Risale-i Nur

Harmonie des Lichts
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Schleier zwischen den einzelnen von ihnen aufgehoben und blieben nur mehr die lichtvollen (Nur) übrig.

Wisse, mein lieber Bruder!

Alle Tiere und alle Pflanzen haben nach dem Gesetz der Fortpflanzung, bzw. ihrer Geburt, die Tendenz, sich über das Antlitz der Erde zu verbreiten und sich überall anzusiedeln und so die Erde für sich und ihre Nachkommenschaft zu einer besonderen, reinen Moschee zu machen, worin sie die schönen Namen (esma-i husna) des Allweisen Schöpfers (Fatir-i Hakiem) aufzeigen können, um ihrem Schöpfer (Khaliq) einen unendlichen Dienst darzubringen und für Ihn ihre Anbetung (ibadet) zu verrichten.

Die Vielfalt, die sich in den Eiern von Vögeln, Fischen und Ameisen, in den Früchten der Bäume, in den Samen dieser Früchte und in den verschiedenen Sorten Gemüse im Übermaß (ifrat) offenbart, erleuchtet (tenvir) in der Tat diesen Sachverhalt. Aufgrund dessen, dass die bezeugte Welt (alem-i shehadet) eng ist und die zukünftigen Anbetungen (ibadet) im Wissen (ilim) dessen, der alles Verborgene kennt (Allam-ul Ghuyub), bereits vorhanden sind, wurden ihre Gebete (ibadet) jedoch, soweit sie noch nicht von der bloßen Absicht (niyet) schon in die Tat umgesetzt worden sind, bereits angenommen.

Wisse, mein lieber Bruder!

Der Ehrwürdige Qur'an erwähnt (dhikr) manchmal unter den verschiedenen Zwecken eines Dinges nur den Zweck, der den Menschen betrifft. Dies geschieht um der Ermahnung, nicht um der Beschränkung willen, d.h. die Ziele dieses Dinges sind nicht beschränkt auf das erwähnte Ziel. Er erwähnt diesen Nutzen, der die Menschen betrifft, nur, um die Aufmerksamkeit des Menschen auf die Ordnung (nizam) und Wohlordnung (intizam) und andere Vorzüge dieses Dinges zu lenken. Z.B.

وَ الْقَمَرَ قَدَّرْنَاهُ مَنَازِلَ ٭ لِتَعْلَمُوا عَدَدَ السِّنِينَ وَالْحِسَابَ

{"Wir haben für den Mond Stationen bestimmt." (Sure 36, 39) "Damit ihr über die Zahl der Jahre und ihre Berechnung Bescheid wisst." (Sure 17, 12)}

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Der Nutzen, der mit diesen ehrwürdigen Ayat zum Ausdruck gebracht wird, ist nur eine von Tausenden Nutzanwendungen bei der Bestimmung (der Stationen) des Mondes. Ansonsten ist die Bestimmung des Mondes (taqdir-i qamer) nicht auf deren Nutzanwendung beschränkt, d.h. dass der Mond nicht ausschließlich zu diesem einen Zweck da ist. Dieser Zweck ist nur einer von all seinen Zwecken.

Wisse, mein lieber Bruder!

Eines der durchaus offensichtlichen Siegel und Stempel der Einheit (tauhid), die Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq) zu eigen sind und deren Fälschung unmöglich ist, besteht darin, dass Er unzählige, verschiedene Dinge aus einfachen Substanzen erschafft. Ein solches Zeugnis der Einheit (tauhid), dessen Nachahmung wie auch dessen Widerlegung außerhalb des Möglichen liegt, besteht in der Tat darin, dass Er aus dieser doch so einfachen Erde tausende Arten und verschiedene unterschiedliche Pflanzen mit einer unendlichen Macht (qudret), einem Wissen (ilim) und mit einer so großen Sachkenntnis und Leichtigkeit erschafft.

Wisse, mein lieber Bruder!

Eine der Aufgaben (vezaif) im Leben (hayat) des Menschen besteht darin, dass er seine individuellen Eigenschaften und Tätigkeiten zum Maßstab nimmt, um so die allumfassenden Eigenschaften und Tätigkeiten des Schöpfers (Khaliq) verstehen (fehm) zu können. Um jedoch die umfassenden Tätigkeiten in der jenseitigen Welt (alem-i akhiret) am Tag der Wiederauferstehung (hashir), die gewaltig großen Handlungen des Schöpfers bei der Wiederbelebung (ihya) der Toten am Jüngsten Tag (kiyamet) zu verstehen, kann man nur die Wiederauferstehung des Herbstes im Frühling als Maßeinheit für die Wiederauferstehung (kiyamet-i kubra) und die Handlungen am Tag der Wiederversammlung einsetzen.

Wisse, mein lieber Bruder!

Das Beispiel eines Mannes, der die Muslime zu einem irdischen Leben (dunya hayati) einlädt, vergleichbar mit einer nächtlichen Lustbarkeit (lehviyat-i naumiye), und sie dabei ermutigt, den Rahmen des

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Guten (tayyibat), das Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) erlaubt (helal) hat, (zu überschreiten) und auf den schmutzigen Schuttabladeplatz (hinüber zu wechseln), den Er verboten hat, gleicht einem Trunkenbold:

Der aber kann einen reißenden Löwen von einem lammfrommen Pferd nicht unterscheiden. Er kann ein Galgengerüst von einem Klettergerüst nicht unterscheiden. Obwohl er eine blutende Wunde von einer roten Rose nicht unterscheiden kann, hält er sich doch für einen Lehrer (murshid) und beginnt mit einer Unterweisung (irshad) und seinen Ratschlägen (nasihat).

Während seiner Unterweisung (irshad) trifft er auf einen Mann. Und hinter diesem armen Mann wartet schon ein fürchterlicher Löwe. Und gleich wie vor ihm schon der Galgen errichtet wurde, ist er auch noch an beiden Seiten schrecklich verwundet. Doch dieser arme Mann hält in seiner Hand zwei Medizinen. Und auf seiner Zunge und in seinem Herzen (qalb) trägt er zwei Talismane (tilsim). Wenn er sie anwendet, wird er geheilt (shifayab) werden. Dann verwandelt sich (inkilab) der Löwe in ein Pferd. Er wird zu seinem Reittier gleich dem «Burak». Und auch der Galgen wird ihm zu einer Werkbank und zu einem Fahrzeug, von dem aus er all die Szenen in dieser Welt (ahval-i alemi), wie sie beständig an seinem Auge vorüber ziehen, betrachten kann. Dieser betrunkene Strolch jedoch sagt zu diesem armen Mann: "He du! Was sind denn das da für Medizinen? Und warum behältst du diese Talismane (da in deiner Hand)? Wirf sie doch einfach fort! Und mach es dir doch bequem!"

Der arme Mann antwortet jedoch: "Oh nein, guter Freund! Ich bestehe darauf, diese Medizinen und meine Talismane zu bewahren und stets im Auge zu behalten. Die Freude, der Genuss und die Ruhe, die ich durch sie bekomme, genügen (kafi) mir. Könntest du jedoch diesen Tod, der wie ein Löwe zerreißt, töten, den Galgen zerbrechen, den Eingang zum Grabe verschließen und die Wunden der Vergänglichkeit und des Untergangs, die mein Leben ständig

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bedrohen, dadurch heilen, dass du sie in ein beständiges Leben (hayat-i baqiye) umwandelst, dann ist das schon in Ordnung. Dann will ich auch mit dir tanzen. Ansonsten aber geh mir aus den Augen und verschwinde hier! Du kannst nur solche Betrunkenen wie du einer bist, täuschen. Ich bin jedoch nicht betrunken. Ich brauche eine solche Welt (dunya) und eine derartige Bequemlichkeit nicht. Denn was mir reicht, ist:

حَسْبُنَا اللّٰهُ وَ نِعْمَ الْوَكِيلُ ٭ نِعْمَ الْمَوْلىَ وَ نِعْمَ النَّصِيرُ

{"Gott ist mein Genügen. Welch vortrefflicher Sachwalter." (Sure3, 173) "Welch vortrefflicher Beschützer und vortrefflicher Helfer!" (Sure 8, 40)}

Wisse, mein lieber Bruder!

Wenn die Adepten der (abendländischen) Philosophie und die Schüler ihrer Zivilisation die Muslime dazu einladen, den Gepflogenheiten dieser Fremden zu folgen und all das aufzugeben, was nun einmal typisch ist für den Islam, so halten die Nur-Schüler des Qur'an die folgende Verteidigungsrede: "Wenn ihr dazu imstande seid, Tod und Verderben aus der Welt (dunya) zu verbannen und all die Schwäche und Armseligkeit (adjz ve fakr) der Menschen zu beseitigen, dann ist dies in Ordnung. Verlasst dann den Glauben (din) und schafft alles ab, was bis heute noch islamisch war. Andernfalls haltet den Mund und hört auf mit eurem Gerede! Seht doch einmal, wie der Todeslöwe hinter uns, uns mit erhobenen Pranken bedroht, zum Angriff bereit! Wenn ihr aber mit dem Ohr des Glaubens (iman) den Ruf des Qur'an hört, so wird dieser Todeslöwe zum Burak. Und er wird uns zur Barmherzigkeit des Allerbarmers (rahmet-i Rahman) bringen. Andernfalls wird uns der Tod zerreißen wie ein Raubtier. Er wird uns wie eure irrigen Ansichten zu einer ewigen Trennung auseinander treiben. Und überdies stehen vor uns bereits die Galgen zu unserer Hinrichtung bereit. Wenn ihr aber die Unterweisung (irshad) des Qur'an mit Glaube (iman) und Überzeugung hört, werden diese Galgengerüste zu einer Arche

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Noah (sefine-i Nuh) umgebaut werden, die uns zum sicheren Ufer (sahil-i selamet), d.h. in die jenseitige Welt (alem-i akhiret) bringt.

Überdies tragen wir an unserer rechten Seite die Wunden der Armseligkeit (fakr) und an unserer linken die Wunden der Schwäche (adjz) und Ohnmacht (da'f). Wenn man sie jedoch mit den Medikamenten des Qur'an behandelt, so wird sich unsere Armseligkeit in Begeisterung und ein Verlangen nach dem Gastmahl der Barmherzigkeit des Erbarmers (rahmet-i Rahman) verwandeln (inkilab). Auch unsere Schwäche und Ohnmacht wird dadurch zu der Antriebsfeder, bei dem absolut Allmächtigen (Qadir-i Mutlaq) an der Schwelle Seiner Würde (dergah-i izzet) Zuflucht zu suchen.

Überdies befinden wir uns auf einer langen Reise. Wir sind bereit von hier in das Grab, durch das Grab zum Ort der Wiederauferstehung und vom Ort der Wiederauferstehung in das Land der Ewigkeit (ebed memleketi) zu reisen. Um die Finsternis auf diesen Wegen zu vertreiben, sind ein Licht (Nur) und eine gute Ausrüstung vonnöten (erzaq). Dabei können wir uns auf unseren Verstand und unsere Kenntnisse (ilim), auf die wir so stolz sind, nicht mehr verlassen. Nur von der Sonne des Qur'an und aus der Schatzkammer des Allerbarmers (Rahman) kann alles Notwendige herangeschafft werden. Wenn ihr eine Lösung wisst, die uns dazu verhilft, von dieser Reise abzusehen, dann ist das in Ordnung. Wenn aber nicht, so sollt ihr besser schweigen! Hören wir auf den Qur'an und sehen wir einmal, was er uns empfiehlt!

فَلاَ تَغُرَّنَّكُمُ الْحَيوةُ الدُّنْيَا وَ لاَ يَغُرَّنَّكُمْ بِاللّٰهِ الْغَرُورُ

{"Hütet euch davor, euch von diesem irdischen Leben ein falsches Bild vorgaukeln zu lassen! Und hütet euch davor, euch von dem Großen Gaukler ein falsches Bild von Gott vorgaukeln zu lassen!" (Sure 31, 33)}

Zusammenfassung:

Wer nüchtern ist, kann euch nicht folgen. Nur diejenigen, die trunken sind vom Wein der Politik (siyaset sharabi), in ihrer Gier nach Ruhm (shöhret hirsiyla), sei es durch

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ihre Zechkumpane (riqqat-i djinsiye), sei es durch die Irrtümer der (westlichen) Philosophie oder die Ausschweifungen (sefehat) ihrer Zivilisation, können eurer Art und Weise auf euren Wegen (meslek) folgen. Die Schläge, die auf die Köpfe der Menschen herunter hageln, sie ins Gesicht treffen und die Ohrfeigen, die sie empfangen, werden sie jedoch aus ihrem Rausch aufrütteln und sie wieder nüchtern werden lassen.

Überdies ist der Mensch nicht wie ein Tier nur um seinen augenblicklichen Zustand (zaman-i hal) besorgt und damit beschäftigt. Vielmehr ist er von der Angst vor der Zukunft, der Trauer und dem Kummer über die Vergangenheit und den Sorgen in der Gegenwart betroffen. Ein Mann, der sich nicht für einen Räuber, einen Irren oder einen Dummkopf hält, soll jedoch diese frohe Kunde des Qur'an hören:

اَلآٰ اِنَّ اَوْلِيَآءَ اللّٰهِ لاَخَوْفٌ عَلَيْهِمْ وَ لاَ هُمْ يَحْزَنُونَ ٭ اَلَّذِينَ اٰمَنُوا وَ كَانُوا يَتَّقُونَ ٭ لَهُمُ الْبُشْرٰى فِى الْحَيٰوةِ الدُّنْيَا وَ فِى الْاٰخِرَةِ لاَ تَبْدِيلَ لِكَلِمَاتِ اللّٰهِ ذٰلِكَ هُوَ الْفَوْزُ الْعَظِيمُ

{"So wisset denn, dass es für die Freunde Gottes weder Furcht noch Trauer gibt. Sie haben geglaubt und gottesfürchtig (gelebt). Eine frohe Botschaft für sie in diesem irdischen Leben wie auch im Jenseits! Es ändert sich nicht das Wort Gottes. Das ist das größte Verdienst." (Sure 10, 62-64)}

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بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَ التِّينِ وَ الزَّيْتُونِ ٭ وَ طُورِ سِينِينَ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen" "Bei den Feigen, den Oliven, dem Berg Sinai..."} ..usw.," bis zum Ende der Sure 95.

Wisse, mein lieber Bruder!

Die vollkommene Kunstfertigkeit (kemal-i san'at), die sich bei jedem Kunstwerk bewahrheitet (tahaqquq), zeigt zugleich, dass der Künstler (Sani) an jedem Ort und bei jedem Kunstwerk zugegen ist, wie sie auch gleichzeitig zeigt, dass er an keinem Ort und bei keinem Kunstwerk zugegen ist.

Des Weiteren kann der Mensch, der aller Dinge bedarf, niemandem seinen Dienst und seine Anbetung (ibadet) darbringen, außer dem Herrn, dem Allheiligen (Dhat-i Aqdes), in dessen Hand die Herrschaft (melekut) aller Dinge liegt und in dem sich die Schatzkammer aller Dinge findet.

Des Weiteren ist der Mensch, was sein Dasein (vudjud) betrifft, seine Schaffensfreude (idjad), die Wohltaten (hayr), die er erweist und die Taten (ef'al), die er vollbringt, nur sehr klein und unvollkommen und dabei geringer als eine Ameise oder Biene und noch schwächer als eine Spinne. Handelt es sich jedoch um das Nicht-Sein (adem), die Zerstörung, Bosheit oder seinen Unwillen, so ist er darin noch größer als die Himmel, als die Erde oder ein Berg. Vollbringt er z.B. eine Wohltat (hasenat), so tut er Korn bei Korn. Begeht er jedoch eine Bosheit (seyyiat), so tut er Kuppel auf Kuppel. Und so verachtet z.B. die Bosheit des Unglaubens (kufr) alles Sein (maudjudat) und entwertet es in der Tat. Hat der Mensch in gewisser Hinsicht auch nur eine hauchdünne Enscheidungsfreiheit (ihtiyar), ein Fünkchen Macht (iktidar), ein Tröpfchen Leben (hayat), eine Minute Lebensspanne (ömür), so viel von seinem Dasein (maudjudiyet)

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wie ein Partikelchen von einem Bruchteil (djuz'i bir djuz), so ist er andererseits grenzenlos schwach und armselig (adjz ve fakr). Auf diese Weise wird er zu einem umfassenden Spiegel der Erscheinungen des absolut Allmächtigen (Qadir-i Mutlaq) und des absolut Reichen (Ghaniyy-i Mutlaq).

Des Weiteren gleicht der Mensch in anbetracht seines irdischen Lebens dem Kern (in einer Nussschale). Die Anlagen, die ihm darin anvertraut worden sind, um Früchte und Ähren von großer Bedeutung hervorzubringen, verschwendet er jedoch nach Art eines Haushuhns, das in der Erde, im Mist und allem Unrat scharrt, um dort etwas brauchbares zu finden, und lässt sie doch dabei nutzlos verfaulen. Und doch ist er dabei in Anbetracht seines geistigen Lebens (hayat-i manevi) ein riesiger, uralter Baum (shedjere-i baqiye), dessen Hoffnungen sich bis in die Ewigkeit hinein erstrecken.

Des Weiteren ist der Mensch in Anbetracht seiner Tätigkeiten und Handlungen nur ein schwaches Tier, dessen Bewegungsumfang ziemlich eng begrenzt ist. Doch in Anbetracht seiner Unternehmungen, seiner Fragen und seiner Gebete ist er ein ehrenwerter Gast des Allbarmherzigen Allerbarmers (Rahman-i Rahim), dessen Bereich so groß und weit ist, wie seine Vorstellung (hayal) reicht.

Des Weiteren ist der Genuss, den der Mensch durch sein animalisches Leben erhält, kaum so viel wie der eines Sperlings. Denn in einem Menschen finden sich Trauer, Sorge und Angst, die es in ihm nicht gibt. Angesichts seiner Anlagen, Sinne, Gefühle und Fähigkeiten erhält er jedoch mehr Freude als selbst das edelste unter seinen Tieren. Betrachtet man also aufmerksam die Verhältnisse, in denen ein Mensch (lebt), so wird verständlich, dass so viele (gute) Anlagen nicht um dieses (irdischen) Lebens (hayat) willen da sind, sondern ihm einzig um des Ewigen Lebens (hayat-i baqiye) willen gegeben worden sind.

Des Weiteren wird der Mensch in Anbetracht dessen, dass er die Schönheit des Königreiches der Herrschaft

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Gottes (saltanat-i rububiyeti) betrachtet, die Erscheinungen der Heiligen Namen Gottes (esma-i qudsiye) öffentlich bekannt macht und die Briefe Gottes (mektubat-i Ilahiye) liest, die mit der Feder göttlicher Macht (qalem-i qudret) geschrieben worden sind, und über sie nachsinnt (mutefekkir), der würdigste in der Schöpfung (eshref-i makhluqat) und zum Kalifen Gottes auf Erden.

يَآ اَيُّهَا النَّاسُ اَنْتُمُ الْفُقَرَآءُ اِلَى اللّٰهِ

{"Oh ihr Menschen! Ihr seid die Armen, die auf Gottes (Hilfe angewiesen sind)." (Sure 35, 15)}

Wisse, mein lieber Bruder!

So wie die Fehlerhaftigkeit des Menschen unendlich ist, so kennt auch seine Schwäche (adjz), Armseligkeit (fakr) und Bedürftigkeit (ihtiyadj) keine Grenzen. So wie durch den Hunger, der dem Menschen gegeben worden ist, die verschiedenen Geschmacksarten der einzelnen Nahrungsmittel deutlich werden, so ist auch die Fehlerhaftigkeit des Menschen wie ein Observatorium, um die Stufen der Vollkommenheit des Hochgepriesenen (kemalat-i Subhaniye) beobachten zu können. Die Armseligkeit (fakr) des Menschen dient als eine Vergleichseinheit für die Stufen des Reichtums des Allbarmherzigen (ghina-i rahmet). Die Schwachheit des Menschen ist eine Waage (mizan) für die Macht (qudret) und Größe (kibriya) Gottes. Die Mannigfaltigkeit der Bedürfnisse des Menschen ist eine Leiter für die Arten Seiner Gaben (ni'am) und Seiner Größe. Wenn das aber so ist, dann ist sein Dienst und seine Anbetung (ubudiyet) zugleich auch seine naturgegebene Veranlagung (fitrat). Was aber seinen Dienst und seine Anbetung (ubudiyet) betrifft, so besteht sie darin, an der Schwelle zur Würde (dergah-i izzeti) Gottes seine Fehler mit "Gott verzeihe mir ("Estaghfirullah")!" und "Gepriesen sei Gott ("Subhanallah")!" erklärt.

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اِنَّ الْاَبْرَارَ لَفِى نَعِيمٍ ٭ وَ اِنَّ الْفُجَّارَ لَفِى جَحِيمٍ

{"Die Frommen befinden sich dereinst in einem Zustand der Wonne (na'im). Die Sünder dagegen in einem Höllenbrand (djahim)." (Sure 82, 13-14)}

Wisse, mein lieber Bruder!

Für jeden Menschen gibt es auf seiner Lebensreise zwei Wege. Die Länge oder Kürze beider Wege ist dabei gleich. Auf dem einen Weg gibt es jedoch nach dem Zeugnis (shehadet) der Visionäre (ehl-i shuhud) und mit Bestätigung aller Sachverständigen (ehl-i vukuf) unter 10 Möglichkeiten 9 Vorteile. Auf dem zweiten Weg gibt es jedoch im Gegensatz dazu unter 10 Möglichkeiten 9 Nachteile. Derjenige, der auf dem zweiten Weg geht, hat weder eine Waffe noch Proviant bei sich. Und so ist er denn infolge dessen auf seinem Weg sehr vielen beängstigenden Umständen ausgesetzt und dabei vielen zu Dank verpflichtet, um seine Bedürfnisse befriedigen zu können. Der, welcher den ersten Weg einschlägt, hat jedoch sowohl seine Waffe als auch seinen Proviant bei sich. Er geht völlig frei und ungebunden. Der erste Weg ist der Weg des Qur'an, der zweite Weg ist jedoch der Weg des Irrtums (dalalet).

Nach dem Zeugnis (shehadet) der Visionäre (ehl-i shuhud) und mit Bestätigung aller Sachverständigen (ehl-i vukuf) steht in der Tat fest, dass diejenigen, die auf den Wegen des Glaubens (iman) voran schreiten, Sicherheit und Schutz (emn-u eman) genießen werden. Wenn sie danach zum Sitz der Regierung (merkez-i hükumet) gelangen, werden unter ihnen 9 von 10 eine große Belohnungen erhalten. Von denjenigen aber, die in der Finsternis des Irrwegs voran gegangen sind, werden, sobald sie zum Ort der Regierung (mahall-i hükumet) gelangt sind und nachdem sie sich während ihrer Reise vor Hunger und Angst jedermann und allen Dingen gegenüber erniedrigt hatten, 9 von 10 entweder zum Tode oder zur ewigen Haft verurteilt werden. Daher wird derjenige, der vernünftig ist,

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etwas Nachteiliges nicht um einer unbedeutenden weltlichen Erleichterung willen vorziehen.

Wenn wir von den Visionären (ehl-i shuhud) reden, meinen wir damit die Freunde Gottes (auliya'ullah). Denn derjenige, der in der Freundschaft mit Gott lebt (velayet sahibi), bezeugt (müshahede) alles, woran einfache Leute nur glauben können, mit seinen eigenen Augen. Was nun die Waffen und den Proviant derer betrifft, die auf dem Weg des Qur'an voran schreiten, so erhalten sie dies alles durch ihr Vertrauen (tevekkul) auf den Absolut Allmächtigen (Qadir-i Mutlaq), den Freigiebigen Reichen (Ghaniyy-i Kerim). Denn Gottvertrauen (tevekkul) schließt auch die Dinge, auf die man sich stützt (istinad) und von denen man Hilfe (istimdad) erwartet, mit ein. Diese Dinge aber erfordern die Formel der Einheit (kelime-i Tauhid). Die Formel der Einheit aber erfordert das Gebet (namaz). Und das Gebet ist ein Grundpfeiler des Dienstes und der Anbetung (ubudiyet) Gottes. Was ihm jedoch diesen Dienst und die Anbetung Gottes befiehlt (emr), ist für ihn eine Verpflichtung (teklif). Demjenigen aber, der dieser, seiner Verpflichtung nachkommt, werden für die Dauer dieser, seiner Verpflichtung, gleich einer Verpflichtung zum Militärdienst Verpflegung, Kleidung und alle übrigen lebensnotwendigen Dinge aus der Schatzkammer des Erbarmers (hazine-i Rahman) zur Verfügung gestellt. Die Wehrpflicht aber dauert nur zweieinhalb Jahre. Die Verpflichtung zum Dienst und zur Anbetung Gottes (mukellefiyet-i ubudiyet) dauert hingegen ein ganzes Leben (müddet-i ömür) lang.

وَمَا هٰذِهِ الْحَيٰوةُ الدُّنْيَآ اِلاَّ لَهْوٌ وَ لَعِبٌ وَ اِنَّ الدَّارَ الْاٰخِرَةَ لَهِىَ الْحَيَوَانُ

{"Das Leben hier ist nichts anderes als Spiel und Spaß, das Haus des Jenseits hingegen ist erst das wahre Leben!" (Sure 29, 64)}

Wisse, mein lieber Bruder!

Der Mensch ist ein Reisender. Von der Kindheit in die Jugendzeit, von der Jugendzeit ins

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Greisenalter, vom Greisenalter ins Grab, vom Grab zur Auferstehung, von der Auferstehung bis in die Ewigkeit setzt sich seine Reise fort. Dabei wird ihm alles Nötige beider Leben vom König des Landes (Malik-ul Mulk) gegeben. Er gibt jedoch all diese notwendigen Dinge wegen seiner Unkenntnis (djehil) ganz und gar für dieses vergängliche Leben (hayat-i faniye) aus. Stattdessen wäre es notwendig, von diesen notwendigen Dingen mindestens ein Zehntel für dieses irdische und neun Zehntel für das bleibende Leben (hayat-i baqiyeye) einzusetzen. Was also wird nun etwa ein Beamter, der von seiner Regierung 24 Lira Wegzehrung erhalten hat, um einige Länder zu bereisen, wenn er bereits im ersten Land, in das er gelangt ist, 23 Lira ausgegeben hat, in all den anderen Ländern tun? Welche Antwort kann er nun seiner Regierung (Hükumet) geben? Kann sich etwa jemand, der sich so verhält, sich noch als vernünftig bezeichnen? Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) hat uns also eine Zeitspanne von 24 Stunden geschenkt, um alles Notwendige für unser beider Leben zu erwerben. Wenn man nun das viele (Geld) für das kürzere (Leben) und das wenige (Geld) für das längere (Leben) ausgibt, also 23 Stunden für sein kurzes, vergängliches (fani) irdisches Leben (dunya hayati) einsetzt, dann ist es wenigstens notwendig, auch nur eine Stunde für das fünfmalige tägliche Gebet (namaz) zu verwenden und somit für ein unendlich andauerndes (baqi), jenseitiges Leben (uhrevi hayat) einzusetzen, damit man im Jenseits (akhiret) kein Bettler sein muss, während man doch im Diesseits (dunya) ein General (Pasha) gewesen ist!

Wisse, mein lieber Bruder!

Ein gottvergessener Mensch (Ghafil) gibt seine eigentliche Aufgabe (vazifah) auf und versieht stattdessen die Aufgaben Gottes (Rububiyet). Wenn aber ein Mensch in seiner Gottvergessenheit (ghaflet) seine Aufgabe vernachlässigt, Gott zu dienen und Ihn anzubeten (ubudiyet), was doch innerhalb seiner Möglichkeiten leicht wäre, und sich stattdessen mit seinem nur schwachen Herzen (qalb) der schweren Aufgabe der Herrschaft Gottes (Rububiyet) unterzieht,

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so wird er in der Tat von ihr erdrückt. Ja er verliert währenddessen völlig seine ganze Ruhe und tritt nun der Partei der Aufständischen, der Räuber und der Verräter bei.

Der Mensch ist in der Tat ein Soldat. Das Soldatentum erfordert seine besonderen Aufgaben und das Regierungsamt erfordert seine besonderen Aufgaben. Für die Aufgaben des Soldatentums gibt es eine besondere Ausbildung zum Dienst im Kampf (djihad) zum Schutz von Glaube (din) und Heimat (vatan). Was jedoch die Aufgaben in einem Amt der Regierung betrifft, so dienen sie der Versorgung mit Proviant, Kleidung und Bewaffnung. Demzufolge ist ein Soldat, der zur Beschaffung seines Unterhalts (erzaq) seine soldatischen Pflichten vernachlässigt und stattdessen z.B. Handel treibt, ein Räuber und ein Verräter. Aus diesem Grund ist die Aufgabe des Menschen sein Dienst vor Gott (Allah) und die Anbetung (ubudiyet) Gottes. Die Unterlassung der großen Sünden (terk-i kebair) ist (ein Akt) der Frömmigkeit (taqva). Das Ringen mit seinen Begierden und Gelüsten (nefs) wie auch mit dem Teufel (sheytan) ist ein beständiger Kampf (djihad).

Hingegen ist es Gottes (Allah) Aufgabe (vazifah), Lebensmittel, für den Menschen, seine Kinder, ja für seine ganze Familie zu beschaffen. Und da nun einmal Er es in der Tat ist, der das Leben (hayat) schenkt, wird auch Er es nun sein, der die Mittel, um dieses Leben aufrecht zu erhalten, herbei schaffen wird. Dabei bleibt jedoch zu beachten, dass die Regierung die Soldaten auch dazu abkommandiert, die Versorgungsgüter, die sie für die Soldaten in ihren Depots gespeichert hat, zu transportieren, (das Gemüse) zu putzen, (das Korn) zu mahlen und (das Essen) zu kochen, wie auch Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) die Menschen dazu ansetzt, alle für ihr Leben (hayat) erforderlichen Dinge und Mittel, nachdem Er sie in den Vorratskammern der Erde erschaffen und gespeichert hat, herbeizuschaffen und auch alle anderen Dinge zu erledigen; was auf diese Weise für den Menschen zu seiner Beschäftigung,

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ja zu seiner Unterhaltung wird, wodurch er sich von der Qual seiner Trägheit und Faulheit befreit.

Oh Mensch! Der Gott (Allah), der dich, als du noch im Schoße deiner Mutter lagst, als du noch ein kleines Kind warst, als du schon alt geworden warst und dich in einem Zustand befandest, indem du schon alle Kraft verloren hattest, dennoch mit besonders wohlschmeckenden Speisen ernährt, wird dir auch weiterhin deine Nahrung reichen, solange du lebst. Und nun sieh einmal! Wer ist es denn, der für dich die verschiedenen Arten Nahrung bereitet, die in jedem Frühling im Antlitz der Erde erschaffen wird, und für wen erschafft Er sie denn? Wird Er sie dir etwa zum Munde bringen und sie dir vielleicht auch noch da hineinstecken? Mein Gott (Ya hu)! Ja ist es denn etwa zu umständlich, zu den Festen und Feiern in die Gärten zu gehen, um die wohlschmeckenden Früchte, die dort an den Zweigen hängen und dir zulächeln, zu pflücken und zu essen? Gott (Allah) möge dir Einsicht schenken!

Zusammenfassung:

Versuche nicht, indem du Gott (Allah) die Schuld zuschiebst, zugleich dein eigenes Werk zu vernachlässigen und dich dabei auch noch in Gottes (Allah) Werk einzumischen, damit du nicht in das Buch der undankbaren Deserteure eingetragen wirst!

اُدْعُونِى اَسْتَجِبْ لَكُمْ

{"Rufe mich an und Ich werde dir antworten!" (Sure 40, 60)}

Wisse, mein lieber Bruder!

Stelle keine Behauptung auf, indem du sagst, einige Gebete (dua) werden nicht beantwortet. Denn das Gebet (dua) ist ein Dienst (ibadet). Die Frucht dieses Dienstes (ibadet) wird jedoch erst im Jenseits (akhiret) erfahren. Was nun die irdischen Ziele (der Gebete) betrifft, so sind sie, den Gebetszeiten (namaz) entsprechend, jeweils eine Zeit für ganz bestimmte Gebetsdienste (dualar ibadeti).

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(Diese Gebete) sind nicht gleich dem Ergebnis dieser Gebete; so ist z.B. die Zeit der Sonnenfinsternis (eine Zeit) für das Gebet (kusuf namazi) und die Zeit der Dürre die Zeit für das Gebet um Regen.

Des Weiteren gibt es während der Schikanen durch die Tyrannen und während Unglücke über uns hereinbrechen eine Zeit für einige besondere Gebete (dua). Solange diese Zeiten fortdauern, werden auch diese Gebete (namaz) und Fürbitten (dua) weiterhin dargebracht. Wenn in diesen Zeiten weltliche Ziele erfüllt werden, dann ist auch das schon Licht über Licht (nurun ala nur). Andernfalls kannst du auch nicht sagen, dass die Antwort auf dieses Gebet noch nicht gekommen sei. Du kannst nur sagen: "Die Zeit zu beten ist noch nicht vorüber. Ich muss mein Gebet noch fortsetzen." Denn diese Ziele sind der Beginn dieser Gebete, nicht ihr Ende. Was aber das Versprechen Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq) betrifft, unsere Gebete zu beantworten, so ist die Antwort (auf unsere Gebete) nicht, dass sie so angenommen wurden, wie wir es uns gewünscht hätten; d.h. die Antwort setzt nicht die Annahme voraus. Jedes Gebet wird jedoch in jedem Fall beantwortet. Es wird nicht ohne Antwort gelassen. Die Erfüllung des Gewünschten ist aber von der Weisheit dessen abhängig, der die Antwort gibt; wenn du z.B. einen Arzt rufst, wird er auf jeden Fall antworten, indem er sagt: "Was möchtest du?" Wenn du aber sagst: "Verordnen Sie mir meine Lieblingsspeise; oder geben sie mir eine ganz bestimmte Medizin!", gibt er dir manchmal das Gewünschte und manchmal, wenn es dir bei deiner Krankheit und deinem augenblicklichen Zustand nicht gut täte, gibt Er es dir nicht.

Einer der Gründe dafür, dass ein Gebet nicht angenommen wird, liegt darin, dass man dieses Gebet nicht in der Absicht (qasd) dargebracht hat, anzubeten und einen Gottesdienst zu feiern (duayi ibadet), sondern es ausschließlich auf die Erlangung des Gewünschten beschränkt und somit das Gegenteil bewirkt hat. Bei dieser Art und Weise, ein Gebet zu verrichten und einen Gottesdienst zu feiern

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geht also die Wahrhaftigkeit (ikhlas) verloren und (das Gebet) wird nicht angenommen.

Wisse, mein lieber Bruder!

Infolge gewaltiger Erdverschiebungen (inkilab) bilden sich manchmal zwischen zwei Seiten weite und breite Täler. Über diese Täler hinweg sind Brücken notwendig, welche die Verbindung mit ihrer beider Seiten aufrecht erhalten, damit zwischen diesen beiden Welten (alem) ein wechselseitiger Verkehr möglich wird. Diese Brücken sind der Art der Verwandlungen (inkilab) entsprechend von unterschiedlicher Form; sie divergieren in Form und Wesen voneinander und auch ihre Namen sind verschieden; so ist z.B. die Welt des Schlafes eine Brücke zwischen dem Wachzustand und der Welt der Gleichnisse (alem-i misal = Träume). Das Zwischenreich (berzah) ist wieder eine andere Art Brücke zwischen dieser Welt (dunya) und dem Jenseits (akhiret). Und die Gleichnisse (misal) sind eine Brücke zwischen der Körperwelt (alem-i djismani) und der Welt der Geister (alem-i ruhani). Der Frühling wiederum ist eine Art Brücke zwischen dem Winter und dem Sommer. Am Tag der Wiederaufserstehung (kiyamet) aber gibt es nicht nur eine einzige dieser Umwandlungen. Dann werden sehr viele, große Umwandlungen stattfinden und so muss auch die Brücke dort überaus eigenartig und merkwürdig sein.

Wisse, mein lieber Bruder!

اِلَيْهِ مَرْجِعُكُمْ ٭ وَ اِلَيْهِ تُرْجَعُونَ ٭ وَ اِلَيْهِ الْمَصِيرُ ٭ وَ اِلَيْهِ الْمَاٰبُ

{"Zu Ihm ist eure Rückkehr." (Sure 10, 4) "Zu Ihm werdet ihr zurückgebracht." (Sure 2, 28) "Bei Ihm ist der Sitz (des Herrn)." (Sure 5, 18) "Bei ihm ist die Einkehr." (Sure 13, 36)}

Sowie in dergleichen Ayat, welche nach dem Tode die Rückkehr des Menschen zu seinem Schöpfer und Erbarmer (Khaliq-i Rahman), dem Allbarmherzigen (Rahim) bekannt geben, eine frohe Kunde und eine große Tröstung liegt, so geben sie ihnen zugleich auch Hinweise auf die großen Androhungen für diejenigen, die gegen Gott rebellieren (ehl-i isyan).

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In der Tat ist der Tod entsprechend den Erklärungen dieser Ayat kein Untergang, keine Trennung, kein Tor in das Nichts, kein Pfuhl ewiger Finsternis; er ist lediglich ein Eintritt in die Audienz des Königs von Ewigkeit zu Ewigkeit (Sultan-i Ezel ve Ebed). Durch den Hinweis dieser Frohen Kunde rettet sich das Herz (qalb) aus der Angst vor dem absoluten Nichts (adem-i mutlaq) und vor seinem Leid. Betrachte in der Tat die seelische Hölle (djehennem-i maneviye), die der Unglaube zum Inhalt hat!

اَنَا عِنْدَ ظَنِّ عَبْدِى بِى

{"Ich bin in den Vorstellungen meines Dieners über mich."}

Nach dem Geheimnis (sirr) dieser Heiligen Hadith (Hadith-i Qudsi) verwandelt Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) die Vorstellung und Überzeugung (zan ve itikad) eines Ungläubigen (kafir) in beständige Qual und Leid. Betrachte überdies die Grade der Freuden, die durch den Glauben (iman) und die Gewissheit, die nach der Zusammenkunft mit Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq) und Seiner Zufriedenheit, nachdem sie Ihn geschaut haben, für die Gläubigen (mu'min) entstehen werden! Sogar die leibhaftige Hölle ist für einen Gläubigen, der ein Gotteskenner (arif) ist, im Vergleich zu der seelischen Höllenqual (djehennem-i manevi) eines gegen Gott rebellierenden Ungläubigen (kafir), dem Paradiese (djennet) gleich.

Mein lieber Freund! Abgesehen von den Beweisen, die auf eine bleibende Welt (Alem-i beqa) hindeuten, sind die Propheten (enbiya) und Heiligen (auliya), die Imame der Getreuen (siddiqin imamlari), die alle hinter dem ehrwürdigen Geliebten (Habib-i Ekrem) des Urewigen Liebhabers (Mahbub-u Ezeli), Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, in einer Reihe stehen und zu seinen Gebeten (dua) wie aus einem Mund "Amen! Amen!" sagen und besonders auch seine Fürbitten und seine Gebete (dua) ein gewaltiges, umfassendes Zeugnis und ein genügender Anlass (kafi) für die Beständigkeit des Menschen (insanin beqasi) in

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einer beständigen Welt (alem-i beqa). Denn können etwa diese Wohltaten und Schönheiten, Harmonie (djemal) und Vollkommenheit (kemal), welche diesen Kosmos voll und ganz einhüllen, ohne die Fürbitte dieses Geliebten zu hören oder anzunehmen, etwas, das als hässlich, verwerflich, fehlerhaft und unvollkommen anzusehen ist, erlauben? Ist Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) etwa nicht frei und rein von jeglicher Mangelhaftigkeit und Hässlichkeit? Mit Sicherheit ist Er davon frei.

Wisse, mein lieber Bruder!

Von den Gnadengaben (nimet), die Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) verliehen hat, zu erzählen, sie bekannt zu machen und die Verkündigung der Wohltaten (tahdis-i nimet) Gottes artet manchmal in Selbstgefälligkeit und Stolz (gurur ve kibre) aus. Die Absicht (qasd), in seiner Bescheidenheit, diese Gaben Gottes zu verheimlichen, ist aber auch nicht richtig. Will man sich daher vor Übertreibungen (ifrat) einerseits, einer Untertreibung oder Tiefstapelei (tefrit) andererseits hüten, muss man sich daher nach der Waage (mizan) der Geradlinigkeit (istikamet) richten. Es ist die wie folgt:

Jede Gnadengabe hat zwei Aspekte. Der erste betrifft den Menschen und bereichert den Menschen. Er ist ein Anlass zu seiner Freude. Er ist ein Grund, sich unter den Menschen zu zeigen. Er wird ein Grund seines Stolzes. Der Mensch wird berauscht und vergisst den wahren Eigentümer (Malik-i Haqiqi, den Geber aller guten Gaben). Am Ende stürzt dieser Aspekt ihn in den Pfuhl seiner Selbstgefälligkeit und Überheblichkeit.

Was den zweiten Aspekt betrifft, so bezieht er sich auf den Geber aller Gnadengaben (in'am), zeigt seine Freigiebigkeit (kerim), macht die Größe Seiner Barmherzigkeit (rahmet) bekannt, enthüllt uns Seine Güte (in'am) und legt Zeugnis (shehadet) ab für Seine Namen. Daher kann die Bescheidenheit (tevazu) nur im ersten Aspekt wirklich als Bescheidenheit gelten. Eine falsche Bescheidenheit ist in Wirklichkeit eine Undankbarkeit (kufran). Auch anderen etwas von seinen Geschenken zu erzählen (tahdis-i nimet)

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wird in diesem zweiten Aspekt zu einem Ausdruck innerlicher (manevi) Dankbarkeit (shukur) und ist als solcher anzuerkennen. Andernfalls (verwandelt sich die Bescheidenheit) in Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit und gerät dadurch in Verruf. Still und bescheiden (zu schweigen oder allen Leuten) von seinen Geschenken zu erzählen (tevazu ile tahdis-i nimet) lässt sich auf folgende Weise miteinander vereinbaren (itjtima):

Ein Mann schenkt einem anderen einen(irntel. Da sagt jemand zu dem Mann, der diesen Mantel angezogen hat: "Wie schick siehst du mit ihm aus!" Entgegnet er nun diesem: "Die Schönheit kommt durch diesen Mantel zum Ausdruck.", so vereinbart er auf diese Weise seine Bescheidenheit mit der Äußerung seiner Dankbarkeit.

Wisse, mein lieber Bruder!

Sobald der Lohn ausgezahlt oder eine Belohnung erteilt wird, beginnt der Bazillus der Konkurrenz (rekabet) und der Eifersucht sich zu regen. Während noch die Arbeit geleistet und der Dienst verrichtet wird, bekommt dieser Bazillus von all dem noch gar nichts mit. Da mag der Faule sogar den Fleißigen sehr. Der Schwache lobt den Starken und ist von ihm begeistert. Er möchte jedoch, dass der Fleißige arbeitet, damit die Arbeit leichter wird und er selbst sich nicht so anstrengen muss.

Auch die Welt (dunya) ist eine Fabrik, die errichtet wurde, um in ihr für die religiösen Angelegenheiten (umur-u diniye) und die guten Werke um des Jenseits willen (a'mali akhirete) zu arbeiten und zu dienen, wobei der Dienst und die Anbetung (ibadet), die in dieser Fabrik verarbeitet und hergestellt werden, erst in der anderen Welt (alem) ihre Früchte bringen, weshalb man in Anbetracht dessen bei seinem Dienst und in seiner Anbetung (ibadet) nicht miteinander konkurieren darf. Geschieht dies jedoch, so geht die Wahrhaftigkeit (ikhlas) verloren. Denn derjenige, der dabei zu konkurrieren versucht, denkt dabei an das Lob und die Begeisterung der Menschen und dergleichen irdischen (dünyevi) Lohn. Der Ärmste denkt dabei nicht daran, dass durch diese Sorge seine guten Werke durch ihren Mangel

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an Wahrhaftigkeit (adem-i ikhlas) wertlos werden. Denn im Empfang seiner Belohnung und der Entgegennahme seines Lohnes macht er den Menschen zum Teilhaber (sherik) des Herrn der Menschen (Rabb-i Nas) und sich selbst zu einer Zielscheibe des Abscheus der Leute.

Wisse, mein lieber Bruder!

Ein Wunder (keramet) und eine Kariere (istidradj) sind dem Wortsinn (manen) nach Gegensätze. Denn alle Wunder sind direkt (mu'djize) oder indirekt (keramet) das Werk Gottes (Allah). Derjenige, durch den ein Wunder (keramet sahibi) geschieht, ist sich dessen bewusst, dass dieses Wunder von Gott (Allah) ist und dass Gott ihn beschützt und bewahrt. Dadurch wird sein Gottvertrauen (tevekkul) und seine Glaubensgewissheit gestärkt. Manchmal nimmt er mit Gottes Erlaubnis (Allah'in izniyle) seine Wundertaten bewusst wahr und manchmal nicht, welch letzteres jedoch der bessere und sicherere Weg ist.

Was aber eine Vorahnung (istidradj) betrifft, so besteht sie darin, dass sich einem in Gottvergessenheit (ghaflet) verborgene Dinge enthüllen und in Bezug auf ihn erstaunliche Handlungen ans Licht kommen. Führt aber diese derjenige, der bereits eine Vorahnung hatte (istidradj sahibi), auf sich selbst (nefs) und die Macht (iktidar) zurück, auf die er sich stützt (isnad), so wird sein Ego (enaniyet) und sein Stolz (gurur) dadurch so sehr gestärkt, dass er folgenden Satz vorzutragen beginnt:

اِنَّمَآ اُوتِيتُهُ عَلٰى عِلْمٍ

{"Fürwahr, ich habe es erhalten aufgrund meines Wissens." (Sure 28, 78)}

Falls ihm aber diese Entdeckung (inkishaf) infolge einer Läuterung der eigenen Seele (tasfiye-i nefs) und einer Erleuchtung des Herzens (tenauvur-u qalb) zuteil wird, gibt es auf der ersten Stufe keinen Unterschied zwischen denen, die nur so eine Vorahnung (ehl-i istidradj) hatten und den Wundertätern (ehl-i keramet). Auch denjenigen, die sich vollständig (von ihren Begierden) gelöst haben, enthüllen sich

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mit Gottes Erlaubnis (Allah'in izniyle) solch verborgenen Dinge. Sie können diese Dinge, nachdem sie sich in Gott vereinigt haben (fena fillah), aufgrund ihrer inneren Wahrnehmungen (havas), schauen. Der Unterschied zwischen diesen Dingen und einer bloßen Vorahnung (istidradj) ist ganz offensichtlich. Denn die augenscheinliche Ausstrahlung (nuraniyet) ihres Inneren (batin) kann mit der Finsternis der Heuchler (mürai) nicht verwechselt werden.

وَ اِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

{"Fürwahr gibt es nichts, was Ihn nicht in Dankbarkeit lobt und preist." (Sure 17, 44)}

Wisse, mein lieber Bruder!

Lobpreis (tesbihat), Dienst und Anbetung (ibadat) liegt in allen Dingen in unendlich vielen verschiedenen Variationen. Es ist jedoch nicht notwendig, dass ein jedes Ding ständig um diesen seinen eigenen Lobpreis, seinen Dienst und Anbetung mit all ihren Aspekten weiß und ihn ganz bewusst (shuur) wahrnimmt. Denn ihr Dasein erfordert nicht dessen bewusste Wahrnehmung (huzur). Das Wissen (ilm) des absolut Angebeteten (Mabud-u Mutlaq) reicht ja völlig aus. Da es außer bei den Menschen keine Geschöpfe gibt, die eine besondere Aufforderung erhalten hätten, brauchen sie ihre Absicht (niyet) nicht eigens zu äußern. Sie brauchen auch den Sinn ihrer Taten nicht bewusst zu erfassen.

Wisse, mein lieber Bruder!

Der Wert eines gläubigen (mu'min) Menschen bemisst sich im Vergleich zu der hohen Kunstfertigkeit (san'at-i aliye), die er repräsentiert und seiner schmucken Erscheinung, welche die schönen Namen Gottes (esma-i husna) reflektiert. Der Wert eines ungläubigen (kafir) Menschen aber wird nach dem Wert seines vergänglichen und zerfallenden Körpers, der nur aus Fleisch und Knochen (fani ve sakit maddesi) besteht, gemessen. Genauso wird auch diese Welt (alem), wenn sie entsprechend ihrer Beschreibung im Qur'an wie eine Präposition (harf)

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betrachtet, d.h. als ein Hinweis auf die Größe (azamet) Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq) wahrgenommen wird, auch als dementsprechend wertvoll angesehen. Wird sie jedoch nach Aussage der (westlichen) Philosophie wie ein Nomen (ism), d.h. ohne jeden handelnden Bezug (fa'il), nicht verbunden mit ihrem Schöpfer (Khaliq), sondern als an und für sich selbständig (müstaqil-i bizzat) betrachtet, bleibt ihr Wert auf ihren leblosen, unveränderlichen Stoff beschränkt. In wieweit jedoch die Kenntnis, die wir aus dem Qur'an gewonnen haben, über die Kenntnis (ilm) der Philosophie erhaben ist, wird durch folgendes Beispiel deutlich:

وَ جَعَلْنَا الشَّمْسَ سِرَاجًا

{"Wir haben die Sonne zu einer Leuchte gemacht." (Sure 71, 16)}.

Diese Aussage des Qur'an öffnet ein Fenster zur Betrachtung der Erscheinung der schönen Namen Gottes (esma-i husna). Es ist dies wie folgt:

Oh Mensch! Diese Sonne wurde für euch in all ihrer Pracht und Größe in Dienst gestellt. Sie spendet euren Wohnungen ihr Licht (Nur). Sie bereitet mit ihrem Feuer eure Nahrung zu. Da es jedoch über euch einen gleichfalls großartigen (Azim), barmherzigen (Rahim) König (Malik) gibt und die Sonne Seine Leuchte ist, wurde sie euch in eurem Gasthause (gegeben), um den dort wohnenden Gästen zu leuchten.

Nach der Weisheit der (westlichen) Philosophie ist die Sonne ein großes Feuer, das an seinem Platz brennt. Die Erde und alle übrigen Planeten wurden aus ihr herausgeschleudert. Durch die Anziehungskraft bleiben sie mit der Sonne verbunden und umkreisen sie auf ihren Bahnen.

Wisse, mein lieber Bruder!

Der Mensch hat keinen Rechtsanspruch (haqq) gegenüber Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq). Er ist im Gegenteil dazu verpflichtet, Ihm gegenüber stets dankbar (shukr) zu sein. Denn Sein ist das Reich (mulk). Der Mensch aber ist sein Untertan (memluk).

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Vierzehnter Blitz,

der ein paar Tropfen aus dem großen Wunder (mu'djize-i kubra) beinhaltet.

Erster Tropfen:

Die Beweise, die das Prophetentums Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, bestätigen, sind unzählbar. Es gibt sehr viele Bücher, die über die Meinungen von Forschern und anderen gebildeten Menschen darüber geschrieben worden sind. In meiner Wenigkeit habe ich dabei versucht, in meinem Werk mit dem Titel "Strahlenbündel ("Shua'at")", einige Strahlen dieser Sonne zu erläutern. In meinem zweiten Werk mit dem Titel "Blitzstrahlen ("Lemaat")" habe ich an die vierzig Beispiele dafür angeführt, dass der Qur'an ein Wunder (vudjuh-u i'djaz) ist. Eines dieser vierzig Aspekte seiner Wunderhaftigkeit liegt in seiner Prägnanz und dichterischen Schönheit (belaghat-i nazmiye), was ich in meinem Werk mit dem Titel "Kennzeichen des Wunders (Isharat-ul I'djaz)" näher erläutert habe. Interessenten kann ich diese drei Bücher nur empfehlen.

Zweiter Tropfen:

Der Qur'an, der, wie aus den vorausgegangenen Abhandlungen ersichtlich wird, von dem Schöpfer (Khaliq) der Erde und der Himmel geoffenbart wurde, um das Menschengeschlecht zu bessern und zu erziehen, hat sehr viele Aufgaben (vazifah) und Ziele (maqam).

Der Qur'an ist in der Tat die urewige Übersetzung (terdjüme-i ezeliye) der Schöpfung (kainat). Er ist das Sprachrohr der Wunderzeichen des Seins (ayat-i tekviniye), welche die Schöpfung in ihrer eigenen Sprache vorträgt. So wie er der Kommentator (tefthir) dieses Buches der Schöpfung (kitab-i alemin) ist, so ist er auch der Entdecker (kesh'shaf) der Schönen Namen Gottes (esma-i husna), die auf den Seiten (dieses Buches), der Erde und der Himmel, verborgen sind. Er ist die Sprache der unsichtbaren Welt (alem-i ghayb)

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in der sichtbaren Welt (alem-i shehadet). So wie er die Sonne in der Welt des Islam (alem-i Islam) ist, so ist er zugleich auch eine Landkarte der jenseitigen Welt (alem-i akhiret). Er ist ein Beweis (burhan) des Wesens (dhat), der Eigenschaften (sifat), der Namen (esma) und des Wirkens (shu'unat) Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq) und Sein Übersetzer. Für das Menschengeschlecht ist er ein Gesetzbuch (sheriat), ein Buch der Weisheit (hikmet), als auch ein Gebetbuch (dua kitabi), ein Buch der Einladungen (davah) zum Gebet, ein Buch des Gottesdienstes (ibadet), ein Buch der Gebote Gottes (emir), ein Buch des Gottesgedenkens (dhikr), ein Buch des Nachsinnens (fikr); und wenn er auch rein äußerlich nur wie ein einziges Buch aussieht, so gilt er doch hinsichtlich des Wissens (fünun) und der Erkenntnis (ulum), die er umfasst, für Tausende von Büchern.

Dritter Tropfen:

Dieser Abschnitt umfasst sechs Punkte bezüglich der Erklärung des Wunders, das in den Wiederholungen im Qur'an liegt.

Erster Punkt:

Betrachtet man den Qur'an als ein Buch zum Gedenken Gottes (dhikr), ein Gebetbuch und ein Buch mit einer Einladung (davah) zum Gebet, so sind die Wiederholungen, die sich in seinen Suren finden, in diesem Sinne, beachtet man dabei ihre Rhetorik (belaghat), vollkommen treffend und pure Weisheit (hikmet). Denn die Absicht dahinter ist es, mit dem Gottesgedenken (dhikr) und mit dem Gebet (dua) einen Segen (sevab) und die Barmherzigkeit Gottes (merhamet-i Ilahiye) zu empfangen. Ist es doch bekannt, dass bei dergleichen Gelegenheiten in der Hauptsache Wiederholungen notwendig sind, sodass in gleichem Maße Segen (sevab) erworben und Barmherzigkeit (merhamet) empfangen wird. Überdies erleuchtet die Wiederholung des Gedenkens (dhikr) das Herz (qalb). Die Wiederholung eines Gebetes (dua) verleiht ihm mehr Nachdruck. Und selbst eine Einladung (davah) entfaltet ihre Wirkung, ihre Stärke entsprechend ihrer Wiederholung.

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Zweiter Punkt:

Da der Qur'an für alle Schichten der Bevölkerung Anrede und Heilung zugleich ist, haben alle diese Schichten der Bevölkerung, ob sie nun hochintelligent oder völlig unbedarft, ob sie rechtschaffen oder rechtlos, ob sie Mystiker sind oder auch nicht, ein Recht darauf, an dieser göttlichen Ansprache teil zu haben und von dieser Apotheke des Allerbarmers (Rahman) ihr Heilmittel zu erhalten. In Wirklichkeit gelingt es jedoch nicht jedem, den Qur'an ständig und vollständig zu lesen. Darum sind die notwendigen Ziele und Zeugnisse besonders in langen Suren wiederholt worden, sodass jede Sure beinahe zu einem kleinen Qur'an wird, damit jeder mit Leichtigkeit jederzeit und wann immer er will durch das Lesen einer Sure den Segen des ganzen Qur'an bekommen kann. Die folgende ehrwürdige Ayah legt in der Tat diesen Sachverhalt (haqiqat) fest:

وَ لَقَدْ يَسَّرْنَا الْقُرْاٰنَ لِلذِّكْرِ

{"Und wir haben doch den Qur'an für das Gedenken (dhikr) leicht gemacht." (Sure 54, 17)}

Dritter Punkt:

Die leiblichen Bedürfnisse ändern sich mit dem Wechsel der Zeiten. Sie vermindern oder verstärken sich. So braucht man z.B. die Luft zu jeder Zeit. Das Bedürfnis nach Wasser stellt sich ein, wenn man Durst hat. Das Verlangen nach Nahrung meldet sich an jedem Tag. Das Bedürfnis nach Licht (ziya) ist meistens ein Mal in der Woche notwendig. Und dergleichen mehr...

Genauso auch sind die Zeiten für die geistigen Bedürfnisse verschieden und unterschiedlich. Für jeden Augenblick braucht man das Wort «Allah». Für jede Zeit "bismillah". Und jede Stunde ein Mal «La ilaha illallah». Und dergleichen mehr...

Daher ist die Wiederholung der Ayat und bestimmter Ausdrücke eine Folge wiederholter Bedürfnisse. Sie ist ein Hinweis auf das starke Bedürfnis für solche Formeln (hukum).

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Vierter Punkt:

Ihr wisst ja, dass der Qur'an die Grundsätze (esas) dieser festgefügten, großen Religion (metin din-i azim) und die Grundpfeiler (erkan) der Islamiyet festsetzt, weshalb er auch ein Buch ist, welches das Gesellschaftsleben der Menschen verändert. Es ist ja auch bekannt, dass derjenige, der an etwas festhalten will, deswegen ständige Wiederholungen braucht, um die Grundsätze, die er aufgestellt hat, aufs Schönste zu verwurzeln. So verfestigt sich das, was ständig wiederholt wird, wird nochmals bekräftigt und nicht wieder vergessen.

Der Qur'an ist ein allumfassender, stets antwortbereiter Lehrer (murshid-i mudjib), der auf die Fragen, die ihm von verschiedenen Schichten der Bevölkerung in Wort oder Tat gestellt werden, stets die erforderlichen Antworten gibt. Dabei ist es ja bekannt, dass immer wenn die Fragen wiederholt werden, sich auch die Antworten wiederholen.

Fünfter Punkt:

Ihr wisst ja, dass der Qur'an sehr wichtige Themen behandelt. Er ruft die Herzen (qalb) auf (davah), den Glauben (iman) auch zu praktiziern. Er spricht Themen an, die besonders feinsinnige Wahrheiten (haqiqat) betreffen und gibt so Denkanstöße, um den Verstand zur Erkenntnis (marifet) zu führen und die Aufmerksamkeit zu wecken. Daher ist es notwendig, um diese Thematik, diese feinsinnigen Wahrheiten (haqaiq) in die Gedanken (efkar) einzupflanzen und in den Herzen (qalb) zu verwurzeln, sie in verschiedenen Suren auf unterschiedliche Weise zu wiederholen.

Sechster Punkt:

Ihr wisst ja, dass es für jede Ayah eine äußerliche (dhahir) Bedeutung und eine innerliche (batin) Bedeutung gibt, wobei sie zugleich auch als ein Maßstab und als eine Informationsquelle dienen kann. Und dabei kann man ein jedes Gleichnis unter sehr verschiedenen Aspekten für die Rechtsprechung, für eine Nutzanwendung oder einen bestimmten Zweck verwenden. Und daher kann dieselbe Ayah an verschiedenen Stellen in unterschiedlichen Zusammenhängen für verschiedene praktische Anwendungen erwähnt werden. Auch wenn sie dabei äußerlich als

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eine Wiederholung erscheint, ist das aus diesem Grunde in Wahrheit keine Wiederholung.

Vierter Tropfen:

Wir wollen hier in sechs Anmerkungen den Grad der Wunderhaftigkeit erläutern, auf den der Qur'an bei naturwissenschaftlichen Fragestellungen (mesail-i kavniye) in einem Fall durch eine Auslassung (ihmal), in einem anderen Fall auf hermeneutische Weise (ibham) und in wieder einem anderen Fall durch eine Zusammenfassung (idjmal) hinweist.

Erste Anmerkung:

Frage:

Warum wird die Welt (kainat) im Qur'an nicht so erklärt, wie die westliche Philosophie (hikmet) und ihre Naturwissenschaften (felsefe) dies tun?

Antwort:

Die Philosophie hat sich auf dem Pfade der Wahrheit (haqiqat) verirrt, betrachtet die Welt (kainat) nur noch in der Funktion eines Nomens (mana-yi ismiyle) und stellt die Welt im Namen der Welt in Dienst. Was aber den Qur'an betrifft, so ist er von dem Wahrhaftigen (Haq) in Wahrheit herabgesandt worden und führt zur Wahrheit (haqiqat) hin. Er betrachtet alles Sein (maudjudat) nur in der Funktion einer Präposition (mana-yi harf) und stellt es im Namen seines Schöpfers (Khaliq) in Dienst.

Frage:

Warum werden das Wesen der hohen und niedrigen (ulvi ve süfli) Himmelskörper, ihre Formen und ihre Bahnen, nicht so erklärt, wie die Naturwissenschaft (fennin beyanat) das tut, sodass (dies alles) im Bereich der Hermeneutik (mübhem) stecken bleibt?

Antwort:

Bei dergleichen Themen ist die Hermeneutik (ibham) von ganz besonderer Bedeutung. Und auch eine (kurze) Zusammenfassung (idjmal) ist dabei schöner und besser. Denn der Qur'an spricht über den Kosmos als nur zweitrangig und nebensächlich im Sinne einer Schlussfolgerung hinsichtlich des Wesens und der Eigenschaften Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq'in zatina, sifatina). Denn die erste Bedingung einer Schlussfolgerung ist die, dass der Beweis klarer und verständlicher sein muss, als das, was bewiesen werden soll. Wenn er nach dem Wunsch

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der Wissenschaftler (fendjilerin ishtihasi) gesagt hätte: "Betrachtet die Erde in ihrer Bahn um die Sonne, wie sie dort in der Mitte ruht und versteht so die Größe Gottes (Allah'in azameti)!", so wäre dieser Beweis (für die Größe Gottes) noch geheimsinniger als die Behauptung selbst. Die meisten Menschen hätten dann (diese Behauptung) in all den vegangenen Zeitepochen bestritten (inkar), weil sie sie nicht verstehen konnten. Im Gegensatz dazu ist es jedoch notwendig, zu Zeiten der Unterweisung und der Rechtleitung (irshad ve hidayet) den Grad des Verständnisses (fehim) der einfachen Leute zu berücksichtigen und sich dementsprechend auszudrücken. Darüber hinaus bleibt hier eine Minderheit (der Gelehrten) nicht ausgeschlossen, wenn auch (die Unterweisung) sich an eine Mehrheit wendet. Denn auch (die Minderheit) zieht ihren Nutzen daraus. Kehrt man hingegen den Sachverhalt um, so bleibt nun die Mehrheit ausgeschlossen. Denn sie kann daraus keinen Nutzen ziehen, da ja ihr Verständnis (fehim) nur begrenzt ist.

Und zweitens:

Es gehört zu den Besonderheiten in der Beredsamkeit bei der Unterweisung (belaghat-i irshadiye), dass bei der Betrachtungsweise das einfache Volk, die Gefühle der Allgemeinheit und das Verständnis der Leute angemessen berücksichtigt werden muss, damit seine Augen nicht davor zurückschaudern und es in seinen Vorstellungen (fikr) nicht zögert, sie anzunehmen. Daher ist die treffendste Ansprache an das Volk die offensichtliche, einfache und leicht verständliche, damit es durch sie nicht überfordert wird. Sie muss kurz sein, damit es ihrer nicht überdrüssig wird. Und sie muss prägnant sein, damit es von überflüssigen Ausführungen nicht gelangweilt wird.

Drittens:

Der Qur'an spricht von den Gegebenheiten in allem Sein (maudjudat) lediglich um seines Schöpfers (Khaliq) willen, nicht um ihres bloßen Daseins (maudjudat) willen. In Anbetracht dessen lesen wir im Qur'an als wichtigstes über das Zeugnis (ahval), das die Welt (kainat) für ihren Schöpfer (Khaliq) ablegt. Was die Naturwissenschaft betrifft, so zieht sie den Schöpfer (Khaliq) nicht in Betracht.

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Sie spricht von den Gegebenheiten in der Welt (kainat) an und für sich. Des Weiteren spricht der Qur'an alle Menschen an. Er berücksichtigt das Verständnis der Mehrheit, damit sie zu wahrhaftigen Kennern der Wahrheit (tahqiqi bir marifet sahibi) werden. Die Naturwissenschaft (fen) aber spricht nur mit Naturwissenschaftlern (fendji). Sie zieht das einfache Volk nicht in Betracht. Dem einfachen Volk bleibt nur die Wiederholung (taqlid). Aus diesem Grund die ausführliche Erklärung der Wissenschaft (fennin tafsilati) zu vernachlässigen (ihmal) oder hermeneutisch (ibham) zu verschließen, ist für die Allgemeinheit (maslahat-i amme) und zum Wohle des Volkes (menfaat-i umumiye) genau zutreffend und absolut weise (hikmet).

Und viertens:

Der Qur'an ist ein Buch, das alle Zeiten erleuchtet (tenvir) und alle Menschen auf den rechten Weg (irshad) führt. Aus diesem Grund ist es, nach den Regeln der Beredsamkeit (irshadin belaghati) notwendig, die Mehrheit über die Themen, die in ihren Augen ohnehin schon klar und einleuchtend sind, nicht noch durch Verdrehungen und Spitzfindigkeiten zu verwirren und zu belasten. Und etwas, das für sie bereits fest steht, bezeugt und bekannt ist, soll man nicht unnötig umändern. Desgleichen ist es notwendig, das, was für das Hauptanliegen (= der Glaube) der Mehrheit entbehrlich ist, zu vernachlässigen oder kurz zu fassen. Hier geht es nicht darum, die Natur oder die Eigenschaften der Sonne zu beschreiben, sondern die Größe und Macht des Schöpfers (Khaliqin azamet-i qudreti) allen Menschen (efkar-i amme) vor Augen zu führen, indem (der Qur'an) von der Funktion (vazifah) der Sonne spricht, die wunderbare Dinge umfasst, wie z.B. die Welt zu erleuchten (alemi tenvir) und die das Zentrum der Ordnung in der Schöpfung (kkhilqatin nizam merkezi) und der Mittelpunkt der Welt (alem) ist.

Zweite Anmerkung:

وَ جَعَلْنَا الشَّمْسَ سِرَاجًا

{"Wir haben die Sonne zu einer Leuchte gemacht." (Sure 71, 16)}.

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Frage:

Warum wird die Sonne als Leuchte (siradj) bezeichnet? Denn in Wirklichkeit ist die Sonne nach Ansicht der Wissenschaftler (ehl-i fendje) nicht von der Erde abhängig, sodass sie ihr als Leuchte dienen müsste. Sie ist vielmehr ein Zentrum, von dem die Erde mit allen anderen Planeten abhängig ist.

Antwort:

Der Ausdruck سِرَاجْ "Leuchte" ist ein Hinweis auf den Vergleich der Welt (alem) mit einem Schloss. Alles, was es in diesem Schloss gibt (maudjudat), ist von der Art (maqam) der Gegenstände darinnen, sein Schmuck und seine Kunstwerke, so wie auch die Sonne neben ihnen der Kronleuchter Gottes (Ilahi bir lüküstür) ist, der den Bewohnern des Schlosses leuchtet (tenvir). Des Weiteren ist der Ausdruck سِرَاجْ "Leuchte" eine Erinnerung an die umfassende Barmherzigkeit (vus'at-i rahmetine) Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq), die aus seiner Herrschaft (Rububiyet) erwächst, an das Ausmaß Seiner Güte (ihsan) und Seiner Gnadengeschenke (in'am) im Rahmen Seiner Barmherzigkeit (rahmet), sowie eine Bekanntgabe Seiner göttlichen Allgegenwart (vahdaniyet) in Seinem gewaltig großen Reich (azamet-i saltanat), sodass die riesige Sonne, welche die Götzendiener (mushrik) für anbetungswürdig (ma'bud) halten, als Leuchte im Schloss der Welt (alem sarayi), eine Angestellte und eine Dienerin ist, die dazu beauftragt ist und in Seinem Dienst steht. Ja wäre es denn etwa nicht allgemein bekannt, dass ein lebloses Ding, das als Leuchte dient, nicht zu Dienst und Anbetung (ibadet) würdig sein könnte, würdig eine Angebetete (ma'bud) zu sein?

Dritte Anmerkung:

Die grundsätzlichen Ziele (maqasidi esasiye), die der Qur'an verfolgt und die Hauptelemente (anasir-i asliye) seiner Lehre, sind die folgenden vier, nämlich: Dienst und Anbetung Gottes (ubudiyet), die Einheit Gottes (tauhid), die Sendung der Propheten (risalet), die Auferstehung (hashir) und die Gerechtigkeit (adalet). Die übrigen Themen, die er behandelt, sind lediglich ein Mittel zum Zweck. Daher stehen die Ausführungen mit den Mitteln,

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die sie verwenden, im Gegensatz zu den Grundsätzen, die sich auf den jeweiligen Bereich beziehen. Denn sich mit einem sinnlosen Ding zu beschäftigen, lenkt nur vom eigentlichen Zweck ab. Aus diesem Grund lässt der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist (Mu'djiz-ul Beyan), bei mancher Thematik des Seins (mesail-i kauniye) einiges aus (ihmal), verschleiert es hermeneutisch (ibham) oder fasst es nur kurz (idjmal) zusammen. Des Weiteren sind die meisten unter den Ansprechpartnern (muhatab) des Qur'an das einfache Volk (avam). Den einfachen Volksschichten sind die feinsinnigen, schwierigen Teile der Wahrheiten Gottes (haqaiqi Ilahiye) kaum zugänglich und nur schwer zu begreifen. Zu ihrem Verständnis (fehim) muss man sie ihnen mit Gleichnissen und kurzen Erklärungen (temsil ve idjmal) näher bringen. Darum erwähnt (dhikr) der Qur'an diese Gleichnisse öfters. Er fasst aber manche Punkte, die in der Zukunft erst noch entdeckt werden, kurz (idjmal) zusammen.

Sechster Tropfen:

Das (Wort im) Qur'an kann mit anderen Worten nicht verglichen werden. Sie stehen (in ihrer Wirkung) in keiner Beziehung zueinander. Es sind in der Tat vier Dinge, die einem Wort (kelam) seine Erhabenheit (ulviyet), seine Macht (quvvet), seine Schönheit (hüsnü), seine Anmut (djemal) und seine Kraft (quvvet) verleihen: es sind dies: der Sprecher (mutekellim), der Angesprochene (muhatab), der Zusammenhang (maqsad) und der Inhalt (maqam). Es geht aber nicht allein nur um den Inhalt (maqam), wie die Literaten vielleicht denken würden, d.h., wenn du verstehen willst, wie kraftvoll ein Wort (deredje-i quvvet) ist, dann betrachte seinen Sprecher (qail), den Angesprochenen (muhatab), den Zweck und den Inhalt (des Wortes). Im Grade seiner Stärke wird die Wirksamkeit eines Wortes verständlich.

Wenn es sich z.B. bei einem Wort in der Tat um einen Befehl (emir) oder ein Verbot (nehy) handelt, verschärft es sich, da in ihm ein Wille und eine Macht َ١ade ve qudret) zum Ausdruck kommt, je nach seiner Wirksamkeit, z.B. durch die Ayah des Qur'an:

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يَآ اَرْضُ ابْلَعِى مَآءَكِ وَ يَا سَمَآءُ اَقْلِعِى

{"Oh Erde, verschlinge dein Wasser! Oh Himmel, halt ein!" (Sure 11, 44)}

und durch den erhabenen und entschlossenen Willen und die Macht, welche diese Ayah durch den Befehl an Himmel und Erde erteilt, die Wolken am Himmel verziehen sich plötzlich und auch die Erde verschlingt ihr Wasser. Des Weiteren erscheint durch den Befehl an die Erde und den Himmel in der Ayah:

اِئْتِيَا طَوْعًا اَوْ كَرْهًا

{"Kommt herbei - volens, nolens (ob ihr wollt oder nicht)!" (Sure 41, 11)}

den sie im Gehorsam annehmen, der Grad der Kraft des Willens und der Macht, die in diesem Befehl enthalten ist, und damit der Grad der Erhabenheit (ulviyet) dieses Wortes. Aber die Befehle, welche die Menschen leblosen Dingen erteilen, unterscheiden sich, entsprechend der Schwäche des Willens und der Macht des Sprechers (mutekellim), nicht von geistlosen, phantasievollen Delirien.

Wisse, mein lieber Bruder!

Ein Elativ (ism-i tafdil), {Ein Elativ ist kein Komparativ. Hier werden nicht zwei Götter miteinander verglichen. Z.B. Gott ist größer (Komparativ). Oder: Allah ist der Größte (Superlativ).} der für die Namen, Eigenschaften und Taten Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq) gebraucht wird, wie "der beste Kenner (A'lem)", "der Größte (Ekber)", "der Barmherzigste (Erham)", "der Beste (Ahsan)" deutet nicht auf einen Mangel an der Einheit Gottes (tauhid) hin. Denn hier besteht die Absicht (maqsad) lediglich darin, dem höchstpersönlichen (bizzat) und wahrhaftigen Träger (mausuf) einer Eigenschaft den Vorrang vor einer irrealen, rein gedanklichen Möglichkeit oder einem nur vorgestellten Träger (mausuf) der jeweiligen Eigenschaft einzuräumen.

Des Weiteren ist der Elativ kein Komperativ und deshalb der Würde Gottes (izzet-i Ilahiye) nicht entgegen gesetzt;

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denn die Absicht (maqsad) besteht nicht darin, die Eigenschaften (sifat) und Taten Gottes (ahval-i Ilahiye) mit den Eigenschaften und Taten (ef'al) der Geschöpfe (makhluqat) zu vergleichen; d.h. es geht nicht darum, beide auf gleicher Höhe nebeneinander zu stellen und danach den einen den Vorrang vor den anderen zu geben, sodass nun den Eigenschaften Gottes (sifat-i Ilahiye) vielleicht ein Mangel anhaften könnte.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Vollkommenheit (kemalat) in der Schöpfung (masnuat) nur eine Art Schatten der Vollkommenheit (kemal) Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq) ist, besitzt (malik) die Schöpfung keineswegs die Qualitäten, die für einen Vergleich mit den Eigenschaften Gottes (sifat-i Ilahiye) die Voraussetzung (haqqina) wären.

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Die Flamme

بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ

{"Im Namen Gottes des Erbarmers des Allbarmherzigen."}

Wisse, mein lieber Bruder!

Auf alle Bedeutungen (mana), welche die schönen Namen Gottes (esma-i husna) zum Ausdruck bringen, und auf alle vollkommenen Eigenschaften (sifat-i kemaliye) weist (die Bezeichnung) "Gott (Allah)" als Titel Seiner Göttlichen Majestät (Lafza-i Djelal) ausdrücklich hin. Die übrigen Eigennamen (ism-i haslar) weisen nur auf ihren Träger hin. Sie enthalten keinen direkten Hinweis (lüzum-u beyyin) auf (Seine übrigen) Eigenschaften (sifatlar). Denn sowie die Eigenschaften kein Bestandteil ihres Trägers sind, so bilden sie auch gegenseitig keinen Beweis füreinander. Aus diesem Grund enthalten sie auch weder ihrem Inhalt nach, noch entsprechend ihrer Bedeutung einen Hinweis auf (irgendwelche anderen) Eigenschaften. Der Titel Seiner Göttlichen Majestät (Lafza-i Djelal) weist jedoch in der Übereinstimmung (mit Seinem Träger) auf den Allheiligen Herrn (Dhat-i Aqdes) hin. Da zwischen dem Allheiligen Herrn (Dhat-i Aqdes) und den vollkommenen Eigenschaften (sifat-i kemaliye) ein direkter Beweis (lüzum-u beyyin) besteht, so weist Er notwendigerweise auch auf Seine Eigenschaften hin. Da nun des Weiteren Seine Bezeichnung als Gottheit (uluhiyet) diese vollkommenen Eigenschaften (sifat-i kemaliye) voraussetzt, setzt dies auch voraus, dass auch der Eigenname (ism-i has) Gottes ("Allah") jene Eigenschaft voraussetzt. Des Weiteren wird auch an das Wort Gott ("Allah") nach der Verneinung ("illa") zugleich auch der anderen Eigenschaften gedacht. Und daher beinhaltet die Formel (kelam) "Es gibt keine Gottheit außer Gott (La ilaha illallah)" ebenso viele Worte (kelam), wie dies der Anzahl der schönen Namen Gottes (esma-i husna) entspricht.

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Demzufolge wird diese Formel der Einheit (kelime-i Tauhid kelami) angesichts der Eigenschaften, auf die sie verweist, zu Tausend Worten, obwohl sie doch nur ein einziger Begriff (kelam) ist, wie z.B. "Es gibt keinen Schöpfer außer Gott (La Khaliqa illallah)", "Es gibt keinen, der allen Dingen ihre Beschaffenheit (La Fatira) gibt, der sie versorgt (La Raziqa) und in ewiger Unwandelbarkeit (La Qayyume) besteht, außer Gott (illallah)". Wenn daher ein Rezitator, der bereits fortgeschritten ist (dhakir bir dhat), dieses Wort (kelam) ausspricht, so heißt dies, dass er zugleich Tausend Worte (kelam) in diesem (einen Begriff) zusammen fasst.

Wisse, mein lieber Bruder!

Da du nun einmal weißt, dass alles von Gott (Allah) kommt und davon fest überzeugt bist, so ist es auch notwendig, alles, sei es zum Nachteil (zararli) oder zum Vorteil (menfaatli), in schönster Liebe und bestem Einverständnis (tahsin ve hüsn-ü riza) anzunehmen. Andernfalls müsstest du der Gottvergessenheit (ghaflet) verfallen. Darum gibt es diese äußeren Ursachen und deshalb verhüllen sie unsere Augen wie ein Schleier der Gottvergessenheit (ghaflet). Der Anteil der Ereignisse in der Welt (kainat hadithe), welche der Lust und Laune des Menschen zuwider sind, ist noch größer als der Teil, der ihr entgegen kommt. Würde jedoch der, welcher nur seinen Launen folgt, dabei die äußeren Ursachen erkennen, ohne den außer Acht zu lassen (ghaflet), der hinter allen Ursachen (Musebbib-ul Esbab) steht, so würde er seine Einwände direkt an Gott (Allah) richten.

Wisse, mein lieber Bruder!

Es gibt drei Arten von Gebeten (dua).

Erstens:

Das gesprochene Gebet (qauli dua), das der Mensch mündlich formt. Auch die Töne und Laute, welche die Tiere von sich geben, wenn sie sich auf die ihnen eigene Art und Weise äußern, weil sie z.B. hungrig sind, gehört zu dieser Art gesprochener Gebete.

Die zweite Art:

Das sind die Gebete der Bäume und

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anderer Pflanzen, die sie besonders im Frühling in der Sprache ihrer Bedürfnisse (ihtiyadji dua) darbringen.

Drittens:

Das sind die Gebete in der Art der Qualität verschiedener Dinge, die sich verändern und sich entfalten (tekemmül) und durch die Sprache ihrer Fähigkeiten (istidadi dua) erahnt werden können.

So wie jedes Ding in der Tat Gott den Gerechten (Djenab-i Haqq) lobpreist (tesbih), so bringt es auch in seiner Sprache, durch seine Bedürfnissen (ihtiyadj) und mit seinen Fähigkeiten (istidad) Gott (Allah) seine Gebete dar.

Wisse, mein lieber Bruder!

Bevor ein Kern zu einem Baum heranwächst, bevor ein Vogel aus dem Ei schlüpft, bevor ein Korn zu einer Ähre heran reift und (all diese Tiere und Pflanzen) inmitten Tausender Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten noch die Möglichkeit hatten, tausenderlei Formen und Gestalten anzunehmen, zogen sie über schiefe und krumme Möglichkeiten und dennoch auf dem geraden Weg hin zu ihrer vorbestimmten Form und Gestalt, zu der sie schließlich gottergeben geführt wurden. Daraus aber wird verständlich, dass diese Samenkörner zuvor noch unter der Versorgung, dem Wandel und Wechsel und der Sorge (terbiye, tedvir, tedbir) dessen standen, der alles Verborgene kennt (Allamul Ghuyub). Jedes von diesen Körnern gleicht in etwa einem kleinen Sendschreiben, einer Kopie aus den Büchern der Macht Gottes (qudret) oder einem Katalog (fihriste) vergleichbar, der dem Wissen des Urewigen (ilm-i ezeli) entnommen wurde. Oder aber es sind Grundsätze, abgeschrieben aus dem Buche des Vorherwissens Gottes (qader).

Wisse, mein lieber Bruder!

Ein gläubiger Mensch (mu'min) betrachtet die Welt (kainat) wie eine Präposition (mana-yi harf), d.h. die Dienerin eines anderen und als Sein Werkzeug. Ein ungläubiger Mensch (kafir) betrachtet die Welt (alem) jedoch wie ein Nomen (mana-yi ismi), d.h. als einen autonomen Fürsten ("Agha"). Infolgedessen können wir jedes Geschöpf unter zweierlei Aspekten betrachten.

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Der erste Aspekt bezieht sich auf sich selbst und seine Eigenschaften. Der zweite Aspekt betrachtet jedoch den Schöpfer (Sani) und die Erscheinungen der Schönen Namen (esma-i husna) Gottes.

Der Umfang des zweiten Aspekts ist noch größer und dem Inhalt nach noch vollkommener (kamil). Denn ein Buchstabe (harf) stellt sich selbst als eine Präposition (harf) dar, was er ja in gewisser Hinsicht auch ist. Zugleich weist er jedoch in vielerlei Hinsicht auch auf seinen Schreiber hin. Er macht dem Betrachter seinen Schreiber bekannt und stellt ihn vor.

Genauso weist ein Kunstwerk aus dem Buch der Macht des Urewigen (Qudret-i Ezeli) auf sich selbst so wie auf die Ausmaße seiner eigenen individuellen Größe hin; und das nur in einer einzigen Hinsicht. Es weist jedoch in vielerlei Hinsicht auf den Urewigen Designer (Nakkash-i Ezeli) hin. Es trägt ein langes Gedicht (kaside) von den Namen vor, die an ihm in Erscheinung treten. Zu den unveränderlichen Prinzipien (Kavaid-i mukarrere) gehört auch das Folgende: "Über die Funktion der Präposition (Mana-yi harfi) wird man mit vorgefassten Urteilen (qasdi hukum) kein Urteil (mahkum-u aleyh) fällen können. Über die Einzelheiten der Präpositionen können keine weiteren Nachforschungen angestellt werden. Über die Funktionen der Nomina (mana-yi ismi) kann man jedoch ein richtiges oder falsches Urteil fällen." Aufgrund dieses Geheimnisses (sirr) stehen die Urteile über die Welt (kainat) in den Büchern der Philosophen, welche die Welt nach der Bedeutung eines Nomens (mana-yi ismi) betrachten, äußerlich fester, obwohl sie in Wirklichkeit noch anfälliger sind, als das (Netz), das eine Spinne gewebt hat.

Die Theologen (ehl-i kelam) betrachten die Thematik der (westlichen) Philosophie und deren Kenntnis der Welt (ulum-u kauniye) in der Bedeutung einer Präposition (mana-yi harfi) um einer Schlussfolgerung willen als zweitrangig. Denn die Sonne als eine Leuchte (siradj), die Erde als Wiege und die Berge als Masten darzustellen, genügt bereits,

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um die Lehren der Theologen beweisen zu können. Ja die Ansichten der Theologen, in soweit sie den Empfindungen der Allgemeinheit (hiss-i umumiye) und der Kenntnis des Volkes (tearuf-u amme) entgegen kommen, schaden ihren Behauptungen selbst dann nicht, wenn sie nicht den Tatsachen entsprechen, und machen deshalb eine Kritik auch nicht erforderlich. Aus diesem Grund erscheinen die Ansichten der Theologen bezüglich der Thematik (westlicher) Philosophie nur blass und schwach. Sie sind aber bezüglich der Thematik über Gott (mesail-i Ilahiye) noch beständiger (metin) als Eisen.

Wisse, mein lieber Bruder!

Wenn Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) den Sündern verzeiht (günahkarlari afvet), dann geschieht dies aus Seiner Güte (fadl), wenn Er sie aber bestraft (tadhib), so ist dies Seine Gerechtigkeit (adl). Ein Mann, der Gift trinkt, verdient in der Tat Krankheit oder Tod angesichts der Gewohnheit Gottes (adetullah) zu Recht (kesb-i istihkak). Wenn er dann krank wird, so ist dies Seine Gerechtigkeit (adl). Denn er zieht seine Strafe (djeza) auf sich. Wird er jedoch nicht krank, so erfährt er dadurch die Güte (fadl) Gottes. Zwischen einer Übertretung (masiyet) der Gebote und der (ihr folgenden) Strafe (adhab) gibt es einen direkten Zusammenhang. Sogar die Leute, welche der Schule der Mutesila angehören (ehl-i itizal), schreiben einerseits die Übertretung der Gebote, eine Übertretung durch Abirren vom rechten Weg und alle Bosheit nicht Gott zu und sehen andererseits die Strafe als Konsequenz der Übertretung der Gebote. Es steht mit der Barmherzigkeit Gottes (Rahmet-i Ilahiye) nicht im Widerspruch, dass die Bosheit (sherr) die Strafe (adhab) zur Folge hat. Denn die Bosheit steht mit dem Gesetz (kanun) der Wohlordnung der Welt (nizami alem) in Widerspruch.

Wisse, mein lieber Bruder!

Da das Wort "Mensch (insan)" mit dem Wort "vergessen (nisyan)" verwandt ist, ist er vom Vergessen betroffen. Die schlimmste Art des Vergessens ist die, dass man sich selbst (nefs) vergisst. Handelt es sich jedoch um Dienst (hizmet), Arbeit und Nachdenken (tefekkur), so ist sich selbst (nefs) zu vergessen, d.h. seiner Seele (nefs)

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keine Arbeit zu geben, ein Irrweg (dalalet). Nachdem all dies geschehen ist und am Ende die Zeit der Belohnung (gekommen ist) seine Seele (nefs) zu vergessen, ist hingegen Vollkommenheit (kemal). Aus diesem Grund sind die Leute des Irrtums (ehl-i dalal) und die Leute der Vollkommenheit (ehl-i kemal) hinsichtlich ihres Vergessens oder Gedenkens (tedhekkur) einander entgegengesetzt. Jemand der auf dem Irrweg geht, erhebt beim Angebot einer Arbeit oder eines Gottesdienstes (ibadet) in der Tat seine Nase gen Himmel und verhält sich wie ein Pharao. Bei der Verteilung einer Belohnung und der Verdienste lässt er jedoch noch nicht einmal ein Stäubchen aus. Die Leute der Vollkommenheit (ehl-i kemal), die sich selbst (nefs) vergessen können, führen in den Zeiten der Arbeit des Nachdenkens und der geistigen Beschreitung vor allen Dingen ihre Seele (nefs) voraus, vergessen jedoch ihre Seele (nefs) und lassen sie völlig zurück, wenn es sich um Ergebnisse, Nutzen und Verdienste handelt.

Wisse, mein lieber Bruder!

Im Gottesdienst (ibadet) und bei den Gebeten (dua) der Gläubigen (mu'min), im täglichen Gebet (namaz) und anderen Diensten der Anbetung (ibadet), die sie in der Gemeinschaft Schulter an Schulter stehend verrichten, liegt die tiefe innere Wahrheit (sirr), dass jeder einzelne von der Gemeinschaft (djemaat) viel mehr Segen (sevab) erwirbt, als durch sein eigenes Gebet (ibadet). Jeder einzelne wird für andere zu einem Beter, einem Fürsprecher, zu einem, der sich geläutert hat und sich und alle Gläubigen im Glauben an die Botschaft des Propheten, mit dem Friede uns Segen sei, bestätigt (tezkiyedji)... Des Weiteren nimmt jeder einzelne an dem Glück seiner Gefährten teil und wird zu einem, der bereit ist, dem Schöpfer des Kosmos (Khallaq-i kainat) zu dienen und Ihn anzubeten (ubudiyet), und somit reif für die ewige Glückseligkeit (saadet-i ebediye).

Sodann wurde der Mensch durch diese erhabene (ulvi), geistige (manevi) Solidarität und gegenseitige Hilfeleistung (= teavun) unter den Gläubigen (mu'min) und durch die Gemeinschaft (djemaat)

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mit ihnen zu einem Träger des Kalifats, es wurde ihm das Vertauenspfand (emanet) auferlegt, und so wurde ihm in der Schöpfung (makhluqat) auch der Titel eines "Ehrwürdigen (mukerrem)" verliehen.

Wisse, mein lieber Bruder!

Derjenige, der von einer Sache einen viel zu großen Abstand hat, kann diese Sache nicht so gut sehen wie einer, der den richtigen Abstand von ihr hat. Wie klug er auch immer sein mag: wenn es sich um eine Uneinigkeit über die genauen Umstände eines bestimmten Sachverhalts handelt, so gilt das Wort dessen, der den genauen Abstand von ihr hat. Dementsprechend sind die Philosophen Europas wegen ihrer intensiven Beschäftigung mit der Materie (maddiyat) von den Wahrheiten (haqaiq) des Glaubens (iman), des Islam und des Qur'an sehr weit entfernt geblieben. Auch der größte von ihnen hat nicht so viel Kenntnis über die Wahrheiten (haqaiq) des Islam wie ein ungebildeter (ami) Mann, der mit diesen Wahrheiten aufgewachsen ist. So habe ich es erkannt und auch die Lebensumstände bestätigen das, was ich erkannt habe. Daher kannst du nicht sagen, dass die Gelehrten, die solch wissenschaftliche Gegebenheiten (fenni mes'ele), wie den Blitz oder den Dampf erforscht haben (keshfe), auch die zutiefst innerlichen Wahrheiten (Haqqin esrari) und die Lichter (Nur) des Qur'an entdecken (keshfe) können. Denn sie haben den Verstand in ihren Augen. Die Augen aber können nicht das sehen, was sie mit Herz (qalb) und Seele (ruh) sehen können. Denn aus ihren Herzen ist die Seele (djan = Leben) bereits entwichen. Die Gottvergessenheit (ghaflet) ließ ihre Herzen im Sumpf (einer exakt wissenschaftlichen Betrachtungsweise) der Natur (tabiat) vermodern.

Wisse, mein lieber Bruder!

Die allgemeinen Gnadengaben (umumi nimet), wie Hören und Sehen, Licht und Luft, sind noch wichtiger und noch wertvoller und verdienen aus diesem Grunde vielfach noch weit mehr unsere Dankbarkeit (shukr) als besondere persönliche Gnadengaben (nimet) und sind umso mehr ihrer würdig.

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Sich dergleichen allgemeinen Gnadengaben (umumi nimet) gegenüber als undankbar zu erweisen und sich demgegenüber nicht zu Dank verpflichtet zu fühlen, gilt als die gröbste Form einer Zurückweisung dieser Gnadengaben (kufran-i nimet). Da dies aber nun einmal der Sachverhalt ist, kommen manchen Menschen, auch wenn sie Gott (Allah) für die persönlichen Gnadengaben (nimet) danken, die ihre Person direkt betreffen, dabei die ganz allgemeinen Gnadengaben (umumi nimet), als würden diese sie persönlich gar nicht betreffen, auch gar nicht in den Sinn. In Wirklichkeit sind jedoch die größten Gnadengaben (nimet) diejenigen Gaben, die ständig (daimi) für alle Menschen (amm) da sind. So wie die Bedeutung (einer Gabe) für die Allgemeinheit (umumiyet) auf deren Vollkommenheit (kemal) verweist, so verweist deren konstantes Vorhandensein (devam) auf ihre Erhabenheit (ulviyet) und ihren wahren Wert.

Wisse, mein lieber Bruder!

Die Weisheiten (hikmet), die im Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, die Wiederholung mancher Ayat erfordern, so erfordern sie gleichermaßen die Wiederholung mancher Lobpreisungen (edhkar) und Gebete (dua). Denn so wie der Qur'an das Buch der Wahrheit (haqiqat), der Gesetzgebung (sheriat), der Weisheit (hikmet) und Erkenntnis Gottes (marifet) ist, so ist er auch das Buch der Lobpreisungen (dhikir), der Gebete (dua) und der Einladung und des Aufrufs (davet). Beim Gebet (dua) ist die Wiederholung, bei der Lobpreisung (dhikir) das Gedenken (tedhkar) und bei der Einladung (davet) der Nachdruck erforderlich.

Wisse, mein lieber Bruder!

Eine der großen Vorzüge des Qur'an ist folgendes: Nach den Themen, die sich auf die Vielheit (kethret) beziehen, zitiert er die Formel der Einheit (vahdet). Nach einer ausführlichen Erklärung (tafsil) macht er eine kurze Zusammenfassung (idjmal). Nach der Behandlung der Einzelheiten (djuz'iyat) erwähnt er die Grundprinzipien der absoluten Herrschaft (rububiyet-i mutlaqa) und die Gesetze der vollkommenen Eigenschaften (sifat-i kemaliye) in Zusammenfassungen. Der Sinn und Zweck solcher Zusammenfassungen

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am Schluss der Ayat liegt darin, für die Einführungen, die in den Ayat erwähnt werden, als Schlussfolgerungen zu gelten. Oder sie dienen als ein Grund dafür, dass der Gedanke des Hörers wegen der Beschäftigung mit den Einzelheiten, die in diesen Ayat erwähnt werden, die Größe des Ranges (mertebe azamet) der absoluten Gottheit (uluhiyet-i mutlaqa) nicht vergisst, sodass sein gedanklicher Gottesdienst (ubudiyet-i fikriye) dabei nicht gestört wird.

Wisse, mein lieber Bruder!

Der geistige Beistand der Heiligen (velilerin himmetler), ihre Hilfe (imdadlar) und der Segen (feyz), den sie mit ihren geistigen Taten (manevi fiilleri) spenden, ist ein Gebet (dua) aus ihrer Haltung (hali) heraus, oder durch ihre Tat (fiili). Derjenige, der auf den rechten Weg leitet (Hadi), der hilft (Mughith) und der beisteht (Mu'in), ist einzig und allein Gott (Allah). Aber im Innern eines Menschen liegt eine solche Anmut der Seele (latife), eine solche Haltung (halet), dass Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq) dem Menschen in der Anmut seiner Seele (latife) jeden Wunsch, und was auch immer es sein mag, und selbst wenn er ein Sünder wäre, erfüllt und ihm aus Achtung (hürmet) vor der Anmut seiner Seele (latife) das Gewünschte gewährt. Diese Feinheit (latife) zeigte sich mir aus weiter Ferne, ich konnte sie jedoch nicht feststellen.

Wisse, mein lieber Bruder!

Zwischen den Ereignissen der Vergangenheit (ahval-i mazi), welche in den Bereich des Wissens (ilim) und der Gewissheit (yaqin) gehören, und den Ereignissen der Zukunft (ahval-i istikbali), die noch unter dem Schleier der Ungewissheit liegen, mach einmal den folgenden Vergleich:

Begib dich einmal in der Kette deiner Vorfahren (silsilei nesebin) an die Stelle eines deiner Urväter (dede) und nimm dort Platz! Gibt es da etwa einen Unterschied zwischen deinen Vorfahren (edjdadi) in der langen Reihe jener Lebenden aus der Vergangenheit (maudjudat-i maziye), und deinen Kindern und Enkelkindern, die noch im Schoße der Zukunft (istikbal rahminde) auf ihre Zeit ins Dasein (vudjud) zu treten, warten? Schau genau hin! So wie der

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vorherige Teil ein Kunstwerk des Meisters (Sani'in masnuu) mit all Seinem Wissen (ilim) und Können ist, so muss auch der zweite Teil wieder genauso das Kunstwerk dieses Meisters (Sani'in masnuu) sein. Denn beide Teile sind ein Ausdruck des Wissens (ilim) und ein Zeugnis für ihren Meister (Sani). In Anbetracht dessen ist die Auferweckung deiner Vorfahren auch nicht erstaunlicher als die Erschaffung deiner Kinder. Sie ist vielmehr noch einfacher. Also wird durch diesen Vergleich verständlich, dass die Ereignisse in der Vergangenheit (vukuat-i madiye) ein Teil der Wunder (mu'djize) sind, die davon Zeugnis (shehadet) ablegen, dass der Meister (Sani) zu jeder möglichen Gestaltung in der Zukunft (imkanat-i istikbaliye) imstande (qadir) ist.

Im Garten dieses Kosmos ist in der Tat alles, was da lebt und webt (maudjudat ve edjram) ein Wunderwerk (harika), das zeigt, dass sein Schöpfer (Khaliq) aller Dinge mächtig (qadir) ist und sie allesamt kennt (alim).

Des Weiteren sind die Pflanzen und Tiere als Ganzes in ihrer Art oder als Einzelexemplare wunderbare Kunstwerke (san'at harika), die Zeugnis (shehadet) dafür ablegen, dass ihr Meister (Sani') aller Dinge mächtig (qadir) ist. In Seiner Macht (qudret) sind in der Tat Atome und Sonnen alle gleich; und so ist vor Ihm auch die neu Herausgabe der Blätter (neshri) im Frühling und die Wiederauferstehung (hashri) der Menschen ein und dasselbe. Überdies gibt es keinen Unterschied zwischen den vermoderten und verstreuten Blättern eines Baumes und ihrer Wiederbelebung (ihyasi).

Wisse, mein lieber Bruder!

Da der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist (Mu'djiz-ul-Beyan), immer wieder die Aufmerksamkeit auf die Wiederbelebung des Landes und das Element "Erde" lenkt, ist ein solcher Segen (feyz) in mein Herz (qalb) gedrungen (damla): So wie unser Globus das Herz unserer Welt ist, so ist auch das Element "Erde" das Herz dieses Globus. Die Erde ist auch der nächste Weg, dessen Ziele Bescheidenheit (tevazu) und Anspruchslosigkeit (mahviyet) sind. Ja die Erde ist sogar

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ein noch viel kürzerer Weg zu dem Schöpfer der Himmel (Khaliq-i Semavat) als selbst die höchsten Himmel. Denn die Erde ist für die Erscheinungen der Herrschaft Gottes (Rububiyet) im Kosmos die Werke Seiner Macht (qudret), als Sitz des Kalifatentums und für die Erscheinungen der Namen der Lebendige (Hayy) und der Beständige (Qayyum) bestens qualifiziert. Das Wasser ist die Krone der göttlichen Barmherzigkeit (arsh-i rahmet). Und so ist auch die Erde die Krone allen Lebens (arsh-i hayat), der Grund und Boden aus dem das Leben erwächst (ihya). Auf der Erde spiegeln und reflektieren sich auch die Erscheinungen (der Namen Gottes) in ihrer schönsten und reinsten Form. Je nachdem, in wieweit ein Spiegel auf Hochglanz poliert ist, umso klarer zeigt er in der Tat die kompakten Dinge. Und je kompakter die Dinge sind, welche die lichtvollen und feinen Objekte wiederspiegeln, umso glänzender zeigen sie uns die Erscheinungen der Namen Gottes. So zeigt sich z.B. das Licht (ziya) der Sonne nur schwach im Spiegel der Luft. Sieht man, wie sich die Sonne mit ihrem Licht (ziya) im Wasser spiegelt, so sieht man doch nicht deren sieben Farben. Der Spiegel der Erde jedoch zeigt in den Farben der Blumen sogar die sieben Farben des Sonnenlichtes.

اَقْرَبُ مَا يَكُونُ الْعَبْدُ مِنْ رَبِّهِ وَ هُوَ سَاجِدٌ

{"Der Moment an dem der Mensch seinem Herrn am nächsten steht ist der Moment seiner Niederwerfung."}

Diese ehrwürdige Hadith bezeugt mit ihrem Hinweis dieses Geheimnis (sirr). Also Freund, fürchte dich nicht vor der Erde und nicht davor, dich in Erde zu verwandeln, nicht vor dem Grab und in das Grab hinab zu steigen, um dich dort zur Ruhe zu betten!

Wisse, mein lieber Bruder!

Wenn mein Verstand sich auf die Wanderschaft begibt, wird er manchmal zum Gefährten meines Herzens. Das Herz schenkt das, was es mit seinem Gemüt findet, dem Verstand. Der Verstand legt das

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wie gewohnt in Form eines Zeugnisses mit einem Beispiel vor. So ist z.B. der Allweise Schöpfer (Fatir-i Hakiem), gleich wie Er von dem Kosmos unendlich weit entfernt ist, so auch Ihm unendlich nahe. So wie Er in der Tat mit Seinem Wissen (ilim) und mit Seiner Macht (qudret) im Innersten des Inneren (batin) vorhanden ist, so ist Er auch über den höchsten aller Höhen. So wie Er in gar keinem Ding enthalten ist, so ist Er auch nicht außerhalb eines Dinges. Betrachte die Wirkungen Seiner Macht (mamulat-i qudret) auf dieser Erde, durch welche die Werke seiner Barmherzigkeit (asar-i rahmet) sichtbar werden, damit du ein wenig Kenntnis dieses Geheimnisses (sirr) erhalten kannst. So muss z.B. der Schöpfer (Sani'), der zwei Dinge gleichzeitig erschaffen hat, das eine auf der Erde und das andere im Himmel oder das eine im Osten und das andere im Westen, von diesen beiden, von Ihm erschaffenen Dingen etwa so weit entfernt sein wie diese (beiden Dinge) voneinander entfernt sind. Des Weiteren ist Er, in Anbetracht dessen, dass Er für alle Dinge ihre Dauer (qayyum) im Dasein bestimmt, allen diesen Dingen noch näher als sie es sich selbst sind. Dieses Geheimnis (sirr) gehört zu den Besonderheiten des Bereiches der Notwendigkeit (vudjub) der Abstraktion und des Absoluten, sowie der notwendigen Unterschiedlichkeit zwischen dem Wesen des eigentlichen Täters (fa'il-i aslinin mahiyeti) und seinem nur schattenhaften Objekt (zilli münfa'il). Da z.B. die Sonne der Halt (qayyum) für ihre Spiegelbilder ist, hat sie zu ihnen eine unendliche Nähe. Gleichzeitig aber hat sie zu ihnen eine ebenso große Entfernung, wie die Entfernung zwischen ihrem Original am Himmel und ihren Schatten und Reflexen in einem Spiegel.

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Anhang zur Flamme

بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ

{"Im Namen Gottes des Barmherzigen des Allerbarmers."}

Wisse, mein lieber Bruder!

Vor einem Licht, das den ganzen Kosmos umschließt, kann sich kein Ding versteckt halten. Und kein Ding kann außerhalb des Umkreises (ghayr-i mütenahi) einer unendlichen Macht (daire-i qudret) sein und bleiben. Andernfalls müsste das Unendliche (ghayr-i mütenahi) ja ein Ende haben. Des Weiteren gibt die Weisheit Gottes (hikmet-i Ilahiye) jedem Ding Seinen Segen (feyz) je nach seinem Wert. Und ein jeder kann je nach dem Maß seines Gefäßes Wasser aus dem Meer schöpfen. Des Weiteren kann die Zuwendung des Allweisen Allmächtigen (Qadir-i Hakiem), der alles nach Seinem Maß gestaltet (muqaddir), Seine Zuwendung zu etwas Großem Seine Zuwendung zu etwas Kleinem nicht beeinträchtigen. Sein Blick, der alle Dinge erfasst, ohne sie zu berühren, erkennt ihr Äußeres und durchdringt zugleich ihr Innerstes, während selbst das größte Ding auch nicht das kleinste Ding, eine ganze Herde auch nicht das kleinste (ihrer Tiere) vor seinem Blick zu verbergen vermag. Des Weiteren ist selbst noch ein kleines Ding je nach seinem Kunstwert und dem Platz, an dem es sich befindet, groß und bedeutend. Ja selbst ganze Arten kleiner Dinge werden dadurch wertvoll. Des Weiteren duldet Gottes absolute Größe (azamet-i mutlaqa) überhaupt keine Partnerschaft (shirket). Des Weiteren wird durch die Werke verständlich, die in einer außergewöhnlichen Leichtigkeit, mit einer hohen Geschwindigkeit, mit einer wunderbaren Perfektion und Wohlordnung einer absoluten Freigiebigkleit entströmen, dass die Lebewesen gleich Mikroben und sogar noch kleineren Lebewesen Luft, Wasser und Erde überall

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auf der Welt, Orte, die man eigentlich für leer halten könnte, erfüllen.

Wisse, mein lieber Bruder!

Wenn es deine eigene Seele (nefs) ist, die dir so besonders nahe steht, was dich dazu veranlasst, deine Seele so sehr zu lieben (muhabbet), dann müsste doch eigentlich die Liebe zu deinem Schöpfer (Khaliqina muhabbetin) noch viel größer sein. Denn Er steht dir selbst näher noch als deine Seele. Denn das, was dir in dir selbst verborgen ist und in der Tat dein Denken (fikr) und Wollen (ihtiyar) nicht wahrnehmen kann, liegt ständig unter den Blicken (nazar) und Gedanken (ilim) deines Schöpfers (Khaliq).

Wisse, mein lieber Bruder!

Es gibt keinen Zufall in dieser Welt. Wenn man der Nachtigall der Weisheit besonders im Frühling, im Garten unserer Erde auf den Ästen all der Bäume zwischen ihren Blättern und Blüten mit den Ohren des Glaubens lauscht, wie sie die Ayat der Weisheit singt und harmonisch vorträgt, und sie dabei mit den Augen des Herzens betrachtet, werden das in der Tat selbst die Teufel des Zufalls anerkennen müssen und davon begeistert sein.

Wisse, mein lieber Bruder!

Falls du nicht dem Einen-Allgegenwärtigen (Vahid-i Ahad) die Einheit über allem Sein (tauhid) zuschreiben willst, dann wirst du gezwungen sein, nach der Anzahl der Erscheinungen Gottes (tedjelliyat-i Ilahiye) über allem Sein in der Welt (alem) ebenso viele Götter (ilah) anzunehmen. Denn wenn du deine Augen vor der Sonne verschließt und deren Verbindung mit ihren Spiegelbildern abschneidest, so wirst du in der Tat gezwungen sein, nach der Anzahl der Spiegelbilder, welche die Sonne reflektieren, die Existenz ebenso vieler wahrhaftiger Sonnen anzunehmen.

Wisse, mein lieber Bruder!

Wenn du in gewisser Hinsicht vergänglich (fena) bist, so genügt (kafi) dir für dein Dasein in der Ewigkeit, dass du im Wissen (ilim), in der Bezeugung (meshhud) und in der Kenntnis (malum) des Schöpfers

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des Erbarmers des Allbarmherzigen (Khaliq-i Rahmani Rahim) auf ewig (baqi) verweilen wirst.

Bei Gott (Ya hu)! Gib alles seinem wahren Besitzer (sahib-i haqiqi) und führe es auf Ihn zurück! Nimm alles in Seinem Namen (ism) an, sodass du Ruhe findest! Anderenfalls wirst du gezwungen sein, um alle Dinge ins Dasein (vudjud) zu bringen und die Ordnung und Wohlordnung für sie sicher zu stellen, ebenso viele Götter (ilah) anzunehmen.

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Der Punkt

مِنْ نُورِ مَعْرِفَةِ اللّٰهِ جَلَّ جَلاَلُهُ

{"Nimm von dem Licht der Erkenntnis Gottes Seiner Majestät und Seiner Größe."}

(Ein Teil der Abhandlung (risalah), die vor 45 Jahren (1919) verfasst wurde.)
Zur Einführung

Wenn ich einen Garten betrete, wähle ich die beste Frucht aus. Wenn ich mich anstrenge, um sie zu pflücken, so habe ich meine Freude daran. Wenn ich eine verfaulte oder noch unreife sehe, sage ich: خُذْ مَا صَفَا {"Nimm dir, was rein ist!"}

Ich wünsche mir auch, dass meine Ansprechpartner genauso sind. Sie sagen zu mir: "Deine Worte sind nicht gut zu verstehen."

Ich weiß, dass ich manchmal auf dem Umgang eines Minarets, manchmal aber auf dem Boden einer Zisterne rede. Was kann ich machen? So sind nun einmal die Umstände. In dem Buch "Strahlen (shuuat)" und in diesem Buch ist der Sprecher mein nur unzureichendes Herz. Auch mein Ansprechpartner (muhatab) ist nur meine rebellische (asi = isyan) Seele (nefs). Mein Zuhörer ist jetzt ein Japaner, der sich für den Islam interessiert. Derjenige, der dies liest soll (diese oben dargestellten Umstände) in Betracht ziehen. Die Erkenntnis des Propheten (marifet-un Nebi), der ein Zeuge der Erkenntnis Gottes (Marifetullah) ist, welche das Ziel aller Ziele ist, haben wir in den "Strahlen (shuuat)" zum Teil bereits behandelt. In dieser Abhandlung (risalah) wollen wir nur auf vier besonders bemerkenswerte Zeugnisse unter grenzenlos vielen Zeugnissen der Einheit Gottes (tauhid) hinweisen, Zeugnisse die an und für sich bereits ihren Zweck (maqsud-u bizzat)

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in sich selbst haben. Des Weiteren möchte ich, um die Betrachtungsweise mit dem Verstand (nazar-i aqli) vereinen mit dem Sinn des Herzens (hads-i qalbi) und deshalb je einen Funken (lem'a) von vieren der sechs Pfeiler des Glaubens (iman) mit meinem unzureichenden Verständnis (fehm-i kasirim) aufzeigen, indem ich indirekt einen Hinweis auf einen Teil der Beweise für die Engel und für die Wiederauferstehung gebe.

اٰمَنْتُ بِاللّٰهِ وَ مَلٰٓئِكَتِهِ وَ كُتُبِهِ وَ رُسُلِهِ وَ الْيَوْمِ اْلاٰخِرِ وَ بِالْقَدَرِ خَيْرِهِ وَ شَرِّهِ مِنَ اللّٰهِ تَعَالىَ وَ الْبَعْثُ بَعْدَ الْمَوْتِ حَقٌّ اَشْهَدُ اَنْ لآٰ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ وَ اَشْهَدُ اَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللّٰهِ

{"Ich glaube an Gott, an Seine Engel, Seine Bücher, Seine Botschafter, den Jüngsten Tag, die Bestimmung Gottes des Allerhöchsten über Gutes und Böses, und daran, dass die Auferstehung nach dem Tode wahr ist. Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Gott. Und ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Gottes ist."}

Said Nursi
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بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ وَ الصَّلاَةُ وَ السَّلاَمُ عَلٰى مُحَمَّدٍ خَاتَمِ النَّبِيِّينَ وَ عَلٰٓى اٰلِهِ وَ صَحْبِهِ اَجْمَعِينَ

{"Im Namen Gottes des Erbarmers des Allbarmherzigen. Lobpreis und Dank sei Gott dem Herrn der Welten, Friede und Segen über Mohammed, dem Siegel der Propheten, über seiner Familie und über all seinen Gefährten."}

اَللّٰهُ لآٰ اِلٰهَ اِلاَّ هُوَ الْحَىُّ الْقَيُّومُ

{"Gott ist und es gibt keine Gottheit außer Ihm, dem Lebendigen, dem Beständigen."}

(Diese Wahrheit) ist unser Ziel und unsere Sehnsucht.

Unter zahllosen Zeugnissen wollen wir hier vier allgemein gültige Zeugnisse anführen.

Erstes Zeugnis:

Mohammed, mit dem Friede und Segen sei. Da dieses Licht ausstrahlende Zeugnis in dem Buch "Strahlen (Shua'at)" bereits beleuchtet (tenauvur) wurde, ist es bei der Erklärung unserer Behauptung ein glänzender (munauver) Spiegel (Gottes).

Zweites Zeugnis:

Der Kosmos (kainat), der ein großes Buch (Kitab-i kebir) ist und gleichsam den Menschen in seiner ganzen Größe (insan-i ekber) verkörpert.

Drittes Zeugnis:

Das Buch, das in seiner Verkündigung ein Wunder ist (Kitab-i Mu'djiz-ul Beyan), das Wort des Allheiligen (Kelam-i Aqdes).

Viertes Zeugnis:

Die mit einem Bewusstsein ausgestattete Natur (fitrat-i dhishu'ur) des Menschen, die als Einsicht (vidjdan)

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bezeichnet wird, ist der Punkt der Vereinigung (nokta-i iltisaki) des Zwischenreiches (berzah) mit der Welt des Verborgenen (alem-i ghayb) und der Welt des Bezeugten (shehadet) und der Treffpunkt, an dem die Welten (alem) zueinander kommen. Einsicht (vidjdan) und Bewusstsein (fitrat) sind in der Tat ein Fenster für die intelektuelle Wahrnehmung (aql) des Menschen. Sie verbreiten die Strahlen (shuaini) zur Erkenntnis der Einheit Gottes (tauhid).

Erstes Zeugnis:

Es ist die mohammedanische Wahrheit ("haqiqat-i Muhammediye"), die mit der Botschaft (risalah) und mit der Islamiyet ausgestattet ist, welche das Zeugnis aller Propheten beinhaltet, das hinsichtlich der göttlichen Botschaft (risalah) das Geheimnis (sirr) des gewaltigen Konsenses (muazzam idjma) und der weitreichenden Übereinstimmung (vasi tevatur) zum Ausdruck bringt. Es trägt hinsichtlich der Islamiyet den Geist (ruh) und die Bestätigung (tasdiq) aller Religionen des Himmels (edyan-i semavi), die sich auf eine Offenbarung (vahye) stützen. Es zeigt den Menschen mit all seinen Worten, welche sich durch das Zeugnis aller Propheten (enbiyanin shehadeti) und durch die Bestätigung aller Religionen (edyanin tasdiqi) und kraft all seiner Wundertaten (mu'djizat) bewahrheitet haben, die Existenz (vudjud) und die Einheit des Schöpfers (vahdet-i Sani). Es zeigt also dieses Licht (Nur) im Namen aller edlen Menschen (efadil-i besher), die sich in dieser Aussage einig sind. Ja gäbe es denn überhaupt eine Möglichkeit, dass die Wahrheit (haqiqat), die das Auge sieht, das so viele Bestätigungen erhält, groß, tiefsinnig, feinsinnig, rein, scharf und mit der Wahrheit vertraut (haqaiq-ashina) ist, nicht die Wahrheit (haqiqat) selbst sein könnte?

Zweites Zeugnis:

Das Buch der Schöpfung. Alle Buchstaben und alle Punkte dieses Buches, jeder für sich und alle gemeinsam verkündigen in der Tat die Existenz (vudjud) und Einheit (vahdet) des Majestätischen Herrn (Dhati Dhu-l'Djelal), jeder nach seiner besonderen Eigenart, und rezitieren:

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وَ اِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

{"Und es gibt fürwahr kein Ding, das nicht lobend und dankend Ihn preist und rühmt." (Sure 17, 44)}

Alle Atome der Schöpfung (zerrat-i kainat), von denen jedes einzelne für sich entsprechend seinem Wesen, seinen Eigenschaften und in vielen anderen Hinsichten zwischen zahllosen Möglichkeiten unentschlossen war, folgt nun plötzlich einer bestimmten Richtung, trägt eine bestimmte Eigenschaft, ist mit einem besonderen Merkmal ausgestattet und bringt nun Staunen erregende Weisheiten (hikem) hervor. So legen sie alle für die Notwendigkeit und Existenz des Schöpfers (Saniin vudjubu vudjuduna) Zeugnis (shehadet) ab, und entzünden so die Leuchte des Glaubens (misbah-i imani), die mit einer Feinheit des Herrn (latife-i Rabbani), die ein Musterbeispiel der verborgenen Welten (avalim-i ghaybiye) ist, den Schöpfer bekannt (ilan-i Sani') gibt. Wie ein Soldat, der an sich selbst und in seiner Abteilung, in seiner Kompanie, in seinem Bataillon und im Heer eine Aufgabe hat, so macht auch jedes Atom in der Tat allein seinen Möglichkeiten entsprechend in seinem Wesen, seinen Eigenschaften und Merkmalen den Schöpfer (Sanii) bekannt, hält jedes Atom die laufende allgemeine Wohlausgewogenheit auf jeder Stufe, in jeder Beziehung und in jedem Bereich der Bildungen der Schöpfung (kainat), die in verschiedenen Gussformen übereinander gesetzt sind und die ineinander liegenden Gestalten gleichen, aufrecht; und so erfüllt es in jedem Verhältnis und in jeder Abteilung unterschiedliche Aufgaben, worin eine Weisheit (hikmet) zum Ausdruck gelangt; und da es so die Absicht und Weisheit (qasd ve hikmet) des Schöpfers (Sani) zum Ausdruck bringt und die Ayat Seiner Existenz (vudjud) und Einheit (vahdet) vorträgt, wird schließlich die Anzahl der Zeugnisse für den Majestätischen Schöpfer (Sani'-i Dhu-l'Djelal) vielfach größer als die Anzahl der Atome.

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اَلطُّرُقُ اِلَى اللّٰهِ بِعَدَدِ اَنْفَاسِ الْخَلآٰئِقِ

{"Die Wege zu Gott gleichen der Anzahl der Atemzüge Seiner Geschöpfe. "}

Das heißt, dieser Satz ist wahr, ist nicht übertrieben, ja er sagt damit sogar noch zu wenig.

Frage:

Warum kann all das nicht jeder mit seinem Verstand (aql) erkennen?

Antwort:

Wegen der vollkommenen Offensichtlichkeit (kemal-i dhuhur) der Einheit (tauhid) und der Existenz Gottes, die kein Gegenteil kennt.

تَأَمَّلْ سُطُورَ الْكَآئِنَاتِ فَإِنَّهَا ٭ مِنَ الْمََلإِ اْلاَعْلٰٓى اِلَيْكَ رَسَآئِلُ

{"Achte auf die Zeilen der Schöpfung, denn sie sind von dem Höchsten ein Brief an dich."}

Das heißt: "Betrachte diese Zeile in der Kette der Ereignisse (silsile-i hadisat), die der Urewige Designer (Nakkash-i Ezeli) auf einen großen Bogen, gleich einer Seite der Welt (sahife-i alemin) schreibt, mit den Augen der Weisheit (hikmet) und halte dich daran mit dem Gedanken der Wahrheit (fikr-i haqiqat) fest, sodass diese Kette der Briefe (selasil-i resail), die vom höchsten Ort (mele-i a'la) her kommt, dich auf die höchsten der Höhen der göttlichen Einheit (a'la-yi illiyyin-i Tauhid) empor hebt." In der Ganzheit dieses Buches liegt eine so glänzende Wohlordnung (nizam), deren göttlicher Ordner (nezzami) gleich einer Sonne in ihr erscheint. In der Art der Abfassung dieses Buches der Schöpfung (kitab-i kainat), in dem jedes Wort (kelime) und jeder Buchstabe (harf) ein Wunderwerk der Macht Gottes (mu'djize-i qudret) ist, findet sich eine solche Wunderhaftigkeit (i'djaz), vor der selbst alle Ursachen der unbelebten Natur (esbab-i tabiiye), angenommen jede von ihnen hätte eine eigene Handlungs- und Willensfreiheit (fail-i muhtar), und sie wären dazu imstande, etwas zuwege zu bringen, sich dennoch in ihrer völligen Ohnmacht (kemal-i adjz)

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vor diesem Wunder (i'djaz) niederwerfen würden (sedjde), indem sie folgendes rezitieren:

سُبْحَانَكَ لاَ قُدْرَةَ لَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ

{"Gepriesen seist Du! Keine Macht haben wir. Wahrlich, Du bist der Siegreiche, der Allweise."}

Jedes dieser Worte steht mit allen Wörtern in Zusammenhang. Dieses Buch, in dem insbesondere ein Lebewesen (zihayat), als sein Buchstabe (harf) Gesichter, die allen Sätzen zugewandt sind, und Augen, die sie betrachten, besitzt, hat einen so vielfach vernetzten, einander ergänzenden Stil, dass eine so unendliche Macht (qudret) notwendig wäre, um einen Punkt an dessen Stelle erschaffen zu können, dass sie den ganzen Kosmos neu erschaffen könnte. Derjenige, der also das Auge einer Mücke erschafft, Er ist es, der auch die Sonne erschaffen hat. Derjenige, der den Magen eines Flohes gestaltet, Er ist es, der auch das Sonnensystem geordnet hat. Schlage einmal auf der neunten Seite des Buches «Sünuhat (Einfälle)» nach, auf der das Geheimnis (sirr) der Ayah erklärt wird:

مَاخَلْقُكُمْ وَ لاَ بَعْثُكُمْ اِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ

{"Euer aller Erschaffung und Wiederauferstehung ist nur wie die einer einzelnen Seele." (Sure 31, 28)}

Betrachte einmal eine Biene, die nur ein kleines Wort in diesem Buch ist, und wie doch der Honig ihrer Zeugenschaft (shehd-i shehadet) von der Zunge dieses Wunders der göttlicher Macht (mu'djize-i qudret) fließt! Oder eine mikroskopisch kleine Bakterie, die doch nur ein Punkt in diesem Buche ist, erst sichtbar wird, wenn man sie um ein Vielfaches vergrößert! Also gib gut acht, was für ein verkleinertes Beispiel des Kosmos sie ist und wie wunderbar und staunenerrengend sie dennoch ist! Gleich wie die Sure Yasin in eine Konturschrift der beiden Anfangsbuchstaben (suret-i lafz-i Yasin)

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hineingeschrieben wird, so ist dieses Beispiel ein umfassender, zwar kurz und bündiger, aber dennoch flüssig geschriebener Punkt. Und wer ihn geschrieben hat, ist derjenige, der auch den ganzen Kosmos geschrieben hat. Wenn du das mit Einsicht aufmerksam betrachtest, wirst du erkennen, dass es die Unmöglichkeit einer Unmöglichkeit ist, dass diese einzigartige feinsinnige Maschinerie Gottes, die noch unter der Gestalt dieses winzig kleinen Tieres oder einer Mikrobe liegt, durch einfache leblose natürliche Ursachen entstehen könnte, welche blind und ohne Bewusstsein sind, deren Kanäle und Bahnen nicht zu begrenzen sind, und die unter den verschiedenen Möglichkeiten gar keine Prioritäten setzen können.

Wenn du davon überzeugt bist, dass jedes Atom das Bewusstsein der Weisen (hükema shu'uru), die Weisheit der Ärzte (etibba hikmeti) und den Status der Richter (hükkamin siyaseti) besitzt und dass jedes Atom mit anderen Atomen ohne Vermittler kommuniziert, kannst du vielleicht deine eigene Seele (nefs) täuschen und an diese Unmöglichkeit glauben?! In Wirklichkeit gibt es in dieser lebendigen (zihayat) Maschine ein solches Wunderwerk der Macht (mu'djize-i qudret) und eine so einzigartige Weisheit (harika-i hikmet), dass dies nur das Werk des Schöpfers (Saniin sun'u) sein kann, der den ganzen Kosmos mit allem, was in ihm geschieht (shu'un) erschafft (idjad) und ordnet (tanzim). Anderenfalls könnte nichts und niemand mit der Unsicherheit seiner wenigen, blinden und einfachen Möglichkeiten auch nur einen einzigen Schritt tun. (Und die Welt) kann nicht aus natürlichen Ursachen (esbab-i tabii) entstehen. Besonders auf der Leitung zur Vereinigung (itjtima) aller Kräfte der Anziehung (quvve-i djazibe) und der Verteidigung (quvve-i dafia) in einem winzigen unteilbaren Teilchen, was als der Grund aller Gründe (uss-ul esasi) natürlicher Ursachen (esbab-i tabiiye) gilt, liegt ein Stempel der Unmöglichkeit (muhaliyet). Es sei jedoch zugestanden, Vektoren (emir) wie Anziehung, Verteidigung, Bewegung

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und Kraft (quva), die sie für das Wesen (esas) aller Dinge halten, als Namen für die Gesetze der Gepflogenheiten Gottes (adatullahin kanunlari) anzusehen, was wir allerdings erst dann annehmen können, wenn sich das Gesetz (kanun) nicht vom Status eines Grundsatzes sondern zu einer bloßen Naturgegebenheit, eine bloße Vorstellung zu einer sinnlichen Wahrnehmbarkeit, von einer bloßen Annahme zur nackten Wahrheit (haqiqat) und vom Status eines Werkzeugs zur bloßen Wirksamkeit (der Kräfte der Natur) hin entwickelt.

Frage:

Weshalb hält man irrige Dinge (umur-u batil), wie die Urewigkeit der Materie (ezeliyet-i madde) und die Entstehung der Arten (teshekkül-ü enva') durch die Bewegungen der Atome (harekat-i zerrat) für möglich?

Antwort:

Dergleichen entsteht dadurch, dass man die Absicht (saded) hat, sich selbst (nefs) nur mit einer Ersatzlösung zu überzeugen, und die faule Basis eines solchen Ansatzes durch eine solche Beschäftigung mit nebensächlichen Dingen nicht begreift. Wenn man, um sich selbst (nefs) zu überzeugen, sich direkt und in der Hauptsache mit diesen Dingen beschäftigt, wird man zu dem Urteil gelangen, dass eine solche Lösung unmöglich und unvorstellbar ist. Den unmöglichen Fall einmal angenommen, er könne eine solche Lösung für möglich halten, so könnte er dies nur rein umständehalber tun, weil er seinen Schöpfer vergessen (teghaful-u 'anis-Sani') hat. Wie erstaunlich ist doch solch ein Irrtum (dalalet)! Wie kann einer, der die Urewigkeit (ezeliyet), die doch geradezu ein Wesensmerkmal des Majestätischen Herrn (Dhat-i Dhu-l'Djelal daruri) ist, und die Erschaffung aus dem Nichts (= idjad), die für Ihn kennzeichnend ist, nicht mit seinem Verstand erfassen kann, diese Dinge unendlich vielen Atomen und ohnmächtigen (adjiz) Dingen zuschreiben?

Es ist in der Tat bekannt, dass die Leute zu Beginn der Festtage nach dem Mond (Hilal-i ide) Ausschau halten. Aber niemand hat etwas gesehen. Ein alter Mann schwört jedoch: "Ich habe den Mond gesehen." In Wirklichkeit war

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der Mond, den er gesehen haben wollte, jedoch ein weißes Haar seiner Braue, das ihm vor seinem Auge hing. Doch wo ist hier das Haar, wo ist der Mond? Wo ist die Bewegung der Atome, wo liegt der Grund für die Entstehung der Arten (teshkil-i enva')?

Da der Mensch von seinem Wesen (fitrat) her für die Wahrheit (haqq) erschaffen wurde, sucht er nach ihr. Manchmal fällt er jedoch dem Irrtum (batil) in die Hände. Er hält ihn für wahr und bewahrt ihn in seiner Brust. Während er nach der Wahrheit gräbt, fällt der Irrtum (dalalet) ungewollt (ihtiyarsiz) über ihn her. Er hält ihn für wahr und trägt ihn auf seinem Kopf.

Frage:

Was sind diese Natur (tabiat), die Gesetze (kavanin) und Kräfte (quva), mit denen sie sich täuschen?

Antwort:

Die Natur (tabiat) ist ein großes Gesetz Gottes (sheriat-i kubra-yi Ilahiye), das die Handlungen der Elemente und Organe des Körpers der Schöpfung (djesed-i khilqat), welche die bezeugte Welt (alem-i shehadet) genannt wird, in Ordnung und in Zusammenhang bringt. Es sind diese Gesetze in der Schöpfung (sheriat-i fitriye), die Gepflogenheiten Gottes (sunnetullah) und Natur (tabiat) genannt werden. Sie besteht aus der Gesamtheit und dem Resultat der angenommenen Gesetze (kavanin-i itibariye), die in der Schöpfung und im Kosmos (khilqat-i kainat) gelten. Was wir als Kräfte (quva) bezeichnen, ist die Durchführung (hukum) dieser Gesetze (sheriat). Was wir als Gesetz (kavanin) bezeichnen, ist jeweils ein Sachverhalt, der sich aus dieser Gesetzeslage (sheriat) ergibt. Aber aufgrund der einförmigen Fortdauer der Durchführungen (ahkam) dieser Gesetze (sheriat) herrschen Täuschung und Phantasie vor und üben Druck aus und diese Laune der Natur (tabiat-i hevaiye) offenbart sich, verkörpert sich, wird sichtbar in ihrem Dasein (maudjud-u haridji) und nimmt aus dieser Vorstellung (hayal) heraus die Gestalt der Wahrheit (haqiqat) an. Aufgrund dieser fruchtlosen Unfähigkeit der Seelen (nüfusun istidad-i shuresinden), welche die Phantasie (hayal) in der Form der Wahrheit (haqiqat) sehen und zeigen,

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verhält sich (das Gesetz) wie ein handlungsfähiges Subjekt (fa'il-i muessir). Obwohl die Naturkräfte (tabiat), die doch blind sind und gar kein Bewusstsein besitzen, in Wirklichkeit nichts haben, womit sie das Herz (qalb) überzeugen könnten, was der Vorstellung (fikr) gefiele und womit sich das Auge der Wahrheit (nazar-i haqiqat) vertraut fühlte, und denen die Fähigkeit, eine Quelle zu sein, abhanden gekommen ist, wurde aufgrund der Annahme der Verneinung des Schöpfers (nefy-i Sani') zwangsweise vorgestellt, dass die offensichtlichen Werke (asar-i bahiresi) der Macht des Urewigen (qudret-i ezeliye), welche die Vorstellung in Bewunderung versetzen (veleh-rezan-i efkar), allein von der Natur (tabiat) erschaffen worden wären.

In Wirklichkeit ist die Natur (tabiat) ein beispielhaftes Druckwerk, aber nicht der Drucker; eine Dekoration, aber nicht der Dekorateur; ein reagierendes Objekt, aber kein agierendes Subjekt; eine Lineatur, aber nicht das Lineal; eine Ordnung (nizam), aber nicht der Ordner (nazim); ein Kodex von Gesetzen (kanun), aber nicht die ausführende Instanz (qudret); ein Gesetzeserlass (sheriat-i iradiye), aber nicht die vollziehende Gewalt (haqiqat-i haridjiye); z.B. wenn ein Mann in seinem zwanzigsten Lebensjahr plötzlich zur Welt käme, in einem öden Ort ein prächtiges Schloss betritt, das mit den Werken erlesenster Künste (sanayi-i nefse) ausgestattet ist, und wenn er sich nun vorstellt, dass es überhaupt nicht das Werk eines von draußen gekommenen Baumeisters ist, und wenn er dann nach der Herkunft all dieser wohlgeordneten Gegenstände suchte und dabei ein Buch fände, indem die Gesetze dieser Ordnung (tanziminin kavanini) geschrieben stehen, da es ein Spiegel des Bewusstseins ist, hält er es gezwungenermaßen für den Baumeister selbst. So haben sie sich denn mit der Natur, die dermaßen unvorstellbar unangemessen und nur ein aus Not angenommener Grund ist, darüber hinweg getäuscht, dass sie den majestätischen Baumeister (Sani'-i Dhu-l'Djelal) vergessen (teghafül) haben.

Die Gesetze Gottes (Sheriat-i Ilahiye) sind zweierlei:
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Erstens:

Die Gesetzgebung (sheriat), die auf dem Wort Gottes beruht, das einer Seiner Eigenschaften entspricht (sifat-i kelamdan) und die freiwilligen Handlungen (ef'al-i ihtiyariye) des Menschen ordnet.

Zweitens:

Das Naturgesetz (sheriat-i fitriye), das aus einer anderen Eigenschaft Gottes entspringt, die Seinem Willen entspricht (sifat-i irade) und als Befehle des Seins (evamir-i tekviniye) bezeichnet wird, besteht aus dem Ergebnis der Gesetze der Gepflogenheiten Gottes (kavanini adatullah), die in der ganzen Schöpfung (kainat) gültig sind.

Während das erste Gesetz (sheriat) aus Prinzipien (kavanin-i akliye) besteht, die wir zu überdenken haben, besteht das zweite Gesetz (sheriat), das auch als Naturgesetz (tabiat) bezeichnet wird, hingegen aus der Gesamtheit von Prinzipien (medjmu-u kavanin), die wir aus Erfahrung kennen lernen. Sie besitzen (malik) nicht die Macht, die eine Eigenschaft (sifat-i qudret) Gottes ist, haben keine eigene Wirkung (tesir) und können nichts aus sich selbst erschaffen (idjada).

Wir sagten zuvor, als wir das Geheimnis der Einheit Gottes erklärten: alles ist mit allem verbunden. Kein Ding kann ohne Beihilfe eines anderen Dinges zustande kommen. Wer hingegen auch nur ein einziges Ding erschafft, erschafft auch alle anderen Dinge. Weil dies aber so ist, muss derjenige, der ein Ding erschafft, allgegenwärtig (Vahid), eins (Ahad), einzigartig (Ferd) und unabhängig (Samad) sein. Diese natürlichen Ursachen (esbab-i tabiiye), welche die Leute des Irrwegs (ehl-i dalalet) anführen, sind jedoch alle völlig voneinander verschieden und haben untereinander überhaupt keinen Kontakt; sie sind selbst blind und halten zwei weitere Blinde an ihrer Hand: den blinden Zufall und ein nichts erkennendes Bündnis (untereinander).

قُلِ اللّٰهُ ثُمَّ ذَرْهُمْ فِى خَوْضِهِمْ يَلْعَبُونَ

{"Sag: "Gott" Aber lass sie nur weiter im Sumpf ihr Spiel treiben!" (Sure 6, 91)}

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Zusammenfassung:

Unser zweites Zeugnis ist Harmonie (nazm) und Ordnung (nizam), Wohlordnung (intizam) und Wunderhaftigkeit bei der Abfassung des Großen Buches der Schöpfung (kitab-i kebir-i kainat), und zeigt sonnenklar, dass es das Werk der unendlichen Allmacht (qudret), des allumfassenden Wissens (ilim) und des urewigen Willens (irade-i ezeliye) ist.

Frage:

Wie kann man die vollkommene Harmonie und Wohlordnung (nazm ve nizam) feststellen?

Antwort:

Die Naturwissenschaften (fünun-u ekvan), die wie die Sinnesorgane (havas) und die Forscher (djevasis) des Menschengeschlechtes sind, entdeckten diese Ordnung (nizam) durch ihre grundlegenden Erforschungen (istikra-i tamme). Denn zu jedem Forschungsgebiet hat sich ein eigener Wissenschaftszweig (fen) gebildet oder könnte sich noch dazu entwickeln. Jeder Wissenschaftszweig (fen) erklärt anhand der Gesamtheit aller Leitlinien (külliyet-i kaide) die Ordnung und Wohlordnung (nazm ve intizam) auf ihre eigene Art und Weise. Denn jeder Wissenschaftszweig (fen) lehrt nach den Grundsätzen der allgemein gültigen Leitlinien (kavaid-i külliye). Wenn also auch der Blick jedes Einzelnen (shahsin nazari) nicht die gesamte Ordnung (nizam) umfassen kann, so erkennt doch jeder mit Hilfe der Forscher der Wissenschaften (djevasis-i fünun), dass der Große Mensch (insan-i ekber) genauso wie der Mensch im Kleinen (insan-i asghar) wohlgeordnet (muntazam) ist. Jedes Ding ist nach den Grundsätzen der Weisheit (hikmet) gebildet. Etwas Nutzloses und Sinnloses gibt es nicht. Dieses unser Zeugnis (burhan)

schließt sich, nicht nur mit seinen Organen und Gliedern (erkani ve azasi), ja vielmehr mit all seinen

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Zellen, ja sogar mit all seinen Atomen, jedes wie eine Zunge, welche die Einheitsformel rezitiert (lisan-i dhakir-i Tauhid), dem hohen Klang des Großen Zeugnisses (burhan) an und so reziteren sie alle gemeinsam: "Es gibt keine Gottheit außer Gott (La Ilaha Illa'llah).

Drittes Zeugnis:

Der ruhmreiche Qur'an. Wenn du dein Ohr an die Brust dieses sprechenden Zeugnisses (burhani natik) legst, wirst du hören, wie es ständig: "Gott ist und es gibt keine Gottheit außer Ihm ("Allahu La Ilaha Illa Hu") wiederholt. Wenn jedoch ein Frucht tragender Baum mit überaus vollkommenen Früchten keine Wurzeln mehr hat, also seine Wurzeln, die doch die Quelle seines Lebens (menba-i hayati) waren, zerstört wurden, wird er keine Früchte mehr tragen. Dieses (dritte) Zeugnis trägt an seinen Ästen derart viele Früchte des Rechtes und der Wahrheit und sie sind derart richtig, dass sie keinen Zweifel daran übrig lassen, dass der Sachverhalt der Einheit Gottes (tauhid), der in (diesem Baum) wurzelt, so stark ist, dass er überhaupt keinen Verdacht daran aufkommen lässt, dass es ein derart richtiges Recht und die geradlinige Wahrheit beinhaltet.

So wie überdies der Ast dieses (dritten) Zeugnisses, der sich auf die Gesetze (ahkam) bezieht und in der Richtung der bezeugten Welt (alem-i shehadet) gebogen ist, ganz und gar richtig, recht und wahr (haqq ve haqiqat) ist, so bringt notwendigerweise auch dessen großer Ast, der sich auf die Einheit Gottes (tauhid) und den Unsichtbaren bezieht und sich in die Richtung der unsichtbaren Welt (alemi ghayb) erstreckt, die Früchte feststehender Wahrheiten (sabit haqaiq) hervor.

Stellt man nun des Weiteren dieses (dritte) Zeugnis eingehend dar, so wird verständlich, dass derjenige, (also der Prophet) der es anführt, mit dem Sachverhalt der Einheit (mes'ele-i Tauhid), der die Konsequenz (aus dem Qur'an) ist, sich dermaßen sicher ist, dass überhaupt kein Schimmer der Unsicherheit von irgendeiner Seite zu spüren ist. Überdies hält er diese Konsequenz (tauhid) für die

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Grundlage aller Wahrheiten (haqaiqa esas) und stützt (in dieser Weise) seine Botschaft mit aller Kraft (quvvet-i beyaniyla) und mit allem Nachdruck darauf, dass sie als unbestreitbar fest steht und unabdingbar notwendig ist. Und er führt auch noch andere Dinge auf sie zurück. Wie ein Grundstein kann diese mächtige Kraft (quvvet) nicht unecht sein. Überdies bestätigt das Siegel der Wunderhaftigkeit (sikke-i i'djaz), das auf (dem Qur'an ruht), alle seine Botschaften (ihbar). Einer weiteren Bestätigung bedarf es nicht. Seine Botschaften sind daher bereits an und für sich feststehende Tatsachen (umur). Die (folgenden) sechs Aspekte dieses leuchtenden Zeugnisses sind in der Tat insgesamt kristallklar. Auf (dem Qur'an) liegt seine Wunderhaftigkeit (i'djaz). Unter ihm finden sich seine Logik (mantik) und alle Beweise. Von der rechten Seite her spricht der Verstand (aql). Auf der linken Seite bestätigt ihn das Herz (vidjdan). An vorderster Stelle aber steht sein Ziel: das Gute und die Glückseligkeit. (Der Qur'an) stützt sich (nokta-i istinad) auf das von Gott geoffenbarte Wort (vahy-i mahz). Welcher Zweifel könnte da wohl noch aufkommen?

Es gibt vier Wege (usul) der Himmelfahrt (mi'radj), {in etwa vergleichbar mit der Jakobsleiter} die sich bis hinauf zum Thron der Vollkommenheit (kemalat), welche die Erkenntnis des Schöpfers (marifet-i Sani') genannt wird, erstrecken.

Erstens:

Der Weg (minhadj) der Forscher (muhaqqiqin) unter den Sufis, der auf der Läuterung und der Erleuchtung aufgebaut ist.

Zweitens:

Der Weg (tariq) der Theologen (mütekellim), der sich auf Möglichkeiten (imkan) {Gott ist der Urewige, von dem alle Möglichkeiten, Veränderungen, Ereignisse und Geschehnisse ihren Ausgang nehmen.} und das Geschehen (huduth) stützt.

Diese beiden Wege (asil) haben zwar im Qur'an ihren Ursprung, da das menschliche Denken sie jedoch in eine andere Form gebracht haben, sind sie länger und schwieriger

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geworden und blieben daher auch nicht von Zweifeln (auham) verschont.

Drittens:

Der Weg (meslek) der Weisen (hükema), der mit Zweifeln übersät ist.

Viertens und zu allererst:

Die Himmelfahrt {das ist der Weg, den der Qur'an uns führt} des Qur'an, welche der Qur'an uns in seiner Beredsamkeit (belaghat) mit seinen erhabenen (ulvi) Stufen (Schritt für Schritt) empor führt und dabei hinsichtlich der Flüssigkeit seiner Sprache der prächtigste und hinsichtlich seiner Geradlinigkeit der kürzeste Weg ist und hinsichtlich seiner Eindeutigkeit die ganze Menschheit anzusprechen vermag. Außerdem gibt es vier Mittel, um zu diesem Thron emporzusteigen: Eingebung (ilham), Übung (talim), Läuterung (tasfiye) und Verständnis (nazar-i fikri).

Der Weg (tariq) des Qur'an ist von zweierlei Art:

Erstens:

Der Beweis der Güte und Ergebnisse (delil-i inayet ve gayet), sodass alle Ayat des Qur'an, welche die Nutzanwendungen der Dinge aufzählen, diesen Beweis anführen und diese Zeugnisse zusammenstellen. Die Essenz dieser Beweise ist die Vollendung in der Kunst (ittikan-i san'at) und die Beachtung der Zweckmäßigkeit und der Zusammenhänge bei der vollkommenen Ordnung (nizam-i ekmel) der Schöpfung (kainat). Das beweist jedoch den Zweck und die Weisheit (hikmet) des Schöpfers und verneint grundsätzlich jeden Zweifel über einen Zufall. Denn eine solche Vollendung (ittikan) kann nicht ohne Wille (ihtiyar) sein. Während alle Naturwissenschaften (fünun-u ekvan), welche die Zeugen der Ordnung sind, die Zweckmäßigkeit und die Früchte, die an den Ringen der Ketten allen Seins hängen, und Zusammenhänge und Nutzbarkeiten, welche in den Falten und Knoten der Umwandlungen der Umstände (inkilabat-i ahval) sich nicht verstecken können, zeigen, legen sie sicheres Zeugnis für die Absicht (qasd) und die Weisheit (hikmet) des Schöpfers (Sani') ab.

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Zum Beispiel: Die Zoologie (fenn-i hayvanat) und die Botanik (fenn-i nebatat), so wie sie das Geschehen des Anfangs von über 200.000 Arten als ihre Väter und Adams bezeugen (shehadet), machen bekannt und zeigen die vorgestellten und angenommenen Gesetze (kavanin) und die natürlichen Ursachen, die blind sind und über kein Bewusstsein verfügen, indem sie keine Fähigkeit haben, so viele Staunen erregenden Ketten und die Furcht einflössenden einzigartigen Maschinen Gottes, die diese Ketten bilden und Einzelpersonen genannt werden, zu erschaffen und aufzubauen, dass jede einzelne wie jede Gattung unabhängig aus der Hand der Macht (dest-i qudret) des allweisen Schöpfers (Sani'-i Hakiem) kommen.

Der ehrwürdige Qur'an sagt:

فَارْجِعِ الْبَصَرَ هَلْ تَرَى مِنْ فُطُورٍ

{"Wende noch einmal deinen Blick! Erkennst du irgendeinen Fehler?" (Sure 67, 3)}

Im Qur'an findet sich der Beweis der Güte (delil-i inayet) in der vollkommensten Hinsicht unter den möglichen Hinsichten (vudjuh-u mümkin). So wie der Qur'an den Befehl erteilt über den Kosmos nachzudenken (kainatta tefekkure emir), setzt sich dieses Zeugnis der Güte (burhan-i inayeti) in den Gedanken fest durch die Forderungen wie

اَوَلاَ يَعْلَمُونَ ٭ اَفَلاَ يَعْقِلُونَ ٭ اَفَلاَ تَتَذَكَّرُونَ ٭ فَاعْتَبِرُوا

{"Wissen sie denn nicht ?" (Sure 2, 77) "Verstehen sie denn nicht?" (Sure 36, 68) "Denken sie denn nicht darüber nach?" (Sure 10, 3) "Zieht daraus eine Lehre!" (Sure 59, 2)}

um die Abschnitte der Ayat, die die Vorteile erwähnen und die Gnadengaben (nimet) aufzählen, und ihre Abschlüsse überwiegend dem Verstand zu überlassen und dem Gewissen zur Beurteilung zuzuleiten.

Zweites Zeugnis des Qur'an:

Das ist der Beweis der Neuerschaffung ("Delil-i Ihtira"). Zusammenfassung:

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Jeder Gattung und jedem einzelnen in der Schöpfung wird ein Körper (vudjud) gegeben, der dieser Gattung oder diesem einzelnen Wesen angemessene spezielle Funktionen ermöglicht und der Vervollkommnung ihrer natürlichen Anlagen (istidad-i kemal) dient. Es gibt überhaupt keine Art, die auf eine Kettenreaktion von Ewigkeit (müteselsil-i ezeli) her zurückgeführt werden könnte. Eine (Vielfalt von) Möglichkeiten lässt dies nicht zu. Es gibt keine Umkehrung der Tatsachen (Inkilab-i haqiqat). Aus der Kreuzung zweier Tierarten kann kein fortpflanzungsfähiges Produkt (silsile) hervorgehen. Die Entstehung der Arten (tahavvül-ü esnaf) ist eine Ausnahme von der Umkehrung der Tatsachen (inkilab-i haqaiq). Da aber nun das, was (die Forscher) Materie (madde) nennen, eine Form hat, die sich zwar verändert (suret-i müteghayyire), sich jedoch aus der sich stets verändernden Bewegung der Ereignisse (harekat-i mütehauvile-i hadithe) nicht isolieren kann, steht es für sie fest (muhaqqaq), dass es sich hier um eine Entwicklung (huduthu) handeln muss. Kräfte (quvvet) und Formen (suret) können all die vielen ihrem Wesen nach verschiedenen (mübayenet-i djevheriye) Arten nicht durch eine rein äußerliche (a'raziyet) Einflussnahme entstehen lassen. Was nur von Außen (a'raz) kommt, kann das Wesen (djauher) der Arten nicht verändern; das heißt, alle Arten, ihre Unterarten und die unterschiedlichen Eigenschaften all ihrer Äußerlichkeiten (a'razi) entstehen zwangsläufig aus dem absoluten Nichts (adem-i sirf). Die Fortpflanzung bei der Kettenreaktion gehört also zu den einfachen angenommenen Gesetzen.

Wie merkwürdig! Wie kommt es denn nur, dass diejenigen, welche die Urewigkeit (ezeliyet), welche die offensichtliche zwangsläufige Notwendigkeit (lazime-i zaruriyei beyyinesi) dessen darstellt, der da notwendiger Weise sein muss (Vadjib-ul Vudjud), nicht in ihre Vorstellungswelt integrieren können, statt dessen die Urewigkeit der Materie, die in jeglicher Hinsicht der Urewigkeit entgegengesetzt ist, sehr wohl in ihre Vorstellung integrieren können?

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Und wie kommt es denn außerdem, wo doch dieser gewaltige Kosmos (kodja kainat), der gegen die Hand der Macht (desti tasarruf-u qudret), die Verfügungsgewalt hat, keinen Widerstand leisten kann, dennoch diese winzig kleinen, so unscheinbaren Atome, eine so fürchterliche Festigkeit erworben haben sollten, der vernichtenden Hand der Macht des Urewigen (qudret-i ezeliye) widerstehen können? Wie kommt es zudem, dass die Neubildung (ibda') und Erschaffung (idjad), welche die Eigenschaft der Macht des Urewigen (qudreti ezeliye) ist, ohne jeglichen vernunftgemäßen Zusammenhang den ohnmächtigsten (adjiz) und hilflosesten Ursachen zugeschrieben (isnad) wird?

So gestaltet der ehrwürdige Qur'an diesen Beweis in den Köpfen der Menschen mit den Ayat, die davon handeln, wie die Dinge erschaffen (khalq) und ins Dasein gerufen wurden (idjad). Der wahre Wirker (Muessir-i haqiqi) ist Gott (Allah) einzig und allein. Die Wirksamkeit haben in Wahrheit (tesir-i haqiqi) nicht die Ursachen. Die Ursachen sind Schleier der Würde und der Größe des Allmächtigen (izzet ve azameti qudret), sodass die Hand der Macht (dest-i qudret) in der äußerlichen Betrachtung des Verstandes mit nichtswürdigen Dingen nicht in Verbindung gebracht werden kann. So hat ein jedes Ding seine zwei Seiten. Die eine ist das Reich Gottes (mulk), das der (kostbaren) Rückseite eines Spiegels gleicht. Alle Gegensätze kommen dort zustande. Sie erscheint manchmal als hässlich, manchmal als böse, manchmal als nichtswürdig oder manchmal auch als großartig. Die Ursachen finden sich auf dieser Seite. Die Darstellung der Größe Gottes (Izhar-i azamet) und die Würde Seiner Macht (izzet-i qudret) erfordern es so.

Die andere Seite ist die Seite der Engelwelt (melekutiyet). Sie ist mit der eigentlichen Seite eines Spiegels vergleichbar. Diese Seite ist in jedem Fall stets schön. Auf dieser Seite haben die Ursachen keine Wirkung. Die Allgegenwart Gottes (vahdet) erfordert dies so. Da das Leben (hayat), der Geist (ruh), das Licht (Nur) und das Sein (vudjud) auf beiden Seiten klar und schön sind, kommen sie

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sowohl auf der Seite des Reiches (mulk) als auch auf der Seite der Engelwelt (melekut) unmittelbar aus der Hand der Allmacht Gottes (dest-i qudret).

Viertes Zeugnis:

Dies ist die mit Bewusstsein begabte Natur (fitrat-i zishuur), die man auch als das Gewissen des Menschen (vidjdan-i besher) bezeichnet. Bei diesem Zeugnis muss man vier Anmerkungen in Betracht ziehen:

Erstens:

Die Natur (fitrat) lügt nicht. So sagt z.B. der Wille in einem Kern, zu wachsen und zu gedeihen (meyelani nümuv): "Ich werde eine Ähre tragen. Ich werde Frucht bringen." Und so sagt er die Wahrheit. So liegt z.B. in einem Ei der Wille, zu leben (meyelan-i hayat). Er sagt: "Ich werde zu einem Huhn." Mit Gottes Erlaubnis (biiznillah) wird es dies. Und so sagt es die Wahrheit. So sagt z.B. ein klein wenig Wasser, wenn es den Willen hat, zu gefrieren (meyelan-i inbisati) und sich auf diese Weise auszudehnen: "Ich werde mehr Platz einnehmen." Das feste Eisen kann das nicht abstreiten. Die Richtigkeit seines Wortes sprengt das Eisen. So ist dieser Wille (meyelan) eine Erscheinung und ein Funke der Befehle des Seins (evamir-i tekviniye), die dem Willen Gottes (irade-i Ilahiye) entstammen.

Zweitens:

Außer den fünf äußeren und inneren Sinnen (havas) gibt es für den Menschen noch sehr viele weitere Fenster, die sich nach der unsichtbaren Welt (alem-i ghayb) öffnen. Er hat noch sehr viele Sinne, die er gar nicht bewusst (Ghayr-i mesh'ur), wahrnimmt. Gleich wie er Gehör, Gesicht, Geschmack besitzt, so hat er auch noch viele weitere Sinne, von denen der echte sechste Sinn (hissi sadise-i sadiqa) den Menschen intuitiv (saika) führt, während der siebte Sinn (den Menschen auf dem rechten Weg) blitzartig (hiss-i sabia-i barika) erleuchtet (shaika). Dieser Weg der Intuition (shauk) wie besonders der Weg der Erleuchtung (sauk) kennt keine Unwahrheit und führt niemals in die Irre.

Drittens:

Etwas nur Vorgestelltes kann nicht die Quelle einer rein äußerlich wahrnehmbaren Tatsache (haqiqat) sein.

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In der menschlichen Natur (fitrat) und in seinem Herzen (vidjdan) sind der Stützpunkt (nokta-i istinad) und der Punkt (nokta-i istimdad) von dem um Hilfe gebeten (nasta'in) wird, zwei kategorische Wahrheiten (haqiqat-i zaruriye). Der Geist des Menschen (ruh-u besher), der eine Art Sublimat (safvet) der gesamten Schöpfung (khilqat) und der ehrwürdigste (mukerrem) in ihr ist, wird ohne diese beiden Punkte zum niederträchtigsten und elendesten Geschöpf, wohingegen die Weisheit (hikmet), Wohlordnung (nizam) und Vollkommenheit (kemal) im Kosmos diese Möglichkeit zurückweist.

Viertens:

Auch wenn der Verstand (aql) versagt und seinen Schöpfer (Sani) nicht beachtet, kann das Herz (vidjdan) Ihn dennoch nicht vergessen. Und selbst wenn es sich selbst (nefs) verleugnet, erkennt es Ihn dennoch, denkt an Ihn, schaut nach Ihm aus. Intuition, die ein blitzschnelles, rasches Begreifen ist, versetzt es ständig in Bewegung, die Inspiration (ilham), welche die Steigerung der Intuition ist, erleuchtet (tenvir) es ständig. Dabei führt (sevkeder) der Wunsch (arzu), der die Steigerung der Neigungen (meyelan) ist und die Begeisterung, welche deren Steigerung ist und die Liebe zu Gott (ashk-i Ilahi), die wiederum deren Steigerung ist, es stetig zur Erkenntnis Seiner Majestät (marifet-i Dhu-l'Djelal). Dieses sich angezogen fühlen (indjizab), das im Wesen des Menschen (fitrat) begründet ist, hat seinen Ursprung in der Anziehungskraft einer anziehenden (djezbi) Wahrheit (haqiqat-i djazibedar).

Nachdem du diese Anmerkungen zur Kenntnis genommen hast, wende dich nun deinem Herzen (vidjdan) zu, welches dein innerer Zeuge (burhan-i enfusi) ist! So wie das Herz (qalb) das Leben bis in alle Ecken und Enden des Leibes verbreitet (neshr-i hayat), so wirst du auch sehen, dass die Erkenntnis des Schöpfers (marifet-i Sani), der die Quelle des Lebens (uqde-i hayati) im Herzen ist, die weitverzweigten Hoffnungen und Wünsche (amal), welche den unzähligen Fähigkeiten des Menschen (istidadat-i insaniye) entsprechen, das Leben verbreitet (neshr-i hayat).

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Sie entzündet die Freude (lezzet) im Herzen, lässt es wachsen und gedeihen und verleiht ihm seinen zeitlichen und ewigen Wert. Das ist der Punkt, von dem aus wir um Hilfe (nokta-i istimdad) rufen dürfen.

Die einzige Säule, die der Welt (alem) gegen Tausende Unglücke und Streitigkeiten, welche in der Arena des Kampfes und jeglicher Auseinandersetzung lauern und in dem Wirrwarr des Lebens (daghdagha-i hayat) angreifen, einen Halt bietet (nokta-i istinad), ist wiederum die Erkenntnis des Schöpfers (marifet-i Sani).

Wenn (das Herz) nicht an den Allweisen Schöpfer (Sani'-i Hakiem) glaubt, der alles in Weisheit (hikmet) und Wohlordnung tut, sondern (die Dinge) bedenkenlos dem blinden Zufall überlässt, und meint, dass es mit seiner eigenen Kraft (qudret) diesen Plagen nicht gewachsen ist, stürzt es in der Tat, ob es will oder nicht, in einen höllischen, herzzerreißenden Zustand (hal), gebildet aus Einsamkeit, Entsetzen, Panik und Furcht. Das aber würde voraussetzen, dass der Geist des Menschen (ruh-u insaniye), der doch der ehrwürdigste und edelste in der Schöpfung (eshref ve ahsen-i mahlukat) ist, elendiglicher wäre als alles andere in ihr. Das aber widerspricht der vollkommenen Wohlordnung im Kosmos (intizam-i kamil-i kainat) und der vollendeten Ordnung (nizam-i ekmel) darin. Da jedoch eine derartige Vorherrschaft (hukum-ferma) in der Weltordnung (nizam-i alem) aufgrund des Punktes, von dem aus um Hilfe gebeten wird (nokta-i istimdad), und aufgrund dieser Säule (nokta-i istinad) einzig und allein eine Eigenschaft des Wesens aller Dinge (haqiqat-i nefs-ul emriye) ist, lässt der majestätische Schöpfer (Sani'-i Dhu-l'Djelal) seine Erkenntnis durch diese beiden Punkte, welche zwei Fenster in jedem Herzen (vidjdan) sind, ständig im Herzen des Menschen (qalb-i besher) erscheinen. Auch wenn der Verstand seine Augen verschließt, ist das Auge des Herzens (vidjdan) allezeit offen.

Wie der majestätische Schöpfer (Sani'-i Dhu-l'Djelal) durch das sichere Zeugnis (kat'i shehadet) dieser vier gewaltig

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großen Beweise (burhan-i azim) derjenige ist, der notwendigerweise da sein muss (Vadjib-ul Vudjud), urewig (Ezeli), allgegenwärtig (Vahid), eins (Ferd) und einzigartig (Ahad), unwandelbar (Samad), allwissend (Alim), allmächtig (Qadir), allwollend (Murid), allhörend (Semi'), allsehend (Basir), allberedt (Mutekellim), lebendig (Hayy) und beständig (Qayyum) ist, so ist Er auch der Herr (in allem Glanz) Seiner Majestät (djelal) und Schönheit (djemal). Denn es steht fest, dass die Fülle aller Vollkommenheit (feyz-i kemal) in einem Kunstwerk (masnu) von dem Schatten der Erscheinung (zill-i tedjelli) des Künstlers (Sani) abgeleitet ist, das heißt, mit all dem, was auch immer sich im Kosmos an Schönheit und Harmonie (hüsn-ü djemal) und an Vollkommenheit (kemal) findet, ist auch der majestätische Schöpfer (Sani'-i Dhu-l'Djelal) auf einer weit höheren Ebene und in einem weit über alle Grenzen größeren Maß an Eigenschaften Seiner Schönheit (djemal) und Vollkommenheit (kemal) versehen. Denn so wie ein Geschenk (ihsan) der Beweis dafür ist, dass es ein Vermögen gibt (fer'i ve delil), der Ruf nach einem Dasein (idjad) das Sein (vudjud), ein Erfordernis (idjab) die Notwendigkeit (vudjub), jede Verschönerung (tahsin) die Schönheit (hüsün), die Beleuchtung (tenvir) das Licht (Nur) voraussetzt, so ist alle Schönheit und Vollkommenheit im ganzen Kosmos im Vergleich zu der Vollkommenheit (kemal) und Schönheit (djemal) des majestätischen Schöpfers (Sani'-i Dhu-l'Djelal) nur ein Schatten des Schattens und sein Zeugnis (zill-i zalil ve burhan).

Des Weiteren ist der majestätische Schöpfer (Sani'-i Dhul'Djelal) frei von allen Fehlern. Denn Fehler entstehen aus dem Unvermögen, das im Wesen der Materie (mahiyet-i maddiyat) liegt. Der Herr in Seiner Majestät (Dhat-i Dhul'Djelal) ist frei und rein von Materie. Außerdem ist Er heilig (muqaddes) und frei von allen Eigenschaften und Notwendigkeiten, die aus dem Wesen des Möglichen (mahiyati mümkine) des Kosmos mit seinen Gegensätzen entstehen.

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لَيْسَ كَمِثْلِهِ شَىْءٌ جَلَّ جَلاَلُهُ سُبْحَانَ مَنِ اخْتَفىَ لِشِدَّةِ ظُهُورِهِ سُبْحَانَ مَنِ اسْتَتَرَ لِعَدَمِ ضِدِّهِ سُبْحَانَ مَنِ احْتَجَبَ بِاْلاَسْبَابِ لِعِزَّتِهِ

{"Nichts ist Ihm ähnlich. Sein Glanz und Seine Majestät sind und waren um Ihn. Gepriesen sei der, der sich hinter der Macht und Gewalt Seiner Erscheinung verbirgt. Gepriesen sei der, der uns hinter der Abwesenheit Seines Gegenteils verborgen bleibt. Gepriesen sei der, der die Ursachen zum Schleier Seiner Würde macht."}

Frage:

Wie soll man die Einheit allen Seins (vahdet-ul vudjud) betrachten?

Antwort:

Sie ist eine Ekstase in der Einheit (Tauhidde istighrak) und ein glückseliger Zustand in der Einheit (tauhid-i zauki), der sich jeder naturgemäßen Betrachtungsweise entzieht. Im Grunde genommen (führt uns der Weg) von der Einheit der Herrschaft Gottes (tauhid-i rububiyet) und der göttlichen Einheit (tauhid-i uluhiyet) zu dem glückseligen Zustand in der Einheit in einer gewaltigen Ekstase (tauhidde zevken shiddet-i istighrak) und zur Einheit der Macht Gottes (vahdet-i qudret), das heißt:

لاَ مُؤَثِّرَ فِى الْكَوْنِ اِلاَّ اللّٰهُ

{"Es gibt im Kosmos keinen, der alles bewirkt, außer Gott."}

(Und weiter führt uns der Weg) über die Einheit in der Verwaltung des Kosmos (vahdet-i idare) und unser eigenes Zeugnis in der Wahrnehmung der Einheit in allem Sein (vahdet-ush'shuhud) und endet schließlich in der Betrachtung der Einheit in allem Sein (vahdet-ul vudjud), dem Sein an sich (vudjud) und dem, der das Sein Selbst (maudjud) ist. Zu einer derartchwn Schlussfolgerung kann man jedoch nicht mit den sinnbildlichen Sprüchen (shatahati) der Forscher unter den Sufis (Muhaqqiqin-i Sofiye) gelangen. Wenn ein Geist (ruh), der den Bereich der Ursachen nicht durchbrechen, nicht aus ihm heraustreten, sich seiner Wirkung nicht entziehen kann, über die Lehre der Einheit im Sein (vahdet-ul vudjud) plaudert, so überschreitet er seine Grenzen. Diejenigen, die davon plaudern, beschränken ihre Blicke

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auf den einzig notwendigerweise Seinden (Vadjib-ul Vudjud) so sehr, dass sie sich (aus der Welt) des Möglichen zurückziehen und (ihre Blicke) nur noch auf das Sein (vudjud), ja sogar nur noch auf den einzig Seinden (maudjud) richten. Obwohl das Ergebnis in dem Beweis zu sehen, in der Welt (alem) den Schöpfer (Sani) zu bezeugen (mushahede), hinsichtlich des ekstatischen Weges (tariq-i istighrakkarane) in den Kanälen der Schöpfung (djedavil-i ekvan) den Fluss der Erscheinungen Gottes (djereyan-i tedjelliyat-i Ilahiye), die Verbreitung des Segens (sereyan-i fuyuzati) in der spirituellen Natur (melekutiyet) der Dinge und die Erscheinungen der Namen und Eigenschaften Gottes im Spiegel allen Seins (maudjudat) zu sehen, Wahrheiten (haqiqat) sind, die in der Tat nur meditativ (zauk) erfasst werden können, haben sie diese, weil es ihnen an Worten mangelt, als göttliches Geschenk (uluhiyet-i sariye) und Geschenk des Lebens (hayat-i sariye) bezeichnet. Da die Denker (ehl-i fikir) diese meditativ wahrnehmbare Wahrheit (haqaiq-i zevkiye) dem Maß ihres Verstehens angepasst haben, wurde sie zur Quelle vieler irriger Vorstellungen. Die Einheit im Sein (vahdet-ul vudjud), welche die Philosophen (hükema), in ihrer Verehrung der Materie (maddeperver), und Theoretiker (ehl-i nazar) in ihrer mangelhaften Überzeugung (daif-ul itikad) vertreten, und die Einheit im Sein (vahdet-ul vudjud), welche die Heiligen (Auliya) erkennen, sind einander völlig entgegengesetzt. Sie unterscheiden sich voneinander in fünf verschiedenen Hinsichten:

Erstens:

Die Forscher unter den Sufis (Muhaqqiqin-i Sofiye) haben ihre Aufmerksamkeit (hasr-i nazar) so sehr auf den notwendig Seinden (Vadjib-ul Vudjud) beschränkt, sich so sehr in Ihn versenkt und auf Ihn allein so viel Wert gelegt, dass sie um Seinetwillen die Existenz des Kosmos (kainatin vudjudu) verleugnet haben. Die Philosophen (hükema) und diejenigen mit nur mangelhafter Überzeugung (daif-ul itikad) haben ihre Aufmerksamkeit so sehr auf die Materie beschränkt und sind so verblendet, dass sie sich

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von dem Gedenken der Gottheit (fehm-i uluhiyet) bereits entfernt haben. Ja sie haben der Materie einen solchen Wert beigemessen und sind damit in die Irre gegangen, bis sie um sich herum nur noch Materie sahen, ihr sogar Göttlichkeit (uluhiyet) zugeschrieben und sich am Ende um des Kosmos willen dieser Gottheit (uluhiyet) entledigt haben.

Zweitens:

Die Einheit im Sein (vahdet-ul vudjud), welche die Forscher unter den Sufis (Muhaqqiqin-i Sofiye) erkennen, umfasst die Einheit des Bezeugten (vahdet-ush shuhud). Die Einheit im Sein (vahdet-ul vudjud) der zweiten (Gruppe) aber umfasst nur die Einheit allen Seins (vahdet-ul maudjud).

Drittens:

Der Weg (meslek) der ersten (Gruppe) folgt ihrer meditativen Wahrnehmung (zauk), der Weg der zweiten (Gruppe) folgt ihren wissenschaftlichen Erwägungen (nazari).

Viertens:

Die erste Gruppe betrachtet vor allem und in der Hauptsache die Wahrheit (haqq) und die Schöpfung erst auf den zweiten Blick. Die zweite Gruppe betrachtet jedoch vor allem und in der Hauptsache einzig das Geschaffene.

Fünftens:

Die erste Gruppe sind die, welche Gott anbeten, der sie auf den rechten Weg führt (Hüdaperest). Die zweite Gruppe sind die, welche nur sich selbst anbeten (hodperest).

اَيْنَ الثَّرٰى مِنَ الثُّرَيَّا وَاَيْنَ الضِّيَاءُ السَّاطِعُ مِنَ الظُّلْمَةِ الدَّامِسَةِ

{"Wo ist die Erde (der einen)? Wo ist das Siebengestirn (der anderen)? Wo ist das klare Licht (ziya) der einen, weit entfernt von der alles verschlingenden Finsternis (der anderen)?"}

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Erleuchtung

Zum Beispiel: Stellt man sich einmal vor, dass die Erdkugel aus verschiedenen kleinen Glasstückchen bestünde, so wird jedes von ihnen entsprechend seiner Farbe, seiner Größe und seiner Form seine Gabe (feyz) von der Sonne mit einer anderen Eigenschaft empfangen. Was aber diese Gabe (feyz) von der Sonne betrifft, die wir uns vorgestellt haben, so ist diese weder die Sonne selbst noch gleicht sie ihrem Licht (ziya). Nun aber angenommen, die Farben dieser verschiedenen bunten Blumen, welche Spiegelbilder des Lichtes (ziya), Gestalten ihrer sieben Farben und ein Widerschein der Sonne sind, könnten sprechen, so würde jede von ihnen sagen: "die Sonne gleicht mir.", oder: "Die Sonne, das bin ich."

آنْ خَياَلاَتِى كِه دَامِ اَوْلِيَاسْتْ ٭ عَكْسِ مَهْرُويَانِ بُوسْتَانِ خُدَاسْتْ

{"Es sind die Träume, welche eine Falle für die Heiligen sind. Sie sind eine Widerspiegelung der Blumen im Garten Gottes."}

Die Art und Weise (meshreb) der Leute, welche die Einheit des Bezeugten (ehl-i vahdet-ush'shuhud) erkennen ist aufmerksam sein und wach werden. Die Art und Weise der Leute, welche die Einheit im Sein (ehl-i vahdet-ul vudjud) erkennen, ist hingegen Selbstaufgabe und Trunkenheit. Die sichere Art und Weise ist jedoch die Art der Leute, die wachsam und aufmerksam sind.

تَفَكَّرُوا فِى اٰلآٰءِ اللّٰهِ وَ لاَ تَفَكَّرُوا فِى ذَاتِهِ فَاِنَّكُمْ لَنْ تَقْدِرُوا ٭ حَقِيقَةُ الْمَرْءِ لَيْسَ الْمَرْءُ يُدْرِكُهَا فَكَيْفَ كَيْفِيَّةُ الْجَبَّارِ ذِى الْقِدَمِ ٭ هُوَ الَّذِى اَبْدَعُ الْاَشْيَآءَ وَ اَنْشَأَهَا فَكَيْفَ يُدْرِكُهُ مُسْتَحْدَثُ النَّسَمِ

{"Denkt über die schönen und erhabenen Gnadengaben Gottes nach! Denkt nicht über Sein Wesen nach, denn dazu reicht eure Energie nicht aus. Die Wahrheit des Menschen ist nicht das, was der Mensch von ihr verstanden hat. Wie will er das Innere des Allgewaltigen erfassen, der da von Ewigkeit zu Ewigkeit besteht? Er ist es, der die Dinge erschaffen, geformt und gebildet hat. Wie kann denn der Mensch Ihn begreifen, der doch erst nach Ihm seinen Anfang nahm?"}

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Der zweite Teil dieser Abhandlung: "Punkt (Nokta)" betrifft die Wiederauferstehung (hashir), die Engel (melaike) und die Beständigkeit des Geistes (beqa-yi ruh). Da die in ihnen enthaltenen Wahrheiten (haqiqat) bereits in den wunderbaren (keramet) Abhandlungen: "Neunundzwanzigstes Wort" und "Zehntes Wort" in überaus prächtiger Weise erklärt worden sind, wollen wir sie hier nicht einreihen, sondern lediglich auf sie hinweisen. Was den dritten Abschnitt betrifft, so besteht er aus vierzehn Lektionen und ist unter dem Titel "Erste Tür zum Licht (Nur'un Ilk Kapisi)" auch schon separat erschienen.

Said Nursi
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Buchgebet

بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ
يَا اَللّٰهُ ٭ يَا رَحْمٰنُ ٭ يَا رَحِيمُ ٭ يَا فَرْدُ ٭ يَا حَىُّ ٭ يَا قَيُّومُ ٭ يَا حَكَمُ ٭ يَا عَدْلُ ٭ يَا قُدُّوسُ

{"Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Allerbarmers." "Oh Gott! Oh Barmherziger! Oh Allerbarmer! Oh Einzigartiger! Oh Lebendiger! Oh Unwandelbarer! Oh Gerechter! Oh Heiliger!"}

Um Deines Gewaltigen Namens willen und um der Ehre des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, und um der Würde Deines ehrenwerten Gesandten willen, mit dem Friede und Segen sei, geleite diejenigen, welche dieses Buch gedruckt haben, ihre gesegneten Helfer und die Schüler der Risale-i Nur zur Ewigen Glückseligkeit in den Gärten des Paradieses. Amin. Verleihe ihnen immerwährenden Erfolg im Dienste am Glauben und am Qur'an. Amin. Und schreibe ihnen für jeden Buchstaben dieses Buches tausendmal Gutes in das Buch ihrer Guten Taten. Amin. Und gewähre ihnen Ausdauer, Stetigkeit und Aufrichtigkeit in der Verbreitung der "Licht"-Abhandlungen. Amin.

Oh Barmherziger Allerbarmer!... Schenke allen Schülern der Risale-i Nur Glück und Zufriedenheit in Beiden Welten. Amin. Beschütze sie vor der Bosheit des Teufels in Dschinnen- und Menschengestalt. Amin. Und verzeihe diesem schwachen und hilflosen Said seine Fehler. Amin...

Im Namen aller Nur-Schüler
Said Nursi