ist, als ob ein jedes Ding alles in der Welt erschaffene in seinen Dienst stellte. Wolltest du also nun diesen verborgenen Herrn nicht anerkennen, dann müsstest du alle die Meisterschaft, die Kunstfertigkeiten, Vollkommenheiten, die wir in allem Geschaffenen, in den Steinen, in der Erde, den Tieren und den Menschen finden, (Stück für Stück) jedem einzelnen Ding zuschreiben. So müssten also an Stelle des allein wunderwirkenden Herrn, (an den zu glauben dir) weit davon entfernt (erscheint,) vernünftig zu sein, Milliarden von Wundertätern da sein, die gleich Ihm und zugleich einander entgegengesetzt und dennoch einander gleich und wiederum ineinander zu finden sein sollten, sodass diese Ordnung nicht zerstört werde und die Welt nicht in Unordnung gerate. Würden sich jedoch in diesem Riesenreich auch nur zwei Finger (eines fremden Partners von außen) einmischen, (geriete alles) durcheinander. Denn wo zwei Schulzen in einem Dorf, zwei Meister auf einer Burg, zwei Könige in einem Reich wären, bringen sie alles durcheinander. Wie also wäre es denkbar oder möglich, dass es unzählige absolute Herrscher geben könnte!?
Fünfter Beweis
Oh du argwöhnischer Freund! Komm nun und achte auf die Kunstwerke dieses Schlosses, alle die Schönheiten dieser Stadt, die ganze große Ordnung in diesem Reich und denke über alle die wundervollen Werke in dieser Welt nach! Wäre die Feder des verborgenen Herrn, der so wunderbar und meisterhaft ist, nicht am Werke und müsste man also die Kunstwerke anderen unbedachten Ursachen, blindem Zufall und den tauben Kräften der Natur zuschreiben, so wäre es auch notwendig, dass in diesem Reich selbst jeder Stein und jedes Kraut ein so wundervoller Schreiber, ein so außerordentlicher Kalligraph sein müsste, dass er in einen einzigen Buchstaben tausend Bücher hineinschreiben und in einem einzigen Ornament Millionen von Kunstwerken zusammenfassen
könnte. Denn sieh einmal wie sich in jedem dieser Steine die Kunstwerke des ganzen Schlosses, die Gesetze zur Verwaltung einer ganzen Stadt, das Programm zur Gestaltung eines großen Reiches wiederfinden. Das aber heißt, dass die Verfertigung solcher Kunstwerke ebenso wunderbar ist wie die Gestaltung des großen Reiches. Wenn das aber so ist, dann ist auch jedes Schmuckstück, jedes Kunstwerk gleich einer Verkündigung oder einem Siegel dieses verborgenen Herrn.
{(Anmerkung): Eine Anspielung auf den Menschen als die Frucht am Baume der Schöpfung und zugleich auch auf eine Frucht, die das Programm und Inhaltsverzeichnis dieses ihres Baumes in sich trägt. Denn was die Feder der Macht im großen Buche der Welt geschrieben hat, davon hat sie auch eine Zusammenfassung in den einzelnen Menschen hineingeschrieben. Was auch immer die Feder der Bestimmung in einen Baum, groß wie ein Berg, hineingeschrieben hat, das hat sie auch in seiner Frucht, nicht größer als ein Fingernagel, zusammengefasst...}
Da es aber nun einmal keinen Buchstaben geben kann, der nicht auf seinen Schreiber hinwiese, ein kunstvoll gestaltetes Schmuckstück, das nicht auch seinen Designer bekannt machte... wie könnte es dann sein, dass der Designer, der in einen einzigen Buchstaben ein ganzes großes Buch hineingeschrieben hat, in einem einzigen kunstvoll gestalteten Schmuckstück tausend Kunstwerke zusammengefasst hat, nicht durch Sein Buch und durch dieses Schmuckstück zu erkennen wäre...
Sechster Beweis
Komm, wandern wir über diese weite Ebene!
{(Anmerkung): Eine Anspielung auf das Antlitz der Erde im Frühling und im Sommer. Denn hunderttausende verschiedener Arten von Geschöpfen werden untereinander vermengt und vermischt, gleichzeitig erschaffen und auf der Erdoberfläche eingetragen. So werden sie ohne alle Mängel und Fehler in vollkommener Ordnung ausgetauscht. Tausende von Tafeln des Allbarmherzigen werden gedeckt und wieder aufgehoben, wieder und wieder neu gedeckt. Jeder Baum gleicht einem Kellner, jedes Beet einem Speisekessel.}
Siehe, da ist inmitten dieser Ebene ein hoher Berg. Da wollen wir
hinaufsteigen, damit wir die ganze Umgebung betrachten können. Außerdem wollen wir gute Fernrohre mitnehmen, die uns alle Dinge in greifbare Nähe rücken. Denn in diesem wunderbaren Land geschehen wunderbare Dinge, ereignet sich in jeder Stunde, was die Vernunft übersteigt. Sieh nun! Es verwandeln sich plötzlich die Berge, die Ebenen und die Städte. Und wie sie sich verwandeln! Das geschieht auf folgende Weise: Millionen untereinander vermengter, vermischter Dinge werden in vollkommener Ordnung umgewandelt. Es findet da eine ganz erstaunliche Verwandlung statt. Es ist, als würden Millionen verschiedener Stoffe gleichzeitig am selben Ort gewebt werden. Siehe, jetzt sind alle die uns wie Blumen und Blüten lieb gewordenen und vertrauten Dinge verschwunden und an ihre Stelle sind in bester Ordnung andere, ihnen dem Wesen nach ähnliche, der Substanz nach aber verschiedene, neu gebildete getreten. Es ist, als glichen diese Berge und Ebenen einer Seite, auf die hunderttausende verschiedener Bücher geschrieben würden. Ja sie werden sogar ohne Fehler und Mängel geschrieben. So ist es denn hundertfach unmöglich, dass diese Dinge aus sich selbst entstanden sein sollten. Ja es ist sogar tausendmal unmöglich, dass diese in so unendlichem Grade kunstvollen und mit so viel Aufmerksamkeit gestalteten Dinge aus sich selbst entstanden sein könnten. Stärker als ihre eigene (Existenz) beweisen sie die ihres Meisters. Zudem ist der, welcher dies alles vollbringt, der Herr, der allein Wunder tut und sie mühelos tut. Tausend Bücher zu schreiben ist für Ihn genau so leicht, wie einen einzigen Buchstaben zu schreiben. Darüber hinaus siehe auch wie Er alles mit einer solchen Weisheit an seinen rechten Platz stellt und so freigiebig allen Seine Güte erweist, wie es ihnen zukommt. Des Weiteren öffnet Er allen huldvoll Türen und Tore,
ihnen allen ihre Wünsche befriedigend. Des Weiteren bereitet Er ihnen allen ihre Tische so freigiebig, dass alle Völker Seines Reiches und auch die Tiere ihren Tisch finden, jedes nach seiner Art und Gattung, ja sogar jeder einzelne aus Seiner Huld einen Tisch mit seinem eigenen Namen und Zeichen empfängt. Könnte es also in dieser Welt etwas geben, was noch unvorstellbarer wäre, als dass unter diesen Dingen, die wir hier sehen, Dinge rein zufällig sein könnten, oder sinnlos oder nutzlos, oder dass sich verschiedene Hände (in ihre Verwaltung) einmischen könnten, dass ihr Meister nicht aller Dinge mächtig wäre, oder sie Ihm nicht dienstbar wären!? Nun denn, mein Freund! Wenn du nun noch dazu in der Lage bist, versuche doch noch einen Einwand dagegen vorzubringen!
Siebenter Beweis
Nun komm, mein Freund! Lassen wir nun die Einzelheiten und wollen wir stattdessen das Verhältnis der einzelnen Bestandteile dieser wunderbaren Welt zueinander betrachten, welche die Gestalt eines Schlosses hat. Siehe nun: In dieser Welt geschehen alle Dinge, vollziehen sich die großen, allgemeinen Umwandlungen in einer Ordnung von so hohem Grade, dass alle Steine, die Erde und die Bäume und alle Dinge, die wir in diesem Schloss (und in seinen Gärten) vorfinden, jede für sich wie selbständig handelnd, die ganze, umfassende Ordnung in dieser Welt beobachten und sich im Einklang mit ihr bewegen. Dinge, die am weitesten voneinander entfernt sind, eilen einander zu Hilfe. So siehe denn: Aus der unsichtbaren Welt kommt eine Karawane gezogen.
{(Anmerkung): Hier werden die Bäume und all die übrigen Pflanzen mit Karawanen verglichen, die allen Tieren ihre Nahrung bringen.}
Ihre Tragtiere sind die Bäume und alle die übrigen Pflanzen, ja selbst die Berge, sie tragen ein Tablett mit Speisen auf
ihren Köpfen. Siehe nun: Sie bringen den verschiedenen Tieren, die auf dieser Seite (= dem Diesseits) warten, ihre Nahrung. Und siehe weiter: Jene gewaltige elektrische Lampe in der Kuppel (des Schlosses) spendet ihnen Licht und kocht ihnen zugleich auch all ihre Speisen auf das Beste.
{(Anmerkung): Jene gewaltige elektrische Lampe ist eine Anspielung auf die Sonne.}
Man braucht nur die Speisen, die wie von unsichtbarer Hand an einem Strick befestigt zu sein scheinen, zum Kochen vor sie zu halten.
{(Anmerkung): Was den Strick und die daran befestigten Speisen betrifft, so sind dies die kleinen Zweige der Bäume, an denen die wohlschmeckenden Früchte hängen.}
Und siehe nun weiter, wie dort vor diesen armen, schwachen, kraftlosen und hilflosen Jungen (der Tiere) kleine mit köstlicher Nahrung gefüllte Säckchen herabhängen, Brunnen gleich, an denen sich diese kraftlosen Geschöpfe nur noch mit ihrer Schnauze festzusaugen brauchen.
{(Anmerkung): Die Säckchen sind eine Anspielung auf die Zitzen der Muttertiere.}
Alle Dinge in dieser ganzen Welt helfen einander, als wären sie für einander bestimmt, reichen einander die Hand, als könnten sie einander erkennen und verstehen. Um sich einander zu vervollkommnen, stehen sie zueinander Schulter an Schulter. Sie stärken einander den Rücken und arbeiten zusammen. Du kannst nun alle Dinge heranziehen, um sie damit zu vergleichen! Die Anzahl der Beispiele ist nicht zu zählen... So zeigen denn alle diese oben angeführten Beziehungen und Verhältnisse mit der gleichen Sicherheit, mit der zwei mal zwei vier ist, dass dem Meister dieses wunderbaren Schlosses, d.h. dem Herrn dieser einzigartigen Welt, alle Dinge dienstbar sind. Jedes Ding arbeitet nach Seinem Willen. Alle Dinge gleichen Soldaten, die bereit sind, Ihm zu dienen. Alle Dinge laufen (wie ein Geschäft, eine Maschine) durch Seine Kraft. Alle Dinge bewegen sich auf Seinen Befehl. Alle Dinge werden in Seiner Weisheit geordnet. Alle Dinge helfen einander
mit Hilfe Seiner Freigiebigkeit (d.h. des Menschen Hilfe kommt von Gott). Alle Dinge eilen in Seiner Barmherzigkeit einander zu Hilfe, d.h. sie werden durch sie in Bewegung gesetzt. Nun denn, mein Freund, wenn du nun noch dazu in der Lage bist, versuche doch noch ein Wort dagegen vorzubringen!
Achter Beweis
Komm, oh du mein unvernünftiger Freund, der du dich, gleich meiner Seele (nefs), selbst für klug hältst! Da willst du den Herrn dieses prächtigen Schlosses nicht anerkennen. Dabei weist doch jedes Ding auf Ihn hin, tut Ihn kund, legt für Ihn Zeugnis ab. Wie kannst du das Zeugnis all dieser Dinge leugnen! Doch in diesem Fall musst du auch dieses Schloss leugnen und sagen: "Die Welt gibt es gar nicht. Dieses Land gibt es nicht." und leugne dich selbst und dann löse dich selbst in Nichts auf! Oder aber komm zur Vernunft und höre mich an! So siehe denn: Es gibt in diesem Schloss einheitliche Elemente, Stoffe,
{(Anmerkung): Die Elemente, Stoffe, die so zahlreiche Aufgaben in bester Ordnung erfüllen und mit Erlaubnis ihres Herrn allen Bedürftigen zu Hilfe eilen und auf göttlichen Befehl überall hineindringen, ihnen Unterstützung bringen, alles Lebensnotwendige herstellen und alle Lebewesen damit ernähren, welche Quelle, Mutter und Wiege der Gewebe und aller Muster göttlicher Kunstwerke sind, spielen auf die vier Elemente: Luft, Wasser, Licht und Erde an.}
die dieses Schloss und das ganze Land erfüllen und es zugleich umschließen. Alle Dinge, die in diesem Lande hergestellt werden, sind offensichtlich aus diesen Stoffen gemacht. Das aber heißt, wem diese Stoffe gehören, dem gehören auch alle Dinge, die daraus verfertigt werden. Wem der Acker gehört, dem ist auch die Ernte. Wem das Meer gehört, dem ist auch alles, was darinnen ist. Und weiter siehe: alle diese gewebten Stoffe, diese mit kunstvollen Mustern angefertigten Tücher werden alle aus der gleichen Materie (z.B. aus Wollfäden) hergestellt.
Derjenige, der das Ausgangsmaterial herbeischafft, es vorbereitet und sodann zu Fäden verspinnt, ist offensichtlich ein und derselbe. Denn diese Arbeit duldet keinen Partner. Da dies aber so ist, sind alle diese kunstvoll gewebten Stoffe Sein Eigentum. Und weiter siehe: alle diese hier gewebten und verfertigten Stoffe aller Art finden sich überall im ganzen Land. Alle diese Kinder von der gleichen Art sind so verbreitet, dass sie alle gleichzeitig miteinander, nebeneinander, in gleicher Weise hervorgebracht werden. Das aber heißt, dass dies die Tätigkeit eines einzigen Herrn ist, auf einen einzigen Befehl in Gang gesetzt wird. Anderenfalls wäre es unmöglich, dass sie in ein und der selben Zeit auf gleiche Art, auf die selbe Weise, übereinstimmend in Aufbau und Form miteinander harmonieren könnten. Da dies aber so ist, weisen alle diese kunstvoll gestalteten Dinge als eine Verkündigung jenes verborgenen Herrn auf Ihn allein hin. Es ist, als sagte jeder einzelne dieser geblümten Stoffe, jede kunstvolle Maschine, jeder wohlschmeckende Bissen als Siegel dieses wundertätigen Herrn, Sein Stempelabdruck, Sein Kennzeichen, als das Mal Seiner Spur unausgesprochen: "Ich bin das Kunstwerk dessen, welcher auch der Eigentümer der Kisten und der Besitzer der Kaufläden ist, in denen ich mich befinde." Und ein jedes Muster spricht: "Ich bin ein Muster, eingewebt in das Tuch dessen, der das Tuch und sein Muster und den ganzen Ballen Stoff gewebt hat." Jeder wohlschmeckende Bissen spricht: "Der mich zubereitet hat, ist auch derjenige, dem der Topf ist, in dem ich mich befinde." Jede Maschine spricht: "Der mich gebaut hat, ist auch derjenige, der im ganzen Lande alle die gebaut hat, die mir gleichen und der uns überall im ganzen Lande herstellt. Das heißt, Er ist auch der Eigentümer des Landes und der König dieses Reiches. Da dies aber so ist, kann nur der, dem das ganze Land gehört und welcher der Herr jenes Schlosses ist, unser Herr und Besitzer sein." Um z.B. ein einziges Koppelschloss oder einen einzigen Uniformknopf besitzen zu können, wäre es notwendig, alle Fabriken zu besitzen, die sie herstellen, um deren
tatsächlicher Besitzer zu sein. Man würde (diese Dinge) sonst einem zivilen Angeber aus der Hand nehmen, ihm sagen, dass sie Militärgut sind, und ihn deswegen bestrafen.
Die Elemente dieses Landes sind Stoffe, die im ganzen Lande vorkommen. Auch ihr Besitzer kann nur ein Einziger sein, der Herr, dem auch das ganze Land gehört. So weisen denn die Kunstwerke, die im ganzen Reich verbreitet sind, da sie einander gleichen und die selbe Prägung tragen, ja alles, was sich überall im ganzen Lande findet, darauf hin, dass sie Kunstwerke eines einziges Herrn sind, der über alle Dinge herrscht.
Nun denn mein Freund! Es gibt nun einmal in diesem Lande, d.h. in jenem prächtigen Schloss, ein Merkmal der Einheit, ein einheitliches Siegel. Denn ein Teil der Dinge ist einfach und allumfassend. Ein anderer hingegen weist, obwohl sich (die Dinge einander) gleichen und sich überall finden, dennoch eine Einheit in seiner Art auf. Was diese Einheit betrifft, so weist sie immer auf den Einen hin. Das also heißt, dass sein Meister, sein Eigentümer, sein Herr, sein Erbauer ein und derselbe sein muss. Darüber hinaus achte nun auch darauf, wie hinter dem Schleier des Unsichtbaren ein Seil hervortritt.
{(Anmerkung): Das Seil ist eine Anspielung auf einen fruchttragenden Baum. Die tausenden von Fäden auf seinen Ästen und Zweigen und die an ihnen hängenden Diamanten, Orden, Gaben und Geschenken spielen auf die verschiedenen Arten von Blumen und Sorten von Früchten an.}
Siehe, wie sodann tausende von Fäden aus ihm hervor wachsen. Betrachte die Enden der Fäden: An ihnen sind Diamanten, Orden, Gaben und Geschenke angebunden. Sie bieten jedem das ihm entsprechende Geschenk an. Ja weißt du denn nicht, was für ein törichtes Verhalten es ist, einen solchen Herrn, der hinter einem so einzigartigen Schleier vor dem Unsichtbaren so wunderbare Gaben und Geschenke für Seine Geschöpfe hervorbringt, nicht anzuerkennen und Ihm nicht zu danken. Wolltest du Ihn jedoch nicht anerkennen, so wärest du ja gezwungen
zu sagen: "Diese Fäden bringen an ihren Enden von selbst Diamanten und andere Geschenke hervor und bieten sie uns an." Dann aber müsste man auch einem jeden Faden die Bedeutung eines ganzen Königreiches zuschreiben. Dabei macht doch eine unsichtbare Hand vor unseren Augen diese Fäden und befestigt an ihnen die Geschenke. Das aber heißt, dass jedes Ding in diesem Schloss weit mehr auf jenen wundertätigen Herrn hinweist als auf sich selbst. Erkennst du Ihn nicht an, wirst du durch eine solche Leugnung all dieser Dinge hundertfach unter das Tier hinabsinken.
Neunter Beweis
Komm nun, mein Freund, der du nicht recht zu urteilen weißt! Du glaubst nicht an den Herrn dieses Schlosses und willst auch gar nicht an Ihn glauben. Denn das liegt dir fern. Da Seine Kunstwerke und Seine Taten so wunderbar sind, dass sie die Vernunft übersteigen, verirrst du dich zu deren Leugnung. Doch das, was dir wirklich fern liegt und was eigentlich schwierig für dich ist, die wahren Probleme und all die fürchterliche Mühsal entsteht daraus, dass du nicht an Ihn glaubst. Denn wenn wir an Ihn glauben, wird alles, was mit diesem Schloss, dieser Welt zu tun hat, so leicht, als handele es sich dabei nur um eine einzige Sache, wird ganz einfach. Darin findet sich die Quelle dafür, dass alles auf dem Markt so billig und so reichlich vorhanden ist. Wenn wir nicht an Ihn glauben und es Ihn gar nicht gäbe, dann würde jede einzelne Angelegenheit ebenso schwierig sein, wie sämtliche Angelegenheiten dieses ganzen Schlosses. Denn jedes einzelne Ding ist genauso kunstvoll wie das ganze Schloss. So bliebe dann nichts mehr, was noch billig und reichlich vorhanden wäre. Nichts mehr von den Dingen, die wir hier sehen, würde noch in unsere Hand, ja in niemandes Hände mehr gelangen. So betrachte denn nur
einmal die hier an diesen Fäden hängenden Vorratspäckchen.
{(Anmerkung): Diese Vorratspäckchen sind eine Anspielung auf die Geschenke der Barmherzigkeit (Gottes) wie Zucker- und Wassermelonen und die Granatäpfel, die Vorratsbehältern aus der Macht (Gottes) gleichen und die Kokosnüsse, welche natürliche Milchdosen sind.}
Kämen sie nicht aus der Küche Seiner verborgenen Wunder, könnten wir sie nicht sogar gegen ein ganzes Vermögen erwerben, obwohl sie doch jetzt für ein paar Münzen zu haben sind.
Alles, was uns so fern liegt, alle Schwierigkeiten, Probleme, ja Katastrophen und alles, was unmöglich ist, entsteht in der Tat daraus, dass wir nicht an Ihn glauben. So bekommt ein Baum seine Lebenskraft aus einer einzigen Wurzel, entsprechend einem einzigen Gesetz, aus ein und dem selben Boden. Die Gestaltung tausender von Früchten geschieht demnach mit der gleichen Leichtigkeit wie die einer einzigen Frucht. Wenn die Früchte dieses Baumes mit jeweils einem anderen Platz, einer anderen Wurzel, einem jeweils unterschiedlichen Gesetz verbunden wären, würde die Gestaltung jeder einzelnen Frucht genauso schwierig werden, wie die des ganzen Baumes. Auch die Ausrüstung eines ganzen Heeres von einer einzigen Zentrale aus, einem einzigen Gesetz entsprechend und durch eine einzige Fabrik geschieht trotz einer großen Zahl (Soldaten) genauso leicht wie die Ausrüstung eines einzigen Soldaten. Erfolgte aber die Ausrüstung und Versorgung jedes einzelnen Soldaten an ganz verschiedenen Orten, so müssten für die Ausstattung jedes einzelnen Soldaten ebenso viele Fabriken vorhanden sein, wie man für die Ausrüstung eines ganzen Heeres benötigt.
Den beiden Beispielen entsprechend gilt: Es ist in diesem wohlverwalteten Schloss, in dieser vollkommenen Stadt, in diesem blühenden Land, in dieser prachtvollen Welt die Erschaffung all dieser Dinge, wenn man sie auf einen einzigen Herrn zurückführt, ebenso einfach, geschieht
mit der selben Leichtigkeit, dass in ihr die Ursache dafür zu finden ist, dass (alles) so unendlich billig und reichlich und in solcher Fülle vorhanden ist. Anderenfalls wären alle Dinge mit so vielen Kosten und Schwierigkeiten verbunden, dass man nichts davon erhalten könnte, gäbe man auch die ganze Welt dafür.
Zehnter Beweis
Komm nun, mein Freund, der du ein wenig zur Einsicht gelangt bist! Seit fünfzehn Tagen sind wir jetzt hier.
{(Anmerkung): Die fünfzehn Tage sind eine Anspielung auf fünfzehn Lebensjahre und damit das Alter zur Eigenverantwortlichkeit im Glauben.}
Wenn wir die Anordnungen dieser Welt nicht kennen und ihren König nicht anerkennen, haben wir eine Strafe verdient. Es bleibt uns keine Entschuldigung mehr. Denn fünfzehn Tage lang ist man (als habe man uns eine Frist gesetzt) nicht an uns herangetreten. Doch sind wir sicherlich nicht ohne Auftrag hier. Inmitten dieser so empfindlichen, kunstvollen, schönen, harmonisch gestalteten und lehrreichen Kunstwerke können wir nicht wie Tiere umherlaufen und sie beschädigen und dürfen sie auch gar nicht beschädigen. Denn sicherlich ist auch die Strafe, die Seine Majestät, der König dieses Reiches verhängt, fürchterlich. Dass dieser Herr, welch mächtiger Herr Er in Seiner Majestät ist, mögt ihr schon daraus ersehen, dass Er diese riesengroße Welt lenkt und leitet, als sei sie ein Schloss und sie sich drehen lässt wie ein Schöpfrad. Er lenkt dieses große Reich so wie man einen Haushalt leitet, ohne dass dabei irgendwelche Mängel in Erscheinung treten. Siehe also, wie Er dieses Schloss, diese Stadt, dieses Land von Zeit zu Zeit in vollkommener Ordnung füllt und in vollkommener Weisheit wieder leert, so wie man eine Schale füllt und sie wieder leert. So wie man eine Tafel deckt und sie wieder aufhebt, so bringt Er in Seinem Riesenreich landauf, landab mit verborgener
Hand der Reihe nach die verschiedensten Speisen, deckt damit die unterschiedlichsten Tafeln, lädt dazu ein und hebt sie wieder auf.
{(Anmerkung): Diese Tafeln sind eine Anspielung auf das Antlitz der Erde im Sommer, wenn hunderte von immer wieder frischen und immer wieder anderen Tafeln des Allbarmherzigen aus der Küche Seiner Erbarmung immer wieder neu gedeckt werden. Jedes Beet ist wie ein Kessel (in dieser Küche) und jeder Baum gleicht einem Diener (an einem dieser Tische)}.
Er hebt die eine auf und deckt schon wieder die nächste. Auch du kannst das beobachten und wenn du Verstand hast, kannst du verstehen, welch großzügige Gastfreundschaft sich hinter Seiner furchtbaren Majestät verbirgt. Und weiter siehe, wie alle diese Dinge Zeugnis für das Königreich ihres verborgenen Herrn und Seine Einheit ablegen. In gleicher Weise legen auch alle diese Umwandlungen und Veränderungen, (die vor unseren Augen vorüberziehen,) so wie Karawane um Karawane (vor unseren Augen) herangezogen kommt und vorüberzieht und so wie uns in der Tat (Blüten, die zu Früchten heranreifen,) Tisch um Tisch decken und danach die Tafel wieder aufheben, (wonach sich dann im Frühjahr mit Samen und Knospen der Kreis) wieder schließt, für Dauerhaftigkeit, Beständigkeit und Ewigkeit des Herrn ein Zeugnis ab. Denn zugleich mit allen vergänglichen Dingen vergeht auch ihre Zeit und mit ihr alles, was sie hervorgebracht hat.
Nach ihnen entsteht jedoch all das, was wir ihnen zugeschrieben hatten, wiederum neu. Das also heißt, dass nicht (diese vergänglichen Dinge) jene Werke hervorgebracht haben, es vielmehr die Werke dessen sind, (dessen Stern niemals sinkt und) der keinen Untergang kennt. Wenn des Stromes Wellen vergehen, der Glanz auf den ihnen nachfolgenden Wellen jedoch der gleiche ist wie der (Glanz der) ihnen vorangegangenen (Wellen), so wird daraus ersichtlich, dass (die Sonne), die ihnen Glanz verleiht, die (wahre) Herrin jenes hohen Lichtes ist, welches (das Wechselspiel aller Wellen) bescheint. So zeigt auch der rasche Wechsel aller Dinge und (der Umstand,
dass) alle Dinge nach ihnen wieder die gleiche Farbe erhalten, dass dies eine Manifestation, ein Schmuck, ein Abbild, ein Kunstwerk des einen und ewigen Herrn ist, für den es nicht (Ende noch) Untergang gibt...
Elfter Beweis
Komm oh Freund! Ich will dir nun noch einen Beweis vor Augen führen, einen, der die gleiche Überzeugungskraft hat wie alle zehn vorangegangenen. Komm! Dort drüben in der Ferne ist eine Halbinsel. Wir wollen an Bord eines Schiffes gehen und hinüberfahren!
{(Anmerkung): Das Schiff ist die Geschichte und die Halbinsel das Glückliche Zeitalter des Propheten. An der dunklen Küste dieses Zeitalters legen wir diese einem mehr ärgerlichen als bürgerlichen Leben gemäße Kleidung ab und segeln an Bord des Schiffes der Geschichte über das Meer der Zeit zur Halbinsel des Glücklichen Zeitalters und gehen dort auf der Arabischen Halbinsel an Land, um den zu besuchen, auf den die ganze Welt stolz (Fahr-i Alem, mit dem Frieden und Segen sei) ist. Während wir ihn bei der Erfüllung seines prophetischen Auftrages betrachten, erkennen wir, welch strahlendes Zeugnis der Einheit Gottes er ist, sodass er das Erdenrund von einem Ende zum anderen und auch Vergangenheit und Zukunft, die beiden Gesichter der Zeit erhellt und die Finsternis des Unglaubens und des Irrweges vertreibt.}
Denn dort müssten die Schlüssel zu dieser verwunschenen Welt sein. Denn alle schauen nach dieser Halbinsel aus, richten auf sie ihre Erwartungen und erhalten von dort ihre Weisungen. Auf also, fahren wir hinüber! Wir sind also nun auf der Halbinsel angelangt. Siehe, dort findet eine mächtige Versammlung statt. Alle großen des Reiches scheinen sich da zu einer bedeutsamen Feier versammelt zu haben. Merke gut auf! Dort ist der Fürst, der Präsident dieser gewaltigen Versammlung. Komm, lass uns noch etwas näher herzutreten! Wir wollen diesen Fürsten kennen lernen!
Sieh doch, welch berühmte Auszeichnungen
{(Anmerkung): Die tausend Orden sind die Wunder des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, deren Zahl nach Ansicht von Kennern und Forschern an die tausend erreicht.}
er hat, und die mehr als tausend Orden, die er trägt! Und wie mächtig er im Wort ist! Und wie angenehm ist dennoch seine Gesellschaft und die Unterhaltung mit ihm! Ich habe in diesen fünfzehn Tagen ein wenig von dem erfahren, worüber er spricht. Nun magst auch du es von mir lernen. Siehe, er spricht von dem wundertätigen König dieses Landes. Er sagt: "Jener ruhmreiche König hat mich zu euch gesandt." Siehe, er wirkt solche Wunder, dass kein Zweifel mehr daran bleibt, dass er der auserwählte Diener und Gesandte des Königs ist. Beachte nun, dass nicht nur die Geschöpfe dieser Halbinsel seinem Wort lauschen, er vielmehr auf wunderbare Weise alle im Land dazu bringt, ihn zu vernehmen. Denn von nah und fern bemüht sich jeder seine Rede hier zu hören. Ihm hören nicht nur die Menschen zu, sondern auch die Tiere, ja siehe, sogar die Berge hören die Befehle, die er erteilt, und sie erbeben. Jene Bäume begeben sich an den ihnen angewiesenen Platz. Wo immer er es will, da bringt er Wasser hervor. Ja seine Finger spenden sogar wie eine Mutter und tränken gleich dem Kauthar (-strom des Paradieses). Aus ihm lässt er lebensspendendes Wasser trinken. Siehe, die große Leuchte
{(Anmerkung): Die große Leuchte ist der Mond, welcher durch ein Zeichen von ihm in zwei Teile gespalten wurde. Das heißt, wie Maulana Djami (1415-96) sagt: Jener, des Schreibens unkundige, der niemals etwas geschrieben hatte, schrieb mit seinem Finger ein Elif (ein arab. Buchstabe, der die Form eines "I" hat) an den Himmel wie mit einer Feder auf ein Blatt und machte so aus einer "40" zwei "50". Das heißt, der Mond sah vor der Spaltung wie ein Mim (arab. Buchstabe "M"; seine Form ist rund und sein Zahlwert gleich "40") aus, nach der Spaltung waren zwei Sicheln entstanden wie zwei Nun (arab. Buchstabe "N"; sein Wert ist "50")}
dort oben an der hohen Kuppel des Schlosses, die doch ein Ganzes ist, spaltet sich auf ein Zeichen von ihm in zwei Hälften. Das heißt, dass
das ganze Land mit allem, was darinnen ist, seinen Weisungen nachkommt. Sie horchen und gehorchen ihm, als wüssten sie: er ist "der erwählte und wahrhaftige Wortführer des verborgenen und wunderwirkenden Herrn, der Herold Seines Reiches, der Erschließer Seiner tiefen Geheimnisse (tilsim) und ein vertrauenswürdiger Gesandter, der Seine Befehle verkündet." So sagen denn alle vernünftig denkenden an seiner Seite zu jedem Wort, das er spricht: "Ja, so ist es richtig und recht." und bestätigen ihn damit. Ja sogar die Berge und die Bäume im Lande und die große Lampe, die alle Länder erleuchtet, sprechen wie ihr Haupt seinen Winken und Befehlen neigend: "Ja, das ist in der Tat so."
{(Anmerkung): Die große Lampe ist die Sonne. Einmal schlief der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, und hatte dabei sein Haupt in den Schoß Imam Alis, mit dem Gott zufrieden sein möge, gebettet, der dadurch sein Nachmittagsgebet versäumte. Da drehte sich die Erde in der Gegenrichtung wieder zurück und brachte die Sonne wieder zum Vorschein. Durch dieses Wunder vermochte er sein Gebet noch in der Zeit zu verrichten.}
Nun denn, oh du verblendeter Freund! Wäre es denn überhaupt möglich, dass sich irgendeine Art von Falsch oder Verlogenheit in den Attributen seines wunderwirkenden Herrn fände, die er mit ganzem Nachdruck erwähnt, und in den Befehlen, die er übermittelt, da er eine so lichtvolle, würdevolle und durchaus ernstzunehmende Persönlichkeit ist, geschmückt mit tausend Orden aus des Königs eigener Schatulle und bestätigt von allen Würdenträgern im Lande? Sollte darin eine Unwahrheit möglich sein, so müsste man auch sowohl die Existenz als auch den Sinn dieses Schlosses, seiner Lichter und der dort versammelten (Würdenträger) bestreiten. Wenn du es also jetzt noch vermagst, dann strecke einmal den Finger deiner Einwendungen dagegen aus und siehe, wie dein Finger unter der Macht der Beweise zerbricht und sich dir ins eigene Auge bohrt...
Zwölfter Beweis
Nun komm also mein Bruder, der du nun schon ein wenig zur Vernunft gekommen bist! Über die gesamte Kraft der oben angeführten elf Beweise hinaus will ich dir nun noch einen weiteren Beweis zeigen. So siehe denn hier diesen leuchtende Erlass (fes an), der von oben herabgekommen ist und den jeder entweder mit Staunen oder mit Ehrfurcht, jedoch mit größter Aufmerksamkeit betrachtet.
{(Anmerkung): Der leuchtende Ferman ist eine Anspielung auf den Qur'an und das Siegel darauf bestätigt ihn als ein Wunder.}
Diese mit tausend Orden ausgestattete Persönlichkeit hält des Sultans Ferman in seinen Händen und erklärt allem Volk seinen Sinn. Siehe, die Abfassung dieses Fermans ist so glanzvoll, dass er die bewunderungsvollen Blicke aller auf sich lenkt und er erwähnt so ernste und bedeutende Fragen, dass jeder ihm sein Ohr leihen muss. Denn er erklärt nacheinander alle die Werke und Taten, die Befehle und auch die Qualitäten seines Herrn, der über dieses ganze Land regiert, der dieses Schloss geschaffen hat und alle diese wunderbaren Dinge hier hervorbringt. Siehe, wie dem ganzen Werk dieses Fermans das große Siegel aufgeprägt ist, wie zugleich auch jede Zeile, jeder Satz ein solch unnachahmliches Siegel trägt! So ist auch in dem Sinn, den Wahrheiten, Weisungen und Weisheiten, denen er Ausdruck verleiht, je eine Ihm eigentümliche Gestaltung in Form eines geistigen Stempels zu sehen, so wie er nur Ihm allein entspricht.
Dieser Große Ferman weist klar wie die Sonne auf Seinen Großen Herrn hin, sodass ein jeder, der nicht gerade blind ist, das erkennen kann...
Wohlan denn mein Freund! Wenn du nun zur Einsicht gekommen bist, so sollte dir dies genügen... Solltest du aber noch etwas zu sagen haben, dann sage es nun. Da gab jener hartnäckige Mann zur Antwort: "Ich kann zu diesen deinen Beweisen nur sagen: Dank sei Gott, ich glaube! Und nun glaube ich mit dem strahlenden Glanz
der Sonne und der Klarheit des lichten Tages: Der König dieses Landes ist ein einziger in Seiner Vollkommenheit (Kemal). Der Herr (Sahib) dieser Welt ist ein einziger in Seiner Majestät (Djelal). Der Meister, der dieses Schloss erbaut hat, ist ein einziger in Seiner Vollendung (Djemal). (Dies) nehme ich (fest als meinen Glauben) an. Möge Gott mit dir zufrieden sein, weil du mich von meiner alten Verbohrtheit und von meinen Torheiten errettet hast. Jeder einzelne deiner Beweise hätte alleine schon ausgereicht, um diese Wahrheit aufzuzeigen. Ich wartete jedoch noch und hörte dir noch weiter zu, weil sich mit jedem Beweis, den du erbracht hast, die Schichten der Erkenntnis und die Blütenkelche des Wissens in noch größerem Wohlgeruch und immer reicherer Schönheit entfalteten und die Fenster zur göttlichen Liebe sich zu noch höherem Wohlgefallen, zur Fülle des Lichtes und der Güte geöffnet haben."
Dieses Gleichnis, das auf die Große Wahrheit der Einheit (tauhid) und den Glauben an Gott hinweist, ist hier zum Abschluss gekommen. Nun wollen wir mit dem Segen des Erbarmers, aus der Fülle des Qur'an und dem Lichte des Glaubens, aus der Sonne der wahren Einheit (tauhid) zwölf Strahlen (lem'a) und eine Einführung in Ergänzung dieser zwölf Beweise in Form des obigen Gleichnisses aufzeigen.
{"Und von Gott kommen aller Erfolg und die Rechtleitung."}
Dr. Mustafa Hilmi Ramazanoglu
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei; und fürwahr; es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist; Der Friede (Selam) Allahs sei über euch, Sein Erbarmen und Sein Segen für immer und ewig."}
Der heilige Qur'an, der die geistige Sonne ist, die nie untergeht, am Himmel dieses Kosmos, verbreitet seine Lichter, um die bei der Erschaffung geschriebenen Verse des großen Buches der Schöpfung lesbar zu machen und ihr Wesen zu zeigen. Indem er den Verstand des Menschen erleuchtet, zeigt er ihm den rechten Weg. Jeder Mensch kann also den Sinn seiner Erschaffung, die Wünsche seiner natürlichen Veranlagungen und das Ziel seines Lebensweges durch das Licht dieser Sonne der rechten Leitung (des Qur'an) sehen und erkennen. Diejenigen, die die Erscheinung dieses Lichtes der Rechtleitung empfangen, erwerben eine Nähe, indem sie entsprechend der Fähigkeit ihres Herzens Ihm (Allah - Gott) als einen Spiegel dienen. Das Wesen der Dinge und der tiefere Sinn des Lebens tritt durch dieses Licht in Erscheinung und wird nur durch dieses Licht offenbar, verständlich und bekannt. Der heilige Qur'an, der die Lichter der geistigen Rechtleitung der urewigen Sonne repräsentiert, lässt die Wahrheit und Wirklichkeit mit dem Auge des Verstandes und des Herzens erkennen. Diejenigen, die von seinem Licht entfernt bleiben, verharren in der Finsternis. Denn alles wird nur durch das Licht offenbar, verständlich und erkennbar. Die lichtvolle Erscheinung des ehrwürdigen Qur'an, der die geistige und immerwährende Sonne dieser Wahrheit ist, empfängt die geistige Körperschaft der Risale-i Nur, die in diesem unseren Jahrhundert mit dem Titel "das Licht" genannt wird. Es sind die Lichter, welche wie eine Projektion auf die Glaubenswahrheiten richten für diejenigen
mit der Fledermausnatur, die die Finsternis nicht verlassen wollen, die durch den Schlaf in Gottvergessenheit ihren Tag zur Nacht machen, die nach Ausschweifungen süchtig sind, deren Verstand in ihre Augen gerutscht ist, deren Augen durch ihren Aufenthalt in der Finsternis nicht sehen können, und diejenigen, die von ihrem Weg abgeirrt sind, und welche den rechten Weg denjenigen zeigen, die nicht völlig blind sind. Die Lichter der Risale-i Nur schlagen die Keule des "Lichtes" auf die Leute des Unglaubens und auf die Häupter der Ungläubigen und sagen: Ihr sollt entweder euren Verstand beiseite lassen und so zu einem Tier werden oder kommt zur Besinnung und werdet so zu einem Menschen! Da das Wissen ein Licht ist, wollen wir kurz auf einige Beweise hinweisen, die zeigen, dass die Risale-i Nur mit dem Wissen vollkommen vertraut ist:
Erstens:
Wir sollen uns daran erinnern, dass die Risale-i Nur nicht die anderen Bücher, sondern nur den ehrwürdigen Qur'an als ihren Meister anerkennt und ihm dient. Wie geschätzt die Risale-i Nur in dieser Hinsicht ist, darüber brauchen wir kein Wort zu verlieren. Wir sagen nur, um in den Augen der Gelehrten den Wert der Risale-i Nur deutlich herauszustellen: Die Risale-i Nur erklärt und beweist in überaus leichter Form auch die ungeklärtesten Fragen, die bis jetzt überhaupt keiner von den Gelehrten vollständig erklären und beweisen konnte, in einer Weise, dass alle, angefangen von der einfachen Volksschicht bis zu der höchsten gebildeten Schicht ihrer Fähigkeit entsprechend verstehen, all ihre Zweifel beseitigen und sich vollständig überzeugen können. Diese Eigenschaft ist nahezu in keinem Werk irgendeines Gelehrten zu sehen.
Zweitens:
Alle "Nur" Werke zeigen in jeder Hinsicht, dass sie Kommentare zu einem Teil der Verse des ehrwürdigen Qur'an und seine geistigen Strahlen sind.
Drittens:
Sie geben den tiefliegensten Bedürfnissen der Menschen mit sicheren Beweisen und Zeugnissen wissenschaftliche Antwort. Zum Beispiel: Sie beweisen
die Existenz Gottes, des jenseitigen Lebens und die weiteren Glaubensgrundpfeiler, indem sie als Übersetzer der Tat und dem Wort eines Stäubchens Ausdruck verleihen. Während unter den berühmtesten islamischen Philosophen wie Ibn Sina (Avicenna), Farabi, Ibn Ruscht (Averroes) in diesen Fragen die ganze Schöpfung als ein Beweis anführen, beweist die Risale-i Nur die selbe Wahrheit durch die Sprache eines Stäubchens oder eines Samenkornes. Wäre es heute möglich ihnen die wissenschaftliche Macht der Risale-i Nur zu zeigen, würden sie sich gleich ihr unterstellen und ihr Schüler werden.
Viertens:
Die Risale-i Nur vermittelt die Kenntnisse, die ein Mensch auch nach jahrelanger Mühe nicht erreichen kann, zusammengefasst in kurzer Zeit.
Fünftens:
Die Risale-i Nur ist ein Mittel, das Wohlwollen Gottes, das das eigentliche Ziel eines Studiums ist, zu erwerben und macht die Kenntnis auf keiner Weise zu einem Werkzeug für weltlichen Nutzen und repräsentiert somit im wahrsten Sinne die erhabenste Aufgabe, der Menschheit zu dienen.
Sechstens:
Die Risale-i Nur ist die Frucht eines starken und heiligen Nachdenkens über den Glauben. Sie dient somit als Sprachrohr und übersetzt das, was wir von der ganzen Schöpfung hören und sehen. Gleichzeitig bringt sie die Erkenntnisse aus dem Glauben zu den Stufen, die durch wissenschaftliche Kenntnisse belegt (ilme-l'yaqin), die augenscheinlich bezeugt ('ayna-l'yaqin) und die selbst erlebt und gelebt (haqqa-l'yaqin) sind.
Siebtens:
Die Risale-i Nur umfasst von den Grundlagen her alle Wissenschaften. Sie ist etwa wie ein verziertes Tuch, welches mit den Fasern des Wissens gewebt ist. Die Risale-i Nur ist eine Sammlung von Leitsprüchen, die kein Wissenschaftler bis heute geäußert hat und die herausstellen, dass sie mit jeder Wissenschaft vertraut ist. Als Beispiel wollen wir hier nur einige davon zitieren und empfehlen denjenigen, die sich von
der ganzen Sammlung eine Vorstellung machen wollen, dass sie in dem Ozean der Risale-i Nur nachlesen.
1.) "Wer die Augen einer Mücke erschaffen kann, der muss auch die Sonne erschaffen haben."
2.) "Wer den Magen einer Wanze konstruiert hat, der muss auch das Sonnensystem konstruiert haben."
3.) "Um einen Atom erschaffen zu können, ist dieselbe unendliche Macht, die auch den ganzen Kosmos erschaffen kann, notwendig. Denn jeder Buchstabe in diesem großen Buch des Kosmos, besonders jeder lebendige Buchstabe hat ein Gesicht, das nach allen Sätzen schaut, und ein Auge, das sie betrachtet."
4.) "Die Natur ist ein spiegelbildlicher Abdruck, aber sie ist nicht der Drucker. Sie ist eine Dekoration, aber nicht der Dekorateur. Sie ist ein reagierendes Objekt und kein agierendes Subjekt. Sie ist eine Lineatur, aber nicht das Lineal. Sie ist eine Ordnung, aber nicht der, der die Ordnung errichtet. Sie ist ein Gesetz, aber nicht der Gesetzgeber. Sie ist eine Gesetzessammlung, die von dem Willen kommt, hat aber überhaupt keine Realität in der sichtbaren Welt."
5.) "So wie die festen, beständigen und natürlichen Gesetze kommt auch der Geist von der Welt des Befehls, von der Eigenschaft des Willens. Die Macht bekleidet ihn mit Empfindungen und macht eine feine Flüssigkeit zu einer Perlmutschale um diesen Edelstein."
Und dergleichen gibt es Tausende Leitsprüche.
{"Der Beständige ist der, der ewig bleibt und besteht."}
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Und mit Seiner Hilfe"}
Dieses Vorwort wurde von einem bedeutenden islamischen Gelehrten aus Medina geschrieben.
In dem Vorwort, das ich über den großen Iqbal geschrieben habe, sagte ich: "Wenn man die Biographie der Großen der Menschheit liest, oder die Sagen und Legenden der Helden und Heiligen erzählt, sich ihr teures Andenken ins Gedächtnis ruft, fühlt man sich in eine andere Welt versetzt. Das Herz wird von der erhabenen Flamme einer ganz reinen Liebe entzündet und von Gottes Segen umhüllt. Die Geschichte weist Menschen von einer solchen Größe auf, dass im Vergleich mit ihnen viele Große klein erscheinen."
Erhebt sich der Geist von der Erde in weiteste Welten...
Aus den Tiefen umhüllt die Seele ein Segen wie von tausend Wohlgerüchen,
Als sei sie durch die Rosengärten des Paradieses hindurchgegangen.
Als ich dieses Vorwort schrieb, fand ich mich von dieser tiefen Wahrheit mit all ihrer Gewalt und Majestät ergriffen. Denn dieses Werk, welches wir unserem verehrten Leser in tiefster Aufrichtigkeit ans Herz legen, berichtet von Bediüzzaman Said Nursi, dem großen Ustadh (Meister),
dem Eroberer der Herzen, in dessen nahezu hundert Jahre währendem Leben sich zu jeder Zeitspanne Tausende von Wundern zeigten, sowie von seinem Gesamtwerk, der Risale-i Nur (Botschaft vom Licht), die aus 130 Einzelwerken besteht und schließlich von den «Nur» - Schülern (Nur; Licht), die durch ihren Charakter, ihre Tugenden, ihre Aufrichtigkeit, ihre Innigkeit, ihren Glauben und ihre Erkenntnis zu jeder Zeitspanne ihres Lebens nicht nur für ein einzelnes Land, sondern für die Menschen der ganzen Welt auch weiterhin ein untadeliges Beispiel geben.
Man sagt, dass dieses Vorwort eine kurze Zusammenfassung des ganzen Buches sei. Aber ist es denn möglich, den Inhalt dieses gewaltigen Buches, in dem jedes Thema so tief und weit gefasst ist, dass man ein eigenes Buch dafür benötigte, in wenigen Seiten zusammenzufassen?
Bis heute habe ich mich angesichts dessen, was meine Wenigkeit in Gedichtform oder Prosa niedergeschrieben hat, noch nie so hilflos und unschlüssig gefühlt. Infolgedessen werden diejenigen, welche dieses Buch mit tiefer Liebe, mit göttlicher Freude und glühender Begeisterung lesen mit Erstaunen feststellen, dass Bediüzzaman ein Gelehrter völlig anderer Art und eine führende Persönlichkeit gewesen ist, die schon seit seiner Kindheit in einer ganz ungewöhnlichen Weise herangewachsen ist und durch die Erscheinung der Namen Gottes ein Leben lang begnadet worden ist.
Nachdem ich diese Persönlichkeit, ihre Werke, ihre Schüler bis in die feinsten Feinheiten hinein untersucht hatte und seine lichte Welt mit meinen Gefühlen, Gedanken, ja meiner Seele in mich aufgenommen hatte, begriff ich, welche profunde Wahrheit in diesem Verse eines großen Dichters der alten Araber enthalten ist, wenn er sagt: "Es ist für Gott, den Gerechten, ein Leichtes diese ganze Welt in einer einzigen Person zu konzentrieren..."
Die Zahl derer, die in den Anziehungsbereich dieses Zentrums des Geistes (Qutub) gelangen, der von seinem
erhabenen Ziel, seiner königlichen Berufung, der gewaltigen Größe seines Glaubens her Segen und Inspiration empfing, wächst von Tag zu Tag.
Dieses erhabene Geschehnis, das den Verstand in Erstaunen versetzt, pflanzt sich fort in den Ungläubigen, indem es sie quält und bei den Gläubigen, indem es sie erfreut und beglückt.
Sehen Sie bitte, was ein bedeutender Mucahid {Mucahid: ein Strebender, ein Sicht-Anstrengender, ein Sich-Bemühender um Gottes Willen und um Gottes Lohn. (A.d.Ü.)} über dieses göttliche Geschehnis schreibt, das in den Herzen der Gläubigen fortlebt, sodass sie sich in ihrem Inneren mit ihm verbunden fühlen. Seine Worte lassen die Herzen in heiliger Begeisterung höher schlagen, wenn er sagt:
"In diesen dunklen Tagen, da sich die stinkenden Abwässer der Unmoral gleich einer Sintflut überall hin auszubreiten beginnen, jede Tugend unter sich erstickend, finden wir Trost, wenn wir sehen, wie der Segen, der von Bediüzzaman ausgeht, jeden Widerstand bricht und die Herzen aller wie ein Sturmwind erobert... Unsere Nächte waren sehr finster geworden und der Morgen nach so finsteren Nächten ist schon nahe herbeigekommen."
Ja, diejenigen, welche gesehen haben, wie sich das Licht gleich einem Geheimnis von Herz zu Herz, jeden Widerstand brechend, mit seinem segensreichen Einfluss in jeder Ecke des Landes verteilt und verbreitet, beginnen seich erstaunt und erschreckt zu fragen: "Wer ist dieser Mann, dessen Ruhm unser Land von allen Seiten her überzieht? Was ist sein Leben, sein Werk, seine Berufung, sein Charakter? Ist der Weg, dem er folgt ein Orden (Tariqat), eine Vereinigung oder eine politische Organisation?"
Nicht nur das. Mit einem Mal begann der Strom schwerer Verfolgungen, peinlicher Untersuchungen, langwieriger, nahezu pausenloser Prozesse, ausgelöst teils direkt von der Regierung, teils von dem Justizministerium, nicht mehr abzureißen... Als sich in der Folge herausstellte,
dass es sich hierbei lediglich um eine Gründung von "Glaube und Erkenntnis" handelte, welche die göttlichen Manifestationen im Lande der Herzen errichtet hatte, manifestierte sich auch die Gerechtigkeit in göttlicher Weise folgendermaßen: "Es ergeht das Urteil: Bediüzzaman wird mit allen seinen Werken freigesprochen." Dies wurde öffentlich bekannt gegeben. So zeigte sich schließlich sonnenklar, dass der Geist über die Materie, die Wahrheit über den Irrtum allezeit, das Licht über die Finsternis, der Glaube über den Unglauben allezeit siegen wird. Diese Wahrheit ist göttliches Gesetz vor allen anderen, unveränderbar von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Man sagt, der wahre Maßstab, zu prüfen, ob Wesen und Wirklichkeit eines Reformers, in welcher Atmosphäre auch immer er erscheinen mag, echt und aufrichtig sind, bestehe darin, die Unterschiede festzustellen, die sich aus den Veränderungen im persönlichen und öffentlichen, körperlichen und seelischen Leben zwischen dem ersten Tage ergeben, an dem er mit seiner Verkündung begonnen hatte, bis zu dem Tage, wo er seine Verbesserungen erfolgreich durchsetzen konnte.
Zum Beispiel; da ist ein Mann, der ist in den ersten Tagen unaufdringlich, hochherzig, selbstlos, bescheiden, kurz eine makellose Persönlichkeit ersten Ranges, also ein wahres Beispiel von Anstand und Charakter. Sehen wir, ob er, nachdem er mit seinen Bemühungen zum Erfolg gelangt ist und sich die Gefühle, Hoffnungen und Herzen ihm zugewandt haben, sich noch immer seine frühere makellose und beispielhafte Haltung bewahren konnte? Oder glaubt er etwa in seinem Siegestaumel wie so viele, die man als groß ansieht, dass ihm der Raum zwischen Himmel und Erde zu eng geworden sei?
Dies also ist der reinste Spiegel, der das absolut wahre Gesicht irgendeines großen oder kleinen Trägers von Ziel und Aufgabe zurückwirft, Wesen und Wirklichkeit, seine Persönlichkeit und seinen wahren Charakter.
Im Verlauf der Geschichte waren es zunächst die Propheten insbesondere der Fürst aller Propheten, mit dem Friede und Segen sei, unser Herr, sodann seine Nachfolger,
die Kalifen und seine Bundesgenossen, die Ssahabis, sodann die großen Persönlichkeiten, die ihrer lichtvollen Spur gefolgt sind, die das königliche Beispiel derer geben, welche die große Prüfung bestanden haben.
{"Die Gelehrten sind die Nachfolger der Propheten."}
In dieser Ehrwürdigen Überlieferung bringt unser Prophet in seiner so wunderbar klaren Art zum Ausdruck, dass es keineswegs eine leichte Sache ist, ein Gelehrter zu werden.
Weil also nun ein Gelehrter der Erbe der Propheten ist, muss er auch, wenn er Recht und Wahrheit lehren und verbreiten will, genau dem gleichen Weg folgen, den auch sie beschritten haben, auch wenn er übersät ist mit Felsbrocken, Steinen, Kieseln, Schlamm, auch wenn sich auf ihm Berge und Abgründe befinden, oder noch schlimmer: Verfolgung, Einzelhaft, Mordanschläge und Todesurteile und noch andere tausenderlei Arten von Unterdrückung und Folter, wie man sie sich kaum vorstellen, ja noch nicht einmal träumen kann...
So ist also Bediüzzaman eine Persönlichkeit, die ein ganzes Leben lang - mehr als ein halbes Jahrhundert - in diesem heiligen Bemühen (Cihad) einen schwierigen Weg zähen Ringens beschritt, Hindernisse, die sich ihm in den Weg stellten mit Fallgeschwindigkeit überwand und damit bewies, dass er in der Tat ein Gelehrter war, der den Fußspuren der Propheten gefolgt ist.
Was mich an ihm am meisten begeistert hat, war neben seinen außergewöhnlichen wissenschaftlichen Fähigkeiten, seinem charakterlichen Wert und seiner hohen Bildung, vor allem sein Glaube, unerschütterlicher als die Berge, tiefer als die Meere, höher und weiter als die Himmel.
Oh mein Herr! Welch ein gewaltiger Glaube! Was für eine unendliche, nie versiegende Geduld! Was für ein eiserner Wille! All diesen Unterdrückungen, Warnungen, Peinigungen und Schikanen beugte er seinen Nacken nicht! Sie konnten ihn nicht mundtot machen. Stets behielt er den längeren Atem.
Inspiriert durch die Gedichte des großen Iqbal, schrieb ich einmal in meiner Begeisterung ein Gedicht, das ich "Mucahid" nannte. Manch einer von denen, welche die unten angeführten Zeilen gelesen haben, mag danach vielleicht gedacht haben, dies sei eine dichterische Übertreibung.
Wer aber dieses wunderbare Werk gelesen hat, zu dem das Vorwort zu schreiben ich die Ehre habe, der kann nur von jener überströmenden Begeisterung erfüllt werden, welche begreift, was für einen Diener sich Allah erwählt hat. Welch ein Glaube, wenn er zur Vollkommenheit gelangt! Und was für Wunder vermag er zu vollbringen!...
und dieser Mensch dann vom letzten Geheimnis des Glaubens berührt wird,
kann auch der schrecklichste Tod ihn nicht in Ketten halten...
wie einen Lavastrom kann nichts ihn mehr binden...
Von meinem Herren herab gibt Kraft seinem Entschluss seine Eingebung...
Den Propheten im Traum sieht er vielleicht jeden Abend...
Ganz Licht, von seinem Glauben voll in seinem Herzen der Mihrab (Gebetsnische, Ehrenplatz)
Eine Leuchte seinem Horizont vermag in dieser Welt der Mond nicht zu sein...
Der Schnee der Winter spricht ihn nicht an, erschreckt ihn nicht, bekümmert ihn nicht, schmerzt ihn nicht...
Auch des Paradieses Welten sieht er im Diesseits.
Suchte man ihn auch zu vernichten, so kümmert er sich doch nicht um seinen Kummer und Leiden so groß wie Berge...
Und öffneten sich auch rings um ihn unzugänglich steile Abgründe,
Ginge der Mond unter, verlösche die Sonne, verdunkelte sich der Horizont,
fiele der Himmel ein und stürzte herunter, er wiche nicht ab von seinem Weg und kehrte nicht um!
Und die Fackel des Glaubens, die in seiner Seele brennt, löscht nicht aus...
Wie heilig ist doch der Glaube in seinem Herzen, wie ein Vulkan!
Und in seinem Gewissen ruft jeden Augenblick eine Stimme:
Vorwärts Reisender! Die Morgen dämmern herauf! Halte sich nicht auf!
Lass die Finsternisse blutige Tränen weinen mit deiner Fackeln Schein!
Klimme der Sterne Leiter empor zu hohen Welten!
Oh Du Hand, die du aus dem Paradiese gekommen bist, die Menschheit zu erretten!
Es ist, als seien diese Verse für Hasret-i Mucahid Bediüzzaman, einen Vollendeten im Glauben, geschrieben. Denn diese hohen Eigenschaften sind sämtlich seine Eigenschaften. Sehen Sie bitte, was Gott, der Gerechte in dieser ehrwürdigen Ayah über die Mucahidin verkündet, wenn er sagt:
{"Wer sich um Unsertwillen bemüht, dem zeigen Wir sicherlich unsere Wege, denn ohne Zweifel ist Allah mit den Muhsinin, das sind die Mucahidin, welche das Gebet so verrichten, als ob sie Allah sähen."}
Das heißt also, dass der große Allah den Mucahidin, die um des Glaubens und um des Qur'an willen dem Leben und der Welt entsagt haben, die Bahn zu Wahrheit und Rechtleitung darzulegen verspricht. Und als ob Gott, der Gerechte, Sein Versprechen nicht hielte... Keineswegs! Und dabei genügt es bereits, wenn die Bedingungen erfüllt sind, welche dieses gewaltige göttliche Versprechen zur Voraussetzung hat.
Diese ehrwürdige Ayah ist uns ein leuchtender Wegweiser, um Charakter und Persönlichkeit des Meisters kennenzulernen. Und in diesem kristallklaren Lichte können wir nun die feinsten Striche und die kleinsten Punkte sehen und wahrnehmen. Denn wenn nun einmal ein Mensch die Gnade empfangen hat, sich in Gottes, des Gerechten Schutz und Beistand zu befinden, gibt es für ihn keine Furcht, keinen Kummer, keine Traurigkeit, keine Erschrockenheit und keinen Überdruss mehr.
Was für Wolken vermögen den Himmel eines Herzens zu verhüllen, der vom Lichte Allahs erleuchtet ist? Was für vergängliche Hoffnungen und Wünsche, was für armselige Interessen und Neigungen, was für erbärmliche Launen und Absichten vermögen den Geist eines Dieners zu befriedigen, beruhigen, trösten, der Glückseligkeit erlangt hat und beständig in der göttlichen Gegenwart weilt.
In Seinem Gedenken wird ganz Licht sein Gefühl, sein Empfinden!
Er erhebt sich zu den Stufen der Erkenntnis in jedem Augenblick.
Völlig neue Horizonte eröffnet seinem Geiste der Qur'an...
Der Qur'an erinnert ihn an die "Bezm-i Elest".
{Die Versammlung der Seelen und der Geister, die Allah befragte: "Bin ich nicht euer Herr?", nachdem Er sie erschaffen hatte. (A.d.Ü.)}
So ist also Bediüzzaman eine solche gesegnete Persönlichkeit, an der Gnadengaben offenbar wurden, die Wunder über Wunder sind. Und deswegen sind Gefängnisse für ihn zu Rosengärten geworden. Von dort blickt er hinüber nach den leuchtenden Horizonten der Ewigkeiten. Richtstätten wurden ihm Stätten der Verkündigung und Rechtleitung. Von dort aus erteilt er der Menschheit um eines erhabenen Zieles willen Unterricht in Ausdauer und Geduld, Unerschrockenheit und Standhaftigkeit. Gefängnisse verwandelten sich für ihn in eine Schule des ägyptischen Josef. Er betrat sie, wie ein Professor eine Universität zur Vorlesung betritt. Denn die sich dort befanden, wurden seine Schüler, die seines Segens und seiner Rechtleitung bedürftig waren. Jeden Tag einige Landsleute durch den Glauben zu retten und Verbrecher in den Zustand von Menschen gleich Engeln zu versetzen, war für ihn eine Glückseligkeit, gegen die er Welten nicht eintauschte.
Ein solcher Mensch, begabt mit dem hohen Bewusstsein des Glaubens und der Aufrichtigkeit, befindet sich in einem Zustand, da er ohne Zweifel den Goldflitter der Ideale der Zeit und des Raumes, welche die Sterblichen prägen, der finsteren Welt der Materie überlässt, und wo seine Seele sich zu den lichtüberströmten Horizonten des Geistes erhebt.
Siehe, diese hohe Stufe, welche die großen Mystiker (Sufis) als Fena-fi'llah und Baqa-bi'llah (aufgelöst und beständig in Gott vereinigt zu werden) schildern und beschreiben, ist diese heiligen Ehre teilhaftig zu werden. Ja, jeder Gläubige wird sich der Gegenwart Gottes auf seine eigene Weise bewusst und versenkt sich darin, kennt seinen persönlichen Ausdruck von Demut, Verzicht und völligem Sich-Überlassen, entäußert sich in der ihm eigenen Art, schreitet voran. Und jeder kann entsprechend seinem Glauben, seiner Erkenntnis, dem Guten, das er tut, seiner Gottesfurcht und seinem Voranschreiten im
geistigen Leben an der Freude Gottes und Seinem Wohlgefallen seinen Anteil erwerben. Jedoch dauert dieser Zustand der Schönheit und Güte, dieses Wohlbefinden in Gemeinsamkeit, diese Freude ohne Beispiel bei diesen großen Mucahidin, welche die Güte oben angeführter Ayah erlangt haben, jeder Zeit fort. Und aus diesem Grunde also verfallen sie nicht der Ghafla, {Gleichgültigkeit gegenüber dem Jenseits bei gleichzeitig gesteigertem Kampf ums Dasein. (A.d.Ü.)} den Herrn zu vergessen. Sie kämpfen ein Leben lang wie die Löwen gegen ihre Selbstsucht. Und jeder Augenblick ihres Lebens gemahnt daran, in welch hohem Grade sie sich ständig weiter entwickeln und vervollkommnen. Und mit ihrem ganzen Sein finden sie sich mit dem Herrn der Welten vereinigt in Seinem Wohlgefallen - Er, der mit den Attributen "Schönheit, Vollkommenheit und Majestät (Cemal, Kemal, Celal)" bezeichnet wird. Möge der Herr auch uns dieser Schar der Glückseligen hinzufügen! Amin.
Auf den vorangehenden Seiten haben wir über den gewaltigen Glauben des großen Meisters gesprochen, der seine Freunde gleichermaßen in Freude und Erstaunen versetzte wie auch seine Feinde in Schrecken. Nun wollen wir noch ein wenig über die hohen Vorzüge, den Charakter und die Vollendung sprechen, welche diese Persönlichkeit gleich einem Lichthof umhüllt. Es ist ja bekannt, dass jene Persönlichkeit des Meisters durch folgende besondere Eigenschaften gekennzeichnet ist:
Entsagung:
Die wichtigste unter den Voraussetzungen für den Erfolg eines Mannes, der eine Lehre verkünden oder gar eine Reform durchführen will, ist die Entsagung. Denn Augen und Herzen haben die Neigung diesen wichtigen Punkt besonders genau zu untersuchen und zu prüfen. Das Leben des Meisters aber ist von allem Anfang an von wunderbaren Beispielen der Entsagung randvoll gefüllt.
Von dem verstorbenen Allame Scheichu-l'Islam Mustafa Sabri Efendi hörte ich einmal folgenden Ausspruch
über die Entsagung: "Der Islam erfordert heute solche Mucahidin, die nicht nur bereit sind, das Diesseits, sondern auch das Jenseits zu opfern." (d.h. nicht die Genüsse im Diesseits oder im Jenseits in den Mittelpunkt ihres Interesses zu stellen. - A. d. Ü.).
Dieses große Wort, das dieser große Mann geäußert hatte, habe ich zunächst nicht völlig verstanden. Es glich mir den geheimnisvollen Aussprüchen der Sufis in ihren ekstatischen Zuständen. Und darum habe ich es auch nicht überall und jedermann zur Diskussion gestellt.
Als ich jedoch eines Tages das gleiche Wort in einer jener hinreißenden, funkensprühenden Äußerungen von Bediüzzaman wieder las, da verstand ich, dass die Entsagung für die Großen ein Maßstab ist, der mit ihnen wächst... Ja, lässt denn Allah, die Majestät Gottes (Celal), der Erbarmer, der Barmherzige, der Freigiebige, der Erhabene, der Heilige, Seine Mucahidin, die um des Islam willen auf so vieles eine so schmerzliche Entsagung geleistet haben, etwa im Stich? Ja, gereichte es Ihm denn zur Ehre, Seine zu jedem Opfer bereiten Diener und Anbeter der Freigebigkeit, Gnade und Barmherzigkeit beraubt zu lassen? Niemals!
So ist also Bediüzzaman das glänzende Beispiel einer so außergewöhnlichen Erscheinung. Sein ganzes Leben lang ist er ledig und allein geblieben. Erlaubte weltliche Genüsse blieben ihm ganz und gar versagt. Nie fand er Zeit und Gelegenheit dem Gedanken zu verfallen, ein Heim zu begründen und darin ein zufriedenes Familienleben zu führen. Doch ihn hat Gott der Gerechte mit solchen Dingen begnadet, dass sie viel zu groß und gewaltig sind, als dass eine vergängliche Feder sie beschreiben könnte.
Welches Familienoberhaupt ist heute - im übertragenen Sinne - so glücklich wie der ehrwürdige Bediüzzaman? Und wer ist Vater über Millionen von Kindern? Und noch dazu was für Kinder?!... Und welcher Meister konnte so viele Schüler heranbilden?...
Diese heilige, geistige Verbindung wird sich - mit der Erlaubnis Allahs des Erhabenen - so lange die Welten bestehen mit der Kraft eines Gießbaches fortsetzen. Denn dieser Ruf Gottes, der sich aus dem Lichtmeer des Qur'an herauskristallisiert hat, ist ein Phänomen, das aus dem Qur'an geboren wurde und mit dem Qur'an zusammen weiterleben wird.
Liebe und Barmherzigkeit:
Der große Meister hatte Wahrheit und Wirklichkeit schon in seiner Kindheit gefunden. Ja sogar schon in den Tagen, da er sich in die Höhlen zurückgezogen hatte, um dem Ruf seines Herzens und dem Flehen seines Geistes zu lauschen, war er ein Gotteskenner geworden, der die Freude des Segens (feys) und der Gegenwart Gottes in Gebet und Gehorsam, in Kontemplation (tefekkur) und Meditation (muraqabe) genossen hatte.
In jenen gefährlichen Tagen, da der furchtbare Alptraum der Gottlosigkeit und des Unglaubens die Welt der Muslime und infolge dessen auch unser Land mit nachtgleichen Wogen zu überziehen begann, sprang er wie ein Löwe, der von seinem Lager hochschnellt, dem tosenden Donnern eines berstenden Vulkanes gleich zum Kampf in die Arena. Und siehe: Auf Weisheit gestützt wurde seit diesem Tage ein jedes Wort von ihm einem Lavabrocken und jeder Gedanke einer Feuerzunge gleich. In wessen Herz sie fielen, entzündeten sie es, entflammten die Gefühle und Gedanken...
Nachdem der große Meister sein Leben in der Einsamkeit und Zurückgezogenheit beendet hatte, warf er sich wieder ins soziale Leben, um die Menschen auf den rechten Weg zu leiten, welcher bedeutende geschichtliche Abschnitt in seinem Leben dem gleicht, das auch Imam Ghasali geführt hatte.
Damit möchte ich sagen, dass Gott der Gerechte, Seine Lehrer (Murschid) für eine Zeit lang in die Einsamkeit führt, erzieht, läutert und reinigt, bevor Er sie mit der Aufgabe betraut, die Menschen zu erleuchten und auf dem rechten Wege zu leiten. Und aus diesem Grunde überträgt
sich der Atem, der ihrer Brust entströmt, reiner und klarer als ein Wassertropfen auf die Herzen, wo er dann völlig neue Wirkungen hervorruft...
Wie ich bereits dargelegt habe, erreichte Bediüzzaman in unserem Jahrhundert auf dem Gebiet von Glaube und Aufrichtigkeit das, was Imam Ghasali vor neunhundert Jahren im Felde des Charakters und der Tugend geschaffen hatte.
Ja, was Hasret-i Ustadh auf diesen fürchterlichen Kampfplatz trieb, war ganz beispiellose Liebe und Erbarmen. Darüber erfahren wir von ihm persönlich:
"Wenn mich jemand fragt: Warum hast du diesen oder jenen belästigt?, so muss ich sagen: Ich habe es nicht bemerkt. Vor mir wütet eine fürchterliche Feuersbrunst... ihre Flammen lodern zum Himmel empor... darin brennt mein Kind... mein Glaube hat Feuer gefangen. Ich laufe, um diesen Brand zu löschen und meinen Glauben zu retten. Vielleicht wollte jemand mir unterwegs ein Bein stellen und ich bin über ihn gestolpert. Was hat das für eine Bedeutung? Hat dieser kleine Zwischenfall vor dieser fürchterlichen Feuersbrunst überhaupt eine Bedeutung? Kleinliches Denken, beschränkte Anschauungen..."
Bedürfnislosigkeit:
Der Meister hat Zeit seines Lebens allen Schichten der Gesellschaft Tausende von Beispielen seiner Bedürfnislosigkeit gegeben. Sie sind wie ein Heldenepos in aller Munde. Er vermochte sich in seiner Bedürfnislosigkeit so völlig auf Gott zu beschränken, dass er sich in seinem gesamten leib-seelischen Da-sein auf die unausschöpfbare und unauslotbare Schatzkammer des Herrn der Welten stützte. Und im Verlaufe seines Lebens geschah dies nicht zur Vorsicht; vielmehr hatte er es wie ein Bekenntnis, einen Charakterzug, eine Berufung angenommen. Und seine Beharrlichkeit darin setzt er noch immer fort, koste es, was es wolle.
Und was da neuartige an der Sache ist: Diese Berufung blieb nicht auf seine Person beschränkt. Sie übertrug
sich auf seine Schüler wie ein heiliges Ideal. Es ist unmöglich, sich nicht für die Bedürfnislosigkeit eines «Nur (Licht)» -Schülers zu begeistern, der im Meere des Lichtes (Nur) zu baden die Ehre gehabt hat...
Sehen Sie nun, mit welch edlen Beweggründen der Meister in dem umfassenden Lehrbrief seines «Mektubat (Briefe)» genannten wunderbaren Werkes diesen wichtigen Punkt unter sechs Aspekten hinsichtlich Glaube und Erkenntnis erklärt hat:
Erstens:
Diejenigen, welche sich im Irrtum befinden, beschuldigen die Wissenschaftler, sie würden ihre Wissenschaft um des Honorars willen betreiben... und sie greifen diese zu Unrecht an, indem sie behaupten, dass diese Wissenschaft und Glaube zu einer Einnahmequelle für ihren Lebensunterhalt umfunktioniert hätten. Deshalb ist es notwendig, diese durch Taten zu widerlegen.
Zweitens:
Wir sind verpflichtet, für die Verbreitung der Wahrheit den Propheten zu folgen. Im Qur'an haben diejenigen, welche die Wahrheit verbreiteten,
{"Wir erwarten von niemandem Lohn, außer von Allah."}
gesagt und so vor den Menschen ihre Bedürfnislosigkeit erwiesen...
So ist also der göttliche Sieg des Gesamtwerkes der Risale-i Nur stets ein Beispiel eines königlichen Werkes und das wundervolle Ergebnis einer heldenhaften Beständigkeit in der Berufung der Propheten. Und auf diese Weise hat der Meister seine Würde als Wissenschaftler gleich einem Diamanten gehütet; er hätte sie um nichts in der Welt verkauft.
Und wie kann schließlich ein Mensch nicht zum Eroberer der Herzen werden, der an Honoraren, Ämtern, Gütern und zahllosen anderen persönlichen und materiellen Vorteilen, deren ein-jeder ein Gefangener ist, kein
Interesse hat? Und wie können gläubige Herzen nicht von seinem Segen und Licht erfüllt werden?
Zurückhaltung:
Zurückhaltung ist nicht Anderes als eine ganz praktische Interpretation und Darlegung dessen, was wir schon zuvor als "Bedürfnislosigkeit" besprochen hatten. Will man also in das Schloss der Zurückhaltung hineingehen, muss man erst einmal durch die Türe der Bedürfnislosigkeit eintreten. Aus diesem Grunde entsprechen Zurückhaltung und Bedürfnislosigkeit einander wie Bedarf und Bedürfnis.
Einem Mucahid wie dem Ustadh, der sich die Bedürfnislosigkeit des Propheten zum Beispiel genommen hatte, wurde Zurückhaltung so sehr zur zweiten Natur, dass ihm schließlich eine Tasse Suppe, ein Glas Wasser und ein Stück Brot am Tag genügten. Denn dieser große Mann lebte, wie der große und gerecht denkende französische Dichter Lamartin einmal gesagt hat: "Wir leben nicht, um zu essen, sondern wir essen, um zu leben."
Nachdem ich den Charakter und die Berufung des Meisters ganz verstanden habe, meine ich, es wäre des Guten zu viel getan, wollte man zur Betrachtung seiner weitgehenden Zurückhaltung lediglich einen Vergleich mit so einfachen Dingen wie Essen und Trinken heranziehen. Denn es ist notwendig, die weitgehende Zurückhaltung dieses großen Menschen auf geistige Bereiche anzuwenden und sie mit immateriellen Maßstäben zu messen.
Zum Beispiel: Der Meister ist ein Genie, das die Fähigkeit, sich zurückzuhalten, nicht nur bei so einfachen dingen wie Essen, Trinken, Kleidung anzuwenden vermag, sondern auch für dergleichen innerliche und abstrakte Werte wie Denken, Geisteskraft, Begabung, Lernfähigkeit, Zeit und Gelegenheit, Selbstbehauptung und Mitteilung. Daran hat er sich ein Leben lang gehalten. Und die sorgfältige Befolgung und Beobachtung dieser Praxis hat er auch allen seinen Schülern ans Herz gelegt. Deshalb ist es auch keine leichte Sache, für einen "Nur"-Schüler eine Lektüre auszuwählen oder das rechte Wort an ihn
zu richten. Denn des Meisters Wort "Achtung!" - eingeschrieben im Brennpunkt des Herzens seines Schülers - erwies sich ihm als ein äußerst empfindliches Kontrollinstrument.
So also hat Bediüzzaman eine vollkommen lautere Generation von Schülern herangebildet und sich so in der Tat als ein kraftvoller Reformator und ein wahres Wunder an pädagogischem Können erwiesen. Und als Meister der Beherrschung stellt er in der Schöpfung eine solche Ausnahme dar, dass sein Name im Buche der Geschichte auf einer neuen pergamentenen Seite mit leuchtenden Buchstaben eingetragen steht.
Schlichtheit und Bescheidenheit:
Diese beiden Eigenschaften haben ganz besonders zu der so wunderbaren Verbreitung seiner "Nur"-Werke in der Welt beigetragen und darin ihre tiefen Spuren hinterlassen.
Der Meister trat während seiner Vorträge und in seinen Schriften niemals wie ein «Qutbu-l'Arifin» (Mittelpunkt der Gelehrten) oder «Ghauthu-l'Wasilin» (Oberster Kenner der Wahrheit) auf. Darum schlugen sehr rasch die Herzen ihm zu; er wurde geliebt mit einer reinen und aufrichtigen Innigkeit und seine erhabene Zielsetzung wurde sofort angenommen.
Zum Beispiel: Oft, wenn er über Weisheit, Ethik und Moral sprach, Beispiele gab und Schlussfolgerungen zog, hielt er an sich selbst eine Rede oder auch einen Einführungsvortrag, um Grundsätze klarzustellen. Erster und einzig angesprochener seiner scharfen und feurigen Ansprachen war sein eigenes Ich. Von da aus wie von einem Mittelpunkt auf die ganze Umgebung richten sie sich an alle Herzen, die sich nach Licht und Freude, Glück und Frieden sehnen.
Der Meister war in seinem eigenen Leben ruhig und ausgeglichen und im höchsten Grade bescheiden. Er war bis zum letzten bereit auf alles zu verzichten und konnte keinem Menschen, ja nicht einmal einer Fliege etwas zu Leide tun. Er nahm zahllose Mühen und Anstrengungen,
Sorgen und Entbehrungen auf sich... allerdings unter der Voraussetzung, dass der Glaube und der Qur'an nicht angetastet werden.
Dann aber schauen Sie, wie dieses stille Meer zur Sintflut wurde, deren Wogen sich zum Himmel auftürmten, wie ein zorn-grollender Ozean die beschauliche ruhe der Strände zerstört. Denn er war ein treuer Diener des erhabenen Qur'an und ein Soldat, der an den Grenzen des Glaubens Wache stand, bereit zu kämpfen und zu verzichten. Er selbst drückt diese Wahrheit kurz und treffend mit folgendem Satz aus: "Ein Wachsoldat auf Posten wird seine Waffe auch dann nicht aus der Hand legen, wenn der Oberste Befehlshaber vorbeikommt. Auch ich bin ein Diener und ein Soldat des Qur'an. In der Erfüllung meiner Pflichten sage ich die Wahrheit und beuge mich nicht, mag kommen wer mag..."
Die nachstehenden Verse beschreiben sein Befinden in der Erfüllung der Pflicht und auf dem Schlachtfeld:
Den heimtückischen Feinden - bewahre mich Gott - werde ich mein "Sein" nicht verkaufen;
weit entfernt zu sein von meinem "Sein"
{Benlik: Ich-sein, So-sein, Identität. (A.d.Ü.)}
so in Schande zu fallen, was für eine erbärmliche Qual!
Nach ewiger Vereinigung mich sehnend verbringe ich jeden Augenblick...
Von der Macht Gottes erbaut ist eine Festung mein Glaube,
aus dieser heiligen Hoffnung welch eine Freude!
Sehen möchten mich im Paradiese die Zeugen, meine Väter...
Ewig mein Geist - Ewig mein Leben,
Zur Großen Vereinigung, zu Allah öffnet sich des Todes Tor.
Bevor wir nun mit dieser Lektüre der Biographie des Meisters beginnen, zunächst noch einige kritische Anmerkungen in wissenschaftlicher, mystischer und dichterischer Hinsicht, sowie in Bezug auf seine persönliche Lehrmeinung. Aber nachdem ich die Erfahrung gemacht hatte, dass sich die oben angeführten Aspekte wegen ihrer Tiefe und ihres Umfanges ganz bestimmt nicht auf wenigen Seiten abhandeln lassen, hielt ich es schließlich für besser, sie in einigen wenigen Sätzen lediglich kurz anzudeuten.
Insoweit mir mein Herr die Möglichkeiten dazu gewährt, möchte ich von ganzem Herzen diese tiefgreifenden Aspekte in Einheit mit dem Gesamtwerk der Risale-i Nur und der "Nur"-Schülerschaft in einem eigenen großen Werk kritisch untersuchen und studieren. Dazu erbitte ich die geschätzte Hilfe des Gebetes unseres großen Meisters und meiner lieben Brüder!
Der Meister in wissenschaftlicher Sicht:
Mit diesen Worten bringt der verstorbene Ziya (sprich: sija) Pascha eine tiefe Wahrheit zum Ausdruck, die von einer Generation auf die andere als ein Grundsatz weitergegeben wird.
Ja, unserem muslimischen Volk, dem der Meister eine gewaltige Bibliothek des Glaubens und der Erkenntnis wie das Risale-i Nur Gesamtwerk geschenkt und in dessen Herzen er eine heilige Stätte des "Lichtes (Nur)" erbaute, die wissenschaftliche Größe dieser außergewöhnlichen Führerpersönlichkeit vor Augen führen zu wollen, wäre eine ebenso unnötige Arbeit, als wolle man am hellen Mittag einen Nachweis der Sonne führen.
Diesen Ausspruch prägt einer unserer Dichter in seiner überschwänglichen Begeisterung. Dergleichen Manifestationen des Göttlichen wurden dieser gesegneten Persönlichkeit nahezu in jedem Augenblick ihres Lebens zuteil. Von seinem Wissen und seiner Erkenntnis, von seiner Ethik und seiner Vollkommenheit zu sprechen, gibt dem Menschen eine ganz andere Empfindung und eine göttliche Freude. Es fällt mir darum schwer, mich kurz zu fassen.
Der Meister hat in den Risale-i Nur Werken die wichtigsten religiösen, sozialen, ethischen, literarischen, juristischen, philosophischen und mystischen Themen angeschnitten. Und sie alle hat er auch in wunderbarer Weise erfolgreich behandelt. Ganz besonders erstaunlich daran aber ist, dass er schwierigste Themen, über denen viele Wissenschaftler auf Abwege geraten waren, auf verständliche Art und zuverlässige Weise erklärte, sich dem erleuchteten Wege der «Ahl-i Sunna wa-l'Cema'a» {Leute des Brauchtums und der Gemeinschaft (Suniten) (A.d.Ü.)} (die Anhänger des traditionellen gemeinsamen Weges) folgend an zahllosen abgrundtiefen Strudeln vorbei ans sichere Ufer brachte und so auch die Leser seiner Werke errettete.
Deshalb ist es uns eine Ehre, das Gesamtwerk der Risale-i Nur unserem verehrten Volke mit absoluter Zuverlässigkeit und Aufrichtigkeit anbieten zu können. Die "Nur"-Werke sind die klaren Tropfen aus dem "Licht (Nur)"-Meer des Ehrwürdigen Qur'an und kristallen-funkende Strahlenbündel, die aus der Sonne seiner Rechtleitung hervorbrechen. Deshalb fällt es jedem Muslim als heilige Pflicht zu, diese lichtvollen Werke, die den Glauben retten werden, zu verbreiten. Denn im Laufe der Geschichte ist es sehr oft vorgekommen, dass ein Werk gar manchen Menschen, Familien, Gemeinschaften, ja ganzen Scharen ein Anlass zu Glück und Rechtleitung wurde... Oh, wie glücklich der Mensch, der seinem Glaubensbruder ein Anlass zur Rettung im glauben wurde.
Der Meister hinsichtlich seiner persönlichen Lehrmeinung:
Es ist ja bekannt, dass ein jeder Denker sein eigenes Denksystem hat, ein Gedankengebäude, dementsprechend er sein Leben einrichtet, ein Ideal, an das er sein ganzes Herz hängt. Um von seinem Denksystem, seinem Gedankengebäude, seinen Zielvorstellungen und Idealen berichten zu können, bedarf es einer längeren Vorrede. Um aber über das Denksystem, das Gedankengebäude Bediüzzamans, seine Zielvorstellungen und Ideale zu berichten, braucht man sich nicht erst lange mit Vorreden aufzuhalten. Sie lassen sich in einem Satz zusammenfassen:
Die Verkündigung der "Göttlichkeit und Einheit des Schöpfers des Alls" ist der Inhalt aller Heiligen Schriften und die einhellige Lehre (da'wa) der Propheten und diese große Lehre (da'wa) beweist er auch mit den Beweismitteln der Wissenschaft, der Logik und der Philosophie.
- Hat also der Meister auch eine Beziehung zur Logik, zur Philosophie und den positiven Wissenschaften?
- Ja, solange Logik und Philosophie in Einklang stehen mit dem Qur'an und wirklich und wahrhaftig in seinem Dienst stehen, ist der Meister auch der größte Logiker und der mächtigste Philosoph. Die glänzendsten Beweise und zuverlässigsten Zeugnisse, die er zum Beweis seiner heiligen und weltumfassenden Lehre verwendet, entnimmt er den positiven Wissenschaften, die mit jedem Tag mehr beweisen und verkündigen, dass der Ehrwürdige Qur'an "Allahs Wort" ist.
Insoweit Philosophie Weisheit bedeutet, ist jedes Werk, das sich darum bemüht, die Notwendigkeit der Existenz (Vacibu-l'Vucud) des Erhabenen und Heiligen Herrn (Hasretleri) anhand Seiner Attribute zu beweisen, die Seiner Schöpferpersönlichkeit entsprechen müssen, die größte Weisheit und der Verfasser dieses Werkes der größte Weise.
Weil also der Meister einen solchen wissenschaftlichen Weg, nämlich den lichtvollen Weg des Ehrwürdigen
Qur'an, beschritten hatte, gelangte er zu der Ehre, den Glauben Tausender von Studenten zu retten. Hasret {Hasret: Ehrenvolle Anrede für Respektspersonen. (A.d.Ü.)} besaß hinsichtlich dessen noch sehr viele Wissenschaftliche, literarische und philosophische Vorzüge. Diese aber möchte ich inscha-a'llah in einer eigenen Arbeit gesondert darstellen und mit Beispielen aus seinen Werken belegen. Und den Erfolg verleiht Allah.
Der Meister in mystischer Hinsicht:
Ich fragte einmal einen Scheich des Naqschibandi-Ordens, der stets darum bemüht war, sein ganzes Verhalten mit dem des Peygamber-i Dhischan Efendimis Hasretleri (der ehrwürdige Herr Prophet, dem die Ehre gebührt) in Übereinstimmung zu bringen, und der ein großer Gelehrter war.
- "Efendi Hasretleri, worin ist die Ursache für das gespannte Verhältnis zwischen den Gelehrten und den Mystikern (Sufis) zu suchen?"
- "Die Gelehrten wurden die Erben und Nachfolger des Ressul-ü Ekrem Efendimis (Unser großmütiger Herr, der Prophet) und die Mystiker die Erben und Nachahmer seiner Taten. Aus diesem Grunde wird einer, der unserem Herrn, dem Stolz der Welt, sowohl hinsichtlich seiner Wissenschaft ein Nachfolger, als auch ein Nachahmer seiner Taten ist, Dhulcenaheyn (der mit den beiden Flügeln) genannt. Infolgedessen liegt also die Aufgabe eines Tariqat nicht darin, das zu tun, was allgemein erlaubt ist, sondern darin, sich darüber hinaus zu bemühen, der Ethik des Propheten zu entsprechen, sich von allen innerlichen Krankheiten zu reinigen und mit dem Wohlgefallen Gottes, des Gerechten in Einklang zu gelangen (fena-fi'llah). So sind also diejenigen, die zu dieser hohen Stufe gelangt sind, ohne Zweifel im Besitze der Wahrheit. Denn sie haben das Ziel erreicht, das sie im Orden erwartet und erstrebt haben. Weil es aber nicht für jedermann leicht ist, diese hohe Stufe zu erreichen, haben unsere Großen bestimmte Prinzipien aufgestellt, um die Erreichung dieses Zieles zu ermöglichen. Kurzum: ein
Orden ist ein Kreis innerhalb des Kreises der Scheriah. Wer aus dem Orden herausfällt, der fällt in die Scheriah. Wer aber aus der Scheriah herausfällt - und da sei Gott vor! - der verbleibt für ewig in seiner Niederlage."
Der Erklärung dieser großen Persönlichkeit entsprechend gibt es keinen substantiellen Unterschied zwischen dem Weg, den der Bediüzzaman eröffnet hat und dem reinen und wahren Tassauvuf (Mystik). Beides sind Wege, die (den Menschen) nach des Schöpfers und Gestalters (Bari') Wohlgefallen umformen und ihn so zu den Höhen des Paradieses und zur Anschauung Gottes (Maula; Herr) führen.
Infolgedessen gibt es für einen Sufi-Bruder, der sich dieses erhabene Ziel gesteckt hat, keinen Grund, der daran hindern könnte, das Risale-i Nur Gesamtwerk mit Freuden zu lesen; im Gegenteil: Die Risale-i Nur erweitert ihm den mystischen Meditationskreis im Sinne des Ehrwürdigen Qur'an und gibt ihm noch eine zusätzliche Kontemplationsaufgabe gleichsam als einen besonders wichtigen Rezitationsstoff hinzu.
Ja, weil das Denken dem Herz und Sinn des Menschen völlig neue Horizonte eröffnet, sieht und schaut, beobachtet und betrachtet der "Ssalik", {Ssalik: Ein Ordensschüler, einer, der den Fuß auf den Weg gesetzt hat. (A.d.Ü.)} dessen Herz allein mit der Meditation beschäftigt ist, nun in der Einheit mit seinem Herzen und allen seinen Sinnen den Kosmos in all seiner Größe und gewaltigen Majestät vom Atom bis zum Planeten, nimmt in vollkommener Ekstase die Schönen Namen und erhabenen Eigenschaften war, mit denen sich Gott der Gerechte, in tausend und noch einer Weise der Welt offenbart und fühlt sich letzten Endes in einem Gotteshaus ohne Grenzen und im Grade der Sicherheit der Wahrnehmung, des Verstandes und der Wirklichkeit ('ayna-l'yaqin, 'ilme-l'yaqin, haqqa-l'yaqin). Denn der in dieses "Gotteshaus" eintretende betritt ein so großes Gotteshaus, dass darin eine Gemeinschaft von
abermilliarden Menschen in Liebe und Begeisterung, Demut, Ehrfurcht und Versenkung ihres Schöpfers gedenkt. Sie alle singen im Chor voll Begeisterung, in reinstem Wohllaut und in schönster Harmonie ihr Lied und rufen:
{"Gepriesen sei Gott! Lobpreis und Dank sei Gott! Es gibt keine Gottheit außer Gott! Gott ist groß!"}
Wer dem Wege folgt, den der Glaube, die Erkenntnis und der Qur'an in der Risale-i Nur eröffnet, der betritt ein solches gewaltiges und majestätisches Gotteshaus. Und jeder empfängt darin entsprechend seinem Glauben, seiner Erkenntnis und seiner dienenden Hingabe auch den Segen, die Gnade und den Erfolg (von Gott).
Der Meister in literarischer Hinsicht:
Von jeher wurden die Literaten und Dichter, die Denker und Gelehrten hinsichtlich Geist und Buchstabe, Stil und Inhalt in zwei Gruppen eingeteilt. Manche unter ihnen haben nur auf Stil und Ausdruck, Metrik und Reim Wert gelegt und den Inhalt dem Ausdruck geopfert. Dies scheint sich sehr häufig in der Dichtkunst gezeigt zu haben.
Die andere Gruppe legte sehr viel Wert auf die Bedeutung und den Inhalt und opferte nicht den Kern dem Wort.
Am Schluss denke ich, dass ein großer Denker unter den Literaten, wie Bediüzzaman dieses kleine Vorwort leicht verstehen wird. Denn der Meister war ein Genie und sein Leben ein Segen; und sein Wert lag nicht darin, Wörter für die Ohren aufzustellen und einzuordnen, sondern im Gegenteil: eine Empfindung des Bekenntnisses, ein Bewusstsein des Glaubens und einen Sinn für Ethik und Moral für alle Zeiten und Generationen als Grundsatz einzuprägen, der mit den Menschen in den Herzen, dem Gemüt, dem Geist und dem Denken als ein heiliges Ideal fortleben wird. Und letztendlich kann sich ein Mucahid, der Welt und Leben entsagt hat um eines so hohen Zieles
willen, ganz natürlicher Weise nicht mit eitlen Dingen beschäftigen. Und dabei hatte der Meister, wenn man seinen Sinn für Schönheit betrachtet, seine Herzensbildung, seine Gedankentiefe und die Kühnheit seiner Träume noch dazu eine ans wunderbare grenzende dichterische Kraft und Fähigkeit. Aus diesem Grund ändern sich Ausdrucks- und Darstellungsweise entsprechend dem Inhalt. Will er z. B. den Verstand ansprechen, bei der Abhandlung von philosophischen oder naturwissenschaftlichen Themen überzeugen, logisch und mathematisch einen Beweis antreten, dann verwendet er kurze klare Sätze. Und auch in den herzerhebenden Augenblicken der Trunkenheit des Geistes erreicht er jene unbeschreibliche Klarheit reinsten Wassers. Wenn er z. B. die Himmel, die Sonnen, die Sterne, den Mondschein, ja sogar die Welten im Frühling und die in ihnen aufstrahlende Macht und Größe des Allweisen Herrn dieser Welten beschreibt, dann geht die Art seines Stils so sehr ins Subtile, dass schließlich ein jedes seiner Gleichnisse an einen geschmackvoll kolorierten Rahmen um eine Tafel erinnert, welche das Weltall ist... jede Beschreibung lässt eine Welt von Wundern über Wundern lebendig werden.
Dieser Weisheit zur Folge wird ein "Nur"-Schüler, auch wenn er irgendeine Fakultät an einer Universität besucht - in seinen Gefühlen, seinen Gedanken, seinem Geist, seinem Verantwortungsbewusstsein, seiner Vorstellungswelt zufrieden gestellt.
Und wie könnte er auch nicht zufrieden gestellt sein, wo doch das gesamte Risale-i Nur Werk ein Strauß von Rosen ist, gepflückt in dem Garten der Welt des edlen Qur'an. Und deshalb findet sich auch in ihm dieses gesegneten göttlichen Gartens Licht, Luft, Duft und Strahlen...
Buchgebet
{"Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Allerbarmers." "Oh Gott! Oh Barmherziger! Oh Allerbarmer! Oh Einzigartiger! Oh Lebendiger! Oh Unwandelbarer! Oh Gerechter! Oh Heiliger!"}
Um Deines Gewaltigen Namens willen und um der Ehre des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, und um der Würde Deines ehrenwerten Gesandten willen, mit dem Friede und Segen sei, geleite diejenigen, welche dieses Buch gedruckt haben, ihre gesegneten Helfer und die Schüler der Risale-i Nur zur Ewigen Glückseligkeit in den Gärten des Paradieses. Amin. Verleihe ihnen immerwährenden Erfolg im Dienste am Glauben und am Qur'an. Amin. Und schreibe ihnen für jeden Buchstaben dieses Buches tausendmal Gutes in das Buch ihrer Guten Taten. Amin. Und gewähre ihnen Ausdauer, Stetigkeit und Aufrichtigkeit in der Verbreitung der "Licht"-Abhandlungen. Amin.
Oh Barmherziger Allerbarmer!... Schenke allen Schülern der Risale-i Nur Glück und Zufriedenheit in beiden Welten. Amin. Beschütze sie vor der Bosheit des Teufels in Dschinnen- und Menschengestalt. Amin. Und verzeihe diesem schwachen und hilflosen Said seine Fehler. Amin...