiel. Aus dieser Furcht rollten die Steine in allen Richtungen hinunter. Durch die Erinnerung an dieses berühmte Geschehnis lehrt der Qur'an uns die folgende Bedeutung: Oh ihr vom Stamme Mosis, mit dem Friede und Segen sei, wie kann es sein, dass ihr euch nicht vor Allah fürchtet? Es werden Berge, die doch aus Stein bestehen, ganz bedrückt in Furcht vor Ihm und zerfallen. Obwohl ihr wisst und seht, dass Er wegen Seines Vertrages mit euch den Berg Tur über euch fernhält und dass der Berg im Geschehnis
von «Taleb-i Ru'yet (Wunsch Mosis, Gott zu schauen)» in Stücke zerfiel, mit welchem Mut zittert und fürchtet ihr euch nicht vor Ihm und haltet eure Herzen fest in Härte und Erstarrung.
Des Weiteren sagt er im ersten Abschnitt:
{"Und siehe, es gibt Steine, aus denen Flüsse entströmen." (Sure 2, 74)}
n: Auf jeden Fall ist es nicht möglich, dass diese Berge die tatsächlichen Quellen solcher gewaltigen Ströme sein könnten. Denn: Angenommen, diese Berge bestünden vollständig aus Wasser und wären kegelförmige Gebilde: Es reichte dennoch nur für ein paar Monate! Doch trotzdem diese riesigen Ströme so schnell und so reichlich dahin fließen, verlieren sie nicht das Gleichgewicht. Dabei kann der Regen, der gewöhnlich nur bis zu einem Meter tief in die Erde einzudringen vermag, den reichlichen Wasserverlust nicht ausreichend abdecken. Das heißt also, dass das Hervorquellen dieser Ströme ein Vorkommnis ist, das man nicht für gewöhnlich, selbstverständlich oder zufällig erachten kann. Vielmehr lässt der majestätische Schöpfer (Fatir-i Dhu l-Djelal) seine Ströme in ganz besonders wunderbarer Weise ausschließlich aus der unsichtbaren Schatzkammer fließen.
Also, auf diese feine Wahrheit hinweisend, um dieser Tatsache Ausdruck zu verleihen, besagt eine Überlieferung: "Zu jedem von diesen drei Strömen tropft jederzeit ein Tropfen aus dem Paradies, wodurch sie stets gesegnet sind." Außerdem lautet eine andere Überlieferung: "Die Quellen dieser drei Ströme entspringen aus dem
Paradies." Der Sinn dieser Überlieferung ist folgender: Da nun einmal die sichtbaren Ursachen nicht ausreichend dafür sind, dass diese Ströme in einem solchen Ausmaß hervorquellen, entspringen ihre Quellen mit Sicherheit aus einer unsichtbaren Welt und kommen aus einer verborgenen Schatzkammer der Barmherzigkeit, sodass ihr Gleichgewicht zwischen den Einnahmen und Ausgaben bestehen bleibt.
So unterrichtet der Weise Qur'an, wenn er uns an diese Tatsache erinnert, wie folgt: Er sagt: Oh ihr Söhne Israels und Söhne Adams! Durch eure Herzensstarrheit und Gottvergessenheit zeigt ihr euch ungehorsam gegenüber den Befehlen eines solchen majestätischen Herrn und schließt eure Augen vor dem Strahl der Erkenntnis einer solchen immerwährenden Sonne. Er lässt riesige Ströme wie den gesegneten Nil, welcher euer Ägypten in ein Paradies verwandelt, aus dem Mund gewöhnlicher und lebloser Steine hervorquellen, verleiht damit Wunderwerke Seiner Macht und Zeugnisse Seiner Allgegenwart (Vahdaniyet) im Grade der Macht und der Erscheinung und der Fülle dieser riesigen Ströme der Erde, dem Herzen des Kosmos und ihrem Geist und lässt sie in die Herzen und den Verstand der Dschinnen und der Menschen eindringen. Obwohl manche Steine, die gefühllos, leblos sind und in so einer erstaunlichen Weise
Der segensreiche Nil entspringt aus einem Felsen, der Mondberg genannt wird, und der wichtigste Nebenstrom des Tigris quillt aus einer Felshöhle im Distrikt Van hervor. Ein wichtiger Nebenstrom des Euphrat entspringt am Fuß eines Berges in der Umgebung von Diyadin. Es steht wissenschaftlich fest, dass die Berge aus Gesteinsmassen hervorgegangen sind, welche bei ihrer Entstehung Meeresschlamm oder flüssige Lava gewesen waren und dann erstarrten.
("Gepriesen sei Er, der die Erde auf einer Masse erstarrter Flüssigkeit ausbreitete!")
lautet eine Lobpreisung des Propheten und weist so mit aller Sicherheit darauf hin, dass die Erschaffung der Erde ursprünglich auf folgende Weise geschah: Eine Art Flüssigkeit erhärtete auf Gottes Geheiß und wurde zu Stein. Der Stein zerfiel mit Gottes Erlaubnis zu Staub. In der Lobpreisung ist das arabische Wort "Ard" die Bezeichnung für "Erde". Die Flüssigkeit war aber so dünn, dass man noch nicht darauf stehen konnte. Der Stein ist aber so hart, dass man ihn noch nicht nutzen kann. Darum breitete der barmherzige Allweise Erde über dem Gestein aus und schuf so einen Platz für die Lebewesen.
die Wunderwerke des Allmächtigen zeigen, auf den majestätischen Schöpfer hinweisen, so wie das Licht der Sonne auf die Sonne hinweist, wie könnt ihr euch vor dem Licht der Erkenntnis (Gottes) blind stellen und es nicht sehen?
So siehe denn, was für eine Rhetorik und Stilistik (gleich einem Gewand) über diesen drei Tatsachen zurechtgeschneidert wurde! Und achte auf die Wortkunst in der qur'anischen Unterweisung! Gäbe es etwa irgendwelche Starrheit und Härte, die einer solch feurigen Rhetorik in der Unterweisung widerstehen könnte, ohne von ihr beeindruckt zu sein!...
Nun, wenn du dies von Anfang an bis hierher verstanden hast, so erkenne darin den Funken des Wunders, das die Rechtleitung des Weisen Qur'an ist, und danke Gott!..
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" "Oh Gott, mach uns die tiefen Wahrheiten des Qur'an so verständlich wie Du selbst es liebst und es Dir wohlgefällig ist und gewähre uns den Erfolg in seinem Dienst nach Deinem Erbarmen, amin." "Oh Du Barmherzigster aller Barmherzigen." "Oh Gott, gewähre Frieden und Segen dem, auf den Du den weisen Qur'an herabgesandt hast, seiner Familie und allen seinen Gefährten."}
Zweites Kapitel
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. ...und nichts Grünes und nichts Dürres, das nicht in einer deutlichen Schrift verzeichnet wäre." (Sure 6, 59)}
Vor vierzehn Jahren (inzwischen sind es dreißig Jahre geworden) hatte ich in meinem Kommentarbuch ein Kapitel mit dem Titel «Isharatu l-i'djaz (Zeichen der Wunder des Qur'an)» über eine tiefe Wahrheit dieser Ayah in arabischer Sprache verfasst. Zwei Mitbrüder, deren Wünsche für mich bedeutsam sind, haben mich nun darum gebeten, ihnen einiges zu diesem Thema auf türkisch zu erklären. So vertraue ich denn auf die Führung Gottes des Gerechten, baue auf die Hilfe des Qur'an und sage:
Nach einer Überlieferung versteht man unter der deutlichen Schrift den Qur'an. Diese Ehrwürdige Ayah erklärt, dass sich alles Grüne oder Dürre in ihm findet. Ist das tatsächlich so? Ja, es findet sich in der Tat alles in ihm. Aber es kann nicht jeder alles in ihm erkennen, denn es findet sich auf verschiedenen Ebenen. Manchmal findet es sich als Kernsätze, manchmal als Saatgedanken, manchmal in Form einer Zusammenfassung, manchmal in Form von Grundsätzen, manchmal in Form von Merksätzen; entweder offensichtlich, oder hinweisend, oder symbolisch, oder unter einem Sammelbegriff, oder in Form einer
Ermahnung. Je nach dem Bedürfnis und dem Zweck des Qur'an entsprechend und in Bezug auf seinen Inhalt wird es in einer dieser Formen ausgedrückt.
Als wunderbare Kunstwerke und Einzigartigkeiten der Wissenschaften, welche Ergebnisse des menschlichen Fortschrittes sind, sind Flugzeuge, Elektrizität, Eisenbahn, Telegraf u. dgl. Dinge in Erscheinung getreten und haben im täglichen Leben der Menschen einen großen Platz eingenommen. Der Weise Qur'an, der zur ganzen Menschheit spricht, sollte doch diese Dinge auf gar keinen Fall unerwähnt gelassen haben. Und er hat sie in der Tat nicht unerwähnt gelassen. Er hat in zweierlei Art auf sie hingewiesen:
Erster Hinweis:
Durch die Wunder der Propheten...
Zweiter Hinweis:
Er weist durch manche Erzählungen aus der Geschichte auf sie hin.
{"Verflucht seien die Leute der Grube, des Feuers mit seinem Brennstoff, wenn sie an ihm sitzen und Zeugnis ablegen für das, was sie den Gläubigen angetan haben. Und sie rächten sich an ihnen allein deswegen, weil sie an den Einen Gott glaubten, der mächtig und des Lobes würdig ist..." (Sure 85, 4-8)}
Sowie:
{"Und ein Zeichen ist es ihnen, dass Wir ihre Nachkommenschaft) in dem vollbeladenen Schiff trugen und ihnen ähnliche Dinge verfertigten, die sie besteigen." (Sure 36, 41-42)}
weist der Qur'an mit vergleichbaren Ayat auf die Eisenbahn hin.
{"Allah ist das Licht des Himmels und der Erde. Sein Licht ist mit einer Leuchte zu vergleichen, mit einer Lampe darin. Die Lampe ist in einem Glas. Es scheint wie ein funkelnder Stern. Es brennt von einem gesegneten Baum, einem Ölbaum, der weder im Osten noch im Westen ist, und dessen Öl Helligkeit gibt, ohne dass es vom Feuer berührt worden wäre - Licht über Licht. (*) Allah führt seinem Licht zu, wen Er will." (Sure 24, 35)
(*) Anmerkung:
("...und dessen Öl Helligkeit gibt, ohne dass es vom Feuer berührt worden wäre - Licht über Licht.")
Dieser Satz bringt jenen Hinweis ans Licht.}
Diese Ayah weist auf viele verschiedene Lichter und Geheimnisse hin, wobei sie auch auf die Elektrizität hindeutet. Da sich mit diesem zweiten Aspekt viele Leute beschäftigen und er großer Aufmerksamkeit und eingehender Erklärung bedarf und umfangreich ist, möchte ich mich hier mit diesen Ayat, welche auf die Eisenbahn und auf die Elektrizität hinweisen, begnügen und diese Tür nicht öffnen. Erster Hinweis weist auf sie durch die Wunder der Propheten hin. Hier wollen wir einige Beispiele dieser Art zum Vergleich anführen.
Einführung:
Wie im Weisen Qur'an erwähnt wird, hat Gott der Gerechte die Propheten als jeweils einen Führer und Wegweiser für die Gemeinschaften der Menschen hinsichtlich ihrer geistigen Entwicklung gesandt und für die materielle Entwicklung der Menschen jedem dieser Propheten gewisse Wunder an die Hand gegeben und sie
zu Meistern und Lehrern gemacht. Er befiehlt uns, uns ihnen in jeder Hinsicht zu unterwerfen. Wenn der Qur'an von der geistigen Vollkommenheit der Propheten spricht, spornt er die Menschen dazu an, ihnen zu folgen; die Abhandlung über die Wunder aber lässt eine Ermunterung dazu verspüren, deren Nachahmung zu erreichen, ihnen nachzueifern. Man kann sogar sagen, dass es an Hand der Wunder geschah, dass der Menschheit erstmals geistige Vollkommenheit als auch materielle Vollkommenheit und Wunderwerke geschenkt wurden. So ist das Schiff, ein Wunder Noahs, und die Uhr, ein Wunder Josefs, das erstmals der Menschheit geschenkt wurde, aus der Hand der Wunder. Ein feinsinniger Hinweis auf diese Tatsache ist folgender:
Die meisten Handwerker nehmen in jedem Handwerk je einen Propheten als Meister an. Zum Beispiel nehmen die Schiffbauer Noah an, mit dem Friede sei, die Uhrmacher Josef, mit dem Friede sei, die Schneider Henoch, mit dem Friede sei...
Forscher und Leute der Dichtkunst sind sich ja darin einig, dass jede Ayah im Qur'an in verschiedener Hinsicht eine Lehre erteilt und auf den rechten Weg leitet. Die Ayat über die Wunder der Propheten, die prächtigsten im Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, sind keine bloße Erzählung aus der Geschichte, sondern sie beinhalten verschiedene Bedeutungen, die auf den rechten Weg führen. Wenn der Qur'an die Wunder der Propheten bespricht, so zieht er die weiteste Grenze der Wissenschaft und Kunst der Menschen. Er legt den Finger auf ihre entferntesten Ziele. Er bestimmt ihr endgültiges Ziel. Zur Ermunterung klopft er dem Menschen auf seine Schultern und führt ihn zu diesem Ziel hin. So wie die vergangene Zeit eine Speicherkammer der Samen der zukünftigen Zeit und ein Spiegel ihrer Ereignisse ist, so ist auch die Zukunft ein Acker der Vergangenheit und ein Spiegel ihrer Geschehnisse. Jetzt wollen wir nur noch einige Beispiele aus dieser überaus umfangreichen Quelle erklären...
Die Ayah
{"Und Salomon haben Wir den Wind dienstbar gemacht, sein Morgen war ein Monat und sein Abend ein Monat." (Sure 34, 12)}
welche als ein Wunder Salomons, mit dem Friede sei, die Unterwerfung der Luft ausdrückt, besagt: "Salomon hat an einem Tag eine Strecke von zwei Monaten in der Luft fliegend zurückgelegt." Darin weist der Qur'an darauf hin: Für die Menschen ist der Weg offen, in der Luft eine solche Strecke zurückzulegen. Wenn das so ist, oh Mensch, und für dich die Möglichkeit besteht, bemühe dich darum, diese Stufe zu erreichen! Gott der Gerechte bringt mit dieser Ayah sinngemäß zum Ausdruck: "Oh ihr Menschen! Da einer meiner Diener mit ganzer Seele kein Windbeutel mehr sein wollte, habe ich ihn auf dem Wind reiten lassen. Wenn auch ihr mit ganzer Seele kein Faulpelz mehr sein wollt und von manchen Gesetzen und Regeln meiner Gewohnheit den besten Gebrauch macht, könnt auch ihr auf ihm reiten!"
Diese Ayah,
{"Da sprachen Wir: Schlage mit deinem Stab auf den Felsen! Da brachen zwölf Quellen aus ihm hervor. usw...." (Sure 2, 60)}
welche ein Wunder Mosis, mit dem Friede sei, erklärt, weist darauf hin: Man kann Schätze der Barmherzigkeit, die unter der Erde verborgen sind, mit einfachen Werkzeugen herausholen. Man kann sogar an einem steinharten Ort mit einem Stab lebendiges Wasser zu Tage fördern. So sagt denn diese Ayah den Menschen sinngemäß: "Ihr könnt lebendiges Wasser, welches das anmutigste Geschenk der Barmherzigkeit ist, mit einem Stab finden. Also dann, auf, arbeitet nur und findet es!" Gott der Gerechte spricht mit den Worten dieser Ayah zu dem Geist des Menschen: "Oh Mensch! Einem meiner Diener,
der auf mich vertraut, gebe ich also einen solchen Stab in die Hand, womit er an jedem Platz, den er nur will, lebendiges Wasser hervorholen kann. Wenn du dich auf die Gesetze meiner Barmherzigkeit stützt, kannst auch du ein solches oder ein ähnliches Gerät in Gebrauch nehmen. Also tu das!" So ist eine unter den wichtigsten Entwicklungen der Menschheit die Entwicklung eines Gerätes, mit dem man in vielen Gebieten sondieren und Wasser hervorsprudeln lassen kann. Diese Ayah zeigt noch entfernter liegende Ziele solcher Entwicklungen, noch weit hinter unendlich fernen Grenzen auf. Desgleichen legt die obenerwähnte Ayah Punkte fest, die im Vergleich zu den bereits heute von den Flugzeugen erreichten in einer noch unendlich viel weiteren Ferne liegen.
Noch ein Beispiel: Die Ayah
{"Und ich werde mit Gottes Erlaubnis Blinde und Aussätzige heilen und Tote wieder lebendig machen." (Sure 3, 49)}
betrifft ein Wunder Jesu, mit dem Friede sei. Wie der Qur'an die Menschen zur hohen Gesittung Jesu, mit dem Friede sei, eindeutig anspornt, so regt er sie auch zu der hohen Kunst und der Medizin des Herrn indirekt an. So weist diese Ayah darauf hin: "Auch die langwierigsten Krankheiten sind heilbar. Also dann, oh Mensch und ihr von einem Unglück heimgesuchten Söhne Adams! Seid nicht verzweifelt! Alle Krankheiten - was es auch sei - sind heilbar. Wenn ihr sucht, findet ihr. Ja es ist sogar möglich, den Tod vorübergehend mit einer Farbe des Lebens zu bestreichen." Gott der Gerechte weist durch diese Ayah darauf hin: "Oh Mensch! Ich habe einem meiner Diener, der um meinetwillen die Welt aufgegeben hat, zwei Geschenke verliehen. Das eine ist die Heilung der Seele; das andere ist die Medizin für körperliche Krankheiten... Es werden tote Herzen durch das Licht der Rechtleitung wieder ins Leben gerufen. Kranke, die wie tot sind, finden Genesung durch seine Einhauchung und
seine Medizin. Auch du kannst für jede deiner Krankheiten Heilung aus der Apotheke meiner Weisheit finden. Arbeite! Finde! Suchst du, dann wirst du mit Sicherheit finden." So setzt diese Ayah die Grenze des Fortschrittes der Menschen in der Medizin viel weiter als den heutigen Stand, weist auf noch weit entfernte Ziele hin und spornt an.
Noch ein Beispiel: Die Ayah
{"Und wir machten für ihn das Eisen weich." (Sure 34, 10) "Und wir gaben ihm Weisheit und entscheidende Rede." (Sure 38, 20)}
welche über David, mit dem Friede sei, sprechen, und die Ayah
{"Und wir ließen eine Quelle von geschmolzenem Metall für ihn fließen." (Sure 34, 12)}
welche über Salomo berichtet, weisen (alle drei) darauf hin, dass das Weichmachen des Eisens ein großes Geschenk Gottes ist, mit dem der Qur'an die Vorzüglichkeiten eines großen Propheten erwähnt. In der Tat ist Eisen weich wie Teig zu machen, Kupfer zu schmelzen, Metalle zu finden und heraufzuholen, Ursprung, Mutter, Grundlage und Quelle aller materialverarbeitenden Kunst- und Handwerksbetriebe der Menschen. So weist diese Ayah darauf hin: "Für einen großen Propheten, einen großen Kalifen der Erde ist es ein großes Wunder, ein großes Geschenk Eisen weich wie Teig zu machen und fein wie Draht zu ziehen und Kupfer zu schmelzen und somit Ursprung zu sein für die meisten allgemeinen Industriezweige." Da nun einmal Gott der Gerechte einem Propheten, der auch ein Kalif, d.h. zugleich geistiger als auch weltlicher Herrscher war, Weisheit der Zunge und praktische Begabung seiner Hand verliehen hat und uns mit klarer Aussage antreibt, auf die Weisheit seiner Zunge zu hören, so liegt darin mit Sicherheit auch ein Zeichen
zur Ermunterung, seine handwerkliche Meisterschaft nachzuahmen. Gott der Gerechte spricht durch diese Ayah: "Oh ihr Söhne Adams! Einem meiner Diener, der meinen Befehlen gehorcht, habe ich eine solche Weisheit in Herz und Zunge gelegt, dass er durch sie alles mit vollkommener Klarheit herausstellen und ihre Wahrheit zeigen kann, und auch seiner Hand eine solche handwerkliche Begabung gegeben, dass er das Eisen, als wäre es Wachs, in seiner Hand verformen kann. Dadurch erhielt er eine bedeutende Macht für sein Kalifat und sein Königtum. Da dies nun einmal möglich ist, einmal gegeben wurde und für euch wichtig ist und ihr dessen in eurem gesellschaftlichen Leben sehr bedürft, so kann auch euch diese handwerkliche Begabung gegeben werden, wenn ihr meinen Befehlen des Seins (den Gesetzen der Natur) folgt. Im Laufe der Zeit könnt ihr dem entgegen wachsen."
Wenn also nun die Menschen hinsichtlich ihrer handwerklichen Begabung so weit fortgeschritten sind und hinsichtlich ihrer physischen Kraft so bedeutende Kapazitäten erworben haben, so ist dies erst durch das Weichmachen des Eisens und das Schmelzen des Kupfers ermöglicht worden. In der Ayah wurde Kupfer als «kitr, قِطْرِ = flüssiges Metall» bezeichnet. Diese Ayat lenken die Aufmerksamkeit der ganzen Menschheit auf diese Wahrheit hin, ermahnten die Menschen alter Zeiten, die nicht zu schätzen wussten, wie bedeutend diese Wahrheit war, ermahnten auch alle Faulen heutiger Zeit...
Noch ein Beispiel:
Es ist die Ayah, welche auf das wunderbare Geschehnis hinweist, wo Salomo, mit dem Friede sei, einen seiner Minister, der über das nötige Wissen verfügte, weit entfernte Dinge herbei zu holen, dazu beauftragte, den Thron der Königin Belkis aus Saba, herbeizuholen. Er antwortete: "Ich kann ihren Thron in einem Augenblick hier bei euch zugegen sein lassen!"
{"Derjenige, der Wissen aus der Schrift besaß, sagte: 'Ich werde ihn dir in einem Augenblick bringen.' Als er ihn nun bei sich stehen sah,..." (Sure 27, 40)}
Diese Ayah weist darauf hin, dass es möglich ist, Dinge selbst oder ihre Abbildungen aus weiten Entfernungen gegenwärtig zu machen. Es ist ja geschehen.
Salomo, mit dem Friede sei, besaß neben der Ehre seines Prophetentums auch noch die seiner Königsherrschaft. Damit er sich untadelig und gerecht verhalten konnte, sollte er persönlich alle Ecken seines großen Reiches mühelos und ohne Anstrengung kennen, den Zustand seiner Untertanen sehen und ihre Sorgen hören. Dies hatte Gott der Gerechte ihm als ein Wunder geschenkt. Wenn also Salomo, mit dem Friede sei, auf Gott den Gerechten vertraute und so wie er in seiner untadeligen Art etwas von Ihm erbat, und insoweit wie auch der Mensch in der Sprache seiner Fähigkeit etwas von Gott dem Gerechten erbittet und sich dabei nach den Gesetzen Seiner Gewohnheit (: den Naturgesetzen) richtet und sich Seiner Gnade entsprechend verhält, insoweit wird ihm die ganze Welt wie nur eine Stadt vorkommen. Während der Thron der Königin Belkis von Saba, noch im Jemen war, wurde er selbst oder seine Abbildung als in Damaskus anwesend gesehen. Mit den Abbildungen der Männer um den Thron wurden mit Sicherheit auch ihre Stimmen gehört.
Damit weist diese Ayah majestätisch darauf hin, dass man Bilder und Stimmen aus weiter Entfernung gegenwärtig erscheinen lassen kann, und gibt in diesem Sinne folgendes zum Ausdruck: "Oh ihr Leute eines Königreiches! Wenn ihr lautere Gerechtigkeit ausüben wollt, sollt ihr euch darum bemühen, wie Salomo die Erde in ihrem ganzen Umfang zu sehen, zu erkennen und zu verstehen. Denn ein gerechter Herrscher, ein König, der seine Untertanen liebt, kann seiner geistigen Verantwortung nur insoweit gerecht werden und gerecht sein, in welchem
Grade er sich über alle Enden seines Reiches zu jeder Zeit und wann immer er will, in Kenntnis setzen kann." Gott der Gerechte sagt mit dieser Ayah folgendes:
"Oh ihr Söhne Adams! Ich gebe einem meiner Diener einen sich weithin erstreckenden Besitz. Ich gebe ihm direkte Kenntnis über den Zustand und die Ereignisse der Erde, damit er in diesem sich so weithin erstreckenden Besitz lautere Gerechtigkeit ausüben kann. Da ich nun einmal jedem Menschen, wie es seinem Wesen entspricht, die Begabung gegeben habe, Kalif (Verantwortlicher) auf Erden zu sein, so habe ich ihm mit Sicherheit, wie es meine Weisheit erfordert, gemäß dieser Begabung auch die Fähigkeit verliehen, die ganze Erde zu sehen, zu betrachten und zu verstehen. Wenn auch nicht jeder persönlich diesen Punkt erreichen kann, so kann ihn doch die menschliche Gattung als solche erreichen. Könnt ihr ihn nicht materiell erreichen, so könnt ihr ihn aber wie Gottesfreunde (ehl-i velayet) durch geistige Fähigkeiten erreichen. Weil dies aber so ist, könnt ihr aus diesem gewaltigen Geschenk euren Nutzen ziehen. Auf nun, und lasst einmal sehen, wie ihr arbeitet, ohne euren Auftrag, die Anbetung Gottes, zu vergessen! Verwandelt das Antlitz der Erde in einen Garten, indem ihr einander von allen Seiten betrachten und eure Stimmen an allen Ecken hören könnt.
{"Er ist es, der euch die Erde untertan gemacht hat. Geht auf ihrem Rücken umher und esst von dem, was Er euch beschert hat! Und zu Ihm ist dereinst eure Rückkehr." (Sure 67, 15)}
Ihr sollt auf den Erlass des Erbarmers, der durch diese Ayah zum Ausdruck kommt, hören." So zeigt also diese Ayah mit diesem Hinweis die entfernteste Grenze der feinen Kunst, Bilder und Stimmen von weither gegenwärtig erscheinen zu lassen und lässt eine Ermunterung dazu erahnen.
Noch ein Beispiel: Die folgende Ayah
{"Und die Satane machten wir ihm dienstbar,... und andere, in Fesseln aneinander gebunden." (Sure 38, 37-38)}
{"Und Satane machten wir ihm dienstbar, solche, die für ihn ins Meer tauchten und noch andere Arbeiten ausführten..." (Sure 21, 82)}
welche mitteilen, dass Salomo, mit dem Friede sei, Dschinnen und Teufel und böse Geister unterworfen hat und sie für nützliche Dinge in den Dienst stellte, sich jedoch ihre bösen Taten verbat. Diese Ayat besagen: Auch Dschinnen, die als bewusstseinstragende Geschöpfe die wichtigsten Bewohner der Erde nach den Menschen sind, können den Menschen dienstbar werden. Mit ihnen kann Kontakt aufgenommen werden. Die Teufel können gezwungen werden, ihre Feindschaft aufzugeben und sie können, ob sie wollen oder nicht, dienen, wie Gott der Gerechte sie einmal einem seiner Diener, der Seinen Befehlen gehorsam war, folgsam gemacht hatte. Gott der Gerechte sagt durch diese Ayah:
"Oh Mensch! Einem meiner Diener, der sich mir unterworfen hat, ließ ich Dschinnen, Teufel und die Übeltäter unter den selben gehorsam sein. Wenn auch du dich meinen Befehlen unterwirfst, können dir viele Wesen, ja sogar Dschinnen und Teufel, gehorchen."
Also, Herbeirufen der Seelen Verstorbener und Kontaktaufnahme mit den Dschinnen u. dgl. mehr, wie der Spiritismus, der aus der Kunst und Wissenschaft der Menschen heraus destilliert ist und der aus ihrer körperlich und geistig außerordentlichen Empfindsamkeit entstand, setzt diese Ayah die weiteste Grenze und bestimmt ihre nutzbaren Formen und öffnet auch den Weg dazu. Man sollte jedoch nicht den Dschinnen, Teufeln und bösen Geistern, die sich manchmal wie die Seelen der Verstorbenen
verhalten, unterworfen sein, Maskerade und Spielzeug werden, wie in heutiger Zeit, sondern sie mit den feinen Wahrheiten aus dem Qur'an dienstbar machen, um sich vor ihren Übeltaten zu schützen.
Die Ayat, die auf das Herbeirufen, die Unterwerfung der Dämonen durch Salomo, mit dem Friede sei, und auf das Erscheinen der Seelen der Verstorbenen hinweisen, und andere Ayat wie die folgende
{"Und Wir sandten ihr Unseren Geist. Der stellte sich ihr als ein wohlgestalteter Mensch dar." (Sure 19, 17)}
weisen auch auf das Erscheinen der Geistwesen und gleichzeitig auf das Herbeirufen der Seelen Verstorbener hin.
Was aber nun dieses Herbeirufen der guten Geister betrifft, worauf hier hingewiesen wird, so handelt es sich dabei nicht, wie bei manchen Vertretern heutiger Zivilisation, um verschiedene Spielereien in Form einer Belustigung. Diese rufen Seelen, die doch äußersten Respekt verdienen und in einer Welt leben, die zu respektieren ist, ohne Respekt zu sich, ja sogar zu Spielereien herbei.
Man darf sich jedoch nur mit Ernst und in ernsthafter Absicht, so wie es Persönlichkeiten wie Muhyiddin al-Arabi und manche unter den Gottesfreunden praktiziert haben, zu ihnen hin ziehen lassen, eine Beziehung zu ihnen aufbauen, an ihren Ort reisen und sich bis zu einem gewissem Grade ihrer Welt annähern und dabei von ihrer geistigen Ausstrahlung einen geistigen Nutzen empfangen. Dies ist es, worauf die Ayat eigentlich hinweisen und mit diesem Hinweis spornen sie uns dazu an und ziehen dabei gleichzeitig die äußerste Grenze derartig geheimnisvoller Kunst und Wissenschaft und zeigen uns ihre allerschönste Form...
Noch ein Beispiel:
Die Ayat, die über die Wunder Davids, mit dem Friede sei, berichten,
{"Wir machten im Verein mit ihm die Berge dienstbar, sodass sie (mit ihm zusammen uns) abends und bei Sonnenaufgang preisen." (Sure 38, 18) "(Salomo sagte:) Es wurde uns die Sprache der Vögel gelehrt," (Sure 27, 16) "Oh ihr Berge und ihr Vögel lobpreiset mit ihm! Und wir erweichten für ihn das Eisen." (Sure 34, 10)}
weisen darauf hin, dass Gott der Gerechte dem Lobgesang Davids, mit dem Friede sei, eine solche Kraft, einen so starken Klang und eine solch anmutige Ausdrucksform verliehen hatte, dass er die Berge in Ekstase versetzen konnte. Sie glichen gewaltigen Phonographen und bildeten, wie Menschen um einen Dhikrleiter, einen Kreis bis zum Horizont und lobten und priesen Gott. Ist so etwas denn möglich? Kann es denn wahr sein?
Ja, das ist tatsächlich die Wahrheit. Jeder Berg kann durch die Höhlen in seinem Inneren mit einem Menschen in der Sprache der Menschen wie ein Papagei sprechen. Denn: Wenn du vor einem Berg «Elhamdulillah (Lobpreis und Dank sei Gott!)» rufst, wird der Berg durch den Widerhall deiner Stimme genauso wie du «Elhamdulillah!» ausrufen. Da Gott der Gerechte diese Fähigkeit den Bergen gegeben hat, kann man diese Fähigkeit mit Sicherheit weiter entwickeln. Dieser Same kann Frucht bringen.
Gott der Gerechte hat David, mit dem Friede sei, mit dem Prophetentum beauftragt und ihm dabei noch in besonderer Weise das Kalifat (Herrschaft) über die Erde gegeben. Wie es seiner umfangreichen Sendung und diesem gewaltigen Herrschaftsbereich würdig war, ließ Gott der Gerechte den Samen dieser Fähigkeit sich gleich einem Wunder derart entfalten, dass riesige Berge sich David Soldaten, Schülern, Novizen gleich unterwarfen und in seiner Sprache entsprechend seinem Befehl
den majestätischen Schöpfer lobpreisen. Was auch David, mit dem Friede sei, rief, wiederholten sie. Ein großer Kommandant kann zum Beispiel durch viele, entwickelte Kommunikationsmittel und Nachrichtengeräte sein gewaltiges Heer, das sich über die Berge verstreut verschanzt hat, dazu bringen, gleichzeitig gemeinsam «Allahu Ekber (Gott ist groß!)» auszurufen. Und so lässt er riesige Berge sprechen, versetzt sie in Begeisterung. Wenn ein Kommandant der Menschen die Berge in der Sprache derer, die sich darauf befinden, wie im obigen Beispiel, zum Sprechen bringt, kann mit Sicherheit auch ein majestätischer Kommandant Gottes des Gerechten sie wahrhaftig zum Sprechen bringen und sie veranlassen, Gott zu lobpreisen. Darüber hinaus erklärten wir schon in vorherigen Abhandlungen, dass jeder Berg eine geistige Persönlichkeit besitzt und dementsprechend Gott lobpreist und Ihn anbetet. Das heißt, dass jeder Berg, so wie er durch Widerhall in der Sprache der Menschen Gott lobpreist, so lobpreist er auch in seiner eigenen Sprache den majestätischen Schöpfer.
{"Ebenso die Vögel in Scharen" (Sure 38, 19) "(Salomo sagte:) Es wurde uns die Sprache der Vögel gelehrt,..." (Sure 27, 16)}
Diese Sätze zeigen, dass David und Salomo, mit denen Friede sei, die Gabe, Sprachen der Vogelarten und den Ausdruck ihrer Begabungen, das heißt, wozu sie geeignet sind, zu verstehen, von Gott dem Gerechten geschenkt wurde. Und so ist das in der Tat. Das Antlitz der Erde ist eine Tafel des Erbarmens, gedeckt zu Ehren des Menschen. Wenn dies aber so ist, können die verschiedenen Tierarten und die meisten Vogelarten, die von dieser gedeckten Tafel ihren Nutzen ziehen, dem Menschen unterworfen und dienstbar sein. Der Mensch stellt Honigbienen und Seidenraupen, die kleinsten unter den Tierarten, in Dienst und ebnete sich so durch eine Eingebung Gottes den Weg zu einem gewaltigen Gewinn. Er nimmt die Tauben zu verschiedenen Aufgaben in seine Dienste.
Er bringt Vögeln wie dem Papagei das Sprechen bei. Dies alles trägt zur Schönheit der menschlichen Kultur bei. Es gibt viele Tier- und Vogelarten, die man für wichtige Aufgaben einsetzen kann, wenn man ihre Vorzüge kennt.
In welch nützlichem Dienst kann der Star, der Heuschrecken vernichtet, ohne sie zu fressen, gegen den Ansturm einer Heuschreckenplage ohne Aufwand eingesetzt werden, wenn man die Sprache des Stars versteht und sein Verhalten lenken kann.
Um sich die Vögel derart nutzbar zu machen, sie zu unterwerfen, leblose Dinge wie Telefon und Phonograph zum Sprechen zu bringen, ziehen diese Ayat die äußerste Grenze des Möglichen und setzen das am weitesten entfernte Ziel fest. Sie zeigen mit dem Finger darauf hin, wie man sie bestens gebrauchen kann und ermuntern uns in gewisser Weise dazu. In diesem Sinne sagt Gott der Gerechte durch diese Ayat folgendes:
"Oh ihr Menschen! Einem unter euren Mitmenschen, der sich mir als ein vollkommener Diener erweist, unterstelle ich die riesigen Geschöpfe meines Reiches und lasse sie mit ihm sprechen, damit dies ein Eckpfeiler der Unbescholtenheit seines Prophetentums und der lauteren Gerechtigkeit seiner Herrschaft sei. Die meisten meiner Soldaten und der Tierarten mache ich ihm dienstbar. Ich habe jedem von euch das große Pfand anvertraut, was zu tragen Himmel, Erde und Berge gezögert hatten. Ich habe jedem die Gabe verliehen, Verantwortlicher (Kalif) auf Erden zu sein. In wessen Hand die Zügel all dieser Geschöpfe liegen, dem sollt auch ihr euch unterwerfen, sodass auch euch die Geschöpfe Seines Reiches gehorchen können. Ihr könnt sie im Namen des Herrn, in dessen Hand ihre Zügel liegen, in Besitz nehmen und damit zu einer Stufe aufsteigen, die euren Fähigkeiten entspricht. Das also ist die Sachlage. Statt sinnloser Vergnügungen, wie den Fonografen spielen zu lassen, Tauben zu dressieren, oder sie als Briefboten abzurichten, Papageien zum Sprechen zu bringen, solltest du dich besser um ein äußerst angenehmes, hohes, erhabenes,
unschuldiges Vergnügen bemühen, damit die Berge dir wie David zu einem riesig großen Fonografen werden. Durch die Berührung eines leichten Windes soll der Klang des Gottesgedenkens von den Bäumen und allen Pflanzen auf dem Berg, wie von der Saite eines Instrumentes in deinen Ohren klingen. Dann erweist sich dir der Berg selbst als ein erstaunliches Geschöpf, das Gott mit tausend Zungen lobpreist und die meisten Vögel werden sich dir in zutrauliche Freunde, oder - wie Salomos Wiedehopf - in gehorsame Diener verwandeln. Sie sollen dich sowohl erfreuen, als auch zu der Vervollkommnung, für die du geeignet bist, mit Begeisterung hinführen und dich nicht, wie jener andere Zeitvertreib da, von der Stufe (maqam), die dein Mensch-sein erfordert, herabstürzen lassen."
Noch ein Beispiel: In der Ayah,
{"Oh Feuer! Sei kühl und friedlich zu Abraham!" (Sure 21, 69)}
welche über ein Wunder Abrahams, mit dem Friede sei, berichtet, gibt es drei feine Hinweise:
Genauso wie die anderen Ursachen in der Natur verhält sich auch das Feuer nicht nach seinem eigenen Geschmack, nach seiner Natur und blindlings wie von Sinnen. Vielmehr erfüllt es seine Aufgabe unter einem Befehl, sodass es Abraham, mit dem Friede sei, nicht brannte und es wurde ihm befohlen: "Brenne ihn nicht!"
Es gibt eine Hitzestufe, die gleich der Kälte brennt. Das heißt, sie wirkt gleich wie ein Brand. Gott der Gerechte sagt der Kälte mit dem Wort سَلاَماً {"Sei friedlich!"}
"Du sollst nicht wie die Hitze durch deinen Frost brennen!" D.h. die Hitze zeigt sich auf dieser Stufe gleich der Kälte, wenn sie brennt. Sie ist zugleich Hitze als auch Kälte. Nach der naturwissenschaftlichen Weisheit gibt es tatsächlich eine Hitzestufe, welche der Zustand der Weißglut ist, wobei Hitze sich nicht ausbreitet, sondern Hitze herangezogen wird, wodurch eine Art Kälte flüssige Dinge wie Wasser um sich herum gefrieren lässt, d.h. dass die Kälte Brand bewirkt. So ist ein strenger Frost eine Art Feuer, das durch die Kälte brennt. Es muss also in der Hölle, die alle Stufen des Feuers und all dessen Arten umfasst, mit Sicherheit auch ein strenger Frost vorhanden sein.
So wie es einen geistigen Stoff wie den Glauben (iman) und Gottergebenheit (islamiyet) gleich wie ein Panzerhemd gibt, um die Wirkung des Höllenfeuers abzuweisen und davor zu schützen, so gibt es auch einen materiellen Stoff, der die Wirkung des irdischen Feuers abweist. Gott der Gerechte führt, als Erfordernis Seines Namens "der Allweise" einerseits und da andererseits diese Welt der Ort der Weisheit ist, Seine Handlungen hinter dem Schleier der Ursachen durch. So hatte das Feuer Abrahams Körper nicht, wie auch sein Hemd nicht verbrannt und ihm den Zustand verliehen, dem Feuer zu widerstehen. Wie es Abraham nicht verbrannte, so verbrannte es auch nicht sein Hemd. Mit diesem Hinweis sagt diese Ayah folgendes:
"Oh Volk Abrahams! Seit wie Abraham, so dass eure materiellen wie geistigen Hemden zu Panzerhemden werden, sowohl hier als auch drüben gegen das Feuer, das euer größter Feind ist. So wie ihr euren Geist sich mit dem Glauben zu bekleiden heißt und er euch wie ein Panzerhemd gegen das Höllenfeuer wird, so gibt es auch etliche Stoffe, welche Gott der Gerechte für euch in der Erde aufbewahrt und vorbereitet hat. Sie schützen euch vor dem Übel des Feuers. Sucht sie, holt sie heraus und (fertigt euch daraus Kleider, die ihr) anziehen könnt!" So ist eine der wichtigen Entwicklungen und Entdeckungen
des Menschen, einen Stoff gefunden zu haben, aus dem er nicht brennbare, feuerfeste Kleider herstellen und anziehen kann. Worauf sich aber diese Ayah bezieht, so siehe, wie erhaben, fein und ewig haltbar dem gegenüber jene Hülle ist, die auf der Werkbank von «Hanifan Musliman» {Die Art Abrahams, mit dem Friede sei; lautere Gottergebenheit. (A.d.Ü.)} gewebt wurde...
Noch ein Beispiel:
{"Er lehrte Adam alle (Seine) Namen (kennen)." (Sure 2, 31)}
Diese Ayah sagt: "Das große Wunder Adams, mit dem Friede sei, bezüglich seines Anspruchs auf die Ermächtigung (das große Pfand) {Gemeint: Entscheidungsfreiheit des Menschen. (A.d.Ü.)} (Hilafet-i kubra) ist, dass ihm gelehrt wurde, alle Namen zu kennen." So weisen denn die Wunder der übrigen Propheten, wie bereits oben geschildert, auf die Entdeckungen der Menschheit in bestimmten Bereichen hin. Das Wunder Adams, mit dem Friede sei, der der Vater aller Propheten und der Eröffner des Rates der Propheten ist, zeigt die fernsten Grenzen aller Vollkommenheit und jeglicher Entwicklung des Menschen und ihre weitesten Ziele fast eindeutig. Gott der Gerechte sagt durch diese Ayah: "Oh ihr Söhne Adams! Ich lehrte eurem Vater, in Bezug seines Anspruchs auf die Ermächtigung (Hilafet) den Engeln gegenüber als ein Zeugnis für seine Bevorzugung, alle (Meine) Namen kennen. Auch ihr seid seine Kinder und die Erben seiner Begabungen. Ihr sollt alle Namen kennen lernen und allen Geschöpfen gegenüber den Vorzug zeigen, dass ihr dazu berechtigt seid, das große Pfand auf euch zu nehmen. Denn im Kosmos ist für euch der Weg offen, die höchsten Sprossen (maqam) über allen Geschöpfen zu erklimmen und einen hohen Rang zu erreichen, dass euch riesige Geschöpfe gleich der Erde dienstbar werden...
Auf, stürmt vor, haltet je einen meiner Namen fest und steigt empor! Aber euer Vater war einmal vom Teufel betrogen worden und vorübergehend von seinem hohen Rang (maqam) herab und hinab auf die Erde gestürzt. Gebt acht, bei eurem Voranschreiten nicht dem Teufel zu folgen und einen Anlass zu geben, von den Himmeln der Weisheit Gottes herab und hinunter in den Irrtum des Naturalismus zu stürzen. Erhebet wieder und wieder eure Häupter und achtet auf Meine "Schönen Namen (Esma-i Husna)". Um in diese Himmel aufzusteigen, sollt ihr eure Wissenschaften und euren Fortschritt zu einer Leiter machen, auf der ihr zu Meinen Namen, d.h. den Namen eures Herrn, gelangen könnt, welche Quelle und Wahrheit eurer Wissenschaften und eurer Vollkommenheit sind. Betrachtet euren Herrn mit eurem Herzen durch das Fernrohr dieser Namen..."
Eine wichtige Anmerkung und ein bedeutendes Geheimnis:
Wie diese bewunderungswürdige Ayah auf Kenntnis beruhende Vollkommenheit, wissenschaftlichen Fortschritt und wunderbare Kunstwerke des Menschen, welche er durch die Vielseitigkeit seiner Begabungen erlangt hat, unter der Bezeichnung "Die Lehre der Namen (Talim-i Esma)" beinhaltet und in sich umfasst, so liegt hierin folgender feiner und erhabener Hinweis:
Jede Vollkommenheit, jede Erkenntnis, jeder Fortschritt, jede Wissenschaft hat eine erhabene Wahrheit, und es ist diese Wahrheit, auf der ein Name Gottes beruht. Diese Wissenschaften, diese Vollkommenheit, diese Künste führen dadurch zu ihrer Vollendung und zur Erkenntnis der Wahrheit, dass sie sich auf einen bestimmten Namen (Gottes) beziehen, der sich hinter sehr vielen Schleiern in unterschiedlichen Formen und auf verschiedenen Stufen findet. Anderenfalls sind sie nur ein unvollkommener, schwacher Schatten...
Zum Beispiel ist die Geometrie eine Wissenschaft. Ihre Wahrheit und ihr letztendliches Ziel ist es, zu den Namen Gottes des Gerechten "der Gerechte und der Bestimmer"
zu gelangen und in dem Spiegel der Geometrie die zweckmäßigen Erscheinungen dieser Namen in ihrem Umfang zu bezeugen.
Zum Beispiel ist die Medizin eine Wissenschaft und eine Kunst. Auch ihr eigentliches Ziel und ihre Wahrheit ist es, den Namen Gottes des Allweisen "der Heiler" zu erreichen. Indem man auf der Erde, die Seine gewaltige Apotheke ist, die barmherzigen Erscheinungen dieses Namens in den Heilmitteln sieht, kann die Medizin dadurch ihre Vollendung finden und so zur Erkenntnis der Wahrheit führen.
Zum Beispiel können die Naturwissenschaften, die sich mit den Gegebenheiten der Dinge befassen, dadurch zu einer Weisheit werden, dass man die umfassende Erscheinung des Namens Gottes des Gerechten "der Allweise" in der Lenkung und Leitung und in der Versorgung aller Dinge, ihrer Nutzanwendung und ihrer Bestimmung sieht und zu diesem Namen gelangt und sich auf ihn bezieht. Sonst verwandeln sie sich entweder in Aberglaube und Sinnlosigkeit oder öffnen einen Weg zur Irrlehre wie zur Naturphilosophie.
Hier sind drei Beispiele für dich... Vergleiche sie mit anderen Wissenschaften und Künsten!
Also ermuntert der Weise Qur'an den Menschen, ihm auf die Schulter klopfend, durch diese Ayah zu weitesten Zielen, entferntesten Grenzen und höchsten Stufen, hinter denen er in der derzeitigen Entwicklung sehr weit zurück geblieben ist, ihm diese Stufen mit dem Finger weisend, indem er sagt: "Auf und vorwärts marsch!"
Wir begnügen uns mit diesem Juwel aus der großartigen Schatzkammer dieser Ayah und machen hier diese Tür zu...
Noch ein Beispiel: Er, das Siegel im Rat der Propheten, das Oberhaupt der Propheten, für dessen Anspruch auf das Prophetentum die Wunder aller Propheten (in ihrer Übereinstimmung) als ein einziges Wunder gelten, und er, auf den dieser Kosmos stolz ist, und er, an dem sich
alle Namen mit allen ihren Abstufungen und mit allen ihren Einzelheiten zeigten, welche auch Adam, mit dem Friede sei, kurz zusammengefasst gelehrt wurden, er, mit dem Friede und Segen sei, spaltete den Mond, indem er seinen Finger majestätisch empor streckte, und indem er ihn hilfreich ausstreckte, entströmte seinen zehn Fingern Wasser wie aus der Quelle des Paradieses und er, der mit tausend Wundern bestätigt und unterstützt wurde, dessen größtes Wunder der weise Qur'an ist, war Mohammed, mit dem Friede und Segen sei. Zu den Aspekten, die den Qur'an als Wunder herausstellen, gehören die Flüssigkeit seiner Rede in der Verkündigung von Recht und Wahrheit, die Prägnanz in seiner Ausdrucksweise, die Vielseitigkeit seines Inhaltes, der Stil seiner erhabenen süßen Worte, was die folgende Ayah zum Ausdruck bringt:
{"Sag: Auch täten Menschen und Dschinnen sich zusammen, um etwas herbeizubringen, was diesem Qur'an gleichwertig wäre, so werden sie das nicht herbeibringen können. Auch nicht, wenn sie sich gegenseitig dabei unterstützen sollten." (Sure 17, 88)}
Mit den gleichen Ayat lenkt er die Aufmerksamkeit der Menschen und der Dschinnen auf den obenerwähnten klarsten und glänzendsten Aspekt, neben vielen Aspekten, die dieses bleibende Wunder erkennbar machen. Er provoziert alle Menschen und Dschinnen. Er steigert die Begeisterung seiner Freunde und die Verbohrtheit seiner Feinde. Durch mächtige Ermunterung und mit kraftvoller Anfeuerung bringt er seine Freunde wie Feinde dazu, ihn nachzuahmen oder eine Nachdichtung abzufassen, das heißt, seine Worte zu imitieren oder etwas ähnliches zu Stande zu bringen. Ja er verhilft diesem Wunder sogar zu allgemeiner Beachtung, als bestünde der einzige Zweck des Menschen in diese Welt zu kommen darin, dieses Wunder als Ziel und Grundlage anzunehmen und in seiner Betrachtung sich bewusst auf das Ziel hin zu bewegen, welches in der Erschaffung des Menschen liegt.
Die Wunder der anderen Propheten weisen jedes auf eines ihrer wunderbaren Künste hin. Das Wunder Adams aber, mit dem Friede sei, verweist neben den Grundsätzen allen Handwerks in kurz zusammengefasster Form auf ein Inhaltsverzeichnis der Kenntnisse und der Wissenschaften, der erstaunlichen und einzigartigen Dinge und alle Vollkommenheit des Menschen hin und ermuntert sie zugleich dazu. Was aber den Qur'an betrifft, dessen Verkündigung ein Wunder ist, das größte Wunder Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, so zeigt er eindeutig, dass sich in ihm die Wahrheit von dem, was Adam gelehrt wurde, nämlich alle Namen Gottes zu kennen, mit allen ihren Einzelheiten offenbart. Er zeigt die richtigen Ziele der Erkenntnisse und der Wissenschaften, die recht und wahr sind, und was die Vollendung und die Glückseligkeit in dieser und in jener Welt ist; zudem führt er die Menschen mit ganz besonderem Nachdruck dazu hin. Seine Führung und Anfeuerung lässt uns sogar folgendes verstehen:
"Oh Mensch! Das höchste Ziel dieser Schöpfung ist es, dem Aufscheinen der Herrschaft Gottes eine umfassende Anbetung Gottes entgegenzubringen, und das letztendliche Ziel des Menschen ist es, zu dieser Anbetung durch Erkenntnis und Vervollkommnung hin zu gelangen."
Er bringt das sogar in der Weise zum Ausdruck, dass er auf diese Weise folgenden Hinweis gibt: "Mit Sicherheit wird das Menschengeschlecht in der Endzeit zu Bildung und Wissenschaft hin strömen. Es wird alle seine Macht aus diesem Wissen schöpfen. Was Herrschaft und Macht betrifft, so werden sie an Kenntnis gebunden sein." Da der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, seine elegante, fließende Beredsamkeit immer wieder in den Vordergrund rückt, gibt er uns dadurch verstehen: "Bildung und Wissenschaft, deren höchster Glanz die Flüssigkeit der Rede und die Genauigkeit des Ausdrucks sind, werden in der Endzeit in all ihren Formen einen ganz besonderen Vorzug genießen. Die Menschen werden
sogar ihre schärfste Waffe aus der Korrektheit ihrer Aussage und ihre überwältigende Macht aus ihrer Art der Ausdrucksfähigkeit erhalten, um den anderen zur Annahme ihrer Meinung zu bewegen und um ihren jeweiligen, gegenseitigen Urteilen zur Geltung zu verhelfen."
Die meisten Ayat im Qur'an sind der Schlüssel zu einer Schatzkammer der Vollendung und öffnen den Zugang zu einer Fundgrube des Wissens. Wenn du willst, kannst du durch den Qur'an in die Himmel und durch seine Ayat empor zu den Sternen gelangen. Mögen dir dabei diese bisherigen zwanzig "Worte (Sözler)" zu einer Leiter mit zwanzig Sprossen werden, hinaufzusteigen. Siehe nun, was für eine glänzende Sonne der Qur'an ist. Er verströmt auch ein klares Licht über die Wahrheiten Gottes und gießt es nun als einen Strahl glänzenden (Lichtes) über die Wahrheiten im Bereich des Möglichen (die irdische Welt) aus!
In Anbetracht dessen, dass die Ayat über die Propheten durch ihre Ausdrucksform auf die Einzigartigkeit der heutigen Entdeckungen des Menschen gleichsam hinweisen und ihre Grenzen noch weiter hinaussetzen, und in Anbetracht dessen, dass mit Bestimmtheit und sogar Übereinstimmung bestätigt ist, dass jede Ayah unterschiedlichste Bedeutungen haben kann, und in Anbetracht dessen, dass es eindeutige Gebote gibt, den Propheten zu folgen und sie uns zum Vorbild zu nehmen, kann man sagen, dass es in den oben erwähnten Ayat neben ihren offensichtlichen Bedeutungen noch verschlüsselte Hinweise auf die wichtigsten Künste und Wissenschaften des Menschen gibt, durch welche sie sogar (zur Beschäftigung mit ihnen) ermuntert werden.
Auf zwei wichtige Fragen zwei wichtige Antworten
Die erste:
Wenn du sagst: "Da der Qur'an nun einmal
für den Menschen herabgesandt wurde, weshalb erklärt er die Entdeckungen der Zivilisation nicht, welche in den Augen der Menschen das Allerwichtigste sind? Er begnügt sich nur mit einem verborgenen Indiz, mit einem geheimen Zeichen, mit einem leichten Hinweis, mit einer schwachen Erinnerung?"
Die wunderbaren Erfindungen der menschlichen Zivilisation können nur in soweit (einen Platz) beanspruchen, wie sie im Qur'an erwähnt werden. Denn die Hauptaufgabe des Qur'an besteht darin, (zum ersten) über das Reich Gottes, seine Vollkommenheit, seine Darstellung, (zum zweiten) die Verpflichtungen und die Gebote im Bereich des Dienstes und der Anbetung zu unterweisen. Also können die Erfindungen der Menschen in diesen beiden Bereichen nur so viel Platz beanspruchen, wie eine schwache Andeutung, ein leichter Hinweis. Denn wenn sie in dem Bereich der Herrschaft (Gottes) einen Platz beanspruchen, dann können sie nur einen kleinen Platz einnehmen.
Zum Beispiel hätte ein Flugzeug menschlicher Konstruktion dem Qur'an gesagt: "Gib mir eine Stelle in deinen Worten. Miss mir in deinen Ayat einen Platz zu." Mit Sicherheit würden die Planeten, die Erde und der Mond, welche die Flugzeuge in diesem Herrschaftsbereich sind, anstelle des Qur'an erwidern: "Hier kannst du nur einen Platz deiner Größe entsprechend einnehmen." Wenn die U-Boote der Menschen in den Ayat des Qur'an einen Platz beansprucht hätten, würden ihnen die U-Boote dieses Bereiches, das heißt, die Erde und die Sterne, welche im Ozean des Himmels und im Meer des Äthers schwimmen, antworten: "Dein Platz ist neben uns verschwindend gering." Wenn die leuchtenden, sternengleichen
elektrischen Lampen eine Erwähnung beanspruchend in die Ayat Eingang finden wollten, würden die Blitze und die Sternschnuppen, welche die elektrischen Lampen dieses Bereiches sind, und die Sterne und die Sonnen, welche das Antlitz des Himmels schmücken, entgegnen: "Nur im Grade deiner Lichtstärke kannst du in diesem Thema und in der Verkündigung Eingang finden." Wenn die Erfindungen der Zivilisation aber hinsichtlich der künstlerischen Feinheit ihre Rechte beanspruchten und in den Ayat eine Stellung (maqam) forderten, dann würde eine Mücke ihnen sagen: "Schweigt! Ihr habt kaum soviel Recht wie einer meiner Flügel. Denn alle feinen Künste und die empfindlichsten Geräte in euch, welche durch die begrenzte Entscheidungsfreiheit des Menschen zu Stande kamen, können insgesamt nicht so einzigartig wie die feinen Künste und die empfindlichen Geräte in meinem winzigen Körper sein. Diese Ayah
{"Diejenigen, zu denen ihr betet, statt zu Gott, können nicht einmal eine Mücke erschaffen, auch wenn sie sich alle dafür zusammentun. usw." (Sure 22, 73)}
bringt euch zum Schweigen."
Wenn diese Erfindungen zu dem Bereich des Dienstes und der Anbetung (Gottes) gehen und in diesem Bereich ihren Platz beanspruchen, dann bekommen sie von diesem Bereich folgende Antwort: "Eure Beziehungen mit uns sind sehr gering und ihr könnt in unseren Bereich nicht so einfach eintreten. Denn unser Programm ist folgendes: Die Welt ist ein Gasthaus. Der Mensch verweilt jedoch nur für eine kurze Dauer darin und er ist ein Gast, der mit vielen Pflichten betraut ist, und beauftragt in diesem kurzen Leben mit der Anschaffung der Notwendigkeiten für das ewige Leben. Die wichtigsten und notwendigsten Aufgaben werden (im Qur'an) vorgestellt. Dagegen scheint es bei euch so zu sein, als ob für die meisten von euch diese vergängliche Welt ein ewiger Sitz wäre: im Allgemeinen ein Bild, welches den Empfindungen derer,
welche die Welt hinter dem Schleier der Gottvergessenheit anbeten, entsprechend gemalt ist. Also habt ihr kaum einen Anteil in der Gottesanbetung, welche auf den Grundsätzen der Wahrheitsverehrung und des Denkens an das Jenseits errichtet ist. Wenn es sich aber darum handelt, allein für den Nutzen der Geschöpfe Gottes und für die allgemeinen Interessen und für das Wohl der Allgemeinheit und für die Vervollkommnung des alltäglichen Lebens zu dienen, was ein bedeutender Gottesdienst ist, so reicht dieses Zeichen des Qur'an für diese empfindlichen Menschen mit Recht aus, den verehrten Handwerkern und den inspirierten Erfindern, die bestimmt eine Minderheit unter euch sind und hinter euch stehen, zur Anstrengung zu ermuntern und ihnen zu ihren Kunstwerken zu gratulieren.
Eine Antwort auf die zweite Frage:
Wenn du sagst: "Nach dieser Erläuterung habe ich keine Zweifel mehr und bestätige: im Qur'an gibt es, neben anderen Wahrheiten, Hinweise und Zeichen auf Wunder heutiger Zivilisation und Technik, sogar noch auf weiter fortgeschrittene Erfindungen. Alles, was für den Menschen im Diesseits und im Jenseits notwendig ist, findet sich darin im Verhältnis seines Wertes. Aber warum erwähnt der Qur'an sie nicht eindeutig, sodass auch die verbohrten Ungläubigen dazu gezwungen sind, sie zu bestätigen, damit unser Herz beruhigt sei?"
Der Glaube ist eine Prüfung und unsere Pflichten gegenüber Gott sind eine Erfahrung, damit wir uns in der Arena des Wettbewerbs in die erhabenen Geister und die niederträchtigen Geister scheiden. Wie man z.B. Erz ins Feuer wirft, um Gold und Erde voneinander zu trennen, so nehmen auch die Befehle, die von Gott kommen, den Menschen an diesem Ort der Prüfung in die Pflicht, führen ihn zu einem Wettkampf, damit sich die kostbaren Edelsteine und die gewöhnlichen Schlacken unter dem Erz der menschlichen Begabungen voneinander trennen... Da der Qur'an an diesen Ort der Prüfung als eine Erfahrung und in die Arena dieses Wettkampfes
für die Vervollkommnung des Menschen herabgesandt worden ist, wird er mit Sicherheit auf solche weltlichen, noch im Schoß der Zukunft verborgenen Dinge, die einmal für jeden sichtbar werden, nur hinweisen und für den Verstand als Beweis zu seiner Bezeugung eine Tür öffnen. Hätte der Qur'an sie eindeutig erwähnt, so wäre der Sinn der Prüfung verlorengegangen. Es wäre so eindeutig, wie mit den Sternen am Himmel لآ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keine Gottheit außer dem Einen Gott."} klar geschrieben steht. Das müsste dann jeder bestätigen, ob er wollte oder nicht. Dann käme kein Wettbewerb zu Stande. Es wäre keine Prüfung mehr. Ein Geist wie Kohle würde mit einem diamantengleichen Geist zusammen bleiben...
Der "Weise Qur'an (Qur'an-i Hakim)" ist weise. Nach dem Wert jedes Dinges bestimmt er dessen Platz (maqam). So sieht der Qur'an vor dreizehn Jahrhunderten die Früchte und Entwicklungen der Menschen, die im Dunkel der Zukunft bedeckt und verborgen gewesen waren. Er zeigt sie uns in einer viel schöneren Form, wie wir gesehen haben und noch sehen werden. Das heißt, der Qur'an ist das Wort einer solchen Persönlichkeit, die alle Zeiten und alle Dinge in ihr im gleichen Moment sieht...
Hier ist also ein Licht aus dem Wunder des Qur'an, das uns aus dem Antlitz der Wundertaten der Propheten entgegen leuchtet...
{"Oh Gott, lass uns die Geheimnisse des Qur'an verstehen und mache uns in jedem Augenblick und zu jeder Zeit erfolgreich in seinem Dienst!" "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, was Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende und der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Herr, belange uns nicht, wenn wir vergesslich waren, oder uns versehen haben!" (Sure 2, 286) "Oh Gott, schenke Friede und Segen, Gnade und Güte unserem Herrn und Meister Mohammed, Deinem Diener, Deinem Gesandten, Deinem Propheten, dem ungelehrten Botschafter, seiner Familie, seinen Gefährten, seinen Nachkommen, allen Gesandten Gottes, den Engeln, die Dir nahe sind, den Freunden Gottes und den Aufrichtigen. Sende ihm Deine höchsten Segnungen, den lautersten Frieden und reiche Fülle nach der Zahl der Suren, Ayat, Buchstaben und Worte und ihrer Bedeutungen, der Hinweise, Anmerkungen und offensichtlichen Zeugnisse des Qur'an. Verzeihe uns, erbarme Dich unser, sei uns gnädig, oh Gott, unser Schöpfer, nach der Zahl Deiner Segnungen, durch Dein Erbarmen, oh Barmherzigster aller Barmherzigen! Und aller Lobpreis sei Gott, dem Herrn der Welten. Amen"}
Einundzwanzigstes Wort
Das erste von zwei Kapiteln
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Es ist den Gläubigen vorgeschrieben, das Gebet zur bestimmten Zeit zu verrichten." (Sure 4, 103)}
Eines Tages kam ein älterer Herr zu mir. Er war groß von Gestalt, bekleidete einen höheren Rang und sagte zu mir: "Das Gebet ist gut. Es aber Tag für Tag fünfmal zu verrichten, ist zu viel. Man kommt zu keinem Ende. Macht das nicht überdrüssig?"
Über diesem Wort war bereits geraume Zeit vergangen, da vernahm ich die Stimme meiner Seele (nefs). Ich vernahm, dass sie die gleichen Worte wiederholte. Bei näherer Betrachtung erkannte ich, dass es der Teufel war, der ihr die gleiche Lektion ins Ohr ihrer Faulheit flüsterte. Damals verstand ich, dass der Herr damals dieses Wort gleichsam im Namen aller eigenwilligen Seelen (nufus-u emmare) ausgesprochen hatte. Es war ihm gleichsam in den Mund gelegt worden. Damals hatte ich zu mir selbst gesagt: "Auch ich habe solch eine eigenwillige Seele. Wer sich aber in seiner eigenen Gesinnung (nefs) nicht zu bessern vermag, vermag auch andere nicht in ihrer Gesinnung zu wandeln. Wenn dies aber so ist, so will ich bei meiner eigenen Seele anfangen." Ich sagte zu mir: "Oh meine Seele!... Da sitzt du nun in der Tinte, als habest du die Weisheit getrunken, liegst auf dem Bett deiner Faulheit und schläfst den Schlaf deiner Gottvergessenheit. So lass dir denn durch mich die folgenden
fünf Ermahnungen entgegenhalten...
Erste Ermahnung:
Oh meine arme Seele! Ist dein Leben etwa ewig? Hast du etwa einen festen Vertrag dafür, dass du noch bis nächstes Jahr, ja auch nur bis morgen am Leben bleiben wirst? Was deinen Überdruss bewirkt, ist dein Traum von einem ewigen Leben. In deinem Übermut verbummelst du dein Leben, als könntest du ewig in dieser Welt bleiben. Könntest du verstehen, wie kurz dein Leben ist, ja in Unfruchtbarkeit dahingeht, sicherlich brächte dich das dazu, von vierundzwanzig Stunden eine für das wahre Leben und die ewige Glückseligkeit zu opfern, um einen schönen, angenehmen und leichten Dienst zu verrichten, der dir Barmherzigkeit (rahmet) bringt. Du würdest deine Langeweile überwinden. Es könnte dich dazu veranlassen, dich allen Ernstes nach einem solchen Dienst zu sehnen, ihn als willkommen anzusehen und Geschmack an ihm zu finden.
Zweite Ermahnung:
Oh meine Seele, die du dem Bauch dienst! Du isst Tag für Tag Brot, trinkst Wasser, atmest Luft ein. Macht das nicht überdrüssig? Sicherlich nicht; denn in dem ständig wiederkehrenden Bedürfnis danach bekommst du nicht Überdruss, sondern Appetit.
Wenn das aber so ist, dann kann auch das Gebet, das für die Freunde in deinem Hause, welche mein Körper ist, nämlich für mein Herz eine Labsal, für meinen Geist das Wasser des Lebens und für die Blumen des Herrn (: die feineren Sinnesorgane der Seele) gleich einer Liebkosung des Windes ist, der durch das Gebet angezogen, herbeigelockt wird, niemals zur Langeweile führen. In der Tat kann ein Herz, das von grenzenlosem Kummer und Schmerz heimgesucht und geplagt, zahllosen Genüssen verfallen und von unendlichen Hoffnungen umschmeichelt ist, nur dann mit der notwendigen Kraft und Ausdauer versorgt werden, wenn es in flehentlichem Gebet an die Pforte des Freigiebigen und Allbarmherzigen pocht, der da aller Dinge mächtig ist. Ja, in dieser vergänglichen Welt, durch die die Seele (ruh) so schnell hindurcheilt, Weh!-schreiend ob der Trennung von all den Dingen und
Geschöpfen, mit denen sie doch in Beziehung steht, kann der Durst nur mit dem Wasser des Lebens aus dem Brunnen der Barmherzigkeit gestillt werden, wenn sich die Seele im Gebet dem Ewig-Angebeteten (Ma'bud-u Baqi) und Immerdar-Geliebten (Mahbub-u Sermedi) zuwendet, der alle Dinge übertrifft. Ja, die bewusste meditative Wahrnehmung des Menschen (sirr-i insani) und die lichterfüllten Blumen des Herrn (latife-i Rabbaniye), die sich von Natur aus nach Ewigkeit sehnen und für die Ewigkeit erschaffen wurden, die ein Spiegel des Herrn von Ewigkeit zu Ewigkeit und so äußerst fein und empfindsam sind, bedürfen unter den kummervollen, zermürbenden, beklemmenden, vergänglichen, finsteren und bedrückenden Ereignissen dieses Lebens ganz besonders eines beständigen Atemholens und nur durch das Fenster des Gebetes vermögen sie eine solche Liebkosung zu empfangen.
Dritte Ermahnung:
Oh meine ungeduldige Seele! Du denkst noch heute darüber nach, wie du dich in vergangenen Tagen darum bemüht hast, Gott zu dienen (ibadet), wie du dich angestrengt hast, dein Gebet zu verrichten, wie du dich wegen deines Unglücks geplagt hast und du machst dir darüber Sorgen. Desgleichen stellst du dir die Aufgabe künftigen Gottesdienstes (ibadet), die Verpflichtung zum Gebet und das Leiden an einem kommenden Unglück schon heute vor und zeigst dich ungeduldig. Aber ist das denn überhaupt sinnvoll?
In deiner Ungeduld gleichst du einem Kommandanten, der sich in seiner Verwirrung so verhält, dass er seine eigene Kampfkraft in der Mitte schwächt, indem er eine starke Streitmacht zum rechten Flügel befiehlt, obwohl der rechte Flügel der feindlichen Streitmacht bereits zum rechten Flügel der eigenen Streitmacht übergelaufen ist. Obwohl also nun der linke Flügel des Feindes von Soldaten entblößt ist, schickt er eine starke Streitmacht dorthin, wo doch gar jemand angelangt ist und befiehlt: "Feuer!" So sind seine eigenen Streitkräfte aus der Mitte ganz und gar abgezogen. Der Feind erfasst die Lage, greift in der
Mitte an und stiftet dort heillose Verwirrung. Du gleichst ihm in der Tat. Denn die Anstrengungen der vergangenen Tage sind heute in Barmherzigkeit verwandelt worden. Schmerz ist vergangen; Freude ist geblieben. Plage hat mit (Gottes) Gnadengabe einen Bund geschlossen; Anstrengung verwandelte sich in Belohnung. Wenn das aber so ist, dann darfst du über all dem nicht Überdruss und Langeweile empfinden, vielmehr eine neue Begeisterung, eine wiedererwachte Freude in dir verspüren, die dich kräftig dazu anspornt, weiterzumachen. Was aber die künftigen Tage betrifft, so ruhen sie noch in der Zukunft Schoß. Schon heute darüber nachzudenken und dabei Langeweile und Überdruss zu empfinden ist die gleiche Torheit, wie schon heute über dem Gedanken an Hunger und Durst in Wehgeschrei und Tränen auszubrechen. In Anbetracht dieser Tatsache solltest du in dem Gedanken an Dienst und Anbetung nur beim Heute verweilen, wenn du verständig bist. Und sprich: "Ich opfere eine Stunde (des heutigen Tages) für einen willkommenen, schönen und erhabenen Dienst, der nur wenig Mühe kostet, aber reichen Lohn bringt." Dann wird sich dir die Bitternis jeglichen Überdrusses in die Süßigkeit jeglicher Begeisterung verwandeln.
So sind denn dir, meine ungeduldige Seele, drei Arten von Geduld auferlegt.
Eine ist die Geduld gegenüber Gott (in Dienst und Anbetung).
Eine andere ist die Geduld im Aufruhr (der eigenen Natur gegenüber Gott).
Eine weitere schließlich ist die Geduld im Unglück.
Wenn du verständig bist, dann nimm dir die Wahrheit, die in dem Beispiel zu dieser dritten Ermahnung sichtbar wird, als Richtschnur. Ermanne dich und rufe: «Ya Sabur!» (: Geduld, als einer der wundervollen Namen Allahs). Schultere diese drei Arten der Geduld. Die Kraft dieser Geduld, die Gott der Gerechte dir verliehen hat, wird dir, so du sie nicht auf einem falschen Weg verstreust, in
jeglicher Mühsal und Plage hinreichend sein... und auf diese Kraft stütze dich...
Vierte Ermahnung:
Oh meine verwirrte Seele! Ist denn Dienst und Anbetung eine Aufgabe, die zu keinem Ergebnis führt? Ist dir der Lohn dafür zu gering, sodass es dir nun leid wird? Denn wenn dir jemand etwas Geld gibt, oder du einfach dazu gezwungen bist, so arbeitest du für ihn bis zum Abend. Und du arbeitest, ohne dass es dir leid wird. Ja ist denn ein Gebet, das in dem Gasthaus dieser Welt Nahrung und Reichtum in der Not deines armen Herzens, Nahrung und Licht in dem Grab, das mit Sicherheit einmal deine Wohnstatt sein wird, Zeugnis und Freispruch auf dem Wiederversammlungsfeld, das in jedem Fall einmal dein Richtplatz sein wird, Licht und Reittier (buraq) auf der «Sirat» - Brücke, über die du einst gehen musst, ob du willst oder nicht, etwa wirkungslos und ohne Ergebnis? Oder ist es sein Lohn etwa zu wenig?
Gäbe dir jemand das Versprechen, dir ein großes Geldgeschenk zu machen, du würdest hundert Tage für ihn arbeiten. Es könnte sein, dass er sein Versprechen nicht einhält, du aber vertraust auf ihn und arbeitest für ihn, ohne zu murren. Wenn aber nun eine Persönlichkeit, für die es unmöglich ist, dass Sie Ihr Versprechen bräche, dir das Paradies zum Lohn und die ewige Glückseligkeit zum Geschenk versprechen wollte und dich dann für eine ganz kurze Zeit und für eine sehr schöne Aufgabe einstellte, und wenn du dann Ihr nicht dienen wolltest oder deinen Dienst nur widerwillig oder halbherzig verrichtetest oder nur deinem Herrn zu Spott oder Ärger, sodass du ihn beleidigst oder Sein Geschenk gering achtest, ja denkst du denn nicht, dass du eine schwere Strafe empfangen und furchtbare Qualen erleiden würdest? Wenn du in dieser Welt aus Angst vor dem Gefängnis ohne zu murren den schwersten Dienst verrichtest, spornt es dich denn dann nicht dazu an, aus Furcht vor der ewigen Gefängnisstrafe der Hölle einen leichten und angenehmen Dienst zu verrichten?
Fünfte Ermahnung:
Oh du meine Seele, die du die Welt anbetest! Rührt deine Abneigung gegen den Gottesdienst (ibadet) und deine Nachlässigkeit im Gebet etwa von einem Übermaß an weltlichen Beschäftigungen? Oder ist es deshalb, weil du in deiner Sorge um das tägliche Brot so beschäftigt bist, dass du darüber hinaus keine Zeit mehr findest? Oder bist du etwa nur für das Diesseits erschaffen worden, sodass du all deine Zeit dafür aufwendest? Du weißt, dass du hinsichtlich deiner Fähigkeiten über allen Tieren stehst, doch in der Beschaffung aller lebensnotwendigen Dinge für dieses irdische Leben vermagst du weniger als ein Sperling. Warum aber ziehst du dann daraus nicht die Schlussfolgerung, dass es nicht deine ureigentliche Aufgabe ist, dich abzuplagen wie ein Tier, vielmehr dich wie ein wahrer Mensch um das wahre und ewige Leben zu bemühen.
Außerdem ist das, was du eine weltliche Tätigkeit nennst, zumeist etwas, das dich nichts angeht. Es sind leerlaufende Beschäftigungen, mit denen du dich überflüssiger Weise einmischst und nur alles durcheinander bringst. Du unterlässt das Notwendigste und vertreibst dir die Zeit mit nutzlosen Informationen, als hättest du ein Leben von Jahrtausenden vor dir. Du fragst zum Beispiel: "Woraus bestehen die Ringe des Saturn?" oder: "Wie viele Rassen von Hühnern gibt es in Amerika?" und vertreibst dir mit dergleichen wertlosen Dingen deine wertvolle Zeit. Als ob du durch Astronomie und Geographie, durch die Wissenschaft und Statistik zur Vollkommenheit (kemal) gelangen könntest!...
Sagtest du: "Was mich von Gebet und Gottesdienst (namaz ve ibadet) abhält und eine Art von Lustlosigkeit und Verdrossenheit in mir aufkommen lässt, sind nicht dergleichen überflüssigen Dinge, es sind vielmehr alle jene unabdingbaren Verrichtungen, die mit der Sorge um das tägliche Brot verbunden sind." Wäre dies so, dann würde ich dir sagen: "Angenommen, du müsstest für hundert Kurush am Tag arbeiten. Dann käme jemand zu dir und sagte: Komm und schürfe hier für zehn Minuten,
dann wirst du Smaragde und Diamanten im Werte von hundert Lira finden! würdest du ihm dann entgegnen: Nein, ich komme nicht. Es würde meinen Tagelohn von hundert Kurush schmälern, würde mir am Lebensunterhalt fehlen... dann weißt du, was für eine törichte Ausrede das wäre." Denn genauso arbeitest auch du in diesem Weinberg für deinen Lebensunterhalt. Wenn du nämlich die vorgeschriebenen Gebete vernachlässigst, wird die ganze Frucht deiner Arbeit sich lediglich auf weltlichen, bedeutungslosen Lebensunterhalt beschränken und ohne Segen sein. Wenn du die Zeit für Ruhe und Erholung aber dazu verwendest, dem Atemholen deiner Seele (ruh) und der Ruhe deines Herzens zu dienen, wirst du dir zusätzlich zu einem segensreichen irdischen Lebensunterhalt auch noch einen himmlischen Lebensunterhalt verdienen, einen Vorrat für das jenseitige Leben ansammeln und einen wichtigen Brunnen entdecken, der aus zwei geistigen Quellen gespeist wird.
Erste Quelle:
Von allem, was du in deinem Garten pflanzt, seien es nun Obstbäume oder Blumen, von jeder Blume und von jedem Baum, der unablässig Gottes Lobpreis verkündet (tesbihat), wirst du in deiner guten Absicht (niyet) einen Anteil bekommen.
Zweite Quelle:
Darüber hinaus gilt noch: Wer auch immer von dem Ertrag dieses Gartens isst, sei es ein Tier oder ein Mensch, eine Ziege oder eine Fliege, ein Käufer oder Dieb, es wird dir als Sadaqa (Spende) angerechnet werden, allerdings unter der Bedingung, dass du darüber im Namen des wahren Versorgers (Rezzak-i Hakiki) und innerhalb der erlaubten Grenzen verfügst und dich selbst dabei wie einen Verwalter betrachtest, der von den Gütern seines Herrn und Gottes Wohltaten an Seine Geschöpfe austeilt.
Schau also, welch großen Verlust der erleidet, der das Gebet vernachlässigt und welch bedeutenden Reichtum er dadurch verliert. Von diesen beiden Ergebnissen, aus denen ihm Freude erwächst und von den beiden Quellen, aus denen er eine große geistige Kraft für seine Arbeit erhält, bleibt er ausgeschlossen und geht zu Grunde. Ja im Alter verliert er sogar die Freude an seiner Arbeit im Garten, wird ihrer überdrüssig. "Was geht es mich an?", sagt er... "Ich gehe ohnehin aus dieser Welt. Warum soll ich dann so viel Mühe darauf verwenden?" So verfällt er der Faulheit.
Doch der erste Mann sagt: "Ich werde mich in meinem Dienst für Gott noch mehr einsetzen und mich um die erlaubten Früchte der Arbeit bemühen, sodass ich noch mehr Licht in mein Grab senden werde. Ich werde für mein Leben im Jenseits einen noch größeren Vorrat anlegen."
Zusammenfassung:
Oh meine Seele! Wisse, dass der gestrige Tag deinen Händen entglitten ist. Was aber den morgigen betrifft, so hast du in deiner Hand keine Garantie dafür, dass er dir gehören wird. Wenn dies aber so ist, so wisse, dass dein wahres Leben in dem Tag zu finden ist, in dem du lebst. Darum verbringe auf jeden Fall wenigstens eine Stunde täglich in der Moschee oder auf deinem Gebetsteppich. Das wird für dich so sein, als habest du sie in eine Sparbüchse des Jenseits für deine wahre Zukunft gelegt. Und überdies wisse, dass jeder neue Tag ein Tor zu einer neuen Welt ist für dich und für jedermann. Wenn du das Gebet nicht verrichtest, wird deine Welt an jenem Tage in Finsternis und Verwirrung an dir vorbeigleiten. Dieser Tag wird in der Welt der Beispiele (alem-i misal) als ein Zeuge gegen dich auftreten. Denn ein jeder lebt täglich in einer eigenen Welt innerhalb dieser unserer Welt. Diese Welt gestaltet sich entsprechend dem Herzen und den Handlungen des Menschen. Denn ein königliches Schloss, das man in einem Spiegel betrachtet, nimmt die Farbe dieses Spiegels an. Ist dieser schwarz, sieht es auch schwarz aus. Ist er rot, sieht es auch rot aus. Außerdem ist das Aussehen des Schlosses
auch noch von der Form des Spiegels abhängig. Ist das Spiegelglas eben, wird es das Schloss gut abbilden. Ist es uneben, wird das Spiegelbild verzerrt sein. So wie sich dir die feinsten Dinge vergröbert zeigen, so kannst du deine eigene kleine Welt mit dem Herzen, mit dem Verstand, mit deiner Seele, durch deine Handlungen verändern und gestalten. Sie wird dann für dich oder gegen dich Zeugnis ablegen. Wenn du betest und dein Antlitz im Gebet dem Baumeister dieser Welt in Seiner Majestät (Sani-i Dhu l-Djelal) zuwendest, wirst du diese deine kleine Welt plötzlich erleuchtet finden. Es ist, als sei das Gebet eine elektrische Lampe und deine Absicht (niyet) zu beten wie die Bedienung ihres Schalters, so dass die Dunkelheit dieser Welt weichen muss. So zeigt es sich, dass die so chaotischen und so verwirrenden Zustände in dieser Welt, all die Bewegungen und Veränderungen in diesem Tohuwabohu in Wirklichkeit Ausdruck weisheitsvoller Ordnung sind, ein Schriftzug der Macht voll tiefer Bedeutung. So fällt aus dem Licht der Ayah: اَللّٰهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ {"Allah ist das Licht der Himmel und der Erden." (Sure 24, 35)} ein Strahl in dein Herz. An jenem Tage wird deine kleine Welt von dem Reflex dieses Lichtes erhellt sein. In diesem Licht wird sie für dich Zeugnis ablegen.
Hüte dich also davor, jemals zu sagen: "Mein Gebet, was ist das schon?... und was ist dagegen ein wahrhaftiges Gebet?" Denn ein Dattelkern enthält wie ein Dattelbaum in sich selbst die Eigenschaften dieses Dattelbaumes. Der Unterschied besteht wie zwischen einer Kurzfassung und einer ausführlichen Darstellung lediglich darin, dass das Gebet gewöhnlicher Leute wie du und ich auch wenn wir es nicht spüren seinen Anteil am Licht eines großen Heiligen (veli) erhält, das Geheimnis seiner Wahrhaftigkeit empfängt - auch wenn du dir dessen nicht bewusst bist. Doch je nach der Entwicklungsstufe des Menschen entfaltet sich auch sein Gebet, unterscheiden
sich die verschiedenen Gebete nach ihrer (Licht) ausstrahlung. So wie es vom Dattelkern bis zur ausgewachsenen Palme viele verschiedene Stufen gibt, so finden sich auch zwischen den unterschiedlichen Graden des Gebetes noch mehr verschiedene Stufen. Doch auf all diesen Stufen treffen wir die Wesensmerkmale dieser wahrhaftigen lichten Ausstrahlung...
{"Oh Allah! Sende herab Deinen Frieden und gieße aus Deinen Segen auf den, der gesagt hat: "Das Gebet ist die Säule des Glaubens", und über seine Familie und alle seine Gefährten."}
Zweites Kapitel des Einundzwanzigsten Wortes
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Oh Gott, ich nehme meine Zuflucht zu Dir vor den Einflüsterungen der Teufeln und ich fliehe zu Dir, oh mein Herr, dass sie sich mir nicht nähern." (Sure 23, 97-98)}
Oh du, der du von der Krankheit des Argwohns befallen bist! Weißt du, wem dein Argwohn gleicht? Er gleicht einem Übel. Beachtet man es, bläht es sich auf. Beachtet man es nicht, entweicht es. Betrachtet man es mit großen Augen, dann wächst es. Siehst du es als gering an, verringert es sich. Ängstigst du dich davor, wirst du krank. Wenn du dich nicht fürchtest, wird es leicht, verbirgt sich. Kennst du sein Wesen nicht, so besteht es weiter, setzt sich fest. Weißt du um sein Wesen, kennst du es, geht es. Weil dies aber so ist, will ich hier von den vielen Arten solch übler Einflüsterungen, wie sie am häufigsten vorkommen, insbesondere "Fünf Aspekte" erklären. Vielleicht kann es dir und mir zur Heilung dienen. Denn diese Einflüsterungen sind ein solches Ding, dass die Unwissenheit sie einlädt, Wissen aber sie vertreibt. Hast du dieses Wissen nicht, kommen sie, hast du es aber, dann gehen sie.
Erster Aspekt - erste Wunde:
Der Teufel wirft zunächst einen Verdacht in das Herz. Wenn das Herz ihn nicht bestätigt, verwandelt sich der Verdacht in eine Beleidigung um. In der Phantasie stellen sich manche unsaubere Gedanken und schamlos unsittlich schmutzige Bilder, einer Beleidigung ähnlich, vor die Seele. Dies bringt das Herz dazu, "Oh weh!" zu rufen. Es stürzt in Verzweiflung. So kommen denn dem Menschen seine
Zweifel und er argwöhnt, dass sich sein Herz vor seinem Herrn im Zustande der Lasterhaftigkeit befindet. Er empfindet eine schreckliche Aufregung, ja Panik... Um sich vor ihr zu retten, flieht er Gottes Gegenwart (huzur), möchte in Gottvergessenheit (gaflet) tauchen. Die Salbe für diese Wunde ist folgende:
Sieh einmal, du armer, von Zweifeln geplagter Mensch! Bleib ruhig! Denn was in deiner Vorstellung auftaucht, das ist gar keine Beleidigung, sondern reine Phantasie. So wie ein nur vorgestellter Unglaube kein Unglaube ist, so ist auch eine nur vorgestellte Beleidigung gar keine Beleidigung. Denn logischerweise ist eine bloße Vorstellung noch keine Verurteilung. Nur eine Beleidigung ist ein Urteil. Überdies aber sind diese Schimpfwörter nicht die Worte deines Herzens. Denn dein Herz ist über sie bekümmert, betrübt. Sie entstammen vielmehr jenem Teufelspunkt in der Nähe des Herzens. Der Schaden, den die Einflüsterung verursacht ist der Schaden der Phantasie, d.h. dadurch, dass man sich den Schaden in seiner Phantasie vorstellt, fügt man seinem Herzen einen Schaden zu. Denn man stellt sich eine Einbildung ohne Urteilskraft als eine Tatsache vor. Zudem macht man die Sache des Teufels zu seiner eigenen und schreibt sie seinem Herzen zu. Man meint, dass sein Wort von da käme. Man begreift den Schaden, verfällt dem Schaden. Das aber ist genau das, was der Teufel wollte.
Zweiter Aspekt ist folgender:
Gedanken, wenn sie im Herzen aufsteigen, werden von der Phantasie bekleidet, weil sie bildlos und nackt sind. Es liegt in der Natur der Phantasie, dass sie stets unter irgendeinem Vorwand irgendwelche Bilder webt. Dinge aber, denen man irgendeine Bedeutung beimisst, ziehen als Bildgestalten ihres Wegs dahin. Der Gedanke, der vorüberzieht, wird je nach Art entweder von der Phantasie bekleidet, oder aber sie hängt ihm nach, oder sie besudelt ihn, oder sie verschleiert ihn. Wenn die Gedanken rein und heilig sind, die Phantasiegestalten aber schamlos und schmutzig sind, so werden sie nicht (von der Phantasie) bekleidet, sondern
nur von ihr berührt. Ein skrupulöser Mensch aber verwechselt diese Berührung mit ihrer Gestaltung. "Oh weh!" sagt er. "Wie verdorben ist doch mein Herz! Diese elende, niedrige, gemeine Gesinnung meiner Seele jagt mich in die Flucht." Der Teufel zieht aus dieser Empfindsamkeit einen sehr großen Nutzen. Die Salbe für diese Wunde ist folgende:
Höre einmal, du Ärmster! Wie die äußerliche Reinheit das Fahrzeug zur kultischen Gesittung für dein Gebet darstellt, so schadet das Unreine, welches sich im Inneren deiner Eingeweide befindet ihr nicht und zerstört sie nicht. Ebenso gilt: der Heiligkeit der Gedanken schadet die Nachbarschaft zu unreinen Bildern und Gestalten nicht.
du denkst über die göttlichen Verse (ayat-i Ilahiye) nach. Plötzlich wirst du in deinen Empfindungen heftig von einer Krankheit oder dem Wunsch, ein Bedürfnis zu befriedigen oder deine Notdurft zu verrichten geplagt. Sicherlich wirst du in deiner Phantasie nach einer Medizin Ausschau halten, den Ort zu deiner Erleichterung aufsuchen. Sie wird dir die entsprechenden niederen Bilder weben und die aufsteigenden Gedanken werden durch sie hindurchziehen. Sie werden bei ihrem Durchgang nicht beschädigt, nicht befleckt, nicht gefährdet, nicht gemindert. Eine Gefahr besteht nur darin, seinen Blick auf diese Dinge einzuengen, zu meinen, ein Schaden sei durch sie entstanden.
Dritter Aspekt ist wie folgt:
Unter den Dingen finden sich manche verborgene Verbindungen (Assoziationen). Ja sogar unter denjenigen Dingen, mit denen dich keinerlei Erwartungen verbinden, finden sich solche Verbindungsfäden. Diese (Verbindungen) können entweder unmittelbar vorhanden sein, oder aber deine Phantasie spinnt diese Fäden je nach Art der Dinge, mit denen sie sich beschäftigt und verbindet sie so miteinander. Aus diesem Geheimnis gegenseitiger Verbundenheit erwächst es, dass manchmal der Anblick von etwas Reinem und Heiligem die Erinnerung an unreine Dinge hervorruft. So wird uns zum Beispiel in der Wortkunde erklärt, dass
"Gegensätze, die äußerlich Ursache einer gegenseitigen Entfernung sind, in der Phantasie zur Ursache ihrer eigenen Nähe werden." Das heißt: das Fahrzeug zur Vereinigung zweier entgegengesetzter Gestalten besteht in ihrer Assoziation durch die Phantasie. Die Erinnerung, welche eine solche Verbindung bewirkt, wird Gedankenverbindung genannt.
Während du dich in deinem pflichtgemäßen oder freien Gebet (namaz, munadja'at) gegenüber der Kaaba, in der göttlichen Gegenwart (huzur-u Ilahi) befindest und gerade über die Ayat nachdenkst, nimmt dich diese Gedanken-Assoziation und führt dich in die entferntesten Niederungen der Geschwätzigkeit. Wenn dein Kopf von einer solchen Gedankenverbindung ergriffen wird, so gib Acht, dass du dich nicht beunruhigst! Rufe dich vielmehr sofort zur Besinnung und kehre um! Sage nicht: "Ach, welchen Fehler habe ich doch da begangen!" und beschäftige dich nicht weiter mit Nachforschungen, damit dieser dünne Faden nicht noch durch deine Aufmerksamkeit an Stärke gewinnt. Denn sobald du dich selbst bedauerst und diesen Dingen deine Aufmerksamkeit schenkst, wird sich dieses schwache Band deiner Erinnerung nur noch verfestigen. Es entsteht eine eingebildete Krankheit. Doch fürchte dich nicht! Es ist keine Krankheit des Herzens. Diese Art von Erinnerung entsteht gewöhnlich ungewollt und tritt besonders bei empfindsamen Personen recht häufig auf. Der Teufel produziert diese Art Stoff, aus dem solche Einflüsterungen bestehen, ziemlich reichlich. Die Salbe für diese Wunde ist folgende:
Gedankenverbindungen stellen sich meist ungewollt ein. Du bist nicht für sie verantwortlich. Überdies stellt sich bei einer Gedankenverbindung lediglich eine Nachbarschaft ein, eine Berührung oder Vermischung findet nicht statt. Deshalb springt kein Gedanke auf einen anderen über, greift ihn nicht an, kann ihm nicht schaden. So wie der Teufel und die Eingebung eines Engels in der Gegend des Herzens einander benachbart sind, und auch die Nähe der Frommen und der Sünder und ihre
Wohnungen im selben Hause einander nicht schaden, so schaden auch schmutzige Vorstellungen, die ungewollt durch eine Gedankenverbindung entstehen und unter die reinen Gedanken treten, einander nicht, ausgenommen wenn es absichtlich geschieht, wenn du meinst, du hättest einen Schaden genommen und dich nun besonders mit ihnen beschäftigst. Außerdem wird das Herz manchmal müde. (d.h. unsere Fähigkeit, das Herz konzentriert zu Gott erhoben zu halten, lässt nach. - A.d.Ü.) Dann beginnen die Gedanken sich wahllos mit irgendwelchen Dingen zu beschäftigen, um sich zu amüsieren. Dann erblickt der Teufel eine Gelegenheit, verstreut um sich herum schmutzige Dinge und versucht, sie dir aufzuhängen.
Vierter Aspekt:
Eine Einflüsterung (des Teufels), die dadurch entsteht, dass man sein Bemühen, das Beste zu geben, durch die Vorstellung der Rechtschaffenheit vertieft und so diesen Zustand noch steigert. Ja er kommt dabei schließlich dahin, dass er der Sünde (haram) verfällt, während dieser Mensch seine Handlungsweise immer noch zu verbessern trachtet. Gelegentlich führt ihn sein Bemühen um die Wahrung der Tradition (sunna) dazu, sogar dazu seine Pflichten (vadjib) zu versäumen. "Habe ich diese Handlung auch wirklich vorschriftsmäßig durchgeführt?" fragt er und wiederholt sie noch einmal. Das geht so weiter und steigert sich bis zur Hypochondrie. Der Teufel zieht aus diesem seinem Zustand seinen Nutzen und verwundet ihn so. Es gibt aber für diese Wunde zwei Heilmittel:
Erstes Heilmittel:
Diese Art von Zweifel passt zu den Anhängern der I'tisal (eine Irrlehre). Denn sie sagen: "Die Handlungen und Dinge haben in ihrem Wesen in Anbetracht des Jenseits entweder Schönheit und Güte und wurden deshalb befohlen, oder aber sie sind hässlich und verwerflich und wurden deshalb schließlich verboten. Das heißt also, dass die Schönheit oder Schändlichkeit der Dinge vom Standpunkt des Jenseits und der Wahrheit aus betrachtet deren Wesensmerkmal und von diesem die göttlichen Ge- und Verbote abhängig sind." Entsprechend
dieser Schule (mezheb) kommt einem Menschen bei jeder seiner Handlungen, die er ausführt, der folgende Zweifel: "Habe ich diese Handlung dem Wesen der Angelegenheit (nefs-ul emir) entsprechend schön ausgeführt?"
Die Leute der Schule der Tradition und Gemeinschaft (Ehl-i Sünnet ve Djema'at), welche die rechte Schule ist, sagen hingegen: "Gott der Gerechte befiehlt etwas und daraufhin wird es schön und gut. Er verbietet etwas und daraufhin wird es schlecht und schändlich."
Das heißt: durch den Befehl wird die Schönheit, durch das Verbot seine Verwerflichkeit bestimmt. Schönheit oder Schändlichkeit entspricht der Einsicht dessen, der dafür verantwortlich ist und wird ihm gemäß entschieden. Diese Schönheit oder Schändlichkeit ist nicht das Gesicht, das auf das Äußerliche und die Welt blickt, sondern vielmehr das Gesicht, das nach dem Jenseits schaut.
Du hast das Gebet (namaz) verrichtet, bzw. Abdest genommen (d.h. dich zuvor gewaschen - A.d.Ü.). Es gab da jedoch einen Grund, der Namaz und Abdest ungültig werden lässt, was das Wesen der Angelegenheit (nefsu l-emir) betrifft. Diesen (Grund) hast du jedoch überhaupt nicht bemerkt. So sind denn Namaz und Abdest sowohl gültig (vor Gott), und du hast (deine Sache) auch schön und gut gemacht (d.h. ihre Legalität und Qualität wurden nicht berührt - A.d.Ü.).
Der Mu'tezile (Irrlehrer) sagt nun: "Es ist dies in Wirklichkeit unschön und verdorben. Jedoch wird es von dir angenommen. Denn du hast (deinen Fehler) nicht bemerkt, nicht erkannt und bist deshalb zu entschuldigen."
Was jedoch die Leute der traditionellen Schule (Ehl-i Sünnet) betrifft, so sollst du, nachdem du deine Sache nach eigener Überzeugung vorschriftsmäßig (Scharia) getan hast, nicht mehr daran zweifeln, indem du sagst: "Habe ich es denn richtig gemacht?" vielmehr sagen: "Ist es (das Gebet von Gott) angenommen worden?" Sei nicht stolz darauf und bewundere dich nicht selbst!
Zweites Heilmittel:
{"Es gibt keinen Zwang im Glauben."}
Es gibt nun einmal vier richtige Wege (mezheb) und es ist vorzuziehen, dass ein Mensch, der sich selbst im Zweifel ist, seine Fehlerhaftigkeit eingesteht, was ihn zur Vergebung führt, statt seine Handlung als schön und gut anzusehen, was zu seinem Stolz führt. Das heißt, es ist für einen Menschen besser, der sich selbst im Zweifel ist, seine Handlung als mangelhaft zu betrachten und um Vergebung zu bitten, statt seine Handlung als schön und gut zu betrachten und dem Stolz zu verfallen. Da dies also nun einmal so ist, wirf deinen Zweifel von dir. Sage zu dem Teufel: "Dieser Zustand ist geradezu zwanghaft. Es ist ja schwierig zu wissen, was in dieser Lage das Richtige ist. Das widerspricht jedoch der Ungezwungenheit im Glauben. Es ist unvereinbar mit dem Grundsatz: اَلدِّينُ يُسْرٌ {"Der Glaube ist leicht (zu praktizieren)."} und لاَحَرَجَ فِى الدِّينِ {"Es gibt keinen Zwang im Glauben."} So entspricht meine Handlung (mit dieser Einstellung) sicherlich irgendeinem (dieser vier) richtigen Wege (mezheb). Und das ist für mich ausreichend. Und (diese Einstellung) ist zugleich ein Fahrzeug hin zu einem Gebet (niyaz) der (tief innerlichen Erschütterung und) Zerknirschung um Vergebung meiner Fehler und um Annahme meiner fehlerhaften Handlung, da ich wenigstens meine Schwäche eingestehe, das Gebet (ibadet) so zu verrichten, wie es sich gebührt und also in Reue und flehendlichem Gebet meine Zuflucht zur göttlichen Barmherzigkeit (merhamet) nehme."
Fünfter Aspekt:
Dies ist eine Einflüsterung in Glaubensdingen, welche die Gestalt eines Zweifels annimmt. Der arme, von einer solchen Einflüsterung geplagte Mensch verwechselt zuweilen eine flüchtige Idee mit einer festen Überzeugung, d.h. er meint, der Zweifel, der seine Phantasie erregt hatte, habe von seinem Verstand Besitz ergriffen und er sei dadurch in seinem Glauben schwach geworden. Er meint also, diese Annahme, mit der er sich gelegentlich in seiner Phantasie beschäftigt, sei ein Zweifel, der an seinem Glauben nagt. Er meint, dass dieser Zweifel, den er sich in seinem Inneren ausgemalt hatte, ein Zweifel sei, der bereits in seinem Verstand eine Bestätigung gefunden habe. Er meint schließlich, ein zeitweiliges Nachdenken über den Unglauben sei bereits Unglaube, d.h. er meint, wenn er seine Gedanken in der Form kreisen lasse, dass er versuche, die Gründe des Irrglaubens zu erfassen, zu analysieren und sie unparteiisch zu beurteilen, so stünde dies im Widerspruch zu seinem Glauben. So erschrickt er über diese Mutmaßungen, welche ein Werk des Teufels und seine Einflüsterung sind und er ruft: "Oh weh! Mein Herz ist verdorben. Ich habe Schaden genommen an meinem Glauben."
Da diese Zustände sich meistens ungewollt einstellen und durch einen willentlichen Entschluss nicht wieder zu beheben sind, verfällt er der Verzweiflung. Das Heilmittel für diese Wunde ist folgendes:
So wie die Idee des Unglaubens kein Unglaube ist, so ist auch ein lediglich vorgestellter Unglaube kein Unglaube. So wie ein Irrglaube, den nd sich ausgemalt hat, kein Irrglaube ist, so ist auch das Nachdenken über den Irrglauben kein Irrglaube, denn Ideen, Vorstellungen, Bilder der Phantasie und Gedankengebilde sind das eine, die Bestätigung durch den Verstand und die Annahme des Herzens sind das andere, also voneinander verschieden. Sie agieren in gewissem Grade unabhängig. Sie hören nicht besonders auf den Entschluss und den Befehl des Willens. Man kann sie nur schlecht der religiösen Verantwortung unterziehen. Mit der Annahme und
der Bestätigung ist das aber anders. Sie sind der Waage verpflichtet (d.h. sie haben ihr Maß - A.d.Ü.).
So wie Ideen, Vorstellungen, Bilder und Gedanken nicht deren Annahme und noch keine Bestätigung sind, so werden sie auch nicht unter die Ungewissheiten und Zweifel gerechnet. Wenn sie jedoch durch beständige und immerwährende nutzlose Wiederholung zum Dauerzustand werden, so kann aus ihnen durchaus eine Art tatsächlicher Zweifel entstehen. Wer hingegen behauptet, er wolle ja nur unparteiisch urteilen, er denke nur, was recht und billig ist, und so immer wieder die Gegenseite unterstützt, der gleitet schließlich in jenen Zustand, wo er unfreiwillig die Gegenseite unterstützt. Er zerbricht die Verteidigung der Wahrheit, zu der er verpflichtet gewesen wäre. Somit gerät er zugleich auch in Gefahr. Wer sich zum selbsternannten Verteidiger der Gegenseite oder zum advocatus diaboli macht, in dessen Denkweise verfestigt sich dieser Zustand am Ende gar. Das Entscheidende bei dieser Art von Einflüsterung ist dieses: Der von einer solchen Einflüsterung geplagte Mensch verwechselt eine Möglichkeit, die an und für sich besteht (imkan-i dhati) mit einer Möglichkeit als gedankliche Vorstellung, d.h. er stellt sich das, was er an und für sich für möglich ansieht, auch in Gedanken als möglich vor (d.h. er stellt sich das, was theoretisch möglich wäre, auch als praktisch möglich vor - A.d.Ü.) und sein Verstand gerät darüber in Zweifel (ob es nicht vielleicht tatsächlich so wäre - A.d.Ü.). Als ein Grundsatz der Theologie gilt jedoch:
"Eine Möglichkeit an sich widerspricht nicht einer wissenschaftlichen Tatsache und steht nicht im Widerspruch zu einer gedanklichen Konsequenz." Zum Beispiel ist es an und für sich möglich, dass das Schwarze Meer in diesem Augenblick von der Erde verschluckt wird und als eine solche Möglichkeit an und für sich vorstellbar ist. Doch ist mit Sicherheit unser Urteil darüber, dass das Meer noch an seiner Stelle ist. Dies wissen wir ohne einen Zweifel und diese Möglichkeit an sich weckt nicht etwa einen Verdacht, lässt keinen Zweifel offen, vermag
unsere Sicherheit nicht zu erschüttern.
Oder ein anderes Beispiel: Es wäre an und für sich möglich, dass die Sonne heute nicht unterginge oder morgen nicht wieder aufginge. Diese Möglichkeit kann unserer Gewissheit jedoch keinen Schaden zufügen, vermag sie nicht in Zweifel zu ziehen. So kann denn dementsprechend zum Beispiel der Untergang unseres irdischen Lebens und der Aufgang des Lebens im Jenseits, den Glaubenswahrheiten entsprechend, durch die Zweifel, die aus einer bloßen Möglichkeit (imkan-i dhati) erwachsen unserer Glaubensgewissheit keinen Schaden zufügen. Desgleichen gilt:
{"Eine Möglichkeit, die nicht bewiesener und begründetermaßen erwächst, ist ohne Bedeutung."}
Dieser berühmte Grundsatz ist die unverrückbare Basis sowohl der Theologie (usulu d-din) als auch der Rechtslehre (usulu l-fiqh).
"Was ist der Sinn dessen, dass wir dermaßen durch solche Einflüsterungen, die doch für die Gläubigen so quälend und peinigend sind, geplagt werden?" so lautet die Antwort darauf: Die Einflüsterungen (des Bösen) sind im Grunde genommen, vorausgesetzt, dass sie nicht überhand nehmen, nicht den Sieg davontragen, ein Anlass zur Wachsamkeit, ein Ansporn zum Studium und ein Fahrzeug zur Ernsthaftigkeit. Sie vertreiben die Gleichgültigkeit und beseitigen den Müßiggang. Darum hat der Allweise in Seiner Vollkommenheit, um uns anzuspornen dem Teufel die Einflüsterungen als Peitsche an diesem Ort der Prüfung, dieser Wettkampfarena, in die Hand gegeben. Er schlägt damit dem Menschen auf den Kopf. Wenn er jedoch allzu lästig und beschwerlich wird, muss man es dem Allweisen Erbarmer klagen und
{"Ich nehme meine Zuflucht zu Gott vor dem verfluchten Satan!"}
sagen.
Zweiundzwanzigstes Wort
Erstes Kapitel
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Gott stellt für die Menschen Gleichnisse auf, damit sie sich ermahnen lassen sollten." (Sure 14, 25) "Und so stellt Gott Gleichnisse für die Menschen auf, damit sie darüber nachdenken sollten." (Sure 59, 21)}
Einst wuschen sich zwei Männer in einem Teich. Da verloren sie wunderbarer Weise das Bewusstsein. Als sie ihre Augen wieder öffneten, sahen sie, dass sie in eine sonderbare Welt versetzt worden waren. Es war dies eine Welt, in der Anordnung und Einordnung an ein Königreich, ja eine Burg, ja sogar ein Schloss denken ließ. Voll Erstaunen blickten sie sich um. Sobald man sie in gewisser Weise betrachtete, schien sie eine riesengroße Welt zu sein. Betrachtete man sie in einer anderen Art, erschien sie ihnen wie ein wohlgeordnetes Königreich. Besahen sie sie in wieder einer anderen Art, glich sie einer vollendet schönen Burg. Und blickten sie abermals in einer anderen Weise auf sie, so kam sie ihnen wie ein Schloss vor, das eine weitere außerordentlich prächtige Welt in seinem Inneren beherbergte. Sie wanderten darin umher und betrachteten sie. Sie bemerkten, dass sie von Geschöpfen bewohnt war, die sich auf irgendeine Art miteinander verständigten. Doch verstanden sie deren Sprache nicht. Sie schlossen aber aus ihrem Verhalten, dass sie wichtige Aufgaben wahrnahmen und bedeutende Aufträge erfüllten.
Da sagte der eine der beiden Männer zu seinem Gefährten: "Dies ist eine wunderbare Welt, die sicherlich ihren Verwalter, ein wohlgeordnetes Königreich, das auch einen König, eine vollendet schöne Burg, die auch einen Burgherr, ein kunstvoll erbautes Schloss, das sicherlich auch seinen Baumeister hat. Wir sollten uns darum bemühen, ihn kennen zu lernen. Denn Er war es verständlicher Weise, der uns hierher gebracht hat. Wenn wir Ihn nicht kennen lernen, wer anders sollte uns dann helfen. Was können wir sonst schon von diesen armen Geschöpfen hier erwarten, deren Sprache wir nicht verstehen und die uns gar nicht beachten?
Außerdem wünscht der Herr, der diese riesengroße Welt in der Gestalt eines Königreiches, in der Form einer Burg, nach Art eines Schlosses gemacht und von seinem Anfang bis an sein Ende von wunderbaren Dingen erfüllt hat, es mit allen Arten von Ornamenten verziert und es mit eindruckerweckenden Wunderwerken ausgestattet hat, sicherlich etwas von uns und all denen, die hierher gekommen sind. Wir wollen Ihn kennen lernen. Zudem wäre es notwendig, zu erfahren, was Er von uns will."
Doch der andere entgegnete ihm: "Ich glaube nicht, dass es so einen Herrn, wie du sagst, überhaupt gibt und er diese ganze Welt hier völlig allein regiert." Sein Gefährte gab ihm zu Antwort: "Lernen wir Ihn nicht kennen und bleiben Ihm gegenüber gleichgültig, so ist der Vorteil, den wir dabei haben, gar keiner, der Nachteil, den das haben könnte, jedoch ein gewaltiger. Bemühen wir uns darum, Ihn kennen zu lernen, ist unser Einsatz nur ein geringer, der Gewinn, den wir erzielen könnten, jedoch ein gewaltiger. Ihm gegenüber gleichgültig zu bleiben ist also völlig sinnlos." Jener Verblendete erwiderte jedoch: "Ich erblicke all meine Ruhe und mein ganzes Wohlergehen gerade darin, gar nicht an Ihn zu denken. Außerdem beschäftige ich mich nicht mit Dingen, die mein Verstand nicht erfassen kann. Alle diese Dinge hier sind nur zufällig. Ich verstehe zwar nichts von diesen Dingen, doch läuft hier alles von selbst und geht mich nichts an." Sein
verständiger Gefährte meinte aber: "Deine Verbohrtheit kann auch mich, ja sogar noch viele andere ins Unglück stürzen. Es geschieht manchmal, dass wegen eines Menschen Sittenlosigkeit ein ganzes Königreich untergeht."
Wiederum wandte jener Verblendete ein: "Entweder beweist du mir unwiderleglich, dass dieses riesige Königreich einen einzigen König, einen einzigen Meister hat, oder aber du störst mich nicht länger!"
Nun machte ihm sein Gefährte folgenden Vorschlag: "Da also nun deine Verbohrtheit sich zum Irrsinn steigert, wirst du noch mit deiner Verbohrtheit den Zorn über uns und sogar das ganze Land heraufbeschwören. So werde ich dir also nun an Hand von zwölf Beweisen aufzeigen, dass diese Welt, die einem Schloss gleicht, dieses Königreich, das einer Burg gleicht, einen einzigen Meister hat und dass es einzig dieser Meister ist, der alles regiert. Bei Ihm gibt es weder Fehler noch Mängel. Dieser Meister, den wir nicht sehen können, sieht uns und alle Dinge, hört alle unsere Worte. Alle Seine Taten sind einzigartig und wunderbar. Alle diese Geschöpfe, die wir hier sehen, sind, auch wenn wir ihre Sprache nicht verstehen können, in Seinen Dienst gestellt."
Erster Beweis:
Komm her und schaue dich nach allen Richtungen um! Gib Acht auf alles! In allen diesen Dingen ist eine verborgene Hand am Werk. Denn siehe: ein Ding, das so klein ist wie ein Kern, der kaum soviel wiegt wie ein Dirhem (etwa 3g), vermag eine Last von tausenden Batman (etwa 8kg) zu tragen.
Dinge, ohne auch nur ein Stäubchen von Verstand, versehen überaus weisheitsvolle Aufgaben.
Das also heißt, dass sie nicht aus eigenem Antrieb arbeiten. Es ist da jemand im Verborgenen,
der ihr mächtiger Herr ist und sie ans Werk setzt. Würden sie dies von sich aus tun, dann müsste alles hier im Lande rings umher einem Wunder gleichen. Es müssten alles dies hier außerordentliche Dinge sein, die von einem Wundertäter bewirkt wurden. Das aber wäre jedoch absurd.
Zweiter Beweis:
Komm und achte einmal darauf, wie schön alle diese Felder und Wälder, die Straßen und Plätze, die Häuser und Wohnungen geschmückt sind! In ihnen allen gibt es etwas, das von diesem verborgenen Herrn Kunde gibt. Es ist so als trügen sie alle ein Siegel oder Wappen, dass von ihrem verborgenen Herrn Kunde gibt. Sieh doch einmal, was Er hier vor unseren Augen aus einem Dirhem Baumwolle schafft!
Siehe, wie viele Ballen Tücher aller Art wie Batist oder Batikstoffe u. dgl. Er daraus hervorbringt! Siehe, wie viele Arten Süßigkeiten, wohlschmeckende Bällchen Köfte hier hergestellt werden! Kämen auch tausende von Menschen wie wir, sich damit zu bekleiden oder davon zu essen, es würde für sie alle reichen! Und betrachte einmal weiter, wie Er das Eisen hier, die Erde, das Wasser, die Kohle, das Kupfer, Silber und Gold unsichtbar in Seine Hand nimmt (und sie formt und in Seiner Hand aus Erde) Fleisch wird.
So komm also nun und siehe... Oh du unverständiger Mensch! Alle diese Werke sind jenem Herrn zu eigen, in dessen (Hand und) wunderbarer Macht das ganze Land ruht, mit allem, was zu ihm gehört. Alle entsprechen sie Seinen Wünschen.
Dritter Beweis:
Komm und siehe diese einzigartigen, beweglichen Kunstwerke!
Jedes von ihnen ist so gestaltet, dass es von diesem riesigen Schloss ein kleines Abbild (: eine Welt im Kleinen) ist. Alles, was es in diesem Schloss gibt, findet sich in diesem winzigen beweglichen Werk wieder. Ja wäre es den überhaupt möglich, dass ein anderer als der Baumeister dieses Schlosses kommen und dieses wunderbare Schloss in solch einem kleinen Werk konzentrieren könnte!? Und wäre es außerdem überhaupt möglich, dass sich in einem Werk von der Größe eines kleinen Kistchens, obwohl es doch einen in sich (vollendeten) Kosmos im Kleinen umfasst, etwas fände, dessen Gang nur zufällig oder aber sinnlos wäre!? Das aber heißt, dass, wie viele dieser einzigartigen Kunstwerke das Auge auch erblickt, sie doch alle (Gute wie Böse) das Siegel des verborgenen Meisters tragen. Ja sie gleichen sogar einem Boten, einem Ausrufer. Sie sagen unausgesprochen: "Wir sind die Kunstwerke jenes Herrn, der diese unsere ganze Welt ebenso leicht zu erschaffen vermochte, wie Er auch uns selbst ganz leicht geschaffen und ins Dasein gerufen hat."
Vierter Beweis:
Oh du eigensinniger Freund! Ich will dir etwas zeigen, was noch wunderbarer ist. Schau, in diesem Land hat sich jedes Werk, jedes Ding verändert und verändert sich weiterhin. Nichts verbleibt im selben Zustand. Gib Acht, alle diese toten Gegenstände, die wir hier sehen, diese Kästchen, die nichts zu empfinden scheinen, haben alle die Gestalt eines absoluten Herrschers angenommen. Es ist, als herrsche jedes Ding über alle anderen Dinge. Betrachte also einmal diese Maschine hier!
Es ist als erteile sie ihre Befehle.
So kommen denn alle Werkzeuge und Materialien, die sie für Schmuck und Werk benötigt, von weit entfernten Stätten herbeigelaufen. So siehe denn, wie auch dieses leblose Ding hier sich so, als ob es nur eines Winkes bedürfe, ein anderes riesengroßes Ding dienstbar macht und für sich arbeiten lässt.
Ziehe hierzu auch noch andere Dinge zum Vergleich heran! Es ist, als ob ein jedes Ding alles in der Welt erschaffene in seinen Dienst stellte. Wolltest du also nun diesen verborgenen Herrn nicht anerkennen, dann müsstest du alle die Meisterschaft, die Kunstfertigkeiten, Vollkommenheiten, die wir in allem Geschaffenen, in den Steinen, in der Erde, den Tieren und den Menschen finden, (Stück für Stück) jedem einzelnen Ding zuschreiben. So müssten also an Stelle des allein wunderwirkenden Herrn, (an den zu glauben dir) weit davon entfernt (erscheint,) vernünftig zu sein, Milliarden von Wundertätern da sein, die gleich Ihm und zugleich einander entgegengesetzt und dennoch einander gleich und wiederum ineinander zu finden sein sollten, sodass diese Ordnung nicht zerstört werde und die Welt nicht in Unordnung gerate. Würden sich jedoch in diesem Riesenreich auch nur
zwei Finger (eines fremden Partners von außen) einmischen, (geriete alles) durcheinander. Denn wo zwei Schulzen in einem Dorf, zwei Meister auf einer Burg, zwei Könige in einem Reich wären, bringen sie alles durcheinander. Wie also wäre es denkbar oder möglich, dass es unzählige absolute Herrscher geben könnte!?
Fünfter Beweis:
Oh du argwöhnischer Freund! Komm nun und achte auf die Kunstwerke dieses Schlosses, alle die Schönheiten dieser Stadt, die ganze große Ordnung in diesem Reich und denke über alle die wundervollen Werke in dieser Welt nach! Wäre die Feder des verborgenen Herrn, der so wunderbar und meisterhaft ist, nicht am Werke und müsste man also die Kunstwerke anderen unbedachten Ursachen, blindem Zufall und den tauben Kräften der Natur zuschreiben, so wäre es auch notwendig, dass in diesem Reich selbst jeder Stein und jedes Kraut ein so wundervoller Schreiber, ein so außerordentlicher Kalligraph sein müsste, dass er in einen einzigen Buchstaben tausend Bücher hineinschreiben und in einem einzigen Ornament Millionen von Kunstwerken zusammenfassen könnte. Denn sieh einmal wie sich in jedem dieser Steine die Kunstwerke des ganzen Schlosses, die Gesetze zur Verwaltung einer ganzen Stadt, das Programm zur Gestaltung eines großen Reiches wiederfinden. Das aber heißt, dass die Verfertigung solcher Kunstwerke ebenso wunderbar ist wie die Gestaltung des großen Reiches. Wenn das aber so ist, dann ist auch jedes Schmuckstück, jedes Kunstwerk gleich einer Verkündigung oder einem Siegel dieses verborgenen Herrn.
Da es aber nun einmal keinen Buchstaben geben kann, der nicht auf seinen Schreiber hinwiese, ein kunstvoll gestaltetes Schmuckstück, das nicht auch seinen Designer bekannt machte... wie könnte es dann sein, dass der Designer, der in einen einzigen Buchstaben ein ganzes großes Buch hineingeschrieben hat, in einem einzigen kunstvoll gestalteten Schmuckstück tausend Kunstwerke zusammengefasst hat, nicht durch Sein Buch und durch dieses Schmuckstück zu erkennen wäre...
Sechster Beweis:
Komm, wandern wir über diese weite Ebene!
Siehe, da ist inmitten dieser Ebene ein hoher Berg. Da wollen wir hinaufsteigen, damit wir die ganze Umgebung betrachten können. Außerdem wollen wir gute Fernrohre mitnehmen, die uns alle Dinge in greifbare Nähe rücken. Denn in diesem wunderbaren Land geschehen wunderbare Dinge, ereignet sich in jeder Stunde, was die Vernunft übersteigt. Sieh nun! Es verwandeln sich plötzlich die Berge, die Ebenen und die Städte. Und wie sie sich verwandeln! Das geschieht auf folgende Weise: Millionen untereinander vermengter, vermischter Dinge werden in vollkommener Ordnung umgewandelt. Es findet da eine ganz erstaunliche Verwandlung statt. Es ist, als würden Millionen verschiedener Stoffe gleichzeitig am selben Ort gewebt werden. Siehe, jetzt sind alle die uns wie Blumen und Blüten lieb gewordenen und vertrauten Dinge verschwunden und an ihre Stelle sind in bester Ordnung andere, ihnen dem Wesen nach ähnliche, der Substanz nach aber verschiedene, neu gebildete getreten. Es ist, als glichen diese Berge und Ebenen
einer Seite, auf die hunderttausende verschiedener Bücher geschrieben würden. Ja sie werden sogar ohne Fehler und Mängel geschrieben. So ist es denn hundertfach unmöglich, dass diese Dinge aus sich selbst entstanden sein sollten. Ja es ist sogar tausendmal unmöglich, dass diese in so unendlichem Grade kunstvollen und mit so viel Aufmerksamkeit gestalteten Dinge aus sich selbst entstanden sein könnten. Stärker als ihre eigene (Existenz) beweisen sie die ihres Meisters. Zudem ist der, welcher dies alles vollbringt, der Herr, der allein Wunder tut und sie mühelos tut. Tausend Bücher zu schreiben ist für Ihn genau so leicht, wie einen einzigen Buchstaben zu schreiben. Darüber hinaus siehe auch wie Er alles mit einer solchen Weisheit an seinen rechten Platz stellt und so freigiebig allen Seine Güte erweist, wie es ihnen zukommt. Des Weiteren öffnet Er allen huldvoll Türen und Tore, ihnen allen ihre Wünsche befriedigend. Des Weiteren bereitet Er ihnen allen ihre Tische so freigiebig, dass alle Völker Seines Reiches und auch die Tiere ihren Tisch finden, jedes nach seiner Art und Gattung, ja sogar jeder einzelne aus Seiner Huld einen Tisch mit seinem eigenen Namen und Zeichen empfängt.
Könnte es also in dieser Welt etwas geben, was noch unvorstellbarer wäre, als dass unter diesen Dingen, die wir hier sehen, Dinge rein zufällig sein könnten, oder sinnlos oder nutzlos, oder dass sich verschiedene Hände (in ihre Verwaltung) einmischen könnten, dass ihr Meister nicht aller Dinge mächtig wäre, oder sie Ihm nicht dienstbar wären!? Nun denn, mein Freund! Wenn du nun noch dazu in der Lage bist, versuche doch noch einen Einwand dagegen vorzubringen!
Siebenter Beweis:
Nun komm, mein Freund! Lassen wir nun die Einzelheiten und wollen wir statt dessen das Verhältnis der einzelnen Bestandteile dieser wunderbaren Welt zueinander betrachten, welche die Gestalt eines Schlosses hat. Siehe nun: In dieser Welt geschehen alle Dinge, vollziehen sich die großen, allgemeinen Umwandlungen in einer Ordnung von so hohem Grade, dass alle
Steine, die Erde und die Bäume und alle Dinge, die wir in diesem Schloss (und in seinen Gärten) vorfinden, jede für sich wie selbständig handelnd, die ganze, umfassende Ordnung in dieser Welt beobachten und sich im Einklang mit ihr bewegen. Dinge, die am weitesten voneinander entfernt sind, eilen einander zu Hilfe. So siehe denn: Aus der unsichtbaren Welt kommt eine Karawane gezogen.
Ihre Tragtiere sind die Bäume und alle die übrigen Pflanzen, ja selbst die Berge, sie tragen ein Tablett mit Speisen auf ihren Köpfen. Siehe nun: Sie bringen den verschiedenen Tieren, die auf dieser Seite (: dem Diesseits) warten, ihre Nahrung. Und siehe weiter: Jene gewaltige elektrische Lampe in der Kuppel (des Schlosses) spendet ihnen Licht und kocht ihnen zugleich auch all ihre Speisen auf das Beste.
Man braucht nur die Speisen, die wie von unsichtbarer Hand an einem Strick befestigt zu sein scheinen, zum Kochen vor sie zu halten.
Und siehe nun weiter, wie dort vor diesen armen, schwachen, kraftlosen und hilflosen Jungen (der Tiere) kleine mit köstlicher Nahrung gefüllte Säckchen herabhängen, Brunnen gleich, an denen sich diese kraftlosen Geschöpfe nur noch mit ihrer Schnauze festzusaugen brauchen.
Zusammenfassung:
Alle Dinge in dieser ganzen Welt helfen einander, als wären sie für einander bestimmt, reichen einander die Hand, als könnten sie einander erkennen und verstehen. Um sich einander zu vervollkommnen,
stehen sie zueinander Schulter an Schulter. Sie stärken einander den Rücken und arbeiten zusammen. Du kannst nun alle Dinge heranziehen, um sie damit zu vergleichen! Die Anzahl der Beispiele ist nicht zu zählen... So zeigen denn alle diese oben angeführten Beziehungen und Verhältnisse mit der gleichen Sicherheit, mit der zwei mal zwei vier ist, dass dem Meister dieses wunderbaren Schlosses, d.h. dem Herrn dieser einzigartigen Welt, alle Dinge dienstbar sind. Jedes Ding arbeitet nach Seinem Willen. Alle Dinge gleichen Soldaten, die bereit sind, Ihm zu dienen. Alle Dinge laufen (wie ein Geschäft, eine Maschine) durch Seine Kraft. Alle Dinge bewegen sich auf Seinen Befehl. Alle Dinge werden in Seiner Weisheit geordnet. Alle Dinge helfen einander mit Hilfe Seiner Freigiebigkeit (d.h. des Menschen Hilfe kommt von Gott). Alle Dinge eilen in Seiner Barmherzigkeit einander zu Hilfe, d.h. sie werden durch sie in Bewegung gesetzt. Nun denn, mein Freund, wenn du nun noch dazu in der Lage bist, versuche doch noch ein Wort dagegen vorzubringen!
Achter Beweis:
Komm, oh du mein unvernünftiger Freund, der du dich, gleich meiner Seele (nefs), selbst für klug hältst! Da willst du den Herrn dieses prächtigen Schlosses nicht anerkennen. Dabei weist doch jedes Ding auf Ihn hin, tut Ihn kund, legt für Ihn Zeugnis ab. Wie kannst du das Zeugnis all dieser Dinge leugnen! Doch in diesem Fall musst du auch dieses Schloss leugnen und sagen: "Die Welt gibt es gar nicht. Dieses Land gibt es nicht." und leugne dich selbst und dann löse dich selbst in Nichts auf! Oder aber komm zur Vernunft und höre mich an! So siehe denn: Es gibt in diesem Schloss einheitliche Elemente, Stoffe,
die dieses Schloss und das ganze Land erfüllen und es zugleich umschließen.
Alle Dinge, die in diesem Lande hergestellt werden, sind offensichtlich aus diesen Stoffen gemacht. Das aber heißt, wem diese Stoffe gehören, dem gehören auch alle Dinge, die daraus verfertigt werden. Wem der Acker gehört, dem ist auch die Ernte. Wem das Meer gehört, dem ist auch alles, was darinnen ist. Und weiter siehe: alle diese gewebten Stoffe, diese mit kunstvollen Mustern angefertigten Tücher werden alle aus der gleichen Materie (z.B. aus Wollfäden) hergestellt. Derjenige, der das Ausgangsmaterial herbeischafft, es vorbereitet und sodann zu Fäden verspinnt, ist offensichtlich ein und derselbe. Denn diese Arbeit duldet keinen Partner. Da dies aber so ist, sind alle diese kunstvoll gewebten Stoffe Sein Eigentum.
Und weiter siehe: alle diese hier gewebten und verfertigten Stoffe aller Art finden sich überall im ganzen Land. Alle diese Kinder von der gleichen Art sind so verbreitet, dass sie alle gleichzeitig miteinander, nebeneinander, in gleicher Weise hervorgebracht werden. Das aber heißt, dass dies die Tätigkeit eines einzigen Herrn ist, auf einen einzigen Befehl in Gang gesetzt wird. Anderenfalls wäre es unmöglich, dass sie in ein und derselben Zeit auf gleiche Art, auf dieselbe Weise, übereinstimmend in Aufbau und Form miteinander harmonieren könnten. Da dies aber so ist, weisen alle diese kunstvoll gestalteten Dinge als eine Verkündigung jenes verborgenen Herrn auf Ihn allein hin.
Es ist, als sagte jeder einzelne dieser geblümten Stoffe, jede kunstvolle Maschine, jeder wohlschmeckende Bissen als Siegel dieses wundertätigen Herrn, Sein Stempelabdruck, Sein Kennzeichen, als das Mal Seiner Spur unausgesprochen: "Ich bin das Kunstwerk dessen, welcher auch der Eigentümer der Kisten und der Besitzer der Kaufläden ist, in denen ich mich befinde." Und ein jedes Muster spricht: "Ich bin ein Muster, eingewebt in das Tuch dessen, der das Tuch und sein Muster und den ganzen Ballen Stoff gewebt hat." Jeder wohlschmeckende Bissen spricht: "Der mich zubereitet hat, ist auch derjenige,
dem der Topf ist, in dem ich mich befinde." Jede Maschine spricht: "Der mich gebaut hat, ist auch derjenige, der im ganzen Lande alle die gebaut hat, die mir gleichen und der uns überall im ganzen Lande herstellt. Das heißt, Er ist auch der Eigentümer des Landes und der König dieses Reiches. Da dies aber so ist, kann nur der, dem das ganze Land gehört und welcher der Herr jenes Schlosses ist, unser Herr und Besitzer sein." Um z.B. ein einziges Koppelschloss oder einen einzigen Uniformknopf besitzen zu können, wäre es notwendig, alle Fabriken zu besitzen, die sie herstellen, um deren tatsächlicher Besitzer zu sein. Man würde (diese Dinge) sonst einem zivilen Angeber aus der Hand nehmen, ihm sagen, dass sie Militärgut sind, und ihn deswegen bestrafen.
Zusammenfassung:
Die Elemente dieses Landes sind Stoffe, die im ganzen Lande vorkommen. Auch ihr Besitzer kann nur ein Einziger sein, der Herr, dem auch das ganze Land gehört. So weisen denn die Kunstwerke, die im ganzen Reich verbreitet sind, da sie einander gleichen und dieselbe Prägung tragen, ja alles, was sich überall im ganzen Lande findet, darauf hin, dass sie Kunstwerke eines einziges Herrn sind, der über alle Dinge herrscht. Nun denn mein Freund! Es gibt nun einmal in diesem Lande, d.h. in jenem prächtigen Schloss, ein Merkmal der Einheit, ein einheitliches Siegel. Denn ein Teil der Dinge ist einfach und allumfassend. Ein anderer hingegen weist, obwohl sich (die Dinge einander) gleichen und sich überall finden, dennoch eine Einheit in seiner Art auf. Was diese Einheit betrifft, so weist sie immer auf den Einen hin. Das also heißt, dass sein Meister, sein Eigentümer, sein Herr, sein Erbauer ein und derselbe sein muss. Darüber hinaus achte nun auch darauf, wie hinter dem Schleier des Unsichtbaren ein Seil hervortritt.
Siehe, wie sodann tausende von Fäden aus ihm hervor wachsen. Betrachte die Enden der Fäden: An ihnen sind Diamanten, Orden, Gaben und Geschenke angebunden. Sie bieten jedem das ihm entsprechende Geschenk an. Ja weißt du denn nicht, was für ein törichtes Verhalten es ist, einen solchen Herrn, der hinter einem so einzigartigen Schleier vor dem Unsichtbaren so wunderbare Gaben und Geschenke für Seine Geschöpfe hervorbringt, nicht anzuerkennen und Ihm nicht zu danken. Wolltest du Ihn jedoch nicht anerkennen, so wärest du ja gezwungen zu sagen: "Diese Fäden bringen an ihren Enden von selbst Diamanten und andere Geschenke hervor und bieten sie uns an."
Dann aber müsste man auch einem jeden Faden die Bedeutung eines ganzen Königreiches zuschreiben. Dabei macht doch eine unsichtbare Hand vor unseren Augen diese Fäden und befestigt an ihnen die Geschenke. Das aber heißt, dass jedes Ding in diesem Schloss weit mehr auf jenen wundertätigen Herrn hinweist als auf sich selbst. Erkennst du Ihn nicht an, wirst du durch eine solche Leugnung all dieser Dinge hundertfach unter das Tier hinabsinken.
Neunter Beweis:
Komm nun, mein Freund, der du nicht recht zu urteilen weißt! Du glaubst nicht an den Herrn dieses Schlosses und willst auch gar nicht an Ihn glauben. Denn das liegt dir fern. Da Seine Kunstwerke und Seine Taten so wunderbar sind, dass sie die Vernunft übersteigen, verirrst du dich zu deren Leugnung. Doch das, was dir wirklich fern liegt und was eigentlich schwierig für dich ist, die wahren Probleme und all die fürchterliche Mühsal entsteht daraus, dass du nicht an Ihn glaubst. Denn wenn wir an Ihn glauben, wird alles, was mit diesem Schloss, dieser Welt zu tun hat, so leicht, als handele es sich dabei nur um eine einzige Sache, wird ganz einfach. Darin findet sich die Quelle dafür, dass alles auf dem Markt so billig und so reichlich vorhanden ist. Wenn wir nicht an Ihn glauben und es Ihn gar nicht gäbe, dann würde jede einzelne Angelegenheit
ebenso schwierig sein, wie sämtliche Angelegenheiten dieses ganzen Schlosses. Denn jedes einzelne Ding ist genauso kunstvoll wie das ganze Schloss. So bliebe dann nichts mehr, was noch billig und reichlich vorhanden wäre. Nichts mehr von den Dingen, die wir hier sehen, würde noch in unsere Hand, ja in niemandes Hände mehr gelangen. So betrachte denn nur einmal die hier an diesen Fäden hängenden Vorratspäckchen.
Kämen sie nicht aus der Küche Seiner verborgenen Wunder, könnten wir sie nicht sogar gegen ein ganzes Vermögen erwerben, obwohl sie doch jetzt für ein paar Münzen zu haben sind.
Alles, was uns so fern liegt, alle Schwierigkeiten, Probleme, ja Katastrophen und alles, was unmöglich ist, entsteht in der Tat daraus, dass wir nicht an Ihn glauben. So bekommt ein Baum seine Lebenskraft aus einer einzigen Wurzel, entsprechend einem einzigen Gesetz, aus ein und demselben Boden. Die Gestaltung tausender von Früchten geschieht demnach mit der gleichen Leichtigkeit wie die einer einzigen Frucht. Wenn die Früchte dieses Baumes mit jeweils einem anderen Platz, einer anderen Wurzel, einem jeweils unterschiedlichen Gesetz verbunden wären, würde die Gestaltung jeder einzelnen Frucht genauso schwierig werden, wie die des ganzen Baumes. Auch die Ausrüstung eines ganzen Heeres von einer einzigen Zentrale aus, einem einzigen Gesetz entsprechend und durch eine einzige Fabrik geschieht trotz einer großen Zahl (Soldaten) genauso leicht wie die Ausrüstung eines einzigen Soldaten. Erfolgte aber die Ausrüstung und Versorgung jedes einzelnen Soldaten an ganz verschiedenen Orten, so müssten für die Ausstattung jedes einzelnen Soldaten ebenso viele Fabriken vorhanden sein, wie man für die Ausrüstung eines ganzen Heeres benötigt.
Den beiden Beispielen entsprechend gilt: Es ist in diesem wohlverwalteten Schloss, in dieser vollkommenen Stadt, in diesem blühenden Land, in dieser prachtvollen Welt die Erschaffung all dieser Dinge, wenn man sie auf einen einzigen Herrn zurückführt, ebenso einfach, geschieht mit der selben Leichtigkeit, dass in ihr die Ursache dafür zu finden ist, dass (alles) so unendlich billig und reichlich und in solcher Fülle vorhanden ist. Anderenfalls wären alle Dinge mit so vielen Kosten und Schwierigkeiten verbunden, dass man nichts davon erhalten könnte, gäbe man auch die ganze Welt dafür.
Zehnter Beweis:
Komm nun, mein Freund, der du ein wenig zur Einsicht gelangt bist! Seit fünfzehn Tagen sind wir jetzt hier.
Wenn wir die Anordnungen dieser Welt nicht kennen und ihren König nicht anerkennen, haben wir eine Strafe verdient. Es bleibt uns keine Entschuldigung mehr. Denn fünfzehn Tage lang ist man (als habe man uns eine Frist gesetzt) nicht an uns herangetreten. Doch sind wir sicherlich nicht ohne Auftrag hier. Inmitten dieser so empfindlichen, kunstvollen, schönen, harmonisch gestalteten und lehrreichen Kunstwerke können wir nicht wie Tiere umherlaufen und sie beschädigen und dürfen sie auch gar nicht beschädigen. Denn sicherlich ist auch die Strafe, die Seine Majestät, der König dieses Reiches verhängt, fürchterlich. Dass dieser Herr, welch mächtiger Herr Er in Seiner Majestät ist, mögt ihr schon daraus ersehen, dass Er diese riesengroße Welt lenkt und leitet, als sei sie ein Schloss und sie sich drehen lässt wie ein Schöpfrad. Er lenkt dieses große Reich so wie man einen Haushalt leitet, ohne dass dabei irgendwelche Mängel in Erscheinung treten. Siehe also, wie Er dieses Schloss, diese Stadt, dieses Land von Zeit zu Zeit in vollkommener Ordnung
füllt und in vollkommener Weisheit wieder leert, so wie man eine Schale füllt und sie wieder leert. So wie man eine Tafel deckt und sie wieder aufhebt, so bringt Er in Seinem Riesenreich landauf, landab mit verborgener Hand der Reihe nach die verschiedensten Speisen, deckt damit die unterschiedlichsten Tafeln, lädt dazu ein und hebt sie wieder auf.
Er hebt die eine auf und deckt schon wieder die nächste. Auch du kannst das beobachten und wenn du Verstand hast, kannst du verstehen, welch großzügige Gastfreundschaft sich hinter Seiner furchtbaren Majestät verbirgt. Und weiter siehe, wie alle diese Dinge Zeugnis für das Königreich ihres verborgenen Herrn und Seine Einheit ablegen. In gleicher Weise legen auch alle diese Umwandlungen und Veränderungen, (die vor unseren Augen vorüberziehen,) so wie Karawane um Karawane (vor unseren Augen) herangezogen kommt und vorüberzieht und so wie uns in der Tat (Blüten, die zu Früchten heranreifen,) Tisch um Tisch decken und danach die Tafel wieder aufheben, (wonach sich dann im Frühjahr mit Samen und Knospen der Kreis) wieder schließt, für Dauerhaftigkeit, Beständigkeit und Ewigkeit des Herrn ein Zeugnis ab. Denn zugleich mit allen vergänglichen Dingen vergeht auch ihre Zeit und mit ihr alles, was sie hervorgebracht hat.
Nach ihnen entsteht jedoch all das, was wir ihnen zugeschrieben hatten, wiederum neu. Das also heißt, dass nicht (diese vergänglichen Dinge) jene Werke hervorgebracht haben, es vielmehr die Werke dessen sind, (dessen Stern niemals sinkt und) der keinen Untergang kennt. Wenn des Stromes Wellen vergehen, der Glanz auf den ihnen nachfolgenden Wellen jedoch der gleiche ist wie
der (Glanz der) ihnen vorangegangenen (Wellen), so wird daraus ersichtlich, dass (die Sonne), die ihnen Glanz verleiht, die (wahre) Herrin jenes hohen Lichtes ist, welches (das Wechselspiel aller Wellen) bescheint. So zeigt auch der rasche Wechsel aller Dinge und (der Umstand, dass) alle Dinge nach ihnen wieder die gleiche Farbe erhalten, dass dies eine Manifestation, ein Schmuck, ein Abbild, ein Kunstwerk des einen und ewigen Herrn ist, für den es nicht (Ende noch) Untergang gibt...
Elfter Beweis:
Komm oh Freund! Ich will dir nun noch einen Beweis vor Augen führen, einen, der die gleiche Überzeugungskraft hat wie alle zehn vorangegangenen. Komm! Dort drüben in der Ferne ist eine Halbinsel. Wir wollen an Bord eines Schiffes gehen und hinüberfahren!
Denn dort müssten die Schlüssel zu dieser verwunschenen Welt sein. Denn alle schauen nach dieser Halbinsel aus, richten auf sie ihre Erwartungen und erhalten von dort ihre Weisungen. Auf also, fahren wir hinüber! Wir sind also nun auf der Halbinsel angelangt. Siehe, dort findet eine mächtige Versammlung statt. Alle großen des Reiches scheinen sich da zu einer bedeutsamen Feier versammelt zu haben. Merke gut auf! Dort ist der Fürst, der Präsident dieser gewaltigen Versammlung. Komm, lass uns noch etwas näher herzutreten! Wir wollen diesen Fürsten kennen lernen! Sieh doch, welch
berühmte Auszeichnungen er hat, und die mehr als tausend Orden, die er trägt!
Und wie mächtig er im Wort ist! Und wie angenehm ist dennoch seine Gesellschaft und die Unterhaltung mit ihm! Ich habe in diesen fünfzehn Tagen ein wenig von dem erfahren, worüber er spricht. Nun magst auch du es von mir lernen. Siehe, er spricht von dem wundertätigen König dieses Landes. Er sagt: "Jener ruhmreiche König hat mich zu euch gesandt." Siehe, er wirkt solche Wunder, dass kein Zweifel mehr daran bleibt, dass er der auserwählte Diener und Gesandte des Königs ist. Beachte nun, dass nicht nur die Geschöpfe dieser Halbinsel seinem Wort lauschen, er vielmehr auf wunderbare Weise alle im Land dazu bringt, ihn zu vernehmen. Denn von nah und fern bemüht sich jeder seine Rede hier zu hören. Ihm hören nicht nur die Menschen zu, sondern auch die Tiere, ja siehe, sogar die Berge hören die Befehle, die er erteilt, und sie erbeben. Jene Bäume begeben sich an den ihnen angewiesenen Platz. Wo immer er es will, da bringt er Wasser hervor. Ja seine Finger spenden sogar wie eine Mutter und tränken gleich dem Kauthar(-strom des Paradieses). Aus ihm lässt er lebensspendendes Wasser trinken. Siehe, die große Leuchte
dort oben an der hohen Kuppel des Schlosses, die doch ein Ganzes ist, spaltet sich auf ein Zeichen von ihm in zwei Hälften.
Das heißt, dass das ganze Land mit allem, was darinnen ist, seinen Weisungen nachkommt. Sie horchen und gehorchen ihm, als wüssten sie: er ist "der erwählte und wahrhaftige Wortführer des verborgenen und wunderwirkenden Herrn, der Herold Seines Reiches, der Erschließer Seiner tiefen Geheimnisse (tilsim) und ein vertrauenswürdiger Gesandter, der Seine Befehle verkündet." So sagen denn alle vernünftig denkenden an seiner Seite zu jedem Wort, das er spricht: "Ja, so ist es richtig und recht." und bestätigen ihn damit. Ja sogar die Berge und die Bäume im Lande und die große Lampe, die alle Länder erleuchtet, sprechen wie ihr Haupt seinen Winken und Befehlen neigend: "Ja, das ist in der Tat so."
Nun denn, oh du verblendeter Freund! Wäre es denn überhaupt möglich, dass sich irgendeine Art von Falsch oder Verlogenheit in den Attributen seines wunderwirkenden Herrn fände, die er mit ganzem Nachdruck erwähnt, und in den Befehlen, die er übermittelt, da er eine so lichtvolle, würdevolle und durchaus ernstzunehmende Persönlichkeit ist, geschmückt mit tausend Orden aus des Königs eigener Schatulle und bestätigt von allen Würdenträgern im Lande? Sollte darin eine Unwahrheit möglich sein, so müsste man auch sowohl die Existenz als auch den Sinn dieses Schlosses, seiner Lichter und der dort versammelten (Würdenträger) bestreiten. Wenn du es also jetzt noch vermagst, dann strecke einmal den Finger deiner Einwendungen dagegen aus und siehe, wie dein Finger unter der Macht der Beweise zerbricht und sich dir ins eigene Auge bohrt...
Zwölfter Beweis:
Nun komm also mein Bruder, der du nun schon ein wenig zur Vernunft gekommen bist! Über die gesamte Kraft der oben angeführten elf Beweise hinaus will ich dir nun noch einen weiteren Beweis zeigen. So siehe denn hier diesen leuchtenden Erlass (ferman), der von oben herabgekommen ist und den jeder entweder mit Staunen oder mit Ehrfurcht, jedoch mit größter Aufmerksamkeit betrachtet.
Diese mit tausend Orden ausgestattete Persönlichkeit hält des Sultans Ferman in seinen Händen und erklärt allem Volk seinen Sinn. Siehe, die Abfassung dieses Fermans ist so glanzvoll, dass er die bewunderungsvollen Blicke aller auf sich lenkt und er erwähnt so ernste und bedeutende Fragen, dass jeder ihm sein Ohr leihen muss. Denn er erklärt nacheinander alle die Werke und Taten, die Befehle und auch die Qualitäten seines Herrn, der über dieses ganze Land regiert, der dieses Schloss geschaffen hat und alle diese wunderbaren Dinge hier hervorbringt. Siehe, wie dem ganzen Werk dieses Fermans das große Siegel aufgeprägt ist, wie zugleich auch jede Zeile, jeder Satz ein solch unnachahmliches Siegel trägt! So ist auch in dem Sinn, den Wahrheiten, Weisungen und Weisheiten, denen er Ausdruck verleiht, je eine Ihm eigentümliche Gestaltung in Form eines geistigen Stempels zu sehen, so wie er nur Ihm allein entspricht.
Zusammenfassung:
Dieser Große Ferman weist klar wie die Sonne auf Seinen Großen Herrn hin, sodass ein jeder, der nicht gerade blind ist, das erkennen kann...
Wohlan denn mein Freund! Wenn du nun zur Einsicht gekommen bist, so sollte dir dies genügen... Solltest du aber noch etwas zu sagen haben, dann sage es nun. Da gab jener hartnäckige Mann zur Antwort: "Ich kann zu diesen deinen Beweisen nur sagen: Dank sei Gott, ich glaube! Und nun glaube ich mit dem strahlenden Glanz der Sonne und der Klarheit des lichten Tages: Der König (malik)
dieses Landes ist ein einziger in Seiner Vollkommenheit (Kemal). Der Herr (Sahib) dieser Welt ist ein einziger in Seiner Majestät (Djelal). Der Meister (sani'), der dieses Schloss erbaut hat, ist ein einziger in Seiner Vollendung (Djemal). (Dies) nehme ich (fest als meinen Glauben) an. Möge Gott mit dir zufrieden sein, weil du mich von meiner alten Verbohrtheit und von meinen Torheiten errettet hast. Jeder einzelne deiner Beweise hätte alleine schon ausgereicht, um diese Wahrheit aufzuzeigen. Ich wartete jedoch noch und hörte dir noch weiter zu, weil sich mit jedem Beweis, den du erbracht hast, die Schichten der Erkenntnis und die Blütenkelche des Wissens in noch größerem Wohlgeruch und immer reicherer Schönheit entfalteten und die Fenster zur göttlichen Liebe sich zu noch höherem Wohlgefallen, zur Fülle des Lichtes und der Güte geöffnet haben."
Dieses Gleichnis, das auf die Große Wahrheit der Einheit (tauhid) und den Glauben an Gott hinweist, ist hier zum Abschluss gekommen. Nun wollen wir mit dem Segen des Erbarmers, aus der Fülle des Qur'an und dem Lichte des Glaubens, aus der Sonne der wahren Einheit (tauhid) zwölf Strahlen (lem'a) und eine Einführung in Ergänzung dieser zwölf Beweise in Form des obigen Gleichnisses aufzeigen.
{"Und von Gott kommen aller Erfolg und die Rechtleitung."}
Zweites Kapitel
Einführung
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Gott ist der Schöpfer aller Dinge und Er ist aller Dinge Sachwalter. Sein sind die Schlüssel der Himmel und der Erde." (Sure 39, 62-63) "Gepriesen sei der, in dessen Hand die Herrschaft über alle Dinge (ruht) und zu Ihm werdet ihr (dereinst) zurückgebracht." (Sure 36, 83) Und nichts gibt es unter den Dingen, wovon Wir nicht einen Vorrat hätten. Davon senden Wir nur eine bestimmte Menge herab." (Sure 15, 21) "Es gibt kein Tier, dass Er nicht am Schopfe hielte. Wahrlich, mein Herr ist (im Gegensatz zum Menschen) auf dem geraden Weg." (Sure 11, 56)}
Einer der Hauptpole des Glaubens ist der Glaube an Gott. In der Abhandlung darüber (Katre Risalesi) hatte ich bereits kurz erklärt, dass ein jedes Ding in der Schöpfung mit fünfundfünfzig Zungen das seinsnotwendige Sein (Vudjub-u Vudjud) und die Einheit (vahdaniyet) Gottes, des Gerechten, beweist und bezeugt. Zugleich habe ich auch in einer Abhandlung ("Nokta" = der Punkt) vier der allgemeinen Beweise für die Seinsnotwendigkeit und die Einheit Gottes, des Gerechten erwähnt, deren jeder die Überzeugungskraft von tausend Beweisen hat. Da ich zudem in meinen zwölf arabischen Abhandlungen hunderte von unwiderlegbaren Beweisen für die Seinsnotwendigkeit und Einheit Gottes, des Gerechten erwähnt habe, möchte ich mich hier mit ihnen begnügen und nicht in eingehende Erörterungen darüber einsteigen. Ich möchte
mich hier nur darum bemühen, in diesem "Zweiundzwanzigsten Wort" der Risale-i Nur "Zwölf Strahlen (Lem'a)" aus der Sonne des Glaubens an Gott aufzuzeigen.
Erster Strahl:
Es gibt zwei Arten, um zum Glauben an die Einheit (tauhid) zu gelangen.
Kommen in einem Marktflecken oder einer kleinen Stadt für einen hohen Herrn verschiedene Güter an, so erkennt man auf zweierlei Weise, dass es seine Güter sind. Die erste ist kurz und einfach zu sagen: "Eine so gewaltige Menge an Gütern kann gar kein anderer besitzen als allein nur dieser Herr." Unter der Aufsicht eines einfachen Mannes sind jedoch mancherlei Diebstähle möglich. Auf die einzelnen Teile können sich viele als Eigentümer ausgeben. Die zweite Art ist die, dass man an jedem Bündel eine Karte liest, auf jedem Ballen ein Siegel erkennt und auf allen Frachtbriefen Sein Stempel sieht, der sagt "Alle Dinge gehören dem Herrn." So erkennt man denn in diesem Falle in jedem Ding indirekt seinen Herrn.
Genauso ist es mit der göttlichen Einheit (tauhid). Man gelangt zu ihr auf zweierlei Wegen.
Erstens:
Tauhid ist die ganz einfache und offensichtliche Erkenntnis: "Gott der Gerechte ist eins. Er hat weder einen Partner noch Seinesgleichen und Ihm gehört das All."
Zweitens:
Der wahre Glaube an die Einheit Gottes (tauhid) besteht darin, in allen Dingen das Siegel Seiner göttlichen Allmacht, den Stempel Seiner Herrschaft und eine Zeichnung aus Seiner Feder zu erkennen. Dadurch öffnet sich mit jedem Ding unmittelbar ein Fenster zu Seinem Licht. Seine Einheit wird bestätigt, und dass alles der Hand Seiner Macht entspringt und dass es in Seiner Göttlichkeit keinen Partner, in Seiner Herrschaft keinen Helfer gibt und Er aller Dinge Eigentümer ist. So gelangt man zum Glauben mit einer Gewissheit, die an wahrhaftige Gewissheit grenzt, und lebt in einer Art beständiger (göttlicher) Gegenwart.
So möchte denn auch ich in dieser Abhandlung die Strahlen der Wahrheit dieser reinen und erhabenen Einheit (tauhid) aufzeigen und darlegen.
Hinweis:
Oh du gottvergessener Anbeter der Ursachen! Die Ursachen sind nur ein Schleier. Denn die Würde und Majestät (Azamet) Gottes erfordern dies. Am Werk ist jedoch die Allmacht dessen, der nichts und niemandes bedarf und dessen aber alles und jedes bedarf (Samed). Denn die Einheit und Majestät (Djelal) Gottes erfordern es und verlangen Seine Souveränität. Die Beamten des Ewigen Sultans sind keine Mitwirkenden in Seiner Königlichen Herrschaft. Sie sind vielmehr die Ausrufer im Königreich Gottes und die ministeriellen Beobachter Seiner Herrschaft. Und diese Beamten, Seine Werkzeuge, dienen dazu, den Ruhm Seiner göttlichen Allmacht und die Majestät Seiner Herrschaft sichtbar werden zu lassen, sodass die schmutzigen Angelegenheiten nicht der Allmacht Gottes angelastet werden können. Gott gleicht nicht einem menschlichen König, der von Schwäche befallen und in der Not seiner Armseligkeit Beamte zu Partnern in seinem Königreich gemacht hat, weil er selbst so schwach und hilfsbedürftig ist. Das also heißt, dass die Ursachen den Zweck zu erfüllen haben, die Ehre Gottes und den Ruhm Seiner Allmacht vor der vordergründigen Betrachtungsweise des Verstandes zu schützen. Denn so wie die beiden Seiten eines Spiegels hat auch jedes Ding seine "königliche (mulk)" Seite, die der bemalten Rückseite des Spiegels vergleichbar ist. Sie kann verschiedene Farben und Formen haben.
Die andere (Seite eines Dinges aber) ist die Seite, die sich auf die Engel bezieht, (malakut = die Seite der Engelwelt), vergleichbar mit der Seite eines Spiegels, also seiner eigentlichen Spiegelseite. Die königliche und von uns sichtbare Seite kennt Zustände, welche dem Ruhm und der Vollkommenheit der Macht des Einzigartigen widersprechen. Ursachen dienen dem Zweck, derartige Zustände auf sie zurückzuführen, sich als deren Quelle angeben zu können. Auf der «Malakut» -Seite eines Dinges jedoch, an der Seite seiner Zweckbestimmung (oder Sinngebung)
also, ist alles klar, deutlich und schön. Diese (Seite) ist für die unmittelbare Einwirkung der Macht Gottes (ohne Vermittlung der Ursachen) geeignet. Sie steht nicht im Widerspruch zu (Gott und) Seiner Ehre. Deshalb sind die Ursachen lediglich vordergründig und nicht tatsächlich. Sie bilden nicht den eigentlichen Hintergrund (des Spiegels und aller Erscheinungen in ihm), haben keinen Einfluss auf der «Malakut» (-Seite der Dinge).
Zudem ist noch eine weitere Weisheit hinter den äußeren Ursachen die folgende: Es sollen ungerechtfertigte Anklagen und hohle Einwände nicht gegen den Vollkommen-Gerechten gerichtet werden. Darum werden Anklagen und Einwände auf Ursachen als deren Zielscheibe zurückgeführt. Denn so lässt sich ein Fehler auf sie (: seine Ursachen) zurückführen. Die Ursache ist somit irgendein Versagen. Um dieses Geheimnis in Form eines feinsinnigen Beispiels darstellen zu können, wird dieses Gleichnis aus der geistigen Welt angeführt: Hazret-i Azrail (der Todesengel), mit dem der Friede sei, sagte einmal zu Gott dem Gerechten: "Wegen meiner Aufgabe, die Geister abzuholen, werden sich Deine Diener und Verehrer bei mir beklagen, mir deswegen zürnen." Gott der Gerechte entgegnete ihm in der Sprache Seiner Weisheit: "Ich will, dass zwischen dir und meinen Dienern und Verehrern ein Schleier aus Unglücksfällen und Krankheiten sei, sodass sich ihre Klagen gegen ihn richten, dir aber nicht zürnen sollen."
So siehe denn, wie die Krankheiten zu einem Schleier geworden sind. Sie sind es, auf die man alle Bitternis, die man im Tode empfindet, schieben kann; doch liegt die Wahrheit über die Abberufung der Geister in der Weisheit und Schönheit, die mit der Aufgabe Azrails, mit dem der Friede sei, verbunden ist. Desgleichen gilt, dass auch Hazret-i Azrail selbst ein Schleier ist. Auch er dient dazu, Ursache mancher Umstände zu sein, die bei der Abberufung der Geister äußerlich gnadenlos und der vollendeten Barmherzigkeit Gottes nicht zu entsprechen scheinen. Er ist es, der dieses Amt wahrnimmt und somit der
göttlichen Allmacht als ein Schleier dient. Es erfordern die Würde und Majestät Gottes (izzet ve azamet) in der Tat, dass die Ursachen vor dem Auge der Vernunft als Schleier über der Hand der Allmacht Gottes liegen sollen... Die Einheit und Majestät Gottes (Tauhid ve Djelal) erfordert, dass die Ursachen ihre Hände aus dem eigentlichen Wirken Gottes heraushalten sollen...
Zweiter Strahl:
Betrachte den kosmischen Garten, das Blumenbeet dieser Erde und dieses wunderschöne, sternengeschmückte Antlitz des Himmels aufmerksam! So wirst du sehen, dass der Meister in Seiner Majestät, der Schöpfer in Seiner Vollkommenheit auf jedem einzelnen von Seinen Kunstwerken, die ausgestreut und ausgebreitet sind, ein Siegel, das dem Schöpfer aller Dinge zu Eigen ist, ein Stempel, der dem Meister aller Dinge angehört, und eine unnachahmliche, glänzende Prägung mit der Feder der Macht eingetragen hat, wie auf den Seiten der Nacht und des Tages, des Sommers und des Frühlings. Nun wollen wir hier einige von diesen Siegeln, Stempeln und Prägungen als Beispiele anführen.
Betrachte z.B. eines unter den zahllosen Siegeln, eines von denen, die dem Leben aufgeprägt sind. "Er (Gott) macht aus einem Dinge alles und aus allen Dingen ein einziges." Denn aus einem Tropfen Sperma und aus dem gewöhnlichen Trinkwasser erschafft Er zahllose Körperzellen und unzählige Tierarten. So ist also aus einem Ding alle Dinge zu machen mit Sicherheit das Werk des Vollkommen-Allmächtigen. In gleicher Weise verwandelt Er die zahllosen Speisen, mögen wir nun tierische oder pflanzliche Nahrung genossen haben, und macht aus den verschiedenen Inhaltsstoffen in vollendeter Ordnung die jeweiligen Körper, webt für jeden von ihnen seinen eigenen Pelz und gestaltet ihre Organe. Der dies alles bewirkt, ist mit Sicherheit der, welcher aller Dinge mächtig ist, der Vollkommene-Allwissende. Der Schöpfer des Lebens und des Todes lenkt in der Tat das Leben an der Werkbank dieser Welt in Weisheit mit derartigen wunderbaren Anordnungen Seines Gesetzes, dass Vollzug
und Durchführung dieses Gesetzes den Charakterzug jenes Herrn tragen, der die Zügel des Weltalls in Seinen Händen hält. Wenn also nun dein Verstand noch nicht erloschen und dein Herz noch nicht blind geworden ist, so wirst du verstehen, dass das, was in vollkommener Leichtigkeit und Wohlgeordnetheit alles aus einem Ding erschafft und in vollkommener Ausgewogenheit und Ordnung kunstfertig aus allen Dingen ein einziges hervorbringt, das Kennzeichen ist, das uns den Meister aller Dinge zeigt und dem Schöpfer aller Dinge zu Eigen ist.
Da macht z.B. jemand in Seiner Wunderkraft aus einem Dirhem einer watte-ähnlichen Substanz hundert Ballen Baumwoll- und Seidentuch, desgleichen Batist und noch verschiedene andere Stoffe. Und Er macht aus einem Dirhem dieser Substanz auch noch Helva (türk. Honig), Baklava (Kuchen) und viele andere Speisen. Und wenn du noch weiterhin siehst, wie jener Eisen und Steine, Honig und Butter, Erde und Wasser in Seine Hände nimmt und sich unter ihnen alles in reines Gold verwandelt, so wirst du sicherlich und ohne jeden Zweifel daraus schließen, dass Jenem eine solche Kunstfertigkeit zu Eigen ist, dass alle Elemente der Erde unter Seinen Befehl gestellt sind, und dass alles, was in der Erde und unter der Erde ist, sich seinem Urteilsspruch unterwirft. Die Erscheinung der Weisheit und Macht Gottes ist jedoch in der Tat noch tausendmal wunderbarer als hier in unserem Beispiel. So siehe denn darin ein einziges Siegel unter so vielen Siegeln Gottes, die das Leben als Sein Merkmal trägt.
Dritter Strahl:
Betrachten wir nun die Lebewesen unter all dem, was erschaffen ist und in diesem kosmischen Strom des Lebens kreist! Du wirst sehen, wie viele Stempel es gibt, die der Lebendige, der Ewige (al-Hayy al-Qayyum) jedem einzelnen unter all den Lebewesen aufgeprägt hat. Einer unter diesen Stempeln ist folgender: Ein Lebewesen, z.B. der Mensch, ist wie ein verkleinertes Beispiel dieses Kosmos, eine Frucht am Baume dieser Schöpfung und ein Samenkorn dieser Welt, da es die
meisten Prägungen der Arten dieser Welt in sich trägt. Es ist, als sei dieses Lebewesen ein Tropfen, mit äußerst empfindlichen Instrumenten, herausgefiltert aus dem gesamten Kosmos. Dieses Lebewesen zu erschaffen und es zu beherrschen, erfordert also die Fähigkeit, den ganzen Kosmos in Händen halten zu können.
Nun also, wenn dein Verstand noch nicht in deinen Vorstellungen ertrunken ist, so kannst du verstehen: Ein Wort der Macht (Gottes), wie es eine Biene ist, zu einer Art verkleinertem Inhaltsverzeichnis der meisten Dinge zu machen, und auf einer Seite (der Schöpfung), wie es der Mensch ist, die meisten Themen dieses Weltenbuches (der Schöpfung) einzutragen, und weiter in einem Punkt, wie es ein winzig kleiner Feigenkern ist, das gesamte Programm eines riesig großen Feigenbaumes einzugeben, und in einem Buchstaben, wie es des Menschen Herz ist, die Werke aller Namen (Gottes), die sich in den Abschnitten, Perioden, Äonen dieser großen Welt manifestieren und sie umfassen, aufzuzeigen und in dem Erinnerungsvermögen des Menschen, das so viel Platz wie eine Linse einnimmt, so viele Bücher aufzuschreiben, wie sie in einer großen Bibliothek zu finden sind, und das ausführliche Inhaltsverzeichnis aller Ereignisse der Welt in diesem winzig kleinen Flecken zu vermerken, ist sicher und gewiss ein Stempel, der dem Schöpfer aller Dinge zu Eigen ist und dem glorreichen Herrn der Welt angehört.
Nun also, wenn ein einziger Stempel unter so vielen Stempeln des Herrn auf den Lebewesen in dieser Weise sein Licht zeigt, und auf diese Weise dessen Zeichen und Wunder (Ayat) lesen lässt, wenn du also nun gleichzeitig alle diese Stempel sehen und betrachten könntest, müsstest du dann etwa nicht sagen:
{"Gepriesen sei der, welcher hinter solch machtvoller Erscheinung dennoch verborgen bleibt."}
Vierter Strahl:
Siehe all das, was über dem Ozean des
Himmels segelt und bunt über das Antlitz der Erde verstreut ist und beachte all diese verschiedenen Kunstwerke! Du wirst sehen, wie auf ihnen allen ein Münzsiegel der Urewigen Sonne aufgeprägt ist, das keine Fälschung erlaubt. Wir haben bereits ein, zweimal gesehen, wie auf allem, was Leben hat, Sein Stempel und auf dem Leben selbst Sein Siegel erscheint. Auch die Art und Weise, wie Er die Dinge ins Leben ruft, trägt eine solche Münzprägung. Da aber Beispiele dem Verstand die tiefen Bedeutungen näher bringen, wollen auch wir diese Wahrheit an Hand eines Beispieles aufzeigen.
So zeigt sich z.B. bei der Sonne eine solche Münzprägung in ihrem Spiegelbild, in ihrem Widerschein auf allen Planeten und bis hin zu den Wassertropfen, den kleinen Glasstückchen und den schimmernden Schneekristallen, ein leuchtendes Zeichen, wie es der Sonne entspricht. Nimmst du nicht an, dass all diese kleinen Sonnen, die in zahllosen kleinen Dingen sichtbar werden, ein Widerschein und Spiegelbild dieser (einen, großen) Sonne sind, dann musst du aber annehmen, dass in jedem Wassertropfen, in jeder Glasscherbe, die einen Strahl (der Sonne) empfangen hat und in jedem Staubkörnchen, das vom Licht (der Sonne) getroffen wurde, die eigentliche, ursprüngliche Sonne enthalten ist, was jedoch einer ganz außerordentlichen Torheit, einer grenzenlosen Dummheit zu verfallen hieße.
In gleicher Weise findet sich durch die Urewige Sonne in der Art, wie sie die Dinge ins Leben ruft, d.h. ihnen das Leben schenkt, was eine Erscheinungsweise ihrer Strahlenkraft ist, auf allem, was da lebt, ein solches Münzsiegel, dass - selbst wollten wir einmal annehmen, dass alle Ursachen sich miteinander versammeln könnten und jede von ihnen für sich selbst die Freiheit einer eigenen Entscheidung hätte - sie dennoch nicht jenes Münzsiegel imitieren können. Denn jedes einzelne Lebewesen, das ein Wunder der Macht ist, gleicht einem Brennpunkt der Namen Gottes, die die Strahlen der Urewigen Sonne sind. Wenn diese wunderbare, künstlerische Verzierung,
diese einzigartige Dichtung der Weisheit, diese Erscheinung des Geheimnis der Einheit (Ahadiyet), wie sie in einem Lebewesen zu beٕی٭chten ist, nicht dem Einen und Einzigartigen Herrn (Dhat-i Ahad-i Samed) zugeschrieben wird, dann müsste man annehmen, dass in jedem Lebewesen, selbst in einer Mücke und einer Blume eine grenzenlose Schöpferkraft verborgen ist; und dass in ihnen ein alles umfassendes Wissen und eine absolute Willenskraft (irade), die in der Lage ist, das Weltall zu lenken und zu leiten, zu finden ist, ja sogar müsste man annehmen, dass in ihnen die ewigen (baqi) Attribute dessen, der da notwendiger Weise sein muss (Vadjibu l-Vudjud), vorhanden sind. Selbst jeder einzelnen Zelle einer Blume und einer Mücke müsste man eine Gottheit zuschreiben, was jedoch hieße, dem törichtsten Irrweg zu verfallen, in den Abgrund des dümmsten Aberglaubens hinabzustürzen. Denn den einzelnen Zellen der Schöpfungen, insbesondere, wenn es sich dabei um Samenkörner handelt, wurde eine solche Aufbau gegeben, dass jede einzelne Zelle auf das Leben ausgerichtet ist, deren winzigstes Teilchen sie in der Schöpfung darstellt. Sie enthält einen Bauplan, der dem Aufbau (des Ganzen) entspricht.
Es ist sogar so, als hätte sie dabei ihre ganze Gattung vor Augen, sodass Samenkörner - manche von ihnen auch mit kleinen Flügelchen versehen - an allen Orten ausgesät werden, welche für die Fortpflanzung der Gattung geeignet sind, um dort das Fähnlein ihrer Gattung aufzurichten, wofür sie dann auch besondere Eigenschaften erhalten. Eine Zelle ist sogar in der Art konstruiert, dass das Lebewesen, von dem sie das winzigste Teil ist, seine Tätigkeit zu Gunsten aller Geschöpfe, mit denen es verbunden ist und die seiner bedürfen, seine lebensnotwendigen Beziehungen fortsetzen kann.
Wäre also nun diese Zelle nicht ein Beamter des Vollkommen-Allmächtigen, wäre ihre Verbindung zu dem Vollkommen-Allmächtigen abgebrochen, dann müsste man dieser Zelle ein allessehendes Auge und ein allesumfassendes Bewusstsein zuschreiben.
Zusammenfassung:
Wollte man die kleinen Sonnen und die vielen verschiedenen Farben in den Wassertropfen und Glasstückchen nicht auf eine Spiegelung, einen Widerschein der (einen, großen) Sonne zurückführen, so wäre es notwendig, dass man an Stelle dieser (einen, großen) Sonne zahllose (einzelne, kleine) Sonnen annimmt. Dies aber erfordert einen Aberglauben anzunehmen, der ganz und gar unvorstellbar ist. Genauso müsste man auch, wollte man nicht alles dem Einen, Vollkommen-Allmächtigen zuschreiben, an Stelle Gottes (des Einen, Einzigen) zahllose Götter annehmen, ebensoviel wie es Stäubchen im All gibt. Das aber hieße, eine Unmöglichkeit von einer hundertfachen Unmöglichkeit als Tatsache anzunehmen und damit dem Irrsinn eines Fieberwahns zu verfallen.
Mit einem Wort: Durch jedes einzelne Stäubchen öffnen sich uns drei Fenster zu dem einen Licht der Urewigen Sonne und zur Notwendigkeit Göttlichen Seins.
Erstes Fenster:
Jedes Stäubchen (Atom, Zelle, Samenkorn) gleicht einem Soldaten, der wie innerhalb militärischer Kreise in jeder Gruppe, Kompanie, Bataillon, Division, Armee, Heer seine Zugehörigkeit und dieser Zugehörigkeit entsprechend seine Aufgabe hat, der dieser Aufgabe entsprechend seine Anordnungen erhält und sich dementsprechend bewegt... So hat denn z.B. selbst eine Zelle in deiner Sehlinse ein bestimmtes Verhältnis und eine Aufgabe in deinem Auge, deinem Kopf, deinem Körper, in den Venen und Arterien, in den Nerv- und Lymphbahnen, welche dem Kreislauf, der Wahrnehmung, den Bewegungen dienen, und in deiner Spezies usw. mit ihrer Fähigkeit sich zu vermehren, etwas anzuziehen, abzuwehren oder auszuscheiden und sich für eine bestimmte Gestalt mit anderen Zellen zusammenzuschließen. Dadurch demonstriert sie vor jedem Auge, das nicht erblindet ist, dass sie ganz offensichtlich das Kunstwerk eines Urewigen-Allmächtigen und sein befähigter Beamter ist, Seiner göttlichen Führung untersteht.
Zweites Fenster:
Jedes Atom in der Luft kann jede
Blume, jede Frucht besuchen. Es kann so in jede Blume, jede Frucht eintreten und darin tätig werden. Wäre es nicht ein dienstbereiter Beamter des Vollkommen-Allmächtigen, der alles sieht und alles weiß, dann müsste dieses umherschweifende Atom Struktur und Aufbau jeder Frucht und jeder Blume und alle ihre verschiedenen Kunstarten und -formen, nämlich die Kunst des Schneiders, der jede von ihnen bekleidet und die Kunst eines vollendeten und universellen Modeschöpfers kennen und beherrschen. So macht ein solches Atom einen Strahl des Lichtes der Einheit (tauhid) sonnenklar sichtbar. Vergleiche nun auch das Licht mit der Luft und das Wasser mit der Erde!
Wie bekannt liegt der eigentliche Ursprung aller Dinge in den folgender vier Elementen: Nach neuerer naturwissenschaftlicher Lehre: Wasserstoff (bildet das Wasser), Sauerstoff (dient in der Luft zum Atmen), Kohlenstoff (dient der Verbrennung zur Gewinnung von Energie, Licht und Wärme) und Stickstoff (dient in der Stickstoffsynthese dem Aufbau der Pflanzen: Grundlage fast allen Lebens auf der Erde). Diese vier chemischen Elemente (H-O-C-N) entsprechen den vier Grundelementen (Wasser, Luft, Feuer, Erde) der Alten.
Drittes Fenster:
Nehmen wir eine handvoll Erde, die nichts ist als ein wenig Staub! Wenn wir nun einen Topf mit diesem Staub füllen, so wird er zur Grundlage für Wachstum und Gedeihen aller Arten blühender und fruchtbringender Pflanzen. Säen wir nun den Samen jeder Sorte blühender und fruchtbringender Pflanzen aller Welt in ihm aus, so bestehen diese Samenkörner aus keinen anderen Elementen als die Spermien der Tiere. Auch die Samenkörner bestehen ähnlich wie die flüssigen Spermien aus Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff, ähneln einander in ihrer Zusammensetzung und unterscheiden sich voneinander nur in ihren Eigenschaften. Nur die Feder (qalem) der göttlichen Vorausbestimmung (qader) überträgt auf sie geistig gesehen ihr Programm. Wir stecken also nun diese Samenkörner der Reihe nach
in den Topf. So erwartest du, dass aus jedem Samenkorn eine Pflanze Form und Gestalt annimmt, mit all ihren wunderbaren Bestandteilen, und glaubst daran, als sei dies bereits geschehen.
Wären diese Staubkörner nicht Beamte und dienstbereite Diener eines Herrn, der alle Dinge in all ihren Entwicklungsstadien und -formen kennt und der mächtig ist, allen Seinen Geschöpfen den ihnen entsprechenden Körper samt all ihren Organen zu verleihen und dessen Macht alle Dinge leicht und mühelos unterworfen sind, so müssten sich in jedem Staubkörnchen dieser Erde so viele unsichtbare Fabriken und Druckereien befinden, wie es blühende und fruchtbringende Pflanzen gibt, sodass sie der Ursprung all dieser verschiedenen Pflanzen sein könnten, deren Form und Gestalt so weit voneinander entfernt und voneinander verschieden ist. Oder aber man müsste ihnen ein alle Existenzen umfassendes Wissen und eine Macht verleihen, die alle ihre verschiedenen Formen erschaffen könnte, damit die Erde Ursprung all ihrer Formen sein könnte. Das aber heißt, dass man ebensoviel Götter annehmen müsste, wie es Staubkörnchen in der Erde gibt, wenn es diese Verbindung mit Gott dem Gerechten nicht geben sollte. Dies aber wäre ein Aberglaube, der tausendfach unmöglich ist. Sind sie jedoch Beamte, dann ist dies ganz einfach. Ein Soldat eines mächtigen Königs (Sultan) kann z.B. im Namen dieses Königs (Padischah) und (im Vollzug seiner königlichen) Gewalt ein Volk zur Auswanderung zwingen, zwei Meere miteinander vereinigen und sogar einen König (Schah) gefangen nehmen. In gleicher Weise kann sogar mit dem Befehl des Königs von Ewigkeit zu Ewigkeit eine Mücke Nimrod zu Boden werfen, eine Ameise das Schloss des Pharaos zerstören, vernichten, ein Feigenkorn einen Feigenbaum tragen, (der aus ihm emporwächst).
Überdies gibt es in jedem Staubkörnchen auch noch zwei wahre Zeugen für die Notwendigkeit und Einheit (Vahdet) des Schöpfers. Der erste nimmt trotz seiner völligen Schwäche sehr große und sehr verschiedene Aufgaben
wahr, während der andere sich trotz seiner unbelebten Natur der allgemeinen Ordnung entsprechend so verhält, als liebte er die Ordnung und hätte ein umfassendes Bewusstsein. Das aber heißt, dass jedes Stäubchen mit seiner Schwäche für die Notwendige Existenz des Vollkommen-Allmächtigen und in der Beachtung der kosmischen Ordnung für die Einheit Gottes (Vahdet) Zeugnis ablegt.
{"So wie für den, der notwendigerweise (Vadjib) da ist und der Einzige (Vahid), für den in jedem Stäubchen mit Sicherheit zwei Zeugen sind, gibt es auch in allem Lebendigen, zwei Wunderzeichen (Ayat) für den, welcher der Einzige (Ahad) und Unabhängige (Samed) ist."}
So findet sich denn in der Tat auf allem, was da lebt das Siegel Seiner Einheit (Ahadiyet) und die Prägung seiner Unabhängigkeit. Denn ein jedes Lebewesen zeigt gleichsam wie ein Spiegel alle die Namen, deren Manifestationen sich in den meisten Schöpfungen offenbaren. Es ist so, als ob dieses Lebewesen einen Brennpunkt darstellt, in dem sich die Erscheinungen des gewaltigen Namens des Lebendigen und Beständigen (Hayy ve Qayyum) zeigt. So trägt es also den Stempel der Einheit (Ahadiyet), da es eine Art Schatten der Einheit des Herrn (Ahadiyet-i Dhatiye) ist, verborgen unter dem Schleier des Namens «al-Muhyi (der Lebensspender)». Überdies zeigt dieses Lebewesen, da es einem verkleinerten Abbild des Kosmos und einer Frucht am Baume der Schöpfung gleicht, die Prägung der Unabhängigkeit Gottes (Samediyet), dadurch dass alle seine weltumspannenden Bedürfnisse innerhalb seines winzig kleinen Lebensbereiches mit unerwarteter Leichtigkeit befriedigt werden. Durch diese Verhältnisse wird sichtbar, dass das Lebewesen einen Herrn hat, der sich ihm zuwendet, wie sonst keine anderen Seiner Schöpfungen und dessen (Gnaden)blick die Stelle aller geschaffenen Dinge ersetzt.
Alle Welt vermag nicht die Stelle der Zuwendung dieses Einen zu ersetzen.
{"Ja, in der Tat genügt für alle Einzelnen der Eine und Einzige an der Stelle von Allem und nicht genügen einem Alles, so nicht statt aller Einzelheiten der Eine (al-Vahid)."}
Desgleichen zeigen diese Verhältnisse, dass - so wie dieser sein Herr keines Dinges bedürftig ist - sich auch Seine Schätze um kein Ding verringern und in Seiner Macht kein Ding schwer ist. So ist denn dies eine Art Prägung, die einen Schatten Seiner Unabhängigkeit (Samedaniyet) offenbart. Das aber heißt, dass jedes Lebewesen einen Stempel Seiner Einheit (Ahadiyet) und eine Prägung Seiner Unabhängigkeit (Samediyet) trägt. In der Tat rezitiert ein jedes Lebewesen in der Sprache seines Lebens (d.h. durch sein Leben bringt es zum Ausdruck)
{"Sprich: Er ist Gott, der Einzige (Ahad). Er ist Gott, der Unabhängige (Samed)" (Sure 112, 1-2)}
Außer diesen beiden Siegeln gibt es auch noch zwei wichtige Fenster. Da diese jedoch bereits an anderer Stelle ausführlich behandelt worden sind, haben wir sie hier nur kurz zusammengefasst.
Da nun einmal in dieser Welt ein jedes Stäubchen diese drei Fenster und diese beiden Luken öffnet, wie auch das Leben zwei Tore gleichsam hin zu dem Notwendig-Seienden, dem Einzigen öffnet, ist es dir jetzt möglich, die obigen Beispiele auf ein Stäubchen bis hin zur Sonne in Bezug auf alle Stufen der Schöpfung mit ihrer lichtvollen Ausstrahlung der Erkenntnis (ma'rifet) über den Herrn, in Seiner Majestät, anzuwenden.
So schreite durch die obigen Beispiele schrittweise in der Erkenntnis (ma'rifet) Gottes und in Seiner Gegenwart (huzur) geistig fort und ziehe deinen Nutzen aus ihnen...
Fünfter Strahl:
Um z.B. ein Buch zu schreiben oder
einen Brief abzufassen, genügt ein Schreibstift zu seiner Niederschrift. Dort aber, wo es um einen Buchdruck oder eine Drucksache geht, benötigt man dazu ebensoviel Schreibstifte, d.h. Drucktypen, wie das Buch Buchstaben hat, damit ein solches Buch gedruckt und herausgebracht werden kann. Sollte nun in einige Buchstaben des Buches ein Großteil von diesem Buches in sehr feiner Schrift hineingeschrieben werden - z.B. die ganze Sure Yasin in die beiden Buchstaben Ya und Sin hineingeschrieben werden - so benötigt man für diesen einen Buchstaben auch noch alle diese winzigen Buchstaben zusätzlich, damit es gedruckt werden kann.
Sagtest du in gleicher Weise, dass dieses Weltenbuch (das Buch der Schöpfung), die heilige Schrift, aus der Feder der Macht des Einzigartigen und ein Brief des Einen Herrn ist, schlägst du auf einen Weg ein, der geradezu notwendigerweise leicht und auch unbedingt verständlich ist.
Schreibst du es hingegen den Ursachen und der Natur zu, dann beschreitest du einen Weg, der sehr schwierig, unvorstellbar kompliziert und dermaßen abergläubig ist, den man noch nicht einmal im Traum annehmen könnte. Es müssten dann für die Natur in jeder Handvoll Erde, in jedem Tropfen Wasser, in jedem Lufthauch Milliarden metallener Druckereien, nicht zu zählende und unsichtbare Fabriken vorhanden sein, damit die Entstehung solcher zahllosen blühenden und fruchttragenden Kunstwerke zum Erfolg geführt werden können. Oder aber, man müsste in ihnen ein alles umfassendes Wissen annehmen, eine Macht, die zu all diesem die Kraft besitzt, um für diese Kunstwerke eine wahrhaftige Quelle zu sein. Denn für die Entstehung aller Pflanzen bedarf es einer bestimmten Menge Erde, Wasser und Luft. Denn alle blühenden und fruchttragenden Pflanzen sind so harmonisch und ausgewogen gestaltet und jede für sich eine auserwählte, in ihrer Art sehr unterschiedlich, sodass für jede wieder eine andere, nur für sie geeignete Fabrik bzw. ein spezielles Druckverfahren notwendig wäre. Das aber
heißt, dass - wollte man die Natur, statt lediglich wie eine Lineatur zu sein, zur Urquelle machen - man in jedem einzelnen Gegenstand einen Maschinenpark vorfinden müsste. Somit ist der Kern all dieser Naturanbeterei ein Aberglaube, für den sich alle Abergläubigen schämen sollten. Siehe, welch eine grenzenlos wahnwitzige Absurdität die Kinder des Irrtums da vertreten und sich noch selbst für klug halten. Ziehe deine Lehre daraus!
Zusammenfassung:
Jeder Buchstabe in einem Buch stellt z.B. als Buchstabe nicht mehr als sich selbst dar und bringt lediglich durch sein Aussehen seine eigene Existenz zum Ausdruck, während er über seinen Schreiber mit zehn Worten berichtet und ihn auf vielfältige Weise vorstellt.
"Mein Schreiber hat eine schöne Handschrift. Sein Stift ist rot. Er ist dieses, er ist jenes.", sagt er. Und genauso gilt: Ein jeder Buchstabe im großen Buch der Schöpfung stellt als ein Objekt (der Schöpfung) nicht mehr als sich selbst dar und zeigt nicht mehr als sein eigenes Aussehen. Als die Namen des urewigen Designers jedoch stellt er eine Kasside (ein Gedicht) dar und zeigt auf diese Namen mit so viel Zeigefingern hin, wie er Eigenschaften hat, bezeugt den Träger dieser Namen. Das aber heißt, dass selbst ein Sophist, ein Haarspalter, auch wenn er sowohl sich selbst als auch die ganze Welt leugnet, in seiner Torheit dennoch nicht so weit gehen darf, den Schöpfer in Seiner Majestät zu verleugnen!...
Sechster Strahl:
Der Schöpfer in Seiner Majestät hat jedem einzelnen Seiner Geschöpfe das Siegel Seiner Einheit (Ahadiyet) aufs Haupt und all Seinen Kunstwerken ins Antlitz geprägt (wovon wir in den obigen "Strahlen" einige gesehen haben). In gleicher Weise hat Er auch jeder Art (von Geschöpfen) viele Siegel Seiner Einheit (Ahadiyet), einer jeden Gruppe (von Arten) mannigfache Stempel Seiner Einheit (Vahidiyet), bis hin zu der Welt (mit all ihren Arten von Geschöpfen) die verschiedensten Prägungen Seiner Einheit (Vahdet) in einer über alles glänzenden Weise aufgedrückt. So wollen wir denn
hier nur ein Siegel, einen Stempel unter so vielen Siegeln, Stempeln, Prägungen, die im Frühling auf der Seite der Erdoberfläche aufgedrückt sind, aufzeigen. Es ist dies wie folgt:
Dass der Urewige Designer über das Antlitz der Erde hin im Sommer und im Frühling wenigstens dreihunderttausend Tier- und Pflanzenarten aus der grenzenlosen Vermischung und Vermengung (ihrer Samenkörner) heraus auswählt und voneinander trennt und in so hohem Grade wohlgeordnet und voneinander wohlgeschieden zum neuen Leben, Wachstum und Gedeihen erweckt, ist ein Siegel der Einheit Gottes (Tauhid), wie auch der Frühling in seiner Pracht so klar und deutlich ist. Wenn in der Tat zur Frühlingszeit in der Neubelebung der erstorbenen Erde dreihunderttausend Beispiele der Auferstehung in vollkommener Ordnung hervorgebracht und dreihundert verschiedene Arten bunt gemischt schließlich fehlerlos, makellos und ohne jede Verwechslung ausgewogen, harmonisch, überaus wohlgeordnet und in vollendeter Form (im Buch der Schöpfung) auf diese Seite eingetragen werden, die die Erde ist, sollte jeder, der auch nur ein Fünkchen Bewusstsein hat, verstehen können, dass dies ein persönliches Siegel des Herrn in Seiner Herrlichkeit (Dhat-i Dhu l-Djelal) ist, des Vollkommenen-Allmächtigen (Qadir-i Dhu l-Kemal) und des Vollkommenen-Allweisen (Hakim-i Dhu l-Djemal), der über eine unendliche Macht (qudret), ein alles umfassendes Wissen (ilm) und über eine den ganzen Kosmos lenkende Willenskraft (irade) verfügt. Der Weise Qur'an bestimmt (ferman) hierzu:
{"Siehe die Zeichen der Barmherzigkeit Allahs: wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wiederbelebt, und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 50)}
Mit Sicherheit ist für die Macht des Schöpfers, der bei der Wiederbelebung der Erde dreihunderttausend Beispiele
für die Auferstehung innerhalb einiger Tage erschafft, auch die Auferstehung des Menschen in der Tat dementsprechend leicht. Ja, könnte man etwa zu jenem wunderwirkenden Herrn, der zum Beispiel den Mohnblumenberg oder den Subhan-Berg (4434 m) mit einem Wink Seines Fingers aufzuheben vermag, sagen: "Könntest Du diesen riesigen Stein, der unseren Lebensweg den Bach hinunter versperrt, hinwegräumen?" Ja könnte man etwa in gleicher Weise den Allmächtigen-Allweisen (Qadir-i Hakiem), den Freigiebigen-Allbarmherzigen (Kerim-i Rahim), der Himmel und Berge und Erde in sechs Tagen erschaffen hat und sie zu allen Zeiten füllt und leert, fragen: "Könntest Du die Erde über uns, die uns den Weg zu Deinem Gastmahl in der Ewigkeit versperrend vor uns ausgebreitet ist, hinwegräumen? Würdest Du uns etwa aus dem Erdreich emporführen und könntest Du es dann aufs Neue unter uns ausbreiten?" Läge dies etwa fern aller Betrachtung?
Du hast nun das Siegel der Einheit (Tauhid) gesehen, welches das Antlitz der Erde im Sommer trägt. Nun siehe! Es zeigt sich da ganz offensichtlich der Stempel der Einheit Gottes (Vahidiyet), der im Frühling auf der gewaltigen Lenkung und Leitung der Erde durch den Allsehenden und Allweisen sichtbar wird. Denn diese Tätigkeit wird in ihrem absoluten Umfang, trotz ihrer unbegrenzten räumlichen Ausdehnung, zugleich auch in ihrer vollendeten zeitlichen Ausdehnung und trotz dieser Geschwindigkeit in absoluter Freigiebigkeit, in absoluter Ordnung und vollendeter Kunstfertigkeit und als eine vollkommene Schöpfung sichtbar. Sie ist ein Stempel, der nur jenem gehören kann, der ein grenzenloses Wissen und eine unendliche Macht besitzt.
Wir sehen in der Tat, dass sich Schöpfung, Lenkung, Leitung und Wirksamkeit Gottes über die ganze Erdoberfläche in unbegrenzter Ausdehnung erstreckt. Des Weiteren vollendet sich das Werk bei aller räumlichen Ausdehnung auch in der zeitlichen Ausdehnung (d.h. der Frühling erstreckt sich räumlich und zeitlich gleichzeitig über
die ganze Erde).
Zudem wird in dieser zeitlichen und räumlichen Ausdehnung auch eine vollendete Freigiebigkeit sichtbar. Diese Freigiebigkeit wird in ihrer räumlichen und zeitlichen Ausdehnung zugleich auch in ihrer vollendeten Leichtigkeit sichtbar. Des Weiteren ist diese Freigiebigkeit und unbeschwerte Leichtigkeit in ihrer räumlichen und zeitlichen Ausdehnung, diese in jeder Art, in jedem Einzelexemplar sichtbar werdende vollkommene Ordnung und so auserlesene und vollendete Kunstfertigkeit, diese absolute Verschiedenheit innerhalb einer grenzenlosen Durchmischung (d.h. in einem Gemisch von Samenkörnern reift dennoch jedes einzelne zu einer unverwechselbaren Pflanze heran), dieses so wertvolle Werk innerhalb einer so großen Fülle, diese völlige Übereinstimmung in einem so weiten Bereich (d.h. die Übereinstimmung von zwei gleichen Pflanzen trotz weltweiter Entfernung zwischen ihnen) und diese so besondere Kunstfertigkeit, dies alles mit solch unbeschwerter Leichtigkeit hervorzubringen, in einem einzigen Augenblick, an jedem Ort, in gleicher Weise, Sein wunderbares Kunstwerk in jedem einzelnen Exemplar als ein Werk Seines wundertätigen Wirkens hervorzubringen, ist sicherlich und ganz gewiss das Siegel jenes Herrn, der - obwohl doch an keinen Ort gebunden - dennoch an jedem Ort zugegen ist und alles sieht, vor dem nichts verborgen ist und dem nichts und kein Ding schwer wird. Sterne und Stäubchen sind vor Ihm in Seiner Macht gleich.
So habe ich z.B. die Reben gezählt, die an einem Rebstock hingen, der zwei Finger dick war und den ich als ein ganz kleines Exemplar für die Trauben des Wunders aus dem Garten der Freigiebigkeit jenes Gütigen-Allbarmherzigen (Rahim-i Dhu l-Djemal) angesehen habe. Ich kam bis einhundertfünfundfünfzig. Dann zählte ich die Trauben einer Rebe: es waren an die hundertundzwanzig. So dachte ich und sagte mir: Wäre dieser Rebstock gleich einem Wasserhahn, aus dem fortwährend Honignektar fließt, so würde dieser Nektar bei diesen hohen
Temperaturen in der Sonne dennoch ausreichen, damit all ihre vielen hundert Trauben gestillt werden, gleich winzigen Wasserschläuchen der göttlichen Barmherzigkeit. Dabei steht ihm doch manchmal nur ein geringe Menge Flüssigkeit zur Verfügung. Es muss also der, welcher dies bewirkt, jener sein, welcher aller Dinge mächtig ist.
{"Gepriesen sei der, welcher den Geist dessen in Erstaunen versetzt, der Seine Werke bewundert."}
Siebenter Strahl:
Beachte, wie du mit ein wenig Aufmerksamkeit die Stempel erkennen kannst, die der Eine und Einzigartige (Dhat-i Ahad-i Samed) auf die Fläche der Erde aufgeprägt hat. Erhebe deine Augen und betrachte einmal das große Buch der Schöpfung, so wirst du erkennen, wie über der Gesamtheit des ganzen Alls das Siegel der Einheit Gottes (Vahdet) mit jener Klarheit lesbar wird, die Seiner Größe entspricht. Denn die Geschöpfe dieser Fabrik, dieses Schlosses, dieser wohlgeordneten Stadt gleichen den Menschen und den Dingen, die einander stützend und ergänzend einander die Hände reichen und einander ihre Bedürfnisse mitteilend "Ich bin bereit. Ich stehe zu Diensten." sagen. Hand in Hand arbeiten sie in Harmonie und Ordnung miteinander. In gegenseitigem Austausch dienen sie allen Lebewesen. Schulter an Schulter richten sie sich gemeinsam auf ein Ziel aus und leisten ihrem Allweisen (Hakiem) Lenker und Leiter Gehorsam. Bei der Sonne und dem Mond angefangen, der Nacht und dem Tag, dem Winter und dem Sommer, bis hin zu den Pflanzen, die den bedürftigen und hungrigen Tieren gleichsam zu Hilfe kommen, von den Tieren, die den schwachen, ehrenwerten Menschen gleichsam zur Hilfe eilen, ja sogar bis hin zu den Nahrungsmitteln, die gleichsam zur Hilfe der feinen, zarten Nachkommenschaft der Pflanzen, Tiere und Menschen kommen und bis hin zu jenen Bestandteilen der Nahrung, die in die Zellen des Körpers hinüber wechseln
und sich so nach dem Grundsatz gegenseitiger Unterstützung verhalten, zeigt dies alles für den, der nicht gerade blind ist, dass sie sich in der Macht eines äußerst freigiebigen Koordinators befinden und auf den Befehl eines einzigen allweisen Direktors Folge leisten.
Während also nun diese gegenseitige Hilfeleistung, diese Solidarität, dieses Wechselspiel zwischen Frage und Antwort, dieses Ineinander-verflochten-sein, diese Dienstbereitschaft, Ordnung und Harmonie, wie sie im Weltall ihre Gültigkeit hat, mit Sicherheit bezeugen, dass sie durch die Anordnungen eines einzigen Direktors dirigiert und durch die Maßnahmen eines einzigen Koordinators gelenkt wird, ist die allen zuteil werdende Gnade in der umfassenden Weisheit, wie sie ganz offensichtlich in all den kunstvoll gestalteten Dingen sichtbar wird und das in dieser Gnade aufstrahlende weitreichende Erbarmen (Rahman) und die Versorgung, die über diesem Erbarmen ausgebreitet ist und der verteilte Unterhalt, um alles Lebendige mit dem zu versorgen, wessen es bedarf, ein so glänzender Stempel der Einheit (Tauhid), dass jeder Mensch, dessen Verstand noch nicht ganz und gar erloschen ist und der noch nicht erblindet ist, es verstehen und erkennen kann.
Dies ist in der Tat die Leinwand der Weisheit, auf dem die Absicht, das Bewusstsein und der Wille (irade), der die ganze Welt erfüllt, dargestellt sind. Vor dieser Leinwand der Weisheit ist die Leinwand der Gnade (inayet) heruntergelassen, auf der die Gastfreundschaft, die Zierde, die Schönheit und die Güte zu sehen sind. Vor dieser bemalten Leinwand der Gnade ist die Leinwand der Barmherzigkeit heruntergelassen, auf der die Schlaglichter der Gnade (in'am) und der Verehrung (ikram) sichtbar werden, die das All erfüllen und durch die Gott die Menschen dazu veranlassen möchte, Ihn zu lieben und Ihn zu erkennen. Vor dieser angeleuchteten Leinwand allgemeinen Erbarmens ist ein Tischtuch für die Versorgung aller ausgebreitet, auf dem das Mitleid, die Güte, die Verehrung (ikram), die vollkommene Liebe (kemal-i shefqat),
die hohe Bildung und die Gastfreundschaft des Herrn wahrzunehmen ist.
Alles Geschaffene, ob groß ob klein, von den Atomen angefangen bis hin zu den Sonnen, mögen es nun Einzelexemplare oder deren Gattungen sein, ist mit einem prächtigen Gewand aus dem Stoff der Weisheit bekleidet, das dessen Frucht trägt und mit seinem Ziel, Zweck und Nutzen geschmückt ist. Dieser Bekleidung seiner äußeren Gestalt, die der Weisheit entspricht, ist je nach seiner Größe ein Gewand der Gnade (inayet), verziert mit den Blumen der Gastfreundschaft und der Güte, übergestreift. Zu diesem so verzierten Kleid der Gnade (inayet) hat Gott Seinen Geschöpfen, die von den Funken der Liebe (Gottes in den Herzen Seiner Geschöpfe), der Verehrung (mit der Gott Seine Geschöpfe auszeichnet), des Mitleids und der Gnade (in'am = was Gott den Geschöpfen in Seinen Geschenken erweist) strahlende Orden Seiner Barmherzigkeit verliehen. Während Er ihnen diese glänzenden, mit Edelsteinen besetzten Auszeichnungen umhängt, breitet Er über die Erde für alle Arten von Lebewesen Tische zu ihrer aller Versorgung und für ihre Bedürfnisse. So weist denn dieses Tun mit der Klarheit der Sonne auf den Herrn in Seiner Herrlichkeit hin und zeigt Ihn, den Versorger, in Seiner grenzenlosen Weisheit, Freigebigkeit (kerim) und Barmherzigkeit. Ja, ist dies nicht so? Bedarf nicht alles Lebendige seiner Versorgung?
Wir sehen in der Tat, dass jeder Mensch des Unterhaltes und der ständigen Versorgung in seinem Leben bedarf. Alles, was es auf der Erde gibt und speziell die Lebewesen haben in ihrer Gesamtheit oder einzeln, ihre Körper oder ihre Körperteile, im Laufe ihres Lebens, ihrem Fortbestand und auf die Dauer ihres Lebens viele materielle Wünsche und geistige Bedürfnisse. Obwohl die Bedürfnisse und Nöte der Lebewesen so groß sind, dass sie sich selbst nicht das kleinste befriedigen können, ihre Kräfte zur Erfüllung selbst des kleinsten Wunsches nicht ausreichen, beobachten wir, dass alle ihre Wünsche, ihre geistige und materielle Versorgung rechtzeitig sehr gut
und unvermutet, in vollkommener Weisheit und مِنْ حَيْثُ لاَ يَحْتَسِبُ {"Von wo wir es nicht erwartet hatten." (Sure 65, 3)} erfüllt werden. Weisen etwa Not und Armut der Lebewesen, diese Art Hilfeleistung und Versorgung aus dem Unsichtbaren nicht sehr deutlich auf den Versorger in Seiner Weisheit und Majestät (Djelal), auf den Lenker und Leiter in Seiner Barmherzigkeit und Vollkommenheit (Djemal) hin?
Achter Strahl:
Es ist bekannt, dass eine Getreidesorte, die auf einem Acker ausgesät ist, zeigt, dass der Eigentümer dieses Getreides auf jeden Fall die Verfügungsgewalt über den Acker hat, und zeigt auch, dass das Getreide zur Verfügung des Besitzers dieses Ackers steht. Ebenso zeigen auch diese Äcker, welche die Elemente (Licht, Luft, Wasser und Erde) sind, aus denen alle Geschöpfe entstehen, in all ihrer Einheit, Einheitlichkeit und allgemeinen Wirksamkeit, ebenso die Pflanzen und Tiere, welche man als Gottes Geschöpfe bezeichnet und die eine Frucht Seiner Erbarmung, ein Wunder Seiner Allmacht und ein Wort Seiner Weisheit sind, in ihrer Gleichheit und in ihrer Ähnlichkeit, in ihrer Verbreitung an so vielen Stellen, in ihrem Auftreten und Heimischwerden an so vielen Orten, dass sie dem einen und einzigen wunderwirkenden Meister zur Verfügung stehen, in der Weise, dass jede einzelne Blume, jede einzelne Frucht, jedes einzelne Tier ein Siegel, ein Stempel, eine Prägung dieses Meisters ist. Wo immer sie sich finden, sagt ein jedes von ihnen unausgesprochen: "Ich bin das Siegel dessen, dessen Schöpfung auch dieser Ort hier ist. Ich bin ein Stempel dessen, dessen Schrift auch dieser Platz hier ist. Ich bin eine Prägung dessen, aus dessen Stoff auch mein Land hier gewebt ist." Das aber heißt, dass die Herrschaft über das einfachste Geschöpf in den Händen dessen ruht, der über alle Elemente verfügt. Er lenkt auch die Einzeller unter den Tieren und Pflanzen. Der Unterhalt
aller Tiere, die Versorgung aller Pflanzen und die Erhaltung der ganzen Schöpfung ist dem zu Eigen, der im Besitz der Herrschaft ist. Wer nicht blind ist, vermag dies zu erkennen. In der Tat spricht jedes einzelne Wesen in der Sprache seiner Gleichheit oder Ähnlichkeit mit all den anderen Wesen: "Nur der, der Eigentümer meiner Rasse ist, kann mein Besitzer sein. Ist er es nicht, dann kann er nicht mein Besitzer sein." Jede Art bringt dadurch, wie sie gemeinsam mit all den anderen Arten über die Erde hin verbreitet ist, zum Ausdruck: "Nur der, welcher auch der Eigentümer über die ganze Erde ist, kann mein Besitzer sein. Wenn er nicht der Eigentümer der ganzen Erde ist, dann kann er nicht mein Besitzer sein."
Die Erde sagt, als Mitträgerin der Gesetze des Himmels, im Ausdruck der Verbundenheit mit der Sonne zusammen mit den anderen Planeten: "Nur der, welcher auch der Eigentümer des ganzen Universums ist, kann mein Besitzer sein. Wenn er nicht der Eigentümer des ganzen Universums ist, dann kann er nicht mein Besitzer sein." Nehmen wir einmal den unmöglichen Fall an, jemand sagte zu einem mit Bewusstsein begabten Apfel: "Du bist mein Kunstwerk!", dann würde der Apfel ihm in der Sprache seines So-seins das Reden verbieten: "Wärest du dazu in der Lage, alle Äpfel auf Erden zu formen, würdest du über alle Früchte zu verfügen wissen, die über die ganze Erde verbreitet und mit mir völlig gleich sind, sogar über alle Geschenke des Allerbarmers, die mit einem Schiff aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit kommen, so könntest du die Herrschaft über mich beanspruchen." So würde dieser Apfel zu ihm sprechen und dem Törichten ins Gesicht schlagen.
Neunter Strahl:
Wir haben bisher auf einige Siegel, Stempel und Prägungen hingewiesen, die auf den winzigsten Teilchen, den kleinsten Abschnitten (des Schöpfungsbuches), dem Ganzen (Buches), dem Kosmos in seiner Gesamtheit, dem Leben und allem Lebendigen und dem Schöpfungsakt selbst sichtbar werden. Wir wollen nun noch auf ein Siegel unter diesen zahllosen Siegeln, die den verschiedenen Arten aufgeprägt sind, hinweisen.
Es ist ja bekannt, dass die unendlich vielen Früchte eines fruchttragenden Baumes, alles was sie benötigen aus einer einzigen Hand, durch das selbe Gesetz, von einem einzigen Zentrum aus erhalten, wodurch alle Mühe, Anstrengung und Kosten so leicht werden, dass der Unterhalt für ihre Gesamtheit der Versorgung einer einzigen von ihnen gleich kommt. Das heißt also, für den Fall, dass es eine Anzahl von verschiedenen Zentren für jede Frucht gäbe, ein ganzer Baum an Mühe, Kosten und Einrichtungen notwendig wäre, sie heranreifen zu lassen. Sie alle unterscheiden sich jedoch (gleich den Früchten eines einzigen Baumes) lediglich in ihren Eigenschaften (und nicht grundsätzlich wie verschiedene Bäume) voneinander. Genauso sind für die militärische Ausrüstung eines einzigen Soldaten ebenso viele Fabriken erforderlich, wie für ein ganzes Heer. Das aber heißt, dass sich die Anstrengungen entsprechend der Anzahl der Einzelindividuen vervielfachen müssen, sobald man von der Einheit (vahdet) zur Vielzahl übergehen will. So ist denn die überwältigende Leichtigkeit, wie sie offensichtlich bei jeder Art sichtbar wird, mit Sicherheit das Werk der Leichtigkeit und Einfachheit, die aus der Einheit (Tauhid) erwächst.
Zusammenfassung:
Alle die verschiedenen Sorten gleicher Art, alle die verschiedenen Exemplare der selben Sorte beweisen durch ihre Übereinstimmung im Grundsätzlichen und ihre Ähnlichkeit, dass sie die Schöpfung eines einzigen Künstlers sind. Denn so erfordert es ihre Übereinstimmung (vahdet) in der Handschrift (des Künstlers) und die Gleichheit (ittihad) des Siegels. Desgleichen verlangt die vollendete Leichtigkeit und Mühelosigkeit, die wir bezeugen können, im Grade einer Notwendigkeit danach, dass sie die Werke eines einzigen (vahid) Künstlers sein müssen. Anderenfalls würde daraus eine Schwierigkeit entstehen, die sich bis zum Grade einer Unmöglichkeit steigert und das Ende (von der Gleichheit) der Art und die Zerstörung (der Gleichheit) der Sorte herbeiführt. Also noch einmal kurz gesagt: Sobald man alles auf Gott
den Gerechten zurückführt, wird (die Erschaffung) aller Dinge ebenso leicht wie die eines einzigen Dinges. Führt man aber alles auf die Ursachen zurück, wird (die Erschaffung) eines einzigen Dinges so schwer wie die aller Dinge insgesamt. Weil dies so ist, zeigt die überwältigende Leichtigkeit, wie man sie überall in der Welt bemerkt und die grenzenlose Fülle vor unseren Augen sonnenklar das Siegel der Einheit (vahdet). Wären diese Früchte, die in so reicher Zahl in unsere Hände gelangen, nicht Eigentum des All-Einzigen (Vahid-i Ahad), könnten wir auch nicht einen einzigen Granatapfel essen, selbst wenn wir die ganze Welt dafür hergeben wollten.
Zehnter Strahl:
Das Leben ist jene Erscheinung, die uns die Schönheit (der Namen Gottes) zeigt. Es ist einerseits Zeugnis für die Einheit (Ahadiyet) Gottes und darüber hinaus auch eine Erscheinung Seiner Gegenwart (vahdet). Dahingegen ist der Tod die Erscheinung, die uns Seine Majestät (Djelal) offenbart. Er ist auch ein Zeugnis für die Einheit Gottes und für Seine Allgegenwart (vahidiyet). Dafür ein Beispiel:
{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}
Es ist in der Tat so, dass die Wellen, die mit einem großen Strom mitziehen und vom Lichte der Sonne überstrahlt werden und die gesamte Oberfläche unserer Erde, wenn sie das Licht der Sonne reflektiert, auf diese Weise Zeugnis ablegen für die Sonne. Auch wenn die Wellen und Wassertropfen vergehen und wenn der Glanz der Erde dahinschwindet und wenn dann auf immer wieder neuen Wassertropfen und Wellenberge, wenn auf den glänzenden Flächen unserer Erde die Sonne wieder in all ihrer Pracht erstrahlt und ihr Strahlenglanz in makelloser Schönheit fortbesteht, legen sie mit absoluter Sicherheit dafür Zeugnis ab, dass die Strahlen und Lichter, wenn sie aufleuchten, sich verändern, sich wieder erneuern, aufstrahlen, erglänzen, Erscheinungsweisen jener einen,
immerwährenden (baqi), beständigen, erhabenen Sonne sind, die in ihrem Sonnenschein keine Vergänglichkeit kennt. Das aber heißt, dass, so wie diese Wellen in ihrem Entstehen (, wenn sie im Lichte der Sonne) erglänzen, die Existenz der Sonne aufzeigen, sie auch in ihrem Untergang und in ihrem Entschwinden, Dauer, Beständigkeit und Einheit der Sonne aufzeigen.
In gleicher Weise bezeugt all das, was mit dem Strome des Lebens dahin zieht durch sein Dasein und durch sein Leben notwendigerweise Einheit und Existenz dessen, der notwendigerweise da sein muss. Auf diese Weise bezeugt all das durch seinen Tod und Zerfall auch die notwendige Existenz Seiner Ewigkeit und Unsterblichkeit und Seine Einheit (Ahadiyet). In der Tat zeigen alle ansprechenden Kunstwerke und alles Geschaffene in seiner Schönheit, jeder Wechsel von Tag und Nacht, Sommer und Winter, Jahrhunderte und Jahrtausende hinaus mit Sicherheit Existenz, Dauer und Einheit (Vahdet) des Herrn in Seiner erhabenen, ewigen, sich fortwährend manifestierenden Schönheit (Djemal) auf. So weisen diese Kunstwerke, wenn sie mit allem, was ihre äußerlich sichtbaren Ursachen waren, sterben und vergehen auch auf die Nichtigkeit dieser Ursachen hin und darauf, dass dies nur ihr Kleid war. Dieser Umstand beweist mit Sicherheit, dass diese Kunstwerke, diese Ornamente in ihrer Erscheinung Kunstwerke des Herrn in Seiner Schönheit (Djemal) und Majestät (Djelal) sind, die sich immer wieder erneuern, Ornamente, die sich beständig verändern, Spiegelreflexe, die fortwährend in Bewegung sind, Siegel, die einander unablässig folgen, Prägungen, die in Weisheit einander ablösen, Kunstwerke eines Herrn, der in all Seinen Namen heilig und vollkommen (Djemil) ist...
Zusammenfassung:
Das Große Buch des Universums erteilt uns mit seinen kosmischen Versen (Ayat) Unterricht vom Dasein und von der Einheit (Vahdet) Gottes. In gleicher Weise bezeugt es alle die Attribute der Vollkommenheit (Kemal), Herrlichkeit (Djemal) und Majestät (Djelal) des Herrn der Herrlichkeit (Djelal) und beweist Seine
makellose, von allen stofflichen Fehlern und Mängeln freie Vollkommenheit (Kemal). Denn es ist ja allgemein bekannt, dass die Vollendung (Kemal) eines Werkes auf die vollendete Meisterschaft seines Schöpfers hinweist, die der Schaffung des Werkes zu Grunde liegt und ihr voraus geht. Was jedoch diese Meisterschaft (Kemal) betrifft, so ist sie ein Beweis für den Grad Seiner Meisterschaft (Kemal), d.h. für die Vollendung (Kemal) Seines Namens. Diese Vollendung (Kemal) Seines Namens aber ist ein Beweis für Seine vollendeten Fähigkeiten, d.h. für die Vollendung Seiner Attribute. Diese Vollendung (Kemal) Seiner Attribute aber ist ein Beweis für die Vollkommenheit Seiner nur Ihm eigenen Fähigkeiten, d.h. Seiner Vorzüge und Qualitäten. Dies aber ist Seine persönliche Vollkommenheit und sie ist ein Beweis Seines vollkommenen Seins und Wesens. Diese Kette der Beweise beginnt mit jener Ahnung, die in Anbetracht Seiner Schöpfung in uns aufsteigt und steigert sich mit einer gewissen Zwangsläufigkeit bis zu einer offensichtlichen Erkenntnis.
Die erlesenen Kunstwerke und die gesamte künstlerische Gestaltung eines Schlosses von vollendeter Schönheit weist auf jene Vollendung hin, die einem solchen Juwel zu Grunde liegt. Die Vollendung eines solchen Werkes aber weist auf einen hohen Grad der Meisterschaft hin, der wiederum auf Rang und Namen des Erbauers verweist. Sein hoher Rang und Name aber weist auf die vollendeten Fähigkeiten dieses Meisters hinsichtlich seines Kunstwerkes hin. Seine Begabung und seine vollendeten Fähigkeiten aber weisen auf Seine Vorzüge und Qualitäten hin... Genauso weisen auch die Werke dieser Welt, die wir als fehlerlos, als makellos bezeugen und worin das Geheimnis der Ayah هَلْ تَرٰى مِنْ فُطُورٍ {"Erblickst du einen Mangel darin?" (Sure 67, 3)} sichtbar wird, auf die Wohlgeordnetheit in der Schöpfung des Kosmos hin und legen ohne irgend einen Zweifel Zeugnis für die Vollendung in den Taten dessen ab, der
da die Macht hat, sie zu bewirken. Was aber diese Vollendung Seiner Taten betrifft, so bezeugt sie offensichtlich den hohen Rang und Namen dessen, der in Seiner Majestät der Urheber all dieser Taten ist. Was aber diesen hohen Rang und Namen betrifft, so bezeigt und bezeugt er notwendigerweise die vollendeten Fähigkeiten dessen, dem diese schönen Namen zu Eigen sind.
Was aber diese vollendeten Fähigkeiten betrifft, so bezeigen und bezeugen sie mit Gewissheit das Vollendete des Urgrundes dessen, der der Träger dieser vollendeten Fähigkeiten ist. Dieser Urgrund aber bezeugt in seiner Vollendung wiederum mit absoluter Gewissheit die Vollendung des Seins, welches das Wesen dieses Urgrundes ist, in der Weise, dass alles, was uns im ganzen Kosmos als vollkommen entgegentritt, im Vergleich mit dieser Seiner Vollkommenheit nur ein matter Abglanz, ein Hinweis (ayat) auf die Vollkommenheit (Kemal), eine Spur der Majestät (Djelal), ein Zeichen für die Schönheit (Djemal) des Herrn in Seiner Vollkommenheit ist.
Der elfte Strahl, so gewaltig wie die Sonne:
Er, den wir bereits im "Neunzehnten Wort" vorgestellt haben, er, der das gewaltige Zeichen im großen Buch der Schöpfung ist, der machtvolle Name im großen Qur'an, der Kern und die leuchtendste Frucht am Weltenbaum, die Sonne des Weltenschlosses, die leuchtende Scheibe des Mondes am Himmel der islamischen Welt, der königliche Herold göttlicher Herrschaft, er, der die Weisheit besitzt, die das Geheimnis (tilsim) der Schöpfung enthüllt, Mohammed al-Amin (: der Vertrauenswürdige), unser Oberhaupt, mit dem Friede und Segen sei, breitet seine Flügel aus und behütet unter den Flügeln seiner Sendung alle Propheten, beschützt zugleich unter den Flügeln des islamischen Glaubens die ganze islamische Welt, durchkreuzt so mit ihnen alle Schichten der Wahrheit, zeigt mit der ganzen Kraft aller Gesandten und Propheten, aller Heiligen und Getreuen, aller Theologen und Forschern (muhaqqiq), die hinter ihm stehen, die Einheit (Vahdaniyet) Gottes auf, erschloss ihnen den Weg zum Throne
des alleinigen Gottes (Ahadiyet), wies ihnen den Glauben an Gott und bewies ihnen die göttliche Einheit (Vahdaniyet). Ja bliebe denn da noch Raum für irgendeinen Zweifel oder Irrtum, der den Zugang (zu dieser Wahrheit) verschließen oder verhüllen könnte? Da wir aber nun schon einmal im "Neunzehnten Wort" mit vierzehn "Tropfen" aus dem Lebenswasser der Erkenntnis und auch im "Neunzehnten Brief" mit neunzehn "Hinweisen" auf die verschiedenen Arten der Wunder dieser wunderwirkenden Persönlichkeit dieses sichere Zeugnis (: Mohammed ASM) kurz zusammengefasst, beschrieben und erläutert haben, wollen wir uns hier mit diesem Hinweis begnügen und mit einem Segensgebet (salavat-i sherif) enden und dabei dieses sichere Zeugnis der Einheit nochmals bestätigen und auf die Grundlagen von dessen Richtigkeit hinweisen...
{"Oh Gott segne den, der auf die Notwendigkeit Deines Seins, Deine Einheit (Vahdaniyet) hinweist, Deine Majestät (Djelal), Deine Schönheit (Djemal) und Deine Vollkommenheit (Kemal) bezeugt, den Zeugen, der in seiner Treue bestätigt wurde, einen Beweis, der in Zuverlässigkeit spricht, den Meister der Gesandten und Propheten, den Träger des Geheimnisses (sirr : Wahrheit, Lehre), in dem sich (alle Propheten) vereinigen und ihn bestätigen, den Wundertäter, den Vorsteher aller Heiligen und Getreuen im Geheimnis ihrer Eintracht, ihrer Erkenntnis (tahqiq) und ihrer Wunder (keramat), den, der eindeutig Wunder (mu'djisat) wirkt, offensichtlich Einzigartiges tut, der gesicherte, geprüfte, bestätigte Beweise erbringt, dessen Persönlichkeit an guten Charaktereigenschaften reich ist, an hoher Moral in der Erfüllung seiner Aufgaben, an erhabenen Vorzügen in der Vollkommenheit seines ihm geoffenbarten Gesetzes (Scharia), der überraschenderweise zum Empfänger der Offenbarung des Herrn wurde in dem Zusammentreffen dessen, der herabsendet durch den Überbringer (nml. den Erzengel Gabriel) des Herabgesandten (nml. den Qur'an) an seinen Empfänger (nml. Mohammed ASM), den Reisenden durch die Welt des Unsichtbaren (gayb) und Seiner Engel (malakut), der Zeugnis ablegt von den Geistern (ruh) und mit den Engeln vertrauten Umgang (sohbet) pflegt, das Musterbeispiel für die Vollendung des Kosmos in seinen einzelnen Wesen, in seinen Gattungen und Arten (den Früchten am Baum der Schöpfung, die wie Lichter sind), den Leuchter der Gerechtigkeit, den Zeugen für die Wahrheit, das Abbild der Barmherzigkeit, das Beispiel für die Liebe (muhabbet), ihn, der das Geheimnis (tilsim) des Kosmos entdeckte, den Herold des Königreiches seines Herrn, den, der in seiner hohen geistigen Persönlichkeit ein Zeichen dafür ist, dass er das alleinige Ziel des Schöpfers der Welt ist bei der Erschaffung des Kosmos, des Herrn über das Gesetz (Scharia), das in seiner alles umfassenden Weite gültig und wirksam ist, weil es über die Ordnung des Seins ausgebreitet ist und durch den Schöpfer der Welt eingesetzt wurde, denn es ist in der Tat das Prinzip der Ordnung im Kosmos, denn es ist die Ordnung, welche die Vollkommenheit vollendet, ihn, den Stifter des Gesetzes (Nazim; der Ordner) dieses Glaubens (din) in schönster und bester Ordnung, unser Oberhaupt, der uns, die Völker aus den Söhnen Adams, zum Glauben geführt hat, uns, die gläubige Gemeinde Mohammeds, des Sohnes Abdullahs, des Sohnes Abdu l-muttalibs, mit dem aller Segen sei und all unsere Gebete! Mit ihm sei die Fülle des Segens (teslimat) solange Himmel und Erde bestehen. Denn er ist der zuverlässige und vertrauenswürdige Zeuge. Er bezeugt auf den Häuptern derer, die zur Zeugenschaft aufrufen, und die lehren, den Generationen von Menschen aller Jahrhunderte und aller Länder und ruft mit lauter Stimme, mit aller Macht und großem Ernst, mit unendlicher Geduld (vuthuq), aus der Kraft seines Herzens und aus der Vollkommenheit seines Glaubens (iman): Ich bezeuge, dass es keine Gottheit (ilah) gibt außer Gott (Allah), dem Einen, der keinen Partner (sherik) hat."}
Der zwölfte Strahl, so gewaltig wie die Sonne:
Der zwölfte Strahl dieses "Zweiundzwanzigsten Wortes" ist ein Ozean der Wahrheit, sodass alle zweiundzwanzig "Worte" nur zweiundzwanzig Tropfen daraus sind und eine solche Quelle der Lichter, dass diese zweiundzwanzig "Worte" nur zweiundzwanzig Strahlen aus dieser Sonne sind. Jedes einzelne dieser zweiundzwanzig "Worte" ist in der Tat nur ein Strahl aus einer Ayah, die wie ein Stern am Himmel des Qur'an glänzt und ein einziger Tropfen aus einer Ayah, die gleich einem Strom aus dem Ozean des Qur'an (al-Furqan, hier gleich einem Scheidewasser) heraustritt und eine einzige Perle aus einer Ayah, die einem Schmuckkästchen gleicht, gefüllt mit Juwelen aus der gewaltigen Schatzkammer des Buches Gottes. So sagt denn dieses Buch Gottes, das wir im Vierzehnten Tropfen des "Neunzehnten Wortes" einigermaßen dargestellt haben, das von dem Gewaltigen Namen, von dem Gewaltigen Thron, von der Gewaltigen Erscheinung Seines Herrschaftsbereiches herabgesandt wurde, in der Weite und Hoheit, welche das Urewige Einst mit der künftigen Ewigkeit vereint, die Erde mit dem Thron (Gottes) verbindet, immer wieder in all Seine Macht und in aller Gewissheit: لآَ اِلَهَ اِلاَّ هُو {"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Ihm."}
führt das All des Weltalls dafür zum Zeugen an und macht es zu einem Zeugnis für Ihn. Es rezitiert in der Tat der ganze Kosmos gemeinsam: لآَ اِلَهَ اِلاَّ هُو {"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Ihm."}
Wenn du also den Qur'an mit dem Auge eines friedfertigen Herzens betrachtest, so wirst du in der Tat sehen, dass seine sechs Seiten (d.h. von welcher Seite auch immer du ihn betrachten magst - A.d.Ü.) so glänzen, so klarsichtig sind, dass keine Finsternis, kein Irrtum, kein Zweifel, nicht Lug noch Trug in ihn einzudringen vermögen und sich im Kleid seiner Ehre dafür keine Öffnung befindet und kein Riss entdecken lässt. Denn betrachtet man ihn von oben, so erkennt man ihn als das Wunder, welches das Gütesiegel auf ihm ist, von unten die Zeugnisse und Beweise (auf die er sich stützt), hinter ihm das lautere Wort, die Offenbarung des Herrn als seine Stütze, von der Seite erblickt man die beiden Seiten (: Diesseits und Jenseits), welche die Glückseligkeit in den Welten in sich enthalten, rechts befragt er den Verstand nach Gewissheit und Bestätigung, lässt links das Gewissen bekennen und seine Ergebenheit beteuern. In seinem Inneren findet sich die lautere Rechtleitung (hidayet) aus Barmherzigkeit. Die Oberseite ist wie bezeugt das reine Licht (nur) des Glaubens (iman). Seine Früchte sind die Theologen (asfiya) und Forscher (muhaqqiqin), die Gottesfreunde (auliya) und Getreuen (siddiq), die in offensichtlicher Gewissheit mit der Vollkommenheit (kemalat) als Mensch geschmückt sind. Wenn du dein Ohr fest an die Brust des Sprachrohrs des Unsichtbaren presst und lauschst, wie seine Stimme ganz tief drinnen in himmlischem Ton mit einer solchen Freundlichkeit und zugleich Bestimmtheit, mit einem so unendlichen Ernst und einer so grenzenlosen Erhabenheit zu dir spricht, so wirst du hören, dass der Qur'an mit einer solchen Bestimmtheit, ausgestattet mit einem Zeugnis, immer wieder zu dir sagt:
لآَ اِلَهَ اِلاَّ هُو {"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Ihm."} Was er dir im Grade der Gewissheit einer Lebenserfahrung mitteilt, das empfängst du als die Verstandes- und Herzensbildung, gleich einer wissenschaftlichen Gewissheit von der Kraft einer augenscheinlichen Gewissheit...
Zusammenfassung:
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, und das unterscheidende Urteil (furqan-i ahkem) sind jede für sich einer Sonne gleich. Der eine ist der Mund der bezeugten Welt (alem-i shehadet) und zeigt uns mit allem Nachdruck die Wahrheit mit dem Finger des Islam und seiner Botschaft (risalet) inmitten von tausend Wundern, bestätigt von allen Propheten und Heiligen... Der andere ist der Mund der unsichtbaren Welt (alem-i gayb) und zeigt uns mit ganzem Ernst die selbe Wahrheit mit dem Finger der Wahrhaftigkeit und Rechtleitung (hidayet) inmitten von vierzig Aspekten seiner Wunderhaftigkeit, bestätigt von allen den wunderbaren Zeichen (ayat) des Seins... Ja wäre denn diese Wahrheit (haqiqat) etwa nicht heller als der lichte Tag und noch leuchtender als die Sonne?
Oh du armer Mensch, der du durch deine Verbohrtheit in den Irrtum verstrickt bist! Wie könntest du mit der Leuchte deines Verstandes, die doch noch matter ist als ein Glühwürmchen, gegen solche Sonnen (d.h. den Propheten und den Qur'an) angehen? als ob du sie gar nicht nötig hättest? Versuchst du etwa, sie auszublasen? Nein! Pfui doch, oh über deine Vernunft, die verneint, und deinen Verstand, der verleugnet! Wie könntest du denn das Wort und den Ruf (da'va) leugnen, der aus dem Munde der unsichtbaren und dem der bezeugten Welt im Namen des Herrn aller Welten und des ganzen Weltalls ergangen ist?
Oh du Armseliger, der du noch kleiner als eine Fliege und schwächer als eine Mücke bist! Wer bist du denn, dass du versuchst, den Herrn des Alls in Seiner Majestät (Djelal) als Lügner hinzustellen?
Nachwort
Oh du mein Freund, der du nun zu Herz und Verstand gelangt bist! Wenn du also dieses "Zweiundzwanzigste Wort" vom Anfang bis zum Ende verstanden hast, so halte nun zugleich auch die zwölf "Strahlen" fest in deiner Hand! Wenn du somit eine Leuchte der Wahrheit von der Stärke tausender elektrischer Lampen gefunden hast, so hefte dich nun an die Ayat aus dem Qur'an, die vom Gewaltigen Thron herabgesandt worden sind. Besteige den Buraq des Erfolgs (d.h. vertraue dich der göttlichen Führung an - A.d.Ü.), durcheile mit ihm die Himmel der Wahrheiten und tritt vor den Thron der Erkenntnis Gottes...
Sage:
{"Ich bezeuge, dass es keinen Gott (ilah) gibt außer Dir. Du bist der Einzige und kein Teilhaber ist an Deiner Seite."}
Und wenn du sodann sagst:
{"Es gibt keine Gottheit (ilah) außer Gott (Allah). Der Einzige ist Er. Keinen Partner hat Er. Ihm gehört aller Besitz (mulk) und Ihm gebührt jeglicher Dank (hamd). Er schenkt das Leben und den Tod. Er ist das Leben. Nicht stirbt Er. In Seiner Hand liegt alles Gute und Er ist aller Dinge mächtig."}
so verkündige in der Großen Moschee des Kosmos Seine Einheit (Vahdaniyet) über den Häuptern alles Geschaffenen im All...
{"Gepriesen seist Du. Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Herr, zieh uns nicht zur Rechenschaft für das, was wir versäumt oder vergessen haben. Oh Herr, lade uns nicht die Lasten auf, die Du denen aufgebürdet hast, die vor uns waren. Oh Herr, belaste uns nicht mit dem, was wir nicht zu tragen vermögen. Vergib uns, verzeihe uns, erbarme Dich unser. Du bist unser Meister (Maulana). Hilf uns gegen das Volk der Ungläubigen!" (Sure 2, 286) "Oh Herr, lass unsere Herzen nicht in die Irre gehen, nachdem Du uns rechtgeleitet hast. Schenke uns von Dir die Fülle Deiner Erbarmungen. Denn Du bist der Geber aller Gaben (al-Vahhab). Oh Herr, du versammelst die Menschen an dem Tage, über den es keinen Zweifel gibt. Denn Gott bricht nicht, was Er versprochen hat." (Sure 3, 8-9) "Oh Gott, gieße Friede und Segen aus über den, den Du als Barmherzigkeit für die Welten gesandt hast, über ihn, seine Familie und seine Gefährten insgesamt! Erbarme Dich unser! Erbarme Dich Deiner Gemeinde (umma) in Deinem Erbarmen. Oh Du Barmherzigster aller Barmherzigen! Und am Ende (ihres Gebetes) rufen sie: Lobpreis und Dank sei Dir, dem Herrn der Welten!" (Sure 10, 10)}
Dreiundzwanzigstes Wort
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Wahrhaftig, Wir haben den Menschen erschaffen und ihm den höchsten Wert verliehen; dann erniedrigten Wir ihn zum Geringsten aller Geringen, ausgenommen diejenigen, die glauben und gute Werke tun." (Sure 95, 4-6)}
Erstes Kapitel
In den folgenden fünf Punkten werden wir nur fünf Werte des Glaubens unter tausenden erklären.
Erster Punkt:
Durch das Licht des Glaubens steigt der Mensch zur höchsten Höhe auf und erreicht einen Wert, der ihn für das Paradies qualifiziert. In der Dunkelheit des Unglaubens steigt er hinab zum Niedrigsten der Niedrigen und nimmt eine Form an, die ihn für die Hölle geeignet macht. Denn Glaube ist eine Beziehung, die den Menschen mit seinem erhabenen Meister verbindet. Der Wert des Menschen entsteht aus der göttlichen Kunst und den Ornamenten der Gottesnamen, die an ihm im Lichte des Glaubens beobachtet werden. Unglaube trennt diese Verbindung, sodass die Kunst des Herrn nicht mehr sichtbar ist und der Wert des Menschen reduziert wird auf den Preis seiner bloßen physischen Existenz, wobei diese physische Existenz des Menschen fast keinen Wert hat, denn sie besteht nur aus einem zeitlichen, vergänglichen und sterblichen tierischen Leben. Wir werden dies durch einen Vergleich erklären.
Auch bei den von Menschenhand geschaffenen Kunstwerken unterscheidet sich der Materialwert vom Kunstwert. Zuweilen können beide wie gleich erscheinen, zuweilen kann der Materialwert höher als der Kunstwert sein. Zuweilen geschieht es auch, dass man bei einem Materialwert von fünf Pfennig, zum Beispiel für Eisen, ein Kunstwerk im Werte von fünf Pfund entdeckt. Ja, zuweilen können Antiquitäten Millionen wert sein während ihr Materialwert kaum fünf Pfennig beträgt. Bringt man solch ein antikes Kunstwerk zu einer Antiquitätenmesse, kann es für eine Million verkauft werden, wenn man es als Werk eines alten Meisters ausstellt, wenn man dabei diesen begnadeten Künstler erwähnt, der es geschaffen hat. Andererseits, bringt man es zum Schrotthändler, so kann es zum Preis von fünf Pfennig als Eisen gekauft werden.
In gleicher Weise ist der Mensch ein einzigartiges Kunstwerk Gottes des Gerechten und das eleganteste, gnadenvolle Wunder Seiner Macht, da Er den Menschen wie eine Welt im kleinen erschuf und ihn zur Verkörperung der Erscheinungen und Ornamente all Seiner Namen machte.
Wenn das Licht des Glaubens in ihn einströmt, können all diese bedeutsamen Ornamente in ihm entziffert werden. Ein Gläubiger entziffert sie im Bewusstsein seines Verstandes. Und in dieser seiner Beziehung lässt er sie entziffern. Das heißt, die göttliche Kunst, die im Menschenwesen enthalten ist, manifestiert sich selbst durch solche Aussagen wie: "Ich bin das Werk des Erhabenen Meisters, Sein Geschöpf und die Verkörperung Seines Mitleides und Seiner Freigiebigkeit." Glaube besteht also in der Beziehung zum Meister, offenbart die gesamten Kunstwerke im Menschen. Insoweit die göttliche Kunst im Menschen sichtbar wird, bestimmt sie des Menschen Wert. Er entspricht dem Spiegelbild der Einzigartigkeit Gottes. So erhebt sich der Mensch aus seiner Bedeutungslosigkeit auf diese Weise über alle Geschöpfe zum Gesprächspartner Gottes und Gast des Herrn, würdig des Paradieses.
Wenn der Unglaube, der im Abbruch dieser Beziehung besteht, in den Menschen eingeht, sinken alle diese bedeutsamen Ornamente der Gottesnamen ins Dunkel, können nicht mehr entziffert werden. Denn wenn der Meister in Vergessenheit gerät, können auch die spirituellen Aspekte in ihrer Beziehung zum Meister nicht mehr verstanden werden. Es ist, als würde alles auf den Kopf gestellt. Viele bedeutsame und erhabene Künste und Ornamente des Geistes verbergen sich auf diese Weise. Ein Teil dessen, was übrig bleibt und mit den Augen wahrgenommen werden kann, wird geringfügigen Ursachen zugeschrieben, der Natur oder dem Zufall, verfällt schließlich. Obwohl jedes einzelne für sich ein funkelnder Diamant ist, erscheint es wie trübes Glas. Ihr Wert wird nur noch in der animalischen Substanz gesehen. Aber Ziel und Ergebnis dieser Substanz ist, wie gesagt, ein Leben von sehr kurzer Dauer zu führen, unerheblich, als das schwächste, hilfsbedürftigste und unglücklichste aller Tiere, und am Ende zu verfallen und zu verwesen. So ruiniert Unglaube das Wesen des Menschen und verwandelt einen Diamanten in Kohle.
Zweiter Punkt:
Der Glaube ist in gewisser Weise ein Licht. Er erleuchtet den Menschen, lässt alle die oben aufgeführten Ewigen Briefe lesbar werden. Genauso erleuchtet er auch das Universum. Vergangene und zukünftige Zeiten werden aus der Dunkelheit errettet. Dies Geheimnis erklären wir durch ein Gleichnis, das ich in einer geistigen Schau in Bezug auf ein Geheimnis der Ehrwürdigen Ayah
{"Allah ist der Freund der Gläubigen und führt sie aus der Finsternis in das Licht." (Sure 2, 257)}
gesehen habe. Es war dies wie folgt:
In einer Schau, die ich erlebte, sah ich: Zwei hohe Berge standen sich gegenüber... zwischen ihnen war furchterregend eine Brücke gespannt. Unter der Brücke eine
tief eingeschnittene Klamm... ich befand mich auf dieser Brücke. Und die Welt lag in dichter Finsternis - Dunkel ringsumher. Ich schaute nach rechts. In unendlicher Finsternis erblickte ich ein großen Grabmal, d.h. es tauchte aus meiner Phantasie auf. Ich schaute nach links. Es war, als erblickte ich riesige Stürme inmitten fürchterlicher Wellen von Finsternis, Unruhen und heraufziehende Katastrophen. Ich schaute von der Brücke hinunter. Ich meinte, einen sehr tiefen Abgrund zu erblicken. Gegen diese schreckliche Finsternis hatte ich nur eine schwache Taschenlampe. Ich schaltete sie ein, schaute mich in ihrem Zwielicht um. Eine ganz fürchterliche Situation tauchte vor mir auf. Ja, sogar vor mir auf dem Brückenkopf und darum herum wurden schreckliche Drachen, Löwen und Wölfe sichtbar. "Hätte ich doch diese Taschenlampe nicht bei mir gehabt! Ich hätte diese Schrecken nicht gesehen!" sagte ich mir. Wann immer ich auch meine Lampe irgendwohin richtete, überliefen mich von dort diese Schrecken. "Oh Gott", sagte ich, "diese Lampe ist das Unglück über meinem Haupte!" Ich war auf sie böse. Ich schleuderte die Taschenlampe zu Boden, zerbrach sie. Als hätte ich mit ihrer Zerstörung den Schalter zur großen elektrischen Lampe der Beleuchtung der Welt bedient, wurde plötzlich die Finsternis vernichtet. Und alles wurde von dem Lichte dieses Scheinwerfers erfüllt. Die Wirklichkeit aller Dinge wurde mir gezeigt. Ich sah:
Die Brücke, welche ich erblickt hatte, war eine Straße durch eine Ebene in einer wohlgepflegten Gegend. Und ich bemerkte:
Das große Grabmal, das ich zu meiner Rechten gesehen hatte, war von Anfang an ein Versammlungsplatz für Anbetung, Gottesdienst, Gespräch und Gottesgedenken unter der Führung erleuchteter Menschen in einem schönen, grünen Garten gewesen. Und das, was ich zu meiner Linken für Bergesgipfel und Abgründe, erfüllt von Stürmen und Unruhen, gehalten hatte, erwies sich mir in meiner inneren Schau als ein gewaltiges Festmahl, ein schöner Park, ein erhabener Aufenthaltsort zur Erquickung
der Seelen hinter schönen, lieblichen, reizvollen Bergen. Und ich sah, dass jene Geschöpfe, die ich für fürchterliche Wölfe und Drachen gehalten hatte, friedliche Haustiere waren wie Kamele, Rinder, Schafe und Ziegen.
{"Aller Lobpreis und Dank sei Allah für das Licht des Glaubens."}
sagte ich, zitierte die Ayah:
{"Allah ist der Freund der Gläubigen und führt sie aus der Finsternis in das Licht." (Sure 2, 257)}
Und so erwachte ich aus dem Gesicht, das ich erschaut hatte. So sind also diese beiden Berge Anfang und Ende des Lebens... d.h. die irdische Welt und die Schattenwelt. Was die Brücke betrifft, so ist sie der Weg des Lebens. Ihre rechte Seite aber Vergangenheit, ihre Linke die Zukunft. Die Taschenlampe ist das menschliche Ego, das in seiner Selbstgefälligkeit dem eigenen Wissen vertraut und nicht auf die Offenbarung des Himmels hört. Was mir wie Wölfe erschien, sind die staunenswerten Gebilde und Ereignisse in der Schöpfung. Der Mensch also, der auf sein Ego vertraut, in finstere Gottvergessenheit gestürzt und dem Dunkel seiner Irreleitung verfallen, gleicht meinem ersten Zustand in dieser Schau, sieht die Vergangenheit in seiner, einer Taschenlampe entsprechenden mangelhaften und irrigen Kenntnis in Form eines riesigen Grabmals und dem Dunkel des Nichtseins. Die Zukunft erscheint ihm als Einöde, von fürchterlichen Stürmen durchtobt, abhängig vom Zufall. Jedes einzelne Ereignis und Geschöpf, welches doch ein gehorsamer Diener Gottes, des Weisen und des Barmherzigen ist, erweist sich ihm als Wolf, der ihm schaden will. Er erfährt sich als Gegenstand der Ayah:
{"Die Ungläubigen sind die Freunde derer, die sich widersetzen und ihn aus dem Licht in die Finsternis führen." (Sure 2, 257)}
Erreicht ihn die Führung Allahs, tritt der Glaube in sein Herz ein, wird das pharaonische Ego {Die Herrschaft des Pharao über das Volk Israel und sein Widerstand gegen die Befehle Gottes. (A.d.Ü.)} zerbrochen; hört er und gehorcht dem Buche Allahs, so gleicht er meinem zweiten Zustand in dieser Schau. So erhält die ganze Welt plötzlich die Farben des Tages, wird vom Lichte Gottes erfüllt. Die Welt vermag die Ayah
{"Allah ist das Licht der Himmel und der Erde." (Sure 24, 35)}
zu entziffern. Dann ist die Vergangenheit kein riesiges Grabmal mehr für ihn, vielmehr sieht er mit den Augen des Herzens, wie die Gemeinschaft der reinen Seelen, nachdem sie unter der Führung eines Propheten oder Gottesfreundes eines jeden Jahrhunderts ihre Geschöpfespflicht erfüllt und ihre Aufgaben im Leben beendet haben, mit den Worten «Allahu Ekber» (Allah ist unvergleichlich groß) sich zu den erhabenen Stufen aufschwingen und auf die Seite der Zukunft hinüberwechseln. Zur linken Seite hinüberblickend, bemerkt er von weitem im Lichte des Glaubens in den Weingärten des Paradieses das Gastmahl der Barmherzigkeit, das in den Schlössern der Glückseligkeit bereitet ist, hinter manchen bergesgleichen Umwälzungen der Schattenwelt und des Jenseits.
{Die Welt zwischen Tod und Auferstehung und die Welt nach dem Jüngsten Gericht. (A.d.Ü.)}
Und er erkennt, dass Ereignisse wie Stürme, Beben und Seuchen jede für sich ein gehorsamer Diener sind. Er sieht, dass Frühlingsstürme und Regengüsse äußerlich zwar rauh und hart sein mögen, in Wirklichkeit aber eine Quelle mildester Weisheit sind. Und sogar den
Tod sieht er als Beginn des ewigen Lebens, und das Grab als Tor zur Ewigen Seligkeit. Man mag sich die übrigen Aspekte selbst ausdeuten. Bringe die Wirklichkeit in Übereinstimmung mit dem Gleichnis!
Dritter Punkt:
Der Glaube ist sowohl Licht als auch Kraft. Ja, derjenige, der den wahren Glauben in Händen hält, vermag der ganzen Welt Widerstand zu leisten und sich je nach der Stärke seines Glaubens vom Druck aller Geschehnisse zu befreien. "Ich vertraue auf Allah.", sagt er und durchkreuzt mit dem Schiffe des Lebens in vollkommener Sicherheit die haushohen Wogen der Geschehnisse. Er vertraut all seine Last der mächtigen Hand der grenzenlosen Allmacht (Gottes), durchquert ruhig diese Welt, rastet im Zwischenreich. Danach vermag er sich in das Paradies aufzuschwingen, um in die Ewige Glückseligkeit einzugehen. Andererseits, wenn er die Last dieser Welt nicht Gott anvertraut, behindert sie nicht nur seinen Aufschwung, sondern zieht ihn zum Niedrigsten der Niedrigen herab. Das will besagen: Glaube (iman) führt zu Einheit (tauhid), Tauhid zu Hingabe (teslim), Teslim zu Vertrauen, Vertrauen zu Glückseligkeit in den beiden Welten (Diesseits und Jenseits). Das darf man jedoch nicht falsch verstehen! Vertrauen bedeutet nicht, die Ursachen vollständig außer Acht zu lassen. Es heißt vielmehr, die Ursachen hinter dem Schleier der Hand des Allmächtigen (Gottes) zu erkennen und anzuerkennen. Von den Ursachen auszugehen heißt, dies als eine Art tätigen Gebetes anzusehen, die Ergebnisse aber nur von Gott dem Gerechten zu erwarten, die Folgen als von Ihm kommend zu erkennen und Ihm dankbar zu sein. Als Beispiel für einen, der sich Gott anvertraut und einen, der dies nicht tut, steht folgendes Gleichnis:
Es waren einmal zwei Männer. Sie hatten sich Rücken und Kopf mit schweren Lasten beladen, eine Fahrkarte gelöst und ein großes Schiff bestiegen. Der eine stellt seine Last auf dem Schiff ab, sobald er es betreten hat und setzt sich darauf, um sie zu bewachen. Der andere, weil er sowohl dumm als auch stolz ist, stellt seine Last
nicht ab. Jemand sagt zu ihm: "Überlass deine schwere Last dem Schiff und mache es dir bequem!" Er antwortet: "Nein, das tue ich nicht. Vielleicht kommt sie zu Schaden. Ich bin stark. Ich werde meinen Besitz auf meinem Rücken und auf meinem Kopf bewahren." Noch einmal sagt jemand zu ihm: "Du bist auf diesem Schiff des Sultans in Sicherheit. Es ist stärker als du und trägt dich und uns. Es bewahrt noch besser, vielleicht wirst du, wenn dir schwindlig wird, mitsamt deiner Last ins Meer stürzen. Außerdem wird deine Stärke allmählich nachlassen. Dieser gebeugte Rücken, dieser Kopf ohne Verstand wird diese allmählich schwerer werdende Last nicht mehr tragen. Zudem wird der Kapitän, wenn er dich in diesem Zustand sieht, sagen, du seiest verrückt und dich vom Schiff weisen. Oder er wird sagen, du seist ein Verräter, der unser Schiff beleidigt und uns auslacht, und Befehl geben, dich einzusperren. Überdies hast du dich zum Narren gemacht. Du hast dich selbst zum Gespött gemacht mit deiner Eitelkeit, die dem Aufmerksamen deine Schwachheit offenbart, mit deinem Stolz, der deine Jämmerlichkeit zur Schau stellt, und mit deinem gekünstelten Verhalten, das deine Heuchelei und Nichtswürdigkeit entschleiert. Jeder lacht über dich." Nachdem ihm dies gesagt worden war, kam der arme Kerl zur Besinnung. Er stellte seine Last ab, setzte sich darauf und sagte: "Oh, möge Gott Wohlgefallen an dir haben! Ich bin vor Mühsal, Gefangenschaft und Gespött bewahrt worden."
Nun, oh Mensch, der du kein Vertrauen zu Gott hast! Komme auch du wie dieser Mann zur Besinnung! Vertraue auf Gott! Nur so wirst du vor der Bedrängnis in der Gefangenschaft des Diesseits bewahrt bleiben, davor, vor aller Welt ein Bettler zu sein, vor jedem Ereignis zu zittern, vor eitlem Ruhm und Spott, vor Qual im Jenseits.
Vierter Punkt:
Glaube macht den Menschen zum Menschen. Sogar den Menschen zum Sultan (König). Wenn das so ist, dann ist des Menschen ursprüngliche Aufgabe der Glaube und das Gebet. Unglaube macht den Menschen zu einem völlig kraftlosen wilden Tier.
Unter tausenden Beweisen in dieser Streitfrage gibt alleine der Unterschied, wie Menschen und Tiere zur Welt kommen, einen klaren Beweis und ein sicheres Zeugnis dafür. Ja, der Unterschied, wie Menschen und Tiere zur Welt kommen, zeigt, dass Menschlichkeit durch Glaube Menschlichkeit ist. Denn in dem Augenblick, in dem ein Tier zur Welt kommt, ist es seinen Anlagen entsprechend vollkommen, so, als habe man es aus einer anderen Welt bereits vervollkommnet gesendet. In zwei Stunden oder zwei Tagen oder zwei Monaten lernt es alle seine Lebensbedingungen, seine Beziehungen zur Umwelt und die Gesetze des Lebens kennen und seine Anlagen zu gebrauchen. Wenn der Mensch die Fähigkeit, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen und einen Beruf auszuüben, in zwanzig Jahren erwirbt, erlangt sie ein Tier wie der Spatz oder die Bienen in zwanzig Tagen; es wird ihm gleichsam eingegeben.
Das heißt, die Hauptaufgabe eines Tieres besteht nicht darin, sich durch Lernen zu vervollkommnen und durch den Erwerb von Kenntnissen zu entwickeln und in seiner offensichtlichen Schwäche um Hilfe zu bitten oder zu beten. Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, seinen Anlagen entsprechend zu handeln, tätig zu sein, in aktivem Dienst und in der Anbetung. Was den Menschen betrifft, so muss er, wenn er zur Welt kommt, alles lernen, und unkundig der Gesetze des Lebens vermag er seine Lebensumstände noch nicht einmal in zwanzig Jahren zur Gänze zu lernen und zu begreifen. Vielmehr muss er bis zum Ende seines Lebens lernen und vermag ferner - in einer so bescheidenen und schwachen Gestalt zur Welt gesandt - erst im Alter von ein, zwei Jahren sich auf die eigenen Füße zu stellen. Erst mit fünfzehn Jahren unterscheidet er Schaden und Nutzen. Und erst mit Hilfe der Gesellschaft erlangt er Vorteile und vermeidet Nachteile.
Das heißt, die natürliche Aufgabe des Menschen besteht darin, sich durch Lernen zu vervollkommnen, durch Gebet zu dienen und anzubeten. Nämlich: "Durch wessen Barmherzigkeit werde ich mit solcher Weisheit geleitet?
Durch wessen Großmut werde ich mit solcher Güte erzogen? Wessen Wohlwollen ist es, durch das ich mit solch einem Feingefühl ernährt und versorgt werde?" Dies gilt es zu wissen, und der, welcher unter tausenden seiner Bedürfnisse nicht eines zu befriedigen vermag, sollte in der Sprache seiner Schwäche und Armut zu dem Herrn und Richter über seine Bedürfnisse zu flehen, zu Ihm bitten und beten, das heißt sich mit den Flügeln seiner Schwäche und Armut zu den höchsten Stufen des Dienens und der Anbetung emporschwingen.
Der Mensch ist in die Welt gekommen, um sich mit den Mitteln der Wissenschaft und des Gebetes zu vervollkommnen, entsprechend seinem Wesen und seinen Anlagen hängt alles von der Wissenschaft ab. Einer jeden wahren Wissenschaft Basis, Quelle, Licht und Geist ist die Erkenntnis Allahs und das Fundament dieser Basis ist der Glaube an Allah.
Da der Mensch in seiner grenzenlosen Schwäche grenzenlosen Plagen ausgesetzt und den Angriffen zahlloser Feinde ausgeliefert und bei seiner grenzenlosen Armut gleichzeitig in grenzenloser Not befangen ist und grenzenlose Wünsche zu befriedigen sucht, ist seine natürliche Hauptaufgabe nach dem Glauben das Gebet. Das Gebet ist aber die Grundlage von Dienst und Anbetung. Ein Kind, das einen Wunsch auf dem Herzen hat, den es nicht zu befriedigen vermag, sagt dies entweder oder weint, d.h. es äußert sich in der Sprache seiner Schwäche durch das Gebet seiner Handlungen oder in Worten. So verhilft es seinem Wunsch zum Erfolg. In gleicher Weise ist der Mensch unter allen Geschöpfen der Welt wie ein liebes, nettes und höfliches Kind. Entweder muss er vor dem Throne des Erbarmers, des Barmherzigen, in seiner Armseligkeit und Schwäche weinen, oder beten in seiner Armut und Not, damit ihm sein Wunsch erfüllt werde und er sich für die Erfüllung dankbar erweise. Anderenfalls ist er wie ein dummes und unartiges Kind, das sich vor einer Fliege fürchtet und sagt: "Ich unterwerfe diese nicht zu unterwerfenden seltsamen Dinge, die
tausendfach stärker sind, meiner Macht, mache sie mir nach meinen Vorstellungen und mit meiner Geschicklichkeit dienstbar." So verkehrt er in seiner Undankbarkeit die Grundnatur des Menschen ins Gegenteil und zieht sich selbst eine fürchterliche Strafe zu.
Fünfter Punkt:
Der Glaube erfordert das Gebet als unanfechtbares Fahrzeug, und die menschliche Natur verlangt es mit Macht. Auch erlässt Gott der Gerechte entsprechend der Frage die Verfügung: "Wenn ihr nicht betet, welchen Wert habt ihr dann noch?" und befiehlt:
{"Sprich: Mein Herr würde sich nicht um dich kümmern, wäre es nicht um deines Gebetes willen." (Sure 25, 77)}
{"Rufe mich an! Ich werde dir antworten." (Sure 40, 60)}
"Wir beten oft, aber unsere Gebete werden nicht angenommen. Die Ayah gilt jedoch allgemein und besagt, dass es für jedes Gebet eine Antwort gibt."
So lautet die Antwort: Auf das Gebet zu antworten ist das eine, es anzunehmen das andere. Es gibt für jedes Gebet eine Antwort. Aber es anzunehmen und genau das Verlangte zu geben hängt von der Weisheit Gottes des Gerechten ab.
Ein krankes Kind ruft: "Herr Doktor, schauen Sie mal her!" Der Arzt: "Ja, bitte, was möchtest du?" Das Kind: "Geben Sie mir diese Medizin!" Der Arzt wird ihm entweder geben, was es verlangt hat, oder er wird ihm in diesem Falle etwas Besseres geben, oder er wird es ihm, wenn es zur Verschlimmerung der Krankheit führen würde, nicht geben. Darum beantwortet Gott der Gerechte, der vollkommene Allweise, der Allschauende, immer Gegenwärtige, das Gebet Seiner Diener und Anbeter. Er verwandelt die Schrecken der Einöde und Menschenleere durch Seine stete Bereitschaft
zu antworten in Vertrautheit. Aber Er gibt dem Menschen nicht, was dessen Lust und Laune gebietet, sondern so, wie es die Weisheit des Herrn erfordert: entweder, was er verlangt hat, oder etwas Besseres oder nichts.
Weiter ist das Gebet Dienst und Anbetung. Dienst und Anbetung aber trägt seine Frucht im Jenseits. Weltliche Gründe bestimmen die Zeit für eine Art des Gebetes und der Anbetung. Diese Gründe sind nicht dessen Ziel.
Das freie und das rituelle Gebet um den Regen ist eine Anbetung. Die Zeit der Dürre ist die Zeit dieser Anbetung. Andererseits sind Gebet und Anbetung nicht dazu da, den Regen herabzuziehen. Bestünde ihre Absicht allein darin, wäre das Gebet nicht rein und aufrichtig und verdiente es nicht, angenommen zu werden. So ist die Zeit des Sonnenunterganges die Zeit für das Abendgebet. So ist die Zeit der Sonnen- und Mondfinsternis bestimmt für zwei rituelle Gebete, "kusuf" und "husuf" genannt. Weil nämlich die Verfinsterungen des Tages- und Nachtgestirns auf eine Art die Größe Gottes sichtbar zu machen dienen, lädt Gott der Gerechte Seinen Diener zu dieser Zeit zu einer Art Anbetung ein. Andererseits dient das Gebet (namaz) nicht dazu, die Verfinsterung von Sonne und Mond aufzuheben, deren Beginn und Ende durch astronomische Berechnungen ermittelt werden kann. Das gleiche gilt auch während einer Dürreperiode für das Gebet um Regen.
Während eines Unglückszustandes oder drohender Gefahr ist die Zeit für einige besondere Gebete, weil der Mensch zu dieser Zeit seine Schwäche begreift und in Gebet und Fürbitte zum Throne des Grenzenlos-Allmächtigen Zuflucht nimmt. Wenn trotz aller Gebete ein Unglückszustand nicht enden will, darf man nicht sagen: "Das Gebet wurde nicht erhört." Vielmehr muss man sagen: "Die Zeit zu beten ist noch nicht vorüber." Wenn Gott der Gerechte in Seiner Gnade und Freigiebigkeit einen Unglückszustand beendet, Licht über Licht... dann ist die Zeit für das Gebet zum Ende gekommen, vorübergegangen. So ist das Gebet ein Geheimnis des Dienstes und der Anbetung.
Dienst und Anbetung dient aber allein dazu, "das Antlitz Allahs" zu schauen. Man muss vor Ihm allein seine Schwäche offen legen, zu Ihm allein seine Zuflucht nehmen. An Seiner Herrschaft soll der Mensch keinen Anteil zu nehmen versuchen. Ihm soll er die Vorsorge überlassen. Seiner Weisheit soll er vertrauen. An Seiner Barmherzigkeit darf er nicht zweifeln. Ja, es steht in der Tat durch die Klarlegung der "klaren Zeichen" fest: Von allen Wesen preist Ihn jedes in seiner Art, betet zu Ihm jedes auf seine Weise, hat jedes seine Form, sich vor Ihm niederzuwerfen; so ist alles, was von der ganzen Welt zum Throne Gottes aufsteigt, ein Gebet. Dies geschieht entweder als Ausdruck der Entwicklungsfähigkeit - wie die Gebete aller Pflanzen und Tiere, die - jede für sich - aus der grenzenlosen Fülle (Gottes) eine Gestalt erheischen, um als ein Ausdruck der Namen (Gottes) geoffenbart zu werden - oder in der Sprache der naturgegebenen Bedürfnisse [Die Gebete aller Lebewesen in ihren zwingenden Bedürfnissen, die zu befriedigen nicht in ihrer Macht steht, die - jedes für sich - in der Sprache ihrer naturgegebenen Bedürfnisse von der grenzenlosen Freigiebigkeit (Gottes) zur Erhaltung ihres Lebens etwas zu ihrer Versorgung erheischen] oder als Ausdruck einer Notlage. (Jedes beseelte Wesen betet in einer Notlage inständig und nimmt zu seinem unsichtbaren Schutzherrn Zuflucht... vielmehr wendet es sein Antlitz dem Herrn der Barmherzigkeit zu.) Diese drei Arten des Gebetes werden immer angenommen, wenn kein Hindernis dazwischen liegt.
Die vierte Art ist die bekannteste: unser Gebet. Es gibt zwei Arten. Die erste durch Tat und Verhalten, die zweite mit Herz und Mund.
Wenn man von den Ursachen ausgeht, ist es ein Gebet der Tat. Es genügt nicht, wenn bestimmte Umstände zusammentreffen, um das Ergebnis hervorzubringen; es handelt sich vielmehr darum, jene Haltung einzunehmen, mit der Gott der Gerechte
zufrieden ist, wenn man in der Sprache des Verhaltens ein Ergebnis wünscht. Zu pflügen bedeutet also, an die Pforte der Schatzkammer der Barmherzigkeit zu klopfen. Diese Art, durch die Tat zu beten, erreicht meistens ihre Annahme, weil sie sich an Name und Attribut des Grenzenlos-Freigiebigen (Gottes) richtet. Die zweite Art zu beten ist mit Herz und Mund; darum zu bitten, etwas zu erlangen, was die Hände nicht erreichen können. Davon ist der bedeutendste Gesichtspunkt, das schönste Ziel und die süßeste Frucht diese: "Ein Mensch, der betet, begreift, dass es jemanden gibt, der zu erlauschen vermag, was sein Herz bewegt, dessen Hand alles erreichen kann, der jeden seiner Wünsche zu erfüllen weiß... der Mitleid mit der Schwäche hat, ihm in seiner Armseligkeit zu Hilfe kommt."
Nun also, oh du schwacher Mensch! Du armseliges Geschöpf! Lass nicht deinen Händen entgleiten, was - wie das Gebet - der Schlüssel ist zur Schatzkammer der Barmherzigkeit und ein Angelpunkt grenzenloser Kraft. Ergreife ihn, steige auf zur höchsten Höhe der Menschlichkeit; wie ein König nimm die Gebete der ganzen Welt auf in dein eigenes Gebet. Sage wie ein universeller Diener, wie ein Generalvertreter:
{"Dich allein bitten wir um Hilfe." (Sure 1, 4)}
Sei ein schönes Beispiel für die ganze Welt!
Zweites Kapitel
Hier werden fünf Anmerkungen behandelt über das Glück und Unglück des Menschen.
Als Allah den Menschen erschuf, verlieh Er ihm den höchsten Rang und Wert und gab ihm eine recht umfangreiche Veranlagung mit. Darum ist er in eine Stätte der Prüfung geworfen, wo er vom Geringsten aller Geringen zum Höchsten aller Hohen, von der Erde bis zum Himmel, von dem Atom bis zur Sonne der Reihe nach die Ränge und Stufen empor zu klimmen oder hinunterzustürzen vermag. Wie ein Wunder der Allmacht, als endgültiges Ergebnis der Schöpfung und ein Meisterwerk in diese Welt gesandt, öffnen sich vor ihm die beiden Wege, die zu grenzenloser Erniedrigung oder Erhöhung führen. Wir wollen nun das Geheimnis dieses erstaunlichen Fortschritts und Rückschritts des Menschen in "fünf Anmerkungen" erklären.
Erste Anmerkung:
Der Mensch ist auf die meisten Arten der Schöpfung angewiesen und steht in einer Beziehung zu ihnen. Seine Bedürfnisse erstrecken sich bis an aller Welt Enden, und seine Sehnsüchte reichen bis in die Ewigkeit. So wie er sich eine Blume wünscht, so wünscht er sich auch einen weltweiten Frühling. Und so wie er nach einem Garten verlangt, so verlangt er auch nach dem Paradies. So wie er sich danach sehnt, einem Freund zu begegnen, so sehnt er sich auch danach, der Schönheit und Größe (Gottes) zu begegnen. So wie der, welcher seine Geliebte in einer anderen Wohnung besuchen will, die Türe dieser Wohnung öffnen muss, so muss er, um seine Freunde zu besuchen, von denen neunundneunzig Prozent ins Zwischenreich übergesiedelt sind, um sich vor ewiger Trennung zu retten, seine Zuflucht nehmen zum Throne der unendlichen Allmacht (Gottes), welche die Pforte zur ungeheuren Welt schließt und das Tor zum Jenseits, das ein wundervoller Versammlungsort ist, öffnet, welche diese Welt aufheben und statt ihrer das Jenseits begründen und erbauen wird. Wer nun einem
Menschen in solcher Lage der in Wahrheit Angebetete sein kann - und das kann nur der Eine Allmächtige und Allgewaltige (Gott), der Eine, die Barmherzigkeit und Schönheit (Gottes), der Eine, die vollkommene Weisheit (Gottes) sein - der hält die Zügel aller Dinge in Seinen Händen, besitzt alle Schätze und den Blick für alle Dinge, ist an jedem Ort anwesend und von keinem Ort abhängig, von Fehlern und Schwächen frei und heilig, erhaben über allen Mangel. Denn nur der vermag die grenzenlosen Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen, der grenzenlose Macht und umfassendes Wissen besitzt. So ist also nur Er allein der Anbetung würdig.
Nun denn, oh Mensch! Wenn du nur Ihn allein anbetest und Ihm allein dienst, wirst du einen Rang über allen Geschöpfen erwerben. Wenn du von dem Dienst und der Verehrung Abstand nimmst, wirst du ein verachtenswerter Sklave von schwachen Geschöpfen sein. Wenn du auf dich selbst und deine Fähigkeiten stolz bist, es aufgibst, auf Gott zu vertrauen und zu beten, dich in Stolz und Anmaßung verirrst, sinkst du auf eine Stufe unterhalb der Bienen und Ameisen in ihrer Nützlichkeit und Genialität, bist du schwächer als Spinnen und Fliegen. Hinsichtlich deiner bösen und unheilvollen Taten wirst du schwerer wiegen als ein Berg und schlimmer sein als eine Seuche.
Ja, oh Mensch! In dir sind zwei Grundzüge: der eine Grundzug ist Genialität, wahres Sein, Wohltätigkeit, Lebensbejahung, Handlungsfähigkeit. Der andere Grundzug ist Unheil, Verneinung, Übel, Lebensverneinung, Passivität. Hinsichtlich des ersten Grundzuges stehst du noch unter Biene und Sperling, bist du schwächer als Spinne und Fliege. Hinsichtlich des zweiten Grundzuges übertriffst du den Berg, die Erde, die Himmel. Du trägst eine Last, vor der sie den Mut verlieren, ihre Schwäche zeigen. Du wirkst in einem weiteren und größeren Bereich als sie. Denn wenn du tust, was gut und genial ist, kannst du nur innerhalb deiner Schwingungsweite und soweit deine Hand reicht, deine Kraft es vermag, genial und gut sein. Wenn du aber Übel und Unheil anrichtest, werden das Übel und das Unheil sich wie eine Seuche ausbreiten.
Unglaube ist ein Übel, ein Unheil, eine Verneinung. Aber diese eine einzige Schuld beinhaltet eine Beleidigung der ganzen Schöpfung, eine Geringschätzung aller Gottesnamen, eine Entwürdigung der ganzen Menschheit. Denn alles Geschaffene hat einen hohen Rang und eine wichtige Aufgabe. Denn es ist ein Brief des Herrn, ein Spiegel des Hochgelobten, beauftragt von Gott. Was aber den Unglauben betrifft, so bewirkt er, dass all dies seinen Rang der Spiegelgleichheit, des Auftrags und der Bedeutsamkeit verliert und dann die Stufenleiter der Sinnlosigkeit, zu einem Spielzeug des Zufalls und mit dem Unheil des Untergangs und der Trennung auf die Stufe der vergänglichen Dinge herabsinkt, die rasch zugrunde gehen und zerfallen, der Bedeutungslosigkeit, der Wertlosigkeit, der Nichtigkeit. Desgleichen schätzt er die Gottesnamen gering, deren Ornamente, Anmut und Schönheit in der gesamten Schöpfung und im Spiegelbild des Geschaffenen erscheinen, indem er sie leugnet. Und er wirft den Menschen, der den Rang eines Kalifen der Erde bekleidet - eine Kasside (Lobgesang) der Weisheit in Versen, welche die Erscheinung aller Gottesnamen wundervoll aufzeigt, ein Wunder der ozeangleichen Macht (Gottes), einem Samenkorn gleich, das die Anlage zu einem immerwährenden Baum in sich trägt - und der, weil er so große Verantwortung für das ihm anvertraute Gut übernimmt, über Himmel, Erde und Berge erhöht wird und dadurch einen Vorzug vor den Engeln erwirbt, auf eine Stufe herab, noch niedriger, schwächer, kraftloser und armseliger als ein niederes, vergängliches und verlorenes Tier. Und er lässt ihn auf die Stufe einer gewöhnlichen Tafel herabsinken, bedeckt mit Bedeutungslosem, Hingekritzeltem, Leicht-Vergänglichem.
Zusammenfassung:
Die eigenwillige Seele kann in ihrer übelwollenden, unheilvollen Art zahllose Verbrechen begehen, aber ihre Fähigkeit, genial und gut zu sein, ist sehr schwach und unbedeutend. Ja, sie vermag ein Haus an
einem Tag zu zerstören, aber nicht in hundert Tagen zu bauen. Wenn sie jedoch ihren Egoismus aufgibt, von Gott die Führung zum Guten und zum wahren Sein erbittet, sich von Übel, Unheil und Selbstüberhebung abwendet, um Vergebung bittet, ein vollkommener Diener und Verehrer (Gottes) wird, dann erlangt sie das Geheimnis: يُبَدِّلُ اللَّهُ سَيِّاٰتِهِمْ حَسَنَاتٍ {"Allah wird seine Schuld in Gutes verwandeln." (Sure 25, 70)} Ihre grenzenlose Fähigkeit zum Schlechten wandelt sich in eine grenzenlose Fähigkeit zum Guten. Sie nimmt den Wert eines "Ahsen-i Taqvim" (Schönsten in der Schöpfung) an und steigt zur höchsten Höhe auf. Nun denn, oh du unbedachter Mensch! Betrachte die Fülle und die Freigiebigkeit Gottes des Gerechten! Obwohl es billig und gerecht wäre, für eine einzige Schuld tausend zu schreiben und für eine gute Tat eine oder gar nichts zu schreiben, schreibt Er für eine Schuld nur eine, für eine gute Tat dagegen zehn, manchmal siebzig, manchmal siebenhundert, manchmal siebentausend. Ziehe also aus dieser Anmerkung den Schluss, dass in die furchtbare Hölle zu kommen billig und gerecht, der Lohn deiner Taten ist, ins Paradies einzugehen aber lautere Freigiebigkeit.
Zweite Anmerkung:
Der Mensch hat zwei Gesichter. Das eine betrifft sein Ego und ist dem weltlichen Leben zugewandt. Das andere betrifft den Dienst und die Anbetung und blickt auf das Ewige Leben. Hinsichtlich des ersten Gesichtes ist er ein so hilfloses Geschöpf, dass sein Grundkapital nur ein bedeutungslos schwacher Wille - ein Wille, dünn wie ein Haar - ein geringes Vermögen Macht, eine schnell verlöschende Flamme Vitalität, eine schnell vergehende Spanne Leben und ein rasch verfallendes Stückchen Dasein ist. Zugleich befindet er sich in diesem Zustand als ein empfindliches und schwaches Exemplar unter ungezählten anderen Exemplaren innerhalb der unendlich großen Familie, die über alle Schichten der ganzen Welt verstreut ist.
Hinsichtlich des zweiten Gesichtes und besonders, was seine Schwäche und Armseligkeit betrifft, die auf Dienst und Anbetung ausgerichtet ist, verfügt er über eine besonders große Schwingungsweite. Und er besitzt eine besonders große Bedeutung. Denn: Der weise Schöpfer hat den Menschen in der Geistigkeit seines So-Seins mit einer unendlich großen Schwäche und einer grenzenlos weiten Armseligkeit ausgestattet. So sei er wie ein universeller Spiegel des Barmherzigen in Seiner grenzenlosen Macht und des Herrn allen Reichtums und aller Freigiebigkeit in Seinem grenzenlosen Reichtum, ein universeller Spiegel, der die zahllosen Erscheinungen des Allmächtigen sammelt. Ja, der Mensch ähnelt einem Samenkorn. Gleich ihm sind dem Samenkorn von der Macht (Gottes) bedeutende geistige Anlagen und von der Bestimmung (Gottes) ein fein abgestimmtes und kostbares Programm mitgegeben worden. So soll es unter der Erde arbeiten, aus dieser engen Welt emporwachsen, in die weite, luftige Welt hineinwachsen und von seinem Schöpfer in seiner Fähigkeit unausgesprochen erbitten, ein Baum zu werden, jene Vollkommenheit zu erreichen, die ihm gebührt. Wenn dieses Korn aufgrund seiner schlechten Anlage die ihm gegebenen innerlichen Funktionen dazu missbraucht, einige unter der Erde liegende Giftstoffe an sich zu ziehen, wird es nach kurzer Zeit an diesem engen Orte fruchtlos vergehen und verderben. Wenn dieses Korn seinen innerlichen Funktionen, gemäß dem Befehl (Gottes)
{"Er lässt das Weizenkorn und den Dattelkern keimen." (Sure 6, 95)}
entspricht und sie richtig anwendet, wird es aus dieser engen Welt emporwachsen, ein großer, fruchtbarer Baum werden, und sein kleines Stückchen Wahrheit, sein geistiges Antlitz, wird die Gestalt einer großen und ganzen Wahrheit annehmen.
In gleicher Weise sind nun auch den menschlichen Wesen von der Macht (Gottes) wichtige Funktionen und von der Bestimmung (Gottes) ein kostbares Programm anvertraut worden. Wenn der Mensch auf dieser engen irdischen Welt, gleichsam wie unter der Erde des diesseitigen Lebens, seine geistigen Anlagen nach seinen egoistischen Launen missbraucht, wird er - gleich wie das verdorbene Korn - nach einem kurzen Leben für einen bedeutungslosen Genuss an einem engen Ort unter mühevollen Umständen vergehen und verderben. Nachdem er moralische Schuld auf seine unglückliche Seele geladen hat, wird er von der diesseitigen Welt Abschied nehmend heimkehren.
Wenn er dieses Korn der Begabung mit dem Wasser des Islam und dem Lichte des Glaubens in der Erde des Dienstes und der Anbetung aufzieht, seine geistigen Anlagen im Gehorsam gegenüber dem Auftrag des Qur'an auf die wahren Ziele ausrichtet, wird er ein Korn sein, das die Anlagen zu einem ewigen Baum und einer immerwährenden Wirklichkeit in sich trägt sowie dazu, unendliche Gnade und Vollkommenheit im Paradies zu erlangen und ein hervorragendes Werkzeug und eine gesegnete und erleuchtete Frucht am Baume der Welt zu werden.
Ja, der Fortschritt besteht in Wirklichkeit darin, das Gesicht der dem Menschen verliehenen Sinne wie Herz, meditative Wahrnehmung, Geist, Verstand, ja sogar Traumvorstellung und andere dem Ewigen Leben zuzuwenden, damit jeder von ihnen mit der ihm eigenen Aufgabe des Dienstes und der Anbetung betraut werde. Andererseits, was diejenigen, die sich im Irrtum befinden, als ihren Fortschritt ansehen, nämlich: sich in alle Verästelungen des irdischen Lebens zu verstricken, jede Art von Vergnügungen, bis hin zu den größten Ausschweifungen, zu genießen und dabei alle feineren Empfindungen, Herz und Verstand als Gehilfen ihrer selbstsüchtigen Seele in den Dienst zu nehmen, ist nicht Fortschritt, sondern Rückschritt. Diese Wahrheit habe ich in einer geistigen Schau unter folgendem Gleichnis beobachtet:
Ich kam in eine Großstadt. Ich sah, dass es in dieser Stadt große Schlösser gab. Ich betrachtete die Tore mancher Schlösser. Ein Fest wie eine glanzvolle Theatervorstellung lenkte die Aufmerksamkeit auf sich. Es war eine große Vergnügung und alle amüsierten sich. Ich wurde darauf aufmerksam, dass der Schlossherr ans Tor gekommen war, mit einem Hund spielte und sich an dessen Spiel beteiligte. Die Damen plauderten charmant mit einfachen jungen Leuten. Die Töchter des Hauses aber leiteten die Spiele der Kinder. Und der Pförtner tat wie ein Schauspieler, der sie alle kommandierte. Da sah ich, dass das Innere dieses riesigen Schlosses gähnend leer war. Alle bedeutsamen Aufgaben waren vernachlässigt worden. Die Moral der Leute war so verfallen, dass sich vor der Pforte dieses Bild ergab.
Dann ging ich weiter, traf ein anderes großes Schloss. Ich sah, dass sich vor dem Tor ein treuer Hund ausgestreckt hatte. Es gab dort einen ernsten, rauhen, verschlossenen Pförtner. Die Lage war ruhig. Ich wurde neugierig. Warum ist dies so? Jenes so? Ich trat ein. Ich sah, dass es innen sehr festlich war.
Die Bewohner des Schlosses in den verschiedenen Stockwerken waren mit verschiedenen bedeutsamen Aufgaben beschäftigt. Die Männer im ersten Geschoss verwalteten das Schloss und trafen ihre Anordnungen. Ein Stockwerk höher wurden die Knaben und Mädchen unterrichtet. Darüber beschäftigten sich die Frauen mit allen schönen Künsten und Handfertigkeiten. Ganz oben sah ich, wie des Schlosses Herr mit dem König Verkehr pflegte und sich mit persönlichen wie erhabenen Aufgaben beschäftigte, um die Ruhe des Volkes zu sichern und seine eigene Entwicklung und Vervollkommnung zu fördern. Weil sie mich nicht sehen konnten, verbot mir niemand die Besichtigung. Dann ging ich hinaus und sah mich um. Überall in der Stadt gab es diese zwei Arten von Schlössern. Als ich danach fragte, sagte man mir: "Die Schlösser, deren Tore festlich und deren Inneres leer ist, gehören den Vorstehern der Ungläubigen und
denen, die sich im Irrtum befinden. Die anderen den aufrichtigen Großen unter den Muslimen." Dann fand ich in einer Ecke noch ein Schloss. Ich erblickte darüber den Namen "Said". Ich wurde neugierig. Als ich es genauer in Augenschein nahm, schien es mir, als erblickte ich meine Gestalt darauf. Ich war so überrascht, dass ich aufschrie, meine Sinne wiederfand und erwachte. Ich werde nun diese geistige Schau ausdeuten. Möge es Allah wohlgefällig sein!
Was also diese Stadt betrifft, so bedeutet sie das gesellschaftliche Zusammenleben der Menschen und den Ort ihrer Zivilisation. Jedes einzelne dieser Schlösser ist ein Mensch. Die Schlossbewohner aber sind die Sinne des Menschen wie Auge, Ohr, Herz, meditative Wahrnehmung, Geist und Verstand und Erscheinungen wie Lust, Laune, Liebe und Zorn. In jedem Menschen hat jede Empfindung eine andere Aufgabe, zu dienen und anzubeten. Jede hat ihre eigene Lust und ihren Schmerz. Lust, Liebe, Laune und Zorn sind wie der Pförtner und sein Hund. So heißt denn diese hohen Empfindungen der Lust und Laune unterwerfen und ihre eigentlichen Aufgaben in Vergessenheit geraten lassen sicherlich Rückschritt und nicht Fortschritt. Die anderen Aspekte kann man sich selber ausdeuten.
Dritte Anmerkung:
Hinsichtlich seiner Handlungen, Taten und körperlichen Leistungen ist der Mensch nicht mehr als ein schwaches Tier und ein hilfloses Geschöpf. Hinsichtlich dessen, was er besitzt und worüber er verfügen kann, ist sein Rahmen so eng gesteckt, dass er ihn mit einer Hand zu umspannen vermag. Und sogar bei den Haustieren, die sich der Mensch gezähmt hat und von denen ein jedes seinen Anteil an der Schwäche, Hilflosigkeit und Faulheit des Menschen erhalten hat, bemerken wir im Vergleich mit den ihnen entsprechenden wild lebenden Tieren einen gewaltigen Unterschied (z.B. Ziegen und Ochsen, die als Haustiere oder in freier Wildbahn leben). Aber der Mensch ist als ein ehrenwerter Pilger in der Herberge dieser Welt in einer solchen Lage,
dass er bitten, fragen und annehmen muss, ohne selbst etwas dazu beitragen zu können. So wurde er ein Gast des Freigiebigen (Gottes), der ihm Seine Schatzkammer unendlichen Erbarmens geöffnet hat. Und Er hat ihm zahllose einzigartige Geschöpfe als seine Diener zur Verfügung gestellt. Und Er hat diesem Gast zu seiner Erholung, zu seinem Vergnügen und zu seinem Nutzen einen so großen Lebensraum geschaffen und bereitgestellt, einen Kreis, der sich vom Zentrum bis zur Peripherie erstreckt, so weit das Auge reicht, ja darüber hinaus so weit und breit, wie er es sich nur zu erträumen vermag.
Wenn also der Mensch auf sein Ego vertraut, nur im weltlichen Leben sein Ideal sieht, sich nur um seinen Unterhalt sorgt und nur für einige vergängliche Vergnügungen arbeitet, wird er in einem sehr engen Lebenskreis untergehen. Alle ihm verliehenen Anlagen, Sinne und Fähigkeiten werden ihn vor der Versammlung (am Tage des Gerichtes) anklagen und als Zeugen gegen ihn auftreten. Sie werden seine (Prozess)gegner sein. Wenn er sich aber als ein Gast weiß, als Gast des freigiebigen Herrn, im erlaubten Rahmen das Kapital seines Lebens ausgibt, arbeitet er innerhalb eines so weiten Rahmens gut für ein langes ewiges Leben. Dort kann er aufatmen und sich ausruhen. Und sodann bis zu den höchsten Höhen aufsteigen.
Und auch alle ihm verliehenen Anlagen und Fähigkeiten werden mit ihm zufrieden im Jenseits seine Zeugen sein. Ja alle dem Menschen verliehenen außerordentlichen Anlagen sind ihm nicht für dieses wertlose diesseitige Leben, sondern für ein sehr wertvolles bleibendes Leben verliehen worden. Denn wenn wir den Menschen mit dem Tier vergleichen, sehen wir, dass der Mensch hinsichtlich seiner Anlagen und Fähigkeiten sehr reich ist. Hundertfach reicher als das Tier. Genießt er das diesseitige animalische Leben, fällt er hundertfach tiefer; denn jeder Genuss, den er durchlebt, trägt die Spur tausender Schmerzen. Der Schmerz gegenüber der Vergangenheit, die Angst vor der Zukunft und auch der Schmerz nach
jedem Genuss, nimmt ihm den Reiz, hinterlässt eine Spur in seinem Genuss. Nicht so das Tier! Es genießt ohne Schmerz, noch beängstigt es die Angst vor der Zukunft. Es lebt und schläft in Ruhe, dankt seinem Schöpfer.
Das heißt also, dass der Mensch, der als ein Musterbeispiel der Schöpfung erschaffen wurde, noch hundertfach unter ein Tier wie den Sperling herabsinkt, obwohl er doch von seiner Substanz her dem Tier hundertfach überlegen wäre, wenn er sich in seinem Denken auf das rein Irdische beschränkt. Ich hatte diesen Tatbestand bereits weiter oben in einem Gleichnis erklärt. Ich möchte in diesem Zusammenhang dieses Gleichnis noch einmal anführen. Es war dies wie folgt:
Ein Herr gibt seinem Diener zehn Goldstücke und befielt ihm: "Lassen Sie sich einen Anzug aus einem Stoff von guter Qualität schneidern!" Einem zweiten gibt er tausend Goldstücke, steckt ihm einen Zettel in die Tasche, auf dem verschiedene Dinge aufgeschrieben stehen und schickt ihn zum Basar. Der erste Diener kauft für zehn Goldstücke einen vollendeten Anzug aus bestem Stoff. Der zweite Diener in seiner Verrücktheit schaut dem ersten Diener hinterdrein, gibt einem Kaufmann die tausend Goldstücke und verlangt, ohne den Zettel zu lesen, der in seiner Tasche steckt, einen Anzug. Aber der gewissenlose Kaufmann gibt ihm einen Anzug aus einem alten, schäbigen Stoff. Der unglückselige Diener tritt vor seinen Herrn hin. Er wird zornig zur Rede gestellt und streng bestraft. Wer also ein bisschen Verstand besitzt, begreift, dass dem zweiten Diener die tausend Goldstücke nicht gegeben wurden, um damit einen Anzug zu kaufen, sondern um damit ein bedeutendes Geschäft abzuschließen.
Desgleichen gilt: Der Mensch verfügt über geistige Anlagen und menschliche Sinne, deren jeder im Vergleich mit einem Tier hundertfach weiter ausgebildet ist. Wozu gebraucht der Mensch seine Anlagen und Fähigkeiten, wie zum Beispiel das Auge, welches alle Schattierungen der Schönheit zu unterscheiden vermag, oder die Geschmacksempfindungen
seiner Zunge, welche alle die verschiedenen Geschmacksrichtungen einer Mahlzeit gesondert wahrzunehmen vermag, oder den Verstand, welcher in alle Feinheiten der Wahrheit eindringt, oder das Herz, welches sich nach jeder Art Vollkommenheit sehnt? Wozu gebraucht das Tier seine weit weniger, vielleicht nur ein, zwei Stufen entwickelten Fähigkeiten? Der Unterschied besteht nur darin, dass das Tier eine Fähigkeit für seinen eigenen Gebrauch besonders entwickelt hat. Doch diese Entwicklung ist für es eine spezifische. Der Reichtum des Menschen an Fähigkeiten erhellt aus folgendem Geheimnis:
Die Sinne und Empfindungen des Menschen wurden durch seinen Verstand und seine Vorstellungskraft weit entwickelt und ihr Bereich ausgedehnt. In seiner Notlage entstanden ihm zahlreiche verschiedene Empfindungen. Und seine Empfindsamkeit hat sich in verschiedenster Hinsicht entfaltet. Die Zusammengesetztheit seiner Natur hat dazu beigetragen, seine Wünsche auf sehr viele Ziele zu richten. Und weil er sehr viele natürliche Aufgaben vorfand, haben sich seine Anlagen und Fähigkeiten gewaltig ausgebildet. Und weil er seiner Natur nach zu jeder Art Anbetung geschaffen war, wurde ihm jene Fähigkeit verliehen, welche den Samen zu jeglicher Vollkommenheit in sich enthält. Doch wurde ihm ein so großes Kapital und ein solcher Reichtum an Fähigkeiten sicherlich nicht dazu verliehen, um lediglich dieses bedeutungslose, vergängliche irdische Leben kennen zu lernen.
Vielmehr besteht die Grundaufgabe des Menschen darin, seine auf zahllose verschiedene Ziele gerichteten Verpflichtungen wahrzunehmen, seine Schwäche, Armseligkeit und Fehlerhaftigkeit in Dienst und Anbetung zum Ausdruck zu bringen, in seiner Weitsichtigkeit den Lobpreis allen Seins zu betrachten und zu bezeugen, in allen Gaben die Hilfe der Barmherzigkeit (Gottes) zu erkennen, dafür zu danken, die Wunder der Allmacht des Herrn in Seinen Werken zu schauen und aus diesem Anblick die Lehre zu ziehen und darüber nachzudenken.
Oh du unbedachter Mensch, der du die Welt anbetest, das irdische Leben liebst und das Geheimnis um deinen Rang und Wert in Seiner Schöpfung vernachlässigst! "Der alte Said" hat die Wirklichkeit dieses Lebens in einer geistigen Schau gesehen. Höre das Gleichnis der Schau, das ihn in einen "neuen Said" verwandelt hat:
Ich schaute: Ich bin ein Reisender. Ich gehe einen langen Weg, d.h. ich bin ihn gesandt. Seine Exzellenz hatte mir von den für mich bestimmten sechzig Goldstücken von Zeit zu Zeit eine kleine Summe Geldes zur Verfügung gestellt. Während ich noch davon lebte, gelangte ich zu einer Herberge. Es war eine Vergnügungsstätte, in der ich während einer Nacht zehn Goldstücke zum einen für Spiel und Spaß verschwendete, zum anderen, um mir damit einen Namen zu machen. Am Morgen hatte ich kein Geld mehr in meiner Hand. Ein Geschäft hatte ich nicht abgeschlossen. Ich hatte nichts erworben, was ich am Ziel meiner Reise hätte verwenden können. Von dem Geld, für das ich mir Schmerzen, Sünden und Vergnügungen erworben hatte, blieben mir nur Wunden, blaue Flecken und Kummer übrig. Plötzlich, während ich mich noch in diesem traurigen Zustand befand, tauchte ein Mann vor mir auf. Er sagte zu mir: "Du hast dein ganzes Vermögen verloren. Schläge hättest du verdient. Bankrott wirst du ans Ziel gelangen! Du gehst mit leeren Händen. Aber wenn du Verstand hast, steht dir die Tür zur Verzeihung offen. Bewahre dir von den fünfzehn Goldstücken, die du noch bekommst, jedes Mal nach Erhalt die Hälfte als Rücklage auf. Kaufe dir davon einige Dinge, die du benötigen wirst, wenn du am Ziel bist." Ich sah, dass meine Seele nicht damit einverstanden war. "Ein Drittel", sagte er. Auch dem leistete meine Seele nicht Folge. Danach sagte er: "Ein Viertel!" Ich sah, dass meine Seele ihre liebgewordene Gewohnheit nicht aufgeben wollte. Da wandte sich der Mann ärgerlich ab und ging.
Plötzlich änderte sich die Szene. Ich erblickte mich in einem Zug, der mit Fallgeschwindigkeit durch einen Tunnel raste. Ich befand mich in Panikstimmung. Es gab keinen Ausweg.
Man konnte nirgendwohin fliehen. Das Seltsame aber war, dass sich zu beiden Seiten des Zuges zauberhaft schöne Blumen und wohlschmeckende Früchte zeigten. Ich sah sie an wie ein unerfahrener Rekrut und streckte meine Hand nach ihnen aus. Ich versuchte, die Blumen zu pflücken, griff nach den Früchten. Aber die Blumen und Früchte waren mit Disteln und Dornen bedeckt und stachen mir die Hände blutig, wenn ich sie berühren wollte. Der Zug entriss sie mir im Vorbeifahren, und sie zerschnitten mir die Hände. Es kam mir sehr teuer zu stehen. Plötzlich sagte ein Bahnarbeiter zu mir: "Gib mir fünf Kurush! Du kriegst so viele Blumen und Früchte, wie du willst. Du wirst dir mit deinen zerschnittenen Händen statt für fünf Kurush für hundert Kurush Schaden antun. Außerdem bekommst du noch eine Strafe. Du darfst sie nicht ohne Erlaubnis pflücken."
In meiner Bedrängnis streckte ich den Kopf hinaus und blickte nach vorne, um zu sehen, wann der Tunnel zu Ende sei. Aber an Stelle der Tunnelausfahrt erblickte ich viele Löcher. Leute wurden aus dem langen Zug in diese Löcher hineingeworfen. Ich sah ein Loch vor mir. Zu seinen beiden Seiten waren ein Paar Grabtafeln aufgestellt. Ich schaute neugierig hin. Ich sah, dass darauf mit großen Buchstaben der Name "SAID" geschrieben stand. "Ach", seufzte ich traurig und betroffen. Plötzlich hörte ich die Stimme des Herrn, der mir vor der Tür jener Herberge einen Rat erteilt hatte, sagen: "Bist du nun zu Verstand gekommen?"
"Ja", sagte ich, "Aber ich habe keine Kraft mehr. Es gibt keinen Ausweg."
"Bitte um Verzeihung", sagte er, "und vertraue (dich Gott an)!"
"Das habe ich bereits getan."
Ich erwachte... Da war "der alte Said" verschwunden. Ich fand mich als "neuer Said" wieder.
Ich werde von dieser geistigen Schau ein, zwei Teile ausdeuten. Möge es Allah wohlgefällig sein. Die übrigen
Aspekte mag man selber deuten.
Was die Reise betrifft, so ist sie eine Reise, die aus der Welt der Seele, dem Schoß der Mutter, durch Jugend und Alter, Grab und Zwischenreich, Auferstehung und Brücke in die Ewigkeit führt. Was aber die sechzig Goldstücke betrifft, so bedeuten sie die sechzig Jahre Lebenszeit. Als ich dieses Gesicht schaute, war ich schätzungsweise fünfundvierzig Jahre alt. Ein Zeugnis darüber habe ich nicht. Aber die verbliebenen fünfzehn Jahre für die Ewigkeit zu wirken, dazu hat mir ein aufrichtiger Schüler des weisen Qur'an Anleitung gegeben. Die Herberge ist für mich wohl Istanbul. Der Zug aber ist die Zeit. Jedes einzelne Jahr ist ein Wagen. Der Tunnel ist das irdische Leben. Die dornigen Blumen und Früchte sind die verbotenen Genüsse. Die verbotenen Vergnügungen bereiten bei der Vorstellung ihres Endes Schmerzen, während man sich ihnen hingibt, und lassen das Herz bluten, zerreißen es, wenn man Abschied nehmen muss. Zudem folgt ihnen die Strafe. Der Bahnarbeiter hatte gesagt: "Gib fünf Kurush. Dafür gebe ich dir soviel wie du willst." Die Bedeutung dessen ist: Was man durch legale Arbeit im erlaubten Rahmen an Genuss und Vergnügen erhält, genügt für das Wohlbefinden. Es ist nicht notwendig, etwas Unerlaubtes zu tun. Die übrigen Teile kann man sich selber ausdeuten.
Vierte Anmerkung:
Der Mensch gleicht in dieser ganzen Welt einem zarten und zierlichen Kindlein. Dabei besitzt er in seiner Schwäche eine große Kraft und in seiner Hilflosigkeit eine große Macht. Denn es ist die Kraft in seiner Schwäche und die Macht in seiner Hilflosigkeit, die ihm alles Sein dienstbar macht. Wenn der Mensch seine Schwäche begreift, mit seinen Worten, Taten und durch sein Verhalten betet und im Bewusstsein seiner Hilflosigkeit um Hilfe bittet, erweist er zur rechten Zeit seine Dankbarkeit für diesen Dienst und erlangt zu gleicher Zeit die Erfüllung seiner Wünsche; seine Ziele werden ihm erreichbar; und das alles in einer Weise, wie er es aus eigener Kraft nicht zu einem Hundertstel vermocht hätte.
Aber manchmal schreibt er fälschlicherweise die Erfüllung eines Wunsches nach einem Gebet der Tat seiner eigenen Kraft zu. So lässt zum Beispiel die Stärke in der Schwäche eines Kükens eine Henne einen Löwen angreifen, und ein gerade zur Welt gekommenes Löwenjunges macht diesen reißenden, hungrigen Löwen sich selbst dienstbar und lässt ihn hungern, um selbst satt zu werden. Ist diese Stärke in der Schwäche nicht bemerkenswert und das Aufscheinen der Barmherzigkeit (Gottes) nicht einer Betrachtung wert?...
In gleicher Weise, wie ein verwöhntes Kind seinen Wünschen mit Weinen oder Betteln oder einem traurigen Gesicht zum Erfolg verhilft und sich so die Starken unterwirft, so vermöchte es mit tausendfacher Stärke jedoch nicht einen unter tausend Wünschen zu erfüllen. Weil also seine Schwäche und Hilflosigkeit zu Liebe und Fürsorge bewegt, so kann es sich mit seinem kleinen Finger selbst große und starke Leute dienstbar machen. Wollte aber nun ein solches Kind diese Liebe verleugnen und die Fürsorge zurückweisen und in törichtem Stolze sagen: "Ich unterwerfe diese Leute meiner Macht!", so würde es sicherlich eine Ohrfeige bekommen. In gleicher Weise zieht sich auch der Mensch, der die Barmherzigkeit seines Schöpfers verleugnet und dessen Weisheit verwirft und wie Qarun (Er revoltierte gegen Mosis. - A.d.Ü.) undankbar gegenüber der Gabe (Gottes) sagt: اِنَّمَآ اُوتِيتُهُ عَلٰى عِلْمٍ {"Ich habe das durch mein eigenes Wissen und meine eigene Macht erhalten." (Sure 28, 78)} sicherlich selbst auch eine solche "Ohrfeige" zu. Wie wir also gesehen haben, wurden ihm solche Werte wie menschliche Königsherrschaft, persönliches Wachstum und kulturelle Vollkommenheit nicht als sein Verdienst, nicht infolge eines Sieges, nicht durch Kampf gegeben, sondern das alles wurde ihm aufgrund seiner Schwäche unterworfen; ihm wurde aufgrund seiner Hilflosigkeit geholfen;
es wurde ihm aufgrund seiner Armut als Wohltat erwiesen, aufgrund seiner Unwissenheit eingegeben, aufgrund seiner Bedürftigkeit als Gastgeschenk verehrt. Und der Grund seiner Königsherrschaft ist nicht Macht und wissenschaftliches Können, es ist vielmehr die Güte und das Erbarmen des Herrn, die Barmherzigkeit und Weisheit Gottes, die ihm alle Dinge dienstbar gemacht hat. Ja, was den Menschen, den solches Ungeziefer wie ein Skorpach ohne Augen oder eine Schlange ohne Beine zu besiegen vermag, sich in die Seide einer kleinen Raupe kleiden und den Honig eines giftigen Insektes essen lässt, ist nicht seine Macht, es ist vielmehr die Unterwerfung des Herrn als Folge menschlicher Schwäche und ein Gastgeschenk der Barmherzigkeit (Gottes).
Oh Mensch! Da dies nun einmal die Wahrheit ist, gib deinen Stolz und deine Selbstgefälligkeit auf! Bringe vor dem Throne Gottes deine Schwäche und Hilflosigkeit um Hilfe bittend, deine Armseligkeit und Bedürftigkeit flehend und betend zum Ausdruck und erweise dich als Anbeter und Diener! Sage: حَسْبُنَا اللَّهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ {"Allah ist unser Genügen und unser bester Anwalt." (Sure 3, 173)} und schwinge dich empor!
Sage aber nicht: "Ich bin nichts. Welchen Wert hätte ich denn, dass der Allweise mir diese ganze Welt dienstbar machen wollte und von mir für all dies einen Dank erwartete?"
Tatsächlich giltst du ja nichts, wenn man deine Gestalt und deine Seele betrachtet. Aber hinsichtlich deines Auftrages und deines Ranges bist du ein Besucher in dieser ganzen großartigen Welt und ihr aufmerksamer Beobachter, ein sprachgewandter und beredter Sprecher dieses geheimnisvollen Daseins, ein verständnisvoller Leser im Buche der Welt, ein staunender Betrachter der lobpreisenden Schöpfung und ein achtungsgebietender Werkmeister der anbetenden Werke (Gottes).
Ja, oh Mensch! Du bist im Hinblick auf das Leben der Pflanzen und deines Körpers und in Anbetracht deiner tierischen Seele ein winzig kleiner Bruchteil, ein armseliges Geschöpf, wie ein schwaches Tier, das inmitten der Wellen des ganzen fürchterlichen Daseinsstromes hin und her geworfen wird. Wenn du dich aber, erleuchtet vom Lichte des Glaubens, das die Strahlen der Liebe Gottes in sich enthält, durch islamisches Verhalten vervollkommnest, wirst du als Mensch, Diener und Anbeter wie ein König sein, als ein Teilchen wie ein Ganzes, trotz deiner Kleinheit eine Welt, trotz deiner Geringfügigkeit von hohem Rang, ein Stellvertreter in einem großen und weiten Bereich sein, der sagen kann: "Der Barmherzige, mein Herr hat mir die Welt zur Heimstatt bereitet. In diesem Heim machte Er Sonne und Mond zur Leuchte, den Frühling zu einem Rosenstrauß, den Sommer zu einem Gastgeschenk bei Tisch und die Tiere zu Dienern. Und Er gab mir die Pflanzen als Schmuck und Versorgung in meinem Haus."
Nachsatz: Wenn du auf dein Ego horchst und auf den Teufel, sinkst du zum Niedrigsten der Niedrigen herab. Wenn du auf die Wahrheit und den Qur'an horchst, steigst du zum Höchsten der Hohen auf und wirst der ganzen Welt ein Musterbeispiel sein.
Fünfte Anmerkung:
Der Mensch wurde in diese Welt gesandt als ein Gast und ein Beauftragter, und ihm wurden sehr wichtige Fähigkeiten mitgegeben. Und diesen Fähigkeiten entsprechend wurden ihm auch sehr wichtige Aufgaben anvertraut. Damit aber der Mensch sein Ziel erreiche und seine Aufgabe erfülle, wurden ihm nachhaltige Anregungen erteilt und furchtbare Drohungen ausgesprochen. Wir werden hier die Grundsätze über die Aufgaben des Menschen, seinen Dienst und seine Anbetung, die wir an anderer Stelle bereits erklärt haben, noch einmal zusammenfassen, um das Geheimnis des Menschen um seinen höchsten Rang und Wert verstehen zu können.
So hat der Mensch - nachdem er in diese Welt gekommen ist - in zweifacher Hinsicht Dienst und Anbetung zu verrichten. In erster Hinsicht ist es Dienst und Anbetung in der "dritten Person", ein Nachsinnen. In der zweiten ist es Dienst und Anbetung in der Gegenwart, der "zweiten Person", eine Hingebung.
Erste Hinsicht,
die Königsherrschaft (Gottes) über das Universum zu sehen, im Gehorsam zu bekräftigen und zu Seiner Vollkommenheit und Schönheit bewundernd aufzublicken.
Danach zeigen sich die Menschen, um einander zu belehren, die einzigartigen Kunstwerke, bestehend aus den Ornamenten der heiligen Namen Gottes, machen sie bekannt, rufen sie aus.
Danach wägen sie die Juwelen der Gottesnamen, von denen jeder einzelne eine verborgene Schatzkammer des Geistes ist, mit der Waage der Einsicht und schätzen lobpreisend ihren Wert mit dem Herzen als Schatzmeister der Werte.
Danach lesen sie die Seiten von Himmel und Erde aus dem Buch des Seins, Briefe (der Schöpfung), geschrieben mit der Feder der Macht (Gottes), und sinnen bewundernd darüber nach.
Und während sie die Verzierungen und Feinheiten an den Kunstwerken des Seins bewundern und preisen, sehnen sie sich danach, ihren Schöpfer kennen zu lernen, der alle Schönheit besitzt, und verlangen danach, in die Gegenwart ihres vollkommenen Meisters einzugehen und Seine Liebe und Freundlichkeit zu erlangen.
Zweite Hinsicht:
Hier geht es um die Gegenwart (Gottes) und das Gespräch (des Menschen mit Gott). Der Weg führt vom Werkstück zum Meister. Man sieht: Ein erhabener Meister möchte sich selbst durch Seine wunderbaren Kunstwerke mitteilen und zu erkennen geben. Glaube und Erkenntnis kommen ihm als Antwort entgegen.
Danach sieht man: Ein barmherziger Herr möchte ob der schönen Früchte Seiner Barmherzigkeit selbst geliebt werden. Wenn man seine Liebe auf Ihn allein beschränkt
und seine Anbetung Ihm allein zueignet, um Ihm allein zu dienen, wird man auch selbst von Ihm geliebt.
Danach sieht man: Er, der freigiebig die Geschenke Seiner Gnade erteilt, umhegt den Menschen mit geschmackvollen Geschenken für Leib und Seele. Dieser bringt Ihm in seinen Taten, seiner Handlung, seinen Worten, ja wenn es ihm möglich wäre mit allen seinen Empfindungen und Fähigkeiten Lob, Preis und Dank entgegen.
Danach sieht man: Er, der Gewaltige in Seiner vollkommenen Schönheit zeigt Seine Größe, Vollkommenheit, Erhabenheit und Schönheit im Spiegel des Daseins, in ihm die Blicke des aufmerksamen Betrachters einfangend. Dieser begegnet Ihm demütig bewundernd mit den Worten: «Allahu Ekber!» (Allah ist unvergleichlich groß!) «Subhanallah!» (Allah sei gepriesen!) und wirft sich in liebender Anbetung nieder.
Danach sieht er: Er, der Vollkommen-Reiche zeigt in vollendeter Freigiebigkeit die Schatzkammern Seines unendlichen Vermögens. Der Mensch entgegnet Ihm rühmend und verehrend, erbittet und erfragt von Ihm in völliger Armseligkeit.
Danach sieht er: Der erhabene Schöpfer hat die Erde einer Ausstellung gleich erschaffen. Dort hat Er die ganzen antiken Kunstwerke ausgestellt. Der Mensch entgegnet Ihm voll Staunen und Hochachtung: «Mashaallah!» (so hat es Allah gewollt!), «Barekallah!» (Allah hat gesegnet!); «Allahu Ekber!» (Allah ist unvergleichlich groß!), und Seine vollkommene Güte preisend kommt er Ihm antwortend entgegen.
Danach sieht er: Der Eine {Vahid-i Ahad: Eins über allen Geschöpfen, eins in jedem einzelnen Geschöpf. (A.d.Ü.)} prägt im Schlosse des Universums mit Seinem unnachahmlichen Münzsiegel, Seinem nur Ihm eigenen Siegel der Propheten, Seinem nur Ihm zubestimmten königlichen Siegel, kraft königlichen Privilegs allem Sein den Stempel Seiner Einheit (Vahdet) auf.
Und Er malt und stickt die Wunderzeichen Seiner Einheit (Tauhid) und richtet an den Enden des Weltenhimmels die Fahne Seiner Einheit (Vahdaniyet) auf und verkündet Seine Herrschaft. Der Mensch begegnet Ihm mit einer Affirmation, im Glauben, in der Einheit (Tauhid), in der Einsicht, mit dem Zeugnis, seinem Dienst und seiner Anbetung und kommt Ihm so antwortend entgegen.
So also wird er durch diese verschiedenen Arten der Anbetung und des Nachsinnens zum wahren Menschen, und er zeigt, dass er "Musterbeispiel der Schöpfung" geworden ist. Ausgestattet mit der Kraft und dem Segen des Glaubens wird dem Menschen eine Seele anvertraut als ein Gut, und er wird so ein treuer Kalif der Erde.
Oh du unbesonnener Mensch, der du mit dem höchsten Grad und Wert der Schöpfung erschaffen wurdest und in deiner Böswilligkeit auf die Seite der Niedrigsten der Niedrigen hinübergehst! Höre mich! Auch ich habe so wie du in der Trunkenheit meiner Jugend und in meiner Gottvergessenheit die Welt für schön und angenehm gehalten. In dem Augenblick, da ich an der Schwelle des Alters aus der Trunkenheit meiner Jugend erwachte, erkannte ich, wie hässlich jenes Antlitz der Erde war, das dem Jenseits abgewandt ist und das ich für schön gehalten hatte, und wie schön ihr wahres Antlitz ist, welches in das Jenseits hinüberschaut.
Betrachte nun die beiden Tafeln der Wahrheit, die ich im zweiten Kapitel des "Siebzehnten Wortes" beschrieben habe, und siehe selbst:
Erste Tafel:
Beschreibt die Wirklichkeit der Welt der Gottvergessenen, so als ginge ich selbst auf Irrwegen und so wie ich sie durch den Schleier der Gottvergessenheit gesehen habe, jedoch ohne betrunken zu sein.
Zweite Tafel:
Zeigt die wahre Welt derer, die recht geleitet und sich der göttlichen Gegenwart bewusst sind.
Ich habe sie so gelassen, wie ich sie damals beschrieben habe. Sie sehen wie ein Gedicht aus, sind aber kein Gedicht...
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32) "Herr! Mache mir die Brust weit und meine Angelegenheiten leicht! Löse das Band meiner Zunge, damit sie meine Worte verstehen! Oh Allah! Gib Deinen Frieden und gieße aus Deinen Segen über Mohammed, der Sonne im Himmel der Geheimnisse, der Verkörperung der Lichter, dem Brennpunkt der Erhabenheit, dem Polarstern am Firmament der Schönheit. Oh Allah, bei Deinem Geheimnis, bei Deiner Gegenwart, bei seiner Himmelfahrt: gib mir Sicherheit in meiner Furcht, entwurzele mich, wenn ich zögere, vertreibe meine Sorge und meine Gier! Sei mit mir! Nimm mich von mir weg hin zu Dir! Gewähre mir, mich von mir selber zu lösen und lass nicht zu, dass ich in mich selbst vernarrt werde, beschämt werde durch meine Sinne! Entschleiere mir jedes verborgene Geheimnis! Oh Lebendiger! Oh Beständiger! (Ya Hayy! Ya Qayyum!) Erbarme Dich meiner! Erbarme Dich meiner Freunde! Erbarme Dich Deiner Gläubigen und derer, denen Du den Qur'an herabgesandt hast! Amen - Oh Erbarmer der Barmherzigen! Oh Großzügigster der Großzügigen!" Und der Schluss unseres Gebetes sei: "Aller Lobpreis und Dank gebührt Allah, dem Herrn der Welten!"}
Vierundzwanzigstes Wort
(Dieses Wort besteht aus "fünf Ästen". Beachte den vierten Ast, fasse den fünften Ast, klettere hinauf, pflücke die Früchte dort und nimm sie dir!)
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Gott ist einer allein. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Ihm stehen all die schönen Namen zu." (Sure 20, 8)}
Hier wollen wir auf fünf Äste des Lichtbaumes dieser großartigen Ayah hinweisen, aus dem sie eine Wahrheit unter vielen anderen Wahrheiten bilden.
Erster Ast:
Ein König trägt in den Ämtern seiner Regierung verschiedene Titel, unterschiedliche Bezeichnungen und Eigenschaften bei den Schichten seiner Untertanen und besondere Namen und Orden in den Stufen seiner Königsherrschaft.
Bei dem Amt für Justiz heißt er der gerechte Richter, am Katasteramt der König, bei dem Militär der Marschall, im Ministerium für geistliche Angelegenheiten der Kalif und so weiter... Wenn du nun auch noch mehr von seinen Namen und Titeln kennst, dann verstehst du, dass ein einziger König in den Ämtern seines Königreiches und auf der Stufenleiter seiner Regierung tausend Namen und Titel besitzen kann. Dieser König ist in jedem Amt dank der Ausstrahlung seiner Persönlichkeit, kraft seiner Anordnungen und durch seine Nachrichtenverbindungen anwesend und gewissermaßen gegenwärtig. Er befindet sich dort und erfährt (alles). Und auf jeder Sprosse (seiner Beamtenleiter) wird er durch sein Gesetz, durch seine Anordnungen, in seinem
Stellvertreter gleichsam sichtlich zum Zeugen. Auf diese Weise sieht er alles und wird selbst sichtbar. Auf jeder Stufe sieht er durch seine Verwalter, durch seine Erlasse, durch seine Macht, durch sein Wissen, Kenntnisse, Kunde. Er lenkt und leitet und beobachtet.
Ebenso hat der König aller Ewigkeiten, welcher der Herr aller Welten ist, in den Ämtern Seiner Herrschaft unterschiedliche aber zueinander in Beziehung stehende Eigenschaften und Titel. In den Bereichen, in denen Seine Gottheit erkennbar ist, hat Er verschiedene aber ineinander erscheinende Namen und Orden, bei der Durchführung (der Anordnungen) Seiner Majestät verschiedene aber einander ähnelnde Erscheinungen, in Anwendung und Gebrauch Seiner Macht unterschiedliche aber aufeinander hinweisende Titel. Wenn Seine Eigenschaften aufstrahlen, tritt seine Heiligkeit auf verschiedene, jedoch gemeinsam auf sie hin deutende Weise hervor. In den Spuren Seiner Taten erkennt man Seine weisheitsvolle Lenkung und Leitung auf verschiedene, einander ergänzende Weise. In Seinen vielfarbigen, vielfältigen Kunstwerken erscheint Seine majestätische Herrschaft auf ganz unterschiedliche, doch zu einander geordnete Weise. Darüber hinaus treten die verschiedenen Schattierungen eines Seiner schönen Namen (Esma-i Husna) in jeder Art und Gattung und in allen Universen des Kosmos in Erscheinung. Dieser Name ist in diesem Bereich vorherrschend. Seine übrigen Namen stehen dem untergeordnet, finden sich vielmehr in dessen Schatten.
Außerdem tritt Er bei allen Arten Seiner Geschöpfe unter dem Blickwinkel eines bestimmten Namens und einem bestimmten Aspekt Seiner Herrschaft, in einer beschränkten oder reichlichen Anzahl, in kleinem oder großen Umfang, im individuellen oder allgemeinen Rahmen in Erscheinung. Das heißt: obwohl dieser Name alles umfasst und allgemein gültig ist, erkennt man, dass er sich einem Ding mit einer solchen Absicht und Wichtigkeit zuwendet, als wäre dieser Name nur diesem einen Ding bestimmt. Darüber hinaus verbirgt sich der majestätische
Schöpfer, obwohl Er allen Dingen nah ist, hinter siebzigtausend Lichtschleiern.
Mit Seinem Namen "der Schöpfer", der dir gegenüber in Erscheinung tritt, kannst du vergleichen, wie viele Schleier vorhanden sind, angefangen von der kleinen Stufe deiner Erschaffung bis zu der großen Stufe und dem gewaltigen Titel als Schöpfer des ganzen Kosmos.
Das heißt, du kannst erst dann durch das Tor deiner Erschaffung zu den unendlichen Grenzen des Namens "der Schöpfer" schreiten und dich dem Bereich dieser Eigenschaft nähern, wenn du den ganzen Kosmos hinter dir lassen kannst. Da sich aber in den einzelnen Schleiern Öffnungen befinden, die hintereinander liegen und die Namen ineinander erscheinen und die Eigenschaften in Beziehung zueinander stehen und deren Schattierungen ineinander verwoben sind und die einzelnen Abstufungen miteinander assoziiert sind und einander wach rufen und die Manifestationen einander gleichen und die Ausführungen einander helfen und ergänzen und die verschiedensten Arten der Aufzucht und Ausbildung in Seiner Herrschaft sich einander helfen und unterstützen, ist es doch notwendig, während man Gott den Gerechten mit einem Seiner Namen oder Seiner Titel und Würden oder Seiner Herrschaftsbereiche kennt, dass man Seine übrigen Titel, Herrschaftsbereiche oder Eigenschaften dabei nicht leugnet. Vielmehr kommt der zu Schaden, welcher von der Erscheinung eines Namens nicht zu den anderen Namen hinüber gelangen kann.
Sieht man die Werke der Namen "der Allmächtige und der Schöpfer" und kennt aber den Namen "der Allwissende" nicht, kann man in den Irrtum der Gottvergessenheit und des Naturalismus verfallen. Vielmehr ist es notwendig, dass sein Blick ständig vor sich lesen und sehen kann:
{"Er, Er ist der eine Gott."}
Sein Ohr soll bei allen Dingen hören können:
{"Sprich: Er ist der eine einzige Gott!"}
Seine Zunge soll sagen und bekannt geben können:
{"Die ganze Welt rezitiert gemeinsam, dass es keinen Gott gibt außer Ihm."}
{"Gott ist einer allein. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Ihm stehen all die schönen Namen zu." (Sure 20, 8)}
Mit diesem Erlass weist der offenkundige Qur'an auf die aufgezählten Wahrheiten hin.
Willst du diese hohe Wahrheit aus der Nähe betrachten, geh und frag das stürmische Meer, die bebende Erde danach. Frag sie: "Was sagt ihr dazu?" Du wirst doch hören, dass sie rufen: "Oh Majestät, oh Euer Majestät, oh Würdevoller, oh Zwingender!" Dann frage alle kleinen Tiere, frage die Jungtiere, welche im Meer oder auf dem Land barmherzig und liebevoll versorgt werden: "Was sagt ihr dazu?" Auch sie werden doch sagen: "Oh Gütiger, oh Vollkommener, oh Erbarmer, oh Barmherziger!"
Höre die Stimme der Atmosphäre, wie sie ruft: "Oh Du majestätischer Herr aller Schönheit!" Und leihe dein Ohr der Erde, wie sie ruft: "Oh Herr der Herrlichkeiten!" Und achte auf die Tiere, wie sie rufen: "Oh Erbarmer, oh Versorger!" Frage den Frühling. Siehe, wie du von ihm viele Namen hören wirst wie "Oh Gütiger, oh Erbarmer, oh Barmherziger, oh Freigiebiger, oh Gastfreundlicher, oh Mitleidiger, oh Du, der Du alle Dinge schmückst und gestaltest, der Du alles und jeden erleuchtest und ihm spendest!" Und frage einen Menschen, der wirklich ein Mensch ist. Siehe, wie er alle schönen Namen Gottes vorträgt und sie ihm ins Gesicht geschrieben stehen. Und wenn auch du darauf achtest, kannst du sie lesen. Der ganze Kosmos gleicht einer gewaltigen Musikkapelle, die Gottes gedenkt. Der winzigste Klang mischt sich mit den stärksten Klängen und bringt eine gewaltige Harmonie hervor.
Und so kannst du noch weitere Vergleiche ziehen. Doch insoweit der Mensch auch alle Namen Gottes offenbart, verursachen die verschiedene Namen Gottes, welche die unterschiedlichen Arten im Kosmos und die unterschiedlichen Dienste und Anbetungen der Engel zur Folge haben, gewissermaßen auch die Verschiedenheit der Menschen. Die unterschiedlichen Gesetze der Propheten, die unterschiedlichen Wege der Gottesfreunde (Heiligen) und die unterschiedlichen Methoden der Reinen (Theologen) entstehen aus diesem Geheimnis.
In Jesus, mit dem Friede und Segen sei, dominierte der Name "der Allmächtige" über alle die anderen Namen. Bei den Leuten, die in der Liebe Gottes leben, herrscht der Name "der Freund" und bei den Leuten, die im Nachsinnen über Gott leben, der Name "der Allweise" vor.
Wäre ein Mann sowohl ein Lehrer, als auch ein Offizier und auch ein Justizbeamter und auch ein Inspektor beim Katasteramt, würde er eine Beziehung zu jedem seiner Ämter, einen Auftrag, einen Dienst, ein Gehalt, eine Verpflichtung, eine Karriere und einen Feind und Konkurrenten haben, der eine Ursache für seine Erfolglosigkeit sein könnte. Dem König gegenüber tritt er mit seinen verschiedenen Titeln auf und kennt auch den König diesen Titeln entsprechend. Er bittet ihn mit verschiedenen Ansprachen um Hilfe. Er wendet sich an seinen Chef unter vielen verschiedenen Namen. Und um sich vor den Bosheiten seiner Feinde zu retten, bittet er in verschiedener Weise um seine Hilfeleistung.
Genauso wiederholt ein Mensch, in dem sich verschiedene Namen (Gottes) offenbaren, der mit verschiedenen Aufgaben betraut ist, von verschiedenen Feinden bedroht ist, verschiedene Namen, wenn er zu Gott betet und bei Ihm Zuflucht sucht. Ebenso bringt auch Mohammed, der Araber, mit dem Friede und Segen sei, auf den das Menschengeschlecht stolz ist, der wahrhaftig und mit Recht ein vollkommener Mensch ist, sein Bittgebet namens Djaushenu l-Kebir (das mächtige Panzerhemd) mit
tausendundeinem Namen dar und sucht bei Ihm vor dem Feuer Zuflucht. In der 114. Sure, 1-4
{"Sprich: Ich nehme meine Zuflucht zum Herrn der Menschen, dem König der Menschen, dem Gott der Menschen, vor dem Übel des Einflüsterers, dem Heimtückischen."}
befiehlt Gott der Gerechte uns in diesem Geheimnis, bei Ihm unter diesen drei Titeln Zuflucht zu suchen und durch
{"Im Namen Gottes des Erbarmers des Barmherzigen."}
weist Er uns darauf hin, Ihn mit drei Namen um Hilfe zu bitten.
Zweiter Ast:
Hier werden zwei Geheimnisse erklärt, welche die Schlüssel vieler weiterer Geheimnisse enthalten.
Erstes Geheimnis:
"Weshalb sind die Gottesfreunde in ihren geistigen Beobachtungen und Entdeckungen so widersprüchlich, obwohl sie sich doch in den Prinzipien des Glaubens einig sind? Wie kommt es, dass ihre geistigen Entdeckungen, die sie visionär erleben, manchmal nicht den Tatsachen entsprechen, der Wahrheit widersprechen? Und weiter: warum sehen und zeigen Denker und Theoretiker jeder seiner eigenen Meinung entsprechend, die er aufgrund unwiderlegbarer Beweise für wahr hält, die Wahrheit in einander widersprechender Weise? Wie kann die eine Wahrheit in verschiedenen Farben erscheinen?"
Zweites Geheimnis:
"Warum haben die vorausgegangenen Propheten einige Pfeiler des Glaubens wie die leibliche Wiederauferstehung nach dem Tode nur kurz erwähnt und nicht wie der Qur'an detaillierte Angaben gemacht? Später ist ein Teil ihrer Gemeinden so weit gegangen, diese kurz zusammengefassten Pfeiler des Glaubens zu leugnen. Warum ist ein Teil der Gottesfreunde (Heiligen), die wahrhaftige Gotteskenner waren, nur in
der Einheit Gottes fortgeschritten? Sie sind darin sogar bis zum Grade der selbst erlebten Gewissheit gelangt. Trotzdem sieht man aber einen Teil der Glaubenspfeiler in ihrer Art sehr wenig und nur kurz erwähnt. Deswegen haben ihre Gefolgschaften später sogar diesen Glaubenspfeilern nicht mehr die notwendige Bedeutung beigemessen. Einige von ihnen sind sogar irregegangen. In der Tat gelangt man aber durch die Entwicklung aller Glaubenspfeiler zur wahrhaftigen Vollendung. Warum sind die Kenner der Wahrheit in manchem weit fortgeschritten und in manchem weit zurückgeblieben? Es machen doch der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, bei dem alle Namen Gottes in stärkstem Umfang in Erscheinung treten und der der Bannerträger aller Propheten ist, und der weise Qur'an, der der strahlende Fürst unter allen heiligen Büchern ist, über alle Glaubenspfeiler in aller Klarheit mit besonders nachdrücklicher Betonung und in einem dementsprechend absichtsvollen Stil detaillierte Angaben."
Es ist denn in der Tat die wahrhaftige, vollendete Vollkommenheit genau eben diese. Die Weisheit dieser Geheimnisse ist folgende:
In einem Menschen offenbaren sich zwar alle Namen Gottes und er ist auch zu aller Vollkommenheit fähig. Jedoch seine Kraft ist aber nur ein Bruchteil, seine Entscheidungsfreiheit nur ein Bruchteil, seine Begabungen sind unterschiedlich, seine Wünsche weichen voneinander ab. In diesem Zustand sucht er zwischen Tausenden Schleiern und Übergängen nach der Wahrheit. Aus diesem Grunde tauchen bei der Entdeckung der Wirklichkeit und bei der Schau der Wahrheit Übergänge auf. Manche können diese Übergänge nicht passieren. Die Begabungen sind sehr unterschiedlich. Die Begabung mancher mag für die Entdeckung mancher Glaubenspfeiler nicht dienlich sein. Darüber hinaus sind die Farben der Erscheinungen der Namen entsprechend dem, der sie empfängt, verschiedenartig. Sie zeigen sich verschiedenartig. Manchmal kann ein Empfänger die vollständige Erscheinung
eines Namens nicht ganz erfassen. Außerdem nehmen die Erscheinungen der Namen unterschiedliche Formen an, je nachdem, ob sie allumfassend oder persönlich und schattenhaft oder ursprünglich erscheinen. Die Begabung mancher kann nicht über eine bruchstückhafte Erscheinung hinaus schauen und nicht aus ihrem Schatten heraustreten. Je nach der Begabung herrscht manchmal nur ein bestimmter Name, der allein seine eigene Wirkung ausübt. Hier wollen wir auf dieses tiefe Geheimnis, diese umfangreiche Weisheit mit einem umfangreichen Gleichnis einige Hinweise geben, in dem bis zu einem gewissen Grade die Wahrheit bereits erkennbar wird.
Nehmen wir zum Beispiel einmal an, da wäre eine prachtvolle Blume, die wir Iris nennen wollen, einen kristallklaren Tautropfen, in dem sich die Sonne spiegelt, einen Tropfen lebendigen Wassers, der in den Mond verliebt ist, der sich in ihm spiegelt. Jeder von ihnen hat ein eigenes Bewusstsein und kann sich vervollkommnen, wonach auch jeder ein brennendes Verlangen hat. Mit diesen drei Dingen wird auf viele Wahrheiten hingewiesen, wobei sie auch auf die Vervollkommnung der Seele, des Verstandes und des Herzens hinweisen. Und es ist auch ein Beispiel für drei Schichten der Leute der Wahrheit.
Erstens:
Es ist ein Hinweis auf die Denker, die Geistlichen und die Gottesgesandten.
Zweitens:
Es ist ein Beispiel für die Leute, die hin zur Wahrheit voranschreiten, indem sie sich mit ihren materiellen Möglichkeiten um Vollkommenheit bemühen;
und für die Leute, die hin zur Wahrheit voranschreiten, indem sie sich darum bemühen, ihre Seele zu läutern und ihren Geist dienstbar zu machen;
und für die Leute, die durch Läuterung ihres Herzens, durch Glauben und durch Ergebenheit hin zur Wahrheit voranschreiten.
Drittens:
Es ist ein Beispiel, das auf den Sinn der Unterschiede der drei Gruppen mit unterschiedlichen Begabungen hinweist. Zum einen für diejenigen, die ihren Egoismus nicht aufgeben, die in ihren Werken aufgehen und allein durch ihre eigenen Schlussfolgerungen hin zur Wahrheit voranschreiten;
und für diejenigen, die sich mit Wissen und Weisheit, mit Verstand und Erkenntnis auf die Suche nach der Wahrheit machen;
und für diejenigen, die mit dem Glauben und dem Qur'an, in Armut, mit ihrem Dienst und in der Anbetung rasch zur Wahrheit hin voranschreiten.
Nun wollen wir das Geheimnis und die umfangreiche Weisheit, die in dem Voranschreiten dieser drei Schichten liegt, bis zu einem gewissen Grade in einem Spiel unter den Bezeichnungen "die Iris", "der Wassertropfen", "der Tautropfen" darstellen.
Zum Beispiel:
Die Sonne hat mit der Erlaubnis und mit dem Befehl ihres Schöpfers drei Arten von Erscheinungen, Widerspiegelungen und Ausstrahlungen. Es sind verschiedenartige Widerspiegelungen, nämlich erstens in den Blumen, zweitens im Mond und in den Planeten und drittens in glänzenden Dingen wie Glas oder Wasser.
Die erste ist auf drei Arten:
Eine ist ihre ganzheitliche und umfassende Erscheinung und Widerspiegelung, eine Ausstrahlung, die sich über alle Blumen gleichzeitig ergießt.
Eine andere ist ihre spezielle Erscheinung, die sich in jeder Art gesondert widerspiegelt.
Die dritte ist ihre gewissermaßen individuelle Erscheinung, die auf die besondere Eigenart jeder einzelnen Blume ausstrahlt. Wir wollen nun unser Spiel mit der Aussage beginnen, dass die bunten Farben der Blumen aus der Umwandlung der sieben Farben in den Widerspiegelungen des Sonnenlichtes entstehen. Dieser Aussage
entsprechend sind auch die Blumen eine Art Spiegel der Sonne.
Zweitens:
Es ist das Licht und die Kraft, die die Sonne mit der Erlaubnis des allweisen Schöpfers dem Mond und den Planeten spendet. Diese ganzheitliche und umfassende Kraft und dieses Licht von der Sonne, das bei uns als Widerspiegelung jenes Lichtes gilt, gebraucht der Mond als ein Ganzes. Dann gibt er es in einer besonderen Form den Meeren, der Luft, glänzenden Erdschichten, in winzig kleinen Portionen den Wassertropfen der Meere, den glänzenden Steinen und Kristallen der Erde und den Atomen der Luft zu Nutz und Segen weiter.
Drittens:
Die Sonne macht mit dem Befehl Gottes die Atmosphäre und die Oberfläche der Meere zu Spiegeln und hat in ihnen eine klare, ganzheitliche und direkte Widerspiegelung. Dann schenkt die Sonne den Wasserbläschen des Meeres, den Tropfen des Wassers, den Regentropfen in der Luft und den Schneeflocken je eines ihrer winzigen Spiegelbilder.
Also wendet sich die Sonne jeder Blume und dem Mond, jedem Wassertropfen und jedem Tautropfen in den oben erwähnten drei Hinsichten auf zwei Arten zu und spendet ihnen Kraft.
Die erste Art geschieht ursprünglich, unmittelbar, ohne einen Vermittler oder einen Schleier. Diese Weise stellt das Beispiel des Prophetentums dar.
Bei der zweiten Art gibt es Mittler. Die Eigenart derer, die als Spiegel oder Linse dienen, fügen den Erscheinungen der Sonne ihre jeweilige Färbung bei. Diese Art stellt den Weg der Gottesfreunde (Heiligen) dar.
Nach der ersten Art kann jeder von ihnen, "die Iris", "der Wassertropfen", "der Tautropfen" sagen: "Ich bin ein Spiegel der Sonne, die über der ganzen Welt scheint!" Nach der zweiten Art können sie aber nicht so sagen. Vielmehr sagen sie dann: "Ich bin der Spiegel meiner Sonne!", oder "Ich bin der Spiegel der Sonne, die über meiner Art scheint!" Denn sie kennen die Sonne nur auf
ihre Art und können die Sonne nicht kennen, wie sie über der ganzen Erde scheint. Dagegen erscheint ihnen ihre Sonne, die Sonne ihrer Art oder Gattung nur durch Vermittler und nur mit Einschränkungen. Sie vermögen die Werke der uneingeschränkten, ohne einen Mittler scheinenden und alles umfassenden Sonne nicht ihrer eigenen, beschränkten Sonne zuzuschreiben. Denn die ganze Erde zu erwärmen, zu erleuchten, das Leben der Tiere und aller Pflanzen zu erwecken, die Planeten um sich kreisen zu lassen und dergleichen großartige Werke können sie nicht aus der Überzeugung ihres Herzens der Sonne zuschreiben, die sie unter jenen eingeschränkten Bedingungen und durch die Begrenzung eines Mittlers sehen.
Wenn diese drei Dinge, die wir als Bewusstseinsträger angenommen haben, diese einzigartigen Werke ihrer eigenen Sonne, die sie unter jener Einschränkung betrachten, zuschreiben wollen, können sie sie ihr erst dann zuschreiben, wenn sie rein logisch denkend zu dem festen Glauben gelangt sind, dass diese vermeintlichen Beschränkungen der Vollkommenheit gleich kommen. Aber diese Schlussfolgerungen von "der Iris", "dem Wassertropfen" und "dem Tautropfen", die wir Menschen uns als vernünftig vorstellen, das heißt, dass sie diese überaus riesigen Werke ihrer Sonne zuschreiben, beruhen auf Vernunft, nicht auf eigener Erfahrung. Manchmal geraten ihre Schlussfolgerungen durch den Glauben mit ihren Beobachtungen der Gegebenheiten in Widerspruch. Dann können sie nur schwer glauben.
So müssen wir denn nun, da für die Wahrheit nur wenig Raum geboten ist und wo von der Wahrheit nur mehr in manchen Ecken Teile sichtbar und vielmehr mit der Wahrheit vermischt sind, alle drei in unser Spiel mit einbeziehen. Wir stellen sie alle drei als "die Iris", "den Wassertropfen" und "den Tautropfen" vor. Da das Bewusstsein, das ihnen zugesprochen wurde, nicht ausreicht, müssen wir ihnen auch noch den Verstand zur Hilfe geben. Das heißt, sie müssen verstehen, dass sie von ihrer materiellen Sonne genauso viel Segen empfangen,
wie wir von unserer geistigen Sonne.
Oh mein Freund mit deiner der Finsternis verfallenen Seele, der du die Welt nicht vergisst und dich statt dessen mit materiellen Dingen beschäftigst! Du sollst "die Iris" sein. Diese "Iris" bekommt eine Farbe, die durch das Sonnenlicht ausgelöst wird. Sie löst das Spiegelbild der Sonne in dieser einen Farbe auf und bekleidet und schmückt sich damit. Denn auch deine Begabung gleicht der ihren.
Des Weiteren soll der Philosoph mit westlicher Bildung, der sich wie "der Alte Said" in den Ursachen verloren hat, "der Wassertropfen" sein, der in den Mond verliebt ist. Ihm gibt der Mond den Reflex des Lichtes, das er von der Sonne empfängt, schenkt seiner Pupille ein Licht. Er glänzt auch in diesem Licht. In diesem Licht sieht der "Wassertropfen" aber nur den Mond. Er kann nicht die Sonne sehen. Er kann sie nur in seinem Glauben betrachten.
Des Weiteren soll dieser arme Mann, der alles unmittelbar von Gott dem Gerechten weiß und die Ursachen als einen Schleier versteht, "der Tautropfen" sein. Er ist als ein "Tautropfen" arm in sich selbst. Er hat überhaupt nichts, worauf er sich stützen kann und womit er wie "die Iris" auf sich selbst vertrauen könnte. Er hat keine Farbe, mit der er sich zeigen könnte. Er kennt auch keine anderen Dinge, zu denen er sich wenden könnte. Er hat eine lautere Reinheit, sodass er das Spiegelbild der Sonne unmittelbar in seiner Pupille bewahrt.
Da wir nun einmal die Rolle dieser drei angenommen haben, müssen wir nun uns selbst betrachten. Was haben wir? Was sollen wir machen?
So sehen wir denn hier, dass uns ein freigiebiger Herr mit seiner Güte überaus gut ausstattet, belehrt und erzieht. Was aber den Menschen betrifft, so verehrt er den, der ihm gegenüber gütig ist. Er will sich dem, dem die Verehrung gebührt, nähern und ihn sehen. Unseren Begabungen entsprechend wird sich jeder von uns durch
die Anziehungskraft dieser Liebe auf den Weg machen.
Oh du, welcher du der "Iris" gleichst! Du gehst, aber geh in der Gestalt einer Blume! In dieser Gestalt bist du gegangen. Durch ständiges Voranschreiten bist du zu einer Stufe gelangt, die allen gemeinsam ist. So als geltest du (als Beispiel) für alle Blumen. Eine "Iris" ist aber ein trüber Spiegel. Bei ihr werden die sieben Farben des Lichtes gebrochen und (alle bis auf das Blau der Iris) aufgesogen. Sie verbirgt das Spiegelbild der Sonne. Dir wird es nicht gelingen, das Antlitz der Sonne zu betrachten, die du liebst. Denn die vorgegebenen Farben und Besonderheiten lösen sie auf, ziehen einen Schleier davor, können sie nicht zeigen. Du kannst dich in diesem Zustand von der Trennung nicht befreien, die durch das Dazwischentreten der Formen und der Mittler entsteht. Nur unter dieser einen Bedingung kannst du dich befreien: dass du deinen Kopf, der in die Liebe zu dir selbst eingetaucht ist, aufhebst und deinen Blick, der sich mit den Schönheiten deiner selbst vergnügt und sich ihrer rühmt, abziehst und dem Auge der Sonne im Antlitz des Himmels zuwendest. Zudem sollst du dein Gesicht, das um des Lebensunterhalts willen erdwärts schaut, zur Sonne dort droben hin wenden. Denn du bist ja ihr Spiegel. Deine Aufgabe besteht gerade darin, ein Spiegel zu sein. Ob du es weißt oder nicht, wird dein Lebensunterhalt von Seiten der Erde kommen, die das Tor der Schatzkammer der Barmherzigkeit ist. Tatsächlich ist eine Blume ein winzig kleiner Spiegel der Sonne. Auch die riesige Sonne ist nur ein Spiegel, gleicht einem Tropfen im Meer des Himmels für den Glanz, der durch den Namen der Urewigen-Sonne "Licht (Nur)" erscheint.
Oh du Menschenherz! Wisse, welch einer Sonne Spiegel du bist! Nachdem du diese Bedingung erfüllt hast, kannst du deine Vollendung finden. Du kannst aber die Sonne nicht so betrachten, wie sie in Wirklichkeit ist. Diese Wirklichkeit kannst du nicht nackt begreifen. Vielmehr geben ihr die Farben deiner Eigenschaften eine Farbe und gibt dein trübes Fernglas ihr eine Form und deine
begrenzte Begabung setzt ihr eine Grenze.
Nun auch du, weiser Philosoph, der du in den Wassertropfen hineingegangen bist! Durch das Fernglas deiner Bildung von der Größe eines Wassertropfens und durch die Leiter deiner Wissenschaft bist du bis zum Mond emporgestiegen. Du bist auf dem Mond gelandet. Siehe, der Mond ist in seinem Wesen dicht und finster. Er hat weder Licht noch Leben. Deine Mühe ist nutzlos, dein Wissen ist ohne Nutzen. Du kannst dich vor der Finsternis der Verzweiflung und vor der Wildnis deines Nichts-und-Niemand-Seins und vor der Beunruhigung durch die bösen Geister und vor der Grausamkeit dieser Einsamkeit nur unter einer einzigen Bedingung retten, wenn du die Nacht der Naturphilosophie verlässt und dich zu der Sonne der Wahrheit wendest und mit Gewissheit glaubst, dass diese Lichter der Nacht die Spiegelung der Lichter der Sonne am Tage sind. Erst nachdem du diese Bedingung erfüllt hast, kannst du deine Vollendung finden. An Stelle des armen, dunklen Mondes findest du die majestätische Sonne. Du kannst aber auch nicht, wie dein anderer Freund, die Sonne ungeschützt betrachten. Du kannst sie vielmehr nur hinter den Schleiern betrachten, mit denen dein Verstand und deine Philosophie vertraut und verbunden sind, und hinter den Vorhängen, die dein Wissen und deine Weisheit dir gewebt haben, und in einer Farbe, die deine Fähigkeiten dir (von Natur aus) gegeben haben.
Hier ist nun der dritte Freund, der dem "Tautropfen" gleicht, welcher sowohl arm, als auch farblos ist. Durch die Hitze der Sonne verdampft er rasch, verlässt sein Ego, besteigt den Dampf und erhebt sich in die Lüfte. Sein irdisches Kleid fängt durch den Funken der Liebe Feuer und Licht. Er klammert sich an einen Strahl der Erscheinungen dieses Lichtes und nähert sich ihm. Oh du, der du dem "Tautropfen" gleichst! Da du nun einmal der Sonne unmittelbar als Spiegel dienst, wirst du stets, auf welcher Stufe du dich auch immer befinden magst, ein Loch, ein Fenster finden, durch das du die Sonne selbst im Grade augenscheinlicher Sicherheit unverstellt betrachten kannst.
Zudem wirst du mit keinen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, die einzigartigen Werke der Sonne ihr selbst zuzuschreiben. Du kannst ihr die ihr gebührenden majestätischen Eigenschaften ohne Zweifel zuschreiben. Während du ihr die großartigen Spuren des Königreiches ihres Wesens zuschreibst, kann nichts deine Hände fesseln und davon abbringen. Weder eine Einengung durch Mittler, noch eine Beschränkung (deines Vertrauens in Gott durch dein Vertrauen auf deine eigenen) Fähigkeiten, noch die Kleinheit der Spiegel(reflexionen) können dich täuschen und dazu führen, dass du entgegen der Wahrheit läufst. Denn da du sie klar, unverstellt, unmittelbar betrachtet hast, hast du auch verstanden, dass keine von denen, die in den Objekten erscheinen und in den Spiegeln zu sehen sind, die wahre Sonne ist, sondern dass sie eine Art ihrer Erscheinungen und eine Art ihrer bunten Widerspiegelungen sind. Zwar sind diese Widerspiegelungen ihre Titel, aber sie können alle Werke ihrer majestätischen Größe nicht zeigen.
So führen denn diese drei so verschiedenen Wege unseres Spiels, das zur Darstellung der Wahrheit dienen soll, zur Vollendung. Sie unterscheiden sich in den Besonderheiten der Vollendung und in den Einzelheiten der Stufen geistiger Schau. Sie stimmen aber in dem Ergebnis und in der Gewissheit des Rechtes und in der Bestätigung der Wahrheit überein.
Ein Mann, ein Nachtwandler, der niemals die Sonne gesehen hat, kennt nur ihren Widerschein im Spiegel des Mondes. Er kann sich die majestätische Ausstrahlung, die unglaublich großartige Anziehung, die der Sonne Eigen ist, nicht vorstellen. Vielmehr schließt er sich denjenigen, die sie gesehen haben, an und ahmt sie nach. Genauso kann derjenige, der durch das Erbe Ahmeds (: gemeint ist die Lehre und die Tradition Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei) die gewaltige Stufe der Namen, wie des Allmächtigen und des Lebensspendenden, nicht erkennt, die gewaltige Wiederversammlung u٧ۨۙdie Große Wiederauferstehung nur traditionell annehmen.
Er sagt: "Sie ist keine Frage des Verstandes." Denn die Wahrheit der Wiederversammlung und der Wiederauferstehung ist eine Offenbarung des gewaltigen Namens und mancher Namen auf ihrer gewaltigsten Stufe. Wessen Blick nicht bis dorthin gelangen kann, der kann dies nur (im Glauben) annehmen. Wer aber mit seinen Überlegungen bereits soweit vorangeschritten ist, der hält die Wiederversammlung und die Wiederauferstehung für so leicht wie den Wechsel von Nacht und Tag, Winter und Frühling, und nimmt in der Zufriedenheit des Herzens (den Glauben) an.
Aus diesem Geheimnis erklärt also der Qur'an die Wiederversammlung und die Wiederauferstehung in der gewaltigsten Stufe mit ausführlichen Einzelheiten und der Gesandte Gottes, mit dem Friede und Segen sei, dem der gewaltigste Name offenbart wurde, unterrichtet uns darüber. Was aber die vorherigen Propheten betrifft, so hatten sie ihren Gemeinden, die verhältnismäßig einfach und ursprünglich waren, als Erfordernis der Weisheit der Rechtleitung die Wiederversammlung noch nicht in ihrem gesamten Umfang und in allen Einzelheiten gelehrt. Es geschah auch aus dieser tiefen Weisheit, dass ein Teil der Gottesfreunde manche Grundpfeiler des Glaubens nicht in ihrer gewaltigen Stufe erkennen oder aufzeigen konnten. Aus diesem Geheimnis zeigen die Stufen der Kenner in der Gotteserkenntnis große Unterschiede. Noch dergleichen weitere Geheimnisse entfalten sich aufgrund dieser Wahrheit. Da dieses Gleichnis die Wahrheit in gewissem Grade erahnen lässt und da die Wahrheit sehr umfangreich und sehr tief ist, begnügen auch wir uns hier mit diesem Gleichnis. Wir werden uns nicht mit den Geheimnissen befassen, welche über unsere Grenzen und unsere Kraft hinaus gehen.
Dritter Ast:
Da die ehrwürdigen Überlieferungen, die von den Zeichen des Weltuntergangs und von den Ereignissen der Endzeit und von den Vorzügen und den Verdiensten mancher guter Taten handeln, nicht genau verstanden werden, halten ein Teil der Wissenschaftler
sie für schwach (d.h. nicht nachweisbar) oder für widerlegt. Ein Teil von ihnen, dessen Glaube schwach und dessen Ego stark ist, ist bis zur Leugnung gegangen. Hier wollen wir uns nicht mit den ausführlichen Einzelheiten befassen und nur "zwölf Pfeiler" erklären.
Erster Pfeiler:
Es ist die Frage, die schon bezüglich der Frage und der Antwort am Ende des "Zwanzigsten Wortes" besprochen wurde. Eine Zusammenfassung davon lautet wie folgt: Der Glaube ist eine Prüfung, eine Erfahrung. Er unterscheidet erhabene Geister von niederen. Darum soll er von den Ereignissen, die in der Zukunft für jeden augenscheinlich sichtbar werden, in der Weise berichten, dass sie weder ganz und gar unbekannt bleiben, noch eindeutig erkennbar werden, wodurch sie jeder gewollt oder ungewollt hätte bestätigen müssen. Er öffnet dem Verstand das Tor, nimmt ihm aber die Entscheidungsfreiheit nicht aus den Händen. Wenn ein Zeichen des Weltuntergangs völlig eindeutig erkennbar wäre und es ein jeder bestätigen müsste, dann würde eine Einstellung (so gewöhnlich) wie Kohle mit einer Einstellung (so erlesen wie) Diamanten vermischt bleiben. Der Sinn des Angebotes und die Folge der Prüfung gingen verloren. Deswegen kamen viele Meinungsverschiedenheiten bezüglich der vielen Fragen, wie der Fragen über Mehdi und Sufyan zu Stande. Darüber hinaus sind die Überlieferungen auch sehr unterschiedlich, und dadurch entstanden voneinander entgegengesetzte Auffassungen.
Zweiter Pfeiler:
Islamische Fragen gibt es auf verschiedenen Stufen. Verlangt eine nach einem sicheren Beweis (für den hinterfragten Gegenstand), begnügt sich eine andere damit, dass man (das Gefragte) für äußerst wahrscheinlich hält. Noch eine andere erfordert nur, dass man (mit der gegebenen Antwort) einverstanden ist und (sie) nicht ablehnt. Deswegen soll man bei jeder Frage, die nicht die (allgemeinen) Glaubensgrundsätze betrifft und die zu den Einzelheiten gehört (über die man verschiedener Meinung sein kann), und bei jedem Ereignis, welches über die Zeichen der Zeit vorausgesagt wurde,
nicht nach einem sicheren Beweis verlangen. Vielmehr soll man sich damit begnügen, etwas nicht zu bestreiten, sondern für möglich zu halten.
Dritter Pfeiler:
In der Zeit der Gefährten Mohammeds (Friede und Segen sei mit ihm) bekehrten sich viele von den Gelehrten unter den Söhnen Israels und unter den Christen zum Islam. Auch ihre alten Kenntnisse (vergangener Dinge) wurden mit ihnen zusammen islamisch. Manche ihrer vorherigen Kenntnisse, die den tatsächlichen Geschehnissen zuwider liefen, wurden gleichfalls für Eigentum des Islam gehalten.
Vierter Pfeiler:
Manche Aussagen der Überbringer der ehrwürdigen Ahadith oder deren Ausdeutungen hielt man für den Text der Ahadith. Da der Mensch nicht frei von Fehlern ist, wurden manche ihrer der Wahrheit zuwiderlaufende Ausdeutungen oder Worte für Hadith gehalten, jedoch für schwach erklärt.
Fünfter Pfeiler:
Dem Sinn der folgenden Überlieferung entsprechend
{"Wahrlich finden sich in meiner Gemeinde solche, die Inspirationen erhalten, d.h. diejenigen, die Eingebungen haben."}
entstanden manche Aussagen, die man für Hadith hielt, durch die Inspirationen einiger Hadithgelehrter, Männern einer inneren, geistigen Schau, die Inspirationen empfingen, die Gottesfreunde waren. Es können in den Inspirationen der Gottesfreunde - bei Ungenauigkeiten - Mängel erscheinen. Auf diese Art kann also ein Teil der Überlieferungen der Wahrheit zuwiderlaufen.
Sechster Pfeiler:
Es gibt manche Erzählungen, die unter den Menschen berühmt wurden. Sie gelten als (Erzählungen), die Beispiele geprägt haben. Man soll sie nicht für bare Münze nehmen, sondern für das betrachten, wozu sie geprägt worden sind. So erwähnte der ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, manche
Gleichnisse und Erzählungen dieser Art, welche unter den Menschen bekannt waren, als Lehrbeispiele oder als eine Art Andeutung. Wenn die wörtlichen Aussagen in solchen Fällen fehlerhaft erscheinen, sollte man sie zu den Traditionen und menschlichen Gewohnheiten rechnen, zu dem, was man so ganz allgemein vom Hörensagen her kennt.
Siebter Pfeiler:
Es gibt sehr viele Vergleiche und Beispiele, die mit der Zeit oder durch den Wechsel aus der Hand des Wissens in die Hände des Unwissens nun wörtlich verstanden wurden. So kommt man zu Fehlern.
Zum Beispiel:
Zwei Engel Gottes, die «Sevr (Stier)» und «Hut (Fisch)» genannt werden, und in der Welt der Beispiele und Gleichnisse als Stier und Fisch erscheinen und die Tiere auf dem Land und in den Meeren beobachten, stellte man sich irrigerweise als einen riesigen Stier und einen leibhaftigen Fisch vor und versuchte diese Überlieferung zu kritisieren.
Ein weiteres Beispiel:
Einmal hörte man in Gegenwart des Propheten ein dumpfes Geräusch. Der ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, sagte: "Dieses Geräusch kommt von einem Stein, der seit siebzig Jahren hinab gerollt und in diesem Augenblick auf dem Boden der Hölle aufgeschlagen ist." So kann jemand, der diese Überlieferung hört, der aber die Wahrheit nicht kennt, versuchen, sie zu leugnen. In Wirklichkeit steht mit Sicherheit fest, dass kurz danach jemand kam, der dem ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, die Nachricht überbrachte: "Der bekannte Heuchler (Munafiq) ist vor kurzem verstorben." Der ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, erklärte in einer überaus treffenden Weise, dass dieser Munafiq in seinem siebzigsten Lebensjahr, nachdem er ein Leben lang wie ein Stein seinen Weg zur Hölle hinab gerollt war, mit seinem Fall zum Niedrigsten der Niedrigen und zu einem Beispiel für den Unglauben geworden war. Gott der Gerechte ließ im Moment seines Abscheidens dieses Geräusch hörbar werden und machte es zu einem Zeichen.
Achter Pfeiler:
Gott der Vollkommene-Allweise verbirgt an diesem Ort der Erfahrungen und dem Platz der Prüfungen sehr bedeutende Dinge innerhalb vieler anderer. Mit dieser Verborgenheit sind viele Weisheiten und viele gute Gründe verknüpft.
Zum Beispiel:
Er verbarg die Nacht von Qadr (: Macht, Bestimmung) innerhalb des Monats Ramadan; die Stunde, in der alle Gebete erhört werden, in dem Tag der Versammlung (Freitag); Seinen geschätzten Freund unter den Menschen; die Todesstunde in der Spanne des Lebens; und die Zeit des Weltuntergangs innerhalb der Lebenszeit der Erde. Wenn aber die Todesstunde des Menschen bekannt wäre, würde sie bis in die Hälfte seiner Lebensspanne eine totale Gottvergessenheit und nach der Hälfte ein Entsetzen zu Wege bringen, wie (der Weg dessen,) der Schritt für Schritt dem Galgen entgegen geführt wird. Deshalb erfordert die Angelegenheit, die das Gleichgewicht zwischen der jenseitigen und der diesseitigen Welt bewahrt und immer zwischen Furcht und Hoffnung hält, dass in jedem Moment sowohl Sterben als auch Leben möglich sein soll. In diesem Fall werden zwanzig Jahre einer uns nicht bekannten Art innerhalb einer uns nicht bekannten Lebensspanne einer uns bekannten Lebensspanne von tausend Jahren vorgezogen. So verhält es sich auch mit dem Weltuntergang, jener Todesstunde der Welt, welche "der Große Mensch" ist. Wenn ihre Stunde bekannt wäre, würde die erste und die mittlere Periode totaler Gottvergessenheit verfallen und die letzte Periode im Entsetzen verharren. Der Mensch ist in seinem persönlichen Leben mit dem Fortbestehen seines Hauses und seines Dorfes verbunden, wie er in seinem gesellschaftlichen Leben und auch als Gattung mit dem Leben des Erdballs und des Diesseits verbunden ist. Der Qur'an sagt:
{"Die Stunde des Weltuntergangs ist nah."}
Wenn sie nach so vielen tausend Jahren noch nicht eingetreten ist, stellt das nicht ihre Nähe in Abrede.
Denn der Weltuntergang ist die Todesstunde der Welt. Im Vergleich mit der Lebenszeit der Welt sind ein oder zwei tausend Jahre wie ein, zwei Tage oder ein, zwei Minuten. Die Stunde des Weltuntergangs ist nicht nur die Todesstunde der Menschheit, sodass man sie mit deren Lebensspanne vergleichen und so für unmöglich halten könnte. Darum verbirgt der Vollkommene-Allweise die Stunde des Weltuntergangs in Seiner Allwissenheit als eines der fünf nicht voraus berechenbaren Geheimnisse. So gehört es denn zu diesem Geheimnis des Unbekannten, dass sich jedes Jahrhundert, ja sogar das glückliche Zeitalter, das Zeitalter (des Propheten und seiner Gefährten), die ein Auge für die Wahrheit hatten, stets vor der Stunde des Weltuntergangs fürchtete. Ja manche sagten sogar: "Ihre Kennzeichen sind fast schon zur Gänze erschienen."
So sagen nun unbillig denkende Menschen, die diese Wahrheit nicht kennen: "Wie konnten sich die Sahabis (Gefährten des Propheten), die über die jenseitige Welt bis ins Einzelne unterrichtet wurden und wachsame Herzen und einen scharfen Blick hatten, in ihren Gedanken ein Ereignis in ferner Zukunft, welches in dieser Welt nach vierzehnhundert Jahren noch nicht eingetreten ist, in naher Zukunft denken, als lebten sie, noch tausend Jahre von der Wahrheit entfernt, nur noch in ihrer Vorstellung?"
Antwort:
Dies geschah, weil die Sahabis (Gefährten des Propheten), gesegnet mit einer Fülle von Gesprächen mit dem Propheten, mehr als andere über die jenseitige Welt nachgedacht haben und sich der Vergänglichkeit dieser Welt bewusst waren. Sie verstanden die Weisheit Gottes, die in der Nichtbekanntgabe der Stunde des Weltuntergangs liegt und erwarteten stets die Todesstunde der Welt sowie ihre eigene Todesstunde und bemühten sich stets ernsthaft um das Jenseits. Es entspricht der Rechtleitung durch den Propheten, die aus dieser Weisheit entstand, wenn der ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, wiederholt darauf hinwies:
"Erwartet den Weltuntergang und gebt auf ihn Acht!" Andererseits sagte (der Prophet) dies nicht aufgrund einer Offenbarung, die sich auf ein bestimmtes Ereignis bezieht, sodass (dieser Hinweis) weit davon entfernt wäre, wahr zu sein. Die beabsichtigte (Aussage) ist das eine und der Sinn (dieser Aussage) ist das andere. Also rühren diese Art Worte des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, aus der Weisheit der Nichtbekanntgabe her.
Des Weiteren haben die Leute aufgrund dieser tiefen inneren Weisheit Persönlichkeiten wie Mehdi und Sufyan, die in der Endzeit der Welt kommen werden, vor langer Zeit sogar schon in der Zeit der Tabiin, also der zweiten Generation nach dem Propheten, erwartet und dachten ihnen bald zu begegnen. Manche Gottesfreunde sagten sogar: "Sie sind schon vorüber." So verlangt denn auch dies, gleich dem Weltuntergang, von der Weisheit Gottes diesen Zeitpunkt nicht anzugeben. Denn jede Zeit, jedes Jahrhundert bedarf dieser Idee vom Mehdi, um seine innere Kraft zu stärken und sich von der Verzweiflung zu befreien. An der Kraft dieser Erwartung muss ein jedes Zeitalter seinen Anteil haben. Des Weiteren soll sich jedes Zeitalter vor den schrecklichen Menschen, Despoten, die Zwist und Kriege führen, zurückhalten und sie fürchten, damit es nicht in Gottvergessenheit verfällt und dem Bösen nicht folgt und ihm nicht gehorcht, und nicht in seiner Gleichgültigkeit die Zügel der Begierde loslässt und seine Seele nicht in Zucht nimmt. Wenn der Zeitpunkt ihres Erscheinens angegeben wäre, würde der Zweck der allgemeinen Rechtleitung verloren gehen.
Nun ist die Verschiedenheit der Überlieferungen über die Persönlichkeiten wie den Mehdi und ihr Grund der folgende: Diejenigen, die die Überlieferungen kommentierten, wandten die Texte der Überlieferungen bei ihren Kommentaren und Auslegungen an.
Zum Beispiel:
Da damals der Regierungssitz in Damaskus oder in Medina lag, stellten sich die Kommentatoren die Ereignisse um den Mehdi oder Sufyan in Gegenden wie Basra, Kufa
oder Damaskus, die in der Umgebung dieser Regierungssitze lagen, vor und kommentierten auch dementsprechend. Des Weiteren stellten sich die Kommentatoren die gewaltigen Werke, wie sie aus der Einflusssphäre dieser Persönlichkeiten und in der Gemeinschaft um sie herum entstanden, so vor, als hätten diese Persönlichkeiten sie (selbst und ganz allein) vollbracht und legten sie dementsprechend aus. Sie stellten sie so dar, als könnten alle Menschen diese außergewöhnlichen Persönlichkeiten sofort erkennen, sobald sie sich zeigen würden. Wir sagten aber schon: Diese Welt ist ein Platz der Prüfung. Dem Verstand wird eine Tür geöffnet, aber die Entscheidungsfreiheit nicht aus den Händen genommen. Wenn diese Persönlichkeiten erscheinen, können viele sie nicht erkennen, auch der schreckliche Deddjal kennt sich am Anfang selbst nicht. Vielmehr können diese Persönlichkeiten der Endzeit nur bei aufmerksamer Betrachtung im Lichte des Glaubens erkannt werden.
In einer ehrwürdigen Hadith wird über den Deddjal (der Betrüger, dessen Erscheinen) zu den Zeichen gehört, die auf den nahenden Weltuntergang hinweisen, überliefert: "Sein erster Tag gleicht einem Jahr, sein zweiter Tag einem Monat, sein dritter Tag einer Woche, sein vierter Tag ist gleich wie die gewöhnlichen Tage. Wenn er erscheint, wird die ganze Welt davon hören. Er wird die ganze Welt in vierzig Tagen bereisen." Unbillig denkende Menschen betrachteten diese Überlieferung als unmöglich. Gott bewahre! Sie versuchten diese Überlieferung zu leugnen und für nichtig zu erklären. In Wirklichkeit muss ihre Wahrheit lauten:
{"Alles Wissen ist bei Gott!"}
Darin liegt ein Hinweis darauf, dass eine Person von nördlicher Richtung kommen wird, welche die Gottheit leugnet und sich an die Spitze einer gewaltigen Strömung stellt, die aus dem ungläubigen Gedankengut der
Naturalisten im Norden durchsickert, wo die ungläubige Welt am dichtesten ist. In diesem Hinweis findet sich als Zeichen der Weisheit, dass in der polarnahen Zone das Jahr nur aus einer Nacht und einem Tag besteht. Sechs Monate sind Nacht und sechs Monate sind Tag. "Für den Deddjal ist ein Tag gleich einem Jahr" weist darauf hin, dass er in der Nähe dieser Zone erscheinen wird. "Sein zweiter Tag ist ein Monat" besagt, dass die Sonne im Sommer einen Monat lang nicht untergeht, wenn man von Norden her kommt. Dies zeigt auch, dass der Deddjal im Norden auftritt und nach der zivilisierten Welt greifen wird. Während die Überlieferung dem Deddjal Tage zumisst, weist sie auf diese Bedeutung hin. Je weiter er hierher nach Süden kommt, geht die Sonne eine Woche nicht unter. Noch weiter unten dauert es drei Stunden vom Untergang bis zum Wiederaufgang der Sonne. Als ich in Russland in Gefangenschaft war, war ich an einem solchen Ort. In der Nähe von uns sah man, dass die Sonne eine Woche nicht unterging. Um das zu sehen, reisten die Leute dort hin. Die Bedingung, dass die ganze Welt hören wird, wenn der Deddjal sich zeigt, erfüllten Telegramme und Rundfunk. Seine Vierzig-Tage-Reise machen heute Züge und Flugzeuge als seine Reittiere möglich. Die Ungläubigen, die früher diese beiden Bedingungen für unmöglich hielten, halten sie heute für alltäglich.
Da ich Gog und Magog und die große Mauer, welche zu den Kennzeichen des nahenden Weltuntergangs gehören, bereits in einer Abhandlung in gewissem Grade ausführlich behandelt habe, möchte ich hier nur noch kurz darauf hinweisen und folgendes dazu sagen:
Es wird in den alten Überlieferungen erwähnt, dass die Völker der Mandschurei und der Mongolei in der Geschichte schon einmal die menschliche Zivilisation zu Grunde gerichtet und diejenigen, die den Bau der großen chinesischen Mauer veranlasst haben, kurz vor dem Weltuntergang wiederum die menschliche Zivilisation in einem Anflug von Terrorismus zu Grunde richten werden. Manche Ungläubige sagen: "Wo sind diejenigen, die so
viel ungeheuerliches getan haben und noch tun werden?"
Eine Naturkatastrophe gleich einer Heuschreckenplage sieht man in mancher Jahreszeit sehr häufig. Ist die Jahreszeit vorüber, zieht sich diese Insektenart, welche das Land zerstört hatte, bis auf einige, wenige Exemplare zurück. Ist ihre Zeit wieder gekommen, geht die gleiche Plage mit Gottes Befehl wieder in großem Umfang von diesen wenigen Exemplaren aus. Es scheint, als habe ihre Art sich verflüchtigt, doch bleibt ihre Natur weiterhin ungebrochen. Ist ihre Zeit gekommen, sind sie wieder da. Genauso werden auch die gleichen, welche schon einmal die Welt durcheinander gewirbelt hatten, wenn ihre Zeit gekommen ist mit der Erlaubnis Gottes, wieder die menschliche Zivilisation durcheinander wirbeln. Doch ihre Drahtzieher treten nun unter einer anderen Maske auf.
{"Das Verborgene kennt Gott allein!"}
Neunter Pfeiler:
Die Resultate eines Teils der Glaubenswahrheiten beziehen sich auf diese durch Bedingungen eingeschränkten und engen Welt. Ein anderer Teil von ihnen bezieht sich auf die weite und unbegrenzte Welt des Jenseits. Da ein Teil der ehrwürdigen Ahadith, die von den besonderen Vorzügen der guten Taten und ihren Belohnungen handeln, in einem poetischen Stil abgefasst sind, um einen ermunternden oder zurechtweisenden Einfluss auszuüben, sehen sie oberflächlich betrachtende Menschen als übertrieben an. Da sie alle ein Ausdruck der reinen und lauteren Wahrheit sind, gibt es in ihnen nichts, was unwahr oder übertrieben wäre.
Da ist zum Beispiel das folgende Hadith, mit dem sich die Gemüter aller unbillig Denkenden am meisten beschäftigen.
(au kema qal: oder so ähnlich)
Sinngemäße Wiedergabe: "Wenn die Welt bei Gott dem Gerechten so viel Wert hätte wie der Flügel einer Mücke, dürften die Ungläubigen noch nicht einmal einen Schluck Wasser von ihr trinken." Der Sinn ist folgender:
Der Ausdruck عِنْدَ اللَّهِ {"Bei Gott."} besagt, dass hier von der ewigen Welt die Rede ist. In der Tat ist Licht aus der ewigen Welt (wenn auch nur von der Bedeutung) eines Mückenflügels, da es nun einmal ewig ist, mehr als das Licht, das die Erde füllt, und doch nur vergänglich ist. Hier wird also nicht die ganze, große Welt mit einem Mückenflügel verglichen, sondern vielmehr gesagt, dass die ganz persönliche Welt, die in der winzig kleinen Lebensspanne eines jeden Menschen Platz findet, nicht mit dem beständigen Segen Gottes und der Gnade Gottes, wenn auch nur von der Größe eines Mückenflügels, verglichen werden kann. Des Weiteren hat die Welt zwei Gesichter, ja vielmehr drei Gesichter. Das eine ist der Spiegel der Namen Gottes des Gerechten. Das zweite ist auf das Jenseits gerichtet; sie ist der Acker des Jenseits. Das dritte blickt auf die Vergänglichkeit und Nichtigkeit. Das ist die uns bekannte Welt der Leute des Irrwegs, die nicht Gottes Wohlwollen findet. Das heißt, es ist dies ein Hinweis darauf, dass es nicht die riesengroße Welt ist, die der Spiegel der schönen Namen Gottes und die Briefe des Einzigartigen und der Acker des Jenseits ist, sondern vielmehr die Welt der Weltenanbeter, die dem Jenseits widerspricht und die Quelle aller Fehler und der Ursprung allen Übels ist, die nicht den Wert auch nur eines Stäubchens der Ewigkeit hat, das den Leuten des Glaubens in der jenseitigen Welt gegeben wird. Wo also findet sich nun diese Ausdeutung, die in höchstem Maße richtig und für ernst zu nehmen ist, und wo bleibt die Bedeutung, so wie sie die ungerechten Leute des Unglaubens verstanden haben! Wo steht die Bedeutung, die diese ungerechten Leute des Unglaubens für dermaßen übertrieben und unwahr halten!
Noch ein Beispiel:
Eine der Überlieferungen, die die ungerechten Leute des Unglaubens für übertrieben halten, ja sogar als eine unvorstellbare Übertreibung und als eine irrige Vorstellung betrachten, sind die über die Belohnungen für gute Taten und die über besondere Vorzüge mancher Suren.
Es gibt folgende Aussagen des Propheten: "Die erste Sure Fatiha (die Eröffnung) bringt so viele Segenspunkte wie der ganze Qur'an." "Die Sure 112 (Ihlas : Aufrichtige Hingabe) wie ein Drittel des ganzen Qur'an." "Die Sure 99 (das Beben) wie ein Viertel." "Die Sure 109 (die Ungläubigen) wie ein Viertel." "Die Sure 36 (Ya-Sin) zehnmal so viel wie der ganze Qur'an." So sagen denn Menschen, die dies ungerecht und oberflächlich betrachten: "Das ist unvorstellbar. Denn es sind die Sure Ya-Sin und noch andere Suren, die besondere Vorzüge haben, schon im Qur'an vorhanden. Aber wird deswegen schon eine solche Aussage sinnlos?"
Die Wahrheit ist aber folgende: Jeder Buchstabe des weisen Qur'an bringt Segen. Er ist ein gutes Werk. Durch die Gnade Gottes bringt der Segen dieser Buchstaben Früchte, manchmal zehn, manchmal siebzig, manchmal siebenhundert (wie die Buchstaben des Thronverses, Ayatu l-Kursi, Sure 2, Vers 255), manchmal tausendfünfhundert (wie die Buchstaben der Sure 112, Ihlas: Aufrichtige Hingabe), manchmal zehntausend (wie die Ayat, die man in der Nacht der Berufung des Propheten, Leyle-i Berat, und zu anderen bestimmten Zeiten rezitiert) und manchmal dreißigtausend, (also etwa ebensoviel wie ) zum Beispiel Mohnkörner hervorbringen können (z.B. die Ayat, die man in der Nacht der Bestimmung, Leyle-i Qadr, rezitiert). Der Hinweis des Qur'an, dass diese Nacht tausend Monaten entspricht, ist so zu verstehen, dass in dieser Nacht ein Buchstabe im Qur'an dreißigtausendfachen Segen bringt. In der Tat kann der weise Qur'an mit der Vielzahl der Segnungen, die von ihm ausgehen, in nichts aufgewogen werden und er wird es auch nicht. Doch kann er durch den Segen, der von ihm
ausgeht, mit einigen seiner Suren verglichen werden.
Stellen wir uns einen Acker vor, auf dem Maiskörner ausgesät sind; tausend Körner wurden ausgesät. Nehmen wir an, dass manche Körner sieben Kolben hervor bringen und jeder Kolben je hundert Körner enthalte. Dann entspricht (dem Ertrag, den) ein einziges Korn (hervorgebracht hat), zwei Drittel der gesamten Aussaat. Zum Beispiel bringt eines von ihnen zehn Kolben und jeder Kolben zweihundert Körner hervor. Dann erzielt ein einziges Korn zweimal so viel wie vorher die gesamte Aussaat im Acker. Auf diese Weise kann man also einen Vergleich ziehen.
Jetzt wollen wir uns einmal den weisen Qur'an als einen lichtvollen, heiligen Acker des Himmels vorstellen. Hinsichtlich des Segens, der aus der Anzahl seiner Buchstaben erwächst, entspricht vergleichsweise jeder seiner Buchstaben einem Saatkorn. Sein Fruchtstand (: der Kolben) soll hier nicht mit berechnet werden. An Hand von Suren und Ayat wie den Suren Ya-Sin, Ihlas, Fatiha, Qul ya ayyuha l-kafirun, Idha su l-silatu l-'ardu und anderen, über deren besondere Vorzüge sich der Prophet äußerte, kann er gewogen werden.
Der weise Qur'an hat im Ganzen dreihunderttausend und sechshundertzwanzig Buchstaben. Sure 112, Ihlas (Aufrichtige Hingabe) hat mit Besmele {Besmele ist eine Abkürzung von "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim" (Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen). Es steht am Anfang aller Suren. (A.d.Ü.)} neunundsechzig Buchstaben. Drei mal neunundsechzig macht zweihundertsieben Buchstaben. Also bringt jeder einzelne Buchstabe aus der Sure Ihlas etwa tausendfünfhundert Segenspunkte. Zählt man die Buchstaben in der Sure Ya-Sin und teilt die Buchstaben des ganzen Qur'an mit ihnen und achtet darauf, dass sie zehnfach mehr Segen als die Buchstaben des ganzen Qur'an bringen sollen, dann bekommt man folgendes Ergebnis: Jeder Buchstabe der ehrwürdigen Sure Ya-Sin hat etwa fünfhundert Segenspunkte.
Das heißt, dass jeder (Buchstabe) als ebensoviel gute Werke gezählt werden kann. Ziehst du in dieser Weise nun auch noch andere (Ahadith) zum Vergleich (über den Wert der Suren) heran, dann kannst du verstehen, was für eine anmutige, schöne und treffende Wahrheit ohne Übertreibung in ihnen zum Ausdruck kommt.
Zehnter Pfeiler:
Wie es unter den meisten Arten der Geschöpfe Ausnahmefälle gibt, so finden sich auch hinsichtlich der menschlichen Taten und Werke einige außergewöhnliche Einzelmenschen. Wenn diese Individuen in guten Taten vorangeschritten sind, dann ist ihre Art stolz auf sie. Im anderen Fall werden sie ein schlechtes Zeichen sein. Des Weiteren verbergen sie sich sogar. Es ist, als seien sie zu einer Legende geworden, oder zu einem Ideal. Alle anderen streben danach, selbst zu einer solchen Persönlichkeit zu werden. Jeder hat eine Möglichkeit, das zu werden. Was aber jenes vollkommene, außergewöhnliche Individuum betrifft, so ist es nicht an Zeit und Raum gebunden und unsichtbar. In Anbetracht seiner Unsichtbarkeit liegt logischerweise die Möglichkeit, von ihrer Allgemeingültigkeit zu sprechen. Das heißt, eine jede Tat kann nach der Überlieferung (unabhängig von Zeit, Raum und Öffentlichkeit) weitreichende Wirkungen haben.
Zum Beispiel:
"Wenn jemand zwei Rekat Namaz (Gebet) in dieser oder jener Zeit verrichtet, verdient er so viel Segen wie bei einer Pilgerfahrt." So entsprechen denn tatsächlich manchmal zwei Rekat Namaz einer ganzen Pilgerfahrt. Bei jedem Gebet von zwei Rekat ist diese Bedeutung allgemein gegeben. Das heißt jedoch, dass diese Aussagen des Propheten nicht jederzeit und für jeden zutreffend sind. Da die Annahme (unserer Gebete) von bestimmten Bedingungen abhängig ist, unterliegt sie nicht dem, was allgemein und allzeit gilt. Vielmehr ist sie entweder zeitlich bedingt, also nicht vorgeschrieben oder allzeit möglich und für alle gültig. Das heißt, die Allgemeingültigkeit einer Aussage des Propheten bringt lediglich eine Möglichkeit zum Ausdruck.
Noch ein Beispiel:
"Die üble Nachrede gleicht dem Mord." Das heißt, bei der üblen Nachrede gibt es einzelne Fälle, die, im Vergleich mit einem Mörder, mehr Schaden anrichten als mörderisches Gift.
Noch ein Beispiel:
"Ein schönes Wort gilt als eine große Wohltat wie die Freilassung eines Sklaven." Wenn in solchen Aussagen, wo es sich um Ermunterung und Anregung handelt, die Möglichkeit, dass dieser nicht näher definierte besondere Fall grundsätzlich überall eintreten kann, in Form einer allgemeinen Aussage formuliert wird, so geschieht das, um die Ermunterung zum Guten und die Abscheu vor dem Bösen zu erwecken.
Darüber hinaus können die Dinge der ewigen Welt nicht mit dem Maß dieser Welt gewogen werden. Das größte von hier kann mit dem kleinsten von dort nicht in gleicher Münze gewogen werden. Da sich der Segen für die Wohltaten auf die jenseitige Welt bezieht, bleibt unser irdisches Blickfeld dafür beschränkt. Wir können solche Dinge nicht mit unserem Verstand erfassen.
{"Wer dies liest, dem wird so viel Segen gegeben, wie der Segen von Mosis und Aaron."}
nämlich:
{"Aller Lobpreis und Dank gebührt dem Herrn der Himmel, dem Herrn der Erde und Herrn der Welten." "Sein ist die Herrlichkeit in den Himmeln und auf Erden, und Er ist der unbesiegte Sieger und der Allweise." (Sure 45, 37) "Aller Lobpreis und Dank gebührt dem Herrn der Himmel, Herrn der Erde und Herrn der Welten. Sein ist die gewaltige Größe in den Himmeln und auf Erden, und Er ist der unbesiegte Sieger und der Allweise. Ihm, dem Herrn der Himmel, gehört das Reich und Er ist der unbesiegte Sieger und der Allweise."}
Dergleichen Aussagen sind es, die in erster Linie den kritischen Blick derer, die unbillig und oberflächlich denken, auf sich ziehen. Die Wahrheit ist folgende:
In welchem Umfang wir uns in dieser Welt mit unserem eingeengten Blickfeld und unseren viel zu kurz greifenden Gedanken eine Vorstellung machen können über den Segen, den Mosis und Aaron, mit denen Friede sei, erhalten, kann mit dem Segen, den der Allbarmherzige in der ewigen Welt mit der ewigen Glückseligkeit einem Seiner Diener in Not für ein einziges Gebet gibt, verglichen werden. Zum Beispiel ist da ein Beduine, ein einfacher Mann, der noch nie den König gesehen hat. Er kennt nicht seine majestätische Größe. Wie er sich den Aga (Landherren) auf einem Dorf vorstellt, so denkt er sich in seiner so begrenzten Vorstellung, einen König als einen großmächtigen Aga. Ja, es gab unter uns sogar naive Leute, die früher immer sagten: "Was der König an seinem Lagerfeuer macht, während er neben seinem Kochtopf sitzend seinen Bulgur (Grützensuppe) rührt, das weiß unser Aga." Das heißt also, dass sie sich den König ihrer begrenzten Betrachtungsweise und gewöhnlichen Vorstellungsweise dachten, wie er seinen eigenen Bulgur selbst kochte. Sie dachten sich ihn in etwa so mächtig wie einen Hauptmann. Hätte jemand einem von diesen Männern gesagt: "Wenn du heute für mich diese Arbeit machst, will ich dir so viel Macht geben, wie viel du dir nur unter der Macht eines Königs vorstellen kannst, das heißt: ich will dir einen so hohen Rang geben, wie er dem eines Hauptmanns entspricht.", so entspricht dieses Versprechen der Wahrheit. Denn das, was von der königlichen Majestät in seine kleine Vorstellungswelt hineinpasst, ist nur so viel wie der Macht eines Hauptmanns entspricht.
So können wir uns denn mit weltlichen Augen und mit unserem beschränkten Denkvermögen die Wahrheit über den Segen, den wir im Jenseits empfangen werden, auch nicht anders vorstellen, als dieser Wanderhirte seinen König. Es handelt sich hier nicht um einen Vergleich mit
dem Segen, den Mosis und Aaron, mit denen Friede sei, tatsächlich erhalten, der uns aber unbekannt ist. Denn in der Regel wird immer etwas Unbekanntes mit etwas Bekanntem verglichen. Es handelt sich hier vielmehr um einen Vergleich des Segens, den ein gläubiger Diener für ein einziges Gebet tatsächlich empfängt, der aber uns unbekannt ist, mit einem Segen (dieser beiden Persönlichkeiten), den wir uns vorstellen können, der uns bekannt ist und den wir vergleichen können.
Darüber hinaus wäre die Meeresoberfläche mit einem Wassertropfen zu vergleichen, der das ganze Spiegelbild der Sonne in sich umfasst. Der Unterschied besteht in der Qualität. Die Art des Segens, der sich in dem Spiegel des Geistes von Mosis und Aaron, mit denen Friede sei, gleich wie in einem Meeresspiegel reflektiert, ist die selbe Art Segen, den ein gläubiger Diener gleich dem Spiegel eines Wassertropfens von einer Ayah empfängt. Hinsichtlich der Art und der Menge sind sie gleich. Was aber die Qualität betrifft, so ist sie von der Fähigkeit abhängig. Manchmal passiert es, dass ein einziges Wort, ein einziges Gebet einen solchen Schatz der Glückseligkeit öffnet, den man vielleicht in sechzig Jahren Dienst nicht erlangt. Das heißt; manchmal treten geistige Zustände ein, in denen eine einzige Ayah wie der ganze Qur'an Nutzen bringen kann.
Darüber hinaus kann die Belohnung von Gott, die der ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, der unter der Erscheinung des Gewaltigen Namens (Gottes) steht, durch eine einzige Ayah erreicht, vielleicht der Belohnung entsprechen, die ein (anderer) Prophet in seinem ganzen Leben erhält. Wenn man sagt, dass ein Gläubiger, der durch das Erbe Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, unter den Schatten des Gewaltigen Namens (Gottes) tritt, seiner Begabung entsprechend hinsichtlich der Menge so reichlich Lohn und Segen empfängt wie der Gnade und dem Segen eines Propheten entspricht, kann dies nicht ein Widerspruch zur Wahrheit sein. Des Weiteren gehören Segen und Tugend zu der
Welt des Lichtes. Eine (Spiegelung der) Welt aus dieser Welt (des Lichts) kann in einem kleinsten Teilchen Platz finden. Wie in einer winzig kleinen Glasscherbe der Himmel mit seinen Sternen sichtbar wird, genauso kann sich in einem Gebet (dhikr) oder in (der Rezitation) einer Ayah, welche durch eine aufrichtige Einstellung kristallklar(er Spiegel) werden, eine Belohnung und Segen so leuchtend klar wie der Himmel wiederfinden.
Schlusswort:
Oh Mensch, der du unbillig, oberflächlich, im Glauben schwach, in der Philosophie aber stark, selbstgefällig und kritisch bist! Betrachte diese Zehn Pfeiler. Und versuche dann nicht, indem du dir eine Aussage, die du als der Wahrheit widersprechend und mit Sicherheit den Gegebenheiten entgegengesetzt betrachtest, zum Vorwand machst, den Finger der Kritik gegen die Aussagen des Propheten und infolge dessen gegen den Rang der Fehlerlosigkeit des ehrenwerten Gesandten zu erheben! Denn zuallererst bringen diese Zehn Pfeiler dich dazu, von einer Verleugnung abzusehen. Sie sagen dir: "Gibt es tatsächlich einen Fehler, so liegt er auf unserer Seite." Er kann nicht auf Seiten der Hadith liegen. Und "Ist der Fehler gar nicht wirklich (ein Fehler), so ist er auf einen Mangel an Verständnis deinerseits zurückzuführen." Kurzum, wenn man etwas leugnen, zurückweisen will, muss man zuerst einmal diese "Zehn Pfeiler" leugnen, d.h. widerlegen können. Wenn du recht und billig denken kannst, solltest du nun, nachdem du über diese Zehn Pfeiler gründlich nachgedacht hast, nicht mehr aufstehen, um den Ahadith des Propheten, die dein Verstand als der Wahrheit zuwiderlaufend betrachtet, zu widersprechen! Sage: "Entweder gibt es dazu einen Kommentar oder eine Auslegung, oder sie haben (ganz offensichtlich) einen Sinn" und kritisiere sie nicht!
Elfter Pfeiler:
Der weise Qur'an bringt Gleichnisse, die einer Deutung bedürfen, doch er fordert absolute Ergebenheit. Auch die Aussagen des Propheten enthalten wie die Gleichnisse des Qur'an Darstellungen. Manchmal bedürfen
sie eines sehr sorgfältigen Kommentars und der Auslegung. Wir können uns mit den oben erwähnten Beispielen begnügen.
Ein Mann im Wachzustand kann ja den Traum eines schlafenden Mannes an Hand seiner Bewegungen deuten. Genauso hört manchmal ein Mann im Schlaf die Stimmen der Leute, die neben ihm wach sind und sich unterhalten. Er nimmt sie innerhalb seiner Traumwelt wahr und verleiht ihr entsprechend Gestalt. Genauso, oh du unbillig denkender Mensch, der du wie betäubt im Schlaf deiner Gottvergessenheit und deiner Philosophie liegst, sollst du das, was jene Persönlichkeit sieht, die das Geheimnis von
{"Da wandte er seinen Blick nicht ab und ließ ihn nicht umherschweifen." (Sure 53, 17)}
und von
{"Es schlafen meine Augen, doch mein Herz schläft nicht."}
erfahren hat und die wirklich wach ist, nicht in deinem Traum zurückweisen, sondern auslegen. Manchmal erlebt ein Mensch im Schlaf tatsächlich den Stich einer Mücke als ein Ereignis im Traum, als würde er in einem fürchterlichen Krieg verwundet. Könnte man ihn danach fragen, würde er sagen: "Tatsächlich wurde ich verwundet. Auf mich wurde mit Flinten und Kanonen geschossen." Diejenigen, die neben ihm sitzen, lachen über seine Qual im Schlaf. Das bedeutet also, dass der schläfrige Blick eines Gottvergessenen und seine philosophischen Gedanken mit Sicherheit kein Prüfstein für prophetische Wahrheiten sein können.
Zwölfter Pfeiler:
Da der Blick des Prophetentums, des Eingottglaubens (Tauhid) und des Glaubens (Iman) auf die Gegenwart Gottes (Vahdet), das Leben nach dem Tod (ahiret) und auf die Existenz des einen Gottes (Uluhiyet)
gerichtet ist, sieht er auch die Wahrheit dementsprechend. Das Auge (westlicher) Philosophie und Weisheit ist auf die Vielfalt in der Schöpfung, deren Ursachen und deren Natur gerichtet und sieht sie dementsprechend. Ihre Ausgangspunkte sind voneinander weit entfernt. Das größte Ziel der Leute des philosophischen Denkens ist unter den Zielen der Leute der Theologie und den Wissenschaftlern der Lehre vom Wort so winzig und unbedeutend, dass man es kaum sehen kann.
Aus diesem Grund sind die Leute der Weisheitslehre in ihren ausführlichen Erklärungen über das Wesen allen Seins und über die Feinheiten ihrer Formen weit fortgeschritten. Sie sind aber in dem hohen Wissen über Gott und über das Leben nach dem Tod so rückständig, dass sie noch rückständiger sind, als ein Gläubiger bei seinen Anfängen. Diejenigen, die dieses Geheimnis nicht bemerken, denken, die Gelehrten des Islams wären verglichen mit den (westlichen) Philosophen (den Naturwissenschaftlern) zurückgeblieben. Wie könnten jedoch diejenigen, denen der Verstand in die Augen gerutscht ist (d.h. sie glauben nur noch das, was sie sehen) und die in ihren Vielfältigkeiten erstickt sind (d.h. sie haben den Blick für das Ganze verloren), sich erdreisten, diejenigen, die dank des Erbes des Prophetentums die hohen heiligen Ziele erreicht haben, einholen zu können.
Wenn ein und dieselbe Sache aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird, ergibt sich tatsächlich eine zweifache Schau (haqiqat) und beide sind tatsächlich gegeben. Doch keine endgültige wissenschaftliche Schau kann der heiligen Schau des Qur'an widersprechen. Der kurze Arm der Wissenschaft kann den reinen unbefleckten Saum seines Gewandes nicht erreichen. Als Muster erwähnen wir hier ein Beispiel:
Wenn die Erdkugel zum Beispiel aus dem Blickwinkel der Naturwissenschaftler betrachtet wird, lautet ihre Wahrheit folgendermaßen:
Sie ist ein mittelmäßiger Planet und kreist inmitten zahlloser Sterne um die Sonne. Im Vergleich mit diesen Sternen
ist sie nur ein kleiner Himmelskörper. Aber wenn sie aus dem Blickwinkel der Leute des Qur'an betrachtet wird, wie im "Fünfzehnten Wort" erläutert wurde, lautet ihre Wahrheit folgendermaßen:
Da der Mensch, die Frucht der Welt und ein ohnmächtiges, schwaches Wunder der Macht ist, einzigartig, doch das vielseitigste, liebenswerteste und anmutigste, ist die Erde seine Wiege und seine Wohnung. Sie ist im Verhältnis zum Kosmos zwar klein, winzig, aber in ihrer Bedeutung und als ein Kunstwerk das Herz und der Mittelpunkt des ganzen Kosmos... sie ist die Messe und der Ausstellungsort aller wunderbaren Kunstwerke (Gottes)... der Erscheinungsort und Brennpunkt aller Manifestationen Seiner Namen... der Versammlungsort und Spiegel der unbegrenzten Tätigkeiten der Herrschaft (Gottes)... der Angelpunkt und Markt der zahllosen Schöpfungen Gottes, besonders der im großen Umfang freigiebig erschaffenen kleinen Arten unter den Pflanzen und Tieren und sie ist ein Ort, wo die Muster für die Kunstwerke der überaus weiten jenseitigen Welten im kleinen Maßstab vorgeführt werden. Sie ist eine schnell arbeitende Weberei der Ewigkeit. Sie ist eine sich schnell ändernde Nachbildung der Szenen der ewigen Welt. Sie ist ein enges, zeitliches Feld und Beet, wo die Samenkörnchen der immerwährenden Gärten schnell ihre Früchte tragen.
Wegen dieser geistigen Größe und künstlerischen Bedeutsamkeit hält der weise Qur'an die Erde, die den Himmeln gegenüber wie eine winzige Frucht eines riesigen Baumes gilt, allen Himmeln gegenüber im Gegengewicht, wie ein winzig kleines Herz einem riesigen Körper gegenüber. Er legt sie in eine Waagschale und alle Himmel in die andere Waagschale und spricht oft von:
{"Der Herr der Himmel und der Erde." (Sure 13, 16)}
So kannst du andere Beispiele mit diesem vergleichen und verstehen. Die geistlosen trüben Tatsachen der westlichen
philosophischen Denkweise (Naturwissenschaft) können nicht mit den Tatsachen des Qur'an, voll Geist und Licht, kollidieren. Da ihre Blickwinkel voneinander ganz verschieden sind, ist auch ihre Betrachtungsweise ganz verschieden voneinander.
Vierter Ast:
{"Siehst du nicht, dass alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, sich vor Allah niederwirft, die Sonne, der Mond, die Sterne, die Berge, die Bäume und die Tiere und viele unter den Menschen. Viele aber erhielten ihre Strafe zu Recht. Und wen Allah schmäht, hat keinen, der ihn ehrt. Siehe, Allah tut, was Er will." (Sure 22, 18)}
Aus der großen und umfangreichen Schatzkammer dieser Ayah wollen wir nur auf einen einzigen Edelstein hinweisen. Es ist dies wie folgt:
Der weise Qur'an erklärt ausdrücklich, dass alles, was es von dem Thron Gottes bis zu der Erde, von den Sternen bis zu den Mücken, von den Engeln bis zu den Fischen, von den Planeten bis zu den Atomen gibt, sich vor Gott dem Gerechten niederwirft, Ihm dient und Ihn anbetet, lobt und preist. Aber ihr Dienst und ihre Anbetung sind entsprechend ihrer Begabung und den Namen Gottes, die an ihnen offenbar werden, völlig unterschiedlich... ganz voneinander verschieden. Wir wollen hier eine von den Verschiedenheiten in ihrem Dienst, ihrer Anbetung mit einem Gleichnis erklären.
Zum Beispiel:
{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}
Baut ein großer und mächtiger Herrscher seines Reiches, eine große Stadt oder ein prächtiges Schloss, so stellt dieser König vier verschiedene Arten von Arbeitern für diesen Bau ein und nimmt sie in seinen Dienst.
Die erste Art sind seine Sklaven.
Diese Art erhält weder Lohn noch Gehalt. Vielmehr empfangen sie bei allen Arbeiten, die sie auf Befehl ihres Herrn ausführen, eine zutiefst innere Freude und eine hohe Begeisterung. Wenn sie ihren Herrn loben und von seinen Eigenschaften reden, steigert sich noch ihre Freude und Begeisterung. Sie betrachten ihre Beziehung zu ihrem heiligen Herrn als eine große Ehre und begnügen sich damit. Außerdem verspüren sie eine innerliche Freude, während sie im Namen dieses Herrn, in Seinem Auftrag, unter Seiner Aufsicht ihre Arbeit leisten. Sie benötigen weder Lohn, noch Rang oder Gehalt.
Die zweite Art bilden einige ungeschulte Arbeiter.
Sie wissen nicht, worum es sich bei dieser Arbeit handelt. Vielmehr arbeiten sie im Dienste ihres Herrn. Er lässt sie nach Seiner Vorstellung und Seinen Plänen arbeiten. Er gibt ihnen auch einen entsprechenden Lohn. Diese Diener wissen nicht, welch umfangreichem Ziel, welch hohem Sinn und Nutzen ihre Tätigkeiten dienen. Manche stellen sich sogar vor, dass ihre Tätigkeit kein anderes Ziel außer dem ihnen zustehenden Lohn und Gehalt hat.
Die dritte Art:
Dieser Herrscher, der über sein Eigentum verfügt, hat eine bestimmte Art Tiere. Er lässt sie einige Tätigkeiten bei dem Bau jener Stadt, jenes Schlosses verrichten. Er gibt ihnen nur Futter. Diese finden auch ihre Freude daran, dass sie ihren Begabungen entsprechende Tätigkeiten verrichten können. Wenn eine potentielle Fähigkeit, eine Begabung sich in eine Tätigkeit, eine Arbeit umsetzt, dehnt sie sich aus und atmet und bringt Freude. Die Freude an jeder Tätigkeit entspringt aus diesem Geheimnis. Der Lohn und Gehalt dieser Art Diener ist nur das Futter und ihre innere Freude. Sie begnügen sich damit.
Die vierte Art sind solche Arbeiter, die wissen, was sie tun und worum es sich bei ihrer Arbeit handelt und für wen sie arbeiten und worum es sich bei den Tätigkeiten der anderen Arbeiter handelt und was das Ziel dieses Herrschers, der über sein Eigentum verfügt, ist und warum er arbeiten lässt.
Diese Sorte Arbeiter haben eine Führungs- und Überwachungsposition über andere Arbeiter. Sie haben ihrer Stufe und ihrem Rang entsprechend ein Gehalt.
Genauso stellt der Herr der Welten, der der majestätische Herrscher der Himmel und der Erde ist und der Vollkommene Erbauer der diesseitigen und der jenseitigen Welt, in diesem kosmischen Schloss, innerhalb des Rahmens dieser Ursachen, sowohl die Engel als auch die Tiere, die Pflanzen, die unbelebten Dinge und auch die Menschen, nicht um Seines Bedürfnisses Willen in den Dienst, Er ist ja der Schöpfer aller Dinge, sondern um mancher Weisheiten Willen, wie um Seiner Würde und Größe und der Wirkung Seiner Herrschaft willen. Er veranlasst sie dazu, Ihm zu dienen und Ihn anzubeten. Diese vier Arten hat Er zu ganz verschiedenen Aufgaben und zu Seiner Anbetung in Dienst genommen.
Erste Art:
In unserem Beispiel sind mit den Sklaven die Engel gemeint. Was die Engel betrifft, so gibt es unter ihnen keine Anstrengungen und keine Bemühungen zu ihrer weiteren Entwicklung. Jeder Engel hat eine bestimmte Stellung (maqam) und einen festen Rang. Doch in den ihnen zugewiesenen Tätigkeiten finden sie die ihnen entsprechende Freude. In ihrem Dienst und ihrer Anbetung empfangen sie je nach ihrer Stufe auch ihren Segen. D.h. also, dass der Lohn für ihre Dienste und für ihre Hingabe in ihrem Dienst selbst liegt. Wie der Mensch sich mit Wasser, Luft, Licht und Nahrungsmitteln ernährt und erhält und sie genießt, so ernähren sich die Engel und genießen das Licht, das ihnen aus dem Gottesgedenken, dem Lobpreis, der Danksagung, der Anbetung, der Gotteserkenntnis und der Liebe aufleuchtet. Denn da sie aus dem Licht erschaffen sind, genügt ihnen Licht als alleinige Nahrung. Selbst gute Düfte, die mit dem Licht nahe verwandt sind, gelten ihnen als eine Art Nahrung, die sie gleichfalls zu schätzen wissen.
In der Tat lieben die Guten Geister die guten Gerüche. Des Weiteren empfangen die Engel durch die Tätigkeiten, die sie auf Befehl des Angebeteten verrichten, durch
die Arbeiten, die sie in Seinem Auftrag ausführen, durch die Dienste, die sie in Seinem Namen versehen, in Anbetracht der Dinge, die sie mit Seinen Augen betrachten, in der Ehre, die sie in der Verbundenheit mit Ihm erwerben, durch die Reisen, die sie zum Studium Seines Herrschaftsbereiches (Mulk) und des Reiches Seiner Namen (Melekut) unternehmen, in der Begeisterung, die in ihnen bei dem Betrachten der Erscheinungen Seiner Schönheit (Djemal) und Majestät (Djelal) wach wird, eine solch gewaltige Glückseligkeit, dass es der menschliche Verstand nicht zu fassen vermag und die keiner - es sei denn ein Engel - zu wissen vermag.
Ein Teil der Engel obliegt dem Dienst der reinen Anbetung, ein anderer Teil drückt ihren Dienst und ihre Anbetung in ihren Arbeiten aus. Der dem irdischen Dienst verpflichtete Teil Arbeitsengel ist in etwa den Menschen vergleichbar. Sie arbeiten, wenn man das so sagen darf, als eine Art Hirten. Ein anderer Teil arbeitet nach Art der Bauern. Denn die Erde ist gewissermaßen ein gemeinschaftlicher Acker für sie alle. Über alle Tierarten, die auf ihr leben, wacht ein zuständiger Engel unter dem Befehl des majestätischen Schöpfers, mit Seiner Erlaubnis, in Seinem Auftrag, kraft Seiner Macht und Stärke. Eine Stufe unter ihm stehen wieder andere Engel, welche die Hüteengel für nur eine bestimmte Tierart sind. Darüber hinaus ist die Erde auch ein Acker, auf dem alle Pflanzen bestellt werden. Es gibt einen zuständigen Engel, der im Namen Gottes des Gerechten und mit Seiner Kraft über allen wacht. Wieder ein anderer Engel, abermals eine Stufe unter ihm, wacht über nur eine bestimmte Pflanzenart. Solche Engel dienen Gott dem Gerechten auf diese Weise, beten Ihn an, loben und preisen Ihn. Der Erzengel Michael, mit dem Friede sei, gehört zu den Trägern des Thrones der Versorgung (Rezzaqiyet). Er führt unter ihnen die Aufsicht und ist der größte unter ihnen.
Die Engel, die als Bauern und Hirten dienen, sind nicht mit den Menschen zu vergleichen. Denn ihr Aufsichtsdienst geschieht allein im Auftrag Gottes des Gerechten,
in Seinem Namen, in Seiner Kraft und in Seinem Auftrag. Ihr Aufsichtsdienst besteht also nur darin, dass sie die Erscheinungen Seiner Herrschaft für die Art, für die sie beauftragt sind, beaufsichtigen, die Erscheinung der Macht und der Barmherzigkeit in dieser Art erkennen, die Befehle Gottes für diese Art sozusagen eingeben und die freien Handlungen dieser Art gewissermaßen ordnen. Und ihr Aufsichtsdienst über die Pflanzen im Acker der Erde besteht insbesondere darin, die Lobpreisungen, die die Pflanzen auf ihre Art darbringen, mit Engelszungen darzustellen und die lebendigen Geschenke, die sie mit ihrem Leben dem majestätischen Schöpfer darbieten, mit Engelszungen zu verkünden und mit den gegebenen Anlagen gut umzugehen und sie auf bestimmte Ziele hin auszurichten, sozusagen zu ordnen.
Diese Dienste der Engel sind eine Art Werk, das sie aus freiem Willen verrichten, ja es ist Gottesdienst und ihre Art der Anbetung. Eine tatsächliche Herrschaft über diese Dinge haben sie aber nicht. Denn alle Dinge sind mit dem besonderen Siegel des Schöpfers aller Dinge versehen. Andere können sich mit ihren Händen nicht an der Schöpfung beteiligen. Das heißt, was die Art Tätigkeit der Engel betrifft, so ist es ihr Dienst und ihre Anbetung, nicht ihre Gewohnheit wie bei den Menschen.
Die zweite Art Arbeiter in diesem kosmischen Schloss sind die Tiere.
Da die Tiere eine hungrige Seele und ein klein wenig freien Willen haben, können ihre Werke nicht allein um Gottes Willen geschehen. Sie gewinnen dabei in gewissem Grade etwas für ihre Seele. Der Herr des Reiches, dem alle Majestät und Ehre zu Eigen ist (Maliku l-Mulki Dhu l-Djelali ve l-Ikram), schenkt ihnen in Seiner Freigiebigkeit einen Lohn, der schon in ihrer Tätigkeit selbst enthalten ist, um ihrer Seele einen Anteil zu geben.
Zum Beispiel:
Die uns bekannte Nachtigall,
berühmt
geworden durch ihre Liebe zu einer Rose, nimmt der allweise Schöpfer in Seinen Dienst. Er gebraucht sie in fünffacher Absicht:
Erstens:
Sie ist eine Beauftragte, die im Namen der verschiedenen Tiergattungen die intime Beziehung zu den Pflanzenarten bekannt gibt.
Zweitens:
Sie ist seitens der Tiere, dieser der Versorgung bedürftigen Gäste des Erbarmens, eine Rednerin des Herrn, beauftragt, die Geschenke, die der freigiebige Versorger schickt, mit Jubelgesang (in Empfang zu nehmen) und ihre Freude darüber zum Ausdruck zu bringen.
Drittens:
Sie gibt den Pflanzen, welche ihren Artgenossen zu Hilfe gesandt worden sind, vor allen anderen einen guten Empfang.
Viertens:
Sie teilt den gesegneten Häuptern der Pflanzen um ihrer schönen Gesichter willen die große Bedürftigkeit der Tiere mit, die sich bis zum Grade der Liebe steigert.
Fünftens:
Sie bringt den anmutigsten Lobgesang, vor der Schwelle der Barmherzigkeit des Herrn des Reiches (Maliku l-Mulk), des Majestätischen (Djelal) in Seiner Vollkommenheit (Djemal) und Gastfreundschaft (Ikram), in der innersten Begeisterung, vor dem anmutigsten Gesicht, wie dem einer Rose, zum Ausdruck.
Außer diesen oben genannten fünf verschiedenen Absichten gibt es auch noch andere Deutungsmöglichkeiten. Diese Deutungsmöglichkeiten und Absichten sind das Ziel des Werkes, das die Nachtigall im Auftrag Gottes des Gerechten, des Gepriesenen, des Erhabenen verrichtet. Die Nachtigall spricht in ihrer eigenen Sprache. Wir verstehen deren Bedeutung aus ihrem melancholischen Gesang. Auch wenn sie die Bedeutung ihres eigenen Gesanges nicht vollständig versteht, hindert dies uns nicht daran, ihn zu verstehen, so wenig wie es auch die Engel und Geister nicht daran hindert. Es ist ja bekannt, dass "Der, welcher hört, besser versteht, als der, der spricht." Wenn die Nachtigall diese Bedeutungen nicht
ausführlich kennt, ist das kein Beweis dafür, dass es sie nicht gibt. Sie tut doch wenigstens gleich der Uhr, wenn sie uns die Stunden anzeigt. Auch sie weiß selbst nicht, dass sie dies tut. Wenn sie es nicht weiß, stört das nicht, wenn du es weißt. Was aber den geringen Lohn betrifft, den die Nachtigall dafür empfängt, so besteht er in der Freude, die sie in der Betrachtung jener schönen und lieblichen, lächelnden Rosen erhält, und in dem Genuss, der ihr im vertrauten Gespräch mit ihnen zuteil wird, wenn sie ihnen ihr Herz ausschüttet. Das heißt, ihr melancholischer Gesang ist nicht die Klage über das Leid der Tiere, sondern eine Danksagung, die aus (dem Empfang) einer Gabe des Erbarmens erwächst.
Vergleiche nun die Nachtigall (als Sprecherin der Vögel) mit der Bienenkönigin (welche gleich der Nachtigall die Sprecherin der Bienen ist), (dem Vertreter) der männlichen Tiere, der Spinnen, der Ameisen und der kleinen und kleinsten Tiere. Jedes von ihnen hat in seinem Tun vielerlei Bedeutungen gleich der Nachtigall. Auch für sie ist als eine kleine Entlohnung die ihnen entsprechende Freude in ihrem Dienst und an ihrem Tun gegeben. Mit dieser Freude erfüllen sie zugleich wichtige Aufgaben in diesem Kleinod des Herrn. So wie ein Mann, der auf einem Schiff des Königs seinen Dienst als Steuermann versieht und dafür seinen Anteil an der Heuer erhält, genauso erhalten auch die Tiere, die im Dienst des Hochgelobten stehen, den ihnen entsprechenden Lohn.
Eine Ergänzung zu dem Abschnitt mit der Nachtigall:
Gib Acht, dass du nicht etwa denkst, diese Art, bekannt zu machen, zu veröffentlichen und ihren Lobgesang anzustimmen, sei nur typisch für den Schlag der Nachtigall. Vielmehr haben die meisten Tierarten solche Vertreter, die der Nachtigall ähneln. Sie kennen ein oder mehrere besonders prächtige Exemplare, die ihre Art mit all ihren anmutigen Empfindungen, mit ihren anmutigen Lobpreisungen und mit ihren anmutigen Lauten vorstellen. Die Nachtigallen unter den Insekten und den Käfern sind besonders zahl- und artenreich. Sie lassen über den
Häuptern aller Tiere, die ein Gehör haben, von dem Kleinsten bis zu dem Größten, ihre Lobpreisungen mit den schönsten Klängen und Lauten hören und erfreuen sie damit. Ein Teil von ihnen sind Nachttiere. Sie sind die Freunde aller kleinen Tiere, die in die Stille der Nacht eingetaucht und auf ihrem Lager ruhen, und sie rezitieren ihnen Lobgedichte. In nächtlicher Stille, während die Schöpfung ihren Atem anhält, tragen sie ihnen mit süßen Worten ihre Lesungen vor. Sie sind wie geistige Pole, um die sich die Einsamen im Kreise versammeln und Gottes im Stillen gedenken. Jeder hört ihnen zu und gedenkt des majestätischen Schöpfers in seinem Herzen und lobt Ihn auf seine Art. Ein anderer Teil von ihnen lebt im Licht und macht am Tage von den Kanzeln der Bäume über den Häuptern aller Lebewesen, im Frühling und im Sommer mit lauter Stimme, mit anmutigen Gesängen und melodischen Lobpreisungen, die Barmherzigkeit des gnädigen Erbarmers bekannt.
Es ist, als ob sie - gleich einem Chorleiter - in einer Dhikr-Feier ihre Zuhörer mit erhobener Stimme in Begeisterung versetzten, sodass jeder von den Hörern in der Sprache seiner Art, mit dem besonderen Klang (seiner eigenen Stimme), des majestätischen Schöpfers zu gedenken beginnt. Das heißt, dass alles Sein und Leben (maudjudat), ja sogar die Sterne ihren Dhikr-Leiter, eine Art lichtstrahlender Nachtigall, haben.
Aber unter allen diesen Nachtigallen ist der Beste, der Würdigste, der Leuchtenste, der Klarste, der Großartigste und der Freigiebigste, der Stimmgewaltigste, der Glänzendste in den Eigenschaften, der Vollständigste im Gottesgedenken, der Umfassendste in der Danksagung, der Vollkommenste in seinem Wesen, der Schönste nach seinem Aussehen, der im Garten des Kosmos, alles Sein im Himmel und auf Erden mit seinen anmutigen Gesängen, seiner voll- und wohltönenden Stimme, mit seinen hohen Lobpreisungen in Begeisterung und in Ekstase versetzt, die ruhmreiche Nachtigall des Menschengeschlechtes und die Nachtigall der Adamssöhne mit dem
Qur'an, Mohammed, der Araber.
{"Möge sein und seiner Familie und seiner Gefährten Gebet auf das schönste und seine Hingabe auf das edelste gewürdigt sein!"}
Zusammenfassung:
Die Tiere, die in dem kosmischen Schloss dienen, folgen in vollkommenem Gehorsam den Befehlen des Seins (den Naturgesetzen) und zeigen den Sinn ihrer Natur (den Plan Gottes) in ihrem schönen Erscheinungsbild und als ein Werk Gottes des Gerechten. Die Aufträge ihres Lebens führen sie auf schönste Art mit der Kraft Gottes des Gerechten aus. Die Lobpreisungen und Gottesdienste, die sie auf diese Weise darbringen, gelten als ihre Gaben und lebendigen Gastgeschenke, die sie dem majestätischen Schöpfer und an der Schwelle dessen, der das Leben schenkt, überreichen.
Die dritte Art Arbeiter:
Es sind die Pflanzen und die unbelebte Natur. Da sie keine freie Entscheidung haben, können sie auch keine Belohnung erhalten. Ihre Werke sind rein um Allahs Willen und geschehen durch den Willen Gottes des Gerechten, in Seinem Namen, in Seinem Auftrag, in Seiner Macht und Kraft. Beobachtet man jedoch die Reaktion der Pflanzen, so spürt man, dass sie in der Erfüllung ihrer Aufgaben, in der Bestäubung, der Befruchtung, beim Heranwachsen und Reifen ihrer Früchte eine Art von Genuss empfinden. Doch empfinden sie überhaupt keinen Schmerz. Ein Tier, das einen freien Willen hat, empfindet außer Freude auch Schmerz. Da die unbelebte Natur und die Pflanzen bei ihren Tätigkeiten über keinen freien Willen verfügen können, sind ihre Werke viel vollkommener als die Handlungen der Tiere, die im Besitz ihrer freien Entscheidungen sind. Unter denen, die über einen freien Willen verfügen, sind die Werke derer, die gleich der Biene, mit Eingebung und Erleuchtung begnadet sind, weit vollkommener als die Werke derer, die auf ihrem freien Willen bauen.
Auf dem Acker dieser Welt beten alle Pflanzenarten zu dem Allweisen Schöpfer und bitten Ihn im wortlosen
Ausdruck ihrer naturgegebenen Anlagen: "Oh Herr! Gib uns die Kraft, überall auf der Erde die Fahne unserer Gattung aufzurichten und so das Königreich Deiner Herrschaft auf unsere Weise zu verkünden. Verleihe uns Erfolg, damit wir in allen Ecken der Moschee dieser Erde Dich anbeten. Schenke uns Kraft, wenn wir uns ausbreiten, wenn wir verreisen wollen, damit wir überall auf dem Ausstellungsort "Erde" die Ornamente Deiner schönen Namen, Deine einzigartigen, hinreißend schönen Kunstwerke in unserer Sprache bekannt machen."
Der Allweise Schöpfer nimmt ihre Gebete der beabsichtigten Meinung entsprechend an, indem Er den Samen eine Art Flügelchen oder Fallschirmchen von kleinen Federchen gibt, womit sie in alle Richtungen fliegen und sich verbreiten. Im Namen ihrer Gattung lässt Er sie Seine Namen vortragen, (wie die meisten der dornigen Pflanzen und ein Teil der Samen der gelben Blumen). Einem Teil (der Pflanzen) verleiht Er (Früchte) von schönem (fruchtigen) Fleisch, das die Menschen nötig haben und gerne mögen. Er lässt den Menschen ihnen dienlich sein, sodass dieser sie überall anbaut. Manche Samenarten sind unverdaulich und hart wie Knochen. Er überzieht sie mit dem Fruchtfleisch, welches dann die Tiere fressen, und so diese Samen in verschiedene Richtungen verbreiten. Er verleiht manchen auch Häkchen, die sich an jeden anheften, der sie berührt. So kommen sie wieder in eine neue Gegend und pflanzen dort die Fahne ihrer Gattung ein. Sie stellen die einzigartigen Kunstwerke des glorreichen Meisters aus. Einem anderen Teil, wie z.B. einer Pflanzenart, die man "Spritzgurke" nennt, verleiht Er die Kraft einer Schrotflinte. Ist ihre Reifezeit gekommen, fällt ihre Frucht, die Gurke, ab und verschießt ihre Samen wie Schrotkörner mehrere Meter im Umkreis und sät sie (auf diese Weise aus). Sie arbeiten dafür, dass die Leute des majestätischen Schöpfers in vielen Sprachen gedenken und Ihn lobpreisen. Finde noch andere, ähnliche Beispiele.
Der allweise Schöpfer, der Allwissende, der Allmächtige, erschafft alles in vollkommener Ordnung aufs schönste, stattet es aufs schönste aus und richtet es für Seine schönsten Zwecke her, beauftragt es mit den schönsten Aufgaben, lässt es den schönsten Lobpreis darbringen und die Gottesdienste aufs schönste verrichten.
Oh Mensch! Wenn du ein wahrer Mensch bist, lass die Natur, den Zufall, die Sinnlosigkeit, den Irrtum sich nicht in diese schönen Tätigkeiten einmischen; mache (Gottes wunderbare Schöpfung nicht auf diese Weise) hässlich, handle nicht hässlich, werde nicht (selbst dadurch) hässlich.
Die vierte Art Arbeiter:
Es sind die Menschen. Die Menschen die in diesem kosmischen Schloss eine Art Diener sind, ähneln sowohl den Engeln als auch den Tieren. Der Mensch ähnelt den Engeln in seinem universellen Dienst und in der Anbetung Gottes, in seinem umfangreichen Aufsichtsdienst, in seiner umfassenden Kenntnis und als öffentlicher Ausrufer der Herrschaft Gottes. Ja, der Mensch ist (in seinen Aufgaben) sogar noch vielseitiger. Aber da der Mensch eine Seele hat, die unersättlich und zum Bösen geneigt ist, werden in ihm - im Gegensatz zu den Engeln - sehr bedeutende Vor- und Rückschritte bemerkbar. Da der Mensch durch seine Handlungen eine Freude für seine Seele und auch einen Anteil für sich selbst sucht, gleicht er den Tieren. Weil dies aber so ist, erhält der Mensch auch zweierlei Lohn: Der eine ist für ihn persönlich, leiblich und wird in dieser Zeitlichkeit ausbezahlt. Die andere (Art Lohn) gleicht dem der Engel, umfasst (die Menschheit als) Ganzes, gilt für die Ewigkeit. Nun wurden der Lohn des Menschen für seine Leistung, seine Vor- und Rückschritte schon zum Teil in den vorangegangenen Dreiundzwanzig Worten erwähnt. Besonders im elften und dreiundzwanzigsten (Wort) wurde eingehend darauf hingewiesen. Deswegen kommen wir hier nun zum Ende und schließen die Türe (hinter uns) zu. Wir bitten den gnädigen Erbarmer inständig darum, dass Er die Tore zur Barmherzigkeit für uns öffne, uns bei der Vollendung dieses Wortes führe und uns den
Erfolg zum Reisegefährten gewähre. Wir schließen mit der Bitte um Verzeihung unserer Fehler und Nachlässigkeiten.
Fünfter Ast:
Der fünfte Ast trägt "fünf Früchte".
Erste Frucht:
Oh du meine selbstsüchtige Seele! Oh du mein weltanbetender Freund! Liebe ist der Anlass für die Existenz dieses Kosmos. Zudem ist sie das Band dieses Kosmos. Ferner ist sie das Licht dieses Kosmos, und sie ist sein Leben. Da der Mensch die vielseitigste Frucht dieses Kosmos ist, ist die Liebe, die den ganzen Kosmos umhüllen kann, in sein Herz, das der Kern dieser Frucht ist, hineingelegt. Eine solche grenzenlose Liebe kann nur derjenige verdienen, der grenzenlose Vollkommenheit besitzt.
Wohlan denn, oh Seele, oh Freund! Zwei Organe, die dem Menschen Angst und Liebe vermitteln, sind in seiner Natur (fitrat) vorhanden. In jedem Fall, werden diese Liebe und diese Angst entweder auf die Schöpfung oder auf den Schöpfer hin ausgerichtet sein. In Wirklichkeit ist aber die Angst vor der Schöpfung eine leidvolle Plage. Auch ist die Liebe zur Schöpfung (d.h. ihr verfallen zu sein) ein lästiges Unglück. Denn du hast Angst vor denen, die kein Erbarmen mit dir haben oder deine Bitte nicht entgegennehmen. In diesem Zustand ist die Angst eine leidvolle Plage. Was aber die Liebe betrifft, so kennt das, was du liebst, dich entweder nicht und geht, wie deine Jugendzeit und dein Besitztum, ohne ein "Auf Wiedersehen" zu sagen, oder beleidigt dich wegen deiner Liebe. Siehst du denn nicht, dass sich 99 Prozent der weltlichen Liebhaber über ihre Geliebten beschweren? Denn mit dem Innern des Herzens, welches der Spiegel dessen ist, dessen alle und alles bedürfen (Samad), die weltlichen, götzenähnlichen Geliebten anzubeten, ist in den Augen dieser Geliebten hässlich; sie finden es lästig und lehnen es ab. Die natürliche (fitrat) Beschaffenheit lehnt alles ab, was unnatürlich und ungebührlich ist, und verwirft es. (Die sinnliche Liebe soll hier außer Betracht bleiben.) Das heißt, die Dinge, die du liebst, kennen dich
entweder nicht oder sie verachten dich oder sie werden dich nicht (für immer) begleiten. Sie werden dich auch gegen deinen Willen verlassen.
Da dies nun einmal so ist, sollst du deine Angst und deine Liebe dem zuwenden, vor dem deine Angst zu wohltuender Hingabe wird. Deine Liebe soll mit einer Freude verbunden sein, die nicht erniedrigt. Sich vor dem majestätischen Schöpfer zu fürchten, heißt in der Tat, einen Weg zu der Liebe Seiner Barmherzigkeit zu finden und bei Ihm seine Zuflucht zu nehmen. Furcht ist eine Peitsche. Sie wirft dich an die Brust Seiner Barmherzigkeit. Bekanntlich macht ja eine Mutter ihrem Kindlein Angst, damit es sich in ihren Schoß flüchtet. Diese Angst ist für ihr Kindlein ganz besonders angenehm. Denn die Barmherzigkeit (shefqat) lässt es sich in ihren Schoß flüchten. In Wirklichkeit gleicht aller Mütter Liebe und Zärtlichkeit einem Blitzstrahl der Barmherzigkeit Gottes. Also liegt in der Gottesfurcht ein überwältigender Wohlgeschmack. Wenn sich in der Gottesfurcht ein solcher Wohlgeschmack findet, wird es offensichtlich, welch ein grenzenloser Wohlgeschmack sich in der Liebe Gottes findet. Des Weiteren rettet sich der, der sich vor Gott fürchtet, vor den erbärmlichen und unheimlichen Ängsten. Und da seine Liebe zur Schöpfung im Auftrag Gottes ist, endet sie auch nicht in Trennung und Leid.
In der Tat liebt der Mensch zuallererst seine eigene Seele, danach seine Verwandten, dann sein Volk, dann die lebendigen Geschöpfe, dann das Universum und die ganze Welt (dunya). Mit jedem dieser Kreise fühlt er sich verbunden. Er freut sich in ihren Freuden und leidet in ihren Leiden. Da aber nun im Tohuwabohu dieser Welt und ihren Wirbelstürmen nichts von Bestand ist, wird des Menschen hilfloses Herz zu allen Zeiten verwundet. Alle Dinge, die an seinen Händen festkleben, reißen ihm die Hände ab, wenn sie von ihm gehen, ja reißen sie ihm in Stücke. Ständig lebt er in seinem Leid oder trunken von seiner Gottvergessenheit. So ist das nun einmal, du meine Seele! Wenn du Verstand hast, sammle alle diese o.g.
Arten der Liebe, schenke sie ihrem wahren Eigentümer und rette dich von diesen Leiden. Solch grenzenlose Liebe gebührt dem Herrn grenzenloser Vollkommenheit und Schönheit. In dem Augenblick, in dem du sie ihrem wahren Eigentümer geschenkt hast, in dem Augenblick kannst du alle Dinge in Seinem Namen und als Seine Spiegelungen lieben, ohne (ihretwegen) zu leiden. Das heißt, man soll seine Liebe nicht unmittelbar und direkt an die Schöpfung weggeben. Anderenfalls wird die Liebe, die doch das schönste Geschenk (der Gnade) ist, zu peinvoller Verhöhnung werden.
Bleibt noch ein Aspekt, und das ist der wichtigste, oh Seele! Du gibst deine Liebe für dich selbst aus. Du machst dir deine Seele zu deinem Angebeteten und Geliebten. Alles opferst du deiner Seele. Es ist, als schriebest du dir eine Art Herrschaft zu. In Wirklichkeit ist aber der Grund der Liebe entweder die Vollkommenheit, die als Wesensmerkmal liebenswert ist, oder ein Vorteil, oder Wohlgefallen, oder eine Wohltätigkeit. Aus dergleichen Gründen wird etwas geliebt.
Nun, oh Seele! In einigen "Worten (Sözler)" haben wir schon unwiderlegbar bewiesen, dass dein eigentliches Wesen eine Mischung aus Fehlern, Mangel, Armseligkeit und Schwäche ist, wobei - gleich wie der Grad der Dunkelheit einer Verfinsterung im Vergleich den Glanz des Lichtes zeigt - du durch diesen Gegensatz mit dieser (Mischung) der Vollkommenheit, der Schönheit, der Macht und der Barmherzigkeit des majestätischen Schöpfers einen Spiegel vorhältst. Das heißt, oh Seele! Du sollst deine Seele nicht lieben, sondern als deinen Widersacher behandeln, oder sie voll Mitleid behandeln, oder - nachdem sie innerliche Ruhe (nefsu l-mutma'inna) erlangt hat - liebevoll behandeln. Wolltest du aber deine Seele lieben - denn du bist ja die Quelle allen Wohlbefindens und aller Vorteile, ja von der Freude an deinem Wohlbefinden und deinen Vorteilen geradezu hingerissen - so bevorzuge nicht dein Wohlbefinden und deinen Vorteil, den deine Seele sucht und doch nur einem Fünkchen gleicht,
vor grenzenlosem Wohlbefinden und nicht endenden Vorzügen! Werde nicht wie das Glühwürmchen. Denn, in der Einsamkeit seiner Finsternis versenkt es alle seine Freunde und geliebten Dinge, und begnügt sich selbst mit einem Fünkchen. Du sollst den Urewigen Geliebten lieben, denn zu dessen Liebenswürdigkeit gehören mit dem Wohlbefinden und allen Vorteilen für deine Seele auch noch die Geschenke der ganzen Schöpfung und allen Seins, mit dem du verbunden bist, aus deren Vorzügen du deinen Nutzen ziehst und mit deren Glück du glücklich wirst, damit du dich sowohl mit deinem eigenen als auch mit ihrer aller Glück freuen kannst. Des Weiteren kannst du grenzenloses Wohlbefinden, das dir aus deiner Liebe zu dem Absoluten-Vollkommenen erwächst, empfangen.
Deine starke Liebe, die du deiner eigenen Seele zuwendest, die dir um Gottes willen aus Seinem Wesen zuströmt, ist Liebe von ihrem Wesen her, die du aber missbrauchst und für dein eigenes Wesen verausgabst. Zerreiße also nun dieses "Ich" in deiner Seele und zeige das "Er (Hu)". All deine im ganzen Universum verstreute Liebe ist dir gegeben, als die Liebe zu Seinen Namen und Eigenschaften. Du hast sie missbraucht. Die Strafe dafür hast du dir zugezogen. Denn die Strafe ungebührlicher Liebe, am falschen Platz verausgabt, ist eine unbarmherzige Plage.
Für den urewigen Geliebten, der dir deine Wohnstatt mit seinem Namen der Erbarmer, der Barmherzige und mit Jungfrauen zum Paradies gestaltet, es dir für all deine Wünsche und deine leiblichen Genüsse bereitstellt, der dieses Paradies mit all Seinen weiteren Namen mit ewigen Geschenken für dich ausstattet, um die Wünsche deines Geistes, deines Herzens, deiner meditativen Wahrnehmung, deines Verstandes und all deiner sonstigen feinstofflichen Organe zufrieden zu stellen, der sich in jedem seiner Namen, als den vielen verschiedenen geistigen Schätzen als der Gnädige und Freigiebige erweist, ist ein Fünkchen Seiner Liebe so viel wert wie der ganze
Kosmos. Der ganze Kosmos kann auch nicht einem Bruchteil vom Aufscheinen Seiner Liebe gleichkommen. So höre denn nun den urewigen Erlass, den dieser urewige Geliebte (Mahbub) Seinen eigenen Geliebten (Habib) sagen lässt:
{"Wenn ihr Gott liebt, dann folgt mir, damit auch Gott euch liebt!" (3, 31)}
und befolge ihn!
Zweite Frucht:
Oh Seele! Dienst und Anbetung sind nicht ein erster Schritt in Richtung auf eine spätere Belohnung, sondern die Folgerung aufgrund eines vorangegangenen Geschenks. In der Tat haben wir unsere Belohnung schon erhalten. Dementsprechend sind wir zu Dienst und Anbetung verpflichtet.
Denn, oh Seele! Der majestätische Schöpfer, der dir als lautere Wohltat deinen Körper bekleidet und einen hungrigen Magen gegeben, hat unter Seinem Namen als "der Versorger (Rezzaq)" alle Speisen vor dir auf einer Geschenktafel ausgebreitet. Nachdem Er dir dann ein empfindsames Leben verliehen hat, verlangt auch dieses Leben, genau wie dein Magen danach, versorgt zu werden. Alle deine Sinnesorgane, wie Augen und Ohren, sind wie Hände, vor denen Er die ganze Erde als eine große Tafel voller Geschenke ausgebreitet hat. Nachdem Er dir dann deine Menschlichkeit verliehen hat, die viel Zivilisation, Kultur, Spiritualität erfordert, hat Er vor dem Magen deiner Menschlichkeit eine Tafel voller Gastgeschenke aufgetan, groß wie die Welt der Engel und der Menschen (alem-i mulk ve melekut) und so weit, wie du die Hand deines Verstandes ausstrecken kannst. Nachdem er dir dann als größte Menschlichkeit den Islam und den Glauben, der sich nach zahllosen Geschenken sehnt und der sich von den Früchten der grenzenlosen Barmherzigkeit ernährt, geschenkt, hat Er vor dir eine Tafel voller Geschenke, Glückseligkeit und einen Sinn für den Bereich aller Möglichkeiten, zugleich mit dem der Schönen Namen
und dem der Eigenschaften des Heiligen aufgetan. Nachdem Er dir dann die Liebe als ein Licht des Glaubens gegeben, hat Er dir eine Tafel mit Geschenken ohne Ende, Glückseligkeit und Wohlgeschmack zugeeignet. Das also heißt, wenn du auch hinsichtlich deines Körpers ein kleines, schwaches, ohnmächtiges, elendes, abhängiges und beschränktes Wesen bist, so bist du doch durch Seine Gaben von einem kleinen Teilchen zu einer alles umfassenden lichtvollen Ganzheit aufgestiegen. Denn, indem Er dir das Leben verliehen hat, bist du als ein Bruchteil zu einer Art Ganzheit gelangt; indem er dir deine Menschlichkeit verliehen hat, zu einer wahren Ganzheit; indem Er dir den Islam geschenkt hat, zu einer erhabenen und leuchtenden Ganzheit; und indem Er dir die Erkenntnis verliehen hat, ließ Er dich zu dem allumfassenden Licht aufsteigen.
Wohlan, oh Seele! Du hast diesen Lohn schon (im voraus) erhalten. Nun bist du (aber auch zu) einem angenehmen, gnadenvollen, erholsamen, leichten Dienst vor Gott und zu Seiner Anbetung verpflichtet. Doch selbst dafür bist du noch zu träge. Wenn du ihn aber nur halb machst, als reichte der schon zuvor empfangene Lohn nicht aus, so stellst du viel zu große Forderungen. Zudem (versuchst du, Gott) hinzuhalten, wenn du sagst: "Warum ist mein Gebet nicht angenommen worden?" Was dir zusteht, ist zu bitten, nicht (zu versuchen, Gott) hinzuhalten. Gott der Gerechte schenkt dir das Paradies und die ewige Glückseligkeit als Seine lautere Güte und Freigiebigkeit. Darum sollst du auch immer bei Seiner Barmherzigkeit und Freigiebigkeit Zuflucht suchen. Vertraue auf Ihn und höre den folgenden Erlass (ferman):
{"Sprich: Es ist Gottes Huld und Seine Barmherzigkeit, worüber sie sich nun freuen sollen. Das ist besser, als was sie (im Diesseits an Geld und Gut) zusammenbringen." (Sure 10, 58)}
Wenn du sagst:
"Wie kann ich solch umfangreichen, grenzenlosen Gastgeschenken mit meinem begrenzten, unvollkommenen Dank entgegnen?"
Antwort:
Mit einer Absicht, die alles mit einschließt, mit einer grenzenlosen Überzeugung...
Ein armer Mann tritt vor seinen König mit einem Geschenk im Wert von fünf Pfennigen hin und sieht, die Geschenke, von ehrenwerten Männern gebracht, jedes Millionen wert, dort aufgestellt. Es kommt ihm in den Sinn: "Mein Geschenk ist nichts wert. Was soll ich machen?" Plötzlich sagt er: "Oh mein Herr! Alle diese wertvollen Geschenke biete ich Dir in meinem Namen an. Denn Du bist ihrer würdig. Wenn ich dazu im Stande wäre, wollte ich Dir noch einmal ein Gleiches schenken." So nimmt dieser König, der überhaupt nichts benötigt und ihre Geschenke nur als Zeichen der Loyalität und Hochachtung seiner Untertanen entgegen nimmt, diese große und alles mit einschließende gute Absicht (niyet), den Wunsch dieses armen Mannes, seine Wertschätzung aus einer guten und edlen Überzeugung heraus, als das größte Geschenk an. Genauso sagt ein Diener in seiner Armseligkeit im Gebet, At-tehiyyatu lillah (alles Gute gebührt Gott). Das heißt: "Die Geschenke, die Dir die Geschöpfe mit ihrem Leben in all seinen Erscheinungsformen (hayat) als Gottesdienst darbringen, möchte ich Dir alle wie mein eigenes Geschenk darbringen. Stünde es in meiner Macht, wollte auch ich Dir darbringen, so viel auch immer ihrer aller Lobpreis entspricht. Zudem gebührt Dir alles, sogar noch mehr als sie Dir darbringen können." So ist denn diese Absicht und Überzeugung eine alles und jedes umfassende Danksagung. Die Absicht der Pflanzen aber sind ihre Samenkörner und Kerne.
Zum Beispiel hat eine Honigmelone in ihrem Herz tausend Absichten in Form ihrer Kerne. "Oh mein Schöpfer! Ich will die Ornamente Deiner schönen Namen an vielen Stellen der Erde bekannt machen." Da Gott der Gerechte weiß, wie Dinge künftig kommen werden, nimmt Er ihre Absichten als Gebet an und als einen Dienst, der bereits ausgeführt wurde. "Die innere Absicht (niyet) eines Gläubigen wiegt schwerer, als die Tat", weist auf dieses
Geheimnis hin. Aus diesem Geheimnis heraus wird der Sinn (des folgenden Gebetes) verständlich, Gott in grenzenloser Zahl zu loben und zu preisen, wie:
{"Lobpreis und Dank sei Dir nach Zahl und Maß Deiner Schöpfungen, die Dich zufrieden stellen, die Deinen Thron schmücken, welche die Tinte Deiner Worte sind. So preisen auch wir Dich mit allen Lobpreisungen Deiner Gesandten, Deiner Gottesfreunde und Deiner Engel."}
Des Weiteren bringt zum Beispiel ein Offizier in seinem eigenen Namen dem König alle Dienste seiner Soldaten dar. Genauso sagt ein Mensch, der sich als Offizier der Schöpfung versteht, der über Tiere und Pflanzen das Kommando führt, der im Stande ist, gegenüber allen Existenzen der Erde als Vertreter Gottes (: Kalif) zu erscheinen und der sich in seiner eigenen, persönlichen Welt (d.h. in seinem Leben) allen als Beauftragter vorstellt,
{"Dir allein dienen wir, und zu Dir allein nehmen wir unsere Zuflucht." (Sure 1, 5)}
Er bietet dem Angebeteten in Seiner Majestät (Ma'budu Dhu l-Djelal) alles Gebet, die Dienste und Hilferufe der ganzen Schöpfung wie seine eigenen an. Ferner sagt er:
{"Gepriesen seist Du mit der Gesamtheit aller Lobpreisungen der Schöpfung, in all den Sprachen Deiner Kunstwerke."}
Er lässt die ganze Schöpfung in seinem Auftrag sprechen. Ferner sagt er:
{"Oh Gott, segne Mohammed so viel Mal, nach der Zahl der Bestandteile des Alls und der Anzahl seiner Atome."}
Er bringt Mohammed, mit dem Friede und Segen sei,
im Namen aller Dinge seine Segenswünsche dar. Denn alle Dinge stehen mit dem Licht Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, in Verbindung. So verstehe denn den Sinn einer unbegrenzten Anzahl Lobpreisungen Gottes und Segenswünschen für Mohammed, mit dem Friede und Segen sei.
Dritte Frucht:
Oh Seele! Wünschst du in einer kurzen Lebensspanne ein gutes Werk für das Jenseits im grenzenlosen Maße und möchtest jede einzelne Minute deines Lebens so verdienstvoll wie ein ganzes Leben sehen und würdest gerne deine alltäglichen Gewohnheiten in einen Gottesdienst und deine Gottvergessenheit in Gottbewusstsein umwandeln, dann folge den preisenswürdigen Sitten des Propheten. Denn, wenn du dich der Art und Weise der Scharia entsprechend verhältst, versetzt dich das auf eine Art in Gottes Gegenwart (huzur). Es wird dir zu einer Art Gottesdienst. Es bringt dir im Jenseits viele Früchte.
Du hast etwas gekauft. In dem Augenblick, wo du im Handel und Wandel auf die Regeln der Scharia achtest, wird auch der alltägliche An- und Verkauf zu einem Gottesdienst. Diese Erinnerung an die Bestimmungen der Scharia gibt eine Vorstellung von der Offenbarung. Indem du aber an den Gesetzgeber denkst, wendest du dein Antlitz Gott zu. Auch das versetzt dich wiederum in die göttliche Gegenwart. Das heißt also: indem man bei seinen Handlungen den preisenswürdigen Sitten des Propheten entspricht, bringt dieses vergängliche Leben bleibende Frucht und erhält man einen Nutzen, der ein Anlass für ein ewiges Leben wird. Höre den folgenden Erlass (ferman):
{"Darum glaubt an Allah und Seinen Gesandten, den ungelehrten Propheten, der an Gott und Seine Worte glaubt; folgt ihm, damit ihr rechtgeleitet seid!" (Sure 7, 158)}
Bemühe dich darum, damit alle schöne Namen Gottes, die segenspendenden Erscheinungen, die sich durch die Bestimmungen der Scharia und den preisenswürdigen Sitten des Propheten zeigen, bei dir erkennbar werden.
Vierte Frucht:
Oh Seele! Wenn du die Leute der Welt, besonders die Leute der Ausschweifung, besonders aber die Leute des Unglaubens betrachtest, lass dich nicht von dem äußerlichen Schmuck und von den trügerischen, von Gott verbotenen Genüssen, täuschen! Ahme sie auch nicht nach. Denn wenn du sie auch nachahmst, so kannst du doch nicht ihnen gleich werden. Du wirst sehr tief fallen. Du kannst auch kein Tier sein. Denn der Verstand in deinem Kopf wird dir zu einem Instrument, das dir nur noch Unglück bringt. Er wird ständig auf dich einhämmern.
Nehmen wir an, in dem großen Saal eines Schlosses befände sich eine riesige elektrische Lampe. Viele kleine Lampen, die mit dieser großen Lampe verbunden und zu ihr parallel geschaltet sind, seien überall in den kleinen Räumen verteilt. Wenn nun jemand den Schalter zu dieser riesigen Lampe umlegt und so das Licht ausschaltet, fallen alle Räume in eine tiefe Dunkelheit und in eine Trostlosigkeit. In allen Räumen eines anderen Schlosses befänden sich ebenfalls kleine elektrische Lampen, die aber nicht mit der riesigen Lampe im großen Saal verbunden seien. Wenn nun der Schlossherr den Schalter zu dieser riesigen elektrischen Lampe umlegt und somit ausschaltete, kann in den übrigen Räumen dennoch Licht sein. Somit kann dort weiter gearbeitet werden. Diebe können keine Gelegenheit finden.
Wohlan denn, oh Seele! Das erste Schloss ist mit einem Muslim zu vergleichen. Der ehrenwerte Prophet, mit dem Friede und Segen sei, ist in seinem Herzen jener großen elektrischen Lampe (des Schlosses) vergleichbar. Vergäße er ihn jemals, würde er ihn - was Gott verhüten möge! - aus seinem Herzen verbannen, kann er nie mehr einen anderen Propheten annehmen. Ja, es bleibt in seinem Geist kein Platz mehr für irgendeine Art von Vollkommenheit. Ja, er wird noch nicht einmal mehr seinen Herrn anerkennen. In seinem Innersten verfallen alle Stuben,
stürzen alle feinstofflichen (Organe) in Finsternis und in seinem Herzen breitet sich eine furchtbare Zerstörung und Trostlosigkeit aus. Was gäbe es denn noch, was du anstelle dieser Zerstörung, dieser Trostlosigkeit gewinnen könntest, um dein Vertrauen zurückzugewinnen! Welchen Vorteil könntest du finden, um nach einer solchen Zerstörung den Schaden noch zu beheben? Dagegen ist das zweite Schloss den Fremdlingen (: Nichtmuslime) zu vergleichen. Auch wenn sie das Licht des Propheten, mit dem Frieden und Segen sei, aus den Herzen verweisen, können nach ihrer Vorstellung dennoch manche Lichter übrigbleiben oder sie stellen sich doch vor, dass sie übrigbleiben könnten. Ihre Art wie Mosis oder Jesus, mit denen Friede sei, zu glauben und (von der Existenz) eines Schöpfers überzeugt zu sein, können weiterhin bestehen bleiben und ihren Moralvorstellungen als Quelle dienen.
Oh du eigenwillige Seele (nefsu l-emmare)! Wenn du sagst: "Ich möchte nicht wie ein Fremdling sein. Ich will lieber wie ein Tier sein." Doch wie viele Male hatte ich dir nicht schon gesagt: "Du kannst nicht wie ein Tier sein. Denn da du Verstand im Kopf hast, schlägt dieser Verstand dir deine vergangenen Leiden und künftigen Ängste um die Ohren, um den Kopf, vor die Augen, ins Gesicht und verprügelt dich damit. Einen Genuss vermischt er dir mit tausend Leiden. Was aber das Tier betrifft, so empfängt es vollkommenen Genuss ohne Leid und freut sich. Daher nimm also zuerst einmal deinen Verstand heraus und wirf ihn von dir, dann erst werde ein Tier! Und weiter fühle dich (durch die folgende Ayah) geohrfeigt:
{"Sie gleichem dem Vieh, ja gehen noch mehr in die Irre als sie." (Sure 7, 179)}
Fünfte Frucht:
Oh Seele! Wie wir vielmals gesagt haben ist der Mensch die Frucht am Baume der Schöpfung. Er trägt ein Herz, wie eine Frucht ihren Samenkern, welcher
von der Wurzel (d.h. von seinem Ursprung) am weitesten ist, sich umfassend auf den ganzen (Baum) bezieht und die Zusammenschau des Ganzen (djihetu l-vahdet) in sich aufbewahrt. Er ist ein Geschöpf, dessen Gesicht auf Vielfältigkeit, Vergänglichkeit und Weltlichkeit (dunya) hin blickt. Was aber Dienst und Anbetung betrifft, so sind sie ein vereinigender Strang, der sein Gesicht von der Vergänglichkeit zur Ewigkeit, vom Geschaffenen zum Schöpfer, von der Vielheit zur Einheit und vom Endpunkt zum Ausgangspunkt wendet, oder ein Punkt, wo Anfang und Ende sich berühren.
Angenommen, eine kostbare, mit Bewusstsein begabte Frucht, die als Same bestimmt ist, würde die Lebewesen unter dem Baume betrachten und - stolz auf ihre Schönheit - sich in ihre Hände werfen oder aber nicht Acht geben und herunterfallen, so würde sie ihnen in die Hände fallen, in Stücke zerbrechen und schließlich wie eine ganz gewöhnliche Frucht verloren gehen. Wenn hingegen diese Frucht ihren Stützpunkt erkennt und daran denken könnte, dass der Kern in ihr, welcher eine Zusammenschau (djihetu l-vahdet) des ganzen Baumes in sich enthält, ein Mittel für den Fortbestand des Baumes und die Fortdauer seines Daseins (haqiqat) ist, dann erfährt dieser eine einzige Kern in dieser einen Frucht eine beständige, auf den ganzen (Baum) bezogene Wirklichkeit in einem fortdauernden (baqi) Leben.
Genauso wird auch der Mensch, wenn er sich in der Vielfalt (der Ursachen) verliert, im Dasein (kainat) erstickt, sich betrunken von seiner Liebe zur Welt vom Lächeln alles Vergänglichen (fani) verführen lässt und sich ihr in die Arme wirft, erfährt er auf jeden Fall einen grenzenlosen Verlust. Er stürzt zugleich in die Verlorenheit, die gleich ist mit Vergänglichkeit, gleich ist mit Nichtigkeit. Ferner verurteilt er sich innerlich zu seiner Hinrichtung. Wenn er jedoch durch das Ohr des Herzens den Glaubensunterricht mit den Worten des Qur'an hört, seinen Haupt erhebt und sich der Einheit (vahdet) zuwendet, kann er auf der Leiter des Dienstes und der Anbetung Gottes zum Throne der Vollkommenheit emporsteigen. So wird er ein unvergänglicher Mensch.
Oh du meine Seele! Da die Wahrheit nun einmal so ist und du zu dem Volk Abrahams, mit dem der Friede sei, gehörst, sage wie Abraham
{"Ich liebe die nicht, die untergehen." (Sure 6, 76)}
Und wende dein Gesicht dem beständigen Geliebten zu und weine so wie ich:
(Die persischen Verse die hier folgen sollten, sind schon im zweiten Kapitel des "Siebzehnten Wortes" niedergeschrieben worden, weshalb wir sie hier nicht angeführt haben.)
Fünfundzwanzigstes Wort
Da der Qur'an als ein bleibendes Wunder auf der Hand liegt, erscheint es meinem Verstand für unnötig, nach einem anderen Zeugnis zu suchen.
Da der Qur'an als ein Zeugnis der Wahrheit auf der Hand liegt, könnte es etwa für mein Herz schwer sein, die Ungläubigen zum Schweigen zu bringen?
Anmerkung
Wir hatten am Anfang die Absicht dieses Wort in fünf "Flammen" zu schreiben. Aber am Ende der ersten Flamme mussten wir sehr schnell schreiben, um es noch mit den alten (arabischen) Schriftzeichen drucken zu können. Wir haben sogar in manchen Tagen zwanzig, dreißig Seiten in zwei, drei Stunden geschrieben. Deswegen haben wir drei Flammen kurz und bündig zusammengefasst und die weiteren zwei Flammen vorläufig aufgegeben. Ich bitte die Brüder darum, meine Fehler und Mängel bei den Erklärungen mit Nachsicht und Toleranz zu betrachten.
Die meisten Ayat, die in dieser Abhandlung "Über die Wunder des Qur'an" behandelt werden, sind die, welche entweder die Ungläubigen zum Anlass ihrer Kritik machen oder die, welche die Wissenschaftler bestreiten oder solche Ayat, über die die Teufel unter Dschinnen und Menschen Verdächtigungen und Zweifel aufkommen lassen. Dieses "Fünfundzwanzigste Wort" hat die Wahrheit und die Andeutungen in diesen Ayat so erklärt und nach wissenschaftlichen Grundlagen bewiesen, dass die Punkte, die die Ungläubigen und die Wissenschaftler als Fehler ansehen, die Funken des Wunders und die Quellen sind, in denen sich die Wortkunst des Qur'an als vollendet herausstellt. Ihre Zweifel werden nicht erwähnt, um
keinen Brechreiz hervorzurufen, und es werden nur die richtigen Antworten gegeben. Nur im ersten Kapitel des "Zwanzigsten Wortes" werden in drei, vier Ayat, wie
{"die Sonne dreht sich..." (Sure 36, 38) "Wir machten die Berge zu Masten..." (Sure 78, 7)}
ihre Zweifel erwähnt. Diese Abhandlung über Wunder des Qur'an wurde zwar sehr kurz und eilig verfasst, aber hinsichtlich der Rhetorik und arabischen Sprachwissenschaft sind die Erklärungen so wissenschaftlich, fundiert und unwiderlegbar, dass sogar die Gelehrten davon begeistert sind. Jeden Abschnitt kann zwar nicht jeder, der aufmerksam liest, ganz verstehen und auch seinen Nutzen daraus ziehen, doch hat jeder in diesem "Garten" einen bedeutenden Anteil. Da diese Abhandlung sehr eilig und unter verwirrenden Umständen verfasst wurde, hat sie zwar in der Ausdrucksweise Mängel, sie erklärt aber vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet die Wahrheit in einigen sehr wichtigen Punkten.
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen." "Sprich: Gesetzt den Fall, die Menschen und die Geister kämen alle zusammen, um etwas herbeizubringen, was diesem Qur'an gleich wäre, so werden sie nichts dergleichen beibringen können. Auch nicht, wenn sie sich dabei gegenseitig helfen." (Sure 17, 88)}
Unter zahllosen Aspekten des weisen Qur'an, als Wunder, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, Schatzkammer der Wunder und das große Wunder Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, haben wir in meinen Abhandlungen und in der Risale-i Nur in arabischer Sprache und in meinem Kommentarbuch mit dem Titel "Zeichen des Wunders (Isharatu l-i'djaz)" und in diesen vorigen vierundzwanzig "Worten" auf etwa vierzig von ihnen hingewiesen. Hier wollen wir nur fünf Aspekte davon bis zu einem gewissen Grade erklären und die anderen Aspekte in ihnen zusammenfassen und mit einer Einleitung auf dessen Darstellung und Wesen hinweisen.
Die Einleitung besteht aus drei Abschnitten.
Erster Abschnitt:
Was ist der Qur'an? Wie kann man ihn darstellen?
Wie schon im "Neunzehnten Wort" erklärt und in anderen Worten bewiesen wurde, ist der Qur'an die urewige Übersetzung dieses großen Buches der Schöpfung... er ist das Sprachrohr ihrer verschiedensten Zungen, die die Wunderzeichen des Seins vortragen... er ist der Kommentator dieses Buches der unsichtbaren und bezeugten (alem-i shehadet) Welten... er ist der Entdecker der Namen Gottes als geistige Schätze, die in der Erde und im Himmel verborgen sind... er ist der Öffner der Wahrheiten, die in den Zeilen der Ereignisse enthalten sind... er ist die Sprache der unsichtbaren Welt in der sichtbaren Welt... er ist die Schatzkammer der ewigen Zuwendungen des Allbarmherzigen und der urewigen Reden des Gepriesenen, welche aus der unsichtbaren Welt kommen, die hinter dem Schleier dieser sichtbaren Welt liegt... er ist die Sonne, Fundament und Plan dieser geistigen Welt, die der Islam ist... er ist die heilige Landkarte der jenseitigen Welten... er ist das erläuternde Wort, eindeutige Auslegung, sicherer Beweis, klarer Übersetzer des Wesens, der Eigenschaften, der Namen und des Wirkens Gottes... er ist der Erzieher dieser Menschenwelt...er ist das Wasser und das Licht des Islam, was Hingabe in Gottes Willen bedeutet, was die
große Menschlichkeit ist... er ist die wahre Weisheit des Menschengeschlechts... er ist der wahre Lehrer und Wegweiser, der die Menschheit zur Glückseligkeit führt... er ist den Menschen sowohl ein Gesetzbuch als auch ein Gebetbuch und auch ein Buch der Weisheit, ein Buch des Gottesdienstes, ein Buch der Befehle und Einladungen, ein Buch des Gottesgedenkens, ein Buch des Nachsinnens; er ist das einzige, umfassende heilige Buch, das viele Bücher in sich enthält, die den Menschen für alle ihre geistige Bedürfnisse als Nachschlagewerke dienen können.
Er ist ein Buch des Himmels und gilt als eine heilige Bibliothek, die je ein Buch für die unterschiedliche Gemüts- und Lebensart aller Gottesfreunde, Getreuen, Kenner und Forscher der Wahrheit und für ihre verschiedenen Berufungen bietet, wie es der Stimmung in jeder Gemüts- und Lebenslage entspricht und jede Gemüts- und Lebenslage erhellt, wie es den Zwecken jeder Berufung angemessen ist und sie auch gestaltet.
Zweiter Abschnitt und Ergänzung zur Darstellung (des Qur'an):
Der Qur'an - herabgesandt vom Hohen Thron, offenbart durch Gottes höchsten Namen und durch alle Seine Namen auf deren höchster Stufe bestätigt (wie im "Zwölften Wort" bewiesen und erklärt wurde) - ist das Wort Allahs als des Herrn aller Welten. Zudem ist er der Erlass (ferman) Allahs, dessen Titel "Gott allen Seins" ist. Und weiter ist er eine Ansprache dessen, der Schöpfer der Himmel und der Erde ist. Überdies ist er das Wort des Herrn aller Herrscher. Zudem ist er eine immerwährende Predigt im Namen des allgemeinen Königreiches des Hochgepriesenen. Und weiter ist er ein Buch gnädigen Erbarmens aus der Überfülle des Allbarmherzigen. Überdies ist er eine Sammlung von Mitteilungen Gottes des Erhabenen voll Größe und Majestät, an deren Anfängen manchmal Chiffren stehen. Zudem ist er ein heiliges Buch voll Weisheit, herabgesandt vom Hohen Thron im Namen des Allerhöchsten, das alles umfasst und überall seine Gültigkeit hat. So ist denn dies das Geheimnis
aus dem heraus dem Qur'an der Ehrentitel "Wort Gottes" in vollkommener Rechtmäßigkeit verliehen wurde und immer noch verliehen wird. Den zweiten Platz auf der Stufenleiter nehmen nach dem Qur'an die Bücher und Schriften der anderen Propheten je nach dem Grad ihrer Vorzüglichkeit ein. Nun aber verhält es sich mit den zahllosen Worten Gottes so, dass dem Menschen ein Teil von ihnen als ein Wort besonderer Wertschätzung, ein anderer wie ein verkleinertes Abbild einer persönlichen Bezeichnung oder eines eigenen Namens, ein anderer in der Gestalt seines persönlichen Herren, ein anderer in der Form seines eigenen Reiches, ein anderer als das nur für ihn bestimmte Wort der Barmherzigkeit in Form einer Eingebung sichtbar wird. Die Eingebungen bei den Engeln, bei den Menschen und bei den Tieren sind hinsichtlich ihrer besonderen und ihrer allgemeinen Gültigkeit von einander sehr verschieden.
Dritter Abschnitt:
Der Qur'an ist ein himmlisches Buch, das in Kurzfassung die Bücher aller Propheten verschiedener Epochen enthält, die Werke aller Heiligen verschiedener Gemüts- und Lebensarten, die Werke aller aufrechten Männer der Wahrheit mit ihren verschiedenen Lehrmethoden. Er hat einen sechsfältigen Glanz. Er ist frei von der Finsternis der Verdächtigungen und Zweifel.
Er ruht in Gewissheit (bi l-yaqin) auf der Säule der himmlischen Offenbarung und des Urewigen Wortes. Sein Ziel und Zweck ist erwiesenermaßen ewige Glückseligkeit. Im Innern ist er offensichtlich reine Rechtleitung. Oben ist er notwendigerweise Strahl des Glaubens. Unten ist er mit wissenschaftlicher Gewissheit (bi ilme l-yaqin) Beweis und Zeugnis. Zur Rechten ist er mit der Gewissheit der Erfahrung die Sicherheit (teslim) des Herzens und des Gewissens. Zur Linken ist er mit Gewissheit durch Beobachtung (bi ayne l-yaqin) die Unterwerfung des Verstandes und der Vernunft. Seine Früchte sind mit Gewissheit durch Selbsterfahrung (bi haqqe l-yaqin) die Barmherzigkeit des Allerbarmers und die Gärten des Paradieses. Sein Rang und seine Bevorzugung
ist durch wahre Intuition unter Engeln, Menschen und Dschinnen gepriesen.
Jede von den Eigenschaften, die in diesen drei Teilen über Darstellung des Qur'an aufgezählt sind, wurden in verschiedenen Zusammenhängen schon eindeutig bewiesen oder sie werden noch bewiesen. Unsere Behauptungen sind keineswegs aus der Luft gegriffen, vielmehr ist jede einzelne von ihnen mit unwiderlegbaren Zeugnissen bewiesen.
Erste Flamme:
Diese Flamme hat drei Strahlen.
Erster Strahl:
Es ist die geradezu wunderbare Brillanz des Qur'an. Was aber diese Brillanz betrifft, so ist sie eine, die aus dem Fluss seiner Verse, aus der Kompetenz in seiner Aussage, aus der Einzigartigkeit seines Stils, aus seinem unvergleichlichen, bewunderungswürdigen Vorzug, aus der Überlegenheit seiner Erklärungen, aus seiner überragenden Unbefangenheit, aus der Kraft und Wahrhaftigkeit seines Inhalts, aus der Korrektheit und Beredsamkeit seines Wortes entsteht, eine Brillanz mit der er überaus geniale Dichter, die wunderbarsten Redner und Denker, die größte Kenntnisse besitzen unter den Söhnen Adams, zu einer Auseinandersetzung ruft und sie seit dreizehnhundert Jahren herausfordert. Er stachelt sie an und reizt sie in ihrem Gemüt. Obwohl er sie zu einer Auseinandersetzung herausfordert, konnten diese Genien, obwohl sie doch in ihrer Selbstgefälligkeit und Arroganz ihren Kopf bis zum Himmel empor gereckt halten, dennoch ihren Mund nicht öffnen, um sich mit ihm auseinanderzusetzen, verloren total ihre Würde und mussten ihr Haupt senken. Hier weisen wir auf diesen Aspekt seiner besonderen Brillanz auf zweierlei Art hin.
Erste Art:
Er ist ein Wunder und dieses ist gegenwärtig. Denn: Die Bewohner auf der arabischen Halbinsel waren in jener Zeit in der überwiegenden Mehrheit Analphabeten. Unkundig des Lesens und Schreibens tradierten sie ihren Stolz, die Ereignisse ihrer Geschichte, die Worte ihrer Väter, die ihrer guten Gesittung dienlich sein sollten, nicht durch Aufschreiben, sondern in ihrer Dichtung
und der künstlerischen Eleganz ihrer Redeweise. Ein bedeutendes Wort der Altvorderen prägte sich durch seine dichterische Anziehungskraft und in seiner Brillanz stets wieder dem Gedächtnis ihrer Nachkommen ein. So hatten denn quasi in Folge eines natürlichen Bedürfnisses die Brillanz, die Klarheit und Eleganz ihrer sprachlichen Ausdrucksfähigkeit auf dem geistigen Markt dieses Volkes gleichsam den Verkehrswert von Nationalhelden und -heiligtümern. Auf sie waren sie ganz außerordentlich stolz.
So stand denn jenes so hoch intelligente Volk, das die Welt nach Annahme des Islam durch seine Intelligenz lenkte und leitete, hinsichtlich seiner Beredsamkeit, der Eleganz seiner Sprache und der Brillanz seiner Ausdrucksfähigkeit, die bei ihnen in hohem Ansehen stand, auf die sie sehr stolz waren, die ihnen ein großes Bedürfnis, ja geradezu eine unbedingte Notwendigkeit waren, vor allen anderen Völkern der Welt auf der obersten Stufe.
Die Kunst der schönen Rede war von einer so hohen Bedeutsamkeit, dass zwei Stämme um eines einzigen Wortes eines ihrer Dichter willen in einen gewaltigen Kampf entbrennen und durch ein anderes Wort wieder Frieden miteinander schließen konnten. Es gab sogar sieben Dichter unter ihnen, deren sieben Gedichte die "sieben Ausgehängten" genannt wurden, weil sie mit goldenen Lettern an die Wände der Kaaba geschrieben wurden und auf die sie besonders stolz waren.
So geschah es denn in einer solchen Zeit, in der die Beredsamkeit im höchsten Ansehen stand, dass der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, herab gesandt worden ist. In der Zeit Mosis, mit dem Friede und Segen sei, stand die Magie und zur Zeit Jesu, mit dem Friede und Segen sei, die Heilkunde in hohem Ansehen. So waren auch ihre bedeutendsten Wunder von dieser Art. Und so wurden damals auch die Dichter der Araber dazu aufgefordert, einer seiner kürzesten Suren etwas Gleichwertiges entgegen zu setzen.
{"Und so ihr im Zweifel seid über das, was wir auf unseren Diener herab sandten, so bringt eine gleiche Sure hervor..." (Sure 2, 23)}
Mit diesem Erlass (ferman) fordert er sie dazu heraus. Des Weiteren sagt er: "Ohne zum rechten Glauben überzutreten, seid ihr verdammt. Ihr werdet zur Hölle fahren." Er reizt ihre Nerven aufs Äußerste. Er bricht ihren Stolz in fürchterlicher Weise. Er achtet ihre sich so hoch dünkende Klugheit nur gering. Er verurteilt sie zunächst zu ewiger Verlorenheit und später in der Hölle zu ewiger Pein und gleichzeitig hier auf Erden schon zur Hinrichtung. Er sagt: "Ihr werdet entweder Widerpart (gegen den Qur'an) leisten oder zu Grunde gehen (wenn ihr das nicht könnt), und zwar mit Leib und Leben."
Wäre also irgendein Widerstand möglich gewesen, etwa mit ein, zwei Zeilen seinen Anspruch für nichtig zu erklären, wie wäre es dann möglich gewesen, dass sie etwa, wo es doch einen leichten Ausweg gegeben hätte, statt dessen den gefährlichsten Weg, den schwierigen Weg des Kampfes gewählt hätten? Sollte denn in der Tat jenes intelligente Volk, jene Nation, die zur damaligen Zeit etwas von Politik verstand und, obwohl es die Welt mit diplomatischem Geschick regierte, den kürzesten, den leichtesten und einfachsten Weg verlassen und den gefährlichsten, den langwierigen Weg, auf dem sie ihren ganzen Besitz, ja ihr Leben aufs Spiel setzen mussten, gewählt haben? Ja, wäre das überhaupt denkbar gewesen? Denn: Hätte einer ihrer Dichter (dem Qur'an) mit einigen, wenigen Buchstaben (etwas Gleichwertiges entgegensetzen und ihm somit) Widerpart bieten können, hätte der Qur'an (zurückstecken und auf seinen) Anspruch verzichten müssen. Sie hätten sich dann vor materieller und geistiger Vernichtung retten können. Statt dessen haben sie den furchtbaren und langwierigen Weg des Kampfes gewählt. Das aber heißt doch, dass ein Widerstand mit der Feder nicht machbar, nicht zu leisten war. Deswegen waren sie zum Kampf mit dem Schwert
gezwungen. Es gab aber noch zwei weitere, recht gute Gründe, den Qur'an nachzuahmen, ihn zu kopieren. Der eine war der Konkurrenzneid der Feinde, der andere aber der Wunsch zur Nachahmung unter den Freunden. Unter diesen beiden starken Gründen wurden Millionen arabische Bücher verfasst und keines von ihnen konnte ihm gleichen. Gewiss wird ein jeder, der ihn mit anderen vergleicht, ob ein Gelehrter oder ein Laie, wer es auch immer sei, sagen: "Der Qur'an gleicht ihnen nicht. Keines von ihnen kann ihn nachahmen." In diesem Fall wird der Qur'an entweder unter allen stehen, was aber in Übereinstimmung mit allen, Freunden wie Feinden, unhaltbar und unmöglich ist oder er steht über allen diesen verfassten Büchern.
"Woher wissen wir, dass niemand sich gegen ihn zu erheben versuchte? Konnte sich niemand zutrauen, ihm öffentlich entgegenzutreten? Nutzte auch die gegenseitige Hilfe unter ihnen nichts?"
Wäre irgendein Widerstand gegen den Qur'an in irgendeiner Weise möglich gewesen, hätte man dies in jedem Falle versucht. Denn da handelte es sich um die Frage der Ehre und Würde, ihr Leben und ihr Besitz waren in Gefahr. Hätten sie aber einen Aufstand dagegen unternommen, hätte es in jedem Falle einen Zulauf von entschlossenen Anhängern in großer Zahl gegeben. Denn diejenigen, die sich hartnäckig der Wahrheit widersetzen, waren immer in der Mehrheit. Hätten sich Anhänger gefunden, hätten sie sich in jedem Falle berühmt gemacht. Denn: Eine kleine Auseinandersetzung lenkt den verwunderten Blick der Menschen auf sich und wird schließlich zu einer weit verbreiteten Legende. Dieser einzigartige Kampf, ein solches Ereignis kann jedoch nicht verborgen bleiben. Gegen den Islam werden alle negativen Dinge erzählt. Sie werden berüchtigt bis hin zu den Hässlichsten und Gemeinsten. Doch außer einigen Anekdoten über Müseylime, den Lügner, wird nichts überliefert, was seinen Gegenversuch betrifft.
Die Nachdichtung von Müseylime war zwar durchaus poetisch. Da seine Worte aber mit der Verkündigung des Qur'an, die eine grenzenlose Schönheit besitzt, verglichen wurden, sind sie in die Geschichte (verglichen mit dem Qur'an) als die Phantasmagorien (eines Fieberkranken) eingegangen. Da also das Wunder an Schönheit qur'anischer Ausdrucksweise die Sicherheit von "zwei mal zwei ist vier" besitzt, ergibt sich daraus die (oben dargestellte) Sachlage.
Zweite Art:
Die Weisheit, die in dem Wunder an Schönheit qur'anischer Ausdrucksweise liegt, wollen wir hier in fünf Punkten erklären.
Erster Punkt:
Im Versmaß (nazm) des Qur'an findet sich eine außergewöhnliche Zuverlässigkeit, eine Korrektheit und Festigkeit, die in dem Band «Isharatu l-i'djaz (: Die Zeichen des Wunders)» bereits vollständig erklärt wurde. So wie in einer Uhr, in der die Sekunden, die Minuten und die Stunden gezählt werden und einander zur vollständigen Ordnung ergänzen, so finden wir dieses Maß in jedem Satz des weisen Qur'an und in seinem ganzen Aufbau und so stehen auch die Anordnung der Wörter und die Harmonie der Sätze in Beziehung zueinander. Das haben wir in dem Buch «Isharatu l-i'djaz (: Die Zeichen des Wunders)» (vom Anfang) bis zum Ende erklärt. Wer will kann dort nachschlagen und diese außergewöhnliche Korrektheit seines Versmaßes ganz klar erkennen. Nur ein, zwei Beispiele wollen wir erwähnen, um das Versmaß im Aufbau eines Satzes zu zeigen.
{"Wenn aber auch nur ein Hauch der Strafe deines Herrn sie berührt,..." (Sure 21,46)}
Um die Fürchterlichkeit der Strafe zu zeigen, wird in diesem Satz die heftige Wirkung auch der geringsten Strafe angedeutet. Das heißt, es sollen sich auch alle Formen in einem Satz, die eine Minimierung aussagen sollen, nach
dieser Minimierung richten und sie verstärken. So lässt das Wort لَئِنْ {"wenn aber"} Verdacht schöpfen. Der Verdacht bezieht sich auch auf die Verminderung. Das Wort مَسَّ {"berühren"} heißt: ein wenig berühren. Wiederum drückt das die Verminderung aus. Das Wort نَفْحَةٌ {"Hauch"} bedeutet wörtlich: ein einziger, ganz kleiner Hauch, und drückt die Verminderung aus, wobei seine Verbalform auf das "einmalige" hinweist. Masdar-i merre, Infinitiv einer einmaligen Handlung, bedeutet nach der Wortbildungslehre "einzig". Das drückt die Verminderung aus. Die Nunation in dem Wort نَفْحَةٌ {"Hauch"} findet sich dort wegen der Verminderung und bedeutet, dass man ihn wegen seiner Leichtigkeit kaum wahrnehmen kann. Das Wort مِنْ {"von"} ist ein Verhältniswort und bedeutet "ein Stück" und drückt die Verminderung aus. Das Wort عَذَابِ {"Strafe"} bedeutet im Vergleich zu «neqal» und «'iqab» eine mildere Art Strafe, was auf die Minimierung hinweist. Das Wort
رَبِّكَ {"dein Herr"} lässt anstelle von «Qahhar (der Vernichter)», «Djebbar (der Zwingende)», «Muntaqim (der Rächer)» wiederum die Zärtlichkeit spüren, womit es auf die Minimierung hindeutet.
Hier soll ausgedrückt werden, dass man vergleichen kann, wie fürchterlich die Strafe «'iqab» Gottes ist, wenn ein bisschen Strafe «'adhab» unter so vielfacher Verminderung noch derart wirksam ist. So sind alle diese kleinen Bausteine dieses Satzes einander zugewandt und unterstützen sich gegenseitig. Jede verstärkt mit ihrer eigenen Ausdrucksweise das allgemeine Ziel. In diesem Beispiel handelt es sich in gewissem Grade um die Wortwahl und das Ziel.
{"...von dem, was wir ihnen an Gut beschert haben, Spenden (Almosen, Armensteuer, Sadaqa, Zekat) geben." (Sure 2, 3)}
Die Satzformen weisen hier auf die fünf Bedingungen für die Gültigkeit der "Sadaqa" hin.
Man darf Sadaqa nur in dem Maß geben, wie man selbst nicht dessen bedürftig ist. Mit dem Verhältniswort مِنْ {"von"} aus der Aussage وَمِمَّا {"und von dem"} wird diese Bedingung ausgedrückt.
Man darf nicht von Ali etwas nehmen, um es Veli zu geben, sondern muss vielmehr etwas
aus seinem eigenen Besitztum geben. Diese Bedingung drückt das Wort رَزَقْنَاهُمْ {"was wir ihnen an Gut beschert haben"} aus. Das heißt: "Ihr sollt von eurem Lebensunterhalt geben!"
Sadaqa schuldet keinen Dank. Auf diese Bedingung weist das besitzanzeigende Fürwort نَا {"unser"} aus der Aussage رَزَقْنَا {"was wir... beschert haben"} hin. Das heißt: "Ich gebe euch den Unterhalt. Ihr habt kein Recht, meine Diener zu Dank zu verpflichten, wenn ihr ihnen von meinem Eigentum gebt."
Man soll demjenigen etwas geben, der es für seinen Lebensunterhalt benötigt, weil Sadaqa jemandem zu geben, der es für seine Vergnügungen verschwendet, nicht gültig ist. Auf diese Bedingung weist die Aussage يُنْفِقُونَ {"Sie spenden, d.h. geben etwas zum Lebensunterhalt."} hin.
Man soll sie im Namen Allahs geben. Das drückt das Wort رَزَقْنَاهُمْ {"was Wir ihnen beschert haben"} aus. Das heißt: "Das Gut ist Mein und in Meinem Namen müsst ihr es geben!"
Neben diesen Bedingungen bestehen Erweiterungen. Das heißt: Wie Sadaqa vom Besitztum (gegeben werden) kann, so kann es auch von dem Wissen, von Worten, von Handlungen, von guten Ratschlägen gegeben werden. Auf diese verschiedenen Möglichkeiten wird mit dem verallgemeinernden Wort مَا {"dem, was"} in dem Ausdruck مِمَّا {"von dem, was..."} hingewiesen. Außerdem wird in diesem Satz noch besonders darauf hingewiesen, weil er absolut gemeint ist und sich auf ein Ganzes bezieht. So wird die Abhandlung über «Sadaqa» in diesem kurzen Satz dem Verstand zusammen mit den fünf Bedingungen in weitem Rahmen dargeboten und ist aus der Wortwahl zu erahnen. So ergeben sich denn aus der Wortwahl sehr viele Zusammenhänge ihrer Bedeutung.
Für einen weiteren Bereich (an Deutungsmöglichkeiten) stehen auch einzelne Wörter genauso miteinander in Resonanz. Außerdem kann ein Wort, wie zum Beispiel: قُلْ هُوَ اللَّهُ أَحَدٌ {"Sprich: Er ist Allah, der Einzige." (Sure 112, 1)} sechs Sätze in sich enthalten. Drei davon sind positiv und drei negativ. Während sie die sechs Stufen der Einheit beweisen, widerlegen sie gleichzeitig die sechs Arten der Abgötterei. Jeder einzelne Satz dient den übrigen Sätzen sowohl als Beweis als auch als Ergebnis. Denn jeder Satz hat zwei Bedeutungen. In der einen Bedeutung ist er das Ergebnis, entsprechend der anderen Bedeutung ein Beweis. Das heißt, dass in der Sure 112 «Ihlas (Glaube ohne Vorbehalt)» dreißig verschiedene Ihlas-Suren enthalten sind, die aus wohlgeordneten und einander
beweisenden Zeugnissen gebildet sind.
{"Sprich: Er ist Allah. Denn Er ist ein Einziger. Denn Er ist unvergleichlich. Denn Er zeugt nicht. Denn Er ward nicht gezeugt. Denn nicht Ihm ebenbürtig ist einer."}
Außerdem:
{"Nicht Ihm ebenbürtig ist einer. Denn Er wurde nicht gezeugt. Denn Er zeugt nicht. Denn Er ist unvergleichlich. Denn Er ist ein Einziger. Denn Er, Er ist Allah."}
Außerdem:
{"Er ist Allah. Und Er ist einzig. Und Er ist unvergleichlich. Und deshalb zeugt Er nicht. Und deshalb wurde Er nicht gezeugt. Und deshalb ist Ihm nicht ebenbürtig einer."}
Dementsprechend soll man vergleichen.
{"Elif lam mim. Dies ist die Schrift, an der nicht zu zweifeln ist, geoffenbart als Rechtleitung für die Gottesfürchtigen." (Sure 2, 1-2)}
Jeder von diesen vier Sätzen hat zwei Bedeutungen. Mit einer Bedeutung gilt er für die übrigen als ein Beweis, mit der anderen Bedeutung als ihr Resultat. Aus der Skizze von sechzehn verschiedenen Kombinationen entsteht ein Ornament einer wunderbaren Wohlordnung. In dem Band «Isharatu l-i'djaz (: Die Zeichen des Wunders)» wurden diese Kombinationen in einer solchen Weise erklärt, dass sie ein Ornament einer wunderbaren Wohlordnung bilden. Wie im "Dreizehnten Wort" schon erklärt wurde,
haben die meisten Verse des Qur'an ein Auge, welches alle übrigen Verse betrachtet, und ein Gesicht, das ihnen zugewandt ist, und sie so durch geistige Verbindungslinien miteinander verwebt. So webt jeder (von ihnen) ein Ornament dieses Wunders. So wird denn in dem Band «Isharatu l-i'djaz (: Die Zeichen des Wunders)» die vollkommene Harmonie (der Verse) vollendet erklärt.
Zweiter Punkt:
Es handelt sich um die wunderbare Fähigkeit (des Qur'an), seiner Bedeutung Ausdruck zu verleihen. Betrachte folgendes Beispiel, das bereits im "Dreizehnten Wort" erklärt wurde.
{"Allah, den einen Gott, preist alles, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Er ist der Allmächtige, der Allweise." (Sure 57, 1)}
Wenn du die Schönheit in der Ausdrucksweise dieser Ayah empfinden möchtest, versetze dich in jene Zeit der Unwissenheit (Djahiliyye), in die Wüste der Beduinen, jene Zeit, in der alles in der Finsternis der Unwissenheit und Gottvergessenheit wie in ein Tuch gewickelt erschien, das nur noch leblose Dinge und eine seelenlose Natur übrig ließ. Dann komm und höre nun in der himmlischen Sprache des Qur'an
{"Allah, den einen Gott, preist alles, was in den Himmeln und auf der Erde ist." (Sure 57, 1)}
oder
{"Es preisen Ihn die sieben Himmel und die Erde und alles, was darinnen ist." (Sure 17, 44)}
und ähnliche Ayat. So wirst du plötzlich sehen, wie diese leb- und seelenlos erscheinenden Dinge, diese scheinbar
toten oder schlafenden Wesen in der Welt, unter der Rezitation des:
{"Es preisen Ihn..."}
in der vom Glauben erfüllten Vorstellung der Zuhörer auferstehen, zum Leben erwachen und Gott preisen. Auch die über die Erde verstreuten Geschöpfe und die Sterne am nachtdunklen Antlitz des Himmels zeigen sich, jeder einem glühenden Stückchen Kohle gleich, vor den Augen der Zuhörer, unter der Rezitation des
{"Es preisen Ihn..."}
wobei der Himmel dem Mund gleicht und jeder Stern ein Wort ist, das die Weisheit Gottes verkündet, ein Licht, das Seine Wahrheit ausstrahlt, und die Erde das Haupt darstellt, dessen Länder und Meere wie deren Zungen reden und alle Tiere und Pflanzen ihre Worte sind, die die Heiligkeit Gottes verkünden.
Betrachte das folgende Beispiel, das bereits im "Fünfzehnten Wort" bewiesen wurde: Beispiel:
{"Oh versammelte Dschinnen und Menschen! Wenn ihr im Stande seid, die Grenzen der Himmel und der Erde zu überschreiten, so überschreitet sie doch! Aber ihr könnt es nicht, außer mit gewaltiger Energie. Welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr beide wohl leugnen? Man wird gegen euch beide Rauch und flüssiges Feuer aussenden und ihr werdet euch nicht mehr helfen können. Welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr beide wohl leugnen?" (Sure 55, 33-36) "Und wahrlich, wir schmückten den untersten Himmel mit Lampen und bestimmten sie zu Wurfgeschossen für die Satane..." (Sure 67, 5)}
Höre diese Ayat und merke auf das, was sie sagen! Sie sagen: "Oh ihr Dschinnen und Menschen, die ihr in eurer Winzigkeit stolz und verbohrt und die ihr in eurer Schwäche und Armseligkeit verblendet und hartnäckig seid! Wenn ihr meinen Befehlen nicht gehorcht, auf dann, verlasst mein Reich, wenn ihr das könnt! Wie könnt ihr es wagen, euch in eurer Aufsässigkeit gegen die Befehle eines so ruhmreichen Königs zu stellen, dessen Befehlen Sterne, Monde und Sonnen wie gehorsame Soldaten gehorchen. Überdies kämpft ihr in eurer Aufsässigkeit gegen einen Herrscher von solcher Majestät, der so gewaltig große, Ihm gehorsame Soldaten hat, dass eure Teufel, könnten sie gegen diese antreten, von ihnen mit Kugeln gleich Bergen gesteinigt würden. Zudem rebelliert ihr in eurer Undankbarkeit im Lande eines Königs von solcher Majestät, dass seine Diener und Soldaten, auf euch (kleine Menschlein), Geschöpfe (in eurer Winzigkeit), selbst dann noch, wenn ihr, den unmöglichen Fall angenommen, Feinde und Ungläubige so groß wie ein Berg oder wie die Erde wäret, Sterne und eiserne Feuerkugeln so groß wie ein Berg oder wie die Erde nach euch schleudern und mit flüssigem Metall euch davonjagen könnten. Außerdem brecht ihr ein solches Gesetz, dass euch diejenigen, die solchermaßen gebunden sind, wenn es nötig würde, die Erde um den Kopf schlagen könnten. Sie könnten Kugeln, groß wie Welten, gleich Sternen, so Gott wollte, über euch herab regnen lassen."
Vergleiche nun die Kraft, die sprachliche Eleganz und die Schönheit und Erhabenheit in der Ausdrucksweise weiterer Ayat, anhand der (oben aufgeführten) Beispiele.
Dritter Punkt:
Es handelt sich um die Einzigartigkeit seines Stils. Der Stil des Qur'an ist in der Tat sowohl vollkommen neuartig, vollkommen einzigartig und zugleich auch bewunderungswürdig und vollkommen überzeugend. Er kopiert nichts und niemanden. Und niemand vermag ihn nachzuahmen. Wie am ersten Tag bewahrte er stets und bewahrt er noch seine Frische, seine Vitalität und seine Einzigartigkeit.
In dem Band «Isharatu l-i'djaz (: Die Zeichen des Wunders)»
habe ich schon geschrieben, dass der einzigartige Stil in den zu Beginn einiger Suren, einer Chiffre gleichende «hurufu muqatta'a» genannten Gruppen von Buchstaben, wie
{"Elif Lam Mim. Elif Lam Ra. Ta Ha. Ya Sin. Ha Mim. 'Ajn Sin Qaf."}
fünf, sechs auf Wunder hinweisende Lichtstrahlen zum Inhalt hat.
Die Buchstabengruppen, die am Anfang einiger Suren stehen, werden jeweils von der Hälfte der «medjhure, mehmuse, shedide, rahwe, dhellaka, qalqale»
{Aussprachebezeichnungen für bestimmte Gruppen von Buchstaben. (A.d.Ü.)}
usw. genannten Buchstabengruppen gebildet, welche die bekanntesten von ihnen sind. Der Qur'an hat bei der Bildung der erwähnten Buchstabengruppen von den (Buchstaben mit) leichter (Aussprache), die unteilbar sind, mehr als die Hälfte und von den (Buchstaben mit) schwerer (Aussprache) weniger als die Hälfte erhalten. Somit ist der Anteil aller Buchstaben jeweils etwa die Hälfte der Gruppen. Da es unter zweihundert Möglichkeiten nur eine einzige Möglichkeit gab, solche vermischten und ineinander verschachtelten Gruppen zu bilden, diese aber nicht festgelegt, ja vielmehr verborgen und durch Nachdenken nicht in Erfahrung zu bringen sind, alle insgesamt mit einer einzigen Methode zu halbieren, auf jenem Weg dorthin, in diesem breiten Feld (nämlich dem Qur'an) das Wort zu führen, konnte nicht das Werk der Gedanken eines Menschen sein. Ein Zufall konnte hier nicht am Werk gewesen sein. Was die Buchstaben betrifft, die Gottes Chiffren am Anfang der Suren sind, so weisen sie noch auf fünf, sechs weitere, ähnliche, auf Wunder deutende Lichtstrahlen hin. Die Männer, die sich mit den Kenntnissen der Geheimnisse der Wortzeichen beschäftigen, und die Forscher unter Gottesfreunden haben mit Hilfe dieser Buchstaben viele Geheimnisse enträtselt
und derartige Wahrheiten entdeckt, dass schon diese Buchstaben allein für sie ein hell strahlendes Wunder sind. Da wir aber nun kein Spezialist für diese Geheimnisse sind und sie auch nicht soweit beweisen können, dass sie für aller Augen sichtbar werden, können wir diese Türe nicht öffnen. Wir begnügen uns deshalb damit, auf fünf, sechs dieser Lichtstrahlen des Wunders zu verweisen, die bereits in dem Band «Isharatu l-i'djaz (: Die Zeichen des Wunders)» behandelt wurden.
Nun wollen wir für den Stil im Qur'an, angesichts der Sure, angesichts des Zieles, angesichts der Verse (Ayat), der Wörter und Aussagen jeweils ein Beispiel bringen.
Beispiel: Wenn man die 78. Sure «'amme» aufmerksam betrachtet, so zeigt sie in einzigartiger Weise das Leben nach dem Tod, die Wiederauferstehung, die Umstände (des Lebens) im Paradies und in der Hölle so, wie diese (Sure in ihrem Stil) das Herz durch die Handlungen Gottes und Spuren Seiner Herrschaft auf dieser Erde überzeugt. Da die Erklärung des Stils in dieser Sure lang wird, wollen wir hier nur auf ein, zwei Punkte hinweisen. Es ist dies wie folgt:
Am Anfang dieser Sure sagt Er, um den Tag der Wiederauferstehung zu beweisen: "Ich habe die Erde für euch zu einer bestens ausgestatteten Wiege gemacht; die Berge als die (tragenden) Pflöcke (der Erde) für die Wohnstätten eures Lebens, die über verborgenen Schätzen aufragen; einander liebend vertraute Paare; die Nacht zu einer Decke für euren Schlaf und zu eurer Ruhe; den Tag zu einem Platz für euren Lebensunterhalt; die Sonne zu einer Leuchte (am Himmel), die (zugleich) Licht spendet und wärmt; und die Wolken zu einer Quelle, aus denen Ich das Wasser (für das Leben) entströmen lasse. Aus gewöhnlichem Wasser erschaffen Wir ganz leicht und in kurzer Zeit alle die verschiedenen blüten- und früchtetragenden Pflanzen, aus denen euch eure ganze Versorgung erwächst. In gleicher Weise erwartet euch eure Wiederauferstehung am "Tage der Entscheidung". Diesen Tag herbei zu bringen ist für Uns nicht schwer." Demnach deutet diese Sure mit indirekten Beweisen darauf hin, dass sich die Berge am Tage des Weltunterganges spalten, das (Tuch des) Himmels zerreißen wird, die Hölle wird vorbereitet werden und es werden den Leuten des Paradieses Gärten verliehen werden. Das heißt sinngemäß: "Da Er nun einmal vor euren Augen auf den Bergen und in der Ebene diese Taten vollbringt, kann Er auch im Jenseits vergleichbare Taten vollbringen." Das heißt, dass "Der Berg" am Anfang der Sure sich auf die Zustände der Berge am Tage des Weltuntergangs bezieht, "Der Garten" aber auf den Garten am Ende der Welt und im Jenseits. So kannst du andere Punkte mit dem vergleichen und sehen, was für einen hohen und erhabenen Stil (diese Sure) hat.
{"Sag: Oh Allah, der du über die Königsherrschaft verfügst, du gibst die Herrschaft, wem du willst, du entziehst sie, wem Du willst. (Du erhöhst, wen Du willst, und erniedrigst, wen Du willst. In Deiner Hand ist alles Gute, denn Du bist aller Dinge mächtig. Auf die Nacht lässt Du den Tag folgen und auf den Tag die Nacht. Aus dem Tode lässt Du Leben hervorgehen und den Tod aus dem Leben, und Du ernährst, wen Du willst, ohne Maß.)" (Sure 3, 26-27)}
In einem dermaßen erhabenen Stil erklären diese Verse die Taten Gottes und göttlichen Erscheinungen bei der Umwandlung der Nacht und des Tages und das Walten des Herrn in den Jahreszeiten und die Verfügung des Herrn über Leben und Tod überall auf der Erde und in den Wiederversammlungen und Verbreitungen auf der Erde (im Frühling), sodass sie das Gemüt der aufmerksamen Betrachter verzaubern. Ihr Stil voll Glanz und Erhabenheit und der breite Umfang ihrer Darstellung kann auch bei weniger aufmerksamer Betrachtung erkannt werden, weshalb wir hier diese Schatzkammer nicht weiter öffnen wollen.
{"Wenn der Himmel zerreißt und seinem Herrn pflichtschuldigst gehorcht; und wenn die Erde sich streckt und herauswirft, was sie birgt, und sich leert und ihrem Herrn pflichtschuldigst gehorcht." (84, 1-5)}
In welchem Grade Himmel und Erde den Befehlen Gottes des Gerechten gegenüber gehorchen und unterworfen sind, erklären diese Verse durch ihren erhabenen Stil: Ein Oberkommandierender gründet und öffnet zum Beispiel zwei Abteilungen für die Angelegenheiten des Kampfes, wie Zweigstellen der Übungen, der Manöver und der Rekrutierung. Nach diesem Kampf oder Manöver wendet sich dieser Oberkommandierende zu diesen beiden Abteilungen, um sie umzuwandeln und zu anderen Angelegenheiten zu gebrauchen. Jede Abteilung sagt in der Sprache ihrer Diener oder sie beginnt in ihrer eigenen Sprache zu reden: "Oh Kommandant, lass uns noch ein bisschen Zeit, damit wir noch allerlei Kleinigkeiten reinigen und unnütze Dinge wegwerfen können. Danach mögen Sie uns die Ehre Ihres Besuches erweisen. Nachdem wir aufgeräumt haben, stehen wir Ihren Befehlen zur Verfügung. Verfahren Sie dann nach Ihrem Belieben! Wir folgen Ihren Befehlen! Was auch immer Sie tun, ist ganz und gar richtig, schön und gut und zweckmäßig." Genauso stehen die Himmel und die Erde als zwei Abteilungen offen, was ihren Auftrag, die Erfahrung und die Prüfung betrifft. Nachdem die Frist abgelaufen ist, beseitigen die Himmel und die Erde auf Befehl Gottes die Dinge, die zum Bereich dieser Prüfung gehörten, und sagen: "Oh Herr! Verfahre mit uns entsprechend dem, wozu Du uns in Deinen Dienst gestellt hast! Uns gebührt, Dir gegenüber gehorsam zu sein. Was Du auch tust, ist gerecht." So betrachte denn die Majestät des Stils dieser Sätze und merke auf!
{"Oh Erde, verschlinge dein Wasser, und, oh Himmel, halt ein! Und es nahm ab das Wasser, und vollzogen ward der Befehl, und sie hielt an auf (dem Berge) Al-Dschudi. Und es ward gesprochen: Fort mit dem Volk der Ungerechten!" (Sure 11, 44)}
So wollen wir denn nun, um auf einen Tropfen aus dem Ozean der Eleganz dieses Verses ein Zeichen zu setzen, seinen Stil im Spiegel eines Gleichnisses zeigen.
Ein Kommandant befiehlt zum Beispiel in einem weltumspannenden Krieg nach dem Sieg einer seiner Truppen, welche sich im Kampf befindet, "Feuer einstellen!" und einer anderen seiner Truppen, welche einen Angriff unternimmt, "Halt!". In diesem Augenblick wird das Feuer eingestellt und der Angriff zum Stillstand gebracht. Er sagt: "Das Werk ist getan, die Besetzung vollzogen. Unsere Fahnen wurden auf den Zinnen der hochragenden Burgen inmitten des feindlichen Landes aufgepflanzt. Diese maßlos Ungerechten, herabgesunken zu den Niedrigsten aller Niedrigen, haben ihre gerechte Strafe gefunden."
Genauso hat der unvergleichliche König den Himmeln und der Erde befohlen, das Volk Noahs zu vernichten. Nachdem sie ihre Aufgabe erfüllt hatten, befahl Er ihnen: "Oh Erde! Schlucke dein Wasser! Oh Himmel! Halt ein, deine Aufgabe ist beendet. Das Wasser hat sich zurückgezogen. Auf dem Gipfel des Berges wurde das Schiff, das für die Beauftragten Gottes an Stelle ihres Zeltes gedient hatte, verankert. Die Böswilligen hatte ihre gerechte Strafe ereilt. So betrachte denn die Erhabenheit dieses Stils. Hier wird gesagt: "Himmel und Erde folgen wie zwei gehorsame Soldaten ihrem Befehl und gehorchen." Ja in dieser Ausdrucksweise wird darauf hingewiesen, dass das All über den Ungehorsam des Menschen in Wut, Himmel und Erde in Zorn geraten. Er sagt mit diesem Hinweis: "Gegen einen solchen Herrn, dessen Befehlen sich Himmel und Erde zwei gehorsamen Soldaten gleich unterstellen, soll man nicht ungehorsam sein, ist man nicht ungehorsam." So kommt in dieser Ausdrucksweise eine furchterregende Gewalt zum Ausdruck. Hier wird ein so umfangreiches Ereignis wie die Sintflut mit all ihren Folgen und Tatsachen in ein paar Sätzen kurz und bündig, wunderbar und schön erklärt. Man mag nun mit diesem Tropfen des Meeres andere Tropfen vergleichen.
Nun betrachte den Stil, der durch das Fenster der Worte sichtbar wird. Siehe zum Beispiel wie das Wort
{"wie ein alter dürrer Dattelrispenstiel" (*) (Sure 36, 39)
(*) Palmzweig mit den Sternen daran als seine Datteln.}
aus dem Satz
{"Und dem Mond bestimmten wir Stationen, bis er schließlich (schmal und gekrümmt) wird wie ein alter dürrer Dattelrispenstiel." (Sure 36, 39)}
einen so anmutigen Stil aufweist. Es ist dies wie folgt: Einer der Stationen des Mondes liegt in dem Bereich des Siebengestirns. In seiner Sichelform hier wird der Mond mit dem alten weißen Rispenstil einer Dattelpalme verglichen. Dieser Vergleich stellt vor das Auge des Hörers eine Palme, die ihm in seiner Phantasie hinter dem (nacht)blauen Schleier des Himmels, der mit ihrer spitzen, weißen, leuchtenden Rispenstiel diesen Schleier zerreißt und mit ihrer Spitze und dem Siebengestirn daran wie eine Rispe erscheint, und die übrigen Sterne als lichtvolle Früchte dieses (durch das nachtblaue) Himmelstuch verschleierten kosmischen Baumes zeigt. Wenn du dafür einen Sinn hast, dann kannst du verstehen, welch passender, anmutiger, erhabener Stil in dieser Aussage in den Augen der Wüstenbewohner zur Darstellung gelangt, deren wichtigste Lebensgrundlage die Dattelpalme ist.
Zum Beispiel, wie am Ende des "Neunzehnten Wortes" bewiesen wurde, öffnet das Wort تَجْرِى {"sie kreist"} aus dem Satz
{"und die Sonne kreist um der Beständigkeit willen." (Sure 36, 38)}
einem solchen gehobenen Stil ein Fenster. Es ist dies wie folgt: Mit dem Wort تَجْرِى {"sie kreist"} das heißt, mit dem Ausdruck, "die Sonne kreist" wird die Größe des Meisters verständlich, der in dem Wechsel von Sommer und Winter, Tag und Nacht an seine ordnungsgemäße Verfügungsgewalt gemahnt und lenkt die Aufmerksamkeit auf die ewigen Briefe, die die Feder der Macht auf die Seiten dieser Jahreszeiten schreibt, und macht die Weisheit des majestätischen Schöpfers bekannt.
{"Und Wir haben die Sonne zu einer Lampe gemacht." (Sure 71, 16)}
Das heißt, mit dem Ausdruck "Lampe" öffnet sich das Fenster zu der Beschreibung, dass diese Welt wie ein Schloss ist, in dem aller Schmuck, die Nahrung und alle Dinge des täglichen Bedarfs für die Menschen und alles Leben bereitgestellt ist. In ihm dient die Sonne als eine Leuchte. So macht er die Größe des Meisters und die Gnadengaben des Schöpfers verständlich und zeigt einen Beweis der Einheit Gottes, sodass die Sonne, welche die Götzendiener als den wichtigsten, glänzendsten unter den Anbetungswürdigen halten, nur eine dienstbereite Lampe und (innerhalb der Schöpfung nur) ein (Himmels)körper ohne Leben ist. Das heißt, mit dem Ausdruck سِرَاجًا {"Lampe"} wird an die Barmherzigkeit des Schöpfers in der Größe
Seiner Herrschaft erinnert und Seine Gnadengaben im Umfang Seiner Barmherzigkeit verständlich gemacht. So verspüren wir die Gastfreundschaft Gottes in der Größe Seines Königreiches, wodurch wir Seine Einheit und Allgegenwart erkennen. So sagt dieser Ausdruck sinngemäß: "Eine leblose, in Dienst gestellte Lampe kann keineswegs anbetungswürdig sein." Des Weiteren erinnert uns der Ausdruck تَجْرِى {"sie kreist"} der gleichzeitig "sie läuft" bedeutet, an die einzigartige ordnungsgemäße Verfügungsgewalt in dem Wechsel von Tag und Nacht, Sommer und Winter. Mit dieser Erinnerung wird die Größe der Macht des Meisters verständlich, der in Seiner Verwaltung und in Seiner Herrschaft ein Einziger ist. Das heißt, dass der Blick des Menschen von der Betrachtung der Sonne und des Mondes weg und auf die Zeilen gerichtet wird, die auf den Seiten von Tag und Nacht, Sommer und Winter geschrieben sind. Denn der Qur'an spricht von der Sonne nicht um der Sonne willen, sondern spricht von ihr um dessen willen, der sie erleuchtet. Des Weiteren spricht er nicht von dem Wesen der Sonne, das für den Menschen nicht von Nutzen ist, vielmehr spricht er von der Aufgabe der Sonne, welche für die Wohlgeordnetheit der Kunstwerke des Herrn als Uhrfeder dient und als Mittelpunkt der Ordnung im Schaffen des Herrn, außerdem als das Schiffchen des Webers der Kunstwerke des Herrn, die der urewige Designer mit den Fäden der Nacht und des Tages in die Dinge hinein gestaltet. Noch andere Worte des Qur'an kannst du mit diesen vergleichen. Sie sind zwar scheinbar schlichte, gewöhnliche Worte, dienen aber als Schlüssel zu den Schatzkammern der feinsinnigen Bedeutungen.
Da also nun der Stil des Qur'an wie obenerwähnt erhaben und glänzend, ist manchmal ein Beduine schon ganz bezaubert von einem einzigen Wort. Er wirft sich zur Erde nieder, auch ohne Muslim zu sein. Ein Beduine warf sich
sogleich zur Erde nieder, als er das Wort
{"Verkündige, was dir befohlen wurde!" (Sure 15, 94)}
hörte. Er antwortete denen, die ihn fragten: "Bist du nun ein Muslim geworden?"
"Nein! Ich werfe mich nur vor der unvergleichlichen Schönheit dieser Ayah nieder."
Vierter Punkt:
Es handelt sich um die wunderbare Klarheit (fesahat) in seiner Wortwahl. So wie der Qur'an inhaltlich in seiner Art, etwas darzulegen, außerordentlich beredt ist, so hat er auch in seinem Wortlaut einen außerordentlich glatt fließenden Stil. Ein sicherer Beweis für die Anwesenheit dieses seines flüssigen Stils ist, dass er niemals ermüdend wirkt. Ein klares Zeugnis für die Weisheit, wie sie auch in der Flüssigkeit (in seiner Ausdrucksweise zur Darstellung gelangt), sind die Zeugnisse genialer Gelehrter in der Kunst des schriftlichen und mündlichen Ausdrucks, der Lehre von Vergleich und Metapher. In der Tat werden wir, selbst nach Tausenden von Wiederholungen, seiner niemals überdrüssig, ja genießen sie vielmehr. Einem einfachen, kleinen Kind fällt es nicht schwer, ihn sich einzuprägen. Es kann ihn auswendig lernen. Dem Ohr eines Schwerkranken, das schon von einigen wenigen Worten beunruhigt wird, ist er nicht unangenehm. Er ist ihm angenehm. Einem Sterbenden gleicht er dem Nektar auf der Zunge. Das Murmeln (Zemzeme) des Qur'an ist ihm an seinem Ohr und in seinem Kopf so genussvoll wie Zemzem an Mund und Gaumen. Das Geheimnis dessen, dass er keinen Überdruss hervorruft, und die Weisheit dahinter ist folgende: Da der Qur'an für die Herzen Grundnahrung und Vitalstoff zugleich ist, Kraft und Reichtum für den Verstand, Wasser wie (Feuer und) Licht für Geist und Gemüt, Heilung und Medizin für die Seele, lässt er keinen Überdruss aufkommen. Jeden Tag essen wir Brot und werden dessen doch nicht überdrüssig. Doch äßen wir täglich selbst die schönste Frucht,
würden wir doch ihrer überdrüssig. Das heißt, da der Qur'an Recht und Gerechtigkeit, Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Rechtleitung und hervorragende Klarheit (fesahat) ist, ruft er keinen Überdruss hervor. Wie er für allezeit jung bleibt, so bewahrt er auch seine Frische und seine Süßigkeit. Ja, es ging sogar einmal einer von den Stammesältesten der Quraisch, einer der Götzenanbeter, ein Sachverständiger unter den Dichtern, um den Qur'an zu hören. Er hörte ihn, kehrte zurück und sagte: "Dieses Wort hat so viel Saft und Süße, wie es keinem Menschenwort gleicht. Ich kenne Dichter und Wahrsager. Doch dieses hat keine Ähnlichkeit mit einem ihrer Worte. Wir können, um unsere Gefolgschaft zu beruhigen, allenfalls sagen, dass es ein Zauber ist." So waren denn auch die verbohrtesten der Feinde des weisen Qur'an von seiner Klarheit bezaubert.
Die Gründe für diesen so glatt fließenden Stil in den Versen, Worten, Sätzen des weisen Qur'an zu erklären, würde sehr in die Länge führen. Deswegen wollen wir uns hier kurz fassen und als ein Beispiel für die Klarheit und Flüssigkeit in den Worten, welche durch die Stellung der einzelnen Buchstaben des Alphabets innerhalb einer Ayah entstehen, und das Fünkchen, das aus dieser Position aufstrahlt und das Wunder (des Qur'an) offenbart, hier nur das folgende anführen:
ثُمَّ اَنْزَلَ عَلَيْكُمْ مِنْ بَعْدِ الْغَمِّ اَمَنَةً نُعَاسًا يَغْشٰى طَائِفَةً مِنْكُمْtraDann, nach dem Kummer, sandte Er das Gefühl der Sicherheit auf euch herab, erquickenden Schlummer, die eine Gruppe von euch überkam..." (Sure 3, 154)}
In diesem Vers sind alle Buchstaben des Alphabeten vorhanden. Beachte, dass dabei alle Arten von Buchstaben, auch die emphatischen, beieinander sind, ohne den sprachlichen Fluss zu beeinträchtigen. Vielmehr haben sie ihm noch an Glanz und den Wohlklang eines Sprachflusses verschiedener aufeinander abgestimmter und einander ergänzender Saiten hinzugefügt. Zudem achte auf das Fünkchen, durch das das Wunder erkennbar wird,
dass die Buchstaben «ya» ي und «elif» ا , welche die Leichtesten sind und gewissermaßen einander ähneln wie zwei Geschwister
{"ye" wird gewöhnlich als "i", kann aber auch als "a" gelesen werden.}
jeweils einundzwanzigmal wiederholt werden. Die Buchstaben «mim» م und «nun» ن
da sie Geschwister sind und füreinander eintreten, werden jeweils dreiunddreißigmal verwendet. Die Buchstaben «sad» ص «sin» س «shin» ش da sie hinsichtlich ihrer Artikulation, Eigenschaften und Klang Geschwister sind, werden jeweils dreimal; «'ajn» ع «ghajn» غ obwohl sie Geschwister sind, «'ajn» ع jedoch leichter ist, sechsmal und «ghajn» غ als der schwerere von beiden nur halb so oft, also dreimal wiederholt. Die Buchstaben "ti" ط «zi» ظ «dhel» ذ «ze» ز da sie hinsichtlich ihrer Artikulation, Eigenschaften und Klang Geschwister sind, werden jeweils zweimal verwendet. Die Buchstaben «lam» ل und «elif» ا vereinigen sich zu «lamelif» لا . Dabei ist der Anteil des «elif» ا in der Gestalt zu «lamelif» لا (wegen seines Gewichtes) die Hälfte von «lam» ل . Darum wird der Buchstabe «lam» ل zweiundvierzigmal und «elif» die Hälfte davon, also einundzwanzigmal verwendet. Da «he» ه und «hemze» ء
ihrer Aussprache nach Geschwister sind, wird «hemze» ء dreizehnmal, der Buchstabe «he» ه , da er in gewissem Maße leichter ist, vierzehnmal;
«qaf» ق «fe» ف «kef» ك - da sie Geschwister sind - und «qaf» ق einen Punkt mehr hat, «qaf» ق zehnmal, «fe» ف neunmal, «kef» ك neunmal, «be» ب neunmal, «te» ت da er in der alphabetischen Reihenfolge an dritter Stelle steht, zwölfmal verwendet. Der Buchstabe «ra» ر ist der Bruder des «lam» ل . Nach Ebdjed Rechnung ist der Wert des «ra» ر zweihundert und von «lam» ل dreißig. Da der Buchstabe «ra» ر sechsfach höherwertig ist, wird er auch nur zu einem Sechstel verwendet. Da nun weiter «ra» ر der Aussprache nach besonders betont ist, wiegt er auch schwer und wird er deshalb nur sechsmal verwendet. «kha» خ «ha» ح «the» ث «dat» ض werden wegen ihrer besonderen Schwere und einiger Wechselbeziehungen untereinander je einmal verwendet. Da der Buchstabe «vav» و leichter ist als «he» ه und «hemze» ء und schwerer als «ya» ي und «elif» ا , wird er siebzehnmal, also viermal öfter als das schwerere «hemze» ء und nur ein Viertel des leichteren «elif» ا verwendet.
So zeigt denn die Verwendungsweise dieser Buchstaben auf wunderbare Weise, in einer solchen Wohlgeordnetheit, in ihrer versteckten Wechselbeziehung, in ihrer klaren Anordnung und in der wunderbaren Schönheit und Glätte des Reims so klar wie zwei mal zwei vier ist, dass rein menschliches Denken dergleichen nicht zu Stande bringen, nicht zu gestalten vermag. Was aber den Zufall betrifft, so ist es unmöglich, dass er dabei mit im Spiel gewesen sein könnte.
Wie also nun diese einzigartige Wohlgeordnetheit, diese eigenartige Anordnung die Klarheit und Glätte die Quelle für den Fluss der Wörter ist, könnten sich (in diesen Versen) noch mehr versteckte Weisheiten finden. Da also nun bereits zwischen den einzelnen Buchstaben eine solche (göttliche) Ordnung erkennbar wird, sollte mit
Sicherheit auch zwischen den Worten, zwischen den Sätzen und dem Sinn (dieser Sätze) eine solche geheimnisvolle Anordnung, ein derartiger lichtvoller Strom erkennbar werden. Könnte das Auge ihn sehen, es würde sagen: «Mashaallah! (so wie Allah wollte!)», könnte der Verstand ihn verstehen, müsste er sagen: «Barekallah! (möge Allah segnen!)».
Fünfter Punkt:
Es handelt sich um die Überlegenheit der Erklärungen im Qur'an. Das heißt, dass sie überlegen, unerschütterlich und großartig sind. Wie seine Gedichtform (nazm) fließend, seine Worte klar, seine Bedeutungen einleuchtend und sein Stil einzigartig ist, so sind auch seine Erklärungen allem überlegen. Bezüglich aller Arten von Worten und aller Stufen der Ansprachen, wie Motivation und Abschreckung, Tadel und Lob, Beweisführung und Rechtleitung, seine Art, verständlich zu machen und zum Verstummen zu bringen, sind die Erklärungen des Qur'an unübertroffen.
Unter zahllosen Beispielen in Bezug auf Anregung und Ermunterung ist zum Beispiel die Erklärung in der 76. Sure, die beginnt mit
{"Hat es nicht für den Menschen einmal (einen Zeitabschnitt) gegeben, (in dem er noch nichts Nennenswertes war)?" (Sure 76, 1)}
lieblich wie Kauthar-Brunnen,
fließt (diese Sure) wie die Selsebil-Quelle dahin und ist dabei süß wie die Früchte des Paradieses und hübsch wie die Kleidung der Huris.
Unter vielen Beispielen in Bezug auf Einschüchterungen und Drohungen, zum Beispiel die Erklärung des Qur'an am Anfang der 88. Sure, die beginnt mit
{"Ist dir nicht die Geschichte von der Katastrophe zu Ohren gekommen, die alles überdecken wird." (Sure 88, 1)}
Sie wirkt wie flüssiges Blei, das den Leuten des Irrweges ins Ohr dringt, wie Feuer, das ihnen das Hirn verbrennt, wie eine Frucht des Zakkum-Baumes, das ihnen den Gaumen verätzt, wie die Hölle, die an ihren Gesichtern empor lodert, wie bitteres Dorngestrüpp in ihrem Magen. Die Büttel der Hölle, die die Drohung eines Herrschers zeigt, indem sie vor Zorn und Wut beinahe platzt, wenn der Qur'an sagt und zu sagen heißt:
{"und vor Wut beinahe platzt." (Sure 67, 8)}
zeigt, wie Schrecken erregend die Einschüchterung dieses Herrschers ist.
Unter Tausenden von Beispielen in Bezug auf Lob sind die Erklärungen des Qur'an in den fünf Suren, die mit Elhamdulillah (alles Lob gebührt Allah) beginnen, strahlend wie die Sonne
und glänzend wie der Schmuck der Sterne, majestätisch und gewaltig wie Himmel und Erde, freundlich wie die Engel, liebevoll wie die Barmherzigkeit für die Säuglinge auf der Erde und schön wie das Paradies im Jenseits.
Unter Tausenden von Beispielen in Bezug auf Tadel und Verbot tadelt der Qur'an zum Beispiel sechsfach in der Ayah
{"Möchte wohl einer von euch das Fleisch seines toten Bruders essen?" (Sure 49, 12)}
gegenseitige Beschimpfungen. Er tadelt sechsfach heftig üble Nachrede. Es ist dies wie folgt:
Wie bekannt, hat das «Hemze» ء , das vor dieser Ayah steht, den Sinn einer Fragestellung. Dieser Charakter einer
Infragestellung durchdringt wie Wasser alle Worte dieser Ayah. So ist denn da zuerst dieses «Hemze» ء , welches fragt: Habt ihr denn keinen Verstand, um Fragen zu stellen und Antworten zu finden, dass ihr eine derart abscheuliche Sache nicht verstehen könntet? Das zweite Wort, يُحِبُّ {"er liebt"} fragt: Ist denn etwa euer Herz, jener Ort aller Zuneigung und Abneigung, so verkommen, dass es etwas so Ekelhaftes zu lieben vermöchte? Das dritte Wort, اَحَدُكُمْ {"einer von euch"} fragt: Was ist aus eurem gesellschaftlichen Leben und seiner Kultur geworden, die doch die Quelle menschlichen Zusammenlebens ist, dass ihr eine solche Handlungsweise, welche euer Leben vergiftet, akzeptieren könntet? Das vierte Wort, اَنْ يَاْكُلَ لَحْمَ {"Fleisch zu essen"} fragt: Was ist aus eurer Menschlichkeit geworden, dass ihr euren Kollegen mit euren Zähnen wie ein Raubtier in Stücke reißen könntet? Das fünfte Wort, اَخِيهِ {"seines Bruders"} fragt: Ist euch denn jedes mitmenschliche Empfinden fremd geworden, habt ihr denn gar kein Gefühl für Verwandtschaftsbeziehungen mehr, dass ihr derart erbarmungslos die Persönlichkeit eures Nächsten zerreißt, welche auf vielfältige Weise euer Bruder ist? Habt ihr denn keinen Verstand, dass ihr eure eigenen Glieder mit euren eigenen Zähnen beißt wie ein Wahnsinniger? Das sechste Wort,
مَيْتًا {"tot"} fragt: Wo ist euer Gewissen geblieben? Ist eure Natur so verdorben, dass ihr dem gegenüber, der doch als euer Bruder einen höchst ehrenwerten Status (hal) innehat, eine so ekelerregende Handlung begehen könnt, sein Fleisch zu essen? Das heißt also, dass jede Art von Beschimpfung und übler Nachrede mit Herz und Verstand, aus Gründen der Menschlichkeit und aus Gewissensgründen, um der Natur (im Allgemeinen) und der Menschheit (millet, im besonderen) willen abgeschafft und verworfen werden muss. So siehst du denn nun wie diese Ayah eine solche Schandtat kurz und prägnant, sechs Stufen hinunter, herabsetzt und sie auf wunderbare Weise in sechs verschiedenen Stufen verbietet.
Ein Beispiel als Muster (maqam) zur Beweisführung unter Tausenden von Beispielen:
{"Siehe die Spuren der Barmherzigkeit Allahs: wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder belebt! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wieder belebt und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 50)}
In diesem Vers führt der Qur'an, um das Leben nach dem Tode zu beweisen und dessen Unvorstellbarkeit aus dem Weg zu räumen, eine Erklärung auf eine solche Weise in Feld, wie es eine überlegenere Beweisführung nicht geben kann. Es ist dies wie folgt: Wie schon in der Neunten Wahrheit des "Zehnten Wortes" und im Sechsten Strahl des "Zweiundzwanzigsten Wortes" bewiesen und erklärt wurde, führt der Qur'an dem Menschen in jedem Frühling bezüglich der Wiederbelebung der Erde Beispiele des Lebens nach dem Tode vor Augen und zeigt uns dabei dreihunderttausend verschiedene Formen, säuberlich voneinander geschieden und zugleich in unendlichem Grade geordnet, obwohl sie doch in unendlichem Grade
ineinander verschlungen und miteinander vermischt sind. Dann sagt er: Dem Herrn, der solches vollbringt, kann die Wiederversammlung und das Leben nach dem Tode nicht schwer sein. Zudem werden hunderttausende Arten auf der Erde mit der Feder der Macht wie auf einer Seite niedergeschrieben, gemeinsam, ineinander verschlungen, ohne Fehler, ohne Mangel. Da dies nur das Siegel des einen Einzigen in Seiner Allgegenwart sein kann, wird durch diese Ayah die Einheit und die Gegenwart Gottes sonnenklar bewiesen, wobei gezeigt wird, dass das Leben nach dem Tode und die Wiederversammlung so leicht und so sicher ist wie der Auf- und Untergang der Sonne. So wie denn nun der Qur'an, betrachtet aus dem Blickwinkel dieses "Wie", das in dem Wort كَيْفَ {"wie"} liegt, uns diese Wahrheit aufzeigt, so erwähnt er sie auch in vielen anderen Suren eingehend.
Zum Beispiel wird in der 50. Sure, die beginnt mit
{"Qaf! Beim preiswürdigen Qur'an!" (Sure 50, 1)}
das Leben nach dem Tod dermaßen glänzend, schön, süß und mit der so hohen Aussagekraft bewiesen, die der Überzeugung aufgrund der Gewissheit eines kommenden Frühlings entspricht. So siehe denn: Wenn die Ungläubigen die Wiederbelebung der vermoderten Knochen leugnen und sagen "Das ist merkwürdig, das kann nicht sein", antwortet er mit der Gemahnung (ferman) der folgenden Ayat: von dem 6. Vers in der 50. Sure
{"Haben sie denn nicht gesehen, wie wir den Himmel über ihnen aufgebaut und wie wir ihn geschmückt haben, sodass er keine Risse hat?"}
usw. bis zum Ende des 11. Verses, das mit dem Wort
{"So ist das Wiederhervorkommen."}
endet. Seine Erklärungen fließen wie das Wasser, glänzen wie die Sterne, geben dem Herzen wie Datteln sowohl Geschmack als auch Genuss und werden zur Nahrung.
Unter anmutigsten Beispielen in Bezug auf die Beweisführung des Qur'an sagt er:
{"Ya-ßin, beim weisen Qur'an! Du bist wirklich einer der von Gott Gesandten." (Sure 36, 1-3)}
Das heißt: "Ich schwöre beim weisen Qur'an, dass du einer der Gesandten Gottes bist." Dieser Schwur weist auf Folgendes hin: Das Zeugnis des Prophetentums ist dermaßen gewiss und wahr, dass es wegen seiner Wahrhaftigkeit die Stellung (maqam) der Hochachtung und Verehrung erlangt hat, sodass bei ihm geschworen wird. Durch dieses Zeichen wird gesagt: "Du bist der Gesandte Gottes. Denn du hast in der Hand den Qur'an. Was den Qur'an betrifft, so ist er wahr und das Wort dessen, der die Wahrheit ist. Denn die wahrhaftige Weisheit wohnt ihm inne und das Siegel des Wunders (das er ist) ist ihm aufgeprägt."
Eines von den Beispielen, die sich auf die Kürze und auf das Wunder des Qur'an in Bezug auf seine Beweisführung beziehen, ist folgendes:
{"Er sagte: Wer wird die Gebeine wieder beleben, nachdem sie bereits vermodert sind? Sprich: Wiederbeleben wird sie der, welcher sie das erste Mal zusammen fügte; denn Er weiß um jegliche Schöpfung." (Sure 36, 78-79)}
Das bedeutet: der Mensch sagt: "Wer wird die vermoderten Gebeine wiederbeleben?" Sage nun du: "Der, welcher sie am Anfang zusammen fügte und ihnen Leben verliehen hat, der wird sie auch wieder beleben."
Wie wir im dritten Gleichnis der Neunten Wahrheit im "Zehnten Wort" dargelegt haben, könnte wohl ein Mensch, nach dem jemand an einem einzigen Tage vor seinen Augen ein ganzes Heer wieder neu aufgestellt hatte, zu einem sagen: "Dieser Mensch kann ein Bataillon, dessen einzelne Soldaten sich in einer Pause zerstreut hatten, mit einem Posaunenstoß wieder versammeln und sie wieder zur Ordnung eines Bataillons zurückrufen." und könntest dann du, oh Mensch, etwa sagen: "Ich kann das nicht glauben." und wüsstest doch dann sehr wohl wie wahnwitzig dein Leugnen wäre?
In ähnlicher Weise könnte man fragen, wie der Herr in Seiner Allmacht und Allwissenheit, Er, der aus dem Nichts alle Tiere und all die anderen Lebewesen gleich einem neu erstellten Heer, alle die Bestandteile und alle die Fähigkeiten des Körpers Bataillonen gleich in vollkommener Ordnung und ausgewogener Weisheit aushebt und ihnen mit Seinem Wort: «kun fa yakun - كُنْ فَيَكُونْ -(Sei, und sie sind)» den Stellungsbefehl erteilt und der in jedem Menschenalter (karn: etwa sechzig Jahre), ja sogar in jedem Frühling über die Erde hin hunderttausende Arten und Gruppen von Lebewesen gleich Heeren aufstellt, mit einem einzigen Posaunenstoß aus Israfils Posaune alle die Kleinen, aber notwendigen Zellen sowie alle die wesentlichen Organe, die ja mit dem Körper bereits Bekanntschaft geschlossen und in ihm wie unter der Ordnung eines Bataillons gedient hatten, wieder versammeln könne. Darf man überhaupt so fragen und das für unmöglich halten? Es wäre dies doch ein wahnwitziger Irrsinn.
In Bezug auf Rechtleitung ist die Erklärung des Qur'an dermaßen einflussreich und rührend und dermaßen vertraut und liebevoll, dass sie die Seele mit Begeisterung, das Herz mit Freude, den Verstand mit Interesse und das Auge mit Tränen füllt. Nur eines unter Tausenden von Beispielen ist folgendes:
{"Nach diesem aber verhärteten sich eure Herzen und wurden zu Stein und sogar noch härter; usw." (Sure 2, 74)}
Wie wir bereits im ersten Kapitel des "Zwanzigsten Wortes" wegen der Behandlung der dritten Ayah bewiesen und erklärt haben, wendet sich diese Ayah an die Söhne Israels, indem sie sagt: "Vor einem einzigen Wunder Mosis, mit dem Friede und Segen sei, das er mit seinem Stab vollbrachte, spaltete sich ein harter Stein in zwölf Öffnungen und vergoss eine Tränenflut wie Brunnen. Was ist mit euch geschehen, dass ihr vor allen Wundern Mosis, mit dem Friede und Segen sei, gleichgültig bleibt, wobei eure Augen trocken und ohne Tränen, eure Herzen hart und ohne Begeisterung sind." Da bereits in dieser Abhandlung diese rechtleitende Erklärung gegeben wurde, weise ich hier nur darauf hin und fasse mich kurz.
Betrachte nur folgende zwei Beispiele unter Tausenden von Beispielen des Qur'an, wie er verständlich macht und wie er zum Verstummen bringt: Erstes Beispiel:
{"Und so ihr im Zweifel seid über das, was wir auf unseren Diener hernieder sandten, so bringt eine gleiche Sure hervor..." (Sure 2, 23)}
Das heißt: "Wenn ihr daran einen Zweifel habt, so sollt ihr alle eure Großen und ihre Gefolgschaft rufen, welche euch zu helfen und für euch Zeugnis abzulegen vermögen, und so bringt doch nur eine einzige Sure herbei, die ihm gleicht." In dem Band "Zeichen des Wunders (Isharatu l-i'djaz)" haben wir es bereits erklärt und bewiesen. Deswegen wollen wir hier nur auf die folgende Zusammenfassung hinweisen:
Der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, sagt: "Oh ihr Menschen und Dschinnen! Seid ihr im Zweifel darüber, dass der Qur'an das Wort Gottes ist, und vermeint
ihr, dass er nur Menschenwort wäre, so begebt euch auf eure Plätze! Lasst doch von einem Analphabeten gleich Mohammed, den ihr den Getreuen nennt, der des Lesens und Schreibens unkundig ist und keine derartige Ausbildung gehabt hat, ein Buch, das diesem Qur'an gleichwertig ist, zu Stande bringen, und zeigt es vor! Ihr werdet es nicht können. Wenn es also kein einf ًأer und ungebildeter Mann sein kann, dann soll es ein berühmter Dichter und Gelehrter sein. Könnt ihr auch ihn nicht herbeibringen, so soll es nicht ein einzelner Mann sein. Dann ruft doch all eure Dichter und Redner zusammen! Bringt all die schönen Dichtungen der Alten herbei! Ruft die Hilfe aller künftigen Dichter und den Beistand eurer Götter an! Arbeitet daran mit all eurer Kraft! Schafft etwas, das diesem Qur'an gleichwertig ist! Könnt ihr auch das nicht, dann bringt doch ein Werk hervor, das ihm - abgesehen von den Wahrheiten des Qur'an und von vielen seiner geistigen Wunder, deren gleichen es nicht gibt - an Schönheit seiner Ausdruckskraft gleicht!"
{"Dann bringt doch zehn Suren herbei, die ihm gleich, und von euch erdichtet sind." (Sure 11, 13)}
Die Ayah, die sie zum Schweigen bringt, sagt: "Auf nun, ich erwarte von euch nicht, dass der Inhalt der Wahrheit entspricht! Es mögen Erdichtungen, Erfindungen, Lügen, nichtssagende Erzählungen sein. Doch auch das könnt ihr ja nicht. Und wenn es schon nicht der ganze Qur'an sein soll, so bringt doch wenigstens بِعَشْرِ سُوَرٍ {"zehn Suren"} herbei, die ihm gleichen! Doch auch das werdet ihr nicht tun können. So bringt denn nur eine Sure herbei! Doch auch das ist schon zu viel. So bringt denn etwas, das wenigstens einem Stück einer Sure gleicht! Auch wenn ihr das nicht schaffen könnt - und ihr könnt es ja auch nicht
schaffen - obwohl ihr das ja doch bitter nötig hättet, denn eure Ehre und Würde, euer Ruf und Glaube, eure Sitten und Gebräuche, euer Leben und euer Hab und Gut, eure diesseitige und jenseitige Welt können nur dadurch gerettet werden, dass ihr ihm etwas Gleiches entgegenstellt. Anderenfalls stürzt ihr in dieser Welt ohne Ehre, ohne Würde, ohne Glaube, sittenlos, in Schande, mit eurem Leben und eurem Hab und Gut in großes Unglück und im Jenseits werdet ihr dem Hinweis der Ayah
{"Dann macht euch darauf gefasst, dass ihr in das Höllenfeuer kommt, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind." (Sure 2, 24)}
entsprechend zu ewigem Kerker in der Hölle verurteilt und mit euren Götzen zusammen dem Feuer als Brennstoff dienen. Da ihr nun einmal bereits achtfach eure Ohnmacht erkannt habt, so sollt ihr auch achtfach wissen, dass der Qur'an ein Wunder ist. Kommt also entweder zum Glauben, oder schweigt und fahrt zur Hölle!" So erkenne denn nun, wie der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, in seiner Art, etwas zu erklären, alle zum Verstummen bringt und sage:
Es kann in der Tat, nachdem der Qur'an etwas erklärt hat, keine weitere Erklärung mehr geben und sie ist auch nicht mehr nötig.
{"Drum ermahne, denn du bist, bei der Gnade deines Herrn weder ein Wahrsager noch ein Besessener. Sagen sie etwa: 'Ein Dichter! Wir wollen warten, was für ein Unheil das Schicksal ihm bringen wird.' Sage: 'Wartet; ich warte mit euch.' Oder befehlen ihnen ihre Träume dies (zu sagen)? Oder sind sie (nicht einfach) aufsässige Leute (die von vornherein Opposition treiben)? Oder sie sagen: 'Er hat ihn (den Qur'an) erfunden.' Doch sie wollen nur nicht glauben. So mögen sie mir eine Rede wie diese bringen, wenn sie wahrhaftig sind. Oder sind sie aus etwas anderem erschaffen worden, oder sind sie gar selbst die Schöpfer? Oder erschufen sie die Himmel und die Erde? Doch nein, sie haben keine Gewissheit (in ihrem Glauben). Oder besitzen sie etwa die Schätze deines Herrn, oder selbst die Oberherrschaft (über die Welt)? Oder haben sie eine Leiter, auf der sie hinaufsteigen können, um (den Gesprächen der Engel) zu lauschen? Dann mag doch einer ihrer Lauscher offenkundige Vollmacht bringen. Oder hat Er die Töchter und ihr die Söhne? Oder verlangst du einen Lohn von ihnen, sodass sie in Schulden geraten wären? Oder haben sie Einsicht in das Verborgene, sodass sie es niederschreiben könnten? Oder wollen sie eine List anwenden? Die Ungläubigen sind es die überlistet werden. Oder haben sie einen anderen Gott als Allah? Gepriesen sei Er! Er ist erhaben über das, was sie Ihm (an anderen Göttern) beigesellen!" (Sure 52, 29-43)}
Hier wollen wir eine unter Tausenden von Wahrheiten in dieser Ayah als Beispiel erklären, wie der Qur'an mit seinen Erklärungen etwas unwiderlegbar deutlich macht. Es ist dies wie folgt: Mit den Worten اَمْ - اَمْ {"oder-oder"} bringt er alle Arten von Leuten des Irrweges in fünfzehn Stufen in der Form einer verneinenden Fragestellung zum Schweigen und erstickt jeden Zweifel schon im Keime. Er lässt dem Teufel kein Loch offen, durch welches die Leute
des Irrweges entschlüpfen und worin sie sich verstecken könnten; verschließt ihnen alle. Er lässt ihren Irrtümern keinen Deckmantel, unter den sie kriechen und sich verbergen könnten; zerreißt sie alle. Er lässt von all ihren Lügen keine einzige Lüge übrig, zertritt ihr den Kopf. In jedem Abschnitt erklärt er die Zusammenfassung der gottlosen Gesinnungen jeder Gruppe entweder mit einem kurzen Ausdruck für nichtig, oder verweist durch sein Schweigen auf ihre offensichtliche Unhaltbarkeit, da ihre Unhaltbarkeit eindeutig klar ist, oder wenn sie in anderen Versen schon eingehend widerlegt sind, weist er hier nur kurz auf sie hin.
Im ersten Abschnitt (d.h. Sure 52, 29) wird auf die Ayah hingewiesen, die besagt:
{"und wir haben ihn (Mohammed) nicht die Dichtkunst gelehrt, noch geziemte sie ihm." (Sure 36, 69)}
Im fünfzehnten Abschnitt (d.h. Sure 52, 43) wird aber auf die Ayah hingewiesen, die besagt:
{"Gäbe es in ihnen beiden (d.h. im Himmel und auf Erden) außer Allah noch einen anderen Gott, so wären beide dem Unheil verfallen." (Sure 21, 22)}
Man möge mit diesem Abschnitt noch weitere vergleichen. Es ist dies wie folgt: Am Anfang wird gesagt: "Verkünde die Befehle Gottes. Du bist kein Wahrsager. Denn die Worte eines Wahrsagers sind nichts als wirre Vermutungen. Die deinen aber sind zuverlässig und wahr und du kannst auch kein Besessener sein, denn selbst dein Feind kann dir deinen gesunden Verstand bezeugen.
{"Sagen sie etwa: 'Ein Dichter! Wir wollen warten, was für ein Unheil das Schicksal ihm bringen wird.' (Sage: 'Wartet; ich warte mit euch.')" (Sure 52, 30)}
Sagen sie etwa von dir, wie die Ungläubigen, die unverständig und ahnungslos sind, du seist ein Dichter? Warten sie auf deinen Untergang? Du aber sage: "Wartet ihr und auch ich werde warten!" Die strahlenden, großen Wahrheiten, die du verkündest, sind frei von dichterischer Phantasie und bedürfen nicht dergleichen Ausschmückungen.
{"Oder befehlen ihnen ihre Träume dies (zu sagen)?" (Sure 52, 32)}
Oder sagen sie wie die (atheistischen) Philosophen, die in ihrem Unverstand auf ihre eigene Klugheit vertrauen, "Unser Verstand reicht uns." und weigern sich, dir zu folgen. Doch hätten sie wirklich Verstand, befiele er ihnen, dir zu folgen. Denn alles, was du sagst, ist vernünftig. Doch der Verstand allein genügt noch nicht.
{"Oder sind sie (nicht einfach) aufsässige Leute (die von vornherein Opposition treiben)?" (Sure 52, 32)}
Oder ist der Grund ihrer Leugnung, dass sie sich der Wahrheit nicht unterwerfen wollen, wie Aufständische und Tyrannen? Doch in Wahrheit ist das Ende der Pharaonen, der Nimrode und anderer Oberhäupter grausamer Gewaltmenschen, bereits bekannt.
{"Oder sie sagen: 'Er hat ihn (den Qur'an) erdichtet.' Doch sie wollen nur nicht glauben." (Sure 52, 33)}
Oder verdächtigen sie dich etwa, wie verlogene und gewissenlose Heuchler, und sagen: "Der Qur'an ist nur dein eigenes Wort!" In Wirklichkeit nannten sie dich bis jetzt Mohammed, den Getreuen, und kannten dich als den, der doch unter ihnen der Wahrhaftigste war. Doch sie wollen nur nicht glauben. Dabei sollten sie doch unter den Werken der Menschheit eines finden, das dem Qur'an gleiche!
{"Oder wurden sie aus etwas anderem erschaffen?" (Sure 52, 35)}
Oder stellen sie sich etwa vor, wie die Nihilisten unter den Philosophen, die alles Seiende für sinnlos und zwecklos halten, dass sie sich selbst überlassen seien, sinnlos, zwecklos, verantwortungslos und ohne Schöpfer? Sind etwa ihre Augen blind, dass sie nicht sehen, dass der Kosmos vom Anfang bis zum Ende sinnvoll ausgestattet und zweckmäßig und fruchtbringend gestaltet ist und alles Sein, angefangen von den Atomen bis zu den Sonnen, mit Aufgaben betraut ist und die Befehle Gottes befolgt?
{"Oder sind sie gar (selbst) die Schöpfer?" (Sure 52, 35)}
Oder stellen sie sich etwa in ihrem Pharaonenstolz gleich den Materialisten vor, dass alles aus sich selbst heraus entsteht, dass alles sich selbst ernährt und dass sie alles selbst erschaffen, wessen sie bedürfen, weswegen sie vor dem Glauben, dem Dienst vor Gott und Seiner Anbetung zurückschrecken? Doch stellen sie sich vor, dass sie selbst Schöpfer seien. In Wirklichkeit muss der Schöpfer eines einzigen Dinges aber der Schöpfer aller Dinge sein. Also hat ihre Selbstgefälligkeit und ihr Stolz sie in einem solchen Ausmaß mit Torheit erfüllt, dass sie einen grenzenlos Ohnmächtigen, der einer Mücke, ja einer Mikrobe unterlegen ist, für den Absolut Allmächtigen halten. Da sie nun einmal so tief (aus der Höhe jeglicher) Vernunft und Menschlichkeit hinuntergestürzt sind, befinden sie sich nun in einer noch übleren Lage als das Tier, ja sogar als die leblosen Dinge. Also brauchst du nicht über ihre Verweigerung bekümmert zu sein.
{"Oder erschufen sie die Himmel und die Erde? Doch nein, sie haben keine Gewissheit (im Glauben)." (Sure 52, 36)}
Oder leugnen sie Allah wie die Deterministen, die gedankenlos und verblendet sind und den Weltenschöpfer leugnen, weswegen sie nicht dem Qur'an folgen? Dann sollten sie auch die Existenz der Himmel und der Erde bestreiten oder sagen: "Wir haben sie erschaffen." So werden sie am Ende völlig aus dem Häuschen geraten, ihren Verstand verlieren und dem Fieberdelirium eines Wahnsinnskranken verfallen. Denn die Beweise der Einheit sind so viele Male ersichtlich und deutlich lesbar, wie die Sterne am Himmel und wie die Blumen und Blüten auf der Erde. Doch sie haben keine Absicht, sich zu vergewissern und die Wahrheit zu erkennen. Wie können sie sich aber dieses Buch des Kosmos, in dessen Buchstaben jeweils ein ganzes Buch geschrieben ist, ohne seinen Schreiber vorstellen, obwohl sie doch wissen, dass es keinen Buchstaben ohne seinen Schreiber gibt?
{"Oder haben sie die Schätze deines Herrn unter ihrer Verfügung?" (Sure 52, 37)}
Oder leugnen sie das Prophetentum als solches, wie die Brahmanen, oder wie einige Philosophen einer Irrlehre, die die Entscheidungsfreiheit Gottes des Gerechten verneint, und die dir deshalb keinen Glauben entgegenbringen? Also sollen sie dann alle Werke Seiner Barmherzigkeit und die Gnadengeschenke und alle Wunder aller Propheten leugnen, die Werke der Weisheit, der Zweckmäßigkeit, der Wohlordnung und deren Früchte, welche in der ganzen Schöpfung ersichtlich sind und Entscheidungs- und Willensfreiheit beweisen, oder sagen: "Die Schätze aller Gnadengaben, die den Geschöpfen verliehen sind, liegen hier bei uns und wir haben sie in unserer Hand." Sollen sie doch eingestehen, dass sie (als Partner für ein vernünftiges Gespräch) nicht ansprechbar sind. Sei wegen ihrer Verweigerung nicht betrübt.
{"Oder haben sie die Oberherrschaft (über die Welt)?" (Sure 52, 37)}
Oder glauben sie etwa, sie seien die Inspektoren und hätten die Oberaufsicht über die Handlungen des Schöpfers, wie die Mu'tezila, die ihren Verstand zum obersten Richter ernannt haben, und so den majestätischen Schöpfer zur Verantwortung ziehen wollen? Sieh zu, dass du nicht den Mut verlierst! Aus solcher Verweigerung dieser Selbstgefälligen kommt nichts heraus. Und nimm auch du sie nicht so wichtig!
{"Oder haben sie eine Leiter, auf der sie lauschen können auf die Gespräche der Engel? Dann mag einer ihrer Lauscher offenkundige Vollmacht bringen." (Sure 52, 38)}
Oder denken sie sich, sie hätten gleich den Leuten, die Geistern und Satanen folgend mit Wahrsagerei spielen und Spiritismus betreiben, dass sie einen anderen Weg zur Welt des Verborgenen entdeckt hätten? Wenn dem aber so wäre, bilden sie sich dann ein, dass sie eine Leiter hätten, um in den Himmel emporzusteigen, was ihren Teufeln versperrt wurde, weswegen sie deine himmlischen Botschaften der Lüge bezichtigen. Die Verleugnungen solcher Scharlatane bedeuten nichts.
{"Oder hat Er Töchter (die ihr Menschen für euch nicht haben wollt) und ihr Söhne?" (Sure 52, 39)}
Oder wollen sie wie die Philosophen (der Schule Ishraqiyyun), die Gott unter dem Namen "Zehn Stufen des Geistes" und "Herren der Arten" Götzen beigesellen, und wie die Sabi'iyyun, die Sternen und Engeln eine Art Göttlichkeit zuschreiben, und wie die Atheisten und die Irrgläubigen, die Gott dem Gerechten ein Kind zuschreiben, was der Einheit und Einmaligkeit des Herrn in Seinsnotwendigkeit, Seiner Allgegenwart, Seiner absoluten Bedürfnislosigkeit und Einzigartigkeit widerspricht, und die den Engeln weibliche (Attribute beifügen), was ihrem Dienst, ihrer Anbetung, ihrer Reinheit und ihrer
(geschlechtlichen Nicht-)Zugehörigkeit entgegengesetzt ist? Glauben sie, dass sie ihre Fürsprecher sind, weswegen sie dir nicht folgen?
Die Fortpflanzung, die für alle Geschöpfe, wie auch für den Menschen, (dessen Existenz von einer Reihe verschiedener) Umstände (abhängig) ist, der vergänglich ist und das Bedürfnis hat, fortzubestehen, der einen Körper hat, der zerfällt und die Fähigkeit hat, sich zu vermehren, der schwach ist, in alles Irdische vernarrt und Nachkommen ersehnt, die ihm zu Hilfe kommen sollen, dient nicht nur seiner Vermehrung, sondern auch der gegenseitigen Hilfeleistung und ist das Band seines Lebens und Bestehens, dem, dessen Existenz notwendig ist zuzuschreiben, dem majestätischen Herrn, der beständig und dessen Bestehen in alle Ewigkeit ist, der unabhängig ist von dem Dasein eines Körpers, dessen Wesen lauter und rein ist und frei von Zerfall und Vermehrung, dessen Macht unangreifbar und bar jeder Schwäche ist, Kinder zuzuschreiben, ja sogar zahllose Töchter, selbst Kinder, die diese ohnmächtigen und armseligen Menschlein, deren Existenz (von vielen, verschiedenen Umständen) abhängig ist, auch nicht mögen, ja geradezu unter ihrer Würde finden, zuzuschreiben, ist ein solcher Unsinn, leeres Gerede eines Wahnsinnigen, dass die Verleugnungen und Verweigerungen derartiger Kerle, die dieser Meinung sind, für Null und nichtig gelten können. Du brauchst sie gar nicht zu beachten. Man kann ja nicht dem Unsinn eines jedes Verblendeten, den Phantastereien eines jedes Verrückten sein Ohr leihen.
{"Oder verlangst du einen Lohn von ihnen, dass sie bei dir verschuldet wären?" (Sure 52, 40)}
Oder finden sie deine Angebote schwer, wie die Weltverehrer, die der Gier und dem Geiz verhaftet, ungebärdig und aufständisch sind, weswegen sie vor dir davonlaufen? Wissen sie etwa nicht, dass du deinen Lohn, dein
Honorar nur von Gott erwartest. Sie halten das Gebot Zekat zu geben, für schwer und schrecken (vielleicht deswegen?) vor dem Islam zurück. Ist es ihnen etwa zu schwer, von dem Gut, das Gott der Gerechte ihnen gab, entweder ein Zehntel oder ein Vierzigstel den Armen unter ihnen zu geben, damit sie sowohl Segen finden, als auch sich vor dem Neid und den Verwünschungen der Armen retten? Ihre Verweigerung ist nicht von Bedeutung. Sie verdienen es, von dir eine Ohrfeige, statt einer Antwort zu bekommen.
{"Oder haben sie Einsicht in das Verborgene, sodass sie es niederschreiben könnten?" (Sure 52, 41)}
Oder behagen ihnen deine Nachrichten aus dem Verborgenen nicht, wie den Buddhisten, die behaupten, bewandert in den verborgenen Dingen zu sein, oder denjenigen, die ihre Klugheit verkaufen wollen und ihre Mutmaßungen über die verborgenen Dinge als Gewissheit darstellen? Haben sie etwa Bücher aus dem Verborgenen, sodass sie dein Buch aus dem Verborgenen nicht annehmen wollen? Wenn das so ist, dann bauen sie Luftschlösser, denn sie bilden sich ein, die Welt des Verborgenen, die doch außer den Gottesgesandten, die Offenbarung empfingen, niemandem offen steht und in die auch niemand aus eigener Anstrengung einzutreten vermag, stünde ihnen offen zur Verfügung, sodass sie von dort her Auskünfte erhalten und niederschreiben könnten. Du brauchst auch wegen der Verweigerung dieser Selbstgefälligen, die ihre Grenzen dermaßen grenzenlos überschritten haben und eingebildet sind, nicht zu resignieren! Denn binnen kurzer Zeit werden sich diese Schlösser mit der Wahrheit, die du verkündest, in Luft auflösen.
{"Oder wollen sie eine List anwenden? Die Ungläubigen sind es, die überlistet werden." (Sure 52, 42)}
Oder wollen sie das, woran sie selbst nicht glauben können, anderen glaubhaft machen, indem sie dich manchmal als Wahrsager, manchmal als Verrückten, manchmal als Zauberer bezeichnen? Wollen sie etwa dadurch die Menschen von der Rechtleitung, die ihnen nicht gegeben ist, überlisten und abspenstig machen, wie die Scharlatane unter den Heuchlern oder wie die hinterlistigen Gottesleugner, deren Naturanlagen verdorben sind und deren Gewissen abgestorben ist? Du brauchst dich von dem hinterlistigen und vordergründigen Widerstand solch verschlagener Scharlatane nicht beeindrucken zu lassen und darüber nicht mutlos zu werden, indem du vergeblich nach ihrer menschlichen Würde Ausschau hältst. Vielmehr solltest du deinen Eifer noch verdoppeln. Denn sie betrügen nur ihre eigene Seele. Sie schaden sich dabei selbst. Der Erfolg ihrer Bosheiten kann nur vorübergehend sein. Er ist etwas, worauf sie in ihrer Gottvergessenheit zu unrecht stolz sind und wodurch sie den Zorn und Seine Strafe auf sich ziehen. Er ist eine List Gottes und eine Hypothek für diese Menschen.
{"Oder haben sie einen anderen Gott als Allah? Gepriesen sei Er! Er ist erhaben über das, was sie Ihm (an anderen Göttern) beigesellen!" (Sure 52, 43)}
Oder stützen sie sich auf andere Götter, wie die Parsen, die sich zwei verschiedene Götter mit den Namen, der Schöpfer des Guten und der Schöpfer des Bösen vorstellen, oder wie die Ursachenanbeter und Götzendiener, die verschiedenen Ursachen eine Art Göttlichkeit zuschreiben und sie als Stützpunkte ansehen, weswegen sie sich dir widersetzen! Wollen sie sich etwa deswegen von dir bitten und nötigen lassen? Laut der Ayah
{"Gäbe es in ihnen beiden (d.h. im Himmel und auf Erden) außer Allah noch einen anderen Gott, so wären beide dem Unheil verfallen." (21, 22)}
Sehen sie denn nicht diese vollkommene Ordnung und diese wunderbare Zuordnung der Dinge im ganzen Kosmos, die so klar ist wie das Tageslicht? Ja, sind sie denn blind? In Wirklichkeit wird aber die Ordnung in Unordnung geraten und die Zuordnung der Dinge in völligen Wirrwarr, wenn es in einem Dorf zwei Bürgermeister, in einer Stadt zwei Regierungspräsidenten, in einem Land zwei Könige gäbe. In Wirklichkeit sehen wir, dass eine dermaßen subtile Ordnung, von einem Mückenflügel bis zu den Lampen des Himmels beabsichtigt ist, dass für eine Vielgötterei kein Platz mehr bleibt, auch nicht einmal so groß wie ein Mückenflügel. Da sich aber nun diese (Leute) aller Weisheit und Verstand, allem Sinn und Klarheit dermaßen entgegengesetzt verhalten, sollen ihre Verleugnungen dich nicht davon abhalten, weiterhin gute Lehren und Ratschläge zu erteilen.
Wir haben hier unter hunderten von Diamanten dieser Ayah, die einen Rosenkranz (silsile) von Wahrheiten bilden, nur einen einzigen Diamanten der Verkündigung, nämlich (die Art, wie der Qur'an die Dinge erklärt) und verständlich macht und (wie er seine Gegner zum) Verstummen bringt, kurz und bündig erklärt. Wäre ich dazu im Stande und könnte noch einige andere seiner Diamanten zeigen, würdest auch du sagen: "Selbst diese wenigen Ayat sind für sich allein betrachtet schon ein Wunder."
Aber die Verkündigung des Qur'an ist, in der Art, etwas verständlich zu machen und zu unterweisen, so wunderbar schön und klar, dass auch der einfachste, ungebildete Mensch die Erklärungen des Qur'an und die subtilste Wahrheit in ihr ganz leicht verstehen kann. Der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, öffnet den Zugang zu vielen verborgenen Wahrheiten in einer einfachen und offenkundigen Weise und unterrichtet sie so, wie es dem allgemeinen Verständnis wohl tut, ohne die Empfindungen des Volkes zu verletzen, der Denkweise der einfachen Leute beschwerlich zu werden und sie zu ermüden. Etwa so wie man im Umgang mit einem Kind eine kindgemäße Ausdrucksweise verwendet.
{"So zu sprechen, wie der menschliche Intellekt es zu verstehen vermag, ist Herabkunft göttlicher Demut."}
Der Stil des Qur'an, wobei göttliche Demut mit den Worten des Sprechers (mutekellim) auf den Angesprochenen (muhatab) dessen Niveau entsprechend herabkommt, lässt die verborgenen Wahrheiten und Geheimnisse Gottes, die auch den Gedanken hochgelehrter Denker nicht zugänglich sind, durch einige Beispiele und Gleichnisse in Form von Sinnbildern selbst noch dem einfachsten, ungebildeten Menschen verständlich werden.
{"Der Barmherzige hat Seinen Thron bestiegen." (Sure 20, 5)}
Um in einem Gleichnis die Herrschaft Gottes darzustellen, und den Umfang Seines Herrschaftsanspruches in der Lenkung der Welt verständlich zu machen, wird hier als Beispiel angeführt, wie ein König seinen Thron besteigt und die Regierung übernimmt. Der Qur'an ist in der Tat das Wort des majestätischen Schöpfers dieses Kosmos. Er kommt von der gewaltigen Stufe Seiner Herrschaft herab. Er hat die höchste Autorität und unterrichtet alle die Autorität repräsentieren auf jeder Stufe unter ihm. Er scheint hinter siebzigtausend Schleiern und erleuchtet sie alle. Er spendet seinen Segen und verbreitet sein Licht über Tausende von Schichten, deren Verständnis und Intelligenz voneinander unterschiedlich ist. Er hat die Fähigkeit, über verschiedene Zeitalter und Epochen lebendig zu bleiben und verbreitet seinen Sinngehalt überall in reicher Fülle. Überdies verliert er auch keine Spur seiner Aktualität, bleibt vielmehr stets taufrisch und anmutig. Er unterrichtet in einer unglaublichen Leichtigkeit und Einfachheit, sodass er jedem einfachen Menschen verständlich ist. In dem selben Unterricht, mit den selben Worten unterweist er auch sehr viele Schichten, deren
Denkweisen voneinander unterschiedlich und deren Bildungsgrade voneinander verschieden sind, überzeugt und befriedigt sie alle. In welcher Hinsicht man auch ein solch wunderbares Buch aufmerksam betrachten mag: man wird in jedem Fall wenigstens ein Fünkchen dieses Wunders erkennen können.
Wenn ein Wort aus dem Qur'an wie «Elhamdulillah (alles Lob, Preis und Dank gebührt Allah)» vorgetragen wird, so erfüllt es eine Höhle, das Ohr eines Berges, in gleicher Weise wie das selbe Wort auch noch in dem winzig kleinen Öhrchen einer Mücke vollständig seinen Platz ausfüllt. So wie die Bedeutung des Qur'an winzig kleine, einfache Intelligenzen, wie z.B. eine Mücke unterrichten und befriedigen kann, so befriedigt sie auch mit den gleichen Worten Bergen gleiche Intelligenzen. Denn der Qur'an ruft alle Schichten der ganzen Menschen und Dschinnen zum Glauben. Überdies lehrt und beweist er der Allgemeinheit die Kenntnisse des Glaubens. Darum soll auch der einfachste, ungebildete Mensch mit den gebildeten der höheren Schichten gemeinsam Schulter an Schulter, Knie bei Knie, die Lektion des Qur'an hören und nutzen können.
Also ist der ehrwürdige Qur'an solch ein Tisch des Himmels, dass Denkweisen, Intelligenzen, Herzen und Gemüter, die Tausende von verschiedenen Schichten bilden, an diesem Tisch ihre Nahrung finden und alles, was sie sich nur wünschen können. Ihre Wünsche werden erfüllt. Es sind sogar noch sehr viele Türen verschlossen geblieben, die künftigen Generationen vorbehalten sind. Wenn du zu diesem Anlass ein Beispiel möchtest, ist der ganze Qur'an vom Anfang bis zum Ende voll von Beispielen zu diesem Anlass. Alle Mudjtehidin und Siddiqin, islamische Denker und Forscher, die Gelehrten zum Usulu l-Fiqh und Theologen, Kenner unter Heiligen, die geistige Pole unter den Geliebten Gottes, Kritiker unter Gelehrten und Muslime aus dem einfachen Volk und dergleichen Schüler des Qur'an und diejenigen, die seinem Unterricht folgen, sagen gemeinsam:
"Wir verstehen unsere Lektion bestens." Kurzum glänzen Blitzstrahlen dieses Wunders, das der Qur'an ist, in seiner Unterweisung und Verständlichkeit genau wie auch in anderen Hinsichten
Zweiter Strahl:
Es ist diese wunderbare Vielseitigkeit des Qur'an. Dieser Strahl besteht aus fünf Funken.
Erster Funke:
Es ist die Vielseitigkeit in seinen Ausdrücken. Mit Sicherheit wird diese Vielseitigkeit durch die Ayat, die in vorigen Abhandlungen und in diesem Wort zitiert wurden, offensichtlich erkennbar.
{"Für alle Ayat gibt es ein Äußerliches und ein Innerliches, einen Anfang und ein Ende und jede hat ihre Äste, Zweige und Blätter."}
Wie diese Hadith besagt, sind die Worte im Qur'an in der Art gesetzt, dass sich jede Aussage, ja sogar jedes Wort, selbst jeder Buchstabe, sogar manchmal ein Schweigen auf verschiedene Gesichtspunkte bezieht. Er gibt allen Angesprochenen (muhatab) durch verschiedene Türen ihren (eigenen Zugang zu ihrer individuellen) Lesart.
{"Haben Wir nicht die Berge zu Pflöcken gemacht?" (Sure 78, 7)}
Das heißt: "Ich habe die Berge für eure Erde zu Pflöcken und Masten gemacht." Das ist eine Aussage. Was einfache Leute dieser Aussage entnehmen, ist folgendes: Sie sehen die Berge, die äußerlich wie in den Boden eingeschlagene Pflöcke aussehen, und denken an ihren Nutzen und an die Gnadengaben, die sie in ihnen finden. So danken sie ihrem Schöpfer.
Was dagegen ein Dichter dieser Aussage entnimmt, ist folgendes: Die Erde ist der Boden, über dem sich die Kuppel des Himmels wie ein großartiges blaues Zelt wölbt, geschmückt mit elektrischen Lampen. In seiner Phantasie stellt er sich die Berge als Pflöcke dieses Zeltes
vor, die in einen horizontalen Kreis vor den Saum des Himmels bilden. Ihren majestätischen Baumeister verehrt er voller Begeisterung.
Von den Zeltbewohnern entnimmt ein Dichter dieser Aussage folgendes: Die Erdoberfläche ist eine Wüste, die Sahara. Er stellt sich die Gebirgsketten als viele verschiedene Beduinenzelte vor, deren Planen die Erde über den hohen Masten der Berge darstellen, deren Gipfel diese Plane aus Erde hochheben und als Wohnstätte vieler ganz unterschiedlicher Geschöpfe dienen, die aufeinander angewiesen sind. Vor dem majestätischen Schöpfer, der solch große, gewaltige Schöpfungen, so ganz leicht wie diese Zelte auf Erden errichtet und fest begründet, wirft er sich voll Verehrung nieder.
Ein Dichter, der von Ländern und Meeren träumt, entnimmt dieser Aussage folgendes: Er denkt sich die Erdkugel als ein Schiff, das in dem großen Ozean des Äthers durch die Himmel segelt, und dessen Berge gleich Masten dieses Schiffes sind. Vor dem Allmächtigen in Seiner Vollkommenheit, der diese riesige Erdkugel zu einem bestens ausgerüsteten Schiff machte, uns an Bord nahm und nun in alle Winde des Kosmos reisen lässt, sagt er:
{"Gepriesen seist Du, wie gewaltig ist doch Dein Ruhm!"}
Ein Weiser, kundig in Kultur, Zivilisation und Gesellschaftslehre entnimmt dieser Aussage folgendes: Die Erde ist unser Haus. Die Basis unseres Haushalts stellt das Leben der Tiere und die Grundlage für das Leben der Tiere sind Wasser, Luft und Erde als deren Lebensbedingungen. Fundament und Pflöcke für Wasser, Luft und Erde sind die Berge. Denn die Berge speichern das Wasser, kämmen die Luft (sie lassen Schadstoffe sich absetzen und reinigen die Luft), beschützen die Erde (sie bewahren die Erde vor Sturmfluten, vor Hochwasser und vor der Überhandnahme der Sümpfe) und er begreift, dass alle übrigen, notwendigen Dinge Schatztruhen des
menschlichen Lebens sind. In vollkommener Verehrung lobt und preist er den majestätischen Schöpfer, den Freigiebigen, der diese riesigen Berge in diesem Sinne zu tragenden Säulen der Erde gemacht hat, welche das Haus unseres Lebens ist, und sie zum Zahlmeister für unseren Unterhalt bestimmte.
Das Wort رَتْقًا {"eine zusammenhängende Masse"}
aus der Ayah
{"..., dass Himmel und Erde eine zusammenhängende Masse waren, worauf wir sie getrennt haben?" (Sure 21, 30)}
lässt einen Gelehrten, der mit den genauen Untersuchungen der Naturwissenschaft nicht belastet ist, folgendes erkennen: Der Himmel ist klar und ohne Wolken. Der Erdboden ist trocken und ohne Leben. Noch waren sie unfruchtbar. Es konnte also nur das Werk eines majestätischen Allmächtigen sein, Himmel und Erde miteinander zu vermählen, die (Tore) des Himmels dem Regen und die Erde dem Grün (der Pflanzen) zu öffnen, alles Leben aus diesem Wasser zu erschaffen und durch den Himmel zu befruchten. Vor Ihm ist die Erde nur ein kleiner Garten. Die Wolken aber, die wie ein Schleier vor dem Antlitz des Himmels sind, gleichen dem Schwamm, (der das Wasser) für Seinen Garten (speichert). Dies erkennt er und wirft sich nieder vor der Größe Seiner Macht.
Einem kritisch denkenden Weisen sagt dieses Wort folgendes: Am Anfang der Schöpfung bildeten der Himmel und die Erde einen formlosen Haufen, eine zusammengeballte, formlose Masse, einen nutzlosen wässerigen Brei, ohne Leben, ohne Geschöpfe, ohne Kinder. Der allweise Schöpfer rollte diese Masse aus, formte aus ihr schöne Gestalten, gestaltete aus ihr nützliche Formen und machte (die Erde) zu einem Beet für eine große Zahl
geschmückter Geschöpfe. So versteht er und begeistert sich vor dem Umfang Seiner Weisheit.
Ein Philosoph heutiger Zeit versteht dieses Wort wie folgt: Als unsere Erde und andere Planeten, die das Sonnensystem bilden, anfangs noch mit der Sonne verbunden, wie eine zusammengeballte (formlose Masse wie) ein Teigklumpen war, rollte der Allmächtige und Beständige diesen Teigklumpen aus, verteilte die Planeten, einen nach dem anderen, auf ihre Plätze, ließ die Sonne zurück, brachte unsere Erde hierher, breitete (fruchtbaren) Boden über die Erde aus, ließ vom Himmel herab regnen, sprühte Licht von der Sonne herunter, brachte in die Erde Leben und pflanzte uns dort ein. Da zieht er seinen Kopf aus dem Sumpf der Naturphilosophie und sagt:
{"Ich glaube an Allah, den allgegenwärtigen Einen."}
{"und die Sonne läuft zu dem Ort, an dem sie sich aufhält." (Sure 36, 38)}
Der Buchstabe «lam» ل bringt die Präposition «li» لِ (: zu) zum Ausdruck, wie im üblichen Sinne, als auch im Sinne der Präposition "fi" فِي (: an), als auch im Sinne der Präposition «ila» اِلَى (: bis zu). So sehen die einfachen Leute den Buchstaben lam in dem Wort لِمُسْتَقَرٍّ {"zu einem Ort, an dem sie sich aufhält"} im Sinne von «ila» اِلَى (: bis zu) und verstehen darunter: "Die Sonne ist in ihrer Beziehung zu euch eine Lampe, die sich bewegt und Licht und Wärme gibt. Mit Sicherheit wird ihre Fahrt eines Tages an einem Ort enden, an dem sie zur Ruhe kommt. Sie wird eine Gestalt annehmen, in der sie euch nicht länger mehr nützlich sein wird."
So erkennen sie die großen Gnadengaben des majestätischen Schöpfers, welche Er ihnen durch die Sonne schenkt, und rufen «Subhanallah» (gepriesen sei Allah!), «Elhamdulillah» (alles Lob gebührt Allah!).
Einem Gelehrten erscheint dieses «lam» ل auch im Sinne von «ila» اِلَى (: bis zu). Er stellt sich die Sonne nicht nur als eine Lampe vor, sondern auch als ein Schiffchen an der Werkbank des Frühlings und des Sommer für die Webstücke des Herrn, oder auch als ein Tintenfass für die Briefe des Einzigartigen, die mit Licht auf den Seiten der Nacht und des Tages geschrieben werden. Der augenscheinliche Lauf der Sonne veranlasst ihn über die Ordnung der Welt nachzudenken, deren Lauf Kennzeichen für sie ist und auf sie hinweist. Er ruft vor der Kunstfertigkeit des allweisen Meisters «Maschaallah» (wunderbar ist es, was Allah wollte!) und vor seiner Weisheit «Barekallah» (segne es Allah!) und wirft sich vor Ihm nieder.
Ein Astronom betrachtet dieses «lam» ل als die Präposition «fi» فِي (: an) und versteht darunter folgendes: Die Sonne dreht sich um ihre Achse und läuft zugleich auf ihre Bahn, wodurch sie ihr System auf Gottes Weisung in Ordnung hält und es wie eine Uhrfeder antreibt. Vor dem majestätischen Schöpfer, der eine solche Riesenuhr erschuf und in Ordnung hält, ruft er in vollkommener Bewunderung und Begeisterung «Al-'azametu lillah ve l-qudretu lillah!» (die Größe ist Gottes und die Macht ist Gottes!). Er verwirft die (atheistische) Schule und begibt sich in die (Schule der) Weisheit des Qur'an.
Für einen kritisch betrachtenden Gelehrten bedeutet dieses «lam» ل sowohl die eigentliche Ursache als auch die näheren Umstände und er versteht dabei folgendes: "Der allweise Meister macht die augenscheinlichen Ursachen zu einem Schleier Seiner Taten. Darum verbindet Er mit Seinem Gesetz, das wir das Gesetz der Anziehung nennen, die Planeten gleich den Steinen (in einer Schleuder) mit der Sonne, (um die sie kreisen). Durch diese Anziehungskraft lässt Er die Planeten in verschiedenen, doch wohlgeordneten Bewegungen nach Seiner Weisheit
kreisen. Um diese Anziehung hervorzubringen, machte Er die Bewegung der Sonne um ihre Achse zu einem äußerlichen Grund. Also besagt die Bedeutung von لِمُسْتَقَرٍّ {"zu einem Ort, an dem sie sich aufhält."} فِى مُسْتَقَرٍّ لَهَا لِاِسْتِقْرَارِ مَنْظُومَتِهَا
Das heißt: Sie bewegt sich um ihre Achse um der Stabilität und der Wohlordnung ihres Systems Willen. Denn es ist eine Gewohnheit Gottes, ein Gesetz in Seiner Herrschaft, dass die Bewegung die Hitze, die Hitze die Kraft, die Kraft die Anziehung offensichtlich hervorruft. Wenn dieser Weise eine solche Weisheit aus einem Buchstaben des Qur'an entnimmt, sagt er: «Elhamdulilah (alles Lob gebührt Allah!), die Wahrheit und die Weisheit liegt im Qur'an; der Philosophie messe ich keine fünf Kurusch Wert bei.»
{"Es sind diejenigen, die errettet werden." (Sure 2, 5)}
Hier bleibt vieles ungesagt. Die Aussage wird verallgemeinert. Hier wird nicht bestimmt, was für einen Sieg sie erringen, sodass jeder darin das Erwünschte finden kann. Hier wird wenig gesagt, damit das Gesagte viel werde. Denn ein Teil der Adressaten wollen sich vor dem Feuer retten. Ein anderer Teil denkt allein an das Paradies. Wieder ein anderer Teil sehnt sich nach ewiger Glückseligkeit. Wieder ein anderer Teil hofft nur auf das Wohlwollen Gottes. Wieder ein anderer Teil weiß als das Ziel seiner Hoffnungen, Gott zu schauen. Und so weiter... Desgleichen macht der Qur'an an vielen Stellen eine unbestimmte Aussage, damit sie für alle gültig sei. Er lässt vieles aus, um verschiedene Ausdeutungen zu ermöglichen. Er fasst kurz, damit jeder seine eigene Ansicht darin finden kann. So besagt
{"diejenigen, die errettet werden."}
Aber in diesem Ausdruck wird nicht gesagt, wovor sie errettet werden. Mit diesem Schweigen wird wohl ausgedrückt: "Oh ihr Muslime! Frohe Botschaft für euch. Oh Gottesfürchtiger! (muttaki) Du wirst vor der Hölle errettet. Oh Frommer! (salih) Du wirst dein Heil im Paradies finden. Oh Gotteskenner! (arif) Du wirst das Wohlwollen Gottes erlangen. Oh Gottesliebender! (ashik) Du wirst erreichen, Ihn zu sehen. Und so weiter..."
So haben wir Beispiele der Vielseitigkeit, die die Worte, die Wörter, die Buchstaben und das Ungesagte im Qur'an betreffen als Muster unter Tausend weiteren Beispielen gebracht. Du kannst nun die Ayat und die Geschichten im Qur'an mit diesen vergleichen.
{"Sei dir nun dessen bewusst, dass es keine Gottheit gibt, außer Allah, und bitte Ihn um Vergebung deiner Schuld." (Sure 47,19)}
Diese Ayah hat so viele Aspekte und so viele Stufen, dass alle Schichten der Gottesfreunde auf ihrem Weg und auf jeder Stufe (ihres Weges) erkannten, dass diese Ayah geradezu ein Bedürfnis für sie war und sie aus ihr stets eine ihrer Stufe entsprechende geistige Nahrung, eine aktuelle Bedeutung entnehmen konnten. Denn "Allah" ist der Name, der für alle Schöne Namen Gottes steht und in dem sich so viele (Erkenntnisse) der Einheit finden, wie es Schöne Namen gibt.
{"Dem entsprechend: Es gibt keinen Versorger außer Ihm. Es gibt keinen Schöpfer außer Ihm. Es gibt keinen Erbarmer außer Ihm. usw..."}
Die Geschichte Mosis, mit dem Friede sei, hat unter den Geschichten im Qur'an Tausende von Nutzanwendungen wie der Stab Mosis (mit dem Friede sei). In dieser Geschichte gibt es viele Aspekte und sehr viele Absichten wie, den Gesandten Gottes, mit dem Friede und Segen sei, zu besänftigen und zu trösten, den Ungläubigen zu drohen, die Heuchler zu tadeln, den Juden einen Verweis zu erteilen. Darum wird sie in verschiedenen Suren behandelt. An allen Stellen kommen zwar alle diese Absichten zum Ausdruck, wobei jeweils nur eine von ihnen besonders im Vordergrund steht. Die Anderen hingegen stehen dahinter zurück.
"Woher können wir wissen, dass der Qur'an alle diese im obigen Beispiel erwähnten Bedeutungen beabsichtigt und auf sie hinweist?"
Der Qur'an ist eine Predigt des Urewigen. Er spricht zu allen Söhnen Adams, die in verschiedenen Klassen seit Jahrhunderten in der Reihe sitzen, und (darauf warten,) von ihm unterrichtet zu werden. Mit Sicherheit wird er den verschiedenen Auffassungsfähigkeiten entsprechend diese verschiedene Bedeutungen in sich umfassen, (sie ihnen mitzuteilen) beabsichtigen und auf diese Absichten hinweisen. In dem Buch "Zeichen des Wunders" wurde schon entsprechend der Formen und Satzlehre, der Lehre von Vergleich und Metapher, der Bedeutungslehre und Stilistik und der Rhetorik bewiesen, dass die Worte im Qur'an verschiedene Bedeutungen haben, wie wir als Beispiel oben erwähnt haben. Darüber hinaus können alle Gesichtspunkte und Bedeutungen, die die Leute der Bedeutungslehre aus dem Qur'an entnehmen, die die Männer der Lehre von Vergleich und Metapher und die Dichter gutheißen, nach der Übereinstimmung der Exegeten, der Kommentatoren, der Theologen und der Rechtsgelehrten und durch die Zeugnisse ihrer Disputationen nur dann zu dem Inhalt des Qur'an gerechnet werden, solange sie nach der arabischen Literatur richtig und nach der islamischen Wortlehre wahr sind. Auf jene Bedeutungen weisen Zeichen
entsprechend ihrer Wichtigkeit hin. Sie sind entweder Worte oder Anspielungen. Was aber die Anspielungen betreffen, so weisen sie als Zeichen entweder aus dem Kontext oder aus einer anderen Ayah auf jene Bedeutungen hin. Hunderttausende Qur'ankommentare, die von Forschern geschrieben und manche von ihnen sogar zwanzig, dreißig, vierzig, sechzig, ja sogar achtzig Bände umfassen, sind ein sicheres, klares Zeugnis für die Vielseitigkeit des Qur'an und das Wunder seiner Worte. Wie dem nun auch sein mag... Wenn wir in dieser Abhandlung jedes Zeichen so erklären wollen, unter welchem Gesetz und nach welchen Regeln es auf die Bedeutungen hinweist, dann verlängert sich die Abhandlung um vieles. Darum wollen wir hier kurz zusammenfassen und verweisen auf meine ausführliche Erklärung in dem Band "Zeichen des Wunders".
Zweiter Funke:
Die einzigartige Vielseitigkeit in seinen Bedeutungen. Der Qur'an bietet aus der Schatzkammer seiner Bedeutungen eine Quelle für alle Exegeten, einen (geistigen) Genuss für alle Kenner (der Wahrheit), die rechte Gemütsverfassung für alle Gottliebenden, für alle die Berufung zu ihrer Vollendung und die Lehrmeinung (mezheb) für alle Wahrheitssucher und -forscher. Dabei ist er für sie stets ein Wegweiser (rehber) und bei ihrer geistigen Entwicklung und inneren Entfaltung zu jeder Zeit ein Lehrer (murshid). Es wird von ihnen allen bestätigt und einmütig versichert, dass der Qur'an ihnen aus seiner unerschöpflichen Schatzkammer Licht auf ihrem Weg spendet.
Dritter Funke:
Die einzigartige Vielseitigkeit seiner Lehre (ilm). Der Qur'an lässt viele verschiedene Wissenszweige des islamischen Rechtes, viele unterschiedliche Wissenszweige wahrer Erkenntnis, viele verschiedene Wissenszweige der Mystik dem Meer seines Wissens entströmen. Die wahre Weisheit des "Bereiches der Möglichkeiten" (die Welt, in der wir leben) und das wahre Wissen des Bereiches des Notwendig-Seienden (Vucub) und die verschlossene Kenntnis des Bereiches der Jenseitigen Welt lässt er wiederum aus dem Meer (seines Wissens)
wohlgeordnet und in Fülle strömen. Wenn wir Beispiele für diesen (dritten) Funken anführen wollten, müsste man ein ganzes Buch schreiben. Statt dessen führen wir hier nur diese vorangegangenen fünfundzwanzig Worte als Beispiel an. In der Tat sind alle wahren Erkenntnisse in diesen fünfundzwanzig Worten nur fünfundzwanzig Tropfen aus dem Meer des Wissens des Qur'an. Soweit sich in diese Worte Fehler eingeschlichen haben, sind sie meinem zu kurzen Verständnis zuzuschreiben.
Vierter Funke:
Einzigartige Vielseitigkeit in seinen Themen. Der Qur'an umfasst in der Tat die umfangreichen Themen bezüglich des Menschen und des Auftrages des Menschen, der Schöpfung und des Schöpfers, der Erde und der Himmel, der Welt und des Jenseits, der Vergangenheit und der Zukunft, der Zeiten von Ewigkeit zu Ewigkeit. Alle grundlegenden und wichtigen Themen, angefangen von der Erschaffung des Menschen aus einem Samentropfen (nutfa) bis dahin, wo er ins Grab steigt; angefangen von den Sitten hinsichtlich Essen und Schlafen, bis hin zu den Themen der Göttlichen Fügung (Kaza) und der Vorherbestimmung Gottes; angefangen von der Erschaffung der Welt in sechs Tagen, bis hin zu den Aufgaben des Windes in seinem Wehen, wie in dem Schwur
{"Bei denen, die nach und nach gesandt werden." (Sure 77, 1) "Bei denen, die Staub aufwirbeln." (Sure 51, 1)}
hingewiesen wird; angefangen von Gott, der Herz und Willen des Menschen ergreift, worauf
{"Ihr könnt nicht etwas wollen, wenn Gott es nicht will." (Sure 76, 30) "Allah hält den Menschen mit Leib und Seele in Händen." (Sure 8, 24)}
hinweisen, bis
{"Und die Himmel werden zusammengerollt sein in Seiner Rechten." (Sure 39, 67)}
das heißt, dass Er alle Himmel in Seiner Hand hält; angefangen von den Blumen, den Weinstöcken und den Dattelpalmen der Erde
{"Und Wir legten Gärten auf ihr an mit Palmen und Weinstöcken." (Sure 36, 34)}
bis zu dem einzigartigen Ereignis, das in der Ayah
{"Wenn die Erde erschüttert wird..." (Sure 99, 1)}
zum Ausdruck kommt; angefangen von dem Zustand des Himmels
{"Hierauf richtete Er sich zum Himmel auf, der (damals noch) aus (formlosem) Rauch bestand,..." (Sure 41, 11)}
bis zu seiner Spaltung unter Rauch und dem Fallen der Sterne und der Verbreitung im grenzenlosen Weltall; und angefangen davon, dass die Welt um einer Prüfung Willen geöffnet wurde, bis sie wieder geschlossen wird; und angefangen von dem Grab, das die erste Wohnstatt des Jenseits ist, dann dem Zwischenreich, der Wiederversammlung, der Brücke (sirat), bis zum Paradies, bis zur ewigen Glückseligkeit; angefangen von den Ereignissen der vergangenen Zeit, von der Erschaffung Adams in seinem Leibe, von dem Zank seiner beiden Söhne, bis zu der Sintflut, bis zu dem Untergang des Volkes des Pharao, bis zu den wichtigen Ereignissen der meisten Propheten; und angefangen von dem Ereignis aus der Urzeit, auf das
{"Er sagte: Bin ich nicht euer Herr?" (Sure 7, 172)}
hinweist, bis zu dem Ereignis nach (dem Ende) aller Zeiten, das durch
{"An jenem Tag wird es strahlende Gesichter geben, die auf ihren Herrn schauen." (Sure 75, 22-23)}
mitgeteilt wird, erklärt der Qur'an in der Weise, dass diese Verlautbarung dem Majestätischen Herrn angemessen ist, der den ganzen Kosmos wie ein Schloss verwaltet, der diese und die jenseitige Welt gleich zwei Kammern öffnet und wieder schließt, der über die Erde wie über einen Garten und über den Himmel wie über ein mit Lampen verziertes Dach verfügt, der die Vergangenheit und die Zukunft wie zwei Seiten betrachtet, welche vor Seinem Blick wie eine Nacht und ein Tag gegenwärtig sind, und der ewige und urewige, vergangene und künftige Zeiten, wie Gestern und Heute, Schwingen in der Kettenfolge Seiner Taten in einer einzigen gegenwärtigen Zeit schaut und vereinigt.
Ein Baumeister spricht zum Beispiel von zwei Häusern, die er gebaut hat und verwaltet. Er zeichnet ihren Plan und macht eine Liste und Beschreibung von den Gegenständen in ihnen. Der Qur'an zeigt aber eine Form, wie sie einer Erklärung des Herrn angemessen ist, der diesen Kosmos erbaute und ihn verwaltet und eine Liste und Beschreibung der Gegenstände in ihm - wenn man so sagen darf - der sein Programm schrieb und beschreibt. In gar keiner Weise lässt sich die Spur theatralischen Gehabes oder der Förmlichkeit entdecken. Wie der Qur'an kein Zeichen von Täuschung, so als ob einer an Stelle eines anderen aufträte und in dessen Namen spräche, nicht den kleinsten Fleck der Imitation trägt, so sagt er mit allem Nachdruck, (und zugleich) in aller Lauterkeit und in aller Reinheit "Ich bin das Wort und die Kunde des Schöpfers der Welt.", so wie das Tageslicht sagt "Ich bin von der Sonne gekommen."
Ja, wäre er nicht in der Tat (Gottes) des Erbauers, des Gebers, der diese Welt mit einzigartigen Kunstwerken verzierte, mit geschmackvollen Gaben erfüllte und mit Kunstwerken ausstattete, die zur Begeisterung hinreißen, solche wertvollen Gnadengaben über das Antlitz der Erde hin mit Freude schenkend verteilt, eines nach dem anderen ordnet und über dem Antlitz der Erde ausbreitet und aufs Schönste herrichtet, wessen denn sonst könnte der Qur'an sein, der in seiner Verkündung ein Wunder ist, welcher diese Welt (mit Menschen) füllt, die begeistert gratulieren und applaudieren, mit dem murmelnden und raunenden (Chor derer, die Gott) lobpreisen und Ihm danken, erfüllt und die Erde in eine Gedenkstätte (dhikrhane), in eine Moschee, in eine Galerie der Kunstwerke Gottes verwandelte, wessen Wort könnte er sonst sein? Wer sonst könnte auf ihn Anspruch erheben? Wessen Wort könnte er sonst sein? Wem könnte das Licht, das über die Welt ausstrahlt, sonst entsprechen, außer dem der Sonne? Wessen könnte das Licht der Verkündung des Qur'an sein, welches das Geheimnis der Schöpfung entschleiert und die Welt erleuchtet, wenn nicht das der Urewigen Sonne? Wer wäre im Stande, etwas ihm gleichwertiges zu schaffen? Eine Nachdichtung hervorzubringen?
Es wäre in der Tat unmöglich, dass der Meister, der diese Welt mit Seinen Kunstwerken verziert, nicht mit dem Menschen spräche, der von Seinen Kunstwerken begeistert ist. In Anbetracht Seiner Allmacht und Allweisheit versteht Er es auch mit Sicherheit, sich mitzuteilen. In Anbetracht Seiner Fähigkeit, sich mitzuteilen, ist es mit Sicherheit der Qur'an, der Seiner Mitteilungen würdig ist. Wie könnte der Herrscher Seines Königreichs (maliku l-mulk), dem die Wohlgestalt einer Blume nicht gleichgültig ist, einem Wort gegenüber gleichgültig bleiben, das Sein ganzes Königreich in Aufruhr brachte? Ja könnte Er denn einen Anderen dazu veranlassen, es sich zu Eigen zu machen und selbst es nicht im geringsten berücksichtigen?
Fünfter Funke:
Die einzigartige Vielseitigkeit im Stil und der inhaltlichen Konzentration des Qur'an. Hierin gibt es fünf "Lichtbündel".
Erstes Lichtbündel:
Der Stil des Qur'an ist in seiner ganzen Vielseitigkeit so einzigartig, dass eine einzige Sure den Ozean des Qur'an beinhaltet, der die ganze Schöpfung umfasst. Eine einzige Ayah umfasst eine ganze Schatzkammer einer solchen Sure. Die meisten Ayat sind in sich selbst wie eine kleine Sure und die meisten Suren wie ein kleiner Qur'an. So ist denn diese wunderbare Konzentration in der Unterweisung eine große Gnade und eine gute und angenehme Erleichterung. Denn da ein Jeder jederzeit des Qur'an bedarf, wirkt eine jede Sure wie ein kleiner Qur'an, ja sogar eine jede längere Ayah wie eine kurze Sure, damit die Menschen, die entweder wegen mangelnder Auffassungsgabe oder aufgrund einer anderen Ursache nicht jederzeit den ganzen Qur'an lesen können, keine Zeit oder Gelegenheit dazu finden, nicht des ganzen Qur'an gleichsam wie beraubt bleiben mögen. Ja es stimmen sogar die Erforscher (und Entdecker der geistigen Gefilde) darin überein, dass der ganze Qur'an in der ersten Sure «Fatiha; die Eröffnung», die Sure «Fatiha» aber im «Besmele; im Namen Gottes... (dem ersten Satz dieser Sure)» enthalten ist. Die Übereinstimmung der Forscher ist der Beweis für diese Wahrheit.
Zweites Lichtbündel:
Die Ayat des Qur'an beinhalten alle möglichen Arten von Aussagen (kelam), die wahre Erkenntnis und die Bedürfnisse der Menschheit, mit Beweisen und Hinweisen, wie Geboten und Verboten, Versprechungen und Drohungen, Ermutigung und Abschreckung, Zurechtweisungen und Rechtleitung, Geschichten und Gleichnisse, Erlasse, Gotteserkenntnis, das Wissen des Seins und der Prinzipien, die Bedingungen des persönlichen Lebens, das gesellschaftliche Leben, das Leben mit Herzensbildung, das spirituelle Leben und das Leben nach dem Tode.
Das heißt: "Für alles, was du dir wünschst, nimm dir aus dem Qur'an, was du brauchst!" Die Bedeutung dieser Aussage ist in der Weise anerkannt und richtig, sodass sie unter den Kennern der Wahrheit (ehl-i haqiqat) als sprichwörtlich gilt. Die qur'anischen Verse sind so vielseitig, dass sie für allen Kummer Genesung bringen und jedes Bedürfnis stillen. In der Tat soll es auch so sein, denn der absolute Wegweiser für alle Schichten der Vollendeten, die ständig die Sprossenleiter ihrer Vollendung emporsteigen, muss sicherlich diese Qualität besitzen.
Drittes Lichtbündel:
Der Qur'an ist wunderbar in seinen Zusammenfassungen. Manchmal geschieht es, dass er die beiden Enden einer langen Kette in einer Weise erwähnt, welche diese lange Reihenfolge aufs Beste zusammenfasst. Manchmal geschieht es auch, dass er viele Beweise einer Behauptung zu einem Wort fügt, worin sie entweder eindeutig, oder durch einen Hinweis, ein Stichwort, eine Anmerkung erkennbar sind.
{"Und zu Seinen Wunderzeichen gehört die Erschaffung von Himmel und Erde und die Verschiedenartigkeit eurer Sprachen und eurer Farben." (Sure 30, 22)}
Hier wird zunächst die zweite Reihenfolge gezeigt, indem der Anfang und das Ende der Reihenfolge in der Erschaffung des Kosmos erwähnt wird, die eine Reihenfolge von Wunderzeichen und Beweisen für die Einheit (Gottes) und Seine Allgegenwart sind. Daraus lässt er sodann die erste Reihenfolge herauslesen. In der Tat ist der erste Absatz auf den Seiten der Welt, die für den allweisen Baumeister Zeugnis ablegen, der Ursprung der Erschaffung von Himmel und Erde. Dann erfolgt die Reihenfolge Seines Wirkens mit der Verzierung der Himmel mit Sternen, mit der Belebung der Erde mit Lebewesen, sodann
mit dem Wechsel der Jahreszeiten in der Dienstbarkeit der Sonne und des Mondes, dann mit der Verschiedenheit und dem Wechsel von Tag und Nacht, bis hin zu den Gesichtern und den Stimmen, die sich dort am meisten voneinander unterscheiden, individuell charakteristisch sind, wo auch die größte Vielfalt herrscht. In Anbetracht der Tatsache, dass eine in Begeisterung versetzende Ordnung in Weisheit unter den Gesichtern gerade dort als charakteristisches Kennzeichen der einzelnen Personen zum Ausdruck kommt, wo wir diese Ordnung am wenigsten für möglich halten, wo sie dem Spiel des Zufalls am meisten ausgeliefert ist, und gezeigt wird, dass hier die Feder eines künstlerisch außerordentlich begabten Weisen am Werk ist, werden mit Sicherheit auch andere Seiten, deren Ordnung ebenfalls klar ersichtlich sind, sofort verständlich und lassen ihren Designer erkennen. Da nun einmal im Anfang der Schöpfung der gewaltigen Himmel und der Erde das Werk der Kunstfertigkeit und der Weisheit erkennbar ist, so ist auch das Werk der Kunstfertigkeit des Baumeisters, der für den Bau des kosmischen Schlosses voll Weisheit Himmel und Erde als Grundstein legte, dieses Schmuckstück Seiner Weisheit, in anderen Teilen des Schlosses klar erkennbar. So macht diese Ayah klar, was bisher verborgen war, übergeht dabei, was ohnehin offensichtlich ist und bringt uns auf diese Weise eine sehr schöne Zusammenfassung. Mit Recht sind, angefangen von
{"Gott sei gepriesen am Abend..." (Sure 30, 17)}
bis zu
{"Er stellt in sich das erhabenste Wesen dar, das sich im Himmel und auf der Erde überhaupt nur denken lässt. Und Er ist der Mächtige und Weise." (Sure 30, 27)}
sind die Reihen von Zeugnissen die sechsmal mit
{"zu Seinen Wunderzeichen gehören..."}
beginnen, eine Reihenfolge von Juwelen, eine Reihenfolge von Lichtern, eine Reihenfolge von Wundern, eine Reihenfolge von wunderbaren Zusammenfassungen. Mein Herz wünscht sich, dass ich die in diesen Schätzen verborgenen Diamanten zeigen könnte! Doch, was soll ich machen, wenn das hier den Rahmen dafür sprengen würde. Ich verschiebe es auf einen anderen Zeitpunkt und öffne diese Türe jetzt nicht.
{"schickt mich...; Josef, du Wahrhaftiger!" (Sure 12, 45-46)}
Zwischen dem Wort فَاَرْسِلُونِ {"schickt mich ..."} und dem Wort يُوسُفُ {"Josef!"} liegt das folgende:
{"...zu Josef, damit ich Auskunft über den Traum holen kann! Sie haben ihn geschickt. Er ging in das Gefängnis und sagte zu Josef:"}
Das heißt, obwohl fünf Sätze in einem Satz zusammengefasst und verkürzt worden sind, wurde die Klarheit der Aussage dadurch nicht getrübt und das Verständnis dadurch nicht beeinträchtigt.
{"Er ist derjenige, der für euch aus dem grünen Baum Feuer hervorgebracht hat." (Sure 36, 80)}
Wenn der aufsässige Mensch herausfordernd sagt "Wer wird die vermoderten Knochen wieder lebendig machen?" antwortet der Qur'an auf diese (versteckte) Leugnung:
"Der, der sie zu Anfang erschaffen hat, wird sie auch wieder lebendig machen. Was aber denjenigen betrifft, der sie erschafft, so weiß Er Bescheid über alle Dinge mit all ihren Eigenschaften. Außerdem vermag derjenige, der für euch aus dem grünen Baum Feuer entstehen lässt, aus den vermoderten Knochen (wieder neues) Leben hervorzubringen."
So bezieht sich dieses Wort auf die Behauptung der Wiederbelebung in verschiedener Hinsicht und beweist sie. Zuerst beginnt (diese Ayah) mit diesem Wort die Reihe der Gnadengeschenke, die Gott für den Menschen bereitet hat, rüttelt ihn auf, ruft sie ihm in Erinnerung. Weil wir dies aber in anderen Ayat bereits ausführlich behandelt haben, fassen wir hier nur kurz zusammen und überlassen alles übrige dem eigenen Nachdenken.
"Vor dem Herrn, der euch Früchte und Feuer aus Bäumen, Nahrung aus Gräsern, Getreide und Pflanzen aus der Erde gibt, der die Erde für euch zu einer angenehmen Wiege gestaltet hat, in der alle Versorgungsmittel für euch bereitgestellt sind und der die Welt zu einem Schloss gemacht hat, das schön ist und in dem sich alles findet, was ihr braucht, kann man nicht entfliehen, ganz und gar auf sich allein gestellt bleiben, ins Nichts entschwinden und sich (vor Ihm) verbergen. Ihr könnt nicht ohne eine Verpflichtung bleiben, ins Grab hinabsteigen und ruhig schlafen, ohne (wieder auf)erweckt zu werden."
Hier nun, was diese Behauptung unter Beweis stellt:
Das Wort اَلشَّجَرِ اْلاَخْضَرِ {"der grüne Baum"} sagt sinngemäß: "Oh du, der die Wiederversammlung leugnet! Betrachte die Bäume! Den Herrn, der unzählige Bäume, die im Winter knochentot zu sein scheinen, im Frühling wieder belebt, begrünt, sogar in jedem Baum mit Blättern, Blüten und Früchten Beispiele dreifacher Wiederbelebung zeigt, kann man in Seiner Macht nicht herausfordern, indem man die Wiederversammlung leugnet und sie für unmöglich hält." Dann weist es auf ein weiteres Zeugnis hin und sagt: "Wie könnt ihr es für unmöglich halten, dass der Herr, der aus einem dichten, schweren, dunklen Stoff wie einem Baum etwas so Anmutiges, Leichtes, Leuchtendes wie das Feuer hervorbringt, Knochen, die dem Holz gleichen, ein Leben, das dem Feuer gleicht, und ein Bewusstsein, das dem Licht gleicht, verleihen wird." Dann macht es nähere Angaben zu noch einem weiteren Beweis und sagt: "Man hält es nicht für unmöglich, dass der Herr, der das Feuer erschafft, wenn Beduinen aus zwei Zweigen des bekannten Baumes Feuer entzünden als wären es Streichhölzer, indem sie diese noch grün aneinander reiben, und der zwei einander entgegengesetzte Naturen, der grünen Feuchtigkeit und der trockenen Hitze, vereinigt, und der eines dem anderen zur Quelle macht, wodurch Er zeigt, dass alle Dinge, ja sogar die Grundelemente und die Urnaturen Seinen Befehlen folgen, sich in Seiner Kraft bewegen, sodass keines von ihnen frei ist und sich nicht nach ihrer Natur richtet, den Menschen, den Er aus Erde gemacht hat und der wieder zur Erde zurückkehrt, ihn auch wieder aus der Erde hervorbringen wird. Mit Aufsässigkeit fordert man Ihn nicht heraus." Dann, indem es den berühmten Baum Mosis, mit dem Friede sei, in Erinnerung bringt, deutet es darauf hin, dass dieser Ruf Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, auch der Ruf Mosis ist, mit dem Friede sei. Er gibt uns so einen dezenten Hinweis auf die
Einmütigkeit der Propheten und fügt damit der prägnanten Zusammenfassung dieses Wortes noch eine Feinheit hinzu.
Viertes Lichtbündel:
Die Kürze im Qur'an ist ganz außergewöhnlich vielseitig und wunderbar. Wenn man aufmerksam hinschaut, bemerkt man, dass er, als zeige er ein Meer in einer Kanne, allgemeingültige Grundsätze in ihrer ganzen Länge und Breite, Gesetze, die für alle gelten, als Barmherzigkeit für das Verständnis der Einfachen und Ungebildeten in einem grundlegenden Abschnitt, in einem besonderen Ereignis darstellt. Dafür bringen wir hier zwei Beispiele unter Tausenden von Beispielen.
Es sind drei Verse die in dem ersten Kapitel des "Zwanzigsten Wortes" eingehend erklärt wurden. Gleichsam unter der Überschrift: "Adams Unterweisung aller Namen" drücken sie die Unterweisung aller Wissenschaften und Kenntnisse aus, die dem Geschlecht der Söhne Adams eingegeben wurden. Mit der Erzählung von den Engeln, die sich vor Adam niederwarfen und dem Teufel, der sich nicht niederwerfen wollte, bringen sie zum Ausdruck, dass die meisten Geschöpfe, angefangen von den Fischen bis hin zu den Engeln, (in ihrer Weise) dem Menschengeschlechte dienstbar sind, dagegen aber Geschöpfe, die ihm Schaden zufügen, angefangen von den Schlangen bis hin zu den Teufeln, ihm nicht gehorchen, vielmehr ihm feindselig sind. Des Weiteren wird durch das Schlachten einer Kuh unter dem Volk Mosis, mit dem Friede sei, ausgedrückt, dass die Anbetung der Kühe, welches aus der Idolatrie der Kühe in Ägypten stammte und in der Geschichte von dem "Kalb" ihre Wirkung zeigte, mit dem Messer Mosis, mit dem Friede sei, abgeschnitten wurde. Wenn nun des Weiteren erwähnt wird, dass aus den Felsen Wasser hervorquoll, dass Bäche fließen und Felsen sich spalten und hinunter rollen, so wird damit zum Ausdruck gebracht, dass die Gesteinsschichten unter der Erde sowohl als Schatzkammer für die Wasseradern dienen, als auch die Erde (über sich wie) eine Mutter tragen.
Es handelt sich um Sätze und Abschnitte in der Geschichte Mosis, mit dem Friede sei, die im Qur'an oft wiederholt werden, wobei uns mit jedem Satz, ja mit jedem Abschnitt ein Zipfel eines allgemeingültigen Gesetzes gezeigt wird und dieses Gesetz zum Ausdruck gebracht wird.
{"Oh Haman, baue mir einen Turm." (Sure 40, 36)}
Der Pharao befiehlt seinem Minister: Baue mir einen hochragenden Turm! Ich will den Zustand der Himmel beobachten und schauen, ob es nach dem Gang des Himmels etwa einen Gott im Himmel gibt, der dort droben lenkt und leitet, wie Mosis verkündet." So wird durch das Wort صَرْحًا {"Turm"} und durch dieses kleine Ereignis ein erstaunliches Gesetz ausgedrückt, das in der Tradition der Pharaonen Ägyptens herrschte, die sich nach Bergen sehnten, weil sie in einer berglosen Wüste lebten, die Naturanbeter waren und ihre göttliche Herrschaft beanspruchten, weil sie den Schöpfer nicht kannten, die ihre Namen verewigten, indem sie die Werke ihrer Gewaltherrschaft zeigten, die ruhmsüchtig waren und die berühmten bergengleichen Pyramiden errichteten, die an Zauberei und Seelenwanderung glaubten, ihre Leichen einbalsamierten und in bergengleichen Gräbern aufbewahrten.
{"Heute wollen wir dich nun deinem Leibe nach retten..." (Sure 10, 92)}
Dem ertrunkenen Pharao wird gesagt: "Heute will Ich deinen Körper retten, nachdem er ertrunken ist." Mit dieser Aussage wird der den Tod betreffende, ein abschreckendes Lehrbeispiel bildende Grundsatz in ihrem
Leben, ausgedrückt, dass alle Pharaonen ihre Leichen aus der Vergangenheit heraus auf die Bühne der kommenden Generationen der Zukunft sandten, indem sie ihre Leichen aufgrund ihrer Vorstellung von der Seelenwanderung einbalsamierten. Übrigens wurde im letzten Jahrhundert im Gebiet dieses Meeres, wo er damals ertrank und an Land gespült wurde, ein Leichnam gefunden, eben jene Leiche des ertrunkenen Pharao, ein wunderbares Zeichen aus dem Unsichtbaren, Funke eines Wunders. Er wurde aus dem Meer der Zeit über die Wogen der Jahrhunderten hinweg an die Küste dieses Jahrhunderts geworfen. Schon deshalb ist dieses einzige Wort allein schon ein Wunder.
Fünftes Lichtbündel:
Es handelt sich um die wunderbare Vielseitigkeit des Qur'an hinsichtlich seiner Ziele und Themen, der Bedeutungen, seines Stils, der Feinheiten und Schönheiten. Achtet man auf die Suren und Ayat im Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, und besonders auf die Anfänge der Suren, auf den Beginn und das Ende der Ayat, sieht man, dass er alle Arten der Dichtkunst, Wörter mit besonderem Gewicht und all ihren Formen, alle Grade der erhabenen Stile, alle Beispiele der ethischen Schönheiten, alle Resümees der Naturwissenschaften, alle Inhaltsverzeichnisse der Erkenntnis Gottes, alle nützlichen Grundsätze des persönlichen Lebens und des menschlichen Gemeinschaftslebens, alle lichtvollen Gesetze der hohen Weisheit der Schöpfung beinhaltet; und dabei sieht man nirgendwo eine Spur der Verworrenheit. So verschiedene Arten an einem Platz zusammenzubringen, ohne dass dabei ein Streit, ein Durcheinander entsteht, muss gewiss das Werk einer gewaltigen, wundersamen Ordnung sein.
Fürwahr, neben dieser Wohlordnung bei all dieser Vielseitigkeit, wie in den vorangegangenen vierundzwanzig Abhandlungen, den "Worten (Sözler)" schon erläutert und bewiesen, wurde der Schleier des Selbstverständlichen, welcher der Ursprung der Unkenntnis dessen ist, der überzeugt ist, genaue Kenntnis zu besitzen, durch
seine scharfen Erklärungen zerrissen. Die Wunder, die unter dem Schleier des Alltäglichen verborgen sind, wurden herausgeholt und gezeigt. Der Abgott (Taghut) aller Natur(philosophie), welcher die Quelle allen Irrtums ist, wurde mit dem diamantenen Schwert seiner Beweisführung in Stücke gehauen, die dicken Schichten der Gottvergessenheit von seiner donnergleichen Stimme wie Schlaf vertrieben, das tiefe Geheimnis der Welt und das einzigartige, verschlossene Rätsel der Erschaffung des Kosmos, das (zu enträtseln) sich Philosophie und Menschenweisheit als zu schwach erwiesen haben, gelöst und aufgedeckt. Dies sind mit Sicherheit wunderbare Werke eines Wunderwirkenden wie des Qur'an, der die Wahrheiten sieht, bewandert im Verborgenen, der zur Rechtleitung führt und zeigt, was recht ist.
Wenn man in der Tat in Recht und Billigkeit auf die Ayat des Qur'an achtet, so wird ersichtlich, dass er nicht einer fortschreitenden Gedankenkette gleicht, wie bei anderen Büchern, die ein oder zwei Ziele verfolgen, sondern eine spontane, aus dem Augenblick entstandene Art zeigt, einen Entwicklungsgang, als wären sie ihm zugeworfen worden. Und man merkt, dass jede Gruppe, die zu gleicher Zeit offenbart worden ist, für sich selbst steht und von einem weit entfernten Ort herüber gekommen ist, eine nach der anderen, in kurzen Mitteilungen, als eine überaus ernste und wichtige Botschaft. Wer, außer dem Schöpfer des Kosmos, könnte jemals ein Gespräch führen, welches sich ernsthaft mit dem Kosmos und dem Schöpfer des Kosmos beschäftigt?... seine Grenzen grenzenlos überschreiten? den majestätischen Schöpfer nach seiner Lust und Laune zu seinem Gesprächspartner machen und der Schöpfung treffend Ausdruck verleihen?
Tatsächlich wird im Qur'an erkennbar, wer in allem Ernst, wirklich, wahrhaftig und erhaben der Sprecher und wer das Sprachrohr des Schöpfer des Kosmos ist. Darin findet sich überhaupt keine Spur einer Nachahmung. Er spricht (für sich selbst) und lässt (Seinen Propheten) sprechen. Den unmöglichen Fall einmal angenommen,
jemand überschritte wie Müseylime grenzenlos seine Grenzen und ließe nachahmend den majestätischen Schöpfer, den Herrn aller Würde und Macht, nach eigener Vorstellung sprechen und die Schöpfung mit Ihm, so wird man mit Sicherheit Tausende von Spuren seiner Nachahmung und Tausende von Zeichen seines Betruges darin finden. Denn diejenigen, die sich von erhabenster Art zeigen, wo sie doch von gemeinster Art sind, verraten in all ihrem Verhalten ihre Fälschung. Also betrachte und beachte folgende Ayat, die diese Wahrheit mit einem Schwur verkünden:
{"Beim dem Stern, wenn er fällt! Euer Gefährte geht nicht irre, ist nicht einem Irrtum erlegen und er redet nicht aus eigener Neigung. Es ist nichts anderes als eine Offenbarung, die offenbart wurde." (Sure 53, 1-4)}
Dritter Strahl:
Hier geht es um ein Wunder, das aus den Mitteilungen erwächst, die der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, aus dem Unsichtbaren gibt, und daraus, dass er in jedem Jahrhundert sein Jungsein bewahrt hat und für alle Menschen jeder Schicht geeignet ist. Dieser Strahl besteht aus "drei Erscheinungen".
Erste Erscheinung:
Hier werden die Mitteilungen aus dem Unsichtbaren behandelt. Diese Erscheinung besteht aus "drei Blitzen".
Erster Blitz:
Es sind seine Mitteilungen aus dem Unsichtbaren, die sich auf die Vergangenheit beziehen. Der weise Qur'an erwähnt die wichtigsten Umstände und die bedeutendsten Ereignisse der Propheten seit der Zeit Adams bis zu dem glücklichen Zeitalter des getreuen Propheten (Mohammedu l-Amin) in der Sprache einer nach allgemeiner Überlieferung unbelesenen Persönlichkeit mit besonderem Ernst und Nachdruck, wobei Bücher wie Thora und Evangelium (den Qur'an) bestätigen. Dort, wo die vorausgegangenen Bücher miteinander übereinstimmen,
stimmt (auch der Qur'an) zu. Dort, wo über ein Thema Uneinigkeit herrscht, legt er korrigierend den wahren Sachverhalt offen. Das heißt, dass das Auge des Qur'an das Verborgene sieht und die Ereignisse der Vergangenheit in allen vorausgegangenen Büchern überschaut. So bestätigt er dort, wo eine Übereinstimmung besteht und bezeugt so ihre Glaubwürdigkeit. In allen strittigen Fragen dient er als Prüfstein und stellt die Dinge richtig. In Wirklichkeit sind die Mitteilungen des Qur'an über die Ereignisse und Vorkommnisse der Vergangenheit keine Sache des Verstandes, sodass der Verstand sie uns mitteilen könnte. Vielmehr handelt es sich dabei um etwas, das auf einer Überlieferung vom Himmel herab beruht. Was derartige Überlieferungen betrifft, so sind sie eine Sache der Leute, die schreiben und lesen können. Freunde wie Feinde stimmen darin überein, dass (der Qur'an) auf eine Persönlichkeit herabgekommen ist, die zwar von Hause ungebildet ist, unkundig des Lesens und Schreibens, doch berühmt ob seiner Zuverlässigkeit.
Außerdem berichtet er über jene vergangenen Ereignisse in der Weise, dass er alle diese Ereignisse so erzählt, als habe er sie gesehen. Denn er schält den Kern und Geist einer Erzählung heraus, gebraucht ihn als die einleitende (Handlung), die ihn ans Ziel bringt. Das heißt also, dass die Auszüge und Zusammenfassungen im Qur'an darauf hinweisen, dass derjenige, der diese Auszüge und Zusammenfassungen schildert, die ganze Vergangenheit mit all ihren Ereignissen kennt. Denn jemandes Sachverstand in Kunst oder Wissenschaft erweist sich in seiner fachkundigen Ausdrucksweise, in einem fach- und materialgerecht hergestellten Kunstwerk, und so wie es das Geschick, das Talent eines Menschen beweist, so zeigt auch die Zusammenfassung, der Geist eines Ereignisses, das im Qur'an erwähnt wird, dass derjenige der es berichtet, falls mir dieser Ausdruck gestattet sei, mit einer wunderbaren Begabung über alle die Ereignisse berichtet, die er geschaut hat.
Zweiter Blitz:
Es sind seine Nachrichten aus dem Unsichtbaren, die sich auf die Zukunft beziehen. Diese Gruppe von Nachrichten hat verschiedene Arten. Die erste Gruppe bezieht sich auf das Persönliche. Sie ist bestimmt für einen Teil unter den Leuten der meditativen Wahrnehmung und den Gottesfreunden.
Muhyiddinu l-Arabi hat in der Sure 30, die mit den Ayat
{"Elif lam mim. Die Byzantiner sind besiegt worden..." (Sure 30, 1-2)}
beginnt, viele Nachrichten aus dem Verborgenen entdeckt. Imam Rabbani hat in den Buchstaben die Muqatta'at genannt und am Anfang der Suren erwähnt werden, Zeichen und Nachrichten auf viele unvorhersehbaren Ereignisse erkannt usw... Für die Gelehrten der inneren (batin) Bedeutung des Qur'an besteht der Qur'an vom Anfang bis zum Ende aus solchen verborgenen Mitteilungen. Wir wollen hier aber nur auf einen Teil von ihnen hinweisen, welcher die Allgemeinheit betrifft. Auch hier gibt es viele verschiedene Stufen, von denen wir hier nur eine Stufe behandeln wollen. So sagt denn der weise Qur'an dem ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei:
{"Sei nun geduldig. Das Versprechen Gottes ist wahr." (Sure 30, 60) "Ihr werdet gewiss, wenn Gott will, die Heilige Moschee betreten in Sicherheit, sowohl mit geschorenem Haupt als auch mit gestutztem Haar, doch ohne euch zu fürchten." (Sure 48, 27) "Er ist es, der seinen Gesandten mit der Rechtleitung und der Religion der Wahrheit gesandt hat, um ihr die Oberhand zu verleihen über alle Religionen." (Sure 48, 28) "Aber sie werden, nachdem sie besiegt worden sind, (ihrerseits) siegen, in etlichen Jahren. Gott steht die Entscheidung zu." (Sure 30, 3-4) "Du wirst schauen, und auch sie werden schauen, wer von euch der Versuchung ausgesetzt ist." (Sure 68, 5-6) "Oder sagen sie etwa: Ein Dichter. Wir warten ab, was für ein Unheil das Schicksal ihm bringen wird. Sprich: Wartet ab, ich gehöre mit euch zu denen, die abwarten." (Sure 52, 30-31) "Gott schützt dich vor den Menschen." (Sure 5, 67) "Wenn ihr es nicht tut - und ihr werdet es nie tun können..." (Sure 2, 24) "Aber niemals werden sie ihn sich wünschen..." (Sure 2, 95) "Wir werden sie an den Horizonten und in ihnen selbst unsere Zeichen sehen lassen, bis es ihnen deutlich wird, dass es die Wahrheit ist." (Sure 41, 53) "Sage: Auch wenn Menschen und Dschinnen sich vereinigen würden, um diesem Qur'an ein Gleiches entgegenzusetzen, könnten sie dennoch nichts ähnliches schaffen. Auch nicht, wenn sie sich gegenseitig dabei helfen würden." (Sure 17, 88) "Oh ihr Gläubigen, wer unter euch von seinem Glauben abfällt, an dessen Stelle wird Allah ein anderes Volk setzen, welches Er liebt und das Ihn liebt, das liebevoll gegen die Gläubigen und streng gegen die Ungläubigen sein wird und welches für die Religion Allahs kämpft und das sich nicht vor dem Tadel der Verleumder fürchtet." (Sure 5, 54) "Und sag: Alles Lob gebührt Allah! Er wird euch Seine Zeichen sehen lassen, sodass ihr sie erkennt (und nicht sagen könnt, ihr wüsstet von nichts)." (Sure 27, 93) "Sprich: Er ist der Erbarmer. An Ihn glauben wir und auf Ihn vertrauen wir. Ihr werdet noch erfahren, wer sich im offenkundigen Irrtum befindet." (Sure 67, 29) "Allah hat denjenigen von euch, die glauben und tun, was recht ist, versprochen, dass Er sie zu Nachfolgern auf Erden bestellen wird, wie Er diejenigen, die vor ihnen lebten, zu Nachfolgern bestellt hat; dass Er ihnen ihre Religion, die Er für gut befunden und für sie festgelegt hat, zu einer angesehenen Stellung verhelfen wird; und dass Er ihnen, nachdem sie in Angst gelebt hatten, statt dessen Sicherheit gewähren wird." (Sure 24, 55)}
Und noch viele dergleichen Ayat bringen Mitteilungen aus dem Unsichtbaren zum Ausdruck, die sich wörtlich bewahrheitet haben. Solche Nachrichten aus dem Unsichtbaren, die aus dem Munde dessen, der sehr vielen Einwänden und Kritiken ausgesetzt ist und wegen eines einzigen Fehlers seinen Ruf (da'va) verlieren könnte, ohne zu zögern, vollkommen ernst und zuverlässig hervorgebracht wurden und eine große Authentizität verspüren lassen, zeigen, dass diese Persönlichkeit von dem Meister der Ewigkeit Unterricht nimmt und sodann spricht.
Dritter Blitz:
Es sind die Nachrichten aus dem Unsichtbaren, die sich auf die Wahrheit über Gott, die Wahrheit über das Sein und auf die Dinge des Jenseits beziehen. Die Erklärungen des Qur'an über die Wahrheiten über Gott und seine Aussagen über das Sein, die das Geheimnis des Kosmos öffnen und die verschlossene Wahrheit bei der Erschaffung der Welt aufdecken, sind in der Tat die Wichtigsten unter den Nachrichten aus dem Unsichtbaren. Denn mit der rechten Leitung zu diesen Wahrheiten aus dem Unsichtbaren zu gelangen und sie unter zahllosen Irrwegen zu finden, ist nicht ein Verdienst des menschlichen Verstandes und kann es auch nicht sein. Es ist bekannt, dass die genialsten Philosophen der Menschheit auch der kleinsten dieser Fragen mit ihrem Verstand nicht genügten.
Des Weiteren sagt der Verstand des Menschen zu dem Qur'an, der seine Aussagen über diese von ihm gezeigten
Wahrheiten über Gott und über das Sein hörte, nach der Reinigung seines Herzens, der Läuterung seiner Seele (nefs), der Entfaltung seines Geistes und der Vervollkommnung seines Verstandes «Sadaqte (du sagst die Wahrheit)» und nimmt diese Wahrheiten an. Er sagt zu dem Qur'an «Barekallah (Segne es Gott)». Die Erklärungen und Beweisführungen zu diesem Abschnitt wurden bereits im "Elften Wort" zum Teil dargestellt. Eine Notwendigkeit zu ihrer Wiederholung ist nicht gegeben. Was die Zustände (hal) im Jenseits und im Zwischenreich (berzah) betrifft, auch insoweit der Mensch durch eigenes Nachdenken allein nicht zu ihnen gelangen und sie nicht erkennen kann, so werden sie doch auf dem Wege, den der Qur'an uns aufzeigt, im Grade unmittelbarer Wahrnehmung bewiesen. Im "Zehnten Wort" wurde bereits erklärt und bewiesen, in welchem Grade die Nachrichten des Qur'an aus dem Unsichtbaren wahr und richtig sind. Dort kann man also nachschlagen.
Zweite Erscheinung:
Es handelt sich um die immerwährende jugendliche Frische des Qur'an. Er bewahrt diese seine Jugendlichkeit und Frische in jedem Jahrhundert so, als wäre er gerade erst herabgestiegen. Da sich der Qur'an ja, als eine Predigt (hutbe) des Urewigen, an alle Schichten der Menschheit aller Jahrhunderte gleichzeitig wendet, muss er in der Tat dementsprechend fortwährend jung sein. Außerdem hat man ihn stets so gesehen und sieht ihn stets noch so. Er geht auf jedes Jahrhundert ein, wie es seiner unterschiedlichen Denkweise und dem jeweils anderen Zeitgeist entspricht, als betrachte er ganz besonders dieses Zeitalter, verleiht ihm seine besondere Perspektive und erteilt ihm seinen eigenen Unterricht.
Die Werke und Gesetze der Menschen altern wie die Menschen selbst. Sie verändern sich, werden erneuert. Nur die Bestimmungen und Gesetze des Qur'an sind so fest und sicher, dass im Verlauf der Jahrhunderte stets mehr ihre Stärke sichtbar wird. In der Tat haben dieses gegenwärtige Jahrhundert und die Leute der Schrift in
diesem Jahrhundert, welche so ungeheuer stolz auf sich sind und sich vor dem Wort des Qur'an die Ohren verstopfen, den Ruf des Qur'an zur Rechtleitung
{"Oh ihr Leute der Schrift! Oh ihr Leute der Schrift!" (Sure 3, 64)}
so dringend notwendig, als richtete sich dieser Ruf unmittelbar an dieses Jahrhundert; und der Ruf
{"Oh ihr Leute der Schrift!" (Sure 3, 64)}
umfasst in sich auch die Bedeutung des
{"Oh ihr Leute der Schule!"}
Er verkündet an allen Enden der Welt mit Donnerstimme
{"Oh ihr Leute der Schrift, kommt herbei zu einem Wort, in gleicher Weise angenommen zwischen uns und euch." (Sure 3, 64)}
mit aller Kraft und mit aller jugendlichen Frische.
Nachdem sich einzelne Personen und ganze Gemeinschaften bereits mit dem Qur'an auseinandergesetzt und als schwach erwiesen haben, hat nun unsere gegenwärtige Zivilisation, die das Ergebnis der Denkweise der ganzen Menschheit, ja sogar der Dschinnen ist, gegen den Qur'an Stellung genommen. Sie widersetzt sich gegen das Wunder des Qur'an mit ihrem Zauber. Nun wollen wir aber die Grundsätze und Prinzipien, die diese Zivilisation zur Auseinandersetzung aufstellt, den Prinzipien des Qur'an gegenüberstellen, um gegenüber diesen verheerenden neuen Gegnern das Wunder des Qur'an und den Ruf (da'va) seines Verses
{"Sag: Wenn die Menschen und Dschinnen zusammen kämen," (17, 88)}
zu beweisen.
Erster Grundsatz:
Erste Stufe:
Die Vergleiche und die Gegenüberstellungen vom "Ersten Wort" bis zum "Zwanzigsten Wort", die Wahrheiten dieser Abhandlungen und die Ayat an ihren Anfängen beweisen mit der Sicherheit wie zwei mal zwei vier ist, das Wunder des Qur'an und seinen Sieg.
Zweite Stufe:
Wie bereits im Zwölften Wort bewiesen, wollen wir hier einige Grundsätze (des Qur'an und unserer heutigen Zivilisation) auflisten und einander gegenüberstellen. So ist es denn die heutige Zivilisation, die in ihrer Philosophie des gesellschaftlichen Lebens grundsätzlich "die Macht" als ihren Eckpfeiler annimmt. Als ihr Ziel weiß sie "Den Gewinn". Als Lebensgrundsatz kennt sie "Den Kampf". Als Band der Gemeinschaft hält sie an "Rassismus und Nationalismus" fest.
Was aber ihre Früchte betrifft, so sind es die Befriedigung der Begierden (nefs) des Fleisches und die Vermehrung der menschlichen Bedürfnisse. In Wirklichkeit jedoch ist Angriff die Konsequenz aus dem Streben nach Macht. Konkurrenzkampf heißt die Konsequenz aus dem Streben nach Gewinn, weil dieser ja nicht ausreicht, um alle Wünsche zu befriedigen. Der Interessenkonflikt ist die Konsequenz aus dem Grundsatz des Kampfes. Aggressivität ist die Konsequenz des Rassismus, weil er dadurch gespeist wird, dass er andere verschlingt. Solcher Art sind also nun die Grundsätze dieser Zivilisation, die trotz aller ihrer guten Seiten nur zwanzig unter hundert Menschen eine Art scheinbares Glück schenkt und achtzig in Ruhelosigkeit und Elend wirft.
Es ist aber nun die Weisheit des Qur'an, grundsätzlich anstelle der Macht die Gerechtigkeit als den Eckpfeiler im gesellschaftlichen Leben anzunehmen. Sie setzt anstelle des Gewinns grundsätzlich das, was vorzüglich ist und Gottes Wohlgefallen zu gewinnen vermag, als Ziel. Im Leben hält sie an Stelle des Grundsatzes vom Kampf den Grundsatz, Beistand zu leisten, als das Wesentliche fest.
Als Band der Gemeinschaft bestimmt sie anstelle von Rassismus und Nationalismus grundsätzlich die Liebe zum Glauben, zum Beruf und zur Heimat als das einigende Band. Ihr Ziel ist es, Gelüste und Launen einzudämmen, den Geist empor zu führen, die erhabenen Empfindungen zu nähren, hohe Lust zu stillen, den Menschen zu menschlicher Vollkommenheit hin zu leiten und so erst zu einem Menschen zu machen.
Einigkeit ist die Konsequenz der Gerechtigkeit. Gemeinschaftssinn ist die Konsequenz eines vorzüglichen Charakters. Einander zu Hilfe zu eilen ist die Konsequenz des Grundsatzes, Beistand zu leisten. Das Band der Brüderlichkeit und Zusammengehörigkeit ist die Konsequenz aus idealer Gesinnung und einer gläubigen Haltung. Glückseligkeit in beiden Welten heißt das Ergebnis für den, der zuerst seine Seele gebändigt, sodann den Geist zur Vollkommenheit angespornt und ihm so die Freiheit geschenkt hat. Und so hat denn in Anbetracht dieser Tatsachen die heutige Zivilisation gegenüber dem Qur'an verloren, trotz der guten Seiten, die sie den zuvor geoffenbarten Religionen, besonders aber aus den Lehren des Qur'an, entnommen hat.
Dritte Stufe:
Unter Tausenden von Fragestellungen des Qur'an wollen wir als Beispiel nur drei, vier Fragen besprechen. Denn da ja die Grundsätze und die Gesetze des Qur'an aus der Urewigkeit her kommen, bestehen sie auch bis in ewige Zeiten weiter. Sie veralten nicht wie die Gesetze einer Zivilisation, die zum Tode verurteilt ist. Sie sind immer jung, immer stark. Die Zivilisation unterliegt trotz all ihrer Wohlfahrtsverbände, trotz all ihrer zwingenden, strengen Ordnungsmaßnahmen und Anordnungen, trotz all ihrer Erziehungsinternate und Sittenlehren dem weisen Qur'an gegenüber in den folgenden zwei Punkten:
{"Und verrichtet das Gebet und entrichtet die Almosensteuer." (2, 43) "Doch Allah hat den Handel erlaubt und den Zins verboten." (2, 275)}
Diese Überlegenheit des Qur'an, durch die er sich als ein Wunder erweist, wollen wir mit der hier folgenden Einleitung erklären:
In dem Band "Zeichen des Wunders (Isharatu l-i'djaz)" wurde bereits bewiesen, dass, sowie der Grund aller Revolutionen unter den Menschen ein einziges Wort ist, so auch die Quelle aller schlechten Sitten nur ein einziges Wort ist.
"Hauptsache ich werde satt; es geht mich nichts an, wenn ein anderer vor Hunger stirbt."
"Arbeite du; ich werde essen."
Im gesellschaftlichen Leben aller Menschen können in der Tat bei einem Gleichgewicht zwischen Oberschicht und Unterschicht die Reichen und die Armen in Frieden miteinander leben. Die Grundlage dieses Gleichgewichtes sind aber Güte (shefqat) und Barmherzigkeit (merhamet) in der Oberschicht, Ehrerbietung und Gehorsam in der Unterschicht. Wie aber nun das erste Wort die Oberschicht zur Ungerechtigkeit, Sittenlosigkeit, Erbarmungslosigkeit, das zweite Wort die Unterschicht in Hass, Neid und Widerstand geführt und der Menschheit seit Jahrhunderten den Frieden geraubt hat, genauso ist in diesem Jahrhundert das allgemein bekannte, große Ereignis in Europa als Folge des Kampfes zwischen Arbeit und Kapital zu Stande gekommen. So konnte die Gesinnung der westlichen Zivilisation trotz all ihrer Wohlfahrtsverbände, Erziehungsinternate, Sittenlehren, strengen Ordnungsmaßnahmen und Anordnungen diese beiden Schichten der Menschen nicht versöhnen und dabei auch zwei schreckliche Wunden im Leben der Menschen nicht heilen. Der Qur'an schafft das erste Wort durch die zwangsläufige Einführung der Almosensteuer (zekat) von der Wurzel her ab und heilt es. Er schafft das zweite Wort durch das Verbot des Zinsnehmens von der Wurzel her ab und heilt es. In der Tat steht der Vers des Qur'an vor dem Tor der Welt und sagt dem Zins: "Eintritt verboten!" Er verordnet den Menschen: "Um das Tor des Streites zu schließen, schließt die Türe zur Bank!" Er befiehlt seinen Schülern: "Tretet nicht ein!"
Zweiter Grundsatz:
Die (westliche) Zivilisation akzeptiert die Polygamie nicht. Sie hält diese Bestimmung des Qur'an, so weit es sie selbst betrifft, für der Weisheit und, was die Menschheit betrifft, ihren Belangen entgegengesetzt. Bestünde der Sinn einer Heirat in der Befriedigung der Wollust, dann müsste die Polygamie besonders bevorzugt sein. In Wirklichkeit steht mit dem Zeugnis aller Tiere und Pflanzen fest und wird durch deren Vermählung bestätigt, dass der Sinn der Vermählung die Begattung und ihr Zweck die Vermehrung ist. Was aber den Genuss in der Befriedigung der Wollust betrifft, so ist er eine kleine Belohnung, die seitens der Barmherzigkeit gegeben wird, um diesen Auftrag zu erfüllen. Die Vermählung dient aber in Wahrheit zweckmäßiger Weise der Vermehrung und dem Fortbestand des Menschengeschlechtes. Da eine Frau aber nur einmal im Jahr gebären kann und nur in der Hälfte eines Monats empfänglich ist und nach fünfzig Jahren nicht mehr hoffen darf, ihr Mann aber in den meisten Fällen bis zu seinem hundertsten Lebensjahr zeugungsfähig ist, kann sie ihm sinnlich nicht genügend entgegenkommen. Daher ist die Gesinnung der westlichen Zivilisation gezwungen, sehr viele Freudenhäuser zuzulassen.
Dritter Grundsatz:
Die (westliche) Zivilisation in ihrem Unverstand kritisiert die Ayat, weil der Qur'an der Frau ein Drittel des Erbes zugesteht. In Wirklichkeit richten sich die meisten Gesetze im gesellschaftlichen Leben nach der Häufigkeit der einzelnen Fälle. Eine Frau findet gewöhnlich jemanden, der sie beschützt. Was aber den Mann betrifft, so muss er sich mit einer Frau arrangieren, die er unterhalten muss und die ihm ihre Versorgung überlässt. Erhält also nun eine Frau unter den gegebenen Umständen von ihrem Vater die Hälfte (eines männlichen Anteils), so ergänzt ihr Mann den Mangel (mit zwei Erbteilen). Bekommt hingegen der Mann zwei Erbteile von seinem Vater, so wird er den einen Teil davon für die Versorgung der Frau verwenden, mit der er verheiratet ist.
Daraus ergibt sich eine Gleichstellung mit seiner Schwester. Es ist also die Gerechtigkeit des Qur'an, die dies erfordert. So hat er es bestimmt.
Vierter Grundsatz:
So wie der Qur'an die Götzenanbeterei streng verbietet, so verbietet er auch die Bilderanbeterei, welche eine Art Nachahmung der Götzenanbeterei ist. Die (westliche) Kultur zählt aber die Bilder zu ihren Kunstwerken und versucht damit sich dem Qur'an zu widersetzen. In Wirklichkeit sind Bilder und Statuen entweder ein Stein gewordenes Verbrechen, oder zur Schau gestellte Leiblichkeit oder die verkörperte Lust, sodass sie die Neigung des Menschen zum Verbrechen, die Sucht, sich zur Schau zu stellen, ihre Lust und Laune noch weiter aufreizen. Außerdem befiehlt der Qur'an in seiner Barmherzigkeit, um die Ehre der Frauen zu bewahren, sich in den Schleier ihrer Schamhaftigkeit zu hüllen, um diese Quelle ihrer selbstlosen Liebe (shefqat) nicht unter den Füßen gemeiner Lust ins Elend geraten zu lassen. Sie sollen nicht zu einem Werkzeug der Laune, zu einem wertlosen Objekt werden.
Was aber die
(westliche) Zivilisation betrifft, so hat sie die Frauen aus ihrem Heim vertrieben, ihr den Schleier zerrissen und auch die Menschen verführt. In Wirklichkeit kann aber das Leben in der Familie nur in gegenseitigem Respekt und in der Liebe zwischen Mann und Frau weiter bestehen. Freizügigkeit und Nachlässigkeit in der Bekleidung zerstört in der Tat jeden aufrichtigen Respekt und jede echte Liebe und vergiftet das Familienleben. Man kann also nun verstehen, dass besonders die Bilderverehrung die Sitten zutiefst erschüttert und den Grund legt für den geistigen Verfall: Die Leiche einer schönen, (aber bereits) verstorbenen und nun der Barmherzigkeit bedürfenden Frau mit einem wollüstig begehrlichen Blick zu betrachten: wie weit zerstört doch das eine edle Gesittung! Genauso erschüttert es die höchsten Empfindungen des Menschen und zerstört sie von Grund auf, wenn man Bilder verstorbener Frauen oder auch lebender Frauen, welche Bilder als deren kleine Leichen gelten, begehrlich zu betrachten.
So dient denn jedes der vielen Tausend Themen im Qur'an gleich diesen drei Beispielen zur Erlangung der Glückseligkeit des Menschen in dieser Welt, sowie es auch seinem ewigen Leben dient. Andere Themen magst du mit den oben erwähnten Themen vergleichen.
Wie die derzeitige (westliche) Kultur den Grundsätzen des Qur'an, die das gesellschaftliche Leben der Menschen betreffen, unterlegen ist, geht sie vor dem Qur'an, der von seinem Sinngehalt her ein Wunder ist, im Anblick der Wahrheit zu Grunde. Desgleichen gilt: In der Gegenüberstellung der beiden Weisheiten, die der westlichen Philosophie und der Weisheit der Menschen, mit der Weisheit, die der Qur'an lehrt, wird anhand der Vergleiche in den fünfundzwanzig Worten unwiderlegbar bewiesen, dass die Weisheit, die diese Philosophie lehrt, völlig hilflos und die Weisheit, die der Qur'an lehrt, ein Wunder ist. In dem "Elften" und "Zwölften Wort" wurde schon die Hilflosigkeit, ja das (unvermeidliche) Ende der Weisheit, die diese Philosophie lehrt, und das Wunder und der
Reichtum an Weisheit, den der Qur'an lehrt, bewiesen. Dort kann man also nachschlagen.
Ebenso ist auch die heutige Kultur dem Wunder an Weisheit des Qur'an in Theorie und Praxis unterlegen. Desgleichen verhält sich auch die westliche Kultur in ihrer Literatur und Rhetorik gegenüber der Literatur und Rhetorik des Qur'an: Es gleicht dem Verhältnis der Klage eines Waisenkindes, einsam und verlassen, hoffnungslos weinend in seiner dunklen Trauer, oder des tosenden Gesanges eines berauschten Trunkenbolds, zu den Liedern eines Liebenden, in seiner Erhabenheit, Sehnsucht und Hoffnung, wenn auch zugleich Trauer über die vorübergehende Trennung, oder einer Ode auf die Heimat, die zum Sieg oder Kampf oder zu hoher Opferbereitschaft ermuntert. Denn Literatur und Rhetorik vermitteln durch ihren Stil entweder Trauer oder Freude. Trauer aber ist eine Zwiefache. Die eine ist eine düstere Trauer, die aus der Schutzlosigkeit und der Trennung von Freunden erwächst, eine Trauer, die aus der Literatur der westlichen Kultur gespeist wird, die in die Irre führt, die Natur anbetet und dabei Gott vergisst. Die zweite Art der Trauer aber erwächst aus der Abwesenheit von den Freunden. Das heißt, es gibt zwar Freunde, doch ihre Abwesenheit erweckt eine Trauer, die von Sehnsucht nach ihnen erfüllt ist. Dies also ist die Trauer, die uns durch den Qur'an recht leitet und Licht spendet.
Was aber die Freude betrifft so ist auch sie eine Zwiefache. Die eine kitzelt die Begierden der Seele (nefs). Das ist die Eigenschaft der westlichen Literatur, die nach Theaterstücken, Filmen, Romanen verlangt. Die andere Art der Freude aber ist, nachdem die Begierde (nefs) zum Schweigen gebracht wurde, eine anmutige, artige und unschuldige Anregung, Geist, Sinn, Herz und Gemüt zu erhabenen Dingen, zur ursprünglichen Heimat der Menschen, zu ihrem ewigen Sitz, zum Treffen mit ihren Freunden im Jenseits gelangen zu lassen. Das ist die Freude, die aus dem Qur'an erwächst, dessen Verkündigung ein Wunder ist, eine Freude, welche die Menschen
zum Paradies, zur Ewigen Glückseligkeit, zum Schauen der Schönheit Gottes geleitet und sie dafür in Begeisterung versetzt. Nun,
{"Sag: Gesetzt den Fall, Menschen und Dschinnen täten sich zusammen, um etwas herbeizubringen, was diesem Qur'an gleich wäre, so würden sie dennoch nichts Ähnliches herbeischaffen können. Auch, käme einer dem anderen zu helfen." (Sure 17, 88)}
wird die gewaltige Bedeutung und großartige Wahrheit, die diese Ayah zum Ausdruck bringt, von den Kurzsichtigen wegen ihrer Unachtsamkeit für die unmögliche Vorstellung einer Dichtkunst gehalten, die zu Übertreibungen (neigt). Gott bewahre! Hier ist keine Übertreibung, keine unmögliche Vorstellung! Es ist eine treffende Aussage und zugleich die Wahrheit, die (Unmöglichkeit einer solchen) Möglichkeit und eines solchen Geschehens.
Ein Gesichtspunkt dieser Vorstellung ist der folgende: Das heißt, kämen alle schönen Worte der Menschen und der Dschinnen, die nicht aus dem Qur'an heraus gefiltert wurden und deshalb Eigentum des Qur'an sind, zusammen, so könnten sie dennoch dem Qur'an nicht gleichwertig sein. Es gibt in der Tat nichts Gleichwertiges vorzuzeigen. Ein zweiter Gesichtspunkt besagt: Die Kultur, die Weisheit ihrer Philosophie und die fremdländische Dichtkunst, welche das Ergebnis der Gedanken der Dschinnen und Menschen, ja sogar der Teufel und das Gesamtresultat ihrer Arbeiten sind, bleiben auf der Stufe der Hilflosigkeit gegenüber den Verordnungen des Qur'an, der Weisheit, die er lehrt, und seiner Aussagekraft, wozu wir die Beispiele bereits angeführt haben.
Dritte Erscheinung:
Der weise Qur'an richtet das Wort an jede der Volksschichten eines jeden Jahrhunderts, als wendete er sich persönlich an jede einzelne Schicht. In der Tat ruft der Qur'an alle Söhne Adams in all ihren Volksschichten zum Glauben, der das höchste und tiefste Wissen ist, zur Gotteserkenntnis, die die umfassendste
und leuchtendste Wissenschaft ist, und zu den Bestimmungen des Islam, der die bedeutendste und vielseitigste Bildung ist, auf. Daher ist es für ihn notwendig, einen Unterricht zu erteilen, der für jede Kultur und jede Volksschicht geeignet ist. Natürlich ist der Unterricht stets derselbe und keineswegs immer wieder verschieden. Da dies aber so ist, so müssen sich in diesem selben Unterricht verschiedene Stufen finden. Jeder Mensch bekommt entsprechend seiner Stufe einen Anteil am Unterricht aus dem Qur'an, (verborgen hinter) Schleiern von Schleiern. Viele Beispiele dieser Wahrheit haben wir bereits angeführt. Man kann dort nachschlagen. Hier wollen wir nur auf ein, zwei Beispiele hinweisen, wie sie von ein, zwei Schichten verstanden werden.
{"Er zeugt nicht, und ist nicht gezeugt worden, und keiner ist Ihm gleich." (Sure 112, 3-4)}
Was die Volksschicht betrifft, die die Mehrheit bildet und die Volksschicht der Ungebildeten ist, darunter versteht, ist: "Gott der Gerechte ist darüber erhaben, einen Vater oder Kinder oder Verwandte oder eine Frau zu haben." Was eine weitere, die Mittelschicht darunter versteht, ist: "Es wird die Gottheit Jesu, mit dem Friede sei, und der Engel und aller gezeugten Dinge, widerlegt." Denn da es offensichtlich zwecklos ist, etwas Unvorstellbares zu widerlegen, ist in der Redekunst eine Schlussfolgerung notwendig, die diesen Zweck erfüllt. Wenn diese Sure widerlegt, dass Gott ein Kind oder einen Vater hat, was zur Körperwelt gehört, so bezweckt sie, die Gottheit derjenigen zu widerlegen, die ein Kind oder einen Vater oder ihresgleichen haben, um zu zeigen, dass sie nicht der Anbetung würdig sind. Es ist das Geheimnis der Sure «Ihlas (Aufrichtiger Glaube)» jedem jederzeit von Nutzen sein zu können.
Was die Schicht betrifft, die noch ein Stückchen weiter vorne liegt, so versteht sie: "Gott der Gerechte ist, was Seine Geschöpfe betrifft, frei von jeglicher Bindung an sie, soweit sie eine Zeugung erahnen lassen oder gezeugt worden sind. Er ist auch frei davon, einen Partner, Helfer oder Mitgott zu haben. Vielmehr besteht das Verhältnis zu allem Sein im Schöpfungsakt. Mit dem Befehl "Sei! und es ist." erschafft Er mit Seinem ewigen Willen und Seiner freien Entscheidung. Er ist frei von allen Abhängigkeiten, die Seiner Vollkommenheit widersprechen würden, wie z.B. eine Notwendigkeit, eine Zwangslage, eine nicht abwendbare Erscheinung."
Was eine noch höhere Schicht darunter versteht, ist: Gott der Gerechte ist von Ewigkeit (ezeli) zu Ewigkeit (ebedi). Er ist der Erste (Evvel) und der Letzte (Ahir). Es gibt in keiner Weise, weder in Seinem Wesen, noch in Seinen Eigenschaften, noch in Seinem Tun, einen, der Ihm ähnlich, gleich oder ebenbürtig, der mit Ihm zu vergleichen, für Ihn ein Beispiel oder ein Partner zu sein vermöchte. Es gibt nur Beispiele im Sinne von Vergleichen, um Ihn in Seinem Tun, in Seinem Wirken betrachten zu können:
{"Gott ist erhaben über alle Vergleiche." (Sure 16, 60)}
Im Vergleich zu diesen drei Schichten kannst du dir über das Verständnis der Schicht der Gotteskenner, der Schicht der Leute der Liebe, der Schicht der Getreuen und dergleichen vielen anderen Eignern eines unterschiedlichen Verständnisses eine Vorstellung machen.
{"Mohammed ist nicht der Vater eines eurer Männer." (Sure 33, 40)}
Was die erste Schicht darunter versteht, ist: Da Seyd, der Diener des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und den er mit "mein Sohn" anredete, feststellte, dass seine würdige Gattin ihm nicht ebenbürtig
war, hat er auf einer Scheidung bestanden. Auf den Befehl Gottes hat der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, sie geheiratet. Die Ayah sagt: "Wenn der Prophet euch mit "mein Sohn" anredet, sagt er es angesichts seiner Sendung als Gesandter Gottes. Er ist ja selbst nicht euer Vater, sodass die Frauen, die er heiratete, ihm (gesetzlich) nicht zustehen könnten."
Was die zweite Schicht darunter versteht, ist: Ein großer Gebieter betrachtet seine Untertanen mit väterlicher Liebe. Wenn dieser Gebieter auch im übertragenen Sinne König der äußerlichen wie innerlichen Welt ist, dann übersteigt seine Barmherzigkeit hundertfach die Liebe eines Vaters und jeder seiner Untertanen betrachtet ihn als seinen Vater, als ob er tatsächlich sein Kind wäre. Da der väterliche Blick sich nicht zum Blick eines Bräutigams verändert, und da der Blick einer Tochter sich nicht leicht in den Blick einer Braut verwandelt, passt es der allgemeinen Vorstellung nicht, dass der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, Töchter der Gläubigen heiratet. Aus diesem Grund sagt der Qur'an: "Der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, hegt für euch selbstlose Liebe, die aus der Barmherzigkeit Gottes entspringt, und geht mit euch väterlich um. Von der Haltung eines Gottesgesandten her seid ihr wie seine Kinder. Aber von seiner Identität als Mensch ist er nicht euer Vater, sodass es für ihn unpassend sein könnte, eine eurer Frauen zu ehelichen."
Eine dritte Schicht versteht darunter: Das heißt, indem ihr dem Propheten, mit dem Friede und Segen sei, folgt, euch auf seine Vollkommenheit stützt und auf seine väterliche Liebe verlasst, sollt ihr keine Fehler begehen und nicht nachlässig sein. Tatsächlich gibt es viele, die sich auf ihre Großen und geistigen Lehrer verlassen und deshalb nachlässig werden. Man sagt sogar manchmal "Unser Gebet wurde schon verrichtet." (Wie ein Teil der Aleviten sagt.)
Eine vierte Schicht versteht unter dieser Ayah einen Hinweis aus dem Verborgenen: Die männlichen Nachkommen
des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, werden das Mannesalter nicht erreichen, seine Söhne werden einem Geheimnis zufolge nicht (am Leben) bleiben. In dem Ausdruck "Mann" liegt ein Hinweis darauf, dass er Vater von Frauen sein wird und nur seine weibliche Nachkommenschaft fortbestehen soll. Alles Lob gebührt allein Allah, welcher die geistige und materielle Nachkommenschaft der Sonne am Himmel des Prophetentums, die gesegnete Nachkommenschaft sich von der Tochter des Propheten, Fatima, die der leuchtende Vollmond seiner beiden so lichtvollen Nachkommen, Hassan und Husseyn ist, fortsetzen ließ.
{"Oh Allah, gieße aus Deinen Segen über ihn und über seine Familie."}
(Hier endet die "Erste Flamme" mit ihren drei "Strahlen".)
Zweite Flamme:
Die Zweite Flamme hat drei "Lichter".
Erstes Licht:
Im ganzen Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, liegt ein so lauterer Fluss, eine so überlegene Sicherheit, eine so unerschütterliche Solidarität, eine richtige Proportionalität, eine starke gegenseitige Hilfeleistung zwischen seinen Sätzen und Abschnitten und ein erhabener Frage- und Antwortwechsel zwischen den Ayat und ihren Zielen. Das steht fest nach der Bezeugung von Tausenden von Imamen, Koryphäen der ilm-i Beyan (Exegeten) und Fenni-Ma'ani und Beyani (Predigtlehre von der Bedeutung und Auslegung), wie Zemahsheri, Sekkaki, Abdu l-Qahir al-Djurdjani. Obwohl es acht, neun Ursachen gibt, die diesen Frage- und Antwortwechsel, diese gegenseitige Hilfeleistung, diese Solidarität, diesen Fluss und diese Sicherheit zerstören könnten, bewirken diese Ursachen keine Zerstörung, im Gegenteil, sie stärken den Fluss, die Sicherheit und die Solidarität unter ihnen. Nur in gewissem Grade setzen sich diese Ursachen durch und recken ihre Häupter aus dem Schleier der Wohlordnung und des Flusses empor.
Aber wie aus dem Stamm eines glatten, graden Baumes eine Zahl von Unebenheiten und Spitzen sprießen, kommen sie nicht heraus um das Ebenmaß zu zerstören, vielmehr kommen sie heraus, um die Früchte zu tragen, welche diesem Baum zur Vervollkommnung und Verschönerung seines Schmuckes dienen. Genau wie diese recken auch die Ursachen ihre spitzen Köpfe hervor, um den Bedeutungen Ausdruck zu verleihen, die für den Fluss der Poesie (nazm) des Qur'an wertvoll ist.
So besitzt der deutliche Qur'an (Qur'an-i mubin), obwohl er je nach Ort und Bedürfnis in voneinander verschiedenen Abschnitten, in unterschiedlichen Teilen, in zwanzig Jahren (in Versen wie) Sternen herabgekommen ist, ein so vollkommenes Ebenmaß, dass er einen Zusammenhang darstellt, als wäre er auf einmal als ein Ganzes herabgekommen.
Des Weiteren zeigt der Qur'an, obwohl (seine Verse) in zwanzig Jahren aus unterschiedlichen und voneinander unabhängigen Gründen herabgekommen sind, eine so vollkommene Einheit (einander ergänzender Verse), als wäre er aus einem einzigen Grund herabgekommen.
Des Weiteren zeigt der Qur'an, obwohl er als Antwort auf verschiedene, (manchmal auch) wiederholte Fragen herabgekommen ist, eine vollendete Harmonie und Einheit, als wäre er die Antwort einer einzigen Frage.
Des Weiteren zeigt der Qur'an, obwohl er herabgekommen ist, um die Wirkungen der verschiedenen Ereignisse zu verkünden, eine so vollkommene Wohlordnung, als wäre ein einziges Ereignis der Anlass seiner Verkündung.
Des Weiteren zeigt der Qur'an, obwohl er in verschiedenen Stilarten das jeweilige Verständnisvermögen der zahllosen Adressaten in ihrer verschiedenen, manchmal einander entgegengesetzten geistigen Verfassung anspricht und als ein (Zeichen) göttlicher Demut (mit menschlichen) Worten herabgekommen ist, eine wunderschöne Gleichheit und einen anmutigen Fluss, gleich wie das Wasser in einem Strom dahin fließt, als wäre die geistige Verfassung der Menschen stets ein und dieselbe
und läge ihr Verständnis auf der gleichen Stufe.
Des Weiteren hat der Qur'an, obwohl er sich an verschiedene, voneinander entfernte Klassen von Adressaten wendet und sie anspricht, eine solche Leichtigkeit in seinen Erklärungen, eine solche Harmonie in seiner Anordnung und eine solche Klarheit in seiner Art, sich verständlich zu machen, als wären seine Adressaten von ein und derselben Klasse. Ja, jede Klasse denkt sogar, dass in erster Linie nur sie allein angesprochen sei.
Des Weiteren findet sich im Qur'an, der herab gesandt wurde, um die Menschen zu verschieden Zielen stufenweise hin zu führen und zu leiten (irschad), eine so maßvolle und angemessene Vollkommenheit, eine so umsichtige und aufmerksame Ausgewogenheit, eine so gute und schöne Geordnetheit, als gäbe es nur ein einziges Ziel.
Obwohl diese Ursachen ausreichen könnten, Verwirrung zu stiften, wurden sie in das Wunder der Verkündigung des Qur'an, in seinen Fluss und in seinen harmonischen Aufbau mit eingeschlossen. In der Tat sieht jeder, der im Herzen nicht krank und in seinem Denken geradlinig ist, der in seinem Gewissen nicht verwundet worden ist, der ruhig (selim) ist in seinem Gemüt, in der Verkündung des Qur'an einen anmutigen Fluss, ein schönes Ebenmaß, vernimmt seinen angenehmen Klang, erkennt in ihm seine einzigartige Klarheit. Des Weiteren sieht jeder, der die Dinge mit dem Auge seines Herzens zu betrachten vermag, dass auch der Qur'an über ein solches Auge verfügt und mit diesem Auge alle Dinge im ganzen Kosmos, die Äußeren wie die Inneren, so klar sieht, als habe er eine Seite vor den Augen, die er nach Wunsch umblättert und uns dann die Bedeutung dieser Seite nach Wunsch mitteilt. Wollten wir die Wahrheit dieses Ersten Lichtes mit Beispielen erläutern, wären dafür mehrere Bände notwendig.
Da dies so ist, begnüge ich mich hier mit den Erklärungen aus meinen übrigen arabischen Abhandlungen und aus dem Band "Zeichen des Wunders" und aus diesen fünfundzwanzig "Worten" über den Beweis dieser Wahrheit und ich führe dabei gleichzeitig den ganzen Qur'an als Beispiel an.
Zweites Licht:
Es bezieht sich auf die wunderbaren Vorzüge des Weisen Qur'an, die in seinem guten Stil liegen, hinsichtlich der Zusammenfassungen wie auch der Namen Gottes (Esma-i Husna), die am Ende seiner Ayat angeführt werden.
In diesem "Zweiten Licht" werden nun viele Ayat angeführt werden. Was diese Verse betrifft, so dienen sie nicht nur als Beispiele zu diesem "Zweiten Licht", sie gelten vielmehr auch als Beispiele zu den vorangegangenen Abschnitten und "Strahlen". Diese ausführlich zu erläutern, würde viel Zeit beanspruchen. Ich muss mich aber jetzt hier kurz und bündig fassen. Darum wollen wir hier nur äußerst gerafft auf die Ayat, die zu den Beispielen jenes gewaltigen Geheimnisses des Wunders gehören, verweisen und deren ausführliche Erklärung auf eine andere Zeit verschieben.
So führt denn der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, meistens am Ende seiner Ayat einige Auszüge an, die entweder die Namen Gottes (Esma-i Husna) oder deren Bedeutungen zum Inhalt haben; oder aber auf den Verstand verweisen, um damit den Verstand zu (weiterem) Nachdenken anzuregen; oder sie beinhalten allgemeingültige Grundprinzipien, die zu den Zielen des Qur'an gehören. Er macht diese Auszüge, um damit die Aussagen der Verse zu bestätigen und zu bekräftigen. In diesen Auszügen finden sich einige Hinweise aus der erhabenen Weisheit des Qur'an, einige Tropfen aus dem Lebenswasser der Rechtleitung Gottes, einige Funken aus den Blitzen des Qur'an, der in sich ein Wunder ist. Nun wollen wir nur zehn Hinweise unter vielen kurz erwähnen. Sie enthalten viele verschiedene Beispiele und jedes Beispiel umfasst sehr viele Wahrheiten, wovon wir hier jeweils nur ein Beispiel einer solchen Wahrheit mit einer kurzen Auslegung aufzeigen wollen. Von diesen zehn Hinweisen finden sich die meisten in den meisten Ayat gemeinsam und formen ein richtiges
Muster dieses Wunders. Und die meisten der Ayat, die wir als Beispiel anführen, sind Beispiele für die meisten Hinweise. Wir wollen nur einen Hinweis für jeden Vers zeigen. Die nähere Bedeutung der Ayat, die wir hier als Beispiel anführen und die bereits in den vorausgegangenen Worten behandelt worden sind, wollen wir hier nur mit einem leichten Zeichen andeuten.
Erstens: der Vorzug sprachlicher Brillanz:
Der Weise Qur'an stellt uns mit seinen wunderbaren Erklärungen die Handlungen und Werke des glorreichen Meisters vor Augen und beschreibt sie. Dann extrahiert er aus dessen Werken und Taten die Namen Gottes; oder er beweist damit eines von den Grundzielen, denen der Qur'an folgt; den Glauben an die Wiederversammlung und an die Einheit Gottes (Tauhid).
{"Er ist es, der für euch alles, was auf der Erde ist, erschaffen hat, dann wandte Er sich dem Himmel zu und gestaltete ihn zu sieben Himmeln. Und Er weiß über alle Dinge Bescheid." (Sure 2, 29)}
{"Haben Wir nicht die Erde zu einer Lagerstätte gemacht und die Berge zu Pflöcken? Und Wir haben euch als Paare erschaffen." (Sure 78, 6-8)}
Und so weiter bis zu dem Vers 17:
{"Wahrlich, der Tag der Entscheidung ist ein festgelegter Termin." (Sure 78, 17)}
Im ersten Vers stellt er die Werke vor als Einleitung zu einer Folge, zu einem wichtigen Zweck; er legt die gewaltig großen Werke dar, welche durch Zweck und Wohlordnung für das Wissen und die Macht Zeugnis ablegen.
Er extrahiert den Namen "Der Allwissende". Im zweiten Vers erwähnt er, wie schon im dritten Punkt des Ersten Strahls der Ersten Flamme teilweise erklärt wurde, die großen Taten und gewaltigen Werke Gottes des Gerechten und erwähnt (weiter) als Folge die Wiederversammlung, den Tag der Entscheidung.
Zweitens, eine Anmerkung zur sprachlichen Brillanz:
Der Qur'an entrollt vor den Augen der Menschen das Tuch göttlicher Kunst und zeigt es ihnen. Dann rollt er das Tuch gleichsam wie in einer Zusammenfassung, welche die Namen Gottes in sich enthält, wieder zu einem Ballen zusammen, oder aber überlässt (diese Aufgabe) dem Verstand.
{"Sag: Wer beschert euch den Lebensunterhalt vom Himmel und von der Erde, oder wer vermag euch Gehör und Gesicht zu verleihen? Und wer bringt das Lebendige aus dem Toten hervor, und das Tote aus dem Lebendigen? Und wer lenkt die Sache? Sie sagen: 'Gott!' Dann sag: Wollt ihr denn nicht gottesfürchtig sein? So ist Allah euer Herr, der Gerechte." (Sure 10, 31-32)}
So sagt er am Anfang: Wer ist es, der den Himmel und die Erde wie zwei Kammern für eure Versorgung bereitstellt, von dort Regen und von hier Korn hervorbringt? Kann überhaupt ein anderer als Allah den riesigen Himmel und die riesige Erde zu zwei in Dienst gestellten Schatzmeistern machen? Also gebührt Ihm allein der Dank.
Im zweiten Abschnitt sagt er: Wer ist der Eigentümer eurer Augen und Ohren, den wertvollsten unter euren Organen? Von welcher Werkbank oder von welchem Geschäft habt ihr sie gekauft? Derjenige, der diese anmutigen, wertvollen Augen und Ohren zu verleihen vermag, ist allein euer Herr. Er ist es, der euch ins Dasein bringt und versorgt, weshalb Er euch diese verliehen hat. Also ist Er allein der Herr. Auch Er allein ist euer Angebeteter (Ma'bud).
Im dritten Abschnitt sagt er: Wer ist es, der die tote Erde lebendig macht und hunderttausende verstorbener Arten wieder ins Leben ruft? Wer, außer dem Gerechten und Schöpfer des ganzen Kosmos, kann solches vollbringen? Er ist es, der es mit Sicherheit vollbringt. Er ist es, der lebendig macht. Da nun einmal Er der Gerechte ist, wird Er das Recht nicht verlassen. Er wird euch zu einem großen Gerichtshof schicken. Wie Er die Erde lebendig macht, so wird Er auch euch wieder lebendig machen.
Im vierten Abschnitt sagt er: Wer könnte es sonst sein, außer Allah, der diesen gewaltigen Kosmos wie ein Schloss, wie eine Stadt vollkommen wohlgeordnet lenkt und leitet und ihn versorgt? Außer Allah kann es niemand sein. Die Macht, die den riesigen Kosmos mit all seinen Himmelskörpern darin überaus leicht lenkt und leitet, ist dermaßen fehlerlos und unendlich, dass sie überhaupt keines Partners oder keiner Beteiligung oder Unterstützung und Hilfe bedarf. Derjenige, der den riesigen Kosmos lenkt und leitet, überlässt auch nicht das kleinste Geschöpf anderen Händen. Ob ihr also nun wollt oder nicht, ihr werdet "Allah" sagen müssen.
So sagt der erste und vierte Abschnitt "Allah". Der zweite Abschnitt sagt "Herr". Der dritte Abschnitt sagt "Der Gerechte". So verstehe nun wie wunderbar
{"So ist Allah euer Herr, der Gerechte." (Sure 10, 32)}
entspricht. So gedenkt er der gewaltigen Taten Gottes des Gerechten, der bedeutenden Tücher, die Seine Macht gewebt hat. Anschließend erwähnt er die Werkbank dieser gewaltigen Werke und Webstücke,
{"So ist Allah euer Herr, der Gerechte." (Sure 10, 32)}
Das heißt; indem er der Namen "Der Gerechte, Herr, Allah" gedenkt, zeigt er den Ursprung dieser gewaltigen Taten.
{"Siehe, in der Schöpfung der Himmel und der Erde und in dem Wechsel der Nacht und des Tages, und in den Schiffen, welche das Meer durcheilen mit dem, was den Menschen nützt, und was Allah vom Himmel nieder sendet an Wasser, womit Er die Erde belebt nach ihrem Tode, und was Er auf ihr ausbreitet an allerlei Getier, und in dem Wechsel der Winde und der Wolken, die fronen müssen zwischen dem Himmel und der Erde, wahrlich, darinnen sind Zeichen für ein Volk von Verstand!" (Sure 2, 164)}
Die Erschaffung der Himmel und der Erde, welche die vollkommene Macht Gottes des Gerechten und die Größe Seiner Herrschaft zeigt und Seine Einheit und Allgegenwart bezeugt, wodurch das Königreich der Gottheit in Erscheinung tritt; und der Wechsel der Nacht und des Tages, wodurch Seine Herrschaft in Erscheinung tritt; und die Schiffe, eines von den größten Verkehrsmitteln im gemeinschaftlichen Leben der Menschen, die über das Meer fahren können, wodurch die Barmherzigkeit in Erscheinung tritt; und auf der Erde die Erschaffung unzählbar verschiedener Lebewesen aus einfacher Erde, wodurch die Barmherzigkeit und Macht in Erscheinung treten; und die Winde (bzw. die Luft), die mit großen Aufgaben beauftragt sind, wie für die Atmung der Tiere und die Bestäubung der Pflanzen, und wie sie in Bewegung gebracht, gelenkt und geleitet werden, damit sie für Versorgung und Atmung nützlich werden, wodurch die Barmherzigkeit und die Weisheit in Erscheinung treten; und die Wolken, die zwischen der Erde und dem Himmel ein Mittel der Erbarmung sind, die wie eine einzigartige Versammlung
in der Schwebe zusammengebracht und wieder auseinandergetrieben werden, wie ein Heer in Ruhestellung gebracht und wieder zum Dienst aufgestellt wird, und dergleichen Unterwerfungen, wodurch die Herrschaft in Erscheinung tritt; nachdem der Qur'an all Sein Wirken und Werken aufgezählt hat, sagt er اٰياَتٍ لِقَوْمٍ يَعْقِلُونَ {"Darinnen sind Zeichen für ein Volk von Verstand!" (Sure 2, 164)} um den Verstand zum Nachdenken über die Wahrheit (in Seinen Werken) in allen Einzelheiten anzuregen. Er überlässt es dem Verstand, die Verständigen zu ermahnen.
Drittens, der Vorzug der sprachlichen Brillanz:
Manchmal erklärt der Qur'an die Taten Gottes des Gerechten ausführlich. Dann fasst er sie in einer kurzen Aussage zusammen. Durch seine ausführliche Erklärung vermittelt er eine Überzeugung; durch seine kurze Zusammenfassung prägt er sie dem Gedächtnis ein und fasst zusammen.
{"Und gemäß diesem wird dich dein Herr erwählen und wird dich lehren die Deutung der Geschichten und wird Seine Gnade an dir vollenden und an dem Hause Jakobs, gleich wie Er sie vollendete an deinen Vätern zuvor, an Abraham und Isaak. Siehe, dein Herr ist wissend und weise." (Sure 12, 6)}
So weist der Qur'an mit dieser Ayah auf die Gnadengaben hin, die dem ägyptischen Josef und seinen Vätern erwiesen wurden. Er sagt: "Er hat euch unter allen Menschen durch den Rang des Prophetentums berühmt gemacht. Er hat alle Reihen der Propheten mit eurer Reihe (Generation) verbunden, wodurch Er eure Generation zu Wegbereitern aller Propheten des Menschengeschlechtes machte. Er hat euer Haus zu einer Stätte der Bildung im Wissen um Gott und der rechten Leitung zur Weisheit des Herrn gemacht. Durch dieses Wissen und Seine Weisheit hat Er bei euch das glückliche Sultanat in
dieser Welt mit der ewigen Glückseligkeit in der jenseitigen vereinigt. Er stattete dich mit Wissen und Weisheit aus und ernannte dich zu einem ehrenwerten Statthalter über Ägypten, als auch zu einem Gottesgesandten und einem weisen Lehrer (Murshid)." An diese Gnadengaben Gottes erinnert er, zählt sie auf und erwähnt, dass er und seine Väter und Vorväter durch ihr Wissen und ihre Weisheit bevorzugt waren. Anschließend sagt er: "Dein Herr ist allwissend und allweise. Seine Herrschaft und Seine Weisheit erfordern, dass er dich, deine Väter und deine Vorväter Ihn unter Seinen Namen "Der Allwissende, Der Allweise" offenbar werden ließ." Somit fasst der Qur'an jene ausführlich aufgezählten Gnadengeschenke in dieser kurzen Aussage zusammen.
{"Sag: Oh Gott, der Du über die Herrschaft verfügst! Du gibst die Herrschaft, wem Du willst." (Sure 3, 26-27)}
Diese Ayah zeigt die Verfügung Gottes des Gerechten im gemeinschaftlichen Leben der Menschen so, dass die Ehre und die Erniedrigung, die Armut und der Reichtum unmittelbar von der Entscheidung und dem Willen Gottes des Gerechten abhängig ist. Das heißt, "Bis hin zu den weitverästelten Verfügungen in den vielfältigen einzelnen Bereichen ist alles an den Willen und die Bestimmung Gottes gebunden. Hier kann der Zufall seine Finger nicht mit im Spiel haben." Nachdem diese Ayah dieses Urteil bekanntgegeben hat, beweist er anhand von ein, zwei Zitaten, dass der Lebensunterhalt des Menschen, da er die wichtigste Sache in seinem Leben ist, unmittelbar aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit des wahren Ernährers gesandt wird. Er sagt: "Eure Versorgung ist abhängig vom Leben des Bodens. Was die Belebung des Bodens betrifft, so hält sie nach dem Frühling Ausschau. Was aber den Frühling betrifft, so ist er in der Hand dessen, der die Sonne und den Mond in Seine Dienste
nimmt und der Nacht und Tag wechselt. Da dies aber so ist, kann nur der einem Menschen einen Apfel zu seiner wahren Versorgung zu geben, der Selbst auch die ganze Erde mit all ihren Früchten füllt. Und Er wird ihm der eigentliche Versorger sein." Anschließend sagt er:
{"Und Du bescherst, wem Du willst, ohne Maß." (Sure 3, 27)}
In diesem Satz werden diese ausführlich aufgezählten Taten zusammengefasst und bewiesen. Das heißt, "Er, der euch euren Unterhalt gibt, ohne zu zählen, ist der, welcher alle diese Taten vollbringt."
Viertens, eine Anmerkung zu seiner sprachlichen Brillanz:
Manchmal geschieht es, dass der Qur'an die Geschöpfe Gottes in einer bestimmten Reihenfolge erwähnt. Anschließend zeigt er, dass sich in diesen Geschöpfen Ordnung und Ausgewogenheit finden und sie deren Früchte sind, (d.h. die Reihenfolge in der Erwähnung der Geschöpfe ist die Frucht einer Ordnung,) womit sie durchschaubar wird und einen Glanz gewinnt. Dann extrahiert er aus dieser Reihenfolge die Namen Gottes, deren Erscheinung und Spiegelbild sie ist, als ob die erwähnten Geschöpfe Worte wären, Namen (Gottes), welche die Bedeutungen (dieser Worte) oder die Kerne jener Früchte oder ihr Konzentrat sind.
{"Und wahrlich Wir schufen den Menschen aus einem Lehmkloß. Dann machten Wir ihn zu einem Tropfen in einem festen Behältnis. Dann erschufen Wir aus dem Tropfen ein Anhängsel, und Wir erschufen diesen Nestling zu einem Fleischkloß und Wir erschufen diesen Fötus mit Knochen und Wir bekleideten die Knochen mit Muskeln. Dann entwickelten Wir ihn zu einer neuen Schöpfung. So sei denn Allah gepriesen, der beste Schöpfer." (Sure 23, 12-14)}
So gemahnt der Qur'an an die erstaunlichen, einzigartigen, wunderschönen, wohlgeordneten und wohlausgewogenen Gestalten bei der Erschaffung des Menschen, in der Weise, als würden sie (in ihm) widergespiegelt und bringt sie so der Reihe nach, dass
{"So sei denn Allah gepriesen, der beste Schöpfer." (Sure 23, 14)}
darin von sich selbst erkennbar wird und aus sich selbst sprechen lässt. Einer der Schreiber des Propheten sprach sogar, während er diese Offenbarung niederschrieb, dieses Wort bereits aus, bevor der Prophet es empfing. Sicherlich meinte er: "Vielleicht habe auch ich eine Offenbarung empfangen." In Wirklichkeit war es aber die vollkommene Wohlordnung, die Klarheit und Folgerichtigkeit, die sich äußerte, bevor der Prophet dieses Wort empfing.
{"Siehe euer Herr ist Allah, welcher die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschaffen hat. Alsdann inthronisierte er sich in Seiner Herrschaft. Er lässt die Nacht den Tag verhüllen und sie folgt ihm schnell; und Er schuf die Sonne, den Mond und die Sterne, die zu Seinem Befehl bereitstehen. Wahrlich, Sein ist die Schöpfung und der Befehl! Gepriesen sei Allah, der Herr der Welten." (Sure 7, 54)}
So zeigt denn der Qur'an in dieser Ayah die Größe der Macht Gottes und das Königreich des Herrn in einer Weise, dass der Allmächtige in Seiner Majestät sichtbar wird, die Sonne, der Mond und die Sterne gleich Ordonnanzoffizieren Seiner Befehle harren und Er sich in Seiner Herrschaft inthronisiert, die Wunderzeichen Seiner Herrschaft auf die Seiten des Kosmos schreibt, indem Er die Nacht und den Tag wie zwei Zonen, schwarz und weiß, oder wie zwei Streifen hintereinander (ihre Runden) drehen lässt. Jede Seele, die es hört, wünscht zu sagen:
{"Segne es Gott!" "Wie wunderbar ist doch, was mit Gottes Willen geschehen ist!" "So sei denn Allah gepriesen, der Herr der Welten!"}
Das heißt,
{"So sei denn Allah gepriesen, der Herr der Welten!"}
gilt als Auszug, Kern, Frucht und Lebenswasser aus dem Vorausgegangenen.
Fünftens, die Vorzüglichkeit der sprachlichen Brillanz:
Der Qur'an erwähnt manchmal materielle Dinge, die der Veränderung unterworfen sind und verschiedene Eigenschaften entwickeln. Um sie zu festen Wahrheiten zu machen, fasst und bindet er sie mit festen, lichtvollen, umfassenden Namen zusammen. Oder er schließt sie mit einem Resümee ab, das zum Nachdenken anregen und ein abschreckendes Lehrbeispiel vermitteln soll.
{"Und Er brachte Adam alle Namen bei; dann brachte Er diese vor die Engel und sagte: Nennt mir die Namen dieser Dinge, wenn ihr wahrhaftig seid! Sie sprachen: Gepriesen seist Du. Wir haben kein Wissen außer dem, was Du uns gelehrt hast; wahrlich, Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 31-32)}
Hier erwähnt also diese Ayah zunächst das Ereignis, welches als "das Wissen von Hazret-i Adam, das seine Bevorzugung als Beauftragter (Khalif) gegenüber den Engeln rechtfertigte". Dann erwähnt der Qur'an in diesem Geschehen, dass die Engel gegenüber Hazret-i Adam unterlegen waren, was sein Wissen betrifft. Dann fasst er diese beiden Ereignisse mit zwei umfassenden
Namen zusammen. Es heißt da:
{"Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
Das heißt: "Da Du der Allwissende, der Allweise bist, lehrtest Du Adam, wodurch er uns überlegen wurde. Da Du Allweise bist, gibst Du uns gemäß unseren Fähigkeiten, und (du gibst) ihm den Vorrang, wie es seinen Fähigkeiten entspricht."
{"Siehe: euer Vieh gibt euch ein Lehrbeispiel: Wir tränken euch mit dem, was in ihren Leibern ist, mitten zwischen dem Mist und dem Blut: mit lauterer Milch, die so wohlschmeckend ist für den, der sie trinkt." (16, 66)}
und bis zu dem Ende des 69. Vers:
{"Darin liegt ein Heilmittel für die Menschen. Fürwahr: darin ist ein Zeichen für ein nachdenkendes Volk!" (Sure 16, 69)}
So zeigen denn diese Ayat, dass Gott der Gerechte Seine Geschöpfe, wie Schaf, Ziege, Rind oder Kamel für die Menschen zu reinen, lauteren, geschmackvollen Milchbrunnen; Kunstwerke wie Reben und Palmen für die Menschen zu Tischen und Töpfen voll, anmutigen, geschmackvollen, süßen Gaben; und kleine Wunderwerke Seiner Macht, wie die Bienen, zu Verteilern heilender, süßer, schöner Getränke gemacht hat, wonach (der Qur'an) sagt:
{"Fürwahr: darin ist ein Zeichen für ein nachdenkendes Volk!" (16, 69)}
und mit diesen Worten schließt, um dazu anzuregen, mit noch anderen Dingen zu vergleichen, damit (die Menschen) nachdenken und ihre Lehre ziehen sollen.
Sechstens, eine Anmerkung zur sprachlichen Brillanz:
Manchmal geschieht es, dass eine Ayah die Bestimmungen der Herrschaft über eine breite Vielfalt hin ausbreitet, dann mit einem einigenden Band zu einer Einheit vereinigt, oder in ein allumfassendes Gesetz einsetzt.
{"Weit reicht Sein Thron über die Himmel und die Erde und es fällt Ihm nicht schwer sie zu bewahren. Er ist der Hohe, der Gewaltige." (2, 225)}
So werden in dem Thronvers mit zehn Sätzen zehn Stufen der Einheit in verschiedenen Farben bewiesen, wobei der Satz
{"Wer ist es, der bei Ihm Fürsprache einlegen könnte, außer mit Seiner Erlaubnis?" (Sure 2, 225)}
in einer ganz besonders schneidenden Strenge Abgötterei (schirk) und jede Einwirkung fremder (Kräfte) von sich weist und sie verwirft. Weil aber nun zudem in dieser Ayah der Gewaltige Name Gottes (Ism-i 'Azam) aufscheint, wird in ihm die Bedeutung der Wahrheit Gottes in so hohem Grade sichtbar, dass sich darin die Größe Seines Herrschaftsbereiches zeigt. Nachdem er des Weiteren die Maßnahmen der Gottheit, die alle Himmel und die ganze Erde zugleich betreffen, und Seinen alles umfassenden Schutz im seinem ganzen, großen und gewaltigen Umfang erwähnt hat, zeigt er das einigende Band (der gesamten Schöpfung), den Aspekt ihrer Einheit auf und fasst die Ursprünge ihrer inneren gewaltigen Erscheinungen in (dem Ausdruck)
{"Er ist der Hohe, der Gewaltige." (Sure 2, 225)}
zusammen.
{"Allah ist es, der die Himmel und die Erde erschuf und vom Himmel Wasser herabkommen ließ und dadurch einen Lebensunterhalt von den Früchten für euch hervorbrachte. Und Er stellt in euren Dienst die Schiffe, damit sie auf Seinen Befehl über das Meer fahren. Und Er stellt die Flüsse in euren Dienst. Er stellt die Sonne und den Mond, wie sie unablässig miteinander laufen, in euren Dienst. Und Er stellt in euren Dienst die Nacht und den Tag. Und er lässt euch etwas zukommen von allem worum ihr bittet. Und wolltet ihr die Gnadengaben Gottes berechnen, ihr könntet sie nicht aufzählen." (Sure 14, 32-34)}
Diese Ayat besagen: Als erstes erschuf Gott der Gerechte diesen riesigen Kosmos für den Menschen wie ein schönes Schloss und Er sandte vom Himmel zur Erde das Lebenswasser. Er stellte die Erde und den Himmel als zwei Diener ein, um für den Menschen den Lebensunterhalt hervorzubringen. Er stellte die Schiffe in den Dienst der Menschen, um zu ermöglichen, dass jeder Mensch alle Arten Früchte von allen Ecken der Erde nutzen kann und damit die Menschen die Früchte ihrer Arbeit austauschen, und alle Arten ihrer Lebensbedürfnisse decken können. Das heißt: Er brachte das Meer, den Wind und das Holz in der Weise zueinander, dass der Wind (dem Menschen) als seine Peitsche, das Schiff als sein Pferd und das Meer gleich einer Wüste unter seinen Füßen dient. Durch das Schiff ermöglichte Er den Menschen, mit der ganzen Erde in Verbindung zu treten. Flüsse und große Ströme machte Er für die Menschen zu natürlichen Transportmitteln. Er ließ Sonne und Mond (ihre Bahnen) ziehen, ließ sie als zwei dienstbereite Steuermänner das riesige Rad der Jahreszeiten drehen und ließ sie als Seine Diener die vielfarbigen Gnadengeschenke des wahren Gebers anbieten, wie sie sich in den Jahreszeiten abwechseln.
Er stellte die Nacht und den Tag für den Menschen in den Dienst. Er machte die Nacht zu einer Decke für seinen erquickenden Schlaf und den Tag zu einem Marktplatz für seinen Lebensunterhalt. Nachdem der Qur'an diese Gnadengaben aufgezählt hat, zeigt er mit der Zusammenfassung:
{"Wenn ihr die Gnadengaben Gottes berechnen wolltet, könntet ihr sie nicht aufzählen." (Sure 14, 34)}
welch großen Umfang die Gnadengeschenke haben, die dem Menschen erwiesen werden, und in welchem Ausmaß grenzenlos viele Gnadengeschenke über dem Bereich (unserer Schöpfung) ausgeschüttet worden sind. Das heißt: Alles was der Mensch in der Sprache seiner geistigen Fähigkeiten und angeborenen Bedürfnisse erbittet, wird ihm gegeben. Gottes Gnadengaben für den Menschen kann man nicht aufzählen, noch erfassen. Sie erschöpfen sich nicht. Wären Himmel und Erde für den Menschen ein Tisch, ein Teil der Gnadengaben darauf Sonne und Mond, Nacht und Tag, ließen sich doch die Gnadengaben, die dem Menschen zugedacht sind, noch nicht einmal in Schätzungen und Grenzen angeben.
Siebtens, ein Geheimnis der sprachlichen Brillanz:
Manchmal geschieht es, dass uns eine Ayah den Sinn und den Nutzen einer Frucht zeigt, um (uns zugleich damit zu zeigen,) wie weit die äußerlichen Ursachen von der Fähigkeit entfernt sind, etwas erschaffen zu können, um so (Ursachen und Fähigkeiten voneinander) zu trennen und um uns (auf diese Weise) deutlich zu machen, dass eine Ursache nur ein Schleier von Äußerlichkeiten ist. Denn der Wille zu Zielen von großer Weisheit und bedeutenden Früchten, ist an das Werk eines Weisen (Hakiem) und großen Gelehrten (Alim) gebunden. Was aber die Ursachen betrifft, so sind sie ohne ein Bewusstsein und tot.
Des Weiteren zeigt eine Ayah, indem sie Nutzen und Früchte erwähnt, auch wenn die Ursachen äußerlich betrachtet,
in der physischen Welt, mit ihren Ergebnissen ganz nahe beieinander liegen und zusammenzugehören scheinen, dass in Wirklichkeit eine weite Entfernung zwischen ihnen liegt. Von einer Ursache bis zu ihrem Ergebnis liegt eine so große Entfernung, dass auch die größte Ursache zur Erschaffung auch des kleinsten Ergebnisses nicht genügen kann. So gehen denn die Namen Gottes in dieser weiten Entfernung zwischen Ursache und Wirkung wie die Sterne auf. Ihr Aufgang liegt zwischen den Entfernungen ihrer Bedeutungen, so wie ja auch die Berge unter dem Horizont nahe beieinander und mit dem Himmel zu verschmelzen scheinen. In Wirklichkeit liegt zwischen dem Kamm eines Berges und dem Horizont des Himmels eine große Spanne, innerhalb derer der Aufgang aller Sterne und (noch viele) andere Dinge ihre Wohnstatt haben. Genauso liegt eine große Entfernung ihrer Bedeutung zwischen einer Ursache und ihrer Folge, was aber erst durch das Fernrohr des Glaubens und im Licht des Qur'an erkennbar wird.
{"So betrachte der Mensch einmal seine Speise! Siehe, wir ließen Wasser in Strömen fließen. Alsdann zerspalteten wir die Erde. Und ließen Korn auf ihr sprießen. Weinreben und Gemüse. Und Ölbäume und Palmen. Und dicht bepflanzte Gärten. Und Früchte und Gras. Zum Unterhalt für euch und euer Vieh." (Sure 80, 24-32)}
So erwähnen denn diese ehrwürdigen Ayat die Wunderwerke der göttlichen Macht in einer Anordnung voll Weisheit. Sie verbinden die Wirkung mit ihrer Ursache und führen am Ende (der Ayah) mit den Worten: مَتَاعًا لَكُمْ {"zu eurem Nutzen" (Sure 80, 32)}
zu einem Ergebnis, einem Ziel, das beweist, dass es einen Lenker und Leiter gibt, der dieses Ziel (im Ablauf) aller dieser hintereinander geschalteten Ursachen und ihrer Wirkungen kennt und im Auge behält, und der sich hinter all diesen Ursachen wie hinter einem Schleier verbirgt. Mit dem Wort مَتَاعًا لَكُمْ وَ لِاَنْعَامِكُمْ {"zum Nutzen für euch und euer Vieh." (Sure 80, 32)} trennen sie in der Tat alle Ursachen von ihrer Fähigkeit, etwas erschaffen zu können. Der Bedeutung nach sagen sie: Um für euch und euer Vieh die Versorgung rechtzeitig herbeizubringen, kommt das Wasser vom Himmel. Da dieses Wasser aber nicht über die Fähigkeit verfügt, mit euch und euerem Vieh mitzufühlen, es zu lieben und die Versorgung zur rechten Zeit bereitzustellen, heißt dies, dass das Wasser nicht kommt, sondern gesandt wird. Des Weiteren öffnet sich die Erde in ihren Pflanzen, von wo euer Lebensunterhalt kommt. Da die Erde ohne ein Gefühl und ohne Bewusstsein sehr weit entfernt ist von der Fähigkeit, sich um eure Versorgung zu bekümmern und euch zu lieben, heißt dies, dass die Erde sich nicht von sich aus öffnet, vielmehr ein Anderer dieses Tor öffnet und die Gnadengaben in eure Hände legt. Des Weiteren liegt es Gräsern und Bäumen fern, sich um eure Versorgung zu bekümmern und in ihrer Barmherzigkeit Früchte und Getreide für euch wachsen zu lassen, weshalb die Ayah zeigt, dass dies Seile und Fäden sind, die der Allbarmherzige, der Allweise, (verborgen) hinter einem Schleier ausbreitet, an denen Er Seine Geschenke befestigt, um sie Seinen Lebewesen zu reichen. Aus diesen Erklärungen zeigt sich der Aufgang von vielen Namen, wie der Barmherzige (Rahim), der Versorger (Rezzaq), der Geber (Mün'im), Der Freigiebige (Kerim).
{"Sahst du nicht, dass Allah die Wolken treibt und sie dann wieder versammelt und sie dann aufhäuft? Und du siehst den Regen mitten aus ihnen herauskommen. Und er sendet vom Himmel Wolkenberge herab, erfüllt mit Hagel, und Er trifft damit, wen Er will, und wendet sie ab, von wem Er will. Der Glanz Seines Blitzes blendet fast die Augen! Allah lässt wechseln die Nacht und den Tag; siehe, hierin ist wahrlich eine Lehre für die Verständigen. Allah erschuf alle Tiere aus Wasser; unter ihnen sind Einige, die auf ihrem Bauch und Andere, die auf zwei Füßen und Andere, die auf Vieren gehen. Allah schafft, was er will; siehe, Allah hat Macht über alle Dinge." (Sure 24, 43-45)}
Wenn diese Ayat diese einzigartige Lenkung und Leitung bei der Bildung der Wolken und dem Regen, die wichtigsten unter den wunderbaren Werken des Herrn und die bewunderungswürdigsten Schleier der Schatzkammern Seiner Barmherzigkeit, erklären wollen, vergleichen sie die Teile der Wolken, die in der Atmosphäre aufgelöst und verborgen haben, mit den Soldaten, die eine Ruhepause einlegen und sich auf ein Signal einer Trompete wieder zusammenfinden. So versammeln sie sich mit dem Befehl Gottes und formen sich wieder zu Wolken. Dann vereinigt Er diese kleinen Wölkchen, als ob diese winzig kleinen Scharen ein Heer bildeten. Von diesen Haufenwolken her, die mit ihrer Größe und Form die segelnden Berge des Weltuntergangs darstellen und feucht und weiß wie Schnee oder Hagel sind, sendet Er das Lebenswasser zu allem, was da lebt. Aber in dieser Aussendung offenbart sich ein Wille, eine Absicht. Es kommt je nach Bedürfnis; das heißt, es wird gesendet. Die Atmosphäre ist ganz klar und rein, ohne jede (sichtbare Spur einer Wolke) darinnen. Sie erscheint wie ein einzigartiger Versammlungsort. Diese bergesgleichen Massen
versammeln sich also nicht von sich aus, es ist vielmehr einer da, der alles, was da lebt, kennt und der sie sendet. So gehen denn in dieser Distanz zwischen ihren Bedeutungen die Namen wie der Allmächtige (qadir), der Allwissende (alim), der Lenker und Leiter (mutasarrif), der Organisator (mudebbir), der Versorger (murabbi), der Helfer (mughith), der Lebensspender (muhyi) auf.
Achtens, der Vorzug der sprachlichen Brillanz:
Manchmal geschieht es, dass der Qur'an Staunen erregende Taten erwähnt, die Gott der Gerechte in dieser Welt vollbringt, um den Menschen auf Seine wunderbaren Taten im Jenseits vorzubereiten, damit dieser sie in seinem Herzen annehme und mit seinem Verstande bestätige. Oder es werden darin die Staunen erregenden Taten erwähnt, die Er in der Zukunft (d.h. beim Weltuntergang) und im Jenseits (d.h. beim Weltgericht) vollbringen wird, damit wir durch die Beobachtung vergleichbarer Ereignisse davon überzeugt werden.
{"Sieht der Mensch etwa nicht, dass Wir ihn aus einem Samentropfen erschaffen haben. Doch er ist Uns zu einem offenen Kritiker geworden." (Sure 36, 77)}
und so weiter bis zum Ende dieser Sure. So beweist der Weise Qur'an also in der Frage der Wiederversammlung die Auferstehung auf sieben, acht verschiedene Arten und Formen.
Zunächst stellt er uns unsere Ursprüngliche Entstehung (nesh'e-i 'ula) vor Augen. Er sagt: Von einem Samentropfen (nutfe) zu einem Eingenisteten (alaqa), von einem Eingenisteten zu einem Klumpen Fleisch (mudgha) könnt ihr die Erschaffung des Menschen bis zu ihrer Vollendung beobachten... Wie also nun könnt ihr eure Zweite Entstehung (nesh'e-i uhra) noch leugnen? Sie gleicht doch nur der ersten und ist vielleicht sogar noch einfacher als diese. Zudem weist Gott der Gerechte auch auf die gewaltigen Gnadengaben hin, die Er dem Menschen verliehen hat, indem Er sagt:
{"Er, welcher aus den grünen Bäumen Feuer für euch gemacht hat." (Sure 36, 83)}
Wird nun Er, der euch solche Gnadengaben verliehen hat, danach euch ganz und gar selbst überlassen, damit ihr euch am Ende ins Grab legen und nicht wiederauferstehen solltet? Zudem sagt der Qur'an indirekt auch: Ihr seht doch, wie tote Bäume von neuem wieder grün und lebendig werden. Könnt ihr nicht aus der Wiederbelebung knochentrockenen Holzes eure Schlussfolgerungen ziehen und wollt dies für völlig unverständlich ansehen? Ja sollte denn der, welcher Himmel und Erde erschaffen hat, über Leben und Tod des Menschen, der doch die Frucht der Himmel und Erden ist, keine Macht besitzen? Ja sollte denn der, welcher diesen riesigen Baum gepflegt hat, der Frucht dieses Baumes keinen Wert mehr beimessen und sie einem Anderen überlassen? Ja, könntet ihr euch vielleicht vorstellen, dass der, welcher den Baum der Schöpfung geformt und mit all seinen Teilen in Weisheit gebildet hat, ihn nun nutz- und sinnlos werden ließe und all dem, was er hervorbringt, keine Beachtung mehr schenkte? Und weiter heißt es im Qur'an: Der, welcher euch zu der Wiederversammlung auferwecken wird, ist jener Herr, vor dem der gesamte Kosmos einem befehlsbereiten Soldaten gleicht. Vor seinem Befehl: «Kun fe yakun» كُنْ فَيَكُونْ (Sei! Und es ist.), beugt er sich in vollkommenem Gehorsam. Einen Frühling zu erschaffen ist für Ihn ebenso leicht wie die Erschaffung einer Blume. Die gesamte Tierwelt ins Dasein zu rufen ist für Ihn in Seiner Macht genauso leicht, als handele es sich dabei bloß um eine Mücke. Man darf Ihn nicht herausfordern und Seine Macht gering schätzen und zu Ihm sagen:
{"Wer wird diese Gebeine wieder beleben?" (Sure 36, 78)}
Sodann wird mit dem Vers:
{"Lob und Preis sei Ihm, in dessen Händen die Herrschaft (melekut) aller Dinge ruht." (Sure 36, 83)}
zum Ausdruck gebracht, dass der, welcher der Allmächtige ist in Seiner Majestät, die Zügel aller Dinge in Seinen Händen hält und die Schlüssel zu allen Dingen besitzt und dass Er Tag und Nacht, Sommer und Winter so leicht umblättert wie die Seiten eines Buches. Diesseits und Jenseits gleichen zwei Wohnstätten, deren eine Er öffnet und deren andere Er schließt.
Da dies nun einmal so ist, zeigt sich als Schlussfolgerung aller Beweisführung: وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ {"Und zu Ihm werdet ihr zurückkehren." (Sure 36, 83)} d.h. Er wird euch aus dem Grabe heraus wieder zum Leben zurück und zur Wiederversammlung führen. In Seiner Gegenwart und Größe wird Er euch eure Rechnung vorlegen.
So haben also diese Ayat den Verstand darauf vorbereitet, den Glauben an die Wiederversammlung zu bestätigen. Sie haben auch das Herz bereit gemacht. Denn sie haben am Beispiel irdischer Geschehnisse deren Abbilder aufgezeigt.
Zudem geschieht es manchmal, dass der Qur'an die künftigen Taten Gottes dadurch erwähnt, dass deren irdische Entsprechungen in uns wachgerufen werden, sodass kein Raum mehr bleibt, sie für unmöglich zu halten oder zu leugnen. Z.B.: اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ {"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird..." (Sure 81, 1)} usw.
اِذَا السَّمَآءُ انْفَطَرَتْ {"Wenn der Himmel sich spaltet..." (Sure 82, 1)} usw. اِذَا السَّمَآءُ انْشَقَّتْ {"Wenn der Himmel zerreißt..." (Sure 84, 1)}
In solchen Suren werden die gewaltigen Umwälzungen und all das, was die Herrschaft Gottes bei der Auferstehung und Wiederversammlung verfügt, in der Weise erwähnt, dass der Mensch diese Umwälzungen, die dem Herzen Furcht einflößen und den Verstand überwältigen, leicht anzunehmen vermag, weil er ihre Entsprechungen in der Welt, z.B. im Herbst und im Frühling sehen kann. Wollten wir hier auf den Inhalt dieser drei Suren auch nur einen kurz zusammengefassten Hinweis geben: es würde dies zu weit führen. Wir wollen deshalb hier nur einen einzigen Vers als Beispiel anführen.
Mit den Worten: اِذَا الصُّحُفُ نُشِرَتْ {"Wenn die Blätter ausgebreitet werden..." (Sure 81, 10)} wird zum Ausdruck gebracht, dass bei der Wiederversammlung alle Taten jedes Menschen wie auf einer einzigen Seite zusammengefasst und veröffentlicht werden. Dieses Problem für sich allein betrachtet erscheint uns recht eigenartig und dem Verstand unzugänglich. Aber so wie diese Sure darauf hinweist, findet die Veröffentlichung der Blätter ganz offensichtlich ebenso ihre Entsprechung in der Wiederversammlung des Frühlings wie auch anderer vergleichbarer Geschehnisse. Denn jeder fruchttragende Baum und jede blühende Pflanze hat ihre Pflichten und Aufgaben, ihre Aktivitäten und Funktionen und ihre Prädikate. Je nach ihrer Form, in der sie die Namen Gottes zeigen, zelebrieren sie lobend und preisend den Dienst an ihrem Herrn. So ist die Funktion, die Lebens- und Wachstumsgeschichte einer jeden Pflanze
allen ihren Samenkernen und Körnern eingegeben, wenn diese in einem neuen Frühling und an einem anderen Ort wieder aus dem Boden hervorkommen werden. Mit der Form und Gestalt, in der sie sich uns zeigen, wird ganz klar ersichtlich, wie sie Ursprung und Herkunft ihrer Taten und Aufgaben gedenken und ihre Äste und Zweige, ihre Blätter und Blüten ausbreiten und ihre Früchte hervorbringen und so auch die Blätter ihrer Taten und Aufgaben ausbreiten. In der Tat vollbringt der Gleiche voll Weisheit und als ein Verständiger (Hakiem) voll Achtsamkeit und als ein Beschützer (Hafiz) voll Umsicht und als ein Leiter (Müdebbir) voll Fürsorge und als ein Lehrer (Mürebbi) voll Zärtlichkeit und als ein Anmutiger (Latif) alle diese Werke, der gesagt hat:
{"Wenn die Blätter ausgebreitet werden..." (Sure 81, 10)}
Man möge nun ähnliche Qur'anstellen zum Vergleich heranziehen und Möglichkeiten ausdeuten! Um eine Hilfestellung zu geben, wollen wir noch hinzufügen, dass die Ayah:
{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird..." (Sure 81, 1)}
mit dem Ausdruck zusammenfalten, umhüllen (tekvir) auf das folgende glänzende Beispiel hinweist und auf dessen Entsprechung anspielt:
In der Tat hat Gott der Gerechte die Schleier des Nicht-Seins, des Äthers und des Himmels geöffnet, um die Sonne einer diamantenen Lampe gleich aus der Schatzkammer seiner Barmherzigkeit zur Erleuchtung der Welt hervorzuholen und der Welt zu zeigen. Nachdem diese Welt geschlossen worden ist, wird Er diesen Juwel wieder in seine Schleier einhüllen und zurückbringen.
Man kann die Sonne auch als eine Art Beamten betrachten, der damit beauftragt ist, die guten Eigenschaften des Lichtes auszuteilen und dafür Sorge zu tragen,
dass es sich hier auf Erden mit der Finsternis abwechselt. Zwar sammelt nun dieser Beamte jeden Abend sein Gut ein und verbirgt sich; es kann aber auch sein, dass sein Geschäft durch den Schleier einer Wolke vermindert wird; oder es kann sein, dass der Mond zu einem Schleier vor ihrem Antlitz wird und ihn in seinem Dienst zum Teil behindert. So wie er nun seine Güter und das Buch seiner Taten einsammelt, so wird er sicherlich auch einmal von seinen Pflichten entbunden werden. Und es wird zu ihm gesagt werden: "Auf! Fahre nun zur Hölle hinab und verbrenne dort diejenigen, die dich angebetet und so mit ihrer Treulosigkeit eine gehorsame Dienerin wie dich verspottet haben!" So trägt sie den Erlass (ferman) vor:
{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird..." (Sure 81, 1)}
Neuntens, eine Anmerkung zur sprachlichen Brillanz:
Zuweilen geschieht es, dass der Weise Qur'an einige kleine Ziele erwähnt. Dann berichtet er ein kleines Ereignis anstelle eines allgemeingültigen Grundsatzes mit Gottes Schönen Namen, stellt es fest, forscht und beweist es, um den Verstand von den erwähnten kleinen Ereignissen hinweg zu allgemeingültigen Rängen zu führen.
{"Gehört hat Gott die Aussage jener, die mit dir über ihren Gatten stritt und bei Gott Klage erhob. Gott hörte euren Wortwechsel. Gott hört und sieht alles." (Sure 58, 1)}
Hier sagt der Qur'an: "Gott der Gerechte ist allhörend, Er hört alles. Er hört sogar mit Seinem Namen "der Gerechte" den Streit einer Frau mit dir, die sich über ihren Gatten beklagt, was nur eine private Angelegenheit war. Überdies hört Er mit Seinem Namen "der Barmherzige" die berechtigte Beschwerde einer Frau, in der die
anmutigste Form der Barmherzigkeit erscheint und die in ihrer Opferbereitschaft eine Quelle der selbstlosen Liebe (shefqat) ist. Er hört sie aufmerksam unter Seinem Namen "der Barmherzige" und nimmt sie mit Seinem Namen "der Gerechte" genauso wichtig wie die gewaltigste Angelegenheit." Um dieses kleine Ereignis zu verallgemeinern, muss derjenige, der außerhalb des Bereichs der Möglichkeiten des Seins ist, der auch das kleinste Ereignis der Geschaffenen hört und sieht, mit Sicherheit der Herr sein, der alles hört und alles sieht. Derjenige, der der Herr des Kosmos ist, muss die Sorgen der armen, kleinen Geschaffenen innerhalb des Kosmos sehen und ihr Wehklagen hören. Wer ihre Sorgen nicht sieht und ihre Klagen nicht hört, kann kein Herr sein. Wenn das so ist, stellt der Qur'an mit dem Satz اِنَّ اللَّهَ سَمِيعٌ بَصِيرٌ {"Wahrlich, Gott hört und sieht alles." (Sure 58, 1)} zwei gewaltige Wahrheiten fest.
{"Preis sei dem, der seinem Diener bei Nacht von der heiligen Moschee (zu Mekka) zur fernen Moschee (zu Jerusalem), die Wir ringsum gesegnet haben, reisen ließen, damit Wir ihm etwas von Unseren Zeichen zeigen. Er ist der, der alles hört und sieht." (Sure 17, 1)}
Nachdem der Qur'an die Nachtreise des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, von seiner Moschee (Mesdjid-i Haram) zu der fernen Moschee (Mesdjid-i Aqsa), die der Anfang seiner Himmelfahrt (Mi'radj) war, erwähnt hat, sagt er
{"Wahrlich, Er ist der, der alles hört und alles siِ؟." (Sure 17, 1)}
Das Pronomen «Hu», das in dem اِنَّهُ {"Wahrlich, Er ist."} enthalten ist, kann sich entweder auf Gott den Gerechten oder auf den Gesandten beziehen. Sollte es sich auf den Gesandten beziehen, dann besagt die Ayah folgendes: "Die Reise dieser Persönlichkeit ist eine Reise stellvertretend für alle und für einen Aufstieg über alle Stufen, sodass er die Zeichen des Herrn und die einzigartigen Kunstwerke Gottes gehört und gesehen hat, welche seine Augen und Ohren bei seiner Reise über alle Stufen der Gottesnamen bis zum "Lotusbaum" (Sidretu l-munteha), ja bis auf "Zwei-Bogenlängen-Nähe" zu Gott (Qab-i Qauseyn) angetroffen haben." Diese Ayah schildert jene persönliche Reise des Propheten als Schlüssel zu einer Reise mit einer einzigartigen Versammlung und zu einer Reise, die stellvertretend für alle ist. Wenn sich das Pronomen auf Gott den Gerechten beziehen sollte, dann besagt die Ayah folgendes:
"Er lud einen Seiner Diener zu einer Reise in Seine Gegenwart ein, um ihn mit einer Aufgabe zu beauftragen. Er sandte ihn von der innersten Moschee (zu Mekka) zur äußersten Moschee (zu Jerusalem), wo sich alle Propheten versammelten, ließ ihn mit den Propheten zusammentreffen, und nachdem Er ihnen gezeigt hatte, dass er der vollkommene Erbe des Wurzelgrundes der Religionen aller Propheten ist, führte Er ihn in Seinem ganzen Reiche, der Körperwelt wie der Engelwelt empor, bis Er ihn (schließlich in dem Maqam von) "Zwei-Bogen-längen-Nähe (Qab-i Qauseyn)" bei Sich (Gott empfing)." So ist diese Persönlichkeit also zwar ein Diener; diese Reise ist die Himmelfahrt, die zwar er Individuum erlebt; aber bei ihm als Diener ein Pfand (emanet), das ihn mit dem ganzen Sein verbindet. Überdies ist ein Licht mit ihm, das die Farbe unseres Daseins zu verwandeln vermag. Überdies ist ein Schlüssel bei ihm, der das Tor zur Ewigen Glückseligkeit zu öffnen vermag.
Darum stellt sich Gott der Gerechte in Seinen Eigenschaften als der All-Hörende und All-Sehende vor, sodass der universelle Wert dieses Unterpfandes, dieses Lichtes und dieses Schlüssels aufgezeigt werde.
{"Alles Lob gebührt Allah, dem Schöpfer der Himmel und der Erde, der die Engel zu Boten macht, versehen mit Flügeln in Paaren zu dritt und zu viert. Er fügt der Schöpfung hinzu, was Er will. Wahrlich, Allah hat Macht über alle Dinge." (Sure 35, 1)}
So besagt diese Ayah also am Anfang: "Der majestätische Schöpfer der Himmel und der Erde verzierte die Himmel und die Erde so mit Seinen wunderbaren Kunstwerken, dass die ungezählten Zuschauer dazu gebracht werden, ihren Schöpfer unendlich zu loben und zu preisen. Desgleichen schmückte Er sie mit unzählbaren Gnadengeschenken, dass der Himmel und die Erde in der Sprache all Seiner Gnadengaben, und derer, die diese Gnadengaben genießen, jenem gnädigen Schöpfer unendlich viel Lob und Preis darbringen." Der majestätische Schöpfer, der nicht nur Menschen, Tieren und Vögeln, Flügel und Flugmaschinen verliehen hat, womit sie zwischen den Städten und Ländern der Erde fliegen und umherreisen können, sondern auch den Engeln, Einwohnern des Himmelreiches, Flügel verliehen hat, damit sie zwischen den Sternen, den Schlössern des Himmels, und zwischen den Türmen, (Sternbildern und) hohen Ländern, wo sie Zuhause sind, reisen und fliegen können, muss mit Sicherheit Macht über alle Dinge haben. Derjenige, der einer Fliege die Flügel verleiht, mit denen sie von einer Frucht zur anderen Frucht fliegt, der einem Sperling Flügel gibt, mit denen er von dem einen Baum zu einem anderen Baum fliegt, ist derselbe, der die Flügel gibt, mit denen man vom Morgenstern zum Jupiter, vom Jupiter zum Saturn fliegen kann. Des Weiteren sind die Engel nicht auf eine einzelne Existenz, wie unsere